Indiana Tribüne, Volume 22, Number 69, Indianapolis, Marion County, 27 November 1898 — Page 6
Aic Lconyardl-Saßrt. Eiligen Laufes braust die Jsar aus 'dem Schooße des Hochgebirges hervor und durchbricht die Moränenhöhen, wo der Höhenberg im Volksmunde gewöhnlich Kalvarienberg nach' den Ireuzwegstationen geheißen in jähem Sturze zum rauschenden Flusse abfällt. Malerisch gruppirt sich zu seinen Füßen der freundliche Markt Tölz auf dem rechten Ufer mit seiner rasch zu hoher Blüthe gediegenen Tochter ZZrankenheil. dem Villenheim und Kurorte jenseits des Flusses, und durch die weite Thalspalte hindurch schweift das Auge hinüber auf die in frischem Schnee weiß schimmernde Bergkette der Riß. als deren gewaltiger Eckstein die mächtige Pyramide des Juifen sich scharf martirt. Dort in den Bergen wohnten die braunen Rhätier und ihre Flößer siedelten zu Tuliinusa (so lau tet die rhätischeRamensform fürTölz), dann beugten sie den Nacken unter dem Schwerte der Römer und Jahrhunderte später wanderten sie wieder zurück in den Schutz der Berge vor den sie verdrängenden Bajuwaren. Unvertilgbar
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Ansicht von Tölz. Haften seitdem noch zahlreiche romanische Namen, oftmals kaum kenntlich in 'der von fremder Zunge abgeschliffenen Gestalt, an den Fluren und' Bergen ringsum im Gau (Juifen zum Beispiel gleich raons Joris), und mitten unter den blondgelockten, blauäugigen Recken stößt man plötzlich auf eine geschmeidice. wenn auch, sehnige Gestalt, deren Gesichtsschnitt, Farbe und Haar an die .Bewohner des Apennin erinnern. Weit und breit berühmt ist die sögenannte Leonhardi - Fahrt, welche alljährlich am 6. November, dem Kalendertag des hl. Leonhard, in Tölz stattfindet. Vierzig bis fünfzig Wagen bilden den Zug, ein jeder ist mit vier Pferden bespannt und von zwei bis vier, häufig jugendlichen Reitern begleitet. Das eigentliche Festgefährt bildet die 2e onhardi - Truhe", ein Wagen, dessen Gestalt auffallend der Form eines aus einem Baumstamm gehöhlten Schiffes gleicht. Gleichsam als Steuermann Wagen mit Sennhütte. 'regiert die Bremse am Hintertheil des Wagens ein Knecht, der nebenbei auch 'die schönen Insassinnen des Wagens galant zu bedienen, die Leiter zum Auf- und Absteigen anzulehnen hat und davon den wohlklingenden Titel .Brettlhupfer" empfängt. Die Grundfärbe der alten Truhen ist blau wie 'das Gewölbe des' Himmels, welcher Umstand jedenfalls auf die Vorliebe 'des bayerischen Stammes für diese Farbe zurückzuführen ist. Gemälde aller Art zieren die Bordwände, Bug und Spiegel; bald sind es Blumengewinde, bald Darstellungen bäuerlicher Hantirung oder Heiligenbilder, von poetischen Sprüchen eingefaßt. Den Bug schmückt meistens der heilige Leonhard, aber nicht in ganzer Figur, sondern als Brustbild. Ebenso -wie die Truhe" wird das 'Geschirr, das die Rosse tragen, ausschließlich an diesem Festtage in VerWendung genommen; spiegelblank glänzt das Messing der Scheiben und Wagen mit Mädchen. 'des sonstigen Metallzcerrathes, der in seinen Formen mit ausfallender Aehnlichkeit den nämlichen Schmuckstücken aus prähistorischen Gräbern gleicht. Zum Aufputz der stolzen Thiere werden mit Vorliebe Sträuße und Zweige von Buchs und rothe Bänder verwendet, in-den Schöpf, die Mähne, in summet und Lederzeug eingeflochten. Die Truhen" sind meist Eigenthum eines Vollbauern, eines Hofbauern, und gehören ebenso irre Wald und Weide zum Hofe. Außer ihnen erscheinen noch viele andere Wagen, von ganzen Gemeinden gestellt. Diese schmückt Tannen- und Buchsgezweig, in zierliche Bogen, Kränze und Figu?en geformt; der eine oder der andere Wagen bringt außerdem manche besondere Schaustellung, zum Beispiel das getreue Eonterfei der LeonhardiKapelle oder einer Sennhütte mit Senn und butternder Almerin nebst den hindern, die beim Aufstieg zur Alm fromm vor einem Feldkreuze die AnLcht verrichten. Den Zug, Um Ui
Herold mit dem Qrtsbanner voranrei tet, eröffnen die Kaleschen der Geistlichkeit -und des Magistrates. Die jetzige Ordnung, die, seit beiläufig vier Jahrzehnten strenge . geregelt, von Obrigkeits wegen gehandhabt wird, ist erst eine Einführung seitens eines Pfarrherrn, denn früher fuhr jeder Bauer ganz nach seinem Belieben zum Gottesdienste heran und um die Kapelle herum.
