Indiana Tribüne, Volume 22, Number 90, Indianapolis, Marion County, 18 December 1898 — Page 2
Acr Prüfer tu Kricsack. Vis in das zwölfte Jahihundert zu. rück reicht die Geschichte der edlen Herren von nf?ifa. Stammten doch deren Vorfahren noch ton alten -Haupt-linaen ab, und stand doch diesen mär fischen Edelleuten das seltene Recht zu, eigene Münzen zu prägen. Sfcn End: des 33. Jahrhunderts starb Äaö Geschlecht aus, un bald darauf siel da3 Land Friestick, das in der Mittelmark, östlich vorn Lanoe Rhinov und r.örd lich rsu? Sante Priizerbe gelegen. als Lehci? an der Markgrafen Waldemar von Brandenburg. D spateren Vcsitze? wurden dann die Familien von Brdow. (Gesegnete Fluren breiten sich rwgs um die stattlichen Herrenhäuser derer von Äredow. Wald- und Wasserruchthum verleiht dem Lande jene eigenihümliche Schönheit, die die Freunde und Kenner der Mark zu preisen pflegen, und ein gesunder, kräftiger Äolksstamm legt Zeugniß ab ern der Thatkraft, die die Mark Brandenburg grof gemacht hat. ' Auch in der märkischen Sage spielen die BredowS eine Rolle. Per allc:n sind es zniei Sagen, die im Ländcben Friesact im Volksmunde leben. Die BredowZ im Teufelsack" heißt die eine Sage. Wir geben sie hier nach mündlicken 'Ueberlieferungen wieder: Den märkischen Edelleuten wollte der Teufel einmal den Garaus macheniund alles mitschleppen, ! was er davon erwischcn konnte, namentlich solche, die viel auf dem Gewissen battcn. War auch bald .ein ansehnliches Häuflein zusamAicngekommendie warf der Teufel alle 'in einen Sack, schnallte ihn sich über die Schulter und flog davon' durch die Lüfte. Plötzlich stieß der Sack an eine Kirchthurmspitze 'und bekam 'ein großes Loch. Da ist eine Anzahl von Edelleuten herausgefallen und hat vom 5iirchthurm aussen Erdboden gewonnen. Das waren die Junker von Vredow. die den Teufel kräftig ausgelacht haben und sich ihrer Freiheit freuten. Sie siedelten sich von Neuem im Lande an und gaben den Ortschaften, wo sie sich niederließen, neue Namen. So nannten sie den Ort, wo der Sack an der .Kirchthurmspitze ein Loch bekommen, Friesack", weil der Sack da frei geworden. Das ist das heutige Städtchen Friesack im Kreise Westhavelland. Ein Vredow ging von Friesack fort landeinwärts, und nannte seinen neuen Sitz Landin. Ein anderer aber ging rechts zu und gründete den Ort Retzow, und ein dritter ging ungefähr denselben Weg entlang und gab seiner Niederlassung den Namen Selbelang. So entstanden durch die dem Teufel entwischten Bredows noch andere Orte, die alle heute blühen im westhavelländischen Kreise. In der andern Bredowsage spielte der Teufel nicht minder eine Rolle. Einer von den Bredows, die schon ein mal mit dem Teufel zu thun gehabt,
Nippel 'von Bredow auf Landin, brauchte später selbst Satans Hilfe. Er -hatte fast sein ganzes väterliches Erbe verpraßt, so daß er als armer Schlucker auf seinem Schlosse saß. Da ist der Teufel gekommen und hat ihn versucht. Wollte dem verarmten Edelmann alle Schätze der Welt gewähren, wenn er ihm seine Seele verschreiben würde. Das hat Nippel von Bredow auch richtig gethan, und nun 'lebte er wieder wie ehemals, denn er hatte -mehr Geld als Heu auf seinen Wiesen Mer schließlich ist er doch'in Angst gerathen, wenn er an seine arme Seele dachte. Sein Schäfer, 'der 'das Herz auf dem -rechten Fleck hatte, hat ihm geholfen 'und gesagt: Vor' dem Teufel brauchen sich der Herr nicht 'zu - furch Un, denn der ist bald zu 'überlisten Und da ist er gegangen, vor demSchloß auf 'dem Berge ein tiefes Loch -zu grattn; da r)at er 'seinen Herrn hingeholt und abermals zu' ihm gesagt: Jetzt überlistet den Teufel. Er'muß Euch gehorchen! nun, so laßt Euch einen Scheffel mit Gold füllen, ch werde den Scheffel so stellen, daß cer immer umschlagt, wenn daS Gold hmemkommt, nnd alle Schätze fallen 'in das groe Loch, bis der1!eufclre Geduld verliert. Und so ,st eS auch gekommen. Der Teufel hat immer Siicke voll Gold herangeschleppt und-m denSchef fel geschüttet; dieser aber blieb bestän big leer und die Goldstücke fielen alle in dre l5rdgrube. Als der Teufel den zwanzigsten Sack herangeschleppr und mit demselben Mißerfolg ausgeschüttet hatte, soll tx in großem Zorn ausgeru fen haben-: O Nippel. Nappel, Neepel. Wat heft dör'n grooten ScheepelZ Darauf hat er die Seelenvnfchrei bung des Herrn von Bredow zerrissen und ihm in rausend Fetzen dor'rneFüße geworfen. Dann ist er davongejagt und me wieder rn Lanvm schienen. Als Nippel von Bredow langst iobi war, konnte fern kluger Schäfer noch sorgenlos leben von dem Golde, itis der Teufel m den unersättlichen Whessel geworfen hatte. Auch Theodor Montane hat rn semen Gedichten der Bredows häufig Erwähn nung gethan. Bekanntlich handelt such einer der besten Romane von Wnlibald Aleris von den Hosen deö Herrn von Bredow . In einer Gesellschaft. Juk.qe Ehefrau (singt): Weißt Du. Mitto, was mir träumte? Ehemann (der das Lied zum ersten Male hört, seinen Nachbar anstoßend): Paß auf. jetzt kommt der neue Winterhut!" Akqilivalent. A.: 3öie, Du bekommst von dieser Zeitung ein Frei - Exemplar?" B.: Ja; ich habe mich aber dafür verpflichten mirssen, keine Gedichte mehr einzuschickFn!" Devot. Herzog: Es ist heute ein miserables Wetter, lieber KammHerr!" Kammerherr: .Ja, jyefimen Hoheit nur nicht übel!" .
