Indiana Tribüne, Volume 22, Number 35, Indianapolis, Marion County, 23 October 1898 — Page 2
?cr Kächcr.
Der Gebrauch der Fächer stammt euZ dem Orient, aus China und In dien; in jene Länder weisen uns die ; ersten Spuren. Im alten Egypten I und Assyrien wurde der Fächer vou Mann. Weib und Kind jeglichen U ters und jeglichen Standes gebraucht. Und der König pflegte im Besitze eines besonders kostbaren, mit Perlen und Edelgestein geschmückten Fächers zu sein; doch trug er ihn nicht selbst, sondem seinem ersten Untergebenen und höchsten Beamten ward dies Zeichen königlicher Würde anvertraut, ihm damit gleichsam seines Herrschers Macht übergeben, so daß diese Fächerträger". welche oft das Geschick vieler Bölkerschaften in ihrer Hand trugen, weit und breit geehrt, aber auch gefürchtet wurden. Mit dem Untergange der alten egyptischen und assyrischen Reiche verschwanden auch jene Fächerträger. Doch finden wir wieder im alten Rom Fächer in Männerhänden, aber nicht in gebietenden, sich ihrer Macht bewußten Händen, sondern in jenen der Sklaven, welche zur Zeit üp pigster Entartung jenen sittenlosen, leichtfertigen Frauen des Kaiserreichs dienen mußten. Als im 5. Jahrhundert v. Christi in Griechenland die Pfauen bekannt zu werden anfingen, kamen die Fächer von Pfauenfedern auf. In Athen betrachtete man den Fälher gleichsam als Scepter der Schönhcit; dort stand er schon aus diesem Grunde bei den Frauen hoch in Ehren. Die Fächer jener Zeit waren noch sehr primitive; sie waren meist, einemWedel gleich, lediglich aus lose zusammengefügten Federn gefertigt. Ackerbautreibende Stämme bedienten sich großer Blätter an langen Sticlen, Hirtenvölker der Schweifquasten ihrer Heerden, Jagdvölker der Fittiche eines Vogels u. s. w. Und diese. höchst urwüchsigen Fächer mußten drei Dienste verrichten: das Feuer, dem Blasebalg gleich, entfachen, lästige Infesten verscheuchen und Kühlung zufächeln. Die Fächerpalme war ganz besonders mit ihrer breiten Fläche und ihrer, im trockenen Zustande spröden Masse dazu geeignet. War das Blatt zu groß, so wurde die eine gefiederte Blattseite an den Stengel geflochten. Daraus entstand der Fahnenfächer. Später, als man alle gefiedertenTheile kreisförmig um den Stiel gruppirte, entstand der Radfächer. Diese beiden waren die Urtypen, aus denen sich die Form eines Faltenfächers entwickelte. Durch die schnelle Vergänglichkeit der primitiven Vlattfächer war man gezwungen, nach einemErsatz aus bauerhafterem Stoff zu suchen. Thierhäute, Geflechte und Gewebe allerlei Art aus Baum- und Pflanzenfasern, Holz, Metall, Knochen, Horn, Elfendein boten wohl geeignetes Material. Die ersten Faltenfächer sollen auch in China ihre Heimath gehabt haben; jedenfalls ist das himmlische Reich" die Stätte der verbreitetsten Fächerfabrikation. es werden dort alljährlich über 300 Millionen Stück angefertigt. Das eigene Land verbraucht selbst eine Unzahl Fächer, da jedweder Einwohner des Reiches der Mitte, weß Standes, Ranges, Geschlechtes er auch sei, einen Fächer trägt. Eine große Ausfuhr fand bereits zu huheren Zeiten aus China statt, hauptsächlich nach Italien und Spanien, denn diese Lander ge brauchten den Fächer weit früher als Deutschland und Frankreich. Spanien ist die Heimath des Fächers in Europa. Die berühmten Granden von Spanien erschienen ihrer Zeit selbst zu Senats sttzungen mit Fächern. Heutzutage trägt ihn die Hand des ärmsten Bett lers wre der vornehmsten und gering ften Spanierin. Der Spanierin hoch entwickelte Grazie beim Gebrauch des Fächers ist weltbekannt. Höchst eigenartig war die Mode der Fahnenfacher, welche rruS Indien und Persien nach Europa kamen. Die kostbarsten Stoffe wurden dazu verarbertct. Das Vorrecht der