Indiana Tribüne, Volume 22, Number 97, Indianapolis, Marion County, 25 December 1898 — Page 2
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gut Weihnachtsgeschenk. Von Ed. PStzl. Wenn ich an meine Weihnachten im vorigen Jahre denke sagte unser Stammtisch - Genosse Hubert so dreht sich mir noch immer die Galle um. Es war ganz verpfuscht: keine Weihe und eine Nacht! na, ich will lieber gar nicht davon sprechen. Wir redeten ihm zu. doch sein Herz auszuschütten, und so erzählte er endlich mit grimmigem Humor die Geschichte seines vorjährigen Weihnachtsgeschenkes. Ich muß vorausschicken, begann er. daß meine sonst liebe und brave Frau zwei Schwächen hat: eine für kleine Kinder, sie mögen noch so fragwürdig um die Nase herum aussehen, und eine für Hunde, namentlich für rechte Ungethüme. Nun, wir haben leider keine Kinder, und ich muß daher noch froh sein, daß ihre Leidenschaft sich nicht auch auf wahnsinnige Papageien oder die mir verhaßten Katzen erstreckt. Seit demHingang unseres armen Tiger", der in dem hohen Alter von vierzehn Jahren von einem Comfortable überfahren worden ist. weil er mit seinem Fettwanst nicht rasch genug ausweichen konnte, hatten wir keinen Hund mehr gehabt. Da gedachte ich denn meiner Frau eine ganz besondere frohe Ueberraschung zu bereiten, indem ich von einem der Hundehändler, die
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ihre vierbeinige Waare durch dieStraßen der Stadt zerren, eine schöne, etwa einjährige Dogge kaufte. Ein Prachtvolles Thier mit einem Gcbiß wie ein Löwe und einem sammtweichen glänzenden Fell, von dem meine Frau ohne jeden Zweifel entzückt fein mußte. Der Hundevater verlangte schweres Geld ich mag es gar nicht sagen wie viel für das Vieh, weil es seiner Angabe nach auf den Mann" dressirt war. Sie." wendete ich ein, das ist mir gar nicht recht. Wer weiß, in welche Ungelegenheiten ich dadurch mit dem Hunde komme. Der packt mir am Ende die besten Freunde an." Aber Euer Gnaden." beschwichtigte mich der Händler, der is ja genau nach'n Büach'l dressirt von mir. Wissen S', da wird a Pampaletsch. a Pupp'n aufg'stellt bei mir z' Haus hat's a alte Dienstmann - Uniform an und auf die wird der Hund ahefci. Er wirst's nieder und Halt's beim Kravatt'l, bis m'r ihm 's Auslass'n schasst, ohne daß er etwan beißt. Denken S' nur: dö Sicherheit im Haus! Da brauchen S' gar net mehr die Thür zuaz'spirrn!" Schon recht; mir wär' es lieber, wenn er die Kunst nicht verstände. Wie steht's denn mit der Zimmerreinheit?" Gnä' Herr, so was von Schamge fühl hab' i bei an Hund no' gar net g'seg'n, als so was anstell'n. Na, können S' Ihnen denken, daß er zimrnerrein is, wann i 'n hab' in mein' zweit'n Bett schlas'n lass'n. Ich bin n'amli' Wittiber, gna' Herr, mein Weib is schon a paar Jahr'l todt Gott gib ihr die ewige Ruh'. Das guate Viech! Mir bricht eh' bald's Herz, daß i den Hund hiazt nimmer seg'n soll! Wann's net weg'n die paar Guld'n wär', die Unseraner so noth wendi' braucht, i kunnt' mi' net trenna von ihm. Es is a Seel' von an Hund. Gelt, Flock, gib's Pratz'l, Flock, mir than Abschied nehma von einand'. Aber das is a a guat's Herrl. Flock, brauchst di' riet