Indiana Tribüne, Volume 22, Number 137, Indianapolis, Marion County, 5 February 1899 — Page 2
SlurmMY.
Von Erich Petersilie Heulend wühlte der Sturm w der Mäche der N?rdsee und schleuderte schäumende Wogen gegen den flachen Strand der kleinen Hallig. Zischmd rollten sie das niedrige Ufer hinauf und spritzten ihre nxifce Gischt mit hohl? Gebrüll gegen d ärmlichen Fischerhäuser. (5L war Sturmfluth. lohende Ge fahr für oas Leben der Bewohner des dürftigen Eilandes, drohende Gefahr uch ät alle diejenigen, die sich in die ser Nacht des Aufruhrs der Element? auf -dem Meere befanden, denen die Nacht und der strömende Regen 'die unheilvolle Näbe der Jlüste verbarg:. Aus allen Häusern schimmerte Licht, kaum ein Auge schlief, der nächste Augenblick konnte denLusammenbruch des heimathlichen Daches bringen. Eine kleine Zahl wetterfester Manner stand, der Gefahr .des eigenen Herdes nicht achtend, um das Rettungsdoot geschaart, bereit, auf jedes Signal eines scheiternden Schiffes einen Gang mit tex empörten Fluth da craußen zu wagen. Dort unten, ganz nahe am Strands stand ein kleines Haus. Gedämpfter Lichtschein drang uus dem Fenster und tanzte unrrchig flackernd auf den heransprühenden Wog,m, die gierig am Fundamente 'des Hciuschens leckten. Drinnen lqgl'.f dem Krankenbette eine Frauengestait. Weib wie der Gischt der See war ihr spitzes Gesicht, zwei große, blaue Augen starrten weitgeöffnet bald nach der Decke, bald blickten sie rastlos im Zimmer umher, als wollten sie .jeden Gegenstand noch einmal sich tief in 'die Seele graben, the sie sich für immer schlössen. Die mageren. abgezehrten, Hände ruhten gefalttt auf der eingesunkenen Brust, die von Zeit zu Zeit ein kurzer, trockener Husten schüttelte. Die Frau '.war .krank, sehr krank Schwindsucht hatte der Arzt gemeint und die Achseln gezuckt, als er heute Morgen fortging. Die alte Wärterin, die neben 'dem Bette saß, .wußte, wie es mit derKranken da stand, und das that ihr weh. Trübe nickte sie mit dem Kopfe: wie munter und gesund war die kleine Liv Stromfjeld als .Kind doch gewesen, als sie noch da oben .in Norwegen wohnten; sie hatte sie saiost auf den Armen .gehalten und mit ihr gespielt. Das war lange, lange her. Dann waren sie fort und hierher gezogen, wo Livs Mutter geboren war, die droben in nordischer Erde ruhte. Es sollte nur nuf ckurze Zeit sein, der Water Livs wollte vorerst nicht an dem Ort bleiben, wo sein Theuerstes begraben lag. er brachte .Kind und Amme hierher und fuhr"dann fort mit dem Schiffe, das er führte. Mehr als dreißig Jahre sind'L nun "her, und er ist noch immer nicht wiedergekommen. Liv wuchs heran arnd wurde schön beifällig nickte die Alte im Gedanken da geschah das Unglück. Sie war 18 Jahre alt, da kam der fremde, junge Matrose aus Hamburg aus die Insel der nahm Livs Herz mit fort, als .er ging. Ein schöner Junge war er, der Erik Andersson, gewiß die Alte nickte wieder doch er hatte nicht Lut gethan an ihr. Nun war auch der schon lange todt. Als die Liv es erfuhr, brach's ihr das Herz, und als das Kind dann gestorben war, da wurde sie nicht mchr gesund, die ganzen Jahre hindurch. Ja, ja. der Erik Andersson! Sie sagen, er fiel im Sturm in's Meer beim Segelreffen glaub's nicht," murmelte die Alte und schüttelte mit dem Kopfe. ..konnte klettern wie eine Katze und Zannte keinen Schwindel. Freilich, der Klas Nielssen hat's erzählt, der dabei war, und Jilas Nielsfen ist ein braver Junge " Die Betrachtungen .der alten Frau wurden unterbrochen iiiich einen leisen Ruf der Kranken; sie trat zum Bette und hörte den mit hastiger Stimme hervorgestoßenen Wunsch der Leidenden kopfschüttelnd an. Nein, nein, Mderspiich .mir .nicht! Rufe ihn, ich bitte Dich, .morgen ist nicht mehr Zeit, ich fühl's. Wenn Du zur Hinterthür hinaus gehst, kommst Du trocken hin, 's sind ja nur zehn Schritt! Ich muß Gewißheit .haben, eh's zu spät ist." Die Alte ging. Zehn bange Minuten verstrichen, ia denm nur das Tosen .des Sturzes, das Brüllen der See, vermischt mit dem 'klatschenden Wegen, ixic Stille im Zimmer unterbrach. Endlich ging die Ühiii auf und Herein trat die alte Amme und mit ihr Klas Nielssen. Klas Nielssen schien ein Mann j?on einigen sechzig Jahren. Sein Haar war grau und Mg ihm tarn Sturme zerzaust in's Gesicht, das ein kurzgeschorener Bart nach Sitte der Fischer, leren Tracht er