weißen Fahnenfächer, welche auS Pergament und Seide gefertigt waren, blieb nur den Bräuten vorbehalten. Diese Fahnen fächer bürgerten sich In Deutschland wenig em. Die Alleinherrscherin Mode machte in Frankreich zur Zeit Ludwigs XIV. aus dem Faches einen Gegenstand des großen Luxus. Die Stäbchen wurden aus dem kostbarsten Material, wie Perlmutter, Schildpatt. Elfenbein, Gold, Silber, Stahl n. f. w. gefertigt. Statt des bedruckten Papiers sehen wir kostbare Seidenstoffe, radförmig die Stäbchen überspannend. Berühmte Künstler l?erschmähten ts nicht, die Fachn rmt Bildnissen, Emblemen, Landschaften, allegorischen Darstellungen 11. f. w. zu schmücken. So haben zene alten Fächer oft einen großen Werth. 5000 bis 10,000 Francs losten echte Wattean Fächer, welche von Museen als kostbare Schatze gehütet werden. Durch die Revolution wurde die Fächerlaune und -Verschwendung verdrängt, bis der Fächer erst wieder in unsere? Zeit nicht nur einen wesentlichen Bestandtheil des eleganten Damenputzes liefert, sondern auch die Statte zu reicher, künstlerischer Entfaltuna bietet, sei es für den Pinsel, für das Schnitzmesser oder für die feinste Nadelarbelt. Wahrend man zur Rococcozeit meist auf Papier oder Schwanenhaut malte, gibt man jetzt Seide. Rips, Atlas, Seidengaze u. s. w. den Vorzug zur Bekleidung der Facher. Glc'ch beliebt wie die vornehm men Fächer mit Ctcaußenfedern sind die zierlich geschnitzten, aber schlecht wedelnden Elfenocinsacher. Kindermund. Lehrer: Also Leute, welche schlechte Kleider und nichts zu essen haben, nennt man arm: wie heißen aber Leute, welche Schätze MkN? VM'o DienstmavHen!"
ßin Wcttlünd. Von Käthe Schirmacher. Nus der Vogelwiese rt er sie gefragt: giebst du mich Luise? Und sie hat ja gesagt... Die Melodie dieses Gassenhauers
wurde von den Trompeten eines Sonntagsora)esters in den Tanzsaal des dicken Schankwirths Johann Grothe hineingeschmettert. Mann und Weib drehte sich dort flott im Kreise, so daß der Staub bis an die Decke flog, die bunten Fahnen und Papierguirlanden an den Wänden fast verhüllte, den Musikanten in die ewig trockene Kehldrang, den derben Tänzern und den drallen Tänzebinnen Lach und Hustenreiz verursachte. Bis auf den letzten Platz war Alles voll. Der Plankenboden ächzte rhythmisch unter der Last der Tanzenden, und wer sich nicht im Reigen schwang, saß rauchend oder trinkend an den Tischen um denSaal, die alle schon mit klebrig nassen Ringen, dem Zeichen eines starken Bierconsums, bedeckt waren. Wie rothe Punkte schimmerten die Petroleumbecken durch die heiße, dicke Luft, in welcher Spiritussen und Lampendunst, Tabaksqualm und der Geruch erhitzterMenschen sich vermischten, jo vag stch schwere Tropfen an den Fenstern des Balllocales niederschlugen. ' In einer regen Geschäftsgegend und zugleich in der Nähe einer großen Maschinenfabrik gelegen, war Johann Grothe's Ballhaus .Zum wilden Mann" der Sammelplatz einer ganz wunderlich zusammengesetzten Kundschaft. Es kamen einerseits die Merkursjünger des Stadtviertels, vom jüngsten Krämersputz bis zum ersten Verkäufer. Sie alle, eher schlank als breit gebaut, mehr auf Gewandtheit, Schliff, Manieren gebend, als auf Kraft, prangten bei diesen Vallfesten in möglichst hellen, groß gestreiften oder groß karrirten Beinkleidern. Sie trugen bunte Westen. geblümte Kravatten mit falschen Busennadeln, wellten sich die Haare, kannten den Gebrauch der Bartbinde, rochen nach Eau de mille Fleur oder Lavendelwasser und drückten die Hand ihrer Tänzerinnen mitFingern, die unechte Siegelringe trugen. Sie waren sämmtlich sehr conservativ, haßten die Socialdemokratie und strebten danach, wohlhabende Bourgeois zu werden. Ganz verschieden traten die Maschinenbaucr