Indiana Tribüne, Volume 22, Number 90, Indianapolis, Marion County, 18 December 1898 — Page 3
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Nomon von Luvig Habicht. (14. Fortsetzung.) .Tcch, doch er hat unrecht. Groweis sind ehrenwerthe Leute, das Mädchen ist wohlerzogen und würde gz gut zu uns passen. Und waS war der Großvater deines Vaters, auf den wir doch stolz sind, denn anderes als Grower!" Tu möchtest Sophie also gern zur Schwiegertochter?" fragte Clelia, ohne auf die Bemerkungen ihrer Mutter weiter einzugehen. Es ist mein Herzenswunsch, und der erste in unserer langen Ehe, den dein Vater mir hartnääig versagt." Es entstand eine kurze Pause, dann fragte Clelia wieder: Was meinst du, wenn ich einmal mit dem Vater redete?" D, Clelia, wenn du das thun wolltest!" Und warum glaubst du, daß ich es nicht wollte? Warum hab: ich von der Sachlage bisher so gar nichts ersah.ren?" Ton und Miene zeigten, daß sie sich verletzt fühlte. ..Ach, Clelia, wie konnten wir Hoffen, daß du auf unserer Seit: stehen würdest? Du gibst so viel auf Glanz und Reichthum, hast es so oft ausgesprochen, daß man einzig dem nachtrachten soll, siehst darin das Glück" Nein, nein, das thue ich nicht!" unterbrach sie die Tochter heftig. Das einzige, was uns das Leben Werthvolles bieten kann, ist eine tiefe, wahre Liebe alles andere ist nichts und kann niemals unser Herz ausfüllen." In grenzenlosemStaunen saß Frau Hammers vor ihrer Tochter. Clelia, dein Wesen ist mir heute ein neues Räthsel! Was hat diese jüngsteWand, lung an dir hervorgebracht?" Frage mich nicht, Mutter!" antwertete die junge Frau abweisend, bei nahe schroff, laß es dir genug sein, daß ich zu dieser Anschauung gelangt bin; sie soll Ferdinand vonNutzen sein; ich werde noch heute Gelegenheit nehmen. mit dem Vater zu sprechen. Du glaubst also, daß ich etwas bei ihm auszurichten vermag?" Viel, viel, mein Kind. Er gibt so viel auf dich und deinen Mann und es hat mich immer bedünken wollen, als ob auch die Rücksicht auf euch beide es sei, die ihn bestimmt, so hartnäckig zu sein." Wenn du das meinst, dann hoffe ich das beste!" rief Clelia und es flog wie ein Lichtschein über ihr bleiches, schwermüthiges Gesicht. Frau Hammers, welche die Freude über die sich ihrem Sohne eröffnenden Aussichten einen Augenblick die um die Tochter aufsteigende Sorge vergessen gemacht, empfand diese jetzt von Neuem und bat, deren Hand ergreifend: Clelia, was ist dir? Vertraue dich mir an, mein Kind!" Später später, Mutter," erwiderte sie ausweichend, letzt haben wir alle Hände voll mit Ferdinand und Sophie ZU thun. O, da kommt ja auch.Alberta wieder! Schlafen die Kinder?" und sie eilte, sichtlich froh über die Unterbrechung, der soeben den Weg heraufkommenden Cousine entge&cn und hing sich an deren Arm. Als die Familie nach der Rückkehr der Herren in Erwartung des heute etwas später als sonst bestellten Mahles sich im Salon zusammenfand, da hatte Clelia recht eifrig und angelegentlich mit ihrem Gatten zu flüstern, und der Consul nickte ihr mit freudestrahlender Miene zu. Er sah beinahe jung und sehr unternehmend aus, als er an der Seite seiner Schwiegermutter Platz genommen, während Clelia, die zwischen Vater und Bruder saß. ihre Aufmerksamkeiten zwischen diesen theilte. Kaum hatte Frau Hammers die Tafel aufgehoben, und die kleine Tischgesellschaft sich in den Salon zurückbegeben, wo der Kaffee getrunken werden sollte, da ergriff Clelia den Arm ihres Vaters und zog ihn plaudernd in ein nebenan befindliches, mit besonders zierlichen Möbeln ausgestattetes Cabinet; wenige Minuten später schlugen die Vorhänge, durch die es vom Salon abgeschlossen werden konnte, zusammen. Consul Gundlach bemühte sich, die Zurückgebliebenen zu unterhalten, die Beflissenheit, mit der dies geschah, erweckte aber Ferdinands und AlbertaS Aufmerksamkeit, und Frau Hammers, die ja wußte, was da drinnen verhandelt wurde, vermochte ohnehin ihre Erregung nur schwer' zu verbergen. . Als später Gundlach unter irgend einem Verwände seiner Frau und seinem Schwiegervater folgte, und die Stimmen in dem Cabinet zwar gedämpft, aber doch errcgt durcheinander klangen, suchte Ferdinand in den Augen der Mutter zu lesen; es war nicht allzu schwer für ihn. daraus zu entnehmen, daß über sein Schicksal verhandelt wurde. Eine bange halbe Stunde verging. Alberta, die mit feinem Takt errieth, daß hier ein ganz' intimer Familien Vorgang sich abspielte, hatte unter dem Vorwand, noch einmal nach ihren Kind:rn sehen zu wollen, sich zurückgezogen; Mutter und Sohn saßen einander in athemlosem Schweigen gegenüber. Ferdinand, der die Absicht gehabt, sich hinwegzuschleichen, um noch auf eine Stunde zu Sophie zu gehen, war wie unter einem Bann und vermochte sich nicht zu rühren. Und da schob auch schon eine weiße Frauenhand, an der kostbare Ringe funkelten, den Vorhang zurück, Clelias Gesicht erschien, leuchtend und von Thränen betaut, wie der Bote eines heiß erkämpften Sieges, und mit halb von Schluchzen erstickter Stimme' rief f.: Komm, Ferdinand, hole dir den
