Indiana Tribüne, Volume 22, Number 28, Indianapolis, Marion County, 16 October 1898 — Page 2
Tte arme Vraut. Eon IoKanires Trojan. 3ie ist nicht wie ein Fürstenkind, Das stolz auf andere schaut; Gar viele giebt's, die reicher sind, Qt ist eine arme Braut.' Sie ist so einfach und so schlicht, Weckt nicht der andern Neid, In Sammt und Seide geht sie nicht, (sie trägt ein bescheiden Kleid. Kostbar Geschmeide ist nicht an ihr, Jtein glänzender Schmuck zu sehen; Maßliebchen sind ihre schönste Zier, Wie auf der Trift sie steh'n, AusDichters Munde nicht erklingt Zu ihrem Preis ein Lied, Ihr gilt nur. was die Lerche singt Hoch über Feld und Ried. Dock, steht sie da so wundersam, Still lächelnd und beglückt; Der Frühling ist ihr Bräutigam, Der hat sie so hold geschmückt.
Iic drei Vegeln. Kaulasische Legende, von Alfred "grieb mann. Die Menschen verschwinden. Die Menschheit bleibt. Darum muß man in alten Büchern suchen, was sich gestern bei uns zugetragen, was sich insrgen bei uns ereignen .wird!" Es lebte vor Zeiten im Kaukasus in allmächtiger Komg, dessen Augenzwinkern Befehl war, dessen Stirnrunzeln Tod. Sem Lächeln Liebe, sein Händedruck Lebensversicherung. Einer seiner treuesten Diener hieß Lokis. Muth und Ergebenheit zeichrieten ihn aus, er .rar des Herrschers Aathgeber in den Versammlungen, er begleitete ihn auf die Elephanten- und Löwenjagd denn damals gab es solche Thiere im Kaukasus und auf die Kriegsfahrten. Unbedingtes Vertrauen war die Belohnung für Lokis' geprüfte Treue der König lieh ihm seine Schatzschlllssel und legte sein Haupt zum Schlafe in Lokis' Schooß. Und seine Genossen waren neidisch. Lokis. der dies bemerkte, sagte zu den Schlimmsten: Ihr bedenket nicht, daß viel verlangt wird von dem, der viel erhält. Begehe Einer von Euch einen Fehler man wird ihn einfach aus dem Lager stoßen. Verstoße ich gegen meine Pflicht, werde ich unfehldar aufgeknüpft. Und ich bin ein Sterblicher, wie ein Anderer, auch ich kann straucheln, vergessen, die wichtigsten Vorschriften, wie die folgenden, übersehen: Lasse Dich nicht durch die Schmeiheleien eines Genossen bethören!" Verrathe Dein Geheimniß nicht eiuem Weibe!" Sieh ein angenommenesKind nicht wie Dein eigenes an!" Du sprichst gut!" erwiderte ihm einer seiner Neider; aber Du hastNichts zu fürchten!" Glaubet Ihr?" entgegnete der Günstling. Demnächst wird der Kömg verreisen, und bald darauf werde ich die furchtbare Probe bestehen, und ich schwöre es Euch bei meinem Dolch, Ihr werdet sehen, daß ich die Wahrheit gesagt!" Warum bist Du so nachdenklich?" fragte Mirabh, die junge Frau Lokis', eines Morgen ihren Gemahl, .warum brütet Dein Blick so trübe vor sich hin?" .Ja, ich bin traurig, Mirabh! Aber ich darf Dir nicht verrathen, was mich bedrückt. Verschwiegenheit ist der Frauen Sache nicht!" Mirabh biß sich auf die Rosenlippen und zwei Perlen rollten aus ihren Sternenaugen. Lokis betrachtete seine schöne junge Frau mit eigenthümlichem Blick und sagte: Sei nicht böse; mein Geheimniß umschließt mein Leben!" Ist mir Dein Leben nicht theurer als das meine?" Heißen Dank! Aber Du kannst Dich unwillentlich verrathen!" Nein, nein, ich werde Dein Geheimniß bewahren!" So höre denn Gestern kam ein wandernder Magier auf mich zu und sprach zu mir: Lokis, Du bist ein Mann des Glückes. Alles gelingt Dir; aber ein Glück fehlt Dir. Du hast keine Kinder, und ich weiß, das ist ein Wurm, der an Deinem und Deiner schönen Mirabh Herzen nagt!" Mirabh rief: Ach, wie errieth der Mann den Wunsch meiner Seele!" Er gab mir ein Mittel an, auf daß uns ein Sohn werde!" Ein Sohn! O Schatz' meiner Seele! Und V Ich soll einen jungen, munteren Falken todten, entfedern, ihn braten . . . ." Und ich soll ihn verspeisen!" Errdhen!" Ich kenne solchen Falken," sprach Mirabh oegeistert, im Hause des Konigs. der jetzt fort ist." Leise, leise, o Mirabh!" Nun Du zögerst?" Es ist geschehen, mein Augenlicht der Falke ist getödtet, gerupft, gebraten vorr liegt er auf dem Divan, Zn Deinem Shawl gewickelt. Aber kein Wort zu Jrgendwem sonst bin ich verloren!" Mirabh schwor und Lokis ging hinaus. Mirabh befreite den Falken aus seiner Hülle und machte sich daran, ihn zu verzehren. Da störte sie ihre Freundin Benimah, ihre Milchschwester. Und Benimah fragte: Was versteckst Du vor mir?" Nichts. Was erzählt man sich Neins?" Davon ist jetzt nicht die Rede. Lass' mich sehen, was in diesem ßhawl . . . ."