Leonhardi -Truhe mit Knaben. Uebrigens sei besonders hervorgehoben, daß es für den Hofbesitzer als Ehrenpflicht gilt, den von seinem Gehöfte gestellten Wagen in eigener Person vom Sattel aus zu lenken da kann man auch einen ergrauten Veteranen sehen, der mit Zügel und Schenkel noch ebenso gewandt und sicher hantirt wie damals, als er sein Geschütz bei Orleans in's Feuer fuhr! Noch eine andere Ehrenpflicht obliegt ihm: später beim Mahle hat er sein ganzes Gesinde gastfrei zu bewirthen. Und diese Bauern" in grauer, grünverbrämter Joppe, mit Reiherfeder, Buchs- oder Rosmarinzweig auf dem Hute, sind jene Gestalten beim Feste, die den ausgeprägtestenTypus zeigen; freilich läßt sich von manchem urkundliq nachweisen, daß die Familie schon vor sechshundert Jahren auf dem Hofe saß! Hört man ihre Namen, so rauscht einem wiederum die germanische Vorzeit crn's Ohr; irf einem Jahre waren zum Beispiel vier Wachen" (das ist Walthari) zur Fahrt gekommen. Auf der Heimfahrt. Auf den Wagen sitzen die Geschlechter getrennt, wie sie auch in der Kirche gesondert beten. Unter den vielen Mädchen in reichster Tracht gewahrt man eine bedeutende Zahl, deren rosiges Antlitz die Reize holdester Anmuth und Lieblichkeit verklären. Eine frühere Anordnung ist aber leider außer Gebrauch gekommen. Sonst saß die weidliche Jugend terrassenförmig der Größe nach gereiht hintereinander auf Bänken quer über denWagen, nicht wie jetzt den Borden entlang, und wenn ein solches Fahrzeug sich nahte, so glich es einem Blumenbeete, über dessen duftigen Flor der Wind fächelt. Wagen auf Wagen ist die Höhe heraufgekommen und hat die Kapelle umfahren, an deren Thür die Geistlichkeit steht und den Segen spendet. Die Gangart der Rosse ist zwar blos Schritt, dessen ungeachtet erfordert der schmal bemessene Raum Ire strengste Aufmerksamkeit des Lenkeis. , Dann beginnt das Hochamt, während dessen die Fuhrwerkscolonne in eine Wagenbürg auffährt, bei der sich ein buntes Treiben entwickelt, jedoch Ordnung und Ruhe herrschen, weil Jeder sich der religiösen Feier bewußt ist. Nach dem Schlüsse des Gottesdienstes wiederholt sich die Umfahrt um die Kapelle, und dann schlängelt sich die lange Wagenreihe die Höhe hinab bis vor die Kirche in Mühlfeld, der Vorstadt von Tölz, um dort noch einmal vor der segnenden Geistlichkeit zu defiliren und unter dem Schnalzconcert der Peitschen auseinander zu biegen. Mancher Wagen lenkt sofort der Heimath zu. die meisten eilen in den Markt." dessen Gasthäuser heute Erntetag halten; aber trotz der echt germanischen Zechlust sieht selbst die Abfahrt bei Anbruch der Dämmerung keinen Trunkenen. Wittwer Schmerz. h ."2 . ' - ' -to' ''' ' v s DreiUhr ist's heut' wieder 'worden! Wie mir meine Alte abgeht was hätt' ich heut' wieder alles an den Kopf bekommen?" Nicht zu verblüffen. .Entschuldigen Sie, ich muß Sie schon mal gesehen haben; sind Sie nicht eine Schwester oder Verwandte der Frau Doctor Springer?" Nein, aber ich bin Frau Doctor Springer selbst!"" Aha. daher die fabelhafte Aehnlichkeit!" Das Eollegium. Nach dem Tode eines reichen Bankiers discutiren die an's Krankenlager berufenen drei Aerzte noch im Nebenzimmer über den Verlauf ihrer Diagnosen und Prognosen. Diener (der an der Thüre gehorcht): Jetzt will's wieder Keiner gewesen sein!"
