Indiana Tribüne, Volume 22, Number 130, Indianapolis, Marion County, 29 January 1899 — Page 6
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Kaiscr-Falüste. Der Kaiser von Oesterreich besitzt -außer zahlreichen Jagdschlössern und -Schlößchen an die zwanzig stattliche Burgen und Schlösser, die mit dem Geschicke des ErzHauses zumeist innig verwachsen sind. Die Hofburg in Wien macht zwar rchitektonisch nicht den einheitlichen, hochragenden, prunkvollen Eindruck toit der Prager Hradschin oder die Dfener Burg, aber einzelne Theile, insbesondere die Reichskanzlei, die Fassade nach dem Michaelerplatz und der neue, vonHasenauer erbaute Burg flügel, gehören zu den architektonischen Lierden der Residenz. Andre Theile, wie die altersgrauen, von Epheu umsponnenen Mauern des Schweizerhofes und des leopoldinischen Traktes, -sind von Geschichte und Sage verHerr--licht. Im dreizehnten Jahrhundert residirten die Babenberger darin, und im Jahre 1273 zog Rudolf von Habsdurg ein, nachdem der Böhmenkönig Premysl Ottokar in der Schlacht am Marchfelde Krone und Leben verloren hatte. Von den großen Burgen des Kai--sers müssen in eriier Linie die Resirenzen in Ofen, Prag und Jnnsbrück genannt werden. Die königliche Burg in Ofen bildet auch gegenwärtig für einen Theil des Jahres die Residenz des Königs von Ungarn. Die Lage dieses mächtigen Königsschlosses ist, gleich der des Hradschin in Prag, .von überwältigender Großartigkeit.
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i t:..vi-.'i wiij SchloßLaxenburg. 'Von der taufendjährigen Geschichte .Ungarns spielten sich viele der drarnatischsten Momente an der Stelle ab, wo jetzt der Baroöbau der Osener -Burg, ein Werk des Architekten Hille.brand, steht. Die der Donau zuge- : wendete Front hat einen auf sechs Säulen ruhenden, mächtigen Balkon. 'An den Mitteltrakt schließen sich zwei . große Flügel an; das Gebäude enthält über 200 Zimmer. Im linken Flügel werden die Kroninsignien aufbewahrt. 'Won herrlicher Wirkung ist der Garten des königlichen Schlosses, dessen oberer ' Theil terrassenförmig angelegt ist. Von ' hier aus genießt man eine prachtvolle 'Aussicht über den majestätisch dahin--fließenden Donaustrom mit seinen j$n sein, die monumentale Kettenbrücke und die immer mächtiger sich ausdehnende Stadt. Der untere Theil des 'Schloßgartens ist mit Benutzung der Äerrainverhältnisse überaus malerisch .angelegt. Segen das Donauufer hin 'schließt ein langgedehnter, pittoresker Bau mit luftigen und zierlichen Bau"Motiven, hinter denen Baumgruppen, 'Boskettö und Rasenplätze hervorlugen, den Burgfrieden ab. Jahrhundertelang wurde an der ' Prager Burg gebaut. Schon die Se'Herrn Libussa soll sie gegründet haben; ' der .mächtigste Böhmenfürst Premysl Schloß Godöllo. -Ottokar hauste hier; unter Karl IV., !der Prag die Universität (1348) und .dem Reich die Goldene Bulle gab, .wurde die in Verfall gerathene Burg .neu und herrlicher erbaut. Rudolf II., der Gelehrte und Alchimist auf 'dem Thron, verbrachte den größten ' Theil seines Lebens auf dem Hrad--schin. Im Dreißigjährigen Krieg vielfach verwüstet, wurde sie von dem prunkliebenden Kaiser Karl VI. neu ausgeschmückt. In unsrer Zeit residirte Kaiser FerVmernb nach seinerAbdankung auf dem .Hradschin bis zu seinem Tode im .Jahre 1875, in den achtziger Jahren ibei Kronprinz Rudolf. Die Hofburg in Innsbruck erhielt -unter Maria Theresia ihre jetzige Gestalt. Die Burgkapelle ist an jener 'Stelle erbaut, wo Kaiser Franz I., 'Gemahl der Kaiserin Maria