Indiana Tribüne, Volume 22, Number 55, Indianapolis, Marion County, 13 November 1898 — Page 2

Anna! CelbsterlebieZ von JosefaVHt. ! Ich besaß kaum den Muth, es meiSien Manne zu gestehen, der hatte so wie ?c schon immer räsonnirt, wenn ich dem Dienstmädchen gekündigt hatte. Wenn Du verständest, die Mädchen vernünftig zu behandeln, würdest Du nicht jeden Monat zu wechseln brauchen." hatte er mich belehrt. Du mußt Geduld haben. Du darfst nicht gleich hiHig werden, in Güte erreichst Du stets mehr wie durch brutales Borgetjen. . . ." Du lieber Himmel, ich und bru5al vorgehen! Ich habe die Geduld eines Lammes, werde nie hitzig und suche jeden Streit in Güte zu schlichien, und trotzdem hatte ich dem Mädchen heute wieder gekündigt! Es war mit ihr einfach nicht mehr auszukommen, sie hatte sich in den wenigen Wochen, in denen sie bei uns war, zu einer Tyrannin ausgebildet, die mich fast willenlos gemacht hatte. Meim Anordnungen existirten für sie gar nicht, sie schaltete und waltete durchaus nach ihrem Belieben. Nun war die Sache heute zum klappen gekommen. Holen Sie zum Abendessen noch ein halbes Pfund Thüringer Rothwurst," hatte ich ihr gesagt, W ißt mein Mann so gern." Sie brummte etwas Unverständliches und brachte Vraunschweiger Leberwurst. Ich wollte aber boch Thürrnger Rothwurst haben," bemerkte ich schüchtern. Weiß ich, habe ich gehört," unterbrach sie mich. Ihr Mann ißt die so gern." Ja, aber weshalb bringenSie dann Vraunschweiger Leberwurst?" fragte ich erstaunt. Weil die mein Vräutjam noch lieber ißt," antwortete sie prompt. Ihr Bräutigam?" staunte ich. Na natürlich, mein Bräutjam," bestätigte sie. DenkenSie denn.ich gehöre zu die Mächens, die keenen Bräutjam haben? Na, ich sage Ihnen, wenn ich

will, an jedem Finger zweie " Dabei hielt sie mir ihre zehn Finger vor's Gesicht. .Und mein Bräutigam ißt bei mir Abends in der Küche, oh, der hat einen feinen Geschmack und deshalb habe ich Leberwurst gebracht." Darauf kündigte ich dem Mädchen. Na man zu," meinte die gleichgiliig, so 'ne Herrschaft wie Sie Zriege ich jede Stunde wieder." Das erzählte ich meinem Mann. Ja," meinte der achselzuckend, Du verstehst es wirklich und wahrhastig nicht, mit Dienstboten umzugehen." Aber wenn sie so frech sind....... ." Wagte ich schüchtern einzuwenden. Wenn man von vornherein seine Autorität zu wahren weiß," belehrte er mich, kann so etwas gar nicht vorkommen." Aber ich habe doch meine Autorität gewahri, indem ich kündigte," wehrte ich mich meiner Haut. Und wenn gleich von vornherein ein Machtspruch gethan werden soll, dann miethe Du doch das nächste Mädchen, Du kannst doch Deine Autorität gehörig rausbei5en." Schön," entgegnete mein Mann, ich werde morgen in's Miethskomtor gehen und meine Auswahl treffen. Da mit ich aber keinen Fehlgriff thue, werde ich meine Mutter mitnehmen. Du weißt, die versteht sich auf dergleichen." Also meine Schwiegermutter! Nun, fcic wußte allerdings Bescheid, denn sie hatte, wie sie mir selbst erzählte, vor Kurzem das Jubiläum ihres hundertfünfzigsten Dienstbotenwechsels gefeiert. Im Uebrigen achiete ich die alte Dame hoch, wir vertrugen uns viel besser wie dies Hund und Katze zu thun pflegen. Ging also diesmal die Sache wieder schief, nun, dann war das nicht meine Schuld, sondern die meiner Schwiegerma ma ma. Einige Tage später sagte mir mein Mann: Wir, das heißt Mama und ich, haben heute eine vorzügliche ErWerbung gemacht: ein Mädchen, sage ich Dir, fein und proper. Hier lies mal die Zeugnisse im Dienstbuch." Ich nahm zaghaft das mir so wohlbekannte blaue Buch und las: Gesinde '- Dienstbuch für Anna Lotm aus Weyhofen, alt 25 Jahre. Statur mittel, Augen braun, Nase, Mund gewöhnlich. Haare dunkelblond. besondere Merkmale " Dann kam die erste Eintragung in Rubrik 6: Grund des Dienstaustritts und Dunstabschiedszeugniß: Hat sich während dieser Zeit zu ineiner Zufriedenheit geführt", und dann die zweite: Anna kündigte mir. H sie sich für meinen Haushalt nicht kräftig genug fühlte. Wir wünschen ihr in jeder Bziehung nur Gutes!" Na, wie? was?" frohlockte mein Mann, das is 'n Mädchen, wie sie im Buche steht, da wirst Du Dein blaues Wunder erleben. Aber freilich, man muß 'n scharfen Blick haben, man muß im Handumdrehen, nnjerschelden können, was gut und was schlecht ist. Diesen Blick ha! Mama