Indiana Tribüne, Volume 22, Number 21, Indianapolis, Marion County, 9 October 1898 — Page 3
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xww juvvui Roman von Ludwig Habicht (4. Fortsetzung.) Fragt die Liebe nach mein oder 'dein?" entgeguete er mit Kisem VorWurf. Würde nicht alles was mein ist, auch das Ihrige sein?" Um wie steht es mit dem, was Sie besitzen, Botho?" fragte sie jetzt wieder kühl. Haben Sie, nachdem Sie Ihre Geschwister abgefunden, auf Lichtenberg nicht hart zu kämpfen? Sie sind nicht reich genug, um eine Frau zu heirathen, die nicht etwas zur Führung Ihres Hausstandes beizusteuern dermag." Dieser Entwurf blieb auch auf den Baron nicht ohne Wirkung. So groß seine Liebe zu der Gräfin war, er hätte doch kein Landedelmann sein, nicht schon seit Jahren unter den sich immer schwieriger gestaltenden Verhältnissen gelitten haben müssen, um nicht einzusehen, was es für ihn heißen würde, eine Frau wie Franziska in sein Haus zu führen, ohne zugleich die Mittel zur Befriedigung der Ansprüche, zu der sie berechtigt war, mit ihr zu erhalten. Er schaute ein paar Minuten nachdenklich vor sich nieder, und mit einem jener Triumphe, unter denen der Obsiegende am schwersten zu leiden hat, nef sie: Ich sehe es Ihnen an; Sie geben mir recht; Sie sind mit mir einverstanden!" Nein, Franziska, Sie irren sich," erwiderte er, durch diesen Anruf erweckt, ich bin nur eine Minute mit tnir selbst zu Rathe gegangen." Und das Ergebniß ist " ' Daß wir nicht zu verzichten brauthen," sagte er fest. Wohl wird es mir schmerzlich sein, Sie nicht mit aU lem umgeben zu können, was Ihnen zukommt. Aber wir können auch in bescheidenen Verhältnissen glücklich sein." Sie täuschen sich, ich liebe nicht die dürftigen Verhältnisse in der Ehe." . Dürftig?!" wiederholte er verletzt; so schlimm steht es noch lange nicht." Streiten wir nicht darüber, mein lieber Baron. Wie wir die Sache auch drehen und wenden, es kommt, nichts anderes heraus als: wir müssen entsagen. Ich habe nun einmal den unbändigen Stolz " Der stärker ist als die Liebe?" warf er schmerzlich dazwischen. Der, Sie todten würde!" antwortcte sie ohne zu zögern. Es könnte aus unserem Ehebunde kein Glück erblühen. Wenn ich dem Manne nicht mindestens ebensoviel zubringen' kann, wie er. selbst besitzt, dann werde ich nicht seine Gattin, und wenn auch einem von uns das Herz darüber brechen sollte. Und Sie sind ein Mann, Baron. Es wird nicht mein lieber, theurer Nachbar sein, dem- dieses Unglück begegnet," setzte sie mit einem seltsamen Lächeln hinzu. Und wenn mir auch nicht das Kerz darüber brechen sollte, so werde ich doch niemals aufhören, Sie zu lieben und mit meinem letzten Athemzuge noch den Wunsch aussprechen, .Sie zu besitzen!" rief der Baron leidenschaftlich, und obwohl von mancher ihrer Aeußerungen verletzt, bemühte er sich doch mit dem ganzen Aufwande der ihm zu Geböte stehenden Beredsamkeit, sie von ihrem Entschlüsse abzubringen. Es war vergeblich. Enden wir diesen Auftritt, Baron," bat sie endlich, lassen Sie uns in Frieden scheiden." Scheiden?!" wiederholte er; verstehe ich Sie recht? Das soll ein Abschied sein? Sie wollen mich nicht wiedersehen?" Es ist besser so für uns beide. Den Freund, den Nachbar hätte ich gern behalten, den werbenden Liebenden " So lassen Sie mich Ihren Freund und Nachbar sein, bis- " Sie fühlen selbst, wie unhaltbar ein solches Verhältniß sein würde," unterbrach sie ihn mit angenommener Ruhe, es würde nur zu endlosen Qualen für uns führen. Nein, sagen wir uns Lebewohl, meines Bleibens in Wiesenburg wird ohnehin .nur noch wenige Tage sein." Sie reichte ihm die Hand und wiederholte: Leben Sie wohl,-Baron, und haben Sie Dank für Alles, was Sie mir gegeben haben, was Sie mir gewesen sind!" Keines Wortes mächtig, druckte .er die Hand an seine Lippen; dann wandte er sich ab und stürzte, ohne sich noch einmal umzublicken, davon. Aufrechtstehend schaute ihm Gräsin Franziska nach, bis er im Gebüsch verschwunden war; dann sank sie mit einem Schmerzenslaut tootenbleich, halb ohnmächtig auf die Bank zurück. So schwer der Baron gelitten, er konnte doch nicht ermessen, was diese Stunde st gekostet. 5. Ferdinand Hammers war aus Ber Vm zurückgekehrt. Er hatte allerdings den Onkel Böster nicht zu bestimmen vermocht, noch ein Kapital in das Fabrikgeschäft zu geben, aber doch von ihm die Zusage erhalten, daß er vorläufig allein die dreimalhunderitausend Mark decken und auch für einige Zeit auf die Zinsen aus der Mitgift seiner Frau verzichten wolle. Er fand dm Vater noch auf dem Krankmlager, denn hatte die Verwundung sich auch nicht als schwer titelt sen, so war doch eine Erschütterung des ganzen Nervensystems eingetreten, und der Hausarzt, der jetzt wieder die BeHandlung übernommen, hatte die slrengste Ruhe anempfohlen. Die Ver ordnung war jedoch sehr sch-wer zu befolgen, da Hammers durchaus von alJen Vorgängen unterrichtet sein wollte, vbpohl er in der ersten Aufwallung
