Indiana Tribüne, Volume 22, Number 62, Indianapolis, Marion County, 20 November 1898 — Page 2
ZNS Harn gegangen. Von Paul Bllß. Bor ter Tank, die unter vttk blu. senden 5)dllunder neben der OHheusSmtue sfeht, geht ein elegant junger Mann ettegt auf und ab. 8c steht e: still, siebü sich nach allen Seitm um, su 'chend uvÄ hoffend, zieht fcisUhr, schüt. telt unwillig den wohlMrten Kopf und 'ü'mmt dann den Tpaziergang wieder auf. .Je weiter die Zeit v?rschreitet. desto nauldiger wird er. Wenn sie nun -nichi käme!" murrt er halblaut. Schor Zeh?', Minuten nach vier, es wäre verflucht ärgerlich!" Und bau ziet er wiederum 'die Uhr, schüttelt - rnch einmal den, 5bps und beginnt Twn -Neuem auf und c5 zu patrouillirn Plötzlich sieht er. wie ein vlter :Qtxz geradcwegs auf die Bank o f steuert. Na. er wird doch uicht tn?a ' gar !" Aber schon ist es geschehen, D?r 'alte Herr, ein heiterer Sechziger, sieht den jungen Elegant lächelnd an MÄ.iraot: Sie gestatten doch?" Dcr aber ist wüthend, sagt ruft "ganz kurz: Bitte!" und setzt taroi einen Dauerlauf vor der Bank fort. Inzwischen hat der Mtz es isich.lach Kräften bequem gemacht. Dies ist nämlich rnera L'ieölingZplatz," beginnt er dann, 7sier Pflege ich immer eine Stunde Nachmittag, frische Luft zu schöpfen." So, so," sagt der JunZe nu:; heimlich aber wünscht er Alten Gott weiß wohin. Fast der schönste Pkltz Ms ganzen Park." CV- 2l a. ia! Sie erwarten wohVIenraÄd?" Hm. . . wir rneinen &tV Na na." droht lälnd'der Alte, gewiß ein klrines förmliches Stelldichein, wie?" Der gerade Weg 'ssi' der beste, denkt ter Junge, und so antwortet er freiweg: In der Thar, mein Herr, Sie haben das Richtige getroffen, ich erwarte hier eine Dame, '.und deshalb wäre ich Ihnen sehr'dankbar " Aber selbstverständlich!" Sofort erljevt sich der Alte. Nun ist der Andere 'wieder allein. Zwar ist jetzt das Terrärn wieder frei, aber ruhiger ist er'irojjbeni nicht. Minute auf Minute 'verrinnt und die Erwartete kommt -nicht... . 'Jetzt weiß er schon garnicht mehvwäs er vor Ungeduld machen soll. Und wieder zieht er das Briefchen heraus- zum zehnten Mal geschieht ri -nun lscdon! und Wieder durchstiegt crr dieZeilen: um 4 wollte sie kommen und jetzt ist es ein Viertel vor 5 Mr. Da kommt "oex ulte .'Herr langsam ten Weg zurück. Ah, mein junger" Freund", sagte er mit ganz leiser Ironie, man hat Sie wohl hm versetzt?" Der Junge xft nviithend ' über die
Blamage, er rnochic ami liebsten grob' werden, nimmt nch rtber-Zusammen und' meint mit verstellter Heiterkeit: Ja, so' sind die ffranenzinnner. : Pünktlichkeit ist ihre Tugend .nicht." , Und der Alte -mit ?feinrm Spott:! Mit Verlauf Sie müssen aber schont sehr verliebt smr. daßSie für die Verspätung einer Stunde noch eine Entschuldigung findenT" Wieder schluA "der 'Junge eine ärgerliche Entgegnung 'herunter, stellt sich aber ganz ruhig und. sagt: Sie haben übrigens ganz recht, man darf sich rricht zu viel bieten Kissen, ich werde nicht mehr länZ itrartetf." Ah! Bravs junger Freund! damit erreichen Sie tauch .-entschieden mehr.Der Junge tartft verbindlich lägelnd. W:nn lÄeZestatten,,Weße ich znich Ihnen an." . Ich bitte Utsmf j Gestatten: Rchode. Ärefermdar." Sehr angenchnt! Mein Name ist Vergemann." Verbeugung von beiden "Seiten und dann gehen sie langsam ,fort von der lauschigen Bank wstex dem blühenden Hollunder. Nach einer Weile fragt der Alte: Wie wäre es, wenn wr? nun einen guten Schoppen trinken gingen, damit Sie den Aerger hinrnrterspülen V O, ich bin durchaus .kern !Unmensch. ..." Recht so! Denn kommen Sie nur, ich weiß einen stillen Winkel, wo es ein.n wundervollen Raucnthaler giebt, dorthin retten wir uns:' Zehn Minuten spät saßen ssie heim Wein. ja, die Liebe," scrgtelachelnd ter Alte und hielt den goldhellen Wein . gegen das Licht, so lcmge man noch die Fünfzig bor sich hat, so lange .hat rinan ja keine Ruhe, -oh, ich .kenne kia, war auch mal sehr jung. raber ' froh war ich doch.als ?ch mich -nach und nach hir.ausrcttrte aus dem feilten 2 rubel; und noch froher war ich, ixijj 'ich mir die goldene Freiheit Halter ;. hai.'e, da erst fing ich an, raxi Me -thode zu leben!" Sie sind ein Feind der Ehe?" .r) nein, U nicht gerade, abri heirathen wollte it.) trohdem nicht." Der Referent? lächelte nur nd Irans ins zweite .Glas leer. Aber weshalb jbenn?" Ich schätze titz die Freiheit HZ, $tT. Hai' ich vielleicht so Unrecht bi -xinr Der Referendar lächzlte wieder. Er Hatte zu schnell getrunken, so daß er nicht mehr t ganz klar war. Sie sprechen von dt.r Höhe Ihrer Lebenserfahrunq herab sagte er, .ich aber will Diesen Äerg erst erklimmen." Der Alte nickte. Machen Sie sich ßrotzdem meine Weisheit zu Nutze." Kleine Pause. . . Der Referendar merkte, daß der Qfiri ihm zu topf stieg: zuerst mx ;
