Indiana Tribüne, Volume 22, Number 35, Indianapolis, Marion County, 23 October 1898 — Page 7

pt IM mit dem HSsm Eine kulturhistorische Skizze. Es ist bekannt, daß der MarschaU von Luxemburg im Jahre 1678 nach dem Frieden von Nymwegen auf Betrieb des französischen Kriegsminister Louvois, der sich seiner gern entledigen wollte, in eine Anklage wegen Giftmorde und wegen eines höllischen Bündnijjes verwickelt wurde, deswegen vierzehn Monate in Untersuchungshaft in der Bastille zubringen mußte und endlich 1680 freigesprochen wurde. Nach der Anklage sollte der Marschall das Paktum mit dem bösen Feinde am 14. September 1669 geschlossen haben. Das Original des natürlich untergeschobenen Vertrages wurde 1680 in den Zeitungen deröffentlich!, und gleichzeitg erschien auch folgende Verdeutschung: Pacta und Gelübdnüs deß in der Vastille zu Pariß in Verhafft sitzenden Hertzogs von Luxenburg, so er mit dem leydigen Satan getroffen. Auß dem Franzöf. Original in's Teutsche übersetzet. Im Jahr 1680. Paragraph 1. Solst du, Lucifer, rnir also hundert tausend Pfund an Geld einhändigen. Paragraph 2. Alle erste Dienstag eines jeden Monats tausend Pfund lieffern. Paragraph 3. Sol dieses Geld, so du mir bringen wirst, geb und gangbar seyn, also und dergestalt, daß nicht allein ich, sondern auch alle, denen ich davon geben werde, solches zu ihrem Nutzen anwenden und gebrauchen können. Paragraph 4. Besagtes Geld sol nicht falsch, oder betrüglich, noch von einer solchen Materia seyn, welche unter der Hand entweder wieder derschwindet, oder zu Stein, Kohlen und dergleichen wird, sondern es sol dasselbe von solchem Metall seytl, welches von Menschen - Händen gepräzct worden, und in allen Orten und Ländern, wo es auch hinkommen mag, gültig und gangbar seyn. Paragraph 5. Wofern ich eine gute SummeGelds vonnöthen haben würde, es möchte auch seyn zu was für einer Zeit, oder zu Ms für einem Gebrauch es immer wolle, so sollest du obligiret und verpflichtet seyn, mir verborgene oder vergrabene Schätze einzuhändigen, und zwar nicht also, daß ich dieselbe an demjenigen Ort, wo sie verborgen, oder vergraben seyn, selber erst holen müßte, sondern du solst mir selbige ohne einige meine Mühewaltung, an dasjenige Ort, wo ich mich zur selben Zeit aufhalten und befinden werde, zu Handen lieffern, darmit nach meinem Belieben und Gefallen zu schalten und zu walten. Paragraph 6. Solst du mich weder an meinem Leib und Gliedmassen beschädigen, noch an meiner Gesundheit angreifen, sondern mir dieselbige ohne einige menschliche Schwachheit noch fünfftzig Jahr lang unversehrt erhalten. Paragraph 7. Wofern ich aber je wieder Verhoffen in einige Krankheit fallen sollte, und du solches nicht derhindern köntest, so solt du mir heilsame und bewährte Artzney-Mittel verschaffen, und zu meiner vorigen Gesundheit, so bald es immer möglich seyn wird, wieder verhelfen. Paragraph 8. Die Jahr, auf welche wir uns mit einander vergleichen werden, sollen in zwölfs Monaten, wie es nicht allein hier in Frankreich, sondern auch in der gantzcn Welt gebräuchlich ist, bestehen, und zwar jeden Monat zu 30 oder 31 Tagen, ein Tag und Nacht zu 24 Stund gerechnet. Paragraph 9. Wann nun diese Zeit allerdings verflossen und ausgelauffen, folst du mich, nach dem gemeinen Laufs der Natur, wie alle anderen Menschen, jedoch sonder grossen Schmerzen und Qual auch ohne Spott und Schand sterben lassen, und nicht verhindern, daß mein Leib ehrlich zur Erden bestattet werde. Paragraph 10. Solst du mich beym König, wie auch bey allen vornehmen Herren, in Summa, bey Groß und Klein, Hohen und Niedern, Manns- und Weibs - Personen beliebt und angenehm machen, so daß ich ihrer Gunst und Gewogenheit jeder Zeit versichert seye, und sie mir in allem, was ich an sie begehren werde, unverweigerlich willfahren mögen. Paragraph 11. Solst du mich, selbander, an alle Ort und Ende der Welt, wohin ich verlange, sie seyen so weit abgelegen, als sie wollen, unbeicyädigt führen, und mich derselben Sprachen also bald kündig machen, daß ich dieselbe fertig reden ' könne, auch wann ich meiner Curiosität ein Genügen gethan, unversehrt wieder zurück in meine Wohnung