Indiana Tribüne, Volume 22, Number 130, Indianapolis, Marion County, 29 January 1899 — Page 7
Aer Ictisch. Von E. Kapralik. ' Es war ein Wintermittag von schouungsloser Klarheit. Was schon war, verherrlichte er mit festlichem Glänze, was häßlich war, drängte er grell dem Auge auf, ein Herold über den Parteien. Vor einem Hause, das vom Erdboden bis unter den Giebel ein leißendesAuslagefenster darbot, stellte er Beides bloß im feindlichsten Zusam,.:enpralle. Hier stand, in eine vorspringende Eck des prunkvollen, weitläufigen Parks gedrückt, eine Gestalt, die man für ein halbwüchsiges Mädchen halten mußte, bis ein Blick, der sich zeitweilig zu dem Säugling auf ihrem Arme niederließ, ein langsamer, trostloser Blick unter den träge gesenkten, gerötheten Augenlidern untrüglich die Mutter verrieth. In dem frühwelken Gesichtchen des Kindes aber war das wasserblaue Augenpaar so tief bekümmert gegen den Himmel gerichtet, die Ecken des blassen Mündchens hingen so leidgewohnt herabgezogen, als sei der arme Wurm schon seit Menschenaltern bei Schulmeister Leben in der Lehre gewesen. An der Kreuzung der Geschäftsstraßen, im Brennpunkte des Millionenverkehrs, umrauscht von überschäumenderLebensthätigkeit, lehnte die kindliche Mutter mit ihrer Bürde zusammengesunken im goldstrotzenden Winkel, das blutleere Gesicht theilnahmslos erschlafft, in selbstverständlichem. gedankenlosem Gegensatze zu ihrer Umgebung, ein dürstiges Lumpenbündel, mißfarbig, fremd, störend, ein Moderfleck auf einem lichtfrohen, farbenjauchzenden Gemälde. Sie hatte sich hingestellt, während eine Equipage vor dem Portale anhielt. Hinter der stumpfen Larve ihres Gesichtes hielt sie ein einziger Gedanke in Spannung. Eine Dame war dem Wagen entstiegen, ein Sonntagskind an Schönheit und Eleganz. Ach, wenn ihr dieses Wunder eine größere Gabe schenkte! So schlecht wie heute war es ihr noch nicht gegangen, seitdem sie das Paradies, wo man sie in Ruhe, und Wohlleben verwöhnt hatte, das Krankenhaus mit demKinde verlassen mußte und nun im Winter ihre Arbeit bei den Bauten nicht mehr finden konnte. Die erbgesessenen Bettelleute hatten sie von den einträglichen Standplätzen verjagt und jetzt war sie endlich hier gescheitert, wo der Menschenschwall nicht an Almosen dachte, wo jede freie Bewegung gehemmt war und man eS vorzog, die Geldbörse nicht hervorzuziehen. Durch die mächtige Glasthür sah sie, wie die Dame zahlte. Jesus, Maria, so viel Geld! Eines der blauen Blätter legte sie hin nach dem andern drei vier zehn hundert Gulden! Ein Vermögen! Jetzt nahm sie ein Packchen und wandte sich zum Gehen. Alles Leben erwachte in der Bettlerin, sie trat aus dem geschützten Winkel einen Schritt vorwärts gegen die Thür, das matte Auge in stummer Bitte erhoben, mit angehaltenem Athem. Doch schon war sie von der Strömung erfaßt und hilflos fortgedrängt bis an die Pferde, während die Dame rasch einstieg. Dicht an ihr fuhr der Wagen davon. . Einen Augenblick war ihr gewesen, als müßte sie sich unter die Räder werfen, doch da sah sie vor sich eine freie Stelle, wo eben der Wagen gestanden und hier auf dem Pflaster lag etwas! Ein Sturz und sie hielt es in der Hand, ein kurzes, krampfhaftes Zaudern, ein klägliches Aufwimmern des beunruhigten Kindes, ein scheuer Blick auf die achtlos weiterschiebende Menge und der Schatz war unter den Lumpen geborgen. Es war das Päckchen, das die Dame im Gedränge verloren hatte. Auf dem Heimwege kam ihr allmälig die Besinnung. Das schwache Bewußtsein des Vergehens zerstob vor dem Sturme von Glück, das die That über su brachte. Solch ein Reichthum! Gewohnt, nur nach Kreuzern zu rechnen, war sie nicht fähig, den Werth der Summe zu fassen, die sie gesehen hatte, in dem Dämmer ihrer Vorstellung wuchs er in'3 Unendliche, Märchenhafte, sie war reich geworden, aller Sorge ledig, ihr Leben lang! Hundert Gulden! Sie wußte einen Trödler draußen am Saume der Vorstadt. Dort, in der Gegend, wo die Obdachlosen ein Nachtlager finden können, wenn der Tag ihnen das Geld dafür gebracht hat. Sie wird zu ihm hinlaufen, er wird ihr ja was wird er ihr nur Alles dafür geben! Ihr Glück exaltirte sie, machte sie verrückt, sie lief mehr als sie ging und sie achtete nicht auf das Weinen des Kindes, jetzt hatte sie keine Zeit, es zu stillen. Die Aufregung gab ihr Kraft, was galt ihr jetzt Hunger und Erschöpfung! Als sie aber nach langem Eilmarsch auf eine wüste Sandhaide