Indiana Tribüne, Volume 22, Number 14, Indianapolis, Marion County, 2 October 1898 — Page 10
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i SVvians Trtvune. euoae. Warum Kuver lcdig ölicö Erzählung von H. Werner. Der Kurfürstlich fiefpjdje KanzleiSupernumerar Huöer war kürzlich zum Wirklichen Kanzlistm ernannt worden, womit gleichzeitig eine nennenswerthe Erhöhung seines Einkommens verbunden war. Herr Hubr glaubte nunmehr den Zeitpunkt für gekommen, sich mehr unter der Menschheit sehen-zu lassen, der er bisher aus angeborener Schüchternheit und wegen seiner bisher sehr beschränkten Mittel aus dem Wege gegangen war. Auch hatte er eine aeradezu heilige Scheu vor der Frauenwelt. Zu dieser Weiberscheu hatte seine ziemlich häßliche Wirthin sehr viel beigetragen. Ihr Mann, ein biederer Etsenbahnschaffner, pflichttreu und nüch!ern,dem nur nachgesagt wurde. daß er ein hübscher stattlicherMann war, wurde von ihre geradezu langsam abgeärgert. Deshalb war Herrn Huber jede Courage zum Heirathen verloren gegangen. Für so ein Leben dankte er. Nun war das mit einem Male anders geworden. Anfangs hatte ihm noch die Furcht vor seiner Wirthin in den Gliedern gesteckt, wenn er Abends im Goldenen Lamm" seinen Schoppen trank und die hübschen Kellnerinnen ein Gespräch mit ihm anknüpften. Aber das verlor sich bald. Die Welt war doch ganz anders, als wie er sich dieselbe infolge des Einflusses, welchen seine Hauswirthin in dieser Bziehung auf ihn ausgeübt, vorgestellt hatte. Lustig und fidel ging's her im Goldenen Lamm", und am lustigsten. schienen die verheiratheten Männer zii sein. Solche Männer müßten doch glücklich verheiratht't sein, denn wie würden die sonst so vergnügt hier sitzen. Schade um den biederen Roller, dachte Herr Huber, als er eines Abends still vergnügt in einer Ecke im Goldenen Lamm" saß. Plötzlich glitt es wie Wetterleuchten über sein Gesicht. Er wollte seinen Hauswirth am nächsten Abend auf dem Bahnhofe erwarten und ihn zu einem Schoppen nach dem Goldenen Lamm" mitnehmen. Er wollte Roller einmal lustig sehen, wenn der arme Kerl es überhaupt noch sein konnte. Der Zug traf am nächsten Tage genau 8 Uhr 3 Minuten in Sauerhaven ein. Guten Abend, Herr Roller!" Ei, guten Abend, Herr Huber! Sie wollen doch nicht verreisen?" I bewahre! Ich wollte Sie nur zu einem Schoppen'im Goldenen Lamm" einladen." Das Gesicht Rollers gestaltete sich zu einem Fragezeichen. Er, dessen Weg seit seiner Verheirathung nur die eine Richtung kannte: Bahnhof Sperlingsgasse, er sollte auf einmal von dieser gebundenen Marschroute abweichen und, anstatt um 8 Uhr 47 Min. sein Haus zu betreten, um diese Zeit über de Schwelle zum Goldenen Lamm" schreiten? - Herr Roller besann sich lange, sehr lange. Schließlich siegte die Ueberredungskunst des Herrn Huber, und Beide wandelten dann, allerdings etwaZ einsilbig ob des ganz seltenen Falles. in's Goldene Lamm." Das Erscheinen des Herrn Huber in der von lustigem Geplauder erfüllten Gaststube war schon etwas Selbstverständliches, aber mehrere der anwesenden Gäste wollten ihren Augen nicht trauen, als sie den Herrn Roller erblickten. Das Bärble, die hübsche Kellnerin, erst recht nicht. Aber nun sagen Sie mal, Herr Roller!" rief sie freudig überrascht aus. wo kommen Sie denn her ? Das ist ja