Indiana Tribüne, Volume 22, Number 62, Indianapolis, Marion County, 20 November 1898 — Page 6

Lasso firrrl Humoreske von Mathias datier. Ein Gutsherr ging mit seinem Zi geuner auf die Jagd. Als die Mit tagszeit herannahte und die Beiden an eine schattige Gehölzgruppe kamen. sprach der Gutsherr also zu seinem Famulus: Zampo, hier i,: gut weilen! Du kannst Dich' hier ausruhen; ich zverde noch einen kleinen Rundgang machen, unterdessen sollst Du den Braren auspacken und Alles schön Herrichitn; ich komme bald wieder, dann werden wir essen." Zampo öffnete den Korb, breitete auf 'das Gras fein säuberlich eine Serviette aus, auf die Serviette legte er ein reines Seidenpapier und auf dieses den Wildgansbraten. Neben den Braten stellte er zwei Gläser und zwischen diese die lose zugepfropfte Weinslasche. Hierauf schlug er die Füße nach Türkenart iiber's Kreuz, stützte seinen schwarzen Aroncekopf auf beide Arme und liebäugelte stillvergnügt mit dem duftenden Gansbraten. Es dauerte schon eine geraume Zeit, aber der Gutsherr lieb slch noch immer nicht blicken. Und gerade heute hatte Zampo einen gar so erbärmlichen Hunger. Er betrachtete mit wachsendem Interesse den Braten, dessen herrliche Düfte er mit andächtigem Wohlbehagen genoß. Bald sah der gute Zampo aber ein, daß man vom Duft allein nicht satt werden kann, und faßte den frevelhaften Entschluß, sich ein kleines Stückchen auf eigene Gefahr zu Gemüth zu führen. Er überlegte nun. welches Stückchen man am wenigsten vermissen würde, und entwickelte folgende Logik: Kopf hat das Vieh nur eins, sieht man gleich, wenn fehlt; Brust hat auch nur eins, Hals auch nur eins aber Fuß hat mehr wie eins vielleicht hat Herr gar nicht gezählt!" Bevor er den waghalsigen Gedanken noch ganz ausgesponnen hatte, war die schwarze That schon vollbracht. Es dauerte wieder eine lange Weile und Zampo war eben im Begriffe, seine Logik mit den Flügeln der Gans weiter zu entwickeln, als er plötzlich die nahenden Tritt, des zurückkehrenden Gutsherrn vernahm. Dieser ließ sich .neben seinem Famulus nieder und eröffnete die Tafel. Du, Zampo, wo ist der zweite Fuß .von der Gans?" Zweiter Fuß," wiederholte Zampo mit einem so dämlichen Gesichte, als könnte er. diesen Gedanken gar nicht fassen. Wildgans hat nur ein Fuß!" Aber, Zampo, jeder Vogel hat doch zwei Füße!" Ja. jedes Vogel hat zwei Fuß. abtt Wildgans hat nur eins ist Ausnahme." Da der Gutsherr ein einsichtsvoller Mensch war und den eigentlichen Zusammenhang der Dinge wohl errathen hatte, ließ er die Sache vorläufig auf sich beruhen und nahm sich vor. den braunen Kerl gelegentlich schon zu überführen. Als die Beiden sich bereits auf dem Heimwege befanden, sahen sie von ferne auf einem Stoppelfelde zwei Wildgänse und zwar, nach alter Gewöhnheit, auf einem Beine stehend. Zampo erfaßte sofort die Gelegenheit, sich von einem etwa noch haftenden Verdacht gänzlich reinzuwaschen, und jubelte, indem er auf die Wildgänse zeigte: Hab' ich g'sagt, Herr, Lüildgans hat nur ein Fuß!" Der Gutsherr begriff aber ebenfalls die Situation, klatschte laut in die Hände und rief: Hallo brrr!" Die Wildgänse stellten sich sofort auf beide Füße, nahmen einen Anlauf und flogen davon. Nun. Zampo," sprach ironisch der Gutsherr, wie viele Füße hat die .Wildgans?" Aber Zampo kam nicht so leicht in Verlegenheit und entgegnete ganz phlegmatisch: Warum hast Du bei die andere Gans nicht auch gemacht: Hallo brrr?!" Anständig und Unanständig.

