Indiana Tribüne, Volume 22, Number 14, Indianapolis, Marion County, 2 October 1898 — Page 2
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Iic Heroen. Von Maria SckrammMcTonald. ' Ein Arzt erwirbt sich in der Regel durch krampfhafte, strenge Uebung einen langen, dehn- und haltbaren Geduldsfaden. Besonders nöthig hat er ein solches elastisches Ding den eingebildeten Kranken gegenüber. Doch das weiß ja alle Welt, wenn es ihr auch nicht immer wieder in den mannigfachsten Formen erzählt würde. Alle Welt weiß auch, daß die eingebildet nervösen Damen die schrecklichstePlage für einen dielbeschäftigten Arzt sind. Sie bringen es fertig, auch den dauerhaftesten Geduldsfaden zum Reißen zu bringen und das höflichste Doctorlämmlein honny soit qui mal y pense! in einen sackgroben, bärbeißigen Löwen zu verwandeln, der seine Stimme donnernd erschallen läßt undAugen macht, als wolle er die sanfte, flötende Klage rin verschlingen. Ach, Doctor, meine Nerven!" Neunundneunzig Mal schon hat es Dr. Theobald Brause im Laufe kurzer Zeit mit bewundernswerther, freilich nur scheinbarer Gemüthsruhe von der kleinen, hübschen Frau Hersilie v. Herbach angehört, obgleich er sich sagt, daß schon allein zu dem täglich dreimaligen Wechseln der Toilette, zu den ununterbrochenen Besuchen, zu den unendlichen Kaffeeklatschen, zu dem ewigen Genörgele mit den Dienstboten und zu den dramatischen Eifersuchtsscenen mit dem unschuldsvollsten aller Gatten geradezu Stricke" von Nerven gehören. Frau v. Herbach glänzt ja in dem erschreckend leeren Journal" des jugendlichen Aeskulavjüngers als lichtumflossene Aristokratenperle,' sie ist der gesellschaftliche Embryo, aus welchem sich der große und vornehme Zulauf von Patienten für ihn entwickeln soll. Also Eines Tages aber, nachdem Theobald in der Nacht wieder herausgeklingelt worden war, weil der Budiker von nebenan, in Firma August Seespeck, darauf brannte, so rasch wie möglich seinen dreizehnten Sprößling die Wände der elterlichen Kellerwohnung beschickn zu hören, purzelten alle seine lobenswerthe Vorsätze über den Haufen. Der arme Erdensohn ist ja oft ein Narr des Glücks. Sehr natürlich kommt dann einmal ein Augenblick, wo er mit unsagbarem Vergnügen die Demuthsmaske, die er mit gebeugtem Sklavennacken vor der launenhaften Dame Fortuna getragen, fallen läßt und ihr seinerseits einmal einen Fußtritt versetzt. O, so etwas thut unendlich wohl. Als das Hundertste Ach Doctor, meine Nerven!" dem lebenden Munde von Theobald Brause's einziger vornehmen Patientin entflohen war, erschien vor seiner Phantasie das derbe Gesicht des Budikers, daneben das des Dreizehnten, dem er in der vergangenen Nacht zum Eintritt in diese erbärmliche Welt verholfen hatte. Donnerwetter!" entfuhr es 'ihm da laut und grob. Wenn Sie dreizehn Rangen hätten, würden Sie keine Zeit haben, an Nerven zu denken. Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand. Und wenn Sie Verstand Hätten, würden Sie über andere Dinge nachdenken, als ewig und immer über Ihre sogenannten Nerven. Die Phan-tasie-Bacillen, die Sie so nennen, iexi stiren gar nicht; Ihre wirklichen Nerden sind gesund. Für die brauchen Sie mich nicht. Basta!" . Der Geduldsfaden war gerissen. Dame Fortuna hatte ihren Fußtritt. Frau Hersilie v. Herbach fiel zunächst in Ohnmacht. Theobald Brause sah das nicht mehr, denn er hatte bereits die Thüre von draußen zugemacht, als Hersilie aus sprachloser Erslarrung zum Sinken in die Sophaecke überging. Hersiliens Ohnmacht war eine von jenen Ohnmachten, in denen man noch .Entschlüsse fassen kann. Hersilie entschloß sich, angesichts der mangelnden Zuschauer man sieht ja zuweilen, wie jener Schulmeister,Leute. die nicht da sind nicht länger als ungefähr fünf Minuten auf die Ohnmacht zu verwenden. Dann stand sie auf und schrieb dem Dr. Brause einen eisig-kalten Absagebrief vom Kothurn ihres blauen Bluies herab. In diesem Briefe ersuchte sie ihn um seine Rechnung und verbat sich seine ferneren Besuche. Als Dr. Brause diese Epistel gelesen, schrieb er zuvörderst eine unverschämt hohe Rechnung für die derscherzte Patientin. Dann nahm er mit einem energischenRuck den spiegelblanken Cylinder vom Haken und verschloß ihn im Schranke. Draußen im Flur hing sein grauer Kalabreser. Ihn hatte er bis jetzt nur getragen, wenn er unter der Hülle der verschleiernden