Indiana Tribüne, Volume 22, Number 137, Indianapolis, Marion County, 5 February 1899 — Page 3

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Slomon von Llrihur Zapp. (4. Fortsetzung.) Am Morgen des 21. Juli hörte die deutsche Division den dumpfen Schall eines entfernten Kanonendonners. Lugleich ertönten begeisterte Jubelschreie von allen Theilen des großen Lagers. Die Soldaten eilten zusammen und theilten einander ihre Vermuthungen mit. Die Negimentscommandeure riefen nach ihren Pferden und sprengten zu demjenigen der wenigen Häuser des Ortes, in dem der Divisionscommandeur sein Quartier auf geschlagen hatte. Wenige Minuten später hielt General Blenker, von den Officieren seines Stabes umgeben, aus dem großen Platz vor seinem Hauptquartier und ertheilte den Brigadeund Regimentscommandeuren seine Befehle. Kurz darauf wurde im Lager Generalmarsch geblasen, als die deutsche Division mit lautemHurrah, mit Sang und Klang aufbrach. Durch die Mißgunst des commandirenden Generals McDowell, der die Deutschen nicht mochte, war die Division Blenker in die Reserve gestellt worden, damit sie an dem erwarteten Siege nicht theilnehmen solle. Stundenlang marschirte die Division, ohne etwas vom Feinde zu sehen und ohne zu wissen, ob McDowell die Schlacht schon begonnen habe. Spott und Entrüstung erregte es bei den gutgeschulten Truppen, als sie mitansehen mußten, wie die vor ihnen marschirenden amerikanischen Regimenter sich lockerten und durcheinander liefen, wie sie sich in unregelmäßige Trupps zerstreuten, um Wasser zu trinken oder im nahen Walde Beeren zu pflücken. ' Der Taa verging, ohne daß die Deutschen in's Gefecht kamen. Am Abend ging man in die Biwaks. Aber Niemand dachte zunächst daran, sich zum Schlaf niederzulegen. Eine fieberische Aufgeregtheit hatte sich aller bemächtigt. Morgen kam man gewiß in's Feuer und wer weiß, wer den nächsten Abend noch erlebte! Am folgenden Tage war man schon wieder früh auf den Beinen. Die Feuer waren eben entzündet und die Mannschaften wollten Kaffeewasser beisetzen, als der Ruf: An die Gewebre! Vorwärts! ertönte. Miede: begann der Marsch. Der Kanonendonner aber war diismal ungleich stärker als. am Tage vorher und kam immer naher. Schon konnte man deutlich das Knattern der Gewehrsalven unterscheiden. Unter den Soldaten wird es still und stiller. Der Ernst der Lage hält alle in seinem Bann. In banger Erwartung, düster blickt jeder vor sich hin. . Auch Harry Bradley fühlt, wie heftig ihm das Herz klopft und wie schwer der Athem sich aus der bedrückten Brust emporringt. Kurze, hastige Gedanken fliegen nach der Heimath, zu Vater und Schwester, au Margaret Leiphold, dem geliebten Mädchen, und ein unwillkürliches Bedauern regte sich in der Seele des junsitti Soldaten. Jetzt sausen die ersten Granaten über die sich instinktiv bückenden Köpfe hinweg. Ein Stutzen kommt in die Truppen, ein heftiges Drängen und Schieben. Capüän Leiphold, der. den Säbel in der Faust, am rechten Flügel seiner Compagnie schreitet, dreht sich lächelnden Antlitzes zu seinen Soldaten um. Rufcia Blut. Junaens! sagt er in leichtem Scherzton. Die thun uns nichts. Wenn sie uns bange machen wollen, müssen sie erst besser zielen lernen. Während Harry Bradley in die freundlichen blauen Augen seines Cavitäns blickt, straht es ihm warm und belebend in's Herz hinein und unwillkürlich reckt-er sich straff und stolz in die Höhe, während ihm das Blut heiß in die blaßgewordenen Wangen fchießt. Darf er sich vor Grete'Z Vater schwach zeigen? Neben ihm, der Flügelmann des Zuges ist, hat Lieutenant Henning seinen Platz. Nun, Harry, wie ist Ihnen zu Muthe? fragt der Deutsche und sieht dem Jüngling prüfend in's Antlitz. Ganz gut, Lieutenant, entgegnet Harry Bradley und zeigt ein trotzig blickendes Gesicht. , Der junge Soldat fühlt sich an der Hand ergriffen und in kurzem, hastigem Druck legen sich des Lieutenants Finger um die seinigen. Bravo! raunt ihm Henning zu. Bravo, Harry! Wenn Ihre Schwester Carrie Sie so sehen könnte!. Harry's Wangen rothen sich noch dunkler; es ist ihm, als fühlt er die Augen seiner muthvollen, energischen Schwester auf sich ruhen. Und er beißt die Zähne zusammen und ein stilles Gelübde wird in seiner Seele laut: Carrie, du sollst mit mir zufrie den sein. Plötzlich ein rasch näherkommendes Getöse, ein wildesDurcheinanderschreiten. Ein Commando ertönt: Halb rechts! Kaum haben die deutschen Truppen die Wendung ausgeführt und sind von der Straße abgeschwenkt, als ein rege!loser Haufen Unions Cavalleristen dahergebraust kommt, in wilder Hast verzweifelte Rufe ausstoßend, die den unglücklichen Ausgang der Schlacht verkünden. Die deutschen Officiere Znirschen mit den Zähnen und stoßen Verwünschungen aus. Daß gerade sie an diesem Tage verdammt sein mussen, in der Reserve zu stehen. . Es ist ein unaufhaltsames, feiges, schmachvolles Fliehen. Halbzerschossene Kanonen und Proben rasen daher, Jnfanteriemassen drängen sich dazwischen, Ambulanzen mit, stöhnenden Verwundeten vollgepackt, schwanken

