Indiana Tribüne, Volume 22, Number 62, Indianapolis, Marion County, 20 November 1898 — Page 7
Weiöliche Aerzte. 1 Von Tr. med. Wilhelm Rudeck. Die Frage, ob Frauen das Studium der Medizin gestattet werden solle, gilt allgemein als modern, als ein Profclem,' welches in demselben Sinne der Neuzeit angehört, wie etwa die ersehnte Ausnüdung der Wellenkraft des Meeres oder die erstrebte künstliche Herstellung von Eiweis. Doch wie jeder Stand, so hat auch jede Zeit eine eigene ZZrauensrage. und Karl Bücher hat in einer kleinen Schrift deutlich gezeigt, daß sich in den Städten des Mittelalters von einer recht brennendenFrauen frage reden läßt. Aber auch Einzelfragen, die mit dem Problem einer nxiblichen Berufsthätigkeit zusammenhängen, hat die Welt schon früher erörtert, und im Besonderen ist es die rage, ob sich Frauen dem ärztlichen Berufe widmen sollen, welche einmal im 18. Jahrhundert die Gemüther erregte. Auf der Leipziger UniversitätsBibliothek findet sich ein bisher unbeachtet gebliebenes Büchlein von 16 Seiten, das den Titel führt: Als der Hochwohlgeboren und Hocherfahrene Herr Arb. Fried. Benedict Brückmann ... im Jahre 1750 die längst verdiente höchste Würde in der Arzneikunst ... empfing, wollte ... untersuchen: ob dem Frauenzimmer erlaubt sey, die Arzneykunst auszuüben? ... D. Friedrich Börner, der Rom. Kai. serl. Akademie der Naturforscher Mitglied." Erst auf Seite 13 kommt Börner zu seinem eigentlichen Gegenstand, über den er sein Urtheil folgendermaßen zusammenfaßt: Kurz, das weibliche 3eschlecht ist völlig von der ausübenden Arzneykunst aus zuschließen, und durch obrigkeitliche Befehle davon abzuhalten. Ferne sey es zwar von mir, daß ich den guten Weiberchen allen Zugang zu dem Tempel des Aeskulap verschließen wollte; es würde vielmehr cut seyn, ja sie sind dazu anzumahnen, daß sie fleißig solche medizinische Büher lesen, welche von dem menschlichen örver und dessen Hinfälligkeit eine zuverlässige und gründliche Beschreii un -eben. Aber deswegen ist ihnen nicht erlaubt, Pfuscher zu werden und kranke kuriren zu wollen. Denn wie dieses wider das Ansehen und die Würde der Arzneykunst streitet, welche ursprünglich von dem weisen Schöpfer abstammt und den Sterblichen als eine besondere Wohlthat verliehen worden, tterrn sich die Weider, deren Amt ist die itlickje zu Verwalten und das Hauswesen in Acht zu . nehmen, unter dir Aerzte mischen und die Krankheiten heilen wollten .... so sind noch mehrere Ursachen vorhanden, welche ihnen den Autritt zu Patienten, in so fern sie solche kuriren wollen, völlig und unstreifig verbiethen. Ist eine der vornehmsten Eigenschaften eines rechtschaffenen Arztes, daß er verschwiegen sey, und die Krankheiten derer sich ihm anvertrauten Patienten nicht ausposaune, sondern fein bey sich behalte, weil darauf öfters des Patienten Ehre beruht; wie würde man wohl dieses von den Weibern behaupten können, welchen nach Art der Gänse der Mund niemals stille steht, sondern beständig plaudern, ja was man ihnen erzählt, eben so gut bey sich behalten können als ein Sieb das Wasser. Endlich so gehört auch etwas meh?ere Wissenschaft dazu als die, welche die Weiberchen aus der Frcm Großmutier ihren Handkörbchen haben . . . And wo werden die medizinischen BönHasen des anderen Geschlechtes bleiben, welche sich theils auf abergläubische, -höchst gottlose und billig hochzuftrafende, durch Besprechungen und Bestreichen, theils mit einer thörichten und höchstschädlichen Quacksalberei, 'durch ein Mittel, welches etwan einmal in einer Krankheit geholfen zu haben scheint und das 'die Großmutter von ihrer Frau Aektermutter geerbt zn haben vorgiebt, unbefugter Weise alle Krankheiten zu heben unterfang!, ja wohl noch gar dazu einem rechtschaffenen Arzt veiuNaimpfen und belästernd Mit vorstehendem Citat sind Vornef sachliche" Gründe gegen die Aerztinnen völlig erschöpft freilich kein glänzendes Zeugniß für ein Mitglied Der Akademie. Und welcher Gegensetz zu den beredten Argumenten der heutigen Gegner der Frauenbewegung. Doch kommt es hierauf an diefer Stelle nicht an. Viel wichtiger ist die Frage, wie Börner überhaupt dazu kam, gegen die Aerztmnen Stellung zu nehmen, insbesondere 'ob es im vorigen Jahrhundert bereits weibliche Vertreter der Medizin gab. Das letzrere ist in der