Indiana Tribüne, Volume 22, Number 130, Indianapolis, Marion County, 29 January 1899 — Page 2
Acr Vortragsabend. Oon Lothar Schmidt. I. Zabrze liegt m Oberschlesien und ist eine Stadt. Zaborze liegt ebenfalls in Oberschlesien, ganz dicht bei Zabrze und ist gleichfalls eine Stadt. Wenn Du längst nicht mehr sein wirst, gütiger Leser, dann prangt vielleicht über gerupften Stopfgänsen an einem baufälligen Hause einer dunklen Gasse in Zabrze folgende Gedenktafel: In diesem Hause wurde Josef Gruhlemann geboren." Wer ist Josef Gruhlemann?" So fragt man heute. So aber wird man nicht mehr fragen in hundert oder in hundertundfünfzig Jahren. In hundertundfünfzig Jahren wird jedes Kind drei Kilometer in der Runde von Zabrze und Zaborze wissen: Josef Gruhlemann war der Erste, der Einzige und der Letzte, der kühnen Geistes eines Abends es gewagt hat, die Kul tur, insbesondere die Literatur seiner Zeit nach Zabrze zu verpflanzen. Und das kam so: Josef Gruhlemann war aus seiner Heimath nach der Provinzialhauptftadt, nach Breslau ausgewandert und als Lehrling in eine ColonialwaarenHandlung en gro3 eingetreten. Der Chef, eizfreundlicher Mann, überlief ihm bald das Studium der Strazze und Kladde, wodurch dem jungen Mann Gelegenheit geboten wurde, sich fchnellstens mit den Eigenheiten der deutschen Sprache vertraut zu machen, die mau bei ihm daheim nicht ganz ein Wandfrei sprach noch schrieb. Später wurde ihm dann auch das Copiren sämmtlicher Geschäftsbriefe an die Kunden übertragen. Es darf nun nicht wunder nehmen, Kenn Josef Gruhlemann, solchermatn in der Technik des Stils und des Äbfchreibens geübt, eines Tages seinen Beruf zur Schriftstellerei entdeckte und sich als Literat selbstständig machte. Noch fand sich allerdings zu Josef Gruhlemanns großem Leidwesen Niemand. der seine Manuskripte drucken oder gar kaufen wollte, doch er tröstete sich bald damit, daß es gerade dem bedeutendsten Helden der Feder im Anfange ebenso gegangen war wie ihm jetzt. Da es ihm also in der Großstadt nicht so recht glücken wollte, wanderte er nach Zabrze zurück. Hier, das fühlte er, wurzelte er mit seiner Kraft und hier hoffte er auch, in einem engen ober dafür umso intimeren Kreise einen Namen sich zu machen. Vorher jedoch bestellte er sich hundert Visitenkarten: Josef Gruhlemann, Schriftsteller. Nun blühte und gedieh von Alters her in Zabrze ein Leseverein, vulgo Tanzkränzchen, dessen Mitglieder Zclegentlich auch für die Kunst was üdrig hatten. Wenn ein Zauberkünstler nach Zabrze kam, eine Menagerie, ein Kasperle-Theater oder ein Mann, der Feuer fraß und wilde Schlangen sich um den Hals legte, dann trat der Vorsitzende des Lesevereins zu Zabrze schriftlich mit dem Vorsitzenden des Lesevereins zu Zaborze in Verbindung und man entsandte an die Sehenswürdigkeiten eine Deputation von drei Mitgliedern, um für die Lesevereine don Zabrze und Zaborze billigere Eintrittspreise zu erwirken. Bald nach seiner Rückkehr trat Josef Gruhlemann als Neformator gegen diese Tingel - Tangel - Neigungen auf. Er erklärte und bewies in eigens zu diesem Zwecke einberufenen Versammlungen, daß Tanzen und Kaffeetrinken noch allenfalls, solch rohe JahrmarktsInteressen aber schlechterdings durchaus nicht vereinbar seien mit den hohen Idealen der beiden Lesezirkel. Die Kartellverbände von Zabrze und Zadorze seien in erster Reihe dazu berusen, geistigen Aufgaben zu dienen, und deshalb mache er, um endlich einmal Wandel zu schaffen, den Vorschlag, man sollte den. berühmten Rezitator Marcell Tontschi aus Wien kommen lassen, damit der berufene Interpret moderner Dichtung ihnen ausgewählt: Stücke zeitgenössischer Autoren vorlese. Bereits Wochen vor dem betreffenden Termine war ganz Zabrze sowohl wie auch Zabroze in begreiflicher Aufregung. Alles Sinnen und Trachten conzentrirte sich auf das kommende Ereigniß, denn daß ein Mann, noch dazu ein so berühmter wie Marcell Tontschi, extra Wien verließ, um nach Zabrze zu reisen, das war überhaupt noch nicht dagewesen. Man kann sich leicht vorpellen, daß alle Privatfestlichkeiten, die zufällig mit dem denkwürdigen Vortragsabende collidirten, auf einen anderen Tag verlegt wurden. , TL Der Rezitator, in schwarzem Frack und weiße Binde, besteigt soeben daS Podium. Auf dem Tisch stehen zwei feierlich brennende Kerzen, eine gefüllte Wasserka?asfe und ein Wasserglas mit dunkelbrauncn,rostfarbenen Flecken am Grunde. Unten im Hörerraum kleinstädtisch geputzte Damen und Herren. Mitten drin Josef Gruhlemann, überallhin leutselig grüßend und dankend. Er kann die Zeit nicht erwarten, bis nach einigen Gedichten anderer Autoren', die .Gescheiden den Abend eröffnen sollten, ? tine tiefdurchdachte psycho-physiologi-che Novelle an die Reihe kommt. -i Man ist nämlich schon um zehn Mi- . nuten verspätet und der Gast aus Wien hat wiederholt ängstlich auf die goldene Uhr geblickt, die er nebst dem Cha-peau-Claque kurz vor der Abreise sich von seinem Freunde in .der Praterstraße geborgt hatte. Um zehn Uh? eht der Zug, um dreiviertel auf Zehnspätestens muß die Lektüre beendet sein, denn der Rezitator würde um alles in der Welt nicht in Zabrze noch in Zaborze übernachten wollen. Da Gottseidank, tritt die Frau
