Indiana Tribüne, Volume 22, Number 130, Indianapolis, Marion County, 29 January 1899 — Page 3

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V? V. tA. O .(-. Atlh oiv.uu.i uvn orf (3. Fortsetzung.) Der Erfinder hob zu seiner Qzlid rung an: Sie wien, Herr Bradley, daß bisher hauptsächlich zwei Arten von telegraphischen Apparaten im Gebrauch sind. Der Morse-Apparat. der bestimmte Zeichen Punkte und Striche in einen Papierstreifen eindrückt, die der Aufnehmer der Depesche am Empfangsort in Buchstaben undWorte überträgt. Und zweitens der Hughes. Apparat, der den Inhalt einer Depesche am Aufnahmeort in Typendruck wiedergiebt. Das Ideal der Tele graphie aber wäre eine formgetreue Uebertragung des Telegramms, so daß es am Empfangsort in der gleichen Handschrift wiedererscheint, in welcher es am Orte der Absendung aufgegeben ist. Der Kaufmann hörte mit gespanntem Interesse zu. Seine Blicke eilten zwischen dem Sprechenden und der aus dem Tisch stehenden Erfindung hin und her. Ihre Erfindung verwirklicht nun dieses Ideal? warf er fragend ein. Dietrich Henning lächelte schwermüthic und zuckte mit den Achseln. Ich habe mich bemüht, antwortete er bescheiden, dem Ideal möglichst nahe zu kommen. Ob sich mein Apparat in der Praxis bewähren wird, muß erst die Zeit ergeben. Des Kaufmanns Augen funkelten vor geheimer Erregung. Der graue Teint seines Gesichts war einer lebhasten Farbe gewichen. Seine Finger zitterten, als er nun vorsichtig den Apparat befühlte. Und wie functionirt nun Ihr Copirielegraph? fragte er. Der Erfinder zog den auf einer Holzplatte aufgeschraubten Apparat ZU sich heran. Seine Augen blickten fast liebevoll zu dem Werk seiner Mußestunden und seiner Nächte. Sie fehen hier eine metallene Trommel, erklärte er, die durch ein Uhrwerk in eine langsame Umdrehung gesetzt wird. Die metallene Spitze, die, wie Sie sehen, auf dieser Trommel ruht, ist in einen Arm eingesetzt und wird durch die Mitwirkung der durch den Fuß des Armes geführten Schraubenspindel langsam verschoben. Je ein solcher Apparat soll nun auf der absendenden und empfangenden Station aufgestellt werden und die Trommeln sollen so gleichförmig laufen, daß sich die aufli:genden Spitzen stets auf den entsprcchenden Punkten der Trommeln besinden. Während aber in die Trommel des Senders ein dünnes Metallblalt gelegt ist, auf welches die zu übermittelnden Zeichen mit einer isolirenden Tinte geschrieben sind, liegt auf der Trommel des Empfängers ein angefeuchtetes Papierblatt, welches mit der Farben erzeugenden Lösung getränkt ist. Der Kaufmann folgte der Erklarung mit gespanntester Aufmerksamkeit. Daß er die Idee begriff, verrieth das Aufleuchten feiner Augen und das lebhafte Mienenspiels seines Gesichts. Sehr gut! konnte er sich nicht enthalien bewundernd einzuwerfen. Ich verstehe das Princip Ihrer Erfindung, aber ich begreife noch nicht, auf welche Weise nun auf dem Empfänger die Schriftzüge des Senders wiederentstehen sollen? Dietrich Henning trat an einen kleirnn Schreibtisch, der dem Tisch gegenüber an der Wand stand, und schloß ein Schubfach auf. Er zog eine Zeichnungen und ein Papierheft hervor. Hier, sagte er, hier finden Sie jeden Punkt eingehend erörtert bis auf die geringste Kleinigkeit. Ich habe eher eine Erklärung zu viel, als eine zu wenig gegeben. Der Kaufmann betrachete das werthvolle Schriftstück mit begehrlichen Blicken. . Und Sie wünschen nun, daß ich den Apparat sowohl wie die Beschreibung Ihrer Erfindung mit den Zeichnungen an mich nehme und aufbewahre, . bis Sie in der Lage sein werden, die letzte vervollkommende Hand an Ihre Erfindung zu legen? Der Erfinder athmete tief und tnU gegnete mit Wärme, seine Blicke vertrauensvoll auf seinen bisherigen Chef richtend: Ja, Mister Bradley, das wäre meine herzliche Bitte. Es wäre eine große Beruhigung für mich und ich würde mit viel leichterm Herzen in den Krieg gehen, wenn ich meine Erfindung in Ihren Händen wüßte. Ich wäre dann doch sicher, daß kein Unberufener Einblick in meine Arbeit gewänne. Und anderseits hätte ich die Gewißheit, daß mein Werk nicht mit mir zu Grunde gehen wird, daß ich nicht ganz umsonst gearbeitet habe und daß meine Mühe nicht vergebens gewesen sein wird, wenn ich nicht wieder zu rückkehren sollte. Der Kaufmann zog einen Stuhl zu sich heran und lud den ihm Gegenüberstehenden ein, ebenfalls Platz zu nehmen. Ja, Mister Henning, nahm er wieder das Wort und in seinen Mienen und seinen Blicken lag etwas Lauerndes, was würden Sie dann wünschin, was sollte dann mit Ihrer Erfindung, die Sie doch, wie Sie selbst sagen, noch nicht zu einem befriedigenden Ende gebracht haben, geschehen in einem solchen Fall, den Gott verhüten möge? In einem solchen Fall, erklärte der Erfinder, sich aus 'die Lehne des vor ihm stehenden Stuhles stützend, denn er war viel zu erregt, als daß er daran gedacht hätte, es sich bequem zu machen, in einem solchen Fall, Mister Bradley, überlasse ich Ihnen Vertrauensvoll, einen Fachmann zu wählen, dn

