Indiana Tribüne, Volume 21, Number 361, Indianapolis, Marion County, 18 September 1898 — Page 7
IieWervung.
Von L. Schmidt. Es war von Liebe zwischen ihnen keine Spur, doch Heiräthen würden sie sich, das stand fest. Die beiderseitigen Verwandten hatten dem beiderseitigen Willen zur Ehe die Wege geebnet, indem sie in aller Form die Bekanntschaft vermittelten, die bezüglich-en Verhältnisse darlegten, und nachdem Alles durchgesprochen und in Ordnung befunden war, hatten sie sich zwar nicht der Neigung, wohl aber der Geneigtheit der Beiden versichert. Die zukünftige Braut war ein Mädchn von 25 Jahren und von doppelt so dielen tausend Thalern Mitgift. Man konnte sie keineswegs hübsch nennen, doch auch keineswegs häßlich. Merkwürdig, wie wenig außer der Ziffer der Morgengabe überhaupt Positives sich von ihr sagen ließ. Weder dumm war sie, noch gescheit; nicht gebildet, noch ungebildet; unliebenswürdig nicht und auch nicht liebenswürdig; nicht corpulent, nicht mager; nicht groß, noch klein, weder blond, noch braun. Man fragte sie: Gefällt Dir der Amtsrichter?" Sie antwortete: Daß er mir besonders gefiele, könnte ich nicht gerade sagen." Man forschte weiter: Hast Du an seinem Aeußeren oder seinem Wesen was zu bemängeln?" Nein," erwiderte sie. ich habe weder daran etwas zu loben, noch zu tadeln." ) Könntest Du Dich mit dem Gedanken vertraut machen, seine Frau zu werden?" Ach Gott ja, warum denn nicht?" Dem Amtsrichter wurde wie sich das von selbst versteht das bedeutungsvolle Gespräch nicht in allen Pursten mit historischer Treue wiedererzählt. Er leote darauf auch keinen besonderen Werth und war völlig mit dem Bescheide zufrieden, daß das Fräulein eventuell nicht abgeneigt sei, seine Gattin zu werden. Dennoch durchmaß er gesenkten Hauptes und mit vielen ParallelenFalten auf der Stirn das Aimmer: ihn quälte bezüglich der Heirath eine Sorge, eine wirklich ernste Sorge, die sich leider nicht in Zahlen ausdrücken und also auch durch ein Rechenexempel nicht bewältigen ließ. Diese Sorge war gesellschaftliche: Natur und sie wuchs riesengroß im umgekehrten Verhältniß zu der Nähe des Tages, wo er das entscheidende Wort mit der Zukünftigen reden sollte. Der Erfolg der Werbung stand außer Zweifel, aber die Werbung selbst war für ihn das Schreckliche. Ach, wenn er doch durch irgendeinen Zufall über die Erklärung, über, die definitive Aussprache unter vier Augen hinwegkommen könnte! Erstens nämlich gehörte er zu jenen gesellschaftlich unbeholfenen Menschen, denen es nicht gegeben ist, im Iichten, womöglich scherzhaften Plaertone eine ernsthafte Lebensfraae z behandein. Zweitens war er durchaus tlnj ehrlicher Kerl: er hätte um keinenPreis-l der Welt Phrasen von Liebe und Zärtlichkeit über die Lippen gebracht, wo er sich klar bewußt war, eine Ehe einzugehen. die unter Ausschluß jeglicher Herzensregung ihm lediglich der kühle, juristische Verstand dictirte. Drittens aber und das war das Schlimmste in seiner Lage besaß er trotz seiner vierzig Jahre im Verloben auch nicht ' die allergeringste Ucbung. Ein Mal, allerdings nur in einziges Mal, hatte man. was Amor nicht zu Stande bringen wollte, mit Bacchus Hilfe zu erringen versucht. Sie waren Alle in eine Weinstube gegangen, hatten sich, die Eltern, die Önkel, oie Tanken und die immer noch nicht Verlobten einander zugetrunken. Namentlich vor dem Amtsrichter verneigte man sich alle Augenblicke, hob das Glas, blinzelte ihn verständnißinnig' an. Einer von der Familie flüsterte heimlich: So Viele gegen Einen! 