ganz was Neues. Das hätte ich übrigens doch nicht gedacht, daß Sie uns so untreu werden würden. Aber," setzte sie schalkhaft mit dem Finger drohend hinzu: das Frauchen das Frauchen! Wir wissen schon." , . Herr Huber kam aus seinem Erstaunen gar nicht heraus. Er erwartete entschieden, daß sein Hauswirth sich diese Vertraulichkeit verbitten würde, denn hier konnte, von einer Bekanntschaft doch nicht die Rede sein. Doch dieser stille Mensch seiner, ihn häufig offen und versteckt inquirirenden Frau stets hoch und heilig versicherte, daß er niemals Restaurationen mit weiblicher .Bedienung aufgesucht hätte, lächelte 1 dieser Hebe jetzt freundlich zu. Also die reine Verstellung. Diese Entdeckung verwandelte sein Erstaunen in lautere Freude und veranlaßte ihn zu ,fcn Worten: Bärble, holen Sie uns zwei Schoppen und einen Schnitt für Sie! Warten Sie, Hauswtrthchen, Sie sollen öfters hierher mit." Dem ehemaligen Garde-Artillerie-Bombardier war eZ bei diesen Worten, ls liefen ihm Ameisen über die Haut l seine Frau Das Erscheinen Bärbles verwischte indessen alle weiteren Gedanken in die. ser Richtung. Kräftig stießen die . Gläser der drei verwandten Seelen an.'eincndcr. Durch das Gemüth des ehe'inaligen Garde-Artillerie-Bombardiers 'zog es wie friedliches Geläute; seine Hand legte sich um - Bärbles -Taille, und schöne. Erinnerungen tauchten im Geiste vor ihm auf. Der Kurfürstlich Hessische Amtsgerichts , Kanzlist schwelgte mit. Die Drei bemerkten dabei nicht, wie sich inzwischen die Thür des Gastzim-
mers Seosfne! hatte und in dieses eine kleine magere Frau eingetreten war, welche mit siechenden Augen die Gaste gemustert, und als sie die drei Verwandten erblickt, diese Augen eine Sekünde geschlossen hatte. Die Drei sahen auch nichts. Erst, als sich Frau Roller mit zornfunkelnden Augen, aber stumm und ernst wie der Tod an den Tisch setzte, wurde der ehemalige Gar-de-Artillerie-Bombardier, der Kurfürstlich Hessische Amtsgerichts-Kanz-list und die rothwangige Kellnerin im Goldenen Lamm", Fräulein Bärble, dieses Gottseibeiunsgesicht gewahr.und wie elektrisirt stoben die Drei auseinander. Als Herr Huber nach einer halben Stunde.seine Wohnung betrat, lag' der ehemalige Garde-Artillerie-Bombar-die? Roller hübsch zugedeckt in seinem Bette. Es waren ganz seltsame Betrachtagen, die Huber an diesem Abende über die verheiratbeten Männer anstellte. Am nächsten Morgen faßte er den Entschluß zu kündigen und zwar gleich. Er besann sich indessen wieder: er konnte sich von seiner Wohnung, in welcher er so lange eigentlich ganz glücklich und zufrieden gelebt hatte, nicht trennen, im Grunde genommen auch nicht von seinem biederen HausWirthe, dem armen Kerl, der heute wer weiß wie aussehen, mochte. Er wollte seiner Wirthin aber doch zeigen, daß er sein eigener Herr war. Als diese einige Minuten später mit dem Kaffee erschien, ging er festen Schrittes im Zimmer auf und ab, den Gruß der noch ganz echauffirten Frau Roller kaum erwidernd. Ja, als diese, nachdem sie das Kaffeegeschirr auf den Tisch gestellt, sich im Zimmer zu schaffen machte, pfiff er zum größten Erstaunen seiner Hauswirthin gegen die Fensterscheibe: So leben wir, so leben wir!" Frau Roller merkte sofort, allerdings zu noch größerer Verwunderung, daß Herr Huber muckschte. Sie