Indiana Tribüne, Volume 22, Number 7, Indianapolis, Marion County, 25 September 1898 — Page 6
Kaiserin ßNsaöetß. : Der politische Wahnwitz, dessen -grauenhafte Ausgeburt dn rabiate Anarchismus mit seiner Propaganda der That" ist, hat unter den- gekrönten Häuptern Europas wieder ein Opfer gefordert: die Kaiserin Elisabeth von Österreich ist in Genf von dem italienischen Anarchisten Luccosi (Lucchoni) erdolcht worden. Welch' furchtbarer Abschluß eines an schweren Prüsungen reichen Lebens! Ali Tochter des Herzogs Maximilian Joseph von Bayern am 24. December 1837 in München geboren, tourde Elisabeth Amalie (Zugenie auf Schloß Possenhofen erzogen; wie wohl rttärlich wurde bei ihrer Erziehung nicht blos auf die Unterweisung in den Künsten und Wissenschaften, sondern auch auf ihre Ausbildung in den körperlichn Fertigkeiten, wie Reiten und Fahren 'gesehen. Die junge Herzogin bekundete ein großes Sprachentalent und besaß große Vorliebe für Musik wie Dichtkunst; von den deutschen Dichtern verehrte sie besonders Hein, 'dem sie in späteren Jahren auf ihrer Besitzung in Corfu ein Denkinal errichtete. Lieber aber als ihre Studien betrieb Elisabe,th alle Sportübungen. Als Reiterin leistete sie Staunenswerthes und ihre wilden Parforceritte, welche sie in
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M K F , . r u m Airsy MS' asKSM Kaiserin Elisabeth. 'Gesellschaft oesterreichischer und unga'.rischer Cavaliere selbst noch in vorgerückten Jahren ausführte, erregten nicht blos Staunen, sondern auch .Kopfschütteln. Am 24. April 1854 vermählte sich die junge Herzogin mit dem Kaiser zranz Joseph von Oesterreich. Diese 5he wurde anfänglich von den Wiener Hofkreisen mit scheelen Augen singe sehen; allein als die hohe Aristokratie die Wahrnehmung machte, daß der Kaiser seiner Gemahlin auf das Wärmste zugethan war. machte sich in der Hofburg bald ein Umschwung bmerkbar. Trotzdem war der Ehehimrnel des Kaiserpaares in den ersten Jahren nicht von Wolken frei, da ti rerseits Franz Joseph anderenSchönen gehuldigt und Elisabeth selbst ihn 'durch Kälte abgestoßen haben soll. 'Der Ehe entsprossen vier Kinder, drei Mädchen und ein Knabe, Sophia, Gi'sela, Rudolf und Marie Valerie. Die ,erstgeboreneTochter Sophia starb schon als zweijähriges Kind und dem Leben des Erzherzogs Rudolf machte im !Jagdschlößchen Meyerling im Jahre .1889 eine Kugel ein Ende; ob er durch -eigene Hand gefallen oder ermordet wurde, ist noch nicht aufgeklart. Erzherzogin Gisela ist mit dem Prinzen .'Leopold von Bayern und Erzherzogin Marie Valerie mit dem Erzherzog "ranz Salvator von Oesterreich-Tos-kana vermählt. Die furchtbare Tra--gödie, welche in dem blutigen Ende ihres einzigen Sohnes und Lieblings?indes gipfelte, übte auf die Kaiserin einen unheilvollen Einfluß aus. Hatte sie schon früher an einer gewissen Ner SJEßS? inrc!a i r' c ü$K : ! WSSm 332 nwMi flrorr: aiJiJöf'LLaj . rrnrs: u n in. HotelBeaurivage. Denüberreizung gelitten, so traten jetzt bei ihr seelischeLeiden so stark zu Tage, daß sie nur in großen körperlichen Anstrengungen Ruhe undVergessen finden tonnte. Wien mied