's ist eigentlich 'ne Feigheit!" Doch dem also Gefeierten kam der Vorwand zum Trinken ganz gelegen; er dankte und schluckte, nach allen Richtungen sich höflich verbeugend; denn er hoffte, heute endlich den rechten Ton und die rechten Worte zu finden. Aber im Gegentheil: nach zwei Flaschen Rheinwein wurde er stiller und immer stiller. Seine Augen bekamen einen feuchten Glanz. Schließlich betheiligte er sich überhaupt nicht mehr Ln ber Unterhaltung und blickte nur stumpfsinnig vor sich hin. Für die Tischgeoffen war's eine peinlich Situation. Der Zukünftigen blinkte eine Thräne an der Wimper. Stimmen wurden laut, die zum Auf bruch mahnten. Da plötzlich, gleich als ob er aus ei. nem Traume jäh erwache, richtete er mit entschlossenem Ruck den Oberkörper kerzengerade, warf den Kopf in die Höhe und rief mit männlicher kräftiger Baßstimme laut durch's Local: .Sect! Es wirkte dieser Ruf auf die Anwesenden wie tint Zauberformel. Sect! Sect! Sect!" tönte es im Echo wieder. ' Der Kellner servirte eine der feinsten Marken. Der Amtsrichter als Svender ließ die Pfropfen knallen und goß in die spitzen Kelchgläser das perlende Naß. Das Allgemeinbefinden hatte sich im Ru geändert. Heiterkeit begann zu herrschen, und wie er jetzt zum dritten Male sein Glas füllend, auf das Wohl meiaer Nachbarin, Fräulein Grethe". zu trinken aufforderte, galt es als eine ausgemachte Sache: " heute noch, vielleicht sszar bald, spätestens aber auf . dem Heimwege würde er mit ihr spreX'r sprach in der That mit ihr. Er sprach sogar fortwährend mit ihr. nur bvm öeirathen kein St,rhtnswörtchen.
Und man ging. Diejenigen, welche ihre Hoffnung auf den Heimweg gesetzt hatten, sahen sich enttäuscht. Der Amtsrichter begleitete Grethe nicht; er war selbst allzu sehr der Begleitung bedürftig. Ein discreter Herr, der für solche Situationen ein freundliches Verständniß besaß, nahm sich liebevoll des Ehecandidaten an. Eine Woche lang ließ sich der Amtsrichte? nicht blicken. Die Schwierigkeit der Werbung schien ihm nunmehr in's Unmögliche gewachsen zu sein. Da besuchte ihn ein Vetter von Grethe, erkundigte sich nach seinem Besinden, warum er sich denn nicht zeige, ob er etwa krank sei.Lieber Freund, um ganz offen zu sein: ich schäme mich!" Sie schämen sich, Herr Amtsrichter?" Ja, wegen deZ kleinen Schwipses von neulich, Sie wissen schon." , Aber gehen S,e doch, Herr Amtsrichter! Sowas kommt doch in den besten Familien vor! Ja, wenn's ein Bierrausch gewesen wäre! Aber so ein ganz klein wenig Sectstimmung du lieber Gott!" Sie meinen also, daß man mir nichts nachträgt?" Aber keine Spur, Herr Amtsrichter!" Nun ging er wieder auf Freierssüßen, ganz so planvoll und muthlos, wie früher. Aber das Mädchen, sei es aus eigener Entschließung, sei es, weil man auf sie eingewirkt hatte, nahm jetzt selbst ihr Schicksal in die Hand; sie gab die abwartende Stellung auf und ing zum Angriff über. Die Mama entwarf mit strategischem Geschick gleich mehrere FeldzugsPläne auf einmal, von denen besonders der eine Grethe's Billigung fand. Einige Tage später begegnete sie dem Amtsrichter auf der Straße. Er begrüßte sie, reichte ihr die Hand, fragte, ob er sie ein Stück begleiten dürfe. Mit Vergnügen! Sie erweisen mir sogar einen großen Gefallen; ich habe für Papas Geburtstaa einen Schaukelstuhl zu besorgen; möchten Sie mir auswählen helfen?" Gern, wenn Sie gestatten Sie plauderte lustiger, unbefangener als sonst, während sie nebeneinander hergingen. Dem Amtsrichter fiel das veränderte Wesen auf, ein gewisser schalkhafter Humor, welcher sich ihm, soweit seine philiströse Beamtennatur es zuließ, mitzutheilen begann. So kamen sie an ein großes Möbelmagazin, das Ziel ihrer Wanderung. Ich möchte einen Schaukelstuhl kaufen," sagte Grethe zu einem der jungen Leute. Sehr wohl. Was für ein Modell wünschen die