Indiana Tribüne, Volume 22, Number 103, Indianapolis, Marion County, 1 January 1899 — Page 6

Zie Klügere. Von B. Heim. In dem Salon einer legant aus . Lestatteten Wohnung saß ein freundlich .aussehender alter Herr in einem Lehn, !stuhl. Vor ihm stand ein junger Mann, der, ihm trotzig in's Antlitz blickend, dem Alten auf seine ErmahNungen erwiderte: Weder Deine Bitten noch Deine Drohungen werden mich von meinem Entschluß abbringen und eine Liebe aus meinem Herzen reißen, die mein ganzes Lebensglück ausmacht!" Aber", begann der Alte seine ErMahnungen auf's neue, Du bist erst zwanzig Jahre alt. und in Deinem Alpflegt man leichl Entschlüsse zu fassen, die man später bereut. Ich verlange von Dir weiter nichts mein Sohn, als den Aufschub deines VorHabens. Nur ein paar Monate lasse vorübergehen! Wenn Du dann noch von denselben Gefühlen beseelt sein wirst für jenes Frauenzimmer, das ich für eine Abenteurerin halte, so verspreche ich Dir, meine Abneigung zu unterdrücken und meine Einwilligung .zu dieser Verbindung zu ertheilen. Thu' mir die Liebe und warte, nur .einige Monate!" Nein, mein Vater!" antwortete 'Raimund mit fester Stimme; so schwer es mir wird. Dir den kindlichen Gehorsam in diesem Falle zu verweigern, ich kann nicht anders. Und wenn Du mir Deine Einwilligung versagst, so weiß ich, was ich zu thun habe. Entweder ich entfliehe mit ihr und suche rnein Glück in der Fremde, oder wir gehen gemeinsam in den Tod." Jetzt erhob sich der Alte von seinem Sessel. Aus den Augen blitzte Ent--rüstung: So thue, was Du willst!" rief er mit vor Erregung zitternder Stimme aus, gehe den Weg der Schmach und des Verderbens! Aber ich will nicht der Mitschuldige sein an Deinem Auin!" So lebe wohl auf immer!" antwortete ihm der Sohn und stürzte aus iem Zimmer. In dem Boudoir einer kleinen, co"iett eingerichteten Behausung harrte die schöne Liane, die der Alte eine 'Abenteurerin genannt hatte, der Rückkehr ihres Bräutigams. Sie gab sich nicht etwa der Hoffnung hin, daß es Raimund gelingen werde, den Wider--stand seines Vaters gegen die Verbindüng mit ihr zu brechen, aber ste :wußte, daß der Sohn eines mehrfachen Millionärs sich auch dann noch Credit zu schaffen verstehen würde, wenn der Alte seine Hand auch von ihm abzöge. Sie betrachtete sich lange in dem großen Toilettenspiegel hinter ihrem Divan, löste ihre Haare auf, wand sich eine Perlenschnur um den blendend weißen Hals und wartete. Endlich kam er zur Thür herein und stürzte vor ihr auf die Kniee. Nun?" fragte sie kurz. Alles vergebens, Geliebte! Mein Vater ist unerschütterlich." Und was gedenkst Du zu thun?" fragte sie ihn scharf und entwand ihm die Hand, nach der er in fiebernder Lei1)enschaft gegriffen. Mit Dir will ich in die weite Welt -gehen, Geliebte; mein Glück will ich mit ven zwanzigtausend Mark versuchen, die ich von einem Wucherer entlieh und hier in meiner Brieftasche bei mir .trage. Für ein Jahr wird der Betrag .trohl reichen, und dann wollen wir es aufnehmen mit dem Leben, arbeiten '.und, wenn es nicht anders geht, Noth und Entbehrung mit einander tragen. Aus unserer Liebe werden wir die rrast schöpfen, den Kampf mit dem .Dasein aufzunehmen. Wohin sollen wir reisen, mein Lieb'?" fragte er, sie umklammernd. Sie wand sich von ihm los. Nein, lieber Raimund, wir werden rnicht fliehen, wir werden den Kampf mit dem Dasein, diesen häßlichen, alle Lebensfreude tödtenden Kampf nicht aufnehmen. Was wäre das Ende? Daß Du aufhörtest, mich zu lieben, da

