Indiana Tribüne, Volume 22, Number 116, Indianapolis, Marion County, 15 January 1899 — Page 2
gfuD Lenkstange". Von Paul v. SchönthZN. In dem Speisesaal eines lleinm Hotels hat vor kurzem die constiiuirende Versammlung eines neuen Wienec Damen-Nadfahr-5lubs stetige funden. &k Urheberin des Planes, ine junge Dame aus der Gesellschaft, Fräulein Marianne Y.. ergriff zunächst dac; Wort, um die Anwesenden etwa -fünfundzwanzig Damen verschiede? Jahrgänge zu begrüßen und ir, längerer Rede auszuführen, daß dieBegründung eines neuen Clubs ein Ä:dürfniß sei, daß die Radfahrerinnen daraus angewiesen seien, in der Vereinigung Schutz und Stärke zu finden, und so weiter. Nachdem 'Fräulein Marianne unter Beifall ihre Rede geschlossen hatte, kam eine andere junge Dame, die gleichfalls der engeren Gruppe der Urheberinnen dieser Vereinigung angehörte, an die Reihe. .Da die Versammlung", begann sie. den Ausführungen meiner Vorrednerin ihreZustimmung gegeben und nachdem wir Alle überzeugt sind, daß unsere Vereinigung zu einem geschlossn nen Club einem Bedürfniß entspricht, glaube ich die Begründung dieses Clubs als eine Thatsache begrüßen zu können. Wir sind bereits begründet, meine Damen! " Zustimmende All-Heil-Rufe lohnten die Rednerin. Als wieder Ruhe eingetreten war. fuhr sie fort: . . . Ueber Zwecke und Ziele sind wir uns klar, meine lieben Genossinnen. Festes Zusammenhalten, schwesterliche Einigkeit, Unterstützung in schwierigen Lagen und gemeinsame Ausflüge. Und so wollen wir denn zur Berathung des Namens schreiten, den unser junger Verein führen soll ! Ich bitte um Vorschläge". Die Redncrin, die, wie man sieht, von parlamentarischenFormen einen Begriff hat, setzte sich. Es herrschte Ruhe an dem langen Tisch, keine wollte mit der Sprache heraus. Vorschläge, meine Damen!" rief ermuthigend Marianne. Eine derheirathete Frau machte den Anfang. Bi-cycle-Plumen!" sagte sie schüchtern. Man fand den Titel wohl sehr poetisch, aber zu lang und nicht schneidig genug. Ein paar ankere, zaghast geäußerte Vorschläge fanden auch nur getheilten Beifall. Endlich klang es vom Ende des langen Sitzungstisches heraus: Cupido!" Diejenige, die diesen Titel proponirte, gehörte der reiferen Jugend dieser Versammlung an. Sie hatte, kaum ein Jahr alt, ihren Vater im Schleswig - Holstein'schen Feldzug verloren und war unvermählt geblieben. Cupido" wie kam sie denn auf diesen Namen? Einige jüngere Damen wandten ein, daß der Name Mißdeutungen hervorrufen .könne, da er zwar, poetisch klinge, aber der kleine Liebesgott habe doch eigentlich mit dem Radfahren nichts zu schaffen. Schüchtern rief eine Stimme : Oho !" Man lachte, der Vorschlag der Of-
ficierswaise war vergessen und es meldete sich wieder Niemand. Es muß etwas ganz Unverfängliches sein!" meinte Fräulein Marianne, bitte, denken Sie nach, meine Damen !" Wieder wurden einige Vorschläge laut: Damenclub Flott!". Rad-lerinnen-Verein Bremse", scherzhaft All Heil Mädchen" aber es blieb eben nur bei diesen Anträgen, keiner ging durch. Ueberall war zu viel Tendenz, zu viel Absicht erkennbar. Endlich kam die Erleuchtung über ein Mitglied, das bishe: schweigsam dagesessen und vermuthlich im Geist ein Fahrrad in seine Bestandtheile zerlegt hatte. Meine Damen!" rief sie, ich Hab's, der beste Titel ist Lenkstange". Anfänglich verhielt man sich kühl, ber bei näherer Betrachtung schien den Damen einzuleuchten, daß der Name indifferent und aus der Terminologie des Sports geschöpft, passend sei. Außerdem war man froh, daß die Berathung zu Ende ging, und 24 Damen erhoben zur Abstimmung ihre Hand. Nur eine blieb in der Opposition, es war Jene, der man den Cupido" schnöde abgelehnt hatte. Sie schmollte und schüttelte mit einer moquanten Miene ihr Haupt. Also Radfahrerinnen-Club Lenkstange". Es blieb dabei. Diejenige, die schon vorhin Sinn für parlamentarische Ordnung verrathen hatte, emPfahl jetzt die Vornahme der Wahlen, denn die Lenkstange" müsse ein OberHaupt haben und außerdem einige antut Funktionärinnen. Also: Vorstandswahl! Es braucht nicht gesagt zu werden, daß das nicht so glatt ging, denn es war ein Stück Arbeit, ehe hundert Stimmzettel beschrieben waren, unisomehr, da man nur drei Bleistifte auftreiben konnte. Als Wahlurne wurde ein Arbeitsbeutel benutzt. Auch die Auszahlung der Stimmen erwies sich als ziemlich schwierig;, da eine große Anzahl der Zettel unleserlich be schrieben war. Fräulein Marianne war zur Präsidentin, mt Lehrerin zur