Indiana Tribüne, Volume 22, Number 116, Indianapolis, Marion County, 15 January 1899 — Page 7

ZlrKuttdcttfärschung.

Von Wilhelm Herbert. .Äch", sagte die Frau Oberlandesichtsräthin und tippte leise mit ich rem Battisttuch auf die Lippen denn sie hatte etwas Roth aufgelegt, das sie jetzt spannte diese Juristen sind doch entsetzliche Menschen! Dasennensie nun eine gemüthliche Abendgesellschast! Uns arme Frauen lassen sie hier einsam und traurig beisammensitzen und sie fachsimpeln wieder drüben im Rauchzimmer drauf los, was da! Zeug hält!" Seufzend nickten die übrigen Damen des kleinen Abendznkels Zustimmung. Heute sind sie uns schon gar rettungslos verloren!" fuhr die Frau des Hauses erbittert fort. Wenn dieser Oberstaatsanwalt da ist ist's überhaupt aus mit uns! Weiberfeindlich, boshaft, verknöchert, wie nur so ein im Hagestolzenthum ergrauter Sünder sein kann, findet er seine höchste Wonne darin, dem schwächeren Geschlecht einen Tort anzuthun! Sogar den einzigen jüngeren Herrn, der uns sonst galant Gesellschaft leistete. Staatsanwalt Doktor Brandner, hält er heute in seinem Bann und doziert ihm irgend einen langweiligen, vertrakten Fall" vor!" Bei Nennung des jungen Staatsan walts hatte Marie, die Tochter vom Hause, unwillkürlich tiefer aufgeaihmet, und ein leises Roth uberslog ihr zartes Gesicht. Allerdings konnte diese natürliche Röthe nicht recht zum Bor schein kommen; denn unbegreisli cherweise hatte die zarte, aschblonde Mädchenblüthe die Untugend ihrer Mutter angenommen, sich die Wangen zu schminken, die Lippen leise zu fär ben. die Augenbrauen zu dunkeln. Aber im Herzen hatte sie eine ung?schminkte und warme Empfindung für Doktor Brandner und deshalb auch in den jüngsten Wochen einen tiefen, nicht zu bewältigenden Schmerz, weil er sich seit einiger Zeit auffallend zurückhaltend benahm und nur selten Tnehr einer Einladung in das gastliche Haus folgte. Während Marie diesem Gedanken nachging, waren die übrigen Damen zu dem Entschlüsse gekommen, die treulos sen Männer auf der That mitten über dem Fachsimpeln" zu ertappen und der gebührenden Strafe für eine solche Rücksichtslosigkeit gezcnüöc: dem schönen Geschlechte zuzuführen Man brach nach dem Rauchzimmer aus und Marie folgte zögernd mjt ein paar Freundinnen den älteren Damen. Man mußte thatsächlich die Herren eben in einem sehr interessanten Gespräche überrascht haben; denn die Oberjandesgerichtsräthin schlug etwas geziert die , Hände vor Entsetzen übe? die Rauchwolken zusammen, welch über den Häuptern der kleinen Gesellschast schwebten. Doktor Brandner hatte mit einem raschen Blick seiner lebhaften dunklen Augen die nachfolgenden Mädchen gestreift und seine Stirne umwölkte sich, als er Marien ins Gesicht schaute. Ihr war dieses Mienenspiel nicht entgangen und ein heftiger Stich ging ihr Kurchs Herz. Warum er sie nur so haßte! Mit scharfen Aeuglein hatte der Oberstaatsanwalt ein bewegliches, kleines Männchen die beiden jungen Leute beobachtet. Werden denn hier Verbrecher geräuchert?" frug dicOberlandesgerichtsräthin lachend. Allerdings!" entgegnete der Kleine. Wir hatten gerade so einen Burschen einen Erzgauner in den Schlot gehängt! Aber halten Sie mich für keinen Barbaren! Es liegt mir ferne, den Damen zuzumuthen, m diesem Qualm auszuharren und unsere höchst lang'weiligen, dem gesunden Laienverstande ganz närrisch dünkenden Schwatzereien anzuhören!" Rein, nein!" sagte die Oberlandeserichtsräthin eigensinnig. Wir sind just deshalb gekommen, um auch' einmal die hochgelahrten Ausführungen der Herren Juristen zu genießen und wenn es sich um einen Genuß handelt, erträgt das Weib Unglaubliches wenn ich nicht irre, ist .das ja ein Ausspruch eus Ihrem eigenen Munde, Herr Oberstaatsanwalt." Sehr richtig!" nickte dieser mit dein Kopf. Em Erfahrungssatz, den ich allerdings weniger als Staatsanwalt im Gerichtssaale, sondern mehr als Gesellschaftsmensch im Salon gewonnen habe! Nun denn, wenn die Damen so befehlen, den Staatsräthinnen gehorcht der Staatsanwalt! Der interessante Fall, den wir eben besvrachen, handelte von einem Lämmchen " Die übrigen Herren sahen erstaun! auf ; aber sie, die den schalkhaften Mann seit langem kannten, merkten gleich, daß ihm der Schelm im Nacken saß, und horchten gespannt, welchen lustigen Streich er durchführen wollte. Um ein Lämmchen!" rief eine von den Damen, die keine Arglist ahnten. Wär's möglich, daß so grimmige Männer von einem so unschuldsvollen Geschöpfe reden könnten?" Ja, meine Gnädigste,- entgegnete der Oberstaatsanwalt wichtig. Unschuld und Schuld wohnen oft nicht weiter als ein Lammfell getrennt !rn Leben beisammen! So war's auch in dem kritischen Fall, den ich jetzt Ihrem hochgeneigien Urtheile zu unterbreiten die Ehre habe. Innerhalb des Lammfelles nämlich schlug ein Lämmchenherz so rem. so unso)uldsvoll, so golden und ohne Arg. wie wie zum Beispiel das des gnädigen Fräuleins vom Hause " setzte er. sich galant gegen das Mädchen verneigend, hinzu. Die Oberlandesgerichtsräthin blickte unruhig auf. Das war die KriegserZlärung gegen sie was sollte da für ein Angriff kommen? Aber", fuhr Herr von Stahl fort, von außen kam das Unheil! Das Sümmchen gehörte nämlich der einen