Heinrich der 72. von Reuß-Loben-stein, dessen Abdankung von 50 Jahren erfolgte, zeigte eine besondere Force in Veröffentlichungen von Proklamationen. Ein solcher Erlaß befindet sich in der Geraischen Zeitung und zeigt, daß der zeitweilige Beschützer einer Lola Montez bei seinenUnterthanen sehr auf Anstand hielt. Der Erlaß lautet: A. Alle anständigen" Fremden könren Tvährend meines Aufenthaltes hier zu jeder Tagesstunde dasSchlotz und seine Umgebung besuchen. Wollen Genannte das Innere sehen, so melden sie sich beim Thorwärter. (Es ist stets ein Thorwärter da.) Bei dem Thorwärter erfahren die Fremden das Nöthige. Da Ich hier von anständigen Fremden rede, so nehme Ich an, daß sie nichts Unanständiges beHegen; z. B. keine schweren Stöcke, Hunde, keine schmutzigen Stiefeln, Worte. Lieder etc. Narrenhände etc. Wünscht jemand in den Anlagen herumgeführt zu werden, so kann er bei dem Hosgärtner darum bitten. Doch kann und soll Niemand Anständiges" in dem Besuch der Anlagen gehindert sein. 15. Hiesiges anständiges Publikm wie ad A. Mit dem Unterschiede, daß es die Fähnlein, die den Durchgang verbieten, zu beach i'ix hat; daß Sonntags vorzugsweise dem Besuche gewidmet ist. Mit der Dunkelheit hört der Besuch auf. Wa- . ?um? Weil dann die Begriffe Anständig" und Unanständig" sich verwirren. C. Auf Tinz oder dessen Garten sin det Obiges Beziehung, mit der Bemerkung. daß dort die Fasanerie besondere Berücksichtigung verdient. SchloßOsterfhirt, den 25. Sept. 1844 H. LXXIL i Mancher hat es nicht 'mal Mte, daß ein Anderer sich vul wünscht.

Zm Aaskenkand. Es gibt in Frankreich keine Landschast, die dem Wanderer so viel Merkwürdiges darbietet wie jene Gegend, die im Norden von Adour, im Süden von der Pyrenäenkette, im Westen vom Ocean und östlich vom Bear ner Land umschlossen wird. Sie umfaßt drei Striche mäßigen Umfangs: das Unterland von Navarra, in dem die Städte St. Palais und St. Jean-Pied-de-Porte liegen, das Labourd mit Bayonne und Biarritz und die Soule, deren Hauptstadt Mauleon de Soule ist. Man könnte sich dort weltfern von Frankreich wähnen, aber auch weltfern von Spanien, und es ist vor Allem das Aeußere der Bewohner, das diesen Eindruck auf uns macht. Die Basken unterscheiden sich wesentlich von den Bewohnern der genannten beidenLänder, und ihre merkwürdigen Gewöhnheiten und eigenthümlichen Sitten fessein mit Recht die wenigen Fremdlinge, die sich in diese rauhe und wildeLandschast verirren. Unverkennbar tritt uns in diesem merkwürdigen Volksstamm das Gepräge einer Urbevölkerung entgegen, die noch dieselbeSprache spricht wie in grauer Vorzeit, und deren Gewohnheiten sich von Jahrhunderten herschreiben. Die Baskin ist im Allgemeinen hübsch; das regelmäßige und dabei doch lebendige Gesicht in großen, ausdrucksvollen Augen und einem Munde, den, halbgeöffnet, fast immer der Zug eines leichten spöttischen Lächelns umspielt, erregt sofort die Aufmerksamkeit auch des gleichgiltigsten Beobach-