Nacht als ärztlicher Berather in die Hütten der Armuth" eilte. Jetzt stülpte er das bestaubte Ungethüm keck auf sein lockiges Haupt. Hol' der Teufel die Vornehmen." murmelte er, es muß auch so gehen." Er fühlte sich förmlich als Volksarzt. Budikers Dreizehnter, der infolge zu hastigen Trinkens ein Familienerbfehler gestern einen Erstickungsanfall gehabt und, als er bereits jenen stillen Ufern zueilte, von denen Niemand wiederkehrt, von Theobald wieder in's Leben zurückgeschleudert worden war, erhielt einen Extrabesuch. In der Stube, wo diese hoffnungsvolle Pflanze der immer höheren Vervollkommnung entgegenschlummerte, brütete eine dumpfe Stickluft. Aber ein erhebendes Bewußtsein vermaa unter Umständen den mangelndenSauer-! n -r r r.i r r i H liof zu ersetzen, yeooaiv brause war entschlossen, dem Volke, demjenigen Theile der Menschheit, der keine Nerden kennt, künstig ausschließlich seine Thätigkeit zu widmen. . Feierlich legte er seine Hand auf den
krebSrotben Kovf deS bänlicken Knirv-
ses in der Wiege und tätschelte mitTo desverachtung daraus herum. Pardauz! Großer Gott, das einjährige Zwölfte ist vom Tische heruntergefallen, gerade auf das zweijährige Elfte, das mit dem dreijährigen Zehnten m Tische stand. Ein mörderliches Geschrei erfüllte den Kellerraum. In dieses Geschrei mischte sich dasSchluchzen der Mutter. Dies Schluchzen ging in eine Art Weinkrampf über. Aber beruhigen Sie sich doch, Frau Seespeck," bat Brause, dem Äürmel ist ja nichts geschehen." Ach Gottchen, ach Gottchen schluchzte die rothhaarige Schönheit aus ihren buntgewürfelten, dicken Kissen heraus, ich weeß ja, Herr Dokt'r. Aber kee Wunder is es nich, wenn die Nerven hin sein, wenn man a Stücker dreizehn. . . Nerven?" murmelte Theobald und starrte sie entgeistert an. Hier auch?" Sein Gehirn schwindelte. Um elf Uhr Abends kam er heute heim und war erst recht schwindelig. Er hatte in einem Volks Restaurant zweifelhaftes Bier getrunken und sich mit unfruchtbaren Reflexionen gemartert. Er schlief schlecht. Um 12 Uhr riß es an seiner Nachlklingel. Der rothnasige Diensimar.u'Stade hatte einen seiner Asthma - Anfälle bekommen. Brause fühlte mit dumpfer Verzweiflung, daß er aus dem Zauberring, den seine Nachbarschaft um ihn geschlossen, nicht herauskam. Was für ein guter Kerl er war! Für den Besuch nahm er nichts und steckte der kleinen Frau, die vom Weinen um ihren Mann im Gesicht wie tätowirt aussah, drei Mark in die Hand. Er wußte genau, daß Stade ein ordentlicher Mann war. Die rothe Nase hatte das Eckenstehen an einem einzigen Decemberabend auf dem Gewissen. Drei Tage darauf bekam Theobald ein Billet von Frau von Herbach. Er sollte sie augenblicklich besuchen; sie bereute, ihm den Abschied gegeben zu haben; sie sei zu zimperlich gewesen und sehe das ein. Theobald schrieb höflich zurück, daß er zu Diensten stehe, sobald der gnädigen Frau ernstlich etwas fehle, und ging nicht. Nun vergingen acht Tage. Da besuchte ihn Herr v. Herbach. Der Mann war überglücklich. Er fiel ihm beinahe um den Hals. Doctor, Sie sind ein Prachtmensch, ein Wundermann, ein. ..." Er konnte vor Rührung nicht weiter reden. Aber ich verstehe nicht," stammelte Theobald. Sie haben meine Frau gesund gemacht, Doctor! Wie soll ich Ihnen das danken, wodurch? Mein Gott, ich bin ja so glücklich! Sie zirpt nicht mehr auf dem Sopha herum wie eine heisere Grasmücke, sie schüttet keine ThränenAprilschauer mehr über michAhnungslosen aus, wenn ich einmal ein Viertelstündchen später nach Hause komme, sie nörgelt mir nicht mehr die Ohren voll, wenn sie Cigarrenrauch riecht, sie na, genug, Doctor, sie hat keine Nerven" mehr, und das haben Sie, Sie, allein fertig gebracht, Doctor, ich muß Sie küssen!" Theobald empfing den Kuß mit der Miene eines Menschen, der einen Gewinn in der Lotterie gemacht hat, ohne vorher ein Loos gezogen zu haben. Wie haben Sie das nur angefangen? Hersilie will mir das Mittel nicht nennen," begann Herr von Herbach jetzt wieder. , Theobald hatte sich bereits in die Situation gefunden. Grob bin ich geworden," sagte er trocken, das ist das ganze Geheimniß." Ha, ha, ha, ha!" lachte Herr V.Herbach. Ha, ha. ha, ha! Köstlich! Einzig! Doctor, ich muß Sie noch einmal küssen!" Nein, er konnte nicht vor Lachen. Und Theobald lachte mit. Zum Theil aus Befriedigung, daß ihm der zweite Kuß