Indiana Tribüne, Volume 22, Number 14, Indianapolis, Marion County, 2 October 1898 — Page 7

Aas ewige Licht. Eine Geschichte aus dem Breufchthal. ! Es wurde ein neuer Brunnen gegraben. Ich Hab's zwar nicht gesehen, aber meine Großmutter hat mir's tu zählt; da war's mir hernach 'immer, als ob ich selbst dabei gewesen wäre. Es war, wenn man's ganz genau nimmt, kein neuer Brunnen; nur ein alter, der lange vergessen war, wurde wieder aufgedeckt. Das ist nun eigentlich auch nichts Besonderes. Als man aber mit dem Ausschachten so ziemlich am Ende war, da zogen sie statt Kiesel und Gestein ein brennend Licht in die Höhe. Was sollte das- bedeuten, wie war's hinab gekommen, wie konnt's unten brennen? Man wollte dir Kerze ausblasen vergeblich. Man schüttete Wasser darauf, dann Sand, sie traten sie mit Füßen sie brannte immer weiter. Wunderbares Licht! Sie steckten die Köpfe darüber zusammen und betasteten sie und beschauten sie von oben bis unten und von unten bis oben. Ein jeder strengte seinen Kopf an und 'versuchte seine Lungen alles umsonst, sie brannte weiter. Sieh Vater", rief da ein kleiner Bube und steckte dabei sein Stumpfnaschen ganz nah heran, sieh', hat sie aber einen dicken Wichen." Man schaute wiederum, und richtig " sie hatte mcht nur inen dicken, sie hatte einen doppelten Wichen. Was sollte das? Der eine nahm sein Messer und schnitt die Kerze längs der Wichen durch. Da lag sie bu bu flackerten noch zweimal zwei Flämmchen dann war's aus. Als die Großmutter hernach davon hörte, hat sie laut aufgejammert. Das war ja das lang gesuchte ewige Licht gewesen und nun war's aus. Und s'war wirklich schade darum, so dachten auch wir, als sie uns die Geschichte erzählte. Es war in der Franzosenzeit gewesen, in der schlimmen, als der junge Bonaparte zum Feldzug nach Egypten rüstete und Leute suchte. Wer sich hatte drücken können, hatte es gethan; aber dem Waisenhans half es nichts. Der Vater, der für ihn hätte zahlen können, lag drüben am Berge im küh'len Grunde; und die Mutter, die nach Straßbürg gekonnt hätte und sich ihren Wittwentrost freiweinen, lag daneben. Und er er war so stark und so schön gewachsen, von unten bis oben, wie fürs Königsgard wenn's noch eine geben hätt nicht mal ein Finger

wollt ein bischen krumm stehen. Er mußte mit. Sollt's ihm wohl schwer werden, als solches junges Blut aus dem Dorf hinaus in die fremde Welt über's Wasser noch und die Augen recht weit aufthun dürfen und die Taschen dazu dabei blinzelten sie immer so eigen wenn sie so sprachen. Dem Waisenhans schien's selbst ganz recht zu sein, doch es schien nur. Im ganzen Dorfe wußt's Niemand,' aber als er den Abend voi dem Auszug zwischen den Reben bei der Annemaie stand und sie die Schürze vor die Augen hielt, da hat er zwar nicht viel geredet von Herzwch und wie schwer's ihm wird, er hat überhaupt nicht vom Fortgehen, nur immer vom Wiederkommen geredet. Da. Ännemaie," hat er damals gesagt, als sie auseinander gingen, und .ihr dabei etwas Langes, Hartes in die Hand gedrückt. Das Licht soll's Dir. sagen, ob ich Dir treu bleib, so lang' ich fort bin. und mir, ob Du mir treu 'blieben, wenn ich wiederum komm. Die Mutter hat mir's 'geben, es war ihr letzter Tag. Es hat zwei Wichen, einen für mein und den anderen für Dein Herz; so lang die zusammen bleiben, behält s'Kerzel seine Wunderkraft und brennt wie unsere Herzen." Am anderen Morgen zog er fort. Die Annemaie schaute ihm nach, bis er über dem Berg verschwunden war, dann ging sie hinauf in ihre Kammer die anderen standen noch unten und ließen ihre Zungen ihm nacheilen-, so' ward sie nicöt vermißt. Oben 'saß sie auf ihrem Bett, das Kerzel in ihren Händen es brennt wie unsere Herzen" dachte sie einmal ums andere dann stand sie auf und zündete es an. Es brannte den ganzen Tag und die Woche und ein Jahr und noch eins; aber der WaisenhanZ kam nicht, es zu sehen. Sie saß bald jeden Ab:nd davor und schaute in die Flammen, sie brannten noch immer beide, die Wichen nämlich , dann schlief sie ein. Mancber Bursche kam des Abends an die Hofthür und sprach ihr von Liebe und Heirathen. Sie hörte es meist still an und sagte dann lächelnd gute Nacht. Wenn sie dann hinauf kam, schaute sie wieder auf's Kerzel das brannte immer noch beide Wichen. Zuletzt saß sie d-s Abends allein vor dem Thor mit ihrem Strickstrumpf, sie war alt geworden, aber ihr Kerzel brannte immer noch. Eines Abends aber war ihr Plätzchen leer, man hatte sie heute Morgen todt im Bette gefunden und neben ihr das Licht es brannte immer noch. Weil es Niemand hatte auslöschen können, war alle ein Schrecken überkommen. Sie war ja immer so wunderlich gewesen, , so war's sicher ihre Seele, die brannte; und man warf das Kerzel in einen alten Brunnen. Als sie hernach ihren Kasten aufbrachen, da fanden sie zwar nichts von den erhofften Schätzen ein bischen Getüch, ein paar Kleider und unten auf dem Grund ihr altes Gesangbuch und indem-ein Blättchen; darauf hatte sie selbst die Geschichte von ihrem ewigen Licht geschrieben. Sie sollten eine kleine Höhle ins Grab machen, an ihre? Herzseite, stand am Ende, und darein das Lichtlein stellen.