Segen unsere! Vaters; er gibt feine Einwilligung zu deiner Heirath mit Sophie." Mit einem lauten Aufschrei sprang Ferdinand auf und stürzte auf seinen Vater zu. Hammers zog ihn an sich, küßte ihn auf die Stirn und sagte mit einer Stimme, derer vergebens Festig keit zu geb:n suchte: ...Bedanke dich bei deiner Schwester und deinem Schwager." Clelia, du du!" stammelte Ferdinand, o, wie viel habe ich dir abzubitten! Ich hielt dich gerade für die ärgste Gegnerin meiner Liebe." Ich bin blind gewesen und bin sehend geworden!" flüsterte die junge Frau; sie schlang . den einen Arm um den Bruder und reichte die andere Hand ihrem Gatten. Währenddessen war Hammers zu seiner Frau getreten und fragte, sie an sich ziehend: Hab' ich's nun recht gemacht. Alte?" Sie ergriff seine Hand, drückte sie an ihre Brust und flüsterte: Ich danke dir, Adolf, ich danke dir, du hast mich sehr glücklich gemacht." Ja. was soll ich schließlich thun?" sagte Hammers laut, bemüht,der Rührung, die Alle, und nicht zum wenigsten ihn selbst, ergriffen hatte, durch einen Scherz ein Ende zu machen. Vier gegen Einen, das war doch zu stark." Erlaubt, daß ich mich sogleich entferne, ich muß Sophie noch heute die Freudenbotschaft bringen," sagte Ferdinand. Ich gehe mit dir," erklärte Clelia und schon hatte sie die elektrische Klingel in Bewegung gesetzt, um sich durch die herbeigerufene Dienerin Hut und Mantel bringen zu lassen. Ich will meine Schulsreundin zuerst als Verwandte begrüßen." Sie ahnte nicht, wie sehr sie durch dieses Anerbieten den Wünschen ihres Brudes entgegenkam. Vater Grower war die Zeit, die seine Tochter durch den Starrsinn des alten Hammers auf die Vereinigung mit dem Geliebten warten mußte, doch nachgerade recht lang geworden; nichi, weil er sein RestHäkchen gern aus dem Hause gegeben hätte, sondern weil er sah, wie seine Tochter darunter litt, und er hatte in seinem Zorn den Ausspruch gethan: wenn Herr Hammers sich endlich zu eieinem Ja" bequeme, dann werde er sich noch lange nicht zu einem solchen bereit finden lassen. Ferdinand fürchtete daher von seiner Seite Schwierigkeiten. deren Beseitigung er von der Vermittelung der Schwester hoffte. Hammers' hatte, als Clelia ihre Absieht zu erkennen gab, sich sogleich bereit erklärt, anspannen zu lassen, was sie jedoch mit den Worten abgelehnt: Ach nein, das hält uns zu lange auf. Wir werden gehen, bis wir eine Droschke finden, der Abend ist ja so schön." Arm in Arm gingen die Geschwister den Weg, den sie früher so oft zusammen gewandelt; beiden war das Herz so voll, daß sie zuerst gar keine Worte fanden. Endlich fragte Clelia: Ferdinand, warum hast du dich mir nicht schon lange anvertraut?" Wie konnte ich das, Clelia?" erwiderte er. Erinnerst du dich nicht, was du mir einst gesagt hast?" O, der Mund spricht manches, wo von das Herz nichts weiß, erwiderte sie ablenkend. Er aber entgegnete ernst: Rein, Clelia, das würde ich geglaubt haben, wenn deine Handlungsweise nicht jenen Worten vollkommen entsprochen hätte." Sie zog ihren Arm aus dem seinen und sagte verletzt: Du machst mir meine Heirath zum Vorwurf. Was hast du n meinem Gatten auszusetzen?" Nichts, gls daß er eben dein Gatte ist!" rief Ferdinand lebhaft. Gundlach ist ein braver, durchaus ehrenwer ther Mann, ich achte ihn hoch; er trägt dich auf den Händen, liest dir jeden Wunsch von den Augen ab. dennoch weiß ich. daß du nicht glücklich mit ihm bist." Wieso weißt du das?" wollte sie in hochfahrendem Ton fragen, aber er drückte ihr die Hand und antwortete fast mit denselben Worten wie sie vor wenigen Stunden der Mutter: Du müßtest nicht meine geliebte, einzige Schwester sein, wenn ich das nicht wissen sollte. Früher warst du kalt, stolz, schroff, jetzt bist du düster und trauriq, aber immer " Unglücklich!" fiel sie ein. O Ferdinand. ich sehe, das Versteckenspielen nützt mir vor dir nichts, und auch die Mutter betrachtet mich mit so bangenden. forschenden Blicken." Wie schon einmal vor Jahren bat er sie: Clelia, sprich dich gegen mich aus!" Und wie damals wurde dieses Wort der Schlüssel zu ihrem fest verwahrten Herzen. Und doch wie anders war es jetzt! Damals setzte Clelia an die Stelle der verrathenen Liebe den heißen Wunsch, an dem Elenden Vergeltung zu üben; jetzt hatte sie ihr Ziel erreicht, für das ihr kein Preis zu hoch erschienen, jetzt war dieser Rachedurst gestillt, und sie fühlte sich elender denn je. Tag und Nacht verfolgte sie die blutige Gestalt des einst so heiß Geliebten und nachher so bitter Gehaßten, den sie in den Tod getrieben hatte. Ruhe hatte sie zu finden gehofft, sobald ihrer Rache Genüge geschehen war, und sie fühlte sich jetzt von qualvollsten GeWissensbissen umhrgetrieben. Das alles bekannte sie dem Bruder, und Ferdinand empfand ein Frösteln im 'ganzen Körper; ein Grauen beschlich ihn vor der Schwester, er vermochte es aber nicht über sich zu gewinnen, mit der ohnehin schwer Geängstigten streng ins Gericht zu gehen. Wenn auch ihre Handlungsweise vor dem Gesetz straf, los blieb, gewiß hätte ihr kein Richter eine härtere Strafe aufzulegen, ver-
m?öt, 5s sic jetzt durch ihr erwach-teS Gewinn erlitt. Du hast schwer gefehlt. Clelia!" konnte er sich doch nicht enthalten zu sag?n. aber fci kannst alles wieder gut machen." Wie?" fragte sie. Kann ich dem Unglücklichen das geraubte Leben, die vernichtete Ehre wiedergeben? Ist es wieder gut gemacht, wenn ich seiner Wittwe, ohne daß sie weiß, woher es kömmt, reichliche Unterstützung zufließen lasse?" Es ist immerhin etwas", erwiderte er, aber du kannst mehr thun. Was du heute für mich gethan, das wird in die Wagschale deiner guten Thaten fallen." Ach, ich empfinde ein Wohlgefühl, wie ich es lange nicht gehabt habe," antwortete sie tief aufseufzend. Ja, Bruder, ich erkenne es: man kann über erfahrene Täuschung und Bitterkeiten in anderer, in besserer Weise triumphiren. als indem man Vergeltung zu üben sucht. Sich selbst überwinden, das ist das edelste, beste. Leide? kommt diese Einsicht für mich zu spät!" Richt zu spät! Du kannst und mußt gut machen an dem. der dir am nächsten steht, an deinem Gatten. Du hast ihn geheirathet als Mittel zum Zweck, hast seine hingebende.vcrschwenderische Liebe hingenommen, ohne ihm in der richtigen Weise zu danken. Werde ihm von jetzt an die liebevolle Gcfährtin, wenn du die liebende nicht sein kannst, denke mehr an ihn als an dich." Ich will es!" gelobte Clelia und legte die Hand, von der sie den Handschuh gezogen, betheuernd in die Rechte des Bruders. Ich danke dir. Ferdinand, du hast mir heute sehr viel gegeben! So sind wir quitt!" entgegnete er, und das durch ihr Bekenntniß zurückgedrängte Glücksgefühl schnellte wieder hoch empor. Die Geschwister waren in ihrem lebhaften Gespräch schnellen Schrittes vorwärts gegangen und der größere Theil des weiten Weges lag schon hinter ihnen. Um ihn in möglichst kurzer Zeit zu beenden, bestiegen sie eine leer daherkommende Droschke, Ferdinand versprach für eine recht rasche Fahrt ein gute.'', Trinkgeld, und keine Viertelstunde war vergangen, da setzte sie der Kutscher schon vor dem Hause des Cchmiedemeistcrs Grower in der Ulrichstraße ab. Man hatte Ferdinand dort kaum noch erwartet, da man wußte, daß Schwager und Schwester zum Besuch in Sudenburg waren; um so größer war des Fllchschens Freude, als er nun doch kam. Mit einem Jubelruf flog Sophie in seine Arme und übersah. daß hinter ihm eine Frauengestalt eingetreten war ; erst ein Zuruf der Mutter machte sie darauf aufmerksam. Von Ferdinand ablassend, wandte sie sich um und stand erstaunt und erschrocken vor Clelia, die den Mantel abgeworfen hatte und ihr beide Arme entgegenbreitend rief: Ich will meine alte Schulgenossin und neue Schwester begrüßen. Sophie, wirst du noch ein Plätzchen in deinem Herzen für mich haben?" Schwester? Du nennst mich Schwesier?" fragte Sophie noch immer zweiselnd, aber Ferdinand sagte: Sie hat sich mir und dir als liebe, treue Schwester erwiesen und unsere Sache beim Vater geführt; er giebt seinen Segin zu unserem Bunde. Es steht unserer Vereinigung nun nichts mehr im Wege." Meint ihr?" sagte, aus dem Hintergrunde des Zimmers hervortretend, Vater Grower. Nun es endlich