Indiana Tribüne, Volume 22, Number 69, Indianapolis, Marion County, 27 November 1898 — Page 7
Das Todcsdreieck. ' ßaö) dem Ungarischen von OScar v. ZdeQcken. In einer Stadt des ungarischen Tieflandes wohnte ein junger Kaufmann mit seiner hübschen Frau. Der Kaufmann war sehr eifersüchtiger Na tur und hatte deshalb mit seinem Weibchen oft heftigen Streit, so daß er sie eines Tages wegen eines Offiziers mit dem Erschießen bedrohte. Mehrere Wochen nach dieser zur allgemeinen Kenntniß gelangten Drohung kam eines Tages um das Morgengrauen der in der Provinz wohnhafte Vater der jungen Frau mit dem Schnellzuge an, rim seine Tochter zu besuchen. Von der Eisenbahnstation eilte er direkt nach der Wohnung seines Schwiegersohnes, von dem er wußte, daß dieser als Kaufmann schon früh am Morgen wach sei und seinen Geschäften nachgehe. Beim Hause anlangend, machte er indessen die Erfahrung, daß dort noch Niemand wach sei. Er wollte an der Thür pochen, allein diese gab, als er sie berührte, nach, ging fast ganz auf, so daß er ungehindert in das Vorzimmer und von dort durch die spannweit offene innere Thür in das Schlafzimmer eintreten konnte. Ein schauerlicher Anblick bot sich ihm 'dar: seine Tochter lag mit der Wäschleinc um den Hals erwürgt auf dem Boden des Zimmers, wahrend sein Schwiegersohn, als ob nichts Besonders um ihn herum geschehen wäre, unbeschädigt und tief schnarchend im Bette schlief. Auf den Lärm und das Jammern des alten Mannes kamen Leute von der Straße herbei und waren Zeugen der Scene, wie der Gatte, :nackj langer Mühe endlich erwachend, eine gute Weile gleichsam hetäubt vor sich hinstarrte uud dann, als er seine Gattin erblickte, sich schluchzend über deren Leichnam stürzte. Dennoch Hielten fast sämmtliche anwesenden Zeugen ihn allein für den Thäter dieses schauerlichen Verbrechens. Wen anders hätte man auch dafür halten sollen? Har55doch die arme, junge Frau gar keinen Feind gehabt. Jedermann hatte sie gern gesehen, und Niemanden war sie im Wege gestanden. Die Polizei kam und verhörte den Gatten. Er vermochte über den Fall keine Aufklärung zu geben, ja nicht einmal einen Verdacht gegen Jemauden auszusprechen. Den zum Erwürgen benutzten Strick erkannte der Gatte als sein Eigenthum an und gab zu. daß Abends beim Schlafengehe außer ihnen Beiden, nämlich ihm und seiner Gattin, im ganzen Hause Niemand anwesend war, und daß er selbst der Magd gestattet hatte, die zanze Nacht auszubleiben. Die Polizei verHaftete den Kaufmann und überführte ihn nach kurzem Verhöre als Untersuchungsgefangenen in den Kerker. Er leugnete nlles, tras auf die mörderische That Bezug hatte, nnd empfand über die Ermordung seiner Frau einen so wahren und tiefen Schmerz, daß man an seiner Schuld zu zweifeln begann. Eines Tages bat er den Gefangenhaus - Inspektor, er möge ihn rasch nor den Untersuchungsrichter führen, denn er habe diesem eine wichtige Mittheiluag zu machen. Seine Bitte rourre erfüllt. Vor dem UntersuchungZrichter gab er dem Wunsche Ausdruck, daß er das, was er nun erzählen werde, weder zu Protokoll nehme, noch es eine gewisse Zeit hindurch irgend Jemandem wiedererzähle, denn sonst laufe man Gefahr, die Wahrheit nicht aufhellen zu können und den Thäter, ehe man ihn fassen konnte, entkommen zu lassen. .Hegen Sie gegen Jemanden Verdacht?" fragte dieser. Ja, obwohl ich gar keine Beweise habe." .Und wen verdächtigen Sie?" .Meine, erste Frau.' .Wie? Sie hatten also noch eine andere Frau? Wann ließen Sie sich von Ihrer ersten Frau scheiden?" Wir waren nach heidnischem Glauben getraut und haben uns daher einfach verlassen." .Nach heidnischem Glauben? In welchem Welttheile lebten Sie denn früher?" Hier in Ungarn Ah. Herr, dann war sie eigentlich aar nicht Ihre gesetzliche Frau!?" .Ja doch! Wenigstens hielten die Frau und ihre Familie unsere Ehe für ganz gesetzlich, denn wir waren streng nach ihren religiösen Satzungen getraut worden." .Das ist unmöglich! Ich kenne eine solche heidnische Religion hier in Ungarn nicht." .Und es verhält' sich dennoch so! Damit Sie mich aber völlig verstehen, erlauben Sie, daß ich Ihnen vorher in Kürze, meine Lebensgeschichte erzähle." .Sehr gern." .Ich war kaum 18 Jahre alt, als ich mit meinem Vater hart zusammenaerieth. Er prügelte mich durch, und ich stach nach ihm. Er zeigte mich bei der Polizei an, allein bevor mir noch die Vorladung .zugestellt werden konnte.- entfloh ich.' Ich wurde ein Wanderbursche, fand auch einen Gefährten, mit dem ich unterwegs Bekanntschaft gemacht hatte. Er war früher Sträfling gewesen. Am Waldesrande hielten wir Rast, während derselben stürzte er sich über mich, schlug mich mit seinem Knüppel nieder und raubte mich au-. Es war schon Nacht, als ich aus meiner Betäubung erwachte.' Ich schaute umher und bemerkte zu meiner unaussprechlichen Freude den Schein eines entfernten Feuers durch das dunkle Laub des Waldes durch-
