Indiana Tribüne, Volume 22, Number 76, Indianapolis, Marion County, 4 December 1898 — Page 3
Kufmd Mr.
Noman von Ludwig Habicht. (15'. Fortsetzung.) Ein leises Klopfen an der Thür. "Der Diener trat ein, reichte ihr auf silbernem Teller einen Brief tat und -entfernte sich geräuschlos wieder. .Da ist er ja schon!" flüsterte Clelia. Auf den ersten Blick hatte sie die Handschrift erkannt, und sie gedachte der Zeit, wo der Anblick derselben sie mit namenloser Seligkeit erfüllt, wo sie den Brief an die Lippen gedrückt, jedes Wort darin wie eine herrliche Offenbarung empfangen hatte, und es wollte sie doch ein weiches, wehmüthiges Gefühl beschleichen. Vorbei, vorbei," murmelte sie und schnitt, sich auf den Sessel vor ihrem Schreibtisch niederlassend, das Couvert auf. Je weiter sie las, desto mehr vcr--tiefte sich die Falte auf ihrer weißen Stirn, desto strenger wurde der Blick ihres Auges, desto verächtlicher der Zug um ihren Mund. Theodor Sanders hatte den ungeeignetsten Weg. den er nur wählen konnte, um sie milder gegen sich zu stimmen, eingeschlagen. Hätte er sich auf Gnade oder Ungnade ergeben, sein Betragen in dessen ganzer Nacktheit und Häßlichkeit eingestanden, anerkannt, daß sie gegen ihn im Rechte sei. vielleicht würde Clelia doch dadurch gerührt worden sein und ihrem Verlangen nach Rache, wenn sie auch nicht ganz entsagt, doch eine mildere Form gegeben haben.' Daß er aber versuchte, sich als Märtyrer hinzustellen, daß er sie für thöricht 'genug hielt, sich einreden zu lassen, was er ihr zugefügt hatte, sei aus Liebe zu ihr, aus edler Selbstlosigkeit geschehen, das emPorte sie. und gleichzeitig fühlte sie sich gekränkt und beleidigt durch den Ton, den er angeschlagen hatte. Jedes Wort eine Lüge!" rief sie ganz laut und schleuderte den Brief mit tiefster Verachtung von sich. Wie kann dieser Mensch wagen, so, an mich zu schreiben! Wahrlich, das allein verdiente schon die empfindlichste Straft, und sie soll ihm werden." Noch einmal nahm sie den Brief zur Hand, zerriß ihn in kleine Stücke und warf diese in den' Kamin, zündete ein Streichholz an und sah zu, wie das Papier langsam verkohlte. Das mag meine einzige Antwort sein; er wird vergeblich darauf warten und" Ein recht böses, fast grausames Lacheln spielte um ihre Lippen. Sie zog ' die Glocke und befahl dem eintretenden Diener: Ich vermuthe, daß in den nächsten Tagen ein Herr Sanders kommt, der mich zu sprechen wünscht. Merken. Sie sich den Namen genau und nennen Sie ihn auch dem Portier. Der Herr wird nicht vorgelassen, unter welchem Vorwand er auch Zutritt verlangt. Sagen Sie ihm, die gnädige Frau sei nie für ihn zu sprechen; ich wünsche, daß die Bestellung wörtlich gemacht werde." t Der Tag verging und brachte nicht die Antwort, die Theodor Sanders so sehnlich erwartete und auf die er mit wachsender Bestimmtheit rechnete. Er wiederholte sich in Gedanken den Inhalt des von ihm geschriebenen Briefes und vergegenwärtigte sich den Eindruck, den er auf die romantische Clelia, wie er Frau Gundlach beharrlich nannte, hervorbringen müsse. Es konnte nicht anders sein, sie ward dadurch vollständig gefangen genommen, ihr Zorn gegen ihn schmolz davor hin wie der Schnee vor der Sonne; gewiß war schon einBrief von ihr unterwegs, der die Begnadigung enthielt, der ihn vielleicht zu ihr berief. Sie liebte ihn gewiß noch, sonst hätte sie nicht alles angewendet, um sein Geschick ganz in ihre Hände zu bekommen! Sie wollte ihn sicher nur demüthig zu ihren Füßen sehen, und er war ja gern bereit, diese Büßerrolle zu übernehmen. Seine Zuversicht hielt auch an, als Stunde auf Stunde verrann, ohne daß der ersehnte Brief eintraf. Die viel in Anspruch genommene Dame konnte beim Empfang seines Schreibens auf einer Ausfahrt gewesen sein, er hatte in seiner Eile versäumt, sich bei der Portiersfrau zu erkundigen, ob die Herrin zu Hause sei; sie konnte Gäste haben, von denen sie sich nicht so schnell loszumachen vermochte, es gab eine ganze Reihe von Möglichkeiten, durch die sie am Schreiben verhindert wor den war. In seiner gehobenen Stimmung schlug er seiner Frau vor, das. BelleAlliance - Theater zu besuchen, wo die Mitglieder des Karl Schultze Theaters, für derenLeistungen sie als Hamburgerin eine große Vorliebe hatte, gasiirten. Die sonst so nüchterne Frau unterhielt sich denn auch vortrefflich, die Gatten aßen miteinander im BelleAlliance - Garten zu Abend und langten in einem Einvernehmen zu Hause an, wie es bei ihnen nur noch selten zu finden war. Aber