That der Fall gewesen. In der ersten Hälfte des 18. JahrHunderts überwand die Engländerin 5atherina Bowes alle Schwierigkeiten. Z)ie sich ihr entgegen stellten, und übte ouch die Praxis aus. Sie erwarb sich sogar einen besonderen Ruf in der chirnrgischenVehandlung von Unterleibsbrüchen. Auch hinterließ sie eine Streitschrift, die sich gegen einen Arzt richtete. In Bologna wurde Laura Bassi 1731 zum Doctor der Medizin und Philosophie promovirt; doch ist es von ihr nicht sicher, ob sie medizinische Praxis getrieben hat. Dagegen übte ihren Beruf wirklich aus, Dorothea Chrisiina Erxleben, welche 1713 geboren, zu Halle Medizin studirt und die Doctorwürde erworben hatte. Sie ist die Verfasserin einer Gründlichen Untersuchung der Ursachen, die das weibliche Geschlecht vom Studiren abhaltend Uebrigens hat es auch zu anderen Zeiten Äerztinnen gegeben. Merkwürdiger Weise ist es wenig bekannt, daß bei der Geburt der Königin Viktoria von England 1819 eine deutsche Doctorin als Hebamme fungirte. Es ist
die Charlotte Heiland, verheirathete -Heidenreich, auch zuweilen mit dem ülmn ihr AdoptivvatttS, ' dti h
kannten Geburtshelfers I. Th. D. von Siebold, genannt. Ihre Doctor-Dis-sertation datirt von 1817 (Gießen) und ist eine bloße Krankengeschichte. Auch die Mutter dieser Aerztin war eine Doctorin der Heilkunde. Italien veist sogar schon im Mittelalter studirte Äerztinnen auf, von denen uns eine ganze Reihe Namen erhalten sind. Der größte Theil derselben scheint auf der Hochschule von Salerno ausgebildet zu sein. Diese Äerztinnen übten die Heilkunde nicht nur praktisch auS, sondern schrieben auch Abhandlungen über verschiedene Fragen der 2!edizui und Physiologie. Die bekannteste von ihnen ist wohl die Trotula de Rüggiero, die wahrscheinlich im 11. Jahrhundert lebte und deren noch vorhabdenes Werk Ueber die Frauenkran, heiten" weiderholt gedruckt wurde, zuerst 1586 von Caspar Wolph, zuletzt 1778. Noch weiter zurück stoßen wir auf weibliche Aerzte im römischen Reiche, wo dieselben, wie es scheint, zuerst eine staatliche anerkannte Stellung eingenommen haben. Die Behandlung der Frauenkrankheiten war hier, neben der Geburtshilfe, ihr Gebiet. Unk? den zahlreich auf uns gekommenen Namen römischer Äerztinnen sind bemerkenswerth eine Spezialistin für Frauenbrüste, eine andere für Epilepsie, ja eine gewisse Elephantis verbreitete sich über das moderne Kapitel vom Haarschund und der Kahlköpfigkeit. Keine von den früheren Äerztinnen hat in der Wissenschaft irgend Hervorragendes geleistet. Dagegen ist eine ganze Reihe Frauen zu verzeichnen, die auf die Medizin von bleibendem Einfluß gewesen sind, ohne diese Disciplin studirt zu haben.- In erster Linie gilt dies von einigen Hebammen. So hat sich die 1821 gestorbene Marie Louise Lachapelle schriftstellerisch ausgezeichnet, desgleichen ihre Schülerin Marie Anna Victoria Voivin. Von dem Werke der ersteren spricht Siebold mit der größten Anerkennung und nennt es eines der besten, welche die neuere geburtshülsliche Literatur der Franzosen aufzuweisen hat." Am meisten bekannt durch ihre wissenschaftlichen Leistungen sind Justine Siegemundin und die Louise Bourgois. Nach dreißigjähriger Praxis gab die Justine Siegemundin (1690) ihr Buch Churbrandenburgische Hoff - Wehemutter" heraus, das mehrere Auflagen und Uebersetzungen erlebte. Siebold sagt von ihm, daß es sich vor den anderen von Männern verfaßten Hebammenbüchern jener Zeit vortheilhaft auszeichne, zumal dasselbe keineswegs eine bloße Kompilation aus ähnlichen Schriften, sondern eine aus eigener vieljähriger Erfahrung zusammengetragene Anleitung bilde." Unzweifelhaft hat diese Frau auch mehrere wichtige Kunstgriffe, durch eigene Versuche gefunden, und bei der Lektüre ihres Buches muß man noch heute erstaunen über die Menge seiner Bemerkungen und noch jetzt giltiger Lehren. Hochinteressant ist ferner, daß eine Frau, die des bekannten Schweizer Wundarztes Fabricius Hildanus, es war, welche zuerst auf den Gedanken kam, mit einem Magneten Eisensplitter aus einem Auge zu entfernen. Fabricius Hildanus berichtet darüber in einem Briefe vom Jahre 1624: Da erdenkt meine Frau das passendste Mittel. Während ich mit beiden Händen die Augenlider öffne, bringt sie einen Magneten so nahe an das Auge, als der Kranke es leiden