Aktuarius in den Saal, ohne die nicht begonnen werden durfte. Der Rezitator räuspert sich, er schluckt eine den Kehlkopf befreiende Pille, verbeugt sich nach links, nach rechts, nach der Mitte und chebt an: Hochverehrte Anwesende. In diesem Augenblick legt jemand von hinten ihm eine Hand auf die Schulter; Pardon!" Es ist der Vorsitzende des Lesevereins von Zabrze, Uz ihn sanft, mit freundlichem Lächeln ein wenig beiseite drängt. Pardon, nur
wemge Worte : Hochverehrte Damen und Herren! Als Vorsitzender des Lesevereins von Zabrze, der diesen Abend arrangirt und keine Kosten gescheut hat, um den ebenso berühmten wie theuren Rezitator Herr Professor Marcell Tontschi aus Wien kommen zu lassen, um moderne Literatur, Kultur, Kunst und so weiter an den hiesigen Ort zu verpflanzen. . ." Hier blieb der Vorsitzende ein wenig stecken, doch alsbald sammelte er sich wieder und fuhr mit dröhnender Stimme fort: Ferner wollte ich mir noch erlauben zu bemerken, daß ich Ihnen meinen herzlichsten Dank aussprechen möchte, weil Sie zur Deckung der nicht gescheuten Kosten so überaus zahlreich erschienen sind, daß wir, da Herr Josef Gruhlemann die Hälfte der Spesen übernommen hat, mit einem Ueberschuß abschließen werden. von dem wir im nächsten Monat, so Gott will, ganz bequem eine WaldPartie, eine Tanzbelustigung oder sonst was veranstalten können. . ." Der Rezitator lächelte abseits und schaute wieder auf die goldene Uhr des Wiener Freundes, Josef Gruhlemann aber lockerte mit dem rechten Zeigefinger den hohen Stehkragen, vermuthlich um der Schlagader im Halse Luft zu machen. Der Vorsitzende, von lauten Bravorufen angefeuert, redete weiter: Und, meine hochgeschätzten Damen und Herren, ferner möchte ich mir noch die Bemerkung gestatten, daß es sehr hübsch ist von den Mitgliedern des Lesevereins zu Zaborze, sich hier ebefalls so zahlreich zu versammeln. Der Leseverein von Zaborze ist allezeit am Platze gewesen, wo es darauf ankam, Kultur, Literatur.Bildung und so weiter zu verpflanzen. Darum ersuchte Ich die Mitglieder des Lesevereins zu Zabrze, durch Aufstehen das Andenken der Mitglieder des Lesevereins zu Zaborze zu ehren." Das geschieht sehr geräuschvoll. No, die san do net g'storben?. . . Js dös a Pflanz!" denkt der Wiener, während mit hastigen Schritten ein dritter befrackter Herr auf das Podium eilt, den zweiten befrackten Herrn hänbedrückend hintercomplimentirt und zu Josef Gruhlemanns Entsetzen also spricht: Hochzuverehrende Anwesende! Als Vorsitzender des Lesevereins zu Zaborze kann ich nicht umhin, im Namen unserer Mitglieder dem Leseverein von Zabrze meinen frohgefühltesten Dank auszudrücken. Wir sind gern der Einladung gefolgt, wir haben gern mitgeholfen, alle Kosten und Unkosten zu tragen. Daß dies auch serner so sein möge, daß beide Vereine gedeihlich, ersprießlich und förderlich zusammen wirken mögen, darauf erhebe ich mein Glas und " Er hatte bereits das leere Wasserglas an die Lippen geführt, da setzte er es eiligst wieder hin und verbesserte sich: Daraufhin, meine Herrschasten, bitte ich Sie. ebenfalls sich von den Sitzen zu erheben." Man folat der Aufforderung und der Vorsitzende des Leserereins von Zaoorze steigt oesriedtgt wieder zumVolke hernieder. ' Der Gast aus Wien räuspert sich abermals, schluckt eine zweite Pille und macht drei neue Verbeugungen, um endlich mit halbstündiger Verspätung definitiv mit seiner Einleitung den Vortrag zu beginnen. Hochverehrte Anwesende!" Rechnung legen! Rechnung legen!" unterbricht schreiend eine Fistelstimme, aus dem Publikum. Ruhe!" tönt es von allen Seiten. .Ruhe!Rechnung legen! Rechnung U gen!Der Kürschnermeister vom Markt: ist der Störenfried. Nachdem er dreimal vergebens für den Ehrenposten eines Kasprers im Leseverein Zabrze candidirt hatte, rächt er sich jetzt durch Obstruktionspolitik. Einige Freunde helfen ihm dabei: Rechnung legen!. . . Jawohl Rechnung legen!. . . Wir verlangen Rechnunglegung." Morgen!" begütigt der Vorsitzende. Nein, heute, heute! auf der Stelle!" Es hilft nichts, es muß Rechnung gelegt werden und mit resignirtem Achselzucken tritt der berühmte Rezitator Marcell Tontschi abermals beiseite, während Joses Gruhlemanns Augen nach allen Richtungen hin wüthende Blitze schleudern. Nach der Rechnunglegung wurde Gc. genrechnung verlangt und gegeben, und nach der Gegenrechnung schließlich dem bisherigen Kassirer Indemnität ertheilt. Inzwischen gingen die geborgte goldene Uhr des Wiener Freundes sowie alle übrigen Uhren von 3afine und Javorze unbeirrt ihren Gang Der Rezitator, als er endlich zum Worte kam. konnte nur noch die ersten Vroarammnummern lesen. Die tiefdurchdachte psycho-physiologischeNovellc mußte, wie er verabschiedend bemerkte. zu seinem unendlichen Bedauern weg fallen. . . Josef Gruhlemann aber verschwor sieb, in seinem ganzen Leben nie wieder moderne Kultur, Literatur und andere Guter der Nation nach Zabrze zu ver-pflanzen.
