Indiana Tribüne, Volume 22, Number 35, Indianapolis, Marion County, 23 October 1898 — Page 3

Aufmb nieder.

Roman von Ludwig Habicht. (6. FortseKuna.) 9. Der Winter war vergangen, der Frühling eingezogen. Im Park san'gen die Nachtigallen, der Flieder duftete und Nolh- und Weißdorn waren niit Blüten übersäet. Ein harter Winter, nicht nur vermöge der starken Kälte und des vielen Schnees, den er gebracht hatte, lag hinter der Familie Hammers. Das Oberhaupt war zwar vollkommen wiederhergestellt und hatte die Leitung des Geschäftes in vollem Umfange von neuem übernommen, die Arbeiter hatten außer an Sonn- und Festtagen noch keinen Tag gefeiert, aber es mußte doch schwer, sehr schwer gerungen werden. Der neue Aufstieg vollzog sich nicht so glatt und ununterbrochen, wie der optimistische Hammers gehofft hatte. Es kamen wieder Verluste, die das mühsam Gewonnene von neuem in Frage stellten, es gab Weitläufigkeiten und Verdrießlichkeiten mit den Abnehmern, und auch der Geist unter den Arbeitern war nicht mehr ganz der alte, gute, de. er gewesen war, denn der Verdienst für die" Leute hatte noch immer nicht wieder die frühere Höhe erreicht. Adolf Hammers litt gerade unter diesen Zuständen am allermeisten. Es gab Tage, wo er muthlos erklärte: Es hilft ja doch alles nicht! Wir kommen nicht wieder auf einen grünen Zweig! Es wäre doch vernünftiger gewesen, wir hätten die Fabrik geschlossen und zugesehen, was aus dem Schiffbruch zu retten gewesen wäre." 2)as würde recht wenig gewesen sein," antwortete bei solchen Gelegenheiten gewöhnlich seine Frau, und sie wies ihn dann darauf hin, daß sie trotz der Rückschläge doch schon ein guies Stück vorwärts gekommen seien, daß man es ermöglicht habe, wenn auch nicht in der früheren luxuriösen Weise, so doch ganz anständig weiter zu leben, fciß die kaufmännische Ehre gewahrt und mit Ausnahme der Förderungen, die Vöster hatte, doch den lausenden Verpflichtungen genügt worden sei. Auch die aus dem Verhältnisse mit den Arbeitern erwachsenden Schwierigkeiten wußte sie ihm als weniger düster darzustellen, und zuletzt verwies 'sie ihn auf das Glück, das ihm durch einen Stab treuer, bewährter Mitarbeiter erwuchs, dem sich seine Kinde? in anerkennenswerthester Weise beigesellt hatten. Vergiß meinen wackersten Mitarbeiter, meinen tapfersten Kameraden, meinen Stab und meine Stütze nicht!" rife er nach solchen Trostworten, schloß sie in seine Arme und ließ sein müdes, jetzt völlig ergrautes Haupt an ihrer Vrust ruhen. In dem Verhältniß der beiden Gatten war ein völliger Umschwung eingetreten. War Hammers viele Jahre hindurch der Gebende gewesen, so war er jetzt der Empfangende. Frau Hammers, die seit Jahren fortdauernd gekränkelt hatte, war durch die regere Thätigkeit, der sie sich seit der Catastrophe hingeben mußte, sowie infolge der einfacheren Lebensweise merkwürdig erstarkt. Sie fühlte sich bei weitem gesünder, hielt den Kopf oben, wenn ihr Gatte verzagte und wußte ihn durch ihren Zuspruch aufzurichten. Hammers hatte zuerst staunend die Wandlung in seiner Frau wahrgenommen, er hatte lange daran gezweifelt und nicht an den Bestand der Dinge glauben können, sich aber dann, wie es einmal in feiner Natur lag, dem Extrem überlassen. Hatte er früher seine Frau für zu schwach gehalten, um sie überhaupt an seiner Lebensarbeit theilnehmen zu lassen, so legte er jetzt unbedenklich schwere Lasten auf ihre Schultern, überzeugt, daß Niemand sie besser zu tragen verstünde, als eben sie. Auch an Clelia hatte er ganz eigenartige Erfahrungen zu machen gehabt. War ihm die Tochter schon in den ersien Tagen durch die Ruhe, ja man könnte beinahe sagen. Genugthuung, mit der sie den Glückswechsel hingenommen, bewundernswerth erschienen, so ward sie ihm ganz unverständlich durch die neue Wandlung, die mit ihr vorgegangen war. Sie hatte zuerst in schwärmerischer Weise das Glück der Armuth gepriesen und ihn in ibremGebahren ein wenig an die Prinzessin erinnert, die sich vornahm, wenn sie arm würde, immer weiße Kleider und seidene Schürzen zu tragen; diese Periode war jedoch schnell genug vorübergegangen. Clelia hatte dann plötzlich alle Phaniasterei abgestreift; sie war ernst, beinahe finster geworden, legte in ihrem ganzen Wesen Bestimmtheit, sowie den größten Fleiß, verbunden mit zäher Ausdauer an den Tag. Auf ihren Wunsch hatte sie die Buchführung in einer kaufmännischen Lehranstalt in