Indiana Tribüne, Volume 22, Number 83, Indianapolis, Marion County, 11 December 1898 — Page 7
Die Schuld einer Frau. Seit drei Jahren betrügeich meinen Mann! Ja, seit drei Jahren ich erinnere mich genau des Tages, an dem ich jenen ersten verhängnißvollen. entscheidenden Schritt that. Und er. der Gute, der Edle, ist völlig hnungsloZ; Pflichtmensch durch und durch, correct bis in die Fingerspitzen, nicht um Haaresbreite vom rechten Wege abweichend, würde er die ?lmuthung. das kleinste Unrecht gegen seine Familie zu begehen, mit der Entrüst?n:g, die sewem stolzen, idlen Wesen so wohl ansteht, zurücKieisen. Nein, er ahnt gewiß nichts. Manchmal freilich will mein belaste tes Gewissen n ihm einen forschenden Blick des Argwohns entdecken, aber dann kämpfe ich meine Sorge wieder nieder. Er kann ja wein Geheimnis nicht kennen Es ist ndenkba':! Neulich erwachte ich zeitig früh. Er schlief moch, es Zvar dämmernder Morgen. Ich richtete mich ein wenig auf und betrachtete ihn. Er athmete ruhig mit leicht geöffnetem Mund Ober zuun ersten Mal erkannte ich .einen bitteren Zug auf seinem blassen Geficht, rnid ich hielt das für den DerräArischen Ausdruck eines heimlich, der standhaft getragenen schweren Gram. Ich erschraZ. Das kannte ich vordem nicht an 5hm. Wenn er nun doch .alleZ wüßte? Wenn er in seiner En!gelsgüte so weit ginge, mir stillschweinend zu vergeben, denn er hat anir daMalö, als wir uns in dem kleinen 'Gärtchen bei meinen Eltern derlobten mach dem ersten Kuß gelobte .Eöchen, .'was auch kommen mag, Du 'wirst kein böses Wortwon mir erfahren, für mich 'bleibst Du meine Braut fürlle Zeiten, Meine zärtlich geliebte Braut!" -Der Gute! Ob es solchen HeroisMus bei meinem Manne giebt, solche Selbstbeherrschung, solche Milde? Er müßte ein Heiliger sein.! Er ist .es auch. Und was bin ich? Aber nein, er weiß nichts, er ahnt nichts. Ich täusche mich, mein Gewissen malt mir Schreckbilder vor. Woher sollte er?! .Nach den ersten Monuten, da 's ge--schuh, war ich nahe daran, .mich ihm zu .entdecken. Besonders am Abend des 13. November. Es war 'damals, als unser kleiner Victor plötzlich am Maaen. erkrankte. Ich rang .mit meinem gutenEngel, schon schwebte mie dasGeständniß meiner Schuld rnif den Lip.ven, es drängte aus meinem schweren, tieftraurigen Herzen zum Munde, -meine Seele schmachtete nach Befreiung von dem unerträglichen Druck. Ich war nahe daran, ihm ulles zu sagen aber er war so sorgenschwer wegen des Kindes er that mir so leid; sollte ich ihm jetzt auch Doch das anthun? Ich unterlag Md schwieg. 'Es war nichts als Feigheit, und ich redete mir ein, ihn schonen zu wollen! Bei Tisch fällt es mir oft schwer -auf die Seele. Wenn ich msere beiden Kinder ansehe, die beiden blassen Engel, diese schuldlosen, reinen Wesen, die noch nichts ahnen von den Abgründen des Gemüthes, und ich muß mich oft auf den Teller niederbücken, nm ihren unschuldigen Kinderblicken nicht zu begegnen. Ihre Züge gleichen den seinen, auch in ihrem Wesen, so brav, 5o unverdorben, so gefestigt! Sie werden brav und standhaft bleiben. Und ich! Aus einer Familie stammend, in der nicht der Schimrner eines Unrechtes begangen und geduldet wurde, in strenger deutscher Zucht aufgewachsen, unwissend und tadellos bis zum Hochzeitstage, ein großes Kind, die älteste unter den Puppen unserer Kinderstube. Und heute!! Wie kam ich dazu! Ein Opfer des Lebens in der Großstadt. Das verderbliche Beispiel anderer Frauen, die freilich keine Männei haben wie der meine der beste Don allen. Wie elend, wie klein fühle ich mich! Wie nnmrdig! Die Lüge erdrückt mich, da Äetrüg knechtet meine Seele, zerstört mein Frauen-, mein Mutterglück. - Aber ich kann nicht mehr zurück, tarm'3 nicht ungeschehen machen. Die Leidenschaft hat mich erfaßt, wie so diele Andere, 'die besser sind als ich der noch schlechter, die vielleicht noch Verächtlicheres begangen . haben, um ihn Sehnsucht zu befriedigen. Und es wird, es znuß der Tag kommen, an dem er alles fahren muß. Wie werde ich ihm's bekennen, wo werde ich die Worte für das Schändliche finden? Was wird er sagen? Ich zittere vor dem Augenblick, der unausbleiblich ist. Ich sehe seine Miene, seine beispiellose Ueberraschung, im Geiste höre ich schon jetzt den Schwall seiner Vorwürfe; seine Milde wird sich in niederschmetternde Strenge verwandeln, ich werde vergehen unter der Wucht seiner Anklage, es wird vielleicht alles zerrissen sein zwischen uns