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Eingang zu St. Jean. ters. Als junges Mädchen liebt die Baskin den Putz, und man kann sogar sagen, daß sie etwas kokett ist; als Frau und Mutter widmet sie sich ganz ihrem Manne und ihren Kindern. Sie ist arbeitsam, sauber, sparsam und gewissenhaft. Der Gesichtsausdruck der Basken verräth Intelligenz und Stolz, der Wuchs wahrt das Mittelmaß; die kräftigen und schön geformten Glieder sind geschmeidig und von bemerkenswerther Beweglichkeit, übrigens gestählt durch anhaltende Turnübungen, denen man sich von frühester Jugend an hingibt. Wir können uns hier nicht auf eine umfassende Schilderung sämmtlicher baskischen Volkssitten einlassen, doch glauben wir, daß eine anschauliche Darstellung einiger der hauptsächlichsten dem Leser ein mehr als gewöhnliches Interesse einflößen wird. Wenn wir uns diejenigen auswählen, die sich auf die Verheirathung beziehen, betreten wir damit ein allgemein verständliches Gebiet, das um so anziehender sein dürfte, als es uns mit einer der wichtigsten Handlungen des Lebens in Berührung bringt. Die ersten Schritte zu der Verlobung spannen sich zwischen den jungen Liebespaaren gewöhnlich an den langen Winterabenden an, wenn man die Maiskolben enthülst. Die Nachbarn suchen sich auf und helfen sich gewöhnlich gegenseitig bei der Arbeit, die Haupt st raßeinSt. Jean. kaum zu bewältigen sein würde, wenn sie von den Dienstleuten nur des einen Gehöfts ausgeführt werden sollte. Man nimmt in der großen Stube vor dem hohen Kamin mit dem flackernden Feuer Platz, die Frauen, und jungen Mädchen auf der einen Seite, die Burschen auf der andern. Die Eltern überwachen das Ganze von ihren alterthümlichen Lehnstühlen aus. Die Arbeit geht munter von Statten. Bursche und Mädchen tragen Gedichte des Landes vor, das an Dichtern überreich ist. Nicht selten sind einer bis zwei bei derartigen Versammlungen zugegen. Man wendet sich an den anwesenden und fordert ihn auf, etwas aus dem Stegreif zum besten zu geben. Er läßt sich gewöhnlich nicht lange bitten, wie das ja fast allerwärts die Dichter so machen. Er improvisirt dann und wählt sich in der Regel als Thema den Liebeshandel dieses oder jenes anwesenden Pärchens, das er mit hinreichender Deutlichkeit kennzeichnet, doch ohne es zu nennen. Hat man es erkannt, dann bringen die Nachbarn bald in dieser, bald in jener Weise mit Neck- und Stichelreden die Verlobung der jungen Leute auf das Tapet, und die Eltern, die übrigens im Voraus von Allem verständigt sind, verkünden die demnächstige Hochzeit. Der natürliche Hang zur Poesie ist übrigens bei den Basken sehr verbreitet. Am BacheSrand, wo die Wäscherinnen sich zusammenfinden, an den Abenden beim Enthülsen der Maiskolden, auf dem Felde hinter dem Pfluge, bei den Kirchweihfesten oder Nachts beim Sternenlichte improvisiren die coblacari diejenigen der baskischen Landeskinder, denen ein günstige?

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Stern bei der Geburt Dichterruhm in Aussicht gestellt hat Liebesklagen, Hirtengesänge oder Abendlieder, und geben sich dabei wirklichen dichterischen Wettkämpfen hin. Das Merkwürdige und geradezu Staunenswerthe dabei

