Indiana Tribüne, Volume 22, Number 90, Indianapolis, Marion County, 18 December 1898 — Page 6
AnMasc". Von P. Sberhardi. Dr. Werner und seine junge Frau verlebten das erste Jahr ihrer Ehe in einem kleinen Städtchen, wo der Menschenschlag ein ziemlich gesunder, die Praxis Doktor Werners also weder eine große noch einträgliche war. Der junge Arzt hatte sein junges Frauchen sehr bald nach bestandenem Examen heimgeführt und sich in dem Gebirgssiädtchen niedergelassen, weil er hier sparsamer leben konnte als in der Großstadt. Ruhm und Vermögen wollte er später zu erringen trachten: vorläufig wollte er so recht nach Herzenslust das Glück genießen, das er an der Seit: seiner lieben herzigen Lissi in reichem Maße sand. Zu Ende des ersten Jahres hatten Werners ein Sümmchen von zwölfhundert Mark zurückgelegt. Dieses Geld hielt Frau Lissi auf dem tiefsten Grunde ihres alten Koffers verbor$en, und weder ihr noch ihrem Gatten kam je auch nur der leiseste Schatten einer Befürchtung, man könne ihnen das Geld stehlen. Seit undenklichen Seiten hatte in ihrem Städtchen kein Diebstahl stattgefunden. Noch zwei Wachen dann wollte das Ehepaar in die Großstadt übersiedeln. wo der junge Arzt die Praxis eines älteren Coüegen übernehmen sollte. Doktor Werner befand sich in bester Laune, die Zukunft lag ja so glückverheißend vor ihm! Den ganzen Tag sang und pfiff er nach Herzenslust. Auch Lissi war freudig bewegt bei dem Gedanken an die große Veränderung, die in ihrem Lkben vor sich gehen sollte. Eines Morgens machte sie jedoch ein nichts weniger als glückstrahlendes Gesicht, denn sie erwachte mit gräßlichen Zahnschmerzen, und Zahnschmerzen dünkten ihr die allerschreckIichsten von allen Leiden der Welt. Doktor Werner holte seine Jnstru--rnente aus dem Kasten und wollte Lissi den kranken Zahn durchaus ziehen. Er versicherte, sie würde den Schmerz kaum spüren, der Zahn solle heraus sein, noch ehe sie es merkte aber all diesen tröstlichen Auseinandersetzungen . verschloß Lissi die kleinen Ohren. Sie wollte nicht. Nun begann ihr Mann, sie zu necken und auszulachen; er nannte sie feige und furchtsam, schließlich rief er sie den ganzen Tag nicht anders als Angsthase" und behaupi tete. sie hätte weniger Eourage als ein zehnjähriges Kind. Meinetwegen nenne mich, wie Du willst", erwiderte Lissi. Ich lasse mir den Zahn nicht ziehen und dabei .bleibt es." Du wirst mir aber doch wohl er- ' lauben. Dir ein paar schmerzstillende Tropfen auf Watte in den Bösewicht .zu legen?" Wenn Du durchaus willst," versetzte sie recht undankbar. Vielleicht stillt das Mittel Deine Schmerzen, vielleicht auch nicht. Helfen. wirklich helfen kann da nur die Zange." Nein. nein, tteber will ich die Schmerzen behalten," stöhnte Lissi leise, denn der kranke Zahn peinigte sie mehr denn zuvor. Doktor Werner tauchte ein Stückchen Watte in eine Flüssigkeit und