Schriftführerin, ine verheirathete Dame zur Cchadmeisterm und eine junge Malerin zum Fahrwart" erWählt worden. D dier Damen erhoben sich und erklärten mehr oder weniger stockend, mit verlegenen Mienen, daß sie die ihnen angebotenen Würden anzunehmen bereit seien; nur die junge Präsidentin rechtfertigte sofort durch ihre Schlagfertigkeit und Ueberlegenheit das Vertrauen, das in ihrer Wahl zur Präsidentin zum Ausdruck gekommen war. Und nun beglückwünschten sie sich uniereinander. und das ging nicht so ganz still ab; die meisten hatten ihre Plätze verlassen, und als die Präsidentin an die Versammlung die Bitte richtete, wieder dahin zurückzukehren, stellte sich heraus, daß vier Stühle unbesetzt blie-
Ein Quartett von Unzufriedenen, oder über die Zurücksetzung ihrer P son Beleidigten hatte den Saal unbemerkt verlassen, um nicht mehr dahin zurückzukehren. Fräulein Marianne hatte sich bereits eine Tischglocke verschafft, die sie vor sich aufstellte, und nachdem wieder Ruhe und Ordnung war, nahm sie ihr Amt als Präsidentin des Clubs Lenkstange" auf, indem sie die Versammlung aufforderte, zu den Statuten Anträge zu stellen. Zunächst redeten die Damen untereinander, zumeist Unwesentliches; zwei unterhielten sich über die gestrige Thea-ter-Premire, und die Schriftführerin erzählte ihrer Nachbarin, daß sie sich im Oktober mit einem Fabrikbesitzer verloben werde. Fräulein Marianne ließ die Glocke heftig ertönen, und dazwischen rief sie ein paarmal ermahnend: Meine Damen!! . . Es trat wieder einigermaßen Ruhe ein, nur zwei Nachbarinnen discutirten lebhaft miteinander. Das geht nicht nein, das paßt nicht!" sagte die Eine, ein hübsches, junges Mädchen. nein, das würde Mama unier keiner Bedingung erlauben! Mit Herren? Nein, niemals!" Warum nicht, meine Cousine hat sich per Rad verlobt!" die Andere. Es stellte sich heraus, daß zwischen ihnen in einer Pridatberathung die Frage ventilrrt worden war, ob an den gemeinsamen Radausflügen auch Herren theilnehmen dürfen. Ein Theil der Mitglieder lehnte sich dagegen auf und verlangte die unbedingte Ausschließung des anderen Geschlechtes; beiläufig bemerkt bestand diese Partei nur aus fünf Köpfen, die Anderen beriefen sich theilweise darauf, daß ihre Brüder, Gatten oder sonstige vertrauenswürdige Beschütze? nicht ausgeschlossen sein dürften, da sonst Mama oder Papa überHaupt ihre Betheiligung an solchen Ausflügen niemals erlauben würden. Eine stattliche Blondine, die über die Backfischjahre allerdings schon hinaus, aber fast eine Schönheit zu nennen war, hatte den Muth, sich zur Sache in dem Sinne zu äußern, daß gerade durch die Betheiligung von netten Herren" erfahrungsmäßig ein gemüthlicher Zug" in solche Beranstaltungen käme, auch seien männliche Sportgenossen fast unentbehrlich, besonders in schwierigen Fällen, wenn am Rad etwas geschähe usw., usw. Seien wir nur ehrlich" schloß die blonde Rednerin unter Damen, ganz unter Damen wird es doch leicht langweilig!" Einige lebhafte Bravos wurden laut. Man konnte leicht erkennen, daß die Stimmung sich zu Gunsten der Männer neigte. Abstimmen!" rief eine Ungeduldige. Fräulein Marianne schlug auf die Glocke. Meine Damen, geehrte Clubgenossinnen! Wer für die Betheiligung von entsprechend geeigneten und achtbaren Herren an den Radpartien unseres Vereins ist, erhebe eine Hand!" Dreizehn Damenhände streckten sich in die Luft. Ein munteres, etwa neun, zehnjähriges Mädchen hatte nämlich beide Hände erhoben. Also mit Majorität angenommen!" Vier Damen, sämmtlich unverheirathet, erklärten unter Bedauern, den Club verlassen zu müssen, da sie sich dieser Einrichtung nicht fügen könnten oder wollten. DiePräsidentin nahm mit Bedauern davon Kenntniß und forderte die Schriftführerin, die mit einem Tischmesser einen dünnen, wahrscheinlich au einer Tanzordnung herstammenden Bleistift spitzte, auf. die Austrittserklärung zu Protokoll zu nehmen. Dazwischen begann sich eine unparlamentarische, zwanglose Debatte über den Tisch hinüber unter den Clubmitgliedern zu entspinnen, und die Ausreißerinnen mußten manchen verblümten Tadel ihres Entschlusses über sich ergehen lassen. Zwei davon Schwestern zogen es vor, sich zu empfehlen, die anderen beiden Abtrünnigen folgten geräuschlos ihrem Beispiel, sie hatten ja auch hier nichts mehr zu thun. Acht Mitglieder hatte der junge, kaum geborene Verein bereits verloren. Die Präsidentin ergriff das Wort: Es ist mir soeben ein Zettel übergeben worden, auf welchem eines unserer