Acr Siwerkorö. L?on onm Toylr. MrZ. Harper war ein nettcl, "Heines Frauchen, die netteste Frau in ganz Phikdelphia. behauptete Mr. Harper, und er mußte es doch wissen, denn er roax täglich mit ihr zusammen. Dabei frfci Mrs. Harper so mitleidig, daß sie durchaus nicht hatte zugeben wollen,
daß Bov ersäuft würde, wie ihr Mann vorgeschlagen hatte, sondern es sollte eine schmerzlosere Todesart gewählt werden, womit man Bob, diesem langjährigen Freunde, doch eine Art Achtung bezeigen konnte. Denn einen Hund, der siebzehn Jahre an einem Menschen treu gehangen hat, Zonnte man doch nicht ersäufen w eine Katze", sagte Frau Harper. Mr. Harper hatte das eingesehen und .jetzt eben kehrte er aus dem Keller zurück, nach Aether duftend wie zehn Apotheker, denn er hatte Bob mittels eines in Aether qetränkten Tuches in' Jenseits 'befördert. Nasch wischte er nun noch ein paar Schweißtropfen von der Stirn, tröstete sein Weibchen, welches in einer 'Sophaeäe still vor sich hinweinte, und dann fuhr er schnell in seinen Neisean--zug, weil es die höchste Zeit war, nach .NewNork zu einerAufstchtsrathssttzung ;zu fahren; derSchnellzug ging in einer halben Stunde. Du fährst also mit Bob zu meiner 'Schwester," sagte Herr Harper noch zu seiner Gemahlin,' begräbst ihn draußen in Germantown, und wenn Du Dich fürchtest, allein hierdie Nacht zu schlafen, 'dann bleib ruhig dort, ich komme erst Morgen in derrühe zurück." 0, ich fürchte mich nicht!" .scgte Mrs. Harper und da hatte sie Recht, 'denn sie war eine muthige Frau. Wahrend ihr Mann sich zur Reise angekleidet hatte, hatte 'sie den todten Bob in einen großen Korb gelegt in welchem sonst das Silberzeug aufbewahrt wurde, und nun machte sichMrs. Harper bereit, gleich ihrem .Manne das Haus zu verlassen, als Mrs. Cratchit gemeldet wurde, die gefährlichste Klatscherin in ganz Philadelphia. Sich verleugnen lassen ging nicht mehr, denn Frau Cratchit war mit dem meldenden Diener zugleich in der Thür, weiter durfte Mrs. Harper auch unter keinen Umständen merken lassen, daß sie mit einem todten Hunde nach Germantown fahren wollte, weil die würdige Frau Cratchit sie sonst in ganz Philadelphia lächerlich gemacht haben würde; es blieb also nichts übrig, als den Besuch über sich ergehen zu lassen. Das that die Dame des Hauses denn auch mit der Ergebung einer netten, liebenswürdigen Frau, und als Mrs. Cratchit endlich ging Kaffee hatte sie natürlich zuvor noch trinken müssen war es bereits so spät geworden, daß'Mrs. Harper die Fahrt nach Germantown 'aufgeben mußte. Der todte Bob blieb also im Wohnzimmer in dem großen Korbe liegen, und als es Zeit geworden .war, schickte Frau Harper den Diener und die Köchin nach 'dem anderen Flügel des Hauses zumSchkafen, und .sie selber suchte dann ganz allein ihr Nachtlager auf; sie war eben eine muthige Frau. Wie lange sie geschlafen haben mochte, und wie spat es war, wußte sie i nicht; es war noch dunkel, als sie aufwachte. Aber sie hatte so ein Gefühl, als müßte sie aufstehen und ins Speisezimmer hinuntergehen. Mein Mann wird gekommen sein, 'sagte sie sich, warf den Morgenrock über, steckte die bloßen Füße in die Pantoffeln .und .huschte die Treppe hinab. Richtig, im Speisezimmer war noch Licht, man konnte es deutlich bemerken, da die Thür nicht geschlossen, srrndern nur .angelehnt war. Leise ging .Frau Harper näher, nm ihren Mann zu überraschen, ebenso leise öffnete .sie ,die Fhür, und da saß tx am Tische, den .Rücken nach der Thür, vor ihm .stand noch die Hälfte der Flasche Wein, die sie für ihn bereit gestellt hatte, und :die Reste des Balten Huhnes. Äuf dem weichen Teppich wurden die schritte der Frau Harper nicht hörbar, so gelangte sie unbemerkt bis hinter ihren Mann, und schnell schlang sie die Arme um .seinen Nacken. ' Gleich darauf aber fuhr sie mit ei.nem Ausruf des Schreckens zurück. Ihr Mann hatte ja schwarze Haart, und der Kopf 4m dicht vor ihr hatte röthlich blonde, ausgesprochen röthlichblonde. Entschuldigen Sie, Madame", sag'te aber der Fremde m ruhigem Tone, .toeiin ich Sie erschreckte. Ihr Warf" er zeigte ans die beinah geleerte Flasche ist gut aber ein wenig schwer, und so bin ich ei wenig eingeschlummert. Wer bitte, ehmen Sie doch Platz!' Bei