Da wollten sie'S wleder heraufholen, aber es war ihnen nicht geglückt. Heute hatten sie's zwar nun gefunden da lag's erlöscht, der eine Wichen rechts, der andere links der Waisenhans im Nilsand und die Annemaie im Breuschthal. Ihre Herzen aber brennen und s'kann sie keiner auslöschen, sie brennen zusammen. Aic Ocstiftcrm.. Eine lustige Geichichte auZ Slavoni.'N ron M. Roda-Roda. Ich saß auf der Veranda und las die Landwirthschaftliche Zeitung", als mir Jemand die Ecke eines Bügelbrettes in den Rücken stieß. Es war List, unsere Köchin. Sie sagte nicht einmal Pardon" dazu, sondern lies aufgeregt fort in die Küche. Zehn Secunden später trat mirResa, das Stubenmädchen, nicht weniger aufgeregt, im Vorbeigehen auf den Fuß, und dicht hinterdrein jagte die alte Julcsi, jene sachverständige Julcsi, welche bei besonderen Gelegenheiten berufen zu werden pflegte, um meineFrau mitzustützen", wenn der Haushalt aus dem Leim zu gehen drohte. Ich hatte mich noch nicht vomSchreck erholt, als sie selbst erschien: Valerie, meine Frau. Sie erschien plötzlich wie ein Cömet und zog einen langen Schweif hinter sich drein: Lisi, die Köchin. Resa, das Stubenmädchen, Julcsi, die Stütze der Hausfrau, Bol, meinen Aeltesten und Polda, meine Jüngste. Das Phänomen verschwand so schnell, wie es gekommen war. Diese Thatsachen waren für mich von symptomatischer Bedeutung. Es ging etwas vor! Ich hätte so gern erfahren, was es gäbe, aber Niemand ließ sich mehr blicken, den ich hätte fragen können. Kaum vertiefte ich mich wieder in die Veredelung der Getreidegattungen", als der Comet neuerlich vorbeirauschte, nicht, ohne mich in meinem leiblichen Wohlbefinden empfindlich zu schädigen. Diesmal hatte ich Geistesgegenwart genug, mich Poldas, meiner Jüngsten, zu bemächtigen. Endlich mußte ich ja doch den Grund des Rummels erforschen! Was giebt's denn, Polda?" fragte ich zärtlich, meine Neugierde bemeisternd. Polda sing an zu heulen. Ich trocknet: ihre Zähren und fragte so lange, bis sie gestand: Däste kommen." Gäste kommen!" Na, das fehlte mir gerade noch. Ist denn Pußta Jlencin ein Transporthaus? Oder ein Hotel? Oder eine eine GeWerbeausstellung? Siebenmal in der Woche hatte ich bisher Gäste" gehabt und heute schon wieder? Fräulein Minna, die Cousine meiner Frau, trat mit einem Band Geibel aus dem Garten. Wie, Minna", begann ich, kommen schon wieder Gcjste?" Ja!" meinte sie und maß mich mit dem Blicke, den Löwen für kranke Esel haben dürften. Hast Du etwas dagegen?" Natürlich habe ich etwas dagegen! Ist Pußta Jlenci ein Transporthaus? Oder ein Hotel? Oder eine GeWerbeausstellung?" Fräulein Minna wandte sich noch tU was weiter ab und sah mich noch etwas verächtlicher an. (Wie der Löwe den ganz kranken Esel.) Sie begreife mich nicht, sagte sie. Ich hätte alle Eigenschaften eines Slavoniters alle Fehler" wollte sie sagen nur nicht seine groe Tugend die Gastfreundschaft. Sie begreife mich wirklich nicht! Worüber ich mich denn zu beklagen hätte? In dieser Woche zum Beispiel sei überhaupt sechsmal Besuch dagewesen und dazu ein sehr bescheidener Herr Kiß Antal. Heute käme wieder Besuch, und zwar wieder wieder ein bescheidener: Herr Kiß Antal mit seinen Freunden. Ob ich etwas dagegen einzuwenden hätte? Und sie rauschte davon. , Ich aber nahm ein Blatt und einen Stift, die Landwirthschaftliche Zeitung" als Unterlage und setzte die solgende Annonce auf: Sofort zu verkaufen: Familienverhältnisse halber ein nettes G U T in Slavonien, Eomitat Veröcze, nahe der Bahn, mit 1700 Joch Feldern, 2000 Joch Wald, 500 Joch Wiesen, einem Gestüt von 150 Pferden, gut er-

haltenem fundus instructus, allen nöthigen Wlrthschaftsgebauden. Nachweisliches Jahreserträgniß 13.600 Gulden. Gefällige Anträge sub Jemand sah mir über die Schulter. Es war meine Frau. Was thust Du da?" Du siehst ja . . . ." Ist es Dir nicht Recht, daß Herr Kiß Antal heute wiederkommt? Weißt Du nicht, welchen Zweck ich damit verfolge, daß ich ihn so oft zu uns lade? Merkst Du die zarten Bande nicht, die sich zwischen ihm und Minna entsponnen haben? Gerade heute wird sich Kiß erklären!" Ich bezweifle das." Aber mit Unrecht. Du sollst sehen, daß ich es durchsetze. Ich müßte keine Diplomatin sein." Das sagst Du seit einem Monat. Er wird sich heute ebensowenig erklären, wie jemals vorher. Er denkt überHaupt nicht daran, Minna zu heirathen." Valerie, meine Frau, lächelte überlegen: Und ich sage Dir, daß er heute seine Schüchternheit ablegen und um Minna anhalten wird. Laß mich nur sorgen! Ich werde mich mit ihm in den Garten zuruckzieyen, und Du stelle Dich am Schlafzimmerfenster hinter den Vorharg. Von dort sollst Du Alles hören. Du wirst mich bewundern lernen." .