kam, jenseits welcher ihr Ziel lag, ergriff es sie plötzlich und sie mußte sich auf einen Steinhaufen setzen, um nicht niederzufallen. Mechanisch begann sie das Kind zu stillen und zog gleichzeitig einen Rest Brodes hervor. Was es nur sein sein mochte, das theure, kleine Ding, das sie da im Sacke hatte? Während die Dame es kaufte, hatte sie gar nicht recht hingesehen, was war ihr auch da uals daran gelegen. Jetzt aber konnte sie sich nicht mehr gedulden und packte es aus. Beinahe wäre Alles ihren Händen entfallen. Verdutzt, in vollkommener Geisteslähmung, starrte sie in's Papier, aus dem ihr etwas entgegengrinste. Das arme Weib hielt eine antike, japanische Bronze in den zitternden Händen, eine Augenweide an Häßlichkeit für einen vor Ueberfeinerung durchgegangenen Geschmack, ein Fetisch für überreizte Nerven. Es war ein kleiner Hausgott, ein zum Spielzeug gewordenes Heiligthum. ein schmutzig schwarzer 'Götze mit unförmigem Rumpfe und Hängebauch, kauernd auf gekreuzten Beinen, ein groteske? Klo-
ben mit großem Kahlkopf, bis auf die Schulter herabreichenden Ohren.schmalen Schlitzäuglein und geistesabwesen dem Lächeln um den breiten, eingekniffenen Mund. Die hilflose Verblüfftheit, in der sie wie magnetisirt den kleinen Teufel umklammerte, verwandelte sich unter seinem leblosen Lächeln bald in panischen, abergläubischen Schreck. Sie wollte schreien, wollte das Hexenwerk weit fortschleudern und davonlaufen. Doch sie überwand sich. Wer weiß, was für ein Zauber darin steckt, der alte Händler muß es wissen, er wird es schon kaufen! Und sie legte das gräuliehe Ding vorsichtig wieder in den Beutel, und da lag das Kleinod einer launenhaften Ueppigkeit bei den Krumen schlechten Brodes und den wenigen Vettelkreuzern. Sie hatte sich aus ihrer Verstörtheit ermuntert, raffte sich auf und aing zum Trödler. Ihr Gesicht brannte, die harte, erbarmungslos ruhige Kälte schraubte sie zusammen und nur mit Mühe vermochte sie mit den bloßen, erfrorenen Händen das Kind zu tragen. Als sie in das enge, verdunkelte Gewölbe eintrat, feilschte der Alte mit den zahlreichen Kunden inmitten des bunten Wustes und aus einem verblichenen Goldrahmen, den er gerade gegen das Licht hielt, schauten huldreiche Frauenzüge im Glorienscheine zu ihr herab, wie himmlische Verheißung. Zu verkaufen hätt' ich was." Um keinen Verdacht zu erwecken, hatte sie mit dem ganzen Aufgebote ihrer unbeholfenen Diplomatie eine Ausrede ersonnen. Sie habe beim müßigen Herumstreifen das Kleinod in einer aufgelassenen Sandgrube auf der nahen Haide gefunden, es gehörte gewiß zu einem alten Schatze, der dort wohl noch vergraben liege. Jetzt stand sie da und wartete vergebens auf Gehör. Der Vielbeschäftigte würdigte sie keiner Aufmerksamkeit. Zu verkaufen hätt' ich was.Der Alte warf endlich einen nachlassigen Blick hin, ohne sich stören zu lassen. Nein.Es war ein in dem dorfähnlichen, äußersten Vororte zu Wohlstand gekommener Kaufmann, der mit dem dürftigen Hausrath der hier wohnenden Arbeiterschaft handelt und wohl ein gewiegter Kenner der Schwarzwälderuhren, der grellen Heiligenbilder und der naiven Gipssiguren war, die zwischen ihm und seiner Kundschaft hinund herwanderten, aber dieser schmutzige, verschwommene, unsinnige Klumpen war wirklich gar nichts für ihn. Endlich war er zu sehr beschäftigt, um dem Beachtung zu schenken, was ihm die Bettlerin anbot, und als sie noch zögerte, unbeweglich und keines Wortes mächtig, begann er zu schelten, daß sie ihn mit solchem Narrenzeug aufhalte und im Wege siehe, während sich die Kunden drängen und jagte sie hinaus, bevor sie noch Fassung gefunden hatte, ihr Märchen in's Treffen zu führen. Sie bewegte sich wie im Dunkeln und erst, nachdem sie wiederholt gestolpert war, kamen ihre Gedanken wieder m Fluß. Ihre schwerfällige Jntelligenz haftete zähe an der einmal erfaßten Ueberzeugung. Es war nicht möglich, das Ding mußte einen großen Werth haben, wie hätte sonst die Dame soviel dafür zahlen können? Sie mußte doch gewußt haben, was sie kaufe, wofür sie ein Vermögen hergebe! So eine feine Dame! Was für die gut genug war, muß doch für alle Welt kostbar sein, kein werthloser Plunder, um Gottes willen! Ihr gequältes Hirn arbeitete fieberhaft, schmerzhaft. Sie erinnerte sich an einen Kramladen neben dem Neubau, bei dem sie zum letztenmal in Arbeit gestanden war. Der Krämer war ein lustiger Patron und hatte oft Spaß mit ihr getrieben, bei