Indiana Tribüne, Volume 22, Number 55, Indianapolis, Marion County, 13 November 1898 — Page 7
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Sie Dame mit dem Fächer Won Anatole France. Tschouang - Tsen, aus dem Lande von Soung, war ein hochgelehrter Mann, der seineWeisheit so weit trieb, daß er sich von allem Vergänglichen abwandte und da er als Chinese nicht an ewige Dinge glaubte, so blieb ihm als Seelentrost nichts als das Bewußtsein, sich wenigstens frei von den Thorheiten und Schwächen der andern Menschen, die überflüssigen Reichlhü'rnern und nichtigen Ehren nachjagen, zu wissen. Doch muß in dieser Befriedigung etwas Besonderes liegen, venn er wurde nach seinem Tobe glücklich gesprochen und bcneidenswerth genannt. Nun, so lange die unbekannten Mächte ihm gestatteten, unter dem sonnigen Himmel, inmittcn lachender, grünender Gesilde zu weilen, hatte Tschouaug-Tsen die Gewohnheit, sich in tikfe Gedanken versunken auf den Stätten, wo er lebte, ohne zu wissen wie und warum, zu ergehen. Eines Morgens, als er sich -durch Zufall bis zu 'den blühenden Avygen des BergeZ Nam-Hoa verirrte, gerieth er mit etnem Male auf tmtn Friedhof, wo nach der Sitte des Landes die Todten unter kleinen Hügeln von gestampfter Erde ruhen 33dm Anblick dieser zahllosen Gräber, die sich bis zum Hori.zont erstreckten, verfiel der Gelehrte in -tiefes Sinnen über das Schicksal der Menschen. Das mm ist," sprach er vor sich hin, der Scheideweg, zu dem alle Pfade des Lebens führen. Wer einmal unter den Todten seinen Platz eingenommen, der kehrt nimmer an's TagesUcht zurück." An zm anderes Leben glaubte Tschonang-Tsen, wie alle seine Lands leute, .nicht, die, je nachdun sie heiterer oder .schwermüthiger angelegt sind, der bedanke an solche Gleichheit im Tode zur Äerzweiflung bringt oder tröMch stimmt. Wie er seine Blicke so nachdentlich übu'en Friedhof schweifen ließ, ht merkte er eine junge Frau in Trau gekiändern. Sie saß an einem tt Gräber und fächelte unermüdlich mit einem weißen Fächer über die noch feuchte Erde des Todtenhügels hin. .Neugierig, was diese seltsame Beschäftigung für einen Grund chaben könnte, näherte sich Tschouang - -Tscn der, jungen Frau und sagte artig: ..Madame, dürfte ich anir wohl die 5rage erlauben, tver hier begraben liegt und weshalb Sie mit solchem Eisfer die Erde, die das Dahingeschiedene .bedeckt, befächeln? Ich bin Philosoph, .ich suche Alles zu 'ergründen und stehe lhier vor einem Etwas, .wo es mir .nicht gelingen will." Die junge Frau fächelte unablässig 'weiter. Sie senkte nur erröthend .den Kopf und murmelte einige Worte, 'die der Gelehrte nicht verstand. Er wie- : derholte feine Frage mehrmals, .doch vergeblich. Die Trauernde achtete gar nicht mehr auf ihn, Jtl schien, als sei ihre ganze Seele in die Hand, welche .den Fächer hielt, übergegangen. Tschouang - Tsen entfernte sich, .im gern genug. Obwohl er wußte, daß Alles eitel ist, so war ihm der Hang, nach den Beweggründen der menschli- . chen Handlungen, nnrnehmlich denjenigen des weiblichen .Geschlechtes, zu forschen, angeboren. Die Gattung .dieser Geschöpfe flößte ihm -ein zwar wenig wohlwollendes, .aber sehr lebHaftes Interesse eiru Langsam setzte tr Jcinc Wanderung fort, nicht ohne sich öfters .nach dem .Fächer umzusehen, der sich gleich dem Flügel eines großen Schmetterlings, .in der Luft hin- und herbewegte. Plötzlich stand ein altes .Mütterchen. ) Has er bis jetzt noch nicht bemerkt hatte, Ho.r ihm und wintte ihm, .ihr zu Mhl Sie führte ihn .hinter meinen lütt '.Grabhügel, der etwas höher War, icls Jbic Andern und sagte: Jch habe gehört, daß Sie an meine .Herrin eine Frage richteten und .leine Antwort erhielten. Ich will Ihre LLißbegier gerne befriedigen, .erstens aus. einem mir angeborenen AnstandsHefühl, und außerdem in der Hoffirnng, Sie werden mir etwas dafür Heben, damit ich mir ein Zauberpapier kaufen kann, das mein Lebn i&Xsxi ' Tschouang - Tsen nahm ein Geldstück zaus der Börse und die Alte begamr: Die junge Frau, die Sie an htm Grabe gesehen, ist Madame Lu, die Wittwe'ceines Gelehrten, Namens 2m, der feox vierzehn Tagen nach lang Krankheit gestorben ist. Jenes Grab ist das ihres Gatten. Die Beiden haden sich zärtlich geliebt. Als er schon in den letzten Zügen lag. konnte sich M. Tao kaum entschließen, von ihr zu gehen ntb der Gedanke, sie in der Blüthe ihres Lebens und ihrer Schönheit allem ans der Welt zu lassen, dünkte