Indiana Tribüne, Volume 22, Number 28, Indianapolis, Marion County, 16 October 1898 — Page 10
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ma ViddZgcigei's Lach. Humoreske von Friedrich Thieme, ftibiigeigei in Permanenz- nannten ihn seine Kommilitonen. Und dafür hatten sie ihren guten Grund. Tenn Thomas Normann war damals noch ein krasser Fuchs" und hatte wohl das Wollen-, aber nicht das Können". Auch der verehrliche Maßen nennt ja die Gewohnheit seine Amme. So ging denn unser Hiddi-gv-p.!i während der ersten Wochen seineZ Fuchsdaseins meistens in einem Zustand des Gemüths umher, der in Wad-heit nichts Gemüthliches mehr hatte. So groß war darob das Mitlrd seiner Kommilitonen, daß sie ihn foppten und narrten, wo es nur anging das Dichten und Trachten fcer Studenten ist nun einmal böse vom elften Semester an. Den schlimmsten Streich spielte ihm aber sein Fuchsmajor, ein Jüngling. umglänzt von der Aureole aller akademischen Tugenden, der Freund feuchtfröhlichen Stilllebens, den das deutsche Kraftwort Kneipe" in Bec.eisterung versetzte. Warnen ist Schall und Rauch, nennen wir ihn deshalb bei seinem Kneipnamen Spund". Lon allen am liebsten rieb sich Spund an dem unschuldigen Füchslein und besonders gern neckte er ihn mit seiner Vorliebe für ein delikates Schweinefettbrot. Eines Sonntags früh rückte Hiddigeigei in fidelster Stimmung seinem Freunde Spund auf die Bude, um diesen laut Verabredung zu einem Frühschoppen im Sonnengarten abzuholen. Spund schlief noch in dem Ncbenkabinet den Schlaf des Gerechten; nach langem Rütteln und Schütteln gab er endlich seine Bereitwilligseit, dem Weckruf Folge zu leisten, zu erkennen. Um ihm die nöthige Zeit zu lassen, begab sich Hiddigeigei in das Wohnzimmer, wo er Spund's Bibliothek, seine naturwissenschaftlichen Sammlungen, den Laubfrosch im Glase und den Zeisig im Käfig, betrachtete. Lächelnd beguckte er auch ein paar abgezogene Vogelbälge; denn er kannte Spund als leidenschaftlichen Sammler. Plötzlich fiel sein Blick auf den Tisch und ein Blitz freudigen Erstaunens zuckte über sein ländlich-sittliches Vollmondantlitz. Was erblickten seine Augen. Einen Napf mit Schweinefett, weiß und zart, wie frischgefallener Schnee daneben einen Laib Brot, ein Messer und einen Teller alles wie vorbereitet zu einem delikaten Lunch. Hiddigeigei zauderte nicht lange. cmn -- C t. c 5 n miu ernern ourcy oie ruyllngsiUsl und das lange Warten aut aufaefrischten Appetit begann er Stück für (-?tuck von seiner Beute zu vertilgen. Endlich erschien Spund in Hemd und Hosen, alten Filzschuhen und mit der Brille auf der Nase. Morgen hiddigeigei da fiel sein Blick auf das Fettbrod, von da schnellte er blitzschnell nach dem Tische hin im selben Augenblicke stieß. Spund einen Ruf des Schreckens aus. Teufel, Junge Du hast doch nicht etwa von dem dem Fett da gegessen?" Ja gewiß.Bombenelement, das ist eine nette Vescheerung," rief der Bursche entsetzt. Da mach' nur Dein Testament, Fuchsr Was ist denn mit dem Fett?" forschte Hiddigeigei erblassend. Was damit ist? Mit Arsenik gemischt ist's, dummer Kerl ich brauche es zum Gerben der Vogelbälge." Ich Unglücklicher ächzte Thomas verzweifelnd. Was soll ich thun?Jch will schnell nach einem Arzt schicken - Ja, ja ich fühle bereits einen grimmigen Scherz in meiner Eingeweide 0 rette mich, Spund, ehe es ZU spät ist!" Halt eine Idee,- jubelte der Bursche plötzlich, stürzte zur Thüre hinaus und