Ah. Feuer!" rief ich. ' .Wo Feuer I Pi . . m p i ? in, oft gx es aucy leoenve oezen, oorr sind Menschen!" ; .. AIs ich mlch dem Feuer schon ziemlich genähert hatte,, wurde ch plötzlich
von Jemandem ergrissen, und alsbald umgaben mich dreißig bis vierzig dunkle Gestalten, die mit einander beriethen, was sie mit mir beginnen sollten? Der Eine wünschte, daß ich getödtet werde, der Andere widersetzte sich. Endlich näherte sich mir eine riesiege, robuste, schwarze Gestalt mit den Worten: .Ei, was macht Ihr denn so viele Umschweife mit him! Er sterbe!" Dann sah ich, daß der Mann ein großes, blinkendes Messer in der Hand hielt, welches er gegen meine Brust zückte. In diesem Augenblick sprang ein: viel kleinere Gestalt vor ihn hin und erfaßte die mordbereite Hand. .Halte ein! .Ich löse ihn aus." .Du lösest ihn aus? Womit?" .Wenn es sein muß. selbst mit meinem Leben! Er gehört mir. Schau, welch' kleine, weiße Hand er hat. Das ist vornehmer Leute Kind, der kann vielleicht gar auch lesen und schreiben; er wird unS noch von Nutzen sein." Ich wandte meinen Blick meinem Retter zu. Ein sechzehn- bis siebzehnZähriges schönes Mädchen stand vor, mir, welches seine großen, strahlenden, schwarzen Augen auf wundersame Weise auf mich heftete. Sie war eine vollendete afrikanische Schönheit mit biegsamer, schlanker Gestalt und üppigen rothen Lippen. Ihre großen schwarzen Augen strahlten mir gleich kostbaren Karfunkein entgegen. Ihr Lächeln, reizte, verlockte', zündete und tödtete, besonders wenn sie ihre herrlichen Perlenzähne sehen ließ. Ihre Bewegungen waren anmuthig und hinreißend, im Tanze bewegte sie ihre kleinen Füße nach dem Rhythmus. Ihre schlanke Gestalt war elastisch und voll. Ihre Lippen brannten wie zündendes Feuer und waren dabei süß. wie getropfter Honig. Mit einem Worte, sie war eine vollendete Schönheit, und in ihrer Gesellschaft vergaß ich alsbald meine ausgestandenen Leiden. Ich war mkx wandernde wallachische Zigeuner gelangt, und um meiner ReUerin. der schönen Zigeunerin willen. trat ich in die Bande ein. Dieser That folge alsbald die Feier meiner Hochzeit mit dem Zigeunermädchen, bei welcher Gelegenheit ich schwören mußte, weder die Karawane, noch meine Frau jemals zu verlassen. Run begann ein eigenthümliches Leben. welches seine eigenartigen Freuden und Betrübnisse, seine Glanzund Schattenseiten hatte. Ich konnte thun, was ich wollte, und gewann über die ganze Gesellschaft durch meinen Verstand und durch meine GeschicklichZeit eine große Autorität. Wir wanderten von Dorf zu Dorf, von Gegend zu Gegend. Wir durchstreiften das ungarische Tiefland, das Banat. Siebenbürgen, die Moldau, die Wallache:, nnd kamen dann über Bukowina und Galizien wieder nach Ungarn zurück. Ein wenig, arbeiteten wir, hebten aber mehr noch von Betrug und Diebstahl, bis man uns bei einem bedeutenderen Raubanfall auseinandersprengte. Wir fielen auseinander, gleich einem Bund Stroh, und seither begegnete ich weder dem Zigeunerwcibe. noch einem anderen Mitgliede der Bande. Ich suchte auch die Begegnung nicht; ich freute mich vielmehr bei dem Gedanken, daß sie mich für ein Opfer der Verfolgung und für todt hielten. Ich stand wieder allem, bloß und ledig ohne alle Stütze da; ich wußte nicht, was zu beginnen, wen nun um Rath zu fragen. So gelangte ich nach Budapest und strich dort nachdenklich die Straßen auf und ab, als ein alter Mann von ehrwürdigem Aeußeren an mir vorbeischritt und mich auf einmal scharf und forschend anblickte. De? alte Herr wandte sich -um, ging zwei-, dreimal an mir vorbei, blieb dann endlich vor mir stehen und rief mich bei meinem Namen. Ich zuckte zusammen. Diese Stimme war mir so bekannt! .Bist Du es wirklich, mein lieber Neffe?" sprach er dann freundlich zu mir. Nun erkannte ich ihn auch. Es war mein Onkel. .Ja, ich bin es!" antwortete ich. .Weißt Du, daß Dein Vater gestorben ist? Du brachtest ihn in's Grab; doch ich will Dir keine Vorwürfe machen. Er hat mich mit der Vollstreckung seines Testamentes betraut. Den bösen Sohn hat er enterbt, aber den guten, den wiedergekehrten hat er angeordnet, in den Besitz seiner Habe zu' setzen. Willst Du dies sein, mein Sohn?" ' .Ich will es." .Kehrst Du in das alte Haus Deiner Eltern zurück?" : .Ich kehre zurück." .Wirst Du gut, gehorsam und folgsam sein?" .Ich werde es sein.".So wahr Dir Gott helfe?" .So wahr mir Gott helfe!" .Amen. Der Himmel erhöre Dich. Er muß Dich erhören, denn es steht geschrieben, daß ein reuiger Sünder mehr werth ist als neunundneunzig Gerechte." Mein Onkel brachte mich nachHause, ich übernahm das Vermögen meines Vaters und wurde Kaufmann. Den übrigen Verlauf meines Lebens halte ich für unnöthig zu erzählen, denn dieser war schon völlig öffentlich, und Sie kennen ihn ja ohnehin. .Ich kenne ihn!. Doch woraus schöpfen Sie den Vcrdacht. daß Ihre erste Frau, odcr vielmehr die Zigeunerin, den Mord begangen hat?" .Aus dem Umstände, daß meine Frau tags zuöct von einer fremden Zigeunerin Tabak für mich gekauft hat und ich, als ich am Abend von demselben rauchte, alsbald so schläfrig, wurde, daß ich mich zu Bette legen mußte und die ganze Nacht hindurch in so tiefem Schlafe lag. daß ich selbst