auch am. folgenden Morgen traf kein Brief von Frauunviacy em, izaaeaen ersckien der Gerichtsvollzieher. der Sanders vergeblich im Comptoir . gesucht hatte, überreichte einen Zahlungsbefehl für eine ausgeklagte Schuld und sah sich in der Wohnung nach geeigneten Gegenständen für eine gerichtliche Pfändung um. Das ging Frau Sanders, der Hamburger Bürgersfrau, gegen den Strich. Ihre Sachen; mit der blauen Marke des Gerichtsvollziehers beklebt! Sie hätte geglaubt, nie wieder auf einem Sofa sitzen, nU wieder an einem Tische speisen zu könnten, der dieses Schandmal getragen. Sie erklärte sich zur Zahlung bereit und händigte dem Gelichtsvollzieher ein Werthpapier ein, daS den nicht llzu großen Betrag der
Forderung deckte, bereitete aber natür, lich ihrem Manne einen heftigen Auftritt. Sanders beschwichtigte sie ::M der Versicherung, daß heute noch sich alles wenden müsse, daß er binnen Kurzem zurückerstatten könne, was sie für ihn geopfert hatte. Er befand sich dabei gewissermaßen im guten Glauben. Clclias Brief mußte ja eintreffen, und damit eine Aenderung seines Geschickes eintreten. Aber wiederum verging Stunde auf Stunde in vergeblichem Harren. Sanders lief zwischen seiner Wohnung und dem Comptoir hin und her, immer in der Hoffnung, der Brief könne an der einen Stelle abgegeben worden sein, während er sich an der anderen befand. Es ward Mittag, es ward Abend, und mehr und mehr sank seine Zuversicht und machte einer nagenden Angst, einer dumpfen Verzweiflung Platz. Alle Erklärungen, die er bis jetzt für Clelias Stillschweigen gehabt, zerfielen nach und nach in nichts; er konnte nicht mehr daran zweifeln, daß sie ihm nicht antworten wolle. Und morgen war der Verfalltag der ihm von Böhm präscntirten Wechsel, morgen stand ihm von Neuem ein Besuch des Gerichtsvollziehers bevor, und ihm graute vor dem Auftritt mit seiner Frau! Unter dem Vorwande, daß er heftiges Kopfweh habe, zog er sich schon vor dem Abendessen in sein Schlafzimmer zurück und rief seiner Frau, die später sich nach seinem Befinden zu erkundigen kam. durch die Thür. zu. sie möge sich nur niederlegen, er bedürfe nichts als Ruhe und hoffe zu schlafen. Aber weder Ruhe noch Schlaf wollten sich bei ihm einstellen. Wie im Fieber, bald glühend heiß, bald mit klappernden Zähnen, frostbebend, bald in kaltem Schweiß gebadet, wälzte er sich auf seinem Lager; seine Phantasie gaukelte ihm Schreckbilder vor, und zu sehr früher Stunde erhob er sich aus dem Bett, das ihm zur Marterbank geworden war. Obwohl er sich selbst sagte, daß Hoffen jetzt noch eine Thorheit sei, erwartete er doch in fieberhafter Angst den Briefträger, der ihm abermals die ersehnte Botschaft nicht brachte, und nun erschreckte ihn jeder nahende Fußtritt. Ich ghe zu ihr!" rief er endlich so laut, daß seine nebenan mit ihrem An-, zug beschäftigte Frau den Kopf zur Thür hereinsteckte und sich erkundigte, was er habe. Er fertigte sie mit einer Ausrede ab und setzte, im Zimmer auf und ab gehend, sein Selbstgespräch fort: Ich muß sie sehen, muß sie sprechen! Wenn sie wirklich meinemBriefe gegenüber ungerührt bleiben konnte, meinem persönlichen Erscheinen, wird sie nicht widerstehen. Ich werfe mich ihr zu Füßen, erinnere sie an die Zeiten unserer jungen Liebe, weine, bitte, flehe, drohe, mich vor ihren Augen umzubringen, und es kann nicht anders sein, ich muß sie besiegen. Wäre ich doch lieber sogleich zu ihr gegangen, statt an sie zu schreiben." Er kleidete sich mit großer Sorgfalt an, steckte, damit in der Komödie, die er sich einstudirt, kein Requisit fehle, einen kleinen Revolver in die Tasche, verließ das Haus und ging immer den Kanal entlang bis zur Potsdamerbrücke, die er überschritt, um durch die Viktoriastraße nach dem Thiergarten zu gelangen. ' Der Himmel war bedeckt, die Luft frisch und kühl, Reiter und Fußgänger, die ihre Morgenpromenade ge macht, kamen ihm entgegen; in den Gärten vor und neben den Häusern waren die Gärtner mit dem Begießen beschäftigt, vor den meisten Thüren hielten Wagen, die Bier, Kolonialwaaren und andere Bedürfnisse des HausHaltes brachten, Schlächterburschen mit weißen Schürzen und großen mit Fleischstücken gefüllten Mulden auf der Schulter gingen von Haus zu Haus, sogar die Milchverkäuser hatten ihren Rundgang noch nicht beendet. Sanders nahm dies alles nur wie durch einen Nebel wahr, was gingen ihn denn alle diese Außendinge an? Und doch hatten sie eine Sprache für ihn. Sie belehrten ihn darüber, daß es noch früh am Morgen sei, daß noch Stunden