erspart worden war. Nach Monaten war Theobald bereits ein gesuchter Nervenarzt. Herr v. Herbach hatte ihm alle mit nervösen Frauen geplagten Ehemänner seiner Bekanntschaft in's Haus gejagt, und so hatte Dr. Brause Plötzlich alle Hände voll zu thun. Frau v. Herbach dankte er es zudem, daß er für ein Original galt. Seine göttliche" Grobheit begann bereits sprichwörtlich zu werden. Dabei pries man sein gutes Herz, seine weiche Hand. Man nannte ihn in den Cafes der Residenz das Ideal eines Arztes. Die Oberstin von Bärenklau, die ein bischen heftig schriftstellerte, erklärte, er sei das Ideal eines Arztes, denn er besitze ein Falkenauge, ein Löwenberz und eine Jungfrauenhand; er sei kein Herrgottsflicker". sondern ein ganz genialer, bedeutenderMensch, der schon durch den bloßen Blick seiner blauen Augen nervöse Kranke' zu heilen verstehe. Was die Sappho der Residenz sagt, gilt als Orakel. Ein Commerzienraths - Töchterlein, die reizende Lili Berg, entbrannte in Heller Neugier, das Doctorphänomen kennen zu lernen. Ihre Jungfer, eine entfernte Verwandte von Auaust Seespeck, die viel Romane las, hatte auch ; nocy o rnei von jemeni goldigen Herzen" erzählt, von feinem lieben, edlen Antlitz, in dem die meertiefen Augen wie zwei leuchtende Sterne ständen". . . Lili Berg, daS in jeder Beziehung kerngesunde, frische Mädel, eine Ausnähme unter großstädtischen Commerzienrathstreibhauspflänzchcn" bekam ZUM maßlosen , Erstaunen des etwas unter dem Pantoffel siehenden Papas plötzlich Nerven. Dr. Theobald Brause mußte geholt werden, natürlich nur Dr. Theobald Brause. Aber allein mußte Lili mit ihm reden, ganz alle::!. Und er kam.
Als er aber sah, nämlich das rosige Gesichtchen mit den großen, lachenden, grauen Augen, das sich die unmenschlichste Mühe gab, recht elend auszusehen, da stutzte er. Und als er sah. daß Lili sich auf die Kirschenlippen biß, um nicht zu lachen, wobei sie in der rechten Wange ein Grübchen bekam, das für den Wohnplatz eines winzigen Cupido gerade gut genug war, da wurde er verwirrt. Als sie aber zu reden anfing und mit tragischer Stimme weinerlich und äußerst mühselig hervorbrachte: Ach, ach, meine Nerven, Herr Doctor!" da wurde Theobald Brause böse. Fräulein Berg, Sie sind eine schlechte Komödiantin, und ich bin kein dummer Junge, 'pfehl mich!" 'pfehl mich!" echote da das tolle Ding und wollte sich ausschütten vor Lachen. Und Theobald mußte mitlachen, denn ein Lachen wie das, welches dieser braunlockige Kobold vollführte, ist unwiderstehlich ansteckend. Sie lachten so lange und anhaltend, bis der Papa Commerzicnrath es doch für gut fand, sich die merkwürdig laute und heitere Consultation einmal näher anzusehen. Er kam gerade dazu, als die beiden jungen Leute sich, immer noch lachend, wie ein Paar gute Kameraden die Hände schüttelten. Das war der Anfang einer wirklichen Freundschaft. Das Ende dieser Freundschaft war eine fröhliche Hochzeit. Nein, nicht das Ende, das wonnevoLe Ziel, zu dem die Freundschaft auf der Himmelsleiter der jungen Liebe gestiegen war. Frau v. Herbach, die sich durch ein regelrechtss Erkältungsfieber dieGunst Dr. Theobald Brause's wieder errungen hatte, war lange hiervon genesen und befand sich mit unter den Hochzeitsgästen. Selbst der Umstand, daß Herr v. Herbach mitten in seinem krampfhaft auswendig gelerntenTrinkspruche stecken blieb, vermochte ihre Nerven zu keiner Kundgebung zu bewegen. Und doch. . . . Brause's standen später bei Seespeck's Vierzehnten und bei Herbach's Erstem Gevatter. Ein Arzt das sah Theobald jetzt ein darf es mit keinem Stande verderben. Und schließlich waren Brause's den Budikers eine Genugthuung dafür schuldig, daß sich nach der Hochzeit Nummer Vier bis Nummer Zehn an den Ueberresten des Festmahls, die zu gleichen Theilen in ihre Kellerwohnung und in die Bodenkammer des Dienst-