die Kaiserin ganz -und ihr liebster Aufenthaltsort wurde Possenhofen, wo sie ihre Jugend verlebt hatte; auch weite Ausflüge im adriatischen und Mittelmeer wurden ihr zur Gewohnheit. Als sie vom Mörderstahl ereilt wurde, befand sie sich auf der Reise von Bad Rauheim. (Unser Bild der Ermordeten ist nach einer ülteren Photographie gearbeitet, da Porträts der Kaiserin in ihren vor;erückterenJahren nicht in die Oeffent Üchkeit gelangten). Von dem Hotel Beaurivage, in dem sie incognito Wohnung . genommen hatte, war die Kaiserin im griff, nach einem am Landungsplatze liegenden Dampfer zu schreiten, als der Mordbube auf sie zusprang und ihr den Dolch in die Brust stieß. Auf den Tod getroffen, erhob sich die Kaiserin zwar sofort wieder und schritt weiter, allein wenige Minuten später war sie eine Leiche. Der Attentäter gestand seine That mit cynischer Frechheit ein und wurde in's Gefängniß geführt. Daß die Ermordung seine? Gemahlin auf den 63 Jahre alten Kaiser, eimn niederschmetternden Eindruck
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machen muß,' bedarf wohl kaum besonders hervorgehoben zu werden: erst der einzige Sohn und jetzt die Lebensgefährtin von einem so furchtbaren Tode ereilt. An dieser Stelle mag übrlgens darauf hingewiesen werden, daß der Kaiser selbst vor 46 Jahren beinahe von einem Attentäter ermordet worden wäre. DaS am 18. Februar 1853 verübte Attentat hing mit der italienischen Bewegung zusammen. Kurz vorher waren einem großen Komplott in Mailand viele österreichische Soldaten zum Opfer gefallen; es waren revolutionäre Aufrufe Mazzinis und Kossuths erschienen, und aufgehetzt von diesem gemeinsamen Anstürm auf die schwarzgelbe Monarchie, war der junge Ungar Libenyi auf den Kaiser, der auf dem inneren Wall der Stadt Wien spazieren ging, mit einem großen Messer eingedrungen und hatte ihn im Nacken verwundet. Der Mörder wurde von dem Adjutanten des Kaisers und einem hinzukommenden Wiener Bürger zu Boden geworfen. Die Wunde war nicht ganz ungefährlich. Der Mörder wurde zum Tode verurtheilt und gehenkt. Schweizer Holzschnitzer. Die Holzschnitzerei war ursprünglich ein Theil der Bildhauerkunst und diente im Miltelalter vornehmlich kirchlichen Zwecken, wenngleich künstle lisch geschnitzte Möbel auch für die Reichen und Vornehmen keineswegs selten waren. . In deutschen und italieNischen Kirchen, sowie in Museen sind noch zahlreiche geschnitzte Chorstühle, Andachtsbilder, Altar- und Reliquienschreine, Baldachine und Tabernakel vorhanden, welche Zeugniß dafür ablegen, zu welch' hoher Vollendung die Holzschnitzerei im Mittelalter und in der Renaissanceperiode gelangt war. Im 15. und 16. Jahrhundert erstreckte sich die Holzschnitzerei auf ganze Zimmerausstattungen, mit Einschluß der Täfelungen und Decken, wurde in der Rococoperiode dann fast ganz durch die Stuckdecoration verdrängt und gerieth in Verfall. NeuerdingS jedoch hat man den Versuch gemacht, und. zwar mit Erfolg, sie wieder zu beleben. Sie wird entweder als ein Zweig der Möbeltischlerei gepflegt oder in Gebirgslanden als Hausindustrie der armen Bevölkerung.