z'fürcht'n, geh' nur, geh'!". Damit übergab er mir die Leine, ' zerdrückte eine heuchlerische Thräne. wahrend er das Geld einsteckte, und ich nahm Flock", der sich ganz geduldig führen ließ, mit mir fort. Die Freude meiner Frau, als ich ihr den LacU" Hund als Geschenk vorstellte, spottet jeder Beschreibung. !Zald umarmte sie mich, bald denHund, s? daß ich sie nach einer Weile, ein Bischen geärgert, bat, doch zunächst mich abzufertigen und sich dann erst mit dem Hund zu befassen oder umgekehrt. . Wie heißt denn das schöne Thier?" fragte sie. Flock." . Aber geh'; das ist ja gar kein Name für eine so große Dogge. Wir müssen sie umtaufen.Das wird kaum gehen. Er ist diese Silbe nun schon gewöhnt, und wir müssen sie in ihren Hauptbestandtheilen behalten. Höchstens könnten wir ihn vielleicht Bock" heißen oder so ähnlich." Hör' auf! Komm' her, Flockerl. hast Hunger? Natürlich. Komm', das Frauerl gibt dir ein gutes Papperl, komm', schon herein." Flock" ließ sich nicht lange bitten, folgte seiner neuen Herrin in die Küche und fraß da alle Ueberreste auf, außerdem aber noch einen Schinken von vier Kilo Gewicht, der für die Feier tage bestimmt war, sowie einen ganzen Gugelhupf und zwei Laib Kletzenbrod. In dieser Mahlzeit, die für eine Pantherfamilie ausgereicht hätte, ließ er sich weder durch .das Kriegsgeschrei der Magd, noch durch die Vorwürfe mei ner Frau stören. Er knurrte blos, wenn man ihn verjagen oder etwas in Sicherheit bringen wollte. Auch ich, zu Hilfe gerufen, vermochte nichts gegen ihn auszurichten. Geschieht euch Recht." sagte ich endlich, was laßt ihr alle Vorräthe so herumstehen, wenn in. hungriger Hund im Hause ist."
Das armeThier," tröstete sich meine Frau, es war eben schlecht gehalten bei seinem früheren Herrn; wir müssen in Zukunft besser Acht geben, und wenn er einmal ausgefüttert ist, wird er nicht mehr stehlen. Komm' Flock, komm', es geschieht Dir nichts. Aber nicht mehr thun, Flockerl, brav sein, schön folgen. Flockerl. verstehst!". Jse wie Wolf," feufzte unsere böhmische Köchin, die Stätte der Vernichtung betrachtend. Auch Flock" sah sich noch einmal in der Küche um, und da er nichts Eßbares mehr vorfand, schritt er mit uns. sich das Maul schleckend, gemächlich in das Vorzimmer hinaus. In diesem Augenblick schellte es. Das Mädchen. öffnete einem Dienstmanne, der einem Korb Champagner, das Weihnachtsgeschenk eines Onkels meiner Frau, brachte. Kaum erblickte Flock" den Träger, so stürzte er wie rasend auf ihn zu. packte ihn an der Brust, warf ihn rücklings nieder und setzte ihm beide Vordertatzen auf die Vrust. Der Korb flog klirrend in eine Ecke. Fast nicht minder erschrocken als der arme Dienstmann standen wir Alle da, bis ich, vom Schrecken zum Zorn übergehend, den Hund am Halsband ergriff und unter kräftigen Fußtritten von seinem Opfer wegzerrte. Seien Sie nicht böse," entschuldigte ich die unheimlicheScene, der Hund ist auf den Mann dressirt." Aber warum denn g'rad auf den Dienstmann?" stöhnte der . Niedergeworfene, sich erhebend. Es ist ein Mißverständniß. Die Puppe, mit der er dressirt worden ist, hat zufällig Dienstmannskleider getragen. Hier, lieber Mann, haben Sie etwas für Ihren