Indiana Tribüne, Volume 22, Number 76, Indianapolis, Marion County, 4 December 1898 — Page 6
Aus der Teusessillser. Nachdem jf fet fett Jahr und Tag nur von dem Sträfling auf der Teuselsrnscl die Rede gewesen, ist es zweifelsohne von großem Interesse, neue Nachrichten über sein persönliches Wohl und Wehe zu erhalten. Die Leende, die sich um den Ex-Capitän Dreyfus gebildet, stellt ihn gemeiniglich dar als einen tief gebeugten, lebensüberdrüssigen Mann, dem die Verzweiflung das Haar und den Bart gebleicht. Der Sonderberichterstatter des Mattn" nun, Jean Heß, der 'Cayenne und die Strafinseln besuchte, hat diese Legende zerstört. Dreyfus verzweifelt aber weder an seinem Schicksale, noch trägt er äußerlich die oben beschriebenen tiefen Spuren des Grams; er befindet sich vielmehr so wohl, wie überhaupt ein europäischer Sträfling in jenem Klima sich befinden kann. Anfangs zwar war er verschiedene Male krank; 1895 machte ihm seine Leber zu schaffen, und in den beiden folgenden Jahren litt er in cmpfindlicher Weife an der .Dysenterie. Aber die ihn damals gesehen, beschreiben ihn keineswegs als den verwahrlosten Unglücklichen, wie er in franzöfischen Blättern geschildert ward; sein Bart war sorgfältig gepflegt, sein An .zug reinlich und nicht ohne eine gewine Zierlichkeit, wie der blaue Brusieinsatz seines Hemdes bezeugte. Und wenn er sich merklich nach vorn neigte, so trug daran sein Unterleibsleiden die Schuld. Allerdings wohnte er damals
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Capt. Dreyfus. (Nach der Degradation.) noch in dem sogenannten Ziegenstalle an der Südspitze der Insel und er--.freute sich einer verhältnißmäßig gro--ßen Freiheit der Bewegung. Die vier Wächter, die ihm beigegeöen waren, machten ihm keinen Kummer, und mit seinem besonderen Ordonnanzburschen stand er auf bestem Fuße; kamen diesem doch bei seiner mageren Kost die Speisereste von des Ex - Hauptmanns Tische zugute. Seine Rasirmesser hatte man ihm gelassen; er rasirte sich -jedoch nicht selbst, sondern ließ dies durch den Barbier der benachbarten Königsinsel (II Itoyale) besorgen. Später aber, als er von der Welt streng abgeschlossen worden, ließ er sich den Bart stehen; offenbar hatte er vor dem 'Rasiren eine Abneigung, vielleicht auch hatte man ihm seine Rasirmesser genommen. Wie es in der Heimath um seine Sache stand, erfuhr er gelegentlich durch kleine Papierstreifen, die geschickt in die Manschetten seiner Hemden eingenäht waren; die Hemden wurden eben auf jener Jle Royale gewaschen; .sie ist von der Teufelsinsel nur durch einen 180 Meter breiten Meeresarm .getrennt. Daß diese Nachrichten aufhörten, als er sein neues Verließ betrat, versteht sich wohl von selbst. Aber gerade die ungewöhnlich strengen Vorsichtsmaßregeln. mit denen er heimge1'ucht ward, kräftigten seinen Lebensrnuth; er sagte sich, daß da drüben -doch etwas Ungewöhnliches vorgehen rnüsse, das ihm zustatten käme; sonst D r e y f u s' H ll t t e. Ivurde man. ihn doch nicht für ein so gefährliches und , gefährdetes Jndividuum betrachten. Darob entschloß er sich, nicht zu sterben, so sehr ihn auch die Dysenterie plagte; seinWillen zum Leben kräftigte sich, und seine Gesundheit machte die besten Fortschritte. Mit unerschütterlicher Hoffnung auf seinen Stern begab er sich in die neue Lebensweise. Morgens begann er den Tag mit der Reinigung seiner Hütte, bürstete seine Kleider, erledigte seine Küchenarbeit, wanderte im Hofraum herum, ohne sich weiter un den stets gegenwärtigen Kerkermeister zu stören; letzterer war für ihn ein bloßes bewegliches Möbelstück geworden, mit dem zu sprechen ihm selbst nicht einfiel. UnMassig war er an seinem Tische mit rchitektonischen Ausrechnungen be