kehrte nach einer halben Minute, mit einem großen Napfe Milch zurück. Da trink Hiddigeigei setzte instinktmäßig das Gefäß an die Lippen und würgte den Trank in wahren Bierjungenzügen hinunter. Wirkt es?Noch nicht - Der gefällige Spund verschwand noch einmal, sich von seiner Wirthin heißes Wasser zu erbitten. Gleich darauf erschien er wieder mit einem großen Blechtopfe voll, in den er ohne Besinnen ein halbes Stück Butter fallen ließ. So heißes Butterwasser das anerkannt vorzüglichste Mittel schmeckt zwar verteufelt fad indessen " In der Noth - jammerte der Fuchs, indem er in fiebernder Unruhe darnach griff. Brr Er schüttelte sich. Nur hinein damit," ermähnte Spund, es hilft!Hiddigeigei schluckte wie ein Verdurstender. Hier ist noch ein halbes Stück Butin zum Nachtifch!" Der Besucher fuhr entsetzt zurück. Doch, was half eZ mit einer wahren Iammermiene biß er in das avpetitliche ländliche Produkt, kaute und vürgte auS Leibeskräften. Dann
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pgrzlt er .wie to Wahnsinniger hinaus. Spund barrte mit einer in Anbetracht der gefährlichen Situation etwas merkwürdigen Gemutysruye ver sune derkehr Hiddigeigeis. Als diese nach etwa einer Viertelstunde erfolgte, eilte er dem Freunde geschäftig entgegen und nef frohlockend: Freu Dich, Hiddigeigei weißt Du. waö ich soeben entdeckt habe?" Wa waS denn?DaS Fett, von dem Du gegessen hast, enthält gar kein Arsenik den Napf mit meinem Conservationspraparat finde ich eben im Schranke.Der Fuchs erwiderte zunächst nichts nur in seinem Antlitz malten sich sein: erlösenden Empfindungen. Dann aber fuhr er wüthend auf. Warte!- rief er, das werde ich Dir nie vergessen, warte nur!" Mehr als ein Semester war verstrichen. Hiddigeigei hatte schon seit Wochen Fuchskouleur abgelegt, als Vollbursche thronte er an der Kneiptafel. Hiddigeigeis Corps feierte sein Stiftungsfest. Spund als derzeitiger erster Chargirter bekam alle Hände voll zu thun, und daß er auch während der Festtage das Seinige redlich that, kann man sich denken. Der Teufel halte das länger aufstöhnte er, als er nach dem letzten Festabende nach Hause schritt, diese Nacht muß ich schlafen.- Hiddigeigei lächelte etwas maliciös. Ich bringe Dich nach Hause,- sagte er, wir hinken noch eine Weiße." Bald saßen beide einander gegenüber beim schäumenden Glase. Da erschien Spunds Wirth im Zimmer mit einer Depesche in der Hand. Spund öffnete daö Couvert. Von meiner Tante Katherina in Halle sie reist morgen ins Bad und kommt um acht Uhr zehn Minuten in K. an, wo sie zwei Stunden Aufenthalt hat. Und ich Unglückseliger soll sie dort am Bahnhof erwarten!" Was ist da dabei? K. ist nur zweieinhalb Stunden entfernt." Aber bei meiner Müdigkeit? Nun muß ich schon um fünf aufstehen - So laß die Alte sich allein lang-weilen.-Geht nicht 's ist ja meine Erbtante. Wenn ich nur noch einen Wagen bekomme " Weißt Du was? Ich bestelle ihn für Dich. Und wenn Du gewillt bist, ein Uebriges zu thun. Jnwiefern?Uns zu traktiren, mein' ich so berede ich noch heute Abend einige Kommilitonen, daß wir uns Dir anschließen." Spund griff den Vorschlag mit Freuden aus. Famos, altes Haus, da thätet Ihr mir einen Gefallen. Ich weiß ohnehin nicht, was ich mit der guten alten Dame anfangen soll. Auf ein halbes Dutzend für jeden soll mir es nicht ankommen." .Topp!Sie stießen an und stärkten sich gehörig. Hiddigeigei ließ sich auch nicht eher abwimmeln-, als nicht