Indiana Tribüne, Volume 22, Number 7, Indianapolis, Marion County, 25 September 1898 — Page 3
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,V4VP AV4 vNoman ccn Ludwig Habicht, (2. Fortsetzung.) Lassen Sie den Herrn durch! Ge&n Sie Raum!" mahnt der Bureau chef, und auch der alte Buchhalter, dem die hellen Thränen die mageren Backen hinunterrollten, sprach beschwichtigenix Worte, doch schon hatte man sich in bewunderungswürdiger SchnelligZeit Rath gewußt. Es öffnete sich eine Gasse, und eine aus den ältesten und angesehensten Arbeitern gebildete DePutation, deren Sprecher der erste Monteur war, trat hervor. Sie baten und beschworen Hammers In schlichten, ergreifenden Worten, doch nicht die Flinte in's Korn zu werfen; er werde schon aus allen Schwie?igkeiten sich wieder herauswinden; sie olle wären bereit, für ihn und mit ihm Opfer zu bringen. Und sie boten jetzt selbst eine Lohnverkürzung an und erklärten sich auch mit einer Einschränkung der Arbeitszeit einverstanden. Ich danke Euch! ich danke Euch!" rief Hammers, der seinen Thränen jetzt freien Lauf ließ, aber es geht nicht. Die Verluste kamen zu rasch aufeinander und waren zu groß. Ich könnte kein ehrlicher Mann mehr bleiben und würde vollends zum Betrüger herabsinken, wollte ich weiterarbeiten lassen. Martert mich nicht länger ich kann nicht!" Er war am'Ende seiner Kraft. Ferdinand und der Bureauchef geleiteten ihn hinaus. Hinter ihm summte und schwärmte es wie im Bienenstock. Die Arbeiter umringten die Angestellten, redeten mit großer Lebhaftigkeit auf sie ein, besprachen laut und erregt die Maßregeln, die bei der so plötzlich eingetretenen Wendung der Verhältnisse hon ihnen zu ergreifen sein würden. Die Ansichten waren getheilt, doch stimmte die Mehrzahl dafür, noch einige Tage ruhig abzuwarten und die Dinge sichentwickeln zu lassen; es war ja. nicht anzunehmen, daß der Herr schon sein letztes Wort gesprochen haden sollte. Unterdeß schritt Adolf Hammers, schwer auf den Arm seines Sohnes gelehnt, durch den großen, wohlepflegUn, jetzt in die bunten Farben des herbstes getauchte'! Park, der zwischen denFabrikgebäuden und seinem Wohnause lag und di.'ses von allerv Seiten umgab. Jetzt traten bade aus den dichteren Baumpartien auf einen von Ziersträu--chern eingefaßten, kiesbestreuten Weg, und vor ihnen lag das zweistöckige Haus, an dessen Wänden sich der jetzt röthlich angehauchte wilde Wein und Kletterrosen hinaufrankten, und vor dem sich ein sammetartig geschorener Rasenplatz ausbreitete, der von Bluinenbeeten umgeben war, und in dessen Mitte ein Springbrunnen seine silbernen Strahlen rn die Herbsilust warf. Hammers blieb stehen unv betrachitit das liebliche Bild, das ihm schöner, entzückender noch nicht erschienen war, als in diesem Augenblicke, wo er darin das Paradies sah, aus dem er und die Seinen bald genug vertrieben -werden würden. Seinen Arm aus dem seines Sohnes ziehend, sagte er: Geh hinein zur Mutter; berichte ihr, was soeben geschehen ist ich ich vermag es nicht." Und Du, Vater?" fragte Ferdirand, mit Besorgniß auf den st so hinfälligen und jetzt wieder fieberhaft -erregten Mann schauend. Ich komme später. Laß mich jetzt rst in mein Zimmer gehen, um mich dort zu sammeln und zu erholen." Darf ich Dich nicht dahinführen. Vater?" .Nein! Darf ich Dir nicht wenigstens 5rnst mit einer Stärkung schicken? Du bist so angegriffen." Nein! Thue, was ich Dir sage! Ich lechze nach einigen Minuten des Alleinseins. Willst Du Deinem gehetzten Vater diese kurze Rast nicht gönnen?" Der Ton dieser Stimme klang auf's äußerste gereizt; das bleiche, verfallene Gesicht hatte sich mit einer hektischen Nöthe überzogen; die Augen glühten wie im Fieber. Ferdinand wagte nicht, sich ihm noch ferner zu widersetzen. Wahrend der Vater durch einen Seiteneingang in's Haus trat, stieg er die Stufen zu der mit hohen Topfpflanzen besetzten Veranda empor, über welche eine Matte ausgebreitet lag. und auf der leichte Tische, Stühle. Sessel und Bänke aus Bambusgeflecht und aus Gußeisen standen; hübsche Decken, Kissen und Fußbänke.Arbeitskörbe und Bücher deuteten darauf hin, daß dieser Ort während der guten Jahreszeit ein bevorzugter Aufenthalt der Familie sei. Er war jetzt leer, und Ferdinand Hammers ging aus der Veranda in den dahinterliegenden Gartensaal und von dort in das Innere des Hauses, um seine Mutter aufzusuchen und ihr seine verhänonißvolle Botschaft zu brinqen. Sein Vater hatte, unbemerkt von den in der Küche wellenden Dienstbo ten. sein Zimmer erreicht, das etwas abaesondert von den Wohn- und Gesellschaftsräumen der Familie lag. Er war der zärtlichste Gatte und Vater, fühlte sich nur glücklich im Kreise der Seinen und hatte doch Stunden, in denen ihm völlige Einsamkeit in Bedürfniß war. Bei einem vor etlichen Jahren vorgenommenen' Umbau des Hauseö hatte er, diesem Bedürfniß Rechnung tragend, sein Privatzimmer so eingerichtet, daß es nicht nur durch eilten kleinen Vorflur von den übrigen Zimmern getrennt lag, sondern von ihm auch durch das Oeffnen- oder Schließen ein Schiebethür nach Be