Du mich für die Folgen Deines Entschlusses verantwortlich machen würvest. Und einst käme ein Tag, da wir beide bereuen würden, uns geliebt u haben, ein Tag, an dem wir sogar im Ha))e uns trennen würden." Was aber willst Du, daß wir thun sollen?" fragte er sie. Zusammen sterben, wenn Du mich -wirklich liebst war ihre Antwort. Ich liebe Dich und will es thun!" hauchte er, sie an seine Brust pressend. Liane erhob sich. Ich habe das bei mir, was wir brauchen. Geliebter. Ein Gift, das mit Blitzesschnelle tödtet. Schreibe rasch einige Zeilen, daß Du freiwillig in den Tod gegangen bist; ich werde dasselbe thun. Beide legten die beschriebenen Zettel luf den zierlichen Schreibtisch Liane's. Noch eine heiße, stürmische Umarrnung, ein letztes Lebewohl, das er von ihren Lippen sog. Dann setzten sie die Gläser an den Mund. Raimund trank den Inhalt mit -einem Zuge aus und sank nach wenigen Sekunden leblos zu Boden. Liane setzte das Glas ab. Sie zer--riß den Zettel, den sie geschrieben, entnahm der Brieftasche des Entseelten 120,000 Mark, packte schleunigst ihre Koffer und erreichte noch in derselben Nacht die Grenze. Verfehltes Mittel. Nichter: Ihr seid doch nicht der Wiesenbauer?" Bauer: Na, der kann ml kumme. er hat sich wollen a Kurasch antrinken und jetzert ist er S'soffe!" Leiser Wink. Onkel (der von einem Schlaganfall betroffen): Jetzt ist's mit er Lähmung schon wieder besser, ich kann bereits dieArme bewe.aen." Studiosus: Vielleicht -fltivlj schon in die Tasche greifen?-

Seisterschrist. Es hat wohl Nichts dem Spiritismus mehr Anhänger zugeführt, als der oft besprochene Schreibtafelbeweis, und wenn wir die Geschichten von den aus Schreibtafeln in räthselhafte: Weise unter angeblich absolut strenger Controle hervorgebrachten Schriftzeichen mit Ausschluß jedes Zweifels und ohne Annahme der Möglichkeit einer Täuschung oder Betrügerei glauben sollten, dann müßten wir annehmen, daß die Zeiten der Wunder zurückgekehrt seien. Es zeigt sich aber, daß das, was man für Phänomene, die durch eine unsichtbare Macht hervorgebracht sind, auszugeben geneigt ist, leicht als das Werk eines Betruges erkannt wird, der gerade durch seine Einfachheit verblüffend wirkt. Was speziell die Schreibtafelstückchen anbelangt, so soll in Folgendem die Art und Weise erörtert werden, wie Schriftzeichen auf Schiefertafeln

