Indiana Tribüne, Volume 22, Number 35, Indianapolis, Marion County, 23 October 1898 — Page 6

I

Auf Acticll.

$i:more8!e von E. .Simm:rmanaöirWfeIb. Jeremias Meyer, seines Zeichens Rentier, war ein fideler alter Knabe, d.'r gern etwas mitmacht?.und er konnte es sich auch leisten, denn er hatte, wie man so sagt. Geld wie Heu. Er hatte sich einem Kreise gleichgesinntcr alter Herren angeschlossen, und sie machten zusammen nun die tollsten Züge, und fcaCei war ihnen keine Bratwurst zu theuer". Kein Wunder, daß dabei eine Masse Geld drauf ging, daß Herr Meyer sehr tiefe Griffe in seine Kasse machen mußte, denn das Leben in Berlin. namentlich das flotte Leben, ist sehr kostspielig. Diese Geldausgaben machten sich so bemerkbar, daß sie sogar der Frau Auguste des Herrn Rentners auffielen, die so schon auf den Herrn Gemahl schlecht zu sprechen war, weil er ihrer Meinung nach ZU diel bummelte, und schließlich erklärte Frau Meyer ihrem Manne eines schönen Morgens, daß sie von heute ab die Verwaltung der Gelder in die Hand genommen habe; denn die Verschwendung konnte sie nicht mehr länger mit ansehen. Herr Meyer, der ein sehr großer Pantoffelheld war, erschrak heftig; er wußte, was seine Auguste wollte, das machte sie, und darum adieu nun Coupers und Sektreisen, denn aus rcefjr als dreißig bi vierzig Thaler Ausgehgeld pro Monat durfte er nicht rechnen, wenn seine Alte" die Kasse führte. Herr Meyer sann und sann, wie er einen Ausweg finden könnte, aber ihm kam kein rettender Gedanke, und betrübt schlich er sich am Spätnachmittage mit seinen letzten vier Zwanzigrnärkern in derTasche zu seinen Freunden, die in einer Weinstube schon bei einem guten Nüdesheimer beisammen, saßen. Meyer wurde mit Halloh willkom?nen geheißen. Wir haben was Neues ausgeheckt, was Großartiges", rief man ihm zu, über vier Wochen ist Schlittenfahrt mi! Damen nach Potsdam; das halbe Ballet haben wir schon engagirt. In Potsdam ist Bummel .den Nachmittag über und Abends gehts .mit Zug nach HauZ!" Meyer berechnete im Stillen, daß 'die Geschichte allein 'an hundert Mark kosten könnte, und er schüttelte betrübt den Kopf. Ich kann nicht," seufzte .er. Was, ist der Kerl verrückt gewor'den?. . . Seht den an!. . . Bist wohl in die Heilsarmee eingetreten?" so rief man durcheinander, Mensch,Dir sollte ja die Hauptrolle bei dem Unternehmen zufallen!" Meyer schüttelte aber noch stärker den Kopf. Ich kann beim bestenWillen Nicht." Die Freunde umringten ihn jetzt, fragten nach dem Grunde, Meyer jedoch seufzte nur, und es dauerte sehr sehr lange, bis er sich herbeiließ,' ein volles Geständniß abzulegen. Das also war der Grund! Verblüfft saßen alle da und sahen einander an; verdammt, was war da zu machen! Zu lachen fiel keinem ein. denn die Herren hatten fast sämmtlich Frauen zu Haus, und sie wußten, daß mit dejitn nicht zu spaßen war. Er muß einige Wechsel ausstellen," meinte jetzt einer, drei Monate Ziel; rnag sie seine Alte hernach einlösen." Ja, das hilft nur für ein Viertel'jähr," warf ein Anderer ein, und was dann? Hernach wird die Freude ganz 311 Ende sein." Vielleicht stirbt während der Zeit Meyers Alte," wollte de? Erste erwidern, aber er unterdrückte diesen wenig freundlichen Ausspruch. Man kam nach manchem Hin- und Zerreden dahin, zu erklären, daß ein Wechsel das Beste wäre, Acceptanten fänden sich, und Meyer war auch bereit, diese Schandthat zu verüben, als nach langem Sinnen der Oberlehrer Junker an sein Glas klopfte und sich Nuhe ausbat. Meine Herren." begann er, daß für unsernFreund Meyer nach Kräften gesorgt werden muß.ist uns Allen klar; lber wir sind nur noch nicht einig darÜber, auf welche Weise gesorgt werden müsse " Sind einig, sind einig". . . rief man dazwischen; aber Herr Junker schüttelte den Kopf. Nein," sagte er, ich bin mit der