bei dem Geräusche des Kampfes nicht zu erwachen vermochte; ja selbst noch am Morgen, als man mich erweckte, außer Stande war, mich von meiner Betäubung zu erholen." .Ist noch etwas von dem Tabak übrig?" . .Es muß noch ein ganzes Sieb voll auf dem Kasten stehen." Der Untersuchungsrichter schickte sofort nach dem Tabak. Als man ihm denselben brachte, ließ er znxi Sträflinge von demselben je eine Pfeife rauchen. Nachdem diese ihre Pfeifen ausgeraucht hatten, empfänden sie alsbald jene Schläfrigkeit und schliefen so tief ein, daß man sie bis zum nächsten Morgen nicht zu erwecken vermochte. Der Kaufmann wurde sofort auf freien Fuß gesetzt. .Nun aber müssen Sie mir beistehen, den wahren Thäter ehestens dingfest zu machen," sagte der Untersuchungsrichter. .denn Sie kennen ja die Leute am besten." .Seien Sie beruhigt, mein Herr, ich werde alles daran setzen. Es steht ja auch in meinem Interesse; auf meinem Namen, soll nicht einmal die Spur des Mordverdachts haften bleiben. Um mich aber umsomehr zu vergewissern, .ob wir auf der richtigen Fährte sind, muß ich so rasch als möglich alles in meinem Hause untersuchen, denn das Rachezeichen der Bande muß dort irgendwo auf dem Schauplatze der Mordthat aufaezeichnet sein." .Wie sieht das Zeichen aus?" .Es ist zwei einander mit den Spitzen gegenüberstehenden Dreiecken ähnlich." .Gehen wir zusammen. Auch ich werde es suchen." Im Hause angelangt, brauchten sie gar nicht lange zu suchen; es war mit Kreide mit starken Strichen neben dem Bette der ermordeten Frau auf die Seitenfläche des Eisenosens aufgezeichnet.' .Nun ist mein Verdacht begründet." .Nehmen Sie Polizei mit sich und suchen Sie in der ganzen Gegend, Sie können vielleicht noch in der Nähe sein." .Nur vorsichtig, Herr!" flüsterte der Kaufmann. .Selbst die Wände haben überall Ohren. Mit Trommeln fängt man keine Spatzen. Diese muß man in's Netz locken. O. ich kenne meine Leute nur zu gut. Nicht hundert Polizisten wären im Stande, sie zu sin den. Diese Leute sind jetzt in anständigen Bauernkleidern oder Herrenkleidern verborgen; vielleicht gar hier in der Stadt; wir grüßen sie ohne allen Verdachts ein so gui.'s, sanftes Gesicht tragen sie'zur Schau." .Gut, ich verlasse mich in der Sache auf Sie. Erfinden Sie zu dem Verderben der Mörder irgend eine geschickt aufstellbare Falle." .Ich werde darüber nachdenken. Wollen Sie gefälligst morgen früh einige Geheimpolizisten zu mir schicken?" .Wie es Ihnen beliebt!" Damit schieden sie von einander. Der Kaufmann blieb, und der Untersuchungsrichter ging nach Hause. Am nächsten Morgen eilte er mit einem GeHeimpolizisten in das Haus. Die Thür stand offen. Sie traten in das Zimmer. Der Kaufmann lag todt auf dem Erdboden. An seinem Halse war der dünne Strick, mit welchem er erwürgt worden war, fest zugeschnürt. Bei seinem Kopfe war auf dem Erdboden die Zeichnung zweier, mit den Spitzen gegen einander gerichteter Dreiecke sichtbar. Die Untersuchung wurde sofort eingeleitet. Eine wallachische Zigeunerbande war in der ganzen Umgebung nicht aufzufinden. Die Polizei vermochte weder in der Stadt, noch in der ganzen Umgebung auch nur ein einziges Individuum zu entdecken. Der ganze Fall blieb ein ewiges Räthsel. Der Falter. Zur Rose sprach die Tulpe : .O sieh, wie bin ich schön Wie sind meine bunten Blüthen So prächtig anzuseh'n!" .O" sprach die Rose'- .du Stolze! Du prahle nur immer zu. Sieh mich, wie herrlich ich blühe Bin doch noch schöner als du!" So stritten sie lang und heftig. Dann kamen sie überein, Es sollte zwischen Beiden Der Falter Richter sein. Der wiegte sich leis' um die Tulpe Und den blühenden Rosenstrauch Küßte schweigend die rothe Rose Und die Tulpe küßte er auch. Moderne Plage. Frau (im Eisenbahncoupe plötzlich aufspringend): .Um Gottes willen, Rudolf, wir haben etwas vergessen!" Mann: .Was denn?" Frau: .Bon der letzten' Station, auf, der wir ausgestiegen sind, haben wir keine Ansichtspostkarten nach Hause geschickt!" : Verrathen. Hans: .Sag 'mal, Tante, warum küßt' Dich denn mein großer Bruder so oft?" Dame: Weil ich bald Deine Schwägerin werde, kleiner Mann." Hans: .Soooo . . . dann wird die Käthi wohl auch bald meine Schwägerin ?" Kasernenhofblüthe.