zog sich infolge dessen still zurück; verderben wollte sie es mit ihm denn doch nicht. Herr Huber blieb. Mit seiner vielgerühmten Häuslichkeit war es aber zu Ende. Zu seinen Besuchen im Goldenen Lamm" gesellten sich die Besuche von Concerten. Dabei erweiterte sich sein Bekanntenkries. Eine besonders freundliche Aufnahme fand er bei den Frauen mit heirathsfähigen Töchtern. Namentlich waren es die Frau des Kurfürstlich Hessischen Kreisausschuß-Registratur-Assistenten Hampel und die Gattin des Kurfürstlich Hessischen Forst - Kassen - Buchhalter - Gehülfen Rampel, welche mit ihren Töchtern Laura und Kunigunde sich durch ihn besonders angezogen fühlten. Doch wußten die beiden, zwar in einem Hause, aber auf feindlichem Fuße lebenden Mütter es immer so einzurichten, daß, wenn Frau Hampel und ihre Tochter Laura sich in seiner Sonnennähe befanden, Frau Rampel mit ihrr Tochter Kunigunde an der äußersten Grenze seiner Laufbahn sich bewegten. Es blieb lange unentschieden, welcher von den beidenKometen schließlich in ihm aufgehen würde, weil es Herrn Huber im entscheidenden Augenblicke immer an der nöthigen' Courage fehlte. EineS Abends war eS ihm vorbehalten. Frau Hampel und deren Tochter Laura nach Haufe begleiten zu dürfen. Frau Hampel war über diesen Fall so entzückt, daß sie den ebenfalls glückausstrahlenden Herrn Huber um die Ehre seines Besuches für den nach-
sten Tag bat. Der Herr Kurfürstlich Hessische Amtsgerichts-Kanzlist sagte Zu. Am folgenden Nachmittage saß Fräulein Laura schon um zwei Uhr am Feniter der behaglich erwärmten Wohnstube und guckte die Straße hinunter. Auf dem mit einer Damastdecke und einer weißen Serviette belegten Tlsche standen eme Anzahl gold, rändiger Tassen, ein Körbchen mit Utu nen silbernen Löffeln, mehrere Kuchenteller, Rahmguß und Zuckerdose mit der silbernen Zuckerzange. Auf einem Seitentischchen befanden sich Cigarren und sonstige Rauchrequisiten. Alles deutete darauf hin, daß dem Herrn Kurfürstlich Hessischen AmtsgerichtsKanzlisten ein gemüthlicher Nachmittag bereitet werden sollte. Draußen in der Küche starrt) Frau Hampel mit gerötheten Wangen am Herde und braute, ihre ganze Kunst zusammennehmend, "ihr Lieblingsgetränk ohne Cichorien wenn er erst ihrSchwiegersohn war, schmeckte Cicho rien allein auch ganz gut. Sie war gerade mit dem Aufguß fertig. alsLaura die Worte ,ur Thür hineinrief: Er kommt!" Ueber Frau Hampels Gesicht glitt es wie Sonnenschein. Sie war fertig. Schnell legte sie die Kückxnschürze ab. dann trat sie auf den Korridor hinaus. wo ihre Tochter Laura, mit den Händen auf dem Rücken, ihre Aufregung verbergend, leise auf und lb ging. Die Thurmuhr von St. Bonifacius schlug gerade 3 Uhr, als Herr Huber in die Hausthür trat. Mutter und Tochter standen erwartungsvoll drin nen an der Korridorthür im nächsten Augenblick mußse er die Klingel ziehen. Doch Herr Huber schritt an der Thür vorbei und sinnend zur dritten Etage hinauf er war es so gewohnt -Frau Roller wohnte auch drei Trepden. Er stand still. Sein Blick fiel auf. die an der Thür befestigte Visiten. karte, deren Ausschrift er blitzartig überflog, und von welcher er dlher nur fünf Sechstel des Namens, nämlich ampel wirklich sah. Der verschnörkelte Anfangsbuchsstabe .R" war natürlich ein Jö also Hampel".