HSlBBBi IMM w. Z&$&g . Holzschnitzerschule. Bekannt sind unseren Lesern wohl alle die aus Holz geschnitzten Luxuögegenstände, Figuren. Thiere, Schwelzerhäuschen, Kästchen, Brodteller, Büchschen, Messergrisse u. s. w., welche man als Andenken aus den Sommerfrischen in Oberbayern, Tirol und der Schweiz heimzubringen Pflegt, und die von den kunstfertigen Händen der Gebirgler angefertigt worden sind. Um diesen Zweig der Holzschnitzerei zu heben, haben Regierungen und Gemeinden hier und da Holzschnitzerschulen errichtet, in denen junge Leute in dieser Kunst sachgemäß ausgebildet werden. Ein Mittelpunkt der modernen schweizerischen, speziell der Berner Oberländer Holzschnitzerei ist Brienz. In dem stattlichen, reizend am Ufer .In der Werkstatt. des Brienzer Sees gelegenen Dorfe beschästigt sich fast die gesammte männliehe Bevölkerung mit dieser Kunstindustrie. Auch eine Holzschnitzerschule befindet sich daselbst (nebenstehendeAbbildung), welche jährlich, von 130 bis 150 Schülern besucht wird. Die Unterrichtsgegenstände sind: Zeichnen, Modelliren, Stillehre und Schnitzen. Auf letzteres werden wöchentlich 35 bis 40 Stunden verwendet. Der Staat Bern leistet einen Zuschuß von 4100 Francs, der Bund einen solchen von 2500 Francs jährlich zur Unterhaltung des Instituts. Nach vollendeter Ausbildung gehen die Schüler entweder zu einem Meister in Arbeit oder sie errichten, falls sie die Mittel haben, eine, selbstständige Holzschnitzerwerkstatt. In diesen sind Meister und Gesellen eifrig an der Arbeit, jene tausendfach gearteten, oft künstlerisch ausgeführten Holzschnitzereien herzustellen, welche nicht nur in der Schweiz selbst verkauft werden, sondern auch einen Handelsartikel nach 'allen Ländein der Welt bilden. Erinnert. Balleieuse: Sie sitzen ja so nachdenklich da, Herr Bawn? Baron: Mir ist so. als ob ich was vergessen hätte." Ballteuse: Jedenfalls wieder da5 Armband, was Sie mir schon lange versprochen haben." ' Kleines Mißverstandn i ß. Klärchen ist in der zweiten Klasse der höheren Töchterschule sitzen geblieben und bekommt von den Eltern viel Schelte und Vorwürse. Klärchen: Aber Mutti, hast Du nicht neulich selbst zu Papa gesagt, daß unbegreiflicherweise oft die liebenswürdigsten jungen Mädchen sitzen bleib.-
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Aie Vierkande. Zur Zeit Heinrich's des Löwen da kamen aus den Niederlanden, wo der Mensch gelernt hatte, dem Wasser zum Trotz aus überflutheten Sümpfen fruchtbares Land zu machen, Ansiedler in dieGegend, die heuteVierlanden oder die Vierlande heißen. Wo sich jetzt fruchtbare Aecker.Gemüse-, Obst- und Blumenfelder ausdehnen, sah's dazumal bös aus. Aus dem in der Urzeit riesenbreitm Strombette der Elbe hatten sich allmälig. gebildet durch niedersinkende Schwemmstoffe des Stromes, niedere, sumpfige Inseln erhoben, die, weil sie der Fluth stetig ausgesetzt blieben, unbewohnbar waren. Das war ein Terrain, das den Ankömmlingen paßte, aus dem sie durch Deichhauten, durch Entwässerung und emsigen Fleiß bei der Bebauung des Bodens das gemacht haben, was heute die Vierlande sind: ein überaus üppiges Gemüse-,' Obst- und Blumenland, eine der an-
Bauern Haus, wüthigsten Gegenden Norddeutschlands! Das seit dem Jahre 1868 in Hamburgs Alleinbesitz befindliche Ländchen wird im Süden und Osten von der Elbe begrenzt, im Norden stößt es an das holsteinische Geestland, im Westen an die Hamburgischen Landschaften Bill- und Ochsenwarder. Zwei im 15. Jahrhundert am oberen Ende abgedämmte Elbarme, die Dove- und Gose-Elbe. welche eine bequeme Beförderung der Landeserzeugnisse zu Schiff nach der Stadt ermöglichten, zerlegen es in drei Streifen, Ein hoher Elbdeich schließt es gegen die Elbe, niederere Deiche dämmen es gegen die todten Elbarme ab. Die Deiche sind zugleich, abgesehen von ein paar Querstraßen, die einzigen fahrbaren