ßin Wayllwort. Wie gemeldet, hat Fräulein Dr. Mary Walker bei Oswego im Staate New Fork eine Besitzung von 54 Hektaren erworben, wo sie eine ausschließ lich weibliche Niederlassung nur für Damen" gründen will. In diesem weiblichen Staate werden, selbstverständlich von Damen, Vorträge über Politik. Literatur und sociales Wissen gehalten, nebstdem haben sich die Colonistinnen in allerhand männlichem
Sport, wie Fechten. Reiten und dergleichen, zu üben. Der Hauptzweck, den Fräulein Walker verfolgt, ist die Heranbildung von würdigen Vertreterinnen der modernen Frau". In diese Colonie werden nur Damen von 16 bis 35 Jahren aufgenommen, die sich verpflichten müssen, während der Dauer ihrer Ansiedelung ledig zu bleiben und auf jeden geistigen und geselligen Verkehr mit Männern, auch au ßerhalb dieses Gebietes zu verzichten. Sehr geehrte Miß! )oas wird sich nicht halten! Urlauben Sie, daß wir den überflüssigen Gemeinplatz moderne Frau" zuooroerst ausschatten, das klingt nach eiwas und heitzt gar nichts, außer Sie vergehen darunter eine Frau, die modern angezogen ist. Im übrigen braucyen wir keine modernen Frauen, sie tonnen getrost die Alten bleiben, besonders die Jungen, und im Wechsel aller Zeiten und Sitten erhält sie unverändert der Standard der weiblichen Vollkommenheit: als Mädchen liedenswürdig. reizend, brav, soll sie als Frau fähig sein, einem Hauswesen mit Erfolg . . ri . c r r rt. r i . - vui0uicyc sofern jic mcgi 5vn Haus aus das bekannte Ich heirathe nie!" ernsthaft gelobt hat). Aber wie sieht es mit der Berufstüchtigkeit der meisten Frauen, die keck in die Ehe treten, aus? Windig, höchst windig! Ja, gerade Ihre Landsmänninnen, verehrte Miß, die Amerikanerinnen, haben den meisten Aerger mit denDienstboten, was daher kommt, daß sie selbir gar nichts von häuslichen Dingen wissen, von der Führung einer Wirthschaft, daß die Dienstboten die Hilflosigkeit der Gebieterin genügend durchschauen und ausnützen. Herbert Spencer spricht in seinen Grundsätzen der Sociologie" die Worte aus: Wenn Frauen alles, was die häusliche Sphäre in sich begreift, richtig verstünden, würden sie gar nicht nach einer anderen verlangen. Wenn sie alles das zu sehen vermöchten, was in der richtigen Erziehung der Kinder liegt, etwas, zu dessen vollem Verständniß sich bis jetzt noch kein Mann, viel weniger denn eine Frau erhoben so würden sie nicht daran denken, einen höheren Beruf zu fordern." Bravo! Die Vorträge, die in Ihrer kleinen Damen - Republik gehalten werden, halte ich für ziemlich überflüssig. Politik, Literatur, sociales Wissen". Also Sie werden über die Wahlsysteme der verschiedenen Staaten, über Bimetallismus, Freizügkeit, Stimmrecht, Coalition u. s. w. aufgeklärt werden, die Geburtstage Ihrer Dichter Emerson, Longfellow, Allan Poe, Bayard Taylor, Stuart Sterne u. f. w. auswendig lernen und mit socialem Wissen genudelt werden, gestatten Sie den aus dem Fach der Gänsemast herrührenden Ausdruck. Außerdem werden die Cölibatärinnen von Oswego fechten und reiten lernen. Na, dagegen ist vom Standpunkt der Gesundheitspslege nichts einzuwenden. Beides sind sehr zuträgliche, kräftigende KörperÜbungen. Aber nothwendig ist es gerade nicht; ich kenne sehr reizende, sich einer gewissen Vollkommenheitsstufe nähernde Frauen, die noch kein Rapier in der Hand gehabt und nie auf einem Gaul gesessen haben, und sie werden .doch verehrt und zärtlich geliebt, mehrfach sogar. Also die moderne" Frau wird über das eherne Lohngesetz unterrichtet sein, Dichterbiographieen kennen, schulgerechte Terzen, Quarten ausschlagen. Säbelfinten ausführen und als Amazone ihr Pferd geschickt regieren, dabei aber nicht wissen, wieso es kommt, daß