trug, umrahmte. Sein Besicht war tiefgefurcht, scharf und streng geschnitten, und v?n zwei kla.ren, blauen Augen durchleuchtet, die er aber jetzt zur Erde senkte, als fürchte er. dem forschenden Blicke der Kranken zu begegnen. Ihr habt mich rufen lassen, was wünscht Ihr vor mir?" Sie streckte ihm die magere Halid entgegen, die er nahm, vorsichtig, ül$ fürchte er, sie zu erdrücken. Sch Dich her, Klas, nah, nah, ich kann so laut nicht sprechen. Sieh, wir sind immer treue Kameraden gewesen? jetzt geht's zu Ende mit mir, willst Du mir wohl noch einen letzten Wunsch erfüllen?" Klas Nielssen wandte sich ab. .Sprecht,' sagte er dumpf. Klas, Du weißt, wie lieb ich ihn hatte ich kann'S nicht mehr zurückhaln erzähl' mir, wie er starb!" . Der Mann am Bette fuhr zusammen V ... v n iiiiv ?liierie wie im üw. . i
Alles. aNeS, waS Ihr wollt, nur das verlangt nicht von mir!" Seine Brust athmete schwer und seine Jmger krampften sich zusammen. Klas, um Gotteswillen, so ist's wahr er hat sich selbst getödtet!? Klas. Du mußt mir's sagen, ich kann nicht sterben!" Sie schrie laut auf und packte seinen Arm mit verzweifelter Kraft. Er wand sich wie ein Wurm: Jch .Zann's nicht, erlaßt mir das eine, ich bitt' Euch!" Ein heftiger Hustenanfall schul terte in diesem Augenblick den Körper der Krauken; als er vorüber war. sank sie leise stöhnend in die Kissen zurück. Kla!,'" begann sie mit matterStimme. ich weiß, daß Du mich immer lieb gehabt hast und keine weiter; Du hast mir's znie gesagt, doch ich hab' Dir'L wob! angesehen. Ich hab' Dir bitter Unrecht gethan, aber ich hatte ihn doch se mnsäglich lieb ich konnte nicht anderö. O, daß er fortging ach, es war -eine so kurze, so selige Zeit! Nun ist todt, unser Kind ist todt, und nur .wenig Zeit, so folge ich ihnen auch.. .Klas. versprich mir, lege mich neben
'as kleine Grab ach, an seiner Seite kann ich a mmmer ruhen und .Klas. vergieb mir, daß ich 2ir weh gethan." Sie reichte ihm mit müdem Lächeln .die Hand; er nahm sie nicht, sondern starrte finster aus den Boden. So er'Lriff sie selbst denn die seine und strich liebkosend darüber hin. Zürne auch L)u ihm nicht, wie ich es nicht kann. ldaß er mich freiwillig verließ und den Tod der Schande vorzog ach, hatt ich's doch auch gethan!" Klas Nielssen saß regungslos. Plötzlich ging ein. krampfartiges Beben durch seinen Körper, jäh sprang er aus und warf sich schluchzend auf die Kniee, ihre Hand mit glühenden Küssen bedeckend; immer wieder und wieder rannen die heißen Thränen dem starken Manne über die Wangen und seine Stimme erstickte in qualvollemSchluchzen. Liv, Liv," schrie er endlich auf, ich muß mir's von der Seele wälzen, was mir seit zwanzig Jahren das Herz erdrückt, was mich schlecht, mich alt gemacht hat. vor der Zeit! Laßt mich reden, ich kann's nicht länger tragen, und dann verdammt mich, wenn Jhr's könnt!" Erschrocken blickte die Leidende auf diesen Ausbruch einer verzehrenden Leidenschaft, ohne daß sie ihn zu deuten wußte. S'ist alles, alles erlogen, er gab sich nicht den Tod, er " Aechzend brach er ab. Was denn? Wie starb er? Bei allem, was heilig ist, erzähle, ich beschwöre Dich!" Klas Nielssen athmete tief, senkte den Blick zur Erde und schwieg eine Zeit lang. Dann begann er mit stockenoer Stimme: Liv Stromfjeld, ich hab' Euch lieb gehabt, schon als Ihr als kleines Kind auf die Insel kamt, und hab' Euch geliebt bis heute, bis zu dieser Stunde! S'war Unrecht. Ihr standet über mir, und Erik Andersson, der Hamburger Nhedersohn, paßte Wohl besser zu Euch; drum hab' ich's hier drinnen in der Brust verborgen, ob mir's auch das Herz zersprengen wollte, Ihr solltet's nimmer erfahren. Könnt Ihr wohl fassen, was ich da fühlte, als ich Euch damals mit ihm überraschte? Könnt Ihr den Haß, den grenzenlosen Haß verstehen, den ich gegen ihn nährte, gegen ihn, der Euch die Ehre, mir das geraubt, was ich lieb hatte, mehr als alles auf der Welt?! Seht, feit jenem Augenblick kannt' ich keinen schlimmeren Feind, und ich hab' ihm nimmer vergeben können, nimmer bis heute." Er schwieg einen Augenblick, dann fuhr er fort und seine Stimme nahm einen düsteren Klang an: Es traf sich, daß wir zusammen nach Hamburg gehen mußten und schließlich auf demselben Schiffe Dienst nahmen. War ein schmucker, damals funkelnagelneuer Schooner, die Normannia". der nach Java bestimmt