Indiana Tribüne, Volume 22, Number 97, Indianapolis, Marion County, 25 December 1898 — Page 6

Das Wärtenloöcn.

Dcr Martinltag nimmt unter den 'Festen, die in den deutschen Ländern Oesterreichs gefeiert werden, eine hervorragende Stelle ein, obwohl die verschiedencn, auf diesen Tag bezüglichen Gebräuche meistens erst am nächstfolg?nden Sonntag ausgeübt werden. Es ist aber auch "bemerkenswerth, daß, während sonst die meisten der noch vor Jahrzehnten üblichen Volksgebräuche nur mehr auf dem Lande ausgeübt werden, mehrere von den auf den Mar tinstag bezüglichen Gebräuchen noch heute nicht nur in größeren Provinzstädten. sondern selbst in den Wiener Bezirken beobachtet werden. Am bekanntesten ist wohl der Brauch des Märtenlobens. volksmundartlich gewohnlich als Mirten" oder auch Martiniloben bezeichnet. Diese Bezeichnung findet ihre Erklärung in einem in dem kirchlichen Officium des Martinstages vorkommenden Satze, welcher lautet: Laudcmus Deuni nostnini in confessione beati Martini (Laßt uns Gott loben in dem Bekenntnisse des heiligen Martinus.) Das Märtenloben" hat allerdings mit der Das T r u n k b i t t e n. kirchlichen Feier des Gedächtnißtages außer dem entlehnten Ausdruck Nichts gemein, da es sich nur um Absammeln von bestimmten Geld- oder Naturalgeschenken handelt. St. Martin soll ja besonders freigebig" gewesen sein und die Handwerksgesellen gehen daher auch an dem auf den Martinstag folgenden Sonntag zu den Kunden, für die sie arbeiten, und bitten sie um einen Martinitrunk." Wenn alle Kunden besucht sind, wiro das gesammelte Geld dann zu gleichen Theilen unter die Gesellen aufgetheilt. Auf dem Lande wird der Martinitrunk gewöhnlich den Lehrlingen überlassen. Dieselben erhalten gleichfalls Geldgeschenke, in den Weingebieten wird ihnen aber auch öfters statt des Geldgeschenkes ein Glas Wein verabreicht. Am Tage vor Martini wird noch vielfach den Verwandten und Bekannten von wohlhabenderen Familien die Martinsgans zugesendet. Nach einer uralten Ueberlieferung soll die Gans, welche aus diesem Grunde auch wohl als Martinivogel" bezeichnet wird, an diesem Tage besonders wohlschmeckend sein und die Bringerin der Gans wird daher mit großer Freude aufgenomrnen. Am Sonntag nach Martini wird noch in vielen Orten die sogenannte .Herbstmusik" abgehalten. Die jungen Burschen müssen ihre Mädchen an diesem Tage zum Tanz führen und mit Gänsebraten bewirthen. Derjenige Bursche, der dieser Verpflichtung nicht nachkommen würde, hätte sich die Gunst 'derMädchen wohl für immer verscherzt. Man bezeichnet diesen Sonntag auch vielfach, besonders im Gebiete des Leithagebirges. wegen dieser Bewirihung mit Gänsebraten als Ganslsonntag." 's Ganstragen. Am Martinstag bläst der Halter (Viehhirt), wenn die Witterung günstig ist, zum letzten Male aus. Das Ausblasen" ist in Niederösterreich noch überall üblich und man kann es noch in der nächsten Nähe der Großstadt Wien hören. Kurz nach der Mitragsstunde, die in den Weingebieten Niederösterreichs schon um 11 Uhr beginnt, durchschreitet der Halter" mit seinem Knecht oder Gehilfen die Ortsstraßen und bläst auf seiner Trompete lustige Weisen. Wenn er ein Stückchen beendet hat und wenn er an Straßenkreuzungen anlangt, entrollt er die kurzstielige Peitsche, die er über dem Arm hängen hat, schwingt sie rasch im roeitenBogen um sich herum und bringt sie dann derart zum Knallen, daß es klingt, als ob Gewehrschüsse nacheinander fallen würden. - Einige Halter kennen auch noch den alten Märtensegen". Dieser uralte Spruch, der seine Bedeutung als geheimnißvoller Runensvruch trotz der Ummodelungen noch b:s heute beibehalten hat, wird von den Viehhirten, ' wenn sie Märtenloben" gehen, aufgesagt. Beim Eintreten in das Haus übergeben sie schon dem Hausherrn -ober der Hausfrau die Märtengirt"

