Indiana Tribüne, Volume 22, Number 28, Indianapolis, Marion County, 16 October 1898 — Page 3

Mfmd über.

Stattn von Ludwig Habicht. (5. Foitsetzung.) SEenn du nur glücklich bist, dann ist llles gut, dann soll mir kein Opfer zu groß sein!" murmelte er, und wieder stutzte Alberta. War eine Mitgift von sechzigtausend Mark und eine gute Ausstattung denn ein großesOpfer für einen so reichen Mann, als welcher ihr Vater doch überall galt? Er mochte die Verwunderung in ihtem Gesichte gelesen haben, denn er fügte schnell hinzu: Ich wollte sagen, für dein Glück wäre mir kein Opfer zu groß; bis jetzt habe ich ja noch keines bringen müssen. Du darfst es heute mit mir nicht so genau nehmen, AI berta, ich habe den Kopf recht voll, muß sogleich zu einer wichtigen Unterredung ausgehen. Auf Wiedersehen bei ZU sche, da sprechen wir uns weiter." Er küßte sie auf die Stirn, stand auf und schob sie nach der Thür. ' Als er sich wieder allein sah, schlang er die Hände ineinander und stöhnt:: Wenn du wüßtest, was ich für dich gethan habe und jetzt weiter für dich thun muß!" Der Weg, den Vöster zu gehen hatte und zu dem er sich jetzt rüstete, führte ihn zu dem Schiedsmann seines Bezirkes, von dem er eine Aufforderung erhalten hatte, sich zu einer Verhandlung bei ihm einzufinden. Er wußte, was seiner daselbst wartete. Regierungsrath v. Boltenj'tern hatte den Bankier sofort nach seiner Rückkehr von Wiesenburg aufgesucht, ihm die von der Gräfin Franziska ausgestellte Vollmacht vorgelegt und ihn aufgefordert, zu erklären, was er über den Verbleib der Werthpapiere des Grafen wisse. Vöster, der darauf vorbereitet war, daß die Dame sich bei dem von ihm erhaltenen Bescheide nicht beruhigen werde, hatte sich aber keinen Augenblick aus der Fassung bringen lassen. Was ich über die Angelegenheit weiß, habe ich der Gräfin Ballerstädt bereits geschrieben, eine andere Erklärung vermag ich nicht zu geben und bin erstaunt, daß man mich in der Angelegenheit nochmals behelligt," halte er mit hochgezogenen Brauen und mit ganz gelassenem Tone geantwortet. Es ist ja kein Mißtrauen, das ich Ihnen zeigen möchte," hatte der Regierungsrath darauf artig versichert, und der Bankier hatte darauf erwidert: Mir ist es auch gar nicht in den Sinn gekommen, ein solches zu befürchten, das wäre unter meiner Würde." Sie müssen bedenken, es ist das V1 1 Tl mm anze Vermögen ver Gräfin, it kommt urcb dessen Verlust in die mi&Ii&sit Lage, man darf nicht unversucht lassen, sie wieder in dessen Besitz zu bringen," hatte derRegierungsrath darauf gewissermaßen entschuldigend gesagt, und Böster hatte kaum die Bewegung zu verbergen vermocht, die sich bei dieser Eröffnung seiner bemächtigte. Aber es half ja jetzt nichts mehr. Er mußte vorwärts auf der einmal eingeschlagerien Bahn. Er nahm alle seine Kraft zusammen und spielte seine Rolle so vortrefflich, daß . der Negierungsrath seinen Verdacht fahren ließ. Diese Stimmung hatte jedoch nur einige Tage vorgehalten, während welcher Zeit der Regierungsrath nach den verschiedensten Seiten Nachforschungen nach den verschwundenen Papieren angestellt, ohne nur die leiseste Spur zu finden. Inzwischen hatte ihn auch der Bron v. Lichtenberg besucht, der ihm mitgetheilt, was zwischen ihnen borgegangen war, und Franziska hatte ihm geschrieben, das sie einem Agenten übertragen habe. Schloß und Park Wiesenburg zu vermiethen, und daß sie selbst schon in den nächsten Tagen abzureisen gedenke. Das alles hatte auf den Regierungrath eingewirkt, er machte sich den Vorwurf, daß er sich doch gar zu leicht habe abweisen lassen, und schrieb an den Bankier, er könne sich doch nicht so ohne weiteres bei seiner Erklärung be ruhigen. Darauf war ihm eine abweisende Antwort zu Theil geworden, und nun hatte er, immer in der Hoffnung, noch auf gütlichem Wege etwas zu erreichen, dieSache vor den Schiedsmann gebracht. Die beiden Herren standen sich in der Wohnung des letzteren, dem Böster wohlbekannt war, gegenüber. Der Regierungsrath brachte sein Anliegen vor, und der Schiedsmann forderte nicht ohne eine gewisse Befangenheit den Bankier auf, sich zu äußern. Er stand in seinem Herzen völlig auf dessen Seite und fand es unerhört, daß ein Mann wie der Bankier Rudolf Böster sich gegen eine solche Anschuldigung noch vertheidigen solle. Böster. der sehr wohl erkannte, wie günstig für ihn die Dinge lagen, zeigte sich diesmal noch ruhiger und vornehmer als bei der ersten Unterredung mit dem Negierungsrath. und forderte diesen zunächst auf, er möge doch seinen an die Gräfin Ballerstädt geschriebenen Brief vorlegen; als Boltenstern erwiderte, daß er nicht in dessen Besitz sei, lächelte er ein wenig und bemerkte : Das wäre doch eigentlich erforderlich gewesen. Herr Regierungsrath; leider kann ich keine Copie vorlegen. Ich hatte eine solche nicht genommen, da ich die Sache völlig als Privatangelegenheit ansah und mit dieser Antwort für abgethan hielt. Das thut indeß nichts, ich weiß sehr wohl noch, was ich geschrieben habe und kann es, wenn nicht dem Wortlaut, so doch dem Sinne nach wiederholen." Er gab nun den Inhalt des Briefes wieder, begründete denselben noch ausführlicher und sagte dann, sich an den Schiedsmann wendend: Ich hoffe, Herr Heyse, Sie werden mir bezeugen, daß ich damit alles gethan habe, was in meiner Macht steht." .