und von itt hab' ich ihn wahrscheinlich geerbt . . J Daß ich gegen den Scharfblick meiner Schwiegermutter nicht ankämpfen konnte, wußte ich schon und nun hatte mein Mann legitimer Weise auch diese Erbschaft angetreten Die neue Anna ist dornst mit 70 Thaler Lohn gemiethet worden, bei genügenden Leistungen gibt's nach einem Jahre 10 Thaler mehr. Beruhige Dich," wehrte er ab. als ich einige Bedenken vorbringen wollte, Du kannst kein Urtheil fällen, ehe Du die Leistungen dieses Prachtmädchens gesehen hast. Die kann einfach Alles: Die hält die Zimmer blitzsauber, die kocht, die schneidert, die spielt mit unserer Marie, die beaufsichtigt die Schular-

beiten d'eS Jung, fri-, ra und pomadisirt." Das ist allerdings ein Madchen für Alles," gestand ich zu, und wie denkt denn Mama darüber?" Oh," schwärmte er, die war gaz entzückt.' Ich habe ihr ordentlich gutWorte geben müssen, damit sie uns Anna überließ, am liebsten hätte sie dieselbe für ihre eigene Wirthschaft gemiethet." Am Zweiten gegen Abend zog die viclgerühmte Anna zu. Sie kam stolz per Taxameter vorgefahren und ließ sich vom Kutscher ihren Korb herauftragen. Hierauf richtete sie sich in ihrer ?tube häuslich ein. Und erst dann kam ich dazu, ihr die ersten AnWeisungen in der Wirthschaft zu ertheilen, die sie schlaftrunkenen Blickes ruhig anhörte. Es war schon acht Uhr, als ich am nächsten Morgen erwachte, ich hatte die Zeit verschlafen! Na, schlimm war das ja nicht, Anna hatte in der Zwischenzeit Alles schon zurecht gemacht, so daß wir in einem Viertelstündchen frühstücken konnten. Ich eilte nach der Küche, da war es öd und leer: es brannte kein Feuer, es kochte kein Wasser, es war keine Sahne geholt worden. Ich öffnete die Entreethür: Die Zeitung sammt einigenPostsachen steckten im Briefkasten, der Frühstücksbeutel hing unberührt an der Klinke. Nun klopste ich an Anna's Thür, ein dumpfes Röcheln, ein gurgelndes Schnaufen drang aus der Stube. Von Schreck erfüllt riß ich die Thür auf: Anna schlief einen festen Schlaf und schnarchte eine grausame Melodie. Anna," rief ich und rüttelte sie kräftig, es ist ja schon acht und Sie schlafen noch . . Ahhh," gähnte sie und rieb sich die Augen, das schad' nischt. Wenn ich nicht mehr schliefe, wär's jetzt auch acht " Machen Sie schnell, brühen Sie den Thee auf, mein Mann wartet schon," ordnete ich an. Schon?" fragte sie noch halbver-

schlafen, schon? Bei meiner früheren Herrschaft wurde übrigens stets Cacao getrunken." Gegen Mittag mußte ich einen Besuch machen. Ich hatte Anna alle nur erdenklichen Anweisungen bezüglich des Mittagessens gegeben und hinzugefügt, daß ich pünktlich um 1 Uhr wieder zu Haus fein würde, um nach dem Rechten zu sehen. Ich beeilte mich so sehr, daß ich wirklich mit dem Glockenschlage die Thür ausschloß. In der Küche herrschte eine wirklich idyllische Ruhe, die nur manchmal durch ein leises Stöhnen unterbrochen wurde. Als ich hinemtrat, bot sich mir ein wunderbares Bild: Das Feuer der Kochmaschine war erloschen, nur aus der Ecke cntwickelte sich noch ein schwaches RauchWölkchen, die Kartoffeln waren halb gar gekocht, das Flelsch war überhaupt noch nicht über dem Feuer gewesen. Und auf dem einen Küchenstuhl saß Anna, die Hände im Schootz gesaltet, den Kopf an die Wand gelehnt, den Mund geöffnet, das leise Stöhnen entrang sich in rhytmischen Zwischenräumen ihrer Brust. sie schlief sanft und fest. Aber Anna," machte ich sie munter, was foll denn aus dem Essen werden, Sie sind ja eingeschlafen!" Jotte doch," meinte sie, is es denn 'n Wunder, wenn man bei die lanaweilige Kocherei 'n bisken indrusselt? Bei meiner früheren Herrschaft wurde Mittag für Mittag ein Braten hcraerichtet." Ich fchluckte meinen Aerger hinunter. mein Mann hatte mir ja ausdrllcklich eingeschärft, nicht hitzig" zu werden. Nach Tisch sagte ich zu Anna: Nun nehmen Sie die Kinder und gehen in die Kinderstube. Mein Sohn soll dort seine Schularbeiten machen und der Kleinen lesen Sie etwas vor aus irgend einem der Märchenbücher, die Sie im Tischkasten finden werden." Nach einer halben Stunde gab's im Corridor einen furchtbaren Spektakel: die Kinder führten einen GladiatorenKampf auf: der Junge schlug mit seinem Lesebuch auf das Mädchen ein und die trommelte mit ihrem Märchenbuche auf seinem Kopfe hernm. Kinder, Kinder." fuhr ich