Es ist ein furchtbares Geheimniß, Benimah!" So fürchtest Du, mir Dein Vertrauen zu schenken? Gut, so werde ich Dir auch nicht sagen, was mir mein Gemahl von seiner letzten Reise mitgebracht hat." Sei nicht böse. Bedenk auf mei ner Zunge liegt das Leben meines Mannes. Soll ich da nicht vorsichtig sein?" Schweig also. Ich thue das Gleiche!" Nun, also nur zwei Worte: In die sem Shawl halte ich einen ganz besonderen Falken verborgen, und wenn ich davon esse, ha! ein weiser Magier gesagt, so bringe Zch einen Knaben zur Welt!" O, Stern meiner Augen, gieb mir ein wenig davon!" Um keinen Preis." Nur ein Flügelchen!" Nein, nein!" Benimah liebkoste ihre Milchschwester und beschwor sie mit Worten und Streicheln, bis die schwache Mirabh ihr ein Falkenflllgelchen abließ. Die beiden Frauen gedachten ihres zu erwartenden Glückes, verspeisten die Reste des Falken und schieden. Aber Benimah erzählte das ihr anvertraute Geheimniß dem ersten Weibe, das ihr in den Weg kam. Abends wußte es der ganze Stamm. Als der König zurückkam, ließ er seinen rrruen Lolis rufen und sprach ihm, nach vielen anderen Staatsangelegenheiten, auch von seinem Lieblingsfallen. Da warf sich Lokis zu des Alleinherrschers Füßen und rief wehklagend, der geliebte Vogel sei entflohen und nun wahrscheinlich schon ein Mahl der kaukasischen Aare geworden. Steh' auf!" sagte der Fürst, es ist ein Unglück, dem wir abzuhelfen suchen werden." Aber am Abend kamen ihm die Reden der Feinde Lokis' zu Ohren. Er befragte Mirabh und diese versuchte nicht, ihren Gatten zu entschuldigen. Der König war wüthend, also getäuscht zu sein und beschloß, seinen Vertrauensmann auf eine abschreckende Weife zu strafen. Er berief ihn vor sich und sprach zu ihm: Zwanzig Jahre lang habe ich auf Dich gebaut, und Du hast mich nun in unwürdiger Weise getäuscht. Wer weiß, wie oft Du mich schon früher hintergangen und übervortheilt. Du bist der Geist der Lüge und des Truges. Bereite Dich zum Sterben. Morgen ist Dein letzter Tag." Die Ritter des Königs 'oersammelten sich um den Verurtheilten und geleiteten ihn in das Gefängniß. Dort legte er auf die harte 'Holzbank zwei mit Gold gefüllte Säcke und sprach: Dies ist mein Nachlaß. Ich werde ihn vertheilen unter die, die ich liebe." Da drängten sich Alle um ihn und betrachteten die Goldsäcke mit den Augen der Gier. Er griff mit voller Hand in die Denare und errichtete mehrere Haufen. Dieser Berg gehört meiner Frau, denn ich liebte sie und verdanke ihr einige weihevolle Stunden dieses werthlosen Lebens. Der andere Haufen gebührt den Rittern des Königs, die meine Freunde waren. Der dritte Berg bleibe meinem angenommenen Sohn Muzrm und der vierte dem, der mich morgen vom Leben zum Tode bringt." Die Ritter, von dem Glänze des Goldes geblendet und angezogen, flüsierten unter sich. Nun?" fragte Lokis, wer unter Euch wird morgen dieser Mühe sich für mich unterziehen?" Da trat der kleine Muzim vor und sprach: Warum sollten Dich die im Stiche lassen, die Dir am nächsten stehen. Ich werde Dich morgen erwürgen. Sohn einer Natter!" rief Lokis. Was haltet Ihr von dem Allen, meine Genossen? Waren meine Lebensregeln nicht richtig: Lasse Dich nicht durch die Schmeicheleien eines Genossen bethören! Verrathe Dein Geheimniß nicht einem Weibe! Sieh ein angenommenes Kind nicht wie Dein eigenes an! Ihr seht, roelche Erfahrungen ich gemacht, beneidet daher fürder mein Los nicht und ich werde fortfahren, meinem Herrn treu zu dienen. Wie?" Und der Mord an dem Falken? Wird der König verzeihen?" so riefen Einige aus dem Kreise. Meine liebe Mirabhy", sagte Lokis zu seiner Frau, Du hast nur einen ganz gewöhnlichen Hahn gegessen! Geh' sage dem König, sein Falke lebe, lebe aanz vergnügt in einem der Säle des Palastes." Der König vergeh sich nie Lokis mißtraut zu haben. Lokis aber verzieh seinem Weibe, denn sie war schön.