mannes Stade gewandert waren, entletzlich den Magen verdorben hatten. Standesgemäß. Lebensbild von Jda Barber. Man bringt dem Modeteufel zu viele'Opfer," hörte ich, als ich meiner Freundin Emma einen Besuch machte und unangemeldet eintrat, ihren Gatten sagen. Seine noch eben gerunzelte Stirn glättete sich schnell, Emma versteckte die Rechnungen, die sie ihm wohl gerade präsentirt hatte, unter eine auf dem Tische liegende Zeitung, und mir unbefangen die Hand reichend, sagte sie: Du kommst gerade wie gerufen! Carl und ich hatten einen kleinenWortWechsel und brauchen einen Schiedsrichter; sag' Du selbst, ist es nicht nöthig, daß ich in jeder Saison für die Mädchen einige neue Toiletten, Hüte und dergleichen anschaffe?" Wenn Dir Dein Mann das Geld dafür bewilligt," erwiderte ich, magst Du Dir das harmlose Vergnügen gönnen!" Und wenn er es nicht bewilligt?" fragte Emma erregt. Kann ich etwa die Mädchen in unmodernen Kleidern spazieren führen? Muß ich nicht auf standesgemäßes Auftreten halten?" Standesgemäß?" fiel der Gatte, ein vielgeplagter Geschäftsmann, ein, der, so viel er auch verdiente, nie dazu kam, einen Nothgroschen für die Zukunft zurückzulegen. Mit Deinem Standesgemäß" kannst Du Einen zur Verzweiflung bringen!" Vielleicht begehrst Du zu 'viel!" mahnte ich, Frau Emma in das anstoßende Erkerzimmer führend, in dem ich ungestört mit ihr zu plaudern gedachte. Zu viel!" sagte sie erregt. Ist es nicht meine Pflicht, die Mädchen bestmöglich herauszustaffiren? Wer wird denn ein Mädchen ohne Mitgift nehmen, wenn sie nicht wenigstens hübsch und chic aussieht?" Du bist auf falscher Fährte, liebe Emma," sagte ich. Der Putz und Glanz schreckt ernste Heirathscandidaten ab; sie berechnen sehr wohl, ob sie ein Mädchen mit den und den Ansprüchen zur Gattin nehmen dürfen." Emma warf mir einen bitterbösen Blick zu und sagte: Nur gut, daßCarl Dich nicht hört; das wäre Wasser auf seine Mühle; ihm wäre es ganz recht, wenn die Mädchen zu Schneiderinnen und Putzmacherinnen in die Arbeit gingen." Lästre nicht " mahnte ich dieFreundin. Dein Mann plagt sich von früh bis spät, um Eure Bedürfnisse zu befriedigen; er ist nicht mehr jung, hat vielleicht nicht Unrecht, wenn er an die Zukunft denkt und von seine erwachsenen Kindern eine Entlastung erwartet!" Wie Du nur so red:n kannst!" sagte Emma unwillig. Was können die Mädchen denn zu seiner Entlastung thun? Ist es nicht seine Pflicht als Vater, sie standesgemäß zu erhalten?" Du mit Deinem ewigen Standesgem'aß", sagte ich unwillig. Nimm eZ mir nicht übel, wenn ich mir als alte Freundin' daS Recht anmaße. Dir zu sagen, daß es für erwachsene Töch ter eines Mannes, der im Kampf um Dasein alle seine Kräfte anspannen muß. vielleicht standesgemäßer wäre, an einen Erwerb denken, damit der
arme Vater seine Kräfte schonen könne." Du hast sonderbare Grundsätze," sagte Emma fast beleidigt. Ist es Dein Ernst, daß ich Clara, die so zart und empfindlich ist, tagsüber vielleicht in ein Bureau oder hinter einen Verkaufstisch stellen soll, oder daß ich Gretchen, die stets kränkelt, wohl jar an die Nähmaschine setze, damit si: schwindsüchtig wird?" Nun, so würde ich die Mädchen wenigstens anhalten, daß sie sich ihre Garderobe, Hüte u. dergl. selbst fertigen," erwiderte ich. Dazu sind sie gar nicht veranlagt," sagte Emma kopsschüttelnd. Clara spielt Klavier, Gretchen malt; sie gehen ja nicht müßig, aber mit der Nadel arbeiten, stundenlang gebeugt sitzen, nein, dazu habe ich meine Kinder nicht erzogen!". Soeben wurde Besuch gemeldet. Soll ich die Frau Melks annehmen oder sagen lassen, daß ich nicht zu sprechn fei?" fragte mich Emma. Warum willst Du sie nicht annehmen?" fragte ich verwundert. Ist sie nicht eine sehr achtcnswerthe Frau?" Läßt sich von ihren Kindern erhalten," sagte Emma geringschätzend, weiß überhaupt nicht, was sie ihrem Stand schuldig ist." Als Frau Melks jetzt eintrat, schien Emma, ihre Worte bereits vergessen zu haben; sie ging ihr freundlich entgegen, erkundigte sich theilnehmend nach ihren guten, braven Töchtern, die man als Musterbilder aufstellen könne. Frau Melks, sichtlich geschmeichelt, erzählte, daß ihre Anna, die bisher in einem ersten Kleidersalon ein Jahresgehalt von 3500 Mark bezogen, jetzt ihren Posten aufgab, da ihr von einem Concurrenzgeschäft 6000 Mark geboten wurden; die Kathie sei mit ihrem Buchhalterposten, den sie bekleide, sehr zufrieden, sie verdiene jetzt 275 Mark monatlich. Lina habe sich feit einem Jahre selbstständig gemacht; ihr Putzgeschäft gehe gut, sie werde demnächst heirathen. Sind Sie eine glückliche Mutter!" sagte Emma neidlos. Sie hatten nicht nöthig, die Standesrücksichten zu nehmen, die unsereinem zur Pflicht gemacht werden, und konnten Jhr Töchter praktisch erziehen!" Standesrücksichten?" fragte Frau Melks verwundert. Ich verstehe Sie nicht, meine Liebe."