Beiden. Wer mir das vor drei Jahren gesagt bätte. als ich sorglos und glücklich in den Tag hineinlebte, kein ' anderes Glück kannte als ihn und meine beiden lieben Jtlrinen! Und dann .kam die Versuchung; ein erster, zagender Schritt, und es war geschehen! Es ist nicht mehr qut zu machen, keine Neue, kein Gelübde kann den Makel tilgen. Und warum das! Wofür der ganze Betrug, diese angstvoll bewachte Lüge, diese qualvolle Pein des täglich, stundlich mahnenden Gewissens? Wofür? Um eines niedrigen Motives willen noch dazu! Ich fchäme mich vor mir selber im tiefsten Innern, es emzuaestehen um mir die Mittel zum Ah kauf eines Rades zu verschaffen. Ist das nicht um so erbärmlicher?! Welche Frau Hat AeHnlicheZ begangen, um ti
nen so überflüssigen, nichtigen Wunsch erfüllt zu sehen! Verachtet mich Jh? stärkeren, edleren Gattinnen und Mutter, stoßt mich aus Eurem Kreis, den ich durch meine Gegenwart brandmarke, ohne daß Ihr eö bis jetzt ahnt. Aber Ihr werdet viel-eicht bald alles wissen. Und dann Seit drei Jahren betrüge ich meinen Mann koche ich anstatt mit echter, mit Margarinebutter! . Wenn Wanner schnlosscn. Eine Erzähluuz aus Numänicn, von Leo Gilbert. Es war em lenzsonniger Tag. Alezandrina, das junge, blühende Weib des Zimmermanns Petre. stand vor ihrem winzigen Häuschen, dessen steiles, moosiges Dach bis cm ihr Haupt hinabreichte, und war eben damit beschäftigt, die Wände zu tünchen. Sie hatte den Kalkkllbel mit der milchweißen Flüssigkeit vor die Faade des Häuschens getragen und fuhr nun hastig mit dem großen Borstenpinsel an der Wand auf und ab, um rasch fertig .zu werden und dann für Petre das Mittagessen zu bereiten. Petre! Wenn sie an -hn dachte, drängte sich alles Weh in iy? kwdliche Herz" und doch waren sie erst in den
Flitterwochen ihrer Ehe. Sie hatte ihn leidenschaftlich geliebt und liebte ihn noch. Er aber war so hartnäckig und boshaft! Gefiel sie ihm nicht mehr, sie, sein treues, kleines Weib? Eine Thräne drängte sich bei diesem Gedan5en in ihr Auge Sechs Wochen hatte sie den Himmel auf Erden genossen und zwei die Hölle. Denn so lange war es her, daß Petre .kein Wort zuihr sprach. Er verschloß '.sich in eigensinniges Schweigen, und wenn sie ihn fragte, antwortete er .nicht, und wenn sie ihn .anflehte, dann .trommelte er an die Fensterscheiben xfoer pfiff .irgend ein Lied. Und sie hatte ihm .nichts gethan, .ader auch gar .nichts, das sie .wüßte. Schweigend kam er und ging .er, nicht .achtend der feuchJttn Blicke, .mit denen sie ihn ansah. Sie ließ den -Borstenpinsel auf den Boden sinken und schluchzte leise. Die Wahrheit war, daß sie Petre tu mes Abends vorgeworfen, er wisse ihr nichts Neues zu erzählen. Petre, durch die Zärtlichkeiten seines Weibes verwöhnt. hatte dies übelgenommen. Er hielt es für sein gutes Herren -Recht, jederzeit Herr seiner Laune zu sein. Und nun verschloß er erst recht seinen Mund. Es gibt eben solche Käuze. Gerade hatte sie sinnend die Hände verschlungen und darüber nachgedacht, wie dem -Elend abzuhelfen wäre, als .plötzlich der Hund aus der Hofecke bellend emporfuhr und wüthend dem Thore zustürzte. Man hörte in diesem Äugenblick die Thür gehen. Es war der alte Zigeuner, der Hausbettler. Er hatte sich, mit seinem Brotsack über 'dem gekrümmten Rücken, vorsichtig hereingeschoben, indem er zugleich den lan,gen Stab dem fletschenden Köter ent.gegenstreckte, den es mit seinen blantm Zähnen nach den braunen Beinen gelüstete. Während die junge Frau in den Falten ihres Kleides nach kleiner Münze suchte, hatte der Alte, trotz seiner gesenkten Blicke, ihr Gesicht gemustert und die Thränenspuren darauf wahrgenommen. Er empfand Mitleid mit ihr. die so gut war und für ihn immer eine Gabe bereit hatte, und fo faßte er sich denn ein Herz und fragte sb; Warum ist Cuconitza (die gnädige Frau) traurig?" Nichts, nichts !" erwiderte sie. Aber Ihr habt gewiß geweint? So hübsch, so gut, so kurz verheirathet und schon voll Kummer?Geh nur, geh!" rief sie hastig und war so verschämt, daß sie nicht die Kraft fand, den kecken Bettler fortzujagen. Sie blickte ihn zornig an. Der Bettler tappte mit seinem Stäbe dem Thore zu, dann, als er die Klinke zur Vorsicht bereits in der Hand hatte, wandte er sich nochmals um: Wir Zigeuner," stammelte er, wissen manches Zaubermittelchen, manchen Rath. Wenn Cuconitza mir anvertraut gewiß," fuhr er mit sanfter. eindringlicher Stimme fort, halb das Geständnis erlistend, gewiß