Wachtmeister (zum Einjährigen): .Wissen Sie, so em einundzwanzigjah j riger Einjähriger hat einem vierzig-' jährigen Zwanzigjährigen gar nichts zu sagen!" . Harmlos. .Aber, Ilse, der Referendar hat Dich vorhin im Garten geküßt!" .Nicht wahr? Mir kam'S auch gleich so vor."
Vestaberglaube. Von j:her hat der Unverstand der Menge Krankheit und Tod, die Jeder für den eigenen Leib zu fürchten hat, mit bangem Aberglauben umgeben. Die Angst vor der drohenden Lebensgefahr und die aus der Unkenntniß der lÄrundursachen hervorgehende Rathloi'zkeit brachten die Menschen stets dahin. zu den sonderbarsten Mitteln Zuflucht zu nehmen und den vermutheten feindlichen Kräften, die die Furcht zu unheimlichen Schreckgestalten macht, mit von kindischen Vorurtheilen dictirten Recepten beikommen zu wollen. Dabei ist der Glaube an die Wirksamkeit solcher Mittel gemeiniglich so stark, daß keine gegentheilige Erfahrung ihn zu erschüttern vermag und jie wissenschaftliche Erkenntniß oft ohnmächtig dagegen ankämpft. Dies zeigt vor Allem, wenn durch eine drohende Epidemie mehr als gewöhnlich die Todesfurcht erregt wird. Abergläubische Dummheit ist es in solchen Zeiten, welche der Seuche den Weg ebnet, indem sie alle Mahnungen der Wissenfchaft zu ihrem eigenen Unheil mit Füßen tritt. Sie hat mehr Vertrauen zu einem Altenweibermittel, als zu den Rathschlägen der Berufenen, und oft ist sie dreist genug, sich über deren Maßregeln ein Urtheil anzumaßen und ihnen direct zu widerstreben. Die entsetzlichste Epidemie, von der dic Welt heimgesucht war und ist, wird die Pest genannt; sie ist auch die älteste der Seuchen, von denen wir Kenntniß haben, und darum darf es uns nicht wundern, daß gerade sie am meisten von Aberglauben umgeben ist und daß sie eine Geschichte hat' voll der traurigsten Documente menschlichen Unverstandes. In der Zeit deS Kaisers Octavianus glaubte man die Kranken von der Pest zu heilen, wenn man sie in Gegenden brachte, wo Wein gebaut wurde; zu einer anderen Zeit wollte man in den menschlichen Ausscheidungen ein Mittel gegen die Seuche entdeckt haben, und bald darauf verwendete man als HeilMittel Wein und Oel. Im Jahre 1451 sollten lebendige Frösche, auf die Pestgeschwllre aufgelegt, die Krankheit .heilen. während im 17. Jahrhunderte den Tabakblättern diese Eigenschaft zugeschrieben wurde. In Florenz trank man verschiedene Arten von Gift, um sich von der Krankheit zu befreien, dagegen glaubte man in derselben Zeit in Frankreich, daß die Seuche dem Geruche von geräucherten Pickelhäringen nicht widerstehen . könne. Auch in Deutschland practic!rte man unterschiedliche Mittel, von denen man glaubte, daß sie vor der Krankheit bewahren. Die Einen ließen sich in einanderverschlungene Buchstaben, deren Bedeutung sie selbst nicht verstanden, auf Papier oder Pergament schreiben und klebten dieses an die Zimmerthür oder sie trugen solche Buchstaben, aus Silber gemacht, um den Hals, Andere machten sich zu dem gleichen Zwecke Amulette, indem sie Schlangen, Scorpione u.dgl. in Edelstein, graben ließen, oder sie trugen Bezoarsteine, Hyacinthe und Smaragden, denen heilende Zauberkraft zugeschrieben wurde. Aermere trugen Wmzeln von Herbstzeitlosen auf der Brust oder sie hingen Büschel von weißer Schafgarbe vor dem Fenster oder Zwiebel und Knoblauch an der Zimmerdecke auf. Ein Quacksalber des 16. Jahrhunderts verordnete, Zetteln" aus Arsenik um den Hals zu tragen, und einer seiner würdigen Ar?üsgenossen behauptete, daß Quecksilber, in einem Federkiel oder in einer leeren Nußschale eingeschlossen, am Leibe getragen, heilsame Wirkung übe; Andere aber empfählen, jeden Morgen die sieben Pulsädern der Schläfen, die Hände, Fußsohlen, Knöchel und die linke Brust über dem Herzen mit Bernstein zu reiben, bis dieser warm geworden. So war nicht nur bei der Wahl der Arcana, sondern auch bei jener der Schutzmittel der Aberglaube äußerst erfinderisch und wußte Tausende zu beeinflussen, die vernünftiger Lehre nicht zugänglich gewesen wären. In die Irrthümer theilen sich alle Zeiten und Völker. Hippokrates soll einen Wald angezündet haben, um Athen von der Pest zu befreien, und im 16. Jahrhunderte glaubte man, daß der Gestank eines Ziegenbockes vor der Pest schütze, wie der italienische Arzt Mercurialis berichtet, welcher den ungarischen Kanzler in solcher Gesellschaft antraf. Der Gestank sollte überhaupt die Eigenschaft besitzen, das Pestilenzgift unschädlich zu machen und die Gefahr der Ansteckung zu beseitigen, weßhalb man auch Hühnerklauen anzündete oder die Nase über .