seiner Frau versprochen gehabt, alleZ getrost in ihre Hände zu legm. Er hatte auch kaum die Ankunft seines Sohnes erfahren, als er ihn sofort zu sich entbieten ließ und nach dem Ergebniß seiner Reise fragte. Wider Erwarten war er damit im hol.en Grade zufrieden. Wenn Rudolf die dreimalhunderttausend Mark deckt und mich auch wegen der Zinsen für meine Schwester nicht drängt, dann bin ich gerettet, dann brauche ich nicht Concurs anzumelden, dann arbeite ich mich bald wieder empor!" rief er und ruhte nicht eher, als bis seine Frau nach seinem Diktat einen Dankbrief an den Schwager geschrieben hatte, in welchem diesem die Versicherung gegeben wurde, daß er nicht um einen Pfennig bei ihm kommen solle. Frau und Sohn wunderten sich über diese Auffassung der Dinge, obwohl besonders die erstere an einen solchen Stimmungswechsel gewöhnt war. Hammers war durch und durch Optimist, aus diesem Grunde eben konnte er von über ihn hereinbrechenden Schicksalsschlägen mit einemmale gänzlich niedergebeugt und zu Entschlüssln gedrängt werden, die in den Verhältnissen nicht begründet waren; ebenso rasch schnellte er aber wieder empor-und sah die Dinge im rosigen Lichte. ü. So war es mit dem Schlüsse derFabrik gewesen, und so war es jetzt, nachdem ihm in letzter Stunde die Zustimmung zu deren Weiterführung abgerungen worden war, nachdem ein gütiges Geschick die Vollendung seiner Ver zweiflungsthat verhindert hatte. Er sah jetzt keine Schwierigkeiten mehr, träumte sich schon wieder an der Spitze eines in hoher Blüthe stehenden Unternehmens. Frau Hammers und Ferdinand ließen ihn gern dabei, da eine solche Stimmmung seiner völligen Genesung nur förderlich sein mußte, und kämpften allein den harten Kampf, den sie durch die Fortführung der Fabrik auf sich genommen hatten. Die Aufgabe erwies sich weit schwerer, als es in der ersten Begeisterung ihnen erschienen war, obwohl sie außer Zuckschwert noch andere einflußreiche Freunde gefunden hatten, die Beistand leisteten, und auch aus Amerika bessere Nachrichten eingetroffen waren. Braddon & Clarke boten ihren Gläubigern einen Vergleich an, bei dem noch zwei Drittel der Summe, die auf demSpiel gestanden hatte, gerettet wurde, und was noch werthvoller war, es gingen auch wieder Aufträge ein, die lohnenden Verdienst versprachen. Die Firma Hammers & Sohn konnte sich also über Wasser . halten, aber es kostete harte Arbeit, Sorge und Entbehrungen. Die verwöhnte Frau Hammers entließ Dienstboten, nahm
allerlei Einschränkungen im Haushalt vor und besorgte vieles selbst. Auch im Geschäft fand Ferdinand im EinVerständniß mtt den? älteren Vertrauenspersonen für angemessen, das Personal zu verkleinern, und es' wurden von dieser Maßregel besonders einige jüngere Angestellte betroffen. r . r. . j fV f. . - C ZU meien geyorie auaj -yeooor Sanders, derselbe junge Buchhalter, der an jenem verhängnißvollen Tage, als Hammers Hand an sich gelegt, die halb ohnmächtige Clelia hinweggeführt hatte. Er war der Sohn eines ganz weitläufigen Vetters von Frau Hammers. der in der nur einige Meilen von Magdeburg gelegenen' anhaltischen Stadt Zerbst in Colonialwaarengeschäft betrieb Infolge dieses verwandtschaftlichen Verhältnisses war der junge Mann der Familie etwas näher getreten, als dies sonst den jün geren Angestellten der Firma gestattet wurde. Theodor Sanders hatte in den Gesellschasten im Hammers'schen Hause, zu denen er zugezogen wurden, auch gar keine üble Figur gespielt. Er hatte das Gymnasium seiner Vaterstadt besucht, als Einjähriger gedient und verband mit einem hübschen Aeußeren sehr glatte, einschmeichelnde Manieren. Er machte besonders auf junge Mädchen einen bestrickenden Eindruck. Am stärksten hatte dieser aber auf die Tochter seines Principals, auf die jugendlich-romantische und sogar ein wenig überspannte Clelia gewirkt. Sie sah in Theodor ihr Ideal, schwärmte mit ihm von einer Hütte und einem Herzen, und der junge Mann hatte sich zu dieser Phantasie