Er. zog an dem Gloikenzüge. .An sein Ohr drattg dcr Ton einer kleinen Klingel. Frau Rollers Glocke war die reine Kuhglocke dagegen, gerade so brummig wie it selbst. Seine Augen waren erwartungsvoll auf das Thürschloß gerichtet, er hörte Schritte, seine Mienen wurden immer gespannter, die Corridorthür öffnete sich, und vor ihm stand Fräulein Kunigunde Rampel Dem Kurfürstlich Hessischen Amts-gerichts-Kanzlisten Huber war es in diesem Augenblicke, als müßie er eine Treppe tiefer fallen. Nein, diese Gedankenlosigkeit! Den Hut lüftend, blieb er mit vorgebeugtem Körper in der Thüröffnung stehen. Sein Gesicht verzog sich zu einem grinsenden Lächeln sprechen konnte er vor lauter Ueberraschung nicht. Das besorgte übrigens sofort Fräulein Kunigunde. Ihr Diener, Herr Huber! Bitte, treten Sie näher." Herr Huber legte seinen Oberkörper noch weiter vor und blieb mit einer ihm auf der Zunge liegenden Erwiderung auf demselben Flecke stehen. Aber Fräulein Kunigunde kannte schon diese schüchternen Herren. Ehe Herr Huber es - verhindern konnte, hatte sie seinen Hut ergriffen und diesen mit einem unnachahmlichen Bitte" auf den Kleiderständer gehängt. Nun mußte Herr Huber näher ireten und seine immer noch an die Zunge gebannte Entschuldigung hinunterschlucken. Schwer wurde es ihm und die Frau Rampel und Tochter hätten es ihm ansehen müssen, wenn sie sich dazu die Mühe gegeben hätten, als sie ihn in die beste Stube hinter den großen Tisch führten, wo er sich auf ein tieffederndes Sopha niederlassen mußte, dessen Ausgänge sofort von Frau und Fräulein Rampel besetzt wurden. Das Erste, was Herr Huber that, als sein Körper in der Versenkung halb verschwunden war, erstreckte sich darauf, daß er sich den Schweiß von der Stirn wischte. Die Frauen sahen dieser Beschäftigung schweigend zu. Nachdem er sein stark parfümirtes Taschentuch weggesteckt und seinen Körper soviel als möglich aus der Versenkung wieder herausgeholt ' hatte, begann er endlich: Ich wollte eigentlich " . Schon früher unS besucht haben" fiel Frau Rampel schnell ein wir haben Sie auch schon längst erwartet. Wie nett, daß Sie Ihren Vorsatz endlich einmal ausgeführt haben," fügte sie in mütterlichem Tone hinzu. Herr Huber wollte diesen offenbaren
Irrthum durch die Worte: Ich wollte eigentlich " berichtigen, aber er besann sich noch rechtzeitig. Einen Augenblick konnte er ja noch verweilen. Wenn er dann unten bei Hampels die Geschichte, erzählen wurde, dann wur den die sich todtlachen, ja! Er wollte sich schon die Hände vor Vergnügen reiben, als Fräulein Kunigunde sich erhob und aus dem Zlmmer schwebte. Sie trinken doch etne Tasse Kaffee mit uns, Herr Huber?" fragte Frau Rampel, freudig erregt - bei der Wahrnehmung, daß Herr Huber ihrer Kunigunde nachblickte. O, ich danke sehr!" antwortete er ganz bestürzt. Frau Rampel deutete sich diesen AuSruf des Schreckens als einen Ausdruck der Freude. Sie wollte ihrer Tochter in der Küche zu Hufe eilen, da hörte ihr scharfes Ohr, wie Herr Hu ber sich aus der Versenkung emporzuarbeiten bemühte. Schnell war sie wie der an seiner Seite. Mit den Worten: O, bitte, bleiben Sie nur sitzen. drückte sie den halb Emporgerichteten wieder hinunter. Ich wollte eigentlich , sagte Herr Huber, sich angstlich umschauend, als suche er einen Ausweg. Unsere Wohnung, besehen, nicht wahr? Das können wir nachher, wenn Sie sich durch eineTasse Kaffee gestärkt gaben werden In diesem Augenblicke kehrte Fraulein Kunigunde mit einem großen Tablett in das Zimmer zurück. Bitte!" Mit diesem Worte präsen tirte sie dem unglücklichen Kurfürstlich Hessischen Amtsgerichts - Kanzllsten eine mächtige bis an den Rand gefüllte Tasse, bei deren Anblick dem Genannten aller Appetit verging. Und bei dem Gedanken, wann sollst du diesen Topf leer bekommen und zu der Frau Hampel kommen, fühlte er deren zornerfüllte Blicke durch die Decke oder vielmehr durch den Fußboden auf sich gerichtet.Mit einer dankenden Neigung des Kopfes ergriff er mit beiden Händen die Tasse des seligen Großvaters der Familie Rampel und stellte sie vor sich auf den Tisch, legte bon dem ihm mit dem unnachahmlichen Bitte" dargereichten Kuchen einige Stücke auf den Rand der Untertasse und dann überkam ihn die Wuth über seine Zerstreutheit, welcher er es zu verdanken hatte, daß er diesen Rampels in die Hände gefallen. Da war schließlich die Rollern. dieserFeldwebel im' Reiche der Frauen, doch ganz anders. Warum? Das wußte er zwar in diesem Augen blicke nicht so recht, aber sie war doch besser. So eine- unverschämt große Tasse hätte sie ihm wenigstens nicht vorgesetzt. Schließlich verwünschterer alle Frauen. Nein, solche Zumuthung! Und drunten im zweiten . Stock Mit festem Griff, als wollte er 'sie zermalmen, nahm er die Tasse und schluckte und schluckte Kaffee. Aerger und Wuth, mit einem Worte alles hinunter, was ihm in den Weg kam. Dann sprang er plötzlich wie emporgeschnellt in die Höhe, er.mußte nothwendig hin, aus. Aber da hatte er die Rechnung ohne.