öffentliche Heimlichkeiten" hielt, um sich vor Contagien zu feien. Hie und da zündete man in Pestzeiten auf öffentlichen Plätzen zweimal des Tages große Feuer an und die Wohnungen liebte man mit allerlei Gewürz- und Kräuterdllften. namentlich a6er mit Schwefel auszuräuchern; ja, man verkaufte in den Apotheken eigene Rauchpulver in dreierlei Qualitäten, in deren prophylaktische Vorzüge man festes Vertrauen hatte; oder man fabricirte sich felbstRäucher-Essig mit den abenteuerlichsten Ingredienzien und besprengte damit nicht nur die Zimmer, sondern wusch sich auch den Mund und öestrich die Pulsadern oder man trug ' einen kleinen, mit solchem Essig benetzten Schwamm zum Riechen bei sich. Auch auf die Diät erstreckte sich die Fürsorge des Aberglaubens: man vermied es. Masservöael zu effen. sotot Schweinefleisch, .feuchte" Früchte, weiche" Fische, 'das kißt solche, die nicht in steinigen Gewässern gefangen waren, und gedörrte Fische. Als besonders ungesund galten Schafs- und Kalbsköpfe, obwohl gerade diese den Leuten hätten sehr sympathisch sein müssen. Als Trank wählten die Reicheren. gesottenes Wasser mit etwas
Zimmt, Citronen und gebranntem Hirschhorn, während den Armen reines Brunnenwasser vergönnt war. Die Entstehung der Seuche, sowie ihre Verbreitung wurde selbstverständlich nicht auf die natürlichen Ursachen zurückgeführt; man erzählte sich vielmehr die schauerlichsten Dinge über ihren Ursprung und witterte hinter der Uebertragung der Jnfection die Frevelthaten geheimer Verschwörer. So kam es, daß die meisten fatalistisch resignirt die Krankheit erwarteten und die Belehrungen der Aerzte -und Behörden vernachlässigt wurden. Livius erzählt, daß in Rom im 4. Jahrhundert vor Christi einige Weiber einen Zaubertrank gebraut und damit Wasser und Lust vergiftet hätten, worauf Tausende von Menschen gestarben wären; erst, als die Magd, welche das Gift gekocht, die Unthat gestanden und die Verbrecherinnen gezwungen worden, es selbst zu trinken, habe das Sterben aufgehört. Im Jahre 1540 wurden zu Frankenstein in Schlesien zwei Todtengräber, ihre Weiber ' und Knechte und ein Bettler angeklagt, zweierlei Pulver zubereitet und damit die Pest verursacht zu haben, und zu gleicher Zeit soll in Cassel eine Bande von 40 Manns- und Weibspersonen, unter denen auch der Freimann war, die Thürschnallen mit einer Salbe bestrichen Habens welche pestkrank machte. Anderswo erzählte man, daß frevelnde Mordbuben auf offener Gasse den Leuten Pestpulver auf die Kleider streuen oder zu nachtschlafender Zeit verspäteten Wänderern den Giftstoff mit Lanzetten einimpfen. Ein anderes Mal soll es in der Form von wohlriechender Seife verkauft worden oder aus vergiftetem Brunnenwasser entstanden sein, was zu wiederholten Malen zu Judenverfolgungen Anlaß bot. Eine Schauergeschichte berichtete von der großen Pest in Polen im Jahre 1572, daß dic meisten Krankheitsfälle im Umkreise jener Kirche in Lemberg vorfielen, wo vor Kurzem einWeib bestattet worden war, das im Gerüche der Zauberei stand; da sei ihr Leichnam ausgegraben, aber ganz nackt gefunden worden, weil die Todte ihre Kleider selbst aufgefressen, wovon sie noch Stücke im Munde gehabt habe; darum sei der Leiche mit einer scharfen Schaufel der Kopf abgestoßen und sie wieder mit Erde bedeckt worden und die Seuche habe dann aufgehört. Als eine häufige Ursache der Erkrankung betrachtete man plötzlichen Schrecken. Wer unvorbereitet einen Pestleichnam vorübertragen 'sah oder in ein Haus blickte, in dem der schwarze Tod gehaust, fiel nach dem Glauben der Leute leicht in die Krankheit und war dann verloren, weil sie gerade bei Schrecken in besonders heftigem Grade auftrat. Ein Schriftsteller erzählte, wie im Jahre 1635 zu Frankfurt am Main zur Pestzeit drei Cumpane beim Zcchtische saßen, von denen einer im. Scherze sagte: .Sehet, da werf' ich' Euch ein Pestilenz an das Ohr", und zum Zweiten: .Da habt Ihr eine ganze Hand voll Pestilenz", worauf Jener sofort die Pest an den Ohren, dieser aber Pestblattern cm ganzen Leibe bekommen