Die Gäste kamen, m'k ihnenHerr Kiß Antal. Ich machte vermöge meiner guten Erziehung und Fräulein Minnas Strafpredigt ein derart freundliches Gesicht, daß der unter ihnen befindliche Amateurphotograph mir sofort eine Platte widmete. Dann wurde mit allen Revolvern, die aufzutreiben waren, Scheibe geschossen, es wurde Croquet und Lawn-Tennis gespielt. Beinahe wäre eine Tarockpartie zu Stande gekommen allein ich sah meine Frau immer eindringlicher mit Kiß conversiren und dann verschwanden sie im Garten. Pflichtgetreu bezog ich meinen Posten hinter dem Vorhang des Schlafzimmers. Knapp unter dem Fenster hatten Valerie und er Platz genommen. Ein schöner Garten", begann Kiß. Ja, ein schöner Garten," sagte sie eifrig. Er wird auch von mir selbst mit echt weiblicher Sorgfalt gepflegt. Sie ahnen gar nicht, Herr Kiß. wieviel eine gute Hausfrau für das Wohl ihrer Lieben wirkt." Gewiß. Ich beneide Ihren Herrn Gemahl." Valerie sandte einen boshaften Blick nach dem Vorhang, der mich gegen die feindliche Sicht deckte. i Ich beneide ihn," fuhr er fort. Alles in Ihrem Hause ist so schön, so gut. Ueberall die Hand, die schöne Hand " Die Hand der Hausfrau. O. wenn ich noch einmal auf die Welt käme." meinte Valerie, ich würde ein Mann, und zwar ein Ehemann. Glauben Sie mir, in Junggeselle genießt sein Leben gar nicht. Wenn er nach Hause kommt, erwarten ihn statt Liebe

.und Bequemlichkeit nur immer neue Sorgen und Aerger. Ein Ehemann aber, der sich draußen in der Wirthschaft geplagt hat, kehrt in ein ruhiges Heim zurück ..." Diese Schlange! Ruhiges Heim! Ja ein Heim, das in allen Stücken darnach eingerichtet ist, ihm das Leben angenehm zu machen, in dem er Herr ist und befiehlt, wo alles nach seinem Willen geschieht." t i Kiß schwieg sinnend, allein an dem I" nervösen Zucken seiner Brauen konnte man merken, daß die Reden meiner Frau nicht ohne Eindruck auf ihn blieben. Schade, daß das nicht alle Männer einsehen wollen," fuhr sie fort. Ein Mann, der das Weib nicht würdigt, der dem Zuge seines Herzens nicht bei Zeiten folgt, der einsam seine Wege geht, ist wie ein blinder Jäger. Sehen Sie zum Beispiel Minna an. Wenn sie einen Mann fände, der mit ihr sein Brot theilen wollte, wie sehr würde sie sich seinem Glücke opfern! O, Minna ist ein prächtiger Character!" Kiß schwieg. Valerie wurde unruhig und fing von vorne an. Sie sagten vorhin, daß Sie meinen Mann beneideten." Von ganzer Seele, gnädige Frau." Das ist nur eine Bestätigung dessen, was ich sagte. Die Anerkennung, die darin liegt, freut mich sehr. Glauben Sie, daß mein Mann sich seines Glückes auch bewußt ist? Ganz und gar nicht!" Sie sah bei diesen Worten wieder boshaft zum Vorhang auf. Täglich und stündlich schaffe ich nur, um ihm zu gefallen. Alles, was ich ersinnen kann, alles, wovon ich meine, daß es ihm Freude machen konnte, thue ich . . . Und er ?" Er fühlt es nicht, wie gut es ihm hienieden ergeht. Kein Mann fühlt, wie glücklich lhn die Ehe macht." Herr Kiß fuhr auf, als hätte ihn eine Wespe gestochen. Er beklagt sich am Ende? Er weiß nicht, welch ein Juwel von einer Frau er besitzt? O. das wußte ich lange! Ich wußte, daß Sie unzusneden seien an der Seite eines so kalten Menschen, der Sie nicht versteht, Ihre Neigungen nicht theilt " Aber " Kein aber!" donnerte Kiß. Ich verkehre in Ihrem Hause lange genug und bin nicht mit Blindheit geschlagen. Sie sehnen sich nach einem gleichgestimmten Herzen, gerade so wie ich, Sie wollen verstanden, geliebt sein! Endlich ist die erfthnte Minute gekom men, da ich Ihnen gestehen kann, was ich so lange verbarg, weil ich nicht wagte, es zu sagen: Valerie, ich liebe Sie von dem Augenblicke an Kaum hatte er dies herausgeplatzt, als ich in ein Gelächter ausbrach, daß die Scheiben des Fensters zitterten. Meine Frau war aufgesprungen und ließ Herrn Kiß, den bestürzten Liebhaber, im Sande knieend zurück. Weinend flüchtete sie zu mir und schlug ihre Zitternden Arme um mich. Was jetzt?" fragte sie verzweifelt. Sehr einfach, liebe Vali." spottete ich. Wir lassen uns scheiden. Hirr Kiß heirathet Dich und ich Minna, den prächtigen Character. Dann ist allen geholfen. DaS EnkelSkind. Im stillen Stübchen sitzt sie allem Und stöbert in kleinen Briefen, Die wohlgeöorgen im alten Schrein Seit vierzig Jahren schliefen. Großmütterchen war's, die das einst schrieb In seligen Mädchentagen; Lang, lang ist's her und klingt so lieb Wie uralte Märchen und Sagen! Die Blätter durchwühlt das Enkelkwd, Und leise raunt sie beim Lesen: Wie ungeschickt und thöricht sind Doch damals Verliebte gewesen!" Die Liebe aber wird niemals alt; Schlaukopf von achtzehn Jahren! Wie bald wird sich des Herzens Ge walt Un Dir auch offenbaren? I