pu Fraäi Rampel gemacht. Ohne wr.töres blickte sie .ihn wieder sanft hinunter: JUrn, Herr Huber, so rasch dürfen Sie uns nicht verlassen. Kunigunde, hol' doch Herrn Huber noch eine Tasse! Nicht wahr. Sie trinken noch eine?" - Um Gotteswillcn. nein, ich danke!" platzte der wieder im Nest sitzende Huber heraus ich kann beim besten Willen nicht mehr." Doch da schwebte Fräulein Kunigunde schon .wieder zur Thür herein. Die arbeitet wohl mit Dampf, dachte er ingrimmig. Bitte!" flötete sie. Vor dem unglücklichen Kurfürstlich Hessischen Amtsgerichts - Kanzlii-en stand wiederum die bis an den Rl.nd gefüllte Großvatertasse. Herr Huber mußte auch diese leeren und während dieser Zeit in Drangsal und Noth eine Fluth von Klatsch über Hampels anhören. Als er endlich nach zwei langen Stunden wieder auf den Füßen stand, war er innerlich so erbittert und wüthend, daß es nur des kleinsten Um standes bedurfte.,ihn, den sonst so ruhigen Menschen, zum Dreinschlagen zu veranlassen. Während dessen saßen im zweiten Stock Frau Kreisausschuß-Rrgistra-tur-Sekretariats-Assistent Hampel und deren Tochter Laura voller Aerger in dem sauber aufgeräumten Wohnzimmer. Er war es nicht", hatte die Mutter gesagt, als Herr Huber an ihrer Thür vorbeigegangen war. Gewiß. Mutter, ich sah ihn zur Hausthür hineingehen." .Kind. nicht möglich! Dann wäre er doch zu uns gekommen." Er war es. Mutter," antwortete Laura resignirt.