dazwi schen und trennte die Kämpfenden, .was ist denn das? Wo ist denn Anna?" Anna schlaft , schrie derJunge und drohte seinem Schwesterchen mit der ZZaust. Anna schlaft." plapperte die Kleine nach und warf ihremBruder das Märchenbuch vor die Füße. And wirklich . . auf dem Sopha der Kinderstube lag Anna und schnarchte, schnarchte, schnarchte! Am liebsten hätte ich, na, aber brutal" sollte ich a auch nicht vorgehen Nach einer Stunde kam mein Mann. -Dem erzählte ich die Erlebnisse des Tages. Wo ist Anna jetzt?" fragte er wüthend. Na. die schläft noch." entgegnete ich in aller Seelenruhe. Er stürmte ach dem Kinderzimmer, Anna schnarchte ihm eine ganze Arie entgegen. He, Sie Annnaaa!" schrie er ihr ins Ohr, fo daß sie sich erschrocken ttnor richtete, zu-n Schlafen haben wir Sie doch nicht gemiethet." Ach sooo seufzte sie. een Wunder Zö es nich, wenn eins bei det ewije Märchenvorgelese die Augen zufallen. Bei meine frühere Herrschaft gab's keine Kinder nich " Lassen Sie mich mit ihrer früheren Herrschaft in Nuhe," wüthete mein Mann, ich habe Sie gemiethet, damit Sie kochen, schneidern und sich mit den Kindern beschäftigen." ' Zum Kochen müssen Sie sich 'ne Köchin, zum Schneidern 'ne Schneidermamsell, für die Kinder 'nKinderfräulein miethen," antwortete Anna und unterdrückte nur mühselig ein krampsHaftes Gähnen. . .4&U unverschämte Person," fuhr jie

mein Mann an. halten Sie den Mund. Heute Abend kommt meine Mutter, die wird mit Ihnen ganz anders reden . . ." Is nich, det jiebt's nicht,- lachte Anna, et is schon schlimm jenug, wenn Sie Veede 'n armet Dienstmädchen'kunjeniren bis auf's Blut, von so'n alten Drachen lass' ich mir schon gar keene Fissematenten vormachen." Scheeren Sie sich zu allen Teuseln," kreischte mein Mann, aber etwas plötzlich, sonst ...," er fuchtelte mit dem rechten Arme in der Luft herum. Na ja doch, ick jehe schon," erklärte Anna, denken Sie denn, ooch nur een Mächen wird's aushalten in 'nerStelle. wo ihr nich 'mal det bisken Ruhe jejönnt wird?" Abends saßen wir sehr mißgelaunt um den runden Familientisch. Anna war thatsächlich per Tarameter wieder davon geschwirrt. Du hast Schuld daran," erklärte ich meinem Mann, wenn Du das Mädchen vernünftig behandelt, wenn Du mehr Geduld gehabt hättest, wenn Du nicht hitzig, sogar brutal geworden wärest, wenn Du nicht . . ." Hör' auf mit Deinen wenn's"," knurrte er verdrießlich, ich werde mich um Deinen Dienstmädchenkram so wie so nicht mehr bekümmern " Der Mtty der Frau. Plauderei von Tr. Ella Menscb. Bekannt ist die List, die der schlaue Odysseus anwandte, um den unter den Töchtern des 'Königs Lykomedes in Frauentracht verborgenen Achill zu entdecken. Während die Mädchen die schönen Kleider und Schmucksachen be-

schauen, die der Held von Jthaka ihrer Neugier vorlegt, ertönt auf Anordnung des Odysseus vor den Pforten des Palastes einKriegsstgnal; erbleichend fliehen die Töchter des Königs, aber Achill, Schild und Lanze ergreifend, die sich gleichfalls unter den Gegenständen bebefanden, stürmt hinaus.dem vermeintliehen Feind entgegen. Noch heute könnte man ein solches Experiment mit dem gleichen Erfolg anstellen: es ist der Geschlechtsunterschied im Verhakten zu einer jäh auftauchenden Gefahr, wie er schärfer und plausibler kaum geschildert werden kann. Von Ueberlegen. Nachdenken ist bei keinem Theil die Rede,, nur die natürlichen Instinkte fordern ihr Recht. Hier bedingen sie:' ängstliches Zurückweichen vor der Gefähr; dort: die unbändige Lust, ihr zu trotzen. Und das ist auch ganz in der Ordnung, denn der weibliche Organismus ist durchschnittlich nicht dazu geeignet, sich mit der rohen Gewalt zu messen, und rein instinktiv empfindet das die Seele der Frau. Wer aber durchaus den Schluß ziehen wollte, daß es der Frau und'dem weiblichen Geschlecht überhaupt an Muth gebräche, würde fehr oberflächlich und einseitig beobachtet haben. Ja, selbst in solchen Fällen, wo die angeborene Zaghaftigkeit, die meist noch durch Erziehung und gesellschaftliche Sitte verstärkt wird, sich zu jener nervösen Feigheit steigert, die schon beim Getäusch der Waffen bebend zusammensährt, hätten wir noch nicht das Recht, die völlige Unfähigkeit zum Muth festzustellen. Denn die Geschichte berichtet uns von unzähligen Beispielen, wo diese natürlichen Grenzen infolge