ihm wollte sie jetzt ihr Glück versuchen und entschlössen machte sie sich jetzt daran, ihren versagenden Kräften den Weg abzutrotzen. Der Weg war endlos. Sie hatte ein entgegengesetztes Ende der Stadt zu erreichen, ihre ganze ungeheuerliche Ausdehnung zu durchmessen. Anfangs schleppte sie sich mühsam dahin, bald aber schritt sie darauf los, verbissen, in dumpfer Maschinenmäßigkeit. Heimlich begann sich der Zweifel in. ihr zu regen, bohrend und nagend; sie peitschte die sinkenden Kräfte auf und durcheilte schneller die ewigen Straßenzllge mit ihren wunden Füßen, und als es Abend war, stand sie im Laden des freundlichen Kaufmannes, halb erfroren und doch in der Fieberhitze, mit todten Gliedern und doch aufrecht. Der wohlgenährte, joviale Kauz erkannte sie, empfing sie mit einem derben Witze beim Anblick des Kindes auf ihrem Arme und hörte ihr mit gemachter Wichtigkeit zu. während sie ihr Märlein auskramte. Der Schalk witterte einen famosen Spaß und nahm den Schatz zur Hand, lächelnd und augenzwinkernd. Also, was soll das kosten?Für was er es werth halte? Er schielte die umstehenden Kunden mit einem Blick des Einverständnisses an und legte das Gesicht in tiefernste Falten: Für was ich es werth halte? Ja, wer soll denn das gleich .wissen bei einer solchen Rarität na, mindestens einen Hunderter wird es doch wohl werth sein, unter Brüdern!" Groß und brennend heftete sich ihr Blick auf ihn. Engelchöre sangen ihre Erlösung. Ja," fuhr er mit bedenklicker Miene fort, ja, aber wo soll ich armer Schlucker denn so diel Geld auf einmal hernehmen. Da werd' ich wohl in Raten zahlen müssen, nicht wahr?" Sie lächelte. Thränen des Glückes in den Augen, mit Allem einverstanden. .Nun also, also drängte er voll inneren Zrgotzns, .daß wir also den Handel abschließen, was soll ich denn
nur geschwind heute zahlen, so als An flclb?" Sie kämpfte mit sich. .Zehn Gul. den," sagte sie endlich, nachdem sie sich ein Herz gesaßt hatte. Der Krämer schnitt komische Grimassen übertriebenen Schreckens und grinste, wie über einen gelungenen Witz: .Aha. zehn Gulden möchtest Du. o Du Schelmin! Schau, schau, sie ist nicht so dumm, wie sie aussieht. Na, da heißt's wohl einschlagen, was läßt sich dabei machen!" Und er kraute sich sorgenvoll hinter dem Ohr, während seine Hand in der Lade zögernd unter dem Gelde herumklimperte. Sein Opfer folgte jeder seiner Bewegungen mit ängstlichem Blick, im Kampfe mit den aufquellenden Thränen, die ihre verzweifelte Spannung in namenloses Glück auflösen wollten. Endlich, mit gewaltsamer Ueberwindung griff er plötzlich hinein und schlug ein Geldstück auf den Tisch. .Zehn Kreuzer, weil Du's bist!" Jetzt dachte sie, er scherze nur und versuchte mitzulachen, um ihn bei Laune zu erhalten, endlich aber verlor sie die Beherrschung. Athemlos, sich ereifernd, zitternd, begann sie zu flehen, zu drängen, er falle es doch cnfehen, es sei ein theures Ding, sie scherze nicht, es sei ein Vermögen werth, zehn Gulden, fünf folle er dafür geben! Doch Jener witzelte nur: Was das für. ein hübsches Kerlchen sei und ob es ein Brüderchen sei von dem Kleinen auf ihrem Arme und warum es nicht mit dem Kopf wackle, und was sie für ein Glück habe, daß ihr solche Kostbarkeiten in den Schooß fallen. Die Wahrheit wagte sie nicht einzugestehen und verwirrte sich nur in kindischen, unbeholfenen Beschwörungen und Betheuerungen, mit denen sie den Kaufmann und die Umstehenden bestürmte. Endlich ging es dem Manne über den Spaß: .Eine Solche bist Du? Gar nichts gebe ich Dir jetzt, die zehn Kreuzer hätte ich Dir geschenkt aus alter Bekanntschaft, nicht für diesen Quark da, gar nichts bekommst Du mehr. Du schlechte Person, Du Betrügerin!" Auf der Straße blickte sie wie irre um sich. Sinnloser Zorn kochte in ihr auf: .Rauber! Gauner! Diebe! Herausfoppen wollen sie mir's, heraussoppen einem blutarmen, verhungerten Weib! Hundert Gulden ist es werth, hundert Gulden! Räuber! EinerDame, die in ihrer Kutsche fährt, war es für hundert Gulden nicht zu theuer, für ein Vermögen, und arme Leute sollen dafür nicht einmal ein Nachtessen haben können? Eine Dame, die in ihrer Kutsche sährt, schenkt nicht ein Bermogen für einen Quark, für einen Bettel, der nichts werth ist! Räuber! Räuber!" Noch einmal raffte sie sich auf, bezwang das sie schüttelnde Schluchzen, und mit der Kühnheit der Berzweiflung bot sie einzelnen Vorübergehenden den Schatz zum Kaufe an. Doch