bringen. Paragraph 12. Solst du obligirt und verbunden seyn, mich für allem Geschoß, als nehmlich Stücken, Vomben. Feuer-Mörseln, Granaten, Musquetten, Pistolen, Feuer - Röhren, und allem andern Gewehr und Waffen, sie mögen auch Nahmen haben, wie sie wollen, bewahren, daß mich keines derselben berühren, räch mir an meinem Leib und Gliedmassen einigen Schaden zufügen mögen. . Paragraph 13. Solst du mir bebülfflich seyn, alle so wol deß Königs öffentliche, als meine particulierFeinde zu überwinden, und über sie zu triumphiren. Paragraph 14. Solst du mir einen Ring verschaffen und zuwegen bringen, welcher mich, so offt ich denselben an den Finger stecke, unsichtbar und unuberwindlich mache. Paragraph 15. Must du mir in allen Stücken, so ich dich fragen werde, gewisse, wahrhasftige und gründliche, nicht aber verkehrte, zweifelhafte, oder zwey'oeutige Nachricht ertheilen. Paragraph 16. Solst du mich für allem, was wider mich ingeheim vor-' aenommen und angesponnen wird,,

zeittich warnen, mir auch Mittel un?) Wege an die Hand geben, solche wider mich gemachte Anschläge zu hinter treiben und zu nichte zu machen. Paragraph 17. Solst du mich vor allen Gerichten und Rathsstühlen des Königs, darvor ich möchte citirt und geladen werden, wie aus dem Päpstl. und Canonischen Recht Präserviren und vertretten. Paragraph 18. Solst du mich und mein Haußwesen verwahren, daß weder Einheimische, noch Frembde mir dasselbige angreisfen. oder etwas davon entfrembdcn, sondern solches unversehrt erhalten. Paragraph 19. Sollt du mich die Universal-Medicin präpariren und zurichten lernen, mir auch den rechten Gebrauch derselben, und die Dosis oder das Gewicht, wieviel man einer Person davon eingeben soll, sagen. Paragraph 20. So offt ich deiner begehren werde, sollst du mir in einer lieblichen und angenehmen, keines Wegs aber in einer erschröck- und abschewlichen Gestalt erscheinen. Paragraph 21. Solst du mir Mittel verschaffen, das Gedächtniß zu erhalten, und zu stärcken, und dieses nicht nur für meine Person, sondern daß solche auch allen und jeden Menschen, denen idj's mittheilen werde, helffen thue. Paragraph 22. Solst du mir zusagen und versprechen, daß du alle obangeführten Punkte, und einen jeden insonderheit, unverbrüchlich halten, und diesem allem fleissig nachkommen wollest: Wofern du aber an einem dem geringsten fehlen, oder dich hierinnen fäumselig erzeigen würdest, so soll alsdann dieser Pakt und Vertrag null und nichtig, und von gantz keinen Kräfften seyn. Paragraph 23. Dahingegen gelobe und verspreche ich, dir nicht allein unterschiedliche Manns- und WeibsPersonen in deine Gewalt zu lieffern, sondern ergebe mich Dir mit Leib und Seel immer und ewiglich." Es war dem Marschall fast unmöglich, seine Richter davon zu überzeugen, daß eine Fälschung vorliege, und erst der Umstand, daß es seinen Verwandten gelang, den Schreiber, der den Pakt entworfen hatte, zu bestechen und zu einem Geständniß zu bewegen, rettete den berühmten Kriegshelden von dem Verdachte, einen veritablen Bund mit dem Bösen geschlossen zu haben.

'Rückkehr. Von Karl Mischer. Zu beiden Seiten des Hauses Laternen mit gelblich - weißem Schein im Nebel. Der Nebel ist so dick und zäh und dicht, so alle Gegenstände verhüllend, daß die Laternenpfähle nicht zu sehen sind und die Köpfe mit den ersterbenden Lichtaugen, um die Todesschatten lauern, wie haltlos im Nebel zu hängen scheinen. Die trüben Wellen des schwarzen, dickflüssigen Wassers im Hafen schieben sich langsam vorwärts. Und zu beiden Seiten des Hafens, an den steinernen Molen liegen die Schiffe angekettet wie gefährliche Ungeheuer. Große, eiserne, schwarze Kolosse mit qualmenden Schloten, Segelschiffe mit gewaltiger Takelage und lange, niedrige Oderkähne. Still ist es am Hafen, still aus den Schiffen! Hin und wieder nur unterbrechen die verschlafene Stille gurgelnde, rauhe Töne eines rohen Matrosenliedes, hin und wieder nur ein glucksendes Gerausch, wenn sie von den Fahrzeugen einen Eimer in das Wasser hinablassen. Ueber dem Hafen hängt der Nachthimmel. Schwarz, schwer, sternenlos Am Hafen steht ein junger Mann mit einem Trauerflor um den Arm und neben ihm. dicht