Schrecken und da etwas für den Gang." Der Vorfall hatte sogar meineFrau nachdenklich gemacht. Aber wie Frauen schon sind, war sie bald mit einer guten Auslegung bei der Hand. Schau," sagte sie, bis jetzt hab' ich mich immer so vor Einschleichern geängstigt. Von jetzt an bleibe ich mit der größten Seelenruhe auch allein zu Haus. Der Flock wird mit Jedem fertig. Und eigentlich thut er ja nichts, er hal dem D'enstmann kein Haar gekrümmt." Schon gut," antwortete ich; ich werde ihm die Dressur auf den Mann mit der Peitsche austreiben. Gleich morgen kaufe ich eine." Wir brachten den beschädigten Korb in Sicherheit und begaben uns dann sammt Flock in den Salon, um den letzten Aufputz an unserem Christbaum zu befestigen. Es lag nur noch der wächserne Engel da. der auf die Spitze des Tannebäumchens kommen sollte. Flocks erster Blick galt diesem Engel und einen Moment später hatte er ihn auch schon gefressen. Ich habe in meinem ganzen Leben nicht gehört, daß Hunde wächserne Engel fressen. Dieser Hund that es. Ich war starr vor Entrüstung. Meine Frau lachte. Nun, einige Minuten später verging auch ihr das Lachen. Im Streit? varüber, ob wächserne Engel nahrhaft seien oder nicht, vermißten wir plötzlich den Gegenstand unseres Zwistes: Flock. Einer schlimmen Ahnung folgend, trete ich unter die Thüre des Nebenzimmers und sehe Flock mit der Gelassenheit und Haltung eines in seinem Gewissen vollkommen ruhigen Hausthieres mitten im Zimmer weitgehende Consequenzen aus der früheren üppigen Mahlzeit ziehen.
r-vM) 'ft3xsssrs k ito Rabenvieh, Hundsknochen, warte, dich werd' ich . . ." fuhr ich, außer mir vor Zorn, gegen das schamlose Beest los. Das nennt der Lump zimmerrein?! Ich schlag' dich todt, ich muß dich todtschlagen! . Herein da! Da herein!" Aber Flock dachte nicht daran, zu folgen.- Nachdem er mir, gewissermaßen ob der unliebsamen Störung, einen vernichtenden Blick zugeworfen hatte, trabte er langsam in unser Schlafzimmer und sprang in mein Bett hinein. Darin krümmte er sich nach mehrmaliger Umdrehung zusam men und schloß die Augen. Ich raste. Die eiserne Osenschaufel schwingend, lief ich hin, um eine furchterliche Züchtigung zu üben. Aber da kam ich schön an. Rrrrrrrrr!" grollte er drohend aus seinem Rachen zwischen den gefletschten Zähnen hervor. Und dabei funkelte es tückisch aus seinen Lichtern. Ich sah, er hätte mich zerrissen, wenn ich ihm nahegekommen wäre. Was soll ich noch längere Umschweife machen: dieser Schweinehund blieb in meinem Bette und wollte nur dulden. daß ich mich in das zweite Bett legte. Meme Frau hatte es nicht wagen durfen. dasselbe zu benützen; da fletschte er jedesmal die Zähne. Ich erinnerte mich nun freilich, daß der verd Hundehändler erzählt hatte, wie das Vieh immer im Bette neben ihm schlafen durfte. Es war noch sehr gnädig von ihm, daß er mich als Herrl" anerkannte und mich zur Noth hätte neben sich lagern lassen. Selbstverständlich machte ich von diesem Zugeständniß keinen Gebrauch, sondern brachte die Nacht sammt mti ner nun gründlich bekehrten Frau auf Nothbetten im Salon daneben zu, mit dem festen Vorsatze, am frühestenMoraen den Schinder holen zu lassen. Ihr könnt euch wohl vorstellen, daß wir so viel wie gar nicht schliefen. Mitten in der Nacht horten .wird durch