F i g u r 1. in anscheinend mysteriöser Weise hervorgebracht werden können. Die einfachste und gewöhnlichste Methode ist die, daß die Schrift fchon vorher vorhanden ist und nur durch eine schlaue Manipulation den Augen der Zuseher verborgen bleibt. Das Medium nimmt die Tafel vom Tische, wischt beide Seiten ab und zeigt, daß sie unbeschrieben sind. Auf dem Tische liegt jedoch ein Stück Papier, das den Dimensionen der Schiefertafel entspricht und dessen nach unten gekehrte schwarzglänzende Seite die Schrift enthält, während die nach oben gekehrte Seite der Farbe des Tischtuches gleicht, somit unbemerkbar bleibt. Diese Seite ist mit einem Klebestoff bestächen und beim Andrucken der Tafel bleibt das Papier an derselben haften. Wird dann die Tafel aufgehoben, so sieht man die Schrift an derselben, ohne zu bemerken, daß die Tafel mit dem PaPier überklebt ist. (Fig. 1.) Figur 2. Das ist einer der einfachsten Tricks; wir kommen aber nun zu einem zweiten, der schon etwas complicirter ist. Das Medium wischt die Tafel auf beiden Seiten ab, und während es dieselbe in der Hand hält, kommen plötzlich Schriftzeichen zum Vorschein. Das wird in folgender Weise bewerkstelligt. Jene Seite der Tafel, welche die Schriftzeichen enthält, ist mit einem der Form derselben entsprechenden schwartn Seidentuche bedeckt, das mit Wachs an den vier Enden angeklebt und an dem eine Gummischnur befestigt ist, deren anderes Ende um den Arm des Experimentators geschlungen ist. Dieser hält das der Tafel zugekehrte Ende der ausgespannten Schnur zwischen den Fingern fest, während er die Tafel abwischt, so daß der Seidensleck haften bleibt. In dem Momente, da er die Schnur seinen Fingern entgleiten läßt, zieht sich dieselbe zusammen, der Seidenfleck verschwindet, von der ry rt ttigur o. Schnur mitgerissen, im Rockärmel und auf der Tafel wird die bis dahin verborgen gewesene Schrift sichtbar. (Fig. 2.) Die Täuschung kann auch hervorgerufen werden durch eine Tafel, die den Anschein einer gewöhnlichen Schiefertafel hat, deren Schreibsläche jedoch aus einem eigens präparirten Tuch hergestellt ist, das wie Schiefer aussieht, über zwei Rollen an den beiden Schmalseiten läuft und durch zwei Schnellfedern dirigirt wird. Der ganze Mechanismus ist versteckt angebracht. Die unbeschriebene Tafel wird vorgewiesen und durch einen Druck an der Feder schnellt die rückwärtige, beschriebene Seite des Tuches nach vorwärts. In anderer Weise kann man eine vorher auf einer wirklichen Schiefertafel angebrachte Schrift in der Art sichtbar machen, daß man sie vorher mit einem klebrigen aber farblosen Stoffe darauf schreibt und dann mit einem Taschentuche darüber fährt, das stark mit trockenem Kalk bestaubt ist. Dieser wird auf der klebrigen Schrift haften bleiben und dieselbe sichtbar

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machen. Eine andere Art des Betruges ist die, daß die Tafel mit sögenannter sympathetischer Tinte beschrieden ist, die nur unter dem Einflüsse der Wärme zum Vorschein kommt. Für diesen Fall ist in dem Tische eine Spirituslampe verborgen, welche beim Darauflegen der Platte ihre Schuldigkeit thut. (Fig. 3.) Nun gibt es aber besonders kritische Zuseher, welchen man mit all' diesen Spiegelfechtereien nicht kommen kann, welche fchon wissen, daß es präparirte Tafeln gibt und die deshalb darauf bestehen, ihre eigenen Schiefertafeln mitzubringen. Auch für diese muß Rath geschaffen werden, sollen die Geisterbotschaften von ihnen gläubig aufgenommen werden. Nehmen wir nun an, ein solcher Zweifler halte seine Tafel in der einen Hand und der Spiritist in der andern, während die freien Hände der Beiden verschränkt sind, damit jede Möglichkeit eines Vetruges noch mehr ausgeschlossen sei. Wenn man dann die Tafel umkehrt, findet man sie trotzdem räthselhafter Weise mit einigen Worten in unregelmäßigen Schriftzügen bekritzelt. Diese werden in der Weise hergestellt, daß der Spiritist einen Griffel benutzt, der ähnlich wie das vorerwähnte Seidentuch an einer Gummischnur befestigt ist und nach gethaner Arbeit im Aermel verschwindet (Fig. 4), oder ein Stückchen Griffel, das so klein ist, daß es mit Heftpflaster an der Spitze des Zeigefingers angeklebt werden kann. Die Art, wie das Innere von zwei auf einandergeschraubten Tafeln beschrieben werden kann, veranschaulicht Figur 5. Ein kleiner Keil wird zwischen die beiden Taseln getrieben und