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Vortrag einesDichters. ist, daß diese Poeten meist weder lesen noch schreiben können; ihre Dichtungen pflanzen sich mündlich fort und werden allenthalben vorgetragen; zum größeren Theile sind sie von einem Gedankeninhalt, einer Formenglätte und einer so unvergleichlichen Schönheit, daß sie getrost den Vergleich mit dem Vollendetsten, was die griechische und lateinische Literatur hervorgebracht haben, aushalten können. Es sind Spottgedichte, Sagen und volksmäßige Tragödien, die diejenigen, die sie vortragen, zur Begeisterung hinreißen und die Uebersetzer mit Bewunderung erfüllen. Die Festlichkeiten, welche aus Anlaß einer Verlobung stattfinden, bieten nichts Besonderes, aber die Ueberführung der Hauseinrichtung, welche die Braut mitbringt, gestaltet sich zu einem großen Schaugepränge. Jeder Wagen. der womöglich neu sein muß, ist mit einem Theile der Möbel und des sonstigen Hausraths beladen, und jeder wird von einem Paar prächtiger Ochsen gezogen, die mit einem Tuche von tadelloser Weiße bedeckt sind, die Hörner reich verziert und mit Bändern und Quasten geschmückt. Der Zug wird von dem Bräutigam angeführt, dessen Stachelstock mit einer D e r M u t ch i c o. weißen Bandschleife geschmückt ist, und dem der Schreiner, der die Möbel angefertigt hat, in seinem Arbeitsanzuge folgt. Auf dem ersten Wagen ist die vollständige Einrichtung des Schlafzimmers untergebracht, das Himmelbett mit seinen Vorhängen und dem mit Spitzen geschmückten Kissen, das oben auf dem Betthimmel thront. Vorn auf dem Wagen befindet sich auf einer Unterlage von Seidenstoffen ein Spinnrocken, mit Flachs bedeckt, und mit einer Spindel, auf der ein Faden von äußerster Feinheit erglänzt, zum Zeichen des Fleißes und der Geschicklichkeit, mit der die Braut begabt ist. Die Näherin, die mit der Anfertigung der Kleider und eines Theiles der Ausstattung betraut gewesen ist, sitzt hinten auf dem Wagen und hält auf ihrem Schoofe den Spiegel für das Schlafzimmer. Hinter dem Wagen führen die Ehrenburschen einen mit Bändern reich geschmückten Hammel. Dann folgen die Nachbarn mit ihren Frauen und Mädchen, die reich vergoldete Brotlaibe und Marzipanbrote tragen. Sobald der Zug vor der Behausung des jungen Paares Halt gemacht hat, erscheint die Mutter der Braut, um Alles in Empfang zu nehmen und die Freunde auf den folgenden Tag zu der Hochzeitsfeier zu bitten. Vergnügungssüchtig, wie die Basken es im höchsten 'Grade sind, erscheinen die Gäste in reichem Schmuck und die jungen Leute begleiten den Brautzug mit ihren Tänzen. Schon vor dem Aufbruch zur Trauung wird vor der Wohnung der Braut der Nationaltanz Mutchico" aufgeführt. Der Mutchico" wird stets bei allen Gesellschaften und Privatfestlichkeiten getanzt, aber auch, wenn es gilt, gewifsen Persönlichkeiten , bei bestimmten Veranlassungen eine Huldigung darzubringen, wie bei der, die uns gegenwärtig beschäftigt. Der junge Mann, der den Mutdjico" in tadelloser Weise tanzen will, muß die Arme schlaff am Leibe herabhängen lassen, ohne sie in merklicher Weise zu bewegen; er muß die Schultern zurückgebeugt, den Leib gerade, den Kopf leicht nach der Brust geneigt und den Blick streng und ernst auf den Halbkreis gerichtet halten, den er sich zu beschreiben bemühen muß, und den er weder überschreiten noch unberührt lassen darf. Er muß den Tanz rasch und lebhast durchführen, so lange die Musik spielt. Dann werden von den Umstehenden zwei Stäbe im rechten Winkel kreuzweise auf den Boden gelegt, und jeder Tänzer führt von dem einen Winkel bis zum andern eine Reihe von Bravourstückchen aus, an Geschwindigkeit mit der Musik wetteifernd, und wenn die Musikanten ermüdet schweigen, springen die Tänzer nach den Stäben und ergreifen sie zum Zeichen, daß sie den Sieg errungen haben und der Tanz vollständig gelungen ist. Es liegt übrigens nichts Rohes und ebensowenig etwas Gekünstelies in dieser Art des Tanzes, der einen sehr artigen Anblick gewährt, wenn die Anzahl der Tänze? groß und gut gewählt ist.

Akte Wain-Hrte. Jenen großen und größeren Stab ten, die sich noch des Besitzes von Schätzen alter Kultur und Kunst erfreuen, fehlt es bekanntlich weder an Ruhm noch an Zulauf von Seiten eines genuß- und lernbegierigen großen Publikums. Wesentlich stiller pflegt es in den abseits von diesen Hauptorten liegenden Nachbarstädtlein und -Märk-ten zuzugehen, und doch haben auch diese, als auf demselben alten Culturboden erwachsen, zumeist von dem Erbe einer reichen und schöpferischen Vergangenheit noch manches sehenswerthe und unberührt eigenartige Stück aufbewahrt. Das große Publikum hat allerdings für sie, die Ungenannten und daher Unbekannten wie übrigens natürlich , keine Zeit, und so bleibt es denn einer Minderheit, etwa einem Maler oder einem geschichtlichen und architektonischen Dingen nachgehenden Menschen vorbehal-