vergehen müßten, ehe er in der Villa des Consuls Gundlach vorsprechen, um eine Unterredung mit der Dame des Hauses bitten dürfe. Wie sollte er diese Stunden hinbritt gen? Noch einmal in seine Wohnung zurückkehren? Nein, nem, er wußte, was seiner dort wartetet In ein Lokal gehen? Ach, ihm graute vor dem Anblick fremder Menschen, vor dem Geruch von Speisen und Getränken! Er suchte die entlegensten Partien des Thiergartens auf, irrte in den Wegen umher oder starrte, auf einer Bank sitzend, auf den sich vor ihm ausbreitenden Wasserspiegel. Endlich schlug es Elf. Eigentlich noch viel zu früh für den Besuch bei einer vornehmen Dame; aber Sanders vermochte seine Ungeduld nun nicht mehr zu bemeistern, es mußte jetzt gewagt sein. Er ging nach der Rauchstraße, klingelte an der Eingangsthür der Villa Gundlach und erklärte den ttn nach seinem Begehren fragenden Portier, er wünsche die gnädige Frau zu sprechen. Der Mann maß ihn vom Scheitel bis zur Sohle mit verwunderten Blicken und sagte dann in ausgedehntem Tone: Jetzt? Vor dem Frühstück empfängt die gnädige Frau niemals." Es ist eine Ausnahme, ich komme in einer sehr dringenden Anaeleaen-
heit. Die gnädige Frau erwartet mich!" log Sanders. Ein zweifelndes Kopfschütteln des Portiers. Das wäre doch merkwürdig; für solche Fälle erhalten wir doch immer besondere Befehle." Es ist aber so, lassen Sie mich nur hinaufgehen!" Sanders wollte ihm ein Geldstück in die Hand drücken, aber
der Portier, der sonst für dergleichen kleine Aufmunterungen nicht unempfänglich war, verweigerte standhast die Annahme. Trotzden der Herr sehr gut gekleidet war, kam ihm doch die Sache nicht recht geheuer vor; er hatte ein so verstörtes Wesen, und jetzt fiel ihm auch ein. daß ihm eingeschärft worden war. einen Herrn Sanders unter keinen Umständen vorzulassen. Wie heißen Sie denn?" fragte er. Sanders zögerte; etwas in ihm warnte ihn. sich zu nennen. Der Name thut nichts zur Sache." sagte er. melden Sie nur den Herrn, den die gnädige Frau erwartet." Der Portier überlegte; die Sicherheit. mit welcher der Fremde auf seinem Verlangen bestand, machte lhn stutzig; schon streckte er die Hand aus, um dem Diener das Klingelzeichen zu geben, daß er einem Gast Einlaß gewährt habe, da kam seine Frau aus der Küche herauf und rief, kaum daß sie Sanders wahrgenommen hatte: Je. Vater, das ist ja der Herr, der vorgestern in der Droschke angefahren kam und mir den Brief an die gnädige Frau gegeben hat!" Ja, ja, der bin ich, meine liebe Frau," gab Sanders schnell zu, in der Hoffnung, durch sein damaliges reiches Geschenk sich die Gunst der Frau erworben zu haben. Infolge dieses Briefes komme ich eben. Die gnädige Frau hat an mich geschrieben, sie erwartet mich. Die Sache hat Eile, lassenSie mich hinauf; es soll JhrSchade nicht sein." Er versuchte jetzt der Frau das von dem Manne zurückgewiesene Geldstück in die Hand zu drücken, aber der Portier trat dazwischen. Er zweifelte nicht mehr daran, daß der so ungestüm Einlaß Begehrende gerade derjenige sei, bezüglich dessen er die strenge Weisung . erhalten hatte. Und er fragte ganz direkt: Sie sind wohl Herr Sanders?" Der bin ich allerdings," antwortete Sanders, der auf diese so bestimmt gestellte Frage nun doch keine Ausflüchte zu machen wagte. Sie werden nun wohl wissen " Ja. ich weiß jetzt, daß ich Sie nicht hinauflassen darf." Aber, lieber Freund, ich fage Jhnen doch, daß die Frau Consul meinen Besuch erwartet!" Das stimmt!" bestätigte der Portier. und eben weil sie das thut, hat sie schon vorgestern, gleich nachdem sie Ihren Brief erhalten hat, befohlen, wir solltenSie unter keinem Vorwande in's Haus lassen." Das ist nicht möglich, es muß ein Mißverständniß sein." Na, die Bestellung ist doch deutlich genug," lachte der Portier. Wir sollen dem Herrn Sanders wörtlich sagen, die gnädige Frau sei für ihn nie zu sprechen." Wie von einem Faustschlage in's Gesicht getroffen, taumelte Sanders zurück. Dennoch wollte er seine Sache noch nicht verloren geben. Lassen Sie mich durch, Sie wissen nicht, um was es sich handelt." schrie er Und versuchte, an dem Portier vorbei in's Haus zu gelangen. Mit einem kräftigen Stoß vor die Brust schleuderte dieser ihn zurück und entgegnete mit lauter grober Stimme: O ja, das weiß ich recht gut. Um eine unverschämte Bettelei handelt es sich, wenn nicht um noch etwasSchlimmeres. Packen Sie sich jetzt äugenblicklich fort, oder ich hole einenSchutzmann, der Sie auf die nächste Polizeiwache bringt." . Er warf bei diesen Worten die Thür in's Schloß. Wie gebannt stand der Unglückliche vor der Thür, hinter der er Rettuna