diesen höflichen Worten beruhigte sich Frau Harper wieder. Vielleicht war der Fremde ein Geschäftsfreund ihres Mannes, den er vorausgeschickt hatte. .Mein Mann . . ." begann sie. Ich weiß. Jör Mann ist in New Aork und kommt heut früh zurück, .entgegnete der Fremde in natürlichem Tone, aber trinken Sie ein Glas Wein, das wird Sie beruhigen." Damit füllte er zwei Gläser voll, und er schloß lächelnd: Ich darf ihn ohnehin nicht allein austrinke; denn ich muß gleich an meine Arbeit gehen, und zuviel Wein, das ist nicht gut bei meiner Arbeit, müssen Sie wissen!" Arbeit?" . . . Frau Harper sah ihr Gegenüber erstaunt an und sie wurde etwas fassungslos, so daß sie garnicht bemerkte, wie sie die nackten Füße unter dem Kleide Hervorstreckte. Dem Fremden aber war es nicht entgangen, und er sah lächelnd auf die kleinen, nackten Dfriger herab, die in den blauen Pantöffelchen steckten, : mit einem Lächeln, unter dem Frau Harper erröthete und schsikll die Füße zuIückzog. . . ,7 ...
Haben .... haben Sie lnn nicht Furcht, so in der Nacht zu arbeiten?" fragte sie verwirrt. Der Fremde lächelte behaglich, und wie ein Mann, der sich seinen Gedanken hingiebt, sagte er vor sich Hin: Ganz wie Mrs. Wilkins . . . welche war es doch gleich ... ach ja, Nr. III ganz wie Mrs. W'llkins Nr. III." Sie sind also Mr. Wittes?" fragte die Dame des Hauses. O nein, das nicht, ich nenne immer meine Frau so. der Einfachheit halber. Jetzt habe ichMrs. Wilkins Nr. VIII." So sind Ihnen schon sieben Frcuen gestorben?" fragte Frau Harper wieder etwas erschreckt. O nein, nicht gestorben; aber sehn Sie, Madame, in meiner Beschäftigung kommen nicht ganz freiwillige längere Unterbrechungen' vor. und wenn ich dann zu meinem Metier zurückkehre, sind fast immer meine Frauen verschwunden, so daß ich eine ande suchen muß." Dann ist Ihre Beschäftigung nicht ganz ungefährlich." Nicht ganz so ungefährlich." Und Sie arbeiten immer in der Nacht?" . ..Ja natürlich in der Nacht; aber Sie erinnern mich daran, daß ich anfangen muß." Der Fremde richtete sich auf. Ja worin worin besteht denn Ihre Beschäftigung?" Der Fremde lachte. Zum Kukuck, ich glaubte, Sie wüßten das längst, ich bin Einbrecher." Mrs. Harper sah fassungslos den Mann an, der ihr das in so natürlichem Tone erzählte, dann machte sie plötzlich eine hastige Bewegung nach der Thür. Sogleich aber war der Einbrecher neben ihr; er war völlig ernüchtert, als er sie beim Handgelenk packte und ihr zuflüsterte: Machen Sie um GotteswiUen keine Dummheiten, und zwingen Sie mich nicht, Ihnen wehe zu thun. Ich möchte das nicht gern; aber im Geschäft kennt man keine Rücksichten." Frau Harper war nun doch etwas bleich geworden, sie taumelte ein wenig. Fassen Sie sich", sagte der Fremde, wenn Sie nicht thörichterweise Lärm machen, geschieht Ihnen nichts." Ja, ich werde mich ruhig verhakten." Mrs. Harper sah ein, daß Fassung und Ruhe hier das Beste wären. Nun, sehen Sie, Sie sind ganz vernünftig; ich sagte ja schon, czanz wie Mrs. Wilkins Nr. IN. .:" Uebrigens könnten Sie meinen Ihnen unangenehmen Besuch bedeutend abkürzen, wenn Sie mir sagen wollten, wo Sie Ihr Silberzeug haben. Ist in diesem Zimmer etwas Werthvolles vorhanden?" Frau Harper hatte einen Augenblick ten Gedanken, den Einbrecher an eine Commode zu schicken, und, während er dort wühlte, Lärm zu schlagen, nach Hilfe zu rufen, aber als merkte er ihre Gedanken, sagte der Mann: Ich wiederhole Ihnen nochmals, versuchen Sie nicht, mir eine Falle zu stellen. Es sollte mir leid thun, müßte ich mich an Ihnen vergreifen, aber Sie werden verstehen - . . Geschäft ist Geschäft." Mrs. Harper fühlte, wie sie zitterte. Sie zwang sich aber zur Ruhe und ihre Stimme klang garnicht erregt, als sie zur Antwort gab: In diesem Zimmer ist nichts." Da hatte sie Plötzlich einen Gedanken. Wenn man ihn in's Wohnzimmer hinaufbrächte, wo der todte Bob im Korbe lag, . . gleich danebm war das Arbeitscabinett ihres Mannes und das Telephon. Wenn man da die nächste Polizeiwache anklingelte, so konnten in zwei Minuten einige Constabler da .sein. In Verfolg dieses Gedankens setzte sie ihrer letzten Antwort hinzu: .Das Silberzeug aber befindet sich in meinem Korbe im Wohnzimmer. ,Out, geh'n wir