an ihn geschmiegt, ein Kind von sieben Iahren in einem schwarzen Kleidchen und einem kleinen, runden, schwarzen Hute auf dem Kopfe. Auf dem Antlitz des jungen Mannes liegt ein Zug der Trauer und des Schmerzes. Unverwandt schaut er mit matten, rothgeweinten Augen vor sich nieder. Das kleine Mädchen aber ist von Unruhe und neugieriger ErWartung erfüllt. Ihre kleinen, klugen Augen suchen den dichten Nebel über dem Hafen dort hinten, wo er sich zum Meere erweitert, zu durchdringen. Das Schweigen des Bruders und die Stille um sie her haben etwas Unheimliches, Beängstigendes für sie. Erst sieht sie fragend zum Bruder auf und dann: .Kommt der Papa bald?" Ja!" Weiß der Papa, daß die Mama todt ist?" ' Nein!" Ein leises Beben durchrieselt den schlanken Körper des Jünglings. Armer Vater! Nach zweijähriger Abwesenheit kommst Du nach Hause, und Deine Kinder bringen Dir die Trauerbotschaft an den Hafen entgegen. daß die Mutter todt ist. heute gestorben." so quälen ihn die Gedanken. .Ist die Mama jetzt im Himmel?" Ja!" Ein Blick zärtlichen Bedauerns streift dabei das kleine Schwester chen. Dann schweigen sie wieder still, und das kleine Mädchen blickt forschend in den Nebel, der immer dicker und dichter wird. Plötzlich taucht aus dem Nebel ein rothes Licht auf, und man hört ein Rauschen und Aufschäumen der Fluth, wie das unwillige Murmeln und zornige Murren eines aus dem Schlafe geweckten Kindes. ' Da hält es das Kind nicht mehr, es läuft näher an den Hafen und es jubelt: Da, da die Laternen, das ist dem Papa sein Schiff, nicht wahr?Und nun kommt der Koloß naher, Commandorufe werden laut, der

eiserne Anker rasselt in die Tiefe, der Dampfer legt an. Auf der Commandobrllcke stebt die breite, massige Gestalt des Capitäns, des Vaters der beiden Menschen am Haftn. Nun hat ihn auch das Kind erkannt. und Papa! Papa!" jubelt es laut auf, und sein dünnes Stimmchen verhallt im Getöse und Lärmen der Schiffsmaschine. Sehnsüchtig breitet es die Arme nach dem Vater aus. Auch er hat die Kinder erkannt und winkt mit dem Taschentuche, über plötzlich sinkt ihm die Hand schlaff herab. Nur zwei, nur zwei! Wo ist sein Weib? .... Ein Boot holt die Kinder an Bord. Und der Sohn steht vor dem Vater wie ein Sünder, wie schuldbeladen, als hätte er Schuld, daß die Mutter todt ist, heute gestorben. Wo ist die Mutter?" Todt! Heute gestorben!" Schwer kommt es von den Lippen des Sohnes, als wären die Worte centnerschwer. Hastig zieht der Capitän die Kinder in die Kajüte. Der Steuermann wird ja für alles Andere sorgen. Er sinkt auf den Stuhl und begräbt das Antlitz in den Händen. Laut schluchzt der starke Mann auf. Todt todt, sein Weib todt! vorbei, todt, ist nicht mehr! Stille steht der Sohn vor dem großen, heiligen Schmerz seines Vaters. Aus den Augen stürzen ihm die Thränen, wild, verzweifelt.Um dasKind aber kümmert sich Nie mand. Und wie es so verlassen dasteht und die Männer weinen sieht, wie Vergrabene in ihrem Schmerz, da fängt es auch an zu weinen, laut, jämmerlich. Da aber springt der Vater auf und ergreift sein Kind und nimmt es hoch, und er drückt es fest an sich mit der Inbrunst des Schmerzes. Auf dem Deck hört man das Poltern und Dröhnen der wuchtigen Schritte, das schrille Schreien der Matrosen und das Stampfen der Maschine. In, dem kleinen, engen Kajütenraum aber ist es ganz still, nur das'Schluchzen der drei Menschenkinder, nur der Schlag ihrer Herzen. Plötzlich hebt das Kind sein thränenllberströmtes Gestchtchen von der Brust des Vaters. In seinem kleinen Gehirn arbeitet ein Gedanke. Papa!" Furchtsam, als störe es den Vater, klingt das Wort. Was denn, mein Kind?" Die Mama ist doch im Himmel?" Der Vater nickt nur. Dann eine kleine Pause. Erst sieht das kleine Mädchen zum Bruder und blickt dem Vater in's Antlitz und dann: Papa! Komm, wir nehmen Dein Schiff und fahren nach dem Himmel. Weißt Du, da hinten, wo das Wasser aufhört, da ist dann doch der Himmel. Und dann holen wir die Mama wieder!" O mein Kind, mein geliebtes Kind!" Weiter kann der gramzebeugte Mann nicht. Auch der Bruder ist näher herangetreten und legt wie segnend die Hand auf den Scheitel seines kleinen Schwe-sterchens.