hat es mit dem Manne Streit gegeben?" Sandra wurde roth und wandte ihr Gesicht ab. , Ah." sagte er, da weiß ich manches Mittelchen, manchen Rath " . Dann rathe mir," murmelte sie verwirrt, und nach und nach, stückweise, beichtete sie ihm ihr Leid. Ganz einfach," fagte der Zigeuner freudig lächelnd, daß die dunklen Falten um seine Augen sich breiter zogen, ganz einfach. Ihr deckt ihm zur Mit tagszeit das Beste, das er mag, und ein gutes Fläschchen Wein dazu, ein gute " er schlürfte bedeutungsvoll mit dem Munde nach dem Essen zündet Ihr dann ein Licht an " Am hellen Tage?" Eben am hellen Tage, und beginnt zu suchen im Schrank und in der Kommode, iiocr'm Bett und unter'm Bett, in der Küche und am Herd bis der Herr neugierig wird und Euch fragt: Was suchst Du?" Dann?" . Er flüsterte ihr langsam die Antwort zu. Sie lachte hell auf: Wenn es mir gelingt, sollst Du ein Glas guten Weines haben." Er 'nickte lächelnd und murmelte: Gott löhn's, Gott lohn's!" und trollte sich auf seinen knickenden Beinen mit Bettelsack und Stab zum Thore hinaus. . Als Petre nach Hause kam, fand' er auf dem Tische sein LieblingSgericht. Diese liebenswürdige Aufmerksam' keit seiner Frau, hätte ihn beinahe gelührt. Aber tx witterte die Absicht und
war aus seiner Hut. . Denn er fand eS unvereinbar mit seiner Manneswürde, sich ein Verzeihen erlisten zu lassen. Ukjd er verdoppelte seinen unnahbaren Ernst, was ihn jedoch nicht hinderte, ordentlich zu essen und zu trinken und dann mit ausgestreckten Beinen, mit den Händen in den Hosentaschen, sich auf einem Stuhle wohlgemuth der Siesta hinzugeben, wobei er den Rauch einer Cigarette lässig in die Luft wirbeln ließ. Xandra hielt den Augenblick für ihr Experiment gekommen. Aber als sie die Kerze anzündete, entsank ihr aller
Muth; ihre Hand zitterte, lhr Herz schlug heftig, und sie fand nicht einmal Kraft, hinüberzublinzeln, ob er ihr auch mit den Blicken folge. Anfangs hatte Petre versucht, sie zu ignoriren; aber es wollte nicht recht glücken. Er fand es gar zu wunderlich, daß sein Weib mit einem brennenden Lichte am hellen Tage in den Schrank leuchtete und dann in alle Fächer der Kommode, unter den Tisch, unter das Bett. War sie verrückt geworden? Sandra war im Zimmerchen bald fertig, denn der kleine Raum enthielt nur wenig Möbelstücke. Sie sah sich genöthigt, in der anstoßenden Küche ihre Operationen fortzusetzen. Petre schüttelte den Kopf und wurde nachdenklich. Aber er fchwieg noch immer, Qts Fandra, die draußen etwas aufgeathmet hatte, mit dem Lichte zurückkam, und ihr Suchen wieder aufnahm. Jetzt verfolgte er sie scharf und neugierig, in seinen Augen leuchteten tausend Fragen, aber er preßte seine Lippen fest aufeinander. Der armen Frau drohten die Kräfte zu schwinden, sie konnte sich kaum aufrecht erhalten. Aber xs galt, zu siegen sonst .machte sie sich lächerlich. Und Petre wurde immer ungeduldiger; immer ungestümer drängte sich eine Frage auf seine Zunge Diese Frau erschien ihm benso unheimlich wie komisch. Was sie :toohl suchte? War es Scherz oder Ernst? Und doch schien ihr hübsches Gesicht mit den nnruhigen Zügen nichts weniger als heiter. Was hatte sie? Die Frage begann ihn zu quälen. Und nun holte sie gar einen alten Schuh unter dem Bette hervor und starrte hinein! Und wie heftig sie dabei mit den klei? nen, weißen Zähnen auf die rothe Un terlippe biß! - . - Die Arme war in der That nahe da Tan, in einen Weinkrampf aüszubrechen. Sie war fertig es gab keinen Gegenstand mehr im Zimmer, den sie nicht durchsucht hatte. Da entdeckte sie an einem Wandnagel Petre's Mütze. Sie riß sie herunter und leuchtete hinein. Ihre Brust flog, der Schweiß perlte auf ihrer Stirn. Petre vermochte nicht mehr an sich zu halten. ' Zum Teufel," rief er, was suchst Du?" Sie hatte sich rasch umgewandt, ihre Augen blitzten. Deinen Mund!" erwiderte sie. Er blickte sie erstaunt an und brach dann in lautes Lachen aus. Der Bann war gebrochen. Er sprang auf und trat mit ausgebreiteten Armen auf sie zu. seinen Mund an den ihren zu drücken Hätt' nie gedacht, daß Dein Mund so nah ist! Ob Du mich noch einmal so lange suchen lassen wirst?" sagte sie mit zuckenden Lippen. Er wollte sie küssen, doch sie wehrte ihm spöttisch: Jetzt such' Du mal " Je mehr Petre um einen Kuß bettelte. desto beharrlicher verweigerte sein Weib denselben. Jetzt hatte sie den rechten Ton gefunden, und Petre sollte erfahren, daß es mit seiner