von zwei Herden an, welche nachbarlich beisammen wohnten und täglich mit einander grasten! Der Besitzer der diesseitigen Herde, zu welcher unser Lämmchen zählte, war ein Beamter und getreuer Mann, wie er in den Märchen zuweilen und im Leben nicht oft vorkommt; der Nachbar aber war ein böser Mann, ein Gemisch von Scheusal, Teusel und Fuchs, von welch' letzterem er auch die rothen Haare hatte! Er sann und sann, und was er sann, waren Lämmchengedanken! Wie bring' ich eins von den hübschen jungen Lämmchcn des Nachbars auf meine Seite!" dachte er Tag und Nacht, bis er's ausgedacht hätte. Dann aber ging er zu seinem Nachbar und sprach mit einer sanften Stimme: Höre, lieber Nachbar, du bist mein Freund und ich bin dein Freund und wir sind untereinander Freunde!" denn so umständlich reden die Leute in den Fabeln, in denen Zeit noch nicht Geld ist. und es ist eigentlich bloß eine Fabel, was ich Ihnen da erzähle! Aber, lieber Nachbar", fuhr der Arglistige fort, auch unter den besten Freunden könnte leicht ein Zwiespalt entstehen, wenn sie nicht auf ihr; Habe achteten und schließlich nicht mehr wüßten, was mein und dein wäre! Deine Schafe hüpfen unter meinen Schafen berum und meine unter deinen wollen wir sie nicht lieber zeichiien, damit kein Irrthum entsteht! Nehme jeder von uns einen Rötel und zeichne seinen Thieren seinen Buchstaben auf den Nücken: Du ein großes lateinisches F"; denn du heißest Franz; und ich ein großes lateinisches JE"; denn ich heiße Eberhard!" De? Freund lachte zwar bei dieser übertriebenen Sorgfalt. Er that aber, wie geheißen, und zeichnete allen ein F" auf den Rücken, so auch seinem Lämmchen; der Fuchs aber schlich bei Nacht an das Lämmchen heran. entstellte es mit seinem Rötel und zog einen Querbalken unter das F", so'daß es ein E" wurde. Das ist un ser Fall! Was ist das?" Ach. das ist rine Spitzbüberei!" rief eine von den Damen. Ein Diebstahl!" Das ist ein Betrug!" sagte die andere. Das ist in Raub!" rief die "dritte. So gab jede ihre Meinung rund, nur Marie schwieg und sah erregt vor sich nieder. Was sollte das alles und was sollte der flammende Blick, der aus den braunen Augen Brandners zu ihr herüberflog?" Nein, meine Damen!" sagte der Oberstaatsanwalt indessen ruhig. Vollkommen haben Sie es alle nicht errathen.- Das war eine Urkundenfälschung!" Eine Urkundenfälschung!" riefen die Damen erstaunt durcheinander. Eine juristische Spitzfindigkeit!" Keine Idee davon!" entgegnete Stahl. Nicht bloß Papier, auch nicht bloß Pergament, Frau Oberlandesgcrichtsrath, können Urkunden sein alles, worauf man Schrift und Zeichen. die was bedeuten, niederlegen kann, kann zur Urkunde werden. Dec Markstein, in den der Grenzfrevler ein.' falsche Ziffer kerbt, das Lämmchenfell, auf dem der Hirte den Buchstaben ändert, ja, sogar ein junges Men schcnantlitz. in dem man die klare, herrliche Schrift der Natur entstellt, kann zur Urkundenfälschung dienen! Nur das gilt, was der Herr und Meister dareingeschrieben!" Die Oberlandesgerichtsräthin biß sich auf die Lippen. Noch wußte sie nicht ganz genau, ob sie ihn richtig verstand aber sie fühlte doch die Spitze schon und die saß. Ein scheuer Blick glitt nach dem Stuhle ihrer Tochter hinüber. Gott sei Dank!" dachte sie. Das Mädchen hat das Zimmer verlassen, ehe er den boshaften Ausfall machte! Und mich greift's nicht an!" Aber es griff sie doch an. Das merkten die wenigen, welche den inneren Zusammenhang erfaßt hatten, an dem hitzigen Wortgefecht, in das sie sich mit dem Oberstaatsanwalt verflocht und das munter fortgeführt wurde, als man schon in den Salon zurückgekehrt war, um dort den Thee zu nehmen. Wo bleibt nur Marie?" frug der Oberlandesgerichtsrath verwundert. Sie haben ihr weh gethan." flüsterte Vrandner leise Herrn von Stahl zu. Lieber junger Freund," entgegnete dieser ebenso, hier und da muß man eine Wunde ausbrennen, wenn's helsen soll Wir wollen sehen, wie sie die Feuerprobe besteht! Rasselt sie durch, dann schnüren Sie den Riemen enger ums Herz und ersticken Sie diese Flamme " Ich" suchte Brandner verlegen zu leugncn. Bin in sie über die Ohren verliebt, weiß schon!" brummte der Oberstaatsanwalt. Glauben Sie, ich würde Fabeln dichten, wenn sich's nicht um einen von meinem Ressort handelte?" Da trat plötzlich Marie ein, heiter, lächelnd fast wie eine Siegerin, die aus gewonnener Schlacht zurückkehri. Ihre Wangen waren geröther. ihre Stirnlocken zerzaust so kam sie ohne Verlegenheit näher. Aber Kind," rief die Oberlandesgerichtsräthin entsetzt, wie siehst du aus?" Ick." antwortete Marie lächelnd und sah den beiden Staatsanwälten fest ins Auge, ich habe mich gewaschen!" Alle betrachteten sie verblüfft. Gewaschen!" wiederholte ihre Mutter tonlos. Ja, Mama!" sagte das Mädchen mit einem Anflug von Muthwillen. Und dann hab' ich von meinem Boudoirfenster aus eine Reihe gewisser kleiner Malutensilien in den Garten geworfen Sie sehen, Herr Oberstaatsanwalt," setzte sie gegen diesen hinzu, die Urkundenf'älscherin ist bekehrt, und für Vergangenes bitte ich um mildernde Umstände!" - .