legte .es behutsam auf den Zahn. Es brachte .ivirklich momentan Erleichterung. .Du kannst die Tropfen erneuern, 'wenn die Schufen wiederkommen sollten", sagte er, hüte Dich aber, sie an die Lippen oder Zunge zu bringen, sie ätzen sofort die Haut weg. Ich muß jetzt gehen, denn ich habe heute mehrere Besuche zu machen. Mit diesen Worten küßte er Lissi -und verließ das Zimmer. Im nächsten Augenblick bestieg er sein Rad und fuhr davon. Der Tag verging der jungen Frau ziemlich langsam. Die Zahnschmerzen steigerten sich bis zur Unerträglichkeit -und die Tropfen linderten dieselben -nur für Sekunden. Die Sonne neigte sich bereits zum Untergang, als Kurt heimkehrte. Er war in vorzüglicher Laune. . Nur., wie geht es meinem kleinen Angsthasen?" neckte er Lissi. als sie hm am Gartenthor entgegentrat. Schlecht." schmollte sie. Wenn ich übrigens gewußt hätte, daß Du so ab.sch:uliche Neben führst, wäre ich Dir nicht entgegengekommen." Nun. da Du so lieb warst, es zu thun, bitte ich Dich um Verzeihung," senkte ihr Gatte ein. Nach dem Essen, das Werners um vier Uhr einzunehmen pflegten, setzten sich die jungen Leute auf das Sopha, :um ein gemüthliches Plauderstübchen zu halten, wie sie das in der Dämmerstunde stets thaten. Lissi seufzte dann und wann oder stöhnte leise auf, der Lahn peinigt? s zu sehr. Plötzlich klingelte es an der Hausthür, das Mädchen war nicht da. Doktor Werner ging also selbst in den dunkeln Hausflur, um zu sehen, wer Einlaß begehre. Wer ist da?" fragte er hinaus. Herr von Prießnitz ist mit dem Pferde gestürzt, hat das Bein gebrohen und läßt Herrn Doktor bitten, underzüglich zu ihm zu kommen," antzsortete eine Stimme. Sind Sie es, Johann." fragte Doktor Werner, der den Draußenstehenden der Dunkelheit wegen nicht erkennen konnte und den er für den Dieer des Verunqlückten hielt. 3a, Herr Doktor, ich bin's". tönte 5 zurück. Ich kann leider nicht auf Sie warten, ich muß schleunigst wieder nnch Hause." Ich komme sofort," rief der Dokior. Der Andere war inzwischen schon tabon geeilt. Kaum fünf Minuten, nachdem sich der Doktor entfernt hatte, wurde die Ctubenthür geräuschlos geöffnet, und in dem Thürrahmen zeigte sich eine
breite Männergestal! mit schwarzem Bart und einem tief in die Stirn gedrückten Schlapphut. In der erhobenen Hand des Eindringlings blitzte ein Revolver. Nicht gerührt," donnerte er die erschrockene Frau an, oder Sie sind ein Kind des Todes!" Lissi begriff sofort, daß es sich bei diesem Ueberfall m ihr mühsam erspartes Geld handle, das sie sich sozusagen vom Munde abgedarbt hatten. Was sollte, was konnte sie. eine wehrlose, schwache Frau, die sich mutterseelenallein im Hause befand, unter solchen Umständen thun? Wenn sie um Hilfe schrie oder zu fliehen versucht hätte war sie unrettbar dem Tode verfallen. Plötzlich athmete sie tiefer auf wie wenn ihr eine rettende Idee gekommen sei.