Selbstherrlichkeit vorbei war. Ja, wenn Männer auch noch so gut schmollen die Frauen können's immer noch besser! Iicnstöoleng'ftctt. (AuS dem Wiener Leben). Die Lisi ist vor genau 13 Tagen bei Frau Langer im dritten Stocke eingestanden. Schon' ihr Eintritt gab zu seltsamen Prophezeiungen aus dem Munde der erfahrenen Hausmeisterin Anlaß. Glab'nsdaß'das Mad'l a Salzstöck'l bei die Langer'schen aufessen wird? Net amal a Salzfass'l! Hab'ns die Frisur g'seg'n? Mehr Kampeln als Haar! An Schöpf in der Höch'n, an Schöpf auf der rechten Seiten, an Schöpf auf der linken Seiten! Das is net das Richtige! Und die Pappen, was' nur macht. Dürst' g'rad' aus der höchsten französischen Abtheilung von die Ursulinerinnen kommen. Hab'ns das Schürzerl g'seg'n? D' Fräul'n Bertha tragt accrat so a Schürzerl, wann der junge Eisner kummt; auf den Eisner spitz'ns. die Bertha und ihr' Mutter! So a Schürzerl mit g'stickte Tragerl paßt do' net für a Köchin! . Was das Zeug' nur für a Müh' in der Wäsch' macbt! Na! Das Mad'l bleibt net lang in dem Haus!"... Andächtig horchten die Nachbarinnen der Hausmeisterin, aus deren Worten die tiesste Menschenkenntniß herausleuchtet, und ein beifälliges Gemurmel läßt erkennen, daß die Stellung der Frau Hausbesorgerin Theresia Künigl als Weltweise vom Achtzehnerhaus" unerschüttert ist. Und es vergingen dreizehn Tage. Dreizehnmal ging die Sonne auf, dreizehnmal stieg der Mond empör, und als die Sonne eben zum vierzehntenmale seit jenem denkwürdigenTage, da die neue Köchin in's Haus gekommen war, sich am Firmamente sieghaft breit machen wollte, da klopfte die Lisi stürmisch an die Thür der Hausmeisterin und verlangte ziemlich erregt den Schlüssel zum Vorboden. Frau Theresia Künigl ist eine Weltweise. Sie weiß, was dieses Verlangen bedeutet. Aber sie besitzt die Ruhe der tchten Philosophin und ist nicht
auö der Fassung zu bringen., Na, na, na! - Was ist : denn g'scheg'n?" fragte sie. Mein Koffer hol' i mir! I bleib ka Stund länger in dem Haus!" Aber! Wie kann denn a Madel so gach sein!" J.bin net gach, i bin ehnder zach und laß mir scho' was g'fallen. Aber wissen's, Frau Hausbesorgerin, dreinreden laß i mir Nix! Der Herd g'hört der Köchin. Anschaffen kann die Gnädige, was zum Speisen haben will, aber wie 'is mach, das geht die Gnädige Nix an. I war scho' in andere Häuser, als in so an Dritten StockHaus, wo die Gnädige selber abstaubt und net amal Klavier spielen kann. Mir will's sagen, wie viel Zucker in die Paradeissauce kummt, mir stellt's aus, daß der Teig zu die Knödl'n net g'nua g'rührt is! Mir, die i in Herrschaftshäuser war! Mei' Kochen war net guat! So was! Ja. wenn An's Nix einigibt. kann 's Nix außernehmen! Mit'n Sparen kommt m'r in der Kuchel net weiter. Ng, das is ka Haus für mi'. Da bleib i lieber bei meiner Quartierfrau und wart über dieWeihnächten. I hab' kan Angst. I krieg scho' wieder an Platz!" Die Lisi rennt die Stiege hinauf und fchon Nachmittags trägt der Dienstmann ihren schwarzen Koffer hinab, indeß sie selbst mit einerSchachtel in der Hand und einem Bündel unter dem Arm folgt. Dreizehn Tage hat die ganze Herrlichkeit gcdauert. Die Prophezeiung der Frau Künigl ist eher, als sie selbst es glaubte, in Erfüllung gegangen und bewundernd umstehen sie die Parteien zur gewohnten Plauschstunde. Meine Seel! Jetzt lass' i mir von kan Menschen mehr an Tram auslegen, als von Jhna! Bei Jhna geht All'S aus! Da kann m'r si' verlassen!" meint die Frau Swoboda schmeichelnd, worauf die Hausmeisterin bescheiden ablehnend sagt: Mein Gott! Es is net so arg! Mit a bisserl an Verstand geht's halt!" Die Frauen wollen eben einen großen LobeshymnuZ auf die Weltweise Theresia Künigl anstimmen, als die Frau Langer erscheint. I muß scho' wieder in's Bureau zu der Zubringerin geh'n. Was das für a G'frett mit die Mad'ln heutzutag is!" seufzt die Arme. Man kann hatt ka' Mad'l derhalien!" jammert die Frau Swoboda. Mein Mann, der is scho' so schiach über die neuchen G'sichter, die er allerweil sieht. Aber, mein Gott und Herr! Man muß halt so lang wechseln, bis m'r die Rechte find't." . Und das wollen die Männer net einseg'n!" Und geb'n denen Weibern die Schuld!" Nachher san mir die Bisgurn!"Man kann halt ka Madel d:rhalten! Das is a Jammer! J bitt' Jhna, so a Köchin, die was kann, red't ja mit Jhna im Bureau scho', als war's a kaiserlicher Rath bei G'richt ! Haben's a Stubenmadl? Is a Bedienerin im Haus? Wie viel Kinder?