gern hergegeben und sie darin noch weit überboten, sah er doch im Hintergrunde den soliden Hammers'schen Reichthum, die Fabrik und sich als Theilhaber der Firma. Was bei Clelia ehrliche, wenn auch irrige Herzenssache war, das war bei ihm kühle Berechnung, Mittel zum Zweck. Die Wirkung des über das Haus dahmbrausenden und es bis in seine Grundfesten erschütternden Sturmes auf diese beiden mußte deshalb eine sehr verschiedene sein. Clelia nahm die eintretenden Veränderungen mit einer Ruhe, einem Gleichmuth, ja mit einer Heiterkeit auf. wodurch ihre Umgebung in das größte Erstaunen gesetzt ward. Einfach gekleidet, war sie vom Morgen bis zum Abend thätig, drängte die Mutter, überflüssige Dienstboten wegzuschicken, da sie sehr gut einen Theil der Arbeiten verrichten könne, und griff mit ihren zarten und geschonten Händen die Dinge wirklich sehr geschickt an. Dabei versicherte sie. daß gerade ein solches Leben ihr weit mehr zusage, als das bisher geführte, und wiederholte diese Betheuerung besonders yegen Theodor, so oft dieser in ihre Nähe kam, was allerdings jetzt nicht oft geschah. Die veränderten Verhältnisse mußten sein Arbeitspensum bedeutend vermehrt haben, er, der sonst immer eine Viertelstunde Zeit zum Plaudem mit Clelia gefunden hatte, ließ sich jetzt gar nicht mehr blicken. . '
Ein argwohnischeres Gemüth al5 das des jungen Mädchens würde sogar auf die Vermuthung ctoirÄ sein, Theodg? gehe ihr geflissentlich aus dem We55, Clelia aber war weit entfernt von diesem Gedanken und würde es als arge Verunglimpfung des Geliebten angesehen haben, wenn i'hrJemand gesagt hätte, Theodor sei im Grunde seines Herzens sehr zufrieden mit der ihm zu theil gewordenen Kündigung, und doch war dies wirklich der Fall. War auf die Hammers'schen VerHältnisse das Bild von dem sinkenden Schisse, das von den Ratten verlassen wird, auch nicht vollständig anwendbar, so glaubte Theodor doch Grund zu haben, seine Versetzung in einen anderen Boden zu wünschen, und klug und verschlagen wie er war, hatte er sogar geschickt auf seine Entlassung hinzuarbeiten verstanden, während eS den Anschein hatte, als müsse er der Nothwendigkeit weichen. ' Das hinderte ihn jedoch nicht, als er sich von Frau Hammers verabschiedete, eine sehr betrübte Miene zur Schau zu tragen und zu versichern, daß er sehr, sehr schweren Herzens scheide, obwohl er das Glück gehabt habe, durch VerMittelung eines Freundes seines Vaters eine einträgliche Stelle in einem Hamburger Eiporthause zu erhalten. ' Und Sie wollen wirklich nachHambürg gehen, Theodor?" fragte Clelia, die der Unterredung beigewohnt hatte, die großen, hellbraunen Augen weit öffnend. Was bleibt mir anders übrig?" entgegnete er. Ich bliebe so gern hier, aber es ist unmöglich." Ach, das meine ich nicht," entgeg nete das junge Mädchen, ich glaubte, Sie würden nach Zerbst zurückkehren und " Ein eintretender Bote rief Frau Hammers nach dem Comptoir und nöthigte dadurch auch Thcodor, seinen Besuch abzubrechen. Clelia fand jedoch Zt, ihm zuzuflüstern: Wir können nicht so von einander scheiden, wir haben uns noch so viel zu sagen. Heute Nachmittag um sechs Uhr im Park' bei dem großen Kastanienbaum." Ein Händedruck gab ihr sein EinVerständniß zu erkennen; sich entfernend murmelte er: Ich glaubte mich auf französisch drücken zu können; aber sie läßt mich nicht los und würde mich möglicherweise mit Briefen bombardiren und compromittiren, denn man kann sich von ihr ganz tollerDinge versehen. Da ist es schon besser, ich steche ihr den Star gründlich und mache der Thorheit ein für allemal ein Ende." Und mit diesen Gesinnungen fand er sich zu der verabredeten Zusammenkunft ein. Es war ein milder, aber trüber 0c tobertag, und der Abend völlig hereingebrochen, als Clelia, in einen dunklen Mantel gewickelt, das hellbraune Haar durch einen leichten Spitzenschleier verhüllt, aus dem Hause schlüpfte und den von ihr selbst bezeichneten Platz unter dem alten, breitästigen Kastanienbaum aufsuchte. Während der guten Jahreszeit, wenn er seine Blüthen gleich weißen Kerzen .zum Himmel emporstreckte, wenn sein Blätterdach weithin Schatten warf und auch noch, wenn die Sonnenstrahlen durch die lichtcr gewordenen Zweige fielen, und die Kastanien in ihren grünen Schalen durch das bräunlich gewordene Laub schlmmerten, war hie? ein sehr angenehmer Aufenthalt, heute aber, wo seine Aeste beinahe kahl dastanden, und der Fuß in die den Boden bedeckenden dürren Blätter