eine Lampe brennt, worin der Zug im Ofen oder Küchenherd besteht, warum Fenster anlaufen", wie die Giftschwämme aussehen und was in dem Fleisch, das gebraten wird, vorgeht u. s. w. Die Männer sind in Bezug auf die Schulkenntnisse der Frauen sehr genügsam. Was liegt denn auch dran, wenn sie nicht wissen, was ein constanter Strom" ist, obwohl derlei heutzutage die Spatzen auf den Telegraphendrähten pfeifen; daß ihnen das Wunder des Telephons ein Geheimniß bleibt, daß ihnen besonders alle physikalischen Erscheinungen eine fremde Welt sind es gibt elegante Weltdamen, die alljährlich zwischen Paris, Nizza, Karlsbad, Wien, Ostende usw. herumreisen und von der Dampfmaschine, die sie dahinschleudert, nur sehr unklare Vorstellungen haben. Des halb werden ihre blitzenden Boutons, ihre rauschenden Toiletten auf dem Quai des Anglais" und 'auf der Estacade nicht minder bewundert. Es ist merkwürdig, mit wie wenig Weisheit nicht nur die Welt, sondern die Männer regiert werden, selbst die klügsten und wie wenig Geschichtskenntnisse dazu gehören, um einem Mann den Kovk zu verdreben. Tt& nürchte, Ihre modernen Mädchen von Oswego mit ihren verwickelten Kenntnissen und umfassenden Fähigkeiten werden sitzen bleiben, daß es eine Freude ist. Oder wollen sie sitzen bleiben? Ich vermuthe es sogar. Ich bin wenn mir auch sonst in dasWunschleb?n der modernen Frau gütigst Ein blick gestattet würde über das in Büchern und Zeitungsartikeln entr4f fT)Mwmv V4 T rtVv iviuviii -j tiiumiii vit tttvvvii.vii Frau" fo wenig unterrichtet, daß ich euch irren kann. Aber Ihr Prospekt
läßt ja keinen Zweifel übrig. Wird doch den Mitgliedern Ihrer keuschen Republik. Ihres Weiberparadieses, obligatorische Abschließung vom an deren Geschlechte auferlegt. Die mo derne Frau" braucht eben keinen Mann, im Gegentheil, sie erblickt in dem Mann ihren geborenen Feind, besonders als Concurrenten ur. Riva len im Existenzkämpfe. Ist es rn Frauen auch schon gelungen, den Mann vom Kutschbocke der Droschke zu verdrängen, siehe Paris und in Amerika die Kanzel zu betreten, oder das ärztliche Gewerbe an sich zu reißen, so bleiben doch immer noch gewisse Berufscategorien, die von den Männern eigensinnig vertheidigt und gegen weibliche Invasion geschützt werden Also der neue kleine Staat im Staate New York ist nur für Damen" ! Sehr geehrte Miß. das wird sich nicht halten. $ch muß dieses Wort wiederholen. Sie werden dort in der Atmosphäre eines von heimlichenSeufzern erfüllten Frauencurortes, eines Damencafö athmen, und die Sonne des Frohsinns, der weiblichen Heiter keit wird in Ihrem Reiche nicht aufgehen. Die Männer fehlen! Halten Sie das nicht für eine Ue berhebung, spotten Sie nicht über die Herren derSchöpsung", ich weiß, was Sie sagen wollen, und ich gebe Ihnen Recht. Aber unsere Unentbehrlichkeit ist eine Thatscche, die eines Beweises nicht mehr bedarf, die erwiesen ist, theoretisch und practisch. Ich stehe selber auf Ihrer Seite, geehrte Miß. Ganz ehrlich, ich finde an den Man nern nichts Verführerisches, ich habe noch nie ein Gedicht an einen Mann ge macht, ich kenne keinen, der zu meiner Glückseligkeit das Mindeste beitrüge, ich begreife nicht, wie eine junge, poetische, zarte Mädchenblüthe einen auf drei Schritte nach Cigarren duftenden, oft ziemlich verwahrlosten Mann, den Herrlichsten von allen", den einzig Geliebten nennen kann. So ein Ekel! Allerdings den Frauen gegenüber sind ja die Männer netter, für sie putzen sie sich sogar die Fingernägel, wenden die Manschetten um, wenn sie auf einer Seite nicht mehr tadellos sind, und bannen ihre Mißlaune, von der heut zutage auch schon unsere Jugend ergriffen ist. Die uns Geschlechtsgenossen ohne