auf, welche den anderen Theil von Johann Grothe's Kundschaft bildeten. Breitschulterige, breithüftige Gestalten trugen sie Sonntags mit Stolz den einfachen, jedoch vom feinsten blauen Tuch gefertigten Rock des auskömmlich gestellten Arbeiters. Sie verachteten Locken und gekräuselten Schnurrbart, bunte Kravatten, Similinadeln, Talmiuhrketten und unechte Ringe. Das Haar kurz geschoren und eneraisch gebürstet, den Sblivs von dunkler Farbe in einen einfachen, doch flotten 5woten gebunden, die Füße in Stülpstiefeln und die Hände ohne blanke Reifen, so traten die Maschinenbauer vor vle Tänzerinnen. Waren sie auch nickt alle Sociali sten, so fühlten sie sich doch den Kaufmannsiünalinaen aeaenllber als Arbeiter, als Volk, und dies trug nicht gerade dazu bei, den Wilden mann" zu einem Aufenthalt des Fne dens zu gestalten. Mehr als einmal waren die Männer von der Elle und die vom Hammer sich unter den rauckiaen Vetroleumlamven. an den klebrigen Biertischen in die locken - Haare, m die geblümten Kra satten und blauen Halstücher gera rhen; bald war's um eine dumme Re densart. bald um eine volitiscbe An srcht, bald auch um eine schöne Helena .zu homerischen Kämpfen gekommen. Die schöne Helena bei Johann Gro ihe war irgend eine Magd im Putz. Zm Balllocal zum Wilden Mann" herrschten die Dienstmädchen als Köni innen. Sie glichen sich insofern alle, als sie die Woche über den Besen oder den Kochlöffel schwangen, Kinder warteten und Strümpfe stopften, am Sonntag .aber voller SeligkeitMarktkorb,Wischtxmtx und Kehrichtfaß vergaßen, sich XLUVä Beste wuschen, kämmten, fristr ten und parfümirten, die festgeschnürte, dicke oder feine Taille in ihr Sonnlagsgewand steckten und dann oft rnals in den gestickten Röcken und den feinen Schuhen ihrer Herrinnen im Wilden Mann" zum Tanze gingen. Unterschiede gab es jedoch auch zwischen ihnen. So waren sie im Ganzen weit kos mopolitischer als ihre Tänzer. Diese stammten mit wenigen Ausnahmen aus der Gegend; die Mädchen aber aus so ziemlich allen Theilen Deutschlands. Die eine war mit einer Ofnclersfami lie aus dem Tlsaß, die andere mit einem Richter aus Hannover gekommen. Diese hatte mit ihrer Herrschaft mehrere Jahre in Berlin verbracht und sagte nur noch Ick" und Jotte doch". Andere, aus halbpolnischen Provinzen untermischten ihr Deutsch mit so viel Swenta Marja, wie ihnen unentbehrlich schien. ' Doch auch in ihrer socialen Stellung unterschieden sich die Mädchen. Die aus dem ersten und zweiten Stock der Bürgerhäuser zogen sich etwas von den Mädchen für Alles" aus der dritten, vierten und fünften Etage zurück. Auch hielten es Erstere mehr mit den Ellenreitern und Letztere mehr mit den Hammerschl'agern. Doch ließ der allsiegende Eros diese gesellschaftlichen Vorurtheile nicht immer gelten, er machte sich im Geaentbeil I oft einen Spaß daraus, die Liebeslei-
denschaftcn so recht boshaft durchein ander zu wirren. Das neckische Kind
der Venus suhlte sich bei Johann Gro the, in dieser Atmosphäre behaglichen Genießens breiter, derber Freude, inmitten dieser sorglos lärmenden gro ßen Binder, die hier hin und wieder eine echte Liebe, meistens jedoch nur etnen zeitweiligen Schatz, stets abcr augenblickliche Zerstreuung suchen !amen, äußerst wohl. Seit zcbn Minuten wirbelten die Paare nach dem Dreivierteltact des lustigen Kupferschmieds im Saale umber. scbcn beaannen die Reiben der Tänzer sich zu lichten, und zuletzt bewegte sich nur noch em einziges Paar in dem weiten Saale allein auf und ab. Es schien die Musikanten durch seine Ausdauer ermüden zu wollen, und diese, auf den Scherz eingehend, bliesen, strichen und paukten nur um so lustiger drauf los. Durch das Ungewohnte dieses Schauspiels entstand eine förmliche