ihm beinahe unmöglich. Doch ut und sanft wie er war. ließ er sich schließlich von der Nothwendigkeit ülerzeugen und ergab sich in sein Schicksal. Madame Lu, die am Bette ihres Gatten, von dem sie während dessen Kre-kheit nicht gewichen war, in ThräLen zerfloß, gelobte be! , allen Götter?, sie werde ihn nicht überleben; wie sie im Leben sein Lager getheilt, so gedenke sie auch im Sarge an seiner Seite zu ruhen. Doch M. Tao sagte: Geliebte, schwöre das nicht." Nun versetzte sie, wenn ich denn zseiterleben soll, wenn mich die Gerusn verdammen, das Licht des Tages auch dann noch zu sehen, wenn es Deiven llugen verschlossen ist, so., wisse wenigstens, daß ich niemals die ftrau eine Anderen lein werde, und toö.tö
nur einen Gatten besitzen will, wie ich nur eine Seele besitze." Schwöre das nicht," sagte Tao. Oh, Tao! Dann laß mich wenigsiens schwören, daß ich fünf ganze Jahre warten will, ehe ich mich wieder verheirathe." Auch das schwöre nicht," sagte er. Schwöre nur, daß Du mein Andenken solange bewahren willst, als die Erde auf meinem Grabe nicht trocken geworden." Madame Lu gelobte es feierlich. Und der gute M. Tao schloß die Augen für immer. Die Verzweiflung von Madame Lu läßt sich nicht beschreiben. Die glühenden Thränen, die sie vergoß, brannten ihr beinahe die Augen wund. Ihre messerscharfen Nägel zerkratzten ihre rosigen Wängelein. Aber Alles vergeht und die wilden Wogen dieses Schmerzes beruhigten sich. Drei Tage nach dem Tode von M. Tao wurde die Trauer von Madame Lu menschlicher. Sie hörte, einer der Schüler ihres Gatten wünschte ihr seine Theilnahme aussprechen. Sie sagte sich ganz richtig, daß sie ihn nicht abweisen dürfe, und empfing ihn seufzend. Der junge Mann war hübsch, sehr elegant, er sprach einiges über M. Tao, unendlich viel über sie, sagte ihr, daß sie reizend sei und daß er fühle, daß er sie liebe. Sie ließ es ihn fagen. Er versprach, wiederzukommen. Und seither sitzt Madame Lu Tag für Tag am Grabe ihres Gatten und fächelt die feuchte Erde, damit sie bald trocken werde." Nachdem die Alte ihre Erzählung beendet, dachte der weise TschouangTsen: Die Jugend ig kurz die Leidenschaft verleiht den jungen Frauen und Männern Flügel. Alles in Allem ist diese Madame Lu eine höchst achtungswerthe Person, die ihren Schwur nicht brechen will." AerWemverg. Ciue soahre Geschichte von Marco Vrociner. Es ist jetzt die Zeit Ut Weinlese, liebe? Collega. Wissen Sie, was das heißt? Was das in jener gottgesegneten Gegend bedeutet, in der meine Wiege stand? Da verklärt eine sonntägliche Feststimmung alle Welt, ein Singen und Klingen tönt unablässig durch die milde Herbstluft und eine bacchantisch jauchzende Lebenslust ergreift Alt und .Jung. Für mich aber hat die Zeit der Weinlese noch eine ganz besondere Bedeutung Alte, wehmüthize Erinnerungen tauchen in mir auf; mir ist, als sähe ich mich in jugendlich Angebrochener Lebensfrische am Schreibtisch, von dem edlen Ehrgeiz getrieben, mir in meinem neugegründeten Zeitungsblatt die ersten journalistischen Sporen zu erwerben. Hatte ich mich müde geschrieben, so schweiften meine Blicke durch das offene Fenster hinaus auf die fanftaufsteigenden Hänge des HLaels. Sie werden es daher natürlich finden, wenn mich gar oft mitten in meiner lyrischen Stimmung der sehnsuchtsvolle Gedanke übertam: Einen Weinberg mein eigen zu nennen, einen'Weinberg, der eine erkleckliche Rente abwirft und dazu noch die jungfräuliche Besitzerin eines solchen gebenedeiten Erdenwinkels, das wäre ja ein großes, in unsägliches Glück!" Als ich eines Tages wieder einmal diesem lockenden Gedanken nachhing, wurde ich durch tinen sehr ehrenvollen Besuch überrascht. Der Protopope Theophil, der erste kirchliche Würdenträger von Goresti, erschien in meinem Bureau. Herr Bobrica," begannVater TheoPhil schwer athmend, ich komme zu Ihnen, um Sie in emer sehr ernsten Ehrensache um eine Gefälligkeit zu ersuchen. Ich war wie Ihnen vielleicht bekannt ist, ein intimer Freund des gottseligen Schnapsbrenrers Brutus Prodan, der vor -einigen Jahren das Zeitliche segnete. Auf dem Todtenbette legte mir der Gottselige an's .Herz, meine freundschaftlichen Gefühle für ihn auf seine Frau und sein Töchterlein zu übertragen. Ich versprach er feierlichst. Ich habe auch mein Wort gehalten. Unlängst habe ich sogar der Wittwe meinen Weinberg, den Sie da vor Augen haben, durch einen gerichtlichen Alt alsSchenkung cedirt. Diese