Magdeburg erlernt und dann das Verlangen gestellt, sie wolle im Comptoir arbeiten und dadurch eine bezahlte Kraft ersparen, und sie hatte genau berechnet, wie viel auf diese Weise in Jahr und Tag gewonnen werden könne. Jetzt arbeitete sie schon seit Monaitn mit großer Geschicklichkeit in einem neben dem Privatcomptoir des Vaters und des Bruders belegenen kleinen Zimmer, hielt nicht nur die Bureaustunden pünktlich inne. fondern war häufig noch an ihrem Pulte zu finden, wenn alle Anderen die Geschäftsräume schon verlassen hatten. Dabei fand sie doch noch Zeit, ihre Garderobe im Stand zu halten und allerlei im Haushalt zu besorgen. Freilich verzichtete

sie auf jedes Vergnügen, war kaum zu bewegen, Sonntags einen Spaziergang zu machen, hatte sich von allen Freundinnen und Altersgenossinnen zurückgezogen und gab, wenn ihr Vorstellungen wegen dieses Uebermaßes von Arbeitsamkeit gemacht wurden, stets die Antwort: Wir haben jetzt nur die eine Aufgabe: dahin zu streben, daß wir wieder reich .werden; denn nur der Reiche hat ein Recht, zu leben!" Die Worte wurden immer von einem bitteren Lachen begleitet, das den Eltern und dem Bruder in die Seele schnitt. Oft besprach sich die Mutter mit Ferdinand über die Veranlassung zu dieser Aenderung des früher so ideal gesinnten Mädchens, denn lediglich aus dem Wechsel der Glllcksumstände vermochten sie sich ihn nicht zu erklären. Der junge Mann hatte seine eigenen Gedanken darüber, hütete sich aber, sie der Mutter gegenüber laut werden zu lassen; er ehrte Clelia's Geheimniß, da aus ihrem Munde keine Ausklärung zu erhalten war. Es war an einem Sonnabend. Die Lohnauszahlung hatte stattgefunden; eine Stunde früher als an den Wochentagen war der Lärm der Hämmer, Feilen und Blasebälge verstummt, hatten die Arbeiter sich auf den Heimweg gemacht. Auch die Angestellten im Comptoir hatten ihre Pulte verlassen, die Schreibärmel abgestreift, dieCompioirröcke mit den Straßenanzügen vertauscht und sich beeilt, in's Freie zu gelangen, denn draußen duftete und blühte der lieblichste Maiabend, den man NUN an den Ufern der Elb, innerhalb der alten Festungswälle genießen konnte. Im Privatcomptoir war es ebenfalls still geworden, nur nebenan saß Clelia noch über ihr Buch gebeugt und schrieb und rechnete mit fliegender Feder und hochgerötheten Wangen. Sie schaute auch nicht auf, als hinter ihr eine Thür geöffnet ward, und erst des eingetretenen Ferdinands Zuruf veranlaßte sie, einen Augenblick in ihrer Arbeit innezuhalten. Was willst du? Warum störst du mich?" fragte sie unmuthig. Weil ich meine, dan du h?ute reichlich genug gearbeitet hast und wohl Feierabend machen könntest," antwortete er. an ihre Seite tcetend und über ihre Schulter hinweg in das Buch schauend. Ah, du bist beim Wochenabschluß." Sie nickte und sagte, emsig weiterschreibend: Ich bin heute so vielfach gestört worden, er müßte längst fertig fein, es dauert jetzt nur noch ein paar Minuten." So werde ich warten, bis du fertig bist," cntgegnete Ferdinand, stellte sich mit dem Rücken an das Fenster und schaute verstohlen zu der Schwester hinüber. Clelia trug ein ganz schlichtes, hellgraues, am Halse durch eine schmale, weiße Krause geschlossenes Kleid, aus dem der schlanke, weiße Hals und der Nacken mit seinem goldigen Gekräusel sich anmuthig hervorhob. Das hellbraune Haar war glatt gescheitelt und am Hinterkopfe in einen Knoten zusammengeschlungen. wie es wohl Jemand thut, der auf das Geschäft des Frisirens nicht allzu viel Zeit verwenden mag; das Gesicht trug jetzt einen Ausdruck der Herbheit, der es älter erscheinen ließ. Ferdinand sann wieder darüber nach, was diese Veränderung im Aeußeren, wie im Wesen der Schwester bewirkt haben mochte, und glaubte heute noch sicherer über den Grund zu sein als früher. Mit einem tiefen Athemzuge legte Clelia jetzt die Feder weg. überflog die beschriebene Seite nochmals mit den Blicken und deckte das Löschblatt darüber. Ferdinand trat wieder herzu und sagte: Ich hoffe, du bist mit dem Wochenabschluß zufrieden. Das Geschäft hat sich doch in den letzten Wochen sehr gehoben. Es sind auch wieder sehr erfreuliche Aufträge eingelaufen." Noch lange nicht genug!" erwiderte Clelia, während sie aufstand und sich anschickte, die Bücher in den in die Wand eingelassenen eisernen Schrank zu verschließen. Ferdinand griff zu, um ihr dabei behilslich zu sein, und bemerkte mit leisem