Bewegung im Saale, das Publikum aus der Schänlstube drängte sich hinzu, manche, stiegen, um besser sehen zu können, aus die Stühle, uno während die Mädchen sich in die Seite stießen und die unermüdliche Tänzerin als gar zu toll", als dreist", als keck" bekrittelten, tönte es von den Vierti sehen: Das Blitzmädel, die Wetterhexe, die wilde Hummel. Ein flotter Verkäufer endlich nannte sie mit ruhigem Kennerblick: Ein feines Weib! Das war sie, und der stämmige Maschinenbauer. der seinen Arm um Niekens pralle Taille gelegt, ihren jungen, warmen Körper in dem hellgrauen Kleide mit kirschrothem Besatz an sich ruhen fühlte, empfand das auch. Von Riekens unbändiger Tanzlust hingerissen, wirbelte er sie Mal auf Mal im Saale herum, fein blonder Schnurrbart streifte ihie frischen Lippen, ihre künstlich gekräu, elten Stirnhaare berührten seine Schläfe. Er fühlte ihre Hand vertraulich in der seinen und von der Schönheit seiner Tänzerin berauscht, schwenkte er sie fast wie im Traume umher und wußte doch, daß Alle ihn in diesem Augenblicke beneideten. Die Musikanten setzten endlich ab, Ricke und der Maschinenbauer kamen plötzlich zur Besinnung. Da erhob sich ein wahrer Beifallssturm um sie, Hände und Gläser wurden ihnen entgegengestreckt und Alles drängte sich ihnen entgegen. Der junge Mann, als er die rothen Gesichter, die begehrlichen Blicke auf seine Tänzerin gerichtet sah, ballte unwillig die Faust und versuchte Nieke aus dem Gedränge fortzuziehen. Als ihm dies nicht gelang, griff er erregt nach einem Glase Bier, stürzte es hinunter und blieb dann, die Hände trotzig in den Hosentaschen, die Augen unverwandt auf das graue, lirschroth besetzte Kleid gerichtet, an einem Pfeiler stehen. Riete ihrerseits war prachtvoll. Den Kops mit dem rothgoldenen Haar ein wenig in den Nacken geworfen, mit großen, glänzenden Augen, die vollen Lippen halb geöffnet, trank sie mit wahrer Siegesfreude die Huldigungen, die man ihr entgegenbrachte. Wie ein Fisch im Wasser, schwamm sie in diesem Meere von Leidenschaften, welche sie erregten. Sie fand es ganz natürlich, daß sie so gefeiert wurde, sie hörte mit Stolz, jedoch auch mit Gutmüthigkeit Alles an, was man ihr von Artigkeiten sagte, und ob sie gleich von einer geradezu herausfordernden Schönheit war, konnte doch nur der Neid sie frech" nennen, so selbstverständlich nahm sie Alles hin. Sie suchte nicht Schmeichelei und Huldigung, sondern geruhte huldvollst nicht zurückzuweisen, was ihre Sklaven ihr entgegenbrachten. Unter ihren Bewunderern war auch der flotte Verkäufer, der sie vorher ein feines Weib genannt, und von dem man erzählte, daß er kürzlich eine Erbschaft gemacht und nächstens als Theilhaber in das Geschäft seines Principals eintreten werde. Als Rieke ihm jedoch keine sonderliche Aufmerksamkeit schenkte, sondern von 5ieit m Äeit nach dem trotzig dastehenden Maschinenbauer blickte, zog er sich mit seinem Lächeln zurück, r wunderte sich auch nicht, als während des nächsten Tanzes Rieke und ihr vorheriger Partner durch eine Seitenthür in den hinter dem Ballhaus liegenden herbstlichen Garten und den OctoberMondschein hinaustraten. Am nächsten Sonntag wußte alle Welt, daß Rieke mit dem Maschinenbauer Friedrichs versprochen sei, und daß sie drei Jahre auf ' ihn warten wurde. Denn ,trtms war am Dienstag nach dem Ball zum dreijährigen Dienste auf der kaiserlichen Marine eingezogen worden. Er'kriegt ja alle Jahre Urlaub," sagte Rieke lachend, als ihre Freundinnen ihr das Zweifelhafte, Unsichere eines solchen Verlöbnisses vorhielten. Und auf Fräulein ??riederike kann man sich verlassen," erklärte sm-erseits der flotte Verkäufer mit vielsagendem Lächeln, wenn er und seine Collegen am Stammtische in