Indiana Tribüne, Volume 22, Number 62, Indianapolis, Marion County, 20 November 1898 — Page 9
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.,.-..;. - Znöiana Sriwtne. Iran Lotte. Von Oökar MerreS. I. berauschender Syringenduft, der n::scht mit dem laubluftgesättigten Ozon des weiten, in idyllischer Ruhe daliegenden Gartenparkes, erfüllt die mit lose schwebenden Zweigen umrankte Beranda der Bonsen'schen Villa an einem der herrlichen Grunewaldseen. In der traulichen Verandalaube sitzen ein Herr und eine Dame, zwischen sich ein Tischchen mit einem aufgeschlaüenen Buch, aus welchem der Herr socbcil seine Vorlesung beendet hat. Teide sehen jetzt mit offenen Augen träumend von ihren kühlen SchattenPlätzen in die sonnendurchfluthete Naturpracht hinaus. Frau Lotte Bonsen zeigte eine jener herrlichen, lichten Kriemhildgestalten, welche wir gleichsam als den poetischen Ausdruck einer unverfälschten Abkunft von den nordischen Kraftgeschlechtern unserer Vorzeit bezeichnen. Sie ist jetzt 26 Jahre alt, Gattin eines braven und sehr gut situirten Mannes und Mutter zweier prächtiger Kinder. Herr Ernst Bonsen ist Ingenieur und Leiter eines großen industriellen Etablissements; seine rege Geschäftsthätigkeit hält ihn viel von seinem schöiien &eim fern, doch er weiß seine Frau glücklich inmitten eines irdischen Paradieses. Der Herr, welcher jetzt der Dame vom Hause gegenüber sitzt, ist der vom Schulfreund zum Hausfreund avancirte Bildhauer Fedor Rossau. Er ist etwa dreißig Jahre alt, groß und schlank, und sein dunkler Teint mit dem nachtschwarzen Lockenhaar und Vollbart geben ihm einen südlichen Typus. Frau Lotte Bonsen ist als eine der Ausnahmen m unserer modernen Da menwelt eine echte Goetheschwärmerin. Das auf dem Tttchchen ruhende Buch lein enthält die für die gegenwärtige Zeit beinahe vergessenen schwärmer,schen Leiden" deS unglücklichen Wer ther. Aber Herr Fedor Rossau hat eine tiefe, klangreine Stimme, und eö ist ein Genuß, sich von dieser die poetischen Gedanken eines wirklichen DlchterS re produziren zu lassen. Vielleicht ist die Wahl eines derarti gen LiebeSpoems nicht gerade eine zweckentsprechende, aber Frau Lotte Bonsen ist eine reine und fein durchge bildete Frauennatur, welche nur dem Empfinden der Dichtung nachstrebt. Sie hat der alten Geschichte andächtig zugehört und beschäftigt sich zetzt mtt der Seelensymbolik ihrer unglücklichen Namensschwester. Anders träumt Herr Fedor Rossau in den strahlenden Sonnenhimmel hinein. Er ist seiner ganzen Anlage nach jedenfalls kein Werther, und die schöne. walkürengleiche Frauenaestalt ihm ge qenüber ist für sein künstlerisch ausge bildtes Gefühl ein Meisterstück der Schöpfung. Ach ja sagte Frau Lotte da plötz lich in die traumhafte Stille mit ihrem vollen, weichen Organ hinein, da sitze und sinne ich über d:e Erklärung eines von Ihnen so musterhaft wiedergege benen Problems nach, und mein Mann muß in jedem Augenblick zum Essen erscheinen. Sie verzeihen, wenn ich Sie zur Erfüllung meiner Pflichten Ihrer eigenen Unterhaltung überlasse!" Lächelnd und graziös nickend erhob sich die wahrhaft königliche Gestalt der Hausfrau und entfernte sich durch die anstoßende, nach dem Innern des Ge bäudes führende Thür. Die dunklen Augen deö Mannes folgten ihr mit Blicken, welche sich an der Kunstform des vom geschmeidigen Seidenstoff verhüllten Korpers festzusaugen schienen. Dann starrte er wieder weiter