Wege. Vier Orte enthält das Ländchen, wie sein Name sagt: Kurslak, Alten- und Neuengamme und Kirchwärder. Hoch erheben sich die ausgeworfenen Dämme über das Land. bald, wie z.B. große Theile des Elbdeiches, nackt, baumlos.bald an der einen Seite durch hochragende Bäume gefestigt, bald Diele. durch schattig: Alleen geziert. Der stärkste Deich ist natürlich der Elbdeich. der, mit großen Steinen gepanzert, namentlich im Winter durch den Anprall des oberländischen Eises, sowie im Sommer durch starke Fluthen den hes tigsten Angriffen ausgesetzt ist. Hinter dem Deich liegen die Häuser, die älteren unten, so daß man bequem in die Fenster hinabgucken kann, die neueren inDeichhöhe. Ein mehr oder weniger breites Vorland trennt den Fuß des Deiches vom Flusse, je nach den Windüngen des letzteren. Was, abgesehen von de? großen Fruchtbarkeit, den Vierlanden ihren eigenartigen Charakter gibt, ist die hoch entwickelte Gemüse-, Obst- und Blumenzucht, insbesondere die letztere. Wahre Vlumenfelder gibt's dort, auf denen alle beliebten Blumen, Rosen, Maiglöckchen. Nelken, Narzissen, Levkojen, Veilchen, auch hochmoderne, wie Chrysanthemen, Gladiolen u. s. w., gezogen werden. Rose und Maiglöckchen (Maibleom) sind die Königinnen unD ö n s." ter den Vierländer Vlumm. Die Vierländer sind HamburgsHaupt-Blumen-lieferanten; aber außer dem Verkauf ihrer Blumen wissen sie auch noch auf andere Weise aus ihnen Gewinn zu ziehen. Die Rose präpariren sie für die Zwecke des ConditorS und des RosenLlfabrikanten; die jungen Schößlinge der Maiblumen versendet er im Herbste in's Ausland, nach , Rußland, England und Amerika. Unter den Früchten nimmt die Vierländer Erdbeere den ersten Platz ein. Aber die Johannis-, Stachel- und Himbeeren, die Kirschen, Pflaumen, Aepfel und Birnen. Pfirsiche, Aprikosen etc. zeichnen sich nicht minder aus. Von einer Ausdehnung der Vierländer Dörfer in die Breite ist keine ' Rede. Eine einzige lange Straße, das ist der Typus des Vierländer, wie jedes Marschdorfes. Nur an wenigen Stellm, z. B. bei den Kirchen, findet sich eine Häusergruppe, die an ein Dorf in landläufigem Sinne erinnert; hier gibt es auch keine Verkaufsläden und Wirthshauser. Emen prächtigen AnIM ttvährm die kattliöm Vinlän-
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der Vauernhauser mit deni machtigen Strohdache und den Pferdeköpfen als Giebelschmuck. Es sind alte Burschen unter diesen Häusern, bemooste Häupter in des Wortes eigentlicher Bedeutung. Die ältestenHäuser besitzt Neuengamme und zwar trägt das älteste von ihnen die Jahreszahl 1559 in dem Hauptbalken eingeschnitzt. Entsprechend der Eigenart des Landes, wonach der zum Hause gehörige Acker hinter dem Hause liegt, kehrt das Vierländer Bauernhaus seine Grotd'or", die große Einfahrtsthür, dem Felde zu. Die der Straße zugewandte Seite besitzt überhaupt keine Thür, wohl aber befindet sich an den beiden mächtigen Langseiten je eine aus einzeln zu öffnendem Ober- und Unterflügel bestehende Blankendör", ,d. h. Settenthür. Prächtige Fachwerkbauten sind diese alten Häuser. Namentlich die der Straße zugewandte Seite ist reich geschmückt. Die Querbalken sind bisweilen schön geziert mit einfachen Ornamenten, das Werk altgeübter volksthümcher Techniken, des Kerbschnitzens und der Ausgründung, mit frommen Sprüchen' plattdeutscher Mundart etc. versehen. Die aus Ziegelsteincn gemauerten Flächen sind durch Anwendung rother Steine mit weißen Fugen in versch'edenen Mustern zusammengestellt, bisweilen sind die Figuren eines Hexenbesens oder einer Windmühle darin eingefügt. Das obere Stockwerk ist gegen das untere vorgekra'gt, hübsch geschnitzte Consolen stützen es. Die Fenster der alten Häuser sind sämmtlich klein; wo sich größere finden, sind sie nachträglich vergrößert worden. Bisweilen liegt zwischen Straße und Haus ein kleiner Blumenvorgarten.
