Indiana Tribüne, Volume 22, Number 123, Indianapolis, Marion County, 22 January 1899 — Page 7

Ser ökaue Christian. Von SSilfclnt SSäfer. In Klingenbach war es, wo ich den Weinhandel lernen sollie, aber gleich nach der zweiten Woch in Untersu chung kam, als der Gendarm den blauen Christian und den Heinrich erschössen hatte. Man nannte uns den zweiten Schnitt". Wir waren ein Dutzend junger Leute und verübten närrische Streiche, die der blaue Christian ausheckte. Er hatte einmal von ' einem faulen Kunden einen Ballen blauen Tuches nehmen müssen. Davon kleidete er sich Zeit seines Lebens. Wer das blaue Männchen zum ersten Mal sah, hielt ihn für einen Jahrmarktskünstler oder einen verrückten Geigenspieler. Dabei war er Glasermeister, hatte ein eigenes HauS am Marktplatz und schickte drei Kinder zur Schule. Seine Freude an Narrheiten war so gnnzenlos wie seine Erfindungsgabe und keine kindliche Harmlosigkeit. Er hd den Klingenbachern jahrelang herzliches Vergnügen bereitet, bis das furchtbare Ende kam: an einem Sonntag, genau am achten Tage, nachdem wir den Bürgermeister eingemauert hatten. Es war gekommen wie immer: die gelungenen Spaße hatten unö übermüthiger gemacht, alZ dem Christian recht war. Wir waren gegen seinen Willen an die BeHorde gerathen. Namentlich an den Bürgermeister, einen würdigen alten Herrn, der is dahin unsern Streichen mit wohlwollender Gleichgültigkeit zugesehen hatte. Er ließ den Christian eines Tages vorladen und verwarnte ihn freundschaftlichst. Dadurch fühlte der Anton, ein Metzgerbursche, dem für seine Korpnkräfte alles zu zahm herging, die Ehre des zweiten Schnitts" gekrankt und hetzte zur Rache. Der Christian redete ab. " Aber eines Morgens hatte der dürre Brunnenritter auf dem Marktbrunnen den unmäßigen Schlafrock des Bürgermeisters an. Der alte Herr nahm auch das noch leicht, bis er beim Abendskat gehänselt wurde. Da gerieth er in blindwüthigen Eifer und

ließ sich hinreißen, die Ortsfnerstunde von elf auf zehn Uhr ZU verlegen. Zur besseren Durchführung erbat er sich einen Gendarm aus der Kreisstadt. Mit dem Augenblick, wo der schwarz bärtige Beamte säbelrasselnd in den Straßen erschien, war die Bewohnerschaft auf unserer Seite, zumal der Bürgermeister so unvorsichtig war, nach wie vor bis Mitternacht im Nothen Ochsen" Skat zu spielen. Unter dem Einfluß eines Hetzers hätte sich die Stimmung bedrohlich entladen können. Der Christian leitete sie in ein endloses Gelächter. Neben dem rothen Ochsen" wurde ein Neubau aufgeführt. Eines Abends mußte sich der Anton die Schlüssel vom Hofthor verschaffen. Nachher, als der Gendarm seine Feierabendrunde gemacht hatte, holten wir leise einen Stein nach dem andern und mauerten die Thür auf der hohen Treppe regelrecht zu. Das Haus stammte angeblich noch aus der Hohenstaufenzeit. ' Es stand am Markt zwischen der schmalen Kirchgasse und der Hauptstraße. Zur ebenen Erde lagen Kellerräume und Stallungen, nur vom Hof auö zugänglich. Ueber ihnen, etwa zwei bis drei Meter über dem Boden, erhzb sich der eigentliche Wohnbau mit den Wirthsräumen. Der Marktplatz selbst war so unregelmäßig, wie es nur in einem altrheinischen Orte möglich ist. Kein Haus stand in der Richtung. TS eine sprang mit dem Giebel vor,' das andere mit der Breitseite. Fast jedes war von dem andern durch eine Gasse getrennt. Einer von uns mußte vorgeplaudert haben. Als wir im letzten Augenblick die Hofthür noch von außen verschlos sen hatten und uns in den Schatten zurückzogen, standen all' die Gassen und Winkel voll kichernder Menschen. Ich lauerte neben dem Christian im Schatten des Brunnenritters. Von oben kam dann und wann in das Geplätscher des Wassers ein kurzes Gelächter oder das dumpfe Faustaufschlagen eines eifrigen Spielers. Gegen zwölf die Wartenden rund herum waren schon laut geworden hörten wir poltern und Stühlerücken. Eine? sagte es dem andern, das Geflüster lief von uns fort um den ganzen Markt und machte alles, still. Endlich kam das, worauf Hunderte von Augen und Ohren warteten: Die Hausthür sollte geöffnet werden und schlug nach außen dumpf gegen die Steine. Ein halbes Dutzend Hände schien nacheinander zu Probiren. Dann wurde vorsichtig an der Hinterthür gerüttelt. Jedes Geräusch rief neues Kichern hervor. Nach einer langen , Pause öffnete sich eine Fensterlade. Ein langer Lichtstreif legte sich quer über den Markt, der Schatten eines Helms darin mit unendlicher Spitze. Der Gendarm beugte sich weit heraus, um nach der Thür zu sehen. Sie lag zu weit zurück. Die Zurufe konnten kaum noch zurückgehalten werden. . Es klirrte laut aufs Pflaster. Der Gendarm hatte sich ins Fenster geschwungen und war mit dem Säbel in in eine Scheibe gerathen. Wir hörten ihn fluchen. Er war ein Ostpreuße und hatte die laute Art seiner Landsleute. Mit einem wüthenden Ruck schnallte er ab und warf den Säbel hinaus, um nachzuspringen. Ehe er auf der Brüstung war, hatte der Anton die Waffe aufgehoben und war damit um die Ecke der Kirchgasse derschwunden. Der Gendarm wollte ihm nach, versprang sich in der Hast, plumpste und kollerte in den Rinnstein. Sein Helm rollte rasselnd weit auf unö zu. Toll vor Wuth fprang er auf und stürzte dem Anton nach. Wir hörten die Hausthüren in der Kirchgasse zuschlagen. In zwei Sätzen hatte ich htn Helm, und eh ich noch wußte, wie