Triftiger Grund. Der Herr Pfarrer kommt in die Dorfschule, um zu inspizieren. Nachdem er schon einige von den Kleinen ausgefragt und auch lauter recht gute Antworten bekommen hat, wendet er sich an einen Größeren. Du Franzl," begann er, wer waren Kain und Abel?" Jwei Brüder," lautete die prompte Antwort. Da gegen dieRichtigkeit der Antwort nichts einzuwenden war, der Pfarrer aber denn doch eine andere erwartet hatte, fragte er weiter. Warum waren sie Brüder?" Der Franzel stockte. Nun, weil sie half der Pfarrer. Dem Franzel dämmerte etwas : Weil sie g'rauft haben!" rief er triumphirend. Dilemma. Es'geht nicht mehr, ich muß mir eine Hilfe in's Geschäft nehmen. Schlag' ich nun aber oaS neue Ladenfräulein, auf den Svrup, auf den Käse oder auf die Eier?"
In der Schlucht.
Erzählung von Val. Fern. 1. Der letzte Dollar! Dreimal drehte Robert Waldner das blanke Geldstück, dasselbe wehmüthig betrachtend, um und um und steckte es dann seufzend wieder in sein Portemonnaie und das Portemonnaie in die Tasche. Der junge Mann war ein deutscher Bierbrauer und zur Zeit ohne Stellung. Um eine solche zu finden und es mochte wohl nöthig sein, daß er bald irgendwie und irgendwo Unterkommen sich verschaffte, da seine Ersparnisse bis auf den letzten Dollar hingeschwunden durchwanderte er den Staat Wisconsin in der lirblichsten Sommerzeit. Eine 'treue Gefährtin auf der Wanderschaft ir.td sein liebster Trost in trüben Stunden war seine Handharmonika, die er trefflich zu spielen verstand. Eine Menge der schönsten deutschen Weisen wußte er ihr fingerfertig und gefühlvoll zu entlocken. Zuweilen war auch schon der Gedanke in ihm aufgestiegen, als reisender Harmonikaspieler sein tägliches Brot zu verdienen. Hat doch so mancher arme Deutsche, der als Kaufmann oder sonstwie keine Beschäftigung zu erlangen vermochte, in Amerika durch musikalische Fähigkeiten sich recht anständig durchzuschlagen gewußt. Es ist in der That immer gut und nützlich, wenn man etwas Ueberflüssiges gelernt hat, sei es auch nur Skat- oder Harmonikaspielen. Robert saß am Wege und blickte hinunter in ein liebliches, fruchtbares Thal, auf die kleine Ortschaft Evansville mit ihren einfachen, aber behäbigen, von bescheidenem Wohlstande zeugenden Häusern. Würde es ihm dort gelingen, eine Stellung zu erlangen? Gab es dort überhaupt eine Brauerei? Oder würde er dort seinen letzten Dollar opfern müssen für des Leibes Nahrung und ein Nachtlager? Und was dann? Nachdem er sich zur Genüge ausgcruht, erhob er sich, schulterte sein Bündeichen, welches auch die Harmonika enthielt, und schritt gemächlich insThal hinab. Der Tag neigte sich allmälig zum Abend. Neugierig schauten die Leute ihn an in dem Städtchen, die vor den Hausthüren umherstanden und schwatzten. Ach, er sah da keine deutschen Gesichter, von denen er ein freundliches Willkommen hätte erwarten dürfen. Lauter richtige Stockamerikaner schienen dort zu wohnen. Endlich kam er zu einem stattlichen Wirthshaus und Lagerbiersalon. Die Schildinschrift über der Thüre verkündete, daß der Wirth Samuel Hopkins heiße. Dieser gutmüthig aussehende Mann stand bei den etwa zwei Dutzend Gästen, welche der Hitze wegen in der frischen Luft im offenen, verandaähnlichen Vorbau des Wirthshauses auf Bänken und Stühlen an den dort befindlichen Tischen Platz genommen hatten. Robert Waldner grüßte höflich und setzte sich ebenfalls dorthin, doch etwas abseits von den anderen. Na. Fremder," fragte der Wirth gemüthlich, was führt Euch denn nach Evansville?" Ich suche Arbeit. Sir." versetzte der junge Mann. Was ist Euer Geschäft?" Ich bin Bierbrauer. Ist hier am Orte eine Brauerei?" Nein, bis jetzt noch nicht. Ich beziehe mein Bier von Milwaukee. Es ist ganz vortrefflich." Ja, das weiß ich Wohl." Konntet Ihr in den dortigen großen Brauereien keine Beschäftigung finden?" Hab's versucht. Es war aber leider kein Platz frei." Ja, es ist jetzt eine recht flaue Zeit überall." Der Wirth zuckte die