Indiana Tribüne, Volume 22, Number 137, Indianapolis, Marion County, 5 February 1899 — Page 6
Die MyiNstin. Von I. Berger. Im Hause des Rathes B. in der 'Newsky-Prospekt-Straße zu PeterS'bürg ging es hoch her. Und warum sollte es auch nicht? Der biedere Alte, ein angesehener kaiserlicher Beamter mit Orden d?s Zn- und Auslandes, feierte sein 40jähriges Dienstjubiläum ... er ist, pardon, er war 57 Jabre alt. Mit 30 Jahren seines gleichgcwoh?:ten Büreaulebens hatte er die Tochter eines damaligen, bedeutend älterm Kollegen geheirathet, ein einfaches, mit Mutterwitz begabtes, schönes Mädchen. Die Ehe war glücklich gewesen ... -nur kein Kind. Und wo, und wie. und warum ist solch ein Eheglück vollkommen? Nach zehn Jahren kam Annuscha, jbte Herzige, die Einzige! . Das Kind wurde mit der allergrößten Liebe umgeben, gehütet, gepflegt, daß ihm ja nichts widerfahre. Es kam die Schulzeit heran. Anuuscha war stets die Erste in der Klasse, die Freude der Lehrer, der Stolz der Eltern, eine Bewunderung für die Vorgesetzten der Schulbehörde. , Tochter studiren lassen," ' sagte eines Tages der Töchterschuldirektor. Wollen wir auch, ist ja für jeden 'Menschen gut, wenn er etwas gelernt hat." Das war seine Antwort. Annuscha studirte. Es läßt ja wohl kein dem besseren 'Stande angehörender Vater sein Kind, vor allem, wenn es ein Mädchen ist, in das Leben hinaus, ohne :ihm goldene Worte mit auf den Weg ..gegeben zu haben. In Rußland ist es doppelt und dreifach nöthig. Die Moral ist lax; der Mann im ten" hat keine" Moral und das Weib seines Standes fühlt sich wohl in seijitx Anschauung. Der Mann oben" hat ebenfalls .keine Moral", und seine schöne Pa:i .uerin fühlt sich auch wohl. Der Rubel ist die Seele vomGanzen. 'Wer ihn nicht hat, bekommt ihn auch .nicht, das sind die da unten"; sie amüsiren sich dennoch ohne Rubel. Und '.wer ihn hat, nun der hat ihn eben nur izum Vergnügen .... das Gesetz ebnet ihm jeden Weg. Annuscha", sagte eines Tages Papa V., Du gehst zur Universität. .'Ich freue mich, Dich so weit zu sehen. '.Du bist unser einziges, unser herziges, -unser hoffnungsvolles Töchterchen. '.Mache uns Freude, mache Dein Glück. Mehr, mein geliebtes Kind, will ich in diesem Leben nicht von Dir. Eins inur noch, sei brav, wie Du es bisher .gewesen!" Angelehnt an ihres Vaters Schulter stand das herrlich erblühte Mädhen, die Mutter daneben, Freudenthränen vergießend. Das Fest des Jubiläums war im schönsten Gange; nichts störte die Harnonie. Hand an Hand an der Tafel, saßen "die beiden Alten und sahen schmunzelnd zu ihrer einzigen Tochter hin,'Löer, die in vollem Studentenwichs .-neben einem Kommilitonen saß und -eifrig mit diskutirte. Was sie miteinander haben mochten? .'Mein Gott, sie 17, er 24 Jahre! Dem Alten ließ es keine Ruhe, er j schlich sich unbemerkt hinter sein Kind. Sie haben vollkommen recht, !Wadzu, es ist noch Vieles faul in -.unserem Reich." sprach sie. Der 'Staatsapparat funktionirt nicht, ohne Protektion ist absolut nichts zu erreichen, es kann doch nicht ein jede'r mit dem Zaren in persönliche Eorrespon'venz treten! Und die Behörde? Hm. 