ihm das unangenchö;; dann aber Ittm merte rr sich nicht rveiter darum, und endlich fand er titt geheimes Wohlbehagen daran, srine enttäuschte Hoffnung hie? bei rinem guten Tropfen zu vergessen. To trank er tapfer weiter. Wissen Sie." begann der Alte roi'eder, daß ich heute. als ich von Jbuen fortging, furchtbar nrugicrig ?oar! Fortwährend fragte ich mich: das un tvoif. eine ernste Herzenssache oder
Aur eim kleine Liebeln?" Der Referendar lächelte überlegen: .Nein, verehrter Herr, es ist eine sehr ernste 'Sache; ich will thatsächlich meine goldene Freiheit verkaufen.erkaufen?" fragte itfc Alte mit gedehnter Stimme und fckaute ernster ''dr?in. .Nun ja, um tet Ihrem Scherz von verhin zu bleiben," sagte der Andere leichthin lächelnd, und trank wiederum lsein volles Glas .leer. Jetzt spielte der Akte wieder den Cyniker. Sie haben meine Worte vorhin als Scherz aufgefaßt," sagte er. mir aber war es bitterer Ernst: ich glaube einfach nicht an eine Liebesheirath. Genußsucht oder Geschäft, das sind die Grunde; und das große Unglück unserer Männer ist. daß sie mit zu Viel Idealen und Illusionen in die Ehe gihen,- da kann ja natürlich der Rückschlag nicht ausbleiben." Der Referendar sah den alten Herrn scharf an. lE? wußte ja nicht mehr genau.'was er'.von ihm halten sollte War das Ernst öder Ironie? Darüber war er sich 'nicht ganz klar. Und je mehr er durch Mt Brillengläser ihm gegenüber sah, um den Ausdruck der Augen dahinter 'zu ergründen, desw mehr mußte er'erkennen, daß sein klarerVerstand rapid wich und daß die Weinstwrmung mit ihm durchzugehen anfing. Anfangs noch wehrte er sich ein wenig dagegen, schließlich aber mußte er den Widerstand aufgeben und Ucß es gehen wie es wollte. . Und soll ich Ihnen mal sagen." sprach lächelnd der Alte weiter, daß ich Sie für einen kleinen. . . Schwerenöther .halte ?" , Oh. ich bitte, ich bitte," meinte der Referendar geschmeichelt, aber er hatte schon einen kleinen Zungenschlag. Allen Ernstes! Sie haben trotz Jhrer jungen Jahre auch schon 'das Le--ben bis zur Neige ausgekostet, und nun sagen Sie sich: Schluß! klaren Fisch! eine -reiche Frau! und Schwiegerpapa bezahlt die Sünden!" Jetzt lachte der Referendar schallend aus. Stimmt es nicht?" Es stimmt, aber Herr, eT 'stimmt . . .wahrhaftig! wie wie das'Tüpferl auf dem i!. . . .Sie sind ein Gedankenleser, alter Herr!" lachte lallend der schwer heitere Reserendar.Es stimmt Alles! ich habe. . .Schulden und muß. . . reich heirathen! Also iwenn schon, denn schon. . .je eher. 'je besser!. . . Vielleicht gewöhnt man sich an den Philister-Stiebel." Er lachte laut: Na prost! es lebe Kit Liebe! hafinfinfrt 1" Jetzt wurde der alte Herr ein wenig reservirter, sprach wenig und horchte genauer auf. Der Andere dagegen, zetzt vollständig trunken, kramte nun alles aus. was er luf dem Herzen hatte, daß ?rr total verschuldet sei und daß nur eine reiche Heirath ihn retten konnte, und' schließlich holte er das Bild seiner Zukünstigen heraus und rief: Hier sehen Sie ' mal das kleine Gänschen an, ' ganz netter Käfer, wie,?. .. Na, 'ich werd' sie mir schon. . . erziehen, daß 'sie mir nicht. . . die Stränge -zu .hoch hält!" Plötzlich erhob sich der .alte 'Herr, nahm das Bild dem Andern nus der Hand und steckte eö ein. E ffchien rjtrnz -verändert. Herr Referendar,- sogte .er 'scharf, Ltfch bin der Vormund der 'jungen Dame, deren Büd tch hiermit -zuruckLnrhme." Damit ließ er dsn jungen Mann Pehen. winkte dem Kellner, um ihn zukezahlen und verließ das Lokal. .... ßm schneller Wechsel Von M. Hirschfeld. ''Am Sonntag Vormittag Drm .richt bis zehn Uhr wurde bei dem Äechlsanwalt. Sommer noch gearbeitet. Die JEhütt des Advocaten öffnete sich ruid dieser trat in eigener Person heraus,, einen Actenbogen in da Hand. Wer,,hat diesen Wisch geschrieben?" fragte .er den Bureauvorstehei mit grollender Stimme. Dieser .blickte zuerst auf das Geschrieime. .dann auf die Reihe der .hinter ihm sitzenden Schreiber, und .Mit einem verächtlichen Achselzmteu .wies er mf.eme lange hagere Gestalt. .Leonhatd!" sagte er in einem Tsnr. als wollte jt.r um Entschuldigung tU ten, daß dichr Viensch im Allgemeimü und in der Schreiberstube im besouderen ezistire. Der Necht5anwalt sann ein wenig nach und sagte dann: Aha. der! vatürlich. immer der! so ein Mcnsch ist xinc Schande für den ganzen Schreibnstand. Ich verlange .nicht, daß meine .Schreiber besonders bildete Mensche sein sollen, aber solche- haarsträubende Fehler, wie sie hier in dieser Abschrift vorhanden sind, lasse ich mir ächt bieten. Sie scheinen ja vicht die geringste Schul !ildunz zu haben," wandte er sich an Leonhard, der sich sogleich bei der Nennung seines Namens erhoben hatte und nun wirklich wie ein abgekanzelter Schuljunge dastand, obwohl er seine dreißig Jahre zählen mochte. .Von nächstem Ersten sehen Sie sich nach einer anderen Stelle um, und wenn ich. Ihnen rathen soll, werden Sie Hausknecht," schloß er unter dem Gekicher der übrigen Schreiber.