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Weißnachts -
Vom sternbesäeten Himmel wieder In stille Pracht, Senkt sich zur Erde heut hernieder Die heil'ge Nacht. Wie holder Engel Singen So hell die Glocken klingen. Es strahlet von viel tausend Kerzen Der Tannenbaum, Erfüllet seh'n der Kinder Herzen die wohlversperrte Thür, wie der elende Köter aufstand und das Lavoir auf meinem Waschtisch austrank. Dann klangen wieder die' Federn des Betteinsatzes er war abermals zu Bett gegangen und schnarchte wie ein Gerechter. ... ... SOZTJ Am frühen Morgen, noch dämmerte es kaum, rumpelte etwas mehrmals gegen die Thüre. Der freche Hund hatte ausgeschlafen und verlangte hinaus. Ich nahm den Stiefelknecht in die Rechte und öffnete ihm, während meine Frau mir bittend zuflüsterte: Jag' ihn fort, aber thu' ihm nichts!Das war wirklich das Klügste. Gähnend stand das Hundedieh auf der Schwelle, schüttelte sich und folgie mir ohne jedes Zeichen von Furcht hinaus zur Ausgangsthür. Ich schob rasch den Riegel zurück ein Hieb mit dem Stiefelknecht ein Wuth- und Schmerzensschrei des Hundes und ich hatte Flock zum letzten Male gesehen. Ob er anderswo Bettgeher geworden ist, oder ob er zu dem Hundehändler zurückgefunden hat. den ich leider seitdem nie mehr antreffen konnte, ich weiß es nicht. Aber das Eine weiß ich: meiner Frau dürfte ich eher ein lebendiges Spanferkel zum Festgeschenk machen, als je mehr einen Hund! Tcr Geimtstag Christi. Warum gerade der 25. (resp. 24.) December als Geburtstag Christi gilt, läßt sich ganz genau wohl nicht festste!len. Es ist geltend gemacht worden, daß im Propheten Haggai (2. V. 20) auf diesen Tag hingewiesen sei, wo es heißt: So schauet an, von dem 24. Tage des neunten Monats, als dem Tag, an welchem der Tempel des Herrn gegründet ist der Same liegt noch in der Scheuer und trägt noch nichts, es tragen auch keine Bäume, weder Weinstock, Feigenbaum, Granatenbaum und Oelbaum aber von da ab will ich Segen geben." Da die erste Zeitrechnung nach Iahren und Monaten mit dem April als erstem Monat des Jahres begann, so war also der 23. December der 25. Tag des neunten Monats. Auf dieser Weissagung beruhte auch das Fest der Tempelweihe", welche Chanuka" hieß und durch Judas Maccabäus am 25. Kislew gefeiert wurde. Von dieser Tempelweihe erhielt das Fest den Namen: Weihenacht. 324 wird in einem römischen Festverzeichniß der 25. December zum ersten Male als Weihnachtsfest für das Abendland erwähnt, während es im Orient erst am 6. Januar gefeiert wurde, bis Kaiser Justinian ausdrücklich die Feier auf den 25. December gleichzeitig anordnete. Gute Auörede. Lüge nicht, Marie; ich habe es gesehen; Deine Lippen und die seinigen berührten sich, als ich in's Zimmer trat." Ja, Mama; das war aber nur Zufall. Ich wollte ihm etwas in's Ohr sagen, und in demselben Augenblick wollte er mir auch was in's Ohr sagen." Zurückgegeben. Autor: Sie haben in de? That die magere Schauspielerin engagirt?" TheaterDirektor: Jawohl, die paßt zu Jh. ren mageren Handlungen."
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Glückwunsch.