heran und in diesen durcheinander

hastenden, sich immer mehr ineinander verwirrenden Menschenknäuel schlagen die Kartätschen des Feindes ein und reißen häßliche Lücken. Betäubend, demoralistrend ist dieser Anblick. Der wilde Strom der wie kopflos Fliehenden droht die noch geordneten Glieder der deutschen Negimenter mit sich fort zu reißen. Schon wendet sich eine Section vom De KalbRegiment, vom panischen Schrecken ergriffen. Da sprengt Oberst von Golis an sie heran und treibt sie mit der flachen Kinge in ihr Glied zurück. Dann reißt er seinen Revolver aus dem Pistolenhalfter und droht mit seiner lauten, durchdringenden Commandostimme: Den ersten Feigling, der auszureißen Miene macht, schieße ich über den Haufen, wie einen tollen Hund! Es hätte dieser Drohung nicht einmal bedurft. Die Soldaten selbst empfinden die schmachvolle Lage und fahren zornig auf die wankenden Kameraden los. Unaufhaltsam stürmt die Fluth du Flüchtlinge vorüber, obgleich von einem 'verfolgenden Feinde gar nichts zu sehen ist. General Blenker befiehlt endlich vorzurücken und eine Brücke, die über den Fluß Bullrun führt, zu besetzen. Begierig, den Feind zu sehen und sich mit ihm zu messen, voll Eifer,. der Schmach Einhalt zu thun, , gehen die deutschen Regimenter vor. Und nun wird Halt gemacht und die Gefechtssormation wird hergestellt. Da erscheint eine feindliche Colonne. So gleich befiehlt Oberst von Galis .seinen Tirailleuren, auszuschwärmen. Einige wohlgezielte Salven begrüßen den anrückenden Feind. Der stutzt und ist erstaunt, Unionstruppen vor sich zu sehen, die ihm noch standhalten und ihm die Stirn zu bieten wagen. Anfeuernde Commandos ihrer Führer spornen die Südlichen zu neuem Angriff an. Aber die deutschen Regimenter weichen nicht. Bis zum hereinbrechenden Abend halten sie ihre Stellung. Vor ihnen liegt das Feld voller Todte? und Verwunderter; hinter ihnen braust unaufhörlich die Flucht. Artrlleristen spannen ihre Pferde vor den unbeschädigten -neuen Geschützen ab, die erst die erste Schlacht gesehen haben, und jagen davon, die Kanonen dem Feinde überlassend. Erst um neun Uhr Abends- gibt Blenker den Befehl zum Abmarsch. Er hat vollbracht, was tn dieser Lage nur irgend zu vollbringen war: er hat die deutsche Soldatenehre gerettet, er hat verhütet, daß das Schicksal des Feldzuges schon durch die erste unglückliche Schlacht entschieden ward, er hat den siegenden Feind von der Bundeshauptstadt zurückgehalten. In geordneten Linien ziehen sich die Deutschen zurück. als Nachhut den Ruckzug der Umonsarmee deckend und die Flucht zum SieYen onngend. Nur einmal gerathen die Reihen in's Wanken. Einige Schwadronen feindlicher Cavallerie der so sehr gefürchteten südlichen schwarzen Reiter, verwegene Kerle, die mit ihren Pferden verwachsen zu sein scheinen, die wilden Gesichter von der Sonne des Südens tief gebräunt, sprengen mit gellenden Rufen auf die weichende Infanterie ein, die vom panischen Schrecken erfaßt wird und sich in Unordnung auflösen will. Aber noch rechtzeitig commandirt Oberst von Galis: Kehrt! Fällt das Gewehr! Tausend Bajonette starren der andringenden Cavallerie entgegen, deren Reihen zugleich Salvenfeuer in 23erwirrung bringt. Die schwarzen Reiter stutzen und eine Anzahl von ihnen wendet die Pserde. Diesen Moment benutzt daS De Kalb - Regiment, um den Rückmarsch geordnet fortzusetzen. Nur Capitän Leiphold bewahrt noch auf einen Befehl des Oberst von Galis die Fornt gegen den Feind, um weitere Angriffe abzuhalten. Und richtig, eine Schwadron der südlichen Cavalleristen hat sich rasch gesammelt und sprengt von neuem zum Angriff an. Formirt das (Xarrfc, commandirt Capitän Leiphold. Und während die ersten beiden Glieder ihre Bajonette den Feinden entgegenstrecken, ladet die hinterste Reihe ihre Gewehre. Indeß sind die schwarzen Reiter ganz nahe an das Carrö herangekommen. Sie schießen ihre Revolver ab. Harry Bradley, der im hintersten Gliede steht; das noch mit dem Laden beschäftigt ist, hört einen durchdringenden Schrei hinter sich. Für einen kurzen Moment blickt er zurück. Ein' heißer Schmerz