in das rothe Lichtmeer hinein. bis nach einer Weile feste Schritte auf dem um die Villa führenden Kieswege hörbar wurden und ein hoher, breitschultriger Mann die Veranda betrat. Der Ankommende war Direktor Bonsen. Er war dreißig Jahre alt. Sein frischeZ. starkknochiges Gesicht wurde von einem hellblonden Vollbart umrahmt. (r reichte dem dasitzenden Freunde heijer aufgelegt die Hand ' Guten Taa, mein Pyladeö! Ihr Künstler seid doch ein freies Volk, während ein geplagter Geschäftsmann mit dem Kreislauf der Sonne arbeiten muß." Fedor stand auf und reckte sich wie Einer, der längere Zeit seine Glieder nicht gebraucht hat. Dank Deinem Gott, daß Dich die Kunst mit ihrer Last verschonte, oder meinst Du, daß daS fruchtlose Grübeln um ein neues, würdiges Motiv keine Arbeit fei?" Geplagter Thonkünjtler!" lachte Bonsen. Also noch unmer keinen neuen Vorwurf? Komm, wir wollen 'sehen, waZ meine kleine Frau hat zu1 richten lassen." Und die Beiden begaden sich Arm :n Arm hinein. In einem nach der Westseite gelege .tun, luftigen Speisesaal sitzen die drei , Personen an reich mit den Erzeugnissen des Hochsommers bedeckter Tafel. An derselben, weiter nach unten, haben noriö die beiden Kinder des nattlicken Ehepaares, ein Knabe von fünf und ein Madchen von vier Jahren, mit ih?er Vonne. einer Rierllchen, rothwangi aen Schweizerin, Platz genommen. Die Unterhaltung des Ehepaares nd feines SasteS oreht sich um die ÖrtTO'
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vU. ssrwasS1! '.Lu'wjuj Dtt LauShei? tragt weniger dazu Cer; er bescöäftiat sich desto anaeleatntlicher mit den Tafelgenllssen und hört dabei r r t rr . 1 i I auimerliam oem seviauoer zu. i Die Hausfrau und ihr Tischgast I scheinen außer der gepflegten Lecture vorher keine Zeit zu dieser leichten Causerie gehabt zu haben, und Nossau besonders belebt dieselbe mit durch gangig pikanten Apercus. Bonsen ist mit den Hauptgängen durch und sagt jetzt leichthin: Schade, wollte heute Nachmittag mit Lotte nach Wannsee. Es ist Ruderregatta da. Ich muß aber geschäftlich noch einmal nach Berlin zurück. Möchtest Du meine Frau nicht begleiten, Fedor?" Mit dem größten Bergnugen, wenn mich gnädige Frau acceptiren!" Fedor macht eine leichte Verbeugung zu Frau Lotte hinüber. Unsinn, wirf nicht so viel mit gnädigen Partikeln um Dich. Du thust mir und gewiß auch meiner Frau einen besauen, wenn u iueine vorwurrsfreie Zeit auf den Altar der Freundschaft niederlegst. Bei mir geht leider daS Geschäft allem häuslichen Dienst vor." Vorwurfsfreie Zeit?" greift die Hausfrau aus der Rede ihres geschaftöuberladenen Gatten heraus. Ja, was Fedor arbeiten nennt, besteht im Suchen nach neuen Motiven oder, wie man sagt Vorwürfen, Aber er arbeitet ja nicht immer!" DaS ,st txn ungerechter Vorwurf, vertheidigte sich der Bildhauer. Wir KUnstler sind ebenso wie die Dichter immer bei der Arbeit, auch in der leichtesten umeryailung:Dann beneide ich Dich um Deinen Beruf nicht und nehme meinen Vor-
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Wurf zurück. Wir Geschäftsleute sind tenden Augen, darin glücklicher. Also Du begleitest Sie ist wieder bei ihm in dem kunstmeine Frau, denn warum sollte sie we- athmenden und jetzt mit schwerem Ro-