Theresia, von einem plötzlichenTode ereilt wurde. Mit der Burg verbunden muß die Hofkirche genannt werden, ein schöner Renaissancebau. Ein Kunstwerk von unvergänglichem Werth ist das Grabmal Maximilians I., das sich im Mit--telschiff erhebt. Zwischen den Pfeilern "der beiden Langschiffe stehen 23 große Bronzestatuen, Heroen und Mitglieder des Hauses Habsburg darstellend. Einige von ihnen sind von dem berühmien Erzgießer Peter Bischer aus Nürnberg. Im Mittelpunkte des Interesses sieTjen die Lustschlösser, die auch jetzt noch den zeitw:iligen Aufenthalt des Herrschers bilden. Von ihnen ist wohl das Lustschloß Schönbrunn in Wien das schönst? und prunwollste. Das Schloß in seiner jetzigen Gestalt ist ein Werk tl hochberühmten Fischer von Erlach. Die Kaiserin Maria Theresia bevorHugte dieses Lustschloß besonders, und seither blieb es auch eine beliebte Somnresidenz dts Kaisershauses. Zwei-
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mal, im Jahre 1805 und 1809, schlug Napoleon I. auf seinem Siegeszuge in Schönbrunn sein Hauptquartier auf, und hier wäre er auch beinahe das Opfer eines Attentats geworden, das der schwärmerische Jüngling Friedrich Staps gegen den Feind seines Vaterlandes plante.
Villa inJschl. Für den Wiener a-ber ist Schönbrunn wegen seines herrlichen Parkes, seiner Menagerie und wegen der unvergleichlichen Aussicht, die man von der Höhe des Glorietts genießt, von Alters her ein vielbesuchtes Ausflugsziel, das besonders für die westlichen Stadttheile bequem zu erreichen ist. Seltener, weil schwieriger zu erreichen, sieht der Wiener das reizende, an ptttoresken Schönheiten so reiche Lustschloß Laxenburg. Der große, überaus malerisch wirkende Park bietet dem Lsstwandelnden zahlreich reizvolle Ausblicke und Überraschungen. Da ist vor allem die Franzensburg, eine getreue Nachbildung des Stiles vergangener Jahrhunderte, mit Thürmen und Mauern, Erkern und Schießscharten, Zugbrücke und Schloßgraben. Und in welche Zeiten und Träumereien versetzt nun erst der Turnierplatz! Da giebt es so viel Denkwürdiges aus alter und neuer Zeit, daß der Kopf ganz wirr wird und man sich endlich wieder hinaussehnt in den herrlichen Park, mit seinem schattigen Laubdach der hundertjährigen Baumriesen und den in berückender Farbenpracht prangenden Wiesen und Terrassen. Weniger bekannt als die bisher genannten Lustschlösser sind die kaiserlichen Lustschlösser in Göd'öll'ö, Jschl, im Lainzer Thiergarten und das marchenhaft schöne Meerschloß Miramare. Gödöllo, mit der Bahn von Budapest aus in einer Stunde zu erreichen, ist erst seit 1867. ein Krongeschenk der unqarischen Nation, in den Besitz des Kaiserhauses gelangt. Das mit Kuppeln geschmückte Gebäude im Stile des VillainLainz. siebzehnten Jahrhunderts bietet wenig Bemerkenswerthes. Den Park zieren prachtvolle Baumgruppen, die aus dem ansteigenden Terrain sich immer dichter zusammenstellen und den erfrischendsten Waldesodem aushauchen. Auf dem Königshügel- sieht ein Pavlllon, der die Bildnisse der unganschen Könige bis auf Attila enthält. Seit dreißig Jahren verbrachte das Kaiserpaar fast alljährlich hier einen Theil des Sommers oder des Herbstes; :n früheren Jahren machte die Kaiserin hier sehr häufig die Herbstjagden mit. Die Kaiservilla in Jschl verdankt ihre jetzige Gestalt denrLiebcsbund des Herrscherpaares, der hier am 19. August 1853 geschlossen wurde. Sie wurde in erstaunlich kurzer Zeit hergestellt und bis zur Vermählung des Kaisers, am 24. April 1854. vollständig