Mitglieder schriftlich einen Antrag stellt. Derselbe zielt darauf ab, daß unser Club im Fasching ein oder mehrere Tanzkränzchen veranstalten soll. Ich denke, über den Antrag haben wir noch Zeit zu sprechen. Wir kommen jetzt zu einer wichtigeren Frage, meine Damen, zu einer Frage, über die wir womöglich noch heute einig werden nüissen!" Die Einleitung erregte die allgemeine Aufmerksamkeit. Das Gefiüster verstummte und alle Gesichter wandten sich dem hübschen, dunkeläugigen Mädchen zu, das an der Tete des langen Tisches stand und mit der Würde und Routine eines Kammergerichtspräsidenten die Berathung leitete. Ah, der Club konnte sich zu dieser Präsidentin nur beglückwünschen. Die verstand's! Fräulein Marianne ließ wieder eine Kunstpause eintreten, dann sagte sie: imeine Damen, wir gelangen zur Frage der Kleidung . . Das Wort zündete. Alle schienen sich zu wundern, daß sie selber noch nicht darauf gekommen waren; man sah die Köpfe derDamen eine zustimmende Bewegung ausführen, ihre Mienen wurden erwartungsvoll. Es ist selbstverständlich", fuhr die jugendliche P:äsidentin fort, daß wir gleichmäßig angezogen sein müssen.Natürlich, natürlich!" bestätigten die Mitglieder unisono. Ja", rief Marianne, so will es die Zusammengehörigkeit, sonst wären Wir doch kein Club. Also, wir müssen, ob wir nun einzeln oder korporativ erscheinen, jedenfalls aber bei der Veranstaltung von Corsos und dergleichen Eine wie die Andere gekleidet sein, der Club Lenkstange" braucht eine Klei
Irnng; sei eS nun schwarz, marineblau, hechtgrau, braun " Die Auszählung der möglichen Farben wurde dadurch unterbrochen, daß mehrere Damen, wie sie das am liebsten thaten, durcheinander riefen: Grau! Schwarz ist zu traurig! Hellbraun! Crme! Weißer Flanell! Dunkelblau!..." Die Präsidentin ließ die Glocke ertönen umsonst und noch einmal. Die Damen schienen sich an dieses parIamentarische Beruhigungsmittel nicht gewöhnen zu können. Sie debattirten untereinander, vertheidigten ihre und bekämpften die fremde Meinung. Man hörte aus dem Stimmengewirr Argumente in abgerissenen Sätzen laut werden: Blau haben Alle nein, das ist gewöhnlich!" Grau, hellgrau ist am elegantesic.n!" rief die Lppige Blondine, ich trage überhaupt nur Grau!" Schwarz ist am chicsten!" Für uns junge Mädchen ist das nichts!" protestirte ein Fräulein, das erst jetzt ihre Stimme entdeckt zu haben schien, ich weiß nur, daß ich mich nicht schwarz anziehe!" Ich auch nicht!" rief eine Andere von ganz unten. Warum nicht dunkelgrün, wie die Reitkleider?" schlug eine Andere vor. Die erregte und wortreiche wilde Debatte über Schwarz, Grau, Braun, Weiß, Grün und andere Farbennuancen wurde mit Eifer geführt. Die Präsidentin schien abwarten'zu wollen, bis sich die erhitzten Gemüther einigermaßen beruhigt haben würden. Aber es zeigte . sich alsbald, daß kein Ende abzusehen war. Meine Damen!" hatte Marianne mit erhöhter Stimme, aber ohne Gehör zu finden, in die Versammlung gerufen. Und nun legte sie ihre Hand wieder auf die Tischglocke. Kling, kling" geärgert wiederholte sie etwa ein Dutzendmal das Zeichen Endlich ließen sich zwei Drittel der Streitenden dadurch einschüchtern, und die Präsidentin konnte hoffen, gehört zu werden. Meine Damen", begann sie, ich sehe, daß wir über die Farbe unseres Clubcostüms leider heute kaum einig werden dürften, wenigstens nicht auf diesem Weg, aber die Zeit drängt, es ist spät und wir haben noch mehr zu erledigen. Lassen Sie uns wenigstens einen Beschluß fassen, ob der Club sich bei Ausfahrten in Rock oder Hose präsentircn soll..." Natürlich Rock!" riefen unisono ein paar Mitglieder. Beinkleid!" entschied sehr laut die hübsche Blondine. Es war alle Aussicht vorhanden, daß die Debatte über den Schnitt des Costüms denselben Verlauf nehmen solle, wie es bei der Farbe geschah, und die Präsidentin begegnete dieser Gefahr, indem sie sehr hestig das Glockenzeichen gab. Ich bitte", rief sie, so geht es nicht. Wer wünscht das Wort?" Mehrere meldeten sich gleichzeitig und begannen auch schon zu reden. Fräulein Larsen, Sie haben das Wort!" entschied die Präsidentin. DieLehrerin fuhr heraus: Ich zeige mich absolut nicht in Beinkleidern mein Beruf verbietet mir diese schämlose Tracht außerdem bin ich Braut und mein Bräutigam würde es nie und nimmer erlauben. Aber ich bitte wenn die anderen Damen sich in der Hose wohler fühlen, geniren Sie sich nicht ich trete zurück trete gern zurück und lege hiermit mein Amt als Schriftführerin