sch'äftigt; er plante große Paläste, ungeheure Gebäude; und wenn er dann beim Rauchen seiner Pfeife zu einem Abschlüsse gekommen, entfiel seinen Lippen beständig der eine Ausdruck: Das kann nicht lange mehr dauern." Auf diesen Ausdruck beschränkte sicü überhaupt seine Rede. Als jüngst der Gefängnißdirektor Dassel nach Europa abreiste, wollte er sich vorher nocb einen Blick auf seinen Sträfling gestatten, um seines Vorhandenseins ganz sicher zu sein. Er begab sich daher nach der Hütte, trat durch den äußeren Verschlag ein und rief Dreyfus zu: Dreyfus, ich bin der Statthalter von Guhana; ich wollte Sie vor meiner Abreise nach Frankreich sehen. Haben Glt mir irgend eine Beschwerde vor-
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zutragen? DreysuS aber begnügte
sich damit, den Statthalter nur einem j Blicke zu messen, und schwieg. Im Anfange hatte die Strafverwaltung ihm das Lesen wirthschaftlicher und literarischer Veröffentlichungen gestattet. bis man eines Tages Verdacht schöpfte, es könne sich darin etwas finden, was durch die Stellung der Worte für den Eingekerkerten einen besonderen Sinn enthalten könne; darob wurde dann die Erlaubniß zurückgenommen. Aus demselbenG runde ließ man die Briefe seiner Frau erst durch einen besonderen Sachverständi- : gen insofern verändern und umschreiben. als man die Wortfolge umstellte , und einzelne Worte sogar durch Synonyme ersetzte, ohne natürlich den ii - 4 klillMlLJ'igL W.l?'"tM S ,,,!! Ein Brief aus Frankreich. Sinn anzutasten. Selbstverständlich hatten die Aerzte von der benachbarten Insel stets, wenn es nöthig war, Zutritt zu ihm. Sie befürchteten das Schlimmste, als er von der Ziegenhütte nach seiner gegenwärtigen Wohnstätte gebracht ward, und lehnten daher angesichts seiner alten Leberkrankheit und seiner Blutarmuth jede Verantwortung für seine Gesundung ab. Darob entspann sich dann zwischen Guyana und Paris ein lebhafter DepeschenWechsel. In Guyana fragte man an: Was ist zu thun?" Und von Paris kam die Antwort: Falls er stirbt, soll man ihn einbalsamiren und nach Frankreich schicken." Und bald auch langten vonFrankreich allerhand Flüssigkeiten, Salze, Gewürze und Jnstrumente zum Einbalsamiren an; dazu seitens des damaligen Colonieenministers Lebon die Aufklärung: Wenn Dreyfus stürbe und er würde gleich den übrigen Galeerensträflingen in's Meer den Haifischen zum Fraße geworfen, so gäbe es trotz aller beglaubigten Berichte immer noch Ungläubige, die an seinem Tode zweifelten und uns anklagten, wir hätten ihn entwischen lassen. Also balsamirt ihn nach seinem Tode ein und schickt seine Leiche zu uns nach Frankreich, auf daß man ihn mit den leiblichen Augen sehen kann Beim Briefschreiben. Die Verschärfung seiner Haft ward im Jahre 1897 durch die Gerüchte von seiner Entweichung herbeigeführt. Es hieß damals in englischen und amerikanischen Blättern, daß er auf Rechnung Deutschlands von der Teufelsinsel entführt werden solle. Hier in Paris wußte man allerdings schon, daß solche Vorschläge an die Familie Dreyfus herangetreten, zugleich aber auch abgelehnt worden waren. Nebenbei aber befürchtet man doch, daß die Entführung auf andere Weise bewerkstelligt werden könne; und diese Furcht erhielt durch den Bericht Verignons, des Directors der'Strafverwaltungxin Cayenne,- neue Nahrung. Verignon nämlich untersuchte auf eigene 'Faust, ob eine solche Entführung möglich fei, und siehe da, sie war nicht allein möglich, sondern sogar leicht ausführbar. Die Erzählung , dieser Versuchsentführung grenzt an's Märchenhaste. In einer dunkeln Nacht, als das Meer hoch ging, bestieg Verignon, ohne irgend Jemand zu benachrichtigen, ein Boot, nahm selbst das Steuer in die Hand, umschiffte die