Das ibt Diener, err über!" da oben hatte dann allen Zweifel beseitigt Beide waren wie auf Commando zu rückqefabren. Siehst Du, hatte ich nicht recht ? Das kann Vater aber doch nicht au uns sitzen lassen. Er hat die ganze Familie beleidigt!" schluchzte Laura Der Aerger und die Wuth hatte bei der Frau Kreisausschuß-Registratur-Sekretariats-Assistentin Hampel gerade ihren Höhepunkt erreicht, als die Sippschaft" von oben laut plaudernd die Treppe herunter kam. Das fehlte noch! Wie auf Commando sprangen Mutter und. Tochter von ihren Sitzen auf. in der nächsten Sekunde standen sie draußen vor dem jämmerlich drem schauenden Beleidiger. So wirklich, wirklich ein gebil deter Mann, das muß man Ihnen las sen. Geradezu flegelhaft haben Sie sich benommen, Herr!! Nehmen eine Einladung von mir an. um dann an meiner Thür vorbei zu diesen Leuten zu gehen! Schämen Sie sich! Verzeihen Sie," begann ganz zerknirscht Herr Huber. ich wollte - ", weiter kam er nicht, denn in die sem Augenblick begann zwischen den beiden Müttern ein Wortgefecht de! schlimmsten Art, dem die Töchter se kundirten. Kunigunde holte eben zu einer gisti gen Bemerkung Athem, als auf einma die beiden Mütter nach dem unglücklichen Huber. welcher die Gelegenheit benutzen und sich drücken wollte, ihre Hände ausstreckten. Doch der so Attackirte vergaß in diesem' Auaenblicke iede Rücksicht und dachte nur an seine Vertheidigung. Mi einer wahren Verzweiflung hieb er in der Angst mit seinem neuen Regen schirm einige Male um sich, dann stürzte er, den ihm aus Versehen von der Frau Rampel zuletzt noch emge triebenen Hut wieder emporziehend, in wilder Flucht die Treppen hinunter zum Hause hinaus. Er hatte genua. Still kehrte er heim. Die Frauen ezistirten für ihn nicht mehr, ausgenommen seine Wirthin, bei der er bis zu seinem Tode wohnen bliebt und die r , , . r--t;- . r , , er zu seiner univerazerom einigle. " Erpressung. Aus demGroßstadtleben. Es war in einem der vielen neu er öffneten Weinlokale, welche die Friedrichstraße in Berlin zu der Rue-des - om -i rn : r crr . i sn.r nailons einer -paiijcE xucuuu;ci luna machen. - Ein paar Schriftsteller saßen vor laubgrunen Nomern, :n denen goiogelber Rheinwein fluthete. Ich kenne kein größeres Vergnügen, meiNle uj Spiegel, ver Novellist, als das Bewußtsein, Anderen fortaebolken au haben!" Paul Dörner, der fleißigste, erfolg-i-tn. Wo ..r:.ci.ri. ..w r.: jc (Ciuic, uci iiiciicic uiiu fluyiciuj uu.c.:t..irj. or.. : cv t:3 gscuiuciic auiuc jcuci -cuyt, um her am besten erzählt, am meisten t. lacht und lachen gemacht, ward Plötze lich sehr ernst und sagte: .Wenn es sich nur immer lobnte das mein' ich nicht, ich pfeife aus den Lohn; wenn die Dankbarkeit nur nicht so oft Rache würde!" Alle sahen auf. Dankbarkeit Rache? Du faselst!" So hört, wie mir in ähnlichem Fall gelohnt wurde: Es war bei einer Premiere. Ein feistes LebemänAchen stellt mir zwei Schauspielerinnen vor, die sich sofort familiär an meinen Arm hängen, was mir , theils angenehm, theils unangenehm war. Einmal: sie waren hübsch, und dann: ich bin in glücklich verheirateter Mann und meine Frau hat die Schwäche, ich solle so stark sein, das schwache Geschlecht ganz in ihr verkörpert zu sehen. Dabei bin ich ein . . . nun, ein beliebter Erzähler und wo nimmt man immer neue Stoffe her, wenn nicht aus schönem Frauenmund? Diesen letzteren hatte die Eine nun ganz besonders, dabei wahre schwarze Pechaugen und schönes rothes Haar, wie die verwittwete Lajsalle. die Dönnigeö. ' . r .