Nun, ich meine," sagte Emma fast' lotternd, wenn man es der gesellchaftlichen Stellung des Gatten schulig ist, groß aufzutreten, es dann unmöglich" sie stockte. Sie meinen, daß man unmöglich seine Töchter zum Geldverdienen anhalten könne?" ergänzte die Mutter. Da theile ich Ihre Ansicht nicht, meine Liebe; je selbstständiger ein Mädchen ist, desto glücklicher ist sie. Meine Töchter sagen mir oft, wie dankbar sie mir sind, daß ich die Standesvorurtheile fallen ließ und sie zur Arbeit angehalten habe. Hätte mein Mann noch gelebt, wer weiß, ob er einverstanden gewesen wäre er wollte stets das Decorum gewahrt wissen. Als er starb und ich bettelarm mit meinen drei Kindern zurückblieb, da hieß es arbeiten, und durch die Arbeit und derenGewinn konnten wir wieder standesgmäß leben, aber ohne zu arbeiten wären wir elend zu Grunde gegangen." . Wohl drei Jahre sind feit jenem Besuch bei Frau Emma vergangen. Sie hat ihren armen Mann mit ihrem Wunsch, standesgemäß auftreten zu können, zu Grunde gerichtet. Er konnte, wie sehr er sich auch mühte, die Summen, die das Haus brauchte, nicht erschwingen; Schulden häuften sich auf Schulden; in einem Anfalle von Verzweiflung hat der Bedauernswerthe seinem Leben ein Ende gemacht. Emma sorgte selbstverständlich für ein standesgemäßes Begräbniß" und ist dann mit ihren Töchtern nach einer kleinen polnischen Stadt übergesiedelt. Frau Melks, die ihre Kinder nach ihrem Stande praktisch erzogen hat, verstand es, das Geld, das die Töchter verdienten, zusammenzuhalten, ihnen eine entsprechende Mitgift zu ersparen. Sie sind alle drei heute glückliche Frauen, lebhaft, munter, thätig, stolz auf ihr selbsterworbenes Glück. Trost im Herbst. ' Von Richard Zoozmann. Es gehet durch die Auen Ein frischer Brausewind; Schatz, laß uns gehn und schauen, Wie weit die Früchte sind. Die Sense klingt, Die "Garbe sinkt. Der Herbst füllt Faß und Scheunen. Die Traube schwankt, 'Gelbroth umrankt. Und will sich schon runden und braunen. Des Sommers goldne Tage. Die uns so reich gemacht. Verwelkten wie im Hage Der Rosen heiße Pracht. Manch trauter Platz Im Wald, mein Schatz, Gab unserm Glück den Segen. Der Herbst zieht an . , Doch er auch kann Der Liebe den Pfad nicht verlegen! Entblättert stehn die Lauben, Wir ziehn in's feste Haus: Beim rothen Blut der Trauben, Da schwatzen wir uns aus. Kommt Winters Schnee, Macht's uns kein Weh, Wir küssen doch und kosen. Die Liebe bleibt. Die Liebe treibt Auch im Winter uns duftende Rosen! Vor Gericht. Präsident: Sind Sie verheirathet?" Bettler: I Jott bewahre! Jlooben Sie, ick würde mir an Fremde wenden un betteln, wenn ick 'ne Frau hätte?" ...
Araöessas Toiletten. Won Th. v. Liska. Das Lieblingsgericht desHausherrn war an diesem Tage besonders gelungen. Sichtlich hatte es ihn in gute Laune versetzt, und als nach der Mahlzeit seine Frau mit der ältesten Tochter, Arahella, im' Speisesalon zurückblieb, berührte der Familienvater sogar ein bisher ängstlich vermiedenes, wenngleich, wie er wohl wußte, unausweichliches Thema. Na, Kinderchen," sagte er, wo wollt Ihr in diesem Sommer hin?" Die Mutter ergriff, wie gewöhnlich, vor Allem das Wort.. Sie war eine tüchtige Frau, aber große Pläne waren von ihr nicht zu erwarten, denn sie rechnete mit den vorhandenen Mitteln, die klein waren. Arabella zu Liebe sollten wir noch ein größeres Bad aufsuchen," sagte sie, dort ist indessen Alles theuer. Das Schlimmste ist intreffen der Toilettenaufwand, den können wir nicht erschwingen. Wir werden leider wieder irgend eine kleine Sommerfrische in der Nähe der Stadt beziehen müssen." Arabella wird es auch dort nicht an Verehrern fehlen," sagte der Vater mit sichtlichem Vergnügen an der Schönheit der schwarzäugigen, dunkelhaarigen Tochter vielleicht gedachte er auch, sie mit einer kleinen Schmeichelei über eine große Enttäuschung zu trösien. Mit der kleinen Sommerfrische bin ich durchaus nicht einverstanden," sagte Arabella ein wenig nervös. Ich bin für Ostende." Der Schreck fuhr den Eltern bei dem Worte förmlich in die Glieder. Die Miene des Vaters drückte dumpfe Verzweiflung aus und die Mutter flüsterte entsetzt: Aber Kind " Ich weiß, was Du sagen willst, Mama," unterbrach sie Arabella. Ich habe heute eine schlaflose Nacht darüber verbracht, wie die Sache zu machen wäre, und bin zu einem ganz bestimmten Plan gelangt, der allen Umständen, auch unseren beschränkten Mitteln, Rechnung trägt. Ich und Mama, wir fahren nach Ostende. Ihr Anderen bleibt doch alle lieber in der Stadt. Was die Toiletten anbelangt, so genügt ein hübsches Badecostüm und ein eleganter Bicycle - Anzug " Du kannst ja aber weder schwimmen noch radeln," wandte der Vater ein. Das thut nichts," erwiderte Ärabella, das Schwimmen lernt man schon dort, und etwas Radfahren noch hier ich nehme sogar ein Rad mit, das ich aus meinen Ersparnissen auf Raten kaufen will. Wir werden zwar auch einige Tanzunterhaltungen mitmachen müssen, dazu reichen auch meine aufgefrischten Ballkleidchcn.vom letzten Winter vollständig aus. Der Plan der Tochter war einer, über den sich reden ließ. Man redete also hin und her, sehr lange und gründlich, und es gelang, alle Punkte auch ziffernmäßig zur allseitigen Befriedigung in's Reine zu bringen.