Thatsache nun hat 'der Redacteur der Tribuna" in seinem Schandblatte zu einem Artikel ausgebeutet, m dem er meine Ehre und die der tugendhaften Wittwe in unsläthigster Weise angreift. Ist das nicht empörend? SchauenSie sich nun, lieber Freund, diese Faust an. Wo die hinfällt, da wächst kein Gras mehr. Ich tönnte also Ihren Collegen zerschmettern. Aber ich will einen öffentlichen Skandal vermeiden. Eines käme mir indeß sehr gelegen, wenn Sie in einem Artikel diesem Ehrabschneide? ordentlich auf den Leib rückten. Ich rechne auf Ihre LiebensWürdigkeit. Wenn Sie übrigens auf ein Fäßchen Rothwein reflectiren, so soll es mich freuen, es Ihnen zur Berfügung zu stellen. Morgen früh lagert er in Ihrem Keller." Morgen früh," sagte ich, wird in der Bomba" der gewünschte Artikel erscheinen." Der Artikel erschien auch Ich schilderie darin den Vater Theophil als einen jener seltenen Menschen, deren Herz von Barmherzigkeit und wohlthätiger Liebe überfließt, die Wittwe als eine Matrone von antiker Tugend, .das Töchterlein' als ein Musterbild keuscher Unberührtheit, und schleuderte meinem journalistischen Collegen eine Fülle saftigster Grobheiten an den Kopf. Und am Abend desselben Tageö, an dem dieser Artikel das Licht der Welt erblickt hatte, betrat ich auch zum erstenmale das Heim der ScbnavzbrennerZvittwe. Ich war
beim Anblick der beiden Frauen sehr angenehm überrascht. Die Matrone war ein großes, starkes, noch ziemlich gut conservirtes Weib von fünfund-. vierzig Jahren. Das Töchterlein. Livia, eine reizende, verjüngte Ausgabe der Matrone, war der Mutter auffallend ähnlich, ebenso groß und stark, aber dabei in voller Jugendfrische prangend. Livia, fo hieß das Töchterlein, empfing mich in liebenswürdigster Weile. Ich merkte bald an allerhand untrüglichen Anzeichen, daß ich Livia nicht gleichgiltig war. Ich spürte gleichzeitig, wie auch sie mir immer mehr ans Herz wuchs. Ich träumte oft stundenlang vor mich hin. Dabei sah ich den Weinberg, ver früher in unnahbarer Ferne vor mir gegaukelt, immer näher, immer greifbarer an mich heranrücken. Unangenehm war mir nur, daß auch die Matrone mir gegenüber eine etwas beängstigende Liebenswürdigkeit entwickelte, doch als ich Livia den ersten Kuß auf ihre Lippen gedrückt hatte, hielt ich 'den Zeitpunkt für gekommen, um schlankweg bei ihrer Mutter um ihre Hand anzuhalten. Doch entrüstet rief diese: MeineTochter ist noch zu jung zu Heirathcn! Und dann ich! Glauben Sie, daß ich mit meinen sünfundvierzig Jahren Lust habe, die komisch: Rolle einer jugendlichen Großmutter zu spicken?" Ein Wortwechsel folgte, wobei ich so heftig wurde, daß mir die Wittwe den weiteren Besuch ihres Hauses strengstens verbot. Ich klagte noch am selben Tage dem Vater Theophil mein Leid. Der Onkel glättete, nachdem er mich ruhig angehört, seinen wallenden Bart und sagte, 'bedeutsam lächelnd? Die Sache ist sehr einfach. Frau Prodan ist noch jung, noch hübsch. Und welchen Verleumdungen eine junge, hübscheWittwe ausgesetzt ist. das hat uns ja jener Schandartikel gezeigt. Frau Prodan möchte wieder heirathen. Ist sie einmal verheiratet, dann hat sie die bösen Zungen nicht mehr zu fürchten, dann hat sie an ihrem Manne eine Deckung. Lassen Sie also zuerst die Mutter wieder unter die Haube kommen und dann könnten Sie ja nochmal anklopfen." Mich beruhigte diese Erklärung in keiner Weise. Ich schrieb daher Livia ein Briefchen, in dem ich sie beschwor, mir um neun Uhr Abends im Gartenpavillon ihres Hauses ein Rendezvous zu gewähren und ich schlich um die festgesetzte Stunde mit pochendem Herzen in den Garten. Zwei weiche Arme umschlangen mich, als ich den Pavillon betrat, und ich fühlte einen glühenden Kuß auf dem Munde .... Da wurde ich jählings aus meinem Glückstaumel herausgerissen. Ich vernahm auf einmal Schritte und plötz lich stand der Onkel, eine brennende Kerze in der Hand, vor mir. Meine Ueberraschung steigerte sich aber zu einem Gefühle der Verblüffung, als ich statt Livia die Matrone neben mir erblickte. Begreifen Sie nun, warum ich mein erstes eheliches Experiment Hand in Hand mit einer reifen Schnapsbrennerswittwe machte? Meine erste Ehe wurde freilich nach einem einjährigen Bestände gelöst, wobei mir als nachhaltige und glühende Erinnerung an diese Lebensperiode die gesammte Fechsung jenes Weinberges verblieb, der mich so lange gelockt hatte. Bei Beginn der Weinlese war ich wieder frei. Ausweg.