Vorwurf: Du solltest nicht so sprechen, Clelia, sondern dich freuen, daß wir in letzter Zeit wieder so hübsch vorwärts kommen." Hübsch voiwärtS kommen!" wie derholte sie bitter. Wie kannst du das so nennen? Wie lange werden wir, wenn es gut geht, arbeiten müssen, um nur die Schulden abzutragen!" Nun, das wäre doch schon sehr lltV Wie genügsam du bist!" lachte sie spöttisch. Damit bin ich nicht zufrieden. Ich will, daß wir reich werden, sehr reich, viel reicher, als wir jemals gewesen sind!" Über Clelia " Ich weiß, was du sagen willst," unterbrach sie ihn. Das läßt sich nicht erzwingen; um das zu können, müßte der Betrieb ein ganz anderer 'sein, müßte man Millionen hineinstecken können." Stimmt," entgegnete er, aber wer sollte die herbeischassen?" Du!" rief sie und schaute ihn mit einem ganz eigenthümlich flimmernden Blick an. Du!" Ich versiehe dich nicht," erwiderte Ferdinand und trat unwillkürlich einen Schritt von der jetzt dicht vor ihm stehenden Schwester zurück. Sie lachte mit großer Bitterkeit: Weil du mich nicht verstehen willst! O, wenn ich an deiner Stelle wäre!" Nun, was würdest du da thun?" Ich heirathete eine Frau, die mir ein paar Millionen mitbrächte." Ferdinand zuckte zusammen, als hätte er einen Schlag in's Gesicht bekommen, faßte sich aber und suchte die Sache in's Scherzhafte zu ziehen, in-

dem er sagte: Nun, die Millionencrbinnen laufen auch nicht fo auf der Straße umher." Hat unser Vetter, Fritz Töster, eine solcbe fischen können, so könntest du es noch weit eher." entgegnete sie. Sie ist auch danach. Ich fürchte, Fritz Vöster hat sich sehr unglücklich gemacht." Clelia zuckte die Schultern. Ach was, wer Geld, viel Geld hat. ist nicht unglücklich, nur wer keines hat, muß sich Alles gefallen lassen, muß sich mit Füßen treten lassen." Clelia, liebe Schwester, wie bist du denn zu diesen unglücklichen Ansichten gekommen?" fragte Ferdinand ganz entsetzt. Könntest du mir zum Beispiel rathen, Alma, die Schwester von Fritz Böster's Frau, die Tochter des alten Löbbeke, zu heirathen?" Warum nicht?" erwiderte sie mit erschreckendem Gleichmuth. Und würdest du einen Mann heirathen, nur weil er Geld hat?" Gewiß würde ich das! Der Mann, den ich einmal Heirathe, muß sehr reich sein!" rief sie mit Heftigkeit aus, um mit schneidender Ironie hinzuzusetzen: Ich werde freilich lange warten können, bis ein solcher mich haben will. Die Herren der Schöpfung wollen Alle sich durch das Geld ihrer Frau weich betten, und, sind sie selbst reich, dann soll das zugebracht Vermögen dem ihrigen angemessen sein." Du sagst das Alles so verächtlich und möchtest mich doch ZU der gleichen Handlungsweise veranlassen," bemerkte Ferdinand; das nimmt mich bei meiner sonst folgerichtig denkenden Schwester Wunder. Gestehe, du wolltest mich nur auf die Probe stellen, du weint " . Sie ließ ihn nicht ausreden. Nein, nein, es ist mein voller Ernst. Warum solltest du es anders machen, als Andere?" Sie lachte wieder so häßlich, so herzlos, daß es dem Zuhörer eiskalt durch die Adern rann. Du darfst es, nein, du sollst und mußt es thun, du bist es der Firma Hammers & Soh:.', du bist es uns Allen schuldig!" ' Und ich thue es doch nicht!" erwiderte er, jetzt auch die Stimme etwas erhebend, in warmem, wenn auch nicht leidenschaftlichem Tone. Ich will arbeiten, will sorgen und schaffen, nicht an mich, sondern nur an die Eltern, an dich, an die alte Firma denken, aber mich verkaufen um des Geldes willen, einem Weibe, das mir gleichgiltig ist, Liebe heucheln, das thue ich nicht." Sie schaute ihn mitleidig an. Thor! Wer verlangt denn, daß du sie liebst? Wenn du sie heirathest, so ist das völlig ausreichend." Wieder fühlte der Bruder sich von ihren Reden angefröstelt. Das kannst du sagen, die von frühester Kindheit an die glückliche Ehe unserer Eltern gesehen hat?" fragte er vorwurfsvoll. Sie hätte beinahe mit einer Revolverkugel geendet." erwiderte sie. Nein, nein, Ferdinand, du magst sagen, was du willst, wo die Armut'h zur Thür herein kommt, fliegt die Liebe zum Fenster hinaus. Ich warne dich, begehe keine Thorheit. Solltest du wirklich noch an Sophie Grower denken?" Kannst du mir zutrauen, .daß ich meinen Sinn so schnell äewendet habe?" Die Tochter des Hufschmiedes aus der Ulrichstraße ist keine Frau für dich." Du sagtest doch soeben erst, daß die Tochter des ehemaligen Budikers und Häuserspekulanten eine sehr