Indiana Tribüne, Volume 22, Number 55, Indianapolis, Marion County, 13 November 1898 — Page 6
Eine Zlnsttte.
Von Zusell. Bitte, meine Da?nen, nicht mehr 'als Sechs auf einmal!" so möchte man .jedesmal freundschaftlich ermähnen, 'wenn man in eine Damengesellschaft eintritt, in der es gerade recht aniMirt" zugeht. Gilt doch avimirt" und laut" fast als gleichbedeutend! '.Für die Wirthin, die sich gern den .Ruhm sichern möchte, daß es bei ihr sehr nett" gewesen, ist es deshalb auch das eifrigste Bestreben, diese Massenconversation zu fördern. Wenn die Unterhaltung hinüber und herüber geht, wenn sechs, acht Gruppen von je zweien zusammen reden, Lvenn über dem wüsten Tongebrande nur einzelne Sätze verständlich schweben: Ja, in der That recht gut, nur gebraucht sie das Pedal zu viel." Warum st: das Kleid nur viereckig und nich: en coeur ausgeschnitten hatte!" Mein Emil bekommt jetzt die ersten langen; er schämte sich nachgerade in den Kniehöschen." Selbstverständlich, das Messing lasse ich immer am Freitag putzen." und schließlich das klassische: Ich koche sie mit Zwiebeln" ; dann, ja dann glaubt die freund'liche Gastgeberin den Gesang der 'Sphären zu vernehmen. Auch diejenigen der Geladenen, die über genügende Energie und so kräftige Lungen verfügen, daß sie sich in den Kampf zu stürzen vermögen, sinden meist, daß es ein ganz reizender Abend" gewesen sei. Aber es gibt auch andere, vorsichtige, schüchterne, nervöse Frauen, 'zarte Naturen, denen alles Laute. Aufdringliche ein Greuel ist. Sie zittern vor dieser Redeschlacht, denn sie wissen, daß fit darin nur unterliegen können; sie ziehen es vor, lieber ganz zu schweigen und gehen aus diesem gesellschaftlichen Ringen der Starken und der Schwahen als die Unterdrückten hervor. Freilich beugen sie sich nicht sofort, keiner will sich ohne Kampf besiegen lassen; aber nach kurzer Gegenwehr sind sie Ihrem Loose verfallen. Wie k.ommt es nun, daß dieses auf einmal sprechen" in der Gesellschaft geradezu zum guten Ton geworden ist? .'Wirklich guter Ton" ist doch in erster Linie jene zarte Rücksicht auf andere, die darauf hinausgeht, sie nicht zu un.terdrücken, sondern nach ihrer Eigenart zur Geltung kommen zu lassen; zur Geltung kommt aber Niemand im Gespräch, wenn ihm ein anderer mit .einer Sonderunterhaltung Eoncurrenz -.nacht. Die Kunst, gut zuzuhören, ist ja im Ganzen viel weniger verbreite als jene gut zu sprechen, wenn man -unter dem gut sprechen" nur einen geläufigen Zungenschlag versteht. Fast jede Frau hört lieber sich selbst reden, als daß sie geduldig zuhört, und dieWenigen, die gerade einmal zum Zuhören verdammt sind, thun dies meist nur mit geringer Aufmerksamkeit; denn sie harren schon des Augenblicks, wo auch sie in Action treten können. Und wirklich, manchmal ist dieses Eingreifen eine Nothwehr, eine Lebensrettung; nichts fällt mehr auf die Nerven, als in einem nicht allzugroßen Nau?n das Durcheinander der verschiedensten 'Stimmen zu vernehmen und nur ein,zelne Bruchstücke der Unterhaltung zu verstehen; da ist es wirklich bequemer, sich selbst in das Gespräch zu stürzen .und die anderen zu überschreien. Um wie viele Anregung, um die kErorterung wie vieler wirklicher Inte--ressen bringt sich aber die Gesellschaft durch dieses zu gleicher Zeit reden! Das Gespräch muß immer auf der Oberfläche bleiben, es ist nicht möglich, ein !Thema wirklich gründlich