Wenn du um guten Rath verlegen. Und Weise dir nicht helfen mögen. So mußt du einen dummen wählen Und diesem deinen Fall erzählen; Laß ganz ausführlich dir beschreiben, Wie er's, statt deiner, würde treiben. Und hast du sorgsam zugehört, Geh' hin und mach' es umgekehrt! Uebertrumpft. Ein bekannter und berühmter Augenarzt hatte an einem Bauern eine schwierige Operation vorgenommen, auf die er sehr stolz war. Der Mann -hatte darüber geklagt, daß er seit vielen Jahren nicht mehr lesen könne. Als er aus der Klinik entlassen werden sollte, versammelte der Professor sämmtliche Collegen, um ihnen seinen Patienten vorzuführen. Er erklärte ihnen, worin das Leiden bestanden habe und wie es jetzt durch einen chirurgifchen Eingriff völlig beseitigt sei. Zum Schluß legte er dem Geheilten eine Tafel mit großgedruckten Buchstaben vor und sagte: So, mein lieber Mann, nun lesen sie uns einmal vor, was da steht." Der Bauer gab sich sichtlich alle Mühe, er blickte abwechselnd ans die Buchstaben und auf den Arzt, sagte aber kein Wort. Run, können Sie es nicht lesen?" Nee. Herr Docter, et geiht nich." Vielleicht ist die Schrift noch nicht groß genug für Sie." Damit legte er ihm eine größere vor. So geht es jetzt?" Pause und tiefes Stillschweigen. Die Collegen zuckten die Achseln, und der Professor gerieth in Verzweiflung. .Aber es muß ja gehen. Geben Sie sich nur Mühe. Sie müssen jetzt lesen können. Ihre Augen sind vollständig in Ordnung." Ja, Herr Doctor lesen kann ick det wull äwer ick kann't man blos nich utspreken." Schmeichelhaft. Gattin: Hat Dich das Hotel, in dem Du logirtest, nicht angeheimelt?" Gatte: O, sogar ganz außerordentlich. Es gab höchst selten etwas zu essen, was nicht angebrannt oder versalzen gewesen yöre."
Champagner'Vclll. Von Karl Witte. In dem bekannten Werke Voltaire's Das Zeitalter Ludwig's XIV." findet sich die Stelle: Man hat neue Weine gemacht, die man vordem nicht kannte, so diejenigen der Champagne." Das bezieht sich nur auf die weißen moussirenden Weine dieser französischenProvinz; die rothen warm schon im Alterthum berühmt, kein Geringerer als Pliniu? hat ihnen hohes Lob gespendet. Auch in späteren Jahrhunderten bewahrten sie ibren guten Ruf. Papst Urban II., dcr im 3cb 1088 den päpstlichen Stuhl bestieg, zog die Weine der Champagne allen übrigen vor. Andere gekrönte Häupter, so Franz I., Karl V.. Heinrich III.. Leo X. und Heinrich IV. schätzten sie nicht weniger hoch; einige von ihnen hatten sogar in Ay eigene Niederlagen, um zu jeder Zeit den kostbaren Rebensaft der Champagne zu ihrer Verfügung zu haben. Diese Sorge gehörte nicht zu ihren geringsten, wie St. Evremont in einem Briefe an den Grafen v. Olonne bestätigte. Einem Kellermeister derAbtei Hautvillers. Namens Dom Perignon, war es jedoch vorbehalten, sich durch die Erfindung des weißen moussirenden Champagner Weines ein unsterbliches Verdienst um die Bewohner der Champagne im Besonderen und im Allgemeinen um alle diejenigen zu erwerben, denen der perlende Wein das Herz mit Freude erfüllt hat und noch erfüllen wird. Im Jahre 1663 übernahm er jenes Amt und zeigte sich dazu bald in hohem' Grade geschickt. Mit nie versagender Sicherheit des Gaumens wählte er die besten Trauben der zur Abtei gehörenden Weinberge zur Mischung aus. und nach langen sorgfältigen Versuchen gelang es ihm endlich, den bis dahin rothen Wein zu einem klaren und schäumenden zu machen. Er ersetzte auch die unsauberen Hanfpfropfen, die bis zu jener, Zeit im Gebrauch gewesen waren, durch Korkpfropfen und erfand die schmalen langhalsigen Gläser, die ganz dazu geschaffen waren, seinem neuen perlenden Weine die Eroberung der feuchtfröhlichen Herzen zu erleichtern. Den raschen Siegeszug des weißen moussirenden Champagners hemmte jedoch ein fatales Ereigniß. Der königliche Hof war fast allein maßgebend für die Lebensgewohnheiten der oberen Zehntausend". Bis zu seinem zwanzigsten Lebensjahre hatte Ludwig XIV. nur Wasser getrunken, später trank er ausschließlich stark mit Wasser vermischten Champagner - Wein. Als er jedoch im Jahre 1693 ziemlich schwer erkrankte, wußte sein Leiba?gt Fagon keinen anderen Rath, als ihm den Champagner - Wein zu verbieten und ihm an dessen Stelle den Burgunder - Wein vorzuschreiben. Diesem wurde natürlich eine besondere Heilkraft zuerkannt, als der Monarch wieder hergestellt war. Der Champagner sah