Sprüche. Von Otto Weddinqen. Wenn du nicht Freude an dir selber hast, Ist dir auch bald die ganze Wett zur Last. Wohl dem, der mit Würde trägt, Was er nicht verschuldet. Und nicht grübelnd lange frägt, Warum er's erduldet. Klopft Liebe an, macht Liebe auf. Das ist so Brauch im Weltenlauf. Schärfer als die Zunge Ist nicht mal das Schwert, Sie zerstört den Frieden Oft am eignen Herd. Lobe den Narren,so schwillt er an, Lobe den Weisen" er lächelt dann. In dem Garten der Geduld Wächst die Kraft am meisten Steht das Wort in deiner Huld, Kannst du Großes leisten. Das Kleine nur gering im Leben achtet, Wer aus der Vogelschau die Welt betrachtet. Viel Wege gibt's zum Unglück. Doch wen'ge nur zum Glück, Den richtigen zu wählen, Bleibt stets ein Meisterstück. Wo es weh thut. Auf die Frage, ob die Erzieher fürstlicher Kinder auch berechtigt seien, an den zukünftigen Souveränen mit der Faust Pädagogik zu treiben, antwartete Bismarck am 17. October 1833 bejahend und erzählte dabei folgendes Geschichtchen: Als die Erzieherin des späteren Kaisers Wilhelm II. sich einmal genöthigt sah. ihrem jugendlichen Zögling eine körperliche Züchtigung angedeihen zu lassen, sagte sie: Glauben mir königliche Hoheit, daß das. was ich Ihnen thun muß, mir ebenso wehe thut, wie Ihnen." Ach", schrie der kleine Prinz, und thut es Ihnen auf derselben Stelle weh?" ' M a l i t i ö s. Schauspieler: Sie machen sich keinen Begriff, wie furchtbar das Publikum bei meiner Abschiedsvorstellung geklatscht hat." Es war jedenfalls erfreut, daß Sie endlich aus immer gingen.-

Das perfide Albion.

HumorcNe von Baldwin Groller. Oberst Brunner eilte mit leichten, jugendlich - elastischen Schritten die iie Freitreppe des WienerSüdbahnyofes yinauf, um noch für den Neun-uhr-Zug nach Baden zurccht zu komnen. Um eine Nüancewar sew Schritt i;eU'eich: zu jugendlich, um eweNüance nr, eine Kleinigkeit, nicht der Rede wcrth, für den Beobachter aber doch immerhin merklich und verrätherisch. Dicfeldc Nuance, wirklich nur eine Messerspitze Salz zuviel, machte sich sonst auch in seinem ganzen Gehaben und in seiner Erscheinung bemerkbar. EZ war ein wunderschöner MaiVormittag. Der Oberst war in Civil ausgerückt, ohne Ueberzieher. In Eivil! Das erklärt manches. Bor Kurzcm erst hatte er seinenAbschied genommen, und nachdem man durch fünfundzwanzig Jahre den Rock des Kaifers getragen, dann mag sich ja wohl eine leichte Unsicherheit in der Wahl des eigenen Rockes und der nicht im Verordnungswege geregelten eigenen Hose einstellen. Oberst Brunner hatte den Dienst mit einem Male satt bekommen, und so sprang er denn mit beiden Füßen plötzlich ins Civil". Schließlich mußte es sich auch so leben lassen, und er nahm sich vor zu leben. Er hatte nun lange genug die Würde gekostet, zuletzt als der Vater des Regimcnts. Nun hatte er das Alles satt bekommen; er war Junggeselle, und er fühlte sich jung. Er fühlte sich's vielleicht zu sehr. Sein schwarzesSchnurrbärtchen stand ihm recht verwegen zu Gesichte, aber es gab Leute, die da behaupteten, sie hätten das Schnurrbärtchen schon gekannt, als es noch grau war, und was seine tadellose Frisur betraf, so gab es wieder Leute, die der Ansicht waren, der Oberst lasse außer Haus frisiren, und er sei nicht einmal dabei, wenn ihn der Friseur schön mache. Allen diesen Gerüchten auf den Grund zu kommen, war nicht möglich. Thatsache war, daß der Oberst recht unternehmungs- und lebenslustig aussah, als er im offenen Fiaker beim Bahnhof vorgefahren kam er hatte sich amGraben das fescheste Zeugl ausgesucht und als er. nachdem er eine Karte erster Klasse gelöst, die Treppe hinaufstllrmte. In dem Coupe, das er betrat, saß bereits eine Dame. Der Oberst griff sich instinktiv an den Hemdkragen und an die Kravatte, grüßte dann mit weltmännischer Höflichkeit, um im nächsten Augenblick schon die Begrüßung auf den Ton liebenswürdiger Vertraulichkeit zu stimmen. Er hatte nämlich in der eleganten Dame dieSektionsräthin Wanda von Weyersperg