Ermangelung wichtigerer Dinge die Heiraths - Aussichten des Maschinenbauers Friedrichs erörterten. Rieke diente bei einer verwittweten Justizräthin, einer guten) Dame, der Riekens Tüchtigkeit im Dienst, sowie" ihr schneidiges Wesen im Verkehr mit Handlern, Post- und Steuerboten fast etwas impomrte. Mit den zwei Söhnen des Hauses war Rieke rasch fertig geworden: wenn einer sie küssen wollte, theilte sie Ohrfeigen KuS. Wirtlich lieb hatte Rieke jedoch das verwachsene Gretchen. die etwa 16iährige Tochter des Hauses, die sich auch lhrerfelti an Rieke anschloß. Ost sah man seltsamer Contrast
die stramme, dralle Riele in hochge- I
schnürte? Taille, mit Litzen, Schnuren und großen Knöpfen garmrt, am Slu chentisch mit dem dürftigen, verkllmmerten, blaß aussehenden kleinen Bürgermädchen zusammensitzen. Gretchen bewunderte die stattliche, gesunde Rieke, die ihre Straft und Lebensfreude wie einen Sonnenschein um sich verbreitete. Und Rieke hatte Mitleid mit d?m armen, verquerten Ding, das niemals gutsitzende ZNeider tragen, sich nie auf einem Tanzboden sehen lassen und sicherlich auch keinen Mann sinden würde. So war denn Gretchen die erste der Familie, welche von Riekens Verlobung erfuhr und die den echt goldenen Ring mit sechs kleinen, ein Vergißmeinnicht bildenden Türkisen bewundein durfte, den Friedrichs seiner Braut geschenkt. Gretchen ward gleichfalls an einem Abend, als Dienerin und Tochter des Hauses allein in der Wohnung waren, die goldene' Uhr und schwere, goldene Kette gezeigt, die der Maschinenbauer Ricken als Pfand" seiner Liebe und Treue ausgezwungen hatte. Es ist ja aber eine Herrenuhr, Rieke," meinte das junge Mädchen schüchtern. Na ja," entgegnete Rieke, es is ja seine ich soll se ihm blos aufheben, bis er wiederkommt " Und wenn er nicht kommt, können Sie sie behalten?" fragte Gretchen, die dabei sofort an dos Leihamt dachte und diese Art, seine Liebe zu verpfänden, sehr prosaisch fand. Gott bewahr'," sagte Rieke lustig, um Friedrichs feine Kett' is mir nich zu thun. Er hat vielleicht gemeint, er bind' mich damit eine Kett' an's Bein, aber Fräulein, wenn ich ihm nich lieben thät', so nähm' ich ihm trotz alle Kettens von de Welt nich. Glauben Se mir man." Und Gretchen glaubte es, so gutmüthig ehrlich lachte Rieke sie an. Rieke kaufte sich nach ihrer Verlobung wie zuvor hübsche Kleider mit buntem Besatz, feine Schuhe und vor Allem theuere Corsetts. Nach wie vor ging sie auch im Wilden Mann" zum Tanz. Das Tanzen war ihre größte Lebensfreude. Manchesmal faßte sie sogar zum Spaß in der Küche das verwachsene Gretchen in ihre derbe Arme, lehrte es die Pas und schwenkte die dürftige Gestalt gutmüthig auf und ab. Gretchen leuchteten dabei die Augen, sie bekam rothe Bäckchen und durch Riekens begeisterte Schilderungen erschien ihr bald das Ballhaus zum Wilden Mann" als das non plus ultra aller Freuden. Weniger einverstanden mit Riekens Tanzfreuden war 'Maschinenbauer Friedrichs. Fräulein," sagte Rieke darüber eines Tages zu Gretchen, können Sie, r?jt r . a w r rr rx..:ci : jJ v was oenicni zja jcgicioi imty der Friedrichs, ich soll nich mehr tanzen jehn. Er is wohl dumm! Nich tanzen? Was hab' ich denn noch für Vergnüjen? Er meint wohl, ich soll mich hinsetzen un auf seinen Vergißmirnichring hinkucken und mich mit seinem dicken Zwieback von Uhr die Zeit vertreiben? Is nich, so hab'n wir nich jewettet. Amüsiren will ich mir treu bleib' tch ihm schon. Und Rieke ging, sich amüsiren. Friedrichs Briefe wurden dringen der: Rieke möge bei ihrer Liebe bitte er sie darum den Wilden Mann" nicht mehr besuchen. Quatsch is er," brummte Rieke. Wenn er mir zu viel zusetzt, schick' ich ihm seinen Kram zurück!" Dabei schnippte sie mit dem