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(Märtenruthe), einen gegen 6 Fuj langen Birkenzweig; derselbe soll nack der ländlichen Anschauung aufbewahrt und damit im nächsten Jahre das Vieh ausgetrieben werden. Dieser Birken-

Das A u s b l a s e n. zweig hat eine tiefere Bedeutung, und zwar als Lebensruthe". Die Birke belernet sich schon, wenn im Frühjahr die Tageswärme 7.5 Grad Celsius erreicht, und ist Krankheiten wenig ausgesetzt, wie sie auch von Feinden wenig zu leiden hat. Aeltere Stämme liefern im Frühjahre, wenn sie angebohrt werden, das zuckerreiche Birkenwasser, aus dem die alten Germanen schon den berauschenken Birkenwein bereiteten. Aus den Stämmen dieses Baumes gewinnt man auch ein Harz, das als Gichtmittel dient und zu diesem Zweck schon im grauen Alterthum verwendet wurde. Der von dem Halter vorgetragene Mirtensegensspruch" beginnt mit dem landesüblichen Gruß Tueisas Christas!" Nach demselben wird dann die Segnung von Haus und Hof, Vieh und Wirthschaft und allen Angehörigen ausgesprochen. An diesen Segensspruch schließen sich dann die auf die Märtenruthe" als Lebensruthe direct bezüglichen Verse, die wie folgt lauten: Kommt der Hirt mit der Girt. Nehmt die Giri in Eure Hand, Steckt sie wohl unter die Wand. Nehmt sie im Frühjahr wieder ab. Treibt damit das Vieh aus, 's Glück bleibt im Haus. Durch Engel aus, durch's Engelthor, Damit das Vieh gut frißt und trinkt. Die Märtenruthe. Leicht trächti wird, viel Nutz'n bringt. Damit durchHaus undHof heimkommt, Was der ganzen Wirthschaft frommt. Hat man gehört den Mirtensegen, Thät man uns Gab und Opfer geben, Gab' und Opfer wird uns gegeben In Jesum Christum, Amen." Während der Viehhirt diesen Mirtensegen vorträgt, hält in manchen Orten der mitgekommene Knecht zwei Mirtenruthen kreuzweise über den in der Zimmerecke aufgemachten Hausaltar oder über ein Heiligenbild, das an der Wand hängt. Zum Schlüsse wünscht der Halter noch viel Glück und bekommt dann vom Hausherrn ein Geldgeschenk, das nach der Anzahl der in seinem Besitze befindlichen Kühe bemessen wird. In manchen Orten des Weingebietes sammeln die Halter mit ihren Buben auch den Wein, den man ihnen schenkt. Zu diesem Zwecke tragen sie große Krüge mit, in welche derWein gegossen wird. Je kräftiger einer den Mirtensegen machen (sagen) kann, desto größer pflegt auch das Geschenk zu sein. Aus diesem Grunde sind die Viehhirten auch nicht leicht geneigt, den Spruch anderen Leuten mitzutheilen und es gibt nur wenige unter ihnen, und zwar sind das meistens die Nachkommen sehr alter Hirtenfamilien, die ihn ganz entsprechend vortragen können. Zu Martini hat cuch der Most ausgearbeitet" und an diesem Tage wird daher der neue Wein getauft, das heißt, der Most wird von nun an als Wein bezeichnet. Diese Taufe wird Die Weintaufe. selbstverständlich mit einer manchesmal sehr eingehenden Kostprobe des Heurigen" verbunden, und die Weinbauer liefen sick. so lanae die - Weinaebiete noch nicht von der Reblaus schwer gena cu... ffn,i:si... micn quucii, ucim xriuiiiusuuui nicht spotten. Wie einst in grauer Vor

zeit der Gode (germanische Priester) beim Herbstdankfeste am Beginne des festlichen Gelages das Trinkhorn im Feuer weihte, dann zuerst dem Odin für Sieg und Macht und hierauf den anderen Göttern, sowie den abgeschiedenen Verwandten die Minne (Gedächtnißtrunk) ausbrachte, so trinkt man jetzt beim Martinitrunk das erste Glas zu St. Martins Gedächtniß. Wenn die Gläser aus dem Kruge gefüllt sind, lüftet der Hausvater sein grünes Weinkäppchen, dann hebt er sein Glas, in dem der Rebensaft goldig funkelt, hoch empor und sagt einen Gedächtnißspruch, worauf die Gläser geleert werden. Früher erhielt die Weintaufe am Martinitag" auch noch eine besondere materielle Bedeutung, da erst von diesem Tage an Der Wein versteuert wurde; der Most und der Sturm" (so wird der gährende Most im Volksmunde bezeichnet) waren frei.