die Glocke die Mitternachtsstunde verkündete. Da endlich streckte er dem Freunde die Hand zum Abschied entgegen. Nun schlaf noch ein paar Stunden, altes 5)aus hast's nöthig.Er ging und Spund schnarchte nach fünf Minuten wie eine Dampfsäge. Plötzlich er mochte noch keine halbe Stunde geschlafen haben fuhr er hastig empor. Was war das? Klinglinglinglinglinz" und so fort ging es ununterbrochen. Wer, zum Teufel, hat mir denn einen Wecker in die Stube gestellt? Gewiß meine Wirthin und nun weckt das Biest schon um halb eins!" Alles in der Welt hat aber ein Ende, auch die eintönigaufdringliche Melodie des Weckers. So konnte Spund sich nach drei Minuten beruhigt wieder auf die Seite legen. Ich muß mit Ertrapost schlafen, dachte er bei sich, ich habe nur noch viereinhalb Stunden Zeit. Sprach's und that's. Plötzlich Klinglinglinglinglingling" und so fort. Wieder schreckte Spund empor, rieb sich mit allen Sympthomen der Wuth und des Erstaunens die Augen. Was ist denn in aller - Welt mit dem Ungethüm los kann es denn sein Maul gar nicht halten? Diese Gans von Wirthin hätte was Gescheiteres thun können.- Wieder mußte er aushalten, wieder befragte er seine Uhr der Zeiger war wieder erst um eine halbe Stunde weiter gerückt. Diesmal schlief er nicht gleich wieder ein ; unruhig wälzte er sich hin und her. bei sich die Strafpredigt memorirend, welche er morgen früh der Zimmerwirthin zu halten gedachte. Mit der Zeit wurden aber die Lider schwer, er befand sich in dem Stadium des Uebergangs vom bewußten in den unbewußten Zustand und wäre vermuthlich einen Augenblick später in den Gefilden des Traumgottes -selig kneipen gegangen, wenn ihn nicht .die Stimme des unermüdlichen Weckers durch Zauberschlag wieder emporgerissen hätte. Der Arme schäumte vor Wuth. Er sprang auS dem Bette und tastete im Zimmer umher, um den Attentäter zu erwischen. . Vergeblich. Er zündete Licht an und sah sich darnach um. Nirgends ein Ding, daZ mit einem Wrcker die entfernteste Aehnlichkeit besaß. Die reine Zauberei keuchte Spund, wenn ich nur das Biest in die Faust bekäme! . Ich bin blos neugierig, ob das Monstrum um Zwei wieder rurnsrt." ,
I -ttrib richtig aus t!e Minute gnig daS Holterdiepolter loS. Unverzllglich war 3punb auf den Beinen und lauschte nach der Richtung der Töne. Sonderbar! Drangen sie nicht auS seinem Kleiderschranke hervor. Ganz gewiß. Er zerrte an der Thüre deS Schrankes, fand sie aber verschlossen. Und der Schlüssel, der sonst immer im Schlosse streckte, glänzte durch Abwesenheit. Aha, ein Streich von Hiddigeigei," murmelte zornig der Student. Wie der Kerl das nur angefangen hat?Ja, wie es gab keine Möglichkeit, dem Geheimniß auf die Spur zu kommen. Der Hallunke hatte den Schlüssel abgezogen und vermuthlich in die Tasche gesteckt. Spund riß an der Thür, vochte und hämmerte, der Schrank hielt sich wacker. Frierend kroch er zuletzt in das Bett zurück inzwischen war die Zeit des geheimnißvollen Instruments wieder erschienen und der Bimbam ging von Neuem los. Um daS Unglück voll zu machen, wurden nun auch seine Nachbarn rebellisch, donnerten an die Wände, begannen mit um die Wette zu fluchen und zu raisonniren. Der Wecker fiel zur rechten Zeit harmonisch ein ein Höllenspetakel! Welch' eine Nacht! Da schlug eS fünf Uhr. Hiddigeigei, der sich am Abend vorher von Spund den Hausschlüssel hatte geben lassen, erschien mit vier anderen Freunden, die sich zur Mitfahrt entschlössen