war. Gab viel zu thun für uns, doch mx war's, fchon recht, war ein flinker Junge damals, kaum fünfundzwanzig man steht mir meine fünfundvierzig jetzt nicht an. Es geschah kaum mit Absicht, doch ich suchte es überall Erik Andersson zuvorzuthun. Das gelang mir aber schlecht; denn der war gewandt, kletterte auf die Raaen und Mastspitzen wie ein Elmsfeuer und fühlte keinen Schwindel. Ich haßte Ihn nur noch mehr darum. Konut' halt nicht anders, 's war zu viel, was er mir gethan. Weiß nicht, ob er das fühlte, es schien nicht so; denn er war stets freundlich zu mir und wenn er besonders gut aufgelegt war, fing er an, von Euch zu erzählen Gott im Himmel, er hätt' mir die Brust mit Messern zerreißen können, ich hatt's nicht so gespürt!" Klas Nielssen schwieg. Angstvoll blickte die Kranke auf ihn. .And dann?" fragte ste hastig. Wir waren mit gutem Segelwind bis zum Kap gekommen. Schon stieg am Horizonte der Tafelberg vor uns auf. da mit einem Male verfinsterte sich ie' Luft und ein Orkan kündigte sich an, wie ihn nur jene unseligen Breiten hervorbringen. Jetzt hieß es Segel reffen in höchster Eile, sollten die Masten nicht über Bord gehen. Ging auch alles ganz glatt und alle Mann kamen wohlbehalteu an Deck; jedoch vorn am Klüverbaum blähte stch das Segel noch. Eben wollte der Eapitän Befehl geben, auch das einzuholen, . da brach der Sturm mit entfesselter Wuth los und jagte unS eine Sturzsee nach der andern llberS Deck.. Doch das Segel mußte herein! Freiwillige vor!" schrie der Capitän; keiner meldete sich, jeder wußte, wer jetzt heil vom Klüverbaum wieder herunter kam. der dankte es nicht seiner Kraft. Plötzlich trat Qxit
Andersson vor, lächelnd wie immer. Mich durchfuhr eö ein Augenblich
und ich stand neben ihm. Brav, meine Jungen," lobte uns' der Capitan, werd's Euch nicht vergessen!" Es war die fürchterlichste Arbeit, die ich je gethan. Sturzsee auf Sturzsee nahmen wir über; jedesmal, sowie wir eine kommen sahen, klammerten wir uns an's Tauwerk an und ließen sie über uns rollen; war sie vorüber, schnürten wir am Segel, was die Muskein halten wollten. Fast waren wir fertig, da plötzlich stieß Andersson einen Schrei aus, sein Fuß hatte den Halt verloren; ich sah ihn stürzen, mit einer Hand hielt er sich am Tauwerk, der Körper schwebte ftei über dem schauerlichen Abgrunde, grisf ich zu, so konnte ich ihn noch retten. Da, wie ich den Todfeind so in meiner Gewalt sah da packte ich seine Hand, riß sie los und " Ein, entsetzlicher Schrei unterbrach den Erzähler. Liv Stromfjeld hatte sich mit sterbender Kraft imBette aufgerichtet, mit verzerrtem Gesichtsausdrucke starrte sie auf den zusammengesunkenen Mann: Du bist sein Mörder!" schrie sie mit gellenderStimme. Fluch Dir, Elender!" Liv," rief der Unglückliche, ich hin sein Morder, doch, der allmächtige Gott im Himmel da droben ist mein Zeuge, ich ward's ja nur. weil ich Euch so übermäßig lieb gehabt habe! Erbarmt Euch meiner und vergebt mir, eh' es zu spät ist!" Rufst Du den Gemordeten wieder herauf, bringst Du mir mein Glück, mein Leben, alles, was Du mir geraubt, bringst Du es mir zurück? Niemals!" schrie sie wild, dann warf sie ein erstickender Hustenanfall auf das Lager zurück. Klas Nielssen war zerschmettert. Todtenstille herrschte im Zimmer. Plötzlich erzitterten die Scheiben von dumpfen Schüssen, die in kurzen Zwischenräumen einander folgten. Klas Nielssen horchte auf; dann erhob er sich rasch: Wohlan, könnt Ihr mir nicht vergeben, vielleicht vergiebt mir der im Himmel da droben! Hört Ihr die Schüsse? Schiff in Noth! Lebt wohl, wenn mich die See verschlungen hat, dann werdet Ihr und der Todte da drunten gerächt sein!" Festen Schrittes verließ er das Zimmer. Klas, Klas, bleibe hier, geh so nicht fort! Anna, lauf' ihm nach, ruf ihn zurück!" Zu spät, die alte Amme hatte längst das Zimmer verlassen. Als sie auf den Ruf hin eintrat, hörte sie noch die letzten Worte ihrer Herrin: Und. vergieb uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern " ein tiefer Seufzer, derSturm des Lebens war vorüber. ' ' Draußen auf der tobenden See wurde das Rettungsboot von markigen Fäusten durch die Brandung getrieben; am Steuer stand Klas Nielssen und blickte düster nach dem Wrack, dem das Boot sich langsam näherte. Nach verschiedenen vergeblichen Versuchen ge lang es, unter dem Winde anzulegen. Klas