erwartet hatte, und halb wahnsinnig, vor Verzweiflung pochte er noch ein-, mal an das neben der Eingangspforte befindliche Fenster der Portierwohnung. Dasselbe öffnete sich sofort, und das Gesicht des Mannes erschien braunroth und wuthverzerrt. Sie Hausfriedensbrecher!" schrie er. Warten Sie nicht, bis ich wieder - hinauskomme! Wie können Sie sich unterstehen, vor einer feinen Villa im Thiergarten solchen Auftritt zu machen! Die Leute laufen ja schon zusammen." In der That hatte sich jetzt bereits eine Anzah! Neugieriger gesammelt, und Sanders glaubte sogarnn einiger Entfernung die Helmspitze eines Schutzmannes auftauchen zu sehen; trotzdem wartete er 'noch immer, er konnte, er wollte nicht glauben, daß er endqiltig abgewiesen sei. Da aber erschien hinter dem Portier das kalt lächelndeGestcht eines Dieners in Livree. Die gnädige Frau hat vom Fenster aus den ärgerlichen Austritt mit angesehen und läßt sehr bitten.daß demselben sofort ein Ende gemacht nzerde; sie hat Herrn Sanders nichts zu sagen," bestellte er und verschwand. Auch Sanders entzog sich jetzt dem Anblick der immer mehr .angewachsenen gaffenden Menge und eilte die Rauchstraße entlang wieder demThiergarten zu; hier aber blieb er stehen. Was nun beginnen? Wohin nun? Nach Hause zurück? Aber hatte er noch ein solches? Konnte er den Ort so nennen, wo der Gerichtsvollzieher seiner wartete, wo kein Stück mehr ihm gehörte, wo seine Frau ihn mit den ärgsten und, wie er sich sagen mußte, nicht ungerechtsertigten Vorwürfen erwartete, daß er in unverantwortlichem Leichtsinn ihr Hab und Gut verschleudert, sie an den Bettelstab gebracht habe? Nem. nein, nicht dahin! Lieber in die Hölle, als dieser Frau wieder unter die Augen treten! Aber wohin sonst? Er 'konnte sich doch nicht Tag und Nacht im Thiergarten herumtreiben. Fort, übers Meer! Du bist noch jung, du kannst dich noch wieder aufraffen!" redete ihm eine Stimme in seinem Innern zu, aber muthlos fchütleite er den Kopf; er besaß nichts, als was er auf dem Leibe trug; das Geld,
daö er noch im Portemonnaie hatte, reichte nicht viel weiter als zur Reise nach einer Hafenstadt und zu einem kurzen Aufenthalt daselbst. Und hätte er auch in sein Comptoir zurückkehren wollen, er wußte, daß auch dort für ihn nichts zu holen sei. Sollte er auf einem Schiff sich als Heizer verdingen, um freie Ueberfahrt zu erhalten? Er besah seine grober Arbeit ungewohnten Hände, dachte an die Kost, an die Behandlung, die ihm in solcher Stellung zu Theil werden würde, und schauderte. Und wenn er solches Martyrium wirklich ertragen hatte, was erwartete ihn in Amerika, wenn er. entblößt von Allem, dort ankam? Die niedrigsten Dienste, um nur den Hunger zu stillen, um das nackte Leben zu fristen! War solch ein elendes Leben denn wirklich all dieser Opfer werth? War es denn nicht besser, ihm schnell ein Ende zu machen? " Er befühlte seine Taschen, wie 'um sich zu überzeugen, daß er wirklich nichts mehr bei sich trage, geeignet, ihm noch ine Zeitlang ein, wenn auch bescheidenes Dasein zu ermöglichen, und stieß einen Ruf aus. der heiser und doch zugleich freudig klang. Da hatte er ja etwas bei sich, das ihn von aller Noth, von allenSorgen, von allen Vorwürfen schnell befreien konnte. Der Revolver, den er zu sich gesteckt, um vor Clelia eine Komödie aufzuführen, war geladen; er sollte ihm jetzt zum Ernst, zum fürchterlichen Ernst dienen! Ohne sich weiter aufzuhalten, ging er mit schnellen Schritten tiefer in den Thiergarten hinein, durch die neuen Anlagen nach dem Neuen See. Die Sonne, die am Morgen unter einer Wolkenschicht verborgen gewesen, war nun doch siegend durchgebrochen und hatte einen heißen Tag gebracht. Mittagsschwllle und Mittagsstille herrschte ringsum. Ein Eichkätzchen huschte von einem Baum zum anderen, ein Paar wilde Tauben flogen auf, sonst war kein lebendes 'Wesen zu entdecken. Sanders setzte sich auf die Bank am See, griff in die Tasche und zog den Revolver heraus. Seine Hand bebte, als sie das kalte Metall berührt:; noch einmal erwachte die Lust zum Leben, er ließ die Waffe sinken; aber der Kampf währte nur kurze Zeit. Es muß sein!" Damit setzte er den Revolver an die Schläfe, und als er den Drücker berührte, murmelten seine zuckenden Lippen: Clelia, du bist gerächt!" Er hatte gut gezielt. Blutüberströmt sank er von der Bank auf den moosbewachsenen Boden; der Tod war fast augenblicklich eingetreten.