hatten, auf dem Schauplatze. Spund saß, bereits angezogen, übernächtig in seinem Lehnstuhl. Mit freundlichem Guten Morgen" traten die Kommilitonen auf ihn zu die Schufte, er merkte auf der Stelle, daß sie in das Geheimniß eingeweiht waren. Nun, Spund, gut geschlafen?" erkündigte sich Thomas mit seinem liebenswürdiasten Grinsen. Hast wohl tüchtig geschnarcht ud bist nun wieder munter wie ein Wachtelhund?" Frisch genug, um Dich zu beißen. Du infamer Spitzbube,- donnerte Spund wüthend, indem er auf den Tisch schlug. Wo hast Du meinen Schrankschlüssel?" schrie er ihn an. Deinen Schrankschlüssel?Eben schlug es fünf klingling-linglinglingling-etc. etc. klang es aus dem Schranke. Den Schlüssel her,- brüllte Spund. Richtig, den hatte ich gestern auS Versehen eingesteckt,- besann sich Hiddigeigei plötzlich. Ich sah nur einmal darin nach, ob Du zufällig ein Schüsselchen von dem delikaten Fett stehen hättest, das ich einmal bei Dir gekostet. habe. Dabel zog er den Schlüssel aus der Westentasche und reichte ihm dem Freund, der ihn hastig ergriff und auf den Schrank zustürzte. Ich weiß jetzt, warum ich Dich gestern Abend hier traf und warum Du mir so gefällig den Hut abnahmst und an den Kleiderhaken hingst. Ich sollte den Verlust des Schlüsselchens nicht merken.- Damit öffnete Spund die Schrankthllr und fuhr bestürzt zurück. . . Nicht ein Wecker stand hier, wie er vermuthet, sondern volle zehn Stück präsentirten sich in schöner Reihenfolge. Die Studenten begannen zu lachen. Spund aber nahm den ersten Wecker, den er fassen konnte und schleuderte ihn grimmig nach Hiddigeigeis Kopf, der sich dem Vombardement schleunigst durch die Flucht entzog. Durch die Thür rief er dann herein: Fertig, altes Haus? S'ist fünf Uhr durch wir müssen aufbrechen.Spund, dessen erste Wuth sich in der gemachten Kraftanstrengung erschöpft hatte, beschloß, gute Miene zum bösen Spiele zu machen. So brachen die Burschen auf, munter und fidel, bis auf Spund, der wie ein Leichenbitter dahinschritt. Auf der Straße angelangt, fragte er: Wo ist denn der Wagen?" Bedaure, keiner mehr zu bekommen," rapportirte Hiddigeigei. Auch das noch?- jammerte der schwergeprüfte Musensohn. Dann aber ergab er sich stillschweigend in sein Geschick. Der Morgen war schon heiß und die Landstraße staubig wahrlich, es war ein schrecklicher Marsch für ihn. Er hätte können im Stehen schlafen. ' Auch dieser Kelch ging endlich vorüber. Sie standen auf dem Bahnhof von K. Gerade noch zur rechten Zeit, der Zug fuhr eben ein. , Spund ließ die Passagiere scharfe Nevue passiren keine Tante Katharine Nicht einmal da auch das noch. O, ich Unglücksvogel! Was mm? Was nun? Natürlich die versprochenen Schoppen," erinnerte Thomas mit Pfissigen Blinzeln. In diesem Augenblicke tauchte eine Ahnung der Wahrheit in dem Sohne der alma mater- auf. ' Hiddigegei Mensch auch das! pi itn crn i C ii Jveiii xücii: Dann faßte er blitzschnell einen aroßen Entschluß. Mit drei Sprüngen war er drinnen im Bahnhof? Hotel, eine halbe Minute später hatte er ein Zimmer bestellt, zwei Minuten nachher befand er sich bereits darin und weitere fünf Minuten später lag er tief in den Kissen begraben und schnaubte mit der vorüberbrausenden Lokomotive um die Wette. Seine letzten Worte an den Kellner sollen gewesen: ; ; ., . Ich denke einen ' langen Schlaf zu thun. . Denn dieser letzten Tage Qual war groß; Sorgt, daß man. nicht zu zeitig mich . v:; erwecke!"