gebieterischer Nothwendigkeit und eigener moralischer Selbstzucht überwunden wurden und zwar fast immer mehr im Ansturm der Begeisterung als in der Gelassenheit kühlen Erwägens. Eine Art des Muths hat man freilich auch der Frau nie abgestritten: den passiven Muth des Duldens und der Opferfreudigkeit. . Nach dieser Seite ist die Geschichte des Geschlechts geradezu vorbildlich, .und das Anführen von Beispielen erscheint überflüssig. Doch unserem angeregten Thema geschieht keineswegs damit Genüge, wenn Wir die ethische Eigenschaft des Muths, die der Mensch zu seiner Vollendung genau so nöthig hat wie die der Wahrheitsliebe, Halbiren und dem männlichen Geschlecht die aktive, dem weiblichen die passive Seite überweisen. Auch die Frau ist muthig bis zur höchsten Aktivität. Ihre Leistungen können nach dieser Richtung hin den des Mannes völlig wesensoerwandi sein. Nur die psychische Disposition, welche die Aktivität veranlabt. ist eine andere. Die germanischen Frauen, die die Wagenburg vertheidigen und ihre Männer bis zum äußersten Berzweiflungslampf ausstacheln, die Clorinde, die in Tassos Befreites Jerusalembesungen wird, die Gattin Zriny's, welche die Fackel in den Pulverthurm schleudert, damit die Türken nur eine Trümmerstätte vorfinden sie alle handeln in einem Zustand höchster, geistiger Ecstase, der sie gleichsam vor fica selbst verwandelt. Als über JoHanna d'Arc jene göttliche Trunkenheit kommt, empfindet sie sich den Schranken ihres Geschlechts entrückt, und es ist eine feine Seelenkunde Schillers, wenn er ihr die Worte in den Mund legt, mit denen sie aus das Flehen Montgomery's erwidert: Nicht mein Geschlecht beschwöre! Nenne mich nicht Weib! Gleichwie die körperlosen Geister, die nicht frei'n auf ird'sche Weise, schließ' ich mich an kein Geschlecht der Menschen an." Der Heroismus des Mannes' kann sich schon in einer mittleren Temperatur entwickeln, während der der Frau leicht den Charakter einer dem irdischen Leben entrückten Schwärmerei annimmt. Das Extrem nach der Höhe zu läßt auch das in entgegengesetzter Richtung begreiflich erscheinen. Die Tapferkeit artet aus in wilde Zügellosigkeit, die bei der Frau eine Berzerrung ihreö ganzen Wesens hervorbringt. Die weiblichen Raufbolde, wie sie in Zeiten trüber revolutionärerGäh-

rung eine widerwärtige Rolle spielen, sind im Grunde genommen von jenem echten Muth, der allemal zu einer Erhöhung des Seins führt, genau so weit entfernt wie die übertrieben zarten Treibhausgewächse einer ungksunden, rasfinirt verfeinerten Gesellschaft. Hier wie dort ist Verfall und Verwesung. Die emanzipirte Frau ist nicht zu verwechseln mit der starken Frau. Diese, das Ideal der werdenden SluU tur. hält sich frei von der verlogenen Prüderie einerseits und der hohlen Asfectation andererseits, die zu den dekorativen Außendingen des Muth greift und durch solche äußerliche Prahlereien. wie Waffentragen. Fechten u. dergl., oft nur sehr dürftig die Abwesenheit echter Lebensenergie maskiren kann. Mißtrauisch darf man auch mit Recht gegen den Muth solcher Personlichkeiten sein, die mit Vorliebe mit der Majestät des Todes kokettiren. ein ästhetisches Spiel mit seinen Symbolen treiben und J?den, der es hören will, versichern, daß ihnen am Dasein absolut nichts liegt. Gewöhnlich versagen sie im Ernstfall und können, wenn sie dem Unvermeidlichen plötzlich von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen, zuweilen nicht einmal die Fasfung des schlichten Durchschnittsmenschen aufbringen. Das schreiende MißVerhältniß zwischen den hochtrabenden Redensarten und dem feigen Gebahren wirkt doppelt widerwärtig. Ich bin überzeugt, daß körperliche, gymnastische Uebungen, auch ein mäßig betriebener Sport auf den Muth der Frau nur durchaus günstig einwirken können. Aber einen solchen hohen Einfluß auf die Charakterbildung, wie z. B. Zola es thut, möchte ich dem Radfahren doch nicht zugestehen. Daß es die Kaltblütigkeit, das rasche. Entschlußfassen befördert, kann man ohne Weiteres einräumen. Aber das sind doch schließlich nur die untern Grade des Muths: das, was man am besten mit dem populär gewordenen Wort Courage" ausdrückt. Die Welt der sittlichen Ideen wird davon noch nicht berührt. Und gerade in ihr ist auch die Frau zu den höchsten, den vollwerthigsten Leistungen berufen. Es gibt