an meiner Erfindung weiter arbeitet und sie zu Ende sührt. Wem es erst gelungen ist, in die Idee meiner Ersindung einzudringen, der wird aucb schließlich im Stande sein, di, Schwierigkeit, die noch besteht, zu überwinden. Welch Schwierigkeit besteht noch, Mister Henning? Für die praktische Anwendbarkeit meiner Erfindung, erklärte der Erfinder, seine Hand aus . die metallene Trommel legend, ist von großer Bedeutung, daß die beiden Walzen in genau synchronem, gleichmäßigem Gang erhalten werden. Wird dieser gleiche Gang g:stört. so erscheint die Schrift auf dem Empfänger verzerrt. Ich h.ibe noch die Aufgabe zu lösen, die Bewcgungen der Stifte auf den Walzen genau' gleichmäßig zu machen. Und wenn Sie einst zurückkommen werden, dann hoffen Sie diese noch bestehende Schwierigkeit leicht zu beheben? Sicherlich. Mister Bradley, antwortete der Deutsche und seine Augen strahlten feste Zuversicht. Wenn nicht die politischen Ereignisse so überraschend schnell gekommen wären, ich

hätte auch diesen letzten Theil meiner Aufgabe wohl gelöst. Ein einziger glücklicher Gedanke ein paar Versuche schade, daß ich in letzter Zeit nicht mehr die Ruhe und Muße dazu habe finden können! Auch über den Kaufmann kam jetzt ein sichtliche Unruhe. Er stand aus, trat an den Apparat und betrachtete ihn noch einmal eingehend in allen Theilen. ' Dann nahm er die von dem Erfinder zu Papier gebrachte Beschreibung in die Hand, las darin, blickte in die Zeichnungen, legte alles auf d?n Tisch zurück und setzte sich wieder in seinen Stuhl. Und nachdem er eine Weile sinnend und überlegend vor sich hingestarrt hatte, richtete er sich wieder lebhaft in die Höhe, fah den Deutschen forschend von der Seite an und fragte laut: Wissen Sie, was für Sie am allerbesten wäre, Mister H:n ning? Nun, Mister Bradley? Sie treten das Ding da, unfertig, wie eS ist, mit allen Rechten an mich ab gegen einen Antheil an dem etwai gen damit zu erzielenden Gewinn oder noch besser gegen eine bestimmte Summe. Und als Dietrich Henning seine Stirn in Falten legte und eine unwillkllrliche portestirende Bewegung machte, fuhr er rasch fort, ohne den andern zu Worte kommen zu lassen. Ich weiß ja, daß ich in letzterem Falle ein gro ßes Risico liefe, denn ohne Ihrem Scharfsinn zu nahe zu treten Mister Henning wer garantirt mir denn, daß der Apparat sich praktisch bewährt und zur Einführung gelangen wird? Wissen Sie, Mister Henning, lassen Sie mich eine Stunde mit dem Apparat und Ihrer Beschreibung desselben hier allein. Ich werde Ihnen vann mein Gebot machen. Er lächelte jovial und näherte sich dem jungen Mann mit ein paar Schritten. Als Geschäftsmann ist man ja gewöhnt zu speculiren und zu wagen. Gelingts nicht, nun, so schreibt man den Betrag eben auf das Verlust-Conto. Was würden Sie denn fordern, Mister Henning, für der. Apparat da, wie er ist? Der Erfinder bewegte mit seh? enischieden Geberde seinen Kopf. Ich kann doch nicht eine Sache verkaufen, die noch gewissermaßen ein Bruchstück ist? Und wie ließe sich überhaupt ein Preis fiziren? Unmöglich! Das wäre nicht reell von mir. Sie können doch Ihr Geld nicht anlegen für eine Waare, über deren Werth oder Unwerth Sie sich unmöglich in so kurzer Zeit überzeugen können. Nein! überdies, so lange ich lebe, will ich mir selbstverständlich das Recht vorbehalten, mein Werk selbst zum Abschluß zu bringen. Sie können sich denken, Mister Bradley, daß der Gedanke, das Schicksal meines unvollendeten Werkes von der Geschicklichkeit oder dem Ungeschick eines andern abhängig zu machen, mir schrecklich' ist und meinen heftigsten Widerspruch herausfordert. Und nur in dem Fall, daß ich eben nicht wiederkehre und also nicht im Stande sein werde, selbst an meiner. Erfindung weiter zu