Achseln und wandte sich wieder den anderen Gästen zu So muß denn nun mein letzter Dollar mich verlassen," dachte schwermüthig Robert. Noch einmal gut essen und trinken und für die Nacht ein Bett dazu reicht es. Was soll ich mir nun geben lassen zur Erquickung? Hm das verdient reiflichste Ueberlegung, rotnn es sich dabei um den letzten Dollar handelt. Und was soll morgen aus mir werden? Ach, ich mag lieber gar nicht daran denken!" Einem unwiderstehlichen, plötzlich in ihm erwachenden Dränge gehorchend, zog er seine Harmonika aus dem Bündel und begann eine wehmüthige Melodie zu spielen, welche so recht den betrübten Zustand seines bedrückten Gemüths widerspiegelte, nämlich die schöne Melodie des alten Liedes: Ach, du lieber Augustin, alles ist hin!" Meiner Seele, das ist eine herrliche Musik!" rief entzückt ein ältlicher Herr. Und ein zweiter schrie: Ebenso schön wie der Dankeedoodle!" Noch viel schöner", meinte. ein dritter. Habe in meinem ganzen Leben niemals eine lieblichere Musik gehört!" Robert beendete sein Spiel. Wahrhaftig, das möchte ich wohl noch einmal hören," sagte der ältliche Herr. Wir auch!" riefen viele andere. Der Wirth wandte sich sehr freundlich an den jungen Mann. Ihr seid also auch Musiker. Sir?" Nur so nebenbei," versetzte Robert. Könnt Ihr auch noch andere schöne Stücke spielen?" O ja gewiß! Sehr viele." Well, dann seid so gut und' gebt uns noch mehr davon zum besten heute Abend." Was lohnt es?" fragte geschäftsmäßig der junge Bierbrauer, der sich nunmehr unter den obwaltenden Umständen dazu berufen fühlte, als Harmonikaspieler von seiner Kunst einigen Nutzen zu ziehen. . . i
Hm. einen Dollar baar Geld zahle ich, dazu Essen und Trinken und freies Nachtlager." Es gilt." sprach freudig der Deutsche. Und imStillen dachte er: Ha, das geht ja ganz gut! Jetzt brauche ich meinen letzten Dollar nicht auszugeben, bekomme vielmehr noch einen dazu!" Zunächst stärkte er sich an Speise und Trank, was beides ihm von einem anmuthigen jungen Mädchen gebracht wurde. Es war Mary, des Wirthes Töchterlein, eine zwanzigjährige blonde Schönheit. Dann spielte er abermals die vielbegehrte Melodie vom lieben Augustin, der er noch andere deutsche Weisen folgen ließ. Die Musik lockte mehr Gäste herbei, auch junge Burschen und Mädchen, welche auf dem freien Platze vor dem Hopkins'schen Wirthshause zu tanzen begannen, als Robert lustige Walzer- und Polkaklänge ertönen ließ. Hört, Sir," sagte nachher der Wirth zu ihm, Ihr gefallt mir! Bleibt einige Zeit hier, um zur UnterHaltung meiner Gäste zu musiciren und um Euch auch bei Gelegenheit im Bierkeller und in der Wirthschaft nützlich zu machen." Für täglich einen Dollar nebst freier guter Kost und Wohnung?" Jawohl, so meine ich es." Nehm's an, bester Sir. Auf solche Weise gelange ich wieder zu Geld. Ich Hab's nämlich sehr nöthig." So blieb denn Robert Waldner in Evansville, wo.es ihm recht gut gefiel. Die schöne Mary interessirte sich ganz außerordentlich für Harmonikamusik. Oft faß sie halbe Stunden lang bei ihm und lauschte den melodischen Tönen, die er aus dem unscheinbaren Instrument hervorzauberte. Ja, sie bezeigte sogar große Lust, selber das Harmonikaspielen zu erlernen. Auf des jungen Deutschen empfängliches Herz machte die junge Amerikanenn den tiefsten Eindruck. Allen Ernstes verlkbte er sich in sie, ohne jedoch vorläufig, seiner Armuth wegen, es zu wagen, diese Liebe ihr und ihren Eltern zu gestehen. Eines Abends erschien ein junger, stattlicher, feingelleideter Herr im Hopkins'schen Wirthshause als ein freundlich bewillkommneter Bekannter und anscheinend als ein eifriger Berehrer der schönen Mary. Robert betrachtete aufmerksam, mit beginnenden Eifersuchtsqualen im Gemüthe, den Fremden, der in der That ein schöner Mensch war, aber etwas Lauerndes und Verschmitztes in dem Blick seiner funkelnden Augen hatte, was dem Beobachter höchlichst mißfiel. Wer ist der junge Herr da?" fragte Robert einen Bekannten.