durchzusprechen, eine Idee mit dem Für und Wi!der zu erörtern; denn die andern, zu gleicher Zeit geführten Unterhaltungen lenken die Aufmerksamkeit allzusehr ab. Niemand empfängt bei einem sol.chen Gespräch, denn Niemand nimmt 'sich die Mühe, wirklich zu sein, da er im Voraus weiß,, daß es sich nicht verlohnen wird; und auch die Sprecherinnen geben nicht ihr Bestes, denn sie sa-' ctn sich, daß doch nur mit halbem -Ohre auf ihre Ausführungen geachtet .werden wird. In einer sehr großen Gesellschaft läßt es sich allerdings nicht durchführen, daß nur eine spricht und die andern geduldig lauschen und später ihre .Meinung kund geben; dieUnterhaltunz 'würde dadurch zu einem Vortrag und iner sich daran schließenden Discussion ausarten. In Gesellschaften bis zu acht oder zehn Personen jedoch lernn sehr gut ein einziges Thema behandelt werden. Hier schließt sich an die erste Aeußerung die Replik, eine andere folgt, eine entgegengesetzte AufFassung kommt zu Wort, bei dem Hin -und Her stellen sich nun Ideen ein. das Ähema wird zum Grunde erschöpft, nicht in einer langweilig ehrhaften Form, sondern mit Witz und Grazie,, weil jede, durch das Beispiel der Vorrednerin angefeuert, ihr Bestes gibt, weil sie weiß, daß man ihr zuhört, daß das, was sie angeregt hat, auch in ciu deren einen Widerhall finden lokrd. Hierbei braucht sich keine anzustrengen, um die andere zu übertönen; keine bat das niederdrückende Gefühl, dai; sie tntweder vor tauben Ohren predigt, der daß ihr im nächsten Augenblick durch einen Gewaltakt, d. h. durch die "Anstrengung einer noch lungenkräftigeren Dame das Wort entzogen wird. Daß eine solche Unterhaltung auch amüsant" sein kann, ist sicher; man versuche es nur einmal! VedenklichesEitat. Einberufer einer Versammlung: Meine Herren! Einzeln sind wir zu schwach, um unsere berechtigten Wünsche durchzusetzen. Aber lassen Sie uns einen Verein gründen, und wir werden eine Macht bilden, mit der, nach den Worten fcs Dichters selbst die Götter vcrGebens kämpfen!"
I
Aus fähige in Jerusalem. Eine der ersten Stätten, welche die meisten Fremden in Jerusalem aufsuchen, ist der Garten Gethsemane. Durch das Stephansthor in das Kidronthal hinab führt der Weg und wohlthuend wirkt dort auf das Gemüth Einsamkeit und Stille. Gethsemane winkt mit seinen dunkeln Cypressen und uralten Olivenbäumen, da reißt plötzlich lautes Stimmengewirr den Wandelnden aus seinen ernsten Gedanken. Sechs, acht, zehn schmutzige Gestalten hocken am Wege und flehen mit rauher, heiserer Stimme um eine milde Gabe. Verkrüppelt sind die Hände, verstümmelt die ausgestreckten Arme und triefend die Augen, welche den Fremden aus aufgedunsenen Gesichtern anstarren. Das sind keine Bettler gewöhnlicher Art: Aussätzige sind es und entsetzt flieht Jeder aus dieser unheimlichen Gesellschaft, nachdem er ihr eine Gabe zugeworfen hat. Die Araber fürchten sich vor dem entsetzlichen Aussatz noch mehr als die Abendländer. Sobald sich bei einem Menschen deutliche Spuren dieser furchtbaren Krankheit zeigen, muß er unweigerlich Haus und Dorf verlassen. Nur fern von den menschlichen Wohnungen, in einer Höhle oder einsamen Hütte wird der Unglückliche geduldet. Um sich vor dem Hungertode zu schützen, muß er betteln und da dies nur in der Nähe der größeren Städte von Erfolg ist, so finden sich die Kranken dort in größeren Mengen zusammen. In Jerusalem mag es etwa 80 Aussätzige