Wechselreiterei nicht einverstanden, und Freund Meyer, das sehe ich ihm an, hat zu solchen Streichen auch keine rechte Lust; aber ich habe einen ganz andern, viel großartigeren Plan. Meyers Alte soll eigenhändig das Geld zu den Saufereien hergeben, und mein Plan ist derart, daß uns Allen damit igeholfen ist, wenn dem Einen oder Andern von uns etwas Aehnliches wie Meyer passiren sollte." Raus mit dem Plan!" rief man jetzt von allen Seiten; Herr Junker bat um Ruhe, und dann wandte er sich an Meyer: Hör' mal, Meyer; hat Deine Alte eine Ahnung vom Golfström?" Golfstrom?". . .Verständnißlos sahen alle den Sprecher an. Na zum Donnerwetter ja, vom Golfstrom!" sagte dieser ärgerlich, und dann sah er Meyer erwartungsvoll an. Na viel wohl nich'" entgegnete dieser, in Geographie war meine Alte immmer 'n bischen schwach." So. das ist ja schön." liefe sich Herr Junker hierauf vernehmen; also bort, wir gründen heut eine Aktien-Ge-sellschast zur Ablenkung des Golfström." Aktien-Gesellschaft. . . zur Ablenkung des Golfstroms. . . Die Gesichter der Anwesenden wurden immer länger; der Apotheker stieß sogar den Rechnungsrath in die Seite und flüsterte ihm zu: Du, ich glaube, der ist verrückt geworden!. . . Er hatte Ichon immer so was. . ."

Der Oberlehrer ließ sich aber nich! beirren. Liebe Freunde," sagte er, Ihr und namentlich unsere Frauen werdet schon lange gemerkt haben, daß es im Winter ganz eklig kalt bei uns ist; auch der sparsamen Frau unseres Freundes Meyer dürfte das aufgefallen sein. In jedem Lehrbuche der Geographie nun wird zu lesen sein, daß Englands und Islands Küsten ein warmer Strom bespült, der das Klima dort mildert, der Golfstrom. Wir gründen nun heute noch eine Gesellschaft, die es sich angeblich zur Aufgäbe macht, den Golfstrom theilweise auch bis nach Deutschland zu lenken und dadurch die Wärme bei uns zu erhöhen. Wir arbeiten einen großartigen Prospekt aus, der besonders die Segnungen für Deutschlands Menschhcit, namentlich die Armen, hervorhebt, preisen gebührend die Gemeinnützigkeit des Werkes, und auch Meyer wird ein solcher Prospekt zugestellt. Natürlich muß der Rummel gedruckt werden; aber was machen wir uns aus den paar Mark Kosten, haben wir doch unsern riesigen Spaß dabei, und dann wette ich darauf, daß Frau Meyer sich bewegen läßt.für einige Tausend Mark Aktien für das Unternehmen zu zeichnen; wenigstens wird sie sicher ihrem Manne zu dem Zweck einige Tausendnoten aushändigen. Ein paar Aktien könnten wir ja schließlich auch anfertigen lassen, unser Freund, der Herr Maler Leuthold, wird sicher eine prächtige Zeichnung dafür entwerfen, und dann, Freunde, dann ist Meyer nicht auf ein Vierteljahr, sondern auf lange Zeit wieder gerettet; denn die Tausendmärker der Frau Meyer werden sicher angelegt und so peu k peu verjubelt!" Hurrah! Der Oberlehrer soll u ben!" riefen alle Gäste; Herr Meyer ließ einige Flaschen eztra anfahren, und die Gelehrten der Runde machten sich an das Entwerfen eines Prospektes, während der Maler Leuthold die wunderlichsten Zeichnungen für die anzufertigenden Aktien entwarf. Die ganze Angelegenheit wurde rasch ins Werk gesetzt; nach Ablauf einer Woche schon hatte Meyer den in den großartigsten Ausdrücken verfaßten Prospekt in Händen. Demzufolge mußte jeder Zeichner mindestens den Titel Wohlthäter der Menschheit" und ein Denkmal noch zu seinen Lebzeiten erhalten. Frau Meyer war zwar noch ein wenig mißtrauisch, als sie mit ihrem Manne aber 'in der Gründungsversammlung war.in der der Weltreisende" Junker eine mächtige Rede über die Segnungen des Golfstroms hielt, welche Segnungen man auch dem Vaterlande zuführen müßte, und als sie sah, wie die Anwesenden, alles Freunde von Meyer und Freunde der Tafelrunde nur so Zehntausende und wieder Zehntaufende zeichneten, da gab