versank, war es hier öde und traurig. Der Lärm der Fabrik drang nur gedämpst hierher, der Hund, der in seiner Hütte lag, ließ ein lautes Bellen hören, beruhigte sich aber bald wieder, und dann war es ganz still. Clelia glaubte das Pochen ihres HerzenZ zu hören, und sie war sich doch bewußt, nicht auf verbotenem Wege zu sein. Sie war die Erste am Platze ; brauchte jedoch nur wenige Minuten zu warten. Theodor kam schnellen Schrittes von der entgegengesetzten Seite, und seine Begrüßung war in einen leisen Vorwurf gekleidet: Ich komme, weil Sie es wünschen, Clelia, aber ich hätte es nicht thun sollen. Wenn unZ Jemand um diese Stunde hier an diesem einsamen Ort bei einander sähe!" Wäre Clelia erfahrener gewesen, so würde diese Besorgniß ihr zu denken gegeben haben, denn ein Mann ist nie besorgter um den Ruf einer Frau, als wenn er das zwischen ihnen bestehende Verhältniß zu lösen wünscht. Ihr lag eine solche Betrachtung sehr fern uns harmlos erwiderte sie: Wir haben uns hier doch schon öfter gesehen." Das war im Sommer, Ihre Eltern waren dann in der Nähe und " Er hatte hinzufügen wollen, daß damals die Dinge anders gelegen hätten, aber seine Zunge sträubte sich doch, die brutale Wahrheit ihr so gerade in's Gesicht zu sagen. Und sie, sein Stocken anders deutend, sügte hinzu: Und wir hätten das sogar nicht nöthig gehabt, in genwart meiner Mutter hätten wir sprechen können und sollen, was wir einander jetzt zu sagen haben, es war eine thörichte Scheu, die mir den Mund verschloß." Clelia " Nein, lassen Sie mich reden!" unterbrach sie ihn. Wir haben uns in der letzten Zeit so wenig gesehen, ich -habe Ihnen nie sagen können, wie glücklich mich die Wendung machte, die die Dinge in unserem Hause genommen haben." Aber Clelia!" Verstehen Sie mich recht," fuhr sie eifrig fort, ich beklage ja aus tiefstem Herzen den Kummer und die Sorgen,
die meine Eltern haben, aber das wird vorübergehen, und sie werden gleich mir, gleich Ihnen das Loblied der guten Göttin der Armuth sinoen." Gleich mir?" fragte Sanders tu staunt und 5emah beleidigt.
Ja, erinnern Sie sich nicht, waö Sie sagten, als eines Abends, bei uns
aus Consuelo" von George Sand vorgelesen ward? Wie begeistert Sie den Lobgesängen der guten Göttin der Armuth lauschten und mit meinem Bruder stritten, der die ganze Sache sur überspannt und übertrieben erklärte." Ja, ja, ich erinnere mich," gab Sanders zu. Was hätte er nicht damals alles gesagt, um die Gunst des phantastischen jungen Mädchens zu gewinnen! Etwas zögernd fugte er bei : Meine Bewunderung galt zumeist der Dichtung." Gewiß, gewiß! Aber Theodor, Sie kennen mich doch noch nicht ganz ; Sie glauben, ich sei nicht im Stande, was ich in der Dichtung bewunderl, auch im Leben- durchzuführen. Sie tauschen sich. - Ich bin ia so glücklich. fortan ein einfaches, natürliches L?b?n fuhren, allen Tand von mir werfen zu können " Aber liele Clelia " Sie ließ ihn nicht zu Worte kommen. Sie sehen in mir immer noch das verwohnte Kind des Reichthums, meinen, Sie müßten die größten Anstrengungen machen, um mich zu erringen. Wie sehr sind Sie im Irrthum; Sie brauchen nicht' nach Hambürg, nicht nach London, nicht über das Weltmeer zu gehen, ich bin sofort bereit. Ihnen in die bescheidensten Verhältqisse zu folgen." Das kann, das darf ich nicht annehmen!" rief er erschrocken. Was würden Ihre Eltern sagen, wollte ich mit einem solchen Ansinnen vor sie hintreten?" Sie können jetzt nichts dagegen haben!" rief sie mit strahlenden Gesichte. Wir sind beide arm, ja, ich bin ärmer als Sie." Und eben deshalb bist du keine Frau für mich, deshalb ist es hohe Zeit, daß ich hier den Staub von meinen Füßen schüttle!" dachte er, während sie fortfuhr: Sie haben mir so oft von der kleinen alten Stadt erzählt, in der Sie geboren sind, wo Ihre Eltern ein stilIes, idyllisches Leben führen; dorthin wollen wir ziehen. Sie helfen Ihrem Vater . in seinem Geschäft, ich Ihrer Mutter im Haushalt, nein, ich nehme ihn ihr ganz ab. Abends sitzen wir dann auf der Bank vor der Hausthür, machen Sonntags einen Spaziergang nach dem Schloßgarten oder auf 'die Waldpromenade um die Stadt. Habe ich mich Ihre Schilderung nicht gut gemerkt?" fragte sie, um dann hinzuzufügen: Ich kann auf allen Glanz und Luxus verzichten, ich kann von meiner Hände Arbeit leben " Aber ich nicht!" fiel ihr Theodor, der jetzt nicht mehr an sich zu halten vermochte, in die Rede. - Die Worte klangen so schroff und hart, daß sie