Doch nicht ganz.- erwiderte, bevor der Schiedsmann antworten konnte, der Regierungsrath, den des Bankiers kühle Ueberlegenheit gereizt hatte. Ich möchte vielmehr vorschlagen, daß Sie Ihre Aussage hier in Gegenwart des Herrn Schiedsmannes beschwören." Herr Negierungsrath, einen Eid abzunehmen ist nicht meines Amtes!" warf hier derSchiedsmann dazwischen, mir liegt ob, die Parteien zu einem gütlichen Vergleich zu bestimmen " Das sollen Sie auch in diesem Falle, mein verehrter Herr," fiel ihm der Regierungsrath m's Wort. Wenn Herr Böster sich dazu versteht, zu beschwören, daß er von dem Verbleib des gräflich Vallerstädt'schen .Vermögens nichts weiß, dann erkläre ich die Angelegenheit, soweit sie ihn betrifft, für abgethan." Dazu werde ich mich auf keinen Fall verstehen," sagte jetzt, auch erregt werdend, der Bankier. Wenn man die Wahrheit meiner Angaben bezweifelt, so mag man mich verklagen und den Beweis bringen, daß Herr Graf v. Ballerstädt mir fünfmalhunderttausend Mark in Werthpapieren übergeben hat." Ist das Ihr letztes Wort, Herr Böster?" fragte der Negierungsrath. Mein letztes." Das dürfte in dieser Angelegenheit doch noch nicht gesprochen sein," entgegnete Boltenstern und empfahl sich mit einer sehr steifen Verbeugung. Auch derBankier entfernte sich, nachdem der Schiedsmann ihm noch mit einem Händedruck die Versicherung gegeben, wie er es tief bedauere, daß ein Mann wie er sich gegen einen so nichtswürdigen, aus der Luft gegriffenen Verdacht habe vertheidigen müssen.' Aber Sie haben sich trefflich gehalten, es war mir ein Vergnügen, es mit anzusehen," fügte er händereibend hinzu. Der Sturm wäre glücklich abgeschlagen und sie können mir auch ferner nichts anhaben, ich bin ein Thor, wenn ich mich noch weiter beunruhige!" dachte Böster, während er von der Markgrafenstraße, in der die Wohnung des Schiedsmannes lag, nach der Taubenstraße zurückkehrte. Und die Gräfin, die du um ihr Vermögen gebracht hast," raunte ihm sein Gewissen zu; er suchte es aber mit der Erwiderung zum Schweigen zu bringen: Sie wird nicht Noth leiden; sie hat noch weit mehr, als sie zum Leben braucht, nur den Luxus, den aristokratischen Prunk muß sie entbehren. Bei mir aber ging's um Leben und Tod. Was hätte ohne diesen Glücksfall aus mir und den Meinigen werden sollen? Und wie gern ich es jetzt auch ändern wollte, ich kann es nicht mehr. Ich bin schon viel zu weit gegangen, es giebt für mich kein Zurück mehr, also vorwärts denn, vorwarts!' Und fort mit allen unnützen Gewissensbedenken!" Mit erhobenem Haupte betrat der Bankier sein Geschäftslokal, unterzeichnete die inzwischen geschriebenen Briefe, traf einige Anordnungen und begab sich dann hinauf in seine Privatwohnung, denn die Stunde sür das gemeinschaftliche Mittagsmahl hatte geschlagen. . Auch sein Sohn ZZsritz. der Baumeisier, hatte sich dazu eingefunden. Man setzte sich in dem mit eichenen, geschnitzten Möbeln ausgestatteten Speisezimmer an dem für vier Personen sorgfältig gedeckten Tisch nieder, doch nur Frau Böster sprach den wohlzubereiteten Speisen mit Wohlbehagen zu, während ihr Gatte sich lediglich den An. schein gab, dies zu thun. Er sprach viel, lachte, scherzte mit Alberta und befahl, noch eine besonders gute Flasche Wein aus dem Keller heraufzubringen, weil er mit der Tochter auf ihre Zukunft anstoßen wolle; aber seine Hand zitterte, als er das Glas erhob, - und Alberta fühlte sich durch sein fieberhaft aufgeregtes Wesen so geängstigt, daß ihr der Appetit verging. Und auch Fritz, der sonst eine gute Mahlzeit und ein erlesenes Glas Wein zu schätzen wußte, besaß heute nicht die rechte Empfänglichkeit dafür. Er hatte vor der Ankunft des Vaters ein Gespräch mit der Mutter gehabt, das ihn in Gedanken noch jetzt beschäftigte.