erkannt, dieselbe, die er im letzten Frühling auf dem Weißen-Kreuz-Ball kennen gelernt, und der er damals gleich mit ungeheurer Schneidigkeit den Hof gemacht hatte. Auch die Dame hatte ihn bei seinem Eintritt sofort erkannt und sie lächelte ihn an, wie. man eben einen Schuldbewußten anlächelt, dem zu verzeihen man entschlossen ist. Er fühlte sich aber garnicht schuldbewußt; denn einer Dame auf Leben und Tod den Hof gemacht zu haben, hielt er für ein sehr verdienstliches Werk. Er legte sogar unverzüglich wieder los, indem er betheuerte, namenlos glücklich zu sein, daß ihm ein gütiges Schicksal U. s. w. ' Auch ich bin sehr erfreut," versicherte Frau Wanda. Unser Roman hat also sein Fortsetzung folgt"!" Gewiß. Gnädigste! Es beweist noch nichts gegen einen Roman, wenn er in Lieferungen erscheint." Ich bedaure nur," bemerkte Frau Wanda, vorsichtig eine Rückendeckung suchend, daß meinMann da nicht mit lesen kann." Unnöthig, Gnädigste; versichere, ganz unnöthig. Männer sind dafür ein schlechtes Publikum, sie haben kein Interesse für Romane." Das würde auch gegen Sie sprechen, Herr Oberst." Meinte es nicht so, gnädigste Seetionsräthin; meinte nur Ehemänner." Ach so! Sie hätten also eine kleine Schwäche für die dreieckigen Romane, Herr Oberst?" Dreieckig ist ausgezeichnet gesagt; ganz ausgezeichnet, Gnädigste ; mein Compliment! Muß ich mir merken. Was Schwäche betrifft allerdings sehr groß!" Jetzt brauchte also nur auch ich noch dieselbe Schwäche zu haben " Möchte ganz ergebenst gebeten haben !" Dann wäre alles in Ordnung." Versichere, in der schönsten Ordnung, Gnädigste." Die Sectionsrathin war eine schöne, aber auch eine verständige Frau. Sie übersah den jugendlichenObersten vollständig und ließ sich durch seine Tiraden nicht beunruhigen, die ganz gut aus einem verläßlichen Handbuch oder Trichter für unwiderstehliche Schwerenöther es giebt auch solche Literaturwerke hervorgeholt sein konnten. Eine gewisse Befriedigung empfindet jede Frau über eine Eroberung, aber hier ward ihr Stolz doch einigermaßen gedämpft. Der Oberst vom Weißen-Kreuz-Ball und der schmachtende, etwas angejahrte Jüngling da im Coup6, es bestand da doch ein großer Unterschied! Erst schämte sie sich ein wenig, daß auch für sie, die doch die BackfischPhantasien schon längere Zeit hinter sich Katte. der Waffenrock eine so bedeutende Rolle gespielt hatte. Denn der Mann da in seiner sorgfältig gewählten bürgerlichen Kleidung imponirte ihr bei weitem nicht so und erschien ihr auch nicht annähernd so blendend wie der glänzende Officier in der Uniform. Bald tröstete sie sich aber mit dem Gedanken, daß die Schuld da doch nicht ganz auf ihrer Seite ei.

Herr v. Brunner hatte m der Uniform thatsächlich mehr Haltung gehabt und sein Stilgefühl hatte ihn nach seiner Metamorphose verlassen. Es war klar, daß er es erst wieder finden mußte. Sie aber hatte keine Veranlassung gehabt, ihr Stilgefühl zu perlieren und dieses beruhigte sie vollständig über die Ungefährlichkeit des stürmischen Hofmachers. So hörte sie denn seinen schwungvollen und begeisterten Versicherungen nur noch mit getheiltem Interesse zu und dachte nebenbei noch an ihren Herrn Sohn, ein prächtiges Bürschchen von zwei Jahren, auf den sie sich schon recht freute und der ihr nun entschieden interessanter war, als der feurige Oberst, der sie doch so abgekühlt hatte. Als der Zug nach kaum mehr als halbstündiger Fahrt in Baden hielt, stiegen beide aus und verabschiedeten sich voneinander, der Oberst a. D. mit der Versicherung, daß ihm die Fahrt unvergeßlich bleiben werde, so kurz sie auch war: jedes wahre Glück sei ja kurz; sie mit der Empfindung, daß sie sich im Leben dock vielleicht einmal schon besser unterhalten habe. Der Oberst war nach Baden gefahren, weil er in Wien nicht wußte, tzis er mit sich anfangen sollte. Sein militärischer Beruf hatte ihn ja auch früher nicht all' zu sehr in Anspruch genommen, aber er hatte doch sein An:t und seine orge gehabt. Wenn er jetzt am Morgen aufstand, hatte