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F i g u r 4. durch die so entstandene Spalte kann man mit einem langstieligen Griffel in das Innere gelangen und es beschreiben. Natürlich muß dies unbemerkt geschehen. Eine andere Art, zusammengeschraubte Tafeln an der Innenfeite zu beschreiben, ermöglichen eigens präparirte Tafeln, die sich aus der Charniere nehmen lassen. (Figur 6.) Bringt jedoch der Zuschauer seine Tafeln selbst mit, dann muß es der Spiritist eben verstehen, dieselben rechtzeitig mit den präparirten zu vertauschen und diese schließlich wieder zum Borschein kommen lassen. Eine sehr einfache Methode wendete ein bekannter Prestidigitateur an, um auf Tafeln Schriften hervorzuzaubern. Wenn die Tafel auf den Tisch gelegt wurde, vernahm man sofort das Gerausch des Schreibens, ohne daß Schriftzeichen sichtbar wurden. Wenn man dann die Tafel umwendete, sah man die Schrift. Die Sache war ebenso sinnreich, als wenig complicirt. In dem Tische war ein KnaSe verbog gen, der, wenn di: Tafel hingelegt wurde, einen von derselben bedeckten Schieber öffnete und schrieb. Bevor die Tafel weggenommen wurde, zog der Knabe den Schieber zu, so daß der Trick nicht bemerkt werden konnte. Ein überraschendes Stückchen ist folgendes. Auf dem Tische liegt eine Anzahl von Schreibtäfeln aufgeschichtet, welche auf beiden Seiten abgewischt ii F i g u r 5. werden und sich unbeschrieben zeigen. Sie werden dann nebeneinander auf den Fußteppich gelegt. Beim Aufheben der Tafeln zeigt sich eine derselben beschrieben. Die Schrift befand sich jedoch schon vorher auf derselben und die Tafel steckte unter dem Fußteppich, von wo sie durch eine Oefsnung desselben unbemerkt hervorgezogen und mit den anderen wieder auf den Tisch gebracht wird. Die Gefahr dabei ist nur. daß ein aufmerksamer Zuschauer sich die Zahl der ursprünglich auf dem Tische gewesenen Tafel merkt und dann findet, daß sich dieselben um eine vermehrt haben. Ferner wäre noch zu erwähnen die Schiebtafel, die zu mancherlei spiritistischen Tricks dienen kann, sowie das Schreiben mit dem Magnet. Das Letztere erfolgt in der Weise, daß zwei von nem Zuschauer selbst mitgebrachte Tafeln miteinander verbunden F i g u r 6. und versiegelt werden. Der Ezperimentator bringt dabei ein Stückchen Kalk zwischen die Tafeln, deren eine sich dann beim Auseinandernehmen beschrieben findet. D!c Schrift wurde mit einem Magnet hergestellt. Das Stückchen Kalk, welches vorher pulveriTiri und stark mit Eisenfeilspänen gemengt wurde, zerfällt zwischen den Tafeln und der Kalkstaub mit den stark magnetischen Eisenfeilspänen gruppirt