sich von der königlichen Tafel verdrängt, und die Localität verlangte von den Höflingen, daß auch sie ihm entsagten. Aber er hatte die Gaumen und Herzen doch schon so bezaubert, daß man gegen Ende der Regierung Ludwigs XIV. des Zwanges überdrüssig wurde, bis in einer kleinen, aber auserlesenen Gesellschaft beim Herzog von Vendome der Wein Dom Perignons sich wieder in seine Rechte eingesetzt sah, die er nach dem übereinstimmenden Urtheil aller Feinschmecker verdiente. Der Herzog von Orleans betrank sich als Regent allabendlich mit feinen Günstlingen in ChampagnerWein, den auchLudwig XV. und Ludwig XVI. bevorzugten. Noch während seiner Gefangenschaft ließ dieser sich zu jeder Mittagsmahlzeit eine Flasche vorsetzen. Als Beweis dafür, daß der perlende Champagner schon in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts weit über die Grenzen Frankreichs hinaus berühmt geworden war, kann folgende hübsche Anecdote dienen, die von Konig Friedrich Wilhelm I. von Preußen erzählt wird. Während eines Mahles, bei dem auch Champagner getrunken wurde, richtete er an seine Gäste die Frage, ob ihm Jemand erklären könne, woher der Wein seinen moussirenden Character habe. Man erwiderte ihm, eine solche Frage könne zuverlässig nur von seiner Academie beantwortet werden. Der König ließ also an die gelehrten Herren um Aufklärung schreiben. Sie traten sofort zu einer Berathunz zusammen und beschlossen, bevor sie die königliche Anfrag: beantworteten, eingehende Untersuchungen zu machen und wandten sich deshalb an den Monarchen mit der unterthänigen Bitte, ihnen 40 60 Flaschen moussirenden Champagners zu schicken. Als man Friedrich Wilhelm I. von ihrem Anliegen benachrichtigte, rief er aus: Mögen sie sich zum Teufel scheeren. ich habe ihrer nicht nöthig um meinen Wein auszutrinken, und will lieber Zeit meines Lebens in Unkenntniß darüber bleiben, weshalb er moussirt, als mich eines einzigen Tropfens berauben." Wie sehr der Champagner schon in der ersten Hälfte des vorigen JahrHunderts in den vornehmen Kreisen Frankreichs geschätzt wurde, geht zur Genüge aus der geschäftlichen Correspondenz des hervorragendsten Weinbauers der Champagne jener Zeit hervor. Er hieß Bertin du Rahmet. Armand Bourgeois hat in seinem kürz-, lich veröffentlichten Buche: Le vw de Champagne sons Louis XIV. et Louis XV." (Paris. 1897) Bruchstücke aus seinem Briefwechsel mit seinen Kunden' mitgetheilt. Zu diesen ge hörten besonders die höchsten MilitärPersonen des Landes. Immer von Neuem schrieben die Marschälle d'Artagnan und de Montesquiou ihm, er möchte ihnen doch von. seinen .besten
Sorten schicken, indem sie oft hinzufügten, auf den Preis käme es ihnen nicht an. Seinen Weltruhm verdankte jedoch der Champagner Jean Remy Moet, zu dem einst Talleyrand, als er bei diesem speiste, sagte: Ich beHaupte, daß dank diesem Kelch und seinem Inhalt Ihr Name viel länger und besser moussiren wird, als der meinige." Schon der Vater Jean Remys besaß einen Weinberg in der Champagne; die besten Weinberge gehörten jedoch bis zum Ausbruch der Revolution den Abteien Hautvillers und Avenay. Diejenigen von Ay, Sillery u. s. w. befanden sich im Besitz alter Adelsgeschlechter, die für die Berbesserung ihrer Trauben, die sie an Händler in Rheims verkauften, wenig zu thun pflegten. Bis zum Jahre 1792 gab es, wie wir dem zweiten Bande der beschichte der Abtei Hautvillers von A. Manceaux entnehmen, in Epernay keine einzige Weinfirma von irgend welcher Bedeutung. Da war es nun Jean Moet, der seinen Landsleuten, indem er ihnen mit gutem Beispiel voranging, bewies, daß es weit vortheilhafter sei, in Epernay selbst das Weingeschäft zu conzentriren. In wenigen Jahren nahm sein Haus einen ungeheuren Aufschwung und erlangte unter der Firma Moet & Chandon- bald einen Weltruf. Die Weinberge der Abtei Hautvillers waren zur Zeit der großen Revolution in den Besitz des alteingesessenen Adelsgeschlechtes Chandon de Brialles übergegangen. Zur Zeit des Kaiserreiches feierte Jean Remy Moet seine höchsten persönlichen Triumphe. Zweimal war Napoleon I. sein Gast, das erste Mal im Jahre 1807. Eine goldene Inschrift über dem zu seinen Kellereien führenden Eingang verherrlicht dieses für die berühmte Champagnerfirma so denkwürdige Ereigniß. Später besuchte auch Jerome, König von Westfalen. Epernay, als er zur Taufe des Königs von Rom nach Paris