Bravo!" Bravo! Herzensmädel!" rief der Oberstaatsanwalt und sprang auf. Das ist eine Freude! Aber wißt Ihr was, liebe Freunde und Feindinnen, da müssen wir gleich gegen Rückfall borsorgen. Eine solche difficil zu behandelnde köstliche Urkunde gehört unter Staatsverwahr! Theuerste gnadigc Frau vom Hause, verehrter Studienfreund, ich werbe um die Hand Eurer frisch gewaschenen Tochter für diesen jungen, bis über sämmtliche Haarspitzen in sie verschlossenenStaatsanwalt!" Aber eine solche Ueberrumpelung!" stammelte die Oberlandesgerichtsrathin, in der Entsetzen und Vergnügen miteinander kämpften. Unterdessen hatte aber schon der Herr vom Hause das Paar gesegnet, und sie beeilte sich, ihren Muttersegen dazu, zu geben. Sieh. Liebchen." flüsterte eine Stunde später Brändner seiner Braut in der Blattlaubenecke zu. ich mußte von dem einen aufs andere, von der kleinen Unnatur auf die große schließen " Sie nickte leise. Und bist du jetzt eines besseren belehrt?" frug sie. Er antwortete ihr mit einem Schwur ohne Worte das sind die heiligsten. ' Selbstverständlich muß ich mich nun auch Ihrem Machtgebot fügen!" sagte zur selben Zeit die Oberlandesgerichtsräthin im vertraulichen Gespräche zu Herrn von Stahl. Die verzeihliche Schwäche, mit der man ach! seine entschwundene Ju-end n?ch ein wenig zurücktäuschen möchte, ist ja ein Verbrechen!" Bei Ihnen doch nicht!" entgegnete der ungalante Oberstaatsanwalt mit einer Verbeugung. Bei älteren Urkünden ist ja die Sache schon verjährt!' Der Zinöling. Von Paul Ehrentraut. Es hatte ein großes Halloh gegeben in 'dem armseligen Bauerndorse, als man dor etwa 25 Jahren auf der Schwelle des Schulhauses einPacket gefunden hatte, aus dem höchst verdächtig klingendes Wimmern und Winseln ertonte. Als man sich den Schaden näher besah, entpuppte sich aus der Hülle von Lappen und Lumpen ein zappelntes und strampelndes Geschöpf. 'n 5lind!" staunte die Lehrerfrau. Wahrhaftig 'n Kind!" bestätigte der Lehrer. " Sakra 'n Kind!" lachte der Hu-b.'-vaucr und schlug mit der flachen Hand auf seine Hirschledernen, daß es nur so krachte. Sollte etwa im Dorfe ? Unsinn, das war ganz ausgeschlossen, hier war die Moral jeder Einwohnerin über jeden Zweifel erhaben. Aber im Morgengrauen war ein Trupp Zigeuner durchgezogen, von einer jener herzlosen Pu.ta Schönen war das Bürschlein wohl ausgesetzt worden. Dieser Berdacht war sicher nicht grundlos, denn der braune zappelnde Geselle hatte entschieden etwas Zigeunerhaftes an sich, namentlich die Augen: nachtschwarz und groß wie die Fei'.erräder. Wohl oder übel mußte die Gemeinde den Findling aufnehmen und groß ziehen. Der Hudcrbauer, welcher im Rathe der Torfweisen den ersten Ton angab, wurde der wärmste Fürsprecher 'des kleinen Peter Paul Wohlgemuth, wie man das Zigeunertind getauft hatte. Er setzte es durch, daß das Kind nicht dem Armenhause überantwortet wurde, daß es vielmehr ZUM Lehrer in Pflege kam. Hier entwickeln es sich prächtig, und als es erst in die Schule kam, machte es erstaunliche Fortschritte. Bald machten sich bei ihm zwei Eigenschaften bemerkbar, die den übrigen flachshaarigen Schulgefährten fast vollständig fehlten: die großen schwarzen Augen besaßen eine geradezu er-, staunliche Sehschärfe, und die langen, bräunlichen Finger entwickelten ein bedeutendes Talent zum Zeichnen. Auf hundert Meter unterschied Peter Paul einen Hengst von einer Stute, und eine Briefmarke konnte er bis auf die kleinsten Einzelheiten nachzeichnen. Das waren aber auch seine einzigen guten Eigenschaften, die anderen waren sammt und sonders so schlechte, daß der Lehrer seine liebe Noth mit ihm hatte. Als Peter Paul confirmirt worden war. hatte die Gemeinde Beschluß zu fassen über den Beruf, den der Knabe ergreifen sollte. Die Einen wollten ihn ein Handwerk erlernen lassen, die Anderen wollten ihn in der Landwirthschast , ausbilden, darüber waren aber Alle einig: er würde einen ganz vorzüglichen Pferdeknecht abgeben. Nur der Huberbauer war ganz anderer Meinung, Mit überlegenem Lächeln hörte er den Ausführungen der Dorfweisen zu, dann stand er auf und hielt folgende Rede, die längste, welche er je in seinem Leben gehalten: G'vattern! Zu'n Pferdsknecht ist Peter Paul nich geboren. Mit so ein' G'sicht. mit so ein' Zeich'ntalent wird man kein Pferdsknecht. Der Bub