er zwar nicht seine frühere Sorge, aber er wußte dafür auch nicht, wo er hingehöre und was er zu thun habe. Das Nichtsthun ist nicht so leicht und das Nichtszuthunhaben nicht so angenehm, wie man gemeiniglich annimmt. Er war also nach Baden gefahren, um sich die Zeit zu vertreiben. Das ist eine Landpartie, wenn man will, aber ohne das Risiko einer solchen. Man ist an der Eisenbahn, hat immer Tramway oder Fiaker bei der Hand ; man hat, wenn man will, die schöne Natur, dabei aber die Ressourcen der Stadt, elegante Restaurants, wo man gut und theuer speisen kann, behagliche Kaffeehäuser und für den Nothfall winken sogar theatralische Genüsse. Der Oberst begann seine Landpartie, indem er sich in ein Kaffeehaus begab und die Zeitungen einschließlich der illustrirten und der Witzblätter durchsah und sich den Appetit für das Mittagessen durch einige Gläschen grüner Chartreuse schärfte. Als er genügend geschärft zu haben glaubte, fand er sich zur Table d'Hote in einem der feinsten Gasthäuser Badens ein, und nach Tisch erfüllte er den eigentlichen Zweck seines Ausfluges, er machte einen kleinen Spaziergang. Er hatte sehr gut getrunken und war demgemäß in sehr guter Stimmung. Er fand es sehr hübsch auf der Welt, und ein Zug tiefer Menschenliebe ging ihm durch das weichgewordene Herz. Sogar abenteuerlustig war er geworden, und er hatte Glück. Wie er so im Parke promenirte, hatte er. ehe er sich's recht versah, ein blondes Abenteuer vor sich. Eine junge Dame führte da ein Hei nes Kind an der einen Hand, ein gelbes, schwarzschnauziges Mopperl an der andern spazieren. Die junge Dame hatte eine gute Figur, prachtvolles Blondhaar Blond war immer seine Schwäche gewesen und ein frisches, feingezeichnetes Gesichtchen. Seine allgemeine Menschenliebe begann sich sofort zu specialisiren. und wohlwollend, wie er gestimmt war, glaubte er auch seine ursprüngliche Auffassung nicht berichtigen zu müssen, selbst als er bei genauerer Erwägung auch für seine Person hätte finden müssen, daß eS nicht eigentlich eine junge Dame" sei, sondern eine, allerdings sehr hübsche, Bonne, wofür sie ja schließlich auch nichts konnte. Und wenn auch! Er war niemals hochmüthig gewesen, immer hatte er im Menschen den Menschen geschätzt. Er hatte zwar stets eingesehen, daß es einen Unterschied der Stände geben müsse, er war aber auch immer durchdrungen gewesen von dem Bewußtsein, daß man die Vorrechte der eigenen Stellung nicht mißbrauchen dürfe. Kurz, er war ein ideal denkender Mensch. Seine demokratischen Gefühle hatten sogar eine wesentliche ErWeiterung und Vertiefung erfahren, seitdem er nicht mehr die Uniform trug; er kam sich vor, als lebe und liebe er incognito, und da kam: man schon etwas wagen. Er schlängelte sich also an die junge Dame heran und fand in Miene, Blicken und Lächeln freundliches Entgegenkommen, mit dem Dialog freilich ging es schon schwieriger. Die englische Dame konnte nicht deutsch, und er nicht englisch. Das störte ihn aber nicht; die Schwierigkeit der Conversation hatte auch ihren Reiz. Man lachte und wußte nicht über was. Er sprach schlecht deutsch und sie schlecht englisch in dem Bestreben, sich näher zu kommen eS war einfach herrlich. Etwas mehr stör!e es ih.T dann schon, als er zu bemerken glaubte, daß ein Cadett und noch dazu einer aus seinem iaenen Reaimente sie in respektvoller Entfernung, aber systematisch umkreise. Hätte er nur noch die Uniform getragen, dem Fant hätte er schon Art und Anstand beigebracht. Nach einer Weile uab ihm plötzlich die hübsche Engländerin die Leine, an welcher sie das Mopperl führte, in die eine Hand, in die andere das Händchen des Kindes, schärfte ihm noch etwas seh? eindringlich ein, was er nicht verstand, und verschwand dann um die nächste Biegung des Promenadenweges. Das allein hätte ihn weniger verdrossen, aber daß darauf auch die blaue Hose des fürwitzigen Cadetten hinter derselben Biegung verschwand, das drückte doch auf seine eben noch so aebobene Stimmuna. . . , .