19. An der Korridorthür des Baumeisiers Fritz Vöster wurde mitten in der Nacht stark geklopft und geklingelt. Erschrocken fuhr er aus dem Schlaf empor und griff nach den Streichhölzern, um die auf dem Nachttisch neben seinem Bett in einem Handleuchter stehende Kerze anzuzünden. Es war aber bereits hell im Schlafzimmer, feine Frau saß aufrecht im Bett und hatte schon Licht gemacht. Steh schnell auf und öffne, es wird wohl eine Botschaft aus der Tauenzienstraße sein!" rief sie ihm zu. Wie kannst du das wissen. Rosa?" Na. der Vater ist ein alter Mann, bei dem kann man alle Tage auf etwas gefaßt sein," erwiderte sie; er sah auch gestern schlecht aus." Die Blicke der Gatten trafen sich. Der Baumeister, der sich inzwischen nothdürftig angekleidet hatte, nahm das Licht und ging hinaus. Rosas Vermuthung oder besser ErWartung bestätigte sich. Draußen stand der Portier aus der Tauenzienstraße, der die Bestellung machte, Herr und Frau Baumeister möchten doch sogleich kommen, allem Anschein nach gehe es mit Herrn Löbbeke zu Ende. Der Arzt sei schon da und gebe wenig Hoffnung. So sehnlich Fritz Boster schon seit langer Zeit auf eine solche Nachricht gewartet hatte, stand er doch, als sie ihm nun so plötzlich in der Nacht gebracht wurde, einen Augenblick fassu'ngslos vor dem Boten und fragte mit bebenden Lippen: Aber wie ist denn das so schnell gekommen? Er war ja gestern noch ganz wohl hier bei uns und ist erst ziemlich spät nach Hause gegangen." Weiß es nicht, Herr Baumeister; das Fräulein hat uns geweckt, ich habe nach dem Doctor laufen müssen, und nun haben sie mich hierhergeschickt," war die Antwort. Kommen Sie nur bald, ich will schnell wieder nach Hause laufen, denn Frauenzimmer so allein wissen sich nicht zu rathen und zu helfen." Er machte schnell, kehrt. Boster hörte aber doch, daß er unten seinem Kolle gen, der ihm das Haus geöffnet und jetzt die Thür hinter ihm wieder verschloß, noch eine langathmige Mittheilung über die Erkrankung ihres gemeinschaftlichen Brotherrn machte, denn auch das Haus in der Eisenacherstraße, wo der Baumeister wohnte, war ja das Eigenthum des alten Löbbeke. Als Fritz in das Schlafzimmer zurückkehrte, fand er seine Frau bereits völlig angekleidet; es sah beinahe aus, als habe sie sich die für den nächtlichen Gang geeigneten Sachen schon bereit gelegt. Mach fix, daß wir fortkommen!" 1 rief sie ihm entgegen. Sie verlieb das Schlafzimmer, und Fritz hörte sie in dem Wohnzimmer, wo das inzwischen auch herbeigekommene Hausmädchen das Gas angezündet hatte, herumwirthschasten und schelten. Trink einen Cognac!" sagte sie. als er angekleidet dort eintrat, . und bot ihm das gefüllte Glas, während ste selbst aus der Flasche, die sie in der Hand hielt, einen tüchtigen Schluck
nahm. Auf daö Kaffeekochen tonnen wir nicht warten, und ob wir drübcn bei Alma welchen kriegen, ist auch die Frage. Du sollst sehen, es ist die Aal, Pastete, die ihm den Dampf angethan hat. Ich tüMntt ihn, er solle nicht' so viel davon essen, aber er wollte ja nicht hören, sie schmeckte ihm zu gut." Fritz antwortete nicht. Der Tod des alten Millionärs kam ihm mehr als gelegen, denn er hatte bisher recht schwer zu kämpfen gehabt, um die von ihm unternommenen Bauten mit den ihm zu Gebote stehenden Mitteln auszuführen. Er ahnte, daß es bei dem plötzlichen Hinscheiden seines Schwiegervaters nicht mit rechten Dingen Dingen zugegangen sei, aber in ihm sträubte sich alles, etwas darüber zu erfahren. Von dem ihnen die Treppe hinunter leuchtenden Mädchen begleitet, verließen die Eheleute das Haus. . Rosa lief so schnell, daß ihr Gatte ihr kaum zu folgen vermochte, s daß er sagte: Aber du zärtliche Tochter, kannst du es denn gar nicht erwarten, an das Krankenlager deines Vaters zu kommen?" Red doch nicht solch Blech. Meinetwegen könnte der Alte gern sterbcn, ohne daß ich dabei-wäre; ich will nur nicht die Alma allein lassen," erwiderte sie, ohne im Laufen inne zu halten. Das ist mir noch unverständlicher; seit wann sorgst du um deine Schwe ster?" Tummkopf! Ich will sie nicht allein lassen, damit sie nichts auf die Seite bringt; zuzutrauen ist's ihr," war die von einem kurzen, häßlichen Auflachen begleitete Antwort. Hätte ich irgend einen Vorwand ausfindig machen können, so würde ich die Nacht drüben geschlafen haben, aber das ging nicht, das wäre doch gar zu ausfallend gewcfen, und vor Almas Spürnase müssen wir uns hüten, das laß dir gesagt sein." Der Baumeister antwortete nicht. Seit dem Tage, wo seine Frau zum erstenmal die rohe Aeußerung über