mag. Nachdem wir dies zu wiederholten Malen geihan, . sprang endlich, wie wir ulle sahen, der Splitter an den Magneten." Erst in allerjüngster Zeit ist dieses ebenso einfache wie geniale Verfahren weiter ausgebildet worden: man bringt sehr mächtige ElektroMagneten möglichst nahe an's Auge heran, um den Eisensplitter entweder durch die von ihm selbst geschaffene Wunde wieder herauszuziehen oder um ihn in die vordere Augenkammer zu bringen, aus welcher er leicht zu entfernen ist. Großen Ruhm hat sich Lady Worthley Montagne durch ihre Verdienste um die Einführung der Blatternimpfung im westlichen Europa erworben. In China, Ostindien, Arabien und im Kaukasus bestand dieBlatternimpfung d. h.. die künstliche Uebertragung leichter Pockenerkrankung als uralter Volksgebrauch, weil diesen Völkern sich schon rechtzeitig die Erkenntniß aufgedrängt hatte, daß einmaliges Ueberstehen der Blattern fast immer vor dem Wiedererkranken schütze. Während ihres Aufenthaltes in der Türkei hatte die Lady Montagne Gelegenheit, die Pockenimpfung kennen zu lernen, und durch ihre Energie und ihre einflußreiche Stellung führte, sie 1720 diese Methode auch in Westeuropa ein, was bisher mehrere Aerzte vergebens versucht hatten. Sie setzte es 1723 durch, daß sämmtliche Prinzen und Prinzessinnen des englischen Königshauses geimpft wurden, und seitdem erregte diese Methode, welche bis zur Einführung der Kuhpocken - Impfung 1798 durch Jenner Tausenden das Leben gerettet hat, zunächst in England, später auch auf dem Festlande, das größte enthusiastische Aufsehen, aber unter vielseitigem Widerspruch, namentlich von kirchlicher Seite. In allerneuester Zeit soll die Frau eines Dresdener Arztes die wichtige Methode der Agarnährböden erfunden haben. Die Bakterien brauchen bekanntlich gewisse Nährsubstanzen, um sich zu vermehren. Neben anderen benützten die Bakteriologen zuerst die Fleischwasser - Peptongelatine. Da aber die letztere bei 25 bis 30 Grad Wärme flüssig wird, kann sie für Bakterien, die nur bei Körpertemperatur wachsen, nicht verwandt werden. Aus dieser Schwierigkeit hat jene Dame, wie erzahlt wird, dadurch einen AuSveg gefunden, dab sie ihren Gatten
veranlagte,' dtt elgentlichenNährlösung Agar - Agar zuzusetzen, ein aus ver schiedenen Tangarten stammendes Pflanzengallert, welches sich erst bei 40 Gr. erstarrt. Die Frauen sind, wie ersichtlich, durchaus nicht ohne Verdienste, und die Frauenvorkämpferinnen könnten gewiß aus diesen Thatsachen neue Waffen schmieden schade nur, daß es nicht studirte Äerztinnen, sondern einfache, praktische, energische Hausfrauen und Mütter waren, welche sich ein Denkmal in der Geschichte setzten. Die Schcidungsjagd. Humoreske von Heinrich Larsen. Gustav?Emilie?" Gehst Du in diesem Jahre nicht auf die Jagd?" Ich?Na ja. Du. wer denn sonst?. . . es war doch stets Dein Hauptvergnügen ! Außerdem wirst Du stark. Du bis natürlich viel zu eitel, um es zu merken! Also wann fährst Du?" Ja, aber. . ." Kein aber! Mit Deinem ewigen aber"! Immer mußt Du das letzte Wort haben! Die Sache ist einfach. Du willst auf die Jagd gehen, ich hindere Dich nicht! Ich gehöre nicht zu den Frauen, die ihre Männer unter Schloß und Niegel halten. Ich werde mich zwar allein langweilen aber was thut man nicht für das, was man liebt. Und außerdem wirst Du mir schreiben! Nicht, Männe?" Gewiß, gewiß!" Sie drückte auf die elektrische Klingel. Anna", befahl sie dem Mädchen, bringen Sie die Koffer des Herrn, aber schnell, hören Sie? Aber sag' 'mal Gustav, wohin fährst Du denn nun eigentlich, da Du doch durchaus auf die Jagd gehen mußt?" Ich weiß' eigentlich selbst noch nicht. Aber vielleicht werde ich nach Mohrungen zu Lembke fahren. Was meinst Du dazu?" Mir ist es ganz gleichgültig, wohin Du fährst, wenn Du nur Vergnügen hast!" Als am Morgen nach de? Ankunft in Mohrungen Rentier Herrmann sich gähnend und die Augen reibend von seinem Lager erhob, schaute aus seinem behäbigen Antlitz nachdenklicher Ernst. Ihm kamen ganz seltsame Gedanken. Das ist doch eigenthümlich. . . . und seine sonst so glatte, glänzende Stirn legte sich in tiefe Falten.. . . . ohne Zweifel, das ist sehr eigenthümlich. Was war nur mit Emilie? Sie machte einen ganz seltsamen Eindruck, als sie von meiner Abreise sprach. Sie trieb mich ja geradezu. ... sie