geben. Diese bilden sozusagen eine eigene Zunft, die von einem aus ihrer Mitte erwählten Scheich geDas Asyl. leitet wird. Der sonst so schroffe Gegensatz zwischen Christ und Mohammedaner tritt ganz zurück. Das gemeinsame Unglück bildet ein starkes Band der Gemeinschaft. Solange nun der Aussatz noch nicht weit fortgeschritten ist, geht es den Kranken ziemlich erträglich. Aber furchtbar wird es, wenn der einzelne nicht mehr selbst sich helfen und sich bedienen kann. Da ist früher schon mancher elend umgekommen. Jetzt freilich ist es anders, denn seit der Gründung des Aussätzigenasyls Jesus Christus- kann jeder Kranke Pflege finden. Einige aber setzen doch noch das alte Bettelleben fort. Wegen der vielen Fremden, die nach Jerusalem kommen, ist das Geschüft eben ziemlich einträglich. DaS Asyl befindet sich in einem großen hübschen Gebäude, das dicht vor derStadt in freundlicher, grüner Umgebung belegen ist; dort wird von einem Hausvater und drei Diakonissen die Pflege von 36 Kranken besorgt. Die Besicht!gung der Anstalt ist jedem Fremden gestattet und ohne"Jefahr verbunden. So lange man nicht mit den Kranken in nahe Berührung kommt, hat man nichts zu befürchten; ja, selbst wenn man die Aussatzigen anfaßt. ,st es nicht allzu gefährlich. Seit über dreißig Jahren besteht nun schon die Anstalt, aber obwohl die Pflegerinnen täglich mit den Aussätzigen verkehren, sie verbinden, ihre Wäsche waschen, ist noch kein Fall von Ansteckung vorgekommen. Das Asyl gehört der Evangelischen Brüderunität, deren Sitz in Herrnhut, Königreich Sachsen, sich befindet, und deren Mitglieder über Deutschland, die Schweiz, Großbritannien und Nord-Amerika verbreitet sind. Hauseltern und Schwestern sind Mitglieder der Brüdergemeinde. Die Kosten der Anstalt werden durch freiwillige Beiträge gedeckt. Kranke vor dem Asyl. Die Pfleglinge des Asyls machen auf den fremden Besucher nicht den widrigen Eindruck der aussätzigen Straßenbettler. Alle sind reinlich gekleidet, ihre Wunden sauber veröunden und mit freundlichem Gruße empfangen sie den Fremden. Mit der größten Liebenswürdigkeit zeigt der Hausvater die Anstalt und die Kran, ken. Freundlich und sauber sieht der Garten aus. Fröhliche Kinderstimmen dringen an unser Ohr. Dort an der aube tummeln sich vier muntere Knaben: Kinder von aussätzigen Eltern", erklärt der Führer. Bis jetzt sind sie noch ganz gesund. Auf Wunsch des Arztes jedoch sind die Kinder hier, um an ihnen genau zu beobachten, ob und wann. etwa der Aussatz zum Vorschein kommt. Drüben auf einer niedrigen Mauer sitzt ein Kranker träumend imSonnenschein. An diesem Manne sehen Sie den Aussatz noch im Ansangsstadium." Gesicht und Hände des Menschen sind dicht mit röthlichen Knötchen. von der Größe einer Erbse bedeckt. Das ist der sogenannte 5rnotenaussatz", fährt der Hausvater erklärend fort. Oft bleiben diese Knötchen jahrelang ziemlich unverändert. Dann aber verdich
ü-i S ! 5 j i & fi J3ß ttäti
ten sie sich zu Geschwüren, die nur schwer oder gar nicht heilen und große Zerstörungen anrichten. Bei jenem Mann dort unterm Baum ist z. B. schon die ganze Nase zerfressen, sein Leidensgefährte neben ihm hat verschiedene Finger verloren und wird bald gar keine Hände mehr haben. Die Knötchen bilden sich bei manchen auch im Mund und im Hals. Deshalb haben viele Aussätzige so heisere Stimmen, und nicht wenige sterben schließlich an Erstickung."