Nielssen fuhr zusammen: Wie heißt das Schiff?" fragte er den ersten, der in's Boot sprang. Normannia von Hamburg." Nielssen lachte grell auf: So rech!!" knirschte er zwischen den Zähnen, nun. Erik Andersson, wo bleibst Du. mich zu holen?" Die Besatzung ds Schooners war aufgenommen. Sind alle gerettet?" fragte Nielssen den Capitän. Alle Lebenden, einen Maat riß uns eine Sturzsee weg, just als wir strandeten." Das Boot stieß ab. Schweigend ruderten die Männer dem Lande zu; Klas Nielssen stand wieder am Steuer und blickte in's Wasser -vor sich. Plötzlich tauchte aus den Wellen ein Arm. eine Hand und langsam ein bleiches Gesicht auf. Klas Nielssen stieß' einen gräßlichen Schrei aus: Gerechter Gott, die Todten flehen auf!" Er griff mit den Armen in die Luft und stürzte kopfüber in's Meer. Vergebens waren alle Versuche, ihn wieder aufzufinden; statt seiner zog man die Leiche aus dem Wasser, deren Anblick ihn so entsetzt zu haben schien. S'ist Hans Andersson, unser ertrunkener Maat!" rief der Capitän. Man zog die Leiche in's Boot und legte sie behutsam nieder. Als man das Land erreicht hatte, wurde sie in die kleine Dorfkirche getragen und dort aufgebahrt. Sonderbar." sagte der alte Pfarrer, vor zwanzig Jahren kam zu uns ein Leichtmairose, Namens Erik Andersson, der. wie man sagte, am Kap ertrank seltsam, wie ähnlich dieser junge Mann ihm sieht, man sollte meinen, den Todten vor sich zu haben." Das war sein ältester Bruder," erwiderte der Capitäu, ich horte, er verlor auch auf der Normannia" das Leben." Der Sturm zog mit der Nacht vor über. Mit sanftem Wiegen rollten die ebbenden Wellen am Morgen an den Strand, doch soviel man auch spähte, Klas Nielssen brachten sie nimmer zurück. Die Sturmfluth hatte ihn für immer verschlungen. Häuslicher S i4l n. A.: Du, die Wittwe Goldberger hat sich schon wieder ein Haus gekauft. Das ist heuer bereits das sechste!" B.: Siehst Du, eine solche Frau mit einem so ausgeprägt häuslichen Sinn wäre etwas für mich!" Gaunerlogik. Vagabund (vor einer Tafel): Hier im Orte ist das Betteln strengstens verboten"): Daö ist doch zu dumm, man wird ja förmlich zum Stehlen gezwungen!" Daö Schlimmere. Gatte: Was, schon wieder ein Küßchen na, wo ist denn die Rechnung, die ich bezahlen soll?" Gattin: Ach nein vioxgtn kommt Mama." .
Aas Wunderkind. Nach dem Französischen von A. Die kleine Lucie Vernier war das Kind eines Schauspielerpaares, das die tragischen Rollen an einem kleinen Vorstadttheater spielte. ' Bis zu ihrem zweiten Jahr war das Kind bei einer Bauersfrau in Pflege gegeben, denn die Eltern hatten in ihrem Beruf keine Zeit, sich um das Kind zu kümmern, und als das kleine Geschöpf dann ins Haus zu Vater und Mutter zurück mußte, da zog zu gleicher Zeit die alte Großmutter zu Sohn und Schwiegertöchter, um das Enkeltöchterchen zu warten und pflegen. Von früh bis spät war die 6()jährige Frau zärtlichst um die Kleine bemüht, denn der Sohn und die Schriegertochter waren entweder auf den Proben, oder sie übten zu Haus ihr: Rollen für den Abend ein. Von klein an war Lucie es gewöhnt, mit vielem Pathos die langathmigen TheaterPhrasen von Vater und Mutter anzuhören; gar ost, wenn die Großmutter sie in dem dunklen Hinterzimmer auf den Knieen schaukelte, richtete das Kind sich gerade auf und lauschte aufmerksam nach der geschlossenen Thür hin, durch welche die Stimmen der Eltern zu ihnen drangen. Bisweilen, wenn die Verniers auf einer Tournee waren, führte die Großmutter die Kleine für den ganzen Tag ins Freie. Wenn sie dann die letzten Häuser hinter sich gelassen hatten und man sich fast auf dem Lande glauben konnte, dann setzte die alte Frau sich auf den kleinen Feldstuhl, den sie mitgenommen, schob die Brille zurecht und vertiefte sich in eine Zeitung. Das Kind tummelte sich inzwischen im Gras, jauchzte über jedeBlume, jeden Schmetterling und suchte die Stimmen der Vögel nachzuahmen. Wie niedlich war Lucie! Sie wuchs sacht neben der alten Frau auf, und als sie sechs Jahre geworden, da v:rbreitete sie mit' ihrem hellen Stimmchen, wenn sie tausend wichtige Fragen an die Großmutter zu richten hatte, ader wenn sie ihr ernsthaft die.Gedicht: hersagte, welche die alte Frau sie gelehrt, solch Summen und Singen in der Wohnung, daß sogar die Eltern auf das Kind aufmerksam wurden und Zeit fanden, das Töchterchen genauer anzusehen. Ihre Eigenliebe war nicht wenig geschmeichelt bei dem Anblick des süßen Geschöpfchens. Eines Abends sagte Lucie ihrem Vater ein Gedicht auf, und der Schauspieler rief danach ganz erregt: In dem Kind steckt Talent! Das Mädchen muß. zum Theater! Da ge hört sie hin!" . Das ist ein guter Gedanke!" meinte die Mutter. Da fällt mir etwas ein," rief der Vater. Wir üben jetzt für den Winter ein großes Ausstattungsstück e'n, in welchem ich die Hauptrolle habe. Ich bin der Wachtmeister in dem Stück und muß ein Kind retten. Der Director hat noch Niemand für die Kinderrolle, ich möchte ihm Lucie vorschlagen." Du bist toll!