einen Muth, den der Ungebildete nicht einmal zu begreifen, geschweige denn zu üben vermag. Dahin gehört z. B. die Handlungsweise einer Antigone, die da Weiß, daß sie länger den Unteren" als den Oberen" angehören wird und gemaß dieser Einsicht das göttliche Gesetz über Menschensatzung stellt. Sich auf Grund der besseren sittlichen Erkenntniß dem Machtspruch der Gewalthaber, ja, den trägen Gewohnheitsvorstellungen der Masse widersetzen das ist die höchste Art des Muths, neben der auch die glänzendste phystscho Krastäußerung verbleicht. Der wahre, der sittliche Muth zieht stets die letzten Consequenzen und scheut sich nicht, mit seiner ganzen Persönlichkeit für seine Ideen einzutreten. Viele Zeichen sprechen dafür, daß die Frauenwelt jetzt und in nächster Zukunst zu dieser Gattung menschlichen Heroenthums ein stärkeres Contingent als seither zu stellen berufen sein wird. Freilich muß man sich vor der Illusion hüten, in jeder Kämpserin für die Frauenfrage sogleich eine Heldin des Muts und der Wahrheit zu erblicken. Denn oft ist es nur das Gefühl des Rückhalts in der Schaar von Anhängerinnen und Genossinnen, was einzelnen Frauen den Muth und dieBeherzt-

. heit verleiht. Das war ehedem para- , do? , wurde Hamlet sagen, aber heute bestätigt es die Zeit!Die geplagte Hausfrau. Von Chr. Meyer. Es geht der heiße Tag zu Ende. Ermüdet legt die Frau vom Haus Nun in den Schooß die fleiß'genHände Und ruht von ihrer Arbeit aus. Der treue Gatte trägt dem Frauchen Die weichen Filzpantoffeln zu. Und sorgt und wacht mit Argusaugen, Daß Niemand störe ihre Ruh'. Flugs werden dann von ihm die Kinder Entkleidet und zu Bett gebracht, Dieweil der Lärm der kleinen Sünder Nervös das liebe Weibchen macht. Erholung sucht sie dann im Schlafe Hausfrauenstand bringt Sorg' und Plag'! .. Ach nein! Geradelt hat die Brave Den ganzen lieben langen Tag. Gedankensplitter. So mancher Tyrann hält die Furcht vor semer Macht sur Respekt vor sei ner Person. Hab' Achtung vor dem Mann, Der, was er will, auch kann. Doch dem Verehrung zoll. Der nur will, was er soll. Wen das Herz voll ist, deß geht der Mund über;" oft aber ist das Herz voll Galle und der Mund träuft von Honig. .Im Kampfe um das Recht Zeigt edel sich der Schwache, , Kommt er jedoch zur Macht, Da ändert sich die Sache. Sei nicht allzu aufrichtig, sonst hält dich die mißtrauische Welt erst recht sur emen Heuchler. Mag einer heiß auch sterben. Es wird nicht anerkannt. Man fragt nicht, was er suchte. Man fragt nur, was er fand. Wer waat. aewinnt. dock meist nur 1 j ' ri 1-

sn rkayrung, . -

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Aas Iamcndueu. Vnn Rukolph v. Rosen. Zwischen Thür und Angel sagte das siebzehnjährige Töchterchen der Hausneisterin von Nummer 16 ln der Rue Frossard zu ihrer dicken Mama: Lebe wohl, meine gute Alte; ich komme entweder als reiche Dame, oder gar nicht mehr zurück nach Paris!'' . . . Draußen im Flur standen bereits die klatschsüchtigen Nachbarinnen, für welche ein erhabener Augenblick gekommen war. Ri-Ri reiste in's Engagement. das einzige Kind der Concii'rge wollte Chansonnettensängerin werden. Marianne, die man in der Straße Frossard gemeiniglich Ri-Ri" nannte, oder einen wtlden Teufel" scbimpfte, wen sie allerhand tolle Schnacksen trieb, wollte wirklichParis verlassen und nach Marseille reisen. Einige Liedchen hatte ihr der Primgeiger der Bouffes" einstudirt; hübsch, wenn auch ein bischen mager, war die Kleine, für gescheid: galt sie auch cs konnte ihr demnach glücken. Beim Abschied, als Ri-Ri allen Weibern die Hände reichte und ihre Mutter zu dem in den Wagen steigenden Mädchen unter Thränen sprach: Sei nur immer vernünftig. Rmnne! da ging das übliche Schluchzen los, das dem zarten GesLzlechte jeden Abschied verschönert, und Marianne rief, ihren kleinen Koffer in den Fond des Wagens werfend, sorglos aus: D, gescheidter und vernünftiger werde ich sein, als Ihr Alle es von mir glaubt!" ... Ri-Ri trat in Marseille auf und hatte gleich am ersten Abende zwei Todfeindinnen, weil sie, obzwar ihr Costüm durchaus kein kostbares oder außergewöhnliches und ihre Stimme keine große war dem Publicum gefiel und ihr ein Theil des Applauses gespendet wurde, welchen sonst .die blonde Aide und Madame Rabout, die sich auch Comtesse Rabout nennen ließ, einheimsten. Im