eine Entschuldigung auf die Füße treten, mit den Ellbogen stoßen körperlich und bildlich stimmen im Verkehr mit den Damen ihre Gemüthsleier auf den zartesten Ton, ihre Galanterie, ihre Rücksicht, ihre UnterHaltungsgabe, ihreHarmlosigkeit, Auf merksamkeit und Generosität macht sie so angenehm, wie nur möglich. Ja, es giebt Männer, die nur im Verkehr mit Frauen die edleren und glänzenden Seiten ihres Wesens entfalten, und das sind nicht die schlechtesten, nicht die unbedeutendsten. Was kommt denn auch viel heraus bei den Unterhaltungen zwischen uns Männern: Nörgelei, Sckimpserei, Fachsimpelei und am Ende wohl gar noch eindeutige Anekdoten! Ich habe auch schon von Damen gehört, daß ihnen der Verkehr mit Personen ihres Geschlechts wenig Interesse bietet, was sehr merkwürdig ist, denn viele unter uns finden diegrauen fesselnd, räthselhaft, interessant, dämonisch, fascinirend, bethörend, amüfant und reizvoll, sie leben nur in Gedanken an sie, ihre Vorstellungen beschästigen sich mit ihnen, sie nehmen selbst den Spott der Mitwelt auf sich, wenn sie ihre weißen Haare in den holden Minnedienst stellen, und erst mit dem letzten Athemzug, der vielleicht einen weiblichen Kosenamen haucht, endet die Verehrung des Weiberknechts". Und die Damen finden sich untereinander nicht nett? Das ist eine höchst originelle Erscheinung, die zu tz:nken giebt, sehr geehrte Miß in Oswego. Man könnte das Beispiel in's Große übertragen. Der Kitt, den diese müde, beladene, ge'angstigte, zwecklos über einen taumelnden Ball dahinirrende Menge zusammenhält, ist die Sympathie der Geschlechter, das ist der Motor niedriger und edler Thaten, fast alles Ringens, Schiebens, Treibens und Wirkens. Nehmen Sie den Männern die Frau weg, wie Sie's ja im Kleinen eben thun wollen, und es würde eine dumpfe Trauer entstehen, eine tröstlose Niedergeschlagenheit, eine Verzweiflung sonder Gleichen, und Tausende würden von sich werfen, was sie heute jenen zu Liebe tragen es wäre die Auflösung, der Weltuntergang, ehe die Menschheit noch wegen des fehlenden Nachwuchses ausgestorben ist. Ihre Republik ohne Männer kann sich nicht halten. Ich spreche es zum dritten Mal aus, sehr geehrte Miß. Sie werden es sehen. Gründen Sie einen Nachbarstaat, ein Männer - Freiland, in welchem der moderne Mann" sich entwickeln soll, der ritterliche, harmlose, frohsinnige, vom Pessimismus freie, kräftige, genußfreudige, heitere Sohn der Schöpfung. dem die Lust cm Leben und am Weibe noch Spannkraft giebt, und stellen Sie zwischen diesen beiden Staaten auf diplomatischem Wege freundliche Beziehungen her. Das wäre ein Heirathsmarkt!" rufen Sie entrüstet aus. Wenn auch! Glauben Sie mir, es wäre eine Nothwendigkeit; denn was wir in Europa zur Anknüpfung zwischen den beiden Geschlechtern mühselig erfunden haben: Gesellschaften, Bälle, Promenadenconcerte, Kleiner Anzeiger" usw., das ist Alles unzulänglich, ungeschickt, kindisch, verlogen, gesckmacklos. Die Heirathslustigen von Oswego wurden einen Ruf bekommen, wie die schönen Weiber von Georgien, und man würde Vergnügungsreisen arran giren, um sich eine Frau, einen Mann zu holen. Kein Mensch braucht es zu
wissen. Man hat eine Amerikanerin geheirathet. Basta! In Amerika ist möglich und statthaft, was in Berlin und Wien nicht durchführbar wäre. Also erweitern Sie Ihr Programm und begründen Sie in der schöne, gesegneten Gegend von Oswego auch einen modernen Männerstaat, geehrte Miß, und wenn es soweit ist, kabeln Sie mir doch gefälligst ein Wort. Ich benutze einen Sonntag Nachmittag und komme hinüber, wenn Sie erlauben man kann nicht wissen Unbekannterweise grüßt Ihr ergebener Paul v. Sch'önthau. Licöesgcwalten. Von N. Megmund.