ihren Vater gethan, kamen sie täglich auf ihre doch recht beschränkte Lage zu sprechen und machten Zukunftspläne, welches Leben sie führen würden, wenn sie endlich in den Besitz 'der Millionen gekommen wären, die. so lange sie der Alte habe, keinemMenschen etwas nützten. Er wußte längst, daß Rosas Gier sich stetig gesteigert hatte, wußte, daß sie ihres Vaters Tod wünschte und kaum noch erwarten, konnte, und diese Sinnesart war ihm recht. Bei dem Charakter seines Weibes sah er voraus. daß diese schließlich zum Aeußersten schreiten würde und vollbringen,, wozu er zu feige und zu klug war. Nun endlich war's geschehen; er war dessen gewiß. Aber er wollte selbst seiner Frau gegenüber den Anschein meiden, als wisse er um das Verbrechen; nur dessen Früchte wollte er genießen. Jetzt war das Haus in der Tauenzienstraße erreicht. Frost- und furchtbebend trat er hinter seiner Frau in das Haus, dessen Thür der Portier für sie offen gehalten und dessen Flur und Treppen er durch das Anzünden der Gasflammen beleuchtet hatte. Der alte Löbbeke lag in der einfensterigen Kammer, die ihm als Schlafgemach gedient hatte und die außer dem Bett nichts enthielt, als ein paar Schemel, einen hölzernen Tisch mit grobem Waschgeschirr und einen ein thürigen gebeizten, jannenen Schrank, in schweren Federbetten mit roth und blau gewürfelten Ueberzügen, denn nichts in der Welt hätte ihn vermocht für seinen Haushalt Sprungfedermatratzen und weiße Uebereuge anzu-. schaffen. Die Krämpfe, die ihn geschüttelt, hatten bereits aufgehört, und der Todeskampf begonnen. Er war bewußtlos, hatte die Augen geschlossen, die Farbe seines Gesichtes wcrr grünlich - bleich, die Züge verzerrt rmd verfallen. Der noch anwesende Arzt hiett sich für verpflichtet, der hinzukommenden Tochter und dem Schwiegersohn rn Erklärung zu geben, es sei eine Herzlähmung eingetreten,' deren Veranlassung wohl in einer Ueberladung des Magens gesucht werden könne, da eä mit dem Herzen des alten Herrn schon, längere Zeit nicht in Ordnung gewesen sei was Rosa mit einem tiefen Senf zer zugab. Ich fürchte, die Aalpastete, die der Vater gestern bei mir gegessen, hat ihm geschadet!" sagte Rosa und brachte daZ j Taschentuch vor das Gesicht. Mit klaglicher Stimme erzählte sie dm Arzt: Ich hab's gut gemeint. Als er vor vierzehn Tagen bei mir aß, hatten wir eine, die schmeckte ihm so gut. da ließ ich sie wieder machen. Wir Alle, mein Mann, Alma und ich haben ihr tüchtig zugesprochen, am meisten hat aber der Vater davon genommen, und dann aß er noch Braten und reichlich Compott, du weißt's ja auch, Alma. Ich sah's mit Angst, aber ich machte nicht dagegen reden, es hätte geschienen, als gönnt' ich's ihm nicht. Aber hatt' ich's doch gethan!" . Sie stand mit dem Arzt und der Schwester in dem halbdunklen Hintercorridor, an dem die Schlafkammer des Millionärs lag. man konnte ihr Gesicht nicht erkennen, aber die Stimme klans. kläglich und wie von Thranen erstickt. Fritz Böster, der mit dem Portier und dem Dienstmädchen im Schlafzimm'er des Schwiegervaters geblieben war. trat jetzt heraus und rief die
Töchter hinein. Frau Böster legte drArm in den ihrer Schwester und zog ,sie mit sich, es hatte sie bedünken wollen. als beabsichtige diese, sich davon zu schleichen. Komm komm. Almachen," sagte sie mit einer Stimme, der Schmelz und Weichheit zu geben sie sich bemühte, stütze Dich nur auf mich, wir gehören jetzt zusammen," und sie schlang den
Arm um derSchwester Taill: und hielt sie fest. Es geht zu Ende!" murmelte Böster, und der Arzt bestätigte es durch ein Kopfnicken. Immer schwächer wurde das Röcheln des Sterbenden, immer länger setzte der Athem aus; endlich wurde es ganz still. Es ist vorüber!" sagte der Arzt, drückte dem Verstorbenen die Augen zu und entfernte sich mit dem Versprechen, am nächsten Morgen wiederzukommen und den Todtenschein zu schreiben. Man ließ die Leiche im Bett, und die Schwestern gingen mit Fritz nach dem sonst unbewohnten Vorderzimmer. Es war bereits hell geworden. Laß uns jetzt einen ordentlichen Kaffee kochen, Alma, mir ist ganz flau zu Muthe," sagte Frau Böster, aber die Schwester erwiderte schnippisch: Ach, was fällt Dir ein, bei nachtschlafener Zeit Kaffee trinken." Aber es ist ja schon Morgen," mischte Fritz sich ein. Meine Frau hat recht, eine Tasse Kaffee würde uns allen gut thun." So laßt Euch zu Hause einen kochen," entgegnete Alma. Es hält Euch hier ja nichts mehr. Ich gehe wieder ins Bett." So, meinst Du, ich solle fortgehen?" fragte Rosa höhnisch, das könnte Dir wohl