nieder ! !" Marianne suchte die prüde Schriftfühcerin zu beruhigen, aber man sah, daß es dieser ernst war, und sie steckte auch den kleinen Bleistift schon wieder in ihr Portemonnaie. Ich bitte!" rief auch schon di! Blondine der Vorsitzenden zu, und ehe ihr. noch das Wort ertheilt war, platzte sie heraus: Ich fahre gründsätzlich nicht im Rock wozu? Ist es eine Schande, daß wir Damen auch Beine haben, und daß man ein Stückchen davon sieht? Sehen Sie doch zu. was bei Regenwetter gezeigt wird! Es ist oft skandalös! Ich finde gar nichts Unmoralisches dabei. Und wer nichts zu verbergen braucht, der kann das Stückchen über dem Schuh schon sehen lassen!..." Niemals!" riefen ein paar Entrüstete. Die Blondine warf einen zürnenden Blick zur Opposition hinüber, dieses Niemals" hatte den Schwung ihrer Rede gedämpft. Sie unterbrach ihren Gedankengang und schloß: UeberHaupt, ich fahreHerrenrad und da kann ich den Rock nicht brauchen. Lieber verzichte ich auf das Vergnügen, einem Club anzugehören!" Dann setzte sie sich resolut nieder. Bravo!" ertönte es vom' anderen Ende des Tisches, und eine jungverhcirathete Frau meldete sich hastig zum rsn-i-
CDUllC. Ich fahre auch Herrenrad, und wenn mein Mann damit einverstanden ist. daß ich Beinkleid trage, möchte ich Den sehen, der mir's übel nimmt. Der Rock gehört in die ftiiche und in die Kinderstube, das Rad schreit nach der Hose!" Einige lachten laut auf, als die seurige Vertheidigerin der Unaussprechlichen mit diesem Diktum gewichtig schloß. Ohne sich erst zum Worte zu melden, rief eine andere Dame über den Tisch hinüber: Verheirathete Damen mögen darin anderer Ansicht'sein, ein junges Mädchen ist eben etwas empfindsamer." Ach. mit Ihrer Empfindsamkeit!" wehrte die junge Frau pikirt ab dann bleiben Sie überhaupt zu Hause." Ganz richtig, wer so empfindsam ist, hat auf dem Rade nichts zu suchen!" sekundirte die kühne Blondine, die Herrenrad fährt. Die Debatte begann persönlich zu werden. Die beiden Parteien bekämpften sich mit wachsendem Eifer, der in eine gefährliche Erregtheit der Gemü-
lich!" Schamlos!" Emanci pirte Damen!" Fin de siecle - Damen!" Abgeschmackte Prüderie!" Moralheuchelei!" flogen hinüber und herüber, und da und dort artete die Debatte schon in eine Art Zank aus. der mit Unliebenswürdigkeiten und persönlichen Spitzen reichlich versetzt war. Zwei Damen, die jung Verhütrathete, die für das Beinkleid gesprochen hatte, und die empfindsameÄraut. hatten sich übrigens unbemerkt während der Redeschlacht entfernt, und die üppig gebaute Blondine rümpfle die Nase und verzog den Mund, als wollte sie sagen: Was ich mir aus Euch mache!" während sie ihre graue Federboa und Jacke von einem entfernt stehenden Stuhl holte, um sich zum Fortgehen zurecht zu machen. Der Kampf tobte weiter. Es war kaum noch von Rock und Hose die Rede. Die Angelegenheit hatte einen allerdings sehr unerquicklichen Charakter angenommen, und wer weiß, wohin es noch kommen sollte. Die Präsidentin saß auf ihremPlatz die Einzige, die noch an dem Berathungstisch verblieben war. Sie hatte die Arme verschränkt und sah ruhig vor sich hin, ein Fels in der tosenden Brandung Sie berührte die Glocke nicht mehr, sie fühlte, daß sie ihre Rolle zu Ende gespielt hctte. Es lag ein bischen Tragik in ihrer Situation. "Aber plötzlich glitt ein Lächeln über ihr Gesicht, sie sprang auf und schlug wie ein übermüthiges Kind kräftig und ein paarmal nacheinander auf die Tischglockc. Und da jetzt doch ein Augenblick Ruhe eintrat, rief sie in die Versammlung: Meine Damen! Ich beantrage mit Rücksicht auf die schwesterliche Einigkeit. die schon heute in so drastischer Weise zu Tage tritt, als Präsidentin hiermit die Auflösung unseres Radfahrerinnenclub Lenkstange"! Abstimmen! Bitte, Hände erheben!" Und Alle erhoben die Hand, Einige schon an der geöffneten Thür, durch die nach wenigen Minuten alle gewescnen Mitglieder in? Freie drängten. Das ist die Geschichte von der Begründunq und dem seligen Ende des Clubs Lenkstange". pic AVgercsnttcn. Humoreske von Alois Ulreich. Ein kleines Vorstadtkaffeehaus. Das rückwärtige Zimmer wird für einige Tage der Woche an Vereine abgegeben, wie ein Zettel im Auslagefenster besagt. Nur Mittwochs nicht. Da halten die Abgelehnten" ihre Zusammenkünfte ab. Wer die Abgelehnten" waren? Der schlotterige Kellner mit den nachlässigen Vartcoteletts zuckte die Achseln. Das kleine, schiefgewachfene Kassafräulein lächelte ganz verliebt und theilte mir