'da ist ohne Geld einfach nicht durch.zukommen." So sprach Annuscha. Und der Student? Paninka, Sie 'können die Verhältnisse drehen und wenden, wie Sie wollen. Sie können das beste Weib auf Rußlands heiliger Erde fein. Sie ändern nichts. Es muß so kommen, wie ich Ihnen schon .wiederholt sagte." Um Gottes Willen, Wadzu, das 'Leben des Zaren sollte uns doch heilig sein; ist er nicht Aller Wohlthäter?" Annuscha, schönes Kind des Lasters breiten Weg wollen Sie nicht gehen, darüber leuchtet vielleicht das .griechische Doppelkreuz des kirchlichen ' Segens . . . Aber Wissenschaft, Ehre, '.Ruhm, die waten hier im Sumpf und 'wer soll, wer will sie retten? Wir wissen's selber nicht! Eine Antwort giebt uns nur der Nihilismus!" Nihilismus!" schrie der Alte laut aus. Im selben Moment öffnete sich die Thür, und herein treten ein Dutzend Polizisten, die das letzte Wort noch veraiommen. Sie waren also ihrer Sache gewiß, "griffen zu ... den Alten traf der Schlag, die alte Mutter stürzte sich us dem Fenster und blieb . todt . . zene zwei sind nach Sibirien verbannt. Moderne Justiz. Ge7ängnißarzt (zum Direktor): Den 'Raubmörder Wenzel, der ja schon mit dem Tode rang, habe ich wieder so weit -gebracht, daß, wenn die Besserung an'hält, er in acht Tagen hingerichtet werden kann." Gut gezogen. Vater: Wo 'warst Du denn so lange, Fritz?" Fritz: .Wir haben draußen Ball gespielt." Vater: Was Ball gespielt? Hat 'Dir's denn die Mama nicht verboten?" Äritz: Glaubst Du denn, ich bin wie Du. daß ich mir von der Mama Alles verbieten lasse?" Sie weiß Bescheid. Gouvernante: Was wollte Hektar mit 'den Worten sagen: Theures Weib, gebiete Deinen Thränen?" Schülerin: Daß Andromache den Hut oder das ttlcid, um welches sie weinte, nicht U Jan, weil es zu theuer war."
Schttessseucr-Ieldgeschuhe Die Neubewaffnung der deutschen Feldartillerie mit einem SchnellfeuerFeldgeschütz, das den bescheidenen Namen Feldgeschütz C '96" (das heißt Construction 1896) führt, ist zur vollendeten Thatsache geworden. Was ist ein Schnellfeuer - Geschütz?' Diese Frage ist leichter gestellt als 1eantwortet und kommt dazu noch die so sehr beliebte Frage nach der Feuergeschwindigkeit eines solchen neueren Kriegswerkzeuges, so wird eine erschöpfende Beantwortung sehr jchwer, da in derselben so ziemlich der halbe Inhalt eines modernen Artillerie-Leit-fadens enthalten sein müßte. Wir müssen uns daher auf die Wiedergab? des charakteristischsten Merkmals eines Schnellfeuer - Feldgeschützes beschränken. Dasselbe besteht in dem Aufbau der Lafette, das heißt desjenigen Geschütztheils, der einestheilö dr Kanone als Schießgerüst dient und der sie anderntheils zur Fortbewegung befähigen soll. In Erfüllung dieser Anforderungen liegt der Schwerpunkt der Construction von Schnellfeuer - Feldgeschützen. Als Fahrzeuztheil soll die Lafette möglichst beweglich, als Schießgerüst soll sie möglichst unbeweglich sein, dabei aber doch Richtungsänderungen leicht gestatten. Jeder, der einmal ein Gewehr abgefeuert hat, kennt den Begriff des Rückftoßes und weiß auch, daß, je leichter das Gewehr und je schwerer das Geschoß und die Pulverladung, desto.heftiger der Rückstoß ist. Beim Geschütz wirkt der Rückstoß auf die Lafette, und da diese mit Rädern versehen ist, so läuft die Kanone sammt der Lafette zurück. Das Geschütz verändert also seine Stellung und je nach der Beschaffenheit des Bodens und der Gestaltung des Geländes verändert sich hierbei mehr oder weniger auch die Richtung und der Rückstoß äußert sich als Rücklauf. Hieraus erhellt, daß der Rück