. Al5..das Bureau. um zehn UZ: a schlössen wurde, ging Fritz Leonhard heim und stieg die fünf Treppen bis zu seinem Dachstübchen empor. Dort machte er sich über das Frühstück her, welches ihm seine Wirthin, Frau Pelz, hingestellt hatte. Es bestand aus einem Stück Brod und einem winzigen Stückchen Wurst. Als er den ersten Bissen von der Wurstscheibe heruntergeschluckt hatte, tlovfte es an die Thüre des Nebenzimmers und Frau Pelz erschien. Verzeihen Sie gütigst." sagte Leonhard in bescheidenem Tone, .die Wurst hat einen Beigeschmack." In der That hatte die Wurst nicht nur eine? Beigeschmack, sie wäre auch für jeden civilisirten Menschen ungenießbar gewesen. Die dicke Wirthin schien aber anderer Meinung zu sein. Ihr Gesicht röthete sich vor Zorn, sie stemmte die Arme in die Seiten und rief entrüstet: Seht mir doch einmal dies Jammergestell von einem Schreiber an! Die Wurst ist ihm nicht gut genug. Was will er denn eigentlich für seine paar Pfennige haben! Sie verstehen überhaupt nicht, was schmeckt oder nicht schmeckt, und was ein Beigeschmack ist, davon haben Sie gar keine Ahnung, verstehen Sie wohl?"' Leonhard murmelte, er werde sich wohl geirrt traben, worauf Frau Pelz noch längere Zeit über die Verderbtheit der Einrichtung redete, daß einSchreider überhaupt einen Geschmack habe. Als sie sich endlich entfernt hatte, legte Leonhard seinen Sonntagsanzug an und ging spazieren. Er schritt zum Thore der Stadt hinaus und gelangte .in die Villencolonie. Es gab dort Villen, welche schon Paläste zu nennen .waren, und der Anblick derselben war Anentgeltlich, wenn er überhaupt mög.lich war. Denn viele dieser Villen standen inmitten großer Gärten, von Bäumen und dichtem Laubwerk umgeben. Vor der Gitterthür, welche den Garten einer Villa umgab, blieb Fritz Leonhard stehen und starrte nach der Veranda hinauf, auf deren Treppe eine junge Dame. Aurelie, die Tochter der Baronin Hochberg, stand. Es ist schrecklich," klagte die Varonesse ihrer Mutter, .daß es dem Pöbel erlaubt ist, so ohne weiteres die Villenstraße zu benutzen und gar noch vor dem Gitter stehen zu bleiben. Da gafft nun wieder ein Mensch hierher, dessen bloßer Anblick mir schon unausstehlich ist. Wenn er nicht bald fortgeht, muß der Hund losgelassen werden
Sie trat in da5 Haus hinein, und als Leonhard die blendende Schönheit, die er bewundert hatte, nicht mehr erblickte, entfernte er sich seufzend. Der zur nächsten Villa gehörige Garten war von einer Mauer umschlössen, über welche ein Zweig mit saftigen Kirschen herabhing. Der Schreiber überlegte, ob er die Hand nach dem durststillender: Obst aus strecken solle. Sein Vlick fiel auf ein kleines Schild, das unter dem Glocken zuge angebracht war. Leonhard," las er darauf. Nun konnte er sich also einbilden, daß der Garten ihm gehöre, und rasch bog er den Ast mit den Kirschen herunter und begann zu ess-n. Eine nervige Faust, die ihn amKra gen packte, störte ihn in diesem Vergnügen. Es war ein Gendarm, der sich dringend die Adresse des Kirschräubers ausbat. und Fritz Leonhard, zu schüchtern um zu lügen, nannte seinen Namen und seine Wohnung. Es war heute ein trüber Tag für ihn gewesen. Ihm siaud der Verlust seiner Stellung und die Bestrafung wegen Kirschendiebstahls bevor, und dennoch war der Schreiber nicht gar zu sehr niedergeschlagen oder vielmehr er. war so niedergeschlagen wie immer. Das Leben hatte ihm bisher nur Ent behrungen geboten, er war 'stets von allen Seiten gehudelt worden und er erwartete auch nichts besseres. jnt Uebrigen stand er allein, und er wußte, daß er sich schon irgendwie Durchschlagen werde. Äls Leonhard den folgenden Morgen das Bureau betrrrt, ließ der Rechtsanwalt ihn sogleich in sein Ca.blnett rufen. Aha, er will mich sofort weg'schicken", dachte der Schreiber. .Sie heißen?" .,Fritz Leonhard," lautete die Ant 'wort, ohne daß der Gefragte sich über 'diese Frage wunderte. Dazu war er zu .abgestumpft. Wie alt sind Sie? Wo und wann isind Sie geboren? Wie hieß Ihr Va äer b. s. w.?" Nach jeder Antwort, welche der Schreiber gab. erhellte sich das Gesicht des