kommt nach der Stadt in die Lehr' zu ein' Lithographen. Das zahl ich. Und Wenn's Zinsen tragt, zahlt's mir die G'mein zurück." Daß der Huberbauer für die Kosten der Lehre aufkommen werde, war aus schlaggebend. Der edle Wohlthäter' konnte sich von seiner Rede kaum erho--' len, so laut tönten ihm die Zustimmungsrufe von rechts und links und aus dem Centrum in die Ohren. Also gut is." triumphirte er, die Auslagen trag ich, und wann's dann was bringt, das Talent vom Peter Paul, dann krieg ich sie zurück " Am nächsten Morgen ließ der Huberbaue? anspannen und fuhr mit Peter Paul nach der Stadt. Der war ganz Feuer und Flamme; am liebsten wäre er auf dus Handpferd gestiegen und in die Stadt galoppirt. Die Kirchthürme derselben erkannte er schon, als sie noch eine Stunde davon entfernt waren. Der eijk anz geradeaus gelegen, war

spitz, der rechts 'davon hatte eine Kuppel. Hatte dieser Junge Augen! Die Abwickelung des Geschäfts" ging wider Erwarten glatt von Statten. Als der Lithograph einige Zeichenoorlagen des Jungen gesehen hatte, war er schon mit Allem einverstanden, und als der Junge erst eine flüchtige Bleistiftskizze einer Briefmarke nur so hinmalte, kriegte er's mit dem Staunen. Noch nie hatte er gesehen, daß Jemand die feinsten Schraffirungen so haarscharf zu Papier bringen konnte. Oh," staunte er, das Bürschlein hat Augen " Also: drei Jhre Lehrzeit, 150 Thaler Lehrgeld, dann Gehilfe u. s. w. Der Huberbauer zahlte das erste Jahr gleich im Voraus. Es war nicht gefährlich, die Gemeindekasse mußte es ihm ja doch zurückerstatten! Der Abschied war sehr herzlich. Gelt, Peter Paul," sagte er zu dem Jungen, l:rnen wirst schon 'was " Phhch," pfiff er durch die Zähne, ' und seine schwarzen Augen rollten von einer Ecke des Zimmers nach der anderen, als ob sie Inventur aufzunehmen hätten. Gut is." schmunzelte der Huberbauer, als er nach Hause fuhr, ich bin auf alle Fälle gedeckt, denn der Junge hat's in sich, an dem werd' ich noch 'mal was erleben " Und er erlebte Freude um Freude, jeder Brief brachte Botschaft von den Fortschritten, die Peter Paul machte. Auch sein Lehrherr schrieb hin und wie der; die Briefe erzählten Erstaunliches von dem Talente seines Lieblinas, der konnte schon Stiche so Haarschars copiren. daß sie von den Originalen gar nicht zu unterscheide waren. Und daS Alles, ohne ein Vergrößerungsglas zu benutzen, mit bloßen Augen, deren Schärfe von Jahr zu Jahr zuzunehmen schien. Der Huberbauer fuhr oftmals nach der Stadt, um die Fortschritte seines Lieblings zu bewundern.' Er zahlte schmunzelnd den Rest des Lehrgeldes: das war eine Capitalsanlage, wie er sie sich besser nicht wünschen konnte! Peter Paul war endlich Gehilfe geworden, zu Ostern hatte er den Huberbauer besucht und seinen Lehrbrief vorgezeigt. Unter denselben hatte der Ober - Jnnungsmeister dem üblichen Brauch ganz zuwider eigenhändig noch die Worte geschrieben: Gereicht dem Gewerk zur größten Zier, in ihm ruht ein Meister unserer Kunst!" Wer war glücklicher als der Huberbauer! Der führte Peter Paul im Dorfe herum gleich dem Ochsen, der af der letzten Mastvieh - Ausstellung preisgekrönt worden war. Und am Abend im Kretscham wie führte er das große Wort! Die Anderen alle hörten offenen Mundes zu, und Peter Paul saß an der rechten Seite des Huberbauern und ließ seine schwarzen Feuerräder in der Runde umherschweisen. Die Lithographie ist leicht zu erlernen," erklärte er endlich mit dem leichten fremdländischen Accent, der seine Stimme dämpfte, 's ist eine Kleinigkeit, wenn man lcharfeAugen besitzt. Mit denen ist noch viel Geld zu verdienen, was, Huberbauer?" Natürlich, natürlich," lachte der. Scharfe Augen, das ist die Hauptsache." Dann überlegte er eine Weile. Peter Paul hatte da so vom Geldver dienen gesprochen, sollte er wirklich schon ? Unmöglich war das nicht, er wollte ihn 'mal ausholen. Du, hör 'mal," flüsterte er ihm in's Ohr, hast Du denn wirklich schon was verdient?" Na und ob." tönte es zurück, paß 'mal auf " und Peter Paul zog seine Brieftasche hervor und klappte deren Fächer auseinander. Aus dem einen zog er einen blauen Schein und legte ihn vor den Huberbauer auf den Tisch. Das ist mein Gehalt für die letzten vierzehn Tage," erklärte er laut, ein ganz neuer Hunderter, eben aus der Reichsdruckerei gekommen. Man hat