dem Herrn Fabrikbesitzer gefällt, ja zu sagen, braucht der arme Schmiedemeister gar nicht mehr gefragt zu werden?" Aber Vater, das bist du ja schon lange." legte sich die Frau ins Mittel. Schon gut, doch nicht von Herrn Adolf Hammers," antwortete Grower. Ich verlange jetzt unter allen Umständen, daß er kommt und für seinen Sohn um meine Tochter bei mir anhält." Ferdinand und Sophie wechselten einen erschrockenen Blick. Da erhob sich schon wieder ein Hinderniß, während sie alles endlich aus dem Wege geräumt glaubten; Grower hatte einen harten Kopf, und es war kaum anzunehmen, daß Hammers sich dieser Bedingung fügte. Aber Clelia stand schon neben dem Alten und sagte mit liebenswürdigem Lächeln: Gewiß wird mein Vater das thun, ich möchte Sie nur bitten, daß wir die Sache weniger feierlich machten und lade uns im Namen meiner Eltern auf morgen Abend zur Verlobungsfeier bei Ihnen ein. Sind Sie damit einverstanden?" wandte sie sich zugleich auch an Frau Grower. Nicht wahr, du bist es. Vater? baten Nrau und Tochter, und dem Doppelblick dieser zwei blauen Augenpaare vermochte der Alte nicht zu widerstehen; er gab seine Zustimmung. Vielleicht war die Vorstellung, den Fabrikbesitze? Hammers und den Consul Gundlach aus Berlin nebst Gattinnen an seinem Tisch zu sehen, nicht ohne Einfluß darauf. Auf das Mütterchen wirkte der Gedanke aber völlig elektrisirend. Sie hatte am liebsten die Vorbereitungen sogleich begonnen und die Boten in alle Winde entsandt, um den Erwarteten einen ihrer würdigen Em pfang zu bereiten. Dies gelang ihr auch noch am anderen Tage. Die Gesellschaft, die sich am Abend um den festlich gedeckten Tisch in dem großen Zimmer der Growerschen Wohnung reihte, und der außer der Hammersschen Familie und Alberta auch die in der Nahe wohnenden Kinder und Schwiegerkinder des Growerschen, Ehepaares angehörten, hatten .allen Grund, mit der Bewirthung zufrieden zu sein. Man befand sich in der heitersten' Stimmung, und
die Heitersten von c?llen waren die hi.u den Schwiegerväter, die sich nach einigern Tasten und Fühlen schnell miteinander befreundeten. Und in vier Wochen ist Hochzeit!" rief als Schlußwort eines Toastes Adolf Hammers, dem eine Last von der Seele gefallen zu sein schien, nun er endlich seinen Widerstand, in den er sich nun einmal eigensinnig verrannt gehabt, aufgegeben hatte. Niemand widersprach ihm. Frau Grower hatte die Ausstattung ihrer Tochter fertig; was noch fehlte, konnte in der Zwischenzeit beschafft werden. Die Kinder hatten lange genug gewartet, sie gönnte ihnen die endliche Verei-nigung.
Etwas früher als sie ursprunglich beabsichtigt, kehrten Clelia und ihr Gatte nach Berlin zurück; sie versprachen jedoch.zur Hochzeit wieder zu kommen. Ganz anders verließ sie diesmal das Vaterhaus, als da sie zuerst ihrem Gatten folgte. Sie war jetzt wie verwandelt. Ein neues Leben lag vor ihr, die Hoffnung auf den Besitz eines Kindes erfüllte sie, und es schien ihr, als sei der größte Theil ihre: Schuld von ihr genommen. Gundlach hatte sie so noch nicht gekannt. Sie war freundlich, ruhig, heiter, liebevoll besorgt um ihn und befriedigt in ihrem Hause. 22. Briefe bringen oft eine ganz andere Wirkung hervor, als der Schreiber derselben beabsichtigt hat. Man wirft in guter oder schlechter Laune etwas flüchtig auf das Papier; aber der Empfänger hat dann Zeit und Muße, an jedem Wort herumzudeuten, ihm einen anderen Sinn unterzulegen und sich in Vorstellungen zu verrennen, die zu erzeugen dem Schreiber völlig fern lagen. Auch Franziska v. Ballerstädt hatte keine Ahnung, wie beunruhigend und quälend die Schilderung ihrer beiden Anbeter in ihrem letzten Briefe für den Baron geworden war. Er faßte diese viel zu ernst auf und wurde davon im Innersten getroffen. Run wußte er, daß es zu Ende mit seinen Hoffnungen sei, die in seinem Herzen, wenn auch tief eingeschlossen, noch immer weiter gelebt. Wie hätte Franziska die Neigung für einen schlichten märkischen Landjunker festhalten sollen, wo ihr Zwei solche Männer schwärmerische Huldigungen darbrachten, so leidenschaftlich um ihre Gunst und damit zugleich auch um ihre Hand warben! Einer von diesen beiden gewann sicher den Sieg, gleichviel, ob der französische Marquis oder der englische Lord. Sie hatte ihm ja entschieden erklärt, daß sie nach dem Verlust ihres Vermögens nicht die Seine werden wolle, weil sie den Gedanken nicht ertragen könne, daß