Neben mehr oder weniger isolirt wer den konnte. Jetzt schloß er die Thür hinter sich, schleuderte den leichten Strohhut, den er auf dem Kopfe getragen, in die Ecke und sank auf einen Stuhl. Mächtig arbeitete seine Brust, keuchend und pfeifend ging sein Athem; seine Augen wanderten rastlos umher in dem hübsch ausgestatteten Raume, wo jedes Stück ihm die Erinnerung an Zeiten brachte, die vergangen, unwiederbringlich verloren waren. 1 Den Kopf in die Hand stützend, dersank er in grübelndes Sinnen, doch überließ er sich demselben nur für we mge Minuten. Es muß sein!" rief er aufsprin gend. Die Rechnung stimmt nicht, deswegen eben muß ich einen Strich darunter machen, und ich darf nicht säumen. Sobald Amanda erfährt, was geschehen ist, wird sie hierhereilen und dann ist es zu spät!" Er trat cm einen in einn Ecke des Zimmers stehenden Schrank, in dem er einige schön ausgelegte Jagdgewehre und andere Waffen verwahrte, griff nach einem kleinen Revolvn, den er schon bereitgelegt gehabt, und ging damit zu dem zwischen den beiden Fenstern hängenden Spiegel. Meine geliebte Frau, meine guten Kinder, verzeiht," murmelte er. Ich bereite Euch einen großen Schmerz; und, doch ist es besser für Euch, der Gatte und Vater ist todt, als er lebt als Ehrloser!" Und er fetzte den Revolver an die Schläfe. In diesem Augenblick klopfte es heftig an die Außenthür, und eine Frauenstimme rief: Adolf Adolf! Oeffne!" Amanda! Da ist sie schon! Ich dachte es wohl!" murmelte Hammers. Sein Finger berührte den Drücker des Revolvers, ein Schuß krachte, blutüberströmt sank -er zu Boden. 3.
In einem zwischen dem Salon und dem Speisezimmer belegenen Halbrunden Zimmer von mäßiger Größe, das, wenn sie sich nicht auf der Veranda befand, ihr Lieblingsaufenthalt war, saß Frau Amanda Hammers. Sie war eine Frau von schlankem, feinem Gliederbau und hatte, obwohl sie die Hälfte der Vierzig bereits überschritten, in ihrem Aussehen wie. in ihren Bewegungen noch etwas Jugendliches, ja sogar Mädchenhaftes. , Voll und glänzend lag das reiche hellblondeHaar noch auf ihrem Scheitel, die hellbraunen Augen blickten sanft und freundlich aus einem schmalen, zarten Gesicht, aber der blasse Mund, das feine Kinn und die von der Stirne steil absteigende, -klassisch geformte Rase waren von kleinen Fältchen umgeben, die darauf hindeuteten, daß ihre Besitzerin manch körperliches Leid zu ertragen gehabt hatte. Frau Hammers, die von Jugend an sehr zart gewesen war, hatte seit der Geburt ihrer Tochter ein Leiden, das die Kunst der Aerzte wohl zu begrenzen und zu mildern, aber nicht zu hei len vermocht hatte. Es war dies em Grund mehr für den Gatten, die zärtlich geliebte Frau mit allem zu umgeben, was das Leben angenehm und be haglich zu gestalten vermag, und er ward m diesem Bemühen von seinen beiden Kindern unterstützt. Es gehörte ein so sonniges Gemüth, in so liebenswürdiges Wesen und ein von Grund auf fo tüchtiger Charakter, wie Amanda Hammers besaß, dazu, um in dieser Atmosphäre nicht zu verweichlichen und Nicht einer großen Selbstsucht zu verfallen. Frau Hammers war, trotz ihrer Zartheit und zeitweiligen Kränklichkeit. eine auf Thätigkeit gestellte Ratur. Sie leitete ihr Hauswesen mit Umsicht und Festigkeit, hatte Freude an guten. Buchern und Musik, versertigte gern schöne Handarbeiten, und man sah sie selten oder vielmehr niemals unbeschäftigt. An diesem Vormittage war dies dennoch der Fall. So sehr ihr Gatte sich auch bemüht hatte, ihrgegenüber eine heitere, sorglose Miene zur Schau zu tragen, es war ihm doch nicht gelungen, sie, die seit siebenundzwanzig Jahren in seinem Gesichte to'u in einem aufgeschlagenen Buche las, zu täuschen. Auf ihre besorgten Fragen hatte er ihr eingestehen müssen, daß er schwere Verluste gehabt habe, von anderen bedroht sei und Sorgen und Kämpfe zu bestehen habe. Kannte sie auch nicht den ganzen Umfang des hereingebrochemn Mißgeschickes, so wußte sie doch genug, um voll Bekümmerniß in die Zukunft zu fchauen, die sich früher fo klar und freundlich vor ihr ausgebreitet hatte. Besonders heute war ihr recht schwer zu Sinne; sie wußte, daß ihr Mann seine ersten Angestellten zu einer Berathung zusammengerufen und auch den Sohn hinzugezogen hatte, und sie harrte mit angstvoller Spannung dem Ergebniß derselben entgegen'. Sie hatte mit Clelia. ihrer achtzehnjährigen Tochter, nach dem ersten Frühstück auf der Veranda gesessen, es aber dann recht gern gesehen, als das junge Mädchen sich zurückgezogen, um für den italienischen Unterricht, den sie mit Eifer und Interesse bei einer in Magdeburg ledenden Italienerin nahm, eine aro ßere Ausarbeitung.zu machen. Sie wollte das Herz der Tochter nicht mit ihren Sorgen beschweren, und es war ihr doch nicht leicht geworden, die Maske der ungetrübtm Heiterkeit vor ihr ausrecht zu erhalten. Auch auf der Veranda hatte es sie Nicht geduldet; der leuchtende Wasser strahl, die Pracht der Herbstblumen that ihren Augen weh. Sie flüchtete m ihr Llebllngszlmmer, obwohl auch dessen Ausstattung wenig im Einklang mit ihrer Seelenstimmung stand. Die Wände waren bedeckt mit kost barm arünen Sammet tapeten. die mit
breitenGoldleisten eingefaßt und durch schmälere in einzelne Felder getheilt waren, in denen schöne italienische Landschaften von modernen Künstlern hingen. Die Möbel aus vergoldetem Holze und die schwellenden Polster in verschiedencnFormen waren, geschmackvoll abgetönt, mit grünem Seidenstoff bekleidet. Von dem großen Halbrunden Fenster befanden sich blühendeBlu men und Topfgewächse, in einem gelben Messingbauer zwei buntschillernde Paradiesvögel. Eine seh: schöne Nachbildung der Hebe von Canova trat reizvoll aus einer Umgebung von Myrthen- und Lorbeerbäumen hervor, aufTischen von Porphyr und Malachit standen kostbare kleine Nichtigkeiten; es fehlte aber auch nicht an einer erlefenen Handbibliothek und an einem zierlichen Nähtisch, während der Flügel im Salon seinen Platz hatte. Frau Hammers war jedoch heute nicht im Stande gewesen, sich irgend einer Beschäftigung hinzugeben. Sie hatte gelesen, zu schreiben, zu sticken versucht und alles nach kurzer Unterbrechung wieder weggeworfen. Jetzt saß sie schon lange regungslos, die weißen, schmalen, von blauem Adergeflecht durchzogenen Hände ineinandergefaltet, die Augen auf den moosgrünen Teppich geheftet und sie dann wieder zu der Uhr im Gehäuse von fran zösischer Bronze erhebend, deren Zeiger, unbekümmert um das ungleiche Pochen des armen Menschenherzens, gleichmäßig weiterrückte. Der schrille Ton der Dampfpfeife, der in der Fabrik Mittag bedeutete und fchon seit Jahren in ihrem Hause die Stunde für das gemeinsame zweite Frühstück anzeigte, war auch zu ihr gedrungen; sie hatte sodann aus dem nahen Speisezimmer das leise Klirren der Gläser und Teller vernommen, mit denen der Diener die Tafel Herrichtete. Nun war auch das wieder derstummt; Stille umgab sie, tiefe Stille, die sich mit jeder Minute schwerer und
bedruckender auf ihre Brust legte. Jetzt horchte sie aus. Vom Gartenfaal her nahten Schritte; aber ihr feines Ohr unterschied sehr wohl; das war nicht der schwerere,, langsamere Schritt ihres Mannes, sondern der schnellere, elastischer: ihres Sohnes, und es wollte sie bedünken, als ob auch dieser heute schwerfälliger sei als sonst. Sie sprang auf, eilte ihm entgegen und rief ihm zu: Du kommst allein, Ferdinand. Wo ist der Vater?" Der Vater ist au sein Zimmer geaanaen: er moazte ich, ehe er zum Frühstück kommt, erst einige Minuten erholen, liebe Mutter; ich soll Dich um Entschuldigung bitten," erwiderte Ferdinand, die Hand der Mutter ergreisend und die hellbraunen, den ihrigen so ähnlichen Augen mit dem Ausdruck der innigsten Liebe und Verehrung auf sie richtend. Sie achtete fchon gar nicht mehr auf seine letzten Worte, Ohr und Sinn hatten nur die ersten aufgefaßt. und si! wiederholte: Er muß sich erholen? Die Vorgange haben ihn also sehr angegriffen?" Bitte, liebe Mutter, sei ruhig, rege Dich nicht auf!" bat er und versuchte, sie sanft auf einen' Sessel niederzudrücken. Sie wehrte ab, blieb vor ihm stehen und gebot: Sage mir alles; je eher Du das thust, desto barmherziger bist Du. Ich sehe es Dir an. Du hast mir Schweres zu berichten." Ferdinand beugte bejahend den Kopf; die Zunge sträubte sich, ihr das Geschehene zu verkünden, und ' doch mußte es sein. Der Vater hat mich beauftragt, Dir alles mitzutheilen," fagteer. Der Vater hat Dich beauftragt? Er wagt nicht, mir selbst zu sagen, was geschehen ist? O, da muß es sehr, sehr schlimm stehen!" ' Sie sank jetzt doch auf einen Sessel, und er flüsterte, sie umfangend, mit erstickter Stimme: Der Vater hat den Arbeitern angekündigt, daß er die Fabrik schließen muß; seine Verluste sind zu groß, sie übersteigen bereits weit sein Vermögen, er " Seine Stimme brach, und Frau Hammers hatte auch bereits genug gehört. Den Sohn abschüttelnd, sprang sie auf. Dein Vater hat den Arbeitern erklärt, daß er zahlungsunfähig sei. daß er die Fabrik schließen müsse?" rief sie. Wir haben ihm alle abgeredet, ihn beschworen, diesen verhängnißvollen Schritt nicht zu thun; es war vergeblich; er " Und Du kommest Deinen Vater allein lassen, nachdem er diesen Ausspruch gethan, der einem Todesurtheil für ihn gleichkommt?" unterbrach sie ihn. Er fah sie betroffen an; ein eisiger Schauer rieselte ihm durch das Gebein. Er befahl mir, ihn allein zu lassen und zu Dir zu gehen " Und Du gehorchlest ihm? Unglücklicher! Wenn Adolf Hammers feine Fabrik schließt, wenn er seine Zahlungen einstellen, seine Arbeiter entlassen muß, so bedeutet das für ihn " Sie vollendete den Satz nicht, sondein eilte, nein, flog aus dem Zimmer, durch das Treppenhaus und über den kleinen Gang, der nach dem Zimmer ihres Gatten führte. Ferdinand folgte ihr. Sie Pochte, sie rüttelte am Schloß. sie rief angstvoll den Namen ihres Mannes; nichts antwortete ihr, nichts als der dumpfe Knall, der durch die verschlossene Thür drang und ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigte. Mit einem gellenden Schrei sank sie in die Arme ihres Sohnes; ein Nebel leate sich vor ihre Augen, eiskalt kroch es nach ihrem Herzen, aber mit einer heldenmüthigen Anstrengung schüttelte sie die Schwache von sich. Laß mich, dazu ist iefet keine Seit. Oeffnet die Thür! Holt Hilfe!" gebot sie und rich tete sich straff auf. Schon kamen iefet aus dem ErdlKk vit Dienstboten snbei. such
Clelias schlanleGestalt flog die Treppe herunter; der Knall des Schusses war in der ringsum herrschenden liefert Mittagsstille gehört worden; nach wenigen Minuten waren auch ein paar
Arbeiter aus der Fabrik zur Stelle. Ihrer Kraft gelang es bald, die Thür aus den Angeln zu heben. In der Nahe des Fensters, wenige Schritte vom Spiegel laa.Adolf Hammers mit geschlosseneu Augen, ncben sich den Revolver, der im Falle seiner Hand entsunken war. Aus einerStirnwunde rieselte noch das Blut, das bereits wie ein schmaler rother Streifen semen Kops umflog. Gattm und Sohn waren gleichzeitig an der Seite deö Verwundeten, während Clelia sich entsetzt abwandte und von einer Dienerin mitleidig bei Seite geführt ward. Er lebt!" flüsterte Ferdinand, der sich zum Vater hinabgebeugt und ihn leise betastet hatte, und: Er lebt!" wiederholte lauter, mit einem aus Schmerz und Jubel gemischten Schrei seine Mutter. Schafft Wasser, Eis einen Arzt!" Das Verlangte war schon in der nächsten Minute herbeigeholt; die Köchin, der Diener, Ferdinand und auch der Bureauchef, ebenso ein mngerer Buchhalter, die ebenfalls herbeigekommen waren, erboten sich zuHilfeleistungen, aber Frau Hamm:rs dld:te nicht, daß Jemand ihren Gattm berührte. Neben ihm kauernd, seinen Kopf in ihren Schoß gebettet, wusch sie mit einem weichen Schwamm seine Wunde und bemühte sich, das immer herabrieselnde Blut zu stillen. Man wagte nicht, den Korper vom Boden zu erheben, aus Furcht, dadurch das Unheil zu beschleunigen. Em leises Stöhnen entrang stch der Brust des Verwundeten, das Bewußtsein schien wiederzukehren; er schlug die Augen auf, schloß sie aber sogleich wieder und antwortete auch nicht durch das leiseste Zeichen, obwohl Gattin und Sohn zärtlich und bittend seinen Namen riefen. Eine Viertelstunde mochte vergangen sein, die den angstvoll Harrenden eine Ewigkeit gedünkt hatte, dann erschien der Arzt, nicht der Hausarzt der Familie, sondern ein anderer, den man in der Eile auf der Straße angehalten, ein schlichter Mann mit derben Manieren, der seine Praxis vorzugsweise unter der Arbeüerbevollerung von Sudenburg hatte. Er wurde wie ein Retter begrüßt und zeigte sich der schwierigen Lage völlig gewachsen. Es sind viel zu viel Personen im Zimmer," war sein erstes Wort ; ich bitte auch, daß die Damen sich entfernen." ' , Er fand nur theilweise Gehorsam : Elelia ließ sich auf das Gebot ihrer Mutter von dem jungen Buchhalter hinausführen; Frau Hammers erklärte aber, nicht wanken und weichen zu wollen, und der Arzt widersetzte sich nicht langer, da er das, was sie bishec gethan, als sehr zweckmäßig anerkannte. Er duldete auch, daß sie den Kopf hielt, während er die Wunde untersuchte. Nach ganz kurzer Zeit schaute er auf, und das Schmunzeln feines großen Mundes war der geangsteten Frau ein wahres Labsal. Es ist nicht lebensgefährlich. Die Kugel hat nur die Stirn verletzt, ist abgeglitten und wird wohl ihren Weg in eines der Möbel gefunden haben, denn in's Gehirn ist sie nicht eingedrungen. Die Bewußtlosigkeit und Schwäche rühren lediglich vom Blutverlust und von der vorhergegangenen Aufregung her. Sie können ganz außer Sorge sein, gnädige Frau." Mit einem an diesem Manne doppelt bewunderungswürdigen Zartgefühl enthielt er sich jeder Frage nach der Veranlassung zu dem Schusse und ließ es zweifelhaft, ob er einen Selbstmordversuch oder einen unglücklichen Zufall annehme, sondern traf einfach und bestimmt seine Anordnungen. Die Wunde sollte noch durch Wasserumschlüge gekühlt und erst nach einigen Stunden verbunden werden. Der Kranke ward in seinem Zimmer auf den darin befindlichen breiten Diyan gebettet, und der Arzt prophezeite, daß er schon nach kurzer Zeit wieder hergestellt sein werde. Für die nächsten Stunden empfahl er aber, ihn liegen zu lassen und sich anscheinend so wenig wie möglich um ihn zu kümmern. Doctor Schnitzlers Vorhersage traf in allen Punkten zu Adolf Hammers lag auch, nachdem die Wunde verbunden worden war, in einer dumpfen Betäubung, und es war zweifelhaft, ob er etwas von dem wisse, was um ihn her geschah. Allmälig ging aber diese Betäubung in einen Schlaf über, der zuerst unruhig, sieVerhaft war, allmälig aber immer sanfter und regelmäßiger ward, und aus dem er bei Anbruch des neuen Tages mit klaremBewußtsein erwachte. Amanda!" flüsterte er mit schwaeher Stimme und versuchte sich aufzurichten, denn fein Blick war auf feine Frau gefallen, die neben seinem ager in einem Lehnstuhl saß, und deren Augen sich auch zu einem leichten Schlummer geschlossen hatten. Sofort richtete sie sich auf. ergriff seine Hand und rief feinen Namen. Kannst du mir verzeihen?" flüsterte r. Ich habe schwer an dir und den Kindern gefehlt. . Ich war in Verzweiflung." Sie beugte sich zu ihm und fchloß ihm mit einem Kuß den Mund. Still, sprich nicht so. Es war ein Augenblick geistiger Umnachtung, als du die un glückselige That begingst. Du lebst, du bist uns wiedergegeben; dies Glück wiegt alles andere auf." Daß ich lebe, es ist dein Werk. Amanda! Als ich deine Stimme meinen Namen rufen, deine Hand an der Thür .rütteln hörte, da zitterte meine Hand: der Schuß, der mir daö Hirn zerschmettern sollte, ging fehl."
.Zu deinem, zu unserem Glück. Aber schweige still, Adolf, rege dich nicht aus." Nein, laß mich reden!" bat er; es wird mir gut thun; laß mich reden zu dir und meinen Kindern." Sie sind hier ganz in der Nähe." Wie?" .Meinst du. sie hätten mir die Nachtwache allein überlassen?" fragte sie mit jenem süßen Lächeln, das ihn schon an feiner Braut fo sehr entzückt hatte; ich rufe sie sogleich herbei; erst soll jedoch die Nacht dem Tage weichen." Sie löschte die Lampe, zog die Vorhänge zurück, sdieß die Läden auf und öffnete die Fenster. Mit dem Lichte des jungen Morgens drang der würzige, herbe Hauch der Herbstlust herein, und wohlig hob sich dieBrust des Mannes, als ob er von einem schweren, eifernen Druck befreit wäre. Frau Hammers drückte auf den Knopf der elektrischen Klingel, und wenige Minuten später traten Clelia und Ferdinand in's Zimmer. Mit dem Rufe: Vater, mein Vater, du bist uns wiedergeschenkt!" flog Clelia auf Hammers zu, umschlang seinen Hals mit beiden Armen und drückte ihren Kopf auf seine Brust. Clelia Hammers war das verjüngte Ebenbild ihrer Mutter, jedoch überragte sie die zierliche Gestalt derselben um Haupteslänge und trug den schönen Kopf frei und stolz auf schlankem Halse, während Frau Hammers den ihrigen etwas geneigt hielt. Auch die Augen, obwohl in Schnitt und Farbe einander ähnlich, hatten bei Clelia in energisches Leuchten; das ganze Gesicht trug die Merkmale 'der größten Eindrucksfähigkeit. Ferdinand, der um beinahe acht Jahre älter war als die Schwester, und der weder unschön, noch unintelligent aus sah, .erschien neben ihr doch unbedeutend und nüchtern. Auch er äußerte jetzt seine Freude über des Vaters schnell eintretende Wiederherstellung, jedoch in einer weit ruhigeren Weise, indem er ihm warm die Hand drückte. Die Erlebnisse des gestrigen Tages lasteten noch zu schwer auf ihm; er besaß nicht die Elasticität der Schwester, um sie so schnell wieder abzuschütteln, auch bewegte ihn ernst und bang die Frag?, wie sich für ihn und sie alle die Zukunft gestalten solle, während Clelia seine Mittheilungen über dieVeränderungen ihrer materiellen Verhältnisse mit der größten Gelassenheit aufgenommmen hatte. Setzt euch zu mir," dat Hammers, und Ferdinand war geschäftig, Stühle herbeizurücken. Die eine Hand in der seiner Frau, die andere in der seiner Tochter ruhen lassend, wiederholte er: Vergebt mir, Kinder, ich habe mich an euch versündigt." Sie wollten ihm widersprechen; er winkte mit der Hand, ihn nicht zu unterbrechen, und fuhr fort: Nicht weil ich euch in Noth und Armuth, auch nicht, weil ich euren Namen in Unehre bringen muß, bitte ich euch um Verzei-
hung das ist nicht meine Schuld , sondern weil ich mich feige wegstehlen, euch allein lassen wollte! Glaubt mir. in den wenigen Minuten, die zwischen dem Schuß und dem Oeffnen der Thür lagen, habe ich schon schwer, schwer gelT ? P AM 1 ounr. Du warst bei Bewußtsem, Vater ?" fragte Ferdinand. Ich verlor es wenigstens nicht so'.IC. gicill,. nieueicoi mreo es mir nur eine Minute, aber ich habe viele Jahre der Reue und der Qual durchlitten. Jcy glaubte, . ich fei schon todt, von euch für immer durch eine unüberbrückbare Klust getrennt. O, es war furcht bar entsetzlich!" Rege dich nicht auf. sprich nicht meyr darüber bat rnne Frau. Im Gegentheil, es thut mir gut. darüber zu reden. Ich habe auch wäb rend des gestrigen Tages, ich habe auch während der Nacht X nicht in der dumptn Lethargie gelegen, in der Lbt mick versenkt glaubtet. Meine Körperkräfte waren gebunden, aber mein Geist arbeitete; ich habe viel nachgedacht und den Entschluß gefaßt, zu leben und gutzumachen. Was auch kommen mag, Armuth und Elend, Schmach, ich will es tragen aber nie. me wieder daran denken, von dem Posten zu weichen, auf den ich gestellt bin." Frau Hammers drückte einen Kuß auf seine Wange. Es ist nicht so schlimm mit der Armuth, dem Elend und der Schande, von der du svricku.' sagte sie tröstend. Wenn du nur an dich selbst glauben, wenn du nur nicht verzweifeln' willst, fo kann noch alles nleoer gu: werden. O, Amanda. aus dir spricht die Unkenntniß der Verhaltnisse!" seufzte er. Ich habe bisher " Du hast mich bisher durch deine grenzenlose Liebe verwöhnt, mir alles ferngehalten, was mich hätte beunruhigen, was mich hatte tn meinem Wöbl leben beeinträchtigen können" fiel sie ein. Von Kindheit an habe ich nur sroye, sorgenfreie Tage gekannt, und ohne viel nachzudenken, habe ich das alles hingenommen, als müsse das so fein. Das soll von jetzt an anders werden, auch in mir hat der gestrige Tag eine große Wandlung vollzogen; von heute ab will ich dir in Wahrheit ri-tffr e u eine eyi!sin sein. Amanda, mein gutes, treues Weib, du bist, du warst mir immer alles!" Ich will es jetzt erst recht sein. Ge meinschaftlich wollen wir arbeiten, das Erbe deiner Väter zu erhalten, unseren Wohlstand wieder auszubauen. Unmöglich! Ich habe zu diel ver V I f - m ioren, meyr, wett meyr. als trn mein eigen nannte." Es sieht nicht so schlimm. Ich habe noch gestern mit dem Bureauchef, mit c:m alten Braun und anderen ae fprochen. Sie fehen die Dinae nicht so hoffnungslos an," sagte Ferdinand. 'S mo VanguiNilkr. Nein; sie fchauen nur nicht durch so düster gefärbte Gläfer wie du. Mit ixe nur mäßigen Capital
Wer würde mir daS aeben?" un-
terbrach ihn Hammers mit einem leichten Anflug von Ungeduld. Dein Schwager, der Bankier Bosier," fagte Amanda zuversichtlich. Du bist ihm so oft gefällig gewesen, er dankt deinem Vater und dir so viel; er wird dir gewiß helfen." Er verliert : ohnehin durch mich 300,000 Mark und die Mitgift seiner Frau." Nun, er ist reich genug und wrro es überwinden; man schätzt sein Vermögen auf mehrere Millionen. Das ist Uebertreibung. Ich kenne seine Verhältnisse besser; er ist jetzt ebenfalls ruinirt." Dann werden uns andere helfen Ein solch' altes Fabrikgeschäft, das so viele Menschen ernährt, läßt man nicht untergehen. Ich werde an alle Thüren klopfen, wenn du es nicht magst und zu stolz dazu bist; einer Frau wird man die Hilfe nicht versagen. Fasse nur noch einmal Muth! Du sollst se hen, es gelingt uns, die Catastrophe zu beschworen. Mit großen, wengeossneten Augen hatte Hammers seine Frau angejchaut. War das Amanda. seine zarteAmanda. die sich bisher nie um die Geschäfte bekümmert, die er vor iedem Lufthauch behütet? Beinahe drei Jahrzehnte hatte er neben ihr gelebt und meinte sie jetzt erst kennen zu lernen. An ihrem Muth, ihrer Zuversicht richtete sich der seine wieder auf ; was keinem gelungen war, das brachte sie zu Stande. Auch des Sohnes Blicke htnaen irnt Bewunderung an dem hochgerötheten Antlitz der Mutter. Jetzt trat auch er dicht an das Lager des Verwundeten heran und sagte: Vater. Mutter, habt ihr nuch vergessen? Ist Nicht noch ein Hammers da?" Und mit der Rechten die Hand des Vaters, mit der Linien die der Mutter ergreifend, fuhr er fort: Hier in eure lieben, theuren Hände schwöre ich, daß ich nicht ruhen. nicht rasten will, bis ich das alte Geschäft zu neuem Ansehen gebracht alle Verbindlichkeiten gelöst habe. Nur, Vater, gieb mir die Arme frei!."' Was verlangst du?" Daß du dich von der Mutter und der Schwester ruhig aesundpflegen läßt und den Bann aufhebst, den du auf die Fabrik gelegt hast. Heute kann dies noch geschehen; einige Tage späte? durfte es vielleicht Nicht mehr möglich sein." Wovon willst du die Ausgaben bestreiten? Die Kassen sind leer." Klemmuthiger!" schal! Frau Hammers. Schon gestern war unser alter Freund Zuckschwert hier und hat uns 50.000' Mark zur Verfügung gestellt. Ein Lächeln erhellte Adolf Hammers' eingefallene Züge. Mein wackerer Freund!" murmelte er, aber schon alitt wieder em Schatten über sein Ge stcht. Ein Tropfen aus einen heußen Stern!" seuszte er. Nickt doch. Vater: ich habe mit dem Bureauchef, mit Braun und dem Ha sirer berathen; mit 50,000 Mari latzt sich fchon ein Stück weiterkommen,, und ehe sie verbraucht sind, wird . wieder Rath geschasst." .Wie?" ' Ich reise heute Abend oder morgen. wie ich abzukommen vermag selbst zu Onkel Böster nach Berlin und lege ihm die Verhältnisse klar. Er ist Geschäftsmann genug, um anzusehen,, daß, wenn er uns kti nicht beispngt, seine 300,000 Mark und das Vermögen seiner Fran verloren sind, wenn er uns aber rechtzeitig Hüse leistet,, alles gerettet werden kann. Und ich schwöre, er soll bei uns um keinen Pfennig kommen, er fo wenig wie irgend ein anderer. Vater, ich bitte, ich beschwöre dich, aub mir die Arme frerl Adolf, höre deinen Sohn!" bat mit flehend erhobenenHanden Frau Aman da; ich bürge für ihn!" Noch ein Kampf, dann sagte Ham mers: .Es sei! Ich gebe mich in eure Hände, das sei mcme Buße. New, unser Glück!" rief Frau Hammers und druckte des Gatten Kopf an ihre Brust. Ferdinand ergnsf deZ Vaters Hnd und preßte emen heißen Kuß daraus. Der Nebel, der wie ein dichter, feuchter Schleier über dem Park gelegen, be gann sich zu lüften, wie feurige Pfeile schössen die Sonnenstrahlen hindurch. Sie fielen durch dieFensterscheiben'und verklärten die Gruppe, die sich um das Lager des Verwundeten gebildet hatte .... Ferdinand verließ das Zimmer und begab sich eilig nach der Fabrik hm über. Nach kurzer Zeit ertönte die Dampfpfeife. Langer, eindringlicher. lauter erscholl sie, und ihr Ruf wurde verstanden. Von allen Seiten eilten Arbeiter herbei; in Erwartung der Dinge, die da kommen könnten kommen müßten, hatte sich der größere Theil von ihnen in der Nähe der Fabrik aufgehalten. Bald hörte man wieder des regele mäßigen, mächtigen Schlaa der Dampfhämmer, das Getose des Fd lens, Sägens, Pochens, das Brausen der Blasebälge. Die Werke der Firma Hammers & Sohn waren toon neuem im Betrieb. Am nächsten Morgen reiste Ferdi nand Hammers, der jetzige Mitchef von Hammers & Sohn, nach Berlin, um dort den Bankier Böster aufzusuchen. (Fortsetzung folgt.) Jeder ist seines Glückes Schmied pflegen mit Vorliebe diejenigen zu sagen, die nie am Ambos des Lebens gestanden sind. . . Zukunftsfreuden..Nun Frau Nachbarin, wie war denndie Fahrt mit Ihrem Herrn Gemahl in dem neuen, lenkbaren Lustballon? Entzückend, wie eben nur eine Fahrt in einem lenkbaren Luftschiffe mit eiiicci lenkbaren Manne sein kann!-
Für die Küche. Suppe & la Jardinterc. Man
nimmt einen halben Kopf Sellere. einige Karotten, Kohlrabi, kleine Rübchen. grüne Bohnen und schneidet dies Alles mit dem Gemüsemesser in zierliche Formen; hierzu nimmt man kleine weiße Zwiebeln, Röschen von Blumen kohl, Spargelspltzen blanchirt sie in kochendem Wasser und aibt sie dann'in eine kräftige Fleischsuppe, in welche man noch fem gehackte Petersilie und Kerbel schneidet; man legirt sie mit drei Eidottern. OmelettemitGurken. Die Gurke, je nach Größe nimmt man ein oder zwei Stück, wird zuerst vordere: tet. Man schält sie, schneidet sie Mitten durch, nimmt die Kerne und weichen Theile heraus und schneidet nun die Gurken in kleine Würfel. Diese Würfel locht man in mit etwas Salz und Essig versetztem Wasser etwa 10 Minuten, läßt die Gurken abtropfen und schneidet nun 7 Unzen gekochten Schinken ebenso. In 1Z Unze Butter. die man mit einer großen Aesserspitze Liebvz's Fleischeztract verrührt, werden .iÄurken- und Schmkenwursel erhitzt und im Wasserbade heißgestellt. Dann bereitet man aus drei, schaumig geschlagenen Eiern, 1 Unze Butter, 1 Löffel Mehl. 1 Löffel gehacktem Schinken, etwas Salz und Pfeffer eine ebenmäßige Masse die man fortwährend schlagt, bis man sie in reichlich kochende Butter schüttet und unter Schütteln bei gelindem Feuer unter erhitztem Deckel so. lange bäckt, bis die Masse anfängt, dick zu werden. Man belegt die fertige Omelette mit der Gurkenfüllung, schlägt sie zusammen und servirt sie sofort. Saure Ka.l.lesfuße. Die Kalbsfüße werden gereinigt, gewaschen. in gesalzenem Wasser weich aekocht und alsdann die Knochen ausgelöst. Nun macht man eine feine braune Mehlfchwitze, gibt daL nöthige Gewürz, ein Glas Wein, etwas Essig und Citronenschale dazu und kocht das ausgeloste Fleisch gut durch in der Brühe. Man gibt sie mit Mehlspatzen oder Maccaroni. Nierenschnrtte.n..Man nimmt die gebratene Niere nebst Nierenfett vom. Kalbsnierenbraten und wiegt sie fem, gibt ein Ei, Salz, Wefftr, cin wenig Muskatnuß und ein wenia Rahm dazu und mengtAlleZ gut durcheinander. Nun schneidet man Semmel m dünne Schnitten, dreht sie in verrührtem Ei, streicht die Masse auf eine Seite und bäckt die Schnitten in heißem Schmalz. Salat paßt gut dazu. Gedämpfte Gänseleber. Man nimmt mehrere kleine Lebern, wäscht sie und spickt sie mit. gesalzenem Speck. Sodann macht man Butter in einem Tiegel heiß röstet Zwiebel, Petersilie und ein wenig gelbe Rube, Alles sehr fem gewiegt, darin,, gibt die Lebern hinein und dämpft sie auf starkem Feuer zehn Minuten lang. Vor dem Weichwerden gibt man ein wenig Wein daran und etwas, feingewiegte Citronenschale. Zuletzt kommt Pfeffer und Salz dazu. Wird mit. der Sauce angerichtet man reicht, geröstete Kartoffeln dazu. GeschmorteEntenmit Kapernsauce. Man kocht die Ente in Wasser unter Abschäumen und Hinzufügung von Salz, Gewürz und Lorbeerblatt weich; dann bratet man sie in Butter braun und richtet sie mit der Kapernsauce'anf zu dieser stellt man mit Butter die genügende Menge Braunmehl her, welche man mit einem Glase Weißwein ablöscht; man gibt so viel Wasser oder Brühe hinzu, als man Sauce zu haben wünscht. Zwei Löffel Kapern einige Citrvnenscheiben, etwas Zucker, Leber und Magen der Ente beides kleingeschnitten, läßt man in der Sauce eine halbe Stund: kochen und legt den Braten zuletzt einige Minuten hinein. Fleck (Tripe. Die Fleck wird, nachdem sie sehr sauber geputzt und ans mehreren Wassern herausgewaschen ist, zum Feuer gesetzt und eine halbe Stunde lang blanchirt (abgekocht), nach welcher Zeit sie wieder in kaltem Wasser abgekühlt und dann in passende Stücke geschnitten wird. Sie wird nun in kochendem Salzwasser mit Zwiebeln, gelben Rüben und ein paar Lorbeerb5ättern mehrere Stunden sehr weich gekocht. Dann werden 56 feingeschnittene Zwiebeln hellgelb geröstet, in das Gericht gethan, mit etwas Mehl verdickt. 1 Löffel Essig. Salz und Pseffer. etwas gestoßene Nelken hinzugefügt und alles mit einander gut durchgekocht. Fkeifchauflauf. Eine Kalbs, zunge wird in Salzwasser weich ge. kocht, abgezogen und in feine Scheiben geschnitten, ein Kalbshirn und eine Kalbsmilch werden in Butter gedämpft und ebenfalls in Scheiben geschnitten. Gleichzeitig macht man mit Butter. Mehl und der Zungenbrühe eine helle, dickliche Sauce, fügt etwas Lieöig's Fleischeztract, feines Gewürz, gehackte Sardellen, gedünstete Champignons und zuletzt die Flelschstücke hinzu. Nun bäckt man m der Größe der zu benutzenden Auflauf -Form zwei Pfannkuchen aus dem üblichen Teig von Mehl, Milch und Eiern, legt den einen unten in die Form, füllt das Ragout hinein, legt den zweiten Pfannkuchen darauf, gießt ein Pint saure Sahne darüber und läßt das Ganze in nicht zu heißem Vratosen eine Stunde backen. Kartoffelkuchen. Drei Vier tel Pfund gekochte und mit dem Reib eisen geriebene mehlige Kartoffeln, ein halbes Pfund gestoßener Zucker und sieben Eier werden eine Stunde ge rührt. Nun wird Schale und Saft einer Citrone darunter gemengt und die Masse in eine mit Butter bestrichene Form gefüllt. Zuletzt vertheilt man einige Butterstückchen darauf und bäckt den Kuchen in mittkrer Hitze.