- rief die Großmutt-r heftig. Ein sechsjähriges, kleineZ Ding!. . . Ein so zartes Kind!. . .Das kann Lucie nicht aushalten, das macht sie krank !" Nun, nun, Mutter, so schlimm ist es doch . nicht! Das thut dem Kind gar nichts, und was auch nicht zu übersehen ist, bringt ein gutes Stück Geld, ein und Lucie lernt gleich etwas vom Handwerk. Laß mich nur machen." Die alte Frau konnte nicht dagegen an. Am nächsten Tage schon mußte Lucie beim Vater lernen, was sie in der Kinderrolle zu sprechen hatte, was, nebenbei gesagt, nicht viel war. ' Vernier trug dem Direktor-sein Anliegen vor, und nach zwei Proben, bei denen Lucie sich ganz reizend gezeigt, sagte der Director mit Freuden Ja" und sah schon im Geist sein Haus Abend für Abend durch das Wunderkind" bis auf den letzten Platz qefüllt. Der Abend derVorstellung kam, und als Lucie mit dem Fater zusammen auf. der Bühne erschien, da hatte allzZ im Haus nur Augen für das Kind. Es spielte sich eine Lagerscene und darauf ein Gefecht ab, und Vernier hatte-mitten aus dem Pulverdampf das ihm anvertraute Kind zu retten. Lucie benahm sich, als wenn sie immer in solchem Getümmel und Lärm gewe? sen wäre, und vergaß nicht eine Secunde, was sie zu sagen, oder welche Bewegung sie zu machen hatte. Ter Vorhang mußte unzählige Male in die Höhe gezogen werden, denn das P::dlikum verlangte stürmisch nach dem Wunderkind". Hinter den Coulissen ging es fast ebensa stürmisch zu. Alles umdrängte Vernier und fein Töchterchen, und der Director überreichte dem ahnungslosen Kind feierlich einen Engagementscontract in aller Form. Die Schauspieler beglückwünschten Vernier, und die Schauspielerinnen herzten und küßten das Kind und überhäuften es mit Geschenken aller Art. . Vernier beglückwünschte sich selbst mindestens ebenso zu der guten Idee, die-er gehabt, denn der Director hatte nicht gekargt und vor den Augen Verniers funkelten all die Goldstücke, welche der Contract. Lucies ihm einbringen mußte. Hundert Vorstellungen hinter einander erlebte das Ausstattungsstück;' jeden Abend stand der Name Lucie Vernier" in großen Lettern auf dem Zettel und, jeden Abend war das Haus bis auf den letzten Platz gefüllt. Soweit ging also alles nach Wunsch. Nur schien Lucie nach drei Monaten müde zu sein. Ihr Gesichtchen war
ganz schmal und bleich geworden und vergebens versuchte die Großmutter, welche sich garnicht in die Lage der Dinge finden konnte, die Eltern auf den.Zustand der Kleinen aufmerksam zu machen. Sorgt Euch doch nicht, Mutter," hieß es jedes Mal. . . das Repertoire wird bald geändert, und dann hat Lucie Zeit genug, sich auszuruhen. Und nun ruhte Lucie sich aus! Ihr Gesichtchen war noch bleicher als die. Bezüge des Kissens und die kleine, abgemagerte Kinderhand griff bisweilen wie in Schrecken und Angst nach den Fingern der Großmutter, die in dem dunklen Hinterzimmer am Bett ihres Lieblings Wache hielt. Die arme, alte Frau! Welche Qualen stand sie aus, ihre Lucie, ihren Sonnenstrahl, ihr Kleinod, krank zu wissen. Alle Augenblicke fuhr sie mit zitternden Fingern über die heiße Stirn des Kindes. Der unerbittliebe Tod würde ihr das Kind gewiß nehmen! Bei dem Gedanken überfiel die alte Frau ein ohnmächtiger Zorn. Die Eltern in ihrer- Eigenliebe und G:winnsucht hatten daKind, das zarte, kleine Geschöpf durch Ueberanstren-' gung so weit gebracht: Der Vater war jetzt ganz kleinlaut geworden: DerUnglückliche fühlte seine Schuld und wenn Lucie die fieberheißen Augen groß aufschlug- und ihn starr ansah, so glaubte er den Vorwurf