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Pestserum. Aus dem Pasteur'schen Institut in Paris sind die letzten daselbst vorhanden gewesenen zwei Liter Pestserum durch Dr. Alexander Marmoreck nach Wien gebracht worden, um die dort aufgetretene Seuche mit den neuesten Hilfsmitteln der Wissenschaft bekämpfen zu können. Die Gewinnung des Serums erfordert einen Zeitraum von nahezu einem Jahre. Die im Pasteur'schen Institute gezüchteten Culturen stammen aus Hongkong. Die Reinculturen sondern gewisse giftige Stoffe, die specifischen Toxine, aus. Durch Filtriren der Reinculturen erhält man das von den Bacillen ausgeschiedene Gift, während die Pestbacillen im Filter bleiben. Dieses Gift wird einem Pferd zuerst in kleiner Dose injicirt. Daraufhin treten bei dem Pferde Vergiftungssymptome auf, doch kann es an der specifischen Krankheit nicht erkranken, da ihm blos das von den Pestbacillen ausgeschiedene Gift, nicht aber die vermehrungsfähigen und fortwährend giftproducirenden Bacillen selbst eingeimpft wurden. Sobald sich das Jmpfthier von der krankhasten Reaction der ersten Impfung er-
Im Laboratorium. holt hat, geht man an die zweite Injection, die eine bereits gesteigerte Dosis in den Blutkreislauf des Pferdes bringt. Darauf erkrankt das Thier und der folgende Gesundungsproceß vollzieht sich in der Weise, daß das Thier in seinem Körper ein Gegengift producirt. Durch fortgesetzte, in immer gesteigerten Dosen verabreichte Injectionen des Bacillengiftes wird das Pferd nach ungefähr einem Jahre so giftfest gegen das Bacillengift, daß man ihm schließlich fast ohne Reaction Dosen injiciren kann, durch die es zu Beginn der Jmmunisirung unfehlbar getödtet. das heißt vergiftet worden wäre. Nun wird nter peinlicher Beobach'tung der Regeln der Antisepsis dem Thier eine Halsvene geöffnet und das Blut, in dem das Gegengift deponirt ist, in einem sterilisirten Glaspokal aufgefangen. Dort setzen sich nach 24 Stunden die rothen Blutkörperchen als Blutkuchen zu Boden, während das bernsteingelbe Blutserum mit dem im Thierkörper erzeugten Gegengift' in Folge seines geringeren specifischen Gewlchtes die Oberflache einnimmt. Dieses Serum wird nun mit sterilisirten Glaspipetten herausgehoben, in FläschAnzapfen eines Pferdes. chen geleert und ist nun gebrauchsfähig. Natürlich wird es vorher ausproblrt. Es werden zu diesem Behufe kleinen Thieren lebende Pestbacillen-Culturen eingeimpft; daraufhin erkranken die Thiere an der Pest. Nun werden ern zelne der Thiere mit dem Serum geimpft. Und es zeigt sich, daß die aeimpften Thiere die Krankheit überbauern, wahrend die ungeimpsten zu Grunde gehen. Das Serum, welches nack Wien aebracht wurde, bat sich bei diesen Versuchen ausgezeichnet bewährt.' Bei gesunden Personen ruft vas 'Qse rum in der Dosis von einem Kubikcentimeter als Vräventiv-Jniection keine wie immer geartete krankhafte Reaction hervor. Dr. Marmore! hat sich selbst wiederholt ohne jeden Schaden geimpft. Seine Wirkung äußert sich in der Weise, daß es die weißen Blutkörperchen befähigt, die Pestmikroben aufzufressen. Kurzsichtig. Was für reizende Vergißmeinnichtäugen Sie haben. Fräulein!" Ich Vergißmeinnichtaugen. . Ach, Pardon eben sehe ich, daß Sie eine blaue Brille tragen!" Schlechte Aufführung. Herr Direktor, ich bin vom gesammten, Personal beauftragt, Sie zu bitten, daß der Meier keine Rolle mehr erhält, in der er auf der Bühne stirbt!" Aber warum d'enn?" Er srifct uns immer Leiche sämmtliche Aepsel weg!"