Vierländerinnen. Betritt man ein Vierländer Haus durch die Blankendör, so hat manzur Rechten die grote Deel" und dleStälle. Zur Linken steht im Hintergrund an der die Wohnräume verbindenden Wand der große deutsche Herd. Verschließbar ist er durch eine mit ausgesägtem Zierwerk schön verzierte Thür, an deren Innenseite allerlei Kllchengerathe hängen. Links und rechts von ihm befindet sich je eine in die Wohnräume führende Thür. Die Diele" zeigt noch allerlei Bemerkmswerthes: machtige Schränke aus der Renaissance- und Rokokozeit, die jedem Museum zur Zierde gereichen würden, alte Truhen, Geschirrschränke mit aNem Steinzeug .und Wessinggeschirr, einen Tisch mit Kugelfüßen, bunte Scheiben im Fenster, aufgehäufte Körbe voller Früchte, Speckseiten, Schinken und Würste, die von der Decke herabhängen u. f. w. Vierländer. Die Wände der Staatsstube. De Stov", mit einem älteren Worte auch Dons", genannt, sind theils mit blaubemalten Kacheln belegt, zum größeren Theil aber, wie auch die Thür, getäfelt und zwar in Holzintarsia, wozu noch schöne Prosilirungcn, Gesimse, Holzschnihereien u. dgl. kommen. Sterne. Blumen und Vögel bilden die Motive der in die blitzenden dunklen Holzflächen eingelegten Ornamente. Auch die Decke ist bisweilen holzgetäfelt oder aber mit Rokokostuck geschmückt. Neben der Thür ist ein Glasschrank mit altem Porzellan angebracht, daneben steht eine hohe, intarsiageschmückte Standuhr. Die Fenster sebst zieren schöne weiße Gardinen und blühende Pflanzen. Neben- dem Ofen und hier und da in der Stube stehen außerordentlich schöne, mit .Drechslerarbeit und schönen Blumenintarsien reich und doch äußerst vornehm gezierte Stühle. Zu den schönsten gehören die sögenannten Brautstühle", mit denen sich die Brautleute beschenken; sie haben Armlehnen und zeigen die in schwungvoller Rokokoschreibschrift eingelegten Namen der Besitzer. In prächtigen, mit Intarsien geschmückten Truhen werden die Festkleider und Schmucks, chen des Hauses aufbewahrt. Alles ist im Lande selbst von bäuerlichen Künstlern hergestellt. Der Volksschlag ist mehr stämmig untersetzt als groß; markante Züge weisen die Gesichter der Männer auf. während unter den' Mädchen oft feinere Züge zu beobachten sind. Die Sprache ist ein etwas eigen gefärbtes Plattdeutsch man fagt fogar, die Bewohner der einzelnenKirchspiele vermöchten sich an einzelnen, Besonderheiten der Sprache zu erkennen. Die Namen erinnern vielfach an holländischfriesische: Gesche, Wobke. Becke, Ancke, Etsche, Mette. Barber sind Mädchenvornsmen, TieS, Martm, TheiZ,