Zwei Wochen verstrichen in emsigen' Vorbereitungen, und an einem hellen Sommermorgen bestiegen Mutter und Tochter den Eisenbahnzug zur Fahrt in's Bad. Ein Koffer und ein Kleiderkorb bildeten das ganze Gepäck; die üblichen Schachteln kamen nicht in Rechnung. Das erste Erscheinen der schönen Arabella auf der Düne machte Aufsehen. Das Badekostllm war berückend, weiß mit breiten schwarzen Streifen; es gc,b der dunklen Schönheit einen pikanten Rahmen. 1 Auf der Düne fand man einige Bekannte, namentlich Paula Losky, die von unserer Arabella unter allen ihren Freundinnen am unausstehlichsten gefunden wurde. Das hinderte aber Arabella nicht, Paula am zärtlichsten zu hätscheln, denn sie hatte stets einen Schwärm von Herren um sich. Ihr Gefolge ließ sich auch auf der Düne nicht spotten. Du hast ja einen sehr ansehnlichen Hofstaat," sagte Arabella zur Freundin. O, er ist noch lange nicht vollständig," sprach Paula stolz, da kommt auch gerade noch einer herbei, freilich der langweiligste unter Allen er spricht jede Stunde ein Wort. Kommen Sie nur heran, da ist Eine, die in Ihrer Gesellschaft noch nicht gegähnt hat," sagte Paula in der Richtung des neuen Ankömmlings, der sie allerdings nicht hören konnte. Die jungen Mädchen lachten. Inzwischen kam Herr von Gieseler, so hieß der wohlempfohlene Kavalier, wirklich heran und wurde Arabella vorgestellt. Er gefiel ihr merkwürdigerweise besser als alle die Anderen, vielleicht weil er ernster war. Paula wandte sich zu ihren Freunden. Herr Gieseler, der sich bei der Vorstellung stumm verbeugt hatte, blieb schweigend neben Arabella stehen. Das junge Mädchen sah ihn an. Ich danke," sagte sie dann lächelnd und mit harmloser Ironie, als hätte der junge Mann eine Frage gestellt, auf die sie antwortete, ich fühle mich hier sehr wohl. Mir gefällt Ostende über alle Maßen so weit ich es bistzer. kennen lernen konnte. Ich war noch wenig am Meere, denke aber, sein Zauber wird allezeit gleich mächtig auf mich wirken. Schon das ferne Brausen der Wogen versetzt mich in Aufreaung und läßt meine Pulse höher schlagen." Das Fräulein schwieg, aber auch der Kavalier sprach kein Wort. Arabella wiederholte indessen das frühere Verfahren setzte eine Rede des Herrn voraus und gab eine Antwort. Es ist sehr freundlich von Ihnen, daß Sie bereit sind, uns die Sehenswürdigkeiten von Ostende zeigen zu wollen." Gieseler blickte verdutzt darein, konnte jedoch, nicht umhin, über die Schelmerei deö Mädchens lächelnd, sich
zu verneigen. Ich möchte namentlich das Denkmal der Königin Luise in der Neuen Kirche sehen. Es wird mir sehr gerühmt und soll ein herrliches Bildwerk sein. In den ersten NachMittagsstunden will ich meine tägliche Bicycle - Fahrt machen, wenn Sie uns um vier Uhr abholen ' wollen, stehen wir zu Ihrer Verfügung. Sie holen uns also um vier Uhr ab thun Sie es gern?" Gern." wiederholte er in warmem Tone. Endlich höre ich ein Wort von Ihren Lippen," rief sie lachend aus. Und es war ein ganz artiges Wort ich hoffe noch mehr von Ihnen zu hören ... Und nun: Auf Wiedersehen!" Kind," sagte die Mutter auf dem Heimwege, der Mensch ist ja wie stumm." Das schadet doch nichts," erwiderte Arabella. Jede Frau kann, wenn sie gerade muß für Zweie reden." Herr von Gieseler blieb vom ersten Tage an der ständige Begleiter der beiden Damen. Arabella war die erste junge Schöne, die sich trotz seiner Einsilbigkeit und Schüchternheit mit ihm beschäftigte, und da er sich bei ihrem Geplauder auch vortrefflich unterhielt, fesselte sie ihn mehr als jede Andere. Mit einer Beautä von der Art Arabellas unterhält