Wie der Chriftl ein ?ump wurde. .

Von A. Stier. Was nur in den Christ! gefahren ist?" sagten die Nachbarn. Er war ohnlängst in der Stadt beim Arzt gewesen, denn er hatte sich in letzter Zeit recht elend gefühlt und bei seinen jungen dreißig Jahren weder zum Arbeiten noch zum Essen Lust gehabt. Auch mit dem Schlaf war es nicht weit her.' Der kurze, trockene Husten', dessen er früher weiter nicht geachtet hatte, wurde immer lästiger und ließ ihm gar keine Ruhe mehr. Der Doktor hatte ihm viel an Brust und Rücken herumgeklopst und ein ernstes Gesicht dazu gemacht. ' Welchen Bescheid er schließlich gegeben, konnte Niemand erfahren. Der Christi ging nicht mit der Sprache heraus. Aber er war seitdem wie umgewandelt. WoZ nur in den Christi gefahren ist? Wer hätte das Obacht? Erst so .solid und so gewissenhaft es gab keinen bessern Ehemann im ganzen Dorf. Nun ist er mit einem Mal zu einem richtigen Lumpen geworden." Er wird wohl denken: willst die paar Wochen noch' recht genießen " Steht es denn wirklich so schlimm mit ihm?" Das will ich meinen! Er sieht ja schon aus wie der halbe Tod: nichts als Haut und Knochen. Man merkt es ihm an, wie sauer ihm jeder Schritt wird. Und wie das pfeift aus seiner Brust! Du kannst ihn Nachts über drei Häuser weit husten und keuchen hören. Gib Acht, was ich sage: Wenn im Herbst die Blätter von den Bäumen fallen, dann geht es auch mit dem Christ! zu Ende." Schade um die Marie mit ihrem kleinen Büblein. Sie kann einem leid thun." Je nun für die Marie ist es vielleicht gut so. Die findet leicht einen besseren Gatten. Ihr Schwager Johannes " Ja, das habe ich auch schon gemerkt. Der geht täglich im Haus aus und ein und sieht nach dem Rechten. Ohne den wäre die Marie verrathen und verkauft. Auf den Christi ist schon gar nicht mehr zu rechnen." Die Leute hatten recht. Es war ein Elend mit dem Christi. Daß er krank war, war noch lange nicht das Schlimmste für seine junge Frau. Sie hätte ihn schon treu gepflegt, denn er war ja immer gut und lieb mit ihr gewesen. In ihrem ganzen vierjährigen Ehestand hatte es noch kein böses Wort zwischen den Gatten gegeben. Der Christ! hatte so fleißig und sparscrm gewirthschaftet, daß man auf dem kleinen Bauerngütchen niemals eine Klage über die böse Zeit" gehört hatte. Jetzt schaffte er freilich nicht viel mehr. Aber die Marie konnte mit ihrem fröhlichen Muthe und ihren rührigen Händen nöthigenfalls auch für zwei arbeiten. Wenn es ihr der Christi nur nicht gar so schwer hätte machen wollen. Er war so ganz, ganz anders geworden. Nicht, daß er Weib und Kind unfreundlich behandelt hätte; aber er kümmerte sich auch nicht viel um sie. Die Marie konnte kommen und gehen, wie sie wollte, er sah sie kaum. Und es geschah nicht ein einziges Mal, daß er den kleinen, lieben Buben auf den Arm nahm und herzte und tätschelte, wie er es sonst stundenlang mit lachenden Augen gethan hatte. Dafür suchte und fand er jetzt andere Gesellschaft. In dem alten, halbverfallenen Forsthaus, das eine Stunde vom Dorfe entfernt einsam auf der Höhe des Fuchsberges stand, saß ein herrschaftlicher Waldhüter. Unter den anständigen Leuten im Dorfe, die et-, was auf sich hielten, mochte Niemand Umgang mit ihm haben, denn er war ein wüster, lüderlicher Mensch. Um seinetwillen fürchteten sich die Frauen und Mädchen, allein in's Holz zu gehen. Er war Abend für Abend im Dorskrug beim Schnapsglas und Kartenspiel zu finden, bis in die späte Nacht hinein. Das war der Mann, dem sich der Christ! jetzt .zugethan hatte. Vom Fenster seiner