Das perfide Alöion! Wie perfid man an ihm gehandelt hatte, das emPfand er erst so recht, als gleich darauf ein in Baden residirender Erzherzog um die Ecke bog und allergnädigst direct auf ihn loszusteuern und ihn huldvollst anzureden geruhte. Der Oberst wußte sich nicht recht zu benetzmen. Mit einem Mopperl und einem kleinen Kind an der Hand hatte er noch nie Front gemacht. Ein reizendes Kind!" bemerkte der hohe Herr gütig nach der leutseligen Begrüßung des alten Bekannten. Meine kleine Nichte," log der Oberst. Ah, die Baronin Molnur hat noch so kleine Kinder?" Eine ganze Menge, kaiserliche Hoheit!" log der Oberst weiter. Die Arme war nämlich kinderlos, aber jetzt ioar er einmal drin und da kam es ihm auf ein paar mehr oder weniger nicht mehr an. Das freut mich. Grüßen Su'sie schön von mir, Herr Oberst!" Der Oberst schlug die Absätze zusammen; das war alles, was er unter den gegebenen Umständen thun konnte. Der hohe Herr nickte lächelnd und ging j seines Weges weiter. ' Daß doch der Donner in das perfide ?Ulon und namentlich in alle naseweisen Cadetten führe! Jetzt kommt auch die Sectionsräthin Meyersberg dahergesegelt. Manche Leute haben ein wahres Talent, zur unrechten Zeit I su lommen. Natürlich bleibt sie vor ihm stehen und sieht ihn verdutzt an. , Sie wundern sich. Gnädigste, über his idyllische Bild!" hub er mit einem

nicht ganz geglückten Lächeln an. Ich bin ein enormer Kinderfreund und führe da meine kleine Nichte spazieren." Ihre wa as?!" Meine kleine Nichte." Das Lächeln wollte noch weniger glücken, als eben vorher. Ein schrecklicher Verdacht stieg in ihm auf. Er hatte sich den Fratzen bisher nicht einmal recht angesehen. Am Ende war es gar kein Mädel, sondern ein Bub. Ein Blick hinunter beruhigte ihn. Das Kleidchen bewies noch nach keiner Seite etwas; es konnte ein Bub, aber es konnte auch ein Mädel sein, und er war entschlossen, für das weibliche Geschlecht zu kämpfen und in diesem Kampfe zu stehen und zu fallen. ! Sag', schön, mein Kind, wie heißt du?" fragte die Sectionsräthin sich niederbeugend. Ich heiße Paul," sagte das Kind mit Heller Stimme und lächelte die Dame mit dem Ausdrucke höchster Verwunderung an. Glauben Sie ihr nicht, Gnädigste," fiel der Oberst ein. Sie wissen, wie die Kinder lügen können. Sie hat nur den Größenwahn und möchte sich nur für einen Herrn ausgeben." Ich heiße Paul," wiederholte der Kleine, seine großen Augen zu dem fremden Manne ausschlagend. Die Nichte scheint in der That ein Knabe zu sein," meinte die Sectionsräthin mit grausamer Ruhe. Der Oberst gab die nutzlosen Versuche zu lächeln auf und wischte sich dafür lieber den Schweiß von der Stirn. Es wäre übrigens nicht ganz unmöglich," erwiderte er einlenkend. Vielleicht habe ich mich vergriffen und in der Eile einen von den kleinen Bengeln erwischt." Die Ausrede gefiel ihm selbst nicht recht, aber heraus war sie einmal. Ihre Schwester hat so viele Kinder?" Enorm!" Und lauter kleine?" Lauter kleine. Die reine Kleinkinderbewahrungsanstalt. Es ist ganz unmöglich, sich da noch auszukennen!" Meine arme alte Freundin! Sie muß aber die vielen Kinder erst in der letzten Zeit bekommen haben?" Alle erst in der allerletzten Zeit. Es ist ein wahrer Jammer, meine Gnädigste." Er war innerlich wüthend. Ihm soll noch einmal eine Engländerin ein Kind anhängen wollen! Wo ist Miß Florence?" fragte die Sectionsräthin den kleinen, schmählich verleumdeten Paul. Da kam aber auch die Engländerin schon athemlos herangelaufen. Ein Blick der Sektionsräthin emfing sie, ein Blick, der sprach Bände! Ob sie ein Engel sei, das toai dem Obersten schon zweifelhaft ge, worden, daß sie aber fliegen werde, dai stellte der Blick in sichere Aussicht. Ja dem Obersten begann es fürchterlich zu tagen und es ward sogar erschreckend hell in ihm, als der Kleine, den er ncch immer an seiner Seite hatte, sich an die Sectionsräthin drängte und mit einem Gesichtchen, das sofort BereitWilligkeit zum Weinen verrieth, ausrief : Paul will mit Mama dehen!" Die Sectionsräthin bückte sich und küßte den Kleinen. Also das auch noch! Der Herr Oberst fand es äußerst tm derbar, daß die Erde ihm nicht den Gefallen erweisen wollte, sich aufzuthun, um ihn zu verschlingen. Er sah die Sectionsräthin fragend, vcrzweifelnd an und stotterte mühsam: Verzeihen Sie Gnädigste das Kind " Ja, Her? Oberst, die Sache ist recht merkwürdig. Ihre Nichte ist wirklich mein Sohn." Ihr Herr Sohn! Womit ich die Ehre habe, mich ganz ergebenst zu empfehlen." Er legte noch vertrauensvoll die Leine des Mopperls und das Händchen des Kindes in ihre Hände, versicherte noch einmal, daß es ein wahrhaft reizendes Kind und ihm die Begegnung natürlich ungeheuer angenehm gewesen sei, und im nächsten Moment hatte ihn die nächste Biegung deL Promenadenweges verschlungen. 5) erT'rinker. A.: Was haben Sie denn Alles zu Ihrem Geburtstag gekriegt?" B. (wüthend): Lä. Üulich veuu fi&rce KoUzkh!"

Mudderglütk.