Josephsinsel und langte an der Südspitze der Teufelsinsel an; dann stieg er aus und langte tbatsächlich bei der Hütte an. Der Wächter, erblickte ihn erst, als es im Ernstfalle zu spät geworden wäre. Diesen ersten Versuch wiederholte Verignon ein zweites Mal und siehe da. er glückte noch besser. Die Folge war natürlich ein Bericht an den Colonialminister Lebon, und dieser. der es sich nicht später vorwerfen lassen wollte, er sei ein pflichtvergessener Kerkermeister gewesen, sann auf große Mittel, um künftighin jeder Möglichkeit einer Entweichung vorzubeugen. $u diesem Zwecke bot er einen Man auf, der sein ganzes Vertrauen besaßt nämlich einen gewissen Deniel, der tamals eine Cur in Vichy durchmachte. Diesem unterbreitete er einen sorgfältig durchgearbeitetenPlan, den Deniel in allen Stücken auszufübim versprach, und um ihm dies drüben zu ermöglichen, ermächtigte er ihn, über die Köpfe seiner dortigen Borgesetzten hinüber mit Paris unmittelbar in Verbindung zu treten. Deniel pflegte seinen Auftrag mit dem Namen eines hohen nationalen VertrauensPostens zu bezeichnen. Seinen Reisegeführten ließ er durchblicken, daß er ein Staatsgeheimniß überbringe. Wahrscheinlich kam er sich vor wie der Kerkermeister, der zur Zeit auf der Jle Ste. Marguerite den Mann mit der eisernen Maske zu überwachen hatte. In Guyana begann er seine Aufgabe damit, daß er Dreyfus in Fesseln legte. Die Maßregel war gewaltthätig, widersprach dem Buchstaben des Straf-
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urtheilö; auch legten der Statthalter und der Director der Strafverwaltung dagegen Einspruch ein; es kam darauf zu allerhand Mittheilungen nach Paris; aber der Colonialminister Lebon entschied, daß. wenn Deniel die Fesselung Dreyfus' für nothwendig erachte, dies statthaft sei; er deckte ihn also mit seiner Autorität. Zwei Monate lang mußte Dreyfus infolge dessen an der Holzpritsche angehestet liegen; schließlich aber, angesichts neuer Vorstellungen, war Lebon genöthigt, den Befehl zu erlassen, es möchten dem Sträfling die Fußfesseln erspart werden. Es war, wie der Berichterstatter des Matin," Jean Heß, erfuhr, eine äußerst grausame Maßregel; denn, wie es scheint, ging durch die Fesseln hindurch eine Stange, die mit einem Vorhängeschloß gesichert war. Wie Dreyfus sich in diese Foltermaßregel fügte, ist nicht bekannt. Deniel' selbst gerieth darüber in die höchste Unruhe; es lag ihm eben jetzt ob, an Stelle der Fußfesseln eine neue Beaufsichtigung eintreten zu lassen, die ihn gegen jede Ueberraschung schützte. Sein Leben ward darob zu einer Hölle. Er mochte sich zwar sagen, daß die Einrichtung des neuen Verschlages jede Flucht ausschließen mußte. Der Verschlag war so eingerichtet, daß der wachhabende Wärter, der regelmäßig abgelöst wurde, den Gefangenen durch die Gitterthüre beständig im Auge behielt. Der Wärter wurde ferner von seinem Genossen in den äußern Verschlag eingeschlossen, und zwar von einem dritten. der den Schlüssel bei sich behielt. Es hätte also des Einverständnisses aller Wächter bedurft, ehe an eine Entweichung zu denken gewesen wäre. Aber damit konnte sich der nervöse
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WohnungderWächter. Deniel nicht zufrieden geben; er schuf die gesummten Inseln zu einem Gefängniß um, dessen Insassen auf sechs Monate jedesmal eingesponnen waren; Niemand durfte, mit Ausnahme des Statthalters, des Directors und des Generalprocurators, die Inseln besuchen oder sie verlassen. Also Aerzte, Beamte, Wächter, Soldaten, Krankenschwester, alle hatten dort sechs Monate bis zur nächsten Ablösung auszuhalten. Alle Briefe, mochten sie ankommen oder von dort abgehen, unterlagen einer scharfen Durchsicht; und