drängte mich beinahe zu reisen. . . Es ist kaum denkbar, . . . aber ich kann mir nicht helfen. ... es kam mir gerade so vor, als wollte sie mich los sein, ... ja, es machte entschieden den Eindruck. . .! Ich kenne das . . . mich betrügt man nicht . . . alter Praktikus . . . hm. immer der alte Vorwand . . . schicken alle ihre Männer auf die Jagd . . . alte Geschichte Emilie, Schlange, die ich an meinem Busen genährt habe, ich will Dich . . . Donnerwetter, nichts will ich . . . vielleicht ist sie mir doch treu .... immer ruhig Blut, mein Junge, nichts übereilen .... Beweise, Beweise! Aber ich muß mir Gewißheit verschaffen ... ich hab's . . . jetzt erwartet sie mich nicht, jetzt kann ich sie überraschen! Ich kehre nach Berlin zurück, steige im Hotel ab, und morgen früh schicke ich einen Dienstmann nach der Wohnung, der unter irgend einem Vorhand nach ihr fragen muß! So mache ich's! Dann werde ich ja sehen, ob sie die Zeit meiner Abwesenheit benutzt hat, fern vom Hause zu sein! . . . Und Emilie, wehe Dir!" In Berlin am Morgen nach Herrmanns Abreise. Frau Emilie sitzt mit ganz nachdenklichem Gesicht am Frühstllckstisch. Sie findet das Benehmen ihres Gatten befremdend: Es ist doch seltsam . . . Gustav war gar nicht so wie sonst, wenn es sich darum handelte, zur Jagd zu fahren. . . Sonst ist er es immer gewesen, der mich um meine Erlaubniß gebeten . . . und diesmal habe ich ihn beinahe bitten müssen. . .er war so zurückhaltend . . . so reservirt. . . Wenn ich nur wüßte. . . oh, die Männer sind ja so schlecht . . . und so geschult im Lügen und Verstellen! In allen französischen Stücken gehen die Männer zur Jagd, wenn sie ihre Frauen betrügen wollen. . . wir sind ja oft genug im Residenz-Theater gewesen ... oh, mein Gott, ich arme, unglückliche Frau ... Ist das die Treue, die Du mir am Altar geschworen hast?" Aber Beweise muß ich haben ... ich fahre nach Mohrungen, dort halte ich mich verborgen, und schicke einen Boten in die Villa Lembke's der nach Herrn Herrmann frägt . . . Äch, Gustav. Gustav. wie konntest Du Deine arglose Frau so betrügen? Aber warte. . .!" Zwei Stunden später sitzt Frau RentierHerrmann in Abtheil 2. Klasse. Der Zug eilt nach Mohrungen. In Berlin. Der Bote kommt zurück und berichtet: Frau Herrmann war in dieserNacht nicht zu Haus. Sie ist seit gestern Morgen fort!" In dieser Nacht nicht zu Haus. Also doch." In Mohrungen: HerrHerrmann ist vorgestern Abend hier angekommen, aber gestern Morgen wieder nach Berlin zurückgefahren." )h, ich arme Frau!" In der Ehescheidungssache Herrmann ist der Verhandlungstermin für die nächste Woche angesetzt.
I m S p i e l des Lebens ist de, ! Einsatz immer größer als der möglicht j vewinn. 1
Ein Kampf. Von P. Fleiscbmann. Endlich bessere Zeiten! Nach all den knappen Jahren! Ach, Gott sei Dank!", stammelte Frau Secretär Ärn5 bewegt am Halse ihres Gatten, ö?? tyr die Nachricht gebracht, daß der Bureaudirector Vraunholz wegen Kränklichkeit seine Pensionirung erbeten habe. Denn die Directorstelle ist mit mehr als dem doppelten Secretärgehalte dotirt und Werner, als dienstältester Secretär. hat die erste Anwartschaft darauf! Am nächsten Tage läßt ihn der Präsident rufen. Mein lieber Werner. Sie werden gehört haben, daß Herr Braunholz sich pensioniren läßt hm. ja und Sie sind der dienstalteste Secretär, das ist richtig, und werden sich Hoffnungen machen. indessen, lieber Werner, in diesem Falle kann das bloße Dienstalü: durchaus nicht entscheiden " Der Secretär wird bleich wie Kreide. nicht entscheiden," wiederholt der Präsident, denn hier handelt es sich um eine leitende Stellung! Der Mann, der sie bekleidet, muß in vieler Hinsicht meine rechte Hand" sein. Und diese Hand, 5err Werner, muß kräftig, sicher und rein sein! Sie verstehen: ich verlange , Energie, unbedingte Zuverlässigkeit und lauterste Ehrenhaftigkeit dafür! An der Letzteren zweifle ich bei Ihnen nicht, aber an den ersteren beiden! Sie sind allzu gutmüthig. Herr Werner, zu der Braunholz'schen Stellung kann ich Sie deshalb beim Herrn Minister nicht in Vorschlag bringen!" Werter ist wie vom Schlage gerührt. De? Präsident bemerkt es und scheint auch seinerseits bewegt. Lange geht er im Zimmer auf und ab. Endlich bleibt er vor dem Secretär stehen und legt die Hand auf seine Schulter. Herr