Studenten-Ulk. Rummel und Bummel (die auf dem Heimwege ihren früheren Hausherrn stark bekneipö antreffen): Das ist ja unser Hausherr, der uns so schlecht behandelt hat dem wollen wir jetzt 'mal einen Streich spielen! Erlauben Sie uns, Herr Huber, daß wir Sie nach Hause bringen wir haben nur noch einige Schritte! . . . So! . . . Und nun wünschen wir Jh' nen recht angenehme Ruhe! Der wird schauen, wenn er morgen in der Frühe aufwacht!' V e i P r 0 tz e ns. Kohn: Nun Sarah, was ist eigentlich heute mit Dir, Du bist ja ganz aus dem Schlößchen ?" AucheinTraining. Aber wie können Herr Lieutenant nur bei jedem, auch dem traurigsten Witze, lachen?" Training, Gnädigste, muß oft dienstlich lachen." VertrauenSwürdi g. Richter: Ehe Sie den Eid leisten, muß ich Sie fragen, haben Sie schon einmal geschworen?" Zeuge: Jawohl, aber das gilt nichts, denn der Eid war falsch!" Dienstboten von heute. Dienstmä'dcken: Fahren die gnädige Frau Sonntag mit dem Rad aus?" Nein!" Ach, dann dürfte ich wohl bitten, mir es zu leihen, das meinige ist in Reparatur!" Häusliche Scene. Schmierenschauspielerkn (zu ihrem, ausFurcht vor ihr, unter dem Bett liegenden Manne): Sofort kommst Du mir hervor. Du Lump. Du hast noch nicht einmal Deine Heldenrolle für den Abend einstudirt!" Unter Szvdenten. Erster Student: Lß uns 'mal hier in diese Weinkneipe ' gehen." Zweiter Student: Nee, Tu, da müssen wir gleich bezahlen, unti das kann ich nicht, ich sitze jetzt sehr in der Tinte. Aber, wenn Du willst, gehen wir, mal heute in den Weißen Schwan".'. Erster Student: Da mag ich wieder mcht hingehen, denn beim Wirth zum'wWeißen Schwan sitze ich zu sehr in der M l.Jt Kreide

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Aas Land'ßinmaleins. Der polnische Mathematiker Vroko-