Den Weihnachistraum. Und wie die Hirten treten Zur Krippe ste und beten. O Menschen alle, laßt uns schauen Mit Kindersinn, Voll Liebe. Glauben und Vertrauen Zur Krippe hin! Dann wird es schon auf Erden, . Im HerzenFrieden werden! KiZristöattmschmttcsz. Waldige Höhen umgeben ein freundliches Dörfchen, das malerisch an die Bergwände angebaut im schönen Thuringer Lande liegt. Wer auf der Wanderung durch das reizvolle, lieblich romantische Thal aufsteigt nach den mit Fichten und Tannen bewachsenen Höhen, sieht unter sich die schieferbeschlagenen Häuser terrassenförmig sich an die Berge anschmiegen. Man ahnt wohl kaum, was für ein Freudenspender dieser kleine Ort ist, ein Freudenspender im wahren Sinne des Wortes, denn Lauscha. so heißt der Ort, ist berufen, durch seine mannigfaltigen bunten Glassachen, die jährlich von hier in die Welt geschickt werden. unser schönstes Familienfest, das Weihnachtsfest, äußerlich mit ausschmücken zu helfen. Wer das erste Mal unter einem mit Glas geschmückten Christbaum steht, wird den Eindruck nie vergessen. Das ist ein Glitzern und Wogen, als wenn Tausende von Lichtern ihren Strahlenglanz über das Bäumchen ausgeschüttet hätten und bekräftigten das Ehre sei Gott in der Höhe." Um den Ofen in der Hütte, in dem das glitzernde Glas geschmolzen wird, herrscht ein reges Leben. Die Arbeitsständc stnd durch Schranken voneinander getrennt und in jeder Schranke arbeiten zwei Männer; während der eine den Zug", das Stück Glas, von welchem die Röhre gezogen werden soll, zurichtet, ist der andere mit der Vorbereitung zum eigentlichen Ziehen und mit dem Zertheilen der gezogenen Röhren beschäftigt. Der Vorarbeiter taucht mit einem dünnen, langen eisernen Rohre, die Pfeife genannt, in die feurig glühende Oeffnung des Ofens und holt dam'.i aus dem Glasofen" die flüssige Glasmasse heraus, walzt dieselbe auf einer eisernen Platte (Walzplatte) in eine bestimmte Form und bringt durch Einblasen von Luft einen kleinen Luftansatz in das noch weiche Glas. Dies Herausholen. Anwalzen. Aufstoßen u. s. w. wiederholt sich so lange, bis das Stück ein ungefähres Gewicht von 2530 Pfund hat. Dann wird das Stück" nochmals tüchtig aufgewärmt, daß es, sich leicht ziehen kann, -der Ge Hilfe, auch Läufer" genannt, hat in der Zeit an einem anderen eisernen Stäbe, Lauf oder Bindeisen" genannt, sich einen runden Glasboden gefertigt und angeheftet und hält denselben bereit. Jetzt bringt der Glaser" das glühende Stück Glas aus dem Ofen, schwingt dasselbe mächtig in die Höhe, behend fängt es der Läufer mit dem erwähnten Glasboden auf,, noch
ein Schwenken hin und her und der
Bursche läuft mit der glühenden Glasmasse über schmale Holzscheitchen entgegengesetzt in genau abgemessenen Schritten davon und zieht die Rohre aus. Der Gläser hingegen ist bemüht, das Stück hohl zu blasen, indem er durch Lufteinblasen 'den erwähnten Luftansatz vergrößert; er hat dabei zu beobachten, daß das Rohr nicht einseitig und die Weite, soweit es nur möglich ist, egal wird, dann noch ein Klirren, das Rohr wird von den beiden Eisen abgesprengt und fertig ist die Röhre. Mit eigens dazu hergerichteten Messern, auch Sand oder Schmirgelstückchen werden die langen Röhren, welche eine Länge bis zu 100 Fuß haben, dann in kurze handliche Stücke zertheilt. Es werden nicht allein weiße durchsichtige, auch farbige, gelbe, blaue, mit farbigen Streifen durchzogene, gereifte, kurz die verschiedenartigsten Sorten Röhren hergestellt. In großenTragkörben oder aufTrag" brettern werden nun die Röhren meist von Mädchen und Frauen in die Häuser getragen, wo sie dann weiter verarbeitet werden. Der interessanteste Theil der Anfertigung von Christbaumschmuck ist das Blasen desselben über der Lampe. An einem Werktische sitzen mitunter drei bis vier Leute, fast durchweg Männer die Mädchen, fertigen meist Puppenaugen aus Glas und ziehen die gelieferten Rohre über einer Gasstichflamme in kleinere Stücke. Diese Stücke werden dann über der Flamme wieder weich gemacht und die verschiedensten Gegenstände davon meist aus freier Hand geblasen.- Wie durch Zauder formt sich die flüssige Masse in den Händen der Künstler, da wird eingewärmt, geblasen, gezogen, wieder gewärmt und gedrückt, bis die gewünschte Form erreicht ist. Zahllos sind die formen, die hier jährlich entstehen, da jedes Haus seine Erzeugnisse den Kunden anders darbietet als der Nachbar. Was wird nicht alles gemacht, Kugeln, Spitzen, Eier, Birnen, Aepfel und Trauben, Kugeln mit allerlei Reflexen, Vögel u. s. w. als Christbaumschmuck, Perlen-Schmelz als Schmuckgegenstände, dann aber auch anderes, Thiere, besonders Wild und Hausthiere, Blumen, Becher und Früchte als Nippsachen. In anderen Häusern wird das Glas zu Faden oder zuWolle gesponnen und in wieder anderen fertigt man Augen für Puppen und künstliche für Menschen. . Mädchen und Kinder nehmen die geblasenen Gegenstände in weitere BeHandlung, indem sie dieselben echt versilbern, bemalen oder umspinnen. Hierauf werden die Sachen mit einem schonen Metallhenkel versehen und in kleine Pappkisten verpackt; hier ruht nun das bunte Allerlei, bis es zur Weihnachtszeit versandt wird. Der große Augenblick. Auskunft. Besuch: Wie treibt es denn eigentlich Ihr Studiosus?" Zimmervermietherin: Wissn S', dem sind in der letzten Zeit Tag und Nacht a bissel durcheinander gekommen." D ummheitist wohl herrschend in der Welt, doch zum Glücke herrscht sie wcbt.