Ei, das ist Ralph Lawson, ein Geschäftsreisender und Agent. Was er für Geschäfte macht, weiß ich nicht, aber er muß-viel Geld verdienen, denn er ist immer gut bei Casse." Hat er in Evansville ein Comptoir?" Nein; er wohnt hier in einem Boardinghause und ist meist auf Geschaftsreisen abwesen." Es scheint, daß Mary Hopkins ihm sehr gefällt." Glaub's wohl! Und er gefällt ihr auch, darauf will ich wetten. Seht doch nur die verliebte Schönthuerei der beiden haha!" Ob sie vielleicht schon verlobt sind?" Nein, noch nicht. Man glaubt aber allgemein, daß es bald dazu kommen wird." Diese Auskunft gab dem verliebten Bierbrauer einen Stich ins Herz. Also keine Hoffnung für mich!" dachte er schwermüthig. Mary liebt ihn, daran ist nicht zu zweifeln; sicherlich wird er sie bekommen; ich aber war und bin ein Narr!" Trübsinnig ergriff er seine Harmonika. um von Neuem lustige Weisen zu spielen, während er sehen mußte, wie dieser Ralph Lawson vor seinen Augen mit der hübschen Mary tändelte. Auf die Dauer hielt er das trotz der besten Vorsätze, sich zu bezwingen, nicht aus. Drei Wochen später, als eine hübsche Anzahl verdienter Dollars in seiner Tasche klimperte, sagte er zu dem biederen Samuel Hopkins, daß er ihn verlassen und weiterwandern wolle, um anderweitig - sein Fortkommen zu suchen. Der Wirth suchte ihm das auszureden und ihn zum Bleiben zu veranlassen. Doch vergeblich. Eines schönen Nachmittags verließ Robert Waldner nach herzlichem Abschiede mit seinem Bündel und seiner Harmonika Evansville, um nach südlicher Richtung zu wandern. Er wollte nach der Stadt Madison; dort sollten sich zwei ansehnliehe, von Deutschen gegründete Bierbrauereien befinden. Hier hoffte er Arbeit zu bekommen. , 2. Evansville war hauptsächlich deshalb so klein und unbedeutend geblieben. weil noch keine Eisenbahn den Ort berührte. Das Schienengeleise einer von Osten nach Westen führenden Linie, die etliche Jahre zuvor gebaut worden war, lief südlich von dem Städtchen in einer Entfernung von etwa fünf englischen Meilen vorbei und wurde in dem hügeligen Gelände, das meist noch unfruchtbare Wildniß war, an einer Stelle mittels einer kunstvoll construirten Eisenbrücke über eine enge und tiefe Schlucht geleitet. Es war Robert gesagt worden, daß er sich den Weg erheblich verkürzen könne, wenn er einen Fußsteig benutze, der in die Hügelwildnik hineinführe. und dann durch die Schlucht unter der Eisenbahnbrücke hinweg gehe. Eine halbe Stunde nachher würde er, immer nach Süden wandernd, wieder auf die Landstraße kommen und auf solche Weise sich zwei Meilen Wegs ersparen.
Diesen wohlgemeinten Rath beschloß der junge Deutsche zu befolgen. Er wanderte also zuerst den Fußsteig entlang, sah rechts und links von demselben noch einige Farmhäuser, weidende Viehherden und angebaute Ländereien, und drang darauf in die Hügelwildniß hinein, wo der Pfad sich bald gänzlich verlor. Da geschah es denn, daß er sich verirrte. Zwei Stunden wanderte er umher, ohne die Brückenschlucht finden zu können. Jetzt verwünschte er im Stillen den dienstfertigen Rathgeber und bereute es. nicht den anderen, wenn auch etwas längeren Weg gewählt zu haben. Sehr heiß war's; er fühlte sich müde und matt. Da endlich gewahrte er im Süden Telegraphenpfähle, die jedenfalls am Bahnkörper entlang sich befinden mußten. Er ging darauf zu und fand nun die Schlucht, die vielfach zerklüftet, theils felsig, theils mit niedrigem Gebüsch und Schwarzdorngestrüpp bewachsen war und die in einer Höhe von reichlich zwanzig Meter von der Eisenbahnbrücke überspannt wurde. Angenehm kühl, fast wie in einem Keller, war es in dieser engen Schlucht, in welcher deshalb Robert Waldner sich gemächlich auszuruhen gedachte. Zwischen dem dichten Gebüsch an dem einen Abhang suchte und fand er bald ein bequemes Plätzchen, wo er sich hinlegte. Und übermannt von Müdigkeit infolge des anstrengenden Wanderns in der heißen Sonnengluth draußen, schlief er nach kurzer Zeit fanft ein. Ziemlich lange mußte er geschlafen haben, denn als er erwachte, war es Spätabend geworden; der Vollmond stand hoch amHimmel und schien direct in die Schlucht hinein, dieselbe mit magischem Glänze phantastisch erhellend. Robert erhob sich ein wenig von seinem Lager und reckte sich, wie man gewohnlich thut, bevor man aufsteht. Da hörte er aus der Ferne her das Rasseln eines heranbrausenden Eisenbahnzuges. Und zur selben Zeit gewahrte er, was ihn einigermaßen in Verwunderung setzte, einen Menschen in der Schlucht, den er kannte und für den er durchaus keine freundschaftlichen Gefühle hegte. Mitten in der Schlucht stand n'ämlich im lichten Vollmondschein Ralph Lawson, der gespannt nach oben schaute. Entweder mußte der Mond oder die Eisenbahnbrücke ihn so auffallend interessiren. Wahrscheinlich war jedoch letzteres der Fall.