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ben gezeichneten Stellen zur Schrift. Wie man sieht, geht es also durchaus irdisch zu, wenn die Geister schreiben; es ist durchaus nichts Wunderbares daran, man hat es eben mit ganz gewöhnlichen Taschenspieler - Kunststückchen zu thun. Eine Accumulator-Bahn. Im Gegensatz zu sehr vielen bedeutend kleineren Städten ist man, ähnlich wie in Wien und Berlin, so auch in der französischen Hauptstadt lange Zeit hindurch in der Anlage elektrischer Straßenbahnen äußerst zurückhaltend gewesen. Die ersten elektrischen Trambahn - Linien wurden in Paris zwischen dem Innern der Stadt und dem 9 Kilometer nördlich gelegenen, aber in die Festungswerke der Metropole eingeschlossenen Saint-Denis angelegt. Neuerdings sind nun aber noch drei bis 6 Kilometer lange Linien hinzugekommen, welche von dem Platze vor der Madeleine nach den Vororten Courbevoie, Neuilly und Levallois führen. Bon der gewöhnlichen oberirdischen Stromzuführung hat man Abstand genommen und vielmehr das theuerste, aber in vielen Beziehungen auch bequemste System, den AccumulatorenBetrieb, eingeführt. Alle drei Linien Inneres des Wagens. werden von einer Centralstation aus betrieben, die sich am Quai Natioil" befindet. Es werden darin mittelst dreier Dampf - Dynamomaschinen von je 200 Pferdekräften elektrischeStröme von 000 Volt Spannung erzeugt und diese dann derartig vertheilt, daß sie sowohl während der Nacht die Ladung der Wagen - Accumulatoren in der Centralstation selbst besorgen, als auch tagsüber die erforderliche elektrische Kraft den an geeigneter Stelle des Straßenbahn - Netzes aufgestellten Stromvcrtheilungs- oder Ladungssäulen zuführen. Diese sind durch ein biegsames Kabel mit dem Wagen, dessen Accumulatoren geladen werden sollen, verbunden. Eine geeignete Schalt - Vorrichtung bewirkt, daß die Ladung der unter den Sitzbänken federnd aufgehängten Batterie binnen 10 bis 12 Minuten vor sich geht. Die Wagen sind zweistöckig und können 52 Ladung der Accumulat o r e n. Personen aufnehmen; dafür besitzen sie aber allerdings das für Straßenbahnzwecke recht bedeutende Gewicht von 14 Tonnen, wovon 3,6 Tonnen auf die aus 200 Zellen bestehende Batterie von Tudor - Accumulatoren Zommen. Jedes der von zwei Motoren zu je 25 Pferdekräften betriebenen Fahrzeuge vermag noch einen Anhängewagen von gleicher Größe, jedoch nur dem halben Gewicht zu ziehen. Die Schnelligkeit dieser elektrischen Straßenbahnzüge beträgt im Innern der Stadt 12 Kilometer, in den Außenbezirken 16 Kilometer in der Stunde. O weh! Madame: Nun, Minna, haben Sie den Korb mit Eiern gefunden, der draußen auf dem Flur stand?" Köchin: Jawohl,Madame, lck habe ja 'rinjetreten!" Herausgeholfen. Schneidermeister: . . . Wie, ich soll Ihnen schon wieder einen Anzug machen? Sie haben ja doch den letzten noch nicht bezahlt!" Studiosus: Kann i ch vielleicht dafür, daß er nicht länger gehalten hat?!" Gefaßt. . .. Und Du ließest Dich auf der Straße noch dazu ruhig küssen!?" Backfisch: Ich wollte halt durch Sträuben kein Aufsehen erregen !" Rückblick. Sie: Sieh, Arthur, das ist genau die Stelle, wo Du im vorigen Winter mich um meine Hand batest." Er: Hätt' jetzt das Malefiz Eis damals net a bißl einbrechen können, damit mich's kalte Wasser zur Vernunft 'bracht hätt'?" DiehöhereTochter. Sie sieben mich also nicht. Hortense?" Ich glaube nicht, Alfred, denn noch fühle ich nicht die Gluthwelle im Herzen, die heftigen Schläge in den Pulsen und das erschütternde Vibriren meiner Nerven." Aber, liebes Fräulein, ich bin doch keine elektrische Batterie!" Gaunerhum o r. Richter: Sie müssen nicht in einemfort die VerHandlung unterbrechen. Bilden Sie sich vielleicht ein, daß wir Ihnen zuliebe hier den ganzen Tag sitzen werden?" Angeklagter: No, und warum denn net, wo i nchher Ihnen zulieb' wahrscheinlich zwei Jahr werd' sitzen müssen?"

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Giöraktar.