Wohnstube aus konnte er den Weg überschauen, der nach dem Forsthaus hinaufführte. Sobald die vierschrötige Gestalt des Waldhüters zwischen den Bäumen auftauchte, war er im Haus nicht mehr zu halten. Die Marie mochte noch so viel bitten oder schelten, er schüttelte gelassen den Kopf. Laß doch nur. Ob ich hier sine oder im Krug, ist all' einerlei." Damit war er zur Thür hinaus. Und die Marie wußte, daß er vor Mitternacht nicht wieder nach Haus komme. Der Christi war vordem nur ein seitener Gast im Wirthshaus gewesen. Jetzt war das anders. Aber er benahm sich immer noch sonderbar genug. Während der Waldhüter sein Glas mit einem Zuge hinabstürzte, hatte er an dem seinen kaum genippt. Dann schob er es stillschweigend dem Anderen zu. Das ging den ganzen Abend so fort. Einen solchen Kumpan ließ sich der trunksüchtige Waldhüter wohl gefallen. Er ertrug es um dessentwillen mit guter Miene, daß der Christ! auf seine wilden Reden niemals recht einging, sondern oft stundenlang still und wortkarg neben ihm am Tisch saß, bis endlich der schläfrige Wirth die Lampe auslöschte und dadurch die beiden Spätlinge handgreiflich zum Heimgehen mahnte. Man konnte es der Marie gewin nicht verdenken, daß sie thun Mann m übler Laune. empfing, wenn er nach Haus kam. Aber ihre Vorwürfe glitten wirkungslos ab. Laß doch nur. Was ist denn weiter?" Das war Alles, was der Christ! gelassen entgegnete. Dann streckte er sich, als sei nichts geschehen, auf fein Lager hin. . ..... .

Die Marie war oft durch dieses gleichgiltige Wesen erst recht gereizt und zum Schelten gebracht worden. Sie hatte böse Worte gefunden. Dann war es über das Antlitz Christls geglitten wie ein unaussprechlicher Zug schmerzlicher Befriedigung. Jetzt sagte sie lieber gar nichts mehr. Dafür klagte sie dem Johannes ihr Leid. Das war Christls Bruder, zwei Jahre jünger als dieser, ein treuer, fleißiger Bursche. Er war noch unverheirathet und half feinem Vater wirthschaften, der gleichfalls im Dorfe ein kleines Bauerngut besaß. Aber seitdem es mit dem Bruder eine so traurige Wandlung genommen hatte, war er mehr bei der Marie, seiner Schwägerin, als daheim. Dort gab es für ihn genug zu sorgen und zu schaffen. Gott weiß, wie gern ich das Alles thue." sagte er zur Marie, aber ich wollte doch viel lieber, es könnte anders sein." Ich weiß mich ganz und gar nicht mehr in meinen Mann zu finden," entgegnete diese mit nassen Augen. Mir ist es oft, als könnte das gar nicht mehr derselbe Christi sein, mit dem ich so glücklich gewesen bin. Ich sage mir wohl: er ist jetzt ein armer, kranker Mann, dem man etwas zugut halten muß " Um so sündhafter ist sein Gehaben," murrte Johannes. Ich habe bis jetzt zu Allem stillgeschwiegen. Der jüngere Bruder soll sich gegen den alteren nicht aufspielen. Aber ich kann das Elend nicht länger mit ansehen! Er muß hören, was ich und alle rechtschaffenen Leute im Dorf von ihm denken. Morgen früh komme ich wieder!" Marie schüttelte traurig den Kopf. Es ist ja doch Alles vergeblich. Du weißt nicht, wie weh das thut; es ist wie ein langsames Sterben in meinem Herzen." Sie schaute dem Johannes sinnend nach. Ein weicher, dankbarer Schimmer glänzte in ihren Augen. Ja. wenn ich Dich nicht hätte " Der andere Tag war ein Sonntag. Johannes kam und machte sein Wort wahr. Christ! war eben aufgestanden und hörte freundlich, aber scheinbar theilnahmslos zu. Er schüttelte nur manchmal leise den Kopf. Dann holte er das Gesangbuch aus dem Schrank und rüstete sich, in die Kirche zu gehen. Aber da lief ihm der Waldhüter gerade in den Weg. Statt in die Kirche ging es nun zum Dorfwirth. An diefem Tage kam der Christ! nicht einmal zum Mittagessen heim. Seitdem bekam er auch von Johans nes keinen Vorwurf mehr zu hören. Die kalten Blicke, mit denen ihm die Marie im Haus begegnete, Zah er wohl