Vergißmeinnicht rina hin und her. Aber er liebt Sie doch,Rieke," wagte Gretchen schüchtern zu sagen. Wenn er mir liebt," entgegnete Rieke mit Ueberzeugung, soll er mich mein Vergnügen lassen und mir mch kurranzen." Was kann ich dafür, Fräulein," fuhr sie dann fort, daß die Männer mir alle so ueoen. Sehen Se, ich war noch ganz jung und jing nach die Schul' in Kobbelbud' aus's Land, da war einer, der lief mich immer nach und plagt mir, ich sollt' ihn heirathen. Ru' bitt' ich Ihn' Freileinchen, was sollt' mich das, war ja en oodenarer Fischer aus Koooelbud, was werd' ich mir da wegwerfen. ' Was ist denn aus ihm geworden? fragte Gretchen ganz gerührt. Na, Fräulein, er hat jetrunken." ,.OH Gott, und warum?" Ja, Fräulein, er liebte mir zu sehr. Wo ist er denn geblieben?" Nachher is er gestorben," sagte Rieke mit einer schönen Ruhe, während Gretchen ganz entsetzt auf das Madchen starrte. Ach." fuhr Rieke fort und lachte dabei unbefangen wie ein Kind, das is ja nich der Einzigste jewesen. Da war der (ohn vom Gastwirtb in Len kendorf, wo ich jedient hab'. Der hat mir schrecklich jeliebt!" Ich hab' ihn aber immer ausjelacht, war ja noch solch em griner Jung'." Da hat er dann jesagt: Lachen Sie nicht, Fräulein Friederike ich werde ein schreckliches Ende machen." h," unterbrach Gretchen, was ist denn gejcheyene Na was? Er hat sich todtjeschossen, sagte Rieke harmlos. Oh Rieke, Sie haben den Mann doch auf dem Gewissen " Das hat seine Schwester auch jeri " ra:. kt:(.r.ut:rj: uyi, iiitwut wiicic iuuupiuj. Hätten Sie ihn denn aeheirathet? Wo werd' ich ihm heirathen, wenn de Mannsleut' doch so toll sind nich besehen konnt' ich ihm." Damit griff Rieke zum Messer und ging ein Huhn schlachten, Gretchen in großer Erregung zurücklassend. Wie konnte die autmüthige Rieke gegen die
Mannsleut" nur so hartherzig sein?
Gretchen begriff das nicht. Sehr wohl begriff sie aber. danRieke nicht den Tanzboden dem Bräutigam, lonoern eher den Bräutigam dem Tanzboden opfern würde. Nach wie vor ging diese in den Wilden Mann" und als Friedrichs sich damit nicht zufrieden geben wollte, zog Rieke eines schönen Tages den Vergißmeinnichtring vom Finger, suchte die goldene Uhr und Kette aus dem Grunde ihrer Lade hervor und spedirte", wie ste sich ausdrückte. Alles dem Maschinenbauer nach Kiel zurück. Sie wollte, so erklärte sie Gretchen, sich noch amüsiren, so sehr liebte sie ihn doch nicht. Ich find' auch zehn für einen," setzte sie hinzu, ich brauch' nur die Finger auszustrecken." Und während Gretchen. trotzdem sie Rieke herzlich gern hatte, doch nicht umhin konnte, sie zu tadeln, sie hartherzig und leichtsinnig zu schelten und mit geschlossenen Augen davon zu träumen, daß eine große Neigung auch vielleicht einmal an ste, Gretchen, herantreten würde, um sie dann hingebend, aufopfernd, treu bis in den Tod zu finden, während dessen visirte Rieke bereits nach einem neuen Schatze. Nicht lange, und sie erklärte Gretchen, und als ein Zeichen, daß es nun ernst sei, auch Gretchens Mutter: Ich hab' mir rni' endlich verlobt!" Gegen wen?" rief der älteste Sohn des Hauses aus dem Nebenzimmer. Mit dem neuen Compagnon von Laut & Hartner, das große SchnittWaarengeschäft auf der Neugaß," sagte Rieke stolz bescheiden. Sämmtliche Anwesende blieben sprachlos. Der Sohn des Hauses faßte sich zuerst: Du bist in der Wahl Deines Zukünftigen vorsichtig gewesen, meine Tochter," sagte er. Die Frau Justizräthin sah Rieke bereits im eigenen Wagen fahren. Und nur das weichherzige Gretchen dachte an den Schmerz, den diese Nachricht einem der kaiserlichen Marinesoldaten in Kiel bereiten mußte. Der neue Compagnon von Laut & Hartner aber war jener flotte Verkäufer, der Ricken einst, an ihrem