gen meiner Arbeit ihr Vergnügen ent behren? Gesegnete Mahlzeit!" n. Fedor Rossau steht in seinem Atelier, das er sich in emem weitläufigen I Gartenhause am Kurfürstendamm mit dem einem reich bemittelten Künstler gestattetm LuzuS eingerichtet hat, vor einem noch feuchten Thonmodell einer kleinen Najadenaruppe. Es ist keine Originalarbeit, ne ist nach einer be-I kannten Zeichnung gefertigt. Seine eigenen Ideen sind in der letzten Zeit wenig fruchtbar gewesen, er krankte I entschieden an Stoffmangel. Erst seit gestern ist eine Offenbarung bei ihm eingezogen: ein gottlicher, fern ganzes Selbst beseligender Gedanke. Er war mit Frau Lotte drüben am
Wannsee, bis die dunkelblauen Abend- und legt da das Kriemhilden - Costüm wölken ihre dahinziehenden Schatten an, welches er getreu nach künstleriauf die leicht gekräuselten Wogen war- schen Zeichnungen für diesen Zweck an-
sen. und dann dte Rückfahrt entre deux durch den stillen, schlafenden I Wald, an der Seite des schönen Weibes. dessen herrliche Formen sein kunst-I lerisches Denken entzückten. Er hatte sich angestrengt, die Formen in seinem I Gedächtniß festzuhalten, aber vergebenö: nur die Wirklichkeit gestattete die I Nachahmung. I Und heute wollte sie in sem Atelier I kommen, heimlich, ohne Wissen ihres Mannes. Sie hatte ihn gestern litt I dem Wunsch überrascht, daß sie dem Gatten zu seinem Geburtstage ihre Büste schenken wollte. Und er sollte sie schaffen. Schon den ganzen Morgen hindurch hatte er selbst mit Hand angelegt, um sein Atelier möglichst salonmäßig zu gestalten. Em weicher persischer Teppich schmückt den Fußboden, ein bequemer Sessel war daraus ln den sorglichst ausgewählten Punkt des Lichtrefleres gestellt, damit ihm keine Linie des scharf ausgeprägten Hauptes und des sich maiestatisch anschließenden Halses entgehe. Um elf Uhr vormittags erschien Frau Bonsen. Sie lachte dem Bild Hauer belustigt zu, als er sie so ceremoniell in seiner Künstlerwerkstatt em pfing. Dann durfte er sie placiren, so wie sie während seiner Arbeit sitzen müsse, und dann stand er ihr gegen-1 über an semem Arbeitstisch und durste ihren Knemhlldenkopf mit seinen dunklen Künstleraugen studiren. Und er knetete und formte nassen Thon, wahrend heißes Feuer in seinen Adern brannte. Die schöne Frau saß gerade aufge - richtet da, damit sich ihr stolzes Haupt in seiner ganzen Form deutlich repräsentire. Und während ihre Augen in dem anregenden Raume umherwandern, erbeben ihre Nasenflügel bei dem eigenthümlichen Geruch deö unvermeidlichen. feinen Atelierstaubeö. Die erste Sitzung währt nicht lange, aber ihr folgen an den nächsten Tagen weitere. Des Morgens ist Frau Lotte im Künstlerheim am Kurfürstendamm, des Nachmittag? ist Fedor Rossau draußen in der schattigen Waldvilla. Herr Ernst Bonsen erfährt von der! ihm zugedachten Freude nichts, er soll I damit großartig überrascht werden. Zwischen dem Künstler und der schönen Frau hat sich inzwischen eine ganz natürliche Vertraulichkeit eingefunden, Frau Lotte hat Atelierluft gerochen und verstehen gelernt, daß Künstleri nicht mit dem üblichen Gesetz gesell - schaftlicher Convemenz zu messen sind. Und dann hatte sie sich daran gewohnt, seine Augen fest auf ihrem Antlitz, in ihren Augen ruhen zu wissen, und diese Gewohnheit erzeugt eineAnnähewjesie gefährlicher nicht gedacht Die Zeit kam. wo sich der Künstler nnn miififf feslsi tr sin T7nViTY fThl y, y . WWVM VUIVI nickt mebr bemüben dürfe. Der htttA liche Kopf war fertig modellirt und von überraschende? Naturtreue. Die Hand des Formers war von seinem ganzen Sein geführt worden. Aber zu den Zweien, die da mit sich allein tm traulichen Künstleratelier waren, hatte sich ein Dritter gesellt. fitbrliüt Knabe sak mit