powicz hat für den Elementarunterricht im Rechnen ein neues System erfunden, wonach sich die Multiplikatio.nen zweier ein- oder zweistelliger Zahlen auf einfache Weise vermittelst der zehn Finger der Hand ausführen lassen. Ursache zu der Erfindung gab die von vielen Rechenlehrern gemachte Erfahrung, daß das Kind die Produkte der Ziffern von 2 bis 6 mit ziemlicher Leichtigkeit gewinnt und im Gedächtniß behalt, daß dagegen über die Ziffer 6 hinaus die Multiplikation größere Mühe macht und über 12 hinaus, auf dem Gebiete des Großen Einmaleins", dazu nöthigt, Papier und Stift zur Hand nehmen. Prokopowicz beobachttete nun öfter, daß Kinder bei schwierigeren Aufgaben, die sie im Kopfe lösen sollten, ihre Finger zu Hilfe nahmen. und diese Wahrnehmung ließ ihn zu seinem System gelangen. Danach werden die Finger jeder Hand als Repräsentanten von Ziffern betrachtet. Die Daumen stellen ,e 6 vor. die Zeigefinger 7, die Mittelfinger 8, die Goldfinger, 9 die kleinen Finger 10. Sollen nun zwei Zahlen mit einander multiplicirt werden, so legt man die beiden Finger der entsprechenden Ziffern mit den Spitzen aneinander. Beispielsweise: Es soll 9 mit 9 multiplicirt werden. Dann wird der Ringsinget der einen Hand mit dem Ringsmger der anderen Spitze an Spitze gelegt. Die oberhalb der zusammengelegten Spitzen befmducyen Finger, diese mit eingeschlossen, stellen dann die Zehner dar. die ??inaer unterhalb der beiden vereinigten Finger sind die Einer, die mit einander multiplicirt und zu den Zehnern zugezählt werden müssen. In unserem Falle bleiben oben 8 Zehner gleich 80, unten 2 Einer gleich 1 mal 1. In Summa 81. Will man 7 und 9 multipliciren, so legt man die Spitze des linken Zeigefingers der einen Hand an diejenige des rechtenGoldfingers, oder auch den rechten Zeigefinger an den linken Goldsinger es ist gleich, welche von beiden Händen die Ziffer des Multiplikators oder des Multiplikanden darstellt. Und nun zahlt man wieder: oberhalb der vereinigten Finger, jene mit hinzugerechnet, giebt 6 Zehner gleich 60, untcrhalb ein Finger an einer Hand, drei an der anderen, also 1 mal 3 gleich 3, zusammen 63. Bis hierher hat das System, mit den Fingern der Hand zu multipliciren, nur für das Kind Werth, das sich im ersten Jahre des Unterrichts befindet. Unter den Erwachsenen giebt es ja. wenn auch Manche so aussehen, als könnten sie nicht bis drei zählen, doch nur wenige, denen die Produkte zweier einstelligen Zahlen nicht ganz geläufig sind. Anders, wenn es sich um die Multipikation zweistelliger Ziffern handelt, wenn das große Einmaleins" erforderlich wird. Das haben auch die Meisten einmal gekonnt, aber viele darunter haben es glücklich wieder ver-' schwitzt. Bitte, rasch wieviel macht 13 mal 14?. . . Wer sich bei einer solchen Frage länger besinnen muß, dem giebt die Methode Prokopowicz ein foillkom menes Mittel an die Hand", sich zu helfen. Er numerie jetzt seine Finger wie folgt: Die beiden Daumen Zeigefinger m Mittelfinger Goldfinger ' , kleinen Finger je 11 .12 .13 .14 .15 Nun werden wieder, wie oben, die Finger, welche Multiplikator und Multiplikant darstellen, Spitze an Spitze gelegt. Oberhalb der vereinigten Spitzen, diese mitgerechnet, befinden sich wieder die Zehnerfinger, 7 an der Zahl, macht 70. Die Finger unterhalb der Vereinigung kommen aber hier nicht in Betracht, dielmehr werden nun die soeben als Zehner gezählten oberen Finger noch einmal als Eine? multiplicirt und hierzu die constante Zahl 100 addirt. Das 3 mal 4 gleich 12, 100 hinzu gleich 112, hierzu noch das oben gewonnene Zehnerprodukt 70 gleich 182 als Produkt der Zahlen 14 und 13. Nach einer anderen, nicht ganz so einfachen Methode repr'äsentiren die Finger oberhalb der vereinigtenSpitzen Zwanziger, die .übrigen (unteren) Fingern Zehner, schließlich werden dann noch die oberen Finger als Einer multiplicirt. woraus sich irn Falle vsn Fi

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gur 11 als Produkt von 14 und 13 ergäbe: 7 mal 20 gleich 140 3 mal 10 gleich 30 4 mal 3 gleich 12 182 Will man zwei Ziffern multiplici ren, die höher als 15 sind, so müssen die Finger neu numerirt werden. Näm lich:

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Die Daumen mit je 16 Die Zeigefinger mit je 17 und so fort bis zu den kleinen Fingern gleich je 20. In dieser Serie werden die oberen Finger nicht als Zehner, sondern als Zwanziger gezählt, das Produkt der übrigbleibenden unteren Finger ergiebt die Einer, und als Konstante wird die Zahl 200 addirt Will man demnach das Produkt von 16 und 17 ermitteln, so ergiebt die Methode, wie Figur 12 zeigt: 3 Zwangzigerfinger gleich 60 4 mal 3 Einerfinger gleich 12 Konstante , gleich 200 272 Diese Methode läßt sich auch aus höhere zweistellige Zahlen ausdehnen, unter der Bedingung, daß Multiplika-tor-und Multiplikand einer und derselben Reihe von 5 aufeinanderfolgenden Zahlen angehören. Aber einerseits schränkt diese Bedingung die praktisch? Bedeutung des Systems bei höheren doppelstelligen Zahlen sehr ein, and:rerseits wird die Sache durch die wechfeinden Vorschriften über die Verwendung der oberen und der unteren Finger recht complizirt und unbequem. Bis zu 15 dagegen ist die Methode leicht einprägsam und verwendbar. Schlecht herausgeholfen. Warum bist Du denn neulich so schnell ausgerissen, als ich Dich anrief? Du hast wohl gedacht, ich wollte Dich anpumpen!?" Ja warum nicht gar! Weißt Du, der Arzt hat mir nämlich viel Bewegung verordnet!" Auffallendes Lob. Gast (zum Wirth): Seh'n Sie, Herr Pamperl. heut' ist einmal der Wein gut; da läßt sich nichts d'rüber sagen das ist ein echter Naturwein!" Gastwirth (zum Schankburschen): Malefizbub'. hast g'wiß aus dem Faßl her'geb'n. wo i' noch sei Wasser ?neing'schütts hab' ?!" Boshafter Wunsch. Iunaer Arzt (m einem Redacteur): In meinen Mußestunden verfasse ich Gedichte." Redacteur: Nun hoffentlich bekommen Sie eine recht große Praxis!" Die Welt hält fo manchen für einen Leu, der nur eben zur Gattung der Katzen gehört. Bequem. A.: Was, Du läßt Dich von Deiner Frau erhalten?" B.: Ich bin ein Anhänger der Emancipation!" Höchste Anerkennung. Aeltere Dame (zu einer jüngeren, welcke eben in einer Liebbabervorstellung das Dienstmädchen gespielt hat): Nein, wie reizend! Sie haben so natürlich gespielt, gerade so benahm sich mein letztes Mädchen, das ich ihrer Lreqe:t wegen zortgeiag: yave:

gilt Aanipf.Luftschiff. Das Streben, die Aufaabe des lenk-

baren Luftschiffes zu lösen, fesselt die Gedanken des Menschen in derselben unablässigen Weise, wie etwa im Mittelalter die Sucht des Goldmacyens herrschte. Mit dem Luftballon hat man in Bezug auf seine Lenkbarkeit im Großen und Ganzen schlechte Erfahrungen gemacht und es ist deut ucy bemerkbar, daß die Erfinder der letzten Jahre mehr dazu aeneiat sind. die Sache anders anzufassen. Deshalb will man stcy nicht mehr aus die selbstthätig wirkende Triebkraft eines Gasballons verlassen, sondern man will an iyre istelle rechte Maschinen setzen, deren Kraft man in jedem Augenblick regeln und nach bestimmter Richtung lenken kann. Die große Schwierigkeit bei der Anwendung von Maschinen in der Luftschifffahrt besteht nun selbstverständlich , darin, daß dieselben im Verhältniß zu der von ihnen erzeugten Straft ein zu grotzes Gewicht besitzen, um sich selbst, den für sie nöthigen Bertical - Durchschnitt. Brennstoff und außerdem noch die zu befördernde Last in die Luft heben zu können. Mit besonderer Hoffnung wenden sich daher jetzt die Blicke vieler Luftschiffer auf das Aluminium als dasjenige Metall, das wegen seiner Leichtigkeit und doch bedeutenden Festigkeit sich zum Bau von Lufschiffen besonders eignen würde. Der amerikanifche Physiker, Professor Langley, schuf ein kleines Dampfluftschiff, das Aerodrom, das, von Schrauben getrieben, sich in die Luft erhob und nach einem schönen sanften Schwebeflug wieder zur Erde zurückkehrte. Das große Aluminium - Luftschiff des leider jung verstorbenen österreichischen Ingenieurs mit dem vielverheißenden Namen Bcrthold Schwarz ging zwar bei seinem ersten Aufstiege bei Berlin in Trümmer, hat aber doch auf alle, die dem Schauspiel seines Aufstieges beiwohnten, den hoffnungsvollen Eindruck hinterlassen, daß auf diesemWege etwas zu erreichen ist. Die lange gesuchte Lösung desProblems hofft der Professor Giampetro von der Universität in Pesa mit einem Luftschiff gefunden zu haben, von dem die beigegebenen Abbildungen eine Vorstellung geben sollen. Das große Bauwerk, welches den Menschen durch die Luft zu tragen bestimmt ist. wird wiederum aus Aluminium bestehen. In seinem Haupttheile gleicht es einer Risenspindel, deren Länge von einer Spitze zur anderen fünfmal größer sein wird als ihr Durchmesser in der Mitte. Wie lang dieses Luftschiff werden soll, ist vorläufig noch nicht berichtet worden. Das Luftschiff. Unten an dieser Spindel hängt eine Gondel zur Aufnahme der Passagiere, und von dieser führt mitten durch den Körper der Spindel hindurch ein Aufzug bis zu einer kleinen Gondel, die oben auf dem Körper des Luftschiffes angebracht ist. Diese letztere ist dazu nöthig, einem Manne Platz zu gewähren, der die gro-ßen, oben auf der Aluminiumspindel an drei Masten angebrachten Segel zu bedienen hat. Außerdem befinden sichan den Seiten der Spindel zwei langgestreckte Segel, den Seitenflossen eines Fisches vergleichbar, deren Bewegung ein Auf- und Absteigen des Luftschiffes ohne AnWendung von Ballast ermöglichen soll. Innerhalb der Riesenspindel ist noch ein mit Gas gefüllter Ballon angebracht, um den Auftrieb zu erhöhen. Zwei an den Seiten angebrachte Schrauben dienen ' theils zur Veränderung der Fahrtrichtung, theils zu anderen Manövern. Die treibende Maschine befindet sich ebenfalls im Innern des Aluminiumkörj?ers, sie soll eine Kraft von sechs Pferdestarken entwickeln und em schließlich des Brennmaterials für eine fünfstündige Fahrzeit nicht mehr als 120 Kilogramm wiegen. Außerdem sind im Innern nochAnker, Haltetaue und Ballast untergebracht. Das Gewicht des ganzen Luftschiffes wird auf 1100 Kilogramm angegeben und der Erfinder glaubt versichern zu lonnen, daß dasselbe für ca. Z12.000 gebaut werden kann. ES giebtMütter,die die Bahnzüge aufhalten würden, wenn sie darin Schwiegersöhne fänden. Durch einen Blick, den uns jemand zuwirft durchblicken wir ihn oft am schnellsten. VomVertheidigertisch. . . Der Staatsanwalt dreht so lange an den angeblichen Jndicienbeweisen, bis er sie dem Angeklagten als fertigen Hanfstrick um dm Hals legen kann!"

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Gute Auörede.