in den schlecht erleuchteten, entlegenen Straßen wich man ängstlich zurück vor der schwachen Jammergestalt, die scheu umherschlich, wie ein lauerndes Nachtthier, unv als sie einmal aufdringlich wurde, rief man nach Wache. Da lief sie, was sie die Iillße tragen konnten. ' Sie war bis an den Strom gekommen. Hier verkroch sie sich bis an den Brückenbogen und sank hin. Jeder Athemzug der eisigen Lust durchschnitt ihr die Brust, als wenn sie Glassplitter einathmete, ihr Kopf schlug schwer wie ein Kieselstein auf den hartgefrorenen, schlüpfrigen Boden und doch war ihr so wohl, daß sie sich ausstrecken konnte und ruhen. Das Kind wimmerte leise, sie aber dachte nichts mehr, sie lag schon halb im Schlafe, kaum daß sie hingefallen war, und drückte es nur fester an das gepeinigte, unerträglich hämmernde Herz. Die arme, gequälte, entkräftete Mutter, das junge Menschenkind, das noch selbst einer treuen Mutterbrust bedurft hätte, schlief. Sie fchlief so glücklich! Traumbilder erstanden in ihr in goldigem Nebel, so selig, wie sie im Wachen gar nicht zu denken gewußt hätte, wie sie es nie an sich erfahren hatte. Da war etwas, wie sanfte Mutterhände, die ihr das Gesicht streichelten. wie ein starker Arm, eine treue Brust, an die sie sich lehnte, wie ein warmes Herz, das ihr entgegenschlug, wie klare Kinderaugen, die sie anleuchteten, heller Jubel, der sie berauschte, etwas wie Zärtlichkeit, Schutz, Liebe, wie ein Segen, der sich über sie breitete Alles wie aus entfernter, alter Erinnerung, einmal, längst entschwunden. Da war auch etwas wie ein Heim, eine traute, warmeStube und an der Wand im strahlenden Rahmen himmlische Züge. Das war ja die Dame aus der Kutsche, die gute, reiche Dame! Sie war so engelsmild gewesen, sie hatte das viele Geld nicht hinausgeworfen für eine häßliche, unnütze Fratze, die keinem ehrlichen Menschen etwas werth ist; hatte sie glücklich gemacht mit dem Gelde, sie und ihr Kind, für'S Leben lang. Die barmherzige, heilige Frau. Indessen schlich sich der Frost an die Bewußtlose heran, umklammerte Mutter und Ktnd, nistete sich ein in die verkümmerten Glieder und lähmte sie. Und in der Finsterniß deS Brückenbogens vollzog sich still das Werk der Zerstörung. Ueber die Brücke aber fluthete zwischen beiden Ufern weiter der Egoismus des Lebens, fremd und in sich gekehrt, wie das starre Lächeln des uralten Idols, an dem Jahrtausenden von Menschenelend spurlos vorübergezogen. Bescheiden. Vater: Ich glaube, eine ordentliche Tracht Prügel würde Dir sehr gut thun.- Sohn: Ich weiß schon, aber ich muß ja auch nicht alles Gute haben." Manch? Ware weniger bewunoert, wenn er mehr verstanden toäiu
ZUann über ZZord! von Christian Benkhard. Bei einer Jnspizirung ist die Geschichte passirt. Bei Jnspizirungen Passiren überHaupt oft merkwürdige Geschichten; wollte ich die mir bekannten alle erzählen, dann müßte ich ein langes Garn spinnen, wie der Seemann sagt. Diese militärischen Jnspizirungen können den Vaterlandsvertheidigern zu Wasser und zu Lande unter Umständen das Leben höllisch versauern. Zum Glück weiß man wenigstens in der Regel lange vorher, wann und was inspizirt werden soll, da kann man sich bei Zeiten darauf einrichten. Und dennoch ist man selbst dann noch nicht sicher, ob nicht irgend etwas schief geht. So sollte einst einer unserer aus der Kauffahrteilausbahn hervorgegangenen Admirale der dicke Gustav", so hieß er im Matrosenmunde in Wilhelmshaven ökonomische" Musterung abhalten, die bekanntlich Kleidermusterung viilgo Lumpenparade-, Wasfenmusterung, Stubenmusterung und alle sonst erdenklichen Musterungen in sich schließt. Acht Tage lang wurde geflickt, gestopft, gebürstet, geölt und gescheuert, daß es nur so rauchte, Ossiciere und Unterofficiere befanden sich unausgesetzt auf der Jagd nach imaginären Rost- und Schmutzflecken, und der Abtheilungsführer verstieg sich im Jnspizirungöfieber sogar dazu, aus eigenen Mitteln zwei Dutzend Zahnbürsten anzuschaffen. Einem dunkelen Gerllchte zufolge sah nämlich der Admiral darauf, daß jeder Mann auch eine Zahnbürste habe; da aber dieserLuxusgegenstand in der Abtheilung außerordentlich rar war und vor dem nächsten Löhnungstermin auch nicht von den Matrosen beschafft werden konnte, mußte man wohl oder übel das erste Glied damit ausrüsten. War dieses gemustert, so sollten die Bürsten mit List und Geschick ins zweite Glied befördert werden und fo weiter, damit männiglich