' Amsterdam. ' Lon Ernst Förster. DaS nordische Venedig!" Wie im endlich oft ist dieser Vergleich auf Hollands Hauptstadt angewandt worden! Ich denke mir, daß ihn einer jener sentimentalen- Reisenden des vorigen Jahrhunderts zuerst gemacht haben mag, die die große europäische Tour unternahmen und ihre Beobachtungen gern in geistreichen Apersus niederlegten, bei denen es ihnen auf einige Schiefheit des Urtheils nicht gerade ankam. Und schief genug ist der Vergleich. In Venedig stille Lagunen, von schweigsamen Gondeln lautlos durchfurcht; in Amsterdam belebte Wasserftraßen, von Kähnen, Booten und Dampfern unablässig belebt; dort alles Vergangenheit, verfallene Größe, melancholische Geschichte, hier eine rastlos thätige und strebende Gegenwart; dort imponirende, kunstvolle, mannigfaltige, aber baufällige Adelspaläste, hier lange Reihen nüchterner, monotoner, solider Bürger- und KaufmannsHäuser; dort Hesperienö blauer Himmel und bewegliches, schönheitsreiches, aber träges Volk, hier Hollands grauer Horizont und der langsame und langweilige, gediegene und zielbewußte Mynheer; dort ein großartig harmonischeö Ineinandergreifen von Natur und Kunst, hier ein Wunderwerk menschlichen Fleißes und menschlicher Thatkraft, einer traurigen Schlammwüste und dem zerstörenden Ocean abgerungen. Und dennoch hat der sentimentale Reisende, den wir uns als den Vater des Vergleiches zwischen Amsterdam und Venedig denken, ein wichtiges, beiden Städten gemeinsames Moment instinktiv richtig herausgefühlt: den großen Reiz der belebten Wasserflächen, die ja überall einem Städtebilde die wirkungsvollste Schönheit und Eigenart verleihen und in Deutschland z. B. Hamburg so sehr zum Vortheil gereichen. Waö aber Amsterdams volle Eigenthümlichkeit erst in'sLicht stellt, das ist der Umstand, daß seine Wasserflächen nicht seit uralten Zeiten ein Geschenk der Natur sind, sondern daß wir ibre allmäliae Entstehung im Verlaufe der Menschengeschichte genau verfolgen können. Denn wenn wir uns an die Stelle der heutigen Metropole vor 700 Jahren versetzen, so smden nnr nur die trägen Laufes dahmslledende vxm stel. und da, wo noch heut' der Hauptverkehröplatz der Stadt, der Dam", durch seinen Namen die Erinnerung an dies Ereigniß bewahrt hat, einen Damm, den die Herren van Amstel gegen die verheerende See errichtet und mit einem Schlosse besetzt haben. Ein Fischerdorf siedelte sich lm Schutze sei ner Mauern an, und schwerlich wäre aus diesem Fischerdorfe je etwas ge worden, hätte sich nicht im 14. Jahrhundert ein elementares Naturereigniß vollzogen. Das Meer brach über die schutzlose Küste herein, bildete die Juvder - See und entsandte einen Av fluß daS V, bis zur Amstelmündung. Da war das Fischerdorf zur Seestadt geworden und konnte die unter schwe ren Kriegsläuften leidenden Rivalin nen Haarlem und Leyden überflügeln. Als dann ln dem Kampfe gegen Spa nien auch das blühende Antwerpen nie derging, begann Amsterdams Glanzzeit. Seine Entwickelung spiegelt sich deutlich in den Eanalen, den Grachten, die :m Halbkreise, an beiden Endpunk ten sich auf I stützend, gezogen wurden und von Penck sehr treffend die Iah resringe des Wachsthums Amsterdams genannt worden sind. Die winklige Altstadt umschließt die Festungs-(Singel-) Gracht; 1585 wurde die ErWeiterung der Stadt notylg, die Hee ren - Gracht bezeichnet, und die Key-sers-, Prinsen- und