hinauf, . .. . aber" Drohend sah sie 'der Einbrecher an. .Es M, wie ich sagte,'" bemerkte Mrs. Harper. .'Gut, geh'n wir." Sie gingen die Treppe hinauf, Frau Harper das Licht in der Rechten, während 'der Einbrecher sie an der Linken Irampfhaft festhielt. Da steht der Korb!" sagte sie, als sie nn Wohnzimmer angelangt waren. Des Räubers Augen funkelten? er stürzte sich auf den Korb und hob ihn prüfend in Yit Höhe, wobei ein freundliches Schmunzeln über sein Gesicht S'mg. Diesen Augenblick hatte Frau Harper benutzt. Wie der Blitz war sie zur Thür hinaus, schloß sie zu, und dann stand sie auch schon am Telephon. Binnen einer Minute war die Verbindung hergepellt. Schnell nach Avenue IX kommen," rief sie hinein, Einbrecher sind hier!" und dann ging sie zur Thür des Wohnzimmers zurück, welche von dem Einbrecher mit Fäusten bearbeitet wurde. Sie fürchtete doch, daß der Mann die Thür erbrechen und 'an ihr seine Rache ausüben könnte, und deshalb rief sie zitternd vor Furcht hinein: Machen Sie schnell, daß sie fortkommen, in einer Minute ist die Polizei hier; ich habe sie telephonisch gerufen." Ein Fluch war die Antwort und aufs neue hagelten Fußtrittegegen die Thür, welche anfing, nachzugeben. : Frau Harper sah sich ängstlich in dem Raume um, der keinen anderen Ausgang hatte, da wurden aber unten im Hausflur Stimmen 'laut und der Schall von schnell sich nähernden Fußtritten, dann war nebenan Alles still. : Die Dame schloß die Thür auf und eilte den Polizisten entgegen. ;.r muß eben zum Fenster hinaus sein", rief sie. . Gleich darauf kam auch ein Polizist von unten melden: .Ein Kerl ist soeben
mit einem großen Korbe durch den Garten entflohen!" Frau Harper erschrak; ihr armer Bob fort, und während die Polizei dem Einbrecher nachsetzte, erging sie sich in Klagen über das Schicksal ihres armen Hundes, bis ibr Mann wiederkam. Als Mrs. Harper seine kleine, tapfere Frau in die Arme schloß und sie über den Verlust des todten Vob tröstete, öfsnete zur selben Zeit in einein Hause der Vorstadt der Einbrccher gierig den großen Korb. Mit einem Fluche schleuderte er den Deckel auf den Boden. Ein todtes Vieh!" sagte er außer sich vor Wuth und stieß mit dem Fuße nach dem Korbe. Umsonst gearbeitet!" Anlon Antony.
Ein Intermezzo, ron P. Schüler. Frau Therese ist eine junge Wittwe, mit der mich eine jahrelange Neigung verbindet. Es ist aber eine besonders geartete Neiauua: wechselvoll trolz ih- ! rer Dauer und dauerhaft trotz aller Wechselfalle, rau Therese hat namlich eine Schwäche für alles Schöngeistige, und ich bin Lederhändler. Ver Lederhandel ist zwar ein sehr einträgliches Gewerbe; aber ich werde mich nie vergessen, neben einem Dichter, Maler oder Musiker um Frauengunst zu buhlen. Frau Therese hat den Ehrgeiz, die jeweilige Berühmtheit des Tages an sich zu fesseln. Wenn ein neuer Stern in ihren Salons aufgeht, dann pflege ich auf einige Zeit von der Bildfläche zu verschwinden. Ich spiele nicht gern den Zurückgesetzten und meine Gegenwart würde die schöne Therese in der Entfaltung ibrer An.ziehungskräfte beeinträchtigen. So melde ich denn den Tempel meiner Venus vierzehn Taze lang, vier Wochen lang je nachdem. Geduldig warte ich das Intermezzi ab; denn ich weiß: über kurz oder lang kommt sie doch auf mich zurück. Wenn sie mit dem berühmten Manne fertig ist, läßt sie die Sonne ihrerHuld doppelt warm über mir scheinen. Sie pflegt dann tief aufzuseufzen, wie nach einer schweren Strapaze, meine Hand zu ergreifen, ihren rothblonden Kopf an meine Brust zu lehnen und vertrauensvoll zu mir aufzublicken. Ich bin dann ihr Hafen nach bewegter Seefahrt", ihr .Obdach gegen Sturm und Regen". Sie sag?: ich sei so ruhig und fest in mir, und sie fühle sich selber so beruhigt in meiner Nähe. Es ist ein merkwürdiges Gemisch von Treue und Treulosigkeit in dieser Frau: wenn meine Nähe sie beruhigt, weshalb verläßt sie mich? Und wenn sie mich verläßt, weshalb kehrt sie wieder? .Der letzte, dem ich weichen mußte, war Anton Antony. Wer kennt ihn nicht, den genialm Wiener, der Goethe's Hermann und Dorothea" in Musik gesetzt hat, alle neun Gesänge, so wie sie da sind! Die Zeitungen waren voll von ihm, als er nach Berlin kam, um einen der neun Gesänge in der