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Motiv aus Sulzsee. ten, dort Entdeckungsgänge zu machen. An solchen Gebieten ist nun im alten und schönen Deutschland kein Mangel, an der Donau so wenig wie am Neckar und Main, und so liegt denn auch an dem letzteren, dem windungsreichen und weingesegneten, wesentlich im Bannkreise der Bischofsstadt Würzbürg, eine Reihe von solchen nicht übel bedachten conservativen und unbesuchten Ortschaften. Wir nennen FrickenHausen, Sulzfeld, Dettelbach, Heidingsfeld, Sommerhausen und etwa noch Jphofen und Mainbernheim. Sie alle bieten sich dem herankommenden Wanderer noch dar in jener trotzig-be-haglichen Mehrhaftigkeit aus den Tagen des ausgehenden Mittelalters, des Dreißigjährigen Krieges; sichtlich völlig echt, wenig berührt durch Demolirung, gar nicht durch Restaurirungen." Ringsumlaufend der tiefe Wallgraben mit schmalem Wässerlein (wie bei Jphofen), die hohe, oft riesig starke Mauer mit ihren zahlreichen Thürmen und Thoren, die möglichst mannigfaltig zu gestalten reich gegliedert, prunkhaft, himmelhoch, wuchtig, einfach-edel, wunderlich offenbar den Ehrgeiz und die Freude der Bürgerschaft, ihrer Erbauer, bildete. Nichts ist nun reizender, anregender und friedlicher als ein Nundgang um diese von Blumengärtchen und schattenden Nus'bäumen, von Epheu- und Weinranken' umringten Mauern. In die längst verflossene Wehrhaftigkeit derselben haben sich schlecht und recht die kleinen Leute von heute eingenistet, und statt der alten Schweden, die sie einst bedrohten oder wieder gegen die JnHeidingsfeld. Kaiserlichen hielten, treibt sich nun ferienfroh ein Gewimmel von blonden Frankenkindern herum. Von diesen Idyllen hinweg geht es dann an die Entdeckungen im Innern des Stadtchens selbst. Hohe alte Giebel von wirklich unwahrscheinlicher Schiefheit, wappengeschmückte Steinportale oder eine schön geschnitzte Eichenthür, in den katholischen Orten (denn auf's bunteste wechseln hier in Franken protestantische und katholische Ortschaften) eine Fülle von farbigen Madonnen und Heiligengestalten unter geschweiften Baldachinen oben an den Straßenecken oder in Fensternischen, in den Kirchen trefflich gearbeitete Grabdenkmale und selbstverständlich einige (leider allzuoft anfechtbare) Tilman Riemenschneider. Aus einem engen Gäßlein heraustretend, steht man endlich auch überrascht vor dem Rathhause, so stattlich und mit einem so reizvollen Thor von Sommerhausen. Renaissanceportal geschmückt wie jenes, das Bischof Julius (Echter von Me spelbrunn) in Sulzfeld erbauen ließ, oder so lustig disponirt wie das in dem entlegenen Dettelbach. Auch an mancherlei guten Sprüchen fehlt es nicht, so wenn Hans Kesenbrod, der alt genannt", dem GotteZacker zu Sögnitz einen Thorbogen verehrt, oder zener auf dem .Sulzfelder Rathhaus:

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Als Bischof Julius regiert, " Wurt dis Rathhaus von neu volfurdt; Das brauch du frommer Underthan, Wie es bedechtlich geschehen kan. Schaff ab Nachtheil, bedenk den nutz. Richt gutes an, gibs Gott zu schütz Und thue nur nach deines Herren Wunsch, Glaub gwiß, kein müeh wird sein umbsunst." (Anno 1609). Zu den am angenehmsten wirkenden Kunstwerken darf man hier schließlich getrost auch jene reichumschnörkelten, weitausgreifenden Schilde zählen, in denen goldblitzende Adler, Bären, Hirsche oder Kronen dem ermüdeten Alterthumsforscher gerade zur rechten Zeit eine weitere Tugend aller dieser Orte in Erinnerung bringen. Sie liegen ja in der trefflichsten Gegend der Frankenweine, deren Ruf sich bekanntlich im Könige derselben, dem Würzburger Steinwein (Bocksbeutel"), längst zu zweifellosem Weltruf gegipfelt hat, die aber auch im Randesackerer, Sommerhäuser, RödelseerJphöfer hochpreiswürdige Tropfen aufzuweisen haben.