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ShermanS Schirm. . Aller Wahrscheinlichkeit nach wird zu den clou8" der Pariser Weltausstellung auch das Werk eines Amerikaners gehören, das, analog dem berühmten Ferrisrade, den Besuchern Gelegenheit geben soll, aus der Vogelspective einen Blick auf das Babel an der Seine und seine Umgebung zu wersen. Die Idee zu dem Werke stammt
Vor dem Aufstieg. von dem Erfinder und Elektriker R. E. Sherman in Chicago, während der Ingenieur H. R. Hindoliff dasselbe ausführen wird. Während Ferris die Besucher der Chicago'er Ausstellung mit einem Riesenrade' in schwindelnde Höhe beförderte, gedenkt Sherman das in Paris mit einem gigantischen Schirme zu thun. Derselbe wird durchweg aus Stahl construirt werden und die gewaltige Höhe von 350 Fuß erhalten. Daö Schirmgestell soll aus 10 Rippen bestehen, von denen eine jede am äußern Ende ein Coupöe erhält, das 50 Personen aufnehmen kann. Dieses Gestell wird durch hydraulische Kraft auf und ab bewegt und hat. aufgespannt, einen Durchmesser von 250 Fuß. Gewaltige Aufgespannt. Stahlkabel, welche über die Enden der Stäbe laufen, werden zur größeren Sicherung der Coup6es dienen. Aber der gigantische Schirm wird sich nicht blos auf- und zuklappen lassen, sondern wird auch eine rotirende Bewegung um die Mittelsäule erhalten, so daß die Insassen der Coupöes das Riesenpanorama von allen Punkten des Compasses m Augenschein nehmen können. Nach den Berechnungen des Erfinders würden die zur Bewegung des Schirmes erforderlichen Maschinen weniger Kraft bedürfen, als zum Treiben des Ferris-Rades nothwendig war. DerHauptgrund. Aber waS haben Sie denn, daß Sie so auf's Radeln schimpfen?" Was ich hab'? Kein Geld hab' ich, daß ich selbst radeln kann!" Schöngesprochen. . Arzt (zur Wärterin): . . .Also nicht wahr: den Eisbeutel binde ich Ihnen auf die Seele und den Prießnitz-Um-schlag lege ich Ihnen an's Herz auch das Fußbad, bitte ich Sie, im Kopfe zu behalten!" Unvergeßlich bleiben uns nur die Dienste, welche wir Anderen erwiesen haben. Wenn Einer bei deinem guten Herzen anklopft, so sieh' dich vor, ob er nicht deinen schwachen Verstand meint.