durchfährt ihn. Heftig zuckt er zusammen'und erbleicht. Es ist Cäpitan Leiphold, der, am Halse getroffen, umgesunken ist und nun röchelnd am Boden liegt. Feuer! ertönt Lieutenant Hennings Stimme. Gut gezielt haben die deutschen Schützen. Die . vorderste Reihe der schwarzen Reiter wälzt sich am Boden, zu Tode getroffen, von den eigenen Pferden erdrückt. Die anderen machen Kehrt und stieben in . wilder Flucht auseinander. Das Carrö zieht sich auseinander und in guter Ordnung folgt die'Compagnie dem Regiment. Harry Bradley aber bleibt; er ist in seine Kniee gefunken, er beugt sich zu Grete's Vater herab, über dessen bleichem Antlitz bereits die Schatten des Todes zu schweden scheinen. Die Schlagader ist getroffen. Hülfe unmöglich. Jetzt schlägt der Capitän die Augen auf und sieht das Gesicht deö jungen Soldaten über sich gebeugt. Unendliches Leiden drückt sich in den verzerrten Mienen aus. ' Seine Lippen bewegen sich flü sternd; gurgelnde Laute ringen sich aus der wunden Kehle hervor. Harry Bradley liest ihm die Worte von den Lippen. . Arme Frau! Mein armes Kind! hat der Sterbende geröchelt. Der junge Soldatist tief erschüttert. Ein heißes Mitgefühl steigt in ihm auf und der unwiderstehliche Wunsch, dem seelisch wie körperlich Leidenden den

letzten schweren Kampf zu erleichtern, bewegt Xf)n in tiefster Seele und treibt ihn an, seinen Mund gegen das Ohr des Capitäns zu legen. Hören Sie mich, Capitän? fragt er. Und nachdem er ein leises Zucken der Augenlider und eine schwache Bewegung des Kopfes wahrgenommen, flüsterte er weiter in das Ohr des Sterbenden: Ich nehme die Sorge für die Ihrigen auf mich. Sterben Sie in Frieden. Capitän! Ihre Frau und Ihr Kind werden nicht verlassen sein. Ich liebe Ihre Tochter Margaret und ich schwöre Ihnen bei allem, was mir heilig ist, kehre ich auö diesem Kriege zurück, so mache ich Margaret zu meiner Frau, wenn ste mich mag. Haben Sie mich verstanden, Capitän? Ein glückliches Lächeln breitet einen letzten verklärenden Schimmer über das bleiche Antlitz. Und nun ein tiefes Athemholen, ein krampfhaftes Zucken und Strecken . . . Plötzlich fühlt sich Harry Bradley mit kräftigem Ruck zur Seite gerissen. In demselben Augenblick ertönt ein Schuß. Harry Bradley blickt erschreckt auf. Ein südlicher Reiter hat sich unter seinem Pferde hervorgearbeitet und knieend auf ihn angeschlagen. Die Kugel pfeift dicht an seinem Ohr vorüber. Neben ihm sieht Jemand, der zum wuchtigen Schlage aus holt und dem schwarzen Reiter -mit wohlgezieltem Säbelhieb den Schädel spaltet. Vorwärts, Harry! tönt es in das Ohr des Aufspringenden. Zugleich fühlt er sich am Arm gepackt. Es ist Lieutenant Henning, der sich nach ihm umgesehen hat und der noch rechtzeitig gekommen ist, um ihn vor dem Schicksal Capitän Leipholds zu bewahren. In wenigen Minuten ist die Compagnie erreicht. Der Rückzug dauert die ganze Nacht hindurch. Der Feind hat die Verfolgüng aufgegeben und in guter Ordnung langt die deutsche Division am Morgen des 23. in Washington an.

7. Nach kurzer Ruhe entlediqte sich Herrn Bradley der schweren Aufgabe, die ahnungslose Wlttwe und Tochter von dem Tode Capitäns Leipholds in Kenntniß zu setzen. Nur zu ein paar, wenigen Zeilen fand der junge Soldat Kraft und Muße. Dann riefen die Slgnalhorner die Truppen zum Sammeln. Die deutsche Division marschirte wieder nach Hunters Chapel ab, um in's Biwak zu gehen. Am nächsten Morgen wurde die Compagnie zum Appell gerufen und mit Schaufeln ver sehen. Jetzt hieß es den gefallenen Kameraden die letzte Ehre zu erweisen und sie in großen Massengräbern zu betten. Als die Soldaten ein paar Stunden später ermüdet, ernst und düster von ihrem traurigen Geschäft zurückkamen, fiel ihnen am Eingang des Ortes ein elegantes Zelt auf, das während ihrer Abwesenheit aufgeschlagen worden war. An dem Zelt war eine Firma angebracht: Drs. Browen & Alexander, Regierungs-Einbalsamirer." Und 'darunter verkündeten kurze Jnschriften, daß die Herren Doctoren denjenigen Kriegern, die ihre gefallenen Kameraden gern in die Heimath gesandt hätten, ihre Dienste anboten. Die Herren machten sich anheischig, die ihnen anvertrauten Todten dergestalt einzubalsamiren, daß sie roohlerhalten auch den längsten Transport überständen. Für ihre Mühewaltung berechneten die speculativen Herren nur zwanzig Dollars sür jeden Gemeinen und fünfzig Dollars für einen Officier. Daß die Idee keine schlechte war, bewies der Zuspruch, den die Doctoren bereits jetzt hatten. Vide Herren waren in voller Thätigkeit. Die Einbalsamirung geschah vermittelst einer