arbeiten, nur für diesen Fall willige ich ein. die Vollendung meiner Erfindung einem andern zu überlassen.' . Gut. Mister Henning, gut! erwiderte der Kaufmann in nachgiebigem Ton und legte dem jungen Mann, der sich ganz in Eifer und Hitze geredet hatte. beschwichtigend seine Hand auf die Schulter. Wir schließen also einen Vertrag, wonach ich mich verpflichte, Ihre Arbeit in meine gewissenhafte Obhut zu nehmen und sie vor jedermann geheim zu halten, bis Sie zurückkehren und sich selbst wieder Ihrer Erfindung widmen können. Dagegen verpflichten Sie sich, sobald Sie mit Ihrer Arbeit fertig sind, mir die praktische Ausführung und geschäftliche Ausbeutung Ihrer Erfindung zu über tragen. Einverstanden, Mister Hen ning? . Der Kaufmann streckte dem jungen Mann mit einer liebenswürdig lächelnden Miene feine Hand entgegen. Einverstanden, erklärte der Erfinder ohne weitere Ueberlegung und legte seine Hand in die deS Amerikaners. Und nun lassen Sie uns gleich die Bedingungen festsetzen . fuhr Mister Bradley sort, während etwas Gespann teS. Lauerndes in den Ausdruck seiner Mienen trat und während seine Augen listig, gierig funkelten, wie die eines beutespähenden Raubthiers Bedingungen, unter denen ich die Fabrikation und den Vertrieb Ihrer Erfindung zu übernehmen haben werde, Mister Hennig! Aber Dietrich Henning wehrte mit einer Handbewegung ab. Ich denke, das lassen wir, bis ich zu rückkehre, Mister Bradley. ' Ueber das Antlitz des KaulmarmS

lief ein Schatten des Mißvergnügens. Er sah dem jungen Deutschen ein: Weile aufmerksam in das erregte, erhitzte Gesicht, das einen deutlichen Ausdruck von Ungeduld und Unlust aufwies und dem man ansah, wie wenig er gerade jetzt aufgelegt war, über nüchterne geschäftliche Abmachungen zu streiten. Nun gut. lassen wir das also, bis Sie zurückkehren, Mister Henning, willigte der Amerikaner ein, während er wieder zu seinem Stuhl zurückkehrte und sich setzte. Und nun zu dem andern Fall. Wenn Sie nun nicht nicht wiederkommen, Mister Henning, was dann? Ja dann, versetzte der Erfinder mit einem sorglosen Lächeln, dann ist es Ihre Sache, allein sich mit einem Fachmann, der Ihnen Vertrauen einflößt, zu einigen. Der Kaufmann blickte überrascht auf und beugte sich auf seinem Stuhl weit vor. Aber Sie, Mister Henning ! rief er. Ihr Antheil an dem zu erzielenden Gewinn muß doch für diesen Fall ganz fest fixirt werden. Mein Antheil? Der Deutsche zuckte mit den Achseln. Warum? Für den Fall, daß ich todt bin, wenn meine Erfindung zur Ausführung kommt, habe ich ja an den geschäftlichen Erträgnisfen nicht das mindeste Interesse. Für diese Eventualität genügt es mir. zu wissen, daß mich mein Werk überleben, daß meine Arbeit Nutzen bringen und daß sie einen Factor in der Entwicklung der menschlichen Cultur darstellen wird. Der Kaufmann mußte sich Gewalt anthun, um nicht aufzuspringen und in ein lautes Gelächter auszubrechen. Er schüttelte kaum merklich mit dem Kopfe und sah mit erstaunten Augen zu dem jungen Mann hinüber, als erblickte er eine Erscheinung, die er noch nie gesehen. Sie vergessen Ihre Erben, Mister Henning, wandte er ein. Denen wird sehr wenig damit gedient sein, weM Sie nun erklären, Sie verzichten auf den Ertrag Ihrer Arbeit, Sie begnügen sich mit dem idealen Erfolg. Ich habe keine Erben. Mister Bradley, entgegnete Dietrich Henning. Meine Eltern sind todt und Geschwister, nahe Verwandte überhaupt besitze ich Nicht. Der Kaufmann stützte seine Ellenbogen auf den Ttsch und sein Gesicht in die Hand und blickte eine Weile grübelnd auf die Tischplatte nieder. Nein, nein, erklärte er jetzt und reckte sich straff in die Höhe und bemühte sich, seinem breiten, schon etwas faltigen Gesicht einen Ausdruck von Würde zu verleihen. Ich kann mir doch von Ihnen nicht etwas schenken lassen. Jeder Arbeit gebührt ihr Lohn. Ein kaufmännischer Vertrag würde sich sehr seltsam ausnehmen, in dem nicht für eine Leistung eine Gegenleistung geboten würde. Sie können ja bestimmen, daß Ihr eventueller Gewinnantheil irgend einem menschenfreundlichen Zweck, etwa den Armen Ihrer Vaterstadt zu Gute kommen folle. Ueber das Gesicht Dietrich Hennings ging ein Leuchten. Gut, fagte er mit inniger Genugthuung, das nehme ich mit Dank an, Mister Bradley. Und wie hoch wollen Sie nun in diefem Fall Ihren Gewinnantheil bemes sen? Ja, erklärte der Deutsche achselzuckend. Das überlasse