habe. Die Furcht vor dem Pestgiste war so stark, daß man sich sogar einbildete, man könne es sehen. Im Jahre 1574, berichtet ein Pestbüchlein. sei zu Freiburg die Wohnung des Thürmers, der mit all' den Seinen im Jahre vorher an der Pest verstorben war, gereinigt worden und dabei hinter dem Hausrathe, den man herunterwarf, eine blaue Wolke hergezogen ; ein Bürger, der zusah, erschrak darüber und erkrankte sogleich an der Pest. Auch in Weimar sah man, als eine Kiste in einem durch zwei Jahre verschlossenen Hause, das von der Seuche verödet worden war, geöffnet wurde, einen blauen Dunst aufsteigen und die Pest trat mit erneuter Heftigkeit wieder auf. Als das beste Desinfectionsmittel wurde der Essig gepriesen, darum waren (such an den Pestcordons Becken mit Essig aufgestellt, in welchem die Gegenstände gewaschen wurden, die aus verseuchten Gegenden herrührten. Nicht Alle waren, der Meinung der Menge nach, gleich sehr der Krankheit ausgesetzt. Junge Leute und Frauen, andererseits auch wieder starkbeleibte Männer, ferner jene Personen, die von .trockener und hitziger Natur" waren oder die große Schweißporen hatten, waren dem Uebel besonders zugänglich. Auch schien es sehr gefährlich, nüchtern auf die Straße zu gehen, weil der leere Magen gern das Gift an sich zöge. Dagegen hielt man Kürschner, Gerber, Schuhmacher, Kässtecher, Nachtführer (d. i. Canalräumer), Krankenwärter, Todtengräber für mehr immun, weil sie an üblen Geruch gewöhnt seien. Denn das Pestilenzgift, wenn es gereift war, verrieth sich durch den Geruch; doch kannte man auch an anderen Zeichen, daß die Luft verpestet sei, z. B. wenn die Hunde und Hühner den Morgenthau nicht trinken wollten oder Rinder und Schafe daran erkrankten; wenn die- Vögel, die sich sonst in der Ebene aufhielten, ihre Jungen verließen und in's Gebirge oder in andere Länder zogen; wenn das Wass.'r, das über Namt Zm Freien gestanden, eine bläuliche oder gelbliche Färbung annahm, das neugebackene Brod, in Stücke zerschnitten, in der Nachtluft blau und schimmelig oder Wände, Kleider und Bettgewand in den oberen Stockwerken feucht wurden. Natürlich gab es auch unzählige Hausmittel, denen man unbedingt heilsame Kraft'zuschrieb, obwohl Niemand hätte sagen können, wann sie sich tU gentlich bewährt und in welchem Zusammenhange ihreEigenschaften zu der Krankheit ständen, die sie bekämpfen sollten. ßä galt als Präservativ gegen die Pest,' vor dem Ausgehen ein Stück Brod mit gesalzener Butter und einige Weinrautenblätter au essen; LLach-
holderbeeren oder Lorbeer in Essig ge beizt, Knoblauch-Kraut oder Baldrian, zu Pulver zerstoßen, Ringelwurz. Enzian und andere Kräuter zerkaut oder ,in Wein oder Bier eingenommen, roher Schwefel auf einem gesottenen Ei, München" und Citronenschalen wurden eifrig gebraucht und Jeder fühlte sich dadurch vollkommen gesichert. Auch kaufte man Pulver, aus getrockneten Schlangen gemacht, und ScorpionOel, obwohl die .Quacksalber", .Marktschreier", ' .Platzaufschneider" und .Prahler", die Dergleichen feilhielten, mit dem Galeerenzwange, ja mit der Todesstrafe bedroht- waren. Den an der Pest Gestorbenen pflegte man eine Schnitte gebähten oder in heißes Wasser getauchten Vrodes auf den Mund zu legen, damit die giftige Ausdünstung aufgefangen werde, oder man stellte zu dem gleichen Zwecke ein Schaff warmen Wassers zum Todtenlager. Freilich war am Anfange des vorigen Jahrhunderts die medicinische Wissenschaft selbst noch wenig vorgeschritten und bediente sich mitunter recht naiver Mittel, dic von den abergläubischen Practiken der Laien nicht eben weit entfernt waren. Fand man es doch für nöthig, in der Jnfectionsordnung der Aerzte darüber zu belehren, wie rothe Pestflecken von Flohbissen zu unterscheiden seien. Aber wenn die Wissenschaft auch nicht im Stande war, die rettende Arznei zu finden, so leistete sie doch für die Menschheit Ersprießliches, indem sie Mittel angab, um der Verbreitung der Jnfection Einhalt zu thun und durch das Verbessern der sanitären Zustände im Allgemeinen der Seuche den Boden zu entziehen. So gelang es 1713. als die Pest zum letzten Male in Wien wüthete, die Zahl ihrer Opfer auf 8664 zu beschränken, während 1679 die furchtbare Krankheit nicht weniger als 122.849 Personen hinweggerafst hatte. . Seither hat