Die Geisterstunde war noch nicht ganz abgelaufen als sich die Schlafzimmerthüre im Hause des Aiccbüraer Meisters Halmle geräuschlzs öffnete und e:ne Gestalt unhoroar hereinschwebte. Die Frau Vicebürzermeisterm. zufällig hell wach, fuhr jäh in feU Höhe, aber sie fürchtete siü) nichi. Halt! rief sie mit lauter Stimme, und der Geist stand, wi: gebannt, auf dem Flecke. Also so hältst Du Deine feierlichsten Versprechen! Schlaflos lieg' ich hier seit vier Stunden !" .Pst! Pst! liebste Mali ich glaub's ja. und es war auch nicht schön aber laß' mich nur erzählen, dann kannst Tu mich meinetwegen verurtheilen!" Das wird 'was Schönes sein!" murrte sie. Ist auch schön! Paß' auf! Um zehn Uhr wollt' ich nach Hause gehen und hatte bereits bezahlt, als der Apoihe ter, von dem ich Abschied nahm, sich nach Dir erkundigte!" Nach mir?" unterbrach ihn Frau Mali. Ich habe dock mit dem 5errn meiner Lebtag noch keine zehn Worte gewechselt!" Ja, ,a, verstell' Dich nur!" scherzt: Hälmle, es muß doch etwas dahinter sein!. . . Er fragte also, wie es Dic ginge, was ich entsprechend beantwortete. Nun wandte er sich an die ander'n Herren und sagte: Sehen Sie. meine Herren, d e m Mann kann man's mcht verübeln, wenn er pünktlich nach Hause geht. Wer eine solche Frau besitzt, darf sich keinen Augenblick brsinnen, ihr auf jede Weise eine Hochachtung zu bezeugen! Sie ist eine Perle von einer Frau! Geben wir ihm unseren Ausdruck specieller Hochachtung mit, indem wir rufen: Frau Vicebürgermeisterin Hälmle lebe hoch!" Nun stießen Alle auf Dein Wohl an und ich stand da und hatte öereit ausgetrunken! Es wäre doch eine unverzeihliche Rücksichtslosigkeit gegen Dich gewesen, wenn ich nicht angestoßen und mich in Deinem Namen bedankt hätte; und so kam's, daß es ein wenig später wurde!" Frau Hälmle sah ihren Gatten an, wie derGroßinquisitor einen heimlichen Ketzer angeschaut haben mochte, aber Hälmle zuckte mit keiner Wimper und erwiderte den fragenden Blick so unbefangen, daß sie überzeugt war. Sie bot ihm freundlich Gute Nacht!" ja, sie wollte sogar noch wissen, was weiter über sie gesprochen worden sei; aber er schnarchte schon. Am nächsten Abend ging Hälmle wieder zu seinen Zechgenosscn und wie der Zufall wollte es wurde wieder arg spät! Als er in das Gemach eintrat, in dem die Gattin ruhelos seiner harrte, begann er sofort: Denk' Dir nur, Mali! Es ist kaum zu glauben, aber heute ist es gerade so gegangen wie gestern! Man hat mich gefragt, ob Du nicht unwillig gewesen seiest, als ich so spät heimgekommen. Ich berichtete natürlich, daß Du im Gegentheil die Liebenswürdigkeit selbst gewesen seiest. Da waren nun Alle begeistcu;' es hieß, eine solche Frau gäb' es nicht mehr, und der Apotheker ja, ja Du Schlange! der Apotheker erklärte, er werde Dir zu Ehren eine Bowle brauen. Das konnte ich ihm natürlich nicht verbieten, und da ich gewissermaßen Deine Stelle zu vertreten hatte, mußte ich bis zum letzten Tropfen bleiben!. . Ja. ja dieser Apotheker bei dem scheinst Du einer. Stein im Brett zu haben!" Frau Mali sah sinnend vor sich hin. Sollte dieser Apotheker wirklich ein so tiefgehendes Interesse für sie im Busen tragen? ? . Die während dieser Erwägungen eintretende Pause benützte Hälmle, um sein Sägewerk in Bewegung zu setzen. Am nächsten Abend kam Hälmle gar nicht, sondern erst Morgens um drei Uhr nach Hause. Im Gehirne der Frau Mali dämmerte es bedeutend. Mit schneidendem Hohn empfing sie ihn unv fragte: Na, habt Ihr mich etwa heute auch wieder leben lassen?" Hälmle nahm seine paar Leöensgeister zusammen und erwiderte: Weißt Du. liebe Alte, die Herren sahen heute allerdings s 0 a u s. als wenn sie wieder etwas Derartiges bcabsichtigtea und da mußU ich doch abwarten, oö es dazu kommen werde! Leider habe ich dieses Mal umsonst gewartet und sür Dich einen Schlaf geopfert!" Zwei Sekunden darauf schnarchte er bereits. Sie aber hob sämmtliche Schwurfmger in die Höhe und sprach 'feierlch: Na, wart'! Du freu' Dich 'tvaS verdreht. Der Hiaslbauer wird Nachts durch Feuerlärm aus dem Schlaf geweckt. Es brennt bei ihm die Flammen fchlagen bereits zur Thür herein. Im Schreck und in der Eile, -zu entkammen, zieht er seine Hose verkehrt an und springt zum Fenster hinaus. Nun, Michel," fragt ihn der außen stehende Herr Pfarrer theilnahmsvoll, Ihr habt Euch doch nichts gebrochen?" .Nein, Hochwürden," sagt Michel, noch ganz verwirrt von dem gehaben Schrecken, an sich heruntersehend, 'brachen is. denk' i', nix; i' glaub' aber, i' hab' mir bei'm Rausspringen 'was verdreht!" Triftiger Grund, j Wie alt ist die blonde Mayer?" Gestern war sie zwanzig, heute achtzehn!" Wieso?" Nun, gestern wa? k'.rlobt, und heute ist die Partie zurückgegangen!" . . Kindlich. Vater (beim FrühsW): .Pfui. ein faules Ei!" Fritz, chen: Nicht wahr. Papa, daö hat ein faules fcsfc. siUl"