Verlobungsabend mit Friedrichs, ein feines Weib genannt hatte und der gewußt, in welchem Sinne man sich auf sie verlassen konnte. Acht Wochen später rauschte Rieke in schwarzem Atlas zum Standesamt. In weißer Robe, Myrthenkranz mit gemachten Blüthen und Schleier trat sie an den Altar. Hell, freudig und stattlich stand ste neben ihrem flotten Mann, laut und entschieden sprach sie das Ja. Entschieden nahm sie auch die Zügel ihres Hauswesens in die Hand. Bald erkannte Niemand mehr das frühere Dienstmädchen ?n ihr. Mit mir und mich stellte sie sich bald auf den richtigen Fuß, und der Tag kam, an dem die Frau Justizrath ihre Rieke wirklich im eigenen Wagen durch die' Straßen fahren sah. Der Fischer, der sich einstmals um sie todtgetrunken, der Gastwirthssohn, der sich um sie todtgeschossen, der Maschinenbauer Friedrichs, welcher auf der Wache bittere Thränen in feinen blonden Bart rinnen fühlte und ohnmächtig die Faust in der Tasche ballte sie Alle haben Riekens Seelenfrieden nie gestört denn Ricke geht's in jeder Hinsicht gut. lErtappt. Frau Pinkerl hatte ihren Herrn Gemahl im Verdacht, daß er hie und da die Köchin küsse. Das mußte natürlich auf seine Richtigkeit hin geprüft werden und wenn dann wehe! Lange überlegte sie hin und her, wie sie es anstelle, den Pflichtvergessenen zu ertappen. Endlich hatte sie es. Sie steckte sich, nachdem sie die Leni fortgeschickt hatte, als die Stunde nahte, in der Herr Pinkerl vom Bureau heimzukommen pflegte, in deren Küchenkleider und wartete wie eine Spinne im Netz. Sie hatte es Pinkerl sehr bequem gemacht er brauchte nicht einmal die Wohnungsthüre aufzusperren, diese hatte sie weit aufgelassen und sich mit dem Rücken gegen dieselbe gesetzt, daß er sie wohl gleich erblicke, aber nicht er kenne. Trapp 1 Trapp da kam er schon und dieser Elende! Es wurden ihr die Augen zugehalten und dann wurde sie aogekußt, daß sie absolut nicht im Stande war, zu schreien, wie sie es gerne gewollt hatte. Endlich schien dieser Scheusal von Mann gesättigt; aber nun drehte sie sich um, ihn zu vernichten!' ! ! Ihr wurde schwarz vor den Augen. Kern Wunder! Schwarz von oben bis unten stand der Kaminkehrer vor ihr und machte ein furchtbar entsetztes Gesicht es war aber auch zu schauerlich, was er sah, das Gesicht der Frau Plnkerl geschwärzt, das war zu viel! Er ergriff die Flucht. Mit dem Rücken an der Wand lehnte Pinkerl. Er hatte den Zusammenhang sofort begriffen es war ja nicht das erste Mal, daß ihm seine Frau romantische Proben ihrer Eifersucht gab die von heute war allerdings die gelungenste. Nein so was er kämpfte gegen einen Erstickungsanfall vor Lachen natürlich. Kindliche Folgerung Der kleine Paul: Papa, was ist eiacntlich ein Musensohn?" Vater: Das ist ein Student. Dein ältester Bruder also, welcher studirt, ist auch ein Musobn." Der kleine Paul: Ach, dann bist Du also ein Musenvater, nicht
Ein Wahrzeichen Kopenhagens. Zu den bedeutungsvollsten Städten
des europäischen Nordens gehört unstreitig die Residenz des dänischen Ro nigre:chs, das am Sund belegene Kopenhagen, mit seinen alterthümlichen Bauten, von denen viele ihre besondere interessante Geschichte haben. Die ver kehrsreiche Straße, die Kwbmagewgade. die das Centrum der Residenzstadt mit der volksrcichen Vorstadt Norrebro verbindet, führt durch das nnnrticr at'm Kopenhagens und an dem in letzterer Zelt soviel erwähnten Runden Thurm" vorüber. Hier zwischen dem Thurm, der in die Straße hinausreicht und der gegenüber gelegenen Negenz" (Collesiurn regiurn), die von Christian IV. 1628 gestiftete Freistätte für fleißige Studenten, deren Zahl über 190 beträgt, bildet sich ein Engpaß, der dem stets wachsenden Verkehr nicht mehr entspricht und daher die