Der Namen hat sie genug, diese gewaltige, schroffe Felsenmasse, welche da zwischen zwei Oceanen aufragt seit dem grauen Alterthum. Fretum Herculeum" sagten die Alten und glaubten, die Welt sei' da zu Ende; Gebel al Tarif" nannte sie der kühne arabische Feldherr Tarik im Jahre 711. als er auf dem Gipfel seine Siegesfahne aufpflanzte. El Estrichs de Gibraltar" wurde sie wieder für die Spanier, und Schlüssel des Mittelmeeres" taufte sie das seemächtigeEngland, als es 1704 im spanischen Erbfolgekrieg in den Besitz gelangte. Diese Bezeichnung ist geblieben. Den mächtigsten Eindruck macht der Felsen von Gibraltar mit seinen nestergleich an ihm klebenden beiden StädGibraltar. (Vom Hafendamm.) ten Spanish Town" und English Town", den Kasernen, Signalstationen, den in der Bucht liegenden Schisfen, wenn man vom atlantischen Ocean her anfährt: die Säulen des Herkules, das Eap Eenia mit seinem riesigen Leuchtthurm, die Spitze drüben, der letzte Ausläufer des europäischen Festlandes Europa Point" genannt da ist die Küste Afrikas hoch oben der Thurm eines Maurenschlosses zwischen Eypressen und Agaven; an der Bucht drüben die spanische Stadt Algesyras mit ihren weißschimmernden Häusern. Zauberhaft schön und großartig wirkt das alles, aber nicht minder wundervoll ist der Blick von oben herab, von dem Signal", der höchsten Spitze, die betreten werden darf. Da sieht man auf zwei Oceane und zwei Welttheile und auf die nur eine Viertelmeile breite neutrale Zone", den kleinen Landstreifen, der englisches und spanisches Gebiet von einander trennt. Felsgallerie mit Batterien. Ob die Festung Gibraltar heute noch von Strategen als uneinnehmbar" betrachtet werden darf, darüber gehen die Meinungen auseinander. Den Laien, der von der Commandant? die Erlaubniß bekommen hat, die in den Felsen gehauenen Gallerien, endlose Gänge mit Nischen und Räumen, in denen gewaltige Kanonen vor Schießscharten aufgefahren sind und wo viele Tausende von Menschen sich einnisten können, in Begleitung soldatischerFührer zu durchwandern, zwingt diese Riesen - Minierarbeit zu staunender Bewunderung. Die spanische und die englische Stadt stoßen dicht aneinander und doch kann man sich keinen größeren Contrast in nächster Nachbarschaft denken. Auf der spanischen Seite das volle südliche Leben, ein so internattonales Völkergemisch zugleich, wie man es wohl kaum auf einem zweiten Hafenplatz sieht. Der Staub, das Gefchrei, der blaue Himmel, die wild durcheinander rollenden Wagen, die ruhig ausschreitenden beladenen Esel, die Schautische auf den Straßen, das Anpreisen der Waaren, ein sinnbetäubendes Gewirr; Neger, Türken, Spanier, Jndier. Europäer, Weiber aus dem Volk, gluthäugig und braun, Damen in den offenen, sransengeschmückten Holzwagen in buntester Toilette. So entwickelt sich das Gewühl vom Thore her über den Marktplatz, wo die Verkäufer neben den Südfrüchten hockend kauern, bis zu den Läden mit den buntschimmernden Stoffen, den Wasserpfeifen, spanischen Hüten und Spitzen, mit denen die Passanten von den Schiffen angelockt werden. Die englische Stadt! Soweit es sich mit dem Klima verträgt, haben die Engländer ihre Gewohnheiten und Sitten auch hierher mitgebracht. Die Häuser sind nach spanischer Art gebaut aber sie liegen, meistens von einem Stück Garten begrenzt, in feierlicher Ruhe da. Um die Nachmittagsstunde wird eZ lebendig in der Alanreda, der großen Promenade, einem

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geschmackvoll angelegten öffentlichen Garten, in dem sich die Denkmäler der englischen Helden Wellington" und Elliot" erheben, die für Gibraltar von so großer Bedeuwng waren. Da geben sich Spanish Town" und English Town" ein Rendezvous. Die schottische Militärkapelle spielt, auch der Dudelsack fehlt natürlich nicht, und bei den Klängen englischer Weisen und moderner Opernmelodien wandelt man hier auf und nieder. Spanien hat den 'Verlust Gibraltars nie verschmerzen können. Noch im Jahre der Besitznahme durch die Engländer ließ König Philipp V. das Felscnnest mit 10.000 Mann von der Landseite und mit 20 Schiffen von der Seeseite angreifen. Das Unternehmen endigte aber ebenso wie ein 1705 gewagtes, mit einer Niederlage. England hat im Laufe der Zeit die Festung so vervollkommnet und ausgerüstet, daß sie in den Ruf kam. durchaus uneinnehmbar zu sein, aber mit der wachsenden Bedeutung des strategisch so wichtigen Platzes wuchs auch das Verlangen Spaniens nach Rückeroberung. Trotz Verträge und förmlicher