7. Fritz Böster, der Liebling seiner Mutter und ihr in der Gesichtsbildung wie in der bequemen Sorglosigkeit seines Charakters recht ähnlich, war etwa eine halbe Stunde vor der für das gemeinschaftliche Mittagsmahl bestimmten Zeit in das Wohnzimmer getreten, wo Frau Böster sich auf der Chaiselongue von den Strapazen des Vormittags ausruhte, und hatte ihr noch von der Thür aus zugerufen : Ich komme soeben von Löbbeke's, Mutter. Sie haben noch keine Einladung erhalten. Wie geht das zu?" Frau Böster richtete sich aus ihrer bequemen Stellung auf und sagte zögernd und verlegen: Ach Gott, Fritzchen, die Einladungen sind ja geschrieben und couvertirt, aber sie liegen noch da, ich habe sie noch nicht abgeschickt." Aber ich hatte dich doch so sehr darum gebeten!" rief der junge Baumeister und lief in seinem Unmuth auf dem Teppich vor der Mutter hin und her. Ich habe bei Löbbeke schon davon gesprochen, du bringst mich in die größte Verlegenheit " Das mag ja alles sein, mein Sohn bitte, setze dich, mir wird ganz schwindelig von deinem Hin- und Herlaufen," schob sie ein, ohne daß der Sohn die Mahnung beachtete, aber sieh einmal, die Leute passen ja gar nicht zu unseren anderen Gästen." Weshalb denn nicht?" fragte er. vor ihr stehen bleibend. All die Leute, die ihr im Kaiserhof" zusammengebeten habt,' besitzen zusammen nicht so viel Geld, wie der alte Löbbeke allein." Ja, ja, Geld mag er ja wohl haben," gab Frau Böster zu, .aber die

Bildung und daS Herkommen ein ehemaliger Budiker!" Frik lachte laut und verächtlich. Wer frägt denn heutzutage noch danach, wo das Geld herkommt? Das haben wir endlich von den Amerikanern gelernt. Und was die Bildung anbelangt?! Du lieber Himmel, dies ein: Mal wird es mit dem Alten wohl noch auszuhalten sein; Aristokraten sind die .Schramms doch auch nicht gerade, die Löbbeke'schen Mädchen haben auch die Höhere Töchterschule besucht und geben den anderen nichts nach. Wo sind die Einladungen, Mutter, ich möchte sie sogleich fortschicken." Sie seufzte. Ach, Fritz, du denkst also wirklich ernstlich daran?" Ganz gewiß; ich werde mir doch inen solchen Goldfisch wie die Rosa Löbbeke nicht entgehen lassen?! Die Alma, die zweite Schwester, wäre eigentlich mehr nach meinem Geschmack, aber der Alte verheirathet die Jüngstc nicht vor der Aeltesten." Und du willst die Rosa wirklich zur Frau nehmen?" Gewiß. Der Alte muß ihr minde-. stens eine Million mitgeben, darunter thue ich's nicht." Aber Fritzchen, das hast du doch an nicht nöthig!" Frau Bosters Blicke überflogen wohlgefällig das hübsche, aber schwammige Gesicht und die schn stark zur Corpulenz neigende Gestalt des Sohnes. Wieso nicht?" Dein Vater ist ja selbst ein reicher Mann." Der Baumeister fachte laut und häßlich. Und da meinst du. der dritte Theil oder die Hälfte dessen, was ich einmal von ihm zu erwarten habe, sollte mir genügen? Nein, liebe Mutter, unter uns gesagt, ich habe tvnt so große Vorstellungen von dem Neichthum des Vaters. Wer heutzutage nicht Spekulationsgeschäfte an der Börse macht, kann's nicht wei: bringen; mit den Provisionen, ote er verdient, und seinen sonstigen Geschäften" Sage das nicht," unterbrach n ihn, denn sie hatte gar keine Lust, sich von der Vorstellung, daß sie die Frau eines reichen Mannes sei, abbringen zu lassen. Er hat erst vor ein paar Wochen meines Bruders Wechsel von dreimalhunderttausend Mark gedeckt, hat erklärt, es mache ihm gar nichts aus, eine Weile auf die Zinsen meines Vermögens verzichten zu müssen, und hat sogar Alberta's Mitgift schon hinterlegt, auch werden alle Rechnungen über ihre Aussteuer sogleich baar bezahlt." Fritz zuckte die Achseln. Klappern gehört zum Handwerk! Das mag aber sein wie es will, ich begnüge mich damit nicht und will mich auch nicht mein ganzes Leben lang schinden und quälen, sondern möglichst bald Millwnär werden. Ich stehe in Unterhandlung über die Judenwiesen. Da soll ein ganz neues Villenviertel gebaut werden. Dabei ist colossal zu verdienen, es gehört freilich auch ein riesiges Anlagecapital, dazu, und meinst du, daß der Vater mir das geben würde?" Sie schüttelte den Kopf. So viel kann er dem Geschäft nicht entziehen ; mehr als Albertas Mitgift .beträgt, würde er dir schwerlich geben." Ein Bettelpfennig, mit dem sich nur ein Simpel wie Gustav Schramm zufrieden erklären kann," lachte er verächtlich. Du siehst also, Mutter, es bleibt mir gar nichts übrig, als Rosa Löbbeke zu heiratherr." Frau