Flüssigkeit, deren Zusammensetzung das Geheimniß der Doctoren war. Dann wurden die Todten in viereckige Kästen von Tannenholz, die einen Zinkeinsatz hatten, gelegt und einer Speditionsfirma, die in der Nähe ein Bureau aufgeschlagen hatte, zur Beförderung in die Heimath übergeben. Herr Bradley hätte gern die irdischen Ueberrest: Capitän Leipholds den geschickten Händen der RegierungsEinbalsamirer anvertraut, aber leider lag die Stelle, an der der tapfere Officier den Tod gefunden, zu weit ab. So mußte man seine Beerdigung dem feinde überlassen. Harry Bradley ließ seiner ersten kurzen Nachricht einen längeren Brief an Margaret Leiphold folgen, in dem er ausführlich beschrieb, unter welchen Umständen der tapfere Capitän sein Leben einbüßte. Auch das Geständniß, das er dem Sterbenden in's Ohr geflüstert, wiederholte er und er knüpfte daran die Frage, ob Grete ihm helfen wolle, das Gelöbniß, ' das er ihrem Vater kurz vor seinem Hinscheiden gemacht, auch dereinst zur Erfüllung zu bringen. Margaret Leiphold ließ nicht lange auf ihre Antwort warten. Mein lieber Herr Harry so schrieb sie. 3ch weiß nicht, soll ich .weinen oder soll ich glücklich und fr'öhlich fein. Der arme, arme Papa! Wenn ich ihn doch nur noch einmal sehen, doch noch einmal hätte sprechen können! Wie gern hätte ich ihm doch einmal gedankt für alle Liebe, die er mir immer, immer erwiesen, hat. O, er hatte ein so gutes weiches Herz. Wenn ich bedenke, daß ich nie wieder sein liebes gutes Antlitz sehen, nie wieder seine freundliche Stimme hören soll,- nie, nie wieder so könnte ich weinen immer immerzu. Und doch muß ich mir Vorwürfe machen, daß ich gar nicht traurig genug sein kann. Oft mitten in' meinem Schmerz um Papa jubelt mein Herz plötzlich freudig auf und eö wird mir so warm, so wohl, ' so leicht, meine Thränen wollen nicht

mehr fließen, mein Gesicht strahlt und lacht, und das Gefühl eines tiefen, tiefen Glücks kommt überwältigend über mich. O, mein' lieber Herr Harry, wie soll ich Ihnen nur danken! Wie schön, wie edel war es dcch von Ihnen, daß Sie meinen sterbenden Papa nicht im Stich gelassen haben, daß Sie ihm beistanden und ihm seine letzten Augenblicke leicht machten. Wie lieb war das doch von Ihnen! Auf meinen Knieen möchte ich Ihnen dafür danken und die Hände möchte ich Ihnen küssen aus Bewunderung und Dankbarkeit. Wie schwach und erbärmlich bin ich im Vergleich zu Ihnen! Ich binar nicht werth, daß Sie mich lieben. Was soll ich nur thun, um Ihre Liebe zu verdienen? Sagen Sie es mir, lieber Harry. sagen Sie es mir! Wenn ich nur wüßte, wie ich sein muß, um Ihrer werth zu werden, .ich würde ja an mir arbeiten Tag und Nacht. Freilich, daß Sie mia? lieben, lieber Harry, weiß ich ja längst, wenn Sie es mir auch mit Worten nie gesagt haben. Aber ich habe es doch gemerkt an Ihren Blicken, Ihrem Erröthen, dem Ton Ihrer Stimme, an allem. Und ich war immer im stillen so glücklich darüber, und nun, nun werde ich ja das allerglücklichste Geschöpf in der ganzen Welt, wenn nicht der Krieg wäre, der häßliche, hassenswerlhe Krieg. Mußten Sie denn wirklich mitgehen. Harry? Nun zittert mein Herz taglich, stündlich um Sie, und trotz alles Glückes kann ich doch so recht froh nicht werden. Ihre Schwester Carrie o, wie lieb ist sie! sagt freilich, daß Sie nicht anders gekonnt hätten, daß Sie nicht hätten zu Hause-bleiben dürfen. O, wie bewundere ich Ihre Schwester Carrie und wie beneide ich Sie um Ihren Muth und Ihren . . . Ich dürfe nicht weinen um Sie, sagt Carrie. sondern ich sollte stolz darauf sein, einen Bräutigam unter den Vaterlandsvertheidigern zu besitzen, wie sie stolz wäre, einen Bruder in der Armee zu haben. Aber, lieber Harry. ich bin ein so furchtsames, so schwaches, kindisches Geschöpf, daß ich ganz und gar keinen Stolz empfinde, sondern nur Furcht und Angst, eine unbeschreibliche Angst. O, liebster, bester, einziger Harry, ich bitte Sie. auf meinen Knieen bitte ich Sie. geben Sie doch recht, recht acht auf sich! Man kann ja doch ein guter, braver Mensch sein, ohne daß man so furchtbar tapfer zu sein braucht. Und wenn es wieder einmal zur Schlacht kommt, denke Sie ein klein wenig an mich und an meine unaussprechliche Angst um Sie! Seien Sie doch ja hübsch vorsichtig und wagen Sie sich nicht gar zu weit vor, liebster, bester Harry! Denn wenn die feindliche Kugel auch Sie träfe, wenn auch Sie nein, ich kann es nicht nieverschreiben das entsetzliche, schreckliche Wort. Aber überleben könnte ich es nicht sicherlich nicht. Ich habe ja nun Niemanden mehr als mein Muttchen und