gerade auf dem Gebiete der Prophylaxis und der Desinfection dieArzneiwissenschaft viel hinzugelernt, und sie weiß heute, daß es in Epidemiezeiten ihre Aufgabe ist, gleich im Beginne mit den energischesten Maßregeln zuzugreifen. Darum kann auch die Gegenwart den Gefahren einer Epidemie mit weit weniger Besorgniß entgegensehen, ja sie darf die Hoffnung hegen, daß die Krankheit in ihren ersten Aeußerungen erstickt wird. Gegen einen Aberglauben hat allerdings die Wissenschaft auch heute wieder anzukämpfen, gegen jenen, der an der Autorität der Aerzte zweifelt. Und dieser Aberglaube wird in der Gegenwart ünd leider nicht nur durch die Dummheit genährt, die zu allen Zeiten lebt, sondern auch durch die dreiste Anmaßung der unfähigsten und unberufensten Leute, die es besser verstehen wollen als die Fachmänner, die langjährige, mühevolle und aufopfernde Arbeit dem Studium der Krankheit gewidmet haben. Der Joyannitcrorden. Die dieser Tage im Beisein des deutschen Kaisers eingeweihte Erlöserkirche in Jerusalem ist auf der Stelle errichtet, wo sich einst die Johanniterkirche Santa Maria Latina und das Johanniterhospiial erhoben. Von hier ging dic Wirksamkeit dieser mächtigen Ordensgenossenschaft aus, die Jahrhunderte lang bestand und einstmals gewaltige Macht besaß. Um die Mitte des elften Jahrhunderts, als der sehnsüchtige Drang nach den heiligen Stätten die Christenheit durchglühte, übernahm Gerhard Tum, ein frommer Mann aus der Provence, die Leitung eines Hospizes in Jerusalem, das der Pflege und Aufnahme von Pilgern dienen sollte; es war Johannis dem Täufer geweiht. Die Unsicherheit für Leib und Leben, der die Pilger damals ausgesetzt waren, erweckte den Gedanken, ihnen auch dagegen durch Schutzwachen Beistand zu gewähren, und so schuf der damals herrschende Geist im Anschluß an das Hospiz den ritterlichen Orden Sankt Johannis des Täufers mit festen vom Papst genehmigten Satzungen und Gelübden. Tapfer kämpften feine Angehörigen in den unaufhörlichen Kriegen mit den Mohamedanern, aber nicht lange blieb Jerusalem in den Händen der Christen. 1187 ging es in Saladins Hände über, und als 1270 auch der letzte Stützpunkt der Christen in Syrien, Ptolemais, nach furchtbarem Blutbade verloren ging, wandten sich die wenigen Johanniter. die nicht umgekommen waren, nach . der Insel Cypern. Allmählich erstarkte der Orden wie--der und suchte anderwärts festern Fuß zu fassen, wo er seinen Zwecken mehr dienen konnte als hier. Im Jahre 1310 gelang es' ihm die Insel Rhodos mit bewaffneter Hand dem griechischen Kaiser Andronikos II. Komnenus zu entreißen. Nun begann seine glänzendste Zeit, als er dem Christenthum durch seinen heroischen Widerstand gegen die immer weiter dringende Macht des Osmanenthums einen unvergeßlichen Dienst leistete. Er schuf sogar eine bedeutende Seemacht und ward der Schrecken der Türken. Bei der Aufhebung des Templerordens wurde vom Papst Clemens V. den Johannilern' em großer Theil von dessen Besitzungen zugesprochen. Ueber das ganze Abendland erstreckten sich seine Commenden. 1522 zog Sultan Soliman II. mit gewaltiger Flotte und großem Landheer vor Rhodos. Fünf Monate dauerte die Belagerung, zahlreiche Stürme wurden abgeschlagen, endlich muß.'e der Großmeister Villiers de l'Jsle Adam, da er keine Unterstützung erhielt, aus Mangel an Lebensmitteln die Festung und Insel den Ungläubigen übergeben. Noch heute erinnern Thürme, Bastionen und Wohnhäuser, mit Wappen7childern ge-
schmückt, an des Ordens größte Zeit. Am 1. Januar 1523 verließ dieOrdensflotte mit den Rittern und Tausenden von Bewohnern, die ihren. Beschützern freiwillig folgten, die Insel und wandte sich zuerst nach Kandia dann nach Messina, von hier durch die Pest vertrieben, nach . der Küste "von Bajä, wo der Orden vorläufig eine Zuflucht fand. Dem Papste Clemens VII.: der als Julius von Medici Mitglied des Ordens und Prior von Capua gewesen war, gelang es, von Karl V. für den Orden die Belehnung mit den Inseln Malta und Gozo, sowie der Stadt Tripolis zu erwirken. Der Kaiser, oft von den Türken hart bedrängt, wußte, daß er sich damit ein starkes Bollwerk schuf. Malta, bisher zu Spanien gehörig, ' nahm nun vom 12. November 1530 den Orden auf. und kaum hatten die Ritter Zeit gehabt, das unbedeutende Kastell San Angela genügend zu verstärken, da begannen auch schon die Angriffe der Türken.. 