Bertheilung von Speisen. Wir betreten nun den Hof de'. Än? stalt. Hier und dort sitzt eine kleine Gruppe von Kranken. Einige sind schon ganz erblindet; neben andern liegen Krücken, auf denen sie sich hergeschleppt haben, weil sie keine Füße mehr besitzen.' 3u den ältesten Pfleglingen der Ansialt gehört eine Frau Namens Smikna, die am nervösen Aussatz leidet. Bei dieser zeigt die Hautfläche wenig Veränderung; aber die Muskeln schrumpfen im Laufe der Zeit immer nujjt zusammen, so daß Hände und Füße verkrümmt sind. Schließlich entstehen an den Gelenken auch Geschwüre, und dann fallen ganze Glieder ab. Periodisch haben die Kranken heftige Schmerzen zu leiden, doch werden nach längerer Dauer der Krankheit die Gefühlsnerven so abgestumpft, daß die Leute fast gar keine Empfindung mehr in ihren Gliedern haben. Einige Kranke sind beständig an das Lager gefesselt, und das ist ihnen das Schwerste, daß sie nicht mehr in's Freie können. Das Asyl übt keinerlei Zwang auf seine Kranken aus. Wer sich freiwillig meldet oder von seinen Angehörigzn gebracht wird, findet Aufnahme. Will er das Haus wieder verlassen, so hält ihn kein Zwang fest. Alle bleiben gern, denn es thut ihnen wohl, von liebender Hand gepflegt zu werden. Trotz ihres Leidens sind die Meisten ganz munter und vergnügt, ja nicht selten führen einige der kranken Frauen sogar eine Fantasia", einen orientalischen Tanz auf. Eine Fantasia. Trotz aller Bemühungen der Aerzte ist bisher noch kein Heilmittel für den Aussatz gefunden worden; wer von der furchtbaren Krankheit ergriffen wird, ist ihr rettungslos verfallen und die ärztliche Wissenschaft muß sich darauf beschränken, die Schmerzen der Kranken zu lindern. Früher war man der Ansicht, daß der Aussatz vererbt werde, allein die im October 1897 in Berlin abgehaltene internationale Lepraconferenz erklärte.Lepra werde nicht vererbt, sondern entstehe nur durch Uebertragung des Leprabacillus auf dem Wege der Ansteckung. Zur erfolgreichen Bekämpfung des Aussatzes wäre es nothwendig, alle Kranken in Asylen zu sammeln und von dem Verkehr mit Gesunden abzuschließen. Auf diese Weise ist es wenigstens in Europa im Mittelalter gelungen, den t0 den Kreuzfahrern eingeschleppten Aussatz wieder völlig auszurotten. Doch die türkische Regierung hat bisher nichts gegen die Verbreitung der Krankheit gethan; sie läßt es sogar zu, daß Aussätzige untereinander heirathen. Da die Kinder aus solchen Ehen fast ohne Ausnahme auch aussätzig werden, so ist gar nicht abzusehen, wann die Krankheit aus Palästina verschwinden wird. Ein Milchmädchen in Kam e r u n. Gefühllos. Finden Sie nicht, die Dame des 5)auses singt wirklich mit Gefühl?- Keine Spur! Wenn sie Gefühl hätt', würde sie überHaupt nicht singen!" Der wack're Schwabe. Ein schwäbisches Bäuerlein sitzt in einem Schnellzugscoupe 3. Klasse. Der controlirende Schaffner: Ihr müßt aussteigen, Euer Kärtele isch zu klein! Ihr müßt ein anderes lösen!" .Ich steig' halt nit aus, ich hab' in Kärtele nach Schiuckart, und daS Zügle fahrt nach Schtuckart!" Doch schnell steigt aus, Euer Kärtele gilt ebe nit für dies Zügle. daS ischt ein Schnellzllgle!" Was kann ich dafür, wenn Ihr schnell fahrt, fahrt's doch langsam!" .