i

ich zu rjtfn Oedanlen gekommen war, blitzte ix auf dem grauen Steinkopf des Brunnenritters. Beim Herunterspringen glitt ich aus und gerieth mit den Beinen in den Brunnentrog. Der Christian half mir heraus. Dann liefen wir zum nächsten Hause. Da standen wir im verschlossenen Thorweg und sahen durch das Gitter hinaus. Der Gendarm kam nicht zurück. Wir hörten ihn von der Kirchgasse her an die Thüren klopfen und fchreien. Oben wurde man ungeduldig. Der Bürgermeister beugte sich weit hinaus und rief nach ihm. Ein zweites Fenster wurde geöffnet. Der dürre Apotheker versuchte hinauszuspringen und wurde von den anderen zurückgehalten. Dann kam der Gendarm angeschossen, abgehetzt, sinnlos hin und her springend, ohne Helm und Säbel. Der Jürgermeister wurde wüthend. Er solle öffnen. Hülflos rannte der Unglückliche zur Thür und stand vor der frischen Mauer. Ein helles Gebrause von Lachen und unterdrückten Zurufen zog über den Platz. Die Thür ist zugemauert! hörten wir kläglich melden. Da lies dem würdigen Herrn da oben die Galle über. Kurz entschlossen 'streckte er seine dicken Beine hinaus, drehte sich auf den Bauch und rutschte langsam an der Mauer herunter, bis er ausgestreckt an der Fensterbrüstung hing. Da schien ihn der Muth zu verlassen. Er zappelte mit den Beinen nadjp Halt. Der Gendarm wollte ihm zu Hülfe springen, stolperte und fiel lang hin. Ein Gelächter brach los, wie ich es seitdem nicht mehr gehört habe. Der Gendarm wollte ihm helfen. Er faßte seine Beine, fahte zu heftig: der Bürgermeister rutschte ab, fiel wie ein Sack auf ihn, und jetzt rollten beide in den Rinnstein. Der Wirth verfiel auf den unglückseligen Gedanken, hinauszuleuchten. Und nun kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Sechs Tage lang ließ sich der Bürgermeister nicht auf der Straße sehen. Er war machtlos. Und wenn er alle Wirthshäuser abgesperrt hätte, das Gelächter der Klingenbacher hatte ihn besiegt für alle Zeiten. Wo sich einer von uns sehen ließ, trank man ihm zu. Der Anton wurde kaum noch nüchtnn. Die anderen trieben es ähnlich. Nur einer, der blasse Heinrich er war Setzer und geigte sehr schön , kam zu mir und klagte, er hatte die Lust verloren. Wir beschlossen, uns allmälig loszulösen, vor allem aber abzuwarten, was derChristian selber machen würde. Der ließ sich über nichts aus. Aber seine Art war. wie wenn er imGrunde seines Wesens eine Wunde fühlte. Sein Kindergemüth spürte den Ernst, den sein Spaß angerichtet hatte. Der Gendarm war an dem Abend unser Todfeind geworden. Er war in einen Haß gerathen, für den er nichts konnte. Es that mir leid um ihn. Alles an seiner hohen Gestalt war kraftvoll und einnehmend. Und nun mußte gerade ihn ein roher Spaß des Anton auf's Aeußerste reizen. Als er spät Abends aus dem NothenOchsen" kam, tappten drei Betrunkene vor ihm her. Er setzte ihnen nach durch den ganzen Ort. Als sich genügend Zuschauer angesammelt hatten, fiel der mittelste hin. Die beiden ankeren versuchten ein paar Mal, ihn aufzuziehen, ließen ihn liegen und rannten fort. Aufstehen! Und zur Wache! schnauzte der abgehetzte Gendarm. Der Betrunkene rührte sich nicht. Ein dichter Kreis sammelte sich und lachte, bis der Gefoppk die Geduld verlor, sein Opfer mit Gewalt hochreißen wollte und einen Strohmann in den Armen hielt. Am anderen Nachmittag es war wieder Sonntag machte ich mit dem Christian und dem Heinrich einen Svazirgang ins Jonasthal. Es zieht sicy vom Rhein weit in den Wald hinauf, hat alte Stämme und viel Unterholz. Oben an der Wasserleitung, wo man weit den Strom hinaufsieht bis Coblenz, hatten wir eine Viertelstunde schweigend gesessen, als wir lautes Geschrei hörten. Die anderen hatten uns gesehen und kamen nach. Sie waren schon betrunken, namentlich der Anton. Der fing gleich an zu höhnen in feiner rohen Art. Dann machte er einen Vorschlag, der mich vor Schreck aufspringen ließ. Der Taumel der gelungenen Spässe schien diese Menschen toll gemacht zu haben. Sie hatten unten den Förster kommen sehen, nun wollten sie hier oben den Wald anstecken, selbst wieder löschen und von dem Förster, den sie während des Brandes herbeizuschreien gedachten, eine Belohnung verlangen. Ich hatte den Christian nie erregt gesehen. Jetzt war er graubleich und zitterte bis in die langen Bartspihen: das wäre ein gemeiner Bubenstreich und die ihn ausführten, gehörten ins Zuchthaus. Der Anton schlug eine rohe Lach; an. stellte sich breit vor ihn hin und grinste ihm höhnisch ins G?sicht: Der Herr Glasermeisier hat natürlich Angst, seine Kundschaft zu verlieren. Der Spaß geht ihm an den Geldsack. Im selben Augenblick schien sich der Christian bewußt zu werden, wen er vor sich hatte, das kluge Lächeln kam in die Kinderaugen zurück. Wortlos drehte er sich um und winkte uns. Wir gingen, von den Zurufen der anderen verfolgt, den Weg zurück ins Thal. Dann übermannte ihn doch wieder der Zorn: Es ist zu gemein; knirschte er und wandte sich um. Da hatte der Anton schon ein Streichholz in das dürre Gras geschleudert. Die anderen sprangen herum, brüllten und warfen auch ihre Späne hinein. Es war wochenlang trocken gewesen. Die Flammen schlugen gleich meterhoch. Der Wind trieb sie fort, auf uns zu. Es war nicht, wie wenn der Waldboden wirklich brannte, nur oben in der Luft hüpften dieFlam men weiter. , Die Röcke aus! schrie der Christian verzweifelt. Wir sprangen dem Feuer entgegen und schlugen hinein, liefen vor