Hofrath Holscher, dirigirender Arzt V. n i : r .X . rt. r. ci: ic iuimuycn jiiuuiciu;uuC3 in -ein den. war im Ttahzt 1844 auf ein Vier teliabr nacb Italien oereist. Er batte seinen Dienst in die Hände des jungen Assistenten Dr. Lebnert gelegt, eines lebensfrohen, tüchtigen Mannes, der sowohl bei seinen Vorgesetzten beliebt war, wie auf den -Honoratiorenbällen r i. l m i rv lnoens ven genannten nerisbunasbällen" im scafoancn Bären Auch war er ein gern gesehener Gast i sr-i w v w w pi rt ln oen !Ieielljcyaslen Joyann Lestorff's, dessen Garten nachbarlich an das )iO) bis zur Jyme erttreaenv, Grundstück des Krankenhauses stieß Dr. Lebnert batte einen älteren Bedienten. Namens Battermann, der schon ver der Artillerie in Stade m seinen Diensten aestanden. seinemVor gesetzten ins Civil gefolgt war und mit der Zeit ein halber, seiner heimlichen Ansicht nach em ganzer Doktor gewor den war. Man nannte ihn scherzwe den Medizinalrath", worauf er nicht wenigs stolz war. Jedenfalls empfand er die jetzige Verantwortlichkeit fast in -c " c 1 r . is r.: , iiuu) tytußcicui u.niuuyc, ui jciu juu aer Herr. Mit dem Schlage Zehn stand er am Morgen nach des Hosratyes Adreije in strammer Qaltuna in dem in der ersten Etage belegenen Sprechzimmer des Krantenhauses. In der Hand hielt c cn?sls. e cm .fW 1 er eingelaufene riefe uno teezeltel; neben sich hatte er eine Anzahl kleiner Medicingläser aufgestellt, überragt von zwei :nächtigen Fischen, je mit einer hellen und einer dunklen Flüssigkeit gefüllt: die täglich gebrauchten Mixturen gegen Magenüeschwerden oder gegen Erkältungen. Dr. Lehnert trat ein, durchflog die Schriftstücke und fragte, indem er sie auf dem Schreibtisch ordnete: Nichts Besonderes vorgefallen, Battermann?" Verschiedene Meldungen erfolgten, dann fügte das Faktotum wichtig hinzu: Der Mann auf No. 17, der vorgestern von der hellen und gestern von der dunklen Medicin erhielt, ist trotzdem heute noch nicht besser geworden." I, der Tausend! Das ist ja unerhört! Was fangen wir denn mit ihm an, Medicinalrath?" fragte der junge Arzt schelmisch, indem ein Lächeln über setn Gesicht glitt. Er kannte seinen alten Battermann! Der - räusperte sich, legte den Zeigefinger an seine Kartoffelnase und fragte: Was meinen der Herr Doktor mal halb ein und halb ander?" Lehnert lachte, klopfte dem Kollegen" aus die Schul'ter und trat, ohne sich auf diese etwas gewagte Probe einzulassen, seinen Inspektionsgang durch die Säle an. . Eine zweisitzige Chaise hielt vor dem Krankenhause. Ein Landmann stieg ab und half einem schönen, einfach gekleideten Mädchen herunter. Sie war die Kranke der Arzt sah es auf den ersten Blick, wie sie mit müdem Schritt und theilnahmlosem Gesichtsausdruck dem Vater die Treppe herauf folgte. Der Alte erzählte, daß seine Tochter die Sprache verloren habe, daß das sonst so fröhliche, fleikig; Mädchen traurig und arbeitsunlustig geworden sei, daß sie schwer krank sein müsse. Die sofort vom Arzt angestellte Untersuchung ergab keinen Anhalt; es blieb nichts übrig, als die schöne Stumme zur Behandlung imKrankenhause aufzunehmen. Aber was Dr. Lehnert auch that, um ihrem Leiden abzuhelfen, welche Mittel er auch anwandte das Mädchen blieb sprachlos und eine stumpfe Apathie schien die Kräfte ihres jungen Körpers rasch untergraben zu wollen. Man ließ ihren Vater nochmals kommen. Die Sorge löste ihm die Zunge. Er zählte, daß der Christian, mit dem seine Tochter versprachen gewesen, sich mit ihr entzweit und bald darauf mit einer Anderen verlobt habe. Als dies seine Line erfahren, sei sie bewußtlos zu Boden gestürzt seit jener Zeit sei die Sprache fortgewesen. Als Dr. Lehnert am Abend in vergnügter Gesellschaft unter den mächtigen Bäumen des Egestorff'schen Parks an der Jhme saß, war er gegen seine Gewohnheit zerstreut und schweigsam in dem fröhlichen Kreise. Immer wieder lehnen seine Gedanken zu dem unglücklichen Mädchen zurück, deren erleuchtete Fenster vom Krankenhause her zu ihm herübers.chimmerten und er gelobte sich, alles daran zu setzen, um dies junge, blühende Geschöpf vom drohenden Stumpfsinn zu erretten und si: einem glücklichen Leben Wiederzugeben. Sobald er am anderen Morgen abkommen konnte, fuhr er nach Eldagsen, der Heimath seiner Kranken und ihres ehemaligen Bräutigams, des Christian Schmidt, den er nach kurzem Umhersragen pflügend auf dem Felde fand. Er theilte ihm ohne Umschweife mit, Wie es mit dem hübschen Mädchen stünde, machte ihn verantwortlich für ihre Gesundheit und bat ihn schließlich mit herzlichen Worten, mit nach Hannover zu kommen und die Kranke aufzusuchen. Nur durch seinen Anblick, seinen Zuspruch sei vielleicht eine Heilung herbeizuführen. Der Bursche hörte zu, trieb schweigend seine Pferde in eine neue Furche um den Acker und