Nechtsanwalt mehr und mehr. Mach der zweiten Frage zwang er ihn. sich ihm gegenüber zu setzen. Nach der lenten umarmte er ihn. Leonhard sprang entsetzt aus, da er a'.aubte. sein Prinzipal Ware wahnsin nig geworden, aber dieser drückte ihn auf 'den Stuhl Nieder und sagte: Jch bitte Sie, sitzen zu bleiben, Verthrtester, und anzuhören, was ich Ihnen mitzutheilen habe. Ihr Onkel, der Rentier Leonhard, ist plötzlich gestorben und hat kein Testament hinterlassen. Infolgedessen sind Sie Universalerbe, d. h. Besitzer einer Villa und von zwei Millionen baar. Ist Ihnen das recht?" Jawohl, jawohl!"' erwiderte Leonhard betäubt. Der Verblichene hat noch kurz vor seinem Tode erwähnt, welche Legate. er machen wolle, so z. V. hunderttausend Mark für den. Verein zurErsorschunc des Nordpols Sie werden die Klei, nigkeit doch aus Pietät bezahlen?" Jawohl, jawohl!Drei Tage später gab der frühere Schreiber und jetzige Rentier Leonhard seinen Freunden und Bekannten, von dtten Ezistenz er bisher keine Ahnung
gehabt hatte, ein großes. Diner. Er
selbst saß auf dem Ehrensitz an der SprHe der Tafel zwischen seinem ehemuligen Prinzipal, dem Rechtsanwalt Sommer, und der Baronesse Aurelie von Hochberg. Nach dem ersten Gang erhob sich der Nechtsanwalt und brachte einen Toast auf den Gastgeber aus. indem er ihn als eine Leuchte der Wissenschaft" (er hatte dem Nordpolverein hunderttausend Mark vermacht) feierte und ihn wiederholt unser gelehrter Freund" nennte. Aber diese Rede schmeichelte Leonhard nicht so sehr als die Aeußerungen der Baronesse Aurelie. welche ihrem Nachbar auf der anderen Seite, jedoch so laut, daß Fritz es hören konnte, zuflüsterte: Dieser Herr Leonhard ist wirtlich ein bewundernswerther Mann. Wie interessant er nur aussieht! Er ist der liebenswürdigste Gesellschafter, den ich je gekannt habe." Dabei hatte er ihre Fragen bisher nur mit ja oder nein beantwortet. Jedoch nicht nur im Salon, sondern auch in der Küche war man nur des Lobes voll über den neuen Herrn. Eine besonders geachtete Stellung in der Küche nahm Frau Pelz ein, die frühere Wirthin Leonhards. welche jetzt zur Wirthschaften avancirt war. Sie brüstete sich beständig damit, d.aß sie Herrn Leonhard von früher herkenne, pries seinen vorzüglichen Geschmack und überschüttete die servirenden Diener mit ängstlichen Fragen, wie dem Herrn der Lachs oder die Rebhüner gemundet hätten. Einige Tage später hatte Fritz Leonhard bereits vergessen, daß er einst ein armer Schreiber gewesen sei. Er saß vor seinem kostbaren Schreibtisch und ließ sich von seinem Verwalte: Vortrag halten. Da hat noch ein Gendarm," schloß der Verwalter seinen Bericht, einen Menschen ertappt, der an einem unserer Bäume Kirschen gestohlen hat. Soll der Dieb versolgt werden?" Unbedingt!" erwiderte Leonhard. Er hatte keine Ahnung, daß er damit den Auftrag zu seiner eigenen Verfolgung gegeben hatte'. Ein schöner Erfolg. Es war in der Nacht unmittelbar nach der ersten Aufführung des neuen Scribe'schen Schauspiels Malvine, oder die Heirath aus Neigung", worin der Verfasser das Unglück eines jungen Mädchens schildert, das sich von ihrer Leidenschaft hatte hinreißen lassen, mit ihrem Geliebten, einem ihrer gänzlich unwürdigen Schurken, aus dem elterlichen Hause zu entfliehen. Eben hatte es zwei Uhr geschlagen, und Scribe. der Verfasser, suchte vergebens die Ruhe; noch immer war es ihm, als schlügen die Beifallsspenden an sein Ohr, und sich selbst zum Trotz begann sein Geist einem neuen Erfolge nachzujagen. Plötzlich hörte er Tritte auf der Treppe, in den Zimmern entsteht Bewegung, und es lassen sich Stimmen vernehmen. Ein Diener kommt endlich herein zu ihm in's Schlafzimmer. Was geht denn vor? Was begehrt man von mir?" fragte Scribe. Ich habe," entgegnete der Bediente, Ihnen einen sehr eiligen Brief zu überreichen; hier ist er. Eine Dame hat ihn gebracht und dringend gebeten, ihn sofort in Ihre Hände zu legen." Scribe nahm das Schreiben, öffnete es und überflog seinen Inhalt mit den Augen. Sein Interesse nahm sichtlich zu, und er las wiederholt und langsam den Brief durch. Und