bewohnbar gemacht. Der prunkvollste und reichste moderneSchloßbau ist die kaiserliche Villa im Lainzer Thiergarten. Baron Hasenauer, der Erbauer der Hofmuseen und des muen Burgtraktes, hat den Plan dazu entworfen. Die Fassade zeigt einen berückenden Reichthum architektonischer Formen. Die .innere Einrichtung ist von den ersten Kunstlern Oesterreichs hergestellt. Der Lainzer Thiergarten ist für gewöhnlich dem Publikum verschlossen. Doch kann sich der Kunstfreund oder der Fremde einen Erlaubnißschein erwirken, und er wird den umständlichen Weg nicht bereuen, wenn ihm die ganze Herrlichkeit dieses Prachtgebäudes vor das Auge tritt. An der tiefblauen Adria erhebt sich inmitten märchenhafter Gärten ein schimmernder Palast, der einst der fast überirdische Wohnsitz eines glücklichen Menschenpaares war : Miramare! Hier lebte der in Mexico erschossene Marimilian als Erzherzog an der Seiie seiner Gemahlin Chorlotte. Jetzt ist der Feenpalast vereinsamt und herrenlos. Den zahlreichen Besuchern, welche von Triest herüberfahren, kommt all die Herrlichkeit, die in einem Dornroschenschlaf von ihrem ersten Gebieter zu träumen scheint, wie eine furchtbare Ironie des Schicksals vor. So bringt auch die Geschichte der Kaiserschlösser während der letzten fünfzig Jahre all die wechselnden Bilder der Trauer und der Freude in die Erinnerung, welche die bewegte Regierungszeit des Kaisers Franz Josef begleiteten. ' Für die Laster des LebenS kann man sich keinen Packträger nehmen. M a l i t i o s. Vater (welcher mit sechs Kindern ein Glas Bier be stellt hat): Kellner, noch ein GfoSl Kellner: .Mit oder ohne Bier?.- ;
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AuS grauer Vorzeit. Unter den Perioden der Entwickelung, welche unsere Erde durchmachte, ist diejenige, welche der Geologe mit dem Namen Steinkohlenformation" bezeichnet, wohl eine der interessantesten und für die Menschheit nutzbringendsten gewesen. Verdanken wir doch, wie schon der Name sagt, dieser Periode das Entstehen unserer Steinkohlenlager, und da der bergmännische Abbau der letzteren viele Ueberbleibsel der damaligen Thier- und PflanzenWelt in Form von Versteinerungen zu Tage schafft, so sind wir auch über den Zustand der damaligen Fauna und Flora ganz besonders gut unterrichtet. Die Thierwelt war damals noch verhältnißmäßig wenig entwickelt, in üppigsterBlüthe stand dagegen die Pflanzenwelt. Schachtelhalme und Farne von riesenhaften Dimensionen bedeckten weite Landstrecken und da derartige Gewächse nur auf feuchtem Boden, bei großer Wärme und in kohlensäurereieher Atmosphäre gedeihen können, so ist der Schluß wohl nicht unberechtigt, daß wir unS die Länder jener Zeit alS tropische Sumpf- oder Morastgegen-
VersteinerterBaumstumpf. den, etwa nach Art der indischen Dschungeln, vorzustellen haben, nur mit dem Unterschied, daß die Größe der damaligen Pflanzenwelt ins Ungeheure stieg. Wir fuhren heute unseren Lesern im BiTde die Wurzel und einen Theil des Stammes einer Lycopadine" und zwar emes Lepidodendrons vor, also jener Pslanzenart, deren heutige Vertreter wir nur. als niedrige krautartige und moosartige Gewächse, wie Bärlapp, Schlangenmoos. Johannisgurtel u. s. w. kennen. In der Steinkohlenformation hatte diese Gattung einen baumartigen Wuchs und bildete große und ausgedehnte Wälder, deren Stämme, wie sich mit Sicherheit berechnen läßt, Höhen bis zu 100 Fuß erreichen. Als diese Walder untergingen und von anderen Schichten über deckt wurden, bildeten sich aus den modernden