angenehme und wünschenswerthe Partie für mich sei." Sie machte eine wegwerfende Bewegung. Treibe doch nicht solche Silbenstecherei! Du weißt recht gut, wie ich das meine. Meister Grower könnte meinetwegen Straßenkehrer sein, wenn kr seiner Tochter nur eine Million mitgeben könnte, würde ich sie als Schwägerin gern willkommen heißen; aber dieses Fräulein von Habenichts! Du darf't sie nicht heirathen! Es wäre eine unverzeihliche Schwäche vom Vater, wenn er dir dazu seine Einwilligung geben würde." Ich bin sechsundzwanzig Jahre alt," erwiderte Ferdinand jetzt auch gereizt, bereute aber sogleich seine Heftigkeit und fügte hinzu: Ich weiß, daß ich jetzt noch lange nicht daran denken kann, ein armes Mädchen zu heirathen, und Sophie weiß das auch. Wir warten gern, es werden "essere Zeiten kommen, und dann werde ich meine Braut heimführen. Wir lassen nicht voneinander!" Was du nur an dem Füchschen hast?" sagte sie verächtlich. Daß sie sich an dich klammert, begreife ich, Ferdinand Hammers ist für sie " Schweig!" unterbrach er sie in strengem Tone; nicht ein Wort dulde ich, das das Mädchen verunglimpft, das meine Frau werden wird. Du hast sie doch sonst auch gern gehabt und mehr als einmal gesaqt, ich hätte in Sophie einen Schatz gefunden, den ich wabren sollte." Sie antwortete nur durch ein wegwerfendes Lächeln. Clelia!" fuhr er, ihre Hand ergreisend, warm und herzlich fort, du bist mir schon lange ein Räthsel. Du hast früher gleich mir nichts verächtlicher gefunden, als wenn Menschen sich bei der Wahl des Gatten durch die Rücksicht auf Geld und Gut, auf Rang und Stand leiten ließen. Wir haben mehr 'als einmal einander gelobt, dies nie zu thun! Du hast meine Liebe zu Sophie so schön, so poetisch genannt." Ach, du sprichst von Zeiten, die vergangen sind!" warf sie dazwischen; er ließ sich aber nicht beirren, sondern, sprach weiter: Lange schon hat mir die Frage auf der Seele gelegen: Clelia, liebe Schwester, was hat dich so vollständig verwandelt?" Clelia fuhr mit der Hand nach dem Herzen, als ob sie dort einen schmerzhaften Stich empfinde, und zögert mit der Antwort, dann faßte sie scheinbar

ruhig, aber Ferdinand hörte am Beben ihrer Stimme, daß sie sich Gewalt anthat: Wie kannst du. da nock fragen? Ich dächte, das lüge auf der Hand. Ich bin durch das über unser Haus hereingebrochene Unglück recht jäh aus meinen Träumen geweckt worden; es ist für mich nicht mehr angemessen, das Leben einer schönen Seele zu führen. Laß uns dieses Gespräch beenden." Rein, Clelia, so entgehst Du mir nicht!" und er ergriff mit festem Druck ihre Hand. Der Umschwung unserer Verhältnisse ist es nicht allein. Du nahmst ihn in der ersten Zeit so ruhig, ja sogar heiter hin, schicktest Dich in alles." Thue ich das nicht noch?" Das wohl; aber in ganz anderer Weise. Deine Thätigkeit ist fieberhaft geworden, Dein Sinn nur auf den Erwerb gerichtet, es hat den Anschein, als kenntest Du nur das eineStreben, wieder reich zu werden." So ist es auch." flüsterte sie. Dabei bist Du finster, bitter, ungerecht!" fuhr er fort, ohne die Zwischenbemerkung zu beachten, Du machst den Eindruck, als ob Du mit Gott und der Welt hadertest, und dazu liegt in den Verlusten, die unseren Vater betroffen, und die sich früher oder später ausgleichen werden, keine genügende Veranlassung." Er machte eine Pause, legte seine Hand um ihre Schultern, bog ihren Kopf ganz nahe zu sich heran und sagte leise: Clelia, ich vermuthe, Deinem Herzen ist eine tiefe Wunde geschlagen worden. Du hast eine bittere Erfahrung zu machen gehabt." Sie machte sich schnell von ihm los und fragte erschrocken: Wieso weißt Du das? Wer hat Dir das gesagt?" Niemand! Aber ich habe Dich beobachtet, ich bin Dir gefolgt mit den Augen des Bruders, der Dich liebt, dessen Anschauungen Du früher getheilt hast, und ich habe meine Schlüsse gezogen. Clelia. Theodor Sanders " Nenne diesen Namen nicht!" unterbrach sie ihn und trat hart mit dem Fuße auf. Also bin ich auf der richtigen Fährte! Liebe Schwester, vertraue Dich mir an! Laß Dein Herz nicht im einsamen Gram und Groll versteinen. Du hast keinen besseren Freund als mich!" Der Ton seiner Stimme war so warm und eindringlich, sein Blick so gut, sein Händedruck so fest und herzlich. daß es Clelia war. als löse sich ein Eisenring von ihrer Brust; ihre Augen füllten sich langsam mit Thränen, aber noch kämpften Stolz und Erbitterung gegen