ich ganz Ihnen. Der Kaufmann erhob sich, im stillen in sich hineinlächelnd. Wir sind also einig, Mister Henning, sagte er. Wollen Sie mir nun einen Bogen Papier geben, damit ich den Vertrag gleich zur Niederschrift bringe. Der Erfinder willfahrte. Die Arbeit erforderte kaum ein Viertelstündchen, denn der Contrakt bestand nur cus wenigen Paragraphen. Dietrich Henning las die Abmachung nur flüchtig durch. Sie hatten ja alles genau durchgesprochen. Während er unterzeichnete, spielte ein spöttisches Lächeln um die Lippen des hinter ihm stehenden Kaufmanns. Mr. Bradley fchob das Document in die Tasche und wandte sich zum Gehen. ' ' ,, Dietrich Henning warf noch einen, letzten langen Blick nach dem Raume zurück, in dem er das Werk jahrelanger, mühevoller Gedankenarbeit zurückließ. Dann schloß er ab und reichte den Schlüssel 'dem Inhaber der Firma George C. Bradley. ,

5. Am andern Morgen um fünf Uhr pochte Carrie Bradley leise an die Thür ihres Bruders. Bist du fertig, Harry? flüsterte sie. Ja, Carrie, tönte es zurück. Ich komme schon. Fünf Minuten später trat ein junger Soldat in Carries Zimmer. Er trug die Uniform eines Gemeinen des De Kalb-Regiments in feldmarfchmäßiger Ausrüstung, das Gewehr in er Hand, den Tornister aus dem Rücken. Es war Harry Bradley. Carrie betrachete Ihren Bruder mit strahlenden Augen. Die Unisorm kleidet dich vorzüglich, sagte sie und ihm ihre beiden Händö auf die Schultern legend, fügte sie hinzu: Ich bin stolz auf dich. Harry. Die Mienen deö jungen Kriegers zuckten und drückten ein wunderbares Gemisch von Empfindungen aus. Wie ist dir zu Muthe, Harry? fragte Carrie, und sah ihrem Bruder besorgt in die Augen. Thut es dir etwa leid? Aber aber, Carrie, wo denkst du hin! erwiderte der junge Mann etwas schwer athmend, während ihm ole Gluth ins Gesicht schoß. Ich muß ja doch mit. Als geborener Amerikaner durfte ich doch nicht zurückbleiben. New, Harry, stimmte das junge

Mädchen lebhaft bei, und auS ihrem regelmäßigen, feingezeichneten Gesicht leuchtete ein heiliger Ernst, eine unbeugsame Energie. Das durftest du nicht, wo so viele Fremde ihr Leben für unser Land einsetzen. Es wäre eine Schande gewesen für dich und ich hätte mich deiner geschämt. Harry. Er nickte, nahm sein Gewehr in die linke Hand und drückte mit der Rechten seiner Schwester die Hand. Dir dank ich's. Carrie. Du hast mir Muth zugesprochen und hast mir heimlich, hinter Papas Rücken, Uniform und Waffen besorgt, Ja, Papa weißt du, Carrie ein Lächeln glitt über die Züge des jungen Soldaten , ich bin nur froh, daß ich nicht dabei bin, wenn Papa nun dahinter kommt. Arme Carrie! Aber die junge Dame ließ sich durch den Hinweis auf den Zorn ihres Vaters, dem sie würde standhalten müssen. nicht im geringsten einschüchtern. Ich fürchte mich gar nicht, erklärte sie muthig. Ich wäre ja selbst mitgegangen, wenn ich nicht ein Mädchen wäre! Daß ich dich anfeuerte, daß ich dir beistand. als du dich entschlossen hattest, mitzugehen, das war meine Pflicht als ältere Schwester und als Amerikanerin. Ich kann's verantworten in jedem Fall, selbst in dem schlimmsten. Sie sprach die letzten Worte flü sternd. Auch in ihren Zügen zuckte und vibrirte es, während sie ihrem Bruder in das ein wenig blasse, ungewöhnlich ernste Gesicht sah. - Aber sie raffte sich energisch auf und schüttelte die weiche Regung von sich ab. Ihre Stimme klang wieder hell und frisch. Halte dich brav, sagte sie, damit du mir Ehre machst, mir und dir selbst! Und wenn du einmal Rath und Hülfe brauchst, halte dich an Mister Henning. Ihm kannst du in jeder Lage dertrauen hörst du, Harry. Und grüße ihn von mir! Und nun, mein lieber Junge, deine Zeit ist gekommen. Leb wohl und komm gesund wieder. Gott beschütze dich, mein einziger, lieber Bruder! Sie umschlang ihn mit ihren Armen und wohl eine Minute lang hielten sich die beiden Geschwister umfaßt. Als sie sich wieder losgelassen hatten, schimmerten helle Thränen in des jungen Kriegers Augek. Carrie sah nur ein wenig blasser aus, sonst ruhig und gefaßt. Haft du noch eine Bitte, Liebling? fragte sie. Der junge Soldat würgte und schluckte und biß auf die Lippen. Er fürchtete sich offenbar, zu sprechen, um nicht in ein lautes Aufschluchzen auszubrechen. Er schlich zur Thür. Hier drehte er sich noch einmal um und flüsterte in abgerissenen Worten zurück: Vergiß nicht Housterstreet