Stammen urd Blattern erst große Torflager und später die Steinkohlenflotze, so daß wir also jetzt noch aus jener üppigen Vegetation Nutzen ziehen. Der abgebildete Baumstumpf nebst Wurzel wurde am Piesberg bei Osnabrück gefunden und das Original desselben befindet sich m der Sammlung der Königlichen Hochschule für Bergbau zu Berlin. Bicycle-Ambulanz. Eine neue Erfindung hat sich in Deutschland' außerordentlich bewährt: Der Krankentransport mittels Bicycles. Zwei Bicycles werden durch einen einfachen, aber sehr sinnreichen Mechanismus zu einer Bahre verbunAuf der Fahrt, den und darauf der Kranke oder Verwundete gelegt. Nun besteigen die Bicyclisten ihre Sitze und rasch gcht es zur Pslegestation. EinFatalist. Aber, Herr Director, wie konnten Sie nur bei dieser schönen Straße da in den Graben hinunterfallen?!" Was machen Se for e' Gered' es hat eben so sein sollm ich hab' mer gewehrt dagegen mit Händ' und 3?üßT Kindlich yaiv. Der kleine Paul: Mama, wie kommt der Storch in das Zimmer?" Mama: Durch den Ofen!" Der kleine Paul: Und wenn geheizt wird?" Glück im Unglück. Frau (zum heimkommenden Gatten): Denke Dir, heute Vormittag war der Gerichtsvollzieher hier." Mann: Was hat er denn gepfändet?" Frau: DaS Klavier." Mann: Gott sei Dank!" Bestraft. Erster Einbrecher: Nanu, wie siehst Du denn aus, ist Dir ein Unglück passirt?" Zweiter Einbrecher: Ach, ich brach in ein Haus ein, da saß eine Frau, die auf ihren Mann wartete, und in der Dunkelheit mich mit ihm verwechselte." . .
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Moderne Magie.
Jeder einsichtsvolle Mensch weiß, daß jene Magier", welcke ihre oft verblüffenden Kunststücke auf öffentlichen Schaubühnen zeigen, durchaus nicht im Besitz übernatürlicher Kräfte sind, sondern zu ihren Productionen sinnreicher Vorrichtungen und Apparate bedürfen. Namentlich ist dies bei der sogenannten Geistesmagie" der Fall, deren Adepten eine geheimnißvolle Macht auf das Denkvermögen ihrer Subjecte ausüben zu können behaupten. Daß der Zauberkünstler und sein Subject bei derartigen Productionen mit einander in geheimem Einverständniß sind und die von ersterem an letzteres gerichteten Worte eine festgesetzte Bedeutung mit vorher vereinbarter Antwort haben, ist häufig der Fall. Aber noch viel überraschendere Resultate lassen sich mit Hilfe mechanischer Hilfsmittel erzielen, wie beispielsweise das Errathen von Zahlen seitens eines Subjects, als welches stets eine Dame sungirt. Der Magier placirt die Dame auf einen Fußtelegraph. Stuhl, der dicht an der Rampe steht. Die Augen der Dame werden verbunden; jeder beliebige Zuschauer kann auf die Bühne kommen und sich davon überzeugen, daß das Subject nicht das Geringste sehen kann. Alsdann läßt der Magier durch einen oder den anderen Zuschauer auf eine hinter der Dame angebrachte Wandtafel mit Kreide mehrstellige Zahlen schreiben, worauf der Betreffende wieder seinen Sitz einnimmt. Sofort addirt das Subject die Zahlen und kündigt das Resultat mit lauter Stimme an. Dasselbe ist stets richtig. Dann richtet der Magier an die Zuschauer die Bitte, sich auf die Bühne zu bemühen und eine der auf die Tafel geschriebenen Zahlen mit dem Finger zu berühren. Sobald Jemand dies gethan hat. ruft die Dame sofort Die Zahl aus. Aehnliche Productionen, wie Multiplikationen, Wurzelziehen u. s. w. folgen, stets mit verblüffender Genauigkeit. Daß das Subject die Zahlen auf der Tafel lesen könnte, ist außer Frage und doch gibt sie correcte Antworten. Was ist die Lösung des