GeschützmitBedienung. lauf der schlimmste Feind des Schnellfeuers ist. Es handelt sich nun darum, ihn entweder ganz aufzuheben oder ihn dadurch unschädlich zu machen, daß nach Zurücklegung eines gewissen Weges das Geschütz automatisch wieder in seine vor dem Schuß innegehabte Stellung gebracht und durch geeignete Mittel seine durch die Bewegung verloren gegangene Richtung schnell wieder aufgenommen wird; denn was nützt das schnellste Schießen, wenn die Richtung nicht stimmt, die kostbare Munition also nutzlos verfeuert wird! Bremst man die Lafette beim Schuß mit Radbremsen nach Art der Wagenbremsen, so vermindert sich zwar der Rücklauf, aber er bleibt noch groß und unbequem genug, und die Lafette wird natürlich mehr angestrengt als unter gewöhnlichen Umständen. Man kam nun auf den Gedanken, zwischen der Kanone und der Lafette einen hydraulischen Puffer einzuschalten, derartig, daß dem Rohr in der Lafette ein kleiner Rücklauf gestattet und das Rohr nach dem Schuß durch Einwirkung von Federn, Luftdruck oder dergleichen wieder vorgebracht wird. Hierdurch erreicht man zwar, daß.der Stoß der Kanone auf die Lafette gemildert wird, doch bleibt der Rücklauf der letzteren merkwürdigerweise unverändert groß. Erst wenn man den Rohrrücklauf sehr lang macht, ist es möglich, den Lasettenrücklauf aufzuheben. Man kommt hierbei aber zu ganz unfeldmäßigen Formen, wie'zum Beispiel aus Figur 2 zu ersehen ist. Verlegt man die Puffer in die Lafettenwände selbst, so entstehen die sogenannten StauchlafetGeschütz mit langem Rohrr ü ck l a u f. ten, die als Teleskoplafetten vor wemgen Jahren, namentlich in Frankreich, viel von sich reden machten, bald aber wieder von der Bildfläche verschwanden. Eine bildliche Darstellung dieser eigenartigen, von Krupp construirten Lafettenart gibt Figur 3. . Die Lafettenwände sind durch je zwei ineinander gesteckte Röhren erjetzt, von denen die vorderen beim Rücklauf über die hinteren hinweggleiten. Diese haben an ihrem unteren Ende, dem Lafettenschwanz, einen starren Sporn, während die vorderen Röhren Träger aller übrigen Lafettentheile sind. Beim Schluß gleitet die Hauptlafette mit dem Rohr zurück und wird in dieser Bewegung durch in den Röhren angebrachte hydraulische oder Federbremsen gebremst. Ist der Rücklauf beendet, so läuft nnter der Einwirkung von Druckluft oder Federkraft die Lafette wieder vor. Bei der hier dargestellten Krupp'schen Construktion fällt die Schildzavfenachse der Kanone mit der Lafettenachse zusammen. Um daher für- die Kanone die erforderliche Feuerh'öhe zu erhalten, mußten die Räder besonders groß gewählt werden. Weiterhin versuchte man, die Lafette dadurch am öZoden festzuhalten, daß man an der Achse Spaten anbrachte. deren Blattenden sich in den Boden eingraben sollten. Aber auch dieses Mittel hatte verschiedene Ueielstände, auf die hier einzugehen zu weit führen würde. Die
verschiedensten, lang andauernden Zwischenversuche führten zur endgiltigen Annahme eines Sporns am Lafettenschwanz. Dieser Sporn gräbt sich beim Schuß in den Boden ein, während er beim Fahrgebrauch hochgeklappt wird. Verwendet man an einem derartigen Sporn keine elastischen Zwischenmittel, läßt man ihn also starz" einwirken, so wird die Lafette beim Schuß stark angegriffen und bäumt sich vorn hoch auf, und auf sehr hartem Boden läßt sich ein derartiger Sporn kaum verwenden. Anders,