sie ihm nicht so viel zuzubringen vermöge, als ihr zu einem angenehmen Dasein nothwendig erscheine. Ach, und er konnte ihr nicht einmal so Unrecht geben. Wie jetzt die Zeiten einmal waren, durfte kein Gutsbesitzer noch länger davon träumen, ein glänzendes Leben zu führen, wenn er außer seiner Scholle, auf der er saß, nicht noch über größere Summen zu verfllgen hatte. Kein Zweifel, derLord gewann sicher mit seiner englischen Hartnäckigkeit den Sieg über seinen Nebenbuhler, und dann winkte der stolzen Gräfin ein Leben, wie es ihrem hochfligenden Geiste nur erwünscht sein konnte. Sicher war für ihn selbst Franziska auf immer verloren, und das beste blieb, sich ihr gar nicht mehr in Erinnerung zu bringen, sich nicht länger zwischen die glänzenden Bewerber zu drängen, die ihn doch in jeder Hinsicht in den Schatten stellten. Der Regierungsrath hatte zwar noch jungst bei einem zufälligen Zusammentreffen mit dem Baron behauptet, daß es ihm doch noch gelingen werde, den Bankier zur Herausgabe der fünfmalhunderttausend Mark zu zwingen, denn er sei keinen Augenblick zweifelhaft, daß Böster diese Summe erhalten und unterschlagen habe; aber der Prozeß schien sich ins Endlose zu dehnen, und wenn der Bankier schließlich den Eid leistete, dann ging nicht nur für Franziska der Prozeß verloren, sondern sie hatte auch noch die hohen Kosten zu tragen. Auf dem Arbeitstische Bothos stand in einem hübschen Rahmen die Photographie Franzikas, er hatte früher oft in müßiger Träumerei stundenlang davor gesessen, jetzt schalt er sich selbst einen Narren und schloß das Cabinetbild in seinem Schreibfach ein. Er mußte solcher Schwärmerei ein Ende machen, auch den Briefwechsel wollte er r.tdht fortsetzen. Franziska schrieb nicht mehr. Wenn sie noch einen Funken der alten Freundschaft für ihn bewahrt hätte, würde sie wohl trotz seines Schweigens noch einmal ein Lebenszeichen von sich gegeben haben. Vielleicht war sie jetzt schon die Gattin des Lords. Sollte er sich bei dem Negierungsrath darüber Gewißheit verschaffen? Nein, nein, auch diesem Manne wollte er nicht verrathen, daß er Franziska trotz allem noch immer nicht vergessen könne. Ein Jahr war verstrichen seit Iranziökas Abreise an den Genfer See. Für den Baron ein langes, ödes Jahr. Der Winter war wieder gekommen, der sinstere deutsche Winter, der auf dem Landedelmanne bleiern ruhen würde, wenn ihm nicht ein wenig Geselligkeit und die Freuden der Jagd darüber hinwegzuhelfen vermöchten. Dem Baron wurde das Leben, da? er führte, mit jedem Tage unerträg-icher; eine in unwiderstehliche Sehnsucht erfaßte ihn, wenigstens die Stätte zu sehen, an der Franziska so lange geweilt. Auch wenn sie nicht mehr da war, erfuhr er wenigstens etwas Näherei über ihr
SchiZsal. Rasch :ntschlossen, mitten ins Jaguar, reiste er an den Genfer See. Didselbe Pension aufzusuchen, in In Franziska gelebt hatte, wagte er freilich nicht. In seinem Reisebuche fand er ein Hotel angegeben, das oberhalb von Montreux liegen sollte, in Glion. Hier konnte er gewiß in aller Stille über die Comtesse Ballerstädt Erkundigungen einziehen. Kaum dort angekommen, war die erste Frage nach der Fremdenliste. Er hatte nicht lange zu suchen und er mußte an sich halten, um nicht einen lauten Jubelruf auszustoßen, als er so unerwartet ihren Namen fand. Sie lebte noch in der Pension Masson und war also weder die Gattin des Marquis noch des Lords geworden. Solltc er sie nun doch aufsuchen, ihr sagen, was ihn hergetrieben? Nein, nein, das durfte er nicht; er wollte sich ihr nicht nähern. Wenn sie seiner ansichtig wurde, dann mußte er ihr überlassen, wie sie dies unerwartetete Wiedersehen auffassen würde. Franziska ahnte nicht, wie nahe ihr jetzt derjenige war.den sie nicht vergessen konnte und der ihr immer theurer wurde, je mehr sie sich sagen mußte, daß zwischen'ihnen alles zu Ende sei: er hatte nicht geantwortet, er brauchte also nicht einmal mehr diesen BriefWechsel, der für sie doch eine reiche Quelle des Genusses geworden war. Gerade in seinen Briefen und durch die Entfernung trat ihr das ganze Wesen Bothos in das günstige Licht, nun wußte sie erst, wie viel sie verloren, wie glücklich sie trotz alledem an der Seite eines Mannes geworden wäre, dem sie sich bisher ein wenig überlegen gefühlt und der doch reicher begabt und tiefer angelegt war, als er durch sein schlichtes, einfaches Auftreten verrieth. Auch Franziska