reiste. Indem er bei Jean Remy Moet 6000 Flaschen von der besten Sorte bestellte, sagte er zu ihm: Wenn die Zeitumstände weniger traurig wären, würde ich die doppelte Anzahl nehmen, aber ich fürchte, daß die Russen mir den Wein austrinken werden." Die Russen! Ich verstehe nicht, Sirc". erwiderte der Chef des Hauses völlig verblüfft. Nun wohl, Sie werden mich verstehen, wenn ich Ihnen ein Staatsgeheimniß verrathe. Der Krieg gegen Rußland ist im Rathe meines Bruders beschlossen. Das ist ein Unglück, ein großes Unglück! Ich glaube nicht, daß wir dort vom Erfolg begünstigt sein werden." Aber Sire!" Ich weiß, was Sie mir entgegnen wollen: .Das Genie des Kaisers kennt keinen Widerstand.' Das sagen Alle. Ich wünsche, daß meine böse Borahnungen mich täuschen. Warten wir das Ende ab." Am 7. Februar 1814 wurde Epernay von den Truppen der Verbündeten besetzt. Am 17. März entsetzte der Kaiser den Ort und stieg zum zweiten Male im Hause Jean Moets als Gast ab. Er suchte ihn zu trösten, indem er sagte: Noch ist nicht Alles verloren, Frankreich gehört noch nicht den Russen, mein lieber Herr Moet. Für den Fall jedoch, daß das Schicksal meine Hoffnungen täuschen sollte, will ich Sie schon heute für die bewunderungswürdige Entwickelung belohnen, die Sie in Bezug auf das Ausland wie auf Frankreich unserem Weinhandel zu geben verstanden haben." Zugleich löste Napoleon das Kreuz der Ehrenlegion von seiner Brust ab und befestigte es eigenhändig an dem Rock des Weinhändlers. Vielleicht tröstete diesen eine so hohe Auszeichnung darüber, daß die Verbündeten ihm seine Keller im wörtlichen Sinne leer tranken. Aber er wußte auch aus dieser für ihn höchst , unerfreulichen Thatsache selbst Trost zu schöpfen, wenigstens für die Zukunft. Als ein Freund ihm sein Bedauern über den großen VSlust aussprach, erwiderte er: Was wollen Sie, mein Lieber? Wenn das Unglück unvermeidlich ist. besteht das größte Talent darin, in dem Uebel selbst eine Quelle des Guten zu sinden. Alle diese Officiere, die mich heute ruiniren. werden vielleicht morgen mein Glück machen. Ich lache darüber, daß sie mir meinen Wein ausgetrunken haben und rechne darauf, daß sie gleichsam meine Geschäftsreisenden werden, indem sie in ihrer fernen Heimath den Ruf meines Hauses verbreiten." Und in dieser Rechnung hatte der kluge Weinhändler sich nicht getäuscht. Erst von jenem Zeitpunkt an konnte die Firma, Dank der Propaganda der heimgekehrten Officiere, ihre Beziehungen mit riesigem Geschäftsaufschwung über ganz Europa ausdehnen. Während sie vor 70 bis 80 Jahren durchschnittlich nur etwa 50.000 Flaschen ausführte, belief sich ihr Ezport in den letzten Iahren auf mehrere Millionen. Es ist unzweifelhaft, daß das Haus Moet & Chandon den unfreiwilligen Geschästsreisenden" nächst der Güte ihrer Weine am meisten ihren Weltruf verdankt. Wie A. Francklin im achten Bande seines Werkes La rie privee d'autrefois" aus zeitgenössischen Quellen feststellt, wechselte der Geschmack im Laufe des vorigen JahrHunderts in Bezug auf schäumenden und nichtschäumenden ChampagnerWein. Während der Regierung Ludwigs XV. scheint der moussirenve ganz und gar aus der Mode gekommen zu sein, denn im Jahre 1779 schrieb Contant d'Orville: Seit zwanzig Jahren hat die Mode, perlenden Wein herzustellen, aufgehört. Man findet nur noch Spuren davon in einigen bacchischen Gesängen, in denen der Schaum des Champagners gefeiert wird. Nur einige alte Trinker erinnern sich noch, bei dem Anblick eines an die Decke springenden Pfropfens begei-
siert gewesen zu sein, und einige Damen gedenken noch der Zeit, da sie es verstanden, einen Pfropfen mit Anmuth knallen zu lassen." Auch im Jahre 1782 scheint der perlende Champagner - Wein noch nicht wieder zu Ehren gekommen zu sein, denn damals schrieb Legrand d'Aussay: Seitdem man weiß, daß die moussirenden Weine junge Weine sind, die im Frühling, wenn sie in Währung begriffen sind, auf Flaschen gezogen werden, hat man aufgehört, sie so hoch wie früher zu schätzen und man zieht jetzt diejenigen vor, die nicht moussiren." Vielleicht wann an diesem Wechsel in der Mode des perlenden und nichtperlenden klaren Champagner - Weines wenigstens zum Tbeil die verschiedenen Meinungen schuld, die berühmte Aerzte über die Vorzüge des einen oder anderen in gesundheitlicher Hinsicht hegten. Im März des Jahres 1730. als die Grippe (Influenza) ganz