passen, mein Herzchen; ich wanke und' weiche nicht und lasse Dich keine Minute aus den Augen." Aber Rosa!" mahnte der Baumeister, dem dieses Betragen seiner Frau doch sehr widerwärtig war. Sie fuhr ihn an: Mische Du Dich nicht ein. Ich weiß, was ich thue. Geh nach Hause und schlaf' meinetwegen, so lange Dn willst, ich bleibe hier." Das ist eine Gemeinheit!" fuhr Alma auf die Schwester losr diese antwortete mit einem Schimpfwort, und beide geriethen in einen heftigen Zank, so daß Böster sie nur mit großer Mühe mit dem Hinweis darauf beschwichtigen konnte, was denn der Portier und das Dienstmädchen denken sollten, wenn die Schwestern eine Stunde nach des Vaters Hinscheiden sich schon in die Haare gerielhen. Er ging endlich fort, den beiden liebenswürdigen Damen es überlassend, wie sie sich auseinandersetzen wollten. X Rosa erklärte nun, sie werde sich im Hinterzimmer ein Lager zurechtmachen und dort noch ein paar Stunden schlafen, da aber schrie Alma: Du hältst mich wohl für einfältig. Im Hinterzimmer steht des Vaters Geldschrank, da verwahrt er Alles, was von Werthfachen im Hause ist, da lasse ich Dich nicht allein. Wie Du mir so ich Dir; man sucht keinen hinter dem Busch, man hätte denn selber dahinter gesteckt, und überhaupt " Was?" fuhr Rosa auf. denn das letzte Wort war in einem besonders feindseligen, anzüglichen Ton gesprochen. Die Aalpastete! Mit der Geschichte scheint es mir nicht richtig. Der Vater ist schon das vorige Mal unwohl gewesen, als er Mittags bei Dir gegessen hatte." Weil er sich da. jedesmal überfraß," erwiderte Rosa. Zu Hause gönnte er sich keinen guten Bissen war er aber anderswo, da konnte er nicht, genug kriegen, und ichwarNärrm genug,, ihn immer daS Beste vorzufetzen"' Habe mich, anch manchmrck darüber gewundert und mir meinTheil gedacht und es ist ja nun auch, sa gekonunen, sagte Alma. Frau Böster wollte auf sie losfahren, besann sich aber eines besseren; es War doch wohl klüger, diesen gefährlichen Boden zu vermeiden und sich zu stellen, alZ ob sie die Anspielungen der Schwester nicht verstehe. So bleiben wir hier!" sagte sie. den Kops in den Nacken werfend, ich, überlasse Dir daä Sopha. und werde mich mit den beideir Lehrrstühlen begnügen." Sie rückte sich die in grauleinennr Neberzügen steckenden Stühle zurecht s? daß sie ans, dem einen Pllch nahm und auf dm anderen die Füße legten Alnta machte, ti sich, so gut tä. eben gehen wollte auf dem dafür recht wenig, geeigneten (Sopha bequem, und beides versanken in Schlummer, aus dem jedoch die eine stets auffuhr, wenn es. sckjitnv alä mache die andere eine. BeweFung sich zn heben. Gleichzeitig standen sie auf. gleichzeitig gingen sie aus dem Zimmer und ließen einander keine Minute aus den Augen. Der Arzt, der bei guter Zeit am Morgen kam. nm den Todtenschein zu schreiben fand dieses innige Zusammenhalten der beiden Schwestern rührend das Dienstmädchen lachte höhnisch, m sich hinein; sie wußte es besser. . Herzlähmnng war rn dem Todten schein als Todesursache angegeben, auf Grund desselben wurde der Bestattung kein Hinderniß in den Weg gelegt und die Leiche schon am Abend nach derLeichenhalle des Apostelkirchhofs gebracht, von dem aus die Beerdigung stattfinden sollte. Auch sonst lag nirgend ein Grund für eine gerichtliche Cinmrschung vor, da die natürlichen Erbe zur Stelle und großjährig waren. (Fortsetzung folgt.)
. Moderne Dienstboten. Frau (ein neues Mädchen miethend): Haben Sie Referenzen?" Mädchen: Nein Sie?" Verschiedene Tonart. Sie: Ach. singe doch 'mal etwas. Ed gar, ich glaube. Du kannst seit unsere? Verheirathung kein Lied mehr singen!" 5r: O, liebe Frau, glaub' mir, ich kann ein Lied singen!". ' Auf der Radrennbahn. Wie machst Du es nur Bettler, daß Du fast bei jedem. Rennen .Sieger bist?" Sehr einfach, ich bilde mir ein meine Gläubiger sind mir auf den Fersen"
Für die Küche. Falsche Schildkrötensuppe. Ein gebrühter Kalbskopf wird ausgebeint, in vielem kochenden Wasser 15 Minuten gekocht, dann in kaltem Wasser abgekühlt und nun in Zoll große verschobene Vierecke geschnitten. Diese werden in eine Passende Kasserolle gethan, mit Fleischbrühe Übergossen und zwei Stunden langsam gar gekocht. Zu dieser Zeit werden ein Sellerielops, zwei gelbe Rüben, eine Zwiebel, eine PetersilienWurzel, Alles in Scheiben geschnitten, mit drei Unzen Butter und drei Eßlöffeln voll Mehl langsam geröstet, mit zwei Löffeln voll brauner Brübe und .zwei Löffeln voll Fleischbrühe aufgefüllt und mit einem halben Lorbeerblatt. etwas Thymian, zwei Gewürznelken und zehn