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Die Rothe hatt mich fest, auch nach 1 Km ßf!rf.ra . r i . I uiiyci, uuu uiji; yu vn am Ostend-Theater, ich fühle Talent in mir. Verschaffen Sie mir, Herr Doctor eine Anstellung am Deutschen, am Berliner oder Vlumenthal-Theater. Sie sind ja allmächtig!" Ich allmächtig! Und kann mir selbst nicht helfen! Doch, ich lavire, es klingelt nochmals, ich sage zu!" Bringen Sie mir die Antwort selbst. Herr Doctor!" flüsterte sie. Nein, das geht nicht," erwiderte ich noch schnell; ich bin ein glücklich perheiratheter Mann." So schreiben Sie mir, Sie KettenHündchen!" Das noch weniger!" . Nun, ich gehe jeden Abend um sechs Uhr in mein Theater, durch die Breitestraße. Sagen Sie mir die Antwort mündlich!" .Ja!" So schieden wir. Merkwürdigerweise dachte ich den anderen Tag an das rothe Fräulein, begegne meinem Freunde, dem Direktor vom Residenztheater, trage ihm ihr Anliegen vor und er sagt: Aber, lieber Freund, schicken Sie sie mir doch!" Ich dankte, und gehe Abends durch die Breitestraße, um Fräulein Tyra. so hieß die Rothe, das ihr in Aussicht stehende Interview ankündigen zu können. Aber wer nicht durch die Breitestraße aebt. ist das rothe Fräulein yra: nicht an jenem nocy an einem anderen Abend. . Da schreibe ich ihr, eine Karte: Liebes Fräulein Tyra. bitte, bitte, kommen Sie dvch den und den Tag dorthin ich habe Ihnen etwas Wichtiges mitzutheilen und muß Sie dringend sprechen!" . Das war ein wenig zu viel, aber ti ging mir wie unserem lieben Fritz Spiegel, ich dachte wahrlich nur an ihr Isiua, Nicht an meines. Es verstrich eine lange Zeit und ich hörte und sah nichts von Fräulein Tyra. Erst im neuen Jahr hörte ich von ihr. Sie hatte die Bekanntschaft eines rumänischen Grafen gemacht, der sie in Bukarest heirathete. Dann reisten sie nach Italien, er verlor in Monaco seine Moneten, und sie die Lust, mit einem bankerotten Manne zu leben. Er war übrigens gar nicht ihr Mann, denn als Priester und Zeugen sigurirten in Bukarest damals ein paar Mitgrasen des schlauen Hochstaplers. Nun hatte Tyra kein Geld, keine Anstellung, keinen Gatten. Sie kam sehr herab und eines schönen Tages wieder nach Berlin. Ich denke mir, wie sie in Verzweiflung, wahrscheinlich um die fällige Miethe verlegen, in alten PaPieren kramt. Da fällt ihr meine Postkarte in die Hände. Sie überlegt, was zu thun. Sie macht absichtlich die Bekanntschaft eines Redakteurs und bittet ihn, sie doch einmal ein von mir geschriebenes Manuskript lesen zu lassen. Sie ahmt meine Schrift nach und setzt auf jene Postkarte, die ich nie hätte schreiben und die sie hätte ver Nichten sollen, noch einige mich compromittirende Zeilen hinzu. Das Alles erfahre ich spater durch Unterhan delnde. Dann schickte sie mir einen Droh brief, auf mein Liebesverhältniß zu meiner Frau bauend: Wenn ich nicht zu ihr komme und ihr die noch in ihren Handen befindlichen Briesschas ten, Worte von mir an sie, auslöse, so sendet sie die ganzen Beweise mei ner Untreue an meine Frau! Ich war wie aus den Wolken gefal len. Die Sache Tyra. das roth,' Fräulein war so völlig meinem Gedächtniß entschwunden, .daß ich erst eine geraume Zeit dazu brauchte, mich der fatalen Einzelheiten zu entsinnen. Dabei fühlte ich mich unschuldig wl ein neugeborenes Schaf. Ich antwortete zunächst nickt: auck nicht auf Brief zwei. drei. vier. Ich sandte Parlamentäre mit weißen Fahnen; aber die Kriegsentschädigung sollte sich aus Milliarden belaufen. Nein, dachte ich. ehe Du Dir auf diese Welse etwas Sauererworbenes ervres sen läßst. läßst Du lieber Deiner Rechtmäßigen Kleider,, und Hüte machen. setzest ihr Austern und Champagne? vor . . . Ich dachte an einen Advokaten, die Polizei ... es gibt doch einen Paraaraphen: Erpressuna. Die Sache kostete mich indessen fchlaflose Nachte, die Tyra schrieb: Heute geht die Sendung an Mavame: Da kam mir der vernünftiasie Ge danke. Auszumachen hast Du es dock nur mit Deiner Frau. Ich ging zu iyr, legte den Arm um ihre schlanke Hüfte und beichtete ihr Alles! Zunächst folgte ein Ausbruch wilder Leidenschaft, dann eine Fluth von Äorwur en: die Kronuna des Gebäu des tvar die Scheidungsandrohung und der gegen die feine, weiße Unschuldsftlrn zu richtende sechsläufige Revol ver. - ' O. Paul, Du liebst mich nicht! Wie kannst Du nur mit solchen Geschöpfen sprechen, verkehren! Und wenn Du doch treulos gewesen!' Oh...- Und die Thränen flössen. Ich sprach lange und eindringlich. Ein Schriftsteller muß Alles sehen und kennen lernen. Schildert er immer nur seine kleine dunkle Frau, wird er eintönig. Aber sie beruhigte sich noch immer nicht. Sie wollte selbst hingehen, fragen, forschen. Als ich dies zugestand und mit Küssen und Streicheln nachhalf, ebbte endlich die Flutb- des wilderregten Meeres. ' Mein Schwur, schuldlos zu sein, schien schließlich zu verfairgen. Madame raffte sich auf. ging ein paarmal im Zimmer auf und nieder und sektesich sodann an ihr Schreibpult, aus dessen Schublade sie vorher etwas gezogen. , , Sie schneb hocheiaenbändia an Mademoilelle Tvra:
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Verrenkungen und Quetschungen Steisigkeit und Wunden aus. (91 gltbt kein b,ss,r,s Heilmittel tm Hause ,u haben al etne Flascke
St. Zakobs QcL CFI ist ein guter Freund in der Kotkz c heilt sicher.