San 3 no' klan? Wanen's bei der Nacht? San's krank?" Stiefelund Kleiderputzen, das gibt's net, um die Zimmer woll'n sie si' net kümmern, über die Stiegen wollen's net geh'n, die Frau darf net einkaufen sie will si' nur um die Kuch'l kümmern und sonst um Nix! Und was verlangt's nachher no'? Achtzehn Gulden und 's Nachtmahl extra!" Mein guter Himmelvater! Wann das Mad'l den Lohn kriegt, war's dumm, wann's weniger verlanget!" Ja, aber dabei kann so a Mad'l Nix! Vor Siebene steht Kan: auf und wie's Nachtmahl vorbei is, sttzt's beim Roman oder schreibt Brief und verbrennt mir das theure Petroleum! Und sagt m'r's so aner Kuchelprinzessin, wirst's An glei' 'n Strohsack hin und verlangt ihr Buch! Und All's därf si' die Frau do' net g'fallen lassen!" endete die Frau Langer. Unserans muß eh oft g'nua die Aug'n zudruck'n. Amal bei die Manner, dann bei die Mad'ln! Uebrigens, die Männer san ah viel schuld, wenn heutzutag' ka' Madl zum derhalt'n is! Mit die Weiber, o da san's grob und die schimpfen's z'samm' weg'n a Kragenknöpf'l, aber mit die Dienstmad'ln, da san's freundlich und höflich. Wo foll denn nachher der Respect vor der Gnädigen herkommen? Hat's a schöne Larven, is mit so an Mann gar net zum Aushalten; is das Madl schiach, so graust eahm vor'n Essen und er treibt's so lang, bis sie draußt is. Die klane, punkerte Kathi. die i letzthin g'habt hab', die hat's gar arg trieben!. Wenn's g'wußt hat, jetzt kummt der Herr z'Haus, hat sie si' g'schwind 'n Kolben in's Feuer g'steckt und si' die Haar brennt! So a Frechheit! Und wie i ihr's vorg'halten hab', hat's mi' ausg'lacht und mei' Alter hat ihr no' Recht 'geben. Kann m'r da a Madl Verhalten?" Ja. die Männer denken si' halt, die Alte kann i bis auf's Blut sekkir'n, die kann net auf und davon. Aber das Madl geht m'r aus'n Haus! Die Männer san no' viel ärger, wie die Mad'ln!" Und was is eigentlich d'ran schuld, daß die Frau ka Madl derhalten kann?" ruft die Frau Swoboda in den Kreis der Frauen. Nur die Männer!" tönt es als Antwort heraus und die Frau Künigl fügt ruhig und gelassen hinzu: .Ja! Ja! Es ist wahr! Die Männer san viel schuld, sehr . viel schuld!" Und nun, nachdem die Weltweise so gesprochen, ist es klar und deutlich und erwiesen, daft die Männer an dem ganzen Dienstboteng'frett" schuld sind. I ronie ist, so lügen, daß der andere es merkt.
Znschristen im Hause. Stoßseufzer eine? Familienvaters. Was in aller Welt schenkt man der
Gattin zu Weihnachten?" So fragte mich mem Freund, der Oberamtsnchter. und ich rieth ihm zu einer altdeutschen Truhe mit Inschrift, die mir in einem Geschäft sehr in die Augen gestochen hatte. Kaum aber war das Wort Inschrift" dem Gehege meiner Zähne entflohen, als mein Freund mit allen Zeichen hochgradiger Erregung ausrief: Mit Inschrift? Um keinen Preis. Ich hasse Inschriften!" Du hassest Inschriften? Wie soll ich das. verstehen, lieber Freund? Diese Behauptung, in dieser Allgemeinheit ausgesprochen willst Du mir nicht erklären....?" Gewiß, herzlich gern, höre nur, und Du wirst begreifen. Sieh, lieber Freund, ich habe eine Frau und fünf Töchter, macht fechs weibliche Wesen, die alle das Bedürfniß fühlen, den Gatten und Vater und sich selbst gegenseitig zu Weihnachten und zu den Geburtstagen zu beschenken, und sie schwärmen für Inschriften! Ich bin etwas schwach gegen meine Damen mein Gott einer gegen sechs! und bringe es nicht fertig, ihnen das Vergnügen zu stören, deshalb lasse ich geduldig Alles über mich ergehen, aber selbst noch Gegenstände mit Inschriften kaufen niemals!" Wenn ich mich des Morgens früh von meinem Lager erhebe.. fällt mein Blick auf die Nachttasche, die auf dem Stuhle vor dem Bette liegt. Guten Morgen!" ruft sie mir in grünem 'Stilstich zu. Ich begebe mich an den Waschtisch von dem Wandschoner grüßen mich die Worte: Wünsche wohl geruht zu haben!" Das laß ich mir gefallen nach einer sehr guten Nacht, habe ich aber schlecht geschlafen, was mir häufig passirt, dann kann mich die Redensart zur Wuth reizen! Ich greife nach dem Schwamm es hängt über einem Gummideckchen, auf dem zu lesen ist: Schwamm drüber!" Das erste Mal lachte ich über den Witz, aber ihn 365 Mal im Jahre vor Augen haben müssen schrecklich! Ich brauche das Handtuch, der Handtuchhalter trägt, von den geschickten Händen meiner Dritten gebrannt, den Reim: Immer sauber, immer rein, dabei wirst Du wohl gedeih'n!" Geschmackvoll, diese gute Lehre, nicht wahr? -Ich öffne den Kleiderschrank und lese innen an der Thür auf einem wappenartigen Schild die Worte: Staub und Schmutz, sie bleiben draus, Ordnungssinn erhält das Haus!" Soll jedenfalls eine Mahnung sein, die Kleider hübsch in den Schrank zu hängen. Als ob sich das nicht von selbst verstände! Meine Toilette ist beendigt, und ich l begebe mich in's Eßzimmer. Der Kaffeetlsch lst gedeckt, über die Kaffeekanne ist ein Wärmer gestülpt er bittet freundlich in rother Wolle: Noch ein TLßchen!"; komisch, wenn man überHaupt noch keins getrunken hat! Das Weißbrotkörbchen ist mit einer Decke geziert, auf der zu lesen ist: Unser täglich Brot gib uns heute", den Schwarzbrotteller umgibt die Inschrift im Kerbschnitt: Salz und Brot macht die Wangen roth." Meine Tasse kann ich nicht verwechseln, denn dem HausHerrn" ist ihr von meiner Gattin