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H'armen, Hencke, Heien Männervorna men. Die Landschaften unterscheiden sich auch etwas in de? Tracht, und zwar durch Farbennuancen der Strümpfe bei den Mädchen, der Wämser bei den Männern. Malerisch ist die Frauentracht: der charakteristische Strohhut mit den Windmühlenflügeln ähnelndm. schwarzen steifen Schleifen, der prächtige Miederschmuck, die kurzen, gefältelten Glockenröcke u. s. w. setzen eine der eigenartigsten deutschen Volkstrachten zusammen. Die Vierländer Beim Blumensortiren, Bäuerinnern befinden sich ohne Aus nähme im Besitze reichen Schmucks, wie Halsketten, Hemdlpangen, Ringe, Schnallen u. s. w., Arbeiten von Goldschmieden imStädtchen Bergedorfoder im Lande selbst, zumeist Silberfiligran ii reizvollster Ausführung. Auch die von den Bäuerinnen selbst gefertigten Gold- oder Silberstickereien des Mieders, die Buntstickerei der Schürzen zeugen von bewunderungswürdiger Kunstfertigkeit und kräftig eigenem Geschmack des Völkchens. Die Vierländer Männertracht weist außer silbernen Knöpfen an Wams und Weste, zu denen ehedem noch silberne Hutschnallen traten, keinen Schmuck auf, sieht indeß trotzdem oder gerade dadurch sehr stattlich aus. Aeußerst stolz sind die Vierländer auf ihre heimische Kunst, allein das verhindert nicht, daß auch sie heute mit vollen Segeln in das Fahrwasser der Nachahmung städtischen Wesens steuern. Compromiß. Fritzl hat auf Anordnung der Mutter den Vater ins Wirthshaus begleiten müssen, mit dem geheimen Auftrage, zu zählen, wie viele Maß das Familienoberhaupt eigentlich trinke. Eine Weile schaut Fritzl- begehrlich ZU. dann platzt er endlich mit denWorten heraus: Vata, laß mi' auch amal trinken, dann drück' i' a Aug' zu!" Ein unschuldsvoller Engel. Schlau ! m ' K6 Wf. WM . . . .Also die Frau Majorin hat Dich beschimpft!. . . Z)a werd' ich sie verklagen!" Ach nein, Victor, schenk' mir lieber ein neues Kleid da ärgert sie sich weit mehr!" Neid. Ich geh' die Brautgeschenke Deiner Freundin Mali ansehen, gehst Du nicht mit?" Ich? Nein. Wozu soll ich mich ärgern?" . Selbsterkenntniß. Photograph: Gnädige Frau, ich bitte um ein recht freundliches Gesicht!" .Dame: Ja, aber dann sagt mein Mann, das Bild Ware nicht ähnlich." Kindlich. Vater (zu seinem kleinen Sohn): Warum heulst Du denn so?" Ich habe mir gestern den Finger gequetscht." Und da heulst Du heute?- Gestern war Niemand daheim!" Eingestanden. Richter: Gestehen Sie den Diebstahl nun ein?" Angeklagter: Na, Herr Richter. Sie haben mir ja so haarscharf bewiesen, det ick der Dieb bin, det ick et jetzt selbst llobe." Deutlich. Ich erwarte, daß mir meine Freundinnen stets die Wahrheit sagen!" Ach, da würden Sie aus dem Aerger gar nicht heraus-kommen!"