Räthsels? Es gibt zwei Methoden, zur Bethätigung dieser Geistesmagie". Unter der Bühnenrampe verborgen befindet sich ein Gehilfe des Zauberkünstlers, der die Tafel mit den Zahlen genau Sprachrohr. übersehen kann. Die Dame mit den verbundenen Augen hat aus der Sohle eines Schuhes ein etwa zwei Zoll großes Loch geschnitten und sobald sie auf dem Stuhl Platz nimmt, placirt sie dasselbe auf ein entsprechendes Loch im Fußboden, welches mit einem pneumatisch beweglichen Piston versehen ist. Bon diesem Piston führt ein Gummischlauch nach dem Platz des versteckten Mannes. Ist an das Subject eine Frage gestellt, so braucht letzterer nur auf die Tafel zu schauen und durch den pneumatischen Apparat die richtige Antwort zu Übermitteln. Einzelne Zauberkünstler bedienen sich statt der pneumatischen Vorrichtung eines Elektromagneten oder eines Sprachrohrs. Findet letzteres Verwendung, dann sitzt das Subject auf einem Stuhl aus gebogenem Holz; ein Stuhlbein und die Lehne sind hohl. Das Haar der Da me hängt in einer dicken Flechte (in Ermängelung eigeneil Haares trägt sie eine Perrücke) über die Lehne h:rab und in dieser Flechte ' ist eine Sprachröhre verborgen, die bis an ein Ohr der Dame führt. 2) Gehilfe des Magiers kann ihr also die richtigen Antworten auf alle gestellten Fragen mit Leichtigkeit zuflüstern. Trost. ... Der Director hat Dir doch hier geschrieben, daß Dein neuestes Stück durchgefallen ist!" 2)as allerdings aber glänzend!" Echt weiblich. Arthur, diesen Sommer möchte ich in's Bad!" Einverstanden! Wohin willst Du?" Aber Arthur!" Was denn, liebe Emma?" Ach, so macht es mir gar keinen Spaß! Ich hätte viel lieber erst Deinen Widerspruch besiegt!" . ".
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Die Halloren. In guten und bösen Zeiten sind die Halloren, jene uralte Salzsiedergenossenschaft zu Halle a. d. S., der Sitte treu geblieben, dem preußischen KLnigshause zum Jahreswechsel ihre Wünsche darzubringen. Auch in diesem Jahre fand sich eine Deputation der wackeren Körperschaft zu diesem Zwecke in Berlin ein und überreichte die traditionellen Geschenke: feinste Schlackwurst und Sooleier. An der Spitze der dreigliedrigen Deputation stand der Siedemeister Gottlieb Ebert Siedemeister Ebert. als Sprecher". Zum sechsten Male begrüßte er den König und viermal schon hat er das Wort geführt. Seine Begleiter waren die Sieder Franz Moritz und Puppe. Es ist für sie eine Ehre, die ihnen zu Theil wird, aber diese Ehre erfordert ein nicht unbeträchtliches Opfer. Den männlichen Bart müssen sie hingeben, denn alter SiederMoritz. Brauch verlangt, daß sie glattrasirt vor den König hintreten. Alt ist der Brauch der Begrüßung, denn diesmal sind es gerade 170 Jahre, daß die Halloren im altersgrauen Hohenzollernschlösse erscheinen. Damals halfen sie die Feste, welche der sparsame Soldatenkönig dem prachtliebenden August dem Starken gab, verschönen. Auch ein Pfandobject. Gerichtsvollzieher: Haben Sie sonst noch Pfandobjecte?" Familienvater: .Nur zwei Pfänder der Liebe!" DieeinfachsteLLsung. s Unsere Radlerinnen wissen nicht, ob Rock oder Hose' so sollen sie eben fahren, dann ist's gleichgiltig, was sie anhaben." JmDelikatessengeschäft. Geben Se mer e' Päckchen Kautabak!" Bedaure, führen wir nicht!" Was, den führen Se nicht?! E' sch'oms Delikateßgeschäft!" Rechthater. Aber. Vetter, das ist doch schrecklich, daß Du so viel Leuten Geld schuldig bist!" Ist nicht so schlimm, es gibt Millionen Menschen auf der Erde, denen ich nichts schulde."