Idee bei einigen Ingenieuren hervorgerufen hat. den Thurm nach amerikanischen Beispielen auf die entgegengesetzteSeite der daran stoßenden Trinitatiskirche zu versetzen. Um sich eine Vorstellung von diesem kühnen Plane zu machen, sei hier erwähnt, daß der Thurm bis zur Platform 34 Meter hoch ist und einen Durchmesser von 15 Metern hat. Das Material besteht aus Backsteinen. Der rundeThurm. Der Thurm wurde zu astronomischen Zwecken aufgeführt und zwar 1656 nach den Plänen des Astronomen Christian Longomontanus vom Baumeister Hans Steenwinkel dem Jüngeren. Auf der äußeren Mauer des einst der Urania geweihten Thurms befindet sich eine Inschrift, die aus einer Mischung von Latein, Hebräisch und Zeichenspräche besteht, oder aus einem antiken ,Rebus vom Prof. Thomas Bang. Die Losung ist: Doctxinam et justitmni dirige Jcliova in cordo coronati regis Cliristiani Qnarti 1642. Doch diese hiero-symbolische" Inschrift an der Mauer sieht so aus: Doetrinamer, darunter ein horizontal liegendes Schwert, unter welchem Niri steht; dann folgt A.douai mit hebräischen Buchstaben, ferner in, darunter ein Herz, das auf einer Krone ruht, welche wieder die Ziffer C IV, das Namenszeichen des Erbauers, krönt. Vereinfachung. Fräulein: Warum haben Sie mir denn diesen Liebesbriefsteller zugeschickt?" Herr (zärtlich): Den gefühlvollsten Brief sollen Sie sich aussuchen, Vertha, den unterschreibe ich!" Verrath. Frau: Jean, mein Mann ist nicht wohl, bringen Sie ihm eine Wärm flasche!" Jean: Jawohl, sofort Rum oder Cognac?" Besondere Gunst. Ht (fr Freund: Aber, Mensch, wie kannst Du denn leiden, daß Deine Schwiegermutter die Hochzeitsreise mitmacht?" Junger Ehemann: Ach, ich bin froh, dafe ich überhaupt mitgenommen werde!"
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Verfeinerte Redensa r t. Während einer momentanen Stockung im Gespräch flüstert dieDame des Hauses ihrem Gatten zu: Merk auf, Tulpenthal, ein Engelche geht durch Zimlner." Commerzienrath: Wie hattzt Zimmer? Es geht durch einen Salon!"
So kommt's.
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!i iiiii'iiu: t..Trrrr, !! iMilii: WWM "'.y-yS ''Mi I" . "i-'j :.'.,''"' X.r ymk ,X T-..'.-y -r1 VW.,Ä'MVK s W MM mmrfrtm vi nw um Frau (die studirt hat. zu ihrem Manne): Wie, Arthur, Du willst mir Vorschriften machen, mir, die ich mit Rote I approbirt bin?" Durchschaut. Wirth: Die Herrschaften befinden sich wohl aus der Hochzeitsreise?" Herr: Ja deshalb möchten wir aber doch ein gut zubereitetes Mittag essen haben!" m j m Umgesattelt. Kreuzhimmeldonnerwetter, wollen Sie sofort das Maul halten - Fällt uns gar nicht ein." Wie, was, Ruhestörung, werd' Ihnen schon. helfen, bitte um Ihre Namen!" Commerzienrath Levy Kohn." Re gierungsrath Querkopf." Staatsanmalt Dreschflegel!" Darf ich den Herren vielleicht eine Droschke desorgen?" Gefährliche Paffion. Wer ist der Herr dort, dem einArm, ein Bein und ein Auge fehlt, gewiß ein. Kriegsveteran?" Nein, ein reicher Privatier, der sich zu seinem Vergnügen mit der Erfindung von Sprengstoffen beschäftigt!" Ein Schlaumeier. Gigerl (am Rock die Knöpfe abzählend): Sie liebt mich liebt mich nicht liebt mich liebt mich nicht Donnerwetter. Johann, gleich na hen S' mir da noch 'n Knopf an!" DerBergfex. Wozu nehmen Sie einen Führer, Herr Börseles der Aufstieg ist ia nicht gefährlich?" Wer soll mir denn den Bergstock tragen?" Auf der Sekundärbahn. Passagier (auf der Secunbärbahn zum Conducteur): Sagen Sie mir, warum hat der Gemcindebote ein Freibillet?" Ganz einfach. Der ist immer früher neben dem Zug hergegangen, und da haben uns die Leute so ausgzlacht, daß ihm die Direction eine Freikarte gegeben hat." . .
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