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einemMal mitten zwischen ihnem Und berauscht von der siegenden Schönheit deS Weibes sinkt der Künstler vor ihr . i C "Ci C. !C..9 rT sI . rneoer uno iuijx vcn üaum iyrc hui des. IN. In der lauschigen Veranda da draußen im Waldesqrün sitzen die Beiden. fffcre Qände sind innia in einander verschlunaen. und sie flüstern dabei von allerhand Liebe und Leid. Die gewünschte Büste ist fertig, so herrlich wie ihr schönes Original, aber s steht noch im Atelier des BildhauCi3. Er will sie nicht herausgeben, und sie fürchtet jetzt das fragende Auge des Gatten, Jetzt denkt sie nur an ihn, der neben r stkt. ibre fcänbe in den seinen, ibr aan,es Denken in seiner Gewalt. Da ,iebt eine iäbe Erinneruna durck ibre heiße Stirn. Sie gedenkt der Stunde, wo Fedor ihr die alte Geschichte von Werther und seiner Lotte vorlas. Sie zieht ebenso jäh ihre Hände aus denen Fedors und hebt sie vor ihre Augen. Ist jetzt nicht selbst diese Lotte geworden. welcke.Mann und Kinder veressend, in dem Sein eines anderen Manneö aufging? Würde sie auch so stark sein, diesen Sturm im entfesselten Herzen zu bewältigen und kalt zu scheinen, wo sie vom sündhaften Feuer verzehrt wurde? Sie war ja so kraftvoll und stark, aber eben darum um wieviel stärker und verlangender kam sie sich selbst vor. Da erklangen neue Schmeichelworte dicht neben ihr, die an die Augen gepreßten Hände wurden sanft zuruckgeaoaen. und die dunklen Sterne des Geliebten tauchen sich flehend in ihre bitenduft erfüllten Raume seines Schaf enö: zu der unvergeßlichen Atelierluft ind die Schauer der alles besiegenden Liebe, die Königinnen der Schönheit in bewältigender Machtfülle treten. In vielen kunstvoll geformten Vasen prangen sie an den Wänden, auf den Tischen, zwischen all dem allegorischen Kunstwerk aus dem Liebesleben der alten und neuen Gotter. Sie hat seine kühne Bitte der Ev fllllung nahe gebracht, sie will sein Schassen fordern, den Genius seines künstlerischen Strebens spielen. Sein Traum ist die siegreich naturgetreue Schaffung emer Kriemhüden-Gestalt, und Frau Lotte ist das Original dazu. wie es ihm im Traum und Wachen vorschwebt. Sie geht in em separates Kabinet fertigen ließ. Und wie sie dann wieder heraustritt in den großen, vom leis gedämpften Sonnenlicht taaeshell ab getonten Aroensraum, tn demWaffenschmuck eines edlen Weibes aus deut scher Sagenzeit, die reichen, blonden Haarwellen in entfesselter Pracht über den königlichen Nacken bis herab zu den Kniekehlen fallend. Hals und Arm frei, die für den mächtigen Körper schlanke Taille gegürtet, die bloßen, schneeweißen Füße in Sandalen und der rechte Fuß blö zum Schenkel in sei I ner kraftvollen Form aus dem lose ge I schürzten Gewand hervortretend, da glüht Lotte - Kriemhild in tiefaefärbj ter Rosengluth, und die zur Arbeit be reiten Hände deö Kunstlers erbeben in I augenblicklicher Machtlosigkeit gegenüber diesem bewältigenden Anblick. I Aber dieHerrschaft der Kunst tritt bald in ihr angestammtes Recht. I Diese Modellstunden nehmen der schieden? Wiederholungen in Anspruch. I An jedem Morgen kommt Frau Lotte I Bonsen und sigurrn als Kriemhild, I und das Thonbild gelangt nicht zu I Ende. Es wird Herbst draußen in der Natur, aber in den kunsterfüllten Herzen der Beiden lodert eine