und zurück und brächten es zum Verloschen. Unterdessen waren auch die anderen vernünftig geworden und halfen mit. Nur der Anton stand grinsend und warf ein brennendes Streichholz nach dem anderen auf den Boden, bis wir ihm die Schachtel aus den

Handen rissen. In dem Augenblick rundum rauchten noch die verkohlten Gräser und wir standen mit unseren Röcken zum Schlagen bereit hörten wir Tritte. Wie wir uns umdrehten, war es der Gendarm, der einen Patrouillengang machte, das Gewehr am Riemen hatte, und so von den anderen für den Förster gehalten worden war. Mir schlug ein Schrecken in dieSeele. Ich fühlte, wie der große schwarze Mensch jetzt so zwischen uns trat, standen sich Todfeinde gegenüber. DasGefühl davon war in allen so mächtig, daß wir einige Minuten schweigend blieben. Ein furchtsames Lächeln zog das Gesicht des starkenMannes in häßliche Falten. Ich sah ihn nach seinem Gewehr tasten. Endlich zog er sein Notizbuch hervor: Da haben wir also die Bande. Ich höre noch heute das scharfe ostpreußische r" in dem Wir. Steck das Buch ein! brüllte der Anton und stellte sich drohend vor ikm. Wir haben den Waldbrand gelösu)t und verlangen Belohnung! Waö dann geschah, weiß ich nicht genau. Einer wollte den Anton zurückhalten, der fiel nach vorn und stieß heftig gegen den Gendarm. Im Nu hatte der fein Gewehr vor: Zurück! oder. . . Schießen willst du? kreischte der Anton und stürzte auf ihn zu. Der Gendarm sprang zurück, mit dem Rücken gegen eine breite Buche, das Gewehr angelegt. Der erste, der noch einen Schritt thut, hat . . . Er konnte vor Erregung nicht weitersprechen. Nur der Lauf hob sich. Der Anton taumelte zurück. Eine lange Minute schien die Luft zwischen uns erstarrt. Da that der Christian, waö ich nie begreife. Daö Gesicht zum Lächeln verzerrt, ging er langsam auf die drohende Mündung zu: Auf Menschen willst du schießen? Ich hab drei Kinder zu HauS. Steh! kreischte der Gendarm wie in Angst. Ich wollte zuspringen und konnte nicht. Ich glaube, daß ich mich fürchtete. Der Christian zögerte keinen Schritt. Ein Blitz und Knall. Ich wollte nicht glauben, daß es ein Schuß gewesen war. So einfach kam es. Aber der Christian lag vor mir auf dem Gesicht. Ich hörte einen wahnsinnigen Schrei. Der Heinrich stürzte wie ein Thier an mir vorbei auf den Schützen zu. Der stand wie auf der Jagd. Noch ein Blitz. Ich sah den Heinrich mit den Armen zappeln und sich überschlagen. Dann kam dasFurchtbare auch in mich. Ich mußte schreien und auf ihn einspringen, ihn ankrallen und würgen. Ich spürte seinen Athem, sah seine weitaufgerissenen Augen dicht vor mir, den Gewehrkolben hoch in der Lust. Ich griff danach. Der halbe Schlag traf meinen Arm von der Seite und glitt herunter bis auf mein Nasenbein. Ich fiel rückwärts hin, sprang wieder auf, sah den Anton von einem anderen Schlag taumeln und fühlte Blut in meinem Gesicht. Dann lief der Gendarm vor uns her, das Gewehr am Riemen nachschleifend. Wir jagten ..i hinter ihm her, schreiend, keuchend, durch Brombeergestrllpp, über Gräben, steile Abhänge hinunter. In der Nähe des Rheins erreichten wir ihn fast, da fiel vor uns die Böschung zur Bahn ab, er stürzte hinunter. Ich sah nur den Riemen noch in seiner Hand. Das Gewehr hatte sich in einer Wurzel gefangen und kam mir zwischen die Füße. Ich stolperte und rutschte kopfüber die ganze steile Wand hinunter. Unten fiel etwas schwer auf mich, der Anton. Ehe wir aufkonnten, war der Gendarm den Schienen entlang bis zur Felöecke gelaufen. AZs wir dahin kamen, war er verschwunden. Wo die anderen nachher waren, weiß ich nicht. Ich schleppte mich in denWald zurück. Der Christian lag auf dem Gesicht. Er war gleich todt gewesen. Der Heinrich lebte noch. Ich trug ihn einige hundert Schritte weit. Dann fand ich MensHen, die brachten beide ins Thal. Auch mich, da ich gleich darauf ohnmächtig wurde. Als ich zu mir kam, war Heinrich todt und der Gendarm schon unter Bedeckung insKreisgefängniß gebracht, um ihn vor der sinnlosen Wuth der Klingenbacher zu schützen, die durch die Berichte des Anton und seiner Genossen maßlos aufgeregt waren. Am anderen Morgen wurden wir festgesetzt. Dann hatten die Richter endlose Wochen zu thun. Ich war der einzige, der freigesprochen wurde. , . Den Gendarm Zersetzte die Behörde kn seine Heimath; Niemand erfuhr den Ort. Ich möchte ihn gern noch einmal sehen. Er ist mir wie ein Freund, trotzdem er mir den Christian und den Heinrich erschossen hat. Auch eine Festfeier. Wer zieht denn eigentlich hier ein, weil das Haus gar so hübsch dekorirt ist?" Einziehen thut hier Niemand, aber di: bissige Steuerräthin von der zweiten Etage zieht aus, und aus Freude darüber haben die Bewohner der anderen Etagen sich' zusammengethan, dieses, für das ganze Haus so freudige Ereigniß festlich zu begehen!Beweis. Hausfrau wabrend des Kaffeekränzchens die Thüre öffnend): Sie haben gehorcht, Johann!" Diener (erschreckt): .Gewiß nicht, gnädige Frau!" Hausfrau (s'rkng): Leugnen Sie nicht .... die Haare stehen Ihnen zu Berge!" Aus der Literaturstunde. Professor: .Wenn man also Goethe genau in's Auge faßt, zerfällt er m dre: Tyelle!'