Deniel sorgte persönlich dafür, daß die Vorschriften buchstäblich erfüllt wurden. Nicht einmal die unschuldigsten Scherze gestattete er. Als einst ein Verwaltungsschreiber seinem College auf der Nachbar - Insel telephonirte: Dreyfus sendet dir seine besten Wünsche für das neue Jahr", traf es sich, daß gerade Deniel am Hörrohre saß; sofort ertheilte er dem Possenreißer eine v'erzehntägige Strafhaft. Er selbst schien kaum mehr zu schlafen. Auf seinem Zimmer hatte er sich eine Art Warte geschaffen, von wo aus er die Hütte beobachtete; zu Häupten seines Bettes befand sich eine telephonische Leitung, die es ihm ermöglichte, in jedem Äugenblicke die Wachthabenden anzurufen; und er that dies bei jeder Gelegenheit, auf jede noch so unbedeu-, tende Veranlassung hin. Einst war die Leitung durch atmosphärische Einflüsse unterbrochen; Deniel erhielt auf seine Anfrage keine Antwort. Darob fuhr ihm der Schrecken in die Glieder; er zog sich schleunigst an, stürzte nach der Landungsbrücke und fuhr nach der Teufelsinsel hinüber, unruhig, krank, fast wahnsinnig, bis er sich mit eigenen Augen überzeugte, daß Dreyfus noch da war. Diese plötzlichen Angstbesuche bildeten übrigens für die einsamen Bewohner der Insel die einzige Abwechslung in ihrem eintönigen Dasein. Das tägliche Leben des Gefangenen vollzog sich in der regelmäßigsten Weise. Um sechs Uhr, wenn der Wächter das nach dem Hofe führende Gitter öffnete, spazierte Dreyfus hinaus, um Luft zu schöpfen und den Himmel zu betrachten. Um 10 Uhr kehrte er zurück, nahm sein Frühstück ein und ging dann bis 5 Uhr wieder in den unbedeckten Hof zurück; dann ward er wieder bis zum nächsten Morgen eingeschlossen. Bettlerhumor. Bettler: Bitte um ein Almosen, gnädigerHerr, ick will mir ooch 'n Pferd kyofen." Herr: W a as, Sie wollen sich ein Pferd kaufen?- Bettler, Ja, det heeßt man blos pfundweis!In der Gesellschaft. Oberst (aus den Kriegsjahren erzählend): Sind Ihnen auch schon mal die blauen Bohnen um die Ohren geflogen?" Schauspieler: Bohnen noch nicht aber sonstige Früchte!" Daher! Als ich meiner Braut den Antrag machte, konnte sie kein Wort erwidern." Wieso? Ihr Herz war wohl zu voll?" Nein, ihr Mund. Wir saßen gerade bei ' Tisch." Beim Untersuchungsrichter. Richter (zum Zeugen, der während des Verhörs den Hut aufsetzt): Nehmen S' doch den Hut ab!" Ungar: Dan!' schön, mich genirt er nicht." Richter (streng): Aber mich genirt es." Ungar: Ihnen genirt es? Aber Herr Richter, wie kann das Ihnen geniren, Hut ist doch auf mam Kopf!" . . ' I
D Tormltlg". Unter den denkwürdigen Ereignissen, welche mit m Jerusalemfahrt des deutschen Kaiserpaares verknüpft sind, ist für die katholische Welt das bedeutendste die Schenkung der dormitio" seitens des Sultans an Wilhelm II. und die Ueberweisung dieses Platzes an die deutschen Katholiken. Nach der zweifachen Zerstörung der Stadt Jerusalem, bei der kein Stein auf dem anderen blieb", sind die heiligen Stätten in Jerusalem in baulicher Beziehung selbstverständlich manchen Veränderungen unterworfen worden, und wie das Coenaculum selbst nur mehr den Platz bezeichnet, wo Christus das hei-
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il mm, q im miä f p - w Haus der hl. Maria. lige Abendmahl hielt, so weist auch die ionnitio" der Gottesmutter nur den Platz an, wo die Mutter Jesu ihren Wohnsitz aufgeschlagen und ihre Tage beschlossen hat. Zur Zeit der heiligen Helena stand auf dem Platze die Apostelkirche", die zur Zeit der Kreuzfahrer Marienkirche" genannt wurde. Auf der nunmehr dem Verein vom Heiligen Lande geschenkten Stätte wird sich wohl noch mancher Stein befinden, dessen Alter in die Zeit des ersten Christenthums hineinreicht, und der an