vierzehn was du mir versprochen Margaret Leiphold tröste! Good bye! Er öffnete und war hinaus. Sie stand einen Augenblick still, regungsloö mitten im Zimmer. Jetzt drückte sie ihre Hände an die Augen und ein schluchzender Laut drang zwischen den auseinandergepreßten Lippen hindurch. Ein einziger, dann hatte sie sich wieder ganz in ihrer Gewalt. Auch sie schlich nun hinaus, leise, auf den Zehenspitzen. Draußen horchte sie nach dem Corridor hinunter in die Richtung des Schlafzimmers ihres Vaters. Alles war still. Sie ging dem voraufgehenden Krieger nach. Er war fchon die Treppe hinab, als sie auf den Flur hinaustrat. Sie eilte zum Fenster und lehnte sich weit hinaus. Er schritt die Straße hinunter. Nun drehte er sich noch einmal nach dem väterlichen Hause um. Er sah ein flatterndes Taschentuch und erkannte seine Schwester. Stehenbleibend winkte er mit der Hand. Darauf eilte er in beflügelten Schritten weiter und nun um die Ecke. Carrie schloß 'das Fenster und erst jetzt ließ das tapfere Mädchen ihren Thränen freien Lauf. Harry Bradley eilte dem SammelPlatz des Regiments zu. Ihm pochte das Herz bis zum Halse hinauf. Niemand noch wußte von seinem Entschluß. Das Regiment stand schon in Gliedern. Oberst von Galis hielt hoch zu Rosse vor der Front. An der Spitze der Compagnieen standen mit gezogenem Säbel die Capitäne. Sein Gewehr ungeschickt auf. der Schulter haltend, trat Harry Bradley vor den Oberst hin. Ich melde mich zum Regiment, sagte der junge Soldat, und bitte Sie, mich einzureihen. Der Officier riß seine Augen weit auf. Sie sind es, Harry Bradley? rief er erstaunt, seinen Blicken nicht trauend. Und als er den Sohn seines ehemaligen Brotherrn nun richtig erkannt hatte, sagte er: Sie wollen mit in den Krieg, junger Mann? Jawohl, Oberst. Das will ich. Bravo, junger Mann! Sie thun recht. Ein so kräftiger junger Bursche, wie Sie. darf nicht zu Hause bleiben. wenn es heißt für das Vaterland zu kämpfen. Er beugte sich herab und reichte dem vor ihm Stehenden die Hand. Aber was sagt Ihr Vater dazu? erkündigte er sich. Ich habe nicht für nöthig gehaltn, ihn zu fragen, erwiderte der junge Krieger mit einem gewissen Trotz. Der Oberst lächelte. Auch ich halte die Erlaubniß Mr. Bradleys nicht gerade für unumgang lich nöthig, sagte er. Ich nehme Sie also an. Soldaten können wir immer noch gebrauchen. Welcher Compagnie wünschen Sie zugetheilt zu werden? Der junge Soldat erröthete. Der Capitän Leipholds, erwiderte er nach kurzem Zögern. Gut! Melden Sie sich also bei ihm. Fünfte Compagnie. Als das Regiment ausrückte, schloß sich ihm eine große Menschenmenge an.

Ueberall auS den geöffneten Fenstern blickten Frauen- und Mädchenköpfe. Die Augen der Männer auf den StraKen leuchteten zuversichtlich bei dem Anblick der stattlichen Krieger, deren Haltung und taktmäßigem Marsch man ansah, daß sie fast alle gediente Soldaten waren. Als das Äeaiment den Broadwav

hinaufmarschirte und an dem GeI si-V'iFtäfiit r v.. rtM Tfn -. rr ujajsuut IJIIUIU VitViyt V5 Bradley vorbei kam, waren alle Angestellten an den Fenstern und vor der Thür und ein lautes, jubelndes Hurrah ertönte, das die Soldaten aus kraftigen Kehlen erwiderten. Die Regimentsmusik spielte patriotische Märsche und Lieder. 'Als sie jetzt die alte wohlbekannte Melodie des Aankeedoodle anstimmte, brach ein ungeheurer Jubel und Beifall los. Man schwenkte die Hüte und wehte mit den Taschentüchern, und die Begeisterung der erregten Volksmenge kannte keine Grenzen. Männer, die einander nie gesehen hatten, drückten sich die Hände wie alte Bekannte; fremde Frauen lagen einander in den Armen und weinten und schluchzten. Stolz, von innigster Selbstzufriedenheit und Genugthuung durchdrungen. blickte Harry Bradley um sich. Er hielt zwar seine Muskete ganz reglementswidrig schief auf der Schulter und kam alle fünf Minuten aus dem Tritt, aber seine Augen blickten begeistert und sein junges Herz klopfte gar muthig. Um acht Uhr stand Mr. Bradley nach seiner Gewohnheit auf. Der Gedanke an die Abmachung, die er am Abend vorher mit dem deutschen Ingenieur eingegangen war, versetzte ihn in die beste Laune. Das Frühstück nahm er heute etwas hastiger als sonst ein, es drängte ihn, in das Laboratorium hinabzusteigen und die Beschreibung, die der Erfinder von seinem Apparat hinterlassen hatte, noch einmal in aller Ruhe prüfend und erwägend