wMa Mein Fräulein! Ich weiß Alles. . . Da Ihnen ein Autograph meines Mannes so werthvoll erscheint, sende ich Ihnen anbei 100 Mark mit der Bitte. Beides zum Andenken zu bewahren." Man schwieg im Kreise. Dann rief Emil Mohler: 5o eine kleine Frau, wie Deine wackere, kleine Frau, Paul, möchte ich auch haben!" Verschnaöpl. Protz (in der Ahnengalerie zum Besuch): Dieses Bild aus dem sechszehnten Jahrhundert hat besonders hohen Werth, es ist von einem der bedeutendsten Kunstler unserer Zeit gemalt!" Uebertrumpft. Neulich sah ich eine erstaunliche Abnormität, ein Kalb mit zwei Köpfen." Pah, ich kannte einen Studenten, in dessen Kleiderspind hing den ganzen Sommer ein Wintervaletot." ' Große Auswahl junger, mexikanischer Papageien $4.50 und aufwärts. Junge Spottvöge $2.00 und $2.50 ; jeder Vogel garantirt. . C. F. Klepper, 433 Massachusetts Ade. MOZART- HALLE, 37 und 39 Süd Delaware Straße. Di SlteRr. arZftt- nh fififtnft ki--flA att in Jndianapolt, jetzt neu und legant ausge stattet, steht Bereinen und Privaten -zur Ab qauunH von wordenen, aue. erlaminnge u. . in., unici uoeiaicn ucoinflungtn zur er Sgung. lub.RSume für eretne find jeder ich i qaoen MkllhelNel &flEB, Männerchor Halle. Feinstes Restanrant und altdeutsche Wirthschaft. Beste deutsche Küche. Lieber's ..Svecial Bwi" an ttavf. Die feinsten Weine. Liauore und Ciaarren. Zwei Kegelbahnen stehen zur Verfügung. Borzügiicher Frühstücks-, Mittag- und venvicy. Fran Büddicker, 337 Gst Wshington Ltrnße. Ttlexh 1002 Columbia Halle. Gang & Willem, . . . Eigenthümer. Die besten Weine, Liqueure und Cigarren Ecke Delaware und McCarty Straße Die Salle. welcke vollsiändia neu berae richtet worden ist. wird für mn. ?&mc Lockmiten und allerband Unterbaltunaen tu mutigen Pilizen vernilklyer. .vl: on -r . ' in au :: Die gemüthliche Ecke :: Noble SS Market Otr. wo JOHN WEBER seinen Kästen die besten Getränke und Ciaar, vxn nno orn iiinjxcn -cuniy vvrieyl, i auot w i x .1.. n. o it.LL :si rr - ranni. ergeben ie rnaji nen nzureyren. XHXsoIIIIoIIn. S Wo treffen wir unö heute ? Natürlich beim CONBAD HEES, No. 852 ' Massachusetts Avenue, wo man immer die besten Getränke und Cigarren und einen seinen Lunch findet. TTanTm rm T-,rTi t , Saloon u. Billiard-Hall No.92 Oft Washington Otr. Jokn O?eiltrcher,
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