Unserer Flagge (Scburtsplatz. Ein Verein patriotischer Bürger hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Haus No. 239 Arch Straße in Philadelphia, die Geburtsstätte der Sterne und Streifen, der Nachwelt zu erhalten. Die erste amerikanische Flagge wurde dort nach einem Entwurf des General Washington von der Frau Vetsey Roß in der Zeit zwischen dem 23. Mai und 7. Juni 1777 angefertigt und später . -r - -rJm' -sä- - e" .SC fce nlnl3" r.l!VMLrrrf fjmmm i; rtti -! riJI .- isilZWrsffiäF w Das R o ß h a u s. lieferte sie alle Flaggen für die Vundes - Regierung, ihre Tochter, Frau Elarissa Wilson, wurde ihre Nachfolgerin als Flaggenlieferantin und blieb solche bis zum Jahre 1857. Das alte Haus, welches unter William Penn's Aufsicht ausBacksteinen errichtet ist, die als Ballast des Schiffes Welcome" nach Amerika gebracht waren, hat zwei Stockwerke und ein hohes Schindeldach. Ein Stümper. (Zwei Radfahrer streiten sich, wer von Beiden schneller fahren kann.) A.: Haben Sie denn auch schon Jemand überfahren?" V: Nein das hab' ich nicht!" A.: Na, dann können Sie ja überHaupt nicht mitreden!" Poetisch. Frau Kohn (entzückt über das galante Benehmen des jungen Morgenstern): Wie schön leuchtet der Mor genstern!" Schonungsvoll. Studiosus (nach mißlungener ReferendarPrüfung an seinen Vater schreibend): Lieber Vater! Meine Adresse ist genau dieselbe geblieben, wie im Vorjähre!" Ein theueres Loch. Sie: Hm's Himmels willen, Eduard, Du hast mir mit der Cigarre ein Loch in die Gardine gebrannt!" Er (für sich): Alle Wetter! Das werde ich nun wieder mit einem Seidenlleide flicken müssen." Der Stein der Weisen. Donnerwetter, was haben Sie da für eine pompöse Busennadel! Das ist ja ein ganz wunderbarer. Diamant!" Das will ich meinen; er kostet auch genug Geld." Den haben Sie wohl geschenkt bekommen?" Wie man's so nimmt. Sie müssen -nämlich wis1 sen, ich war Testamentsvollstrecker für das Vermögen des verstorbenen Meyer, und da habe ich eine letztwillige Verfügung gefunden: zur Anschaffung eines würdigen Gedenksteines zweitausend Mark. Nu sehen Sie: das ist der würdige Gedenkstein!" '

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Tas höchste Observatorium. Die französische Jesuitenmission auf Madagascar besitzt in Ambohidempona ein meteorologisch-astronomisches Observatorium.weches als astronomisches das pchstgelegene der Welt (1400 Meter r dem Meeresspiegel, das des Mount Hamilton in Calisornien nur 1300 Meter ) und als meteorologisches das sechste ist. Ungeheuere Schwierigkeiten verursachte der Bau, da man sich in Madagascar weder der Wagen bedient, um das Matreial herbeizuschlepPen, noch der Krahnen, um die großen Granitblöcke, auf denen die Mauern aus Ziegelsteinen erbaut sind, aufzuheben und an Ort und Stelle zu bringen. Der Transport geht allein auf Menschenrücken vor sich. Das Observatorium besteht aus vier kreisförmigen Pavillons, von denen jeder mit einer Kuppel bedeckt ist. Die drei Pavillons, welche die Hauptfront bilden, liegen in der Meridianlinie. Der vierte befindet sich am Ende einerGalerie, die mit dem Hauptgebäude einen rechten Winkel bil-