verzehrende I Sonnenqluth unbezähmbarer Leidenschaft. Die schöne Frau hat mit dieser großen Leidenschaft gerungen, aber sie ist mächtiger als die Pflicht. Jetzt, mitten in den Wogen einer uberflu thenden Liebe, ist sie keine Lotte mehr, I welche das Opfer ihrer Schönheit von I sich weist. Ihr Gatte hat keine Ahnung von 1 diesem Kampfe, seine Augen sind mit völliger Blindheit geschlagen. Bei sei ner Geschäftsüberbürdung erweist ihm der Freund eine große Gefälligkeit, wenn er seiner gelangweilten Frau so oft Gesellschaft leistet, Es ist ein trüber October Abend, Bonsen ist genöthigt, unvermuthet eine kleine Geschäftsreise zu unternehmen. und hat seinen Freund Fedor gebeten, seine Frau zu dem bereits projectirt gewesenen Opernbesuch begleiten zu I wollen. I Bonsen reist befriedigt ab, und Fe dor Rossau fährt mit Frau Lotte nach Berlin. Die Liebeslieder, welche da I auf der Buhne gesungen werden, fm den ein nur zu starkes Echo in ihrem Herzen. Die schöne Frau fährt nicht wieder nach dem Grunewald hinaus. sie begleitet den Geliebten nach seiner Wohnung am Kurfürstendamm, und 1 die Würfel ihres demnachstigen Le I bensschicksals waren gefallen. Als Ernst Bonsen am Abend des hnt, m.;r. nächsten TageS von semer Reise nach SSVpHÄX IÄ" lhung erbittet TTT - 1V Ein halbes Jahr ist verflossen; Fe dor Rossau und Lotte Bonsen befinden sich in Rom. Die Hälfte der Zelt haden sie an einem der herrlichen KüstenPunkte SllditalienS verlebt, im Rausch I einer Leidenschaft, an welcher dieKunst I keinen Theil hattet Sie, hatten wähj rend. dieser Zeit wie in einem Traum
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an nichts Zeucht klls an itTrc Liebe: alles Andere blieb ihnen fern, auch was sie hinter sich gelassen hatten. Dann kam auch wieder eine ruhigere Zeit; ein und desselben Gerichtes wird man schließlich gewohnt, auch wenn es eine Gottergabe Ware. Beide suhlten jetzt, daß ihre Liebe nur auf der Grundlage eines Slnnenrausches ruhte, und mit dieser Erkenntniß entschwand ihnen jeder tiefere Halt. Sie langweilten sich inmitten einer gottll chen Einsamkeit und entflohen der drohenden Langeweile nach dem gerauschvollen Rom. Fedor Rossau fand hier wieder geistigen Anschluß und den früheren lebenslustigen Berkehr mit Kunstgenossen und deren Gönnern. Er hatte nicht wie früher Quartier in einem in einem liegenden von zwei Hotel genommen, fondern zwischen stillen Garten Häuschen eine Wohnung Zimmern gemiethet und gab daselbst Lotte Bonsen für seme Frau aus. Da er sie aber unter dieser Bezeichnung nicht in die officielle Gesellschaft füh ren konnte, blieb sie stets in ihrem augenblicklichen Zufluchtsort wie in einem halb freiwilligen Gefängniß. Der Bildhauer wurde mit dem Geheimniß geneckt, das er seinen Freunden in der abgelegenen kleinen Hütte entziehen wollte, und Frau Lotte emPfand am peinlichsten die vollständige Rechtlosigkeit ihrer gegenwärtigenLage. Um diese wieder zu einer legalen gestalten zu können, mußte sie erst frei sein. Fedor beauftragte also einen ihm bekannten Rechtsanwalt in Berlin, die Scheidung deS Bonsen'schen EhePaares einzuleiten. Zur Ueberraschung des Bildhauers fiel die Antwort Bonsens ganz anders aus. als er sie erwartet hatte. Er durfte doch annehmen, daß derselbe die Frau, welche aus seinem Haus m der Leidenschaft für einen Anderen geslo hen war, lchne Weiteres freigeben wurde. Rossau war selbst reich genug und kouute für