Herr Gott im Himmel, steh mir bei." murmelte sie in ihrer Angst. Was was wollen Sie?" stammelte sie. Jeden Pfennig Geld, der im Hause ist! Aber schnell, wenn Ihnen Ihr kostbares Leben lieb ist," versetzte der Unhold. Jetzt hatte sichLissi schon etwas mehr gefaßt, heuchelte aber eine viel größere Angst, als sie in der That empfand. Sie sollen Alles haben Alles nur schonen Sie mein Leben!" flehte sie. Kommen Sie mit in das andere Zimmer ich will Ihnen zeigen, wo mein Mann sein Geld aufbewahrt." Lissi nahm die Lampe und ging voran. Der Spitzbube folgte ihr dicht auf dem Fuße. Im Nebenzimmer angelangt, setzte die junge Frau die Lampe auf den Tisch, trat an den Instrumentcnschrank ihres Gatten, öffnete eine der oberen Thüren und zog eine Schublade heraus. Hier drin liegen zwölfhundert Mark unser ganzes Vermögen mehr besitzen wir nicht. Es Ü?gt in einem Geheimfach; allein kann ich aber nicht öffnen. Sie müssen mir helfen. Wenn Sie hier hineingreifen, werden Sie zwei Griffe fühlen. Fassen Sie jeden derselben mit einer Hand, .während ich auf den oben befindlichen Knopf drücke. Alsdann springt das Geheimfach auf." Famoser Versteck, alle Wetter, so'ne Idee!" lachte der Bandit, während er den Revolver in die Rocktasche steckte und die ihm von der jungen Frau bezeichneten Griffe erfaßte. Er hatte den negativen und den Positiven Pol der elektrischen Batterie Doktor Werner's in Händen; in demselben Moment drehte Frau Lissi den Strom auf. sprang zur Seite und der Unhold stieß einen lauten Schrei des Schmerzes und maßloser Wuth aus. Besorgt, der Verbrecher könne die Batterie zerbrechen und sich dadurch frei machen, sagte Lissi: Wenn Ihnen Ihr Leben lieb ist, so rühren Sie sich nicht. Die geringste Bewegung entfesselt den ganzenStrom und Sie erhalten einen Schlag, der unbedingt tödtlich wirkt. Auf der Stelle lassen Sie mich frei," wüthete der Mensch unter ungeheuerlichen Flüchen. Drehen Sie das Ding zu schnell oder ich erdrossele Sie!" Sie sind ein Mann des TodeS, wenn Sie sich so heftig geberden. Bewahren Sie lieber Ihre Ruhe, es ist besser für Ihr Leben." gab Lissi muthig zurück. Nun legte der Unhold sich auf's Bitten und schwor. Lissi kein Härchen krümmen zu wollen, wenn sie ihn nur aus seiner schrecklichen Lage befreite. Lissi antwortete nicht. Ihr Herz klopfte zum Zerspringen. Plötzlich horchte sie auf. Ein tiefer Athemzug hob ihre schwer bedrückte Brust: sie hatte Stimmen vernommen, jetzt hörte sie deutlich die Stimme ihres Mannes. Im nächsten Augenblick wurde die Thür aufgerissen, Doktor Werner und Johann, Herrn von Prießnitz Diener, stürmten ins Zimmer. Lissi warf sich wie schutzsucheni in die Arme des Gatten. Dann machte sie sich los und, auf den Verbrecher zeigend. sagte sie: Da ist der Einbrecher! Ich habe ihn mit Deiner elektrischen Batterie gefangen! Nimm ihm erst den Revolver aus der Tasche und binde ihm die Hände zusammen, bevor Du den Strom abstellst!" Nach diesen Worten sank Lissi erschöpft in einen Stuhl. Der Einbrecher wurde dingfest gemacht und der inzwischen herbeigeholtenPolizei übergeben. Ein glücklicher Zufall hatte Dr. Werner nach etwa zehn Minuten Johann in den Weg geführt, der mit seinem Dreirad einige Einkäufe für seinen Herrn zu besorgen hatte. Eine einzige Frage genügte zur Aufklärung und nach wenigen gewechselten Worten stellte sich heraus, daß Doktor Werner gar nicht zu Herrn von Prießnitz bestellt worden