'
Die New Aorker Lootsen.
Den ersten Gruß, welchen die neue Welt dem europäischen Einwanderer entbietet, bringt auf hoher See der Lootse, dessen wichtige Aufgabe es ist, das einkommende Schiff sicher in den Hafen zu führen. Es ist ein an Gefahren und Verantwortung reicher Veruf, dessen Angehörige auch bei dem schlimmsten Wetter auf dem trügerischen Element auf dem Lugaus nach den Schiffen, die dem Lande zustreben, sein müssen. Im Hinblick auf den Riesenverkehr des New Yorker Hafens ist natürlich der Lootsendienst zwischen Fire Island und Barnegat der wichtigste an der ganzen Küste und seine Geschichte ist reich an erschütternden Ereignissen von dem Tage an, da die ersten Eolonisten von Manhattan Jsland ein Boot bei Sandy Hook stationirten, das die schwerfälligen holländischen Kauffahrer in den Hafen zu bugsiren hatte. Daß bei der großen Verantwortlichkeit der Lootsen für diesen Beruf nur durchaus erprobte Männer zugelassen werden.erscheint wohl selbstverständlich. Seine ersten Dienste thut der angehende Lootse als Matrose an Bord eines Seeschiffes, und wenn er als solcher sich in jeder Hinsicht bewährt hat, wird er zu der LehrlingsPrüfung vor den Lootsen - Eommissären zugelassen. Der junge Mann muß vor allen Dingen einen robusten Körper haben, um den schweren Anforderungen des Dienstes zu genügen, und seine Sehkraft muß vorzüglich sein, um bei Tag und bei Nacht, bei Lootsenboot im Dienst. Regenböen und im Schneesturm, die Signale der Seefahrer, Küstenzeichen u. f. w. wahrzunehmen. Die Lehrlingszeit dauert fechs Jahre und dann folgt ein zweites, sehr strenges Examen, in welchem der Eandidat seine Fertigkeit in der Führung eines Schiffes und seine Kenntnisse der Gezeiten, Fahrstraßen, Untiefen, Seezeichen, Signale u. s. w. darzulegen hat. Besteht er diese Prüfung und besitzt er die erforderliche Zuverlässigkeit des Eharakters. Muth und Ausdauer, dann erhält er das Lootsenpatent. In früheren Jahren bestand unter den Lootsen des New Jorker Hafens ein überaus reger Eoncurrenzkampf. Da nach den bestehenden Gesetzen die einkommenden Schiffe den ersten Lootsen, der sich anbietet", aufnehmen müssen, war es durchaus keine Seltenheit. daß die Lootsenboote 500 bis 600 Meilen weit auf den Ocean hinausfuhren, und daß die rivalisirenden Lootsen förmliche Wettfahrten veranstalteten, sobald ein Dampfer in Sicht kam. Ihre Boote waren nicht groß, aber seetüchtige und schnelle Fahrzeuge mit Schoonertakelage, die Wind und Wetter Trotz bieten konnten. Daß diese weiten Fahrten nicht blos gefährlich und kostspielig waren, lag auf der Hand und deshalb bildeten alle Lootsenboote (29 im Ganzen) vor wenigen Jahren unter dem Namen Consolidated New Jork and Sandy Hook Pilots Association" eine Vereinigung, durch welche der ganze Lootsendienst in ein Die New Jorl". streng geregeltes System gebracht wurde. Anstatt bis auf die Höhe von Halifax und der Delaware-Mündung zu kreuzen, decken die Lootsenboote jetzt nur noch eine Strecke von 60 Meilen, die in sechs Stationen" von 10 Meilen mit je einem Boot getheilt ist. Dort sind die Lootsen auf dem Lugaus nach einkommenden Schiffen und dort setzen die auslaufenden Schiffe ihre Lootsen ab. Das Hauptquartier befindet sich an Bord des Dampfers New Jork", der bei Staten Island vor Anker liegt. Die ganze Lootsenmannschaft ist in Compagnien von 7 Mann getheilt und für jedes Boot sind drei Compagnien bestimmt, die sich im Dienst ablösen.' Die New York" ist ein mit allem Comfort eingerichtetes und in jeder Hinsicht modernes Schiff, auf dem die Führer des Meeres" ihre Mußestunden in aller Behaglichkeit zubringen können. Vom Exerzierplatz. Hauptmann: Bei Stillgestanden" rührt sich Keiner. Und wenn eine Kuh auf Stelzen hier vorbeigeht und Jedem eine Kußhand zuwirft, rührt sich nichts!" Moderne Erziehung. Mama (sich reckend und einen Augenblick an ihreFamilienpflichten denkend): Karl, wo ist deine kleine Schwester?" Im Nebenzimmer." Nun. gehe hin. sieh, was sie macht und sag ihr, sie solle das nicht thun." Gewohnheitsmäßig. Was sagst Du dazu. Fritzchen, ich habe mich mit Deiner Schwester verlobt!" Ah, da bekomme ich wohl wieder eine Düte Chokolade?" Wieso?" Da, bekomme ich doch jedesmal, wenn sich meine Schwester verlobt!" . .