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Aie öcidcn Maurer. Won Alfred riedmann. Karl und Reinhard waren Zwei Jugendgenossen auö ver tleinerzn Stadt jenseits des Flusses. Sie arbeiteten nun gemeinschaftlich an einem Neubau von 6 Uhr in der Früh bis 4 Uk.r Nachmittags. Schon lange hatten die beiden Freunde es so gehalt:n, immer neben einander zu schaffen. Und Tu aßen auch zusammen. Mutter Gräbner, bei der sie wohnten, hatte ihnen bisher die Zwei Mahlzeiten gebracht. Aö.'c eines Tages wurde die Alte krank, und an jenem verhängnißvollm Vormittag brachte die Lena die Atzung. Dic Lena war einfach ein Wunder Gottes, viel zu gut und zu schön für diese Welt besonders für diese Welt von Maurergesellen. Lena kam aus einem Städtchen in der Bergstraße; man sagte, sie stamme von welschredenden Eltern au. die eine Zeitlang einen Handel mit Gipsfigu-, ren thalauf. thalab getrieben und'cines Tages verschwundcn uzi, die arme Lena zurücklzssind. Die Ä'.meinde mußte sich wol oder übe! ihrer annehmen, sie ging ;mt den Anderen zur Schule und. nun verdingte sie sich in der kleineren Stadt jenseits vom Flusse als Magd für geringen L?hn. So brachte sie nun Karl und Reinhard 'statt Mutter Äräbnec die Atzung. Und als ob das Schicksal zwischen sie träte, plötzlich, unverhofft und unerwartet, wie ein Blitzschlag, so suhlten sie. so wußten nc es. daß mit dem ersten Auftreten Lena's etwas Fr?mdes zwischen sie getrztn. Karl und Reinhard warben um Lena. Sie liebten zum erstenmale, aber heiß, mahnsinnig; alles Andere auster ihrer Lieb? war ihnen gleichgültig. Und Lena . . . Sie wußt: sich nicht zu helfen, nicht zu rathen. Sie war ganz jung, ganz unerfahren. ' Wählen? Ja, wenn Karl sentimental, Reinhard derb zugreifend, wenn Reinhard roh. Karl zart geefl wäre. Sie waren Beide braun. Beide Marner der harten Arbeit, auck äußerlich wenig verschieden. Wäre Einer nur blond, Einer schwarz gewesen, das hätte vielleicht die Wahl 2ena'S beeinflußt. Aber w'e sollte sich u;z eigen Herz auskewi-n? Es sprach für Keinen, oder für alle Rxti gleich. Einer muß weg!" sagte cir.es Abends Karl zu Richard. Aber wchin?" Sie sahen sich an. So war es nicht gemeint. Das emvfanden sie nun. Nicht weg. fcrt au der Hiimath, in andere Baustätten. andere Gegenden. Nein, fort für immerhin ein Land, aus oem n'an nicht .niederkehrt. Da zogen sie an einem Herostrnorgen. als Lena das Essen n?ch 'rinem Neubau, einem dreistöckigen Arbeiterhaus, drüben, jenscits des Flusses trug, die verderöe.iöri.izende -chön-heit vor sich und fragten gcmeirchaftlich: Lena, wen liebst Du. wer soll Dein Mann sein? Ich oder er? Karl oder Reinhard?" - Sie ward wachsbleich. Zu 2od? erschrocken, streckte sie erst :ne abwehrend, die kleinen Hände "o: sich bin, dann rang sie dieselben, und fcob sie endlich leidenschaftlich zum Himmel. Aber Einen wählen konnte sie nicht. Entscheiden konnte sie sich nicht. Sie blieb stumm und brach in einen Th'.änenstrom aus, der freilich weder das Feuer löschte, noch gefühlloseren Leuten die rechte Antwort gewesen wäre. Karl legte seinen Arm um sie, tröstend; da stieß ihn Reinhard .