GeschützinTeleskoplafette wenn man dem Sporn an der Lafett oder vielmehr der Lafette am Sporn eine gewisse Sewegungsfrnhclt gestattet. Die Lafette hat dann war e-nen Rücklauf, doch ist dieser nur Heilt und genau beherrscht, und im'.cr der EinWirkung von Federn, die vorher den Zweck hatten, den Rückstoß zu mildern, gleitet die Lafette (also das ganz? Geschütz) ruhig wieder in die alte Stellung vor. Derartige Spornconstruktionen haben jetzt einen kjohrn Grad von Vollkommenheit erreicht. J:r Figur 4 ist ein Geschütz mit der in Rkde stehenden Spornconstruktion abgebildet. Es erübrigt, noch der Mittel zu gedenken, das Nehmen der Richtung zu beschleunigen. Abgesehen von Verbtsserungen am Visir wird dies dadurch erreicht, daß die Schnellfeuer - Feldgeschütze mit einer Seitenrichtmaschine ausgestattet sind. Bekanntlich hatten die alten Feldgeschütze nur eine Höhenrichtmaschine, das heißt: war das Gkschütz einmal aufgestellt, so konnte man das Rohr nur noch in der senkrechten Ebene verstellen, also nur seinen Erhöhungswinkel verändern. Wollte man die Seitenrichtung ändern, so mußte der Lafettenschwanz seitlich verschoben werden, und der zielende So!dat (Richtkanonier) mußte sich hierzu mit dem den Lafettenschwanz bedienenden Kanonier durch Winken verständigen, was häufig recht zeitraubend war. Bei den Schnellfeuer -' Feldgeschützen ist dies anders. Bei diesen- besitzt die Lafette eine vom Richtkanonier bequem zu bedienende Vorrichtung, vermittelst deren das Rohr um kleine Winkel, ohne die eigentliche Lafette zu verrücken, seitlich bewegt werden kann. Man hat also nur nöthig, die Lafette ungefähr in die richtige Richtung zu bringen, und dem Rohr kann dann die genaue Seitenrichtung durch den Richtkanonier schnell gegeben werden. GeschützmitSporn. Die Feuergeschwindigkeit, die sich durch die Rücklaufsverminderung der Lafette und die Anbringung einer Seitenrichtmaschine in Verbindung mit Erleichterung des Visierstellens, erreichen lassen, sind ganz beträchtliche. Mit Leichtigkeit kann das einzelne Geschütz in der Minute 6 bis 7 gut ' gezielte und beobachtete Granat- oder Schrapnellschüsse abgeben. Ohne Ueberanstrengung der Bedienung läßt sich, wenn Gefahr im Verzüge ist. etwa die doppelte Anzahl Kartätschschüsse abgeben, die bekanntlich indeß nur bis etwa 400 Meter wirken, und bei denen eine flüchtige Richtungsnahme genügt. Da nun das Schrapnell, das ist das Hauptgeschoß, eines modernen Schnellfeuer - Feldgeschützes mindestens 250 Kugeln enthält, so kann das einzelne Geschütz in der Minute etwa 1700, die Batterie 10,000 Kugeln gegen den Feind schleudern. Nimmt man razu noch die größere Gestrecktheit der Flugbahn, die gesteigerte Wucht, mit dcr vermöge einer besonderen Construktion des Schrapnells die Kugeln aus letzterem herausgetrieben werden, die größere Schußweite und endlich die bessere Tressgenauigkeit der neuen Geschütze, so sagt man fast zu wenig mit der Behauptung, daß ihre Wirkung ge gen die der früheren Geschütze verdreifacht ist. Wer sich durch fremde Talente inen Namen macht, wählt nie ein Pseudonym. JdealerVorschlag. Sie haben wieder einen reizenden Burschen, Herr Lieutenant!" Kerls werden bei mir alle so!" - N e t.t e r V o r s ch l a g. Arzt: Sie müssen sichBewgung machen, rei sen was sind Sie?" Patient: Kassirer.- Arzt: Na, dann ören nen Sie doch einmal durch!" Mißtrauisch. Hausfrau lzur Köchin)': Sagen Sie einmal, Mina, seit einiger Zeit herrscht in der Küche ja eine so militärische Ordnung?!" S ch l a g f e r t i g. Redacteur: Darf ich um einen Kuß bittenSchauspielerin: Darauf ist schon ein Anderer abonnirt!" DieboshafteFrcundin. Mutter: Also die Frau Pöstsecretär war hier; hat sie nicht hinterlassen., wo ich sie morgen treffen soll?" Kind: O ja. sie hat's auf den Tisch in den Staub geschrieben!" - Das seltsame Tischgebet. Lehrer: Nun, Kinder, was sagt denn Euer Vater, wenn Ihr Euch zu Tische setzt? Gustav Snak: Wat min Vadding is, de seggt: Min Jung, bellacker Di nicht"