erschrocken und klagend zugleich ausrief: Theodor " Hören Sie mich, Clelia," unterbrach er sie. Ich habe Sie ausreden lassen, jetzt gestatten Sie auch mir das Wort. Alles, was Sie da sagen, liest sich in Romanen prächtig, ini Wirklichkeit macht sich aber die Geschichte ganz anders." Theodor, daS kann Ihr Ernst nicht sein!" rief sie, ihren Ohren nicht trauend. Er lcchte spöttisch und fuhr mit überlegenem Ton fort: Es ist mein bitterer Ernst, ich bin zum Scherzen sehr wenig aufgelegt. Wir würden beide elend werden. Sie sind an Glanz und Wohlleben gewöhnt und würden mit Ihrem feurigen Geiste nimmermehr die Armuth und die kleinen engen Verhältnisse ertragen, und ich bin ehrgeizig. Es fällt mir gar nicht ein, mich alsKrämer in eine kleine Stadt zu vergraben und zu versauern, wie es mein Alter gethan hat " Theodor!" Es war wie der Aufschrei eines Wildes, das jäh den 2o desstoß empfangen hat, und was foeben in Clelia getödtet worden, das war mehr als das Leben selbst. Es war der Glaube, es war die Liebe, es war das Vertrauen, es war der Jdealismus und die holde Kindlichkeit ihres Wesens. Mit ganz veränderterStimme fragte sie: So war es Lüge, was Sie mir stets geschrieben und betheuert aben, daß Sie mich heiß, innig lieben, daß Sie alles einsetzen wollen, um in meinen Besitz zu kommen?" Das war es nicht, ich liebte Sie wirklich, Clelia, ich würde mir die größte Mühe gegeben haben, die Zufriedenheit Ihres Vaters zu erwerben, um mir Sie zu erringen " Er stockte hier doch, .sie aber, die plötzlich erschreckend hellsehend geworden war. vollendete den Satz: Wenn mein Vater der reiche Fabrikbesitzer geblieben wäre, der seiner Tochter eine große Mitgift, der seinem Schwiegersöhn einen Antheil an seinem Geschäft hätte geben können." So ist es," entgegnete er kühl. Elender, das wagen Sie mir in's Gesicht zu sagen?!" rief sie ganz außer sich. Er zuckte die Achseln. Was kann ich dafür, daß Ihr romantischer Kopf sich eine Welt geträumt hat, wie sie nicht ezistirt." Sie halfen mir dabei." Nun ja doch, wenn man reich ist, kann man sich ja manchen Luxus gestatten, auch den, zu schwärmen und aus Liebe zu heirathen. Wenn man arm ist, muß man darauf verzichten." . O mein Gott, mein Gott, wie entsetzlich wie grausam!" Es ist die Wahrheit. Sie haben bis jetzt in einer Scheinwelt gelebt. Sie werden mir noch danken, daß ich Sie geweckt habe." Ich danke Ihnen schon jetzt," entegnete sie. sich höher aufrichtend, oder vielmehr ich danke dem Geschick, danke der Armuth, die mich davor bewahrt hat, die Beute eines erbärmlichen Glücksjägers, wie Sie sind, zu werden. Gehen Sie und werden Sie glücklich
auf Ihre Manier." Sie sprach fcfc Worte mit schneidender Bitterkeit. . Clelia, ich bitte Sie," begann er in beinahe demüthigem Ton. Aber sie schnitt ihm das Wort ab : Ich bitte Sie auch. nein, ich befehle Ihnen, mich sofort von Ihrem Anblick zu befreien und nie, nie wieder meinen Weg zu kreuzen." Sie wandte ihm den Rücken, und er schlich davon, , die Wahlstatt nicht ge-, rade wie ein Sieger verlassend. Bald aber schüttelte er es ab. Das war ein arger Platzregen; aber man muß still halten und sich ducken, dann geht alles vorüber. Nun ist die Sache abgethan, ich habe die Arme frei und keinen Klotz am Bein. Jetzt schnell in die Stadt, ich darf die Kameraden nicht warten lassen, es soll ein feuchtfröhlicher Abschied werden!" Den einen Arm um den Sbmm des Kastanienbaums geschlungen haltend, stand Clelia tief athmend da. , Jeder Blutstropfen war aus ihrem Gesichte gewichen, die Zähne hatten sich tief in die Unterlippe gegraben. Rache! Rache!" zischte sie, Rache an diesem Menschen, der so grausam mit mir gespielt, der mich um das Beste, Heiligste, was ich besessen habe, betrogen hat! Mittel zum Zweck sollte ich ihm sekn, Reichthum, Ansehen, Wohlleben wollte er aus meiner Hand empfangen, darum hat er. mich umschmeichelt, mir Liebe gelogen, darum ist er auf alles eingegangen, was er jetzt meine romantische Laune nennt. Reiche Leute können sich nur den Luxus der Liebe erlauben, hat er gesagt. Und wohl auch den Luxus des Hasses!" schrie sie auf, den Luxus der Rache! Wie ich ihn jetzt hasse, wie mich danach dürstet, mich an ihm zu rächen! Fort mit der Armuth, er hat recht, sie taugt mir nicht. Reich will ich werden! Reich muß ich wieder sein, um meine Äache an ihm nehmen zu können!" Und den Mante! fester um ihre Schultern ziehend, verließ sie den Park, eine andere Clelia, als sie gekommen war!