Singacademie persönlich zur Aufführung zu bringen. Natürlich war er täglicher Gast bei Frau Therese. Mit seinem Liede: Ich bin ein kleiner Schmetterling, ling. ling, ling. Ein allerliebstes, flücht'gesDing.Ding, Ding, Ding" eroberte er alle Herzen. Als er es am sten Abend inFra Therese's Musikzimmer vorsang, war man einfach begeistert. Der einzige, den es scheinbar kalt ließ, war der Capellmeiper Schmidt. Ader unter Künstlern spielt der Neid eine noch größere Rolle .als unter uns Geschäftsleuten. Wir ndern, die wir nicht vom Fach waren, wir wußten darum doch, was wir von Anton Antony zu halten hatten. Ich selber verstehe zwar nicht viel von Musik : ich kann den Parsifal nicht von der Zauberflöte unterscheiden. Aber ich muß doch sagen: seit Offenbach hat sich mir keiner so in's' Ohr geschmeichelt wie Anton Antony. Er mußte sein Lied dreimal wiederholen. Frau Therese gerieth in Verzückung: das kleidet sie vortrefflich; die schwärmerische Begeisterung verklärt sie zusehends. Sie behauptete, nie etwas Aehnliches gehört zu haben Eapellmeister Schmidt flüsterte mir zwar in's Ohr: er hatte schon etwas Aehnliches gehört, nämlich h der Schönen Helena", aus der mehrere Tacte wörtlich entlehnt seien; allein die Mißgunst sprach zu deutlich ans ihm In diesem Augenblick stieß Anton Antony einen heftigen Schrei aus. Alles gerieth in Bestürzung, denn man dachte nicht anders, als daß in dem Äopse dieses Mannes eine jener Krisen eingetreten wäre, denen das dem Wahnsinn verwandte Genie nur allzu leicht ausgesetzt ist. Anton Antony hatte die Augen weit aufgerissen und starrte auf die Wand, während er sich mit beiden Händen krampfhaft hinten am Bechstein festhielt. Wir andern, die wir weniger zu' Krisen neigten, folgten seinem wilden Blicke, ohne doch an der Wand etwas anderes entdecken zu können als eine Radirung. die den Meister Richard Wagner darstellte. Da! da! kreischte Anton Antony und fuhr sich durch das dichte Gelock, daß es sich gleich schwarzen Schlangen in furchtbarer Empörung aufwärts ringelte. Fort! fort mit ihm! Einer von uns beiden muß aus dem Zimmer! Ich oder er! Natürlich mußte Richard Wagner aus dem Zimmer. Frau Therese stieg selber auf den Clavierstuhl und holte ihn herunter. Dann brachte sie ihn in ine dunkle Kammer, in die weder Sonne noch Mond schien, und stellte ihn unter alten Kleidern, Besen und Eimern, wie einen ungezogenm Jungen, mit dem Gesicht gegen die Wand. Anton Antony war beruhigt; Capellmeister Schmidt aber war außer sich. Cr suchte - seinen Ingrimm zu I
verbergen, konnte aber die Bemerkung nicht unterdrücken: es sei denn doch noch ein Unterschied, ob man den kleinen Schmetterling, ling. ling, ling componirt oder ob man derWelt Werke schenke wie Lohengrin, Meistersinger und Nibelungen. Ich fühlte mich nicht berusen, diese Frage zu entscheiden, und schwieg. Ich hätte besser geredet. Denn Therese hatte zum Unglück zugehört, und da sie mein Schweigen offenbar für Zustimmung hielt, so trumpfte sie uns beide mit den Worten ab: seit wann man denn Musik nach der Elle messe? In einem Liede könne mehr Genialität stecken als in zwanzig Opern. Im Lederhandel käme es vielleicht auf die Quantiät an, aber in der Musik... Ich selber verstehe ja nicht viel von Musik. Aber ich verstand doch so viel, den mein Stündlein wieder einmal geschlagen hatte. Und mir war, als hätte die schöne Therese nicht ihren einstigen Liebling Richard Wagner, sondern mich selber an dem Kragen genommen und in die dunkleKammer gestellt. Adieu. Therese! Wann wird die Sonne deiner Huld wieder strahlen überRichard Wagner und dem Lederhändler? Als ich nach vierzehn Tagen wieder zu ihr kam, erklärte sie, daß Anton Antony nicht bloß ein genialer Musiker, sondern überhaupt der genialste Mensch aller Zeiten sei. Da sie dies mit großer Bestimmtheit sagte, so hatte ich keinen Grund, daran zu zweifeln. Es war mir aber doch unangenehm. Ich persönlich mache ja keinen Anspruch darauf, der genialste Mensch aller Zeiten genannt zu werden; aber man hört es trotzdem nicht gecr, wenn ein a n d e r e r so genannt wird. Ich habe also," sprach ich schmerzlich, noch keine Hoffnung?" Sie lächelte mit ihrem holdesten Lächeln, drehte sich graziös auf ihrem Clavierstuhl