sie auch ihrem Herzen einen Stoß und zeichnete fünftausend, während sie ihrem Manne rieth, mit der gleichen Summe an dem Unternehmen theilzunehmen. Nachdem noch beschlossen worden war, daß binnen acht Tagen gegen Aushändigung der Aktien fünfzig Prozent des NennWerths zu erlegen seien, schloß man die Gesellschaft. In gewaltig gehobener Laune ging Frau Meyer nach Haus; sie sah sich als Wohlthäterin der Menschheit gefeiert und sah auf der Potsdamer oder einer anderen Brücke oder auf einem Platze schon ihr Standbild in Erz. Als nach acht Tagen ein Herr kam, der sich als Bankier der neugegründ:--ten Gesellschaft legitimirte und ihr zehn großartig ausgeführte Staunn-Prioritäts-Aktien" des Unternehmens aushändigte, zahlte Frau Meyer mit Freuden fünftausend Mark, und mit einem gewaltigen Zechgelage wurde der glückliche Tag von der Tafelrunde ge feiert, und mit noch viel gehobeneren Gefühlen nahm Meyer an der Schllttenfahrt nach Potsdam theil. Für ein, zwei Jahre war er seiner Meinung nach nun aus aller Noth, und wenn das Geld auf die Neige ging, konnte man ja, wie man sich' vorbehalten hatte, Nachzahlung der fünfzig Prozent fordern. So ging die Zeit hin unter den sonst gewohnten Bummelzügen und Kneipereien, und Frau Meyer wunderte sich nur darüber, wo ihr Alter das Geld dazu herhaben mochte; denn mehr wie vierzig Thaler bewilligte sie ihm nie für den Monat. Wenn sie seines späten Ausbleibens aber den Gemahl manchmal befragte, dann zuckte der nur die Achseln und meinte in sehr wichtigem Tone: Ja, liebes Kind, die vielen Arbeiten, die nothwendigen Besprechungen, gerade jetzt, wo die Arbeiten zur Verlegung des Stromes angefangen haben; ja, das kostet Zeit! Außerdem müssen wir mit der Legierung von England unterhandeln, die gegen die Verlegung Einspruch erheben will, auch die Eispächter in der Nord- und Ostsee und auf allen Strömen wollen eine Beschwerde an die Regierung einreichen; das kostet uns Alles schrecklich viel Arbeit." Frau Meyer gab sich damit zufrieden, und wieder verging Monat auf Monat. Als sie da einmal ungeduldig wurde und Resultate sehen wollte, da .berief man eine General-Versammlung zusammen; Herr Oberlehrer Junker hielt wieder eine großartige Rede, und, am Schlüsse der Versammlung wurde Meyer wegen seiner vielen Verdienste um die Gesellschaft, seiner aufopfernden Arbeit, der Freudigkeit, mit der er seine Kraft bis in die späte Nacht der Gesellschaft zur Verfügung stellte". durch Acclamation zum Präsidenten der Gesellschaft gewählt Frau Meyer aber wurde Ehrenmitglied. Stolz ging das Ehepaar nach Haus. Frau Meyer träumte diese Nacht, sie würde vomKönige in Audienz empsan-

gen, und am nächsten Morgen bestürmte sie den Gemahl, daß er die Beförderung und Ehrung, die ihnen zu theil geworden war, in die Zeitung bringen sollte. Meyer spielte den Bescheidenen; er wehrte ab. Das Verdienst ringt sich auch so durch, Auguste," sagte er, nur keine Reklame, das sieht nicht fein au?." Frau Auguste dachte aber anders darüber als ihr Mann, und am nächVormittag zog sie sich nobel an, ihr schwarzseidenes Staatskleid, und dann fuhr sie in die Redaktion des LokalAnzeigers." Man wies sie an den Lokal-Redak-teur, und dem trug sie ihr Anliegen vor. Der lächelte, als die Dame geendet hatte; sicher hielt er sie für übergeschnappt. Ja. liebe Frau," sagte er endlich, eine solche Aktien-Gesellschaft ist uns absolut unbekannt." Was, unbekannt? Und dabei hat der Weltreisende Junker eine große Rede dort gehalten und hat von den Segnungen für Deutschland gesprochen. Wenn es sich um das Wohlergehen des Volkes handelt, davon müssen Sie doch Notiz nehmen!" Ja, auch ein Weltreisender Junker, der sich jetzt in Berlin aufhalten soll, ist uns unbekannt, und dann, liebe Frau, dürfte es doch wohl unmöglich sein, den Golfstrom