Von Felix Steltsried. Ji groten Klagen Ogen, Wat kikt ji noch so tlor? Uns' Döchting möt jo slapen! Ja, ja, du Schelm, 't is wohr! Na, wull du noch mal lachen? Ja, wull du? Denn man tau! Je du! Di süll din Mudding. Nich kennen ganz genau! Un nu noch wat vertellen? Ae gä, ä gä!" O je, Wat weit min lüttes Döchting, Wat weit sei oll', o ne! Un hier, wat kickt hier rute En lütten nackten Bein? Wat will denn dei? Ick glöw woll, Sick mal de Welt beseihn! Süh so, dor kümmt de Sendmann! Wat streut 'e, o wo dull! Furts hett min lüttes Döchting De beiden Oegings vull! Dor liggt sei nu un slöppt sei, Un slöppt so säut un sacht; Lis' bog ick mi bendalen: Gu'n Nacht, min Kind, gu'n Nacht! ; Pech. Ja. sehen Sie, meine Herren," so erzählte der Oberförster Blaudunp manchmal hat man einen Tag viel Glück und viel Pech zusammen. Da gehe ich neulich von Hause fort, mit umgehängtem Gewehr, und denke mir: wirst was schießen. Ich wandere immer weiter und weiter und plötzlich entdecke ich, daß ich meine Flinte zu Hause vct gessen hatte." Sie sagten doch soeben," bemerkte einer der Zuhörer, daß Sie die Flinte mitgenommen hätten." Ich gebe zu, daß das sehr merkwürdig ist. Kurzum, ich vermißte die Flinte, umkehren mochte ich nicht, weil ich über eine Baumwurzel gestolpert war und mir dabei beide Beine verstaucht hatte. Ich humple also weiter und sehe plötzlich einen Hasen, der irr. rasendem Laufe davoneilt. Schießen, konnte ich nicht, den Hasen mochte ich aber auch nicht schießen lassen, was blieb mir übrig? Ich renne dem Hasen. nach wie der Sturmwind, erwische ihn. auch richtig am Hinterlauf und halte.ihn fest." Ich denke, Sie humpelten auf bei--den Beinen?" Allerdings; es ist auch thatsächlich das einzige Mal in meinem Leben, daß. ich trotz lahmer Beine so kolossal lau fen konnte. Wie ich fo dastehe mit dein, strampelnden Hasen in der Hand,, kommt mein gnädiger Landesherr deS Weges, jagdmäßig ausgerüstet, belohne Beute. Hören Sie mal, mein lie--ber Herr Oberförster, sagt er, ich pürsche hier schon fünf Stunden resultatlos umher und es wäre mir peinlich, so mit leeren Händen ins Schloß zu kommen. Sie haben ja da 'nen Hasen; es wäre sehr nett vonJhnen, wenn Sie mir den überlassen wollten. Den Hasen? erwiderte ich, der lebt ja, Serenissimus! aber in derselben Sekunde bemerke ich, daß dies ein Irrthum meinerseits war: bei dem Worte Seienis simus" war das Vieh in Demuth erstarben." Sie flunkern heute aber außergcwohnlich stark." Absolut nicht, obschon ich einräum? daß ich nie zuvor einen so devoten Ha--sen zu Gestcht bekommen habe. Natürlich gab ich nun das Thier dem gnädigen Herrn, der mich dafür auf der Stelle mit zehn Mark belohnte. Wir trennten uns, und ich marschirte weiter. Fünf Minuten später bemerke ich einen Fuchs in einem Aloegebüsch. . .- Aber ich bitte Sie, bei uns wächst doch kein Aloe!" Es ist auch das einzige Mal irr meinem Leben, daß ich in unseren Breitengarden diese Pflanze bemerkt habe. Ich gehe natürlich wieder auf den Handfang aus, greife hinein, der Fuchs entwischt mir und ich reiße mir an den Aloestacheln die Hand blutig. Da mußte irgend etwas aufgeklebt werden, Heftpflaster hatte ich nicht, ich suche in der Tasche nach irgend einenr Stück Papier, finde nichts. Da fällt mir der Zehnmarkschein ein, den mir Serenissimus geschenkt hatte. Den nehme ich also aus dem Portemonnaie und klebe ihn auf die Wunde." Erlauben Sie mal, es giebt gar keine Zehnmarkscheine." Ja, das ist auch das Merkwürdigste an der ganzen Sache ; mir mu& da thatsächlich der einzige Zehnmarkschein in die Finger gekommen sein, der jemals in ganz Deutschland vorhanden war!" Schelmeliedle. (Schwäbisch). Was hilft me der Wetzsiei'. Wenn d' Sichel ne! schneid't, Und was hilft me mei' Schätzle, Wenn 's Mordio glei' schreit! Bei den Manövern in Nordschleswig, nahe der dänischen Grenze, ereignete sich ein scherzhafter kleiner Zwischenfall. Bei einem Gefechte in der Nähe von Jels war der Gepäckzug des Nordcorps (84er und L6er) nördlich in Sicherheit gebracht. Plötzlich stellten sich dänische GrenzZollbeamte bei ihm ein, um nach Zollpflichtigem zu fragen. Der Gepäckzug hatte nämlich unwissentlich die Grenze überschritten. Natürlich wurde die harmlose kleine Grenzverletzung alsbald durch Rückmarsch wieder gut macht. Frech. Sie bekommen nichts. Sie riechen ja nach Schnaps!" Bett- ' ler: lieber Herr, Parföng kann i mir nich koser.!"