war. Der junge Arzt Werner bekam einen mächtigenSchreck, erzählte Johann in fliegender Hast von der seltsamen Botschaft, dieser schloß sich dem Arzt an und beide rasten mit Windeseile nach des Doktors Haus. Doktor Werner hat Lissi seit jenem verhängnißvollen Abend nie wieder Angsthase" genannt. Künftiger Beruf. Ich möchte nur wissen, für was mein Karlchen eigentlich Beruf fühlt!" Haben Sie denn schon 'mal Versuche angestellt?" O ja, schon mehrere; ich habe ihm eine Schreibmaschine geschenkt, eine Eisenbahn, einen Malkasten und eine Menge anderer Dinge, um herauszubekommen, ob seine Neigungen künstlerisch, literarisch oder praktisch sind." Na, was hat er damit angefangen?" Er hat Alleö kaput gemacht! ' Na, dann ist es ja ganz sicher, was der Junge werden wird: Möbelpacker!" , ,
Aus Veröotcnen Wegen. Seit der Mitte deö 19. Jahrhunderts haben die uralten Reiche OstAsiens ihre Grenzen dem Verkehr mit der Außenwelt entweder freiwillig geöffnet oder nothgedrungen öffnen müfsen, nur der buddhistische Priesterstaat Tibet sucht fort und fort in ängstlich bewahrte: Abgeschlossenheit zu verharren. Den wenigen Forschungsreisenden, denen f gelungen ist, mit Verachtung aller Ihnen drohenden Gefahren in das heilige Land der Lamas vorzudringen, reiht sich seit dem vorigen Jahre der Engländer Henry Savage Landor an. Freilich setzten Gefangenschaft und grausame Tortur seinem kühnen Unternehmen ein frühzeitiges Ziel, dennoch waren die geographischen Ergebnisse dieses Vorstoßes in den bevölkerten Theil von Tibet nicht gering. Tibet ist für uns noch ein wildes"
Schoka-Mädchen. Land. Wir finden es auf der Karte zwar mit einer stattlichen Menge von Namen, aber was wir von dem Lande wissen, ist sehr wenig. Zwischen dem Himalaya, dmKarakorumgebirge und dem Küenlün, ist das Land für den Reisenden nicht leicht zugänglich, und den unternehmenden Reisenden, die Tibet besuchen wollen, wird es auch recht schwer gemacht, das Land so zu sehen, wie sie es wünschen, und vor allem das zu sehen, was sie wünschen. Der Hauptanziehungspunkt von Tibet ist die geheimnißvolle Residenz des Da-lai-Lama, des obersten Buddhistenpriesters in der Stadt Lhassa. Was Mekka in Arabien, Timbuktu in Afrika für die mohamedanische Welt ist, das ist Lhassa für die Buddhisten. Sie würden die Stadt für entweiht halten, wenn ein Fremder, besonders ein Europäer sie betreten würde. Die hochgelegenen Pattis von Daoma, Byas und Tschaudas sind die TibetanischerRäuber. Grenzgebiete des Jndobritischen Reichs gegen Nari Chorsum oder Großtibet. Die Hauptkette des Himalaya bildet die Wasserscheide zwischen den beiden Ländern. Die Bevölkerung der genannten drei Landschaften sind die Schokas, von denen noch bis zum vorigen Jahre der tibetanische Jong Pen von Taklakot alljährlich Grundsteuer einzuziehen wagte. . Dieser tibetanische Würdenträger hatte durch seine Spione die Pläne des englischen Forschers in Erfahrung gebracht, weshalb Landor nicht den meist begangenen Paß Lippu Lek (über 15,000 Fuß), sondern den diel höheren Lumpiyapaß zu seinem Uebergang nach Tibet zu wählen sich veranlaßt sah. Nach mannigfachen Abenteuern und Kämpfen mit Straßenraubern (Jogpas) erreichte Landor den pittoresken Rakas Tal (Teufelssee) und den heiligenSee Mansarowar, m dem der Sage nach Mahadeva und alle andern guten, Götter wohnen. In Tucker mußte Landor sünf seiner Leute entlassen, die sich weigerten, ihm ferner