Chantant Nazaire traten nur diese drei Sängerinnen auf, das übrige Programm besorgte die ziemlich zahlreiche Familie des Direktors, welcher selbst ein guter Artist war. Die Chanteufen waren nie unter sich einig die sogenannte Comtesse haßte Aide und Aide schnitt hinter der Rabout höhnische Grimassen. An dem Debütabende der neuen Dritten" standen aber, die Beiden Schulter an Schulter und machten ihre Bemerkungen über Ri-Ri. Das Pariser Hausmeistersiöchterlein fühlte förmlich, daß sie gehässig beurtheilt wurde aber Marianne lächelte, als sie nach ihrem letzten Liedchen von der Bühne und auf Aide und die Rabout zu ging. Nicht wahr." sagte sie zu den liebenswürdigen Colleginnen, Sie werden mich in der Kunst dem Publicum zu gefallen, unterweisen, denn ich .bin noch gar zu dumm!". Die blonde Aide nickte zustimmend und die sogenannte Comtesse meinte: Dumm ist sie wirklich! ..." In Gedanken setzte sie aber hinzu: Aber auch um fünfzehn Jahre jünger, als ich, und noch viel jünger, als Aide, die stets mich für die Aeltere hält!" So wurde denn Ri-Ri für albern gehalten, und als die befreundeten jungen Herren sich im Souperzimmer einfanden, lief ihnen Aide schon entgegen und beantwortete die noch gar nicht gestellte Frage nach der neuen Sängerin mit dem Ausrufe: Die! . . . Die! . . . Ach, fragen Sie mich gar nicht! Es ist stauenerregend, daß Paris etwas so Einfältiges hervorbringen kann!" . . . Man ließ Ri-Ri auch bei Tische sitzen, beachtete sie aber nicht weiter, Diese Provinzlebemänner standen ganz im Banne der Comtesse Rabout, deren scandalöse Ehegeschichte in den Blättern ausführlich geschildert worden war. Wie konnte man sich für Ri-Ri, dicsem unbedeutenden Ding mit dem schmalen Gesichte und den dünnen Armen interessiren! Madame Rabout und die muntere Aide blieben die Umschwärmten. Auch als Be'rtrand Magniolo, der Sohn des Oelcrösus, zurückkam von der Reise nach Tunis, wohin ihn sein Vater verschickt" hatte, begann er wieder die Comtesse anzugrinsen und Aide in die Wange zu kneifen. Der junge, reiche Oelhändler hatte ein von der Natur etwas vernachlassigtes Gehirn und das cretinhasteste Aussehen, das sich ein CaricaturenZeichner denken kann, aber er wurde von den beiden Sängerinnen 3 Chantant Nazaire für geistreich und schön gehalten, weil er Anweisungen auf die Ban! und den herrlichsten Schmuck mit leichter Hand verschenkte. Als er Ri-Ri durch sein Monocle anstarrte, flüsterte ihm die Rabout eiligst zu: Sie ist schrecklich dumm!" Und von der anderen Seite raunte ihm Aide in's Ohr: Wie könnte ein Mann wie Sie mit einem solchen Ganschen verkehren! . . . Bertrand beeilte sich, den beiden Warnerinnen Recht zu geben, und schenkte Ri-Ri während deö Gelages keine Aufmerksamkeit mehr, was ihn jedoch mch hinderte, am nächsten Tage im Blllardsalon des Etablissements mit der neuen Sängerin ein Gespräch .nach seiner Art anzuknüpfen, indem er ihr ein kostbares Bracelet hinhielt und lallte: .Es aebort knen von mir können Sie es schon nehmen. Ich heiße Bertrand Magniolo und mein Vater ist der reichste Oelhändler in Marseille!- Rlanne sah ihn trotzig an Ich nehme es aber nicht, weil mir meine Mutter verboten hat, von einem Manne Etwas anzunehmen sagte Ri-Ri. der wilde Teufel" der Rue Frossard, mit der naivsten Miene. . außer, es wäre tiwa mein raun aarn!" Bertrand riß nicht nur die Augen. sondern auch den Mund auf. Sie hangt noch an der Noasalte der Mut

ter und svnckt von einem Br'auti-

gciin," murmelte er. Die ist wahrhaf- , 1 i s-w pi a a.. t tig vumm: Uct steate das Armband wieder zu sick und darbte den aanzen Tag über den Bräutigam nach, dem es nur ertauvt war, ytiiu ein Geschenk zu machen. Nachts, nach der Borstellung im Ehantant, sagte er zur Gesellsckaft: Es muk für einen iunacn Mann doch recht amüsant sein, wenn er Bräutigam ist! Aide fuhr empor: Du willst heirathen, mein Herzensjunge?" Die Rabout schmiegte sich an Bertrand. Dieser aber warf einen Blick auf Ri-Ri, welcher nicht erwidert wurde. Ueber Ri-Ri sehr entrüstet, sprana Bertrand auf. nabm Hut und Paletot und lief fort. Als die Thur hinter ihm zuklappte, aina's los. Das war das Sianal zur Schlacht. Die Rabout und Aide staneijc t'i v . : ocu wiz iuiiipcnuc Hlgeuneriniieii gegenüber. Sie nennen sich eine Comtesse," kreischte Aide, und schämen