mit, daß die Herren schreiben". Also ein litterarisches Konventikel. Trotz ihrer Jugend sind die Abgelehnten" ernste Leute mit sorgengefalteter Stirne. Sie sprechen in dunklen Phrasen, schütteln bedeutsam die Köpfe und rauchen Cigaretten. Ein tragisches Schicksal führt die Leute zusammen: Die Menschheit versagt ihren Leistungen beharrlich die Anerkennung. Jeder von ihnen ist ein hervorragendes Genie, ein bedeutender Dichter und großer Romancier, oder ein glänzender Dramatiker aber die Weltgeschichte geht achtlos an ihnen vorüber. Das ist das Tragische. Die Redactionsbureaux diese Werkstätten der Unsterblichkeit senden ihre Manuscripte zurück und die Bühnendirectionen lehnen die umfangreichsten Dramen ab. Das ist bitter. Aber sie ließen sich nicht entmuthigen. Dem bekannten Zuge der Zeit folgend, organisirten sie sich und gründeten den Verein Die Abgelehnten". Alle Mittwoch kamen sie hier zusammen, um über die Möglichkeit ihres Durchdringens zu berathen. Alle Pläne waren jedoch bisher an irgend einer undurchführbaren Kleinigkeit gescheitert. Bläuliche Ringelwölkchen kreisen in der Luft. Alfred, achtzehn Jahre alt, Besitzes eines deutschen Schnurrbartanfluges, dreht sich eben eine neue Cigarette. Er thut dies mit einer gewissen Eleganz, die allseitige Bcwunderung erregt. Besonders die kleine Emmy schwärmt deshalb für ihn. Fritz, der neben ihr sitzt, ist ganz betrübt. Nicht. etwa, weil er dieses Semester in Latein und Mathematik durchgefallen, sondern weil man seine Novelle schon wieder abgelehnt hat. Einfach unverschämt. . ." Neid, nichts als Neid von diesen Redacteuren!" bemerkte Robert, der große Dramatiker, dessen Schauspiel Der letzte König von Rom" mit eiserner Consequenz von sämmtlichen Bühnen abgelehnt wurde. Olga nickte bejahend. Das Mädel war etwas blaß. Vor Aufregung? Nein. Vielleicht hat das die zweite Cigarette gethan. Olga war eben noch nicht lange im Verein der Abgelehnten". Ich sage nur eines: diese Nedacteure und Dramaturgen sind überHaupt die lumpigsten Kerle, die ich nur kenne. Wenn man sie nur einmal gründlich ärgern könnte!" meinte Karl. Aergern lächerlich! Bei diesen Leuten greift nichts mehr an-, entgegnete Emmy mit einem bedauernden Seitenblick auf Alfred, so daß es dem großen Dichter wunderlich warm ums Herz wurde. Meinen Roman hat man auch zurückgeschickt!" klagte Fritz, obzwsr ich denselben genau nach unserem Handbuche gearbeitet habe!" Stille ringsum. Das Handbuch war nämlich eine kleine Broschüre Der Romancier im Westentasche!" oder .Die Kunst in
Ihtr überain. Worte wie Unweib- !
vierundzwanzig Stunden Dichter zu
werden! Plötzlich stand Robert auf, freudig bewegt. Halt, Freunde, ich habe eine Idee!" Los . . . nur raus!" Gründen wir eine Zeitschrift!" Eine Zeitschrift warum man nicht früher daran gedacht hatte!? Das ist doch das einfachste. Die Arbeiten werl.cn rasch angenommen und erscheinen bald. Nicht dieses langweilige Herumhausiren bei den Redactionen. Bald herrschte Begeisterung und eitel Jubel unter den Abgelehnten." Eine eigene Zeitung. Natürlich kein Tagesjournal, sondern eine Wochenschrift. Und nicht illustrirt, das ist originell. Betreffs des Titels entspann sich eine kleine Debatte. Emmy wollte das Blatt durchaus mit Himmelsschlüssel" benannt haben, während Fritz WeltWille" und Robert, der große Dramatiker. Zukunftshalle" in Vorschlag brachten. Schließlich verschob man die Titelfrage und theilte einstweilen die Redactionsstellen aus. Alfred wurde selbstverständlich zum Chefredacteur ernannt, Emmy für Lyrik und Robert zum Kritiker bestellt. Fritz sollte den novellistischen Einkauf prüfen. Und was das Recensiren betrifft, so durfte man sich nur gegenseitig loben. Aber ganz gehörig. Alles andere ist tüchtig 'runterzureißen. Zur Erhöhung der Stimmung ließ Alfred drei Flaschen Bier bringen. Es war dies seine erste redactionelle Arbeit, leider aber auch seine letzte. Denn das Schicksal senkte sich dräuend über die heitere Gesellschaft der Abgelehnten." Wer wird aber das Geld zum Drucke hergeben?" Einer that diese Frage und alle verstummten. Ja richtig, gedruckt muß es allerdings werden . . . ja . . . aber . . . hm, das kostet Geld ... das läßt sich nicht bestreiten und die Buchhändler und Drucker sind Kunstbarbaren. die thun nichts umsonst gar nichts . . . Geld . . . daran hatte aber auch Niemand gedacht. Unheimliche Stille ringsum. Sich so heillos blamiren! Pläne schmieden. Stellen vertheilen und . . . und . . . kein Geld