dann zu lesen. Der Arzt wurde geholt. Unter rauher Hülle ein guter Mensch. Er untersuchte das Kind, brummte unverständliche Worte vor sich hin, die der Großmutter lauter Schreckensbotschaften zu sein schienen, und schließlich, als er sich zum Gehen bereit machte, meinte er: Zum Kukuck! Es ist Gehirnentzllndung. . . und zwar eine sehr schwere!. . . Ich werde mein Möglichstes thun!. . . Legen Sie ihr Eis auf den Kopf. . . ich komme heute Abend wieder!". Und zum Schein hatte er ein Recept verschrieben, denn seine Worte ließen keinen Schimmer von Hoffnung mehr übrig. Eine Stunde später war Lucie in heftigsten Fieberphantasien. Sie saß aufrecht in ihrem kleinen Bettchen, und mit angstvollen Augen rief sie: Der Feind. . . er kommt! oder Schnell, rettet Euch!" Alles Worte, die sie jeden Abend in ihrer Rolle hatte sagen müssen. Am Bett des Kindes standen die Eltern. und jedes Wort der 'Fiebernden traf sie wie eine Verurtheilung. die alte Großmutter war ein Bild d:3 Jammers. Dann wurde das Kind für Sekunden ruhiger, aber plötzlich fuhr es wieder in die Höhe, kerzengerade stand es im Bettchen, das kleine Gesicht von Angst verzerrt: Der Feind!" rief es, der Feind!" Es streckte den Arm gegen den Vater aus, und dann fiel es todt in die Kissen zurück. Zwei Tage später wurde Lucie Vernier das Wunderkind" begraben. Der kleine Sarg verschwand ganz unter der. Fülle der Blumen und Kränze, welche vom Personal des Theaters gestiftet wurden. Auf vielen stand Lucie Vernier, unserer lieben. kleinen Colletcn Der Vater ging mit schweren .Schritten hinter dem. Sarg. Dann kamen seine College mit den glattrasirten Gesichtern, die, während sie dem Sarg folgten, Don den eigenen Angelegenheiten sprachen. Schauspieler!" sagten die Leute auf der Straße und sahen dem. Trauerzug nach. Die Mutter folgte im Wagen. Die alte Großmutter hatte erklärt, daß sie nicht die Kraft habe, das Kind zur letzten Ruhestätte zu begleiten, und war in der Wohnung geblieben. Doch als der Sarg in die Gruft gesenkt, als der Hügel sich über ihm geschlossen, als' die Leidtragenden sich entfernt und auch die Todtengräber davongegangen waren, da kam die alteFrau aus ichrem Versteck hervor. Heimlich hatte sie sich fortgeschlichen und auf dem Kirchhof verborgen, gewartet, bis sie allein sein würde. . Tiefe Stille ringsum. Die Sonne ging rothglühend unter, nichts als die Glocke war zu vernehmen, die das Zeichen gab, daß die Lebenden für heute die Ruhestätteder Todten zu verlassen hatten. """t ' Die alte Frau sank am Grabe des Lieblings in die Kniee. AuS ihren armen, alten Augen liefen die Thränen über die abgezehrten Züge, und starr ruhte ihr Blick auf dem Hügel, der das einzige Wesen barg, welches sie . noch gm Leben festhielt.' Als wenn sie öerzchen, cie! Ich bin es ja!. . . Hörst Du mich?. . . Die Nacht brach herein, und die Großmutter hatte sichmit ausgebreiteten Armen über den kleinen Erdhügel geworfen. Ein Wunsch, ein Gedanke webte nur in ihr, auch sterben, fort von dieser Welt, dieser grausamen Welt, die nicht einmal gegen die kleinen Kinder und die Alte barmherzig war. Am andern Morgen, als die Todtengräber ihre Tagesarbeit wieder aufnehmen wollten, fanden sie am Grab des Wunderkindes" die arme, alte Frau, deren Wunsch in Erfüllung gegangen und die wieder mit ihrem Liebling vereint war. .G e w i ch t i g. Fremder: Wazum hinken Sie, Bäuerin?" Bauerin: Ja, mir is halt a Knödel auf 'n Fußg'fallenl" Kasernenhofblüthe. Unterosficier: Kerl, Sie machen ja eine so traurige Figur, wie ein Wurstzipfel, an dem die Wurst fehU
fürchtete, die kleme Todte zu stören, flüsterte sie leise, ganz leise: Lucie. mein öerzchen. . . meine kleine Lu-
Schnörkckmälmchen. Ein Märchen von Harry v. Pilgrim. Es war einmal ein drolliges "Kerlchen mit einem komischen, breiten Gesicht. verschnörkelten Augenbrauen, verschnörkeltem Bart- und Haupthaar, einem ganz kleinen verschnörkelten Leib und verschnörkelten Armen und Beinen. Darum hieß es auch SchnörkelMännchen. Schnörlelmännchen war aber nicht von Fleisch und Bein, sondern von braunem Eichenholz und saß den ganzen Tag, ohne sich zu regen, mitten in der Thür des schweren, al ten, eichenen Bücherschreins und machte ein Gesicht, als sei ihm der Inhalt sämmtlicher Bücher bekannt. Das ehrwürdige Aussehen und Alter Schnörkelmännchens hinderte jedoch den kleinen Henning, dessen Vater der Bücherschrank gehörte, nicht, sich über ihn lustig zu machen und ihn seiner Schnörkel wegen auszulachen. Als er eines Tages allein im Zimmer war, hatte