Böster schwieg einen Augenblick, dann sagte sie: Ueberlege es dir noch, mein Sohn, eine sehr reiche Frau wird dem Manne oft recht unbequem." Bist du es etwa dem Vater geworden?" fragte er, schmeichelnd ihre Hand ergreifend, bereute aber schon, dieses Thema berührt zu haben, denn Frau Böster sagte mit einem verhimmelnden Blick und sentimentalem Ton: Ach, ich hab' ihm ja nur eine bescheidene Mitgift zugebracht, und wir liebten uns zu innig." Sie schickte sich er., dem Sohne die schon oft gehörte Geschichte ihrer Liebe und Heirath und wie sie sich ihren Gatten erschmeichelt und erlistet habe, zu erzählen, er kam ihr jedoch zuvor, indem er sagte: Immerhin genug, um dem Vater Gelegenheit zu geben, sich herauf zu arbeiten, er wäre sonst sein Lebtag ein armer Buchhalter geblieben. Aber kommen wir jetzt wieder auf den Ausgangspunkt unseres Gespräches zurück. Schicke die Einladungen an Löbbekes." Nach Tisch, mein Sohn, nach Tisch!" erwiderte Frau Böster, die sich Dinge, die ihr unangenehm waren, immer wenigstens noch ein wenig vom Halse schob. Gut; weißt du was, ich werde sie selbst hintragen, das wird sich noch desser machen." Wie du willst," seufzte sie resignirt. Da höre ich deinen Vater kommen. Thue mir den Gefallen und schweige bei Tisch von der Geschichte, die Dienstboten sperren die Ohren auf und wissen immer mehr von allem, was in der Familie vorgeht, als unsereinem lieb sein kann." , Ehe der Sohn etwas zu erwidern vermochte, trat der Bankier in's Zimmer, Alberta erschien ebenfalls, man ging zu Tische, und das Mittagsmahl verlief äußerlich in recht heiterer Weise, in Wahrheit war aber jeder mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt. Das Gespräch mit der Mutter war keineswegs ohneEindruck auf den Baumeister geblieben. War er dadurch auch nicht in seinem Entschluß, um jeden Preis eine sehr reiche Frau zu heirathen, wankend geworen, so fühlte er doch recht stark das Unbehagen, das für ihn und seine Angehörigen aus seiner Verbindung mit der Tochter des reichgewordenen ungebildeten Budikers erwachsen würde, und er überlegte nochmals, ob sein Ziel nicht anderweitig zu erreichen sei. Man war noch beim Nachtisch, als GuIav Schramm eintrat, der mit sei-

ner Braut den Besuch des Deutschen Theaters verabredet und sich ausnahmsweise zeitig im Geschäft losgemacht hatte, um zuvor mit ihr und den Schwiegereltern den Kaffee zu trinken und noch einStündchen zu verplaudern. Gustav Schramm war ein untersetzter junger Mann im Anfang der Dreißig, mit einem intellioentenGesicbt, aus dem ein Paar graue Äugen ehrlich und treuherzig in die Welt blickten. Er war gut, aber ein wenig spießbürgerlich gekleidet und stach auch im Wesen und Benehmen sehr von dem Baumeister ab, der sich darauf steifte, den Feinen zu spielen. Nachdem Frau Böster die Tafel aufgehoben hatte, zog sie sowohl wie. ihr Gatte sich zu einem Mittagsschläfchen zurück, und das Brautpaar blieb mit Fritz in einem an das Speisezimmer stoßenden kleinen Zimmer allein, wo alles zum Kaffee hergerichtet war. den Alberta zu bereiten pflegte, sobald die Eltern ihrSchlummerstündchen beendet hatten. Frau Vöster war von Fritz, ehe sie das Zimmer verließ, nochmals an die Einladungskarten für Löbbekes gemahnt worden, und dies veranlaßte Gustav Schramm, als er sich mit seiner Braut und dem Schwager allein sah, zu der Frage: Die Löbbekes sollen also wirklich zur Hochzeit geladen werden?" Ist dir das nicht recht?" fragte Fritz scharf und ließ die Hand mit dem Messerchen, mit dem er soeben Vit Spitze einer Cigarre hatte abschneiden wollen, sinken. Recht?" lachte Gustav . gutmüthig. Ach, recht ist mir eigentlich keiner von den vielen fremden Leuten, die zur Hochzeit geladen sind. Ich feierte den Tag lieber im engsten Familienkreise, und Alberta denkt wie ich." Er schlang den Arm um seine neben ihm sitzende Braut und sah ihr zärtlich in die Augen. Turteltauben!" murmelte Fritz geringschätzig und doch mit einem Anslug von Neid, während er laut sagte : Das ist Geschmackssache. Uebrigens hat der Bankier Böster Verpflichtungen und kann seine Tochter nicht verheirathen wie Hinz und Kunz." Das sehen wir ein und darum fügen wir uns," sagte Alberta, die aufgestanden war und sich am Kaffeetisch zu schaffen machte. Sehr gütig von euch!" lachte der Baumeister spöttisch, aber ich habe immer noch nicht erfahren, was Gustav eigentlich gegen die Einladung der Familie Löbbeke hat." , Er wundert, sich wohl nur