herum und wies schweigend mit ihrem rosigen Finger nach der Wand. Wo früher Richard Wagner gehangen hatte, hing jetzt ein Kreidebild von Anton Antony in Lebensgröße. Das sagte alles. Und da kam er selber, der Componist des kleinen Schmetterlings. Mit einer Sicherheit, als sei er von je her der Herr dieser Räume und ihrer Bewohnerin gewesen, trat der geniale Mann herein und schüttelte mir wohlwollend die Hand. Und da saß er auch schon am Clavier und spielte. Und Frau Therese stand daneben und sang: Ich bin ein kleiner Schmetterling, ling, ling. ling, Ein allerliebstes flücht'gesDing. Ding. Ding, Ding. Ein wie mächtiges Band ist doch die Musik! Tausend unsichtbare Fäden spinnen sich von einem zum andern. Ein guter Spieler braucht nur eine Stunde mit einer Sängerin zu musiciren, und er tritt ihr näher als einer, der sie Jahre lang kennt, aber nicht so glücklich ist. seine Gefühle in Töne kleiden zu können. Das ist mir nie so klar geworden wie damals, wo die schöne Therese sich von Anton Antony den kleinen Schmetterling begleiten ließ. Während der nächsten vierzehn Tage nahm ich Clavierstunde. Seit meinem zehnten Lebensjahre hatte ich sie wegen Talentlosigkeit aufgegeben. Allein im Vertrauen auf die den Lederhändlern eigenthümliche Zähigkeit hoffte ich doch, im Verlaufe von vierzehn Tagen es dahin zu bringen, daß ich. den kleinen Schmetterling ohne Anstoß begleiten konnte. Was würde Therese für Augen machen, wenn ich mich wie zufällig an's Klavier setzte und ihr, so als ob das ganz einfach und selbstverständlich wäre, den kleinen Schmetterling vorspielte! Als ich unter Anleitung eines tüchtigen Musikers zum hundertsten Mal gespielt hatte: Ich bin ein kleiner Schmetterling, ling. ling, ling, Ein allerliebstes flücht'gesDing, Ding. Ding, Ding. erklärte er mir, daß er sich außer Stande fühle, den Unterricht fortzusetzen; er könne den kleinen Schmetterling nicht mehr hören. Nun, ich konnte ruhig auf weiteren Unterricht verzichten, ich durfte mir sagen, daß ich den kleinen Schmetterling vollständig beherrschte. So vorbereitet, ging ich ein zweites Mal zu Frau Therese, fest entschlossen, den Kampf mit dem Begleiter Anton Antony auszunehmen. Ich hatte mich an's Klavier gesetzt und fuhr, wie von ungefähr, über die Tasten. Wenn ich von ungefähr über die Tasten fahre, kommt immer der kleine Schmetterling heraus. Frau Therese war noch nicht erschienen. Kaum aber hatte ich die ersten zwei Tacte gespielt, da erschien sie auch schon und bat mit Entschiedenheit, ich möchte sie doch mit dem Schmarren verschonen. Schmarren? rief ich und staunte maßlos über diesen Wechsel ihrer Ansicht. In das Staunen mischte sich aber gelinde Empörung. Ein Lied, dem ich vierzehn Tage meines Lebens geopfert hatte, sollte ein Schmarren" sein? Schmarren nennen Sie die Tondichtung. des genialen Mannes? Ach was, genial! eiferte Therese und zeigte mir einen Zeitungsausschnitt, in dem stanv, daß die Aufführung des Gesanges aus Anton Antonys Hermann und Dorothea" unüberwindlicher Schwierigkeiten wegen nicht stattfinden könne. Denken Sie mal an, sagte ich bewundernd, unüberwindlicher Schwierigkeiten wegen! ES muß in der That ein genialer Kerl sein! Ich verstehe ja nicht viel von Musil. Aber wenn Jemand etwas macht, das unüberwindliche Schwierigkeiten bietet Wie naiv Sie sind! sprach meine Freundin und lachte nervös. Wissen Sie auch, worin die unüberwindlichen Schwierigkeiten bestanden haben?' Die Musiker haben nicht spielen wollen, weil eS so scheußlich geklungen hat. Die
Instrumente haben sie nach ihm geworfen und faule Aepfel. Die Zeit wird noch nicht reif sein für ihn, bemerkte ich schüchtern. E3 wird Zukunftsmusik sein. Wenn Jemand ein Lied componiren kann, wie den kleinen Schmetterling . Und abermals begann ich zu spielen: Ich bin ein kleiner Schmetterling, ling, ling, ling. Man will doch die viel:n Stunden nicht umsonst genommen haben. Genial! Genial! rief Therese und wurde nun wirklich so ärgerlich, daß sie mir mit Gewalt die Hände von den Tasten riß. Ist es vielleicht genial, eine Frau mit fünf Kindern zu haben? Ist es genial, kein Geld zu haben und mich anzupumpen, weil es zur Rückfahrt nicht langt? Ist das genial? Ich konnte nicht finden, daß