Sie, mein lieber, einziger, süßer Harry. O, ich liebe Sie ja so sehr, so sehr ich kann es ja nicht sagen, wie sehr. Haben Sie es denn nie bemerkt? Freilich, ich habe mich ja immer verstellt und wollte es Sie nicht merken lassen. Aber nun hört Verstellung und alles auf, nun sollen Sie es wissen, daß alle meine Gedanken bei Ihnen sind, bei Ihnen, und daß ich' nur den einen Wunsch habe, Sie möchten zu mir zurückkehren recht bald, recht bald. Ich will Sie auch so glücklich machen, lieber Harry, so glücklich. Mit so viel gutem Willen, mit so viel heißer Liebe im Herzen muß das mir ja doch gelingen. Ihre Schwester Carrie brachte mir einen Ring, in Ihrem Namen, Harry, einen wunderschönen kostbaren Ring. , In der Mitte ein Onyx, der so köstlich in den verschiedenen Farben schillert, und rings herum kleine blitzende Diamanten. Das soll mein Verlobungsring sein, und er soll mich. so oft mein Blick auf ihn falle, au Sie erinnern. Aber ich denke auch ohnedies immer, immer an Sie, lieber Harry! Aber gefreut habe ich mich doch so sehr. Es ist doch gar. zu schön, einen Verlobungsring zu tragen, verlobt zu sein. Braut zu sein! Wissen Sie. liebster Harry, roaä meine Freude ein wenig dämpft,' was mir bang und schwer auf der Seele liegt? Daß Ihr Vater noch nichts von unserer Verlobung weiß. Ob ich Ihnen böse bin, weil Sie wünschen, ihm unsere Liebe vorläufig noch geheim zu halten? Durchaus nicht, lieber Harry. Wie mir Carrie erzählte, zürnt er Ihnen ja noch ohnedies, weil Sie heimlich, ohne sein Wissen und gegen seinen Willen mit in den Krieg gegangen sind. Aber wie wird er es aufnehmen, wenn Sie eines Tages zurückkommen und ihm alles sagen? Doch diese Sorge ist ja verhältnißmäßig nur klein, und ich will an sie jetzt nicht dcnken, sondern das alles getrost der Zukunft überlassen. Wenn nur die eine große, große Sorge nicht wäre, die Sorge um Ihr theures Leben, mein guter, einziger Harry! Wissen Sie. lieber Harry, daß Ihr Leben jetzt eigentlich mir gehört und daß Sie gar kein Recht haben, leichtsinnig und rücksichtslos damit umzugehen? Ich erlaube Ihnen nicht, Ihr mir so theures Leben in Gefahr zu bringen. O. lieber, lieber Harry. wie furchtbar zittere ich um Sie. Ich möchte gar nicht aufhören zu schreiben und zu Ihnen zu reden, denn lo lange Sie mir zuhören und meinen Brief lesen, können Sie ja nicht kämpfen. Aber daö ist ja alles Unsinn. Ich kann Sie ja nicht abhalten, Ihre Pflicht zu thun, und ich darf es ja auch nicht, wie Ihre Schwester sagt. Ich kann Sie ja nur bitten, fußfällig bitten, liebster, theuerster, heißgeliebter Harry, geben Sie sich nicht unnöthig, preis aus gar zu großer Vaterlandsliebe, aus übertriebenem Ehrgeiz! Einmal muß ich doch schließen. Und darum will ich's gleich jetzt thun und Sie nicht langer mit meinem dummen Geschwätz ermüden. Mein Muttchen läßt Sie herzlichst grüßen und ich selbst, ich daö

darf ich ja nun als Ihre Braut ich küsse Sie vieltausendmal. In unaussprechlicher, ewiger Liebe Ihre ' glückliche und unglückliche Margaret Leip-hold.-Merkwürdig, in ein wie starkes Räuspern und Hüsteln der junge Soldat während der Lectüre des letzten Theils dieses Briefes ausbrach, das ihm das Bild des geliebten Mädchens vor die Seele zauberte in all ihrer köstlichen Naivetät und Ursprünglichkeit. Als er mit dem Lesen fertig war. strich er mit der Hand verstohlen über seine Augen. Dann warf er einen heimlichen forschenden Blick nach seinen Kameraden, und als er sich überzeugt hatte, daß Niemand auf ihn achtete, führte, er die zusammengefalteten Vriefblättchen hastig an seine Lippen. Und zuletzt streckte er sich der Länge nach auf' die Erde und drückte sein erhitztes, glühendes Gesicht in das ,kühlende grüne Gras. An demselben Tage traf ein anderer Brief mit der Feldpost izn Lager zu Hunters Chapel ein. Die Absenderin war Carrie Bradley und der Empfänaer Lieutenant Henning. Der junge Deutsche war sehr überrascht. Seine Gedanken hatten sich häufig mit der Tochter seines ehemaligen Principals beschäftigt und jedesmal strömte ihm das Blut heiß zum Herzen, so oft n sich die Abschiedsscene zwischen ihnen beiden, die einen so überraschenden Verlauf genommen, in's Gedächtniß, zurückrief. Das Erinnerungszeichen, das sie ihm eingehändigt hatte, war sein stetiger Begleiter und seinen Platz in der Rocktasche über dem Herzen verließ das zierliche Portefeuille naxr wenn Henning es hervorzog, um nach seiner täglichen Gewohnheit Eintragungen in dasselbe zu ncachen. Was konnte ihm Carrie Bradley mitzutheilen haben? Mit ykstigen: Fingern öffnete er das