Mrnöcrgcr Spkclsachen. Die Entwicklung der Spielwaarenfabrikation, wegen deren Nürnberg sich seit Jahrhunderten eines Weltrufes erfreut, läßt sich am besten in den Sammlungen des Germanischen Museums verfolgen. Puppenhäuser mit vollständiger Einrichtung, mit Keller, Hausflur, Stiegenhaus, Gesinderäumen und guter" Stube sind daselbst aufgestellt und gewähren mit der entsprechenden Möblirung ein getreues Bild des früheren häuslichen Lebens. Die gleichfalls zur Anschauung gebrachten Zinnfiguren geben die Uniformen wie die bürgerlichen Trachten des achtzehnten Jahrhunderts wieder. Dabei befindet sich auch manches mit Mechanik versehene Stück. Fertigten doch die alten Nürnberger Schlosser neben den eigentlichen Arbeiten ihres Faches gar interessante und kunstreich ausgeführte Spielwaaren an. So berichtet der Chronist Johann Neudörfer in seinen 1647 geschriebenen Nachrichten vsn Nürnberger Künstlern und Werkleuten", daß der Schlosser Hans Bülmann mit großer Kunst viele kleine bewegliche Figuren im Auftrage Kaiser Ferdinands I. anfertigte, der ihn eigens zu deren Aufstellung nach Wien habe kommen lassen. Eine weitere Mittheilung des genannten Chronisten besagt, daß gleichfalls ein Schlosser, Kaspar Werner, für die kaiserliche Kunstkammer in Wien ein drei Viertel Ellen langes, prächtiges Schiff mit vollständig 'beweglicher Mannschaft ausgeführt habe.
Schneiden desBlecheS. Diese Fabrikation mechanischer Spielwaaren setzte sich bis zu Anfang d;s neunzehnten Jahrhunderts fort, und die künstlerische Thätigkeit des später berühmten Nürnberger Erzgießers Burgschmiet begann mit der Herstellung eines Marionettentheaters, mit dem er ganz Deutschland durchzog. Die Klempner oder Flaschner, wie sie in Nürnberg heißen, eröffneten für die Spielwaarenindustrie ein neues Feld; sie verfertigten theilweise optische Gegenstände, wie Schattenspiele oder magische Laternen (Laterna magica), und magnetische Spielwaaren, Schiffe und schwimmende Thiere. Durch die Anwendung der Dampfkraft und später der Elektricität nahm die Nürnberger Spielwaarenindustrie einen großartigen, nie geahnten Aufschwung. Wir laden unsere Leser ein, mit uns ein derartiges Etablissement zu besuchen.Den Maschinen- und Motorenräum des ausgedehnten Fabrikgebäudes durchschreitend, werfen wir einen Blick in die von emsigen Händen bediente Verpackanstalt und gelangen in eine zur ebenen Erde gelegene Halle, in der auf trefflich construirten Maschinen das Schneiden des aufgerollten Bleches in verschiedene Größen, je nach dem Bedarf, erfolgt. Die zugeschnittenen Stücke werden dann in den Raum für das Ziehen und Ausstanzen der einzelnenSpielwaarentheile verbracht, das durch größer oder AusstanzenundAusglühen kleinere Stanzwerke besorgt wird. Interessant ist es, zu beobachten, wie durch einen Druck der betreffenden Maschine dem unterlegten Stück Blech oder Metall im Augenblick eine Gestalt gegeben wird, die bereits die Bestimmung de Gegenstandes errathen läßt, zu dessen Herstellung ein Handarbeiter längere Zeit brauchen