darüber, weil ich doch nie Verkehr mit den Mädchen gehabt habe," bemerkte Alberta, die einer Aeußerung ihres Verlobten zuvorzukommen wünschte, aber Gustav Schramm war bei aller Bescheidenheit und bei aller Rücksicht für seine Verlobte und deren Angehörigen nicht der Mann, der sich das Wort abschneiden ließ, wo er glaubte, daß es seine Pflicht sei zu reden. Sich ebenfalls von seinem Sitze erhebend und Alberta mit einem Händedruck um Verzeihung bittend, sagte er: Spielen wir . nicht Verstecke miteinander, lieber Fritz. Obwohl mir weder Herr Löbbeke noch seine Fräulein Töchter sympathisch sind, würde ich nichts gegen ihre Anwesenheit bei unserer Hochzeit einzuwenden haben, wüßte ich nicht, aus welchem Grunde du die Sache betreibst." Nun, und 'damit bist du nicht enu verstanden?" brauste Fritz auf. Gustav erwiderte ganz gelassen: Nem." Darf ich fragen, was du an ihnen auszusetzen hast?" Muß ich dir das wirklich erst sagen? Du hast zwei gesunde Augen, brauche sie und dann sage dir selbst, ob du mit einer Frau wie Rosa oder Alma Löbbeke glücklich werden kannst." Thue es nicht!" bat jetzt auch Alberta. laß dich nicht vom Gelde blenden!" Ach, ihr redet, wie ihr's versteht !" erwiderte Fritz ärgerlich. Ich muß Geld, viel Geld haben, und das Mädchen ist gar nicht so übel. Den Alten Heirathe ich ja nicht, den werde ich nach der Hochzeit schon abzuschütteln wissen!" Du dürftest das nicht so leicht sinden," sagte Gustav eindringlich. Fritz, noch einmal, laß dich warnen! Du machst dich unglücklich. Meine Geschwister kennen diese Löbbekes sehr genau." Er wollte des Schwagers Hand ergreifen, dieser entriß sie ihm jedoch und rief aufgebracht: Das geht aber docy wirklich zu weit. Sei so gut und kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten; ich weiß selbst, was mir zu thun oder zu lassen frommt." So gehe hin und renne in dein Verderben!" entgegnete Gustav Schramm, den jetzt die Geduld verließ. Frau Bösters Eintritt, dem wenige Minuten später der ihres Gatten folgte, machte dem Gespräch ein Ende. Bei sehr einsilbiger Unterhaltung wurde derKaffee getrunken, dann stand Fritz auf und erklärte, er müsse sogleich fort, seine Mutter solle ihm schnell die Karten geben. Die Vorstellungen des künftigen Schwagers hatten das Gegentheil bewirkt; Fritz war jetzt entschlössen, alle, die sich seinem vermeintliehen Glück entgegenstemmten, je eher, je lieber vor eine vollzogene Thatsache zu stellen. Er ging zum nächsten Halteplatz, nahm eine Droschke und gebot dem Kutscher, nach der Tauenzienstraße zu fahren.

8. 3, sehn Se 'mal, Herr Baumeester, da sind Se ja schon wieder!" grinste der alte Löbbeke, der in einem schmicrigen Schlafrock, mit großen Filzpantoffeln an den Füßen, in einer Hinter stube der großen Wohnung in seinem Hause in der Tauenzienerstraße saß und beimSchein einer Petroleumlampe

die Staatsbürgerzeitung", das Blatt, aus dem er mit Vorliebe seine politische Weisheit schöpfte, studirte. Seine Töchter Rosa und Alma lasen beim Licht derselben Lampe in Bänden, die durch ihrAeußeres als Eigenthum einer Leihbibliothek nicht gerade ersten Ranges bezeichnet wurden. Beim Eintritt des Baumeisters, den das die Thür öffnende Mädchen ohne weiteres nach dem Hinterzimmer geführt hatte, sprang Rosa auf und rief, Lotte solle doch sogleich vorn im rothen Zimmer das Gas anzünden, aber der Vater gab Gegenbefehl und sagte mit seiner heiser belegten Stimme: Wozu denn? Da vorn is es kalt; ich sitze am liebsten hier, und der Herr Baumeister is ja ein juter Freund, mit dem braucht man doch keene Umstände zu machen. Nich wahr, Baumeesterchen?" Er schlug Vöster mit seiner großen, harten Faust derb auf den Schenkel, und dieser beeilte sich, mit süßsaurem Gesichte zu versichern, daß es ihm hier sehr behaglich sei, obwohl er es in Wahrheit ganz abscheulich fand in dem kleinen, schlecht beleuchteten und gelüfteten Zimmer, das mit verkratzten, eingesessenen Möbeln ausgestattet und mit dem Duft von schlechtem Tabak und Speisen angefüllt war. Nu, was bringen Se'denn Jutes?" fuhr Löbbeke, sein rothbraunes Bulldoggengesicht zu einem listigen Lächeln verziehend, fort. Hast du mir nich erzählt, Alma, Herr Böster wäre heut'' schon 'mal hier jewesen?" Er wandte sich bei diesen Worten an seine jüngere Tochter, die eifrig in ihrem Buche weiter las und von dem Gast gar keine Notiz zu nehmen schien, während ihre Schwester sich um ihn bemühte, ihm einen Stuhl abgewischt und zurechtgerückt