so seine Beziehungen zu diesen Jnstituten," fügte er lächelnd hinzu, ich werde wohl bald da Engagement kriegen, Leute rn scharfen Augen werden dort gebraucht " Der blaue Schein wanderte von Hand zu Hand. Was Feines, ganz was Feines," meinte der Ortsvorsteher, möchte diesen ganz neuen Blauen gern meiner Frau zeigen " Bitte sehr," ermuthigte ihn Peter Paul, wenn Sie sonst Deckung bei sich haben, ich überlasse Ihnen den Schein gern." Danke, danke," versicherte der Vorsteher, zog seinen Beutel und zählte fünf Zwanzigmarkstücke auf, da wird sich meine Frau freuen, und außerdem ist Papiergeld doch viel handlicher " Selbstverständlich nickte Peter Paul, überflog mit scharfem Blick die Goldstücke, strich sie ein und rüstete sich zum Aufbruch. Du, hast Du noch mehr von den neuen Hunderten?" fragte der Huberbauer auf dem Nachhausewege. Ach ja," warf Peter Paul leicht hin, ich hab' das ganze Geld bei mir. was ich während der Lehrjahre gespart habe: ein Päckchen Hunderter, auch einige Tausender sind dabei." Tausender auch?" staunte der Huberba.uer. Gewiß," versicherte der Andere. Die sind ebenso neu wie die Hunderter eben wie aus der Reichsdruckerei gekommen." Hm, hm," räusperte sich der Huberbauer, dann schritt er schweigsam neben seinem Schützling einher, gewaltige Gedanken durchzogen sein Hirn. Peter Paul würdigte dieses Stillschweigen, er trottete langsam vorwärts, nur hin und wieder traf ein Blitz aus seinen leuchtenden Augen den Huberbauer, der unter der Wirkung desselben zusammenzuckte. Ja sagte dann Peter Paul, als sie zu Hause angekommen waren, an Hundertern und Tausendern ist bei mir kein Mangel. Das Lithographiren ist noch nicht das schlechteste Geschäft. Am liebsten wäre es mir schon ich könnte

meinen Vorrath an Papiergeld in Gold umwechseln willst Du das nicht besorgen? Natürlich," fuhr er fort und näherte seinen Mund dem Ohre des Huberbauer, umsonst verlange ich das nicht," es soll bei dem Wechselgeschäft auch etwas Anständiges verdient werden es kommt mir auf einige Blaue mehr oder weniger nicht an." Und wieder traf ein scharfer Blick den Huberbauer. So viel Geld werde ich nicht liegen haben," stammelte der verlegen, aber bei der Aussicht auf das Verdienen" war ein strahlendes Lächeln über sein breites Gesicht gehuscht. Das macht nichts aus, Du verwalt test ja die Gemeindekasse, aus der kannst Du das Gold herausnehmen und Scheine dafür hineinlegen," rieth ihm Peter Paul. Das leuchtete dem Huberbauer ein, und als das Wechselgeschäft abgeschlossen war. steckte er drei Blaue in seine Brieftasche, ein leichter Verdienst! Wenn Du wieder 'malGold brauchst," schmunzelte er, kannst Du ja wieder zu mir kommen." Sobald ich erst wieder eine Portion Scheine werde zusammen haben," lachte Peter Paul. Aber nun behalte mich in gutem Andenken " damit schlug er alle Bitten um ein Längerbleiben ab und trat bei Nachi und Nebel den Rückweg nach der Stadt an. v Drei Tage später wankte der OrtsVorsteher kreidebleich zum Huberbauer. Du," stöhnte er, mich haben's heut' auf's Criminal geschleppt, der Hunderter vom Peter Paul ist falsch!" Herrgottssakra " fuhr der Huberbauer auf. Dann ließ er rasch anspannen, kramte in Kisten und Kasten und fuhr, daß Kies und Funken stoben, nach der Stadt. Hier zeigte er einem Bankier eine Hand voll Werthscheine, blaue und graue. Der Alte rieb einen Hunderter knisternd zwischen den Fingern, prüfte das Wasserzeichen und nahm schließlich die Loupe. Kaum hatte er die Strafandrohung unter diese genommen, als er erklärte: Falsifikat! Da steht wieder Gesetz vom 16. Mai 1891" anstatt vom 15. Mai 1871. Das ist das Einzige, was dieser Gauner falsch gemacht hat, sonst sind die Falschscheine geradezu Meisterwerke. Wer die hergestellt hat, der muß ein Paar haarscharfe Augen im Kopfe gehabt haben. Es sind übrigens in der letzten Zeit sehr viele solcher Falsifikate in den Verkehr gebracht worden. Wo haben Sie denn diese Blauen her?" Der Huberbauer blieb die Antwort schuldig. Er raffte eilfertig feine Scheine zusammen und erst, als er auf seinem Wagen saß. stieß er zwischen den Zähnen hervor: Zigeunerkerl! Haderlump! Leutbetrüger! Aber ich hab's immer gesaat, in den scharfen Augen steckt 'n Capital. Die Zinsen hat er mir schön heimgezahlt, der Zigeunerkerl, der Haderlump, der Leutbe-trüger!"