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" I Durch die Orientreise des deutschen Kaisers ist auch die türkische Provinz Syrien wieder in den Vordergrund des allgemeinen Interesses gerückt. Das zum Theil unwirthsame und uncultivirte Land ist zwischen dem Euphrar und der arabischen Wüste imOsten und dem Mittelmeer im Westen gelegen; im Norden bildet der Taurus und im Süden Egypten die Grenze. Metr als in andern Ländern haben sich in Syrien verschiedene Sekten von den herrschenden Religionen abgezweigt. So bildet das abgeschlossene, durch seinen unruhigen Charakter bekannte Volk der Drusen eine interessante Abzweigung von der mohammedänischen Religion. Die Drusen, die früher in einer Art Adelsrepublik unter einem gemeinsamen Oberhaupt lebten, sind in ganz Syrien ansässig, besonders auf der Höhe desLibanon, wo sie sich durch ihre Feindschaft gegen die vorüberziehenden Christen oft genug bekannt gemacht haben. Der türkischen Regierung hat es große Kämpfe verursacht, die Drusen unter ihre Oberherrschaft zu beugen. Jetzt ist dasGebiet, das der interessante Volksstamm im Libanon, Antilibanon und Hauran bewohnt, in einzelne Bezirke getheilt, an deren Spitze Scheichs und Emirs stehen. Drusenbraut. In Damaskus, wo die Drusen einen erheblichen Theil der Bevölkerung bilden, ist der Sitz des türkischen Gouverneurs, des sogenannten Wali, und des commandirenden Generals, des Muschir. Die Verwaltung läßt indes recht viel zu wünschen übrig, und die Schuld an den im Drusengebiet noch immer wiederkehrenden Unruhen wird nicht mit Unrecht der türkischen Regierung zugeschrieben, die gar ' zu gern dem Grundsatze des laisser aller huldigt. Maschallah" (Gott wird es machen), lautet ein schöner mohammedänischer Spruch; aber in diesen Wirren angewandt, bekundet der Spruch nur die Schwäche der Obrigkeit, unter deren Unentschlossenh:it die Sicherheit des Landes leidet. Je mehr indeß der europäische Verkehr auch in diese abgeschlossenen Gegenden dringt, um so eher wird den Reisenden und den dort ansässigen Colonisten eine größere Sicherheit verbürgt werden als bisher. Die Abgeschlossenheit, in der der größere Theil des Drusenvolkes noch heute lebt, ist wohl die Veranlassung, daß, wie von seinen religiösen Bräuchen, so auch von seinen allgemeinen Sitten und Gewohnheiten Verhältnißmäßig wenig in die Öffentlichkeit gedrungen ist. Die Dörfer der Drusen werden von den vorüberziehenden Christen gern gemieden. Die DragoDrusenfürsiin. mane, welche die Reisenden auf ihren Fahrten begleiten, stehen nämlich mit den Drusen fast immer auf gcspanntem Fuß. In der Stellung, die die Drusenfrau im öffentlichen und häuslichen Leben einnimmt, gibt es einige charakteristische Züge, die die Drusenfrauen von den anderen Mohammedanerinnen unterscheiden. Diese Unterschiede ge-, ben sich schon im Aeußeren kund. So verschleiern sie z. B. nicht das Gesicht wie .die Mohammedanerinnen. Sie tragen wohl ein weißes Tuch übe? dem Kopf, das sie auf der Straße, wenn man ihnen begegnet, etwas vor den Mund halten, aber im Hause legen sie diese Hülle, auch wenn Männer zugegen sind, vollständig ad. Die einheimische Tracht der Drusenfrauen, sowohl der städtischen n.,ie der auf dem Lande wohnenden, ist meist recht geschmackvoll und eigenartig. Die Frauen und Töchter der Scheichs und Emirs wählen besonders reiche und bunte Costüme. Am originellsten sieht eine Drusenbraut in ihrem festlichen Staat mit dem charakteristischen, zuckerhutförmigen hohen Kopfputz aus, den unsere Abbildung veranschaulicht. Das nutzloseste Gut ist große Güte. Bescheiden. Bist Du nun zufrieden. Sckan. wenn ich Dir ewiae Liebe schwöre?!" Ich bescheide mich schon m:i baldiger Hnrath!" Kein Optimist. Braut: Nicht wahr, Geliebter, wenn wir erst verheirathet sind, kaufen wir uns ein Tandem?" Er: Gewiß soll auch das rlegssayrrav nrcht fehlen.