was las er? Der Brief war von einer augenscheinlich den besten Kreisen angehörenden Dame mit zitternder Hand geschrieben; es waren nur wenige Zeilen, aber sie erfüllten das Herz des Dichters mit Stolz. Der Inhalt lautete: Mein Herr! Ich wohnte diesen Abend mit meiner Tochter der ersten Lorstellung von Malvine- bei. Nach unserer Rückkehr warf sich meine Tochter mir zu Füßen und gestand mir unter Schluchzen, daß sie auf dem Punkte gestanden habe, dasselbe zu thun, was Ihre Malvine" so sehr zu bereuen Ursache hatte. Ihr Stück hat ihr die Auym geöffnet. ihrGewissen beruhigt und ihre Leidenschaft zerstört; sie fühlt aufrichtige Reue und befindet sich in meinen Armen. Wir weinen vor Freude, vor Dankbarkeit. Sie werden uns nie kennen lernen, aber seienSie überzeugt, daß Ihr Name uns stets heilig bleiben wird. Könnte doch dieser Gedanke eimgen Werth für Sie haben;'Sie haben uns die Ehre und das Leben gerettet." Kascrntnhofblüthen. Bicefeldwebel: Schlumpmüller, Sie sind ja ein Clown auf dem Gebiete der Dummheit!" Unteroffcier (bei einem Soldaten ein offenes Knopfloch bemerkend): Grashuber, Sie wollen hier wohl Ia Prinzessin Chimay austreten?!" Feldwebel (als ein Einjähriger. Journalist, zum Nebenmann spricht): Einjähriger, halten Sie in Reih und Glied gefälligst Ihr Publikationsorgern!" Untcrofficicr: Knubbe, gehen Sie mit Ihrer Uebersülle an Beschränktheit ja nie nach Afrika, sonst wird der dunkle Erdtheil noch dunkler!" Wachtmeistern Maier, machen Sie schon wieder ein Gesicht wie ein 5hemann, der für die ihm zugeschickt Photographie seiner Schwiegermutter noch Strafporto zahlen mußt" Doppelsinnig. A: So5m, bat Fräulein Elly meine Werbung abgewiesen! Wie findest Du i mr Jö: Emzach unerhört!' a .
Laremsstudien. Von Harry Groonwald. Sure 33 und 55 des Alcoran ver ' bieten ausdrücklich und auf's strengste den Frauen jedweden gesellschaftlichen Verkehr mit Männern, welche nicht so glücklich sind, zur nächsten Verwandtschaft zu gehören, und da uns Staubgeborenen die Wahl unserer Eltern vom Himmel verwehrt ist, wird, so lange diese arge Welt besteht, auch kein Adamssohn je den Schleier von Geheimnisscn des Harems, d. h. des cchten, türkischen zu lüften vermögen. In's Innere des Harems," können wir getrost behaupten, dringt kein erschaffener Geist,", um uns eines Hallerschen, freilich apirten Ausdruck? zu bedienen; glückselig, wem er nur die äußere Schale weist!" Ein echter, tllrkischer Harem ist völlig unsichtbar", und aöe sogenannten Geheimnisse des Harems" sind vom Hörensagen und den Zuthaten eigener Phantasie ccmpilirte Märchen. - Was heißt eigentlich Harem? Schon das Wort selbst hat die Bedeutung unnahbar, verboten, unzugänglich". Harem ist also die Bezeichnung der abgesonderten und keinem fremden Manne zugänglichen Frauenwohnung bei den Mohamedanern, hat aber auch im weiten Sinne die Bedeutung der in dem betreffenden Gebäude abgesondert wohnenden Frauengemeinschaft. Im engsten Sinne bezieht sich Harem nur auf die, dem Moslem nach dem Alcoran gestatteten, also rechtmäßigen vier Frauen. Ist der Mohamedaner zu arm, so verzichtet er auf einen immerhin kostspieligen Harem und lebt mit einem Weibe. Die Frauen eines echten türkischen Harems sind freilich nicht immer an die vier Wände ihres Selamlik" oder.Gesellschaftszimmers gebunden. Sie dürfen sich frei auf der Straße bewegen, müssen aber fo tief verschleiert gehen, daß nur die wie Gottes Wege" dunkelen Augen frei und sichtbar sind. Auch dürfen sie die zur engsten Verwandtschaft gehörenden männlichen Personen empfangen. Im Uebrigen ist ein unbeaufsichtigter Verkehr mit ihnen bei Todesstrafe verboten. Selbst Aerzte dürfen nur in Gegenwart einiger Sklavinnen ihre Patientinnen sehen und sprechen. Ist der Sitz des Uebels ein diskreter oder sonst zarter, so darf auch der Arzt die Kranke nur sprechen, allenfalls den Körpertheil untersuchen. Die Patientin selbst ist in einen dichten Schleier gehüllt oder hinter einem Vorhange verborgen. Sklavinnen besorgen alle nöthigen Geschäfte und Dienste in den Frauengemachern und selbst den Eunuchen ist