Herrschaften? Deutsch, englisch, französisch oder amerikanisch? Vielleicht sehen sich gnädige Frau einmal was Amerikanisches an? Sehr zu empfehlen!" Grethe blinzelte den Amtsrichter an. Der machte ein Gesicht wie Jemand, der gern' dreinreden möchte und doch nicht darf. Der Verkäufer begriff sofort, daß es hier allein darauf ankam, das Wohlwollen der Dame zu captiviren; für den Mann, der sicher ein Pantoffelheld war, genügten ein paar verbindliche Floskeln nachher, wenn's an's Bezahlen ging. Wenn sich die gnädige Frau vielleicht mal in den Rocktngchair setzen wollen? Ich bin überzeugt, die Figur der gnädigen Frau würde sich außerordentlich gut darin ausnehmen." Grethe setzte sich in den Schaukelstuhl, den der Amtsrichter auf- und niederwippte. .. Ich werde ihn nehmen," sagte sie. Was kostet er?" Dreißig Mark." Der Commis verneigte sich diesmal vor dem Amtsrichter, welcher unschlüssig mit den Händen in den Hosentaschen herumfingerte. ' Nein, nein, das Bezahlen ist meine Sache!" Grethe zog das Portemonnaie heraus. Na, so was!" dachte der Verkäufer, sogar das Geld hat sie unter sich!" Unter vielen Complimenten strich er die drei Goldstücke ein. Wollen sich die Herrschaften nicht einmal in die Ausstellung hinausbemühen? Es sind gestern wunderbare Sachen aus der Fabrik angekommen." Ohne eine Antwort abzuwarten, tänzelte ihnen der auf seine Tantiemen erpichte Verkäufer durch verschiedene luxuriös, aber stillos eingerichtete Zimmer voraus, um schließlich in einem Roeocosalon,der pice de rdsistance, stehen zu bleiben. Siolz, mit der Miene eine Triumphators. wartete er, bis sich das Paar genähert hatte. Darauf beschrieb er in weiter Geste einen halbkreisförmigen Bogen mit dem rechten Arm und sagte weiter nichts als: 4000 Mark!" Grethe schwieg, der Amtsrichter infolge dessen auch. Die Herrschaften können übrigens genau denselben Salon, nur etwas weNiger elegant, für 3000 Mark haben?" Die Dame und nach ihrem -Vorbilde der Begleiter schüttelten die Köpfe. Nicht? Dann werde ich mir die Freiheit nehmen, Ihnen etwas Anderes zu zeigen." Sie wollten Einspruch erheben, doch da war er auch schon vorweg geeilt und da sie aus dem Labyrinth von Zimmern den Ausgang nicht wußten, so blieb , ihnen weiter nichts übrig, als zu folgen. An ter Schwelle einer geschlossenen Thür harrte ihrer der Führer. Er öffnete und sie befanden sich in einem reizend eingerichteten Schlafgemach. Wie gefällt Ihnen das, gnädige Frau?" Gut!" klang es schüchtern zurück. Und dem Herrn Gemahl?" . Der Amts riebt räulverte ft6 ein
mal, zweimal, dreimal, dann bestätigte er nickend: Gut, wirklich sehr gut!" Nicht wahr? Das will ich meinen. Und ich könnte Ihnen ausnahmsweise einen exorbitant billigen Preis dafür machen. Die Einrichtung wurde auf Bestellung angefertigt, der 5lavf aber durch ein Reugeld wieder rückgängig gemacht. Den Herrschaften würde das Reugeld zugute kommen: bedenken Sie, 1500 Mark, statt 2060! Ich kann's laut Factura nachweisen. Die Verlobung ging ein paar Tage vor d:r Hochzeit zurück; aus diesem Grunde " Welche Verlobung?" fragte Grethe neugierig. Nun, eben von dem Paar, das dieses Zimmer gekauft hatte. Der Bräutigam soll gesellschaftlich ein so ungeschickte? und unbeholfener Mensch geWesen sein, daß die Braut noch in der zwölften Stunde auf die Heirath verzichtete." Hm, ich ich kaufe die Einrichtung!" rief plötzlich ganz unvermittelt der Amtsrichter, indessen, ich ich brauche sie nicht augenblicklich; es können immerhin einige Monate vergehen, bis ich die Möbel abholen lasse." Das macht ja nichts, mein Herr! Auf welchen Namen, wenn ich bitten darf?" Amtsrichter Raksch Der Commis notirte den Namen. Sehr Wohl, Herr Amtsrichter, ich