ZZiedersehen. Von Q Heller. Soeben hat es ein Viertel auf Elf

geschlagen. Im Berliner Gewerbemuseum sind zu dieser frühen Stunde nur wenige Besucher. Gelangweilt patrouilllrt der Ausseher ,m Vorraum hin und her. Eine Dame tritt jetzt ein, schreit: geräuschlos auf eine der zur Seite stehenden polirten Holzbänke zu unb nimmt dort Platz. Sie giebt sich nicht die geringste Mühe, ihren Mangel an Interesse für das Kunsthandwerk vergangener und gegenwärtiger Zeit zu. verbergen. Die langgestielte Lsrgneitc auf die Emgangsthur genchtet. scheint sie jemand zu erwarten. Jemand, der sich verspätet, denn im Verlauf von zehn Minuten zieht die Dame wohl fünfmal ihre Taschenuhr aus dem Gürtel. Ein Rendezvous natürlich," sagt sich, der Ausseher. Und da er keinen anderen Zeitvertreib hat, läßt er beim Aufundabgehen die einsame Besucherin nicht aus dem Auge. Sie trägt ein schwarzseideneö, einfach aber fehr chic und modern gearbeitetes Kleid, einen hellen Paletot, schwarzes Kapothütchen und Spitzenschleier. . . Prachtvolle Au-, gen hat sie, daS muß man ihr lassen ! Ein Ausdruck von gespannter sehnender Erwartung liegt darin. . . potztausend, die durchleuchtenden Sterne schienen ja das dünne Tüllgewebe förmlich zu versengen. . . Sonst ist an dem schmalen blassen Gesicht nickts Schöneö. Die Gestalt ist graziös, aber klein und viel zu schmächtig. Ist sie ein Mädchen oder eine Frau, früh verblüht oder jugendlicher aussehend alö ihre Jahre? Da, endlich, der Ersehnte kommt ! Er schaut anfangs zögernd und unsicher drein, jetzt indessen, da sie dann sich erbebt, geht er raschen Schritts aus sie zu- Sie schlägt ihrenSchleier in die Höhe. . . O, die ist mindestens sechsunddreißig alt! Und der Herr ein unreifes Bllrschchen von neunzehn oder zwanzig, trotz seiner langaufgeschossenen Figur und des leichten Schattens auf der Oberlippe. Hübsch übrigens. Brünett, dunkeläugig, feingekleide! und vornehm aussehend. Er macbt eine verlegene ernste Miene. . . wie schade, daß man nichts verstehen kann von dem leise geführten Gespräch. Sie dämpfen wohl mit Fleiß ihre Stimme, merken am Ende gar, daß sie beobachtet werden! f Nein. Die beiderseitige Erregung hindert sowohl den jungen Menschen wie die Dame, etwas anderes wahrzunehmen als das Pochen des eigenen Herzens. Sie hat seine beiden Hände erfaßt und sich etwas zurückgebogen, ihn besser betrachten zu können, wie r vor ihr steht mit der eleganten Haltung. dem hübschen Gesicht mit den etwas zuckenden feingeschnittenen Lipden. . . , , , . ; Alfred! Mein lieber süßer Junge! Ich danke Dir, daß Du gekommen bist! Schon war ich daran zu verzweifeln ! Zu denken, daß mein Brief könnte in unrechte Hände gefallen sein. Denn mit Absicht hättest Du mich doch nicht 'vergebens warten lassen!" Es war mir leider unmöglich, früher zu kommen", murmelte der junge Mann beklommen. Und Dora? Du hast sie nicht mitge-bracht?-Rein. Sie ist in der Malstunde. Und überhaupt es schien doch besser, daß allein kam Besser! Ach! Weißt Du wohl, daß es elf lange Jahre sind, seit ich Euch nicht sah?Er runzelte leicht die seinen Brauen. Verzeih', Mama! Es war nicht im sere Schuld gewiß auch nicht Deine! ölber wir sind doch nun einmal verschiedene Wege gegangen." Der jäh enttäuschte Blick, mit dem sie seine Hände fahren läßt und sich still niedersedt. thut ihm leid. Er nimmt neben ihr Platz, ohne recht zu Kissen, wie er das Gespräch weiter fortführen soll. Was kann er dafür, wenn ihre Zärtlichkeit kein Echo mehr in ihm weckt? Sie spricht zuerst wieder, in unwillkürlich bitterem Tone: Eigentlich thöricht von mir, zu denken, daß die gewiß ausgezeichnete Erziehung Deines Onkels keine Früchte getragen haben sollte! Es ist ihm gelungen, mir das Herz meiner Kinder zu entfremden!" Sage nichts gegen ihn, Mama! Er hat wie ein zweiter Vater an mir und der Schwester gehandelt. Und er enthielt sich jedes Urtheils über Dich. Mach'S wie er." Es liegt ein ritterlicher charaktervoller Zug in diesen Worten und in der Art, wie der junge Mann sie spricht. Es imponirt der Frau und wirkt versöhnend auf ihr Gemüth. Ich trage Deinem Onkel nichts nach, wenn er gut zu Euch war und Ihr glücklich gewesen seid sagt sie sanft, indem sie ihre Augen mit dem Taschentuch trocknet. Sie erkundigt sich nun nach seinen und Doras Beschäftigungen und Neigungen. Dora malt also ist sie auch musikalisch ? Alfred verneint. Ebensowenig wie er selber. Musikstudium gehört heutzutage nicht mehr zu den unerläßlichen Bll dungsmitteln, darum wünschte der On kel nicht, daß unnütz Zeit daran derschwendet wurde. Und Du. Mama?" fragt er etwas gezwungen. Ist Dir'S immer gut eraanaen in diese? ganzen Zeit? Sie lächelt halb leichtherzig, halb spöttisch. O, gut in dem Sinne, wie Onkel Geheimrath es auffaßt, nicht gerade. Mal hübsche Einnahmen, mal trie'ö so allenKünstlern geht gründlich im Dalles!Er zuckt zusamrnrn, .peinlich berührt von dem Ausdruck in ihrem Munde. Entschuldige. Alfred! - da Wort kubr so unwillkürlich heraus. Wenn'S