sich auf daS rechtliche Vermögen LottaS verzichten: zeden falls wän dies kein Grund gewesen. ihre Freigabe zu erschweren. So aber lehnte Bonsen von vornherein ohne Angabe irgend ernesGrun des jede Scheidung ab und ließ dage n Lottes Rechtsbeistand die Auffor derung zugeben, daß seine Frau zu ihm zurückkehren solle. Frau Lotte blickte bei dieser Nachricht wie erschrocken auf ihren Genev ten. Das hatte sie nicht erwartet. Zu rückkehren zu dem Betrogenen, welche Unmöglichkeit! Und er wollte sie auch nicht freigeben? Was be zweckte er damit? - Fedor Rossau begann die ihm ver mehr ruhiger Ueberlegung bereits et was peinlich gewordene Angelegenheit mit nüchternem Gefühl zu betrachten Wenn Bonsen wirklich so sehr in da allerdings selten schone Weib vernarrt war, daß er es jetzt noch, nach all' dem Geschehenen in sein Heim zuruckwunschte, nun, so unerwartet es ihm kam, so wenig unangenehm wäre eS ihm, wenn sie wieder zu ihm zurückginge. Der Traum war schon geWesen, es war just die rechte Zeit, ihn j abzubrechen, um sich immer gern seiner erinnern zu können. Wie das nicht vollendete Thonmodell in seinem Atelier daheim vertrocknete und zerbröckelte, so erkaltete sein nach stets wechselnden Motiven suchendes Künstlerherz unter dem gleichbleibenden Zwange, den daS lebende Modell ihm auferlegte. Frau Lotte erwartete von dem Geliebten ein lebhafteres Interesse für die Erlangung ihrer Freiheit und r?ar Über seine dabei zur Schau getragene Ruhe tief verletzt. Und in dieser Bitterkeit legte sie erst ein Gewicht darauf, daß er sie in der letzten Zeit oft vernachlässigt, halbe Tage und halbe Nächte von ihr fern geblieben war. Wie sie eine Abends in halber Berzweiflung vergeblich auf die Rückkunft des geliebten Mannes wartet, fällt ihr beim gedankenlosen Durchstöbern seines Schreibnecessaires ein kleines, unscheinbares Billet in die Hände. Er mußte es aus Unachtsamkeit da drin liegen gelassen haben, denn sein Inhalt war derart, daß er sie tödten konnte. Die wenigen Zeilen enthielten eine Nota über die Einrichtung eines Quartiers im Innern der Stadt, das anbei gegeben war. Sie lautete auf Fedor, wie kam dieser dazu? Die Kriemhild des Norden richtete sich in ihrer ganzen imposanten Höhe auf, um nach kurzem Ueberlegen sich einen Mantel umzuwerfen und sich auf die Straße zu begeben. Wo diese belebter wurde, nahm sie einen Wagen nach dem bezeichneten Quartier. In einem luxuriös eingerichteten Boudoir scherzten zwei verliebte Menschen miteinander. Fedor Rossau saß auf einem eleganten Halbdivan und hielt eine zierliche, dunkle Schönheit der Kunstlerstadt rn seinem Arm. Da offnet sich plötzlich die Thür, und die hohe, imponirende Lotte Kriemhild steht vor dem verliebten Paar. In vernichtendem Schweigen schaut sie auf den nichtswllrdigen Treulosen. Kein Laut, kein Wort kommt aus ihrem in tiefem Schmerz zusammengepreßten Munde. Dann wendet sie sich, undder verstört ihr nachschauende Fedor ist mit seiner verschüchterten, dunkeläugigen Donna wieder allein. V. 5?rau Lotte ist nock einmal in ibr bisheriges abgelegenes Asyl zurllckgekehrt. Dort rafft sie die ihr gehörigen Kleidunasttücke tufammm unh füllt einen Handkoffer mit dem nöthigsten davon an. Dann entnimmt sie einem Fach, wo Fedor Rossau sein Geld für , .agesausgaoen auivewayrt, dle &um nie von dreihundert Lire und legt daI M ... V. . tur eine Tlucotto aetckriebene Quittung (Fortsejung aus der Rückseite.)