man sich aber nicht ungestraft täglich zehn Stunden, und ehe die zweite Woche um war, wußte der ganze Strand, daß der wortkarge Kavalier in das schöne Mädchen verliebt sei. Sie war auch die Einzige, die ihn nicht zum Reden nöthigen wollte wie die anderen Damen. Erst als sie vertrauter mit einander geworden waren, sagte sie einmal: Sagen Sie doch, warum reden Sie so wenig?" Er blickte sie bewundernd an und erwiderte: Sprechen meine Augen , nicht genug?" Die Antwort bewies, daß es ihm nicht an Schlagfertigkeit fehlte. Ärabclla erröthete, als er die Worte sprach und erwiderte: Was Sie für schöne Komplimente sagen können! Schade daß es nicht öfter geschieht." Noch immer karg mit dem Worte, sprach er nach längerem Verkehr doch häufiger, seine Ausdrucksweise war aber immer sehr knapp. Eines Tages sagte er: Ich habe Sie bisher nur in Ihrem Badeanzug und - in Ihrem Bade-Ko-stüm gesehen . warum das?" Das geschieht Ihretwillen." sagte das junge Mädchen ohne die geringste Verlegenheit. Seine Miene drückte die größte Verwunderung aus. Ganz recht, tadeln Sie, mich nur," fuhr Arabella fort, aber ich kann mir nicht helfen. Ich glaube Ihnen in diesen absonderlichen Anzügen etwas gefallen zu haben und fürchte, daß Sie sehr enttäuscht werden, wenn Sie mich im Kleide der Alltäglichkeit sehen." Gieseler erhob protestirend die Hände. Es freut mich, daß Sie es zugeben," sagte Arabella, übrigens besuchen wir heute Abend die TanzUnterhaltung im Kurhaus. Wenn Sie kommen wollen, werden Sie sehen, daß ich im langenRock keine so schlechte Figur mache, wie Sie zu vermuthen wagen." Er lachte nur, ohne etwas zu sagen, wohl wissend, daß er auch mit der geläufigsten Rede gegen die Neckereien des jungen Mädchens nicht aufkommen würde. Nach etwa vier Wochen dieses vertrauten Verkehrs war auch die arme Arabella verliebt, und wenn ihr schweigsamer Verehrer plötzlich ausgesprungen wäre, so würde sie sehr unglücklich gewesen sein. Eines Tag.'s holte Herr von Gieseler die Damen ?.u einer Fahrt in der Barke ab. Sie fuhren bis zum Leuchtthurm, den sie besichtigten, und kehrten nach ewigen Stunden heim. Die rothe Abendsonne hüllte das Meer in berückenden Glanz, nur der junge Mann war noch stiller als sonst. Das junge Mädchen kannte kein Geheimniß mehr vor dem Geliebten und da die Mutter, müde von der Sonnengluth und der scharfen Seeluft, an ihrer Seite eingeschlummert war. beich!ete Arabella ihrem Ritter auch, daß sie beinahe ausschließlich im Badeanzug 'und im BicycleKostüm nur zu sehen war. weil sie keine anderen fashionablen Toiletten hatte. Etwas wie Rührung über die harmlose List des prächtigen Mädchens beschlich ihn. Er sah sie an und fragte dann in seiner kurz angebundenen Art: nu Wollen Sie meine Frau werden? Eine Vlutwelle schoß ihr in's Gesicht, und die Kehle war ihr wie zugeschnürt. Nun hätte sie reden sollen und konnte nicht. Nun machte sie's wie er. nur ihre Augen sprachen und mit dem Kopfe nickte sie ein Ja. Wenige Tage später erschien Ärabella zum ersten Male in einer eleganten Sommer - Toilette auf der Estrade, dieses Mal am Arm ihres Verlobten. Dann schrieb sie den Schwestern nach Hause die Geschichte vom Badekostüm und dem Bicycle - Anzug, die eine hübsche Lehre enthielt. Darum erzähle ich sie weiter, wie sie mir von einer der jungen Damen verrathen wurde.
- Beweis. Gattin: Bist Du mir auch wirklich gut, Franz?" Gatte: Aber, Kind, wie kannstDu daran zweifeln; ich habe doch mein höchstes Gut, meine Freiheit, für Dich geopfert!" DasrichtigeWort. Was, der Mensch hat Dr r Geld geliehen?" Ja, das ist ein Leicht glöubi-öer!"