dir besser gefällt, wollen wk das diblt-

sche Glchniß von den fetten und mageren Kühen anwenden. Im allgemeinen lebt unsereins von der Hand in den Mund. Zum Schätzesammeln langt's nicht. Jeder muß schon mit der Vortion Talent und Glück vorlieb nehmen, die das Schicksal ihm in die i Wiege legte. Konnt' ich die Geige 10 spielen wie die Teresina Tua, so lüde man mich auch zum Thee bei Hofe und dann würde Onkel Geheimrath riesig stolz auf seine Schwägerin sein. So aber muß ich froh sein, es wenigstens bis zur Direktrice einer Wiener Damenkapelle gebracht zu haben.Davon hat Onkel gehört. Er trug mir auf. Dir zu sagen. . Du hast ihm meinen an Dich gerichteten Brief mitgetheilt !" ruft die Frau so laut in ihrer schmerzlichen Errcgung, daß der Aufseher des Museums es hört und die Ohren spitzt. Still, Mama! Ich bitte, beruhige Dich! Ich hielt es für meine Schuldigkeit, nichts hinter Onkels Rücken zu thun und fragte ihn. . Ob Du Deine Mutter wiedersehen dürftest! Er meinte. Du könntest beabsichtigen, hier in Berlin mit Deiner Kapelle aufzutreten im Panoptikum oder irgend einem Spezialitätentheater und sprach die Hoffnung aus, Du würdest Dich durch meine Bitten bewegen lassen. Deinen Kindern zulieb von diesem Vorhaben abzustehen! Er will Dich gern für den eventuellen Ausfall cm Honorar entschädigen. Ueberhaupt, wenn Du in finanziellen Schwierigkciten bist einer Unterstützung bedürfen solltest. . . Du führst zwar als Künstlerin in der Oeffentlichkeit Deinen Mädchennamen, trotzdem erinnern sich hier in Berlin vielleicht noch manche zu Onkels Kreisen gehörende Herren der Familienbeziehungen! Und ich gehe jetzt doch zur Universität, um Jurisprudenz zu studiren, Onkel denkt für mich an die diplomatische Carriere natürlich nicht an einen Gesandtschaftsposten, aber doch mal eine Stellung als Berufsconsul oder im Ministerium des Auswärtigen. . Des jungen Mannes anfänglich stockende Rede ist sehr geläufig geworden, er sprudelt die Worte heraus, wie eine auswendig gelernte Lektion. Wie versteinert ruht der Blick seiner Mutter auf ihm. Sie unterbricht ihn nicht. Erst als er von selbst inne hält, legt sie die Hand auf feinen Arm. Jetzt höre mich an. Alfred! Du scheinst ja mit allem sehr gut Bescheid zu wissen, nur nicht mit dem Loose und dem Herzen Deiner Mutter! Für wen oder was hälft Du mich denn cigentlich? Für ein leichtsinniges Geschöpf, das sich seinen Pflichten entzog. um lustig in die weite Welt zu gehen? So höre zu! Mit sechzehn Jahren so alt wie jetzt Dora ist heirathete ich Deinen Vater. Er war aus sehr guter Familie, hatte Chemie studirt und nahm eine ausgezeichnete Stellung ein in einer chemischen Fabrik. Ich war die Tochter eines Geigenspielers, der bald hier bald dort Engagement bei Conzertkapellen fand und mich zu einer Art von umsikalischem Wunderkind