6. Ist nicht alles reizend. Mutter?'' rief Alberta Böster. ein frisches Mädchen von zweiundzwanzig Jahren mit dunklem Haar, zu dem die blauen Augen und die weiße Hautfarbe einen so hübschen Gegensatz bildeten, daß man darüber die großen unregelmäßigen Gesichtszüge übersah, zumal sie gut gewachsen war, und ihr Wesen durch eine natürliche Freundlichkeit verschönt wurde. Wie reizend ist alles; wie schön habt ihr unser' Heim, eingerichtet," fuhr sie, den Arm um den Hals der Mutter schlingend, fort,' agentlich viel zu schön, viel zu elegant für uns; ach. ich bin euch so sehr, sehr dankbar dafür," und sie drückte ihren Mund auf die Wangen der Mutter. - Frau Böster machte sich allem An schein nach etwas , ungeduldig los und sagte in verdrichlichem Ton: Für eine Wohnung in der Blumenstraße mag's vielleicht zu elegant sein, aber für meine Tochter " Ach, Mütterchen, hast du dich denn mit der Blumenstraße immer noch nicht ausgesöhnt?" sragte Alberta begütigend, ich dachte, wenn du erst sehen würdest, wie " Nein, damit söhne ich mich nie aus!" unterbrach sie die Mutter. Meine Tochter in der Blumenstraße ! Ich hatte stets gedacht, wenn ich mir die Wohnung meiner einzigen Tochter nach ihrer Verheirathung vorstelle, sie müsse im Westen gclegen sein; und nun im Osten in der Blumenstraße!" Die Verzweiflung, mit welcher die corpulente Frau die weißen, fetten Hände zusammenschlug und die kleinen Augen, unter denen dicke Fettpolster lagen, zumHimmel empor richtete, hatte etwas so Komisches, daß Alberta dem , dadurch erweckten Lachreiz nicht wider'stehen konnte. Du lachst mich noch obenein aus!" rief die Mutter, die Stirn in Falten ziehend und nach Luft ringend, das habe ich um dich wahrlich nicht verdient. Um wessentwillen ärgere ich und gräme ich mich denn?" Das hast du um meinetwillen wirklich nicht nöthig, liebe Mutter." sagte Alberta, sich schnell wieder zum Ernste zwinaend. ich bin mit der Blumenstraße sehr wohl zufrieden und wünsche mir nichts besseres." Das ist es ja eben, was mich so aufbringt. Du hast gar keinen Ehrgeiz, strebst gar nicht nach Höherem. Gustav Schramm, der kleine Wollwaarenfabrikant, ist keine Partie für Alberta Böster." Mutter, ich litte dich." Ja, ja, ich schweige ja schon! Dein Vater hat die Einwilligung gegeben ; ihr hängt schon beim Standesamt aus, dagegen ist nichts mehr zu machen. Aber daß du Gustav von vornherein in allem nachgabst, ist sehr thöricht von dir, du wirst das schon noch bereuen ! Du hättest auf einer Wohnung am Thiergarten bestehen sollen." ' Wie konnte ich Gustav zumuthen, täglich viermal den Weg zwischen dem Thiergartenviertel und dem Grünen Weg zu machen." Solche Wege machen sehr viele Geschäftsleute." Aber nicht solche, die erst anfangen und zede Stunde wahrnehmen müssen, widerstritt Alberta. der Vater zieht es doch auch vor, beim Geschäft zu wohnen." Frau Böster stieß einen Seufzer aus. Daran hattest du dir ein Bei .spiel nehmen sollen! Ich war ja auch so thöricht, ,n solchen Dingen nachzu aeben, obwohl ich zu ganz anderen An sprüchen berechtigt war, und nun mir die Augen aufgegangen sind, ist es zu 'spät. Aber ich setze t doch noch durch, ich bleibe nicht lange mehr in dieser Bude; wozu hat man denn das 'viele mvr v
Die Bude, wie Frau Böster sich aus.
drückte, ' war ein sehr elegant, wenn arch nicht geschmackvoll eingerichtetes dreifenstriges Zimmer, und nach rechts und links standen Thüren ofsen, die den Durchblick nach mehreren größeren und kleineren Gemachern statteten. Unwillkürlich warf Alberta einen Blick auf diese Umgebung, sie antwortete indeß Nicht auf das ihr wohlbekannte und oft wiederholte Klagelied der Mutter, und hielt es auch für gerathen, deren Bemerkung über den. großen Reichthum des Aaters schweigend hinzunehmen, r ? " t ' uvgieia; ne oaruoer aoweicyenoer Ansicht war. Frau Böster gefiel sich darin, ihren Mann für sehr reich und sich für sehr anspruchslos zu halten, denn er erfüllte Y L rw r 1 iyr icoen unicy, noch ehe er ausgesprochen war. so daß sie gar nicht inne ward, wie viel ihr gewährt wurde. Hätte sie ernstlich den Wunsch an den Tag gelegt fern vom Geschäftslokal in einer vornehmen Villa zu wohnen, er würde es möglich gemacht haben, wenn es auch für ihn manche Unzuträglichkeiten gehabt hätte. Sie hatte indeß' i. -t. s r i . il v -i . , uwtyi ujicr rnu ocrn eoanien gülieoäugelt. sich aber nie mit ihm vertraut gemacht, weil sie im Grunde viel zu bequem war, um eine so durchgreifende Veränderung anzustreben. Erst jetzt, wo ihre Tochter, dem Wunsche ihres künftigen Gatten folgend, eine Wohnung in einer ihr im hohen Grade Plebejisch erscheinenden Stadtgegend beziehen wollte, war es wie ein gewisser Trotz in ihr erwacht, und sie hatte sich gelobt, nun ihrerseits wenigstens ein Heim zu erlangen, wie es sich süi die Frau des reichen Bankiers Böster schickte. Heute war sie in besonders erregter Stimmung, denn die Blumenstraße hatte es ihr angethan. Die Hochzeit des jungen Paares sollte in der nächsten Woche stattfinden, sie war mit Alberta hingefahren, um die bereits vollendete Einrichtung in Augenschein zu nehmen, und ließ nun, nach ihrer Rückkehr, ihrem Unmuth freien Lauf. Das junge Mädchen fühlte stch dadurch nicht schwer bedrückt. Sie hatte von Natur ein sonniges Gemüth, das sich nicht mehr Kummer machk, als durchaus nothwendig war, liebte ihren Verlobten, fühlte sich sehr glücklich in der Aussicht auf die bevorstehende Verbindung mit ihm und war mit dem bescheidenen Loose, das er ihr zu bieten hatte, vollkommen zufrieden. Wenn etwas ihr Glllcksgefühl beeinträchtigte, so waren es die Schatten, die sie jetzt öfters auf der Stirn des Vaters zu sehen glaubte. Sie hatte sie zunächst mit der Einbuße in Verbindung gebracht, die ihm durch die ZahlungsschwierigkeitenOnkel Hammers' drohte, denn Böster hatte Frau und Kinder davon in Kenntniß gesetzt, in welcher Angelegenheit Ferdinand Hammers nach Berlin gekommen war, er hatte jedoch gleichzeitig versichert, daß ihm dadurch keinerlei Unbequemlichkeit erwüchse. Wirklich war von ihm, wie sie erfahren, ver fällige Wechsel von drei malhunderttausend Mark prompt ae deckt worden und er hatte sogar ihre Mitgift von sechzigtausend Mark bei ihrem Schwiegersohn tm voraus niedergelegt, um dort auch nicht die leiseste Besorgniß zu erregen. Trotzdem war er nicht mehr der Alte. Der ruhige Gleichmuth, der ihn sonst ausgezeichnet, hatte ihn verlassen; er versank oft in ein finsteres Brüten, aus dem er, plötzlich aussahrend, in eine nicht ganz natürlich erscheinende Gesprächigkeit und Lebhaftigkeit übergehen konnte. Auch jetzt fuhr er erschrocken auf, als Alberta, die von dem Hausflur dinet in sein Privatcomptoir führende Doppelthür leise geöffnet hatte, hereingeschlüpft war und sanft den Arm um seine Schultern gelegd hatte. Sie war unmittelbar nach dem Gespräch mit' der Mutter hinuntergegangen, weil sie eine Sehnsucht danach hatte, des Vaters geliebtes Gesicht zu sehen. Als sein bevorzugter Liebling durfte sie sich gelegentlich einen solchen Einbruch in sein Allerheiligstes gestatten. Rudolf Böster saß vor seinem Schreibtisch, der quer vor das einzige große Fenster gerückt war, so daß man von dort aus den großen Hof, auf dem noch eine Seltenheit in Berlin ein paar alte brcüastige Nußbaume ihr Dasein fristen durften, zu überschauen vermochte. Er hatte ein Blatt Papier vor sich liegen und war anscheinend in eine Berechnung vertieft, wer jedoch genauer zugesehen hätte, der würde zu seinem Staunen bemerkt haben, daß er Zahlen, Buchstaben und allerlei mathematische Figuren ohne jeden Zusammenhang wirr durcheinander malte. Was willst du von mir?" fragte er, unwillig herumfahrend. Etwas kleinlaut bat Alberta: Verzeihe, lieber Vater, wenn ich dich gestört habe." Er nahm sich zusammen. Es ist gut. Alberta, du störst mich nicht. Ich bin ja allerdings sehr beschäftigt, doch willst du etwas haben, Kind?" Nein, Väterchen, ich komme nur. um dir zu danken. Ich bin soeben mit der Mutter von 'der Besichtigung meiner Wohnung heimgekehrt; wir waren auch dort mit Gustav zusammengetrofsen. - Es ist alles prächtig. Ich danke dir aus vollem Herzen!" Sie küßte ihn auf die Wange. Er drückte sie fest an sich und fragte, ihr tief in die Augen jchaueno: 2u bist glücklich, mein Herz?" Sebr unbeschreiblich alücklich !" antwortete sie mit leuchtenden Blicken, und auch über Bösters Gesicht ging ein eigenthümliches Zucken und Flimmern. Ein aus tiefstem Grunde kommender Seufzer schien snne Brust zu erleich tern. (Fortsetzung folgt.) Kritik. Maler: Wie finden Sie mein Bild Adam und Eva"?" Herr: Sehr hübsch, aber zu wenig IM ayrmq!