die weicheren Gefühle. Sie gewannen endlich die Oberhand und sich in des Bruders Arme werfend, schluchzte sie: Ja, ich will mich Dir anvertrauen. Du sollst Alles wissen. Ich fühle es, ich muß an meiner Schmach und an meinem Zorne ersticken, wenn ich Alles noch länger schweigend mit mir herumtragen muß. Aber nicht hier will ich reden!" fuhr sie nach einer kurzen Pause fort. Komm mit mir hinaus in den Park, dort sollst Du meine Beichte hören." Sie verschloß ihr Pult, löschte die Lampe, nahm eine leichte Hülle um und ging am Arme des Bruders in den Park, der jetzt erfüllt war vom weißen Licht des Mondes und dem süßen Hauche des Frühlings. Es war ganz still, kein Blättchen regte sich. Böge! und Käfer schliefen, nur eine Nachtigall sang ihr klagendes, schluchzendes Liebeslied, dem eine zweite antwortete. Schweigend schritten die Geschwister durch die wohlbekannten Wege. Clelia hatte Ferdinands Hand ergriffen und zog ihn schnell vorwärts. .Wohin führst Du mich?" fragte er. Ihre einzige Antwort war, daß sie seinen Arm fester packte und ihn schneller vorwärts zog, bis sie den Platz unter dem Kastanienbaum erreicht hatten. Unser alter Spielplatz!" rief er. Unser Spielplatz, wo wir getollt und gelacht, gesungen, deklamirt und geschwärmt haben, wo wir so sorglos glücklich gewesen sind, und wo ich alle meine Illusionen begraben habe!" erwiderte Clelia. Ich habe ihn nicht wieder aufgesucht seit jenem entsetzlichen Abend, aber jetzt habe ich Dich hergeführt, damit Du erfährst, was mir geschehen ist. Die Kastanie ist zum Malzeichen für mich geworden." Sie ließ sich auf eine der Bänke nieder, die jetzt um einen Tisch unter dem Baum aufgestellt waren, zog den Bruder an ihre Seite und sagte: Laß es uns kurz machen, ich kann mir dieVorrede sparen. Du weißt, daß ich Theodor Sanders geliebt habe." , Ich ahnte es; und er?" 50, er machte mir die zärtlichsten Liebesbetheuerungen, schrieb mir die glühendsten Briefe, versicherte mir, daß er ohne mich nicht leben könne, daß mein Besitz das Ziel seines Strebens sei " Und Du glaubtest ihm?" warfFerdinand mit leisem Kopfschütteln ein; dann fügte er aber sogleich hinzu: doch warum hätte Deine reine Seele an seiner Aufrichtigkeit zweifeln sollen? Wird er doch selbst damals geglaubt haben, was er Dir sagte und schrieb." Damals!" wiederholte sie. Du scheinst ihn gut zu kennen." Ich habe Theodor Sanders immer für einen Streber gehalten und wenig Sympathien für ihn gehabt," entgegnete Ferdinand. Wäre ich zu Hause gewesen, es hätte ihm vielleicht nicht gelingen sollen, dein argloses Herz zu umgarnen." Jch weiß es nicht; wahrscheinlich würde ich es dir wenig gedankt haben, hättest du mir dieAugen'ffnen wollen. Er bai mich, unsere Liebe als strenges Geheimniß zu wahren, vor den Eltern und auch vor dir." War das auch recht?" fragte er mit leisem Vorwurf. O, schilt mich nicht, ich bin ja so hart, so unsägl-ch hart bestraft!" erwiderte sie, laut aufschluchzend. .Er

wollte mich erst erringen, sagte er, da mein reicher Vater mich ihm, dem armen Buchhalter, nicht zur Frau geben würde, obwohl sein Sinn gar nicht nach Reichthum stehe und er am glücklichsten sein würde, könnte er mit mir in ganz einfachen Verhältnissen leben." Der Schlaukopf!", schaltete Ferdinand ein. Er kannte sehr genau die Federn, auf die man bt dir drücken' mußte. Du warst natürlich von diesem Gedank:n entzückt." Das war ich. Er erzählte mir von seinem Elternhause in Zerbst, mit dem sich bis an die alte Stadtmauer erstreckenden, von dem kleinen Flusse bespülten Garten, von dem friedlichen, idyllischen Leben in der alten, weitabgelegenen Stadt, und wir schwärmten davon, dort miteinander wohnen zu können. Als nun die Katastrophe hereinbrach, hielt ich unsere Zeit für gekommen. Nun der Vater arm war, konnte er mich ja dem armen, geliebten Manne nicht versagen." Deshalb warst du so muthig. fo heiter, so wenig gebeugt von dem Schicksalswechsel. Arme Clelia, du hattest die Rechnung ohne Theodor Sanders gemacht." Das hatte ich. Erst nachträglich ist es mir eingefallen, daß er sich von der Stunde an, wo unser armer Vater die Waffe gegen sich erhoben, geflissentlich von mir zurückgezogen hat, in meinem blinden Vertrauen dachte ich damals nicht daran. Als er dann entlassen ward " Er hat uns das sehr nahe gelegt," warf Ferdinand dazwischen. Auch das noch! Doch es kann sein Maß nicht voller machen, als es bereits