der kleine Henning sich sogar auf einen Stuhl gestellt, Schnörkelmännchen auf die Wangen geklopft, an der Nase gezupft und wieder so gelacht, daß er fast vom Stuhle gefallen wäre. Na warte", dachte Schnörkelmännchen, ohne eine Miene zu verziehen, ich werde mich schon dafür rächen!" Abends ging der kleine Henning wie gewöhnlich zu Bett und schlief auch bald ein. Plötzlich aber hörte er ein unerklärliches Gepolter auf dem Gange vor der Thür. Seltsam, es klang so, als schritte Jemand dort auf Stelzen einher. Die Thür that sich auf. und beim Scheine des Mondes, der in diesem Augenblick die Stube fast taghell erleuchtete, erblickte Henning das Schnörkelmännchen, das sich auf seinen Schnörkelbeinchen mühsam vorwärts schleppte, geradewegs auf das Bett zu. Der kleine Henning erschrak so heftig, daß er hätte aufschreien mögen, wenn er dazu im Stande gewesen wäre, aber wie gelähmt lag er da und vermochte kein Glied zu rühren. Näher und immer näher schritt das Schnörkelmännchen, mit einem boshaften Lächeln auf den hölzernen Zugen, und sprang dann mit einem Satz dem kleinen Henning mitten auf die Brust. Da saß es nun und blinzelte sein kreidebleiches Opfer an und lachte, daß das ganze Bett wackelte. Au!" rief nun Henning, der inzwischen seine Sprache wiedergefunden hatte, und die Thränen traten ihm in die Augen, das thut ja weh!" Wie Du mir, so ich Dir", sprach das Schnörkelmännchen gelassen, das ist nur gerecht. Glaubst Du vielleicht, mir thut es. nicht weh, wenn Du mich schlägst und an der Nase zupfst und auslachst, wenn ich mich nicht rühren kann?"
Ich werde es ganz gewiß nicht wieder thun", antwortete Henning reumüthig. Warum hast. Du aber auch soviel Schnörkel? Das sieht so komisch aus." Da machte das Schnörkelmännchen ein ernstes Gesicht und sprach: Der Meister, dem ich mein Dasein verdanke, hat mich nun einmal so ge-1 schnitzt, und vasur kann q nicht. AVer wenn Du erst älter und verständiger geworden bist, dann wirst Du vielleicht verstehen lernen, was er damit bezweckt hat." Ich. werde Dich ganz gewiß nicht wieber auslachen", erwiderte nun Henning treuherzig. Versprichst Du mir das?" Ja, Schnörkelmännchen, das verspreche ich Dir!" Topp", sagte darauf das Schnörkelmännchen, dann werde ich Dir auch behilflich sein, den Schlummer, den ich Dir zur Strafe geraubt, wiederzufinden." Mit diesen, Worten spazirte daö Schnörkelmännchen von Henning's Brust herunter und setzte sich an'sFußende auf die Bettkante. Henning seufzie, von dem Druck befreit, erleichtert auf. Schnörkelmännchen. . ." begann er. Schweig", versetzte sein seltsamer Gast, Du sollst jetzt zuhören und einschlafen; ich will Dir ein. Schlummerliedchen vorsingen, wie ich's in meinem heimathlichen Walde gelernt habe. Mach' hübsch die Augen zu und merk' auf, daßDu's behältst, jetzt fange ich an Henning gehorchte, und ein wunderbares Gefühl der Ruhe und Behaglichkeit bemächtigte sich seiner Sinne. Ihm war, als liege er nach einem heißen Sommertage im weichen Moos am Fuß einer mächtigen Eiche. In den Blättern' rauschte der Abendwind leise und versetzte die Zweige in sanfte, wiegende Bewegung. Und dazu erklang, von Rauschen und Schaukeln untrennbar, ein zauberisch zarter Gesang: Wiegewind, Wiegewind, Wehe daher, Durch schwebende Wolke und schwellendes Meer, Durch schwankende Wipfel und wogendes Feld Und über die schwüle, die schweigende Welt. Wehe lind, wehe lind, Wiegewind! Wiegewind, Wiegewind, Wehe nur zu, Weh' auf ein Weilchen den Wachenden Ruh, Sanft von den Weinenden wehre das Weh. Wunder bewirkend, verweile vergeh; Wehe lind, wehe lind, Wiegewind. Als Hennina am nächsten Morgen erwachte, strahlte die helle Sonne bereitö durch's Fenster. Von SchnörkelMännchen aber war nichts zu sehen
Eiligst zog sich Henning an und ging zum alten Bücherschrank. Da saß das Schnörkelmännchen regungslos wie immer und machte ein Gesicht, als sei nichts vorgefallen; und das hätte Henning fast selbst geglaubt, wenn ihm nicht .fortwährend das Lied in den Sinn gekommen wäre,, von dem er jeden Ton und jedes Wort behalten hatte. Seitdem sind viele Jahre vergangen. Wißt Ihr. was aus dem kleinen Henning geworden ist? Ein Dichter wurde er; und das hatte er allein dem Schnörkelmännchen zu verdanken. Dafür blieb er auch seinem hözernen Lehrmeister dankbar bis an sein Lebensende. Der Löwe und der Esel.