abzulenken." Was, unmöglich? ... Und wir haben doch zehntausend Mark gezeichnet und schon fünftausend eingezahlt. . ." Frau Meyer stand mit offenem Munde da. Dann sind Sie sicher das Opfer eines schlechten Scherzes geworden, oder Sie und Ihr Mann sind Schwindlern in die Hände gefallen. Denn Sie müssen wissen, daß der Golfstrom eine warme Meeresströmung ist, also eine Strömung mitten im Ocean, die gar keine festen Ufer hat und darum nicht verlegt werden kann. Sie würden uns übrigens sehr verpflichten," schloß der Redakteur, wenn Sie uns den Ausgang der Sache mittheilen wollten." Gebrochen wankte Frau Meyer nach Haus. Also ein Strom ohne User, und solch einen Dummkopf von Mann, der das nicht einmal wußte, na, da sollte doch gleich. . . Sie wollte es übrigens ihrem Mann schon zeigen, und die Schwindler, die wollte sie nehmen, die sollten vor die Polizei. Herr Meyer war zum Glück nicht da, als seine Frau ankam, und sie wurde mit der Zeit ruhiger. Da fiel ihr dann ein, daß es wohl das Beste sein würde, wenn sie ganz schweige bis zu einer demnächstigen Versammlung. die in vierzehn Tagen stattfinden sollte, wie ihr ihr Mann gesagt hatte, dann konnte sie die Schwindler alle auf einmal fassen. So sagte womöglich ihr Mann zu einem Freunde etwas; die Sache wurde lautbar, und dann konnten sich einige der Gauner vielleicht aus dem Staube machen. Endlich kam auch der Tag der Rache. Frau Meyer hatte die Polizei verständigt, und als die Altionäre" in ihrem Versammlungslokal, einem Restaurationssaale, tagten, drang die Polizei ein und erklärte Alle mit Ausnahme von Meyer und seiner Gattin für verhaftet. Na, dieser Schreck! Umsonst betheuerten die Herren, der Eine, daß er der Oberlehrer Dr. Junker, der Andere, daß er der Rechnungsrath Weinhold sei, umsonst bemühte sich Meyer, den Beamten darzuthun, daß das seine Richtigkeit hätte, daß die Herrn seine Freunde wären, und daß nur ein Versehen vorliegen könnte; Frau Auguste schrie, sie wären Alle ganz gemeine Schwindler, legte als Beweise den Prospekt und die Aktien" vor, und sie fand bei den gestrengen Beamten damit mehr Glauben als die Herren alle zusammen. Schmunzelnd zogen jene mit der Beute ab. Im Untersuchungsgefängniß vollbrachten die Armen eine fürchterliche Nacht; was half da aller Trost, daß sie ja morgen erlöst werden müßten; sie faßen nun einmal drin. Am frühen Morgen schon fand sich Herr Meyer beim Untersuchungsrichter ein und legte ein offenes Bekenntniß ab, wie die Verhafteten ihm zu Liebe und mit seiner Beihilfe sein eigenes Geld nur hatten erbeuten wollen, das seine Gemahlin zu sehr unter Schloß und Riegel hielt, und der Richter lachte nun, ließ die Aktionäre" und den Aufsichtsrath" sich vorführen, und unter Führung ihres Präsidenten" konnte die Aktien-Gesellschaft zur Verlegung des Golfstroms bald heimziehen. Die Herren waren gerettet; aber unrettbar verloren war Meyer, dem seine Frau, als sie den Sachverhalt erfuhr, eine fürchterliche Scene machte. Von den fünftausend Mark bekam Frau Auguste zwar nichts mehr zu sehen, die hielt Herr Meyer fest; aber sie rächte sich dafür, indem sie ihm für ein halbes Jahr die Monatsgroschen ganz entzog und ihm nachher nur zwanzig Thaler pro Monat gewährte. Das war das Ende des so ruhmvoll begonnenen Unternehmens zur Verle gung des Golfstromes. Geheilt. Gattin: Ich hoffe, Karl, unser Junge wird nie wieder rauchen." Gatte: Das hoffe ich auch ganz bestimmt; ich habe ihn, denk' ich, von seiner Neigung für die Cigarren gründlich kurirt!" Gattin: Wie hast Du denn das angefangen?" Gatte: Ich habe ihn in mein Zimmer eingeschlössen und ihm eine von den Cigarren vorgeraucht, die Du mir zu meinem Geburtstag geschenkt hast." Vermuthung. A. zu seinem Freunde, der sehr schweigsam): Haben Kamerad geistige Munition heute schon verschossen?"