Skgcnseltige Tauschung.
(Liebeisttne au btx Gkgenwart). I. Lieutenant Arthur mußJnspektionsdienst im Fort übernehmen. Damit ihm und seiner Braut Selma die lange Trennung uiSt so schwer fällt, wie auch um sich zu vergewissern, daß beide Theile einander in Liebe gedenken, wird, da von Selmas Gemach die Aussicht auf das Fort frei ist, verabredet, sich gegenseitig mit dem Taschentuch Grüße zuzuwinken. Die Zeit der Trennung ist angebrochen. Was ist's Lina, winkt Arthur noch immer herüber?" Jawohl, Fräulein!" Ach, dann winke Du nur auch fleißig zurück. Ich will den spannenden Roman fertig lesen!" n. Ach lassen Sie mich doch in Ruhe. Herr Lieutenant!. . . Sagen Sie mir lieber, warum der Mann dort den ganzen Tag das Tuch 'herumschwenken muß?" Der Kerl hat sich gestern b?i der Felddienstübung ungeschickt benommen und muß nun zur Strafe den ganzen Tag Signale winken lernend DasVelocipedinderWüste. Aengstlich. Haben Sie meiner Frau schou die Rolle der Hexe übermittelt?" Ach, Herr Direktor, ich trau.' mich Nicht!" I m V o r z i m m : : des Arztes. Aber. Marie. ist ein Scandal! Fingerdick liegt der Staub auf den Stühlen!" Kann ich dafür, Herr Doctor, wenn Ihre Praxis so schlecht geht?!" SonderbareLogik. lQ Wenn Du Dein Examen bestehst, Karl, bezahl' ich alle Deine Schulden!" Da soll ich also, lieber Onkel, sü'r meine Gläubiger studiren?!" In einem sächsischen P o st w ag e n. rtauoen gierigst, wie js Ihr werther Name?" Werner."" Nee aber so was, da hzeßen Se doch -beinah' wie ich;, ich 7 r .. J. i.jtt heege Se namUH qmmoaco:
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Waldräuschen.' Won Rudolf Bernauer. "J Die grünen Eichenwipfel rauschten, s Die bunten Sommervögel sangen. Die kleinen braunen Rehe lauschten, Wenn wir den Wald entlang gegangen. Das war vor vielen, vielen Jahren, Als wir geküßt im Waldesschatten, Als wir verliebte Kinder waren Und noch nicht graue Hc'are hatten.Erst neulich sind wir Beide wieder Den grünen Wald entlang gegangen. Die Vögel sangen Trauerlieder, Matt ließ der Baum die Aeste hängen. Die starken Eichen, die vor Jahren Ihr Laub so rauschend ließen wehen. Die hatten es wohl auch erfahren. Was mit uns Beiden war geschehen. Und als wir langsam heimwärts gut- ' gen, Ist uns ein frohes Paar begegnet. Da hat der Wald mit Klang und Klingen Ihr junges Vündniß eingesegnet. Die Rehe fingen an zu lauschen. Wie die Zwei durch den Wald gcgangen.' Du falscher Wald! Du falsches Rauschen?