fe
r .
Cadlncu.
Die Herrschaft Cadinen im außerflen Nordosten der Provinz Westpreußen ist die neueste Erwerbung des Deutschen Kaisers. Jahre sind bereits darüber hingegangen, daß der Landrath a. D. Birkner und dessen inzwischen verstorbener Bruder den Entschluß faßten, falls sie ohne Leibeserben bleiben sollten, die seit 1814 im Besitz ihrer Familie befindliche Herrschaft dem regierenden König von Preußen im Wege der Erblassung zu vermachen. Zunehmendes Alter und schwankende Gesundheit jedoch veranfaßten den bisherigen Eigenthümer, schon bei seinen Lebzeiten die Herrschaft an den Träger der Krone abzutreten. Von dieser Absicht wurde Kaiser Wilhelm in Kenntniß gesetzt, und darauf erklärte sich der Monarch bereit, das Anerbieten anzunehmen. Das Herrenhaus. Cadinen, zwischen Elbina und dem Städtchen Tolkemit gelegen, ist eine der schönsten Besitzungen in der ganzen Provinz. Das stattliche Herrenhaus lehnt sich mit seinem Park gegen einen waldigen Höhenzug, dessen Kamm die Ruine eines 1684 bis 1686 erbauten und 1826 aufgehobenen Franciskanerklosters überragt, das heute in einem noch erhaltenen Flügel die Schule des Ortes beherbergt. Garten und Park sind im Sommer ein vielbesuchtes Ausflugsziel der näheren und ferneren Umgebung. Uralte Alleen leiten aus dem Garten in den Forst über. Ein steil ansteigender, von Lebensbäumen eingefaßter Pfad geleitet zu dem Mausoleum der Familie Birkner, das sich auf dem höchsten Punkte erhebt. Felder und Wiesen der Herrschaft ziehen sich abwärts bis zu dem Gestade des Frischen Haffs. Der Wildstand von Cadinen ist, dank der sorglichen Pflege seither, recht gut. Cadinen und Scharffcnberg haben ein Areal von 1635.22 Hektar (ein Hektar gleich 2.47 Acres), wovon 766 allein auf Wald entfallen; dazu kommt noch das Gut Kickelhof mit 180.75 Hektar. Cadinen hat wahrscheinlich schon vor der Ankunft des Deutschen Ordens bestanden. Zum ersten mal wird DiegroßeEiche. (30 Fuß Umfang.) im Jahre 1255 der Terra Cadinensis gedacht. Hier hatte der Orden ein Kammergut, hier hielt er auch Gerichtssitzungen ab. In den Jahren 1324. 1330 und 1347 werden in Cudyn" Verschreibungen ausgefertigt; 1393 ist eine Urkunde von unserem Richthofe in Cudyn" datirt. Am 13. November 1432 stellte der Hochmeister Paul von Rußdorf dem Hans von Baisen eine Verschreibung über unsern Hof und Gut Cuddynen" aus. Im Jah:e 1605 verkaufte Frau Anna' Vazinska geborene Vialobloczka Cadinen für 10.000 polnische Gulden an den Rath der benachbarten Stadt Elbing. Im Jahre 1682 ist die Herrschaft im Besitz des Reichsgrafen Johannes Theodore v. Schlieben aus der Birkenfelder Linie. Im 18. Jahrhundert lebten die Herren auf Cadinen in heftigem Streit mit der Stadt Elbing wegen eines Theils des Panklaner Waldes; auch über den rechtmäßigenBesitz des Gutes wurde ein langwieriger Proceß geführt, der 1786 zu Gunsten der Erben des Grafen Sigismund v. Schlieben endete. 