haben ... das ist einfach entsetzlich. Verlegenes Hüsteln, Seufzer und Scharren mit den Füßen. Schade darum!" meinte Fritz . . . Alle anderen schwiegen. Sie schämten sich vor einander. Langsam entfernten sie sich, niedergeschlagen, enttäuscht. Alfred und Emmy waren die letzten. Alfred hals der Kleinen die Jacke anziehen. Dürfte ich Sie nach Hause begleiten, Fräulein Emmy?" O ja. bitte sehr." Das war wohl das einzige, was von Alfred angen o m m e n wurde. Und nun gingen auch die beiden. Das litterarische Vereinslocal stand seit jenem Nachmittage leer. Der Zettel im Fenster besagte, daß für alle Tage der Woche ein rückwärtiges Zimmer an Vereine abgegeben wird. Aber das Andenken an die Abgelehnten" war nicht sobald erloschen. Noch lange erzählte der schlottrige Kellner und das kleine Kassafräulein von den sonderbaren Leuten, die. mit sorgengefalteterStirne dasaßen Und nur ein einziges Mal fröhlich - toll waren, seit jenem Abend jedoch nie wiederkamen. Das war der Abgelehnten" Glück und Ende. Gelungene List. Moritz Appelstein geht seit mehr als 20 Jahren jeden Mittag regelmäßig in's Caf6 Adler, wo er stets das EckPlätzchen links neben der Thür einnimmt. Eines Tages findet er seinen gewohnten Platz durch einen Fremden besetzt. Das ist Appelstein seit 20 Iahren noch nicht passirt. In nervöser Unruhe setzt er sich in die Nähe an einen Tisch den Fremden, der ruhig seine Zeitung liest, scharf fixirend. Doch hält er es keine 2 Minuten auf dem ihm ungewohnten Platze aus; das Blut steigt ihm zu Kopfe, er wird immer unruhiger und nervöser; er muß unbedingt sein Eckplätzchen haben. Da auf einmal gleitet ein Lächeln über sein schalkhaftes Antlitz. Appelstein (dem Fremden die Hand reichend): Guten Tag, Herr Moritz Appelstein!" Fremder (verdutzt aufschauend): Sie entschuldigen, mein Name ist nicht Moritz Appelstein!" . Appelstein: Machen Se kein' Stuß! Seit 20 Jahren sitzt hier auf dem EckPlätzchen jeden Mittag der Moritz Apelstein, und kein Anderer wird sich setzen d'rauf.' Sie sind der Moritz (sich an einen anderen Tisch setzend): Ich wußte nicht, daß dieser Platz reservirt sei, aber ich versichere Sie. daß ich nicht Moritz Appelstein heiße!" Appelstein (seinen gewohnten Platz einnehmend): Werd' ich es wahrscheinlich stlber sein!" Verplappert. Heirathscandidat: Sie haben recht, die Dame, mit der Sie mich bekannt gemacht haben. bat bewundernswertbe Weiße. schöne Zähne, aber sie stößt beim Sprechen mit der Zunge an und das gefällt mir nicht." Heirathsvermittler: Das gibt sich wenn sie sich erst an das Gebiß gewöhnt hat." Berschnavvt. Herr (zu seinem Freund): Ja, ja. Bester, ledig und veryelralyet sein t ein großer Unterschied, einst war ich allein, und nun muß ich für eine ganze Familie borgen!Schlau. Onkel: Also, ich will Dir meine neue Adresse aufschreiben und da lassen, nun habe ich aber kein Papier . . Neffe: .Aber Du hast doch Papiergeld!-
G diese Aranen! Humoreske vcn H. Horina. Schon wieder einen neuen Hut? Nein und tausendmal nein ja, wenn es noch ein praktischer Kauf für den Haushalt wäre, aber zu solcher Verschwendung geb' ich kein Geld her!" rief Herr Tinterl, und, die Thüre hinter sich zuschlagend, machte er der häuslichen Scene ein Ende und eilte brummend in sein Bureau. D, diese Männer!" jammerte indessen Emma, seine Gattin, und sich in eine Ecke des Sophas werfend, gab sich die junge Frau ganz ihrem tiefen Schmerze hin. Nun sind sie alle verflogen die schönen Träume von dem herrlichen Gebilde, das sie gestern Abend in dem Schaufenster der feinen Modistin gesehen hatte dahin alle Aussichten auf diesen schönen, schönen Hut, der sicher alle Hüte ihrer Freunbinnen und Feindinnen in den Schatten gestellt, ja sozusagen, vernichtet hätte! Und warum? Weil dieser eigensinnige, knauserige Mann denPrcis von vierzig Mark als viel zu hoch findet; doch was versteht denn so ein Mann von Damenhüten und sonstigen Damen - Modn! Nachdem der erste Schmerz sich ausgetobt, der kleine Hans eine Ohrfeige und das Dienstmädchen die Kündigung erhalten hatte, ward Frau Tinterl etwas ruhiger und begann nachzudenken, wie um alles in der Welt sie den heißersehnten Hut doch noch bekommen könnte. Denn haben mußte sie ihn, das stand fest! Lange grübelte und rechnete die junge Frau hin und her, ob sie sich die vierzig Mark vielleicht doch vom Wirtschaftsgeld . . . aber nein! das war ganz und gar unmöglich oder könnte sie vielleicht ... ha! eine Idee! Hastig springt sie auf. eilt zu