1505 erfolgte die dritte größte Belagerung Maltas, die durch die heldenmüthige Vertheidigung unter dem Großmeister Johann de la Valette ewig denkwürdig geworden ist. Nach vier Monaten unglaublicher Anstrengungen mußte der Belagerer abziehen, nachdem er zum. mindesten 20,000 Mann eingebüßt hatte. Im nächsten Jahre erbaute der ruhmreiche Großmeister auf der höchsten Anhöhe, die auf einer den großen Hafen westlich begrenzenden Landzunge liegt, die nach ihm benannte Hauptstatt. Noch lange bildete Malta die feste Vormauer gegen den Islam. Doch allmählich fanden Luxus und Sittenverderbniß Eingang; bei den Großmeisterwahlen kam es zu häßlichen Ränken. Als die französische Revolution ausbrach. war der Orden im Innern zerfressen und verlor in ihren Stürmen seine Selbständigkeit. Noch einmal versuchte der Orden durch Anschluß an Rußland seine Lage zu bessern. Paul I., der schon seit seiner Jugend große Vorliebe für den Orden gehabt hatte, schloß mit ihm am 15. Januar 1797 einen Vertrag, in dem die bisherigen Einkünfte des Ordens aus Gütern in Volhynien be- , deutend erhöht wurden und dort ein Großpriorat gestiftet wurde. Der Kaiser ließ sich selbst mit seinen vier Söhnen in den Orden aufnehmen, aberdas Verhänzniß ging seinen Gang, weiter. Nach des Großmeisters Rohan Tode wurde Ferdinand v. Hompesch, einer alten adeligen Familie des Niederrbeins entsvrossen. zum Großmeister gewählt. Er war ver erste Großmeister aus deutschem Blut, und nach al--ter Volksmeinung sollte der Orden Malta unter einem deutschen Großmeister verlieren. Wohl ertheilte Hompesch noch dem Kaiser Paul den Tiiel eines Protektors des Ordens, aber schon hatte Bonaparte nach dem Sturze Venedigs dem Direktorium den Vorschlag gemacht, sich Maltas zu bemächiigen. Nach dem Vertrage von CampoFormio brachte er den Plan von Neuem vor. den er dann in Verbindung mit der ägyptischen Unternehmung auszuführen gedachte. Am 9. Juni 1798 erschien BonaParte vor Malta. Hompesch hatte es bisher niemals ernstlich glauben wollen, daß Malta bedroht sei. Verthei-digungs-Anordnungen waren daher nur mangelhaft getroffen. Das Volk von Malta war im Haß gegen die Franzosen zum Widerstande bereits
aber jegliche Führung fehlte. Im Innern des Ordens brach Zwiespalt aus,, da die französischen Ritter sich zum Theil weigerten, gegen ihre Landsleute zu kämpfen. Hompesch glaubte sich, von Verräthern umgeben. Am 11Juni Mittags wurde ein Waffenstillstand für 24 .Stunden geschlossen. Eine Deputation des Ordens und von Malteser Bürgern begab sich auf das Admiralschiff. , Vonaparte empfing die Abordnung 'in schroffer Weise und setzte selbst ohne Weiteres die Conventwn , wie er die Capitulanon nannte auf, da der letztere Ausdruck in den Ohren eines einst mit Ruhm bedeckten militärischen Ordens schlecht klingen würde". Der Untergang des Ordens war besiegelt. Malta ging in französischen Besitz über, der Großmeister und die Ritter erhielten Pensionen. Wohl regten sich überall die Gemüther über die traurige Art, wie der an Kriegs rühm so reiche Orden seine Beste so ruhmlos übergeben hatte, auch Proteste wurden erlassen. Kaiser Paul schloß sich an, wurde sogar nach der Abdankung von Hompesch zum Großmeister gewählt aber alle Bemühungen, dem Orden wieder seine alte Selbstständigkeit zu verschaffen, scheiterten. Am 5. September 1800 nahmen inzwischen die Engländer Malta nach zweijähriger Belagerung ein. Der Friede von Amiens' vom 27. März 1802 bestimmte in seinem zehnten Artikel die Rückgabe von Malta an den Orden. Diese Bestimmung kam nicht zur Ausführung, und der baldwieder ausbrechende Krieg zwischen Frankreich und Enaland. der bis 1814 währte, ließ sie ganz in den Hintergründ treten. Malta blieb in englischem Besitz. Mit seiner Souveränität hatte der Johanniterorden seine Stellung und seinen eigentlichen Zweck verloren. Durchschaut. Mann: Bester Herr Doctor. was fehlt meiner Frau? Verschreiben Sie ihr das Beste und Theuerste, wenn's nur hilft!" Arzt: Dann lassen Sie ihr nur eine hübsche Arznei aus Seide bereiten!" Der gezähmte Wilde. Also Dein Gatte, der Abgeordnete, gehört im Parlament zu den Wilden?" Ja, dafür ist er aber daheim destu zahmer."
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