ausbildete. Dieser Wanderexistenz entriß mich, kurz vor seinem Tode, meine Heirath. Ich war sehr glücklich und glaub-, te, daß auch mein geliebter Mann cs war, und daß er die Lücken meiner Bildung im Vergleich zu seiner eigenen nie schmerzlich empfand. In den Augen der Verwandtschaft freilich hatte er eine unverzeihliche Mesalliance geschlössen! Er starb, ohne Vermögen zu hinterlassen. Erst als der letzte Groschen aufgebraucht war, ging ich Deinen Onkel um Hilfe an für die Waisen seines Bruders. Er stellte die Bedingung, daß ich ihm Sohn und Tochter ganz überlassen sollte und auf meine Mutterrechte verzichten. Das schlug ich entrüstet aus und bemühte mich um Musikstunden. Unter WiderwärtigkeZten und Entbehrungen aller Art suchte ich das tägliche Brot zu erwerben. Hast Du gar keine Erinnerung an diese Zeit, Alfred? Eines Tages stieß ich auf eine Anzeige in einer Musikzeitung: eine Damenkapelle verlangte eine tüchtige Geigenspielerin. Freilich handelte eZ sich um eine weite Reise, eine Tournee durch ganz Nußland! Du besuchtest schon die Schule und Dora war erst fünf Jahre alt. von zarter Gesundheit! Ich wußte, daß der Onkel Geheimrath, sobald ich todt oder sonst wie aus dem Wege sein würde, bereit war, Vaterstelle bei euch zu vertreten, er war ledig und ohne Anhang. Ich brachte das Opfer! Und eine glänzende Laufbahn war's wahrhaftig nicht, die ich b:i voller Kenntniß der Verhältnisse einschlug. Du darfst mir aber glau. ben, mein Sohn, daß, wenn ich auch nach Deines Onkels Begriffen aufhörte, eine Lady- zu sein, ich doch steis eine anständige. Frau geblieben bin! Oft hab ich mich insgeheim nach Euch erkundigt, mir mußte der Trost genügen, daß meine Kinder lebten und, dem äußeren Anschein nach, glücklich waren. Ich hätte eine neue Ehe schließen können, mit keinem vor nehmen Herrn natürlich! Mit einem braven Mann aus denselben Kreisen, denen ich von Haus angehörte. Doch hätte da den Riß zwischen Euch und mir doch erweitert. Und ich gab die Hoffnung nicht auf, daß wir uns,wenn auch in ferner, ferner Zeit, wieder zusammenfinden könnten. . . Sei unbesorgt, Alfred, ich denke nicht mehr daran! Es ist zu spät. Wir sind nun einmal wie sagtest Du doch? verschiedene Wege gegangen. Da giebt es kein Zusammenfinden mehr. Nur sehen wollt' ich euch doch noch. Dich und Dora, sollte es auch zum ewigen Ab-' schied sein! Ich gehe in diesen Tagen zu Schiff, meine Kapelle ist nach New Jork engagirt. Das magst Du Deinem Onkel sagen, der glaubt, mir Geld anbieten zu müssen Geld, damit ich nicht meine Kinder durch mein, öffent-

licheö Auftreten hier bloßstelle!" Mutter vergieb!" sagt der junge Mensch jetzt in weichem Tone. Die Rinde von Selbstsucht und pedantisch korrekter Lebensanschauung schmilzt unter dem warmen Hauch echter Empfindung, der von der armen Wander-