zu folgen, nach weitern drei Tagereisen entliefen noch zwei Mann ; nur Tschanden Sing und der Kuli Man Sing hielten treu zu ihrem Führer, der nun den Mariam La oder Maiumpaß TibetanischerSoldat. überschritt. Hier war Landor schon weiter in das verbotene Land vorzedrungen als irgend ein anderer Engländer vor ihm. Der Maiumpaß trennt die rauhen und holzarmen Provinzen von Nari Chorsum im Westen von dem eines bedeutend mildern Cli mas sich erfreuenden Au-tsang mit Lhassa im Osten. Auf den südöstlichen Abhängen des Maium entspringt der nördliche Quelllauf des Tsangpu oder Brahmaputra. Im Thal dieses Flusses, das zwischen der Gangrikette im Norden und dem Himalaya im Süden eingesenkt ist, läuft die Straße nach Lhassa, und diese verfolgte jetzt der unerschrockene Reisende mit seinen beiden Begleitern, da sich die mit Luntenflinten bewaffneten tibetanischen Soldaten von einer geradezu unglaublichen Feigheit zeigten. Bei dem Uebergang über den Rio Tsambosluß geriethen.die Conserven und dreihundert Gewehrpatronen in Verlust. Die Ausaebunaerten sahen 1 sich nun gezwungen, wegen der Lebens-
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Mittel mit den Einaeborenen in Ver
kehr zu treten,' und dieser Umstand führte die Catastrophe herbei. Während Landor und seine Diener in Toxem damit beschäftigt waren, Pferde auszuwählen, wurden sie hinterrücks überfallen, durch Hunderte von Feinden überwältigt und in grausamer Weise gefesselt. Soldaten, die im Hintcrhalt gelegen hatten, kamen heran und übernahmen die Gefangenen. Vor dem Pombo, einem Großlama und Gouverneur einer Provinz, begann das Verhör. Tschanden Sing erhielt zweihundert Hiebe mit Peitschen, die zwei Lamas schwangen. Am andern Tage wurden Landor und Man Sing mit auf dem Rücken gefesselten Händen auf Pferden nach Galschio gebracht. Der Packsattel Landor's war auf der Innenseite der RUcklehne mit Stacheln versehen, die sich beim Ritt tief in das Fleisch wühlten. Unterwegs wurde Landor's Pferd zu rasendem Galopp angetrieben, wobei der Reiter, der die an den Handschellen des Engländers befestigte Leine hielt, mit aller Macht daran zog, um den Gefesselten vom Pferde zu reißen. In Galschio wurde Landor ergriffen und mit weit auseinandergereckten Beinen auf die scharfeKante eines prismatischen Balkens gestellt, wobei man die Stricke so fest anzog, daß sie in das Fleisch der Füße tief einschnitten. Während Nerba, derSecretär des Tarjum von Toktschim, das Haar des Gemarterten ergriff, hielt der Pombo ein glühend gemachtes Eisen, das Taram, ihm so dicht vor das Gesicht, daß die Nase versengte und trotz der krampfMusikanten. haft geschlossenen Augen das linke die Sehkraft verlor, während das rechte erheblich geschwächt wurde. Damit nicht genug, schoß der Pombo ein an die Stirn seines Opfers gelegtes Gewehr nach oben ab und nahm darauf ein zweihändiges Schwert, dessen scharfe Schneide er rechts und links an den Hals Landor's legte, als ob er die Entfernung für einen Hieb ausmessen wollte. Volle 24 Stunden mußte der Gepeinigte am Streckbalke? verharren, wodurch dieArm- und Veinmuskeln übermäßig angespannt und das Rückgrat verletzt wurde. Erst 16 Stunden nach Abnahme der folternden Fesseln fühlte Landor in die abgestorbenenBeine wieder Leben zurückkehren. Endlich am Nachmittag des dritten, in Galschio verbrachten Tages wurde er mit Man Sing noch in Fesseln und zu Fuß nach Toxem