das genial sei, fühlte aber mehr als zuvor das cdelmüthigc Bedürfniß, Anton Antony in Schutz zu nehmen. Man muß, sprach ich mit Milde, den Menscheu Antony von dem Musiker Antony trennen. Der Mensch Antony scheint ja seine Schwächen zu haben. Deshalb kann er docy ein genialer Musiker sein. Und selbst wenn es mit Hennarni und Dorothea" heute noch nichts sein sollte, so bleibt doch immer der kleine Schmetterling! Und wenn es auch nur ein kleines Lied ist: auf die Quantität kommt es doch bei der Musik nicht an. Beim Lederhandel ist es ja etwas anderes; da Therese schloß mit der einen Hand mir den Mund, mit der andern das Klavier, wobei mir der Deckel auf die Finger fiel; ich hatte nämlich ein drittes Mal den Versuch gemacht, den kleinen Schmetterling zu spielen. Als. es mir gelungen war, den süßduftenden Verschluß vom Munde zu entfernen, sprach ich mit dem Ernste eines Menschen, der einen Frrund zu Grabe geleitet: So ist es also aus mit Anton Antony? Sie antwortete nicht und zeigte wieder nach der Wand. Anton Antony war verschn-unden. Nichard Wagner hatte seinen alten Platz wieder eingenommen. Das batte ich mir auch nicht träumen lassen, daß sich Nichard Wagners und mein Schicksal einmal so innig verknüpfen würden. Während ich noch über diese Merkwürdigkcit nachdachte, stieß Therese einen Seufzer aus wie nach einer schweren Strapaze. Sie lehnte ihren Kopf an meine Brust, blickte vertrauensvIll zu mir auf und erklärte: ich sei ihr Hafen nach bewegter Seefahrt, ihr Obdach gegen Sturm und Regen. Sie sagte: ich sei so ruhig und fest in mir, und sie fühlte sich selber so beruhigt in meiner Nähe. . . . Das Intermezzo war zu Ende. Ich nahm meinen Platz wieder ein . . . vis zum nächsten Intermezzo. (Sin Aälhsel
Von Hugo Schack. Berlin ist eine schöne Stadt, wenn es dort nicht regner," tagte der Leyrer am fc5tammnja, am erneu Aoenv naa) abgelaufenem Uriauv. Aoer we dem, der dort vom rtegen uverra wird, ohne im &esi eines ürmc zu sein. So erging es mir, als ich vom Stettiner Baqnyofe nacy der Pyuharmorne ging, kleinen Scyirm hane icy rnujt milgenommen, weit ich gewoynl vrn, ihn uoerall stehen zu laen. za) hatte nicht mehr viel eit zu vcrncrcn, e mochte gegen halo nevcn gewesen in, da offnere der Fimmel leine tocgijcu und es regnete rn strömen. 12110410 kam Gott fei Dank eine Pf'erdeoayn. Hurtig sprang ich auf, da iome nur ein geoltterlfazes Besetzt" enigegen. Dies jtanooer wiederyolte icy fünfmal und fünfmal tonte das ominöse Äesetzt" zurück. stand icg nun rathlos. In ein Renaurant fluchten, wäre gieiciedeuteno gewesen mit auf die .pyilyarmome verztcyten" und das woule ich nicht. Es muß doch einmal Frühling oder PlaZ in einem Pferdeoat.iwagctl werden," dächtt ich. )oq heute jujtni der Himmel gegen micu verschworen zu haven. Ganz ourchnagt virntt ich wie Ufe sucyenv umyer. xi fay ich an einer iscke mit fetten wettern die Aufschrift: Herm. Dampf, Bregenschirmsavrik." Scyneu entschlossen trat ich ein und nach zwei !ltlnuten tam icy mit einem eleganten Schirm 4.50 Mark heraus, spannte ihn auf und schritt lustig dahin. ?cun hatten Sie einmal den niederträchtig spöttischen Blick sehen sollen, mit dem mich die Borüoergehenden, vom schmutzigen Schusterjungen angefangen vis zum Professor ansahen. Was fallt denn den Leuten ein? fragte ich mich, ist der Schirm nicht anständig? Immer neue Gesichter zogen an mir vorüber, und immer wieoer dasselbe Lachen. Endlich wurde mir vielfache zu bunt. Verzeihung fragte ich einen Passanten, tonnten Sie nur vielleicht sagen, was Sie Lächerliches an mir finden?" 2ch denke eben darüber nach, wie es möglich war, daß Sie so naß wurden, da Sie doch einen Schirm haven." Mama'sAntwort. Klein Käthchen: Mama, sage doch, was ist das eigentlich: die Sociale Frage"?" Mama: Die Sociale Frage", Kind? Das ist. wenn die Papas alle in ei.em großen Saale zusammenkom-' men und so lange Bier trinken und Cigarren rauchen, bis. sie Alle durcheinander sprechen und der Eine nicht mehr weiß, was der Andere will!" -JmJnstitut. Religionslehrer: Fräulein Irma, was lernen wir also von dem Gleichniß der sieben klugen und der sieben thörichten Jungsrauen?" Fräulein Irma: Daß. wir stündlich auf den Bräutigam war ten sollen."