-veg. besser Ur gen heraus. Lena warf ssch zwischen die Tollen und nahm ihnen Beiden die Waffen ab. Sie gehorchten wie K'.nder. aber hinter Lena's Rücken drohten sie sich. Es verging eine Zeit, friedlvö. freudlos und doch, wer weiß, selig. Der Neubau war nur zum öntt?n Stock aufgeführt, und als der Bauni gepflanzt wurde, wandelte dcn BauHerrn eine ungewohnte lrt von Fnigebigkeit an; cr gab ein Fäßchd." echten Vieres zum Besten. O. aber .r say Blick: unter den Arbeitern; man hörte Stimmen von Aengstlichen. die lauteten: Man sei froh, wenn dieses Haus erst glücklich fertig, bewohnt und von der Z:it geweiht sei. Oben auf dem Mauerrand stand Karl und Reinhard und schauten das rothbraune Herbstqold des Vw.kz ihnen tief sich erstreckenden Waldes, die wie Atlas sich rippenden Wellen des Stromes, und wieder empfanden sie. daß für die Schönheit der Zm und eines Weibes nvn von ihnen zu viel sei. Sie sahen sich an und verstanden sich. Sie sprachen nicht. Sie traten -an und mafan erst dir Tiefe, dann sich selbst mit feindlichem Nicken. ' Es war ein furchtbares Ringer. Wie mit Näaeln durchstochen haftele:' die Füße, sich klammernd an den Mauerrand. Eine Zeit lang fchien es. als seien sie dieKariatyden des noch unsichtbaren Daches. Dann kam die Gruppe in's Wanken. Karl stürzte hinab. Hoch aufathmend sah der Sieger Reinhard ihm nach; teuflisches Vergnügen. Entsetzen. Furcht malten sich auf seinem Antlitz. Aber im nächsten Auaenblick wankte der schlecht fundirte. schlecht cementirte Neubau und warf den Sieoer auf die Leiche des Besiegten Alles verschüttend. ' Unsere Dienstmädchen. Hausfrau: Warum schaffen Sie Ihren Soldaten - nicht ab, Anna?Dienstmädchen: Aber gnädige Frau, der ißt mit ernsten Absichten! Zu angstlich. Frau: Wohin. Männchen?" Mann: In den Turnclub!? Frau: Aber bitte, ja keine Seitensprün!"
Auf dem Dreirad. Das Fahrrad erobert sich nicht mir die Kreise der Sportlustizen, es stellt sich auch in immer ernsterer Weise in den Dienst des Verkehrs, es wird sogar zum Transportmittel; in den Straßen der größeren Städte sieht man bereits sehr viele Dreiräder, die, mit Kästen versehen, von Fabrikanten und Geschäften zum Ausfahren der Waaren an ihre Knnden benutzt werden und sich rorkefflich bewahren. In Berlin hat sich auch schon seit kineni Jahre eine Dienstmanncompagnie ge-
Auf der Fahrt. bildet, die ihre Mannschaften mit Dreirädern zum Transport kleinerer Lasten ausrüstet. Die fahrenden Dienstleute sollen recht gute Geschäfte machen. Daß dem so ist. beweist wohl unser lustiges Bild: es hat sich ihrer eine Anzahl zusammengethan, um mit ihren Frauen an einem freien Nachmittag eine fröhliche Landpartie in den Grunewald zu unternehmen. Wir wollen annehmen, daß von allen Lasten, die sie beförderten, diese unbedingt die süßesten gewesen sein müssen. ' Nobel. Tvzr&as?. Beim Bankier Baron Kronberg werden Bratwürste nur mit dem Monogramm des Herrn Baron servirt. Gutgemeint. Sächsischer Handwerksbursche: Ich hab' Sä gar nischt. Herr Reimer. awer wissen Sä was! Dauschen mer mid de Hüte!" Das Juristenkind. Karl (zur Tante, die ihm eine Schauergeschichte von einem Mörder erzählt, der im Grabe keine Ruhe finden kann): Sag' 'mal. Tante, wa-, rum muß der denn jetzt noch immer herumspuken? . . Die Sache ist doch längst verjährt!" Protzerei. Emporkömmling (nachdem er auf einer Warnungstafel die Inschrift: Auf diesem Wege ist das Fahren bei 60 Mk. Strafe verboten! gelesen, zum Kutscher): Johann,, daß Se mer auf keinem anderen Weg mehr fahren!" ErsterGedanke. ZJL Htf . I .Um's Himmelswillcn!. . . So werf' doch wenigstens die Geldbrieftasch"raus!" Stoßseufzer. Herr (im Theater zu seinem Nachbar, dessen Frau auf der Bühne mitwirkt): Ihre Frau Gemahlin spielt ihre Rolle sehr gut, sie hat ein sehr sichereöAuftreten.." Ach da sollten Sie erst 'mal ' sehen, wie sie zu Haus auftritt, da spielt si noch eine viel größere Rsllc.
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