sagte, als er wieder beim Arzt angelangt war: Sie haben Recht, Herr Doktor! Gereut hat es mich lange fchon und ich mag die Andere alle Tage weniger leiden und nun ich weiß, wie es mit der Line steht, habe ich keine Ruhe mehr. Ich fahre mit Ihnen!" Das ist brav!" rief Lehnert glücklich. Sie sind der Einzige, der vielleicht noch helfen kann' schlägt auch das fehl, so ist das liebe Mädchen verloren." Gehen Sie voran ins WirthsHaus, Herr Doktor ich bringe eben erst die Pferde heim." Dr. Lehnert mußte eine ziemliche Zeit warten; sollte der Bursche in seinem Entschlüsse wieder schwankend geworden sein? Nein, Gottlob, da kam er im Sonntagsstaat angelaufen und wie es dem Arzt auf den ersten Blick erschien mit erleichtertem Herzen. Ich war erst bei der Elise, der Anderen, wissen Sie,fagte er verlegen. Ich habe ihr den Ring zurückgebracht und ihr gesagt, daß es mit uns zwei nichts werden könne. Und nun lassen Sie uns machen, Herr Doktor, daß wir zu der Line kommen." Wo ist die Stumme, Battermann?" fragte Lehnert, vom Wagen abspringend und dem vor die Thür des Krankenhauses tretenden Diener die Zügel zuwerfend. Im Garten sitzt sie, in der Laube und krüllt Erbsen aus, Herr Doktor," erwiderte der Gefragte; winkte einen Jungen herbei, dem er die Pferde zu halten gab und schloß sich den beiden in den Garten eilenden Männern an. Unweit der Laube ließ der Arzt seine Begleiter zurücktreten und ging allein auf die Kranke zu. Nun, Line," sagte er, ihr auf die Schulter klopfend und sie ruhig begrüßend, obwohl er die Erregung der ErWartung und der menschlich warmen Theilnahme für die Unglückliche kaum zu unterdrücken vermochte: Hast Du keinen guten Tag für mich? Versuchs einmal!" Das Mädchen sah auf; ein mattes Lächeln glitt über ihr blasses Gesichtchen; sie öffnete gehorsam die Lippen, versuchte zu sprechen, aber nur ein rauher Laut kam hervor und mit stumpfem, resignirtem Ausdruck beugte sie sich wieder über ihre Arbeit. Da muß ich eS mit meiner neu verfchriebenen Medicin versuchen," sagte der Doktor tief aufathmend, trat zurück und winkte Christian, gespannten Blicks die Beiden beobachtend. Erst ging der Bursche zögernd den Gartenweg entlang, dann verdoppelte er seine Schritte, nun stand er hinter demMädchen, umfaßte sie und rief ihren Namen. Sie zuckte zusammen, sprang erschrocken auf, so daß die Schale mit ihrem Inhalt zur Erde fiel und blickte auf. Ein Zittern durchlief ihre Gestalt, als sie in das geliebte Gesicht sah ein stammelnder Laut! und Christian! ranz es sich deutlich von ihren Lippen. Dann brach sie wie leblos an des Mannes Brust zusammen. Seine starken Arme umfaßten sie; unbehilflich und zitternd, sie und sich selbst beruhigend, streichelte er mit seinen arbeitsharten Händen ihren Nacken und sein bebender, stummer Mund preßte sich auf ihr weiches Haar. So standen sie eine Weile beieinander plätschernd schlugen die Wasser der Jhme an das grüne Ufer und der junge Arzt meinte in der Stille des Sommernachmittags das laute Pochen seines eigenen Herzens und der beiden dort hören zu können. Endlich erhob Line den Kopf; mit angstvollen, verwirrten Augen blickte sie in des Geliebten Gesicht. Sei still, Herzensschätz," flüsterte er ihr beruhigend zu, ich bin und bleibe Dein, wenn Du mich noch willst und mir verzeihen kannst." Sie nickte glückselig, dann trat der angstvolle Ausdruck wieder hervor. Sie löste sich auS seinen Armen, faßte nach dem Halse, versuchte zögernd, die Lippen mechanisch bewegend, zu sprechen wie, wenn es nur ein Traum gewesen war, daß sie die Sprache wiedergefunden, daß sie des Liebsten Namen gerufen? Und dann als zersprengte das neu geschenkte Lebensglück allen Kummer und alle Krankheitsbande rief sie mit jubelndem, kraftvollem Ton, daß es weithin durch die sommerliche Pracht der Gärten hinklang: Christian, mein geliebter, lieber Christian!" Battermann half den beiden Glücklichen bei der Abreise und salutirte militärisch, als der Wagen davonfuhr. Er sah ihnen strahlend nach, wobei ein selbstzufriedener Zug sein Gesicht verklärte. Das haben wir mal wieder gut gemacht," sagte er halblaut vor sich hin. Die lütte Deern wird das Reden nun woll nicht wieder verlernen!" Dann legte sich, während er ins Haus zurück schritt, sein Gesicht in nachdenkliche Falten. Wenn unser Herr Doktor nur mannigmal Eine ein büschen still kriegen könnte so wie meine Frau, die hört gar nicht wieder auf, wenn sie mit Reden anfängt. Sie braucht ja nicht ganz stumm zu werden ja nich! Ich will es ihm doch mal vorschlagen nur mannigmal halb ein und halb ander wie mit der Medicin für den Mann auf No. 17. Das hätte der Herr Doktor doch mal versuchen sollen halb ein und halb ander das hätte sicherlich geholfen!" Bitter. Arzt: Ich habe die Absicht, über die Heilung der Schlaflosigkeit ein Buch zu schreiben." Freund: Ja, thun Sie das; alles was Sie darüber schreiben, kann nur dazu beitragen, den Leser von diesem unangenehmen Leiden zu heilen." Zeitgemäß. Knabe (zum Vater): Schicke mich bald in dieLeh-:, lieber Vater." ' Vater: Zum Arbeiten häst Du noch ein Jahr Zeit, mein braver Junge." Knabe: .leiten will ich ja gar nicht, Vater, ich möchte nur
gerne streiken!" .