eigener Hand eingekratzt, oder wie man dies nennt, und wenn ich nach meiner Serviette greife, so kann ich überzeugt sein, daß es nichts Anderes ist, meine Jüngste hat in Goldperlen auf blauem Grund dem Servlettenrmg seme Bestimmung klar gemacht: Serviette" steht da, schlicht und recht. Nach dem Kaffee rauche ich gern eine Cigarre, eines meiner Mädels läuft und holt die Kiste, die mir in Sepiamalerei versichert: Wo man raucht, da darfst Du ruhig harren, Böse Menschen rauchen nie Cigarren!" Komische Behauptung, nicht wahr? Na, das Frühstück ist absolvirt, ich nehme mir einen Zahnstocher vom Servirtische und lese in sauderer Plattstichstickcrei: Tages Arbeit, Abends Gäste, Saure Wochen, Frohe Bester Dann setz' ich mich gern noch ein Viertelstündchen zu meiner Frau 'an's Fenster, und da es meine Gewohnheit ist, mit etwas zu spielen, während ich mit ihr plaudere, erwische ich in der Regel erst das Nadelbuch, da leuchtet mir, mit Goldfaden auf Plüsch gestickt, entgegen Eiiglish ncedles", das scheerenförmige Juchtenetui versichert ganz ausdrücklich durch die Aufschrift Scheere". daß es keine Wasserflasche enthält oder kein. Bügeleisen, und schließlich erwische ich ein Porzellanengelchen, welches oben ein Loch für den Fingerhut hat. Ein Filzdeckchen, welchem der Engel aufgeklebt ist, gibt in winzigen Buchstaben den guten Rath: Vertraust Du mir das Hütchen an. Niemals zu suchen brauchn Du's dann." Ein entzückendes Verschon, nicht? Ueber dem Nähtisch m der Fensternische hängt ein Beutel für Flicken und Abfälle, , der zum Gebrauch auffordert mit den Worten: Bis herab zum Fädelein, Soll im Hause Ordnung sein!" Bin ich mit dieser Näytischliteratur zu Ende und will mich für's Bllreau fertig machen, so grinst's mir von der Actenmappe entgegen: Acten", in bunter Seide auf Leinewand gestickt. Was sollte die Mappe in allerWelt sonst enthalten? Ich trage sie übrigens auf der Straße stets mit der Inschrift nach innen. Mein zweites Frühstück, welches ich mitnehme, steckt in einem Leinwandbeutelchen, das wünscht 'mir täglich Guten Appetit". Und es kommt darauf an, was drinnen ist! Im Büreau erwartet mich bereits wieder eine Inschrift von der Hand meiner Gattin, die mir, da ich an kalten Füßen leide, ein Kissen gearbeitet hat: Warme Füße" in großen rothen Buchstaben auf schwarzem Grunde. Komme ich heim und setze mich an den Mittagstisch, so kann ich auf dem Tischläufer den sinnigen Spruch lesen: Rother oder .wei-
ßer Wein? Wasser wird das Beste , sein!" Am Sonntag aber muß dieser Läufer weichen, denn da genehmigen wir uns ein Gläschen Wein. Deshalb trägt der Sonntagsläufer die Inschrift: Ein echter deutscher Mann kann keine Franken leiden, doch ihre Weine trinkt er gern!" Nur schade, daß diese patriotische Kundgebung für uns nicht mal paßt, da wir nur einen ganz bescheidenen Frankenwein aus der Gegend von Würzburg, das Liter zu sechzig Pfennige, trinken. Nach Tisch halte ich ein Schläfchen. Da ruft mir ein viereckiaes Kissen auf der einen Seite des Sophas zu: Nur ein Viertelstündchen", während ein rundes auf der anderen Lehne mir gar nur Cinq rniniites" gestatten will. Trotz dieser kategorischen Befehle schlafe ich aber eine volle Stunde. Das heißt, nachdem ich die Zeitung gelesen habe, die ich mir aus der mit Journal" bestickten Mappe geholt. Unter dieser Mappe steht ein Notenständer, der in kunstvoller Arbeit denAusspruch trägt: Wer'Musikam nicht lieb hat, den sehe ich nicht an." Ich glaube, diese Inschrift ist eine Malice meiner Damen gegen mich, weil ich stets davonlaufe, wenn daZ Klavier geöffnet wird oder wenn die Mädels stngen. Ich habe ausgeschlafen und möchte meiner Frau Adieu sagen, ehe ich gehe. Sie steht vor ihrem Wäscheschranke und kramt: Sie sammelt im reinlich geglätteten Schrein die schimmernde Wolle, den schneeigen Lein." So spricht Schiller aus dem Wäscheschrank zu mir. Ich kann natürlich nicht all' die Inschriften, die sich fönst noch in unserem Heim vorfinden, aufzählen, es würde viel zu weit führen, all' die Necessaires, Reisetaschen, Plaidhalter u. s. w. mit ihrem Kämme", Gute Reise", Glückliche Heimkehr" u. s. w. zu beschreiben. Nur das sei noch erwähnt, daß sogar die Hundehütte im Garten ein Schild trägt, mit der kerbgeschnitzten Inschrift: Unser Eerberus!" Sehr verlockend, nicht wahr? Es ist eine Idee meiner Aeltesten, unseren alten braven Tyras damit zum Höllenhund zu stempeln. Und da ich einmal außerhalb des Hauses angelangt bin. möchte ich Dir noch mittheilen, daß eine Bank im Gart.cn das Merkmal ihrer Besinnmung in folgenden Worten weiß auf grün trägt: . Diese Bank im grünen Hain, Lädt freundlich Dich zum Sitzen ein!" Meine vierte Tochter hat sich den Scherz geleistet. Ein Hain ist zwar unser kleiner Vorgarten nicht, und zu was in aller Welt sollte die Bank wohl benutzt werden, wenn nicht zum Sitzen, aber die Anschrift ist doch nett, gewiß! Sapiend sat! Doch halt, noch die letzte Inschrift des Tages. Sie befindet sich an der Wandtasche über meinem Bette und wünscht mir: Träume süß!" Mir wünscht sie das, mir, der ich am liebsten traumlos schlafe. So, und nun rathe mir, lieber Freund, zu einem Weihnachtsgeschenk für meine Frau. Mit der Truhe ist es nichts, was Du nunmehr wohl begreifen wirst." Ich begriff es. DALLES YCLGARIS.