ist!" seufzte Clelia. Als er entlassen ward und in Gegenwart unserer Mutter einen steifen Abschied von mir nehmen wollte, gingen mir die Augen immer noch nicht auf. Ich bestellte ihn am Abend hierher, und hier an dieser Stelle mußte ich die tiefste Schmach erdulden, die einem liebenden, vertrauenden Weibe von einem Manne zugefügt werden kann. In kalten Worten erklärte er mir, daß all' feine Liebe und Hingebung eitel Lug und Heuchelei geWesen war, daß sein heißes Bemühen nicht mir, sondern der Tochter des reichen Fabrikbesitzers gegolten habe!" Der Bube!" knirschte Ferdinand und überlegte, ob er Clelia sagen solle, was ihm vor ein paarTagcn gesprächsweise von einem Geschäftsfreunde aus Hamburg mitgetheilt worden war. Theodor Sanders hatte sich mit der für sehr reich geltenden Wittwe eines Schiffsmaklers verlobt. Er beschloß, die Neuigkeit noch ein paar Tage für sich zu behalten, und bemühte sich, Clelia, die jetzt wieder in Thränen ausgeKrochen war. zu trösten. Sei ruhig, meine liebe Clelia, er verdient deine Liebe nicht, er war ein 'Elender!" Sie griff schnell nach dem Taschentuch und trocknete sich die Augen. Es sind auch nur Thränen des ohnmächtigen Hasses!" sagte sie. Ja, ich hasse ihn und werde nicht eher ruhen, bis ich mich an ihm gerächt habe!" Clelia!" Sage kein Wort!" rief sie. Dieser Haß ist jetzt mein köstlichstes Gut, ich werde es mir nicht nehmen lassen, und ich weiß, meine Zeit wird , kommen; wenn sie aber kommt, so muß ich reich sein, denn der Arme ist machtlos." Verwundert, erschrocken blickte der Bruder in ihr erregtes Gesicht, das im Mondschein geisterhaft bleich aussah. Viel, sehr viel hätte er ihr zu erwidern gehabt, er wagte jedoch heute nichts mehr zu sagen. Allmälig hoffte er durch seinen Zuspruch lindernd und sänftigend auf ihr wundes Gemüth einzuwirken. Er geleitete sie durck den Park nach dem Wohnhause zurück und kleidete sich dann schleunig zu einem abendlichen Ausgang an. Die Unterredung mit der Schwester hatte in ihm noch die Sehnsucht erhöht, in die treuen, guten Augen seines Füchschens, wie Sophie Grower kosend genannt wurde, zu schauen. Sophie war das Nesthäkchen des wackeren Meisters und seiner ehrsamen Frau und das einzige von sieben Kindern, das noch im Hause war. Zwei Töchter waren verheirathet, ein Sohn saß bereits in eigener Schmiede in der Neustadt von Magdeburg, ein zweiter, der studirt hatte, war Pastor auf einem Dorfe in Pommern, die anderen beiden als Handwerksgesellen auf der Wanderschaft. Cs war dem Schmiedemeister nicht ganz leicht geworden, die Söhne etwas lernen zu lassen und den Töchtern eine Aussteuer zu geben; mit Fleiß und Sparsamkeit hatten er und seine Frau es aber geschafft, und es war auch so viel übrig geblieben, um der Jüngsten eine besonders gute Erziehung zu geben, das heißt, sie in eine Töchterschule zu schicken,' dieselbe, die auch Clelia Hammers besucht hatte. Der romantische Sinn der Letzteren hatte in dem Umgang mit der Handwerkerstochter wieder eine besondere Bethätigung gefunden, und Frau Hammers hatte keinen Grund gesehen, ihr den Verkehr mit dem wohlerzogenen Mädchen zu verbieten. So war Sophie eine Zeitlang häusig in das Hammers'sche Haus gekommen, die Beziehungen hatten jedoch nach ihrer Einsegnung mehr und mehr aufgehört. Ihre verständigen Eltern hatten eingesehen, daß der Besuch des reichen Hauses für ihre Tochter nicht passe, und ihm ein Ende gemacht, ohne daß dieVerbindung ganz abgebrochen worden wäre. Clelia und Sophie hatten sich noch ab und zu besucht, erst nachdem das Unglück über ihre Familie gekommen war, hatte Clelia diese Besuche schroff eingestellt. Sie hatte gehofft, dadurch auch die Verbindung zwischen Sophie und ihrem Bruder zu zerreißen, die sich schon während ' der Schuljahre angeknüpft und deren Mittelsperson sie geworden war. Ferdinand aber bedürfte ihrer nicht mehr, denn er war im &afc