mcht. Und als im Herbst die Blätter von den Bäumen fielen, da schlich auch der Christi dann und wann mit seinem müden ' Schritt zum buntgefärbten Walde hinauf. Dort streckte er sich auf dem weichen Boden aus, über den einzelne verirrte Sonnenstrahlen mit ihren flackernden Lichtern hinspielten. Die kühle Waldluft that seiner wunden Brust wohl. Da konnte er freier athmen; da lag auf seinem aschfahlen Antlitz ein ganz besonderer Schein, halb Licht und halb Schatten. Aber das Licht war hell und golden. Der Waldhüter hatte im Dorfe Laubtag" angesagt. Die Frauen und Mädchen der Kleinbauern zogen in hellen Haufen in den herrschaftlichen Wald hinaus, um das abgefallene Laub zur Winterstreu zu sammeln. Gleich neben dem Waldweg war die rothe Karline", eine Taglöhnerstochter aus dem Dorfe, an der Arbeit. Man sprach nicht gut von ihr. Sie fand auch keine Kameradinnen, wenn es in's Holz oder Laub ging. Auch der Christi war heute wieder zum Walde hinaufgeschlichen. Er hatte öfter als sonst unterwegs gerastet, um die keuchende Brust sich beruhigen zu lassen Nun war er in den Waldweg eingebogen und sah die hochgeschürzte, rothhaarige Dirne neben der halbgefüllten Laubtrage stehen. Nun, Karlin', was schaffst?" rief er sie an. Sie erwiderte mit einem frechen Scherzwort. Christi trat näher und setzte sich zu ihr auf einen Baumstumpf. Das hätte er wohl nicht gethan, wenn er gewußt hätte, daß soeben, nur wenige Schritte entfernt, eine Nachbarsfrau mit dem gefüllten Tragkorb vorüberging, die Schnapplene", deren böse Zunge das ganze Dorf fürchtete. Viel Vergnügen!" rief sie zu dem sonderbaren Paare hinüd c. Ja wo kommt Ihr denn her?" stotterte der Christi in sichtlicher Verlegenheit. Laßt Euch nur nicht stören!" erwiderte jene und schritt mit hämischem Lachen dem Dorfe zu. Ehe sie den gefüllten Korb nach Haus trug, sprach sie noch auf ein paar Minuten bei der Marie vor. Es wurden nur wenige Worte gewechselt. Die Marie stand starren Blickes, als jene gegangen war. Das war das Letzte!" murmelte sie. Es dauerte nicht lanae so kam der Johannes ganz verstört in's Haus geeilt. Er ist todt!" rief ihm die Marie gellend entgegen. Johannes erschrak. .So schnell?" - Aber er war gleich wieder gefaßt und ruhig. Wollte Gott, ich könnte darüber traurig sein!" Nicht so, wie Du meinst," entgegnete die Marie in herbem Ton. Für mich ist er todt!" De? Christ! kam an diesem Tage zeitiger nach a)aus, als gewöhnlich. Seine Augen leuchteten in einem ungewohnten, unheilvollen Glanz. Er legte sich sogleich zu Bett. Am anderen

Morgen stand er zum ersten Mal? mcht auf. Er klagte nicht. Aber den Herrn Pfarrer hätte er gern einmal gefprochen. Marie that ihm den Willen und ließ die Botschaft ausrichten. Als sie den Erwarteten kommen sah, schlich sie mit ihrem Büblein zur Hinterthür in den Garten hinaus. Sie wollte beten, aber ihr Herz blieb stumm. t Ich wußte wohl, daß wir zwei noch ein Wort mit einander zu reden hatten," sprach der bejahrte, ehrwürdige Seelsorger, als er zu Christ! an das Bett trat. Sie haben lange mit einander geredet. Es war auch noch ein Dritter mit dabei. Den hat Niemand kommen und gehen sehen. Aber er war doch darinnen. Nicht wahr, Herr Pfarrer," rief der Christi dem Geistlichen noch nach, als dieser bereits wieder unter der Thüre, stand, nicht eher, ms in fünf Jahren, wenn die Marie mit ihrem Johannes so recht, recht glücklich geworden ist und sich gar nichts Besseres mehr wünschen kann?!" Der Greis' nickte stumm zurück. Auf seinen weichen, vom Alter geläuterten Zügen malte sich tiese Erschütterung, als er in der Abenddämmerung durch die stille Dorfstraße heimwärts schritt. Es war wohl nicht recht gethan," so flüsterte er vor sich hin, und doch so gut, so groß " Acht Tage späte: wurde der Christi begraben. Es gingen viele Leute mit, die wohl gerne gehört hätten, was der Pfarrer an diesem Grabe reden würde. Aber er hielt keine Leichenrede. Ein schlichtes Vaterunser zweiter nichts. Man wunderte sich nur allgemein, wie seine Stimme dabei gezittert hatte. Er wird doch recht alt," hieß es. So war der Christi begraben und schnell vergessen. Und es kam, wie man es schon lange vorausgesehen hatte. In das traurige Bauerngütchen zog neue Liebe und neues Leben ein. Erst nach fünf Jahren hat man wieder einmal vom Christ! geredet. Da war an feinem Steroetage die einfache Holztafel auf dem Grabe, die nichts weiter als den Namen des Verstärkenen enthielt, verschwunden und hatte einem schönen, würdigen Grabstein Platz gemacht. Marie und Johannes sah man oft in stiller Abendstunde Hand in Hand dabei stehen und kein Sonntag verging, an dem das Grab nicht mit frischen Waldblumen geschmückt, war. Für den Lumpen?" sagten die Leute. Es ging freilich ein wunderbares