derselben Stätte wiederum für die kathoflägSCÄ3B5Kia3BS Grabmal der hl. Maria. lifche Kirche Verwendung finden wird. Der Platz der donnitio" war bisher Eigenthum einer mohammedanischen Familie, von welcher der Sultan denselben erwarb, um ibn dem deutschen Kaiser zu überweisen. Auf dem Platze Iteyl tn zwel Jahrhunderten ein zweistöckiges Gebäude, das Geschäftszwecken diente; dieses wird voraussichtlich, in Bälde abgerissen werden. I m H e i r a t h s b ü r e c u. . . .Das LOste Jahr habe ich bereits zurückgelegt!" Soo! Ja wenn Sie sonst nichts zurückgelegt haben, dann muß ich' bedauern: i Auch ein Gnädiger". Die Gnädige: Warum wollen Sie eigentlich Ihre Stelle bei uns so plötzlich aufgeben?" Lakai (dem . eine größere Erbschaft zugefallen): Ich bin jetzt selbst gnädig geworden!" Bereitwillig. Chef: Sie gefallen mir soweit ganz gut aber ich ziehe doch einen verheiratheten Mann für den Posten vor!" Commis: Na, dazu kann Rath werden haben Sie nicht eine Tochter?" Größte Höflichkeit. Erster Geschäftsreisender: Es gibt auch höfliche Chefs, ich habe einen kennen gelernt, der., begleitete .jeden Reisenden bis an die Thür." Zweiter Geschäftsreisender: O, ick kannte sogar einen Principal, der ließ sich aus Höflichkeit stets mit 'rauswerfen!"
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Venable's llnicycle.
? Das kettenlose Fahrrad hat nicht, wie sein Erfinder erwartete, die Fahrrad - Industrie in neueBahnen gelenkt, denn man sieht verhältnißmäßig nur sehr wenige Maschinen dieser Art im praktischen Gebrauch. Nun kommt der Erfinder Vernon D. Venable aus Farmville. Va., mit einem Unicycle", von welchem er sich eine vollständige Revolutionirung deö Radsports verspricht. Diese Maschine hat, wie ihr Name besagt, nur e i n Rad, das keine Durchschnitt. Speichen, aber einen aus zwei Sectionen bestehenden Kranz besitzt, und diese bewegen sich auf einander. Wie aus der ersten Illustration ersichtlich ist. ist der Kranz aus den Theilen I) und E zusammengesetzt. Durch ein sinnreiches Arrangement von Kugeln und Rollen, F, wird ermöglicht, daß der eine Theil des Kranzes sich auf dem anderen dreht, wobei die Reibung auf ein Minimum reducirt ist. Von den beiden Radkränzen ist E stationär und D beweglich; letzterer ist mit Stiften. C, Seitenansicht des Unicycle". versehen, die horizontal nach einer Seite vorstehen. Mittels der Pedale treibt der Fahrer das Zahnrad, A, und diese Bewegung wird mittels Kette und Zahnrad auf das Triebrad, 13, übertragen, das durch die Stifte, C, auf die bewegliche Section, D, wirkt. Das Triebrad, B, und das kleine Zahnrad sind auf einer Welle montirt, die sich in einer mit dem Radkranz concentrischen Kerbe bewegt. Die Welle ist mit dem Sattelpfosten durch Gelenke verbunden, deren vordere Enden die Enden der Pedalwcllen aufnehAuf der Fahrt, men. Der Erfinder behauptet, daß der Fahrer durch das Vorbeugen seines Körpers den Schwerpunkt nach vorn bringt und dadurch das Fahren sehr erleichtert wird. Das Lenken des Unicycle" geschieht durch Neigen des Körpers nach der Seite. Ob Venable's Unicycle" sich in der Praxis bewähren wird, bleibt abzuwarten. . M m . Rentabel. . . .Ewer meiner Romane hat mir nicht weniger wie hunderttausend Mark eingebracht!" Welcher?" Der, den ich mit einer reichen Dame in Ostende erlebte. . . Die Dame ist jetzt meine Frau!" Annonce. Friedrich Müller's Haarbalsam ist besser und billiger als alle anderen Schwindelproducte. Guter.Rathschlag. Collegin: Also was hat Dir die weise Frau für einen Rath gegeben, daß Dir Dein Bräutigam wieder treu werden soll?" Köchin: Ich soll ein Tränkchen brauen und ihm eingeben!" Collegin: Weißt Du, da würde ich lieber eine Gans braten, die wird er lieber einnehmen!"