ganzen Pfefferkörnern belegt. Der aufsteigende Schaum und das Fett wird von Zeit zu Zeit abgenommen und die Suppe nach zweistündigem Kochen mit der Kalbskopfbrühe durch ein Haarsieb getrieben, mit dem nöthigen Salze, ein wenig CayennePfeffer und einem Glas heißen Madeirawein gewürzt, dann kochend heiß über den aus feinem Sude in die Suppenschüssel gelegten Kalbskopf angerichtet, dazu kommen noch ganz kleine Klöschen, die von der Fleischbrühe gar gekocht sind. Auch können in Stücke geschnittene, harte Eier beim Anrichten dazu gegeben werden. Cliou en surprise. Mehrere von den schlechten äußeren Blättern befreite Kohlköpfe blanchirt man 20 Minuten in siedendem Salzwasser, kühlt sie ab, drückt sie gut aus und biegt nun die Blätter behutsam auseinander, damit sie nicht abbrechen, nimmt das innere Herz heraus und füllt die Qeffnung mit kleinen Würstchen. Obenauf legt man ein Stückchen Butter, biegt die Blätter wieder zusammen, umbindet den Kohl mit Bindfaden und stellt die Köpfe in ein Gefäß mit etwas kräftiger Bouillon. Man fügt eine Möhre, eine Zwiebel und ein Kräuterbündelchen hinzu und dämpft den Kohl weich. Indeß röstet man eine Schinken-, Zwiebel- und kleine Kalbfleischscheibe mit Mehl in Butter eine Viertelstunde, verkocht dies mit halb kochender Bouillon. halb siedender Sahne zu sämiger Sauce, die man mit Pfeffer würzt und durchreibt. Die Kohlköpfe werden, nachdem die Bindfaden entfernt wurden, mit dieser Sauce Übergossen und gebratene Kartoffellocken an den Seiten der Schüssel dazu angehäuft. L e b e r e l ö ß e (süddeutsch). Zwei Pfund frische Kalbsleber werden enthäutet, entsehnt und fein gehackt; auch 7 Unzen Luftspeck werden fein gehackt.
der Speck mit 4 ganzen Eiern, 2 Eigelben, 5 Eßlöffeln voll Milch, besser Rahm,, verrührt, dann gibt man die Leber, Salz und 3$ Unzen würflig geschnitten:, mit 2" fein geschnittenen Schalotten,. inButter goldgelb geröstete Semmeln,. Muskatnuß und so viel trockene Sunmelkrumen dazu, daß die Masse zusammenhält. Man thut gut, erst einen Kloß zu Probiren; er muß zusammenhalten und innen locker sein. Ist der Teig gut, so formt man mit in Mehl getauchten Händen runde Klöße wie mittelgroße Aepfel, kocht sie in siedendem gesalzenem Wasser gar und bestreut, sie mit gerösteten Semmelkrumen. Beim Kochen darf die Kasserolle nicht geschlossen sein. Ist beim Versuch, die Masse nicht gut, so fügt man je nachdem noch ein Ei oder Semmelkrumen hinzu. Auch etwas fein gehackte Petersilie oder Majoran kann mtn der Masse zufügen, und wer die Senunelwürfel. recht knusperig liebt, vermengt alles Andere und thut die Semmelwürfel kurz vor dem Formen und Kochen in die Masse. K.albshirnklößchen. Ein Kalbshirn wird in lauwarmes Wasser gelegt und sauber geputzt, alsdann mit allerhand Suppengrün, etwas Salz und so viel. Wasser, daß das Hirn davon bedeckt, ist,, auf's Feuer gegeben und einmal aufgekocht. Dann im. kalten Wasser abgekühlt und fein zerhackt. Nun mischt man etwas in Butter geschwitzte,, fein gehackte Zwiebeln und Petersilie darunter, nebst etwas in Milch eingeweichter Semmel, zwei Eier Muskatnuß und Salz. Formt kleine Klößchen daraus und bäckt sie in Butter gelb Senftnnke. Man macht Mehl braun mit guter Butter oder Fett, füllt Fleischbrühe oder Wasser und etwas Essig dazu. Nun würzt man mit Zucker, Eitronenscheiben, Kapern und Senfgurken, letztere werden in kleine Stücke geschnitten und in Wasser weich gekocht. Nachdem, man Alles gut gekocht hat. läßt rann die Tunke noch recht lange ziehen. Man kann sie zu allen Sorten Fleisch geben. Gedämpfter Hase mit Aspik. Der Hase wird, nachdem er gespickt, in eine lange, mit Speck ausgelegte Kasserolle gelegt, mit drei Zwiebeln, etwas, gelben Rüben, Petersiliemvnrzeln, Sellerie und einigen Schnitten Kalbfleisch belegt, mit zehn LorbenbläUern. zehn PfefferkZrnern, fünf Gewürznelken, etwas Neu gewurz und Ingwer gewürzt, mit einem Pint Weißwein und eben so viel Fleischbrühe begossen, gut, zugedeckt, und mit oben und unten angebrachter Gluth anderthalb Stunden gedämpft. Nun läßt man den Has'n in. , seinem Sude auskühlen und gibt ihn, . mit Aspik und Citronenscheibchen geziert, kalt zu Tische. KalbLfußsalat. Die Kalbs, süße werden in Wasser mit Salz, Zwiebel, Wurzelwerk und Gewürz weich gekocht, ausgebeint und das Fleisch in kleine Würfel oder Scheiben geschnitten. Nun mengt man das Ge schnittene mit gutem Oel, Essig, fein gehackten Schalotten oder Zwiebeln. Pfeffer und Salz. Auch etwas Sens paßt vortrefflich dazu und gibt ein Abendspeise mit neuen Kartosseln.