Frankreich heimsuchte, schrieb der Arzt Dr. Jacques aus Epernay einen cöllegialen Brief an den k. Leibarzt Helvetius, worin er ihm seine Beobachtungen über die heilkräftige und vorbeugende Wirkung des nichtmoussirenden weißen Champagner - Weines mittheilte. Man habe in der Champagne während der Epidemie die Erfahrung gemacht, daß Diejenigen viel schwerer und zum Theil mit tödtlichem Ausgang von ihr befallen worden seien, die gewohnt gewesen wären, nur rothen Wein zu trinken. Es könne dagegen als sicher gelten, daß der weiße nichtmoussirende Champagner, ' in seiner Reife mit Mäßigkeit oder mehr oder weniger mit Wasser vermengt, getrunken, die zur Erhaltung der Gesundheit geeignetste Flüssigkeit und der einzige Wein sei. den man bei verschiedenen Krankheiten nicht allein dulden, sondern auch vorschreiben könne. Rheumatische, Stein- und Gichtleiden kenne man in der Champagne fast nur vom Hörensagen, und daß die Bewohner davon verschont blieben, hätten sie gewiß ihrem guten weißen, nichtschäumenden Wein zu danken. Im Jahre 1777 trug ein Mitglied der medizinischen Fakultät vonRheims. Jean Claude Navier. in Anwesenheit seiner Collegen eine Abhandlung zu Ehren der Champagnerweine vor, wobei er zu beweisen suchte, daß von allen Weinen überhaupt der moussirende weiße der Champagne in Hinsicht auf Vorbeugungskraft gegen Fieber und verwandte Krankheiten unLbertroffen fei. Und wenn man von solchen befallen sei. gäbe es dagegen kein besseres Heilmittel. Alle Verleumdüngen gegen den schäumenden Champagner - Wein vermöchten nicht die Thatsache aus der Welt zu schaffen, daß er zugleich dem Gaumen schmeichle und der Gesundheit in hohem Grade förderlich sei, wenn er mit Mäßigkeit getrunken würde. Kein Heilmittel vermöge wie er die Kräfte des Magens von Neuem zu beleben und die Transpiration anzuregen, dem Gesicht die gesunde Farbe Wiederzugeben, gichtische Anfälle zu verscheuchen und das Steinleiden in seinen Ansängen siegreich zu bekämpfen. So dürfen denn Krake wie Gesunde mit in den Ruf einstimmen: Es lebe der schäumende Champagner! Die theuerste Stadt. (Münckener Gerichtsscene). Der Hausbesitzer Johann Baptist ein walzenförmiger, ziemlich unterwachsener Herr, hat sich wegen eines Vergehens der Körperverletzung auf das Bank! gebracht. Wer dieses gemüthvolle Vollmondsgesicht, dann die ungefähr fünf Dezennien in Betracht zieht, die fast das letzte der graumelirten Haupthärchen hinweggenommen haben, der sollte meinen, daß Herr Z. es nimmermehr zu einer Mißhandlung bringen könnte. Und doch ist es so! Herr Z. hat während eines erregten Disputs dem Schneidermeister Josef F. zur Bekräftigung feiner Worte zwei veritable Ohrfeigen verabreicht und zwar war dieses nur eine ContoZahlung, die gänzliche Bereinigung hatte sich Herr Z. vorbehalten, weil er von dem Wirthe seiner Stammkneipe daran verhindert worden war, und außerdem der Schneider mit der ersten Portion ausgerissen ist. Der Richter betrachtete den Angeklagten wie den Mißhandelten und lächelte. War der Angeklagte kurz und dick, so ist um so viel der Schneider lang und mager. Jener ist bartlos, der Andere hat einen Aollbart k-la. Barbarossa und dahinter so wenig Schneid, daß der Kadi den Ausgleich zu machen hat. Und dennoch hat der Besitzer des harmlosen Gesichtes eine unvergleichliche Kampfeslust, wenn die entsprechende Anregung hiezu gegeben wird. Richter: Sagen Sie einmal, wie Sie dazu kamen, einen Mann, der kaum Jemanden reizt, mit Ohrfeigen zu traktiren? Angeklagter: Was? Js dös koa Reiz, wenn Jemand über unser Vaterland schimpft und dabei recht guet lebt, sein Geld verdient und nixn zahln möcht? Die zwei Pretschna waren viel z'weni, . mindestens a Dutzend hätt' er verdeant nach meiner Ansicht und geben mueß eahms do' a Hiesiger, a Mann von der Stadt! Und der Mann bin i und wenn die Sach billig naus geht, so moan i alleweil, da hat's was, da kimmt' no' was nach. Richter: Hoffentlich werden wir heute Ihrem Muth ein Ziel setzen, damit Ihr Versprechen unerfüllt bleibt. Sagen Sie einmal die Streitsursache. Angeklagter: Mit Ihrer Erlaubniß bin i so freundlich. Also der Mensch dader schimpft das ganze Jahr über über die Münchener Stadt und so was kann Unseroaner net recht vertragen. An dem kritischen Tag bringt er die Zeitung mit und schreit: So! weil ihrs net glaubt, jetz'n hamers schriftlich, dak München die theuerste Stadt is!