eine Zahnbürste vorzuweisen habe. Als der großeTag anbrach, stand die Abtheilung bereits vor der Kaserne angetreten, Seitengewehr umgeschnallt, Jägerbüchse übergehängt und Kleidersack ausgepackt, das blaue Zeug rechts, das weiße links, hinten Strümpfe und Schuhzeug, vorn der Utensilienkasten" mit Nähzeug, Scheere, Bürsten, Kamm, Knopfgabel und Zahnbürste. Das Weiterreichen der letzteren wurde schnell noch einmal geübt und klappte großartig; der Admiral konnte es unmöglich merken, daß er bemogelt wurde. Aber siehe da, der sah weder nach den Zahnbürsten noch nach den übrigen Ausstellungsgegenständen, sondern er commandirte kurzweg: Alle Mann den rechten Stiefel ausziehen! Ganzes Bataillon kehrt! Die rechte Ferse hoch!" Die Mannschaften standen flamingoartig auf einem Bein und die Officiere zur Salzsäule erstarrt; der dicke Gustav aber lächelte listig und sprach: Was da so hübsch aufgebaut ist, brauche ich nicht noch einmal zu mustern, das ist natürlich in Ordnung. Aber sehen Sie sich mal die Strümpfe an, meine Herren; Löcher sind darin, daß fast die ganzen Kerls hindurchfallen. Daß das Unterschiff kein Leck hat, ist mir viel wichtiger, als das schmucke Aussehen der Takelage; ich wünsche daher, daß die Leute zukünftig vor allen Dingen Zeit bekommen, das in Ordnung zu halten, was sie auf dem Leibe tragen. Danke." Damit hatte die Jnspizirung ein Ende und der Abthcilungsführer eine Nase, die ihn nicht einmal daran denken ließ, die Renommir - Zahnbürsten wieder einzufordern. Vielleicht halte er auch die priemchenkauenden Matrosen aus dem ersten Gliede in dem Verdacht, die zierlichen Scherzartikel probeweise in Gebrauch genommen zu haben. Doch ich wollte ja von einer Schisfsinspizirung erzählen und von einem anderen Admiral, der weder dick war, noch Gustav hieß. An der syrischen Küste war es. Wir kamen mit unserer biederen altenHolzkorvette von Smyrna, wo wir monatelang stationirt gewesen, und trafen vor Beiruth das Mittelmeer - Panzergeschwader, um inspizirt zu werden". Der Geschwaderchef hatte es offenbar sehr eilig damit, denn kaum waren wir in aller Herrgottsfrühe zu Anker gegangen, da hißte das Admiralschiff ein Flaggensignal für uns: Admiral kommt sofort zur Jnspizirung." Angenehme Begrüßung! Nicht als ob wir unvorbereitet gewesen wären behüt Gott, im Gegentheil! aber vor dem Frühstück ist einfach keine Zeit für Staatsvisiten.. Das Oberdeck war noch nicht einmal gewaschen, die Mannschaft steckte noch in ihrem blauen Dreckli Pardon! Negligö, und im Maschinenraum sah es aus, wie in einer verkrachten Eisenhütte. Und in diesem Zustande sollte daö Schiff inspizirt werden! Trotzdem hatte die Ueberrumpelung keine üblen Folgen, der Admiral sagte Vielmehr, er habe ja nur im Interesse der Schiffsbesatzung die kühlen Morgenstunden benutzen wollen und werde gerne warten, bis das Frühstück borüber und Alles bereit fei. Zu diesem Zwecke folgte er dem Commandanten in dessen Cajüte, den Adjutanten des Admirals nahm aber der erste OMcier in Beschlag, um ihn schlauer Äeise über das Steckenpferd des Jnspizirenden auszuholen. Es war zwar noch ein bischen früh zum Secttrinken, allein der Adjutant ließ sich zureden, und schon nach der zweiten Flasche konnte der Gastfreund den am Großmast erwartungsvoll hanendenOfficieren und Deckofficieren dasProgrammgeheimniß verkünden: Segelmanover mit Vormarssegelwechseln: zuletzt Mann über Vo?d!" Und allsobald ging man an'ö Werk, ein wenig Vorsehung z.U. spielen.
MarSsegelwechseln ift nämlich ein recht zeitraubendes Manöver, wenn man das in der stockdunkelen Segelkoje verstaute Reservesegel erst heraussuchen und vom Zwischendeck aus aufhissen muß. Diese Arbeit wurde nun vorher gethan und besagtes Spiel im Gallion versteckt, jenem Ort, von dessen Besuch der Culturmensch kein Aushebens zu machen pflegt. Bis dahin würde der forschende Admiralsblick nicht dringen, so rechnete man, und es machte gewiß den besten Eindruck, wenn nach erfolg tem Befehl daö Segel so rasch zur Stelle war. Zum Schluß pflegte der Admiral, wie fein Adjutant verrathen hatte, unVersehens eine Rettungsboje über Bord zu werfen und mit der Uhr in der Hand die Minuten zu zählen bis zum Wiedereinbringen der Boje. Bei diesem Manöver ließ sich nur insofern mogeln, alö man schon vorher den das Boot vor Regenwasser und Schornsteinruß schützenden Segeltuchbezug lockerte und die Kuttermannschaft anwies, sich in der Nähe zu