erwähnte Bothos mit keiner Zeile gegen den Regierungsrath, der ihr nur von dem Gange des ProzessesMittheilung machte. Ach. das war ja vergebliche Mühe ihres V'rwandten! Die große Summe blieb doch auf immer verloren! Sie hatte gelernt, sich in ihr Schicksal zu finden; das Leben, das sie jetzt ZU führen genöthigt war, bot ja auch seine Reize. Allmälig wurde ihr die fremde zu einem Stück Heimath. Die Personen wechselten, aber die herrliche Gegend, die sich ihr immer mehr in Auge und Herz schmeichelte, blieb und mit ihr blieb noch einer, den all die ruhige Zurückhaltung, ja selbst ihre Kälte nicht zu vertreiben vermochte Lord Veathon. Der Marquis hatte freilich den Genfer See auf immer verlassen, als Franziska ihm auf sein Werben um ihre Hand ruhig erklärte, sie schätze ihn sehr, aber sie könne nicht seine Gattin werden, denn ihr Herz sei nicht mehr frei. So lieben Sie also den Engländer?" hatte der Marquis bestürzt ausgerufen, und noch ehe Franziska eine Antwort zu ertheilen vermochte, rasch hinzugefügt: Wissen Sie auch, daß der Großvater Lord Beathons, von dem er mit solcher Genugthuung spricht, keinen anderen Ruhm besitzt, als daß er im englischen Ackerbau die Brache abgeschafft hat? Ist daS ein Ahne, auf den man stolz sein kann?!" und der Franzose hatte ein höhnisches Gelächter ausgestoßen. Das wußte ich nicht; nun. es ist immer ein Verdienst," war zum Erstaunen des Marquis Franziskas von einem Lächeln begleitete Antwort geWesen, dann hatte sie ruhig Hinzugesetzt: Aber seien Sie überzeugt, auch Lord Beathon wird nie mein Gatte." Ah, Comtesse ich danke Ihnen für Ihre offene Erklärung!" hatte Marquis d'Antichamps erleichterten Herzens ausgerufen: Jetzt bin ich ruhig. Leben Sie wohl! Ich schwöre Ihnen" und die Hand auf die Brust legend, hatte er die Versicherung abgeben wollen, daß er sie nie vergessen werde, dann aber sich besonnen, daß er vielleicht doch diesen Schwur nicht werde halten können und mit einem entsagungsvollen Lächeln hinzugefügt: Ich hoffe, Sie werden mir ein freundlich Gedenken bewahren, wie ich auch niemals die mit Ihnen verlebte Zeit vergessen werde." Der Marquis war gegangen, der Lord geblieben. Selbst als die Gräfin den darauf folgenden Sommer nach Les Avants übersiedelte, tauchte er wenige Tage später ebenfalls dort auf. Franziska konnte ihm, nicht einmal ernstlich zürnen, daß er ihr wie ein Schatten überallhin folgte;' er zeigte sich gegen sie stets aufmerksam und freundlich; aber fein kühles, leidenschaftloses Wesen hinderte ihn daran, irgenwie lästig zu befallen, und da er sich stets in den -gemessensten Schranken hielt, so gewöhnte sich die Gräfin an seine Gesellschaft. Lord Beathon zeigte keine Schwärmerei; er legte nur offen das Vergnügen an den Tag, das ihm die Gegenwart der schönen Deutschen bereitete. Schien der Lord zu ahnen, daß er vielleicht das Schicksal des Marquis theilen könne, wenn er mit seinem Werben deutlicher hervortreten würde? Er begnügte sich damit, der Gräfin kleine Aufmerksamkeiten zu erweisen und ihr manche Annehmlichkeiten zu bereiten. Auf ihren gemeinschaftlichen Ausflügen wußte er sich stets in das beste Licht zu setzen; unermüdlich und umsichtig für das Behagen der kleinen Gesellschaft zu sorgen, und daß er 'dabei niemals unterließ, Franziska ganz besonders zu bevorzugen, fanden alle selbstverständlich. Glaubten doch die meisten nicht länger daran zweifeln zu dürfen, daß die deutsche Gräfin doch endlich den Lord erhören werde, ja viele sahen schon in den beiden ein heimlich verlobtes Paar. Im Spätherbst war Franziska, wieder in ihre alte Pension zurückgekehrt, und der Loro ihr natürlich auch dahin bald gefolgt
Nach schönen, ziemlich warmen Ja nuartagen hatte sich plötzlich ein dichter Nebel über den See gelagert. Man empfand den Umschlag der Witterung sehr unangenehm. Auf allen Gemüthern lag es heute wie ein schwerer Druck; war doch an einen Spaziergana nicht zu denken; selbst das Oesfnen eines Fensters wurde zur Unmöglichkeit, denn eine kalte.schwere Luft drang her. ein, und der Nebe! am Genfer See dauert gewöhnlich drei Tage, hieß es. Was anfangen in dieser feuchten, finsteren Gruft, in der man sich plötzlich befand? so fragten alle. Wir wollen nach Glion hmaufgehen, dort finden wir den schönsten Sonnenschein." hatte der Lord auszerufen und als einige der Gäste dies? Mittheilung sehr zweifelmüthig aufgenommen, hatte er mit großcr Sicher heit