Mir war's'schon lang bekannt, nur ihr Hausprotzen wollt net einkenna. daß 'S Brod, Fleisch, Holz, d' Wohnung und überhaupt a jeder Pfifferling in München thererer ist wia anderswo. Da. steht's und was g'schrieben is, kratzt koa Hahn mehr raus! I will mich auf solche Dummheiten net einlassen und sag: Wer hält Dich denn in München auf? Du kannst in's Schwäbische, da gebt's recht billige Knöpfle, wennst einabeißt, thuans a Schnackerl und drunter sans. Im Fränkischen san d" Kartoffelklös net so rar wia die BratHendl und a Reiberdatschi von der Oberpfalz is ausgezeichnet, wenn er Dir net an Magen abdruckt. In Sachsen thuans an grean Salat an Zucker und Sahne dös is beiläufig bei unSa Rah .i , in Preußen kannst inv Hausbrod sogar Ziweb'n antreffen und in Hessen halt, da darfst net hin, da san die Schüsseln nia voll. Vielleicht möchst immer und ewig a. Weanergulasch oder aböhmischeSauermilchsuppen. Hast jetz'n Dein Gusto. Du g'schlecketer Tropf, sag i. Was! schreit er d'rauf, is vielleicht bei uns das Fleisch net theuer gnua, wo bald a Pfünderl auf a Mark kimmt und 'sBrod und die Kartoffel und die Gmüe--ser kriegt mer wia im Delekateßladen? Von die Wohnungen mag i gar net reden. Ihr seid lauter Hausherrn und i a Fretter. Jetzt'n is mir der Zorn kemma. Richter: Nun dazu war meines Er-" achtens noch kein Anlaß! Erzählen. Sie weiter! Angeklagter: Eigentlich hab i der Malefizschneiderseel z'erst in aller Freundschaft erzählt, daß mer in der Münchnerstadt beim Küachlbäcker sl guet essen thuat, wie anderswo im Restaurant. Wo kriagt mer nur um & ufzaerl an Braten wia in München?. Wo triagt mer sein gerechten LiterBier um sechsazwanzg Pfenning, vielleicht in Berlin oder Leipzig? Von aner anständigen Haxn, an Kalbskopf, an richtigen Leberknödl will i gar net reden, so was gibt's überhaupt nur bei uns, dahoam, und da wo d' MännerQuartl. irlnka is mit'n Essen erst recht nixn.. Ueberhaupt hat mer früher g'sagt. daß. drei Schneider mit an Fliag'nboan. g'langen und Du mit Deiner Fleischkost wirst kaum a Kraut fett machen Richter: In gewisser Beziehung, dürfte Herr A. doch recht haben, es ist ja eine allgemeine Klage über bie. Theuerung, der Lebensrnittel. . . 'Angeklagter: Na, wenn die Klag! allgemein is', nacher kann's doch net für München speziell sei. Davon reden wir ja. daß in München alloanig a sein soll, und anderswo wär's billigerund besser. An dös theuere München glaub i net und wenn's der Pfarrer: predigt. Zum Beispiel a Holzmachen haut a Klafter Buchens kaput unfr kauft sich Mittags 'a richtige Maß., zwoa broate Brodscherzl und um a; Zwanzgerl a paar Schapfa Lungl. Mit der Kost nimmt er's nack seiner Arbeit allelveil no mit an Schneider auf. A richtiger Mann geht in a Wirthshaus, nimmt an Teller Supp, a Bratl mit Salat, a Hausbrod und a Halbe zum Zuaspitz'n, macht sechs a sechzig Pfenning. So viel kostet in Berlin a schlechte Halbe mit aner aufg'strichenen Semmel. Wo kriagn's. zwoa resche Loabl um fünf Pfenninge a Muckl mit vier Kipfl um drei Pfen--ning, a Küachl, a Dampfnudl um a Fünferl? Da mueß München Herr, sein und drüber aebt nir. Richter: Darüber wollen wir nicht' länger streiten. Angeklagter: Js mir aa recht! San mer wieder guet! Von die Wohnungen mueß i zwar aa no a Wörtl reden. Heutzutag kostet a kloane Wohnung, mit zwoa Zimmer und Kuchl so a fünfundzwanzig Markl. A Zimmer kimmt halt auf zehn Mark. Früher, hat's vier Gulden kost't. Dafür hab i heut das laufende Wasser, parketirtc Böden, Klosets und so weiter und in Berlin wohn i um dös Geld a Stund von der Stadt weg, in Hamburg inr. hintersten von drei Höf und in Leipzig gibt's überhaupt nix dafür. Das hab i also dem Schneider grad so erzählt und da war der Bursch so gemein und saqt, i lüeg. Darauf san die Ohrfeig'n kemma. daß er wenigstes a Bis serl was billig g'funden hat. Das Gericht würdigte den Lokalpatriotismus des braven splenditenMüncheners und erkannte auf zehn Mark Geldstrafe. Sogar die Straf kimmt net a mal eztra theuer meinte der Verurtheilte und entfernte sich möglichst rasch. Byzantinische Tpruchwelöyeit. Den ganzen Ochsen verzehrte er, aber am Schwanz wurde er müde. Keiner speit gegen den Himmels ohne daß der Speichel ihm auf sein eigenes Gesicht fällt. Du wirst nichts ausrichten, wenn Du einem Blinden zunickst und einern Tauben zuflüsterst. Hier verweile ich und anderswo backe ich. Wenn du Eile hast, seß' dich. Wer dich liebt, tadelt dich ein wenig; wer dich haßt, auch nicht ein bischen. Hast du einen Armenier zum Freund, so wünsche dir keinen schlim--meren Feind. Beurtheile den Taucher nicht' nach seinem Hinabtauchen, sondern, nach dem Auftauch?n. Mit einem Anverwandten iö und trink, aber Geschäfte mach' nicht mit ihm. Ob du es nun gegessen hast, ob du es nicht gegessen hast: in jedem Falle wirst du ein Esser heißen; also iß eS wenigstens. Hyperbel. Professor (zu einem hoch aufgeschossenen Hörer): Es ist unmöglich, Herr Langbein, daß Sie auf Einmal geboren wurden. Sie müssen jedenfalls in Lieferung! apf die Wclt gekommen sein!- . .