ren Sinne des Wortes vor die rechte Schmiede gegangen. Er hatte Meister Grower bald nach der Katastrophe in der Fabrik ganz ehrlich erklärt, daß er seine Tochter liebe und beirathen wolle, daß er aber in den nächsten Jahren noch nicht daran senken könne und auch jetzt seinem von vielen Sorgen bedrückten Vater nicht mit dem Ansinnen einer Verlobung kommen dürfe. Erlauben Sie, daß Sophie und ich uns unter Ihren und Ihrer Frau Augen sehen dürfen, das ist besser, als wenn wir es im Geheimen und auf Schleichwegen thun müssen," hatte er gesagt. Wäre Adolf Hammers noch der reiche Fabrikbesitzer gewesen, würde Ferdinand mit seiner Bitte bei dem Schmiedemeister schwerlich Gehör gefunden haben; da man aber in der Stadt von dem Umschwung der VerHältnisse Kenntnisse hatte, erachtete er den Abstand zwischen sich und Hammers nicht für so übermäßig und achtete auch die Gründe, die Ferdinand bestimmten, über seine Wahl gegen die Eltern noch Stillschweigen zu'beobachten; zudem war er dem jungen Manne selbst sehr gewogen und vermochte seinem Liebling nicht gut etwas abzuschlagen. So war es denn gekommen, daß Ferdinand Hammers in jeder Woche ein paar Abende im Hause des Schmiedemeisters Grower in der Ulrichstraße zubrackte. Auch jetzt lenkte er seine Schritte dahin und fand Vater, Mutter und Tochter in der Wohnstube. Wie draußen in der Fabrik, so war auch in der im Hausflur befindlichen Schmiede das Feuer erloschen, der Lärm der Hämmer und Blasebälge verstummt und die Werkstatt zu Ehren des morgigen Sonntags aufgeräumt. Meister Grower, der soeben seine Abendmahlzeit beendet hatte, rauchte die Pfeife und las mit der Brille auf der Nase die Zeitung, seine Frau war noch beschäftigt, den Tisch abzuräumen, Sophie aber, die spähend am Fenster gestanden hatte, kam dem Geliebten schon an der Thür entgegen. Sie war ein schlankes Mädchen mit rothem Haar, grauen Augen, blendend weißer Hautfarbe, einem Stumpfnäschen und sehr frischen Lippen. Ferdinand die hübsche runde, aber die Spuren der Arbeit tragende Hand reichend, rief sie, rückwärts gewendet, mit triumphierendem Blick dem Vater zu: Siehst du wohl, da ist er doch. Du sagtest, er würde heute nicht kommen." Haben Sie mir das wirklich zugetraut?" fragte Ferdinand, dem Alten die Hand bietend. Dieser legte die Zeitung aus den schwärzlichen Fingern, nahm auch die Pfeife aus demMunde und sagte, während sein grobgeschnittenes, faltenreiches Gesicht schmunzelte: Na. nar man kann immer nicht wissen, was solch' einem jungen Herrn über den Weg läuft. H6?te mich schon darein ergeben, heute um mein Sonnabendconcert zu kommen." Ich hoffe, Sophie hat ein besseres Zutrauen zu mir," sagte Ferdinand, sich zärtlich zu dem jungen Mädchen neigend, das ihm durch einen warmen Händedruck antwortete. Der Vater neckte weiter: Ach, Füchschen hat ja einen Köhlerglauben, der ist nicht umzubringen." Und du treibst es heute wieder ärger, als du solltest, Vater," mischte sich die Frau ein; plage dock die Kinder nicht so; hast freilich selber nicht eher Ruhe, bis Ferdinand da ist." Ihre guten, etwas, matten Augen richteten sich dabei mit einem Blick auf den künftigen Schwiegersohn, in dem sich eine große Zuneigung aussprach, und der Alte, der wieder nach seiner Zeitung gegriffen hatte, brummte zwar etwas in den Bart, es war ihm aber unschwer anzumerken, wie wohl ihm Ferdinands Gegenwart that. Ich bin heute länger aufgehalten worden," erklärte dieser. Die Erinnerung an den Auftritt mit der Schwester ließ ihn bei diesen Worten so trübe dreinschauen, daß Sophie besorgt fragte: Es hat doch keine neuen Unannehmlichkeiten im Geschäft gegeben?" Nein, nein, mein Lieb," versicherte er mit schnell entrunzelter Stirn, im Gegentheil, wir haben eine recht gute Woche hinter uns. Laß uns jetzt singen und froh miteinander sein." Arm in Arm traten sie an das im Hintergrunde des großen, gut bürgerlich eingerichteten Zimmers stehende .Piano, und bald klangen ihre gut eingesungenen Stimmen zusammen. Vater Grower hatte Zeitung und Pfeife fortgelegt, die Mutter dagegen den Strickstrumpf zur Hand genommen, aber sie lauschte nicht weniger andächtig als ihr Mann. Lied auf Lied erklang. Später faßen die Vier im traulichen Gespräch beisammen, bis draußen der Pfiff des Nachtwachters, der die zehnte Stunde verkündete, hörbar ward; ein Zeichen, daß der Gast unweigerlich Abschied zu nehmen habe. Denn Meister Grower hielt in feinem Hause auf Ordnung.

(Fortsetzung folgt.) Frauengüte. Die Güte einer Frau geht oft so weit, Daß milde sie sogar verzeiht Dem schwergeprüften, armen Mann Das Unrecht, das sie ihm ge:han. Eine gute Freundin. Frl. Bertha: Ich möchte einmal nur um meiner selbst willen geliebt werden!" ,Freundin: Dazu bist Du doch nicht reich genug!" Unangenehm. A.: Nun. Frau Stadtrath, Sie haben Ihre Marie wieder entlassen?" Frau Stadtrath: Ja, bei der wurde man zu oft mit dem Dienstmädchen verwechselt!-

Für die Küchc.