Couvert, seine Blicke flogen aufleuchtend, gleichsam liebkosend über die kleinen, regelmäßigen Schriftzllge der Briefschreiberin'. hin. Carrie Bradley schrieb: Werther Herr Henning! Verehrter Freund! Aus der Tiefe meines HerzenS danke ich Ihnen. ' Harry. schrieb mir, was Sie für ihn gethan' haben. Ihre treue Freundschaft, Ihre Furchtlosigkeit, Ihre Aufopferung, die sich um die eigene Sicherheit nicht kümmerte. haben ihm das Leben gerettet. Wenn Sie sich nicht im rechten Moment seiner erinnert, ihn vermißt hätten und zu ihm zurückgekehrt wären, so hätte der Pistolenschuß des feindlichen Reiters Harrys jungem Leben ein Eude gemacht. Der brave Junge! Ich bin stolz und glücklich, daß er sich vor den Feinden so wacker gehalten hat. Und Ihnen, theurer Freund, drücke ich im Geiste die Hand und rufe Ihnen zu: Haben Sie herzlichen Dank! Ihnen danke ich das Leben meines einzigen Bruders Und ich blicke in Ihre ehrlichen blauen deutschen Augen und bitte Sie: Nehmen Sie sich auch ferner meines Bruders an! Seien Sie ihm in Zukunft ein Frevnd, ein Berather und Helfer Ich habe ein so großes Vertrauen zu Ihnen, daß es mir bei aller bangen Sorge um Harry doch ein unendlich beruhigendes, wohlthuendes Gefühl ist. Sie in seiner Nähe zu wissen. Es ist mir, als wäre er neben Ihnen in Sicherheit, als könnte ihm kein Haar gekrümmt werden, so lange Sie leben und über ihn wachen, so lange Sie leben! . Daß Sie aber den Feldzug überlen werden, darum ist mir nicht im geringsten bange. Ich bin nicht abergläubisch und gebe nichts auf Ahnungen und Voraussagungen und ich glaube nicht an übernatürliche Kräfte im Menschen, aber ich bin so ganz durchdrungen von der Gewißheit, Sie wiederzusehen, daß ich nicht glaube, dieses Gefühl könne trügen. Ich weiß nicht warum und woher, aber ich lebe in der sicheren Voraussicht, daß die schönen unvergeßlichen Abende wiederkehren werden, daß wir wieder wie einst am Kamin unseres Parlors versammelt sein werden, Sie, Harry und ich. Ich sehe alles noch deutlich im Geiste vor mir. wie Sie Mit vor Begcisterung strahlenden Augen, mit verHartem Gesicht hinreißende Stellen aus Ihren deutschen Lieblingsdichtern vortrugen, oder uns Ihre akademische Jugendzeit schilderten, und wie ich mich dann, um Ihnen eine Erholungspause zu gönnen und um auch meinerseits zur Unterhaltung beizutragen, an's Klavier fetzte, um schwermüthige amerikanische oder indianische Weisen zu spielen und zu singen,' die Sie so gern hörten, und wie Harry zuletzt drollige Negerlieder . und Negertünze mit so grotesker Komik vorzutragen und vorzutanzen pflegte, das, wir beide uns jedesmal vor Lachen, ausschütten wollten. Ach wi schöne Abende waren das! Auch jetzt, -ver-bringe ich ja meine Abende nicht, einsam, aber wie so ganz anders doch als damals! Papa leistet mir alle. Abende Gesellschaft und in der Regel lommt Mr. Cunningham auf eine oder, zwei Stunden, um uns die Abenddepeschen vorzulesen und um mit mir über den Krieg zu disputiren. Wir sind immer entgegengesetzter M:inung. Während ich der Ansicht bin, daß es dem lräftigen Norden sehr bald gelingen wird, den schwächeren Süden zu besiegen und zur Nachgiebigkeit zu zwingen, glaubt Mr. Cunningham, daß der Krieg sich jahrelang hinschleppen wird. Wennauch der Norden über die größeren Kräfte und Hülfsmittel verfüge, fo besitze der Süden vorläufig die besseren Führer und Soldaten. Leider gibt der Anfang Herrn Joshua Cunningham recht. Aber ich hoffe, daß unsere Armee die schmähliche Niederlage bald durch einen um so glänzenderen Sieg vergessen machen wird, daß das Beispiel der tapferen deutschen Division die amerikanischen Regimenter mit Beschämung erfüllen und zur Nach:Zferung antreiben wird. Mit fieberndem Interesse verfolge ich die Borg: auf dem Kritschl. i: nürd:z

Ihr Wunder haben, wenn Sie wüßten, wie gut ich vertraut bin. Die Gegend am Potomac und überhaupt die Oertlichkeiten auf dem Kriegstheate? in Virginia sind mir jetzt so bekannt wie die Umgebung von New Jort. Mr. Cunningham bat die Güte arbabt. mir