würde. Sind die Stücke ausgestanzt oder gedrückt", wie der technische Ausdruck lautet, so werden sie in den geheizten Ofen gebracht, um dort ausgeglüht zu werden. Hierdurch sollen die Formen gewissermaßen gekräftigt und haltbar gemacht werden. Um jedoch die rauhe Außenseite der Cylinder zu beseitigen, lommen dicselben in den Saal der Drechsler, wo selbst sie abgedreht und blank gemacht werden. Der Dreher ift aber ein vielseitig beschäftigter Mann. Er muß auch die Gewinde derSchrauben schneiden und besonders die in einem eignen Saal durch sinnreich hergestellte Maschinen geschaffenen Fa5ontheile für die einzelnen Fabrikate auf der surrenden Drehbank kunstgerecht bearbeiten.' Sind diese Vorarbeiten beendet, so werden die einzelnen Theile in den Montirsaal übergeführt, um dort von erprobten Arbeitern zusammengestellt zu werden. Mit großer Gewissenhaftigkeit wird vorher jedes einzelne Theilchen hinsichtlich seiner soliden Ausführung und Haltbarkeit geprüft Der eine Arbeiter ist mit der Montirung einer Lokomotive beschäftigt, die er nach deren Vollendung mit sichtbar zufriedener Miene auf die daneben befindliche Tafel stellt; der andere Arbeiter ist von der Zusammenstellung der Eisenbahnwagen, ein dritter vom Auf-
bau eines Dampfschiffes in Anspruch genommen, und viele andere schaffen an der Montirung sonstiger Gegenstände, die Schattenspiele, magische Laternen, kleinere, als Lehrgegenstände dienende Maschinen, Phonographen und so weiter. Eine jede dieser Maschinen, besonders die Lokomotiven
M o n t i r e n. und Schiffe,die sämmtlich mit Dampfkaft sich bewegen, werden, ehe sie zur Abgabe kommen, auf einem Schienengeleise geprüft. Es ist in der That eine Freude, eine solche Miniaturlokomotive herumsausen zu sehen. Hat das Fabrikat auch diese Probe bestanden, so wandert es'in den Lackirräum, woselbst kunstgeübte FrauenHände die Farben und betreffenden BeZeichnungen auf die Gegenstände auftragen. Weil aber die Farben etwas langsam trocknen und der Kaufmann die bestellten Waaren oft recht schnell geliefert haben will, so werden die lackirten Gegenstände in geheizte Oefen gestellt, die die Farbe bald zum Trocknen bringen. Noch gar mancher Raum wäre in einem derartigen Etablissement zu befuchen, wie die Glasschleifereien für die optischen Spielwaaren, die Drahtzieherei, die Glasmalerei und so weiter. Wir müssen uns jedoch begnügen, zum Schluß unsererWanderung jenen Saal in Augenschein zu nehmen, in welchem die sämmtlichen Gattungen der in dieser Fabrik zur Ausführung kommenden Gegenstände fertig aufgestellt sind. Allerdings halt es schwer, denjenigen Ort zu bestimmen, in dem die Besicht!gung beginnen soll, denn die Zahl der Lackirraum. Gegenständedie sich auf langen Tafeln ausbreitet, ist übergroß. Da sehen wir die verschiedensten Arten von magischen Laternen und Nebelbilderapparaten mit den nöthigen Glasbildern. Dann folgen allerlei kleine Dampfmaschinen, von der gewöhnlichsten Sorte bis zum feinsten Modell für Schulen. Ihnen schließen sich Balanciermaschinen und Lokomotiven jeder Art. selbst solche für Drahtseilbahnen mit den betreffenden Personenund Gepäckwagen an. Nicht zu vergessen die Springbrunnen und sonstigen Wasserwerke. Die Schiffe bilden eine eigene Abtheilung. Kriegsdampfer, Salondampfer, Dampfpinassen, Jachten sind vorHanden, selbst der Leuchtthurm mit entsprechenden Wasserbecken fehlt nicht. Aber auch die Elektricität