Werner! Es ist ja noch nicht aller Tage Abend! Bis Braunholz in den Ruhestand tritt, vergehen nach dem Gesetze drei, vier Monate; die Ernennung des Nachfolgers eilt alfo nicht. Sie werden Jenen einstweilen zu vertreten haben, nun wohl: beweisen Sie mir doch, wenn Sie's können, daß ich mich in Ihnen irre, beweisen Sie mir's, es sollte mich freuen!" Beweisen! Ja, das ist manchmal eine schwere Kunst, wenn der Zufall nicht mithilft. Besondere Anlässe, wo er dem Präsidenten jenen Beweis hätte führen können, wollten sich gerade nicht einstellen! Da endlich eines Tages eine schöne Gelegenheit! Er hatte Morgens eben das Amtsgebäude betreten, als er einen Vorgang bemerkte, der sich am Fuße des Hauptaufganges abspielte. Dort verabschiedete sich eine hübsche junge Dame zärtlich mit Kuß und Umarmung von Max Hofmann! Das war ja recht nett! Ein Liebchen, von dem er sich bereits Morgens nach dem Bureau begleiten läßt! - Er zeigte sofort dem Präsidenten an, wie Hofmann sich aufführe. Da kann man doch sehen!" meinte dieser kopfschüttelnd, da hatten wir beinahe wieder mal einen Beamten bekommen, der sich jetzt, um seine Anstellung zu erreichen, wer weiß wie eifrig anstellt, denn seine Arbeiten sind ja, wie Sie wissen, vorzüglich für sein Alter und der im Grunde doch ein lockerer Vogel ist." Na, lieber Werner," setzte der Präsident noch freundlich hinzu, geben Sie übrigens m Ihrer Sache die Hoffnung noch nicht auf! Hoffmann soll sci$e Entlassung bekommen!" Bald war der Vorabend des Tages, an dem Hofmann zu entlassen war, herangerückt. Die Werner'sche Familie saß gernüthlich beim Abendbrod zusammen und die Damen sprachen von, dem jungen Hosmann, für den sich besonders Käthchen lebhaft zu interessiren schien. Wie angenehm im Umgange, wie bescheiden, wie sparsam er sei; wie er mit seinen knappen Groschen noch seine Schwester unterstütze . Eine Schwester hat er?" fragte Herr Werner. Ja, Papa!" rief Käthchen innig, o, und an der hängt er mit fo rührender Liebe!" Wie alt ist denn die Schwester?" 20 Jahre!" Wie sieht sie denn aus?" Ja nun, dem Max Hofmann sieht sie eigentlich nicht sehr ähnlich; aber es ist doch ein hübsches Mädchen. Sie ist blond." Herr Werner war im Klaren! Er ließ sich indessen nichts merken und ging zeitig zu Bette. - Aber von Schlaf war keine Rede! Daß. wenn er morgen dem Präsidenten das Versehen eingestehen und ihn um Hofmann's Beibehaltung bitten würde, alles verloren war, das stand wohl fest. Denn diese Unzuverlässigkeit würde er ihm gewiß nicht verzeihen! Ja, aber hatte Werner es denn nicht in der Hand, die Sache 'einfach todtzuschweigen? Einen Augenblick hing er diesen Gedanken nach. Aber dann wußte er was er zu thun hatte! Als Werner, nach endlichem kurzen Morgenschlafe später als sonst erwacht, gefrühstückt hatte und nach dem Amte ging, wollten ihn- seine Füße fast nicht tragen. Bleich, mit verstörter Miene betrat er verspätet das Bureau, das Guten Morgen" wollte ihm kaum von den Lippen, da ein allgemeines Rauschen und Rücken; alle Beamten eilten mit feierlichen Mienen auf ihn
zu, und Meinen ehrerbietigsten Glückwunsch, Herr Direktor!" rief der Nächste. Dann gratulirten die Anderen. Noch einmal kämpfte Werner mit sich, aber einen noch schwereren Kampf als vorher. Dann eilte er pochenden Herzens zum Präsidenten, und ohne Rücksicht darauf, daß dieser etwas sagen zu wollen schien, gestand er ihm mit bebender Stimme den Irrthum über Hofmann. Der Präsident schien betroffen. In diesem Augenblick brachte der Bureaudiener eine rothe Mappe mit zwei Schriftstücken. Und", fragte der Präsident, die Schriftstücke entnehmend, zu Werner gewendet, und Sie wissen noch nichts von dem Inhalt dieses Erlasses, wonach es in meiner Hand steht, Ihnen Ihre Ernennung ?" Doch, doch, Herr Präsident! Ich kenne den Inhalt; aber gerade deshalb durfte ich doch nicht ich raubte Ihnen doch " O, dann," erwiderte der Präsident freundlich und streckte ihm beide Hände entgegen, dann gratulire ich Jhnen!" Jetzt habe ich Sie erst recht erkannt. Sie sind ein Gewissensmensch, lieber Werner; das Pflichtgefühl geht Ihnen doch über Alles. Ich hoffe, daß Sie sich immer so bewähren werden. Werner aber stammelte seinen Dank, steckte die erhaltene Ernennung in die Brusttasche und stürmte seligen Herzens zu Frau und Kind.