?cr neue Kniggc. Julius Stcttenhcim veröffentlicht soeben eine Art Katechismus der guten Lebens art, der, aus ciuer reichen Lcbcnserfahrung hervorgehend, viele nützliche Belehrungen und Winke enthält. Wir lesen z. B. über eine Abcndunterhaltung: Daß im Laufe des Abends müsizirt wird, ist zu erwarten. So ein Klavier ist rasch geöffnet, und die Tame, welche es pauken gelernt hat, ist immer in der Nähe. Sträubt sie sich, so traue man ihr nicht. Es ist eine nur zu kurze Täuschung. Sich, da sitzt sie schon und streift die Handschuhe ab, die unsere letzte Hoffnung waren. Auch eine Meistersingerin oder ein Meistersinger ist bald gefunden. Der Umstand, daß sie sich nicht einmal der Handschuhe zu entledigen haben, macht sie bedeutend gefähr lichcr als die Tastenhandwerker. Man applaudire immer, wenn gefun gen ist, denn wenn nicht applaudirt wird, so hat dies nur die Folge, daß weiter versucht wird, durch Gesang den Applaus zu erzwingen, und es wird auch gewöhnlich durchgesetzt. Keinenfalls bleibe man bis zum letzten Tanz, da später alle Garderobe bis auf einen Hohcnzollernmantel und Helm fort zu fein pflegt. Im Saal behalte man immer den Chapeau clapue unter dem Arm. bis dies lästig wird und man ihn fortlegt. In diesem Augenblick verschwindet er, aber man vermißt ihn erst, wenn man den Palest angezogen hat und fortgehen will. Dann ziehe man den Paletot wieder aus und suche im Speise-und Tanzsaal. Wird noch getanzt, so wer fe man einen Blick aus jeden Sessel, von dem sich eine Tame erhoben hat. Auf einem dieser Seffel pflegt man den Hut zu finden. Da die Dame längere Zeit ans dem Hut gesessen . haben kann, so untersuche man den Mechanismus des Hutes nicht im Saal, da man ein zu dummes Gesicht macht, wenn der Hut nicht mehr springen kann, und ausge lacht wird, sondern man gehe hinaus und versuche, ihn im Vorzimmer oder im Korridor hutartig zu gestalten. Gelingt dies, so verlasse man trällernd das gastliche Haus. Um die Dame, welche wieder Platz genommen und der nun der Hut, auf dem sie so mollig gesessen, fehlt, bekümmere man sich nicht weiter. Die beiden in Gold gestickten Initialen, welche sich in Deinem Hut befinden, kön nen in dem neuen, den man kauft, wie der verwendet werden, wodurch eine Kleinigkeit erspart wird. Weniger Vortheile und weniger Nachtheile bietet der Jour fixe. Er hat vor Allem das Gute, daß man nicht zu erscheinen braucht ode,?, wenn man erscheint, sich bald ' wieder entfernen kann. Die Anzeige, daß eine Dame an einem bestimmten Tag zu gewissen Stunden zu Hause sein wird, verpflichtet nur die Dame, zu Hause zu sein, was ihr allein unangenehm zu sein pflegt. Man macht von der Anzeige nur dann Gebrauch, wenn man gern

erscheint, und auf eine Viertelstünde erscheint man auch da gern, wo man auf längere Zeit nicht gern erschiene. In Häusern, wo der Jour noch nicht entartet ist, geht auch die Verpflegung inichtiiccr eine leichte Anfeuchtung und kurzes) Kuchcnknabbcrn hinaus.' Da ahcrdas Trinkgeld fortfüllt, so sieht 'man daran, daß es auf der Welt keine xhr.t Freude gibt. 5Ta man stets Gäste anwesend findet, so mische man sich sofort nach dem Händeschüttcln ins Gespräch über das Radeln. Selbst über das rauhe Wetter, obschon bereits das Nöthigste darüber gesagt ist, lasse man einige bedeutungsvolle Worte fallen. Denn es schickt sich nicht, ausschließlich Erfrischungen zu sich zu nehmen und wieder fortzugehen, obschon dies das Einfachste ist. Auf die Frage: Thee oder Cognac? entscheide man sich für Beides. Auf die Frage: Wie geht's?" antWorte man nicht: Wie man's treibt." Man suche nicht mit diesem alten Scherz u beweisen, daß einem nichts einfällt. Das wiffen die Anwesenden ohnedies. Ter Frau des Hauses sage man, sie