Du hast auch unö einst so gefangen. Wie das so kommt. Eine kleine Ehegeschlchte von B. Heim. Graf Hardenthal lag auf einemBalzac in seinem Arbeitszimmer- und hatte sich eben eine zweite Cigarre angebrannt, als die kleine, zierliche Stehuhr auf feinem Pulte die neunte Stunde icklua. Um dies? ekt Mfsent er sich sonst nach dem Speisezimmer zu . t. . r srt ... vcgcven, wo lyn ctne Gattin erwartete, um mit ihr aememiam den Tbee einzunebmen., über dieses und ienes tu plaudern, worauf er dann zu Bett zu geyen gewoynt war, öenn sein Gesundbeitszustand zwanc? ikn. frübie!- - " V -- r I 7 tig den Schlaf zu suchen. Von Zeit " 1 r r . zu eil Trema? murjte. er vieler Hausordnung untreu werden, um seine Gattin in Gesellsckasten oder in's Theater zu führen, aber da er der Gräsin uets zu erkennen gab, welches Ovier es iön koste, von seinen Ledensgewohnheiten abzuweichen, so fügte sie ncy, wenn aucy unter petem lverspruch, seinem.Ruhebedürfniß. Da kam die Einladuna zu dem Balle bei dem X.'schen Gesandten, welcyer der Gras unbedingt Folge leisten musste, zur großen Freude seiner Gattin, die sich mit all: dem einem so großen Ereignisse entsprechenden Eifer auf dasselbe vorbereitete. Ihr, der Tochter eines reichen Gutsbesitzers, sollte sich hier ja zum ersten Male die Gelegenheit bieten, eine Rolle in der vornehmsten Berliner Gesellschaft zu spielen. Nach dem Beispiele einiger ihrer Freundinnen hatte sie ihre Toilette bei einer Wiener Modistin anfertigen lassen, welche einige Male im Jahre Äerlin mit ihrer Anwesenheit beehrte, um die Bestellungen: ihrer Kundinnen entaeaenzunebmen. Es bedürfte einer speciellen Empfehlung crc die Künst lerin , um oel ihr. vyrzukImmen, denn ibre in einem Kotel aemietbeten Gemächer waren tagsübe?- angefüllt mit Damen aus der höchsten. Geburts- und Geld - Aristokratie. Die Bestellung wurde anaenommen. und' am Tage des Balles kam, wohlverpackt in einer umr ?jc .V rtrn. i - ' s..C. sangreicyetl niiie,. oie mu aucn auicqunqen der Ungewißheit erwartete Wiener Robe-cm., Sie saß zum Entzücken einige kleine Mänael abaerechner, die die ausbessernde Hand einer rasch herbeigeschafften Nähmamsell schnell zu verbergen verstand, und triumphirenden Blickes rauschte die junge Frau, völlig umwogt von duftigen Tüll- und Gc?zewölken, in das Arbeitszimmer ihres Gatten, um sich cm dessen Erstaunen zu weiden. Der Anblick war ein so bezaubernder, daß sich der Graf auf sie gestürzt hatte, um euren: Nutz aus lyre Schultern zu drücken, wenn nicht der Angstruf, den sie- aussiich. und ihre vorgestreckten Hände ihn: davon zurückgehalten hätten. Im selben Augenblick trat ein Diener mit einem mit dem Wappen des X'schen Gesandten versehenen Briefchen ein. Der Graf öffnete es und reichte es seiner Gattin, die mit beben--den Lippew las: Der Gesandte irnd seine Gemahnn: sehen sich zu ihrem größten Bedauern, gezwungene das heutige Ballfest abzu. sagen, da ihre jüngste Tochter plötzllH sehr gefährNch ertränkte.Die Gräfin ballte vor Wuth das.. Billet in- ein Klümpchen zusammen schleuderte es ihrem Gatten in's Ge--sicht. stampfte wüthend gegen detr Fußboden und rief ein über das andereMal, während ihre Augen aus de Höhlen zn treten drohten: .Einer solchen Johre wegen! Einer solchen Jöhre wegen!- Der Graf blickte schweigend in ihre verzerrten Mienen und gab, nachdem sich die Gräfin ent fernt hatte. Befehl, daß ihm das Abendbrod nach seinem Zimmer desorgt werde. Am nächsten Morgen vermied er eS, mit seiner Frau mehr als die conventionellsten Redensarten zu tauschen, und als er gar merkte, daß sie ihm mit Troh und Tücke be, gegnen wollte, schloß er sich wieder in sein Zimmer ein. Die Uhr schlug neun. Er legte die Cigarre bei Seite, ließ sich seinen Ueberrock reichen und besuchte, zum ersten Male seit seiner Aerheirathung. seine ehemalige Freundin vom Circus. Kath eder - Weisheit. Der Mensch il,i zurHälfte Thier, zur Hälfte Pslanze und zur Hälfte Mineral.