Zlcber dem Abgrund. Von Friedrich Mülburq. Auf dem weiten Becken der Maas liegt die Abenddämmerung. In der Taverne Zum lustigen Leben", an der Straße von Broive nach Haneffe, schimmert aus den Fenstern des unteren Stockwerks heller Lichterglänz. In dem das ganze erste Geschoß einnehmenden Schänkraum stehen vor dem Büffet Gruppen schwarzer Gestalten, andere haben die Bänke um die massiven Eichenholztische besetzt. Aus einer Ecke, in welcher einBillard Platz gefunden, hallt das unaufhörliche Rollen der Bälle und die jeden verfehlten Stoß begleitende scharfe Kritik der Zuschauer. Die Unterhaltung ist überhaupt eine lebhaftere als gewöhnlich. Es ist Sonnabend, der Lohntag der Bergleute der Kohlenzechen, und die Tagesschicht vorüber. Heute lassen Alle etwas draufgehen, Wallonen und Vlamen, Deutsche und Polen. Aus dem Tabaksdampf von der Decke herab glühen die Hängelampen. Goldgelb leuchten die nassen, schäumenden Biergläser neben dem matten, grünlichen Absinth. Das Gewirr der Stimmen und das Geklirr der Gläser erfüllt die warme, feuchte Luft des Wirthszimmers. - Ein besonders hitziges Wortgefecht hat sich an dem quer vor der Barre stehenden großen, runden Tische entspönnen, an welchem auch die in der Nähe Sitzenden regen Antheil nehmen. Es handelt sich um einen vor Kurzem geplanten Ausstand, dessen bereits erwählte Führer schon jetzt, ehe die Bewegung in Scene gesetzt werden konnte, von der General-Direction der Bergwerke gemaßregelt worden waren. Das ist eine Infamie!" Es ist Verrath dabei im Spiele!" Mäßigt Euch, der Verräther ist mitten unter uns. Er schürt, stachelt und hetzt am meisten. Mareiken beim Director de Mont, der er immer nachschleicht, obwohl sie ihn verabscheut, war unabsichtlich Zeugin, als er dem Herrn die Angaben machte und den Anschlag preisgab. Es ist Henri Desänne." Hochauf fuhr der hünenhafte Wallone, als er seinen Namen nennen hörte, seine nervige Rechte ballte sich wie im Krampfe, den Oberkörper beugte er weit vor, und seine tiefschwarzen Augen lohten wie die eines sprungbereiten, beutegierigen Raubthieres hinüber nach dem Ankläger, dem Vlamländer Pol Verhaeren, der ihm ruhig entgegenblickte. Hund, das sollst Du mir büßen!" Doch plötzlich in ein boshaftes Lachen ausbrechend, einen tückischen Blick auf seinen Widersacher werfend und die Angriffstellung aufgebend, rief Desänne: Verhaeren ist ein Narr. Er ist eifersüchtig, weil ich in leinem Revier der Fährte von de Mont's Mareiken nachspüre. Er glaubt, ich jage ihm die Wildkatze ab, wolle auf seiner Mutung Raubbau treiben. Dummer Kerl, es gibt der Mädels noch viele vom hohen Been bis zur Nordsee." Eine schwüle, sternlose Mainacht. Im schwarzen Lande lodern die Essen. Ringsum aus der tiefen Finsterniß brechen die glühenden Krater, und hier und dort glänzt ein Ausguß glimmender Schlacken, wie der frische Lavaström eines Vulkans. Die dumpfe, heiße, nächtige Atmosphäre ist. geschwängert mit den jetzt unsichtbaren Dämpfen der Fabriken, dem in zahllose Atome zersetzten feinen Staub der Kohlen und wird dadurch noch drückender, schwerer. . Ueberall Zeichen großartiger, menschlicher Thätigkeit, doch nirgends der Laut einer Menschenstimme. In geheimnißvoller, gespensterhafter Regungslosigkeit und Ruhe schauen die Feueraugen durch die dunkle Einsamkeit der Frühlingsnacht. Auf dem Schachte No. 12 der Zeche Sanct Gudule" stehen zwei Bergleute zur Haöpelbedienung. Aus einer alten, rostigen KohlenPfanne neben dem Ventilator fällt der
rothe Lichtschein auf die Gestalten der Männer, die mit strammer Anspannung der Muskeln des entblößten Oberkörpers die Handeisen drehen, so daß Ring an Ring des Drahtseils der heraufkommenden vollen Förderschale sich um das Holz der Welle legt. Schweigend, wortlos verrichten die Beiden die Arbeit der Nachtschicht auf der an einer entlegenen Stelle des Betriebes niedergeführten Täufe. Es ist Henri Desanne und Pol Verhaeren. Während der Vlame die Förderschale vollends auf den Rand des Schachtes emporzieht und dann den Inhalt die Halde hinabschüttet, folgen ihm die Augen Desanne's in grimmigem Haß, in kaum zu bändigender Rachsucht. Rascher, als sie heraufgewunden, senkt sich die Förderschale wieder hinab auf die Schachtsohle. In der Füllungspause verläßt Verhaeren seinen Platz, um das Feuer der Kohlenpfanne nachzustoßen. Dabei streift er absichtslos den nackten rechten Oberarm seines Gegners. Mit einem dumpsen Wuthschrei wirft sich sofort der vor Erbitterung und Eifersucht rasende Wallone auf seinen Schichtgenossen, und neben der gähnenden, schwarzen Tiefe entbrennt ein Kampf auf