Drei AngcnblickS-Bilder. Der Herr Amtsrichter Tüftel
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bei der Verhandlung gegen den Papiermüller Stampfer, der mit seiner Holzschleiferei das Bachwasser ver" unreinigt hat, bei der Verhandlung gegen die MilchHändlerin Brigitte Schlauhuber, welche verfälschte Milch in die Stadt gebracht Hat, und bei der Verhandlung gegen den Wirth zum gold'nen Lamm" wegen Bierpantscherei. Unter Freundinnen . . .Was für einen Aufwand die Leut' jetzt machen, davon hat man gar keinen Begriff!. . . Die eine Hälfte der Welt weiß gar nicht, wie die andere Hälfte lebt!" Na. grämen Sie sich deßwegen nicht! Ihre Schuld ist es gewiß nicht, wenn sie eZ nicht weiß!" Ausweg. Du, jetzt hab' ich in meinem Drama schon acht Personen auf alle möglichen Arten sterben lassen; nun hab' ich noch den Helden des Stückes, an welchem sich auch die Schuld rächen muß was soll ich denn mit dem machen?" .Laß' ihn heirathen!" UnerwarteteWirkung. Hausherr: . . .Es wird Sie vielleicht auch interessiren. Herr Müller, daß vom nächsten Ersten ab meine Tochter wieder Gesangsunterricht bekommt?" Miether: Sooo!. . . Gut, ich nehme die Kündigung an!" Diese Damen. Woher hast Du denn den Solitär da an Deinem Finger? Gestern lag er doch noch im Schaufenster des JuweNers Steinberg?" Ja, inzwischen habe ich mir ihn eben angeschafft." Du den Solitär?" Das nicht, aber den Juwelier."
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Das Florct. Frauen haben seit undenklichen Zei ten Ohrringe getragen, aber noch niemals scheint ein Juwelier auf die gcmale Idee gekommen zu sein, einen Ohrenschmuck herzustellen, den auch solche Schönen brauchen können, die in ihrer zartesten Jugend nicht mit Ohrlöchern versehen wurden und die sich später nicht mehr zu der kleinen Opc ration entschließen mochten. Ein Goldarbeite? in Birmingham, der stets auf der Suche nach neuen und. artistischen Schmuckgegenständen ist, hat jetzt end lich nach mehreren vergeblichen Versuchen ein reizendesOrnament zu Stande gebracht, das vollkommen sicher an jedem nicht durchlöcherten Ohrläppchen befestigt werden kann. Das Floret", wie der glückliche Erfinder sein neues Schmuckstück nennt, ist eine sehr graziös und geschmackvoll ausgeführte Verzierung, die das untere Viertel des Ohres so dicht umschließt, als wäre sie
ein Theil des Gliedes. Die zarten. Winzigen Blüthcnranken, phantastisch geformten Blättchen und zierlichen Arabesken nach orientalischen Dessins aus mattem Golde mit Brillanten oder anderen kostbaren Gemmen reich inkrustirt, heben sich in der That von einer rosig angehauchten Ohrmuschel höchst effektvoll ab. Da diese neue Art Ohrgeh'änge allerdings nur angebracht werden kann, indem das Ohrläppchen etwas energisch zusammengequetscht wird, sollte man annehmen, daß das Tragen des Schmuckes mit körperlichem Unbehagen verknüpft sein muß. Wenn man aber den Versicherungen des Erfinders und einiger Damen, die bereits im Besij entzückender FloretZ sind, glauben darf, so ist dies keinesWegs der Fall. Ein boshafter Londoner Journalist, der für Frauenschönheit und Frauenschmuck wenig Ver ständniß zu besitzen scheint, erklärt das moderne Ornament zwar für eine Gefchmacksverirrung und macht den Vor schlag, daß die holden Damen sich auch nur gleich Florets" für Nase, Kinn, Augenbrauen und Wangen machen lassen möchten, damit doch