hinzugefügt: Ich weiß da5 vor früher her und es ist dort oben sogar ein ganz herrliches Schauspiel. W sollten gleich nach Tisch aufbrechen." Ein Theil der Gäste war mit diese: Idee einverstanden, während die anderen sich davor entsetzten, mitten im dichtesten Nebel eine solche Wand:run zu unternehmen. Man sah ja kaum im Hinaustreten die Hand vor den Augen. Der Lord empfand keine klnne Genugthuung, daß Franziska rasch entschlössen sich an dem geplanten Ausfluge betheiligen wollte, und konnte die Beendigung des Mittagessens kaum erwarten. Die Wanderung war anfangs nicht gerade angemhm, aber je höher man kam, desto dünner wurde der Nebel, und oben hörte er in der That plötzlich ganz auf. Der Lord und die Gräfin hatten zuerst die Höhe erreicht. Ein erstauntes und bewunderndes Ah!" entrang sich unwillkürlich Franziskas Lippen Das war mehr, als sie erwartet hatte. Der düstere Nebelschleier lag unter ihnen, und der reinste blaucste Himmel lachte ihnen entgegen. . Gab es etwas Märchenhafteres als diese Wanderung aus dem Nebel in den Sonnenschein? Ueber dem cigentlichen See hatte sich ein zweiter noch größerer See gebildet, der in dem weiten, mächtigen Thalkessel hin. und her wogte, dort im Westen beinahe die Spitzen des Jura berührte, bis zur Mitte derSavoyerAlpen hinauffluthete und ebensoweit in mächtigen Wellen ins Nhonethal hinaufreichte. An den Hängen der Berge ragten noch einzelne Häuser deutlich hervor, andere schienen noch mit den Wogen zu ringen und sich mühsam an die Felsen anzuklammern, während nur etwas niedriger stehende Gebäude in schattenhaften Umrissen aus der Tiefe emportauchten und sich wie Geisterschlösser hin und her wiegten. Aber weiter hinab reichte nicht der Blick das große, lachende Thal mit seinen blühenden Städten, seinen freundlichen Dörfern war im Nebel ganz begraben, und doch drangen aus dieser versunkenen Welt noch einzelne Lebenszeichen wie Geistergrüße herauf. Im Sonnenglanze aber funkelten die schneebedeckten Hochgipfel des Gebirges. Franziska stand anfangs wie. berauscht und blickte schweigend in die Weite; auch Lord Beathon sprach kein Wort; es blieb zweifelhaft, ob ihn das seltsame Naturschauspiel auch sa überwältigt habe, oder ob er seinen eigenen Gedanken nachging. .Ah. das übersteigt alle meine- ErWartungen!" rief Franziska endlich tief ergriffen aus. Dieser tiefblaue,, lachende Himmel über uns, um uns der wärmste, wohlthuendste Sonnenschein und zu unseren Füßen dieser mächtig wogende, weiße Nebelsee. über den eine förmliche Frühlinqssonne die hUxt dendsten Lichter wirft, das ist von einer unbefchreiblichen Schönheit." In der hingebenden Bewunderung der herrlichen Natur umfloß Franziska ein verklärender 5)auch. der sie noch anmuthiger erscheinen ließ. Einzelne Nebeltropsen hingen in ihrem Haar, auf ihren Kleidern, die jetzt im Sonnenlicht wie die kostbarsten Perlen funkelten und ihr das Ansehen gaben, als sei sie eine Fee, die soeben dem feuchten Nebelgrabe entstiegen. Der Lord hatte jetzt nur noch An--gen für seine Begleiterin, das märchenhafte, geradezu einzig schöne Land schaftsbild ließ ihn völlig kalt. Franziska erschien ihm bezaubernder denn je, sie war in solch eigenthümlicher Erregung. Sollte er diesen günstigen Augenblick benutzen und ihr endlich sagen, daß er keinen anderen Wunsch kenne, als für immer in ihren Besifc zu gelangen? Ahnte sie, was in ihm vorging ? In ihrer weichen, seltsamen Stimmung hätte sie kaum den Muth gefunden, fein Werben zurückzuweisen; sie fühlte eine wahre, heiße Sehnsucht, ein Herz zu haben, an dem sie sich ausjubeln könne, einen Menschen, dem sie all ihr Fühlen und Denken vertrauen durfte, denn dies ewige Alleinsein, gerade in einer herrlichen, wundervollen Gegend, übte auf sie eine völlig erdrückende Wirkung aus. War Lord Beathon der Mann, nach dem ihre Seele Verlangen trug, der sie verstehen, mit dem sie alles, Nebel und Sonnenschein, theilen konnte? In dem ruhigen, bartlosen Gesicht des Engländers regte sich nicht ein Muskel; er war ihr noch niemals so kühl und gleichgültig erschienen, als in diesem Augenblick, und dennoch brodelten in ihm die leidenschaftlichsten Gedanken und Gefühle auf und nieder. nur ebenso leise und geheimnißvoll, wie dort über dem See die Nebel schleier. Very beautiful indeed." antroot tete er endlich zerstreut, während er et was ganz anderes hatte sagen wol len. (Fortsetzung folgt.)
Für die Küche.