Für die Mcye. Mocktatle Soup. Ein großer
Kalbskopf wird gut gereinigt und abgewaschen, das Gehirn und die Augen werden herausgenommen, dann wird er 24 Stunden in Salzwasser gelegt, welches ' man einige Male wechselt. Darauf wird er im letzten gesalzenen Wasser gekocht, bis sich das Fleisch von den Knochen lost. Nun wird der Kops aus der Brühe genommen und wenn das Fleisch abgekühlt ist, wird alles in kleine Stucke geschnitten. Die Brühe wird durchgeseiht, während sie noch heiß ist, und dann mit dem Fleisch wieder auf das Feuer gestellt. Hierzu gibt man 1 Tasse grünen Mais, 1 Tasse Butterbohnen, 3 große Tomaten, 3 große Kartoffeln, beides zerschnitten. Wenn dies gar ist, gibt man braunes Mehl, das man in geschmolzener Butter abrührt (2 Lös el voll auf 1 Lö fel Butter), Gewürze, 2 Löffel voll Worcester Sauce nebst den dünnen Scheiben emer halben Citrone daran und ein Weinglas voll Cherry. Für 12 Personen ausreichend mit Zugabe von heißem Wasser. Einfacher Schwernsmürbeb raten. Etwa drei Pfund Mürbebraten klopft man gut, reibt das Fleisch mit Salz ein, steckt hin, und wieder in die Fettschicht einige Nelken, legt den Braten in etwas brauner Butter in einen Brattopf, brät ihn an, gießt reichlich kochendes Wasser darauf und brat ihn langsam weich. Man entfettet die Sauce, verkocht sie mit et was angerührtem Mehl, gibt eine große Messerspitze Liebig's Fleischextract daran und kocht die Sauce dicklich und glänzend. Man gibt zu dem Braten Rothkraut oder auch Kartosfel klöße. Rouladen von Rind-oder Kalbfleisch. Dünne, lange Fleischscheiben werden gut geklopft, mit Pfeffer und Salz bestreut, eine halbe Stunde aufeinander gepackt stehen gelassen. Alsdann gibt man auf die innere Fleischseite feine Speckplatten, bestreicht diese mit einem Gemisch von Pfeffergurken, Kapern, Sardellen, Zwiebeln und Schnittlauch, streicht dieses nebst etwas Mostrich auf den Speck, rollt die Fleischstücke und umbindet sie. Die Roulade gibt man in angebräunte Butter, läßt sie von allen Seiten Farbe nehmen, gießt nach und nach , etwas Knochenbrühe an, gibt Pilzchen, eine Citronenschale ünd einige Kräuter bei und macht die Sauce, nachdem die Rouladen gar geworden, mit etwas Buttermehl seimig. Die Sauce wird durch's Sieb über die Fleischstücken'gegeben und das Gericht nebst Kartoffelbrei und Salzgurken oder Sauerkraut aufgetragen. Kalbfleisch in Gelee. Ein Stück gutes Kalbfleisch nebst etwas Bein wird mit Salz und wenig Salpeter eingerieben und mehrere Tage unter Zugabe von einigen geschnittenen Zwiebeln, Nelken, Pfesfer, Lorbeerblatt und je einer Prise Thymian und Petersilie in abgekochten Essig gelegt. Hiernach kocht man das Ganze in einer bedeckten Kasserole völlig durch, füllt aber zuvor nöthigenfalls so viel Fleischbrühe auf, daß daS Fleisch 34 Finger hoch damit bedeckt ist. Sodann nimmt man Bein und Fleisch heraus, schneidet letzteres in Scheiben, arrangirt diese mit Kapern und Sardellen auf Schüsseln und gießt schließ--lich noch warm das zuvor durchgeseihte und, wenn erforderlich, noch mit weißer oder rother Gelatine gesteifte Gelee darüber. Der Ausputz geschieht mit Kapern, geschnittenen Gurken und Petersilie. Hühner - Fricass6e mit Champignons. Das Huhn wird roh in Stücke geschnitten, in Butter 10 Minuten angedämpft, ohne Farbe zu bekommen, dann gesalzen und mit Fleischbrühe und einem Glas Weiß--wein überschüttet; dann gibt man in die Brühe eine Zwiebel, in welche man eine Nelke gesteckt hat, fügt ein Kräutersträußchen hinzu und läßt dies zugedeckt etwa drei Viertelstunden dämpfen. Ob man etwas Pseffer, oder etwas Muskatnuß dazu nehmen will, bleibt dem Geschmack überlassen. Zuletzt bereitet man aus 1i Unzen Butter und 1 Löffel Mehl eine Mehlschwitze, rührt diese mit der Hühnerbrühe an, legirt sie mit 4 Eigelb und kocht sie nochmals auf. Dann kommt etwas frische Butter und Citronensaft dazu und so läßt man es mit dem Huhn zusammen nochmals aufkochen. Die Stücke werden dann erhaben auf einer Platte arrangirt, mit einem Theil der Sauce übergössen und der andere Theil nebenher servirt. Die Champignons werden dann auf dem Huhn herum vertheilt. Frische Pilze kocht man mit dem Huhn, eingemachte macht man in ihrer Brühe heiß. Kartoffeln auf Lyoner Art. Die in Salzwasser abgekochten Kartoffeln schneidet man in Scheiben, bringt sie in eine Kasserole und schüttet ein dünnes Zwiebelpureee darüber. Dann schneidet man einige Zwiebeln in Scheiben, dünstet sie in Butter, fügt ein wenig Mehl. Salz. Pfeffer und etwas Weinessig hinzu, rührt AlleS durcheinander und läßt es auf stillem Feuer kochen. Im Momente des An richtens gießt man etwas kräftige Auflösung von Liebig's Fleischextract bei, rührt die Sauce über die Kartoffeln und servirt sie. Melonen C o m v o t e. Man schält die Melonen, schneidet sie in hübsche Stücke oder Halbmonde, läßt sie in kochendem Wasser mit ein wenig Salz nur ziehen, nicht kochen, bis sie weich sind und legt sie zum Abtropfen auf ein Sieb. Dann kocht man Zucker mit Wasser, Citronenschale und Citronenfast oder etwas Essig so lange, bis er breit vom Löffel fallt, laßt die Melonenstücke darin einmal aufkochen,. legt sie in eine Schüssel, kocht den Saft noch etwas ein und gießt ihn dann üoer die Melonen.