danke!" Grethe sah ihn erstaunt an, der Amtsrichter lüftete grüßend den Hut, und der Commis begleitete mit einem tiefen, tiefen Bücklinz die Beiden zum Ausgang. Auf der Straße gingen sie eine Weile schweigend neben einander her. Das Mädchen verbiß sich gewaltsam ein Lachen. Sie waren an Grethe's Wohnung angelangt, der Amtsrichter verabschiedete sich ganz so wie sonst, nui mit einem etwas kräftigeren Händedruck. Nun. hat er sich endlich erklärt?" erkundigte sich oben die Mama. Nein, aber das Schlafzimmer haben wir eben gekauft, Mama!" Da umarmte die Mutter ihr Kind, küßte es, gratulirte und gab ihren Segen. Wie einer Vegetarier wurde.
Herr Schwämme! litt seit einer Reihe von Jahren an heftigen Magenschmerzen, welche von Zeit zu Zeit krampfartig auftraten. Er hatte bereits viele Aerzte konsultirt, doch keiner konnte ihm helfen. Da las er eineS Tages in derZeitung, daß ein Professor 3E.. eine auf diesem Gebiete berühmte Autorität, wiederholt mit dem besten Erfolge schwierige Magenopcrationen ausgeführt habe. Auf das Zureden seiner Freunde ließ sich Herr Schwämme! überreden, den genannten Professor zu konsultiren. Eines Tages packte er also das Nothwendigste zusammen, fuhr nach der Univertätsstadt und stattete dem Professor seinen Besuch ab. Der untersuchte ihn auf's genaueste und meinte darnach: Ja. mein lieber Herr Schwämme!, hier hilft nur eine gründliche Operation. Wollen Sie sich der selben unterziehen?" Schwammel, auf den der Professor einen Vertrauen erweckenden Eindruck gemacht hatte, erklärte sich damit einverstanden, und der nächste Tag wurde dazu bestimmt. Die Vorbereitungen waren beendet. Schwammel wurde narkotisirt, und nun begann die Operation. Der ganze Magen wurde herausgenommen und, während der Professor weiter untersuchte, einstweilen auf einer Tablette bei Seite gesetzt. Ein unglücklicher Zufall woll!e es, daß Tyras, des Professors treuer Hund, seinem Herrn nachgeschlichen war und sich unter den Operationstisch verkrochen hatte. Als dieser den bei Seite gestellten Magen sah, dachte er nichts anderes, als es sei etwas für ihn, und schnappte ihn weg. Zu spät hatten dies der Professor und sein Assistent bemerkt. Was nun thun? Der Herr Professor faßte einen gemalen Eindruck: Schleunigst hieß er einen Ziegenmagen herbeischaffen, den er regelrecht an Stelle des verschwundenen einnähte. Die Operation war somit glücklich verlaufen und nach einigen Stunden kam Schwämme! wieder zu sich. Es dauerte auch gar nicht lange, so verspürte er Appetit, jedoch nichts wollte ihm schmecken, er ließ schließlich alles stehen, nur ein eigenthümliches Vulangen hatte er, nämlich nach Gras. Der Professor war rathlos. Schwammel war' zwar der Schmerzen los, aber zugleich auch seines Magens, so daß er durch den Ersatzmagen einer Ziege gezwungen war, nichts weiter als Gras zu genießen, und hatte er einmal Hunger, so daß der Magen knurrte, so hörte man statt dessen ein deutliches Meckern, aus seinem Leibe herausschallen. Glossen.' Selbst die Phrase der Liebe: Ich küsse den Saum Ihres Kleides", ist gegenüber einer Radlerin unmöglich, die Pumphosen trägt. Die Frauen mögen sich noch so sehr emancipircn, bei ihrem Bart werden sie doch nie schwören können. Wie würden die Menschen nach Neapel strömen, wenn das Wort: Neapel sehen und nicht sterben" lautete! IZis dar, qui cito dar, aber Mancher gibt schnell, um die Hälfte zu sparen.' Eine alte Schachtel birgt oft Werthvolleres als ein junges Mädchen. Es ist ein wahres. Glück, daß auch solche Frauen fchriftstellern, welche schreiben, können. Aus Schmeichelkätzchen werden nicht selten Tiger. Mit einer Frau anbinden, heißt meist: sich selbst anbinden.