musikantm ausgeht. .Nimm meinen Arm, Mama. Komm!" Wohin?" -5to Dora! Nach dem Atelier, wo sie Malunterricht empfängt! Wir holen sie ab, erwarten sie vor der Thur ... Er meint es ernst und ist aanz ffeuer und Flamme. Nun schüttelt aber die Mutter ablehnend den Kopf. Nein. Es ist wirklich besser, datz meine Tockter nichts von mir erfährt. Vielleicht wär' eö mir ein Schmerz mehr, lhr zu begegnen. Ich habe Dir weh gethan! Verzeih', 0 veeib' mir. Ich liebe Dich ja und ich achte Dich, Mutter!" Sie erhebt sich. Ihr Herz pocht m stürmischen Schlägen, aber sie hält sich tapfer. Der Sohn ist sitzen geblieben. Mit zaghafter Liebkosung berührt sie seine Stirn, sein lockiges Haar. Ich danke Dir, mein lieber Junge, für Deine derzilichen Worte und mehr noch für daS!" flüstert sie, mit dem Finger leise den Tropfen aufsangenv, der ihm über die Wange rinnt. Der Aufseher lächelt spöttisch in seinem Winkel über diesen Austausch von Zärtlichkeiten. Die Liebesscene" scheint zu Ende, die Dame läßt ihren Schleier herab. Sie will nicht mit ihm zusammen gesehen werden, offenbar! Denn an der Thür angelangt, giebt sie ihm einen Wink, allein vorauszugehen. Aber weshalb kehrt sie noch einmal ins Museum zurück? Hat sie etwas auf ihrem Platz vergessen? ' Sie ahnt nicht, daß hier, wie auf der Straße draußen, neugierige Blicke sie beobachten. Ihr ist zu Muth, als ob sie einen lang verborgen gehaltenen Schatz endlich hätte heben wollen und nun entdeSen muß, daß er verloren, unwiderbringlich verloren ist. Und sie bricht in fassungsloses Schluchzen aus. Zleischtheuerung. Humoreske von Max Hirschfeid. Alle Hausfrauen, selbst die jungsten, 'wissen, daß es eine Zeit gab, in welcher das Pfund Rindfleisch zehn Pfennige kostete, eine Thatsache, die auch in irgend einem Liede besungen worden ist. Noch immer warten die Hausfrauen auf die Wiederkehr dieser schönen Zeit, aber leider geht es mit den Fleischpreisen umgekehrt wie mit den Börsenkursen, diese gehen immer herunter, jene immer herauf. . Nein, ich komme nicht mehr mit dem Wirthschaftsgelde aus," riefen eines Tages zehntausend deutsche Hausfrauen, unter diesen am lautesten die Frau Sekretär Franz. Wenn diese letztere aber geglaubt hatte, ihr Gatte würde nun das Wirthschafts geld erhöhen, so hatte sie die Rechnung ohne die nationalökonomische Bildung desselben gemacht. Das glaube ich Dir," sagte Herr Franz, bei diesen Fleischpreisen wäre es auch unmöglich. Also ?" fragte die Hausfrau gespannt. Also müssen wir zusehen, wie wir ohne Erhöhung der Kosten unsere Familie auskömmlich ernähren. Das Mittel ist schon längst gefunden Du hast doch bereits vom Vegetarismus gehört?" Wie? Wir sollten wochenlang kein Fleisch V Nicht nur wochenlang, sondern jahrelang, meinetwegen immer! Wenigstens werden wir den Versuch machen." Jeder Widerspruch war vergebens. Der Haustyrann beharrte auf seinem Entschluß und machte .seine ganze Familie unglücklich. Die Hausfrau, sonst so stolz auf ihrem Sonntagsbraten, fand in dem großen Rieseneierkuchen mit eingemachten Früchten nur ärmlichen Ersatz. Die Kinder konnten und wollten es nicht begreifen, daß die schön knusperig gebratenen Cotelettes inwendig nicht mehr Fleisch, sondern Erbsenbrei enthielten, und Hanne, das Dienstmädchen, äußerte wiederholt, daß sie das Grüne mehr in der freien , Naiur als im Magen liebe. Zum Glück oder zum Unglück, wie man es nehmen will, befand sich die ganze Familie bei dieser Kost wohl, so daß für eine Beschwerde gegen daö Vegetarierdasein nicht der geringste Anlaß vorhanden war. Schmunzelnd bemerkte dies Vater Franz. und aus Dankbarkeit für diese Erfindung", wie er es nannte, trat er dem Vegetarisüen Elub" bei. Daß die Unzufriedenheit im Haust des Sekretärs bereits einen hohen Grad erreicht hatte, ersehen wir auS einer Denunciation, welche bei obigem Club einlief, und also lautete: Herr Sekretär Franz is nich mehr würdig, ihr schätzbares Mitglied zu sind, indem daß in seinen Müllkasten auf den Hof sich immer Knochen von das Fleisch aufhalten, wo er eßt und wo ich eine hochgelobte vechtarische Mitgliedschaft in den Augenschein zu beobachtigen bitte eine aufrichtige Vechtarianerin. nach Schrift, hertsligen Gruß haben sie alle von mich." Dieses Schreiben war das Produkt einer Verschwörung zwischen dem ältesten Sohne, einem Sekundaner, und dem Dienstmädchen Hanne, welches die Herstellung des Schriftstückes übernahm, da ihre Handschrift dem HausHerrn unbekannt war. Der Wahrheit gemäß ist zu berichten, daß diefe Anzeige beim Vorstand des vegetarischen Clubs Erfolg hatte. Der Vorstand begab sich in , corpore" auf den Hof

des Hauses, in welchem der Sekretär Franz wohnte, und der Vorsitzende lüftete eigenhändig den Deckel deö Müllkastens, auf welchem sich derName des verdächtigen Mitgliedes befand. Alle stießen einen Ruf des Schreckens und des Abscheus aus. Nichts sah man, als Knochen und Gräten. Es ist richtig," murmelte der Schriftführer, wir müssen ihn auSschließen." Unmöglich," erwiderte der Vorsitzende, wir können doch nicht der Generalversammlung als Beweis angeben, daß wir den Müllkasten deS Verdächtigen durchstöbert haben. Wir