Eine zeitgemäße medizinische Studie von Tr. Eisenbart. Man hat in neuerer Zeit die Wahrnehm ung gemacht, daß in den lchten fünfzig Jahren unseres Jahrhunderts eine schon seit den ältesten Zeiten beobachtete aber noch nie eingehend untersuchte Krankheit außerordentlich im Zunehmen begriffen ist und zwar weniger auf dem Lande und in den kleinen, als namentlich in den großen Städten in äußerst beunrubigender. Weise oft wahrhast epidemisch "auftritt. Es ist dies der sogenannte civiles vulgaris (gewöhnlicher Talles), auch wohl dal1e3 universalis (allgemeiner Talles) genannt. Im Gegensatz zur Pericarditis (Herzbeutelentzündung), die gewöhnlich eine Erweiterung des pericanlium Herzbeutels) zur Folge hat, führt diese Krankheit oft ein vollständiges Zusammenschrumpfen des marsupium (Geldbeutels) herbei. Gleichzeitig mit dem äall'es vuIZuris treten zwei der gefährlichsten Bacillen auf, der sogenannte creäitor uärnorlens (der mahnende Gläubiger) und exeontor pigrnis capiens (der pfändende Gerichtsvollzieher). Letzterer ist entschieden der gefährlichere von beiden; dazu kommt noch, daß er sehr entstellende Narben hinterläßt, die sogenannten sigüla (Siegel). Ob beide Bacillen den da1 les vulgaris hervorrufen oder erst in seinem Gefolge erscheinen, ist noch nicht mit Sicherheit entschieden worden; anzunehmen ist jed'ch, daß sie sich erst dort einsinken, wo die Krankheit durch ihre verheerenden Wirkungen ihnen den rf" . si 1 w xu lyrer muwiaeiung gunnlgen ooen bereitet hat. P Cn .tA- TOaAfttAtif v.rt vf Jfit I'IUU UtUCilil -ülUWUUluiiyui u uyuii eZ.sestgbstellt zu sein, daß der dalles vulgaris in drei verschiedenen Weisen auftritt, als dallt?s revertens, dalles perpetuus und dalles repentiniis. Am wenigsten gefährlich und auch am leichtsten zu bekämpfen ist der dalles revertens, der wiederkehrende Dalles. Aehnlich dem wiederkehrenden Fieber macht sich dieser nur in gleichmäßigen Intervallen bemerkbar; er tritt gewöhnlich in dem letzten Monat jedes Quartals auf, um dann am Ersten sofort wieder zu verschwinden. Hauptsächlich finden wir ihn bei Studenten und Besamten. Viel ernster zu nehmen ist hingegen der dalles perpetuus (der immerwährende Dalles); mit diesem sind namcntlich Künstler, Schriftsteller und alles solches Volk, daö ohne eine feste Stellung in der Welt umherläuft, geplagt. . Die Krankheit ist in diesem Falle äußerst hartnäckig, sehr viele Fülle verlaufen ohne Aussicht aus Heilung. Als dritte Auftrittsweise des Talleö haben wir oben dendallo3 repeutimi? iden vlödlicben Talles) genannt In
leichter 'Form tritt dieser "oft nach d'cir verschiedensten Vergnügungen auf, wie Bällen, Landpartieen, serner nach Besuchen des Totalisators oder einem klei nen Jeu, kurz meistens dann, wcnw dem oft sehr empfindlichen rnamipmrn (Geldbeutel) eine zu große Anstrengung zugemuthet worden ist! Eine viel schwcrere Form des dalles repentinus ist im Bolksmunoe unter dem Namen Pleite" bekannt. Wir finden diesen gewöhnlich nur bei Kaufleuten; oft tritc er epidemisch auf und wird alsdanir mit dem volksthümlichen Namen Krach bezeichnet. Merkwürdiger Weise wird dieser dalles repentinus sehr oft simulirt, und gerade dann, wenn entgegen der sonst durch die Krankheit entstehen den Auszehrung des Geldbeutels eine bedeutende Vergrößerung desselben stattfindet. Was nun die Heilung des dalles vulgaris anbelangt, so muß man sich in jedem einzelnen Fall ganz auf eine individuelle Behandlung des Patienten beschränken, da cdcn die einzelnen Krankheitsfälle in ganz verschiedener Weise verlaufen. Beim dalles revertens, wo sich der Heilungsprozeß lmmer wiederkehrend ganz von selbst vollzieht ist ein Eingreifen nur sehr selten erforvcrlich; sind einmal die Kräfte des Patientcn sehr geschwächt, und ist die Auszehrung des marsupium eine sehr er hcbliche. so erweist sich eine kräftige Lei bcsübung als sehr zweckdienlich. Anr meisten zu empfehlen ist eine sehr oft gebrauchte Bergbesteigung, nämlich diedes niont de piete. Ein Wechsel der Lebensweise thut oft auch sehr gute Dienste; wenigstens haben uns zahlreiche Studenten angegeben, daß sie wenn die