halten, damit das Boot möglichst schnell zu Wasser komme, um der über Bord geworfenen Rettungsboje nachzusetzen. Sonst ließ sich nichts thun, aber der Bootscadett, ein sehr diensteifriger junger Herr, hatte noch einen ganz besonderen Einfall, den er respectvollbescheiden dem erstenOfficier mittheilte. Dieser lachte und antwortete achselzuckend: Meinetwegen; aber lassen Sie sich beileibe nicht abfassen." Daraufhin kroch der unternehmendeJüngling mit vier Kuttergästen unter den Bootsbezug, wo sie, zwischen denDuchten (Ruderbänken) kauernd, des Augenblicks harrten, da der Ruf Mann über Bord!" ertönen würde. Dann wollten sie, während das Boot zu Wasser geführt wurde, den Bezug vollends losreihen und das Steuer einhaken, so daß man nur noch die übrige Mannschaft aufzunehmen brauchte, um losfabren zu können. Angenehm war dieses auf derLauerLiegen allerdings nicht, allein in jungen Jahren ist man in Bezug auf Bequemlichkeit weniger anspruchsvoll, und was thut der Mensch nicht, um einem verehrten Vorgesetzten insgeheim Sand in die Augen zu streuen. Zudem konnte man unter dem halbaufgueihten Bezug hindurch die ganze Inspizirung mit ansehen, ohne sich selbst dem Admiral zu Gefallen ein Bein auszureißen oder einen Anhaucher" zu riskiren. Da kam ja schon der Gestrenge, vom Commandanten gefolgt, an Deck; rasch tauchte der Kadett, um nicht bemerkt zu werden, vollends in dem Boote unter und flüsterte seinen Mitverschworenen zu: Ruhig jetzt; es geht loö!" Der Admiral hielt zuerst Musterung in Divisionen ab, warf einen flüchtigen Blick in die Batterie und befahl dann Ankerlichten. Geschützexerciren u. dgl. konnte er auf seinem Panzerschiff jeden Tag haben, um so mehr reizte ihn eine Segelfahrt mit eine? Korvette aus der guten alten Zeit. Nachdem die Schraube, damit sie das Schiff nicht in der Z5ahrt behindere, von der Welle gelöst und gelüftet war, hieß es Alle Segel los!" und von einer frischen Brise begünstigt ging's seewärts. Die unterwegs ausgeführten Manöver, Wenden, Reffen, Marssegelwechseln und Segelbergen, gingen wie am Schnürchen. Bei dem schier zauberhaft schnellen Vormarssegelwechseln entfuhr dem Jnspizirenden sogar ein bewunderndes Brillant!" und das freute das Schiffsvolk baß, hatte sich doch der alte Praktikus richtig bemogeln lassen. Klappte nun noch, wie kaum anders möglich, das noch zu erwartende Rettungsmanöver, dann war man über den Berg, und es regnete demnächst Belohnungen in der Form von Beförderungen, Belobigungen", derlängertem Landurlaub, Schnapsvertheilung und anderer Wohlthaten. Niemand erwartete indessen den erlösenden Ruf Mann über Bord!" sehnlicher als die fünf Insassen des zweiten Kutters. In der ersten Viertelstunde hatten sie es in dem niederen, nach oben durch den Segeltuchbezug abgeschlossenen Bootsraum noch, leidlich gut ausgehalten, aber die rasch höher steigende Sonne des f Südens brannte immer unbarmherziger auf das in den Bootskrahnen hängende Gefängniß hernieder, und die Luft darin wurde nicht besser, die Matrosen schwitzten und fluchten, der Cadett schwitzte und schob. seine aristokratische Nase zwischen dem Dollbord und dem Bootsbezug hindurch ins Freie. So ging es nun wieder eine Weile bis er plötzlich einen Nasenstüber bekam und die Stimme des ersten Officiers ihm zuraunte: Wollen Sie gleich ihren Riecher einziehen! der Admiral kann Sie ja fehen." Er that, wie ihm befohlen, und suchte sich an die heiße Stickluft zu gewöhnen, bald jedoch sah er ein, daß er hier auf die Dauer nicht weiterleben konnte. Beide Beine waren ihm in ihrer zusammengeklappten Lage eingeschlafen, der ihm in Strömen von der Stirn rinnende Schweiß biß ihm die Augen, daß er sie krampfhaft schloß, das Athmen wurde ihm von Minute au Minute schwerer. Selbst die Matrosen itohnten jetzt statt zu fluchen; kam jetzt nicht bald die Erlösung, so erschien eine Catastrophe unvermeidlich. Um nicht in der Blüthe seinerJahre eines unrühmlichen Erstickungstodes zu sterben, faßte der Cadett endlich den verzweifelten Entschluß, sich seinerHaft durch die Flucht zu entziehen. Wenn der auf der nahen Commandobrücke auf und niedergehende Admiral den Rücken wendete, wollte er sich rasch unter dem Segeltuchbezug hindurchzwängen, an Deck springen, und bevor der Jnspizirende Kehrt .machte, unter der Brücke Zuflucht suchen. Was er nach dem anfangen sollte, daran dachte er nicht; er hatte vorläufig nur ein brennendes Verlanaen: Lukt!