ihrem reich ausgestatteten Wäscheschrank und mit flinker Hand zieht sie aus dem untersten Fach ein Dutzend ihrer feinen Damast - Tischtücher, die noch gar nicht benützt waren, heraus, wickelt dieselben ein, nimmt Mantel und Hut den alten, entsetzlichen! und begibt sich zu einer nur ihr bekannten alten Näherin, der Frau Mooser. Herr Tinterl saß eben in höchst verdrießlicher Stimmung an seinem Schreibtische und überdachte gerade die Consequenzen, welche sein heutiges mannhaftes Auftreten unwiderruflich nach sich ziehen werde, als da sind: Wochenlanges Schmollen, seine Leibspeisen sehr häufig aber immer angebrannt, alle drei Tage ein anderes Dienstmädchen, da klopfte es bcscheiden an der Kanzleithüre und auf sein mürrisches Herein" trippelt ein altes Frauerl in's Zimmer, sieht sich zaghast um und wendet sich alsdann an Herrn Tinterl: Ach lieber, gnädiger Herr," begann sie, ich bin durch die bitterste Noth gezwungen, meinen
Stolz, meine schone Wasche zu verkaufen; sehen Sie ' nur. gnädiger 'Herr, hier diese zwölf prachtvollen DamastTischtücher!" Ach, gehen Sie, mit derlei Sachen," unterbricht sie Herr Tinterl ärgerlich, dazu hab' ich kein Geld!" Gnädigster Herr, sind Sie nicht böse," bittet nun die arme Frau, aber wenn Sie hören, wie billig ich Ihnen diese Prachtstücke ...!" Na. also, was soll denn das Zeug kosten?" Nur sechzig Mark, gnädigster Herr!" Hm, sechzig Mark, dachte sich Herr Tinterl, ist wirklich kein Geld für dieses schöne Damastzeug; die haben sicher einmal das Doppelte gekostet und dann wäre das wenigstens eine vernünftige Ausgabe fürs Haus, mit der ich mein Frauerl wieder versöhnen könnte. . . Wissen Sie was, liebe Frau," sagte er nach diesen Erwägungen, ich will zeigen, daß ich nicht hartherzig bin und Ihnen fünfzig Mark dafür geben aber keinen Pfennig mehr!" Du lieber Gott seufzte die Frau und legte die Tischtücher auf das Pult, da haben Sie sie, ich muß halt auch damit zufrieden sein!" Herr Tinterl zählte, innerlich frohlockend, die fünfzig Mark hin und, einmal im Besitze der schönen Stücke, konnte er kaum den Bureauschluß erwarten, daß er dieselben seiner lieben Frau überbringen könne. Die alte Mooser denn das war die arme" Frau eilte indes mit dem erhaltenen Gelde von der Kanzlei schnurstracks zu ihrer Auftraggeberin, der Frau Tinterl, welche ihrer schon voll Spannung harrte: Also hat er sie gekauft, die Tischtücher?" Ja. gnä' Frau, aber zureden hab' ich ihm müssen, fcie einem kranken Roß! Fünfzig Mark hat er geben, bitt' schön, da sind's!" Da haben Sie etwas für Ihre Mühe, liebe Frau Mooser!" Ist doch ein lieber Mann, meinKarl, dachte sich Frau Tinterl, als die alte Näherin das Zimmer ve.'lassen hatte. Am Tische lazcn die vierzig Mark für den neuen Hut zehn Mark bekam die Mooser da klingelte es draußen und eben hatte die Frau noch Zeit, das Geld in die Tasche zu schieben, als auch schon Herr Tinterl ins Zimmer stürmte. Er strahlte vor Freude, der Gute hatte er ja doch nicht eine Ahnung, was sich hinter seinem Nucken abspielte ; und rief ganz außer Athem: Emmachen, mein Schatz! Wir haben uns heute gezankt, mir that's leid um Dich, aber da bringe ich Dir dafür etwas. was Dich als Hausfrau gewiß noch mehr freuen wird, als dieser dumme Hut! Da! Sieh nur! Was? Da lacht Dein Herz? Diese prachtvollen Tischtücher und billig! billig! ein Gelegenheitskauf!" Du liebes, gutes Männchen! Wirklich, Du beschämst mich!" rief Frau Tinterl mit gut gespielter Freude und fiel ihrem Gatten um den Hals. Der aber wehrte selig lächelnd ab und schmunzelte: Ja und das Beste kommt noch! Denke Dir, liebe Emma, der glückliche Zufall: Die Tischtücher tragen alle auch lchon Dein Mono-
Unsere Llugc::,
Wie viel ließe sich r.cht -über Augen sprechen! Um gleich bei ';er Kinderstube anzufangen: m'v i?e':5 Spannung werden die Acu.eiT: d:- kleinen Weltbürgers betracht t lclhast wird über ihre Farbe duai::! Welch eine Freude aber erst, w::: ii anfangen, verständig um sich zu sch?u:n und der zärtlichen Mutter tir.i.'n kennenden Blick zuzuwerfen! h-.ißt es dann oft: Schön ist dunv wohl bis zetzt gerade nicht u iunut:n, aber die A u a e n. die es ! ' .1 . I ::e wun'U f.. dervoll, wie klug! T.i W ID Zi UU ges Kind werden! ' Das Kind wächst b'rzn dem rosigen Gesichtchr, ; er, aus zs die n :?s v'ilblonden Locken wehen. chenblaue Augen an i Wimpern; dort heben dunkelbraunen mit s uns empor. Und wa dazwischen, vom rein'' u' t v, ; :Ji. l'tr.f, lanc :: großen, - Ad' zu .:; )! allcs 