Die Fischerhilttk. Einst.
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ifU r Die Föhren schauen finster Hernieder in den See. ' -Rings Dorn, Gestrüpp und Ginster, Versteck für Fuchs und Reh. Die Sommerfäden schweben Am Fischerhaus entlang. D'rin geht das bißchen Leben Eintönig seinen Gang. Einst sprach der Sohn bei Tische: . Die Scholle ist zu klein. Der See und seine Fische. Sie bringen uns nichts ein! Laß' mich die Welt durchmessen Da draußen wohnt das Glück; Dann hab' ich satt zu essen Und kehre reich zurück!" Jetzt. Klar wie 'des Himmels Bläue Liegt vor dem Thor ein See. Dahin führt eineneue, Vorzügliche Ehauee. Wo unter Weidenruthen Der Ahn' hielt Mittagsrast. Schaut heute in die Fluthen Ein großer Bierpalast. Wo einst der Ahn' behendig Die Netze hat geflickt, Da sitzt man heut' beständig Und trinkt und schwatzt und strickt. Und wo der Ahn' beschwerlich Sich mühte Tag und Nacht, Bezieht der Enkel jährlich Mark 60,000 Pacht. ZuvielSuppe. Bits gar schön, Jungfer KöchinHeus recht wenig Supp'! Ich hab' noch drei Häuser, wo ich wegen der 20 Pfennig', die ich dort wöchentlich krieg', auch an' Teller voll Supp' essen muß und des zerreißt mi' noch!" Ordnungmußsein. Aber schau'. Alte, vor Mitternacht krieg' ich ja sonst nur 's kleine Häferl an den Kopf warum hast Du denn heut' das große genommen?" Comment. Girgl: Dumme Jungens!" Studenten: Aber was erlauben Su sich; was fällt Ihnen eigentlich ein?' Girgl: Gelts i woaß, was sich g'. ' hört! Raffa möcht i!" m m m Stille Wohlthäter lassen sic? gerne bei ihren Wohlthaten ertap pen. Gaunerrache. Du, Ede, verhau'n wir mal den Kerl da!" Weshalb denn?" Der fabrizirt nämlich diebessichere Geldfchränke.-
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Qine Var,geschlchte. Draußen fiel der Schnee in dichten Flocken; er fiel auf Baum und Strauch, auf Zweig und Ast, und blieb auf dem kleinsten Vorsprung'der Dorfhütten haften, daß alles aussah wie candirt. In der kleinen Extrastube des Dorfwirthshauses aber saßen die Herren der Jagdgesellschaft hinter dem schäumenden Becher. Im eisernen Ofen knisterten und knaxten die Tannenscheiter und ein süßer Harzgeruch mischte sich mit dem Dufte von Tabak zu einem ganz eigenartigen odeur le la chasse, der durch die Geruchsnerden den Gehirnganglien zugeführt, den Inhalt des Gesprächs bestimmte. Alle Gemüther standen noch unter dem Banne einer schauerlichen amerikanischen Jagdgeschichte, in der es von skalpirten Irokesen, getödteten Bllffeln, gemarterten Weibern, gespießten Kindern gewimmelt hatte, als der alte Oberförster sein Glas neu füllte, und also anhub: Ja, sehen Sie, meine Herren, man braucht gerade nicht in Amerika gewesen zu sein, um schauerliche Dinge erlebt zu haben. Da drunten, in den wilden Bergen Ungarns geschieht allerhand, das auch des Erzählens werth ist. Es dürfte Ihnen wohl bekannt fein, daß die Leute in den Wäldern dort unten mehr schwarze Bären zählen als wir Hasen auf unseren Feldern. War da tief in den Karpathen Förster auf einer WaldHerrschaft. Eines schönen Tages sollte große Treibjagd auf Bären abgehalten werden. Des Abends vorher, sandte ich den Forstadjunkten hinaus, um einige Wechsel besichtigen zu lassen. Ich wartete ruhig drei Stunden auf seine Rückkehr, so viel Zeit war nöthig um meinen Auftrag auszuführen, doch vier, fünf, sechs Stunden verstrichen, ohne ihn zurückzubringen. Ich ward unruhig und begab mich mit den zwei anderen Forstgehilfen auf die Suche. Nicht lange dauerte es, als wir die Stelle