- Und er schritt alsbald zur That, um die Friheit zu gewinnen, die er meinte. Seine Schicksalsgenossen aber meinten, er strebe in selbstmörderischer Absicht den kühlen Fluthen des Oceans zu, und hielten ihn, während er sich mit dem Oberkörper schon aus dem Boot herausgearbeitet hatte, an den Beinen fest. Zudem schwindelte ihn, denn daö Blut war ihm zu Kopfe gestiegen, und als er sich endlich unter Verlust eines Stiefels losriß, verlor er das Gleichgewicht, und plumps! lag er im schönblauen Mittelmeer. Mann über Bord!" brüllten mehrere Stimmen zugleich, und aus dem zweiten Kutter tauchten vier schweißtriefende Mcürosengestchter auf, die theilnahmövoll dem im Kielwasser treibenden Cadetten nachschauten. Um das mit einer Geschwindigkeit von 9 10 Knoten segelnde Schiff möglichst schnell zum Stillstand zu bringen, übernahm der Admiral sofort selbst das Commando: An die Gaitaue und Gordings der Untersegel! Los die Halsen und Schoten! Gai auf! Ruder in Lee! Fier die Vorsegelsschoten! An die Backbord - Verbrassen!, Braß auf! An die SteuerbordAchterbrassen. Braß back achter! Ersten Kutter klar!" Junge, wat hei um die olle dösige Boje gröhlen deiht!" sagten sich die Matrosen, in der Meinung, es handle sich nur um ein Scheinmanöver. Und ermüdet, wie sie nachgerade waren, ließen sie sich hübsch Zeit mit der Ausführung der erhaltenen Befehle, bis ihnen der Jnspizirende mit einer kräftigen Aufmunterung auf die Strümpfe half. Die Kuttergäste bekamen ganz sonders ihr Fett; statt des wohl vorbereiten zweiten, hatte der Admiral unglücklicherweise den ersten Kutter zur Rettung befohlen und t& dauerte ihm zu lange, bis das Boot zu Wasser kam und den über Bord gefallenen Cadetten aufpickte, viel zu lange! Darauf steuerte das Schiff nach seinem Anlerplatz zurück, und bevor der Admiral von Bord ging, wurden die Officiere zur Kritik befohlen. Der Geschwaderchef faßte sich kurz, dennoch gab's lange Gesichter. Schiff und Mannschaft sind gut im Stande und mit den Leistungen bin ich zufrieden, mit einigen sogar sehr zu frieden. Aber das Rettungsmanöver, meine Herren! Die Mannschaft that ja gar nicht dergleichen, als ob ein Menschenleben in Gefahr sichwebe; wäre der betreffende Cadett kein guter Schwimmer, wir hätten ihn ganz gewiß nicht Wieder bekommen. Daß Sie im zweiten Kutter Leute versteckt hatten wahrscheinlich malpropre Kunden, die ich nicht sehen sollte ist vollends ein starkes Stück; die Menschen waren schon ganz blauroth im Gesicht und hätten leicht ersticken können. Ich hoffe, daß dergleichen nicht wieder vorkommt. Danke.Er sprach's und schiffte schnell sich
ein. Mintcr'Kosmetic. Im Eintritt des Winters ändert sich die Taktik, die gegen schädlicheEinflüsse der Witterung auf die Haut der Hände, des Halses und des Gesichts einzuschlagen ist. Hat man im Sommer sich gegen Auftreten von Sommersprossen und Verbrennen des Teints zu schützen, so ist im Winter das Rissig- uno Sprödewerden der Haut, namentlich an den Händen, den Wangen und an den Lippen eine Folge der strengeren Witterung. Dagegen muß man rechtzeitig Vorbeugungsmaßregeln'ergreifen. Mit Schleier und Glacöhandschuhen schützt man die bloßenStellen des Korpers beim Ausgang zwar gegen die Unbilden der Witterung, aber dennoch stellt sich recht oft spröde Haut ein. Gegen das Schleiertragen ist überdies schon viel geeifert worden, denn es beeinträchtigt die Sehschärfe, verdirbt auch wohl auf die Dauer die Augen, besonders wenn die Schleier die zeitweise modern gewordenen großen Tupfen besitzen oder gar engmaschig sind. Ferner vermehrt gerade dasSchleicrtragen oft die Sprödigkeit der Lippen durch Reibung und bei sehr scharfer Kälte sogar durch Anfrieren. Deshalb sind jene Damen durchaus nicht im Unrecht, die vom Schleiertragen nichts wissen wollen. Ja, gerade sie erfreuen sich oft des frischesten Teints und werden von spröder Haut nicht behelligt, wenn sie die sonstigen Winke der Win-ter-Kosmetik berücksichtigen. Zur Abhärtung der Haut wasche man sich des Morgens stets mit frischem Wasser. Muß es etwas gewärmt sein, so sei es doch niemals warm, denn das verweichlicht und erhöht die Disposition zu Erkrankungen. Die methodische Anwendung kalten Wassers hingegen trägt zu besserer Ernährung der Haut und dadurch mittelbar zu ihrer Verschönerung bei. Sie bewirkt eine Gewöhnung an niedere Temperaturen; die Haut wird abgehärtet und dadurch gegen Erkältungen weniger empfindlich. Als Vorbeugungsmittel sowohl wie als Heilmittel gegen spröde Haut ist Glycerin unübertroffen, es muß jedoch richtig angewendet werden. Seine AnWendungsform ist sehr verschieden. Sämmtliche ohne Fett gearbeiteten Toilettencremes sind für Toilettenzwecke geeignete Zubereitungen, deren Hauptbestandtheil Glycerin ist; alle sind in gleichem Maße empfehlenswerth. In chemisch reinem Zustand darf Glycerin auf keinen Fall zur Anwcndung kommen, denn es ist in solchem überaus hygroskopisch, d. h. es zeigt das Bestreben, sich durch Wasser, das es aus seiner nächsten Umgebung, aus der Luft oder der menschlichen Haut an sich zieht, felbst zu verdünnen. Dies Bestreben ist bei dem Glycerin nicht einmal geringer als es bei concentrirtester, englischer Schwefelsäure der Fall ist. Man wird danach leicht beareifen. ' daß concentrirtes in diesem Zustand