Gerücht durch das Dorf. Der Christ! solle gar nicht so schlecht gewesen sein, als er sich selber den Anschein gegeben. Er habe gewußt, daß seine kranke Brust einen giftigen, tödtlichen Hauch ausathmete; deshalb habe er sich Weid und Kind absichtlich ent fremdet. Er habe gewußt, daß es mußte geschieden sein und daß das Herz der treuen Marie keiner neuen Liebe fähig sei, wenn er mcht selbst vorher die alte mit eigener Hand getod tet habe. Aber so etwas glaubt ja natürlich kein Mensch. Aussprcchcn lassen! Humoreske von Hans Freiherr v. Saudau Sptkowius, nun erzählen Sie uns, wie es auf der Birkhaynoaiz zugeyr, sonst wljsen wir morgen fruy rnuji ejcheld," oat Einer, vom runden Tijcy im Goldenen Astern". Morgens meinte ein Anderer, nach der Uhr gehend; heute wollen Sie sagen, es ist schon lange nach Mitter nacht." Wenn der alte Spikowius auf die Jagd zu sprechen kam, dann war er unerschöpflich, das war sein eigentliches Feld; er war seines Zeichens Gutsbesitzer, aber kirn Frau,. seine Mische", wie er sie nannte. Pflegte zu sagen: Wenn ich ihn nicht dewaschen und beflicken müßte, käme er mir gar nicht mehr nach Hause." Er lebte nur der Jagd -und war immer auf ten Strümpfen, trotz feiner fünfundsechzig Jahre und seiner Corpulenz. Ja, ja, ich bin's gar nicht werth, daß ich eine solche Frau hab'," pflegte er gerührt zu sagen; was ist zu machen, muß schon so verbraucht werden, wie ich bin"; dazu lachte er lustig und stieß mit den Umsitzenden an. Von den Birkhähnen wollt Ihr wissen? Das hab' ich Euch schon so oft erzählt, aber Ihr hört ja doch nicht ordentlich zu. Das ist gar nicht so leicht mit der Birkhahnbalz, wie das aussiehr. Nachher wundertJhr Euch, wenn Ihr nichts schießt. Das Erste ist, man schlägt sich die Nacht um die Ohren, wie wir das eben thun, denn wenn's noch ganz dunkei ist, geht'S 'raus in's Loch, eine Grube miten auf der Heide, ringsum Fichtenäste gesteckt. Da sitzt man nun, ringsum die unheimliche dunkle Heide. Hui Hui Hui Hui Hui Hui Hui Hui !!!! geht's über Einem, als ob der wilde Jäger zieht; das sind die Enten, die sind am frühesten, dann meldet sich auch schon der Kibitz,' aber er schreit nicht so wie am Tage, Jui ! ! Jui ! !, nein, ganz kläglich macht er Jiiiieeeehhhh ! Jiiiiiieeeeeehhhhhh ! ! ! Dann hört man in der Ferne Titel, Tidel. Tidel, Tidel, Tidel, Tidei ganz fein und hoch, das ist die Heidelerche, auch ein sehr früher Voges, und nun aufgepaßt, nun dauert's nicht mehr lange. Buff Buff Vuff ! ! ! da sitzt er!" Aber nun schießt man doch?" fragte einer der athemlos Zuhörenden. Spikowius wird blau im Gesicht, die Augenbrauen zieht er hoch hinauf und er schlägt klatschend mit seinen breiten Händen auf . seine Oberschenkel. Einiae Male schöpft er vergeblich nach

Lü7t: . Aber meine Herren! Es ist c &o denlos! Sie haben ja keine Ahnung von der Virkhahnbalz ! ! nein, so wS ist zu toll ! ! Ich sag's ja. das ist nicht so leicht! Also? das erste ist. man schlägt , sich die Nacht um die Ohren, dann geht's raus in's Loch, Hui Hui Hui Hui. die Enten ziehen, Jiiirrrhhiiiieeeehh der Kiebitz. Tidel Tidel Tidel Tidel die Heidelerche, nun aufgepaßt, nun dauert's nicht mehr lange. Buff Buff Buff ! ! da sitzt er!" Aber nun schießt man doch ? ? ! fragte wieder ein Anderer., und die gleiche Scene wiederholt sich immer wieder. Spikowius hat keine Ahnung davon, daß man ihn foppen will, dazu ist er viel zu harmlos, immer wieder fall1 er daraus retn und unzahltc Male beginnt er mit seiner Erzählung von voine. Man amüsirt sich prächtig, denn die Nacht muß doch irgendwie un? die Ohren geschlagen werden. Doch beim Reden und Trinken ist die Nacht vergangen, der Leiterwagen fährt vor die Gesellschaft, die sich zusammengefunden hat, um unter des Altmeisters Spikowius' Leitung eine Birkhahnbalz