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Blüthen. Eine Begebenheit in modernem Stil. Es schneit Blüthen. Dichter immer dichter. Als könne das sonnenbegrabene Leichenhemd des Winters Nicht rasch genug ersetzt werden Oder das Hochzeitskleid?! Besonders ein Apfelbaum hat's eilig. Liutlos und beharrlich schüttelt er die rone. An den Stamm gelehnt, sitzt ein junges Weib. Die Hände lässig im Schooß. Bleich das Antlitz. Das Auge starr und trübe, wie von eben versiegten Thränen. Auf den Schultern, im blonden Haar, auf jeder Fläche der reglosen Gestalt lagern sich Blüthen. Das Weib achtet ihrer nicht. Nicht der warmen Sonne, nicht des neckischenFrühlingssturmes, der kosend mit ihren Kleidern spielt. Mit den blonden Löckchen auf der marmornen Stirn. Manchmal schwellt ein tiefer Seufzer die Brust. Ein Seufzer, in dem noch Schluchzen vibrirt. Fernes Wagenrollen. Das junge Weib zuckt zusammen und lauscht. Ungläubiges Staunen, fassungsloses Entzücken malt sich auf dem Antlitz. Der Wagen kommt näher. Das Weib ist aufgesprungen. Den schlanken Oberkörper nach vorne geneigt, die Augen glänzen. Die Lippen beben. Die Hände verschlingen und lösen sich in namenloser seelischer Erregung. Der Wagen hält vor der Gartenthür. Ein Mann entsteigt ihm. Mit einem Jubellaut aus befreiter Seele, halb Lachen, halb Schluchzen stürzt das Weib auf ihn zu, umklammert seinen Hals und ruft ein Wort. Ein Wort, das alle Qual und alles Leid, alle Hoffnung und Erlösung in sich vereint: Endlich!" Und der Mann halt mit dem rechten Arm sein junges Weib umschlungen. Hie gemüthliche Ecke :: Noble L5 Market Otr. wo JOHN WEBER seinen Gästen die besten Getränke und Ciflar, ren nnd den feinsten Lunch vorsetzt, ist allbe rannt. Vergessen ie nicht dort einzukehren. VÄhclUcl 3MlZ, Männerchor Halle. Feinstes Restaurant und altdeutsche Wirthschaft. efte deutsche Küche. Lieker'S Gptcial Brew" an Zapf. Die feinsten Weine, Liquöre und Cigarren. Zwei Kegelbahnen stehen zur Verfügung. Vorzüglicher FlühstückS, Mittag? und bendtlsch. Franz Büddicker, 337 Sst Z2shington Ltrnßs. r,lqh, 10. . Saloon u. Billiardchall o.92 Oft Washington Str. Jokn MeilacherJ Sigestböme? II0ZABT- HALLE, 37 und 89 Süd Delaware Straße. Die ölteke, größte und fchönfte derartige Halle in Jndtanapvit, jetzt neu und legant nae stattet, ftehr Vereinen und Private ur b Haltung van Lonzerten, Vollen. Versammlungen u. s. unter liberale Bedingungen ur Ber uaung. lbam, üx eretn sin jeder im tt habt. l?. IB. Seichen Bestatter, Wieder aus demZalrenZPlatz, No. 221 u. 223 Delavne Str. Tel. 250.
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