Zm arktischen Aorado.

Die sensationellen Nachrichten über fabelhaft reiche Goldfunde im Klondike - Distrikt haben Tausende von Glücksjägern aus allen Theilen der Welt nach dem arktischen Dorado in dem fernen Alaska geführt. Viele von ihnen sind körperlich gebrochen und arm zurückgekehrt, den Tag verwünschend, an dem sie dem Goldfieber rettungslos verfielen; nicht wenige sind auf dem Wege durch die Eis- und Schneewüsten elend umgekommen und nur eine geringe Anzahl hat die erhofften Reichthümer gefunden, freilich nach unsäglichen Mühseligkeiten und Entbehrungen. Dawson, an der Mündung des Klondike in den Dukon belegen, ist die Metropole" des arktischen Dorado, das zum weitaus großten Theile noch terra incognita ist. Heute ist Dawson freilich wenig mehr als ein Camp von etwa 5000 Vewohnern, doch blickt es auf das am anderen Ufer belegene Camp Klondike City bereits mit Geringschätzung herab und Prospector mit Schlitten. hat demselben den Kosenamen Läusestadt beigelegt. Von dem Goldlande existirt nicht einmal eine correcte Karte, da die Negierung noch keine Aufnahme des Landes hat ausführen lassen und die von Profpectoren entworfenen Karten auf Genauigkeit durchaus keinen Anspruch machen können. Der Klondike ist ein etwa 125 Meilen langer Nebenfluß des Aukon. etwa 40 Aards breit und seicht. Auf eine Entfernung von 30 Meilen strömt er in seinem Unterlaufe in einem ziemlich engen Thale von Osten nach Westen, dann kommt eine ungeheure Ebene, in der er sich in drei Arme theilt. Ueber den Oberlauf des Flusses ist nicht das Geringste bekannt, da selbst die Indianer aus Furcht vor ihren Erbfeinden, den Nahomie's, sich nicht in jenes Gebiet wagen. Der südlichste Arm des Klondike, Flat Creek. empfängt sein Wasser aus zahlreichen Bächen, die sämmtlich auf der Ostseite eines Gebirgsgrates, der Dom genannt, entspringen. Nördlich vom Dom ergießen sich viele Wasserläufe in den Hunker Creek, der ebenfalls in den Klondike mündet; westlich sendet der s-j fJL, Tää . jtMIMB 5 Straße in Dawson. Dom seine Wasser in den Eldorado und Vonanza Creek, der sich eine Meile oberhalb Klondike City mit dem Flusse gleichen Namens vereinigt, und von den Südabhängen des Dom strömen die Wasser in zahlreichen Creeks in den Jndian River, der ebenfalls zu den bedeutenderen Nebenflüssen des Riesenstromes Yukon gehört. Alle auf dem Dom entspringenden Bäche sind goldhaltig und deshalb gilt es bei den meisten Prospectoren als ausgemachte Thatsache, daß der genannte Gebirgsgrat eine goldene Schatzkammer enthält, aus der bis jetzt nur geringe Theile weggewaschen sind. Das Land ist mit einer dicken Lage von Moos bedeckt, unter welchem das Erdreich festgefroren ist. Nach Entfernung dieses Moosbettes thaut die Erde im Sommer leicht und deshalb beschränkte sich die Goldgewinnung anfänglich nur auf die warme Jahreszeit; jetzt aber thauen die Goldgräber die gefrorene Erde im Winter mit Feuer auf. Die vom Dom sich ergiesenden Nebenflüsse des Klondike haMinerhütte. ben kein aus solidem Fels bestehendes Bett, dasselbe besteht vielmehr aus verrotteter vegetabilischer Masse, die stellenweise, wie in einem Theile des Bonanza, 48 Fuß Mächtigkeit hat. Unter dieser Masse liegt der Kies und dann kommt das 'Gestein, welch' beide das gelbe Metall enthalten. Wenn die Goldgräber den Kies erreicht haben, werden Proben geschlämmt, um den Goldgehalt zu ermitteln und festzustellen, ob die Bearbeitung des Claim sich lohnt. Aus diesen Mittheilungen ist wohl ersichtlich, daß es eines bedeutenden Aufwandes von Arbeit bedarf, um das Kieslager zu erreichen;' da dasselbe an vielen Stellen nur wenigGold enthält, liegt es auf der Hand, daß mancher Prospector, dem es an Betriebscapital fehlt, es zu Nichts dringt und seinen Claim aufgeben muß. Tausende von Claims sind an ayrn Wasserläufen des Distrikts belegt und registrirt worden, aber in dem Bureau des RegierungZ - Commissärs herrscht ein furchtbares Durcheinander, da er sich bei Eintragung derselben einzig und allein auf die Aussagen der Prospectoren . verlassen muhte. Keiner