durchzulesen. Auffallend schweigsam und in sich gekehrt dagegen verhielt sich Miß Carrie. Sie sah blaß und abgespannt aus wie Jemand, der nicht gut geschla fen hat. Wo steckt denn Harry? fragte Mr. Bradley endlich. Carrie antwortete nicht, ihr Athem ging schnell und ihre Augen flirrten. Sieh doch einmal nach dem Langschläfer, hörst du, Carrie! Aber die Angeredete rührte sich nicht. Mr., Bradley runzelte seine Brauen. Warum gehst du nicht? Das junge Mädchen richtete sich straff in die Höhe und ihrem Vater fest in's Auge fehend, erwiderte sie, während ein schwaches Roth in ihre Mangen stieg: Harry ist nicht da. Nicht da? Mr. Bradley nahm seine Tochter aufmerksam in Augenschein. Erst jetzt bemerkte er ihren eigenthümlichen Zustand. Was hast du denn? fragte er und eine unbestimmte Unruhe regte sich in ihm. Und was ist denn mit Harry? Ist denn etwas geschehen? So antWorte doch! Ein Ruck ging durch den Körper des jungen Mädchens. Harry ist fort, erklärte sie entschlössen. Fort? Ja, mit dem deutschen Regiment. Fort nach dem Kriegsschauplatz. Mr. Bradley saß wie ein in Stein gehauenes Bild, der Theelöffel entfiel klirrend seinen Fingern und rollte auf den dicken Teppich, mit dem das ganze Zimmer belegt war. Er sah seine Tochter mit weit aufgerissenen Augen an, zweifelnd, ungläubig. Das ist ja Unsinn, entrang es sich endlich feinen Lippen. Er war ja gar nicht Soldat. Aber er wird es werden, sagte das unerschrockene Mädchen. Der alte Herr sprang auf seine Füße. Es ist also kein Scherz? stieß er hastig hervor. Harry ist mit mit dem dem Kalb-Regiment? Ja, Papa. Eilige Geschäftigkeit kam über den Kaufmann. Er wollte zur Thür. Carrie hielt ihren Vater zurück. Es ist zu spat. Papa, sagte sie ruhig. Um sechs Uhr hat das Regiment New Nork verlassen. Jetzt ist es neun. Das Regiment. ist längst unterwegs. , Mr. Bradley stampfte zornig mit dem Fuß auf und seine Hände ballten sich. Die verwünschten Deutschen! stöhnte er in ohnmächtigem Grimm. Dieser Galis. dieser Henning, sie haben mir meinen Sohn beschwatzt, entführt! In entschlossener Haltung stand das junge Mädchen vor ihrem Vater. Du irrst. Papa, sagte sie. Mr. Henning und Mr. von Galis kannten ebenso wenig Harrys heimlichen Entschluß wie du. Aber du du wußtest darum! Ja, Papa! Der Alte st'.ßte seine Tochter mit beiden Händen an den Schultern. Wie, du du wußtest es und du hieltest ihn nicht zurück? Das junge Mädchen ergriff mit sanfter Geberde ihres Vaters Hände und zog sie von ihren Schultern herab. Nein, Papa, erklärte sie muthig. Im Gegentheil, ich redete ihm zu, ich feuerte ihn an, ich war es, die ihm vorstellte, daß er mitgehen müsse, daß er als Bürger der Vereinigten Staaten sich seiner Pflicht nicht entziehen dürfe. Der alte Herr machte eine heftig auffahrende Bewegung, aber im nächsten Augenblick sank er schwach in den neben ihm siehenden Stuhl und griff sich mit einer Geberde der Verzweislung mit beiden Händen an die Stirn. Mein Sohn! stöhnte er. Mein einziger Sohn! Und wenn er nun nicht nicht wieder zurückkehrt? Das tapfere junge Mädchen zuckte

zusammen, ihr Gesicht wurde noch einen Schatten blasser. Dann werden wir sein Andenken in Ehren halten, Papa, sagte sie leise. Dann wird uns der Gedanke trösten, daß er für die Größe unseres Landes, für die Menschenwürde von Millionen geknechteter armer Menschenbrüder gefallen ist. Mr. Bradley sprang wüthend in die Höhe. Unsinn! Verrücktheit! Ueberspanntheit! schrie er in rückhaltslos ausbrechendem Zorn. Ich oenke gar nicht daran, meinen Sohn der verdämmten Nigger wegen zu opfern. Was gehen mich die schwarzen Teufel an! Stehen die erbärmlichen SklaVenseelen mir vielleicht näher als mein eigen Fleisch und Blut? Soll ich mein Kind todtschießen lassen, wie die Brüt des ersten besten armen Strolches! Wozu arbeite ich und quäle mich und speculire, wenn nicht für meinen Sohn! Sie müssen ihn wieder herausgeben. Ich telegraphire an den Kriegsminister, an den Präsidenten. Ich muß meinen Sohn wiederhaben! Er stürzte zur Thür und alles Zureden seiner Tochter hatte keinen Erfolg. Er eilte zum nächsten Telegra phenamt. um die Depeschen, die dem De Kalb - Regiment nach Washington vorauseilen sollten, selbst aufzugeben. Dann kehrte er langsam nach seiner Wohnung zurück. In die Freude über die vortheilhafte Abmachung vom von gen Abend hatte sich ein bitterer Wermuthstropsen gemischt.