Was mochte das wohl zu bedeuten haben? Der junge Deutsche beschloß, das zu ergründen, und legte sich wieder ruhig auf dem Platze, den er eben hatte verlassen wollen, nieder. Als der Zug ganz nahe herankam, wurde die Fahrt verlangsamt, wie das beim Passiren von Brücken vorgeschrieben ist. Dann keuchte schnaubend im langsameren Tempo die Locomotive nebst Tender und den angehängten sieben Wagen über die Brücke. Robert vernahm plötzlich Geräusch, wie von fallenden Gegenständen. Ein großes und zwei kleinere Packetc waren von der Brücke oben wohl zweifellos aus einem Wagen des dieselbe passirendes Zuges in die Schlucht hinabgewarfen worden. Drauf verschwand der Zug, auf der anderen Seite der Schlucht wieder die Fahrt beschleunigend. Ralph Lawson hob die Packete auf, nachdem er eine kleine Blendlaterne angezündet hatte. Dann 'stieg er an der dem Beobachter gegenüber befindlichen Seite den Abhang hinan, etwa zehn Meter hoch, und wurde plötzlich unsichtbar hinter einem dichten Schwarzdorngestrüpp. Doch nach kaum zehn Minuten kam er wieder zum Vorschein. Er hatte seine kleine Laterne ausgelöscht und sie in die Tasche gesteckt. Unter dem Arm trug er ein Packet von mäßigem Umfang. Damit entfernte er sich. Dem nördlichen Ende der Schlucht fchritt er zu, um sich vermuthlich nach seinem Wohnorte Evansville zu begeben. Robert schaute ihm gedankenvoll nach. Dann rieb er sich die Stirne und murmelte: Jetzt weiß ich, was das bedeutet. Es hängt sicherlich mit den geheimnißvollen Eisenbahnräubereien zusammen, wovon ich kürzlich in den Zeitungen las. Dieser Ralph Lawson ist ein Spitzbube, den ich entlarven muß. Mary wird freilich furchtbar erschrecken darüber, aber gut ist's doch und das muß sie als vernünftiges Mädchen selbst einsehen daß sie einen solchen Sckurken nicht zum Manne bekommt. Ich glaube sogar, dafür wird sie mir dankbar sein müssen!" Wirklich hatte er einige Zeit vorher in der Hopkins'schen Wirthschaft in dort ausliegenden Zeitungen eine Bekanntmachung der Direction dieser Eisenbahnlinie gelesen, welche eine Belohnung von Tausend Dollars aussetzte für den, der über die vielfach vorgekommenen gcheimnißvollen, ganz unerklärlichen Eisenbahndiebsiähle Auskunft geven könne. Ferner auch einen Zeitungsbericht, der Meldete, aus den wohlverschlossenen Koffern der Passagiere seien unterwegs Werthsachen verschwunden, ebenso auch aus Waarenlisten allerlei kostbare Gegenstände. Trotz aller Vorsichtsmaßregeln und schärfster Controlle sei es nicht gelungen, fernere Räubereien zu verhüten, ebensowenig den Thätern auf die Spur zu kommen. Den Zugbeamten habe keinerlei Verschulden nachgewiesen werden können. Nachdem Robert Waldner dies reiflich überlegt hatte, murmelte er: Ich aber weiß jetzt, wie sie es gemacht haben. Jedenfalls sind die Zugbeamten die Spitzbuben, entweder alle oder einige. Mittels Nachschlchüsseln öffnen sie die Koffer der Reisenden während der Fahrt im Gepäckwagen. Die gestohlenen Sachen wickeln sie ein und werfen die Packet von der Brücke m die
Schlucht hinab, wo ihr Mitschuldiger, ihr Agent" Ralph Lawson, zur bestimmten Zeit sich befindet und die Beute aufhebt, um sie in Sicherheit zu bringen." Der junge Deutsche verließ seinen Lagerplatz und erklomm an der anderen Seite der Schlucht den Abhang, bis er bei dem dichten Schwarzdorngestrüpp ankam. Als er dies auseinanderschob, erblickte er dahinter ein dunkles Loch, den Eingang zu einer Höhle. Vielleicht war hier vor langen Jahren
die Wohnstatte einer Bärenfamilie gewesen. Da Robert keine Laterne hatte, konnte er zwar leider nicht in die Höhle hineinkriechen, aber ganz zufrieden mit dem, was er gesehen und ermittelt hatte, verließ er bald darauf schnell die Schlucht. Eine halbe Stunde spät5r langte er bei dem kleinen Gehöfte eines Farmers an, der ihn freundlich bewirthete und bis zum nächsten Morgen beherbergte. Bei diesem Manne zog er auch Erkundigungen ein über den Weg nach der nächsten Bahnstation, denn es war seine Absicht, nunmehr vorläufig nicht nach Madison zu wandern, sondern sich vielmehr nach der großen Stadt im Osten zu begeben, in welcher sich der