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T ',VCS-S355wcv Das Observatorium, det. Der Eentralpavillon hat 8 Meter im Durchmesser. In einer ziemlich großen Entfernung vo:n Hauptgebäude wurde, damit der Einfluß der Eisenmassen vermieden werde, ein Keller zum Zwecke magnetischer Studien gegraben. Das Observatorium ist mit allen für die meteorologischen Beobachtungen nöthigen Registririnstrumenten versehen. Außer den gewöhnlichen astronomischen Beobachtungen macht der Director des Observatoriums es sich zur Aufgabe, an einer Sternenkarte mitzuwirken. Und in der That, die klimatischen Verhältnisse, die während langen Perioden im Eentralgebiete von Madagascar außerordentlich günstig sind, die große, dort herrschende Durchsichtigkeit der Atmosphäre lassen ihn hoffen, in dieser Hinsicht der Astronomie gute Dienste leisten zu können, und das um so mehr, da nur eine sehr kleine Anzahl der in der südlichen Halbkugel befindlichenObservatorien sich dem von dem astronomischen Eongresse festgesetzten Programme angeschlossen hat. Falsche Auffassung. Kammerdiener (neu engagirt bei einem frischgebackenen Millionär): Wann werden künftig der Herr Commerzienrath zu diniren geruhen?" Bankier: Wann die vornehmen Herrschaften es thun!" Diener (überlegen lächelnd): Die diniren zu verschiedenen Zeiten!" Bankier: Gut, werd' ich auch diniren zu verschiedenen Zeiten!" Ein Reisender comme il saut. -2 Diener: Der Herr Baron ist nicht zu sprechen er hat furchtbare Zahnschmerzen!" Weinreisender: Hm, also wirklich nicht?" Diener: Unmöglich!" (Nach einer halben Stunde.) Diener: Ich habe Ihnen doch g?sagt, daß der Herr Baron Zahnschmerzm hat!" Weinreisender: Ich muß leider heute abreisen . . . und da hab' ich mir erlaubt, hier einen Zahnarzt mitzubringen!" Wohlüberlegt. Mann: Warum hast Du denn Deiner Freundin den neuen Hut nicht gezeigt?" ftnrn: Ach, die ist den ganzen Tag blaß, wenn sie sich recht ärgert . . . und blaß kleidet sie so gut!" Boshaft. Tante: Dein Stöbern in den Zeitungen wird nachgerade unerträglich!" Backfisch: Tante, Du suchtest immer nachSchönheitsmitteln, hier steht eins." Tante Wo denn? Gieb her!" Backfisch: .Da lies: Altes Eisen vor Rost zu schützen." EinPechvogel. O, meine Gnädige, ich habe in meinem Leben dreimal unglücklich geliebt!" Was Sie nicht sagen, Herr Kanzleirath! Wie gäng denn das zu?" Nun, das ist ganz einfach! Meine erste Geliebte ging in's Kloster, meine zweite hat einen Anderen geheirathet!" Und Ihre dritte?" Meine dritte? Nun, die ist jetzt meine Fraul"

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A: Warum wohl diese Damen so gerne Vögel auf ihre Hüte stecken?!" B: Um dem zu begcanen, daß man sie für Vogel-Scheuchenält!" Beneidenswert h. 1. Treiber: Du, den Huber haben heut' drei Jäger 'naufg'schossen!" 2. Treiber: Ja, ja, der versteht's eben, sich überall einzuschmeicheln!" Eine häusliche Familie, i Frau: Gib mir den Roman, Josef, Du liest ihn ja doch nicht!" Mina: Neig' Dich ein wenig vor, Papa, daß ich die Lehne abwischen kann!" Bertha: Genirt's Dich, Papa, wenn ich das Fenster putze?" Lina: Nur einen Moment, Papa, heb' die Füße, daß ich auskehren kann!" Paula: Lies nur ruhig weiter, Papa, ich näh' Dir unterdessen den Knopf an den Hemdkragen!" Gut dressirt. A.: Warum hat Dich denn neulich öer Hund Deiner Frau so angebellt?" B.: Weil ich den Hausschlüssel nehmen wollte!" Unverwüstlich. Du kannst es mir ruhig glcn ben, lieber Onkel, ich beginne jetzt ein neues Leben!" So, na das ist ja dann, meiner Berechnung nach, ungc fähr das achte neue Leben, das Du nun begurnir!Der junge Protzenbauer. Seppl (mit dem der Vater in einem feinen Stadtrestaurant eingekehrt ist): Vata, san mer jetzt Herrschaften?" Begründung. Richter: Und warum haben Sie gleich drei Flaschen Wein getrunken, war's nicht an einer genug?" Zechpreller: Ja, nach einer Flasche habe ich noch nicht die nöthige Courage, meine Mittello sigkeit einzugestehen." .