der Zutritt auf's Aeußerste beschränkt, wenn nicht vollständig untersagt. WaS über den Harem des Sultans, des Beherrschers aller Gläubigen, mit gutem Gewissen, d. h. ohne zu dichten, gesagt werden kann, ist etwa dieses: die demselben vom Alcoran gestatteten sieben Frauen wählt der Sultan sich aus den ihm von seinen Verwandten zur Auswahl vorgestellten schönen Mädchen, meistens Tscherkessinnen und Georgierinnen, persönlich selbst aus. Die so Auserwählten werden, von dem Augenblick der getroffenen Wahl an, Herrinnen" oder Chatun, Khadinen, genannt. Welch' einen verführerischen Anblick sich diese zur Wahl gestellten Mädchen durch Putz, Schminke, Attitüden, Drapirungen etc. zu geben versuchen mögen, kann sich die Leserin sicherlich lebhaft genug vorstellen, wenn sie bedenkt, zu welcher hohen Ehre man" gelangt, wenn man" die rechtmäßige Gemahlin eines mächtigen Despoten geworden und doch früher vielleicht nur ein simples Landmädchen gewesen ist. Freilich ist man nicht ganz so simpel mehr, denn als Aspirantin auf die Gemahllnnenstellen eines BeHerrschers aller Gläubigen hat man meistens jahrelangen Unterricht in vornehmen Häusern genossen und spricht, liest und schreibt fließend und richtig und spielt auch, oft sogar mit großer Fertigkeit Pianoforte. Diejenige Khadine oder Herrin, welche als Erste ihren Gebieter mit einem Sohn beschenkt, rückt mit dieser Geburt sofort in die höchste Rangstufe einer sogenannten offiziellen" Gemahlin hinauf. Freilich bleibt die Mutter des Sultans, die Walide", immer die wichtigste Person des Harems und steht ihrem Sohne am nächsten. Diejenigen Frauen, welche Knaden zur Welt gebracht haben, heißen Chasseki" und erhalten ein sogenanntes Pantoffelgeld von wenigstens 25,000 Piaster. Die Walide" jedoch bezieht jährlich 1000 Beutel oder eine halbe Million Piaster. Nächst den Chatun haben die sögenannten Gediklik oder Privilegirtc da3 meiste Vorrecht. Sie haben die Ehre, den Sultan persönlich zu bedienen. Der Gesammtname für den weiblichen Theil des Harems ist Odalik" oder Odaliske. Jede dieser Odalisken, die der Sultan einmal berührt hat, wird sofort von den übrigen getrennt, erhält ihre eigene Bedienung und ihre Eunuchen und darf nur vor ihm erscheinen, wenn sie dazu beauftragt worden ist. Oberste Aufseherin des Harems, die diesen Posten freilich erst nach langjährigen treuen Diensten erreicht hat, ist die Kjaja Chatun. Sie haftet für die Ruhe des Sultans und erhält alle Befehle von ihm persönlich. Der oberste männliche Aufseher über die Eunuchen heißt Kislar Aghasi, steht im gleichen Range mit dem Großwessir und hat.wie die Walide", enorwen Einfluß auf den Sultan. Stirbt der Sultan, so steht es den Odalisken. welche Mädchen geboren haben, frei, den Harem zu verlassen und sich anderweitig zu verheirthen. Die Mütter
von Prinzen aber gehen in den sögenannten Alten Palast- zurück, wo sie I dann zeitlebens bleiben. 1 Soviel ungesagt darf man mit gu
tem Gewissen über den berühmtesten echten türkischen Harem sagen, ohne sich einer mit Wahrheit vermischten Dichtung schuldig zu machen. Man wird gestehen, es ist wenig genug, wird aber zugeben, wenn sich so wenig über den Harem des SultanS sagen läßt, daß alsdann noch weniger über den Harem, d. h. den echten, eines gewöhnlichen Moslems sich sagen ließe. Die Leserin wird sich vielleicht wundern, daß ich immer von echten Harems reoe, und fragcn, ob es auch falsche Harems gibt. Sie hat recht und ich auch. Es gibt nämlich auch PseudoHarems". Das sind solche, zu denen Fremde, die mit dem Koran nicht vertraut sind und dessen strenges Verbot nicht kennen, gege?. gute Bezahlung Zutritt erhalten, und welche dann unter dem Titel erforschter Geheimnisse des Harems" zu Dutzenden in der Durchschnittsbelletristik verwandt werden. Nehmen wir ein Beispiel. Da ist ein reicher Mann auf die Idee gekommcn. den Orient zu bereisen, und soeben in Konstantinopel z. B. angekommen. Die zweite Frage, die er an den Portier seines Hotels stellen wird, ist die, ob er nicht unter anderen SehensWürdigkeiten der Stadt auch einen Harem in Augenschein