dickflüssiges Glycerin geradezu riß: Gift für die Haut ist. Wird eö mit dieser in Berührung gebracht, so sättigt es sich zunächst mit Wasser, indemc es alle verfügbare Feuchtigkeit aus dcnc Schweißporen der Haut an sich ziehb und dadurch eine heftige Entzündung hervorruft, die sich in abscheulich brennendem Gefühl äußert. Erst nachdemc das Glycerin auf diesem Wege eine afc wisse Verdünnung erreicht hat. ist es im Stande, feine heilende Wirkung cufj spröde Haut zu entfalten, eine Wohlthat, die durch den vorher angerichtereir. Schaden und den damit verbundenen: Schmerz in dieser Weise allerdings et--was theuer erkauft ist. Wer daher Glycerin in Substanz und nicht in einer fertigen käufliche. Zubereitung wie die ToilettencremeSanwenden will, möge stets darauf ach- -ten, daß eS nicht dickflüssig, z. B. wiedie Consistenz weißen Syrups sei, darf. Erhält man eö in der Apotheken oder Droguenhandlung als Toiletten glycerin nicht gleich fertig mit gleichen. Theilen Rosenwasser oder OrangenWasser verdünnt, so mischt man es ant besten zunächst mit der gleichen Menge Wasser, ehe man es auf die Haud bringt. Ein den Glycerincremes in der Wirkung gleichwerthiges Präparat gegen, spröde Hände, das man leicht herstellen kann, ist Glycerin - Gallerte. Man. weicht 8 Gramm weiße Gelatine irt 100 Gramm Rosenwasser ein, löst sienach einigen Stunden durch Erwärmens darin auf und setzt nach dem Abkühlen wenn die Masse gerade noch flüssig ist,, ein zu Schnee geschlagenes Eiweiß hinzu. Erhitzt man hierauf die Mischung nochmals, so wird durch Ab scheidung geronnener Eiweißslocken die: Mischung völlig geklärt. Sie wird o dann mit einer Lösung von $ Grämn? Salicylsäure in 100 Gramm reinem, dickflüssigem Glycerin versetzt und noch warm in Gefäße gegossen, in denen sie. erstarrt. Auch Arnica - Glycerincreme ist tine fehr empfehlenswerthe Anwendung form für Glycerin. Man löst zu ihrerBereitung 5 Gramm Borax m 60 Gramm reinem Glycerin durch Erttxir men auf und vermischt dies mit 5 Gramm Arnicatinktur und 60 Gramme Rosenwasser. In zu großer Verdünnung, z. V. eß-' löffelweise dem Waschwasser zugesent geht die Heilwirkung des GlycmnS fast völlig verloren. Aus gleichem i Grunde sind Glycerinseisen nur von.' untergeordnetem Werth für die Hautpflege, bezüglich ihres Glyceringehal-. tes, ja, es mag sogar eine Warnungvor billigen Glycerinseifen hier arn Platze sein. Es ist im Seifenhandel' eine ganz eingebürgerte Gepflogenheit die schlechtesten, geringwerthigsten und' mit Zusätzen, die für die Hautpflege.ganz werthlos, wenn nicht gar schädlich sind, gefüllten", d. h. verlängerten oder gefälschten Seifen unter der 23?--zeichnung Glycerinseife in den Hankell zu bringen. Diese Benennung hat bei: Seifen auch gar nicht eigentlich denr Sinn, einen Zusatz chemisch reinen Toilettenglycerins zu kennzeichnen, sondern es bedeutet dies vielmehr eine Seife, in der das aus der Fettmasse beim Kochen des Seifenlcims entstandene, ganz rohe Glycerin gar nicht erst entfernt worden ist, wie dies bei jeder guten Kernseife und jeder brauchbaren Toilettenseifedurch den sogenannten Aussalzungsproceß geschehen muß. Wenige wirk--lich echte Toilettenglycerinseifen, die übrigens einen hohen Preis haben, machen hiervon eine Ausnahme. Villige: Glycerinseisen jedoch sind stets un--brauchbar. Geschieht die Anwendung des Glycerins nun in einer mit Wasser ver dünnten Form oder als Glyceringal lerte oder in einein der genannten. Cremes, so gebraucht man es am bestens Abends vor dem Schlafengehen. ESkann dann während der Nacht 1 bis 10 Stunden auf die Haut einwirken, ohne: durch seine eigenthümlich klebrige Be schaffenheit länger als bis zum Ein schlafen lästig zu sein, und wird früh' wieder abgewaschen. Diese Zeit genügte vollauf, um alle kleinen und kleinsten. Rißchen zu heilen und die Haut durch Erzielung größerer Geschmeidigkeit gegen neue Läsionen widerstandsfähiger zu machen. Eine Applikation ant Tage, etwa vor dem Ausgang, ist dann, wegen der mannigfachen damit verbundenen Uebelstände völlig entbehrlich. Die Anwendung von Glycerin ern pfiehlt sich ebenso für die Hände wie für alle übrigen unbedeckten Hautstellen des Körpers und ist auch für die Lippen geeignet. Auch auf diesen brennt es in genügend verdünntem Zustand nicht und erfüllt seinen Zweck besser als die hierfür gebräuchliche Lippen- od Traubenpomade. Der Gebrauch von Puder für die Wangen als Schutzmittel gegen rauhe Luft ist wenig empfehlenswerth und erübrigt sich, wenn die Haut durch kalte Waschungen abgehärtet und durch Glr cerin geschmeidig erhalten wird . Ohne Namen. Die Frauen Koreas haben nicht ein mal einen Namen. Nach der Geburt bekommen sie nur einen Spitznamen, unter dem sie in der Familie und bei vertrauteren Freunden bekannt slno der aber, nachdem sie herangewachsen: smd.nur noch von den Eltern gebraucht wird. Für alle Uebrigen ist das Mär chen nur noch die Schwester" oder Äe Tochter" der betreffenden Person. Nach der Verheirathung ist ihr Name rollig. begraben; sie ist dann ganz namenlos ihre eigenen Eltern erwähnen ihrer nxic unter Angabe des Bezirks, wo sie getraut wurde. Wird ihre Ehe mit Stin dern gesegnet, so ist sie die Mutter von dem und dem. Hat eine Frau aber einmal vor Gericht zu erscheinen, so ertheilt ihr der Richter für die Dauer der Verhandlung der Bequemlichkeit wegen einen besond2 Namen.