eine große Karte vom Kriegsschauplatz mitzubringen und alle Abende stehen wir nun über die Karte gebeugt, die ich auf einen großen Tisch gelegt habe, und besprechen die voraussichtlichen Operationen der Armee. Die Stellungen der beiden Heere haben wir mit an Stecknadeln befestigten Fähnchen bezeichnet und ich brenne nun darauf, die blau-weiß-rothgestreiften Fähnchen südwärts gegen Richmond vorrücken zu dürfen. Im Uebrigen sind Papa und Mr. Cunningham von. einer sieberhaften Thätigkeit. Mr. Cunningham war in Europa und hat große Einkäufe von Waffen gemacht. Indeß hat Papa die Fabikation von Gewehren vorbereitet. Mr. Cunningham ist mehr als je Papas rechte Hand und Papa wird nicht müde, zu rühmen, ein wie tüchtiger, kluger Geschäftsmann Mr. Cunningham und von wie großem Werthe er ihm gerade in jetziger Zeit ist. Ich aber bin der Ansicht, ein jeder tüchtiger Mann gehöre jetzt auf den Kriegsschauplatz. Freilich Papa entgegnet mir immer, wer denn die Wasfen schmieden und die Armee mit dem zum Kriege Nöthigen versehen soll, wenn alle waffenfähigen Männer im Felde stünden. Etwa nur die Krüppel und die ganz Alten? Papa mag recht haben: Es müssen auch tüchtige Männer zu Hause bleiben, die die Soldaten mit allem, was zum Kriege erforderlich ist, versorgen, und es mag wahr sein, daß Mr. Cunningham, der ohnedies die Strapazen des Feldzuges wohl kaum aushalten würde, hier mehr am Platze und dem Vaterlande nützlicher ist, als er es als Sodat im Felde wäre. Doch ich sehe zu meinem Erstaunen daß ich bereits nahezu acht enge Seiten geschrieben habe. Ich muß nun. wohl schließen für heute, obgleich ich noch gern mit Ihnen geplaudert hätte. Grüßen Sie mir Harry und schreiben Sie mir recht bald, wie es Ihnen geht, was Sie - treiben, wie Sie leben und wie Sie die Strapazen ertragen. Seien Sie überzeugt, daß das alles für nrich von lebhaftem In-teresse-istunÜ bitte, theilen Sie mir mit, o& tS. bald wieder zur Schlacht kommen, wird. Richt wahr, Sie werden mir von Zeit zu Zeit schreiben? Ich bitte Sie recht herzlich darum und ich weiß jcr.. daß. Sie gern gefällig sind. Ihre, aufrichtige, Sie herzlich grüßende Freundini Carrie Bradley." Der sonnige Glanz, der sich anfangs über das Antlitz des Lesenden gebreitet hatte, verschwand mehr und mehr, je weiter, er in. der Lectüre vorschritt, und seine sich immer, finsterer runzelnden Brauen bewiesen datz ihm das Bild des neben Miß Bradley über die Karte des Kriegsschauplatzes sich beugenden und mit ihr, plaudernden Mr.' Cunningham nichts weniger als Behagen verursachte. . 3. Die schmähliche. Niederlage von Bull Run entmuthigte die. AnHanger der Union keineswegs. Die Hauptcharaktereigenschaften bei Amerikaners, seine Zähigkeit, und seine Energie, die sich nicht so leicht, niederdrücken und beugen lassen, zeigten sich jetzt in glänzendem Licht. Das Unglück spornte Regierung und Bürger zur höchsten Thatkraft an.. Man sah ein, daß mit Reden und mit. der. bloßen Begeisterung nichts gethan, sei und man fing an, die vorhandenen. Uebelstände, die schlechte Ausrüstung und Ausbildung der Truppen, zu. erkennen und an ihrer Beseitigung mir. Anspannung aller Kräfte zu arbeiten.. Man erkannte, daß kleine Anstrengungen den. Gegner nicht überwinden, würden, und man begann den Krieg, iw großem Stil. Lincoln verlangte. 400.000 neue Soldaten. Der Congrch.bewilligte 500.000 Mann und zugleich die nöthigen Millionen. Mr. Dowell. der die Schlacht am Bull Run. verloren hatte, wurde seines Postens enthoben und an seiner Stelle ein noch junger General McClellan zum. Oberbefehlshaber der Unionsarmer ernannt. McClellans Verdienst war ei daß er sich zunächst daran genllgen. ließ, die Armee zu organisiren, siesa gut es ging, lriegstüchtig zu machen. und von jedem offensiven Unternehme für die nächsten Monate abzusehen. Manche Regimenter besaßen, auch jetzt noch nicht einmal Waffen in. genügender Anzahl. Aber nun wurde, mit großem Eifer gearbeitet, aus dem. Chaos, in dem sich die Truppen zum. Theil noch befanden, eine brauchbare: Armee zu schaffen. Täglich langten, neue Regimenter an. Washington, glich einem ungeheuren Waffenplatz,. Die Regimenter wurden in Brigadur. und Regimenter getheilt. ArmeecorpA konnte man aus Mangel an brauchbar ren Führern noch nicht formiren. C& wurde täglich mehrere Stunden er, cirt und auch der Ausbildung dtf einzelnen Mannes größere Sorgfalt alsbisher gewidmet. Auch in den it nalen wurde fieberhafte Thätigkeit ent. wickelt und die ganze Industrie deä Nordens legte sich auf die Fabrikation von Kriegsmaterial. Die llmoni armee erreichte unterdessen eine Stärte von 600.000 Mann und Washington wurde mit einem Gürtel starrer Forts umgeben. Die deutsche Division war durch ihren Antheil an der unglücklichen Schlacht am Bull Run sehr beliebt geworden. General Blenker gehörte zu den populärsten Figuren in Washington. Seine martialische Gestalt in der kleidsamen prächtigen Uniform erregte überall Aussehen und er hatte jedesmal eine größere Schaar neugieriger Be. gleiter. so oft er sich in den Straße der Bundeshauptstadt sehen ließ. (Fortsetzung folgt.)