fanden, wo uns der blutaetränkte Schnee, der zertretene, aufgewühlte Boden eine Geschichte von dem heftigen Kampfe eines Mannes mit einem gewaltigen Bären erzählte. Da wir an derselben Stelle die zerbrochene Büchse, sowie den. Hut meines armen Forstadjunkten fanden, so gab's für uns keinen Zweifel mehr, daß der Arme einem der grimmen Raubtbiere zum Opfer gefallen war. Angesichts dieses furchtbaren Ereignisses wurde die Jagd anderen Morgens abgesagt. Jahre verstrichen. Da stand ich nun wieder einmal gelegentlich einer großen Bärenhatz an einem stark befahrenen Wechsel. Schon höre ich das Tschu hui! Tscha ro!" Der Treiber in der Nähe, als eine allr, schwere Bärin mit ihrem Jungen aus dem nächsten Dickicht bricht. Kaum finde ich Zeit, die wuthschnaubende Alte mit einer gutgezielten KuZ?l niederzustrecken, als schon daö erst wenige. Wochen alte Junge mit seinen furchtbaren Pranken nachmir schlägt. Meinen Hirschfänger ziehen und den Kampf Aug' in Aug' mit dem .Ungeheuer aufnehmen, ist eins. Ein wohlgesetzter Stoß macht dem Felle der schwarzen Bestie ein solches Luftloch, daß seine Seele unge hindert entschlüpfen kann. War das nun ein Hallali! In Gegenwart aller Jaqdgäste mache ich mich daran, das gewaltige Thier aufzubrechen. Da finde ich nun zu meiner wie der anderen größten Ueberraschung in dem Gescheide der Getödteten eine vollständig verkapselteRemontoiruhr sammt Kette. Ich erkenne sie sofort als die meines vor Jahren zerrissenen Forstadjunkten. Der Bär mußte sie damals mit verschluckt haben. Doch das wäre endlich noch zu erklären sewesen. Unbegreiflich erschien uns aber die Thatsache, daß das Junge des Bären eine bis ins Detail gleiche, nur bedeutend kleinere, ebenfalls - silberne Remontoiruhr sammt Kette im Magen trug. Sie zweifeln meine Herren? hier," dabei holte der alte Oberförster seine Uhr aus der Tasche, haben Sie dieUhr, die ich im MaIen der alten Bärin gefunden; ihr Junges trägt, wie Sie sich täglich, wenn es Ihnen beliebt, überzeugen können, meine Tochter."
Merkwürdig. Der Großvater Stefens hatte in seinem Garten einen wunderschönen Hollerstrauch. Zu seinem Aerger sah er aber, daß jede Nacht die allerschönsten Blüthen gestohlen wurden. Aber noch mehr Aerger verursachte das Verschwinden der Hollerblüthen seinem Buben, dem feschen Franz!. Wann i' den Räuber dawisch', i' schlag' ihn hin!" Diesen Ausspruch wiederbolte Franzl wohl Tag für Taz 'ein Dutzendmal. Eines schönen Abends, als jbereits alles schlief, schlich Franzl in oe.nGarten. Wart' Kerl, heut' pass' auf!" Er stand noch nicht lange auf der Lauer, da vernahm er plötzlich im angrenzenden Nachborsgarten ein Geräusch und sah' auch schon eine Gestalt über den Zaun herübersteigen. Franzl machte sich sprungbereit; d-e Gestalt huschte vorbei. Herrgott, das ist ja Nachbars Narie!" Franzl fühlte sofort alle Wuth gegen der Hollerdieb weichen; denn Marie ist i"- sein heimlich gelobtes Herzblättchen. Aber vlötzlich leuchteten seine Augen auf. Im Nu stand er neben Marie, die nicht wcnig erschrak, umfaßte sie, drückte einen herzhaften Kuß ai:f das rothe Mündchen: So, da hast's, Hollerdiebin; merk Dir's. so ojt wie i' Dich dawisch, geht'S Dir so wi? heut'." Wie die Sache weiter ?bgelaufen ist weiß ich nicht; als aber nach, acht Ta gen der Großbauer vor seiiem Hollerstrauch stand, schüttelte er gedankenvoll sein Haupt und murmclre: VDie Ali! then haben'5 alle g'stohl'n. tty stehl'n'ö auch noch xt Blauer: os xjt roa
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