schließlich die äußere Singel - Gracht zeigen, wie die Stadt bis 1653 immer neues Terrain brauchte. So entstand ganz allmälig daS characteristische Stadtbild Amster dams: zahllose, von Ulmen begleitete Wasseradern, von zahllosen Brücken überspannt, enge, winklige Straßen - alle gewissermaßen von Natur dem F zustrebend, der großen Wasserstraße, die Amsterdams Pulsader, die Grundläge seines Wohlstandes bildet. Sehr hübsch sagt Hansmkob, daß die Stadt gewissermaßen ihre Arme nach all' den Schiffen und Fremdlingen öffnet, die ihrem Meerbusen sich nahen. Es kam freilich die Zeit, wo die Amsterdamer ihr stilles V nicht mehr mit der alten Liebe ansahen. Es war ihnen zu entlegen; die Schiffe begannen den weiten Umweg durch die Zuydersee zum V zu scheuen und zogen den seenaheren Hafen Rotterdam vor. Da gingen die Amsterdamer wieder unverzagten Muthes daran, die Natur und ihre Ungunst zu besiegen und legten den roßen, für alle Seeschiffe zugänglichen Canal an. der Amsterdam direct mit der Nordsee verbindet. Seit der Vollendung dieser gewaltigen culturtechNischen Leistung (1876) ist Amsterdam in ein Stadium neuer Blüthe getreten: die Stadt ist in's Y selbst vorgerückt, dessen Eindämmung ein Terrain gob, durch dessen Verkauf ein erheblicher Theil der Millionen des Eanalbaues wieder herausgeschlagen wurde. Hier im Neulande des Z) liegt auch der Hauptbahnhof, und wer mit der Bpoorvej in Amsterdam einfährt, der genießt sofort den großartigen Blick auf die mächtigen, Hafenanlagen mit ihrem dichten Mastenwalde, wo bet gewaltige Ostindienfahrer neben dem flinken Zuyderseeboote und dem Küsadampser liegt. ! Waö so der Natur abgerungen wurtt, muß auch weiter stets von Neuem ihr abgerungen werden. Allnächtlich wird in die Grachten frisches Wasser eingelassen, damit sie nicht verschlälp men. Daß Amsterdam ganz auf einer Moor- und Schlammschicht ruht, muß zu seinem Nacktheile Jeder, der ein j
V6u5 6aüm will, erfahren. 'Nittauj Pfählen, die in ' den unteren festen Sand eingerammt werden, -können hier Häuser ruhen; auf solchen Pfählen steht ganz Amsterdam, ein Wald von 13,659 Stämmen war allein als Fundament für daö Rathhaus, jetzige königliche Palais erforderlich und nicht ohne Berechtigung konnte Erasmüs von Rotterdam spotten, er kenne eine Stadt, deren Bewohner wie Krähen auf den Bäumen wohnen.. Noch im Jahre 1822 ist ein großes Magazin mit 70,000 Centnern Korn einfach in die Erde versunken, weil das Pfahlfundament diese Last nicht zu tragen im Stande war. Die ungeheueren Kosten, die der Bau eines Hauses schon unter der Erde verursachte, mögen dann die Ursache gebildet haben, warum auf den Oberbau nicht mehr zu viel verwandt wurde. Architectonisch ist Amsterdam eine unerfreulicheStadt. Straßauf straßab erscheint immer der gleiche Häusertypus: das meist in Backsteinrohbau ausgeführte schmale Familienhaus, und diese Häuser scheinen sich, dicht aneinander gedrängt, gegenseitig förmlich in die Höhe zu pressen". Ob diese Häuserreihen sich an den Canälen entlang ziehen, ob sie schmale, winklige Straßen bilden immer bleiben sie gleich langweilig. Aber immer entschädigen auch dafür die malerischen Blicke, die diese aus zahllosen Inseln bestehende Stadt überall bietet und das Leben, das sie durchpulst. Da ist die Gracht. Hohe Speicher und Kaufhäuser an ihrem Ufer erzählen von den reichen Schätzen des Orients und Occidents, die