6. . Zwischen Washigton und Alexandria hatte die Unionsarmee Aufste!lung genommen. Bei Hunters Chapel, einem kleinen Ort acht Kilometer von Washington, schlug das De KalbRegiment seine Zelte auf. Aus diesem Regiment und einigen anderen Regimentern, deren Soldaten zum größten Theil aus Deutschen bestand, wurde eine deutsche Division unter dem Befehl des Generals Blenker, ei. nes ehemaligen badischen FreischarenFührers, formirt. Oberst von Galis benutzte fleißig die Mutze des Laaerlebens, um der militärischen Ausblldung seines Regiments die letzte Vollendung zu geben. Täglich wurde fünf Stunden exerzirt und Vorpostendienst geübt und der arme Harry Bradley vergoß manchen Schweißtropfen und ließ sich manchen unwillkürlichen Seufzer entschlüpfen, wenn er mit schwerem Tornister und dem ungewohnten Gewehr auf der Schulter in der drückenden Junihitze auf den Feldern bei Washington manövriren mußte. Aber das anfeuernde Beispiel und die gute Laune der Kameraden hielten ihn aufrecht und machten ihn taub gegen alle brieflichen Bitten und Drohungen seines Vaters. Er war stolz, Mitglied der deutschen Division zu sein, deren Disciplin und Ausbildung neben dem wenig kriegerischen Zustande, in dem die meisten amerikanischen Regimenter sich befanden, so sichtbar hervortrat, daß es selbst Laien nicht verborgen bleiben konnte. Voll Begeisterung und Kampfeslust sahen die deutschen Äegimenter den kommenden Ereignissen entgegen. Der Feind stand nur wenige Meilen entfernt und fo ließ sich erwarten, daß es bald zum Kampfe kommen würde. Daneben fehlte es in der deutschen Division nicht an glänzenden militari schen Schauspielen, die die Seele des jungen Soldaten mit Staunen und Bewunderung erfüllten und militäri sches Gefühl und militärischen Stolz in ihm wachriefen. General Blenker hatte sich mit einem glänzenden Stab umgeben, dessen Mitglieder, ohne Ausnähme frühere europäische Officiere, einen ebenso stattlichen wie streng militärischen Eindruck machten neben dem oft sehr komischen Auftreten amerikanischer Officiere, in deren äußerer Erscheinung sich militärische und bürgerliche Kleidung nicht selten zu ungewollter Caricatur vereinigten. Alltäglich fand vor dem Hauptquartier Blenkers die Wachtparade statt und dem jungenSoldaten schlug jedesmal das Herz höher, wenn der General in glänzender Uniform, umgeben von den Officieren seines Stabes, sich der Front näherte, während die Musik spielte und die Truppen präsentirten. Die Staatsmänner in Washington drängten zum Handeln. Die Armee sollte den Feind angreifen und den Marsch nach Richmond antreten. Veraebens waren alle Vorstellungen des commandirenden Generals McDowell, der die sechzigtausend Mann starke Armee um Washington befehligte und der sehr wohl erkannte, daß die Truppen besser organisirt und disciplinirt werden mußten, ehe man die Offensive ergreifen konnte. ,Aber die Regierung wollte den Krieg womöglich in zwei oder drei Schlachten beendet sehen. Dazu kam, daß die ersten sünfundsiebzigtausend Freiwilligen' die Präsident Lincoln aufgerufen hatte, nur für einen Zeitraum von drei Monaten angeworden worden waren. Die Frist lief demnächst ab und die sparsamen Staatsmänner wollten, daß. soviel Sold nicht umsonst hinausgeworfen worden sei. lFortsetzung folgt.) Fin 'de siede. Mama: Aber. Kind, Du lieft ein Buch über Kindererziehung? Was soll denn das heißen?Lieschen: Weißt Du, Mama, ich lese nur nach, ob Du und der Papa mich auch richtig erziehen thut!" Im Himmel und auf Erden. Geistlicher: Sie wollen von Ihrer Frau getrennt werden? Ja, wissen Sie denn nicht, daß Ehen im Himmel geschlossen werden?- Herr: Nee, Herr Pfarrer, das stimmt nicht; ich hab! meine Frau durch 'r.e Annonce in der Zeitung eekriegt!