leyc sehr vortrefflich aus, selbst wenn dies wirklich der Fall ist. Man braucht einen Jour fixe nicht für eine Gesellschaft zu halten und deshalb zu lügen. Wird über Kunst und Literatur gesprechen, so bctheilige man sich an dieser Unterhaltung, auch wenn man etwas davon versteht.' Es ist allerdings nicht allgemein gebräuchlich. Werden die anwesenden Gäste vorgestellt, so merke man sich die Namen nicht. Tann braucht man sie nachher nicht zu vergessen. Nur die Namen Müller und Meier behalte man im Ged'ächtniß. Man esse von den angebotenen Kleinigkciten nicht viel, denn es sieht erstcns nicht gut aus und zweitens sehr schlecht. Auch vermehrt es nicht die Sättigung, wenn man schon gegessen hat, und verdirbt den Appetit, wenn man erst zu Tisch gehen will. Wird man einem dekorirten Herrn vorgestellt, so nenne man ihn Excellenz. Er ist es nicht, aber er nimmt den Titel nicht übel. Er ist überhaupt liebenswürdig. Dies sei man auch. Man höre Alles mit lebhaftem Jnterrsse an. namentlich l das Gleichgiltige, das erzählt wird. Wirb eine Verlobung gemeldet, so geberde man sich, als habe man endlich ein langerstrebtes Glück gefunden, auch wenn man die Verlobten nicht kennt. Stößt man unverschuldet auf eine Tame, welche eine halbe Stunde lang ohne Pause sprechen kann, so sage man sich: Wen Gott lieb hat, den züchtigt er," und lasse die Tan über sich ergehen. Lautes Murren ist unschicklich und wird von der Tame auch als ein Zeichen des Wohlbehagens aufgefaßt. Im Uebrigen ist nach meinen Vcobachtungcn das Geschlecht der Nasch- und Vielsprechcrin im Anssterben begriffen. Es existircn nur noch einige gutcrhaltene Exemplare, wie von den echten Möpsen. Tas Telephon und die dunten Postkarten, welche den Menschen zwangen, sich kurz zu fassen, haben unter den Plaudertaschen furchtbar aufgeräumt. Die Mücken. Eine kleine Ebegcschichte, von Ll. F. Bist Du glücklich, mein liebes Kind?" Ja, Mama... sehr glücklich!" ..Wirklich. Anni?" Ja. wirklich!... 'Paul liebt mich, und ich liebe ihn . . . was bliebe mir da wohl noch zu wünschen übrig?" Nichts natürlich!... Und doch kommt es mir manchmal so vor, als wenn Du verstimmt wärest. Vorhin erst, als ich in's Zimmer kam, fuhrst Du Dir mit dem Tuch über die Augen . . . sag' nicht Nein" ... ich hab' es ganz deutlich gesehen!" Das will ich wohl glauben,, denn nach langen Bemühungen war es mir gerade erst gelungen, ein kleines Jnsect, vielleicht eine Mücke, aus meinem Auge zu entfernen, seit fünf Minuten hatte ich mich mindestens schon damit gequält ... ich wollte Dich eben zu Hilfe rufen!" Frau Lenhardt schien den Versicherungen ihrer Tochter zu glauben, aber sie schien es nur. Und sie nahm sich vor, hinter das Geheimniß zu kommen! Die erste beste Gelegenheit wird sie beim Schöpf ergreifen. Wer sucht, der findet! und so ließ denn die Gelegenheit auch nicht lange auf sich warten. Zwei Tage nach dem Gespräch mit der jungen Frau findet die Mama Anni wieder mit gerötheten Augen, in denen noch die hellen Thränen stehen. Ist es wieder eine Mücke, mein Kind?" Diesmal geht's mit dem Lügen schlecht. Ein deutliches Schluchzen ist die Antwort. Nun kommen die Fragen und schließlich folgt unter heißen Thränen das Geständniß. Mit stockender Stimme stottert Anni es heraus. Er schläft . . . nach dem Abendbrot . . jeden Abend ... im Salon ... in seinem Lehnstuhl . . . sofort ein!" O diese Männer! Eine junge, lustige Frau sein nennen und gleich nach Aisch, wie nach gethaner Arbeit, schlafen und schnarchen! Anni gesteht: Ja, als wir in Jtalien auf der Hochzeitsreise waren... da war er anders, aber jetzt Abend für Abend schläft er . . . alles hat sie versucht ... sie hat ihm vorgelesen, sie hat ihm vorgespielt... und alles ist vergeblich gewesen . . . unterdrücktes Gähnen und zum Schluß der Schlaf . . . Paul liebt sie nicht mehr! Frau Lenhardt meint: Gut, ich werde mit ihm sprechen." Dann kommt der junge Ehemann heim, und gleich sagt die Schwiegermama: Ich muß hübsche Dmg hören! Bist Du krank?" Ich. krank? Nein. Gott sei Dank, ich bin kerngesund!" Ich nehme trotzdem an, daß Du