Trost. on Wilhelm Jensen. In allen trüben Stunden, Die mir die Welt gebracht. Hab' allzeit ich empfunden Des lten Wortes Macht: Ein Saatgefilde ist die Zeit, Du erntest Lust, du erntest Leid Der Tag hat seine Stunden Und ihre Zeit die Nacht. D-as hab' ich immer feste Gehalten vor dem Sinn, Es kam und schwand das Zeste Sowie das Schlimmste hin. Harr' aus nur eine Weile lang. Bis es erinnernd wiederklang. Und was da bleibt vou7 Reste, Der Rest bleibt doch Gewinn. Der Geburtstag.
Vor acht Tagen überraschte mich mein kleines Töchterchen, die Käthe, durch die Mittheilung, daß sie mir eine wichtige Eröffnung zu machen habe. Denke Dir nur, Papa', welch' schönen Traum ich heute Nacht hatte," sagte ste. Ich glaube nicht, daß Du es errathen wirst." Das wird allerdings schwer sein." O. sehr schwer. Ich träumte nämlich. Du hättest mir einen. Thaler geschenkt." So? und waö hast Du mit dem Gelde angefangen?" Aber Papa, ich habe das doch nur geträumt, und ich bin jetzt sehr, seh? traurig, daß es nur ein Traum war. Ich wäre zu glücklich, wenn Du mir den Thaler wirklich geschenkt hättest." Aber Mädchen, was würdest Du denn damit anfangen?" Käthe sah sich vorsichtig nach allen. Seiten um, und als sie sich überzeugt. hatte, daß kein Lauscher in der Nähe war, flüsterte sie mir cebeimnißvoll zu: Weißt Du denn nicht, daß am Sonn abend Mamas Geburtstag ist?" Ach so! Du willst also das Geld, um Mama einGeburtstagsgeschenk zu kaufen?" Ei freilich! Es foll aber etwas ganz Reizendes sein, so eine recht nette Ueberraschung, über die Mama stch ganz gräßlich freuen wird. Sag' mal, Papa, wie alt wird denn Mama am Sonnabend?" Mußt Du das wissen?" Natürlich, darauf kommt es sehr an." Nun denn,' Mama ist 1860 geboren. Kannst Du nun ausrechnen, wie alt sie wird?" Gewiß," entgegnete Käthe; ich ziehe 60 von 98 ab, da bleiben 33." Und darf ich wissen, welche Ueberraschung Du ersonnen hast?" Ei bewahre," entgegnete die Kleine wichtig, das verrathe ich nicht!" Der Sonnabend war also der Tag, an welchem Käthes Mama mit Ehren überhäuft werde sollte. Ich war wirklich sehr gespannt auf die Aufmerksamkeit, die unsere Jüngste für sie bereit hatte. Mama saß am Kaffeetisch, als Käthe erschien und sie bat, in's Nebenzimmer zu kommen. Als wir die Thür öffneten, empfing uns strahlender Lichterglanz. Er kam von einer großen Platte, uf welcher zahlreiche brennende Kerzen aufgestellt waren. Eine derselben, die in der Mitte stand, überragte die übrigen uyd war besonders schön anzuschauen, denrr Käthe hatte ihren unteren Theil mit Blumen und bunten Bändern um wunden. Das ist Dein Lebenslicht, Mama," sagte sie, das ist so groß und stark, daß Du nie, niemals sterben wirst." Und die Uebrigen bezeichnen die An zahl der Jahre, die Mama bereits zurückgelegt hat?" fragte ich, worauf Käthe stumm und glücklich nickte. Ich zählte, konnte aber nur die AnWesenheit von 28 Kerzen feststellen. Aber Käthe," sagte ich. mit Deiner Rechenkunst scheint es doch nicht weit her zu sein. Weißt Du denn nicht " Die Kleine ließ mich nicht zu Ende sprechen, sondern zog mich in einen Winkel und flüsterte mir in's Ohr: Wie Du aber auch bist, Papa! Weißt Du denn nicht, daß Damen immer gern zehn Jahre jünger sein wollen? Das bat Onkel Gustav oft gesagt -" Sedankensplittcr. An die Vergangenheit einer Frau glaubt die Welt schneller, als an die Zukunft eines Mannes. Für den Erfolg eines Mannes ist die Zahl seiner Anhänger, für seine Bedeutung jedoch die Zahl seiner Gegner bestimmend. Arme Verwandte sind stets entfernte Verwandte. Mancher halt sich für einen Märtyrer, und ist doch nur ein Selbstquäler. Jede Kunstepoche hat ihre Avantund ihre Arriregarde; die erstere bilden die Vorläufer, die letztere die Nachahmer. Mit Manchem steht man nur deshalb gut. weil man sich hütet, schlecht mit ihm zu stehen. m m m m Der süße Kuß. Der sechsjährige Karl (bei Tisch zum Dienstmädchen, das eben die Suppe bringt): Anna, geben Sie mir einen Kuß!"' Mama: Aber Kind . . ." Karl: Ja, ich hörte gestern, wie der Papa zur Anna sagte: Ein Kuß von Ihnen ist so süß wie Honig!" Fürsorglich. Madame (zum Kindermädchen): Minna, lassen Sie die Kinder nicht auf dem nassen Gras sitzen, sie könnten sich erkälten. Wenn sie müde sind, dann können Sie sich hinsetzen und die Kleinen auf den Schooß nehmen. Ein echter Komiker. Komiker (noch vor dem Engagement): Herr Direktor, ich bitte um einen Vorschuß!" Direktor: Sie sind ein kc.is:r 57l, Sie engair' il