Directionssitz der Eisenbahngesellschaft befand. Indem Robert also die Bahn benutzte, gelangte er rasch ans Ziel und fragte sich in der Stadt nach dem Directionsbureau hin. Er traf dort einen der Herren und erzählte ihm sein Erlebniß. Ralph Lawson ist der Name des Menschen?" fragte sinnend der Director. Jawohl, Sir." Hm. wir haben einen Zugführer, der John Lawson heißt. Vielleicht ist's ein Bruder von ihm." Rasch wurde die Behörde verständigt. Mit einem Criminalbeamten und dem jungen Deutschen reiste der Director unverzüglich nach Evansville. Als sie dort angelangt waren, verfügten sie sich sogleich zum Sheriff Jarvis. Nachdem dieser den Sachverhalt erfahren, ging er mit ihnen nach dem Boardinghause, in welchem Ralph Lawson logirte. Die Wirthin, eine ältliche Wittwe, erklärte, daß er nicht in seiner Wohnung sei; sie wisse nicht, wann er zurückkehren würde. Der Sheriff ließ das Zimmer aufschließen und nahm eine gründliche Durchsuchung desselben vor, die jedoch nichts Verdächtiges ergab. Darauf meinte der Criminalbeamte: Am besten wird's wohl sein, wir begeben uns nach der geheimnißvollen Höhle in der Brückenschlucht, um sie zu untersuchen." Diesem Vorschlage stimmte auch der Sheriff zu, welcher einen Polizisten nach dem Boardinghause beorderte, um Lawson festzunehmen, falls dieser sich dort einstellen würde. Dann machten die vier sich auf den Weg. Sheriff Jarvis hatte sich mit einer Laterne versehen. Auch sein großer brauner Jagdhund lief mit. Nachdem sie in der Schlucht angekommen waren, klommen sie empor zu dem Höhlenloch hinter dem Schwarzdorngestrüpp. Der Hund schnupperte dort umher und begann dann wüthend zu bellen. Etwas Verdächtiges muß gerade jetzt in der Höhle sein," sprach der Sheriff. Mein Bull hat dieWittcrung davon. Entweder Thier oder ein Mensch ist darin." Vielleicht ist's der, den wir suchen," meinte der Director. Der Criminalbeamte bückte sich ein wenig und schaute in die Höhle. Es schimmert da hinten Licht," sagte er. Und dann schrie er: Heda, Ralph Lawson, kommt gefälligst heraus! Man wünscht mit Euch ein ernstes Wörtchen zu sprechen!" Keine Antwort. Der Beamte sah nach seinem Revolver und sprach: So will ich denn hineinkriechen und den Burschen herausholen." Jetzt ist's drinnen ganz dunkel geworden." bemerkte der Sheriff, der ebenfalls hineingespäht hatte. Es ist sicher, der Bursche hat ein böses Gewissen und aus Angst vor uns sein Licht auslöscht. Well, ich zünde meine Laterne an und komme mit Euch." Danach krochen die beiden in die Höhle. Nach wenigen Minuten kamen sie wieder zum Vorschein und brachten den blassen und bebenden Ralph Lawson mit. Dann holte der Criminalbeamte aus der Höhle mehrere Packete, welche gestohlene Werthsachen enthielten. Der Verbrecher hielt es für unnütz zu leugnen, er bequemte sich zu einem offenen Bekenntniß. Er war wirklich ein jüngerer Bruder des Zugführers John Lawson. Im EinVerständniß mit diesem und noch einigen anderen Eisenbahnbediensteten waren seit zwei Jahren diese Diebstähle auf solche schlau ausgedachte Art ins Werk gesetzt worden. Der Missethäter wurde abgeführt. Robert Waldner aber erhielt die ausgesetzte Belohnung von Tausend Dol-lars.
Mit diesem Capital beschloß er, sich in Evansville ansässig und selbstständig zu machen. Einige angesehene Bürger, darunter auch Samuel Hopkms, liehen ihm zu mäßigem Zins noch etwas Geld dazu, und so errichtete er im Orte eine kleine Bierbrauerei, die sich bald guter Kundschaft erfreute Die schöne Mary war Anfangs sehr erschrocken und wie betäubt, als sie erfahren mußte, daß der. dem sie ihr Herz geschenkt, ein solcher Spitzbube sei. Im Stillen dankte sie aber doch dem Himmel, daß es so gekommen war, und auch dem braven Deutschen, der es verhütet hatte, daß sie die Frau eines Verbrechers wurde. Jede Neigung für Ralph Lawson war in ihrem Herzen erloschen, dafür ! V
aber schenkte sie nunmehr nach einiger Zeit ihre Liebe dem jungen Brauer, dessen aufblühendes Geschäft ihm bald erlaubte, eine Frau heimzuführen. In der ganzen Umgebung ist er nicht minder bekannt durch sein Bier, wie. durch sein Harmonikaspiel.
