Indiana Tribüne, Volume 22, Number 7, Indianapolis, Marion County, 25 September 1898 — Page 2
Aie Spßil.
Von Käthe van Becker. Im verwildertste Theil des alten' Parkes lag eine Sphinx. Um den grauen Candsteinleib spann sich breitblätteriger, wilder Wein, ihn umhüllend und verdeckend, und in schlanken, graziösen Ranken sich um die bindengeschmte Stirn schlingend, unter der das süße ernste Gesicht in unvergänglicher Schönheit still und geheimnißvoll herniederleuchtete. Nichts war ixu ihr von den strengen, Halbverschlossenen Schönbeitslinien ihrer echt egyptischen Urmükier. sondern nur weiches, verschleiertes Träumen in den seltsam lebensvoll gemeißelten Steinaugen, und ein ernstes Lächeln um den seingeschnitten!, kleinen Mund. Drei hohe, blasse Lilienstengel schossen zu ihren Füßen auf, steif und stolz wie eine königliche Blumenwacht. Ihre weißen. Kroßen Blüthen umsäumten streng und keusch das ruhend Weib, und ihr Duft wehte wie Weihrauch um das stille, schöne Gesicht. Die Schmet terlinge rasteten aus dessen Lippen und Äugen, die goldenen Sonnenstrahlen liebkosten ihre Brust und Sckultern und der Wind flüsterte ihr alte Geschichten zu vom Kommen und Gehen, vom Wechsel der Tage und Zeiten, von rastlosem Leben und ewier Ruh! Und Niemand kam zu ihr, sie schlicf da irr vergessmer Einsamkeit ir.fc weltverlorener Still.', Jahre und Jahre lang. Des Sommers Gluth lag sengend über Erde tiefe Mittagsruh aus Feld und Flur. Da knisterten die Zweige anter einem hastigen Schritt, da brachen die Aeste unter einem harten Druck, und aus dem verwilderten Seitenpfade, der zu dem vergessenen Platz der scdlafenden Sphinx führte, trat in hastiger Eile eine Jünglingsgestalt. Er war auf der Flucht, auf der Flucht vor der Welt da draußen, vor den Menschen und vor dem, was sie sein Glück nannten und womit sie seine scheue Künstler- und Träumerseele cngswoll hin und herjagten. . Immer und überall das Wort von diesem großen Glück, das ihm, dem armen, aussichtslosen Musikanten mit der Liebe der eigenwilligen Millionentochter in den Schoß gefallen war. Jm:er das Vorrechnen all der Vortheile, die ihm und feinen jüngeren, Geschwistern und seiner stets sorgenden, abgehetzten Mutter daraus erwüchsen. Oh, diese Qual des dankbaren Anerkennens, ds Glücklichseinrnüssens, von dem seine Seele nichts wußte. Er war keine starke Natur, die rücksichtslos gegen den Zwang aufbäumt und im Rechte des eigenen Auslebens die Forderungen der Anderen niedertritt. Weich und träumerisch veranlagt, für jede praktische Frage des Lebens verständnißlos, fand er keinen Widerstand gegen das, was man ihm auferlegte. So hatte sie, die er jetzt seine Braut nannte, ihn m ihre feste starke Hand genommen, ihn in die Bahnen ihres Lebens gezwungen und das seine lächelnd mit der Miene und dem Bewußtsein einer Gnadenaustheilenden vernichtet. Er. der in einer Dachkammer für seine Kunst gehungert und gefroren hatte, war emes Tages der Bautlgam einer vielumworbenen MiUionenerbin gewesen, der sein schönes Gesicht und seine weltfremde phantastische Träurnerärt reizvoll genug erschien, um für seinen Besitz den Kampf mit ihrer Fainilie und mit allen Vorurtheilm ihrer Stellung und Denkweise auszunehmm. Sie hatte um ihn geworben, sie hatte ihn begnadet, sie bestimmte über ihn und er war ihr unbestrittenes Eigenthum geworden, ehe er noch selbst wußt, was mit ihm Zeschchen war. Und es hätte vielleicht seine ifrerst, es zu ertragen, in dem Bewußtsein dessen, was er den geliebten Seinen nützen konnte, ausgereicht, wenn sie, die fortan seine Zukunft bestimmte, nicht die wahnsinnigste, unmöglichste aller Forderungen aufgestellt hätte, die Forderung, feiner Kunst als Lebcnsberuf zu entsagen und w das Geschäft ihres Vaters einzutreten. Da hatte seine sonstige Passivität aufgehört. All die Leidenschaft, die versteckte, momentane Jfrafi und Wildheit war mit Sturmesgewalt aufgewacht. ES hatte Scenen gegeben, m denen ihre gebieterische, zähe Natur mit Wonne die ungeahnte Kraft des Widerstandes in ihm erkannte und dadurch doppelt gereizt und entflammt, alle Macht aufwandte, ihn zu knechten und sich zu eigen zu machen. Die dämonischen goldenm Ketten hielten fester wie die schwersten, eisnnen, und triumphirend schmiedete die Millionentochter mit ihnen seineKünstlerseele an den harten Felsen der Unthätigkcit und des Todes. Nein, nicht seine Seele, die stöhnte und knirschte dagegen, die rang und schrie in ihm. Tag und Nacht ging etwas Unnennbares, Gewaltiges neben ihm, etwas das Lebenslust und Kraft langsam verzehrte, etwas, von dem er wußte, daß eS zum Schluß den Sieg behalten würde, den Sieg über die Kleinheit und Schwäche seiner Natur, den Sieg über Alles, was ihn band und knechtete. Und mittlerweile waren die Tage hingegangen, und heute sollte er seinen Polterabend feiern. Danach, morgen, schlug es über ihm zusammen, gab es kein Entrinnen mehr, war er fürs Leben Sklave eines falschen Glückes. Davor war er geflohen, fortgestürzt durch die Gänge des Parkes, , weiter, immer weiter in die Einsamkeit, wo ihn Niemand fand, wo er wenigstens für Minuten ausruhen konnte. . Nur? stand er tiefathmend in der
grünen, weltverlassenen Stille dieses träumerischen Erdenwinkels. Kein Ton einer Vogelstimme, kaum daß ein Lusthauch die Lindenblätter rührte. Nur die weißen Lilien dufteten schwül in der' Mittagsgluth und über sie fort schaute das schöne, stille Sphinxgesicht mit räthselhaftem Blick ihm entgegen. Sein für alles Schöne empfänglicher Sinn umfaßte mit Entzücken den märchenhaften Zauber dieses abgeschlossn nen kleinen Bildes, von dem ein wunderbarer Hauch der Vergessenheit und träumerischen Ruhe ausging, der sich sänftigend auf feme überreizten Nerven und kranken Sinne legte. Hier war gut sein. Einsam, frei von quälenden Pflichten, Alles um ihn herum Melodie, eine stille, träumerische Weise, ein Scklummerlied aus alte Zeiten! Wo hatte er es doch schon gehört, wo dieses ernste scköne Gesicht des duftumwobenen Weibes gesehen ? Jünger, reiner, aber ebenso still und geheimnißvoll wie unter dem Siegel eines unlösbaren Räthsels. Und dazu Lilienduft wie hier das Schlummerlied, dessen schwermüthige Weise verloren und ungreifbar durch feine Sinne wehte. War das ein Traum gewesen? Nein, plötzlich wußte er es. Wie hatte er all das nur nickt gleich erkennen können?! Anders damals und dock dasselbe. Eine stille Todtenkammer, viel duf. tende weiße Lilien, ein schmales Brett und auf dessen Kissen ruhend dasselbe blasse, stille Gesicht, das hier so ernst und seltsam auf ihn herniederschaute und aus dessen für ewig geschlossenen Augen ihm dort zum ersten Male die große, unlösbare Räthselfrage des Todes entgegensah. Sein Jugendtraum, feine erste, einzige Liebe! Zu den Ferien war er heimgekehrt, das Herz voll Sehnsucht nach dem blonden Nachbarkinde, mit dessen Bild seine ganze Kinderzeit verwebt und verbunden gewesen, das ihn verstanden wie keiner sonst und dem Lberlegungslos. selbstverständlich all sein Zukunftsstreben, all sein Denken galt und gehörte. Da hatte man ihn zu ihrem Todtenbett geführt. Siebenzehn Jahre war er gewesen, sie fünfzehn. Eine Kinderthorheit nannten es die Leute. Wie die Stunde jetzt vor seiner Erinnerung stand, die Stunde, in der er Abschied nahm von seinem todten Glück! In der Nacht hatte er sich zu ihr geschlichen, seine Geige in der Hand, und vor 7hm Bette stehend ihr zum letzten Mal jenes Schlummerlied oespielt, das sie so liebte. Ein einziaes mattes Licht brannte zu ibren Häupten, und wenn es im Windhauch flackerte, sah es aus, als wenn über ibr Gesicht Schattm von Lächeln und Trauer zogen. Lautlos und heiß rannen ihm die
Thränen über die Wangen, während er spielte. so heimlich, so leise die letzte Zwiesprach mit seinem blonden, stillen Lieb hielt! Und die Lilien dufteten wie hier! O daß er jetzt seine Geige bei sich hätte, das alte Lied zu spielen. Es brannte ihm in der Seele und aufstöhnend drückte er seinen Kopf gegen den grünumrangtenLeib der steinernen Sphinx. Da rauschte es im Gebüsch von seidenen Gewändern, harte, spitze Absätze knirschten über den Kies des Weges, und wie er aufgeschreckt den Kopf hob, stand die roße, üppige Gestalt seiner Braut unter den tief herabhängenden grünen Lindenzweigen. Das gekreppte- schwarze Haar über dem weißen Gesicht, die rothen, vollen Lippen, der besitzergreifende Blick der Augen und die Umgebung von Seidenrauschen und Parfümwolken, Alles ihm in tiefster Seele unsympatisch. Spöttisches Lächeln kräuselte ihre Lippen. Ah, ein' Stückchen romantischer Plunderkram, den ich, trotzdem er auf unserem Besitzthum liegt, noch nicht kenne und den Du vermöge des Zuges Deiner Phantasie gleich gefunden hast. Sehr hübsch aber, mein Schatz, ich habe nicht Lust .Dich mit dieser JahrHunderte alten, gefährlichen' Schönheit zu theilen, wie überhaupt mit nichts auf der Welt!" Ein Zug, halb Triumph, halbGrausamkeit, mischte sich in ihr Lächeln. Wie schwach er war. und doch wie versteckt leidenschaftlich! So liebte sie "ihn, fo sollte er ihr eigen werden, und sie würde aus ihm machen, was sie wollte. Ihren Arm in den seinen schiebend, zog sie ihn mit sich fort, plaudernd von den Hochzeitsgeschenken, die eben eingetroffen, von den Gästen, die man erwartete zu den Feierlichkeiten des Abends. Er warf keinen Blick zurück auf das llienumschlossene stille Bild. Der Zauber desselben .war gebrochen schweigend, im Bann seiner Ketten, folgte er ihr, deren Besitz er war. Der Jubel des Polterabends stand auf seinem Höhepunkt. Man hatte gegessen, getrunken, getanzt' Reden gehalten und Aufführungen über sich ergehen lassen. Allgemach kam schon cm leichtes Ermüden über die lärmende große. Gesellschaft. Da neigte sich die strahlende Braut zu dem auffallend blassen, stillen Mann an ihrer Seite, der den ganzen Abend hindurch, trotz der Hauptrolle, die er svielte, fchweigsam. theilnahmlos gewesen war. Sie mußte seinen Arm fest packen, um ihn aus seiner Versunkenheit aufzuwecken, und zornig zogen sich ihre Brauen zusammen, als sie ihm hart zuraunte: Man sitzt nicht als Bräutigam wie eine Holzpuppe da! Hol' Deine Geige, spiel uns noch einmal etwas Hübsches vor.damit die Leute doch sehen, daß ich. all ich Dich nahm, nicht ganz so thöricht war, wie es den Anschein hat!Er zuckte zusammen. Ein finsterer.
abweisender Zug flcg übe: sein Gesicht Diese Qual, diese bis zur Unerträg lichkeit anwachsende Qual der Abhängigkeit! Und dazu das Rasen im Kopf und im Herzen. Erschreckt die fahle Blässe seines Gesichtes gewahrend, fragte sie hastig: Oder ist es Dir nicht recht? Er lächelte bitter. Doch ich gehe sie holen. Nur gönne mir ein paar Augenblicke der Ruhe, mein Kopf schwindelt, und ich muß erst etwas Stille und Luft um mich haben." Wie die Einsamkeit seines Zimmers erquickend ihn umsing. Alles still und dunkel, nur durch die geöffneten Fenster der volle Strahl des weißen Mondes hineinfluthend, und vom leisen Nachtwind hinKbergetragen der Duft blühender Linden. Er athmete tief und erleichtert, wäh rend seine tastende Hand den verschlossenen Violinkasten suchte und ihm das geliebte Instrument entnahm. Jekt wieder hinllbergehen in den Dunst, die Hitze und grelle Beleuchtung der lärmenden Menge, sich selbst höhnend. den Todesgesang seiner Freiheit und Zukunst geigen? Nimmermehr! Ein unbändiger, wilder Trotz füllte seine Seele. Hinaus in die mondglänzende Sommernacht, durch die die Lilien dufteten, und ein stilles, schönes Gesicht ihm liebend winkte Gedenkst Du mein? Ja, ihr wollte er sein letztes Lied spielen, zu ihr, daß der Stein sich belebte und die todte Geliebte ihm das Räthsel seines verlorenen Lebens löse. Hastig schwang er sich über die niedere Fensterbrüstung in den stillen, nächtigen Garten hinab. Frei wollte er sein! Die Geige fest an sich gedrückt, stürzte er vorüber an den glühenden Rosen, deren Dornen ihm die heiße
Stirne ritzten, vorüber an der Nachtigall, die erschreckt in ihrem sebnsüchtigsten Seufzer stockte, dahin durch die liebeathmende fchwüle Sommernacht zum verwildertsten Theil des alten Parkes. Da lag der weltverlorene grüneWinkel vor ihm! Ueber die Lindenwipfel war mächtig und leuchtend die Mondscheibe gestiegen. Aus ihrem geisterhaften Licht hob sich die Räthselgestalt seltsam klar und lebensvoll hervor. Die welße Brust tm Kranze der stolzen, hohen Lilien schien leise ;it athmen, die Augen ihm zärtlich zuzulächeln, der blasse kleine Mund sich zum Kusse zu wölben. Achtlos sank die Geige zu Boden. Ein zwischen Jubel und ahnendcm Todesweh schwankender Aufschrei, und mit ausgebreiteten Armen stürzte er auf die Sphixgestalt zu. Vom reglos kalten Leibe der monoumflossenen Sphinx lösten sich die umschlingenden Arme und zu ihren Füßen sank ein von der Last des Lebens für ewig Befreiter. Ueber ihn neigten sich drei geknickte weiße Lilienstenael und im Mondlicht glitt es wie ein geheimnißvolles Lächeln über das stille Gesicht des schönen Weibes. Der da ruhte, hatte die Lösung des großen Räthsels gefunden. Wcyc dem, der lügt. Allen Ehemännern zur Warnung erzählt von A. B. Me.ges. I. I Theure Hilda! Ach! Ich weiß gar nicht, wie ich beginnen soll! Denke Dir nur. mein lieder guter Fritz mußte gestern Knall und Fall abreisen! Nach dreimonatlicher Ehe bin ich zum ersten Male allein und Du wirst mir nachfühlen, wie mir heute zu Muthe ist. Dieses Geschäft mit seinem Aerger und Sorgen könnte ich verwünschen mein armer, armer Fritz! Wenn er nur gesund wiederkommt. heute, wo man täglich von Unglücköfällen und Zusammenstößen liest! Du kannst Dir also einen Begriff machen ich bin ganz kopflos! Er soll allerdings nur drei Wochen wegbleiben. Nur drei Wochen!!! Das ist ja eine Ewigkeit! Dazu führt ihn seine Reise bis nach Baris! Ach. Hilda! nach Paris!!! Mir wird angst und bange, wenn ich an dieses Paris denke! Dort soll es doch furchtbar gefährlich sein. Ich kann mich zwar auf meinen Fritz verlassen; der ist nicht so schlecht, wie die anderen Männer. Er hat mich so lieb getröstet, mir oft zu schreiben, oft an mich zu denken versprochen jeden Abend will er metn Bild ansehen, sagte er. Ich glaube es ihm auch und doch nur zur Sicherheit habe ich zu einer List gegriffen, um mich zu überzeugen, ob er es auch thun wird. Doch das erzähle ich Dir ein andermal; heute kann ich nicht mehr, mich schmerzt mein Kopf, ich habe für nichts Interesse. Es umarmt Dich herzlichst D e i n e A l i c e. P. K. Ich habe mir zur blauen Toileite einen neuen Hut, dazu passend, bestellt. Wird sehr elegant. Pariser Modell! n. AnsichtskarteausMünchen. Eben angekommen, ganz abgespannt muß sofort an die Arbeit morgen folgt Brief, mein theures Alicechen leb wohl, tausend Küsse D e i n F r i tz. III. Ansichtskarte ausRegensbürg. Komme nicht dazu, Dir ausführlich zu schreiben sei nicht böse, Alicerl, denke stets an Dich irr treuer Liebe D e i n F r i tz. f AV. Brief aus Regensburg. Mein theures Alicechen! Sei nicht böse, daß ich Dir erst heute schreibe, aber so gerne, ich es thun wollte eö 'war unmöglich! Den
ganzen Tag, abgehetzt, geärgert, war ich froh, mich Abends zeitlich zur Ruhe begeben zu können. Aber, umsomehr habe ich an Dich gedacht! Täglich! Stündlich! Diese Hotelzimmer sind so trostlos nüchtern, leer, öde und wenn ich an mein gutes Alicechen, an unser trautes Heim denke.wird mir so weh ums Herz. Dann nehme ich sofort Dein liebes Bild zur Hand, klage Dir mein Leid, plaudere mit Dir und vergesse wenigstens für Augenblicke, daß ich Dich nicht bei mir habe. Doch bald ist ja die Trennungszeit vorüber es geht rascher, als ich dachte morgen fahre ich schon nach Paris und in längstens zwei Wochen bin ich wieder bei meinem guten Weibchen. Schreibe mir bald, Alicechen, Paris, Hotel Boulevard. Leb recht wohl, es umarmt Dich innigst D e i n F r i tz. V. DepescheausAvricourt. - Frau 'Alice Stein, Ulm. Kann meinen Paß nirgends finden, größte Verlegenheit muß ihn vergessen haben; sofort expreß hersenden, Hotel Schwan. Brief folgt, viele Küsse DeinFritz. VI. Depesche a u S U l m. Herrn Fritz Stein, Avricourt, Hotel Schwan. Paß liegt bei meinem Bild!!! Brauche keinen Brief, keine Küsse leider Frau Stein. VII. Brief aus Ulm. Theure Hilda! Die Unglücklichste 'der Frauen schreibt Dir heute mein Mann betrügt mich! Nach; dreimonatlicher
Ehe. es ist schrecklich! Ich staune nur, daß ich noch die Kraft habe, Dir zu schreiben; doch es muß sein Du mußt mich trösten, mir rathen! ! ! ! Nun lasse Dir rasch das Gräßliche erzählm: ich schrieb Dir schon in meinem letzten Briefe, daß ich zu einer List gegriffen habe, um meinen Mann brrr! auf die Probe zu stellen. Er nahm nämlich mein Bild mit Du weißt, das Kabinetbild,- gleich nach meiner Verlobung aufgenommen und versprach mir, es täglich anzufehen. In dasselbe Couvert, zu meinem Bilde, legte ich nun seinen Reisepaß, den er doch sehr dringend braucht. Das war meine List! Heute erhalte ich eine Depesche: er kann den Paß nirgends finden!" Begreifst Du nun. theure Hilda, meinen Schmerz! Er hat mein Bild nie angesehen; denn sonst hätte er den Paß finden müssen und dabei schreibt mir dieser Heuchler in seinem letzten Brief, daß er täglich wenn ihm so weh' umsHerz ist mein Wild nimmt und mit mir plaudert!! Geplaudert wird er schon haben, aber, weiß Gott, mit wem!!! Ach, Hilda! Mir bricht mein Herz! Ich fahre noch heute zu meiner Mama schreibe mir dorthin, tröste mich ich kann nicht weiter bin trostlos, habe an nichts mehr Freude Deine unglückliche Alice. P. K. Eben bringt die Modistin meinen neuen Hut. Bin froh, daß ich ihn gleich mitnehmen kann sehr elegant ! Fraucnbcweguug in Indien. Die indischen Frauen beginnen sich jetzt gegen die Sitte des 'beständigen Schleiertragens aufzulehnen, wie in Indien überhaupt das orientalische System der völligen Absperrung des Weibes vom öffentlichen Leben und von der Civilisation im Verlauf der letzten Jahrzehnte mehr und mehr bekämpft und bei Seite geschoben wurde. Im Jahre 1849 wurde in Bombay die erste. Mädchenschule errichtet; bis dahin w.ar das weibliche Geschlecht in ganz Indien von jedem Schulunterricht ausgeschlossen gewesen. Nun lernten die Töchter der angesehensten und wohlhabendsten Familien freilich zunächst auch eben nur Lesen, Schreiben und Rechnen, aber der geistige Auffchwung machte sehr schnelle Fortschritte, denn bereits zwanzig Jahre später zählte man eine Menge wissenschaftlich gebildeter, ja gelehrter Hindufrauen: Lehrerinnen der englischen und französischen Sprache sowie sonstige Lehrerinnen aller Art. aber auch hervorragende Schriftstellerinnen und Dichterinnen, selbst mit der Zeit Weibliche Aerzte. Es war ein aufsehenerregendes Ereigniß, als zu Ende der siebziger Jahre im Medical College zu Madras die erste Hindustudentin ihren Einzug hielt und unter den Studenten und etlichen englischen Hörerinnen ihren Platz e,innahm, doch wagte sie noch nicht, den Schleier zurückzuschlagen. Hiermit war der Bann der tausendjährigen strengen Abschließung gekrochen; das gemeine Volk, das zähe an den alten Gebräuchen festhält, geberdete sich freilich, als sollte die Welt aus den Fugen gehen, aber die Verftändigern fanden es ganz natürlich, daß die Heilkunde endlich von den Frauen eines Landes erlernt werde, wo die Aerzte keinen Zutritt zu den weiblichen Kranken haben. Gegenwär-, tig gibt es fchon eine große Menge weiblicber Aettte in Indien, die fi einer guten Praxis erfreuen. Sogar an weiblichen Journalistinnen fehlses nicht, und bereits 1883 wurde eine besondere, nur von Frauen für Frauen geschriebene Zeitschrift begründet unter dem Titel Stri-Mitrd" (Der Frauenfreund), die die Interessen der indischen Frauen vertritt und ihnen Geschmack für geistige Bildung und Liraiur beiubrinaen suckt. Mal, iinh Musikschulen für das weibliche Gesckl,ckt wurden aleicbfalls rriAM nb auf diese Art alle möglich, Bahnen ' , ' v tr: je. r..ti..-r..ir . , . zu einem gettn vs-uuiujciicöim geeoner.
Die junge Wutter.
Von Leo. Betthold. Die Morgensonne wirft ihre goldenen Strahlen in daö behagliche Ge mach, das erst seit wenigen Wochen daö neue Glück birgt; der erste Besuch ist bei der jungen Mutter, die ältere Freundin ist gekommen und haucht einen leisen Kuß auf die noch so blassen Wangen. Ruhig schläft das Kind in dem von Mousselingardinen verhüllten Wagen .... Die junge Mutter sieht so matt aus, die Hände so zart, sie frösielt und schmiegt sich enger an das seidene Kissen. Das ist lieb. Gabriele, daß Sie gekommen sind, ich hatte Sehnsucht nach Ihnen und durfte dreh keinen Besuch haben, Sie schauen sich so um in meinem Tuskulum, alles verändert, nicht wahr? Goethe und Apoll verhängt, der Schreibtisch abgeräumt. Unser Doctor meinte, hier wäre es am ruhigsten; als ob das Kleine nicht überall schreien würde!" So ein Störenfried ist da in's Haus gekommen?" lachte die schöne, stattliche Frau und strich mit der Rechten liebevoll über Evas blonden Scheitel. Ach, vom ersten Augenblick an, den' sie da ist, schrelt sie fast unaufhörlich, sie muß es sich hienieden wohl schöner gedacht haben ", die junge Mutter machte einm leichten Versuch zu scherzen, ,und auch ich kann mich noch nicht zu einem freudigen Gefühl erheben, wissen Sie. - Gabriele, Ihnen will ich's ja gestehen, in mir. ist noch alles Groll gegen 'die Natur, ... ich habe mich danach gesehnt. Sie zu sprechen, Sie haben schon wiederholt Mutterglück erfahren, haben Sie es sich auch so grausam erkämpfen müssen?" Frau Gabriele war ernst geworden, liebevoll umfaßte sie die blasse Freundin. Meine gute, kleine Eva. können Sie es noch immer nicht vergessen? Hat sich das Dankgefühl gegen die gütige, spendende Natur, die Ihnen doch so gnädig war, noch nicht durchgerungen?" Die Natur gnädig?" Frau Eva rief's fast heftig und erhob sich aus ihren Kissen. Die abgemagerten Finger rissen nervös an einem feinen Tuche. Wie hasse ich diese unbarmherzige, harte, grausame Natur, die fo martern kann, ein gewaltige: Titan ist. sie, der uns. schwache Menschen mit Riesenkräften bezwingt, ja . . . das ist ewig so gewesen und wird so bleiben . . . mir ist's noch immer, als lastet ihr grenzenlos schwerer Druck auf mir. ich habe mich noch nicht zur Freude durchringen können . . . ." Lebhafte Rothe bedeckte jetzt die abgezehrten Wangen, die Augen schlössen sich einen Augenblick. Frau Gabriele saß, wie gebeugt, nebenan auf dem Fauteuil, die Hände lagen matt im Schooß. große, schwere Thränen tropften langsam die Wangen herab. Armes Kind", sprach sie endlich mit müder Stimme, . . . Sie nennen die Natur grausam, die da giebt . . . ach, Eva, in welchem schrecklichen Irrthum sind Sie befangen. Nein, nein, o glauben Sie mir, dann ist die Allgewaltige gütig, milde, barmherzig, ja so segensreich, wenn man auch unter Qualen ihre Gaben empfängt, daß man knieend Dank spenden muß. Mitleidslos, grausam, unerbittlich ist sie nur, wenn sie nimmt, wenn sie vom warmen Herzen gnadenlos uißt, was sie erst vor kurzer Zeit daran geborgen, wenn sie duldet, daß ein junges, zartes Leben, von dessen Eintritt in die Welt man erst sein ganzes, volles Glück erhofst. weggerafft wird, ehe die Knospe, zur Blüthe wird, wenn die Kinderäugen, die einen Himmel von Glück versprachen, gebrochen im Tode sind. Wie kann die Sonne wieder aufgehen", fchrie ich damals im ersten, wilden Schmerze, wenn folch ein Kummer daöMutterherz bricht? Keine Religion, kein Trost, keine Liebe half, ich bäumte mich auf im Schmerz, als mir nach einander zwei Lieblinge entrissen wurden, bis der beste Engel des Menschen, die lindernde Zeit, ihren Balsam brachte. Ja, Balsam und neuen Lebensmuth, aber keinen Ersatz, wie oft ich auch die Hände betend zum Höchsten gehoben Eva, 5 versündigen Sie sich nicht! Das rechte Muttergefühl ist Ihnen noch nicht aufgegangen, sonst hätten Sie nicht so sprechen können. nein, besser zehnmal die Arme öffnen und immer wieder das schwer erkaufte Glück an's Herz nehmen, als auch nur eines dahin geben müssen! ..." Sie weinte leife und schmerzlich. Eva ergriff bewegt die Hand der Freundin und drückte einen innigen Kuß darauf . . . Verzeihen Sie mir, Gabriele", sagte sie leise, daß ich an diese wehklingende Saite gerührt ... ach, Sie sind viel besser als ich. wie konnte ich nur so. thöricht empfinden, fo undavkbar und selbstsüchtig!" ' Hinter den weißen Mousselinvorhängen regte es sich. ... leises Weinen ward hörbar, . . . kleine rosige Händchen fuchtelten, nachdem Frau Gabriele die Gardinen zurückgeschoben, in der Luft herum. , Klein Roii will zu ihrer Mutier, sagte die schöne Frau und nahm dae Kindchen aus dem weißen, warmen. Bettchen. ' .Geben Sie mir mein Kind!" bat Eva und streckte die Arme aus . . . 0 sehen Sie. liebe, theure Gabriele, wie es lacht ... ja ganz gewiß das erste Lächeln ist's . . : das gilt Ihnen. 0, sie ist klug, sie weiß, was sie Ihnen zu danlen hat, weil Sie mir eine wahre treue Freundin sind ..." Die junge Frau sprach so erregt, so
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laut ... das Kleine verzog wieder daö Mäulchen und fing zu weinen an. Die Amme wurde gerufen, da ward es ruhig. Und nun bin ich wieder neidisch", klagte Eva mit wehmüthigem Lächeln, und sah auf die kleine Gruppe, die da neben ihrem Divan saß . . . auf die wohlgenährte, geputzte Amme, die dem kleinen Geschöpfe Labung gab . . . schelten Sie mich, Gabriele, ich sehe es ein, ich bin ein unzufriedenes Geschöpf . . ." Und doch eine glückliche Mutter, Eva, ich sehe es ja Ihren Augen an, die strafen Ihre Worte Lügen. Adieu, kleine Frau, Gott behüte Ihnen das süße Kind!" Leise war sie hinausgeschlüpft . . . nun war es eine Weile ganz still im Zimmer ... Das Kleine war wieder eingeschlafen, lag auf dem Schooß der jungen Mutter, die es unverwandt betrachtete ... Andere Empfindungen erfüllten jetzt ihr Herz, reineres selbstlosere . . . heiße Gebete um Erhaltung des zarten Geschöpfchens . . . Dann legte sie es selbst in die Kissen zurück und sang ihm leise ein Wiegenlied. Die falsche Johanna. Die Geschichte verzeichnet zahlreiche Beispiele von Betrügern, welche nach dem Tode oder während einer längeren Abwesenheit hervorragender Personen unter deren Namen auftauchten und die Leichtgläubigkeit des Volkes im Interesse ihrer Eitelkeit oder ihres Eigennutzes mit großer Geschicklichkeit auszubeuten verstanden. Einer der merkwürdigsten und doch am wenigsten bekannten Fälle dieser Art betrifft eine falsche Jungfrau von Orleans, welche wenige Jahre nach dem Tode der echten in Frankreich auftauchte und selbst solche Personen, die jene nach persönlich gekannt, zu täuschen wußte. Jeanne d'Arc wurde bekanntlich am 30. Mai 1431 auf dem alten Markte in Rouen in Gegenwart einer großen Menschenmenge verbrannt. Trotz einer so großen Anzahl von Zeugen ihres Todes feierte sie fünf Jahre später in Lothringen ihre Auferstehung, indem sich dort 1436 den beiden Brüdern Johanna's eine Frau als ihre auf wunderbare Weise dem Flammentode entronnene Schwester vorstellte und von diesen, Dank einer auffallenden Aehnlichkeit mit der Verstorbenen, auch wirklich anerkannt wurde. Die unerwartete Wiederkunft der vom Volke fo tief betrauerten Heldin von Orleans wurde natürlich mit entsprechendem Jubel gefeiert; die Herzogin Elisabeth von Luxemburg bereitete ihr in Arlon einen prachtvollen Empfang, und ein Graf von Württemberg führte sie nach Köln, das sie aber bald wieder verließ, um einige Monate später in Metz' ihre Vermählung mit dem lothringischen Ritter Robert des Armoises zu feiern.- Inzwischen hatte sich ihr Bruder Johann zu Karl VII. nach Loches südlich der Loire begeben, um dem König die Rückkehr der Jungfrau anzuzeigen, während die Stadt Orleans ihrerseits sich beeilte, diese einzuladen, den Schauplatz ihres heldenmüthigen Wirkens durch einen Besuch u be'glücken. Die falsche Johanna begab sicy jedoch, vielleicht weil sie sich m ihrer Rolle noch nicht hinlänglich sicher fühlte, zunächst nach Italien, wo sie bei den päpstlichen Truppen Dienste nahm und gegen den Herzog von Mailand zu Felde zog. Nach Frankreich zurückgekehrt, findet man sie in Poitou und Guyenne an der Spitze einer französischen Compagnie im Kampfe mit den Engländern, und im Juli 1439 endlich hielt sie ihren Einzug in Orlecws, wo sie enthusiastisch empfangen wurde. EineAufforderung, sich auch dem König vorzustellen, konnte nun nicht länger unberücksichtigt bleiben. Johanna des Armoises begab sich an den Hof, und Karl VII. wiederholte beim Zusammentreffen mit ihr die List, welche er bei seiner ersten Begegnung mit Jeanne d'Arc in Chinon angewendet hatte, um deren himmlische Sendung zu erproben. Wie damals nämlich verlor er sich in der Menge seiner Edelleute, und gerade so, wie damals die echte, ging auch jetzt die falsche Johanna, die ohne Zweifel den König Kannte, geraden Schrittes auf den König zu, um ihn zu begrüßen. Dieser jedoch ließ sich trotz seines Erstaunens nicht täuschen, sondern forderte sie auf. ihm das Geheimniß mitzutheilen, das außer Gott nur ihnen Beiden bekannt sei. Dies brachte die Betrügerin aus der Fassung. Sie verlor den Kopf, warf sich dem König zu Füßen und bat um Gnade. Nach Paris gebracht,- wurde sie kraft Urtheil des Parlaments im großen Hofe des Justizpalastes ausgestellt und mußte ihren Lebenslauf, der nicht ganz erbaulich war, öffentlich bekennen. Sonst that man ihr jedoch nichts zu Leide, fondern ließ sie wieder laufen, und es heißt, daß sie in den Krieg zurückgekehrt sei. frj sie wohl auch ihr Ende fand, da man nicht weites von ihr sprecherc hörte. Daher. Kleiner Moritz (triumphirend): So, Vater, jetzt sitze ich nicht mehr auf der letzten Bank." Vater: Das ist hübsch; hier hast Du auch zwan-'.v Pfennig. Aber wie bist Du den.', 'r m'kommen?" Kleiner Moritz: Die letzte Bank wird gestrichen." Triumvh derVildung. Frau Rentier Biedermann: Ja, wir waren diiTcrr Camet in Baden-Baden." F a:- Scnlächtermeister Großkopf: Und nzlr in Jschl-Jschl. M:'.,:rstanden. Verleger: Äie Arbeiten Ihres Gatten sind gut. Er lehnt sich nur immer an die Marlitt an." SchriftstellerZgattin: . .O. der Treulose!".
Nachtwanoermtg. Con C. v. Sezzbold. Der Sonne Lichter verglimmen. Versinken in Ried und Rohr, Die letzten Funken schwimmen Ersterbend im dunstigen Moor. Das ist die Zeit, wenn Sehnen Nach Bergeshöh'n uns faßt; Wenn sich die Brust will dehnen, ' Befreiten Tages Last. Und steiler, höher immer Steigt der gewund'ne Pfad, Schon winkt im Dämmerschimmer Der Berges hoher Grat. Gespenstisch fallen die Schatten. Durchweht vom Abendhauch. Auf schwellende Alpenmatten, Auf Latschen und Zirbelstrauch. Zwei lichte Falter schweben. Die in Busch und Rosenhag Verträumt ihr Eintagsleben, Den sommerlangen Tag. Verhallende Herdenglocken, Ein Sang, verklingend im Nest, Ein Reh. das scheu, erschrocken Sich duckt in's Buchengeäst. Da stehet uns freundlich cffen Der Hütte gastlich Thor. Und über den Felsenschroffen Steigt strahlend der Mond empor. Die arme Verwandte.
Von Fritz Feldner. Zum ersten Mal in ihrem Leben stand sie am Ufer der See. Ein Schimmer der Freude verklärte das blasse, verhärmte Gesichtchen, die welken. müden Züge glätteten sich und eine Thräne stahl sich durch die Wimpern. Nun wollte sie ihrer Tante, der Frau Commerzienräthin doppelt dankbar sein . . . Wenn sich die nicht ihrer erbarmt hätte, was hätte aus der hilflosen Waise wohl werden sollen? Jktzt erst war sie im Stande, sich das Alles zusammen zu reimen. Jyc ater hatte eine Schauspielerin geheirathet, 'ne Künstlerehe" hatte die Räthin gespottet. Nun war's gekommen, wie's so zu kommen pflegt. Einige Jahre reinstes Glück, vollste 5)armonie. Dann eine schrille Dissonanz: die Mutter war plötzlich verschwunden. Der Vater überlebte den Schlag nich lange, sie ward Waise. Da hatte sich die Tante ihrer angenommen. In deren Hause wurde sie erzogen, sie wurde die Stütze der Hausfrau und sie wäre zufrieden gewesen, wenn aich! . . . Na, was stehst Du denn wl'.er hier und träumst?" krähte eine Kinderstimme hinter ihr und zugleich erhiclt sie einen unsanften Schlag 'nit einer Sandschaufel auf den Arm. Hilf mir lieber eine Festung biuen." Mit einer heftigenBewegung wandte sie sich um: der etwa dreizehnjährige Junge holte eben zu einem neuen Schlage aus. Mama hat Dich nicht mitgenommen, damit Du hie: faullenzt. Du sollst Dich mit mir beschast!gen," höhnte er. Alles Blut war aus ihr-m Gesicht gewichen.' Dieser Bengel wa: ihr Pu niger. er quälte, er tyrannisirte sie un aufhörlich, er behandelte sie schlimmer als einen Dienstboten. Ein "iiittrer Haß stieg in ihr auf. , Nun," rief der Junge, ,i,d' bald? 's paßt dem gnädig-.n Fraulein Habenichts heute wohl nicht? Aber warte nur, Dir werde ich's fchon dcscrgen. Jetzt lauf ich zur llanw und erzähle ihr, daß Du , immer mit dm Klavierlehrer spazieren gegangen bist. . . Das junge Madchen erbebte, sie ttrlor alle Selbstbeherrschung. Mit einem Satz stand sie neben dem Burschen. ein klatschender Schlag traf seine Wange. Heulend lief er davon. Beim Abendessen ging es außergewöhnlich still zu, die Commerzienräthin hatte ihr Gesicht in strenge, ernste Falten gelegt. Ihr Mann warf dem jungen Mädchen hin und wieder einen blinzelnden Blick zu und der Junge beobachtete jede ihrer Bewegungen mit höhnischem Lächeln. Du hast heute meinen Sohn schwer mißhandelt," begann endlich die Räthin. ich glaube. Du thätest gut. wenn Du Dich nach einer anderen Stellung umsähest. Hier kannst Du natürlick nicht bleiben, in einer Stunde geht Dein Zua. mit dem fährst Du wieder nach Hause. Außerdem." sie betonte jede Silbe, habe ich dem Klavierlehrer schon telegraphisch gekündigt. unsere Familie hat von einer Künstlerehe gerade genug!" ... Kein Lüftchen rührte sich, kaum daß die Wellen an die Düne schlugen. Ein Dampfer bog um die Ecke und ließ seinen elektrischen Scheinwerfer spielen. Eben lief der Nachtzug aus dem Bahnhof. der weiße Strahl traf die Gestalt eines jungen Ma chens. das sich in die Ecke des Wagenabteils gedrückt hatte und ihr Taschentuch vor die Augen preßte ' Genaubefolgt. Stubenmädchen (zu einer Besucherin des Hauses): Sind Sie vielleicht die Frau, von Reifenstein?" Dame: Jawohl!"' Stubenmädchen: Dann ist die Gnädige nicht zu Hause!" Galgenhumor. (Ein Gensdarm bindet einem widerspensti gen Arrestanten unter heftigem ScheU ten die Hände zusammen.) Gaunerr Donnerwetter, Manuelen, wissen Sie eenen aber fesselnd zu unterhalten." Das kleinere U e bel. Aber Herr Müller, Sie verbrachten die letzte Nacht wegen besinnungsloser Lezechtheit auf der Polizeiwache!" War immer noch besser, als wenn ich in dem Zustande meiner Frau unter die Augen gekommen wäre."