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darf mehr als e i n e n Claim von 100 Fuß Breite an e i n e m Bache belegen, aber dieses Recht kann er an jedem Wasserlauf ausüben. Die Goldablagerungen in den Kiesbetten variiren in einem und demselben Thale ganz bedeutend. Die reichsten Funde werden am El Dorado sowie Hunker Creek gemacht und gerade an diesen gibt es Stellen, wo der Kies absolut gar kein Gold enthält. Merkwürdig ist auch die Erscheinung, daß stellenweise das gleißende Metall sich in den Bänken an den Hügeln oberhalb der Creeks in größeren Quantitäten als in der Niederung findet. Welche Erträge die einzelnen Claims liefern, läßt sich auch nicht annähernd feststellen. Die Besider halten, wie nicht anders erwartet werden kann, reinen Mund, und den Mittheilungen von überreichen Funden darf man meistens nicht Glauben schenken, da sie zu speculativen Zwecken gemacht werden. Daß ein Claim in der besten Gegend, wie am Bonanza und El Dorado mit einer Goldgrube im buchstäblichen Sinne des Wortes nicht immer gleichbedeutend ist. erhellt aus der Thatsache, daß viele Prospectoren ihre Ansprüche aufgegeben haben und für Andere gegen Lohn arbeiten. Der Lohn beträgt $1.5 pro Stunde und diese extravagante Bezahlung bedingt, daß nur. stark goldhaltige Claims mit Nutzen abgebaut werden. Wenn der 'Kies nur 10 Cents pro Pfanne bringt, wird der Claim gcwohnlich aufgegeben und nur die Erde ausgewaschen, von der der Prospector 25 Cents pro Pfanne realisirt. Daß diese Bearbeitungsweise äußerst verschwenderisch ist, läßt sich daraus ersehen, daß in Distrikten, tootbtx Abbau in rationeller Weise und mit Maschinen betrieben wird, die Arbeit sich lohnt, wenn in einer Kubikyard, d. h. ca. 200 Pfannen, sich Gold im Werthe von 10 Cents findet. Das größte

Schmiede. Hinderniß, welches sich der Bearbeitung mit hydraulischen Apparaten entgegenstellt, ist der Mangel an Wasser; dieses müßte vom oberen Klondike abgeleitet und in Sammelbecken aufgestaut werden. Das zur Construction solcher Anlagen erforderliche Holz muß in den Thälern am Hauptstrome geschlagen und nach denClaims transportirt werden; dort bringt es exorbitante Preise, bis zu $200 pro 1000 Fuß. Das Klima ist kalt, aber der Frost nicht so grimmig, wie es oft heißt. Im verflossenen Winter ging das Thermometer nie unter minus' 65 Grad Fahrenheit hinab und diese Kälte ließ sich von den mit angemessener Kleidung versehenen Goldgräbern ohne Nachtheil für die Gesundheit wohl ertragen. Auch in der Mitte des Winters verschwindet dieSonne nicht ganz, sondern scheint etwa von 10 bis 3 Uhr, so daß die Leute 5 Stunden arbeiten Lebensmittelhändler. können. In den an der Nordseite der Hügel belegenen tiefen Schluchten ist freilich von der Sonne nichts zu sehen. Der Schneefall ist nicht so stark, wie in der civilisirten Welt vielfach angenommen wird, und betrug im letzten Winter nur 3 Fuß. Es schneit nie lange und viel auf ein Mal, da die einzige Wasserverdunstung aus den Luftlöchern im Vukon kommt. Aus diesen erhebt sich Nebel, der an den Schluchten hängen bleibt und sich allmälig in Schnee verwandelt. Viele Goldgräber hausen auch im Winter in Zelten, die selbstverständlich mit Oefen versehen sind. Als Zugthiere dienen im Winter fast ausschließlich Hunde, doch finden sich jetzt auch schon Pferde in geringer Zahl. Die eingeborenen Hunde sind viel leistungsfähiger, c.ls die aus fremder Zucht hervorgegangenen Thiere, und dem entsprechend auch