Für die Mchc. Hammelkeule mit weißen Bohnen. Man läßt die weißen Bohnen eine Nacht über quellen und kocht sie in Salzwasser während 3 4 Stunden, bis sie weich sind. Man rechnet auf das Pfund Fleisch eine Viertel Stunde braten in heißer Röhre. Eine Keule von 6 Pfund braucht demnach anderthalb Stunden, um innen nvch rosig" zu sein. Einen Theil der Sauce, die man nicht durch Mehl verdickt hat, giebt man über die abgegossenen und gut abgetropften Bohnen, man falzt und pfeffert und läßt sie darin einige. Minuten aufkochen. Den Rest der Saiüe giebt man in der Sauciere auf den Tisch. Oder man schlägt die Bohnen, nachdem sie sehr weich gekocht sind, durch ein Sieb und verdünnt das Bohnenmuß mit der Sauce der Hammelkeule. . Hammelfüße mit weißer Sauce. Man nimmt 6 Hammelfüße, sengt, kratzt sie mit einem Messer ab und entfernt die Hufe. In einem Topf mit reichlich Wasser, in das man 2 Eßlöffel Mehl. Salz. Pfeffer, Zwiebeln, ein Lorbeerblatt, Thymian, einen Zweig Petersilie gegeben hat. läßt man sie 5 6 Stunden langsam kochen. Inzwischen hat man folgende Sauce bereitet: Man giebt in ein Kasserol reichlich Butter und 2 Eßlöffel Weizenmehl, verrührt es gut mit dem Löffel und gießt langsam Wasser darauf, daß eine schöne glatte, dicke Sauce entsteht. Man salzt und pfeffert sie, thut in Butter gedünstete Champignons oder kleine Zwiebeln daran, schmeckt noch mit etwas Citronensaft oder Weißwein ab und verrührt zuletzt ein Eidotter daran. Bon den Hammelüßcn entfernt man den großen Knochen und giebt sie mit der Sauce, in welcher man sie einige Minuten hat stehen lassen, ohne zu kochen, auf den Tisch. BoeufälaMode. 3n einem Kasserol, das sich gut verschließt, zer läßt man Butter und eine Scheibe frischen Speck, bratet darin ein schönes Stück Rindfleisch, dem man einen halben Kalbsfuß beigiebt, fcharf an. giebt dann in Scheiben geschnittene Möhren und einige Zwiebeln dazu, falzt, pfef sert und würzt mit einem Lorbeerblatt und etwas Petersilie und thut einige Löffel Bouillon daran. Man deckt fest zu und läßt alles 4 Stunden lang sehr langsam dünsten. Sollte die Sauce verkocht sein, so giebt man noch etwas Bouillon daran. Man servirt alles in tiefer Schüssel, indem man die Möhren um das Fleisch garnirt. Dieses Gericht ist auch sehr gut kalt, man gießt die Sauce durch ein Sieb und klärt sie mit einem Eiweiß, ehe man sie über daS Fleisch gießt. Sie bildet ein schönes, schmackhaftes Gelee. Marinirtes Rindfleisch. Etwa vier Pfund Fleisch wird nach Entfernung aller Häute oder abfälliger Knochen gut geklopft, dann in große Würfel geschnitten und in eine irdene Schüssel gebracht mit drei bis vier Lorbeerblättern, einem Bündel-, chen mit 10 Gewürznelken und sechs kleinen Zwiebeln. Nun werden zwei Quart guter Essig siedend darüber gegössen, das ganze zugedeckt und auf die Seite gestellt, täglich aufgerührt und längstens 8 bis 9 Tage aufbewahrt. Beim Gebrauch wird der Essig abgegossen und bet Seite gestellt, das Gewürz sammt Zwiebeln entfernt und das Fleisch zum Abtropfen gestellt; ist letzteres besorgt, wird die Masse mit Salz in wenig heißem Fett eine Biertelstunde oder 20 Minuten lang umgerührt. Dadurch wird der eingesogene Essig herausgeschwitzt und kann in ein Schüsselchen abgegossen werden. Wieder wird daö Fleisch in heißem Fett gebraten und diesmal bis es schön gelb ist; unterdessen giebt man eine der Länge in vier Stücke geschnittene Carotte und vier mit Nelken gespickte Zwiebeln dazu. Nun wird der zuerst abgegossene Essig an das Fleisch geschüttet und dieses wohlverschlossen dem langsamen Kochen überlassen, und nach einer Stunde angerichtet. AlSdann werden im Kochtopf 46 Löffel Mehl gelb geröstet und mit dem zweiten auf die Seite gestellten Essig angerührt, und das Fleisch hineingegeben, die Sauce nöthigenfallS mit etwas Weißwein und Fleischbrühe verdünnt und das ganze eine weitere Viertelstunde kochen lassen. Zu runden, oder lockenförmig ausgestochcnen Kartoffeln die man schön bratet, wird obige Platte am besten servirt. Kalbszungen a la Tart a r e. Die von der Haut befreiten Kalbszungen werden der Länge nach inHälften geschnitten, mit Salz und Pfeffer bestreut, mit Ei und geriebener Semmel panirt, in Butter gebraten oder in Backbutter zu schöner goldgelber Farbe ausgebacken, zierlich angerichtet, mit gebacken Petersilie garnirt und mit einer Sauce tartare aufge- , tischt. Die Sauce tartare besieht aus einer Vermischung von etwas Majon-naisen-Sauce mit grobkörnig gehackten Pfeffergurken, gehackten Kapern, fei nem Mostrich und feingehackter Petersilie. Um die Sauce recht pikant zu machen, mische man auch ein wenig Cayenne-Pfeffer hinzu. GlacirteKartoffeln. Zum Garniren von Gemüse oder Schmorbraten nimmt man kleine, runde Kartoffeln, kocht dieselben mit der (Schale ab, schält sie und läßt sie m einerasserolle mit steigender Butter, sa'- .ach gesalzen, goldgelb schmoren. 23on,v lii zu Zeit gibt man einen Löffel Bra lsaute und zuletzt etwas geübten Zucker darüber, damit die nußgroßen Kariös selchen glänzend braun werden. Geräuchertes Fleisch aufzubewahren. Eines der besten Mittel zu diesem Zwecke sind jedenfalls grobgestoßene Holzkohlen C. schützen das Fleisch, das übrigens r: :j trocken sein muß, nicht nur gegen d2 Ueberge j:n, sondern auch c:::n C ,'X.