kränk bist, denn das ist der einzigeEntschuldigungsgrund, den ich fürDein Betragen habe!" Mein Betragen...?" Ja, Dein Betragen! Was soll da heißen? Jeden Abend gleich nach dem Essen schläfst Du ein!" ... Und nun folgt eine lange Philippika. Der Schwiegersohn hört dieselbe, ohne mit der Wimper zu zucken, an, dann meint er: Es thut nm aufrichtig leid, schz habe Alles gethan, was in meines Macht steht, um den Schlaf zu über--wtnden, aber er ist stärker als ich ! Es ist eine Schwäche, ich kann nicht da gegen ankämpfen." Nun, dann mußt Du einen Arzt zu Rathe ziehen!" Einen Arzt, wozu? Der kann mir doch nichts nützen!" Du willst nicht? Nun gut, dann werde ich Mittel und Wege finden!" Frau Lenhardt begiebt sich zu dem. Hausarzt und berichtete über den Zustand des Schwiegersohnes. Der Doctor hört ihr aufmerksam zu. Ein merkwürdiger Fall," meinte er dann. Gestatten Sir mir eine Frage gnädige Frau: Ihr Schwiegersohn ist doch kein gar zu flotter Junggeselle ge--wesen?" Nicht daß ich wüßte." Raucht er viel?" Rauchen! O, weiter fehlte nichts ! Früher, ja, da war er ein leidenschafilicher Raucher, aber ich habe ihm seiner Zeit gesagt, was ich davon halte, und' er scheint mich verstanden zu haben. In. denZimmern meiner Tochter Cigarrenrauch und überall die abscheulicheAsche! Graue Gardinen!... O nein, es ist doch wohl genug, wenn die Herren in den Kneipen ihre Cigarren qualmen l Und im schlimmsten Falle kann er ja irr seinem Zimmer rauchen. Aber im Salon und in der Wohnstube, das gehd nicht." Ja, aber meine Gnädige, so plötzlich läßt sich das doch nicht abgewöhnen. Vielleicht mal so von Zeit zu Zeit eine Cigarre oder kleine Cigarette naH dem Abendessen, wer weiß, ob das nicht' ein probates Mittel gegen den Schlaf' wäre. Frau Lenhardt sieht den Arzt starran. Sie glaubt nicht anders, als daß.-, er Scherz mit ihr treibe, und geradewill sie sich zu einer Gegenrede rüsten da meldet der Diener einen Patienten, der eine Gräte verschluckt hat und' somit muß Frau Lenhardt wider Wil--len leider das Feld räumen. 5 Es ist nach dem Abendbrot. Welche Ueberraschung! Auf deur Tisch vor dem 'Sopha befindet sich neben der Stickerei der jungen Firni eine. Kiste Cigarren. Was soll das!? Willst Du mir Tantalusqualen auferlegend" O nein! Rauch' doch ein Bischen'. Rauchen? Und Deine Mutter?" O !" Und Anni reicht ihm lächelnd selbstdas brennende Streichholz. Bald ziehen die feinen, blauen Dampfringe gegen die Decke, während die junge Frau ängstlich den Gatten beobachtet. Sollte der Arzt Recht haben? Keine Spur von Schlaf. Er lacht, scherzt, versteckt ihr die Wolle, die Schcere, und sie muß ihre Sachen mit einem Kuß auslösen, wenn sie dieselben wieder haben will! Anni strahlt, und als die zweite Ci garre an die Reihe kommt, da rust sie unbedacht in ihrer Freude: O der Tabak! Welche gute Erfindung! Und die Aerzte! Was für kluge Leute!" Mit diesen Worten unterdrückt Paul nicht etwa ein Gähnen aber einen solchen Lachanfall, daß die junge Frau ihn ganz betreten ansieht, unb dann ja dann begreift sie mit einem Mal alles. ' O Du böser Mensch! Comödie hast Du mit mir gespielt? Und ich. habe es geglaubt? .... Warte nur, daS sollst Du mir bezahlen!" Ja, Schatz! Cigarrenrauch soll die-, bösen Mücken vertreiben!" Die scheinen es sich auch gemerkt ixt. haben, denn seitdem hat es sich keine wieder einfallen lassen, Anni's schöneblauen Augen als Ziel zu nehmen.. Sie gehören auch wahrlich nicht dahin! Hirt und Herde. In dem durch die schönen Reste eines Zisterzienser Klosters bekannten Dorfe Hude im Oldenburgischen lebte in de? ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ein Pastor Str., von dessen hünenhaft ter Stärke noch jetzt ein von ihm auZ Findlingsblöcken zusammengetragener, im Volksmunde nach ihm benannter Steinwall zeugt. Nun zogen nicht sei ten die Huder Bauern, wie das früher hie und da wohl mal vorgekommen sei soll, seiner Predigt den Vierkrug vor. Eines Sonntags ward das dem Pa--stor, nachdem alle Mahnungen nichts , gefruchtet hatten, zu arg. GeradenwegS eilte er aus der Kirche nach dem Wirthshause, warf dort den geistlichen Talar mit den Worten zur Erde: Dar liggt de Pap', hier steiht de Keeri! und setzte ohne weitere Umstände sämmtlich: Bauern an die Luft, die nun. eingeschüchtert und bewundernd, dorthin schlichen, wo sie von vornherein hätten sein sollen. Aus der Instruktion stunde. Feldwebel: Müller, wer ist nach dem Herrn Lieutenant Ihr nach ster Vorgesetzter?" Müller: .Der Herr Hauptmann." Feldwebel: Nichtig. Nun sagen Sie mir aber: Vor wem muß auch der Herr Hauptmann Respekt haben?" Müller: Vor der Frau Hauptmann!" Auch eineNervenkrankheit. A.: Warum geht Herr Beck nicht in's Bad?" B.: Er hat eine Nervenkrankheil." A.: Da würde ihm doch einBadeaufenthalt gut thun. B.: Ja, ber ihm fehl! de? uvim sensu. .