1814 kam die Herrschaft in den Besitz der Familie Birkner, die schon damals zu den reichsten Alteingesessenen des Landes gezählt wurde. Schnell resolvirt. Herr (zum Kutscher): So, da waren wir! Was willst Du nun Schnaps, Bier oder Grog?" Kutscher: Ei, ich denke, ein Schnäpschen, und, bis der Grog fertig ist, eine halbe Bier!" Darum. A: Der Herr, der eben mit Ihnen sprach, war aber liebenswürdig gegen Sie." B.: Ja, Wissens, der war nämlich, als ich um meine Frau warb, mein Rivale, und ist mir heute noch dafür dankbar, daß er sie nicht gekriegt hat!"
FxÄ MBilili II rC--t- rir j4lV,T3lW- ta--- 77S -cd. -ZMMMj!
Eine Schwebebahn.
Die beiden emporblühenden Städte Elberfeld und Barmen sind durch eine elektrische Straßenbahn miteinander verbunden, die jedoch für den immer lebhafter sich gestaltenden Verkehr nicht mehr ausreicht. Schon längst hatte sich das Verlangen nach einer bessern Bahnverbindung bemerkbar gemacht, und es war auch schon vor Jahren eine Hochbahn geplant worden, wie sie gegenwärtig in Berlin von der Firma Siemens & Halske errichtet wird. Diese Hochbahn sollte über dem Flußbett der Wupper angelegt werden; da sich jedoch die Aufstellung der Stützen mitten im Flußbett nicht umgehen ließ und die Hochwasser - Verhältnisse der Wupper keinen gefahrlosen Betrieb gewährleisteten, so ließ man das Project wieder fallen. Da tauchte das Schwebebahnsystem Eugen Langen auf, das für den in Rede 'stehenden Zweck vorzüglich geeignet erschien, und so wurde denn die Anlage einer Hochbahn nach diesem System beschlossen, deren Bau nunmehr bereits flott fortschreitet. Die schräg gestellten Gitterstützen, die je nach den Krümmungsverhältnissen der Wupper in Entfernungen von 15 bis 25 Meter auf besonders fundirten Auflagern an denUfern ihren FußPunkt haben und in ihrem obern Theil durch Vorizont'alträger in dieser Lage gehalten werden, sind wiederum untereinander durch ein Längsträgersystem verbunden und stellen so den Bahnkörper dar. Die ganze Bahnstrecke ist etwa 13 Kilometer lang; auf einer kleinern Die Bahnstrecke. Straßenstrecke treten an Stelle der schrägen portalartige senkrechteStützen. Die Haltestellen werden so angeordnet, daß sie von den Wupperbrücken aus durch Treppenanlage erreichbar sind. Sie vertheilen sich in der Weise, daß auf jede Strecke von 500 bis 600 Meter eine Haltestelle kommt. Die Wagen fassen 50 bis 60 Personen und hängen pendelartig auf den unter dem Längsträgersystem montirten Kopfschienen. Die Laufachsen der Räder ruhen in beweglichen Drehgestellen, damit auch bei kleinen Krümmungen das schnelle Dahingleiten der verhältnißmäßig langen Wagen nicht beeinträchtigt wird. Die Sicherheit des Betriebs ist ungleich höher als bei jeder anderen Bahnanlage. Ein Herabstürzen der Wagen ist ausgeschlossen; bei einem etwaigen Achsenbruch treten Greifvorrichtungen in Thätigkeit, und