Aas Kestgcdicht. Eine lustige Weinacbtsgeschichte, von E. Jürgensen. Daß Verlobungen, wenn sie nicht gar zu hochgradig" sind und nicht allzu stürmische Bräutigams betreffen, oft bis Weihnachten aufgeschoben werden, ist wie man weiß allgemein üblich. Bei Geheimraths war's in diesem Jahr ebenso. Hier hatte die Geschichte aber auch noch ihre praktische Seite. Schlug man doch auf diese Weise zwei Fliegen mit einer Klappe. Weihnachtsgeschenke kosten nämlich doch Geld! Und da Geld bei Geheimraths sozusagen die schwächste Seite war, so hatten sich's die lieben Eltern gar fein ausgeklügelt, daß sie sich ihrer ältesten Tochter Elvira gegenüber- in Betreff der Weihnachtsgeschenke am besten aus der Affaire zögen, wenn sie ihr einfach einen Bräutigam bescheerten, denn das wird doch jeder einsichtsvolle Mensch zugeben müssen, daß es ein kostbareres Weihnachtspräsent für ein junges Mädchen garnicht geben kann, als eben einen Bräutigam! Und andererseits vice versa sagen wir Gelehrten war es ja auch unendlich klar, daß man seinen zukünftigen Schwiegersohn zur Weihnacht unmöglich reicher beschenken konnte, als wenn man ihm sein eigenes, inniggeliebtes Kind unterm Tannenbäum aufbaute als das Beste, was man überhaupt zu vergeben hatte. Weitere Unkosten waren dann ja zunächst noch nicht verknüpft! Aus diesen wohlerwogenen Gründen sollte also heute bei Geheimraths am heiligen Abend die Verlobung stattfinden, und Alles wäre ja auch sehr schön und grün gewesen, wenn nicht eben grade der Bräutigam einen kleinen Webefehler" gehabt hätte; er war, wie man so zu sagen pflegt, etwas ungrade" und laborirte gleichzeitig an fuchsrothem Haar, und wenn ihm dies bei Elvira auch nicht gerade übermäßig zum Schaden gereichte, denn die junge, im Uebrigen fehr schöne Dame, litt ein klein wenig an sogenannter Einfalt, so besaß er doch in ihrem jüngsten sechsjährigen Bruder, dem kleinen Willi, einen entschiedenen Feind. Kinder haben bekanntlich für die Fehler und Gebrechen Erwachsener häufig nicht nur einen sehr scharfen Blick, sondern sie pflegen auch ihre Abneigungen meistens recht deutlich zur Schau zu tragen, und speciell unser lieber Willi war in diesem letzteren Punkte geradezu großartig. Man hatte ihn bisher nicht nur nicht dazu zwingen können, dem neuen Schwager" jemals die Hand zu reichen, sondern das kleine Rauhbein pflegte auch bei jeder möglichen Gelegenheit die unpassendsten Bemerkungen zu machen. Also, wie gesagt, heute sollte nun am heiligen Abend die officielle Ver-
lobungsfeier stattfinden, alle artigen j Verwandtenkinder hatten zu diesem I r i.n... ti . i. v i Jwea oie reizenvuen eoicyle aus wendig gelernt und konnten sie wundervoll" declamiren, nur bei dem widerspenstigen Willi hatte man trotz aller Liebkosungen, Versprechungen und Prügel mit dieser Sache kein Glück j gehabt. Er wollte einfach nicht und wenn Willi mal nicht wollte, so war eben mit ihm nichts anzufangen. Die Geschichte verlief im übrigen sehr glatt, wie alle solche Feierlichkeiten. Nachdem die Bescheerung- vorüber war. d. h. die eigentliche Weihnachtsbescheerung, bei welcher auch Willi, wahrscheinlich um ihn recht versöhnlich zu stimmen, überaus