ein wenig Symmetrie herrscht. Außerdem würde es" sehr praktisch sein, einer von der Natur zu stiefmütterlich bedachten oder zu sehr gebogenen Nase mittelst der goldenen Verzierung eine wahrhast ideale klassische Form zu verleihen; ein zu stark zurücktretendes Kinn könnte mit Leichtigkeit verwandelt werden und häßliche Brauen oder vorstehende Backenknochen würden sich vortrefflich unter brillantenblitzenden Florets verstecken lassen. AuS zweiter Hand. Er brauchte Anregung, darum fing er mit ihr ein Verhältniß an. Das brachte ihn in Stimmung, deren er nothwendig bedürfte, um seinen Roman beendigen zu können. Fast täglich kam sie des Abends zu ihm, setzte sich ihm gegenüber in einen Fauteuil und sah still und aufmerksam zu, wie er schrieb. Manchmal, wenn er über die Fortsetzung eines Satzes nachdenken 'mußte, hob er den Kopf und lächelte ihr zu; dann lächelte sie wieder, ein feines, etwas wehmüthiges Lächeln. Er aber nickte befriedigt, daß sie da war, und schrieb eifrig weiter, beruhigt durch ihre Nähe. Dann wurde sie krank. Schwindsucht" sagt der Arzt. Er bot ihr an, sie nach dem Süden zu schicken, aber sie weigerte sich, sie wollte bei ihm bleiben. Anfangs kam sie noch zu ihm, später durfte sie nicht mehr ausgehen und tr besuchte sie fast täglich. Eine Stunde saß er an ihrem Bette, unterhielt sich mit ihr, versicherte ihr. daß sie bald wieder gesund werden würde. Dann ging er schnell nach Hause, um die trübe Stimmung fest zu halten und schrieb an einem Schauspiele. Diese Krankenbesuche, die ihm erst unbequem gewesen waren, wurden ihm jetzt zum Bedürfniß. Er kam sich so edel vor.und dieses Gefühl förderte ihn entschieden bei der Arbeit. Als sie nicht mehr sprechen durste und konnte, nahm sie seine Hand und drückte sie während der Ruhepausen, die ihr der Husten ließ, lange an ihre feuchten Lippen. Ihm kamen die Thränen in die Augen, und im Geiste machte er Gedichte, die er zu Hause' niederschrieb. Endlich starb sie. Die Todesstunde ergriff ihn furchtbar. Tagelang fühlte er ihren letzten Blick auf sich geheftet, in dem Liebe und Dankbarkeit mit dem Schauer des Todes gekämpft hatten. Diesen erschütternden Eindruck konnte er nur wieder los werden, indem er eine kleine Novelle schrieb: Der Tod. Er schluchzte laut, als er sie vor der Absenkung noch einmal überlas. Die Zeitschrift, welche die Novelle brachte, schickte ihm 300 Mark. Damit bezahlte er die geringen Kosten des Begräbnisses und machte einen Ausflug in's Gebirge, um sich selbst, wie er sagte, der Lebensfreude wiederzugeben. -Denn zum Gelingen seines nächsten Werkes war eine gehobene Stimmung die Hauptbedingung. Die Leute aber, die sein Schauspiel sahen, seinen Roman, seine Novelle, seine Gedichte lasen die sagten: Welche Beobachtungsgabe, welche Tiese. welch' Gefühl! Das ist einmal ein wirklicher Dichter." Und der berühmte Dichter hatte sich doch all' seine tiefen Gefühle, seine Liebe, seine Wehmuth, feine Freude, seinen Schmerz und seine Leidenschaft von einem kleinen, unbedeutenden La denmädchen borgen müssen. Eine Sammlerin. Er: So ist es also für immer zwischen uns Beiden aus?" Sie: Ja. mein Freund, und als theuere Erinnerung an die schöne Zeit, die wir zusammen verlebt haben, gestatten Sie, daß ich den VerlobungSring behalte. Ich bin naIich eine passionirte Sammlsiin."
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