Gegenrollen hindern ein zu starkes Schwanken der Wagenkasten. Bei der Höhenläge des Bahnkörpers wurde darauf Bedacht genommen, daß die Wagenunterkante ungefähr noch 5 Meter über der Fahrbahn der zu kreuzenden Brücken liegt. Die Fahrgeschwindigkeit bei elektrischem Betrieb wird ungefähr 40 Kilometer in der Stunde betragen. Die Baukosten der zweigeleisigen Hochbahn sind auf 8 bis 10 Millionen Mark veranschlagt und für die Vollendung zwei Jahre Bauzeit in Aussicht genommen. Fleißig. Frau: Ihre Tochter, die junge Braut, ist wohl sehr wirthschaftlich?Mutter (stolz): Das will ich meinen! Die hat nicht einmal beim Verlobungskuß das Kartoffelschälen unterbrechen!" Unbewußte Selbstkrrtrk . . Laß Dich nicht auslachen, Kathi, so die Beleidigte zu spielen, weil Dich unsere G'vatterin einen Schwammerling" geheißen hat! Das ist doch waS ganz Gemüthliches!" Ich dank'! Schön gemüthlich! Wenn die mich einen Schwammerling heißt, dann meint sie gewiß einen giftigen!" Süße Erinnerung. Nichte (mit ihrer Tante spazieren gehend): Sag' mal, Tante, warum seufzt Du eigentlich jedeö Mal, wenn wir an dieser Ecke hier vorüberkommen?" Tante (alte Jungfer): Hier hatte ich aU junges Mädchen 'mal ein RendezvouZ." ' . .
.P"5!isch.
Vater der Braut (zum Bewerber, einem jungen Nechtsanwalt): Baares Geld gebe ich meiner Tochter nicht mit aber ich habe da noch für zehntausend Mark zweifelhafte Forderungen., die können Sie sich ausklagen!" In der Menagerie. Zuschauer: Tritt denn heute der Mann nicht auf. der dem Löwen den Kopf in den Nachen steckt?" Director: Nein der hat leider augenblicklich eine aeschwolleneWcmae.. und so weit kann der Löwe das Maul, nicht aufreißen!" AucheinTantalus. Herr Referendar sind jetzt in der städtischen Verwaltung angestellt? Ist der Dienst im Rathhaus schwer?" Furchtbar mein Büreau liegt: nämlich direct über dem Rathskeller!"' I m D u s e l. Bummler (der auf die Uhr gesehen,, nach mehreren, vergeblichen Versuchen,, dieselbe wieder in die Tasche zu sie cken): Sacra, mir scheint, i' hab' mein: Westentaschl verlor'n!" Strandbosheit. Wie gefällt Ihnen die Comtesse besser, im Bade- oder Promenade.-Ko-stüm?" Im Badekostüm wenn sie; unkt getaucht ist!" Ein guter Barbier Ein Herr hat sich in einer entlegenen Gasse einer Curstadt rasinn lassen. Nach vollbrachter Arbeit fragt ihn der Barbier: Ist Ihnen vielleicht ein Abonnement auf 12mal zasiren gefäl lig?" Herr: Danke; so viel Blut hab' ich nicht!" Mancher Verein ist nur ei wechselseitige Versicherungsgesellschaft für geistige Armuth. Verrathen. Junge Dame (ihrem Verlobten aus einem Roman vorlesend): Bei der Verbeugung lösten sich die Locken der Gräfin und fielen lang über die Schulter berunter." Der kleine Bruder: Just wie bei Dir ge. stern Abend als Du Dich bücktest, ich sb sie Dfröb nieder au K
Wi : m 1 1 i 1 1 1 $h:-i l , ! ' : Ni-4 . M l:dv?1K MMU
v
Äl - 1 tmßiß lw
vJz$T Jr0-