hatte und mit verliebten Blicken an seiner Erscheinung hing. BeideMädchen trugen übrigens hochmodern gemachte Kleider, waren auffallend und nach der neuesten Mode frisirt und bildeten so einen nichts weNiger als angenehm wirkenden Gegensatz zu der Umgebung. Sie haUen es bei ihrem Vater nach vielen Kämpfen durchgesetzt, daß sie im Hause stets fein gekleidet gehen durften, während er darauf beharrte, daß von der Wohnung. die er abwechselnd in einem seiner sieben Häuser, wie es ihm gerade am vortheilhaftesten erschien, inne hatte, nur eine kleine Stube benutzt wurde. Die mit einer gewissen Protzenhaftigkeit eingerichteten Vorderzimmer wurden nur bei seltenen Gelegenheiten geöffnet, die Möbel waren mit grauem Leinen überzogen, die Kronleuchter steckten in Säcken. Löbbeke erklärte es für eine heillose Verschwendung, alle Tage auf den theuren Stühlen und Sofas herumzusitzen, mit den Füßen die Teppiche zu vertreten und im Winter mehr als ein Zimmer zu heizen. Die beiden Schwestern sahen einander so ähnlich, daß sie für Zwillinge gehalten wurden, auch war Rosa in der That nur ein Jahr alter als Alma. Beide halten dunkles, nicht sehr reichlichesHaar, dem sie durch falsches nachzuhelfen wußten, eine vorgewölbte Stirn und hervorquellende runde Augen. Mund, Nase und Kinn würden in einem Paß die Bezeichnung gewöhnlich" erhalten haben; Rosa zeigte, da sie den Baumeister beständig anlächelte. zwei Reihen großer, aber gesunder Zähne. Beide Schwestern kannten keinen höheren Wunsch, als von Hause fortzukommen und ihres Lebens fern von dem geizigen Bater froh zu werden. Trotz ihres Reichthums war aber Rosa vierundzwanzig und Alma dreiundzwanzig Jahre alt geworden, ohne daß dieser Wunsch ihnen erfüllt worden wäre. Es hatten sich wohl, durch das Geld angelockt, Freier gefunden, aber zum Theil hatten sie sich zurückgezogen, sobald sie Vater und Töchter näher kennen gelernt, zum Theil hatte Löbbeke sich geweigert, den Bewerber anzunehmen, oder die Sache war auch daran gescheitert, daß man Alma begehrt hatte. Bei solchen Gelegenheiten hatte der Alte stets erklärt: Die Rosa ist die Aelteste und muß zuerst fort!" und war mit Eigensinn bei diesem Ausspruch geblieben. Auch Fritz Böster, der Alma im lebten Winter auf der Eisbahn kennen gelernt hatte, war zuerst willens geWesen, um diese anzuhalten; das Machtwort des Alten hatte ihn noch zeitig genug belehrt, daß er auf falschem Wege sei. Mit einer nicht gerade rühmenswerthen Geschmeidigkeit, hatte er eine Schwenkung vollzogen,, und Rosa war ihm bereitwillig genuz entgegengekommen. Böster gefiel ihr ganz gut, und es erhöhte seinen Werth in ihren Augen, daß sie ihn der Schwester abspenstig machte, die sich nun vor Neid verzehrte und einen bitteren Haß auf den Ungetr-uen geworfen hatte. Wer aber seinen besonderen Spaß an der Geschichte hatte, das. war der würdige Herr Löbbeke selbst, der leine Gelegenheit vorübergehen ließ, die Töchter aneinander zu hetzen. Auch jetzt sagte er mit hämischem Schmunzeln: Na, Almachen, is denn die Jeschichte, die du da liest, so sehr scheen. daß du jar nich davon weg kannst? Da sieh 'mal deine Schwester an. die weeß eher, was 'nem Gast zukommt." Alma antwortete nur durch ein Knurren, stützte die Arme auf den Tisch und las weiter. Fritz Vöster that, als ob er diese Unart gar nicht bemerke, sondern sagte: Sie haben ganz recht. Herr Löbbeke. ich war heute Vormittag in Ihrer AbWesenheit schon einmal hier, es zieht mich eben so oft nach Ihrem Hause. Heute Abend bin ich aber im Auftrage meiner Eltern gekommen; ich soll mit vielen Empfehlungen Ihnen und Jhren Fräulein Töchtern die Einladung zur Hochzeit meiner Schwester überbringen." Er legte bei 'diesen Worten die Einladungen auf den Tisch.

Also doch!" kicherte Löbbeke. hab's jar nich mehr erwartet." Er nahm das an ihn adressirte Couvert zur Hand und studirte die darin enthaltene Karte Wort für Wort. Dann schob er Alma die ihrige zu. Lies doch, Almachen," grinste er, da sie keine Miene machte, die Karte zu tu greifen, während Rosa mit einemFreudenschrei sie aufnahm und las. Na, Kleene, willst du nich lesen ? Freust du dich denn jar nich ein bis chen?" fuhr der Alte fort. Da sieh 'mal deineSchwester an.die springt den Baumeister vor Verjnügen ja beinahe an den Hals -r- na, überhaupt die beeden!"" ..... Alma fuhr auf, warf das Buch auf den Tisch und schoß mit den Worten Nun hab' ich's aber satt!" wie eine wilde Katze zur Thür