hier zusammenströmen: Kaffee und Tabak, Reis, Zucker und Gewürze. Ein Dampfer, der hier die Stelle der Tramway vertritt, durchfurcht sie und läßt einen breiten Schlammstreifen hinter sich. Schwere Lastboote bringen die Ladüngen heran, große flache Boote füh ren sie den Krähnm zu, die sich am Ufer erheben, wo sich eine langeUlmenreihe hinzieht und im Hintergrunde der Blick auf einen bizarr gestalteten Kirchthurm sich eröffnet. Durch das geschäftige Handelsvolk schreiten fremdartige Gestalten mit tiefdunkeln Gesichtern, Söhne Indiens, die die Hauptstadt des beherrschenden Volkes
aufgesucht haben, oft auch Mischlinge von Holländern und von indischen Frauen, mit denen sich die nach Indien gehenden Holländer nicht selten verheithen. Sonderbare singende, gedehnte Rufe ertönen: fahrende Händler, die mit stereotypem Worte und Tonsall ihre Waare feilbieten. Es gibt zwar einen großen Gemüse- und Fischmarkt in Amsterdam, aber die Tagesbedurf nisse werden stets durch diese fahrenden Handler gedeckt, die Fische, Gemüse, Töpfe und Gott weiß, was noch Alles. ausbieten. Ist das Leben hier schon lebhast, so steigert es sich bis zur ver wirrenden Geschäftigkeit am Hafen, wo der Handel einer Welt ein- und ausfluthet, in der schmalen Kalverstraat. die die Hauptverkehrsader der Stadt bildet, im Judenquartiere, in dessen engen düsteren Gassen der Straßentrodel und die Diamanten schleiferei ihre Stätte haben; für diese ist Amsterdam bekanntlich der Haupt platz der Welt, und sie liegt fast ganz in den Händen der Juden. Die Juden haben Amsterdam ein zweites Jerusalem genannt, weil sie bei dem duldsa men Holländervolke eine Heimath fanden, und noch heute bildet die Judenschaft nahezu ein Achtel der Amsterdam mer Bevölkerung. Größtentheils ist stc in ihrem Viertel zusammengedrängt, in daö erst die neueste Zeit etwas Luft und Licht zu bringen begonnen hat. Aus der Zentral Station und am Dam" trifft der Fremdling zahlreiche Hebräer, die sich ihm mit oft lästigem Eifer als Wegweiser anbieten; ihre reichen Glaubensgenossen aber haben längst das Ghetto verlassen und in Amsterdams Handelsleben große Bedeutuna gewonnen. Der Hauptplatz der Stadt ist noch heut zener alte Dam. Hier steht die Börse, ein antiker Tempel, in dem gewaltige Capitel aus der Geschichte des modernen Reichthums sich abgespielt haben, in dem Gutzkow auch Manasse Vanderstraten's Schicksal sich entscheiden läßt; dieser Tempel deS Merkur soll aber bald einem modernen Prachtbau weichen. An der Südseite des Platzes steht das Paleis, ein Renais sancebau aus dem 17. Jahrhundert, der ursprünglich als Rathhaus diente und in seiner ernsten, massigen Er scheinung auch diesem Zwecke trefflich entsprach; seit 1803 aber ist der Bau der königliche Palast die Stadt selbst bot ihn Louis Napoleon als Re sidenz an und als solcher wirkt er (nach Maxime du Camps Urtheil) kalt, prätentiös und ein wenig kaserneuartig. Das gilt auch vom Innern. Diese großen Säle paßten tresflich zu den hochgebietenden, ernsten, feierlichen Rathsherren der mächtigen Stadt; zu dauernd bewohnbaren Räumen eignen sie sich wenig und all ihre reiche Pracht wirkt frostig. Leider wirkt het paleis auch insofern ungünstig, als seine Masse daS schönsteBauwerk deö DamS, die Neue Kirche (nteuwe kerk) beinahe erdrückt. Sie ist die schönste iicke der Stadt, ein spätgothischer ra.. .: jci: crni . ' . " c . uu vuu