hat in den ausgestellten Gegenständen ihre Vertretung. Wir können Motoren verschiedener Art in vollem Betrieb beobachten erfreuen uns an prächtig ausgestaiteten Ezperimentirkäsien für Reibung--elektricität. Ferner sind Morse-Tele-graphen, Induktionsapparate, GlühProbiren der Maschinen. lampen und Tauchelemente in großer Anzahl ausgestellt, wie auch der Phonograph in vollendeter Form zur Anschauung kommt. Wir bemerken ausdrücklich, daß sämmtlichen Gegenständen trotz ihre? korrekten, jede 'wissenschaftliche Probe bestehenden Ausführung der Charakter des Spielzeuges nicht fehlt. Aber es liegt doch eintiefererSinn im kind'schen Spiele, nach dem alten Grundsatz: MDiscimus dum ludere videmur." In der Eile. Baron (den neuen Diener zurechtweisend): Das sage ich Ihnen ein für alle mal, wenn Ihnen die gnädigeFrau etwas befiehlt, haben Sie eben so schnell und unbedingt zu gehorchen wie mir!" Glück im Unglück. Frau (zum heimkommenden Gatten): Denke Dir, heute Vormittag war der Gerichtsvollzieher hie?. Mann: Was hat er denn gepfändet." Frau: Das Klavier."' Mann: Gott sei Dank!" Reversseite. Sie wollen leben und atzen nur, Sie wollen reden und schwatzen nur, Sie wollen fühlen und empfinden nur, Sie wollen handeln und schwindeln nur. Die gute Freundin. Afrikareisender (zu einem älteren Fräulein): Und was würden Sie thun, mein Fräulein, wenn Sie von einem afrikanischen Häuptling geraubt würden?" Die gute Freundin (leise): Macken Sie ihr doch den Mund nicht wässerig!"
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Eine Christlls-Münze. Der Franzose Boyer d'Agen ylaubt bei einem Raritätenhändler auf dem Campo fci Fion in Rom ein echtes Cöristus - Bild aufgefunden zu haben. Es ist dies eine alte Münze mit dem antiken Porträt von Jesus. Daß es sich um Christus handelt, beweist nicht nur der Kopf, sondern auch die hebräische Inschrift, welche in de? Uebersetzung lautet: De? Messias, der Konig, wird in Frieden kommen; er ist die Leuchte der Menschen, Fleisch geworden 'und lebendig." Boyer d'Agen ist der Meinung, daß die Münze nach emem älteren hebräischen, in die erste Zeit der christlichen Kirche zurückreichcnden Vorbild geprägt . worden ist. Christus ist mit vorgebeugtem Haupt, mit freier hoher Stirn, regelmäßige?, etwas spitze? Rase, fein gekräuseltem Spitzbart und lang herabwallendem, gelocktem Haupthaar .da?gestellt. Ueber die Echtheit dieser Christus - Münze ist unter den französischen Gelehrten bereits ein Streit entdrannt. Einige behaupten, die Jnsch?ist sei nicht ganz co?rect. Ein Künstler, de? des Hebräischen mächtig war, habe richtiger schreiben müssen. Doch kann der Künstler, wenn es sich, wie Voyer d'Agen annimmt, um eine Copie haudelt, auch ohne Verständniß copirk haben. Andere behaupten, die Münze stamme aus dem 16. Jahrhundert. Wieder andere geben zu, daß sie cmZ
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A v e r s-, R e v e r s s e i t e. den ersten Zeiten des Christenthums herrühre, und theilen die Ansicht des erstgenanntenSchriftstellers in gewisser Hinsicht, weisen jedoch auf die Abweichungen der Münze von den übrigen Christus Münzen jener Zeit hin. Der Verein der französischen Antiquare in Paris hat die Münze ebenfalls geprüft und erklärt, sie habe große Aehn lichkeit mit einem Ende des 15. JahrHunderts von dem Mailander Gio Antonio Rossi in Rom gravirten Medaillon, wie solche von den zum Christen thum