sich nicht, mir einen jungen Mann weglapern zu wollen, oen ich liebe und der mich heirathen will!" Ich, ich bin seine Erkorene!" versetzte die Rabout, Sie sind aber das gemeinste Frauenzimmer " Sie kam nicht zu Ende, denn Aide zerkratzte ihr das Geficht und verschmierte die Schminke auf den kunstvoll angestrichenen Wangen. Endlich bekam Madame Rabout wieder die Sprache und sie rief ingrimmia: Ick muk sie tödten ich muk sie tödten, diese Elende! Sie, die mir meinen Bertrand, memen Brauugam rauben will!" Aide zerraufte mit nervös zuckenden Fingern ihr blondes Haar. Und ich liebe Bertrand, declamute ste, ich bin bereit, für ihn zu sterben!" .Gut!" erklärte die sogenannte Com tesse. Wir schießen uns. Morgen Früh!"..: Bier Herren erboten sich sofort als Secundanten. Lachend ging man von einander. Ein Damenduell ach, das war eine zu reizvolle Sensation! Bald wußten alle mtt Zun gen Leute den Platz und rne tunoe, wo und wann die feindlichen Sängerinnen ihren Kugelwechsel stattfinden lassen wollten. Auch ertrand ersuyr davon. Er war in Gesellschaft eines Secundanten der Erste, welcher auf dem Wahlplatze außerhalv Marseilles erschien und ein Bersteck im Gevuscy aufsuchte, um Zeuge des hochinteressanten Zweikampfes zu sein, der seinetwegen entrirt werden sollte. Drei ttiaker fuhren vor. Aide und Madame Rabout betraten mit ibren Secundanten und dem Arzte die Lichtung. Ein Herr trug den Pistolenkästen. Die beiden Sängerinnen maßen sich mit . funkelnden Blicken, sie schienen zum Aeußersten entschlossen. Die Rabout hatte doch zu einem ihrer Secundanten gesagt: Diese Aide muk fort aus der Welt. Was glauben Sie denn, wie innig ich Bertrand liebe und was Bertrand seiner Gemahlin für ein Götterleben bieten kann!" .... Die Pistolen wurden gewissenhaft geladen, die Schritte der Distanz abgemessen, endlich die Waffen den beiden Gegnerinnen dargereicht, die ihre Hüte und die Handschuhe abgelegt hatten. Nun kam der letzte Bersöhnungsversuch; umsonst. O, wie sie mich lieben!" mlirmelte Bertrand im Gebüsche. Er wollte vielleicht gerade vorstürzen, um das Duell zu verhindern da kam eine weibliche Gestalt zu Wagen an und lief zum Kampfplatze. Es war Ri-Ri. Halt, halt, meine Damen!" stieß sie athemlos hervor. Sie schießen sich ohne Zweck. Herr Bertrand wird nun Keine von Ihnen heirathen können, vor wenigen Tagen lieb ihn sein Papa unter Curatel stellen!" Stille trat ein. Aide warf die Pistole hin. Die Rabout sagte trocken: Wollen wir uns noch schießen?" Wenn er über sein Geld nicht mehr verfügen kann, mag der Einfaltspinsel mir ferne bleiben!" fügte Aide bei. Mich ekelte er immer an." Die Ra bout reichte Aide die Hand und sprach: Haben Sie denn allen Ernstes gedacht, daß ich diesen Cretin hätte lieben können?" ... Da machte sich RiRi bemerkbar.indem sie ausrief: Aber ich ich nähme Herrn Bertrand gleich zum Manne, und wenn er gar kein Geld besäße!" Jetzt zeigte sich Bertrand und ergriff Marianen's Händchen. Er küßte das verschämt thuende Mädchen und sagte: Ist es wahr? Hat mich mein Papa thatsächlich so behandelt?" Ri-Ri umfing mit ihren zarten Armen seinen Nacken und gestand ihm ihre List ein. Es ist gar nicht wahr!... Aide und Comtesse Rabout stiegen zornbebend in die Fiaker. Sie erkannten, daß die dumme Ri-Ri aus dem Duell als Siegerin hervorgegangen war. Die paßt zu ihm!" sagte Papa Magniolo, als er in Riannes Bermählung mit seinem Sohne willigte. Nach einigen Monaten kam ihm jedoch seine Schwiegertochter merkwürdig gescheidt vor und er äußerte sich diesbezüglich zu seinem Freunde, dem OelMillionär Beau aus Aix: Das macht der stete Umgang mit uns gebildeten Leuten." B eimHeirathsvermittl e r. Ehecandidat: Die Dame, ine Sie mir empfehlen, hat ja ein Bein, das kürzer ist als das andere!" Hei rathsvermittler: Das macht nichts; dafür ist das andere desto länger." Ehecandidat: Und auf dem Rücken ist sie etwas gebirgig." Heirathsvermittler: Das sieht man von vorn nicht." Ehecandidat: Außerdem stottert sie!" Heirathsvermittler: Das ist die beste Garantie gegen Gardinenpredigten." Ehecandidat: Und auf dem einenAugt ist sie etwas schüchtern." Heirathsvermittler: Ja nun, wollen Sie sie denn ganz tadellos? Einen Fehler haben sie Alle." I e mehr Haare man auf dem Kopf verliert, desto mehr bekommt man auf den Wbnen.

AuS dem Sudan.