.würden unö dadurch lächerlich macyen. Begnügen wir uns nur damit, dieses Mitglied scharf zu beobachten, und fobald wir einen augenscheinlichen Beweis seiner Fleischesserei haben, fliegt er hinaus." Nachdem sich dieser Schritt zur Wiedereinführung .der Fleischnahrung bei der Franz'schen Familie als erfolglos erwiesen hatte, gedieh der heimliche Groll zur förmlichen Verschwörung. ErneS Tages erschien die Köchin deö Herrn Rath Schulze, des nächstenVorgesetzten des Sekretärs, in dessenAmtSbureau und bestellte ihm, der Herr Rath wünsche ihn in seiner Wohnung zu sprechen, der Herr Sekretär möge sich also gleich nach Beendigung der Bureaustunden zu ihm verfügen. Der Herr Rath hatte nämlich seine Ferien angetreten und, während sich seine Familie schon im Bade befand, wollte er selbst noch einige Tage in der Stadt bleiben. Es war also ganz natürlich, daß er den Sekretär zu sich bestellte, um vor seiner Abreise noch die wichtigsten Geschäfte mit ihm zu besprechen. Schlag zwölf Uhr verließ Sekretär Franz fein Bureau und eilte in daS HauS des Rath Schultze, wo er von der Köchin in das Empfangszimmer geführt wurde. Der Herr Rath ist noch nicht zu Hause, aber er muß jeden Augenblick kommen. Vielleicht warten Sie noch ein Weilchen, Herr Sekretär, sagte die Küchenbeherrscherin. Sehr gern," erwiderte dieser mit süßsaurem Gesicht, denn zu Hausewarteten seiner süßsaure Bohnen, dieseine Leibspeise waren. Eine Vier--telstunde verging, und noch eine, nichtsrührte sich im Hause. Der Sekretari erhob sich und ging eine volle halbeStunde auf und ab, endlich ließ er den? mühsam bewahrten Respekt beiseite.und zerrte an einem geflickten Glocken--zug. Die Köchin erschien, einenMarkt korb am Arm. Ich weiß auch nicht, wo der Herr bleibt, er muß jeden Augenblick hier sein," betheuerte die Köchin. Ich gehe: noch für ihn eine saure Gurke zu Mit--tag holen." Die Köchin ging und ließ sich auf eine Bank in den Anlagen nieder Bald gesellte sich ein Soldat zu ihr,, mit dem sie gemüthlich und zärtlich. plauderte. Als. die Uhr drei schlug eilte die Köchin nach Hause. Ihr befriedigtes Lächeln, als sie den Sekretär noch immer bemerkte, ging aber in den Ausdruck des Entsetzens über, als dieser ihr wie ein brüllender Löwe ent-. gegentrat. Wo ist denn der Herr Rath eigent--lich?" schrie er sie an. Ja, der ist gestern zu der gnädigen, Frau nach dem Bade gereist, er wollteaber heute zurückkehren, und er kann jeden Augenblick " Weiter hörte der Sekretär nichtsmehr. Die Thüren hinter sich zuschla gend, eilte er seinem Heim zu. Aber wo bist Du so lange gewtt sen?" empfing ihn seine Gattin. Später, später! Jetzt gieb mir um Gotteswillen etwas zu essen." Ja, aber ich habe nur ein paar Beefsteaks, die ich für meinen Bruder, der mich heute besuchen wollte " Keine langen Vorreden, her damm" Während die Hausfrau das Essen persönlich auftrug und der Sekretär gierig darüber herfiel, enteilte das Dienstmädchen Hanne in einer gehe! men Mission. Wenige Minuten später öffnete sich die Thüre und zwei Vorstandsmitglied der des vegetarischen Clubs traten ein. Was wünschen Sie, meine Herren?" fragte Franz, unwillig, im Essen gestört zu werden. Wir wollen nur konstatiren," sagte der Vorsitzende hämisch, daß ein Mitglied unseres Clubs Beefsteak ißt." Wie können Sie sich erlauben, in meinen vier Wänden herumzuspionrren?" Gut. wir gehen schon, aber heute Abend werden Sie ausgeschlossen." Ich trete aber schon heute Nachmiktag aus, und von heute an wird der mir wieder Fleisch gegessen." Das geschah auch zur Freude der ganzen Familie. Es ist wohl nicht nöthig, hinzuzufügen, daß die Vnfsteakgeschichte zwischen der Hausfrau, dem Dienstmädchen Hanne und der ' Köchin des Herrn Raths vorher abgekartet war. Seitdem blieb Herr Sekretär Franz ein geschworener AntiVegetarier. Man erzählt sich sogar, daß er stets eine Salamiwurst bei sich trug, die er höhnisch lächelnd hervorzog, wenn er auf der Straße einem Mitglied? des Vegetarierklubs begegnete. Achso! A.: Es ist ein wahres Glück, daß ich in der Gegenwart und nicht in der Zukunft lebe." B.: Wie so?- A.: Nun. eben lese ich in der Zeitung, ein Statistiker habe ausgerechnet, daß in 3000 Jahren auf jeden Mann 220 Frauen kommen." JmHimmelundaufErden. Geistlicher: Sie wollen von Ihrer Frau getrennt werden? Ja. wis sen Sie denn nicht, daß Ehen im Hurt mel geschlossen werden?" H?tt: Nee, Herr Pfarrer, das stimmt mchr; ich habe meine Frau durch 'ne Annonce in der Zeituna gekrieat!-

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