Krankheit am inde des Monats' gerade am heftigen auftrat durch einen Wechsel sofort von ihren Schmerzen befreit worden seien. Ebenso blieden dieselben, wenn sie in den Ferien nach Hause gereist waren, infolge dieser Luftveränderung meistens vom Tallc-? verschont. Gegen den dalles perpetuus können verschiedene Mittel in Anwendung gebracht werden; stärkende Leibesübungen: sind auch hier ttft von heilkräftiger Wir tung, besonders ein anhaltendes Pumpen"; doch verliert dies allmählich, of nach kürzerer, oft nach längerer Frist seine Wirkung, worauf sich sogar sehr: oft eine bedeutende Verschlimmerung einstellt. Im übrige:: bringt man noch verschiedene andere Mittel in Anwen--dung. je nach der Eigenart des betrefsenden Falles: ist z.' B. der Patientnoch Junggeselle, so kann eine Heirath leicht eine erfreuliche Besserung verur-. fachen. Beim dalles repentinus irr seiner gefährlicheren Art, der schon ge nannten Pleite, erweist sich dies Mittel, zuweilen, aber nur dann von Wirkung,, wenn es sofort bei den ersten Sympto' ttitftt hör tJrrtiffotf ntt itfVnArtStft
liiLii ull m luiii i i ii iiiiiii li r in t i iiii i ir. , . Leider führt die Krankheit noch einen: fl MiiftMi f a V . 9 ei UUiyiyiUlllIl VIUlUß UU UU3 Vl( m;w(.-f.(.M v!,? m.ii'..i.u ci uiuiiyvicucu ui -put,rillcil iiiu iu.M! f,: ..v u.:a.. i v n .'Vil llil UI1V llllillllilUll lancholie abgesehen, sührt sie mi? c . . v: . a t..i.:r... uicuuujc -ücuuuiyiuuyc uic üCiüClC auch zu großer Nervenschwäche. Hin neigung zum Schwindel ist z. B. nur eine Folge des dalleg vulgaris, auf dessen Einfluß auch das Nachtwandelnzu schreiben ist. o ist es schon wie derholt vorgekommen, daß vom Talles Befallene mitten in der Nacht in frem den Häusern angetroffen worden sind wohin sie nur durch bedeutende Kiaft--anstrengungen. wie Einbrechen von. Thüren, Ueberklettern von Zäunen u. s. w. gelangen konnten. , Hat die Krankheit einmal diesen gemeingefähr liehen Zustand angenommen, so ist eineHeilung nur selten zu erwarten, und es empfiehlt sich deshalb am meisten derartig Erkrankte auf Staatskosten zu interniren und in besonderen Anstalten jeder menschlichen Gemeinschaft fern, zu halten. Die Kunst des Gesanges. Wie soll man singen? Die Gesangs lehrer haben verschiedene Methoden, die Schüler in ihre Kunst einzuführen. ES ist ganz interessant, von den Einzelnen, zu erfahren, wie man eigentlich singen, soll. Der Ton", sagt der Eine, muß, jederzeit vorne sitzen, sonst trägt tr nicht. Das werden Sie nur erreichen wenn Sie etwas durch die Nase singen. Ziehen Sie also gefälligst die Oberlippe möglichst hinauf, färben Sie den Ton möglichst hell und lassen Sie ihn ober halb der Vorderzähne anprallen!" Nein", behauptet ein Anderer, der Ton darf, wenn er wirklich edel klingen? soll, nur am Gaumen resonniren. muß gedeckt und möglichst dunkel gefärbt werden!" Das macht sich Alles von selbst", meint ein Dritter, wenn Sie nur hübsch in den Kopf hinaus singen und dann den Ton etwas durch die Nase herunterstreichen lassen." Sie dürfen um des Himmels willen nicht. hinauf singen, mein Lieber, immer her" unter der Ton muß gleichsam noch einmal zurückkehren, um drunten zu resonniren, worauf er leicht und elegant herausgeschleudert wird!" Sie quetschen und knödeln entsetzlich. Verehrtester. bringen Sie doch schöne unv offene Töne! Ziehen Sie die Oberlippe möglichst hinauf, die Unterlippe möglichst hinunter, und bringen Sie die beiden Kiefer einander bis auf 5 Millimeter nahe, wozu Sie kräftigst i" singen! Sie werden sehen, das allein bringt den Ton vor." Grundfalsch!" ruft ein Anderer, die beiden Lippen gehören wie zu einer Schalltrompete verlängert und möglichst weit vorgestreckt nur die kleine Form des Mundes bringt die großen Töne!" Alles Unsinn! Färben Sie jeden Ton nach u", und Sie bekommen die schönsten Kopftöne; singen Sie nicht hinauf Und nicht hinunter, sondern schnurgeradeaus; lassen Sie den Ton an der unteren vorderen Zahnreihe resonniren. schleudern ihn dann auf den vorderen Theil des Gaumens zurück, worauf Sie ihn erst aus dem Munde entsenden!" Das ist doch wahrhastig einfach ge nug. . ..j.