theurer; '$300 für einen guten Hund ist kein seltener Preis. Da die Hunde überall, wo sie nur können, Nahrungsmittel stehlen, darf kein Miner seine Vorräthe im Zelte aufbewahren, sondern muß dieselben in sogenannten Caches, d. h. kleinen Häuschen auf hohen Pfosten, unterbringen, wohin die vierbeinigen Räuber nicht gelangen können. Der Sommer ist von kurzer Dauer, aber die Sonne scheint warm genug, um eine verhältnißmäßig üppige Vegetation hervorzubringen. Am Forty Mile Creek hat man Kartoffeln gezogen und glaubt deshalb, auch andere Gemüse mit Erfolg anbauen zu können. Zu den schlimmsten Landplagen im Sommer gehören die Moskitos, geaen welche sich die Indianer durch Nauch schützen, während die Weißen zum Schutze gegen die geflügelten Blutsauger Schleier über Hüten mit breiter Krempe tragen. Früher hauste in dem Goldlande eine ziemlich zahlreiche Jndianerbevölkerung, die .vom Fischfang und der Jagd lebte; ihre ahl schwindet aber mehr und mehr

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und heute mag es in Dawson kaum ein Hundert mehr geben. An Muskthieren fehlt es am Klondike nicht, wiewohl auch dieses Wild vor den immer weiter vordringenden Goldsuchern immer mehr.sich zurückzieht. Die früher zahlreich vorkommenden Pelzthiere wie Otter, Lieber, Zobel, Luchs u. s. w., werden ebenfalls immer seltener.

Fleischverkauf. Skorbut ist die Krankheit, unter welcher die Goldgräber am meisten zu leiden haben, da es ihnen einerseits an der nöthigen Abwechslung in der Nahrung gebricht, andererseits aber auch die letztere nicht in angemessener Weise zubereitet wird. Als gutes Mittel gegen das Leiden hat sich ein Thee, der von den Schößlingen der Pechtanne bereitet wird, erwiesen. Bon einer geordneten Verwaltung kann natürlich keine Rede sein, doch hat sich bisher die Ausübung des Minerrechts" zur Schlichtung von Streitigkeiten als ausreichend erwiesen; in der Zukunft wird wohl in dieser Beziehung eine Aenderung zum Besseren eintreten, da der Regierungscommissar Major Walsh mit weitgehenden Befugnissen betraut ist und er auch die zur Aufrechterhaltung seiner Autorität erforderliche bewaffnete Macht besitzt. Empfindlich. Er: Halt, hier können wir nicht Plah nehmen, die Farbe ist noch nicht trocken!" Sie (vorwurfsvoll): Ach, Emil, wenn Du wirklich so blind in mich verliebt wärest, würdest Du's überhaupt nicht bemerken, daß die Bank frisch gestrichen ist!" EinZeitbild. No, Franzl, warum weinst denn?" Ach! ich hab' an' Preis 'kriegt, weil V der brävste in der Schul' bin, und da lachen mi' die andern Bub'n .und Mädle so aus!" . Moderne Malerei. Nachbar: Na, hat Dir der Maler, der bei Dir logirt, die Thür- und Fensterstöck' angestrichen?" Bauer: Nix ist d'raus worden! Z'erst hat er g'meint, er thut so was Ordinär's net und wie ich dann seine Bilder g'seh'n hab', hab' ich selbst d'rauf verzichtet!" Gefaßt. Pastor: Nun, liebe Frau, gebieten Sie Ihren Zähren, suchen Sie Trost in pietätvoller Erinnerung und traqen Sie Ihren herben Verlust mit Ruhe und Ergebung. Die trauernde Wittwe: Machen wer!" Seltenes Talent. A.: Sagen Sie mal, unser Freund Dreßler kann wohl gut sprechen, was?" B.: Na ob! Neulich ging ich zu ihm, um mir 20 Mark von ihm zu pumpen, und als ich aus seiner Wohnung kam, hatte er sie mir abgepumpt!" Uebertrumpf t. Reisender (zum Hausknecht): Sie bekommen 50 Pfg., wenn Sie mich morgen früh wecken, wenn mein Concurrent auf No.11 aussteht!" Entschuldigen, der hat mir schone eine Mari gegeben, ich soll ihn wecken, wenn Sie ausstehen werden!" Unter Strolchen. Ede: Du, Lude, woll'n wir mal bei Uhl untern Linden einkehren?" Lude: Du bist wohl verrückt, da schmeißen se uns doch gleich raus." Ede: Eben deshalb ick möchte ierne mal aus so'n feinet Lokal rausgeschmissen werden." .