hinaus. Böster schaute ihr in ehrlicher Betroffenheit, tfofa anscheinend sehr verwundert, de Alte aber mit lautem Lachen nach. Da sehen Sie nu, was Sie anjerichtet haben!" rief er dem Baumeister zu. Das is ja wie Katz und Hund. S' is Zeit, daß Sie ein Ende machen, und daß wieder Ruh und Ordnung in meinem Hause wird." Das war ein sehr deutlicher Wink, und der Baumeister wollte sich ihn nicht zum zweiten Mal geben lassen; wer konnte wissen, ob der wunderliche Alte nicht plötzlich anderen Sinnes würd r oder sich ein Bewerber einfand, der ihm noch Wünschenswerther erschien,, deshalb sagte er ursch entschlostnt Lieber Herr Löbbeke ich freue mich, daß Sie mit Ihrer gewohnten Klugheit schon längst gemerkt haben, wie es mjt. meinem Herzen steht. Ja, ich liebe Ihre Tochter Rosa und wenn ich das Glück hätte " Na, freilich ist's 'n GUick solche Joldfische wie meine Töchter sind rar." Herr Löboeke, mein Vater gehört zu den angesehensten Bankiers von Berlin, ich hätte es also nichts nöthig, auf. Geld zu sehen," suchte, sich der junge Baumeister ein wenig in die Brust zu werfen. Männeken. bei den Bankiers iZ nich alles Jold was jlanzt.. Da sind schon Jeschichten passirt,.daß einem dieHaare zu Berje stehen!" und der Alte fuhr sich über seinen ziemlich kahlen Scheitel. Böster wollte widersprechen, doch der alteLöbbeke fuhr sogleich fort: Schade nichts! Sie jefallen mir,. Baumeesterchen, und die Rosa is.ja janz verrückt in Ihnen, w,as soll ich da noch lange Jeschichten machen. Meinen Segen, Kinder, habt ihr! Aber eins sag' ich euch noch, morgen meld' ich euch beim Standesamt an und spätestens in vier Wochen muß die Jeschichte ein Ende haben; eine lange Brautschaft paßt mir nich." Damit schob er seine Tochter dem Baumeister zu und schlurfte aus dem Zimmer, das glückliche Paar sich selbst überlassend. Fritz Böster versuchte in den nächsten Tagen, mit seinem künftigen Schwiegervater über die von diesem zu erwartende Mitgift zu reden, vermochte aber Löbbeke nicht zu einer bestimmten Aeußerung zu bringen, und ebensowenig gelang dies bei seinem Vater, der sich endlich in's Mittel gelegt hatte. Mit echter Vauernschlauheit erwiderte der Alte: Ich habe nur zwee Kinder und was mein ist, das is ihr's. Mitnehmen kann ich nichts und weniger wird's nich, so lang ich's habe, und Wenn mein Schwiejersohn was braucht, dann soll er's nur sagen, dann bin ich da, und übrigens hat er mir ja erklärt, er heirathet meine Rosa jar nich wegen des Jeldes, er liebt ihr schrecklich." Der junge Böster sich ein, daß. es das Klügste sei,. sich vorläufig zu beruhigen, obwohl Gustav Schramm es war, der ihm rieth, darauf zu dringen, daß Löbbeke ihm eine bestimmte Mitgift zusichere. Löbbeke hatte, wirklich schon am folgenden Tage den Aus hang beim Stirn desamt bewirkt und ließ schleunigst in einem seiner Häuser, eine Wohnung für das junge Paar herrichten. Rudolf Böster.. der jetzt, sehr, empfindlich gegen die Meinung der. Leute geworden war, fürchtete, den Skandal eines Bruches, und sein Sohn schmeichelte sich mit der Hoffnung, er wnde, wenn er erst verheirathet sei, von dem Alten, schon herauspressen, was. er wolle, in welcher Meinung er von seiner Braut verstärkt Waid,, die nicht nur gegen ihn sehr zärtlich war, sondern, auch seinen Eltern sich als liebevolle Tochter zeigte und ganz besonders, seine ' Schwester in's. Herz geschlossen, zu haben schien. Auf der Hochzeit von Alberta und Gustav erschienen Rosa und Alma in sehr kostbaren Eostümen, die sie dem Vater abgetrotzt hatten, und dieser selbst in seinem Bratenrock, der schon manchen Sturm erlebt hatte. Wenige Wochen später wurde ebenfalls im Kaiserhof" die Hochzeit des Baumeisters Böster mit Rosa Löbbeke gefeiert.

(Fortsetzung folgt.) v Abgew int t. Er: Fräulein Amalie, ich liebe Sie rasend!" Sie: Sie glücklicher haben schon Jemand, den Sie lieben, ich noÄ nicht!" PassendeAntwort. Geck (selbstgefällig): Wie mancher glühender Liebesblick aus schönen Mädchenäugen hat mich schon getroffen!" Herr (trocken): Kein Wunder, daß Ihnen da die Haare so abgesengt sind!" Geheilt. Ich hofo, Karl, unser Junge wird nie wieder rauchen ' Gatte: Das hoffe ich auch apiz U stimmt; ich habe ihn, denk ib. von seiner Neigung für die Cigarren gründlich curirt!" Gattin: Wie ha:: Du denn das angefangen?" Gatte: Ich habe ihn in mein Zimmer eingeschlofsen und ihm eine von den Cigarren vorgeraucht, die Du mir zu meinem Geburtstag geschenkt hast."

Für dle MHc.