zu erleben, rüstet sich zum Aufbruch. Langsam, langsam mit die jungen Pferde!" lallt der Alte, als man irrni dienstwillig beim Hereinklettern hilft, quack! fällt er auf das weicheHäckselsitz kissen und bald ist er eingeschlafen. Na heute werden wir endlich mal schießen, heut' ist er unschädlich." meint einer, aber der Oberförster schüt telt den Kopf: wenn er in die Grube kommt, ist er wieder munter." Die Heide ist unheimlich dunkel, Jc.der wird an das für ihn bestimmte Loch geführt, mit steifen Gliedern und fröstelnd steigt man . hinein. Da. sitzen sie nun un'd harren Der Dinge, die tx kommen sollen. Hui Hui Hui Hui Hui Hui Hui ! streichen die Enten, Jiiiiieeeeehhhh Jiiiieeeehhhh klagt der Kibitz, manches bleiche Gesicht verzieht sich zum Lächeln, Tidel Tidel Tidel, dort in der Ferne die Heidelerche. Nun aufgepaßt, nun dauert's nicht mehr lange", fällt Je dem ein, und richtig Buff Buff Buff ! ! ! da sitzt er wirklich. Doch was ist das!??? er ist schon wieder weg! Manch' langes erstauntes Gesicht sieht ihm nach. Bauts ! ! schallt's durch die Still dann nach einerWeile nochmals Bauts zwei Schüsse sind gefallen! Jetzt ist's schon hell, man blickt sich um, dort steigt schonin Jäger. cu5 seinem Versteck, nun klettern sie alle hervor und sammeln sich, in der Mitte sitzt der alte Spikowius, vor ihm liegen zwei stattliche Hähne. Das ist aber doch zu toll, ist der Kerl wie eine Haubitze bepfiffen und schießt doch die Birkhähne allein! Wie haben Sie's nur angefangen??" Einer der enttäuschten Jäger hat'S, gefragt. Spikowius schmunzekt sehr vergnügt' in seinen grauen Bart; aus der Tasche zieht er tint Flasche und Kluck Kluck Kluck läßt er den Jnhalt.verschwinden. Dann wischt er sich den Mund mit der verkehrten Hand und sagt Proscht ! ! Ja, ja, mit der Birkenhahnbalz, das ist wie gesagt nicht ganz leicht. Das erste ist also, man schlägt sich die Nacht uin die Ohren!" Hören Sie auf, es ist zum Verrückt Werden!!" Ja, das ist es auch, das heißt mit Ihnen, nicht mit den Birkhähnen. Also in's Loch, Sie wissen doch, wie das ein gerichtet ist?" Ja, ja!! wir wissen schon!!" Na gut, dann brauch ich's Jhni nicht mehr zu beschreiben. Also, Hui Hui Hui, die Enten, dann Jiiiieeeehhhh Jiiiieeeehhhh der Kibitz, am Tage schreit er ganz an ders" Ja, ja, wir wissen das schon, wir kennen das schon ! !" Na schön," lachte der Alte, nun meldet sich die Heidelerche Tidel Tidel Tidel " Herrgott, haltet dem Menschen doch den Mund zu ! !" Nun paßt auf, nun kommt's bald Buffff Buffff Buffff ! da sitzt er!" Hier machte der Alte eine Pause unr sah sich mißtrauisch im Kreise um, ob die Gegenfrage nicht kommen werde T aber Alles blieb s:ill. Da richtele er sich hoch auf, duckte sich plötzlich in die Kniebeuge, fchlug die Rockschöße hoch, drehte sich mit Windeseile in die Runde, Schuchchch chuch chuch chuch ! ! ! erklang's aus seinem Munde und nun hopste er und tanzte einen wahren Jndianertan, daß den Zuschauern der Athem weg blieb. Solche Leibesgewandtheit hatte dem Alten Niemand zugetraut, dazn ertönten die seltsamsten Laute, die Lippen blubberten, die Kehle gluckste der Hals zischte, immer wilder raste der Tollgewordene im Kreise, man mußte ihn für sinnverwirrt halten, dazu d komischen hüpfendcnTanzschritte Bauts ! ! !" schrie er da plötzlich stehenbleibend, daß allen fast das Trommelfell platzte. Wißt Ihr nun; wann Ihr schießen müßt? Ja. warum nicht zuhören bis zum Ende? Jeder von Euch hätt' einen haben können, gesteht's nur ein, es war bei Jedem einer, aber Ihr habt das Gewehr zu früh gehoben, ebe der Hahn richtig im Bolzen war. Siehst, was kriechst Du auf den Maskenballohne Billet! Guten Morgen, meine Herren, andermal au-sprcchen lassen!" K i n d l i ch. Mama, ist das wahr, daß die Störche im Winter nach Italien ziehen?" Jawohl, mrin Kind!" Dann ist dcc kleine Bruder. den ich zu Neujahr bekommen habe, wohl ein Italiener?" Dichter-Elend. Verflixt! So'n Pech! Eben siel mir so ein fo moses Frühlingsgedicht ein, und ich fand keinen passenden Titel dafür und jetzt hab' ich einen prachtvollen Namen dasür, aber da hab' ich wieder die Verse vergessen!" .