Aanlm. Humoreske ton Max Troll. Gt is also abjimacht, Mingkekcn, Du nimmst mir?" fragte Krischan Vadde. Ich nehme Dich," antwortete Minke. das heißt " Hier legte die kleine hübsche Kammerjungfer kokett .ihren niedlichen Zeigefinger an ihre Stulpnase. Das heißt"suhr Minka in ihrer vorhin unterbrochenen Rede fort, ich nehme Dich, wenn Du von heut' an bis über acht Tage keinen dummem Streich mächst." Aber, wieso denn?" fragt Kri schan wieder, tackt Minka "um die schlank Taille und zieht, sie an sich. Da. ertönt die electrische Glocke. Minka reißt sich los und eilt auf raschen Füßen in das Boudoir ihrer Herrin, der Frau Oberst. Krischan ist ein Handfester. Ob er nun Minka einen tüchtigenSchmatz auf ihr lüttjet Müllen" versetzt, oder, wie eben jetzt, die Uniform des HerrnObersten verhaut", immer ist er ein ganli Mann. Heute hat die Sache freilich ein kleines Aber". Minka hat ihm erzählt, daß die Frau Oberst die Aeußerung gethan habe: er. Krischan, von der Spottlustigen die lange Latte" genannt, sei ein guter, aber dummer Tolpatsch und ihrer Ansicht nach nicht im Stande, einen Tag hinzubringen, ohne irgend einen dummen Streich zu machen. Minka hatte dann in zarter Weise angedeutet, daß es ja ganz nett sein müsse, als Frau Gutsbesitzer". Padde neben vier stattlichen Kühen auch ein paar feste Ochsen im Stalle zu haben, daß sie aber bei ihr Herrschaft nicht in demGeruche stehen wolle, einen Verwandten der ertragsfähigen Vierfüßler auch in den Wohnräumen neben sich zu leiden, was ihr kein Mensch verdenken könne. Krischan schwang sich nun mitten im Donnergepolter seiner immer heftiger werdenden Klopferei zu der Schlußfolgerung, auf: Mingkekcn, dat söte Jör, hat die putzige Bedingung blos jestellt, um der Frau Oberst zu beweisen, daß ihr Krischan lange nich so viele Bretter vor dem Kopfe habe, wie diese das kränkender Weise behaupteten. Da tippt ihn Jemand auf die Schulter. Jäh dreht er sich zur Seite. Ter Jemand ist ein hübscher Mensch mit dunklen Augen und schwarzem Schnurrbart, in anständiger, fast' feiner Kleidung. Sie sind der Diener des Obersten von Adlerfeld?" fragt er jetzt in dringlichem Tone. Krischan nickte mit einem gewissen Hochgefühl. Hier dieses Schreiben," bei diesen Worten hält der junge Mann einen Brief mit einem auffällig großen Siegel empor, ist sofort beim Herrn Obersten abzugeben. Ich warte auf AnitoqrU Na. denn gewen S' man 'n beten up de Saken hier Owacht," sagt Krischan und trab! mit dem Schreiben ab zu seinem Herrn. Wer hat das gebracht?" fragt der Oberst, während er das Siegel, das ein Wappen trägt, vorsichtig löst, denn er ist Siegelsammler. Und hier hat er ciugenscheinlich etwas sehrBeachtenswerthes für feine Sammlung vor sich. Nun ist der Brief geöffnet und ausgebreitet. Zugleich fährt der Oberst zurück, um sich sofort wieder über das Papierblatt zu beugen. Auf der großen, feierlich - officiellen Fläche steht nichts weiter als die kalligraphisch gemalten und in den Anfangsbuchstaben verschnörkelten Worte: Geräth es, so ist es gut! Geräth es nicht, so ist's auch gut"!' Ter Oberst liest diese Worte unwillkürlich laut ab und schließt den erregten Befehl für Krischan an: Hol' mir 'mal das Individuum herein, das diefen Wunsch gebracht hat!" Krischan eilt, um mit Minka zu reden, mit der Geschwindigkeit eines reitenden Moccakäfers" davon, um beinahe sofort mit dem Ausrufe wieder auf der Vildfläche zu erscheinen: Es ist schon jerathen, Herr Oberst!" ' Was denn. Kerl?" Das Jndefidelbum hat die Uni form jemault!" ' Die Frau Oberst behauptete. Stil. schan habe damit, daß er den fremden Menschen mit der Uniform allein gelassen, einen erzdummen Streich gangen und ihre kleine Kammerjungser könne also laut der von ihr gestellten Bedingung den langen Bauernsohn nicht ehelichen. Aber Minka war anderer Meinung. Die Liebe allein hat eben hinreichendes Feingefühl, um den geliebten Gegenstand" voll und ganz zu verstehen. Das Vertrauen, mit welchem Krischan den Fuchs in den 5)ühnersiall gesetzt hatte, war für Minka ein qol diger Beweis feiner eigenen Bravheit, in welcher der Gedanke an eine raffinirte Gaunerei gar nicht zu keimen vermochte. Gerade seines dümmsten Streiches wegen heirathete sie ihren Krischan. Und sie ist eine glückliche Frau geworden, denn sie hat Verstand für Zwe. ' LetzterAusweg. Fräulein Anna: Denke nur, unsere Freundin Eulalia nimmt mit ihren dreißig Iahren noch Schwimmunterricht!" Fräulein Agnes: So! Sie hofft wohl. daß sie sich dann bei Gelegenheit noch einen Mann retten kann!" Zurückgegeben. Erste Dame (die um eine Beisteuer für einen wohlthätigen Zweck gebeten wird): Mein Diener wird Ihnen fünf Mark geben." Zweite Dame: Und meine ? wird die fünf Mark abholen." V a t e r st o l z. Ihr So soll ja malen, dichten und ompcniren?" Ja, um ihn ist eine Rau,e?ei unter den neun Musen entstanden.- : - " " '