Von Max Hossmann. Die schweigende Mondnacht liegt über der Wüste. Blauschwarz wölbt sich der Tropenhimmcl über die unendliche gelbliche Ebene, und die funkelnden Sterne oben sind wie festgeheftete goldene Nä;?s. so starr, so unbeweglich. Am Saume der Wüste hat sich die Kriegerschaar der Derwische niedcraelassen. Müde gehetzt durch die Kameelreiter des Sirdar. haben sie cndlich Rast gemacht, ie sind cn den Pferden gesprungen uno lagern buii umher, sich der wohlverdienten ?iuhe überlassend, während rings aufgestellte Vorposten mit gespannter Aufmiksamkeit scharf in die Fe:ne lügen, KZe lange Flinte in den Armen, bereit, bei dem geringsten verdächtigen Anzeichen durch einen Schuß das Lage? zu alurmiren. In der Mitie des Laqs erhebt sich das weiße Zelt des cthalifa A oonüahi, des Nachfolgers des Mahdi. Er. der Auserwählte des Propheten, ist gerettet, und er wird neue Schiarcn zusammenbringen, das fühlen seine ihm blind ergebenen Anhänger. Dann wird oas jetzt so kleine Häuflein wieder anwachsen, anschwellen wi? das Wasser des Nils zur Zeit der großen Fluth, und diese verhaßten Engländer werden weggeschwemmt und vrrnichtet werden. Ha, wie wollen sie ihre Wuth an ihnen auslassen, sie verstümmeln oder als Sklaven mit sich führen! Dann wird der Hauch ihrer Rache bis weit nach Norden wehen und dieFahne des Propheten über den Trümmern der eingeäscherten Ortschaften flattern! Wenige Gefangene nicht viel über 20 haben sie diesmal; aber sie haben sie trotz der wilden Flucht gebunden mitgeschleppt und werden sich an ihren Qualen weiden! Nicht weit von dem Zelt des Führers, wie Bündel auf die Erde geschleudert, liegen die Unglücklichen: Araber. Egypter, Sudanesen und auch ein Weißer, ein junger Engländer. Alle haben Wunden, nur er nicht, und seine lang ausgestreckte Gestalt, seine gelblichen Haare, sein blonderSchnurrbart müssen selbst dem Fernstehenden auffallen in dieser Umgebung zusammengeschnürter, aneinandergedrängter, schwarzer und dunkelbrauner Mcnschenlelber. Um seine Füße, um Hände und Leib schlingt sich eine eiserne Kette, so daß ihm jede Bewegung unmöglich oder k. ;r orf V OftsÄt UUlXj UyUlt Ijliuy vlVll Ifc Uftuu Wie todt liegt er dz, und sein Antlitz zeigt einen friedlichen Ausdruck. Tiefe Stille, die Ruhe der Ermattung liegt über dem ganzen Lager. Nur drinnen im Zelt des Khalifa regt sich's. Er darf sich nicht der Ruhe überlassen. Der Herr kennt keinen Schlaf", sagen die Seinigen von ihm, und nach einer kurzen Berathung mit einigen Unteranführern macht er sich auf, um allein das Lager zu durchschreiten und nach allen Maßregeln zur Bewachung, zum Schutz und zur Vertheidigung zu schauen. Langsam hebt er die Vorhänge des Zeltes, vorsichtig wie eine Katze schleicht er hinaus und durchwandert die Reihen der Schläfer. Seine Lipven murmeln unverständliche Worte. Die ganze Gestalt ist in den weißen Burnus gehüllt; aber die blitzenden Augen funkeln wie die eines blutgieriaen Tigers. Schwarz wandelt sein Schatten mit dahin und huscht bald über den Sand, bald über die Reihen , der schlummernden Krieger. Bis zu den äußersten Vorposten schreitet er langsam, alles scharf beobachtend. Er späht eine Weile in die Ferne; dann geht er schweigend in's Lager und z seinem Zelte zurück. Er gelangt auch zu den Gefangenen. Auf seine Züge legt sich ein häßliche; Grinsen. Einige stößt er mit. dem Fuß, daß sie sich wimmernd regen und zitternd ihre Lage verändern. Jetzt aber steht er wie gebannt. Er ist bei dem iungen Engländer angekommen und sieht mit Wuth und Haß auf ihn nieder. Der junge Mann liegt still, in sein offenes Gesicht fällt das helle Mondlicht, und ein friedliches Lächeln huscht bisweilen über sem Antlitz. Wovon träumt er? Von der milden Abendluft am woqenumspülten Strande der Insel Wight? Vom Cricket auf dem hellgrünen Grasteppich bei Oxford? Träumt er von seiner stolzen Lady, mit dem graziösen, schlanken Korper. dem goldenen Haar und dem rosigen Gesicht? Plötzlich ergreift den lauernden Khalifa rasende Wuth. Mit einem Ruck hat er sein an der Seite hangendes Schwert erfaßt. Du Hund," brüllt er, träumst Du von Paradieseswonnen? Geh nur dahin!" Und mit einem mächtigen Streiche durchschlägt er den Hals des Träumers, daß das Blut hochauf spritzt und das Haupt in den Sand rollt. Literlichcö. Es saß ein Ritter Beim vollen Liter, 's kam ein Gewitter. Zerschlug den Liter In lauter Splitter Das war bitter! Im Thiergarten. A.: Sie, das Thier da hat Glück gehabt!" B.: Wieso?" A.: Als Kameel hat's nur einen Buckel. Hätt's das Unglück gehabt, als Dromedar aus die Welt zu kommen, hätt's nun deren zwei. Großsprecherei. Schauspieler (in der Rolle des Don Carlos): .Arm in Arm, mit Dir. so fordr' ich mein Jahrhundert in die Schranken!" Stimme von der Galerie: Jotte, doch, det sind ja man blos noch zvee lumpige Jahre!