zurückgeführt; Landor und Tschanden Sing mußten dort Jaks besteigen. Bei der Ankunft am Mansarowar wurden dem Gefangenen die Fesseln abgenommen. In Dagmar angelangt, traf Landor und seme Escorte das Verbot des Jong Pen von Taklakot, seinen Verwaltungsbezirk zu betreten. Der Uebertritt auf indobritisches GeLamas mitFolterwerkzeugen. biet über Gyanema und den unwirthlichen Lumpiyapaß hätte jedoch die geschwächten Kräfte Landor's und seiner beiden Diener völlig erschöpft. Da war es eine glückliche Fügung, daß durch die eifrige Verwendung des Missionars und Arztes Harkua Wilson, des Pesckkar Charak Sing Pal und des Punditen Gobaria, des angesehensten Schoka von Byas, der Jong Pen sein Widerstreben aufgab und den Weg über Taklakot gestattete. Als Landor eintraf, befand er sich in einem grauenhaften Zustand; er war durch die Strapazen der Reise und die Folterqualen in Galschio so hart mitgenommen worden, daß ihn sein Freund Wilson kaum wiedererkannte. Schon jetzt erhielt der völlig ausgeraubte Forscher sein Tagebuch, seine Notizbücher, Karten und Skizzen zurück. Nach Überschreitung des Lip-pu-Passes stand Henry Savage Landor wieder auf britischem Boden. Den abenteuerlich, genug klingenden Reisebericht haben tibetanische Beamte zu Taklakot in allen wesentlichen Zllgen bereitwillig bestätigt, ja, sie machten gar keinen Versuch, etwas von den Folterqualen zu verheimlichen, die sie ihren Gefangenen bereitet hatten. In Tibet hat sich bald um die Schicksale des kühnen jungen Engländers ein Kranz von Sagen gewoben, die davon zu erzählen wußten, daß der unverletzbare Fremdling sich nicht nur unsichtbar machen könne, wann er wolle, sondern daß ti auch die Macht habe, über Gebirge zu fliegen und auf fließendem Wasser zu gehen. So wenigstens hat sich der Vorstoß Landor's vom Lumpiyapaß bis zum See Mansarowar in den Köpfen der tibetani schen Soldaten gemalt, deren Wachsamkeit der ebenso erfinderische wie beharrliche Reisende zu überlisten gewußt hat.. , Die ausführlichen Schilderungen, die Landor von den mannigfachen Uedergriffen der tibetanischen Behörden
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auf britisches Gebiet gegeben hat, sind übrigens Veranlassuna aewesen zu der
unzweideutigen Erklärung der indischen Regierung, daß sie es in Zukunft nicht mehr ruhig mit ansehen werde, FolterungLandor's. wenn es dem Jong Pen von Taklakot beifallcn sollte, von britischen Unterthanen auf britischem Boden Grundsteuer einzuziehe. Hat der englische Forscher den Tibetanern durch sein mannhaftes Auftreten Achtung abgerungen, so hat er sich die Schokas in Kumaon durch die von ihm veranlaßte Befreiung von den Plackereien des Priesterstaates jenseit des Himalaya zu Dank verpflichtet. Automaten aus der Straße. Das den Einwurfmaschinen zu Grunde liegende Princip ist durchaus nicht, wie vielfach angenommen wird, eine Erfindung der Neuzeit, sondern war schon den Alten bekannt; aber erst die großartige Entwickelung des modernen Verkehrs hat zu seiner praktischen Verwendung geführt. Zu den interessantesten Apparaten dieser Art gehören die Lampenpfosten-Autcmaten, welche jüngst auf dem Leicester Square in London errichtet sind und die nach Einiurf eines halben Penny heißen Der Laternenautomat. Kaffee, Thee und Kakao liefern. Die Erhitzung des zur Herstellung dieser Getränke erforderlichen Wassers geschieht in höchst sinnreicher Weise. In dem Piedestal des