übergetretenen Juden gewissermaßen als Legitimationszeichen getragen wurden. Die Münze hat inzwischen bei Liebhabern viel Anklang gefunden, und eins der berühmtesten und ältesten Häuser der Pariser , Goldschmiedekunst, die Orfövrerie Les Fils Falize. die bis zur dritten Republik mehrere Jahrhunderte hindurch Hoflieferantin der Krone Frankreichs war, hat eine Neuprägung in Silber und Bronze veranstaltet. Baudenkmäler aus Holz. Wie man in romanischen Ländern von jeher monumentale Bauten gern in Stein aufführte, so hat man in den waldreicheren germanischen und slavischen Ländern mehr der Holzarchitektur den Vorzug gegeben. Natürlich hat sich das festere Material als dauerhaft ter erwiesen und wir besitzen überall herrliche Denkmäler der alten und mittelalterlichen Baukunst in Stein, während die alten Holzkirchen nach und Kirche ZnHitte?dal. nach vom Erdboden verschwinden. Unser Bild zeigt eine jener wenigen heute noch bestehendenBauten, die 600 Jahre alte Holzkirche in Hitterdal in Normegen, welche wegen ihres eigenartigen Grundrisses und ihres sonderbaren Aufbaues das allgemeinst: Interesse crregt und durch ihre Lage in einer der malerischsten Gegenden die Aufmerlsamkeit aller Norwegen besuchenden. Fremden auf sich zieht. Verplappert. Vater (überraschend auf Besuch gekommen): Na, Du starrst mich ja ganz erschrocken an?" Studiosus: Ja, Vater. Du hast aber auch genau so angeklopft wie der Gerichtsvollzieher." Im Heiraths bureau. Heirathscandidat: Aber die Dame, die Sie mir empföhle?, haben, ist ja halb blind!" Vermittler: Sea Sie doch froh, Sie wissen doch, dab Liebe oft ganz blind macht!"
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Unvorsichtig.
Schauderhafte ode, dieser zwanc lose jour fixe finto Sie mcht auch? . . . tarn nur her, irm. schöne Frau des Hauses kennen zu lernen. ... wird ja viel Pikantes von ihr erzählt . . . kennen Sie sie vielleicht?Natürlich, ich bin ja ' HauS Herr!Zarte Andeutung. M . , - . . .Gut, ich bin mit. Ihren Bedin--grmgen, einverstanden. v. Malen Sie mir meine Frau aber;,, bitte, schonend ähnlich!" Urcter 33 o 1 1 5 vertrete t n. Her? College, ein für allemal ver bitte ich mir diese persönlichen Angrisfe ich weiß sehr gut, daß Sie: auchnicht aus der feinsten Familie.- sind. Sie fallen in Ihrer Jugend die' SaV gehütet haben!" Ganz richtig! Sind Sie nur' froh,, daß Sie nicht an meiner Stelle waren;denn. Sie thäten's heut noch hüten!-' Bedingte Mitarbeitersschaft. .Sie sagen, Sie hätten schon für dir bekanntesten Zeitschriften gearbeitet, wie kommt es aber, daß ich noch, nie etwas von Ihnen gehört habe?Ja wissen S', gearbeitet dafür hab'' ich schon aber angenommen Haben'S von- mir halt noch nichts.-V-orschlag für heir-crtM-tu st i g t 21 a d It t i n nen. Ersatz. In kürzester Zeit wird das Fahr, rad das Pserd ganz ersetzt' haben." Das glaub' ich auch, ich habe gestern in einer Wurst mehrere Stücke Gummi gefunden Malice. Gattin: Heute früh hat mich meine Freundin besucht, als ich noch im Bette lag." Gatte: Ach, hat sie Dich vor der Toilette er kannt?" Abfällige sttUU. .Ihr Commilitone Müller ist wohl ein recht tüchtiger Student?- StdiosuS: Ich bitte Sie. ein Mensch, der bei je. dem Salamander nachklappert ! Unnützes Beginnen." Sie: Und wenn ich einmal gestorben bin. lasse ich Dir kine Ruhe!" E?: Da brauchst Du doch nicht erst zu p:r!:nl-
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