Verzichtleistung unternahm Spanien ' 1727 von neuem einen wieder kläglich verlaufenden Angriff, entsagte dann 1729 im Vertraae von Sevillci ncck einmal allen Ansprüchen und ging 1779 wieder angriffsweise gegen Gibraltar vor, indem es die Landzunge a Die Alameda-Promenade. zu Land und Wasser für lange Zeii einschloß. 1781 machten die Engländer aber einen siegreichen Ausfall nach der Landseite und vereitelten 1782 den Plan der Spanier, die Festung von der Seeseite durch schwimmende Batterien zu beschießen. Seitdem hat, trotz mehrfacher kriegerischer Verwickelungen zwischen England und Spanien, ein Angriff von der Seeseite nicht mehr stattgefunden und es hat jetzt, nachdem die Spanier ihreOhnmacht neuerdings so offenbar bewiesen haben, den Anschein, als würde Gibraltar die englische Herrschaft niemals mit der spanischen vertauschen. Die abgeguckte Toilette 2. Abweisung. . . Gut, ich will Se bei mir anstellen mit 'm Monatsgehalt von 60 Mark!" 60 Mark? Damit kann ich keine großen Sprünge machen!" Wie heißt große Sprünge machen? Sind Se ä Geisbock?" Biblische Zeiten. Mrs. Noah: Ich bin jetzt gerade 400 Jahre alt." Mr. Noah (galant): Du siehst aber um keinen Tag älter als 300 aus, meine Theure!" Doctoren-Handschrift. Braut eines Arztes (schreibend): Lieber Alfred! Da ich soeben die letzteZeile Deines vor vier Wochen erhaltenen Briefes glücklich entziffert habe, bitte ich Dich um ein neues Lebenszeichen." Fataler Nachsatz. Sänger: Nun, Herr Doctor. wie gefällt Ihnen mein Tenor?" Kritiker: .Hm, Sie haben etwas von Wachtel an sich." Sänger (geschmeichelt): Ah und wieso?" Kritiker: Sie singen wenigstens wie 'n Droschkenkutscher."

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Ein boshafter Gatte.

....Du schimpfst immer über meinen Gesang, Arthur, und klagst darüber, daß er. Dich aufregt während unser süßes Karlchen sofort schläft, wenn ich ihn einsinge!" O. das ist ein Schlaumeier! Der' stellt sich nur schlafend, damit Du still bist!" Entschuldigt. . . . Ich mochte nicht so, wie Sie, vom Heirathsgut der Frau leben!" Aber ich bitte Sie: das ist sau erworbenes Geld!" Ein guter Kerl. A. : Schauen S' nur, wie der Privaticr Lämmlc, beladen wie ein Hausirer, daherkommt! Was thut er denn mit den vielen Sachen immer?" B. : Nichts! Wissen Sie. der ist so ein guter Mensch, daß er jedem Haustrer, der ihm ein bissel vorjammert, etwas abkauft!" Bedingte Noblesse.. . ,5 Schmierenmutter: So ein Ueber muth! Verlangt unsere erste Liebhaberin wegen so 'n Bischen Kopfweh gleich Limonade!" Vater: Zmmer piano, meine Liebe! Die Limonade soll sie haben, aber erst morgen Abend; da kann sie dann gleich die Louise in Kabale und Liebe" dazu spielen!" Jmmerderselbe. Münchner (in einem Bergwerk, 600 Meter unter der Erdoberfläche, zum Führer): Sie, kommen wir nicht bald zu einem Wirthshaus?" KleineAblühlung. f) Glauben Sie nicht, Herr Professor, daß mein Sohn einmal ein Meister in der Malerei werden wird?" Gewiß! Der gibt 'mal einen ausgezeichneten Malermeister!" Die letzte Hilfe. Weinbergsbesitzer: Sie als Chemiker muß ten doch eigentlich ein Mittel wissen, um die Rebläuse zu todten; von meinem Weinberg hahen sie mir schon neun Zehntel abgefressen." Chemiker: Oh, dann warten Sie nur noch ein Bischen, dann verhungern die Biester.-

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