nehmen lönnte. Der Portier nickt, der Fremde weiß sich vor Freude nicht zu fassen und eilt in Begleitung seines Cicerone die Straße entlang, bis der letztere vor einem Hause stehen bleibt. Der Cicerone bedeutet ihm nun, daß er unmittelbar vor der Erfüllung seines sehnlichsten Wunsches, einen türkischen Harem zu sehen, stehe, bittet sich einen Backschisch" von etwa 10 bis 15 Gulden aus und bedeutet dem Fremden, daß er da drinnen den Harem eines reichen Türken, der eben auf Reisen ist", in ungestörten Augenschein nehmen könne. Mit zwei Sätzen ist der Fremde im Hofe, wo er eine bildschöne Türkin" (d. h. Griechin) trifft, welche ihm die Geheimnisse des Harems" gegen
Entgelt Bagatelle! zeigen will! Nach erfolgter Zahlung verschwindet die Türkin", ein Vorhang öffnet sich und wonnetrunken darf sich das entzückte Auge des Fremden an den Reizen resp. Posen der Türkinnen", die da in köstlichster Toilette, rauchend und singend und schwelgend umherliegen, weiden. Ein Tanz der Odalisken, begleitet mit schallender Musik und klingenden Tamburins, hebt ihn auf den Gipfel des Entzückens. Er schleicht sich, voll der empfangenen Eindrücke, fachte davon, eilt in fein Hotel und skizzirt" eine Haremsstudie"' zusammen, die die Runde machen soll durch die Blätter. Inzwischen lachen sich die Türkinnen", d. h. die Griechinnen, Armenierinnen, wohl auch Jüdinnen, über die Narrheit des Vesuchers halb todt und rüsten sich einen zweiten ebenso zu nassühren. Nehmen wir noch ein Beispiel. Ein junger Mann will einen türkischen Harem sehen, um echte" Türkinnen kennen zu lernen. Der Portier fordert zehn Gulden; er erhält sie natürlich, steckt sie ein und führt den Neugierigen, der eben nicht reich sein muß. denn sonst hätte er mehr gefordert oder erhalten, in das betreffende Haus. Nur eine Türkin", aber eine Venus, ist zu schauen. Sie entschädigt mit ihrer Schönheit für die geringe Anzahl. Entzückt betrachtet der junge Mann die Odaliske". Er redet sie auf Franzöfisch an. Sie schüttelt mit dem wunverschönen Kopfe, sie versteht nur Türkisch". Er versucht Englisch; Kopfschütteln; Türkisch" kann er nicht sprechen, dieSituation wird peinlich, er empfiehlt sich. Da streckt ihm die Türkin" die feine, weiße Hand hin und verlangt Backschisch". Der junge Mann weigert sich zu zahlen, er dachte, der Portier sei allein berechtigt, Kassa zu empfangen, und empfiehlt sich zum zweiten Male; doch etwas zudringlieher er lüftet den Vorhang. Die Türkin" flucht auf Italienisch. Es hilft nichts. Da horribili dictu! schimpft die Türkin" im reinsten Spreewasserdialekt! Tableau! Der junge. Mann verduftet. . . Künstler und Fabrikant. Ein nettes Geschichtchen wird von dem ungarischen Geigenvirtuosen Rem6nyi erzählt, der von einem Teppichfabrikanten in Budapest gebeten wurde, ein Wohlthätigkeitsconcert zum Besten der Wittwen und Waisen der einst in seinen Fabriken beschäftigt gewesenen Arbeiter zu arrangiren. Remönyi versprach, sein Möglichstes thun zu wollen. Nach einigen Tagen erschien er in dem Verkaufslocale des Fabrikanten und wünschte, daß man ihm einige große und schöne Teppiche, die er einem für arme, Musiker veranstalteten. Wohlthätigkeitsbazar übergeb?n wolle, vorlegen möchte. Als er seine Auswahl getroffen hatte, fragte der Kaufmann höflich nach der Adresse, an die er seine Rechnung schicken dürfe. Erstaunt sah ihn der Künstler an. Aber, mein Herr," entgegnete er, habe ich Sie etwa gefragt, als Sie mir von Ihren Armen sprachen, an wen ich die Honorarforderung für mein Spiel einzusenden hätte?" Der Fabrikant fühlte sich so beschämt, daß er nicht nur die ziemlich werthvollen Teppiche umsonst lieferte, fondern auch noch eine hübsche Summe für die armen Musiker dem Künstler einhändigte! Der Finanzmann. Vater (zu seinem Sohn): Wenn Du doch einmal die Fabrikantentochter mit ihren 80,000 Mark heirathen willst, dann, mach' doch vorwärts es ist ja schade um die Zinsen!" -Kein Glückskind. Der Pechmeier hat in seinem Leben wohl gar keine Erfolge zu verzeichnen?" Der ist nicht einmal mit Erfolg ge inyst worden!"
Vkein schönster Schmuck.