Leben und Tod. Desanne hatte seinen Nebenbuhler an der rechten Schulter und der linken Hüfte gefaßt, indeß dieser ihm mit der rechten Hand die Kehle umkrampfte. Der stämmige, jüngere Vlamländer ist dem riesigen Wallonen fast an Kräften gleich; jedoch hat der Letztere bei seinem blitzschnellen Angriff sich die beste Stellung gewahrt. Auf dem schmalen Plateau der Halde, dicht hinter dem Rücken Verhaeren's, lauert die Schachtöffnung. In stummem Ingrimm ringen die Männer, taub für Alles, was um sie her vorgeht. Das dreimal wiederholte Signal zum Aufholen verhallt ungehört. Schon ermattet die Kraft Desanne'S, die Faust des Gegners hemmt ihm den Athem, vor den Augen sprühen ihm Funken. Der Druck seiner Arme wird schwächer da gleitet plötzlich der Vlamländer über ein am Boden liegendes Holzstück aus und sinkt in die Knie. Mit einer gewaltigen, letzten Anstrengung reißt ihn der Wallone dicht am Schachtrande vollends nieder. Doch während Desanne triumphirend einen Moment lang dem Gestürzten in's Antlitz schaut und ein grimmiges Lachen seine Züge überfliegt, löst sich aus der schwarzen Tiefe der Schichteinfahrt eine dunkle Gestalt, ein furchtbarer Faustschlag ichleudert den siegestrunkenen Wallonen zur Seite. Zugleich wird Verhaeren von dem Abgründ zurückgerissen und springt empor. Vor den Todfeinden steht der Schichtmeister Ritter, ein Westfale, trotz seiner Strenge im Dienst der beliebteste Beamte im ganzen Betriebe, der zu jeder Zeit, Tag und Nacht, der Belegschaft an den gefährdetsten Punkten voranstand. Was ging hier vor?" Desanne ist wahnsinnig, Herr Schichtmeister. Lassen Sie ihn laufen und Vorgefallenes unerörtert." Mir ahnte gleich Unheil, als das Signal zum Anziehen erfolglos blieb und ich drunten vernahm, daß Ihr Beide allein hier oben Schicht hattet. Desanne, Sie sind entlassen. Ihren Lohn werde ich morgen anweisen zur Erhebung. Sie sind sonst ein brauchbarer Mensch; aber neulich machte Sie die Eifersucht zum Verräther an Ihren Genossen und heute beinahe zum Verbreche?. Meiden Sie die Lütticher Gegend, drüben bei Verviers gibt's Arbeit genug." Mit einem dumpfen Glück auf!" verschwand der Wallone im Dunkel. Unheimlich durch die schwüle Finsterniß der Lenznacht lohen rings .im schwarzen Lande die Essen. In vollen Zügen athmet der Vlame die erstickende Luft, seine Augen leuchten aus in Lebensfreude nach der furchtbaren Gefahr. Weithin lodernde Feuer und stummes Dunkel. vesstMsche Gentlemen.
Von der zahlreichen Literatur übe: Adessinicn und den letzten Feldzug ver dient ein Werk Beachtung, das in geradezu rührender Weise uns Typen von Abessiniern vorführt, die mit denen der blutdürstigen Kannibalen a la Ras Alula, Negus Johannes unv dergleichen auf Grellste kontrastiren. Und zwar ist es ein bei Adua in Gefangenschaft gerathener Stabsarzt, Tr. D'Amato, der in seinen Nicordi d'un prisionicro" seinen adessinischcn Wohlthätern ein leuchtende Denkmal setzt. Voraukgcschickt sei allerdings, daß auch Tr. T'Amato den Abczsinicr im 'AUgcmcinen als grausam, rachsüchtig, habgierig und boshaft schildert und über schcußlichc Unthaten berichtet, die an armen Verwundeten und wcbrlosen ('cfangcnen begangen wurden; so über die Niedcrmehclung von etwa hundert Gefangcnen (Offizieren und Soldaten), die als Todtcnopfer für den gefallenen Nas Gobaje allesammt niedergemacht und deren Gebeine im Kreis um das Grab des Häuptlings aufgeschichtet wurden. Einen wohlthuenden Gegensatz, zu solchen Greuclscenen bietet, was der Stabsarzt von einem jungen abessini schen Prinzen Ligg Nado erzählt, den die Gefangenen gleich am Abend der unglücklichen Schlacht kennen lernten. Tie Aerzte waren, nachdem sie in dem improvisirten Feldspital ihre blutige Arbeit gethan, todtmüde und sanken erschöpft zu Boden, als der Prinz erschien und ihnen mieden Verwundeten Labung (sogenannten Tegg) reichte. Kein anderer Abefsinier hatte sich bisher im Geringsten um die armen Verwun