reichlich bedacht wurde, erhob sich der alte Geheimrath und proclamirte" mit vor Freudenthränen erstickter Stimme in tiefergreifenden Worten das freudige Ereigniß. Alle Festtheilnehmer waren vollständig aufgeweicht, nur der kleine Tückebold Willi stand hart und ungerührt da, blickte finster grollend auf das neue Familienmitglied und schien diese Rolle auch den ganzen Abend weiter durchführen zu wollen. Hierauf folgten denn nun alfo die bei solchen Gelegenheiten unvermeindliehen aufrichtigen" Glückwünsche, heißen Küsse p. p. und die verschiedenen kleinen Vetterchen und Cousinchen, Neffchen und Nichtchen sagten ihre tadellosen Verse tadellos her und ernteten dafür ebenso tadelloses Lob. . Willi aber wurde . bei all diesen feierlichen Vorgängen natürlicher Weise entweder vollständig geschnitten oder mit den bittersten Vorwürfen überhäuft, weil er als eigener Schwager" auch nicht den geringsten Vers auswendig gelernt hatte; er sei ein unartiges, dummes Kind, hieß es ringsumher, ohne jeden Anstand und ohne alles Gemüth. Na, wenn Einem solche Beleidigungen direct ins Gesicht geschleudert werden, dann kann ja schließlich die verhärtetste Bosheit dadurch wohl gebrochen werden, und so geschah es denn auch zuletzt hier: Nachdem die letzten Verse verklungen waren, trat der kleine Unhold plötzlich vor und erklärte in energischem Tone, er wisse zwar auch noch ein Gedicht", aber das könnte er nur singen, aufsagen" ließe sich das Nicht! Bravo, bravo!" erscholl es da von allen Seiten. Seht Ihr wohl, der Willi ist doch ein gutes, liebes Kind!" Er hat uns nur eine freudige Ueberraschung machen wollen! Wie hübsch von ihm!- Wie bescheiden, als letzter erst auftreten zu wollen!" : Das ist wirklich mal ein edler Zug!In dieser und ähnlicher Weise schwirrten die Lobeserhebungen durch daS Festzimmer und bald hatte man den klemen, neben, prächtigen Jungen denn auch richtig unter allerhand 2ito kosungen vor das Brautpaar Hinge-
schoben, wo er ohne Zittern und Zagen , ohne anzustoßen oder stecken zu bleiben, mit seiner reinen, unschuldigen silberhellen Kinderstimme alsbald das Lied intonirte: Fuchs, du hast die Gans g e st o h l e n ! ! Weihnachten in Rom. In italienischen Familien sieht esam heiligen Abend nicht anders aus als an anderen Abenden. Wer an diesem Abend durch die Straßen Roms wandelt, der kann, wenn er den Kalender nicht im Kopf hat, an nichts bemerken, daß es die Jahresnacht der Geburt Christi ist, falls er nicht zufällig über die Piazza San Luigi seinen Weg nimmt, wo sich die französische Gemeinde in ihrer Kirche versammelt, um derMitternachtsmesse beizuwohnen. Alle anderen Kirchen sind hermetisch verschlossen. Und selbst die Kirche von Aracoeli, in der sich zu Miiternacht einst das heilige Collegium versammelte und über deren hundertstufige Treppe beim Fackelschein eine wahre Völkerwanderung zu dem aus einem Baum vom heiligen Oelöcrge geschnitzten Christuskindlein wallfahrtete, als der Papst noch in Rom rcgierte, liegt in Schweigen und Dunkel. Wo ja einmal ein Weihnachtsbaum im Lichterglanze durch die Fenster dliht, da wohnt gewiß ein Deutscher oder ein Engländer, oder doch eine Familie, in die sich durch