5-nein-nicht bis zum wechselnde". Grau. me ganz gleich bei zwei Menschen, jedes mit besonderer ("genthümlichteit. In einem kleinen italienischen Gedicht von Bertola heißt es. daß sich einst mals die schwarzen und die blauen Augen stritten, welche von beiden wohl die schönsten seien? Jedes erhebt seine eigenen Vorzüge und will die des Gegners nicht anerkennen, da tritt plötzlich Amor zwischen die Streitenden und erklärt, daß der Vorranz gar nicht nach der Farbe zu bestimmen sei, sondern daß das die schönsten seien, die am meisten zum Herzen sprächen. Und so ist es auch. Nicht auf Form und Farbe kommt es an; es gibt Augen, . bei denen man beides sehr schwer angeben könnte, in die man aber schauen kann wie in einen tiefen, stillen Landsee, und die uns verfolgen überall und uns mit magischer Gewcrlt zu sich hinziehen, wie die Augen der sixtinischen Madonna. Andere lassen sich leichter beschreiben: kluge, scharfe. Heine Augen, die wie ein Blitz umherschweifen, und vor denen man ganz unwillkürlich die seinen sinken läßt; dunkle, schwärmerische, in denen es auch leuchtet, aber ganz anders als bei jenen, wie ein dunkler Nachthimmel, in dem die Gotteslichter brennen. Augen, denen das Blau aus der Kinderstube geblieben ist, und doch mit einemVlicke, den das Kinderauge nie kennt: das Leben hat seinen Schatten hineingcworfen; träumerische Augen, die in weite Fernen hinauszublicken scheinen und von denen man kaum sagen kann: sie sind ja nur grau", denn der wechselnde Ausdruck scheint ihnen auch wechselnde Farben zu verleihen. Augen mit stolzem, kühnem Blicke: Augen, die uns in der Seele zu lesen scheinen: kalte, höhnische Augen; heuchlerische, falsche, deren Blick man nie fixiren kann. Dumme, runde Augen, auö denen nichts herausschauen kann, weil nichts in ihnen ist; Augen, die viel geweint haben, und ernste, thränenlose, in denen man eine kämpfende, ringende, aber doch auch endlich siegende, gottvertrauende Menschenseele erkennen kann. Treue Augen. wie bei einem großen Hunde, auf die man sich fest verlassen kann; Augen mit schwarzen Rändern, die von durchwachten Nächten reden; alte, lichte Augen, die allein jung geblieben sind in einem verwelkten Gesicht; Augen, die gar nicht merkwürdig zu nennen sind, und von denen man nur sagen kann: es sind liebe Augen," weil sie uns nun schon so lange liebend angeblickt, und die, wie die schöne Sage geht, noch als Sternenaugen auf uns herabschauen werden, wenn sie sich hienieden für uns auf immer geschlossen haben. Schönheitöbäder. Die Geschichte weiblicher Schönheiten zeichnet sich fast überall durch niederdrückende Gleichheit aus; sie steigen empor, sie herrschen und sie werden ersetzt das ist ihr Lebenslauf in einer Nußschale. Fast durchgängig haben sie mit zwei Schreckgespenstern zu kämpfen; die einen fürchten zu dick, die anderen zu dünn zu werden. Die Letzteren haben es leichter, sie können der Natur durch künstliche Mittel nachhelfen und nach Herzenslust essen und trinken, während sich die Ersteren oft einem Märtyrerthum unterwerfen, nur um nicht an Wohlbeleibtheit zu gewinnen. Bei beiden Gattungen aber spielt das Bad eine hervorragende Rolle. Gegenwärtig ist in Paris das Honigbad Mode, es soll der Figur Fülle geben und wird besonders von Frauen mit Salzfässern" bevorzugt. Ninon de Lenclos, die ewig Junge, entschloß sich zu seinem Gebrauch, lls sie auf der Höhe ihres Ruhmes stand, und sie teez von dem. Erfolge auf's Höchste befriedigt. Sie badete stets 15 Minuten lang vor dem Zubcttcgchen und schlief dann vorzüglich darnach. Sarah Bernhardt soll sich die ewige Jugend durch Theebäder erhalten. Sobald die grosv Trag'ödin von der Reise in ein Hotel eiVkehrt, be stellt ste sich ein riesiges Bad, in das mehrere Pfund Thee hineingeworfen werden, um ihm die erforderliche Kraft zu geben. Um die Haut glatt und von Runzeln frei zu halten, wird das Milchbad empfohlen. Seit undenllichen Zeiten haben sich weltbekannte Schönheiten seiner bedient. Madame Recamier badet in Milch, ebenso Madame Tallien, doch fügte sie ihrem Bade noch zwanzig Pfund Erdbeeren und zwei Pfund Himbeeren hinzu, wenn sie in Saison waren. Katharina . II. von Rußland badete in so heißer Milch, daß sie es kaum aushalten könn-, te, nur um nicht zu stark zu werden. , m m m Einfach. Bursche (entsetz!" hereinstürzend): Herr Lieutenant, die Erde bebt!" Lieutenant: Maul je halten! - ufach nich' mitjewz ckelt'- - . . -
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