mutiger mriung uno einer feinen Durcharbeitung der Details, die man sonst an holländischen Kirchen selten findet. Leider hat die holländische Nüchternheit daö Innere des Baues beeinträchtigt. Holzeinbauten stören die harmonische Gesammtwirkung, und aller. Bilderschmuck ist im Lande der Bilderstürmer verpönt; doch sprechen die schlanken, hoheitsvollen Formen des Gebäudes noch immer eine beredte Sprache. Daö Grabmal des alten Seehelden de Ruyter. deS Schreckens deS unermeßlichen Oceans-, erinnert an eine glorreiche Vergangenheit und leuchtende alteGlasfenster senden bunte Lichtwellen bwab. Bald werden
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ADE MARtt diese Fenster um eines vermehrt sein, auf dem die Krönung der Königin Wilhelmina geschildert sein wird eine Art Seitenstück zu jenem Glasfenster in der Alten Kirche, auf dem die endgiltige Bewilligung der niederländischen Unabhängigkeit durch Philipp IV. von Spanien dargestellt ist. . Draußen, außerhalb der Buitenstngelgracht ist ein neues Amsterdam entstanden, breite, schöne Straßen mit stattlichen Alleen und gar schmucken, mannigfaltigen Häusern. Dies Amsterdam sieht mehr europäisch und wenizer holländisch aus; der Fremde aber Wird bei aller Anerkennung seiner Borzüge doch immer das alte Amsterdam aufsuchen, diese unvergleichliche und merkwürdige Stadt der Grachten und der malerischen Winkel, dies zauberhafte Menschenwerk, das ein so stolzes Zeugniß der Kraft menschlichen Willens und menschlicher Intelligenz bildet. E i n V o r s i ch t i g e r. Schloßbesitzerin, (zu dem Vereh.er ihrer Tochter): So weit mein Blick reicht, ist alles mein.- Baron (leise zur Tochter): Sieht Ihre Frau Mutter aut?Gutes Vorbild. Jetzt bist Du vier Wochen verheirathet und kommst alle Augenblicke mit Klagen über Deinen Mann. Schämst Du Dich nicht?- Aber, Vater, er. streitet jeden Tag mit mir." Lächerlich. Deine Mutter und ich streiten schon seit dreißig Jahren jeden Tag. und wir leben doch annz friedlich mUinunder.Saloon u. Billiard-Hall 0.92 OK Washington Str. Fokn Meilacher. ,. iatttbümtt 5V" MOZART - HALLE, 87 uud 39 Süd Delaware Straße. Die Älteste, aröftte und schönste derarttae Halle in Indianapolis, jetzt neu und elegant uge stattet, steht verrlnen und Privaten ur b Haltung von uonzerten, Bällen, ersammlunge u.s.w unter liberalen Bedinaunaen ,ur Ber ügung. Ulub'Rüume für Verein sind jeder ei iu havrn. Vellhellls HZWs, Mäonerchor Halle. Feinstes Restaurant und altdeutsche Wirthschaft. Beste deutsche Küche. ' Lieber'S .Specral Brew- an avf. Die feinsten Weine, Liquöre und Cigarren. Zwei Kegelbahnen stehen zur Verfügung. Vorzüglicher 5viübftUckS'. Mittag und oendtlfq. Franz Büddicker, 337 Sst Onshington Ltrnßs. relexho 1002. :: Die gemüthliche Ecke :: Noble S5 Market Qtv. wo JstMW WTfi,.TstlR''R wj w II h ii w n a um wi n n v VJLB.XV ff Ji-iJLrji-iJLU. (mmm rtl&t fct ftftn sfrtiF ttnfc fTAAv. reit nnd dm feinsten Lunch vorsetzt, ist allbe kannt. Vergessen Sie nicht dort einzukehren. I VtttVftt HUVII V V VVVII W V 144 Aergert Dich Dein Auge ! ! so. reifte el ni&t tut. nnh trU tl ir npiniivcn! vita an jJTTEP. CtX.' WkriiUk IrtNOON KOK. . INDIAMAMIU-IND. urnruwa ttnltr skr Deine ae bat nBtftiae Olal nferttst. stttche ge erde schwer,!,. fBl,. O tj i i i c n werde kiA I liiern Eltileita Im Exai Itttftt. -
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