Won Q Jergerl. Mein Onkel ist ein Juwelier: Manch gülden Ringelein Und manchen Edelstein Hat er geschenkt voll Liebe mir. Am meisten freut ein Herzchen mich: An goldnem Kettchen trag' Ich's lange. Tag für Tag Drob freut der gute Onkel sicjj! Doch drin im Herzchen, fern dem Licht, Da ruht ein Lockenhaar Mein schönster Schmuck fürwahr Von meinem Onkel ist er nicht! Die Ltllardpartle. SääzslsÄ? Humsrcc-ke v?n J)hz?,nk5. Nee. meine Herrn, da muß. 'ch Se doch änne Geschichde erzehl'n, wie m'rsch äm2l bei'n Älllardschbiele gegang'n is!" sagic der Rentier Meisedrätchcn zu seinen Stammtischfreunden. Se wicn's doch alle, daß 'ch immer gerne Grambolasche gespielt hawe, un 's hat m'r ooch nie de Geschicklichkeet gefehlt, awwer gewonn'n hab 'ch doch noch keene Bardieh, das heeßt. eemal hab 'ch doch gewonn'n un das kam Se nämlich so: Vor eenigen Jahr'n saß 'ch ämal in d'r Schdadd in än Gasthofe, wo 'ch manchmal abschteig'n daht. ganz alleene im Gastzimmer und las de Zeitungk. da kam ä junger Mann rein un setzde sich an mein' Disch. nachdem 'r ganz heeflich gefragt hatte, ob's ooch erloobt wäre. Nadierlich." meent 'ch ooch ganz heeflich. un las weiter. Nach änner Weile fingk der junge Mann ä Geschbräch an un mcente, er dähte gerne änne Bardich Grambolasche schbieln, wenn 'r nur een' hädd, der da midmachde! Nu, sagt 'ch, ich bin zwar'kec Ginstler, aber ich dähte schon eene midmach'n. Ich sagt's ooch, daß 'ch geweenlich kee Glick bei den Schbiele hädde, awer ich kennt's eemal nich lass'n un werde mich sehr frei'n, wenn ich ämal änne Bardieh gewinn' dähte. Da sah 'r mich mit so ä eegendiehmliches Lächeln an un meente, er gennte ooch nischt; vielleichd hädd 'ch Glick, wenn ich mid'n schbielte. Also fing'n m'r an. Der junge Mann schbielte erst recht scheen, daß 'ch schon dachde, ich hädde gar keene Aussicht mehr, ze gewinn'. Awer uff eemal schien 'n sei Glick ze verlass'n, un richd'g, ich mache'n letzt'n Ball un gewinne werklich die Bardieh! Nee, die Freide genn' Se sich denk'n. Mir macht'n noch eene un ooch die gewann ich Widder. Nu sagt 'ch zu den jung'n Mensch'n: 's is 's erschte Mal. daß 'ch so ä Glick hadde, nu soll m'rsch ooch nich druff angomm', was zu'n Best'n zu gähm. Sie trink'n doch ä Fläschch'n mid? Nu, meent'r, Sie sin werklich ä feiner Mann, Herr Meisedrätchen, ich gann' Sie's weeß Gott nich abschlag'n. Also mir drank'n ä Fläschch'n Wein un dann noch zwee darnach, wie das geweenlich so is, wenn m'r eemal angefang'n hadd. Wie m'r genug hatt'n, meente der Iingling, er mißte nu aber ins Bette UN ich sagte ooch. daß ich nich mehr gennte. un 's wäre ooch de heechste Zeid. Also uff Wiederseh'n morgen frieh!" Damit war der junge Mensch zur Diehre naus un ich machde ooch, daß 'ch in mei Zimmer nuff kam. Am and'rn Morgen, wie 'ch uffgeschdand'n war un mein Gaffee gedrunk'n hadde, verlangt 'ch de Rechnung un der Obergellner brachde se ooch gleich. Nu traut'ch aber, weeß Gott, mein' Oogen nich! Ich sagde zu'n Obergellner, was ham Se denn da alles uffgeschriem. das gann doch gar nich sin! Nu. meente d'r Obergcllner, da is alles dabei, was Ihr Herr Neffe, der junge Mensch, mit dem Se gestern Grambolasche geschbielt ham, und der schon seit zwee Tagen hier im Gasthofe uf Sie wartet, verbraucht Hai. Nu ging m'r erscht ä Licht uf! Nee, so ein niederdrächd'ger Kerl! Awer, was nitzte mirsch? Der Obergellner gloobte's nich, daß der Kerl so frech gewesen wär', un meente, m'r wollt'n uns doch nicht erscht vor d'r Bolezei rumzank'n un wenn's bekannt werde, däht'n mich de Leide noch auslach'n. Also wollt 'ch de Reputation nich verlier'n, mußt 'ch ähm berabb'n. Das war freilich ä deihres Billardschbiel, so gegen ä dreißig Mark, aber gewann' habb' ich doch, das is wenigstes mei Drost!" Zehn Gcvote für den Tyeaterbesuchcr. 1) Komme niemals zu spät in'Z Theater. 2) Belästige Deine Nachbarn nie durch unruhiges Wesen oder auffälliges Benehmen. Hast Du Keuchhusten, so bleib' zu Hauje. 3) Gehe zu Deinem Platz so, daß Du den Dasitzenden nie den Rücken kehrst. 4) Tritt ihnen nicht auf die Füße. 5) Störe das Spiel nicht durch PrivatUnterhaltungen. 6) Lache und weine ohne Auffälligkeit. 7) Wenn Du ohne Zuckerzeug nicht leben kannst, so iß. ohne den Neid Deiner Nachbarn zu erregen und ohne mit der Düte zu knistern. 8) Wenn Dein Geist Dir nicht erlaubt, ohne Zettel und Teztbuch auszukommen, so blättere leise um. Nichts ist unangenehmer, als in pathetischen Momenten durch Papiergeknister gestört zu werden. 9) Bei Opern gieb nicht mit dem Kopf oder den Füßen den Tact an. Dazu ist der Kapellmeister da. 10) Am Ausgang versperre den Weg nicht! Geh' fort ohne Aufsehen und ohne Störung! Bearbeite Deine Nebenmenschen nicht mit den Ellenbogen. Schlechtes Gewissen, yapa (beim Abendessen): DerSchwei. kerkäs hat heute aber große Löcher! Fritzchen iweinerlich): .Ich bin'Z aber gewib nicht gewesen!"