Pfostens befindet sich ein ca. 40 Gallonen enthaltendes Wasserreservoir, das von der Straßenleitung gespeist wird. In einem dünnen Rohre wird ein kleines Quantum Wasser nach einem Kesselchen, der sich über der Gasflamme befindet, geleitet und dort in Dampf verwandelt; letzterer geht in einer gut tsolirten Röhre nach einem zweiten Bassin von einer Gallone Inhalt. Durch den Dampf wird dieses Quantum Wasser zum Sieden gebracht. Durch den Einwurf eines halben Penny wird ein Verschluß ausgelöst, das kochende Wasser wird mit Kaffee, Thee bezw. Kakao gemischt und das gewünschte Getränk fließt nach dem Herausziehen eines Griffes in ein bereitstehendes Glas. Alle drei Minuten kann diese Operation wiederholt werden. Naiv. Sind Sie in Ihrer vorigen Stellung auch Du" gmannt worden?" Gewiß .... wenigstens vom gnädigen Herrn!" EinguterAnfang. Junger Arzt (dessen erster Patient gestorben ist): Der Anfang wäre gemacht!" U n m ö g l i ch. Frau Professor: Denke Dir nur, Männchen, der Herr Medizinalrath ist gestorben." Professor: Hat er uns das selbst mitgetheilt?" HöhereTochter-Zoolo-g i e. Lehrerin: Was wissen Sie von der Wasserratte?" Höhere Tochter: Daß sie entzückend ist, wenn sie Marinelieutenants - Uniform an hat." Passend. Junger Bettler (zu einem alten, der mit den Knieen schlottert): Frierst Du denn?" Alter Bettler: Na, dös net, aber klappern gehört zum Handwerk!" Modern. Fremder: Ich wollte die fünf Pfennige abholen, die der alte Bettler Donnerstags immer kriegt!" Hausfrau (erstaunt): Warum kommt er denn nicht selbst." Fremder: Ja, wissen Sie, das Geschaft hat sich so sehr ausgedehnt ... da hat er sich einen Kassirer nehmen müssen!-
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Fonrad Ferd. Weycr. In seinem Tusculum Kilchberg be! Zürich ist der Schweizer Göthe" Con. rad Ferdinand Meyer aus dem Leben geschieden. Conrad Ferdinand Meyer, geboren am 12. October 1825 zu Zürich entstammte einem eingesessenen Geschlechte der Stadt, das in der neueren Geschichte Helvstiens eine Rolle gespielt hat. Der Vater ein makelloser Character ohne Leidenschaft, ein unglaublich gewissenhafter Arbeiter und ein bedeutendes organisatorisches TaUni" nach des Sohnes berufenem Urtheil war Mitglied der Regierung und überdauerte als e i n z i g e r den berühmten Zürichputsch des Jahres 1839. Aber sein schwächlicher Körper erlag schon im folgenden Jahre der mächtigen Aufregung, dem wilden Tumult jener Tage. Die Erziehung des Fünfzehnjährigen fiel jetzt allein der Mutter zu einer Lichtgestalt voll seltener Güte und tiefer Bildung von Geist undHerz, jedoch von einer Reizbarkeit der Nerven, die sie tragisch enden ließ.Spielend
' C. F. Meyer. leicht ward das Gymnasium der Vaterstadt absolvirt. Als Conrad Ferdinand Meyer sich nun für das Studium der Rechte entschied, folgte er weNiger dem Zuge seines Geistes als der praktischen Lebensauffassung bewährter Freunde des Hauses, vor allem des berühmten Bluntschli, die den sicheren Weg des Brotstudiums ihn leiten wollten. Bald aber ward ihm der Pandektenstaub zuwider, er entsagte dem jus und warf sich mit Heißhunger aufs historische Studium. Auf den helvetischen Universitäten Genf und Lausänne erwarb er sich eine zweite Heimath und dort erschloß sich ihm die ganze Schönheit der französischen Sprache und Literatur. Darum mischt sich in seinen Werken der deutschen Auffassung ein zauberisches Etwas, fremd und vertraut, pikant