Eine Palastrevolution. Vor Kurzem kam aus China die Kunde, daß der Kaiser Tsaitien eine Reform - Aera in dem Reiche der Mitte" einleiten wollte. Nun hat der junge Mann seinen Fürwitz mit seinem Throne, wenn nicht gar mit seinem Leben bezahlen müen. Die Kaiserin - Wittwe Tsu - $fi hat wieder die Regierung übernommen. Daß dabei auswärtige Einflüsse mitgespielt haben, ist kaum zu bezweifeln. Seitdem durch die Siege der Japaner über die Chinesen die militärische Schwäche Chinas Jedermann klar geworden war und in Folge dessen auf allen Seiten Begehrlichkeiten nach chinesischem Besitz hervortraten, ist der Gegensatz zwischen England und Rußland in China immer schärfer geworden. Ersteres hat dabei mehr eine defensive Haltung eingenommen, während Rußland in der Vesorgniß, daß andere Concurrenten als die bisherigen ihm einen Theil der längst in's Auge gefaßten Beute entziehen könnten, angriffsweise vorging, militärisch wie diplomatisch. Es ist leicht zu er-

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ryifs s- "-it. zr m - DieKaiserin-Wittwe. klären, daß Rußland hierbei die Unterstüdung des ebenso geldgierigen als schlauen Li Hung Tschang fand, der nicht nur in den russischen Bataillonen in der Mandschurei eine größere Gefahr für China, als in den englischen Kriegsschiffen in den chinesischen Gewässern sieht, sondern auch auf seiner Europareise eine deutlichere Vorstellung von der militärischenMacht Rußlands als von derjenigen Englands erhalten hat. Anfangs schien auch alles nach Wunsch der Russen zu gehen, denn sie Engländer wichen immer weiter zurück, so daß selbst die Vertreter einer energischen Politik in England an dem Ministerium Salisbury völlig irre wurden. Da erfolgte vor einigen Wochen plötzlich die Entlassung Li H'Lng Changs und nicht bloß in England, sondern auch außerhalb Englands war man geneigt, hierin einen Sieg der britischen Diplomatie zu erblicken. War es wirklich ein solcher, so ist der Erfolg kein dauerhafter gewesen, denn die Uebernahme der Regierung durch die Kaiserin - Wittwe deutet darauf Der Kaise r.hin, daß die Gegner Li Hung Changs unterlegen sind und aller Wahrscheinlichkeit nach wird auch dieser selbst bald wieder von seiner Freundin in seine alten.Aemter eingesetzt werden. Der seiner Herrscherrechte beraubte Kaiser Tsaitien, oder wie er in seiner Würde als Kaiser bezeichnet wird. Kuangsü (Fortsetzung des Glanzes), ist am 2.August 1872 geboren und kam bereits am 2. Januar 1875 auf den Thron, als Nachfolger seines Vaters Tsaishun, eines jüngeren Bruders des Kaisers Hienfeng. Seit März 1889, wo er selbstständig regiert, ist er mit Ich - Ho - na - la, Tochter des Bannerpräfekten Kwei - Hsiang, vermäblt. Die Kaiserin - Wiitwe Tsu - hsi, welche 20 Jahre (1861 bis 1881) Mitregentin ihres Gemahls, des Kaisers Jchu (Hienfeng genannt) war, führte von 1875 bis 1881 mit der rechten Mutter des Kaisers die Vormundschaft und seit dem Tode der Letzteren war sie allein Kaiserin - Regentin. Der Kaiser, ihr Neffe und Adoptivsöhn, war stets weiches Wachs in ihrer Hand. Eine Thierfreundin. Seh' ich recht? Sie, Frau Landrath die größte Feindin des. Sports auf dem Stahlroß?! Ich opfere mich auS Gesundheits - Rücksichten für mein liebes Mopperl, Herr Baron; das arme Geschöpf hat zu wenig Bewegung!" Aus der Geometrie. Lehrer: Wir haben nun rechte, spitze uuo ltumpse Uvmlel kennen geternc. ixann es außer diesen vrn geauuiuai Winkeln noch andere geben?" Schüler: Ja, Herr Lehrer, Schlupfwinkel und Krähniinkel." .

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