?ie wahren Vunstler. $on C. Tcku!!?S. Von 1823 bis 1810 stand das Hofund Nationaltheater zu München. n?as das Schauspiel betraf, auf der böchstcn Stufe. Eßlair. Vespermann,' gorst, W. Kunst. Heigel. Lang. Jost Ehristen. dann das Dahn'sche und Hölien'sche Ehepaar. Sophie Schröder. Fr. Fries, Charlotte und Auguste v. 5zagen, das waren lauter Sterne, die zugleich ein so vortreffliches Ensemble bilden, wie es das deutsche Thäter noch nie gesehen hatte und vielleicht nie wieder sehen wird. Im Jahre 1831 gastirt; nun Ferdinand Raimund zum ersten Mal? an dem Hoftheater zu München, welches der Volkskomödie bisher verschlossen war, unter ungeheurem Zulauf in allen seinen Stücken. Man hatte dieselben den Anforderungen des Dichter - Künstlers nachgebend mit großartiger Ausstattung auf dieser Riesenbühne in Scene gehen latn. Das wurmte nun die dramatischen Größen des Hofthcatcrs, und wenn sie auch einerseits bei dern Spiele Raimunds Thränen der Rührung vergossen. und andererseits über seine echte Komik sich halbtodt lachen wollten, so blieb doch immer der Stachel zurück, daß diesen Raimund'schen Possen" gegenüber das große Schauspiel fast wie ein Stieflind behandelt wurde. Eine kleine, aber vortrefflich: Weinkneipe, die sich gegenüber dem OberPollinger" in der Neuhauserstraße befand, war das Haupt- und Standquartier Eßlairs und seiner Verehrer. Zu diesen gehörte in erster Linie der Volkskomiker und Direktor 5anni Schweiger des sog. Lipperl-Theaters" vor dem nahen Karlsthore, der in seiner scheunenartizen Holzbude zu dem Eintrittspreise von 6, 3 und 1 Kreuzer der coinoedia, vnljrivapi" die haarsträubendsten Opfer brachte! Hanni Schweiger, der Urtypus der niederen Volkskomik, stand bei den Münchnern in gleichem Ansehen wie die Größen des Hoftheaters, und verkehrte mit demselben als guterKamerad. Als nun Eßlair mit einigen Freunden eines schönen Morgens zur sögenannten 11 Uhr-Messe in dasKneiplein trat, war Hanni eben dabei, den Gästen in begeisterter Weise das Lob Ferdinand Raimunds und seiner Dichtungen zu singen, und er schloß: Dieser Ferdinand und unser Ferdinand (Eßlair). dös san zwei Nandl'n. wie's in ganz Europia nit no' amal af den Bretter rumtrampeln, die wie unser großer Fritz Schillinger (Schiller) sagt die ganze Welt un no' a Dorf nebenbei bedeuten!" Lieber Freund, taut de bruit pour uno ornelette, oder, wie wir sagen: Warum eine Bombe, um einen Hasen zu erschießen!" tönte Eßlairs wohllautgesättigtes Organ, als Hanni Schweiger geendet hatte. Ich will Raimund weder als Dramatiker noch als Darsteller zu nahe treten, aber außer Verschwender", Bauer alö Millionär" und Alpenkönig und' Menschenfeind" ist alles Andere vom Standpunkte wahrer Kunst betrachtet ... gleich Null!" Oho!" brauste Hanni auf. nuha bin i wohl auch gar ka Künstla?" Lieber Hanni, lassen wir das!" wehrte Eßlair vornehm ab. So?! Ihr nobligten Herrn Hofschauspüller seid wohl alloa die Künstler. und was so daneben rumkrazelt, das is nix?! I will Dir was sag'n, mei' liaba Herr von Eßlair! Woaßt Du. wo die wahr'n Künstler Zi'finden san? Bei mir da drauß'n vor'm Karlsthor in meiner Kreuzerbudn!" Nit mögli'!" tönte es von allen Seiten etwas hohnisch. Was i a'sagt hab' is wahr biö auf's Jtüpferl. und i will's Enk glei' beweis'n!" schrie Schweiger voll Eifer. 'Raus mit dem Beweis!" schallte es im Chorus. Sich vor dem Hünen Eßlair' in einer Stellung ä la Napoleon die ungeheuer komisch wirkte dicht hinpflanzend, begann Hanni, welcher Eßlair kaum bis an die Schulter reichte, in dem grausamen Pathos deiPrinzen Schnudi. Ihr meine vüllgelipten Herrn Hosg's'chauschpüller in Enkerem schönen Hofthiater kriegt eine großmächtige Gasch'n. könnt Rebhändeln, Backhändeln, Rahmstrudeln und Schnepfendreck speisen und einen Würzburger Bocksbeutel dazu trinken! Da is das goar keine Kunst, schöne Roll'n schpülln, vtn a großmächtiga Künstele? zu sein! Meine Leut dageg'n krieg'n a recht kloani, oda oft'n goar kani Gasch, freß'n Kartoffeln, daß eahna der Dampf zu die Ohren raus geht, sausen öllendigen Schöps, schpülln die Roll'n. wie's der Hirt zum Thor naus treibt, und san urfidöll dabei! Ergel. san bei mir die wahren Künstla!" - Ohne Widerrede!" übertönte Eßlairs mächtige Stimme das Höllengelächter der, Anwesenden, und mit Hanni Schweiger anstoßend fuhr er fort: Sollst leben, alter Kunstvater !" Auf dem südlichen Friedhofe Münchens ist Ferdinand Eßlairs Ruhestätte fast am End: der linken Seite des rechten Ganges, nahe der Halle und auf dem hohen, würdigen Grabsteine steht bescheiden am unteren Rande: Dieses Denkmal der Liebe und 2erehrung setzten dem größten deutschen Künstler die ... Mitglieder des Schweizerischen Volkstheaters."
Lakonisch. .Woher wirst Du nur so wohlbeleibt?" .Wohlbeweibt!" ' Bosyast. A.: Das Beste für mich ist, wenn ich eine Vernunstehe eingehe.- B.: Dazu bist Du ja viel zu dumm."