Ochsenschwanz - Suppe. Man zerschneidet einen Ochsenschwanz in kleine Stücke, wäscht sie sauber und legt sie in eine Casserolle, in der man eine halbe Unze Butter vorher hat braun werden lassen. Man lasse das Fleisch einige Zeit darin braten, bis die Stücke schön braun sind, dann gieße man soviel Wasser hinzu, wie man für 5 Personen für nöthig hält, indem man noch etwas auf das Verkochen rechnet. Nachdem der Ochsenschwänz noch eine Stunde aekocht. schöpft man das Fett ab. thut "etwas Lauch, 2 Petersilienwurzeln. 1 Karotte, eine halbe Sellerieknolle, 1 Lorbeerblatt, 6 Gewürznelken. 6 Pfefferkörner und etwas Estragon in die Suppe und läßt noch 2 Stunden kochen. Dann nimmt man die Wurzeln und den Sellerie heraus und stellt .sie warm, giebt dagegen einen gereinigten kleinen Kopf Wirsingkraut und einige Champignons hinzu und läßt dies wieder eine Stunde in der Suppe kochen. Das Fleisch wird nun mürbe sein, man nimmt es heraus und stellt es mit etwas Brühe zurück, damit es warm bleibt. Man äßt die Suppe noch eine halbe Stunde kochen, schöpft nun das Fett nochmals ab und gießt sie durch ein Sieb. Nachdem sie sich et was geklärt hat. setzt man sie in einer Casserolle nochmals 10 Minuten auf das Feuer. Die beiseite gestellten Wurzeln und Sellerieknollen werden inzwischen, in Stückchen geschnitten und in die Suppenterrine gelegt, alsdann ein Löffel voll Mehl mit einem halben Glas Portwein angerührt, unter be ständigem Rühren an die kochende Suppe gethan. 4e nun sogleich in die Terrine gegeben und aufgetragen. Zur Verbesserung derSuppe kann man noch ein Pfund Ochsenfleisch und ein Hai bes Pfund Niere mitkochen. Naturschnitzel. Ein Stück Kalbfleisch ohne Knochen und Sehnen schneidet man in fingerdicke Scheiben von der Größe einer Hand. Man klopft das Fleisch tüchtig, salzt es. dreht es in Mehl um und bratet es in heißer Butter. Sind die Schnitzel rasch gebraten, so gibt man einige Löffel kaltes Wasser in die Butter, läßt dies gut aufkochen und servirt die Sauce mit dem Fleisch. Will man die Speise reicher machen, so gibt man die Schnitzel mit Spiegelei und Sardellen belegt. Rinderbrust auf Jägera r t. Aus gut abgelegener Rinderbrust werden die Knochen gelöst, die Brust der Länge nach fest zusammengerollt und verschnürt und mit den zerhackten Knochen mit leichter Fleischbrühe bedeckt, mit einigen Zwiebeln, Wurzelwerk und Gewürzkörnern versehen und langsam weich gekocht. Die Brust muß in der Brühe halb auskühlen, darf aber nicht erkalten; sie wird vom Bindfaden befreit, in eine Pfanne gelegt und mit folgender Masse bestrichen. Ein Löffel Mehl wird mit saurer Sahne glatt und mit wenig Butter und Salz über gelindem Feuer zu dickem Brei gerührt, der mit drei Eigelb vermengt wird. Ist die Rinderbrüst damit gleichmäßig bestrichen, wird sie mit einer Mischung von Parmesankäse und Semmelkrumen bestreut und mit zerlassener Butter beträufelt. Man füllt etwas heiße fette Fleischbrühe darunter und bäckt sie eine Stunde. In dieser Zeit wird aus der Brühe mit braunem Buttermehl, Fleischeztrakt und kleinen glasirten Zwiebeln, etwas Burgunderwein und etwas Cayenne eine pikante Sauce gekocht und kleine Kartoffelbeignets bereitet. Mit diesen wird die aus heißer Schüssel angerichtete Brust garnirt und die Sauce nebenher servirt. Weiffs cruer von Gans. Die Gans wird-, nachdem sie vorher vorgerichtet und sauber gereinigt worden, in kleine Stücke zerlegt und diese in reichlichem Wasser abgeschäumt. Danach giebt man hinzu, Salz, reichlich geschälte Zwiebeln, englisch Gewürz, Lorbeerblätter und gnten Essig. Wenn nun das Fleisch vollkommen gar gekocht ist, legt man dasselbe in Steintopfe oder große Gläser, läßt die Brühe noch weiter einkochen, und gießt sie dann durch eine Serviette, damit alle Zuthaten zurück bleiben. Mit dieser klaren Brühe übergießt man nun das Fleisch in den Töpfen. Es muß sich aus derselben eine Gelatine bilden, welche durch das Mitkochen der zuvor gut gereinigten Gelenke, Pfoten und Därme der Gans gebildet wird; diese Bestandtheile erzeugen den Geleestoff. Apfelcompott zur Gans. Eine runde oder ovale glatte Blechform mit niedrigem Rande wird dick mit Butter ausgestrichen und mit Semmel bestreut. Schöne Kastanien hat man vorher geschält und halb weich gekocht, auch Aepfel geschält und in Viertel geschnitten. Eine Schicht Aepfel wird zuerst in die Form dicht und glatt gelegt, worauf man wenige But terstückchen und Kastanien als zweite Schicht folgen läßt, dann wieder Aepfel nimmt und so fortfährt, bis die Form voll ist, wobei man beim Einlegen die Uepfel so einschichtet, daß die Mitte gehäuft ist. Zuletzt streut man dicht feinen Zucker über die Aepfel und legt noch einige kleine Butterstückchen auf, bevor man die Schüssel in den Ofen schiebt und goldig braun bäckt. Man gibt das Compott in seiner Form, die man mit einer Serviette umschlingt, heiß zur fertigen Gans zu Tisch. Gefüllte Kalbsbrust. Die Brust wird ausgebreitet, gewaschen, mit Salz eingerieben, dann werden vier Semmeln abgerieken, in Wasser eingeweicht und gut ausgdrücki, hernach rührt man vier Eier mit gewiegt Petersilie und etwas Zwiebel da tan, füllt die Brust und naht su zu; in Schmalz gebraten. . mit gelben iMiben und Zwiebel. Viel übergießen macht sie schön gelb.