Geflügelsuvpe. Von einen alten Huhn und ein Paar Tauben koche man eine kräftige Brühe, welcher man zur Verbesserung noch etwas Rindfleisch oderKalbfleisch hinzufügen kann. Nachdem das Fleisch gut ausgeschäumt ist, thue man etwas Wurzelwerk und Salz in die Bouillon und lasse das Fleisch langsam gar werden; dann gieße man die Suppe durch ein Vrühsieb, zerschneide das Geflügel, nachdem das Fleisch von den Knochen gelöst ist, in kleine Stücke und gebe diese, nebst klargequellten Reis, Graupen oder Semmelklößchen, etwas abgekochtem Spargel, Blumenkohl und Morcheln in die Suppe. Kalbscarbonade. Mau nimmt die Rippen, hackt die unteren Knochen ab, streift das Fleisch an der Rippe mit dem Messer zurück und schneidet ringsum alles Häutige ab. Nun werden sie stark geklopft, dann wieder in eine gefälligere Form zusammengeschoben und mit Salz und Pfeffer bestreut. Hierauf taucht man sie in verrührte Eier, kehrt sie in geriebenem Milchbrot um und bratet sie in Butter und Schmalz auf beiden Seiten gelb. Schöne, dicke Cotelettes können auch nur in Mehl umgekehrt langsam in etwa 15 Minuten, in Butter fertig gebraten werden. GekochtesHammelfleisch. Die Brust, der Bug oder das Kämestück wird mit Wasser und Salz zugesetzt, während desKochens abgeschäumt und mit Wurzelwerk und Zwiebel gut weich gekocht. Vor dem Anrichten befreit man das Fleisch von den Knochen und servirt dasselbe in zierlichen Stücken. Die Brühe läßt sich verwenden zu Gemüse und Tunken, mit Zwiebel. Kümmel und so weiter,, je nach Geschmack. Feines Blaukraut. TaS Blaukraut muß stets in einem irdenen, gut glasirtcn Gefäß gekocht werden, weil dasselbe sonst seine schöne Farbe verlieren würde. Nachdem es geputzt und fein gehobelt ist, gibt man es in reichlich Butter oder Gänsefett mit etwas kochendem Wasser auf und läßt e3 so langsam eine Stunde dämpfen. Dann stäubt man ein wenig Mehl darüber, thut ein Weinglas Essig, ein Glas Nothwein, etwas Zimmet.Zucker, etwa einen Kaffeelöffel voll, etwas, aber sehr wenig, gestoßene Nelken und eine Prise Pfeffer dazu. So läßt man das Kraut weiter schmoren, bis nur sehr wenig Brühe bleibt, und kann man, wenn man den Geschmack liebt, gleich mit dem Fett eine kleine, geschnittene Zwiebel beigeben. Gebackene Hühner auf WienerArt. Gutgemästete junge, aber nicht zu große Hühner werden einige Stunden vor dem Gebrauch geschlachtet, rein geputzt und ausgenommen. Dann schneidet man sie in vier bis fünf Theile, bestreut sie mit Salz und läßt sie eine halbe Stunde stehen. Nun trocknet man sie ab, wälzt sie in Mehl,' Ei und geriebener Semmel und bäckt sie schön goldgelb in heißem Schmalz. Himbeerpudding gebacken auf englische Art. Man rührt ein Viertel Pfund Butter schäumig mit einem Eßlöffel voll Zucker, drei Eßlöf. feln fettem Rahm, vier gut geschlagenen Eidottern und zwei Eßlöffeln fettemRahm und zweiEßlöffelnHimbeerMarmelade. Nun belegt man eine Form mit Blätterteig, füllt die Masse hinein. bedeckt wieder mitBlätterteig und bäckt. den Pudding in einer starken halben. Stunde in gutem Ofen. Plinzen (von saurer Sahne). Zwei Unzen beste Stärke, vier Eier, ein halbes Pint dicke saure Sahne,, Muskatblüthe, Zimmet und etwaS Salz. Nachdem man die Stärke mit zwei Eßlöffeln voll kaltem Wasser eingeweicht undzerrührt hat,, wird sie mit den ('dotiern, Sahne und Gewürz stark geschlagen, dann mische man den steifen Schaum der Eier durch, backe vier Plinzen, rolle jede auf und gebe sie, mit Zucker und Zimmet bestreut, heiß zu Tisch. Auch sind eingemachte Früchte eine angenehme Beigabe. G emis chter Gurkensalat. Vorzüglich schmeckt eine Mischung von Gurken- und Kopfsalat. Man macht eine gute Salatsauce aus Essig. Oel, Salz und Pfeffer und- gießt dieselbe über den Salat. Ebenso kann, man unter den Kartoffelsalat eine Gurke mischen, und gibt man sauren Rahm und feingehackten Estragon dazn, so wird man vom Wohlgeschmack über rascht sein. Salat aus Resten von Fleisch. Schinken.,B raten etc. Die zur Verfügung stehenden Fleischreste werden in kleine Stückchen g:schnitten, mit feingehackten Sardellen, etwas Zwiebel, einem feingehackten Apfel und eine? kleingeschnittenen Essiggurle (pickle) vermengt. Das Ganze wird mit Essig. Oel. etwas saurer Sahne und Pfeffer und Salz angemacht und entweder zum Butterbrot oder auch zu Bratkartoffeln als Zuspeise gegeben. Kohlrabigemüse. Man schält die Kohlrabiköpfe, schneidet sie in kleinfingerdicke Streifen, wäscht sie und kocht sie in gesalzenem Wasser weich. Alsdann läßt man, nachdem die Streifen abgegossen und abgetropft sind, dieselben in Butter dämpfen, staubt ein wenig Mehl daran zum Binden und giebt anstatt Bouillon Milch dazu. Schmeckt zu Lendenbraten und Salzkartoffeln sehr gut. Schinkensteaks. Roher, in fingerdicke. 2 Zoll Durchmesser große Stücke zerschnittener Schinken, wird eine Stunde zum Wässern in Milch gelegt, dann bereits man einen dicken Eierkuchenteig, legt die Schinkenscheiben hinein, panirt sie mit geriebener Semmel oder Zwieback und bäckt sie in Zerlassener Butter schön aelbbraun.