Die Bergtour. Herr Negistrator Cartler war sein Leben lang ein vorstcht'oer Mann auch in der Sommerfrische; außerdem wurde er von seiner Frau Gemahlin noch ausdrücklich zu dieser Tugend ermahnt. Nur genirte es ihn, immer und immer wieder den Sonnenuntergang auf der nahen Bergspitze rühmen -zu hören . . . Noch nicht oben gewesen, Herr Cartler? Ich sage Ihnen, geradezu großartiger Anblick!- Aber ich bitte Sie, gar nicht gefährlich einfacher Spazierweg nur! Sie sind wirklich zu ängstlich. Herr Cartler!"... So tönte es täglich an seine Ohren! .. Und selbst Bädeker hatte nichts von einem Führer bemerkt! Was Wunder, daß auch der Herr Negistrator einmal zum erstenMal kühn wurde! Er macht sich an die Besteigung, kommt auch glücklich oben an, und genießt das herrliche Schauspiel. Cartler hätte sich wirklich seiner Kühnheit freuen können, wenn nur jetzt nicht gar noch bei einbrechender Dunkelheit der Abstieg gekommen wäre. Abstieg: sind immer gefährlicher als Aufstiege." Wäre ein Gasthof dagewesen, der Herr Negistrator hätte unbedingt oben übernachtet. Aber er mußte herunter. Langsam. Schritt für Schritt, tastet er sich auf dem Wege abwärts zuerst der Stock, dann der Mann . . . Die Hälfte des Weges ist bereits zurückgelegt, und schon beginnt Cartler sich seines Steckens lässiger zu bedienen. ...Plötzlich, welch' ein Schrecken, vor seinen Füßen kein Boden mehr ! Cartler wird weiß. Direct vor einem Abgrund steht er! Zitternd sührt er den Stock nach rechts. Da! Auch hier kein Boden! Er führt ihn nach links ! Unmöglich, auch hier kein Boden! Vor ihm, rechts und links zur Seite gähnender Abgrund! Zurück! Er muß zurück! Cartler wendet sich um, unendlich zaghaft. Vorsichtig tastet der Stock nach Erdreich bei Gott, auch hier kein Boden ! ! Der Herr Negistrator steht wie festgewurzelt! An Händen und Füßen zitternd, erwartet er den Morgen. Da beim ersten Strahl der Sonne, bemerkt er, daß er sich auf einer großen Wiese befand und sein Stock in der Mitte abgebrochen war. Von diesem Tage an hat der Herr Negistrator keinen Berg mehr bestiegen. Der Frack des Zaren. Wie Kaiser Nikolaus II. sich zu seinem Besuch in Paris einen Frack anschaffen mußte, darüber berichtet ein russischer Schriftsteller. Nikolaus II. ist kein Freund der Civilkleidung und er war froh, als er seiner Zeit aus der Matrosenkleidung seiner Kinder- und Jünglingsjahre in den Uniformrock schlüpfen konnte. So reich der Zar auch ist. bis zu seiner Abreise nach Paris hatte er keinen Frack. Der Frack, an den eigentlich Niemand so recht gedacht hatte, gehörte aber mit in das Programm der Pariser Festtage und so mußte er hergestellt werden. Förmlich wie eine schwierige Staatsaktion kam er zu Stande. Ein Adjutant brachte dem Hofschneider den kaiserlichen Auftrag. Sie können doch einen Frack machen, Pariser Mode, neueste Faon?" Gewiß, aber wozu brauchen Sie so plötzlich ?" Ich? Seine Majestät braucht den Frack!" Hm! Pariser Mode, neueste Faon, der Kaiser braucht ihn...." Ein Abgesandter jenes BekleidungsHauses, dessen Leiter höchst eigenhändig die Uniformröcke des Kaisers zuschneidet, reiste eigens nach Paris, um die neueste Mode zu studiren. Der Frack wurde zur bestimmten Zeit geliefert, und die Petersburger Hofgesellschaft hat ausgerechnet, was der Frack desZaren wohl kosten dürfte. Diesen Berechnungen zufolge kostet der Frack: Zwei Meter Stoff zu 50 Rubel, Sei denfutter 35 Rubel. Knöpfe. Knopflochseide. Zwirn u. s. w. 15 Rubel, Fa?on" 100 Rubel, Studienreise nach Paris sammt und sonders 400 Rubel, dreitägiger Aufenthalt in Paris 100 Rubel. Summa: 700 Rubel. Die Rechnung für dieses kostbare Kleidungsstück hat zwar noch Niemand gesehen, aber nach aller menschlichen Voraussicht der Petersburger Höflinge dürfte der Frack des Zaren eher mehr als weniger kosten. Als ihn Nikolaus II. zum ersten Male probeweise am Leibe hatte, soll er sich nicht sehr behaglich in diesem Unding gefühlt haben. Unbegründete Furcht. Herr Blümchen besucht auf einer Reise den berühmten Park eines regierenden Herrn und geräth hierbei in den für das Publikum abgesperrten Theil des Schloßparks. Dort begegnet ihm der in Civilkleidung allein promenirende Fürst, der ihn mit strenger Mienefragt: Wissen Sie nicht, daß hier der Eintritt verboten ist?" "Aber, mein Kutester, Sie sein ja doch ooch hier!" Ich bin der Fürst!" Herrjemerscknee! das is Sie scheene, ich hab' Sie schon geglobt, Sie sein ä Schutzmann in Civil." Enttäuschung. Gerettete alte Jungfer: Nicht ein Wort hat der Herr, der mich aus dem Wasser gezogen, zu mir gesprochen, und den nen nen die Leute einen beherzten Mann!" Manche 2tutt finden unZ sehr unterhaltend, wenn wir ihnen geduldig zuhöre.