GekochteKalbszunge. Eine schöne Kalbszunge wird sauber gewaschen und ebenfalls in Salzwassee weich gekocht. Ist dies geschehen, so häutet man sie ab, garnirt mit Petersilie und gibt die Zunge zu grünem Gemüse. Kaltes Geflügelbrot. In Fleischextraktbouillon kocht man zwei junge Ragouthühner weich, zieht thnen nach dem Erkalten die Haut ab, löst alles Fleisch von den Knochen, wiegt es und stößt es dann fein, worauf man es mit dicker, weißer Sauce, die aus der Geflügelbrühe bereitet wird, zu -dickem Brei vermischt und diesen dann durch ein feines Sieb rührt. Mit einer lauwarmen, guten Fleischsulz wird eine glatte, mittelgroße Form am Boden fingerdick ausgegossen und die Schicht nach dem Ersteren mit ausgestochenen Trüffelscheiben belegt. Der Geflügelbrei wird mit knapp einem Pint der lauwarmen Fleischsulz vermischt und in die Form gefüllt, in der man ihn sechs Stunden in Eis stellt. Beim Stürzen wird das Geflllgelbrot mit gehackter, verschieden gefärbter Fleischsulz garnirt. Eine Mayonnaise paßt gut dazu. Rominter Jagdgericht.. Zwei Salzheringe werden über Nacht in Milch gelegt, welche noch einmal erneuert wird; dann werden die Heringe gut gehäutet, sorgfältig entgrätet und in feine Würfel geschnitten. Etwa dreißig mehlreicheKartoffeln kocht man in der Schale, zieht sie ab und schneifcct sie nach dem Erkalten in gleichmäßige Scheiben. Zwei Zwiebeln und anderthalb Pfund Schinken nebst feinem Speck werden in Würfel geschnitten. Eine Vlechform oder glatte feuer feste irdene Form wird sodann dick mit Butter ausgestrichen, unten eineSchicht Kartoffelscheiben hineingelegt, dann Schinken-, Häringes- und ZwiebelWürfel darüber gestreut und die Form abwechselnd so gefüllt; Kartoffelschci ben bilden die oberste Schicht. Zuletzt verquirlt man dicke saure Sahne mit etwas Pfeffer und Salz, gießt sie über die Kartoffeln, legt zuletzt noch Butterstückchen darauf und bäckt das Gericht eine Stunde im Ofen. Rinder-Filet mit Gel6e. Zwei Pfund Rinderfilet, ein Theelöffel Salz, 1$ Unze Butter, ein halbes Pint Bouillon aus 90 Gran Fleischextrakt und 90 Gran Fleisch-Pepton, 2 Eßlöffel Burgunder, 2 Blatt weiße Gelatine. Das Filet wird sorgsam enthäutet, geklopft und gesalzen; man bräune die Butter in einem kleinen Kochgefäß, in welchem das Filet recht eng liegt und brate dann das Fleisch unter öfterem Umwenden 20 Minuten (im Ofen 15 Minuten), während dessen die Bouillon aus Fleisch-Extrakt und -Pepton zugießend. Zuletzt fügt man den Burgunder und die einige Minuten in kaltem Wasser geweichte Gelatine hinzu. Man legt das Filet in einen Porzellannapf, gießt das GeUt darüber und entfernt, wenn das Fleisch erkaltet ist, alles Fett. Ebenso bereitet man Roastbeef. Lammsrücken mit Kräuter sau ce. Das gut abgelegene Vorderviertel eines fleischigen Lammes wird leicht gewaschen, getrocknet, mit Salz und weißem Pfeffer eingerieben und in gebräunter Butter, mit einem Vutterpapier bedeckt, im Ofen 1 Stunde gebraten. Nach Ablauf dieser Zeit läßt man den Braten sich goldgelb färben, macht zwischen Bug und Schulter einen Einschnitt und streicht in diesen ein Stück frische Butter, Citronensaft und CayennePfeffer, was dem Fleisch einen pikanten Geschmack verleiht Wünscht man die Bratensauce zu dem Lammsrücken zu geben, so muß diese verrührt mit Mehl feimig gemacht werden und garnirt man das Fleischstück in diesem Fall mit jungen Gemüsen, wie Schoten, Bohnen, Spargeln und Karotten. Eigenartig und zu dem leicht ein wenig weichlich schmeckenden Fleisch besonders passend ist die in England allgemein gebräuchliche Mint Sauce", wie sie aus drei Eßlöffeln fein gewiegtenPfefferminzblättern, zwei Eßlöffeln Zucker und einem Tassenkopf gutem Weinessig hergestellt wird. Zu bemerken ist, daß diese Saure einige Stunden vor dem Gebrauch bereitet werden muß, damit das Aroma genügend auszieht, und daß das verwendete Kraut nicht die gewöhnliche Pfefferminze, fondern die sogenannte Frauenminze" sein muß. Kartoffelsuppe. Für je vier Personen schneidet man so viel Suppenwurzeln klein, daß sie eine gehäufte Untertasse voll ergeben. Durch Zusatz einiger Spargelstangen und Pilze, sowie etwas Blumenkohl wird die Mischung verfeinert. Nunmehr zerlaßt man in einem Suppentopf drei Viertel Unze Butter, thut die Wurzeln hinzu und dünstet sie fest zugedeckt auf nicht zu heißer Stelle des Herdes so lange, bis Alles gleichmäßig weich ist. Die Butte.? darf dabei nicht anbrennen. Sodann gießt man ein Quart kochenden Wassers auf und legt ein Pfund geschälter und in Stückchen geschnittener roher Kartoffeln hinein. Man muß nun noch zwei Stunden kochen, bis Alles aufgelöst ist. schmeckt hiernach mit dem erforderlichen Salz und etwas weißem Pfeffer ab, macht noch einen Zusatz von guter Bouillon und gießt die würzige Suppe durch einen Durchschlag ab. Der Pantoffelheld vor Gericht. Richter: Es zeugt überhaupt von großer Frechheit, daß Sie keine Bedenken trugen, den Diebstahl am hellen Tage auszuführen." Angeklagter: Ja. Herr Richter Abends läßt meine Frau mich garnicht fort." Es ist modern. Anregung, nur noch in Aufregung zu finden.