Sür die Küche. Solferinosuppe. Man kocht eine helle Kalbfleifchbrühe' von den Abfällen des Nierenbratens, seiht sie durch, bindet sie leicht mit Hellem Buttermehl, giebt mehrn Löffel glatt gerührtes Rcismehl an die Suppe und zieht sie mit vier mit Sahne verquirlten Eigelb ab. ünne Maccaroni hat man in Wasser für sich gekocht und würfelig geschnitten. Diese thut man ncbst einer kleinen Büchse eingemachter grüner Erbsen in die Suppe und streut einen Löffel gewiegte Petersilie hinein. Französische Schnißel. Aus gut abgelegenem Kalbfleisch werden Schnitzel geschnitten, leicht getopft, durch zerlassene Butter gezogeu. gesalzen und darauf vanirt. Be-

'vor man sie brät, erhitzt man den Inhalt emer Buchse zarter Erbsen und Karotten im Wasserbade, läßt die Gemüse abtropfen und schwenkt sie nur in Butter mit etwas Pfeffer und gewicgter Petersilie nebst einer Messerspitze voll Flcischextract heiß. Auch kkine, in der Schale gekochte Kartoffeln brat man in Butter goldbraun, rollt Sardellenfilet auf und läßt Mired Pickte abtropfen. Die Schnitzel werden nun rasch gar und saftig gebraten. Man legt jedes Schnitzel auf eme Scheibe übergebratenen Frühsiücksspecks', legt obenauf ein Spiegelei und garni'rt die Schüssel mit den Gemüsen, Kartöffelchen, Sardellenfilets, die im letzten Augenblick mit Caviar gefüllt werben-,. Mi?ed Pickles und geriebenem Meerrettich. Eine Sauce wird zu diesem- Gericht nicht gegeben. Rind5filet auf englische Art. Man brate ein schön gespicktes Filet in Butter mit" etwas kochendem Wasser, welches man wenn das Filet Farbe genommen hat,, mich und nach daran gießt: Mache dann etwßs braune Einbrenn (Mehlschwitze), rühre sie mit dem abgefetteten Brarensafte des Fi lets,. und sollte dieser nicht genügen, mit. etwas Bouillon-, an;, gebe es durch ein Sieb, unv' koche e dickflüssig . ein. Fette nochmals ab und vermische die Sauce mit der doppelten Menge an Johannisbeergelee; lasse, damit emige mal aufkochen, füge ein Stück sehr frische Butter hinzu, wonach sie nicht mehr, kochen darf, und gieße sie in eine Sauciere. Den Braten umlege man mit. feingeschabtem Meerrettich und eingemachtem Ingwer, und servire sehr heiß. Lendenbratem nrrt Sar bellen. Ein gehäuteter, gut geklopfter Lendenbraten, wird gespickt, gesalzen und mit Citronensaft beträufelt. Unter häufigem Begießen mit Butter gebraten. Indessen bereitet man von den nöthigen Sardellen mit sieben Unzen Butter, Sardellenbutter, Ht man mit dem Saft einer kleinen Eiirone verrührt. Die Hälfte davon dünstet' man mit feingeschnittener Zwiebel, noch einigen Sardellen, Eitronenschale, einemLorbeerblatt, etwas Pfeffer, Mehl und Fleischbrühe zu einer dünnen Sauce, die man dann noch 10 Minuten ziehen läßx. Unterdessen schneidet man den fertigen Lendenbraten in Scheiben-,, streicht die übrige Sardellenbutter.- auf dieselben, leg! sie wieder in seine Form zusamrnen, zieht die Sauce mit: drei Dottern ab und giebt sie über den- Braten. Man girnirt das Gericht: mit Butterteig pastetchen. Zungen - Cot ttti t s. Eine frische Ochsenzunge wird weich gekocht, abgezogen, in fingerdicke Scheiden geschnitten, in geschlagenes Ei getaucht, in geriebener- Semmel gewendet, die man mit etwas Muskatnuß würzen kann, und dann in. Butter hellbraun gebraten, worauf man sie als Beilage zu Rosenkohl,, Spinat und anderen feinen Gemüsen gint. K r a u t w ü r.st ch rir. Von einem Kopf Weißkraut- werden die Blätter adgepflückt und gebrüht. Inzwischen hat man eine Fülle, vorr rohem Rindfleisch und Schweinefleisch mit etwas geriebener Semmel,, einigen Eiern, gewiegter Zwiebel, und ein klein wenig Pfeffer gemacht;, womit jedes einzelne Blatt bestrichen und.dann zusammenguollt wird, wobei man die beiden Seiten des Blattes über die Fülle schlägt, damit, das Fleisch beim Braten nicht herausläuft. Sodann werden die. Röllchen nebeneinander in eine Bratpfanne gelegt und mit Butter mindestens eine Stunde gebraten, da mit das Kraut nicht hart bleibt. Petersilieufische. Kleinere Fische, etwa: Barsche, Weißfische und. dcrgl. werden gesäubert, geschuppt, ausgenommen und gewaschen, dann abgetrocknet und gesalzen und mit Wasser. anfZ Feuer gebracht. Dreiviertel gar gießt man sie ab, dickt die Fleischbrühe mit Buttermehl ein und thut fünf.biZ sechs zerschnittene Petersilienwurzeln, eine Handvoll gewiegte grünes Petersilie, ein Lorbeerblatt, ganzur Pfeffer und Gewürz, sowie Aviericlscheiben dazu, läßt es kochen, giebt, dir Fische hinein und macht sie in 'der. San vollends gar. Kalbs gekroe. Das Gekrösewird sauber gewaschen und von den anhangenden Drüsen befreit, dann miv lauwarmem Wasser, dem nöthigen. Salz, Petersilie und Sellerie?, einer gespickten Zwiebel und einem halben Glas Essig zum Feuer gebracht und weichgekocht. Nun werden ein Löffel Fett und ein Löffel Mehl zusammengedünstet mit einem Schöpflöffel von dem Sud- aufgelöst, und das in Streifen geschnittene Gekröse darin aufgekocht. Apfelcompotb do gt trockneten Aepfeln. 5)a!be trockene Aepfel od Schnitte weicht man eine halbe biZ eine Stunde in lauwarmem Zuckerwasser. Ja hal! Wasser, halb Weißwein, mit viel Zucker, Zimmet und Citrone?.schalen dämpft man die Aepfel etwa 4.? Minuten und richtet sie dann mit dem. Saft an.