(me Fabel der Hwango Neger). Ein Löwe und ein Esel reisten zu sammen, und jeder ritt auf- einem Thiere; der Löwe hatte einen Ziegen bock und der Esel eine Ziege. Sie kamen an eine Stelle, wo Gum mibäume wuchsen, und der Löwe sprach: Ich möchte mich gern an diesen Früchten erfrischen; ich werde einen Affen bitten, mir welche zu pflücken. Nein," versetzte der Esel, ich klet. tere vorzüglich und werde dir welche holen."Damit kletterte er hinauf und pflückte dieFrüchte des Gummibaumes, die er dem Löwen hinunterwarf. Er blieb lange oben, und während dieser Zeit warf die Ziege ein Junges. Doch der Löwe rief ihm von unten zu: Welch' ein Glück! mein Bock hat ein Junges geworfen!" Das ist nicht möglich," schrie der Esel; es ist meine Ziege, die Böcke werfen nie!" Das kümmert mich nichts," entgegnete ,der Löwe, mein Bock hat gewarfen." . Sie setzten ihren Weg fort. Sie begegneten einem Schwein; der Löwe fragte: Kann ein Bock nicht Junge zur Welt bringen?" Gewiß," versetzte das Schwein, beim Anblick des Löwen . zitternd; mein Bock hat sünf Zicklein gewarfen." Sie begegneten einem Büffel; dieselbe Frage: Gewiß," erwiderte der Büffel, der ein Höfling war, mein Bock hat zwei Junge zur Welt gebracht." So fragten sie alle Thiere des Waldes, und alle antworteten: Ja," unt sich dem Löwen gefällig zu zeigen. Endlich begegneten sie derMatumba einer großen weißen Ratte, die im Rufe eines sehr aufrichtigen Thieresstand. Der Löwe richtete an sie dieselbeFrage: Warte," versetzte die Matumba. mißtrauisch, ich werde dir gleich antWorten." Damit sprang sie auf einen Baum und rief dem Löwen von dort aus zu: Die Böcke bringen nie Junge zurWelt." Die kluge Matumba wußte sehr wohl: um den Großen der Welt dieWahrheit sagen zu können, muß man, zuvor in Sicherheit sein. Guter Naty. Nicht immer in den Wolken schweben Klar sorgen für den heut'gen Tag! Mit kleinen Freuden dich umgeben. Normal gestimmt des Herzens Schlage So schafft man sich, ein glücklich Leben ... , Ja, wer's vermag !" Die große Willenskraft. ' Erzählt von einem Afrikareisenden. Ueber ein Seispiel von großer Willenskraft kann ich Ihnen, meine Herrschaften, auch ein Stückchen auS meinem Leben erzählen: Sitze einst in einem Wirthshaus am Nil ich glaube zum schwarzen Walfisch" hieß t und warte auf meinen Freund, den Professor Bumbsti. Er hatte mir fest versprochen, noch vor Abend zurück zu sein und was dieser außerordentlich energievolle Mann einmal zusagte, das hielt er auch unter allen Umständen. Also, ich sitze da bei einem Dattelschnaps und warte und warte aus'einmal wird die Thüre aufgestoßen und denken Sie sich mein Entsetzen ein großes Crokodil schießt in die Stube herein, wirst mir aus seinen grünen Augen einen eigenthümlichen Blick zu, springt alsdann auf den Tisch, erfaßt eine dort liegende Ansichtspostkarte nebstBleistift und scheint etwas zu schreiben. Ich war starr vor Entsetzen. Das Crokodil hätte mich ruhig fressen können! Das Unthier plumpste jedoch alsbald vom Tische und verschwand durch die offenstehende Thüre, die Ansichtspostkarte zurücklassend. Als ich letztere in die Hand nahm, las ich: Gruß aus dem Nilthale Professor Bumbsti" und die Adresse lautete: Frau Professor Emilie Bumbsti, Oberfurt, Deutschland." Nun ward mir mit einem Male alles klar: Professor Bumbsti hatte sich auf demWege zum Nilwirthshaus vorcenommen, eine Ansichtspostkarte an seine Frau zu schreiben, 'rvrde jedoch v?n einem Crokodil gefressen und da theilte sich die feste Willenskrast dieses Energie-Menschen dem Thiere' mit,! Dasselbe mußte nun, ob t wollte oder nicht , die Ansichtspostkarte schreiken und daß mich dasCrokodil nicht gefressen, war ein weiterer Beweis meiner Vermuthung, denn das von der W'llcnLkrast eineS ProfessocZ . geleitet Thier hatte eben darauf gsnj eu sc-cb vergessen!!" "Der Mann wid:r?e g t, lt Frau wider s p r i S t. . ...