deutschen Verkehr auch deutsche Sitten eingebürgert hab. Am ersten Feiertage strömen natürlich die Frommen in die Kirchen. Diese sind von Menschen erfüllt, und in ein!gen betet man vor den Wachsfiguren des kleinen Heilands, der Mutter Maria und des heiligen Joseph, oder auch vor einer buntfarbigen, plastischen oder transparenten Darstellung der Anbetung der heiligen drei Könige. Nur in Aracoeli predigen die Kinder. Der Deutsche, dem das Weihnachtsfest mit seiner tiefen Friedenspoesie das schönste Fest im Jahre ist, der fühlt sich darum an diesem Tage wohl nirgends wehmüthiger gestimmt als in Nom, wo man die Empfindungen nicht versteht, die ihn an diesem Feste beseelen, wo ihm das ganze Jahr lang nicht so deutlich zum Bewußtsein kommt, wie sehr ihm die Heimath fehlt, wie in der stillen, heiligen Nacht! Ein originelles Bittgesuch. Wenn der weiße Zar nach Kopenhagen kommt, so zieht diese Begebenheit ihre weiten Kreise in der Stadt. Nicht nur die ordenstrahlenden, goldgestickten Würdenträger gerathen in Thätigkeit, nicht nur unserer öffentlichen und geHeimen Polizei und jener Schaar alter und älterer Damen, die überall dabei sein müssen, wo es etwas königliches" zu sehen gibt, bemächtigt sich eine sieverhafte Ausregung, auch in anderer Beziehung ruft die Ankunft des mächtigenHerrschers viel Hoffen und Fürchten hervor. Die Rechtshilfe des Studentenbundes, die sich Unbemittelten mit Rath und That unentgeltlich zur Verfügung pellt, hat vollauf mit der Abfassung von Bittgesuchen zu thun, und die Forderungen, die man an die, wie man zu glauben scheint, unerschöpfliche Kasse des Kaisers stellt, sind bisweilen mehr als naiv. So war es, als Kaiser Alexander III. noch nach Fredensborg kam, und Nikolaus II. auf Bernstoff ergeht es nicht anders. Freilich bekommt der Zar selbst diese Gesuche selten zu Gesichte, seine Beamten erledigen die meisten derselben. Soweit die Summe reicht, die ihnen zu diesem Zwecke zur Verfügung steht, wird in der Regel bewilligt. Aber auch der Zar selbst befaßte sich zuweilen mit der Erledigung, wie neulich bei der originellen Bittschrift eines arbeitslosen, in dürftigsten Verhältnissen lebenden Anstreichergesellen. 2)er Mann hatte sein Gesuch eindringlich abgefaßt und zierlich selbst auf einen schonen Bogen weißes Papier geschrieben. In die vier Ecken des Bogens aber zeichnete er mit bunten Stiften colorirte naive Bilder. Das erste Bild zeigte' ihn selbst mit Frau und Kindern verzweifelt im kalten Zimmer um den leeren Tisch herum sitzend, auf dem zweiten stand die Frau mit ihrer letzten Habe weinend vor dem Leihhause, t auf dem dritten sah man den Gesellen ' sich tief und ehrerbietig vor den stolzen Gardisten vor Schloß Vernstorff verbeugend um Audienz bitten und aus dem letzten springt er mit freudestrahlendem Gesichte die Schloßtreppe hinunter, in der Hand einen Beutel mit der Aufschrift 1v0 Kronen. Dies originelle Gesuch ward dem Zaren vorgelegt, der sich so sehr daran er- . götzte, daß er das Kunstwerk soforl für' 100 Kronen kaufte. t Aber nun zerbrechen sich die andern den Kopf um eine ähnliche gute Idee. - Tcr Wunschzettel. '
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