Kompagnie-EXerzieren. Humoreske von Freiherr v. Scklicht. Schon zu Josephs Zeiten waren sich die Schaffner der elektrischen Straßenbahnen darüber einig, daß zwischen einer Litfaßsäule und einem Saugpfropfen für ungeborene Zwillinge absolut keine Ähnlichkeit vorhanden sei. und ebenso einig sind im aufgeklärten neunzebnten Jahrhundert alle Menchen sich darüber, daß das Soldatenfccn wenig oder gar keine Abwechslun,i b!e!?t. Das Leben des Soldaten Ist an Zerstreuung knapp, Erst nimmt man Gewehr über Dann nimmt man Gewehr ab. Schön ist der Vers ja gerade und ungerade nicht geworden, aber es ist doch wenigstens einer und Einer ist für manche alte Jungfer immer besser als Keiner, besonders wenn er hübsch, jung und reich ist. Doch nicht davon wollte ich sprechen, sondern von etwas Anderem. Kürzlich saß ich mit einem früheren Kameraden beim Pilsener Bier; wer mich persönlich kennt, weiß, daß ich solche Sitzungen sehr ernst und gewissenhaft nehme. Also wir saßen und saßen und tranken und tranken und sprachen von Lust und Liebe, von Hunden und jungen Pferden, nein, von Pferden und jungen Hunden, und wie das Leben doch fo traurig sei und wie die Anna süß wäre und wie schön die Bertha tanzte und wie herrlich es doch eigentlich sei. Officier zu sein. Du meinst, weil alle kleinen und großen Mädchen sich in Euch verlieben?" fragte ich. ' O. nein." gab er zur Antwort, deshalb nicht, aber ich kann mir keinen schöneren Stand denken, keinen Beruf, der mehr Abwechselungen bietet, als gerade das Officrersein." Nanu?" fragte ich und machte ein Gesicht wie die'Kuh, die aus Versehen den Milcheimer, in den sie gemolken werden soll, verschluckt hat. Das ist doch ganz klar," sagte mein v!3-a-v!s, zuerst exerziren wir Rekruten. dann exerziren wir im Zug und dann in der Compagnie, um später im Bataillon und bald darauf im Regiment und in der Brigade zu exerziren: sind wir damit fertig, fängt das Manöver an. und ist das Manöver aus, fangen wir mit den Rekruten wieder an. Mehr Abwechselung kann man doch nicht verlangen." Ist das Dein Ernst?" fragte ich. Natürlich," sagte er. glaubtest Du, es wäre mein Friedrich?" Solche Witze verbat schon Methusalem sich, und Alexander wurde schon wegen derselben Redensart aus einem Bierhause hinausgeworfen," rief ich empört, nun aber fage mir. bei welchem Theil Eures abwechselungsreichen Programms seid Ihr denn jetzt angekommen?" Da warf er sich stolz in die Brust, daß die Knöpfe des Waffenrockes sprangen, und sagte wichtig, wie es nur ein Lieutenant sagen kann: Jetzt exerziren wir in der Compagnie. Kellner, noch ein Pilsener." Nummer sechzehn," sagte der Piccolo,' als er das frisch gefüllte Glas wieder hinsetzte der begriff, daß mein Begleiter etwas sonderbare Ansichten hatte. Nach einer weiteren Stunde erhoben wir uns. Länger kann ich leider nicht bleibn, jetzt ist es drei Uhr, uxti sieben Uhr treten wir schon an." Trete glücklich," gebe ich zur Antwort. Kommst Du nicht ein bischen heraus, um Dir die Sache anzusehen?" Ich winke dankend ab. Kennen wir, nihil novi subter solera, das heißt, auf deutsch: ein Soolei ist kein Nilpferd. Nein, mit