deten gekümmert, die zum Theil in der Gefangenschaft absichtlich verstümmelt worden waren. Als Ligg Nado dem sterbenden Lieutenant Piccinini zu trinken gab, dankte ihm dieser mit den Worten: Ligg Nado, Tu bist kein Anderer als der gute Gott selbst". Während der sechsundfünfzig Tage dauernden Märsche nach Addis Abeba verleugnete der Prinz, übrigens mit Erlaubnis dcö Negus' seine herzliche Aufmerksamkeit keinen Augenblick, beschenkte die Osfiziere und Aerzte mit Lebcnsmitteln und Kleidungsstücken und ver.nied es durchaus, jemals auch nur mit einem Worte die Schlacht von Adua zu berühren. Einmal versuchten wir," schreibt T'Amato, das Gespräch darauf zu bringen, Ligg Nado wich aber der Antwort aus, sprach von etwas anderem und lud uns lachend zum Mittagessen ein Waren wir traurig oder schlechter Laune, so fragte er uns in freundlichem Tone: Wünscht oder braucht Ihr etwas? Fühlt Ihr Euch schlecht? Werdet Ihr auch an mich denken, wenn Ihr wieder in Italien seid?" Und derselbe Ligg Nado hatte bei Adua seinen Bruder verloren! Nach der Ankunft in Addis Abeba lud der Prinz die Aerzte zu einem großen Bankett in seinem Hause ein und holte sie selbst zu Pferde und in Begleitung seines Hofstaates" ab. Ligg Nados Haus ist mit verschwenderischem Reichtham eingerichtet; man sitzt auf WienerStühlen, und das Menü ist ganz undgar europäisch. Als die Aerzte, die siä seit Monaten nicht recht satt gegessen, sich des Abends nach ihrem Tukcl" begaben, hatten sie des Guten sogar etwas zu viel gethan. Ein andermal lud der Prinz sämmtliche Offiziere tnr und die Italiener trugen ihre Königs Hymne und das bekannte Funiciili, funicula" vor. dessen famosen Jarn-mo-Jammo-Nesrain" die anwesenden Abessinier voll Enthusiasmus mitsangen. Ligg Nado besuchte die (ikfan genen aber auch in ihrem Zelt, spielte mit ihnen das italienische Kartenspiel Scopa" und ließ sich der Gute! dabei regelmäßig große Quantitäten Tegg kommen, sintemalen man, seiner Behauptung zufolge, mit trockener Kehle nicht Karten spielen könne. Tcr Abschied von Ligg Nado war rührend, und die Italiener hoffen bestimmt, ihren Freundfrüher oder später bei sich begrüßen zu können. Ein anderer Gentleman war Grasmar Josef, allerdings von portugiesischer Abstammung. Er hatte vom Abessinier nur die Farbe und das Aeußere undwar im Uebrigen ein vollendeter Gentleman", was man von den in Abessinien weilenden Franzosen nicht sagen kann. Am gemeinsten führt sich Hauptmanrr. Elochette auf, der die wehrlosen Italiener bei jeder Gelegenheit kränkt, belcidigt, beschimpft, obschon italienische Aerzte dcmBiedermann das Leben gerettet. In ihrer ganzen Rohheit und ihrem wilden Jtalicnerhasse zeigen sich die Franzosen aber, als Menelit den der Spionage überführten iialieniscken Ingenieur Eappucci ihnen, als Weißen, zur Bestrafung übcrgiebt. Tie Franzosen stimmen für Hinrichtung, aber Menelik ist menschlicher als die Söhne des Kulturvolkes und begnadigt Eappucci zum Kerker. Auch Eappucci's Frau, eine junge Abessinierin, ist von rührender Anhänglichkeit und Güte, ein Pendant zu Ligg Nado; sie sucht ihren. Mann zu befreien, besticht die Wächter, schickt Eappucci heimlich Briefe und Nahrungsmittel und nimmt ihm zu Liebe den ganzen Haß ihrer Lands!?ute willig auf sich. Ein Frauentyp, der in je--nem barbarischen oder halbbarbarischen Lande übrigens nicht allzu selten zu sein scheint, denn mehr als ein aus der Ge fangenschaft Zurückgekehrter weiß die Zärtlichkeit und Treue seiner abessini.schen Freundin zu preisen." - Der arlsbrunnen.
Eine merkwürdige Quelle ist beim Dorfe Eichenberg im Grenzgebiete der Provinzen Sachsen, Hannover und Hessen zu sehen. Sie fließt zwei Stunden lang stark und dann die gleiche Zeitdauer wieder schwach, so daß sich hierin gewissermaßen eine starke Ebbe und Fluth wiederspiegelt. Diese Quelle, Karlsbrunnen" genannt, entspringt im nördlichen Theile des Dorfes und ist insofern historisch geworden, als sie schon im vorigen, Jahrhudert die Aufmerksamkeit des Landgrafen Karl von Hessen auf sich gezogen hat. Dieser ließ die Quelle grottenhaft überbauen und an der Front der Quellenfassung die in Stein gemeißel' ' Inschrift I. 1765 G anbringen. Touristen aus aller Welt suchen die Quelle auf und beobachten mit höchstem Interesse den Uebergang von der schwachen zur starken Strömung. Nach einem plötzlich erfolgenden dumpfen unterirdischen Getöse steigt das Wasser im Grottenbecken schnell um 25 Centimeter und die Auslaufröhre, die ebenfalls nur um ein Achtel gefüllt ar, vermag jetzt die anstürmenden Wasser nicht zu fassen. Nach zwei Stunden nimmt der Quell ebenso plötzlich wie er gestiegen ist, loiede? ab. Die in den Stunden starken Quellens ausgespieenen 200 Liter Wasser auf die Minute speisen eine für das Dorf angelegte Wasserleitung. Klassisch. Unteroffizier (au einer Rekrutenabtheilung): Kerls, in euren öden Schädelhöhlen wohnt das Grauen!" Gedankensplitter eines Esels. Der Mensch sagt: Wenn dem Esel zu wohl ist. geht er auf's Eis." . . . Dummheit! Wenn nun einem im Sommer zu wohl ist? Die Menschen schimpfen darüber, daß 'mal ein Esel einem todten Löwen einen Tritt gegeben hat. Soll man etwa einem lebendigen Löwen einen Tritt geben? Das könnte jedenfalls nur ein kolossaler Esel thun!