und duftig. In thatenlosem Hindämmern schienen Jünglings- und Mannesjahre dahinzugehen. Ein bedeutendes Wissen, aber zersplittert ein stilistisches Feingefühl ohnegleichen, aber noch nicht an eigener Schöpfung bewährt. Ein Aufenthalt in Paris 1857 war künstlerisch von hoher Bedeutung. Aber erst Jtalien (1858) gab seinem Geiste die Weihe. Hier, im Anschauen der unsterblichen Werke der Renaissance, im tiefen Durchdringen vor Allem von Michel Angelds dämonischer Künstlergestalt, erhielt sein historisches Wissen die künstlerische Gestalrung verMeyer's Tusculum. mahlte sich in ihm die Geschichte der Kunst. Kein Wunder, daß diesem Geiste, der das Beste aus der Fremde genommen, auch die Va1e?stadt fremd ward nicht das Vaterland! Denn ein Schweizer war er und ist er geblieben im tiefen Kern seines Wesens. Ihm gab die freie Schweiz den freien Blick. Aus ihrer gewaltigen Natur, die er als einsamer Wanderer oft genug durchmessen, schöpfte er das Höchste seines dichterischen Könnens: die unaussprechlich feine Naturempfindung, die in seinen Werken zur Musik wird. Als Conrad Ferdinand Meyer nach langer Abwesenheit in seine Geburtsstadt zurückkehrte, litt es ihn nicht in der Enge der Straßen. Ihn zog's nach dem rechten Ufer des blauen Zürichsees. Zuerst in Küßnacht, dann in Meilen schlug er sein Wanderzelt aus, um endlich zu Kilchberg in den stillen Hafen eines echten Poetenheims einzulaufen, wo sein Dichterauge . über das klare Seebecken hinweg zu den leuchtenden Firnen der Alpen schweifen konnte. Aber das volle Glück ward noch Niemand zu Theil. Nächtliche Schatten legten sich auf die Seele des Mannes; zögernd nur wichen sie dann. Als er genesen, war er ein alter Mann. Die volle Schönheit seiner Dichtungen Balladen, Romane, Novellen, Romanzen erschließt sich nicht dem flüchtigen Leser; es bedarf des tiefen Versenkens in ihre. Eigenart des Dichters, um ihn genug zu verstehen und mit ihm hinauf zu schweben zu den klaren Aetherhöhen des Geistes. Herausgeplatzt. Frau: Der Herr, welcher da kommt, wollte mich heirathen!" Mann: 5o tin dummer Kerl!" A u ö d e m E x.a m e n. E?aminator: Herr Candidat, welches ist die höchste Strafe für Bigamie?" Candidat: .Zwei Schwiegermütter!"
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Dilemma.
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Soll ich mich jetzt wegcn Fahrens auf einem verbotenen Wege selbst aufschreiben, oder soll ich miÄ laufen lassen?" Unverfroren. fMMBauer: Was machen Sie da oben auf meinem Apfelbaum?" Strolch: Ach, entschuldigen Sie, ich hatte so entsetzliche Zahnschmerzen und da bin ich in meinem Schmerz hier heraufgeklettert!" Welch' große Freude wird meine liebe Bertha haben, weil ich dieses Mal meinen Schirm nicht im Gasthause stehen gelassen habe!" Sch-lummerlied. Vater (singend): Stör' nicht den Schlummer des Kindes heilig ist seine Ruh' ....!" Sonderbares Glück. .Gestern Abend habe ich im Scatspiel 55 verloren, ein Glück, daß ich keinen Cent bei mir hatte!" Anfangsradler Pech. VA". Radler (dem eine Fliege auf derNase sitzt): Sapperment und ich kann da5 verdammte Vieh nicht mal mit der Hand verscheuchen!" Der boshafte Onkel. Student (seinen zum Besuch weilenden Onkel herausführend): Hier ist auch meine Stammkneipe." Onkel: Prak tisch, da hast Du ja kaum hundert Schritt, wenn Du mal nach Hause gehen willst!"
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