gehe ich nicht, aber im Geiste will ich Dich begleiten, wenn auch nicht bis an der Welt Ende, so doch bis an's Ende des ExerzirPlatzes." Ein schwerer Seufzer entringt sich seiner Brust: Du, der ist lang." ' Ich weiß, sechzehnhundert Meter, ich kenne ihn. oft genug bin ich sprungweise über denselben gelaufen." Er faßt meine Hand: Bitte, sprich jetzt nicht davon, laß mich wenigstens bis morgen früh um sieben Uhr glücklich sein." Ich bin kein Unmensch, wenn ich auch kein Engel bin ich lasse ihn glücklich sein bis sieben Uhr. Jetzt ist es sieben. ' -Es thut mir leid für den Schläfer, aber ich kann nicht länger warten, denn sonst wird dies Feuilleton noch länger, als es so wie so (man kann auch sagen: wie so so) schon wird. Als die Herren Lieutenants um sieben Uhr den Kasernenh'of betreten, rangirt der Feldwebel die Compagnien. Zu Vieren abzählen." Eins. zwei. drei, vier, eins zwei, drei, vier, eins, zwei, drei, vier," geht das mit. der Geschwindigkeit einer durchgehendenSekundärbahn vom rechten bis zum linken Flügel. So, nun ist Alles in Ordnung, die Züge, Halbzuge und Sektionen sind eingetheilt, das Spiel kann beginnen.' Die Herren Lieutenants stehen vor der Front und warten auf' den Herrn Hauptmann. Wollen wir nicht den Anzug nachsehen?" fragt der Jüngere den Aelteren. I wo." lautet die Antwort, ist ja Unsinn, besser wird der Anzug davon roch n'cht, ich habe kkM'Lust, aler wenn es Ihnen Äergnügen macht " Absolut nicht." Na, dann sind wir uns ja mal wieder einig, bitte, pehen Sie einmal einen Augenblick still, damit ich Sie auf Vordermann aufbauen kann, ehe, nun: Einö, zwei, drei, nun linksum Kehrt,
Seht, da naht das Hauptmannspserd, Oben drauf ein kühner Reiter, Wie geht dieser Vers nur weiter?" Der Herr Premier hat diesen alten Reim seinem jüngeren Kameraden vorgesagt, nun läßt er Stille stehen" und meldet. Ich danke sehr, haben die Herren den Anzug nachgesehen?" Beide deuten durch ihre Gesten an. daß sie die Sache unbegreiflicherweise total vergessen hatten. Bitte, denken die Herren in Zukunft daran, heute wollen wir es nur so lassen. Ich bitte, einzutreten." Stillgestanden, das Gewehr . über mit Sektionen vom rechten Flügel abmarschirt Bataillon marsch!" Es marschirt die Compagnie zum Thore hinaus ade, Kameraden die schauen zum Fenster hinaus ade, Und wenn es soll ezerzirt sein. Laß Deine Compagnie es sein ade, ade, ade." Nach den Klängen des Federviehs geht es durch die Straßen der Stadt, endlich kommt das Commando: Abgeschlagen, Marschordnung.Das heißt auf Deutsch: Jetzt alle Mann die Pfeifen 'raus. Denn Tabak ist ein Götterschmaus.Die Herren Lieutenants zünden sich eine Cigarre an; um Feuer zu bekommen, gehen sie, dem Verbote entgegen, auf den Bürgersteig, bleiben dort einen Augenblick stehen, zünden sich ein Streichholz an und gehen dann auf dem Trottoir weiter. Meine Herren, das geht nicht, Sie müssen auf dem Fahrdamm gehen." Dem Herrn Premier ist das sehr unangenehm: erstens hat er sehr chike Lackstiefel an, zweitens hat er sehr wenig chike Hühneraugen und drittens hält er es unter seiner Würde, auf dem Fahrdamm zu wandern und sich von den vorüberrollenden Wagen bespritzen und beschmutzen zu lassen. Ein Premier ist manchmal noch frecher als Oscar. He?r 'Hauptmann, verboten ist es ja zwar, aber es sieht ja Keiner." Es könnte aber Jemand sehen, meine Herren, ich muß sehr bitten, den Bürgersteig freizumachen." Dem Herrn Premier ist plötzlich die Cigarre ausgegangen; er bleibt stehen, er will den Abstand zwischen sich und seinem Hauptmann verringern, aber der Kapitano ist schlauer, als sein Unterthan glaubt, er hält sein Roß an und bleibt neben seinem Lieutenant stehen. Nicht wahr, Herr Premier, Sie kommen auf den Fahrdamm und zwingen mich nicht. Ihnen den Befehl hierzu ertheilen zu müssen?" Dann hilft das nichts, also herein mit den Lackstiefeln in den Straßenschmutz. Nach einer Stunde hat man den Exerzierplatz erreicht so weit das Auge reicht, kein Mensch da. Der ganze Platz ist leer. Die Ansichten bei diesem Anblick sind verschieden: der Herr Hauptmann denkt: Na, nun kann ich meine Compagnie einmal ordentlich exerziren;" die Herren Lieutenants denken: Das wird ein genußreicher Vormittag werden;" die Unterofficiere sehen sich verständnißinnig an und ein braver Musketier sagt zu seinem Nebenmann: Hein, mi dhaun nu all miene Knaken weh (Heinrich, mir thun jetzt schon meine Knochen weh). Aufhören zu rauchen," ruft der Hauptmann. Jeder, macht noch einige gewaltige Züge, so daß die Compagnie für einen Augenblick ist eine dichte DampfWolke gehüllt ist, dann trennt er sich schweren Herzens von seinem Nasenwärmer. Bitte die Herren, einzutreten Tritt gefaßt. Links, links, links. Hi i i her das ist gar nichts links links so wirds werden. Meier, tragen Sie Ihr Gewehr besser links, links, runter mit den Fußspitzen, wozu habt Ihr denn die Dinger, links links Herr Lieutenant. Sie gehen nicht geradeaus, das ist nichts, das ist noch weniger als gar nichts, das wollen wir noch einmal machen zurück, marsch, marsch." Und der Hauptmann jagt seine Compagnie nach dem Eingang des' Exerzirplatzes zurück. Ohne Tritt marsch. Tritt gefaßt, Jungens, daß Ihr Euch anstrengt! Und wenn es zwölf Uhr Abends wird, ich gehe nicht eher mit Euch nach Hause, als bis die Sache so geht, wie ich es haben will." Diese Aussicht ist wenig verlockend, denn so Mancher hat sich mit seinem Rautendelein zum Abend am Brunnen verabredet und findet den Aufenthalt dort angenehmer und leichter als hier auf dem Exerzirplatz. So spucken sich die Jungens denn heimlich aus die Beine und werfen die linken Kommißbeine, daß es kracht. Und voll Bewunderung sieht der Häuptling, wie seine Leute sich anstrenaen wie ihnen der Schweiß auf der Stirn perlt, und voll Selbstgefühl fegt er' zu sich: Ich bin doch ein ganzer Mann!" Marschirt auf Lieutniants, . Unterofficiere und Mannschaften stöhnen in unnennbarem Weh: sie wissen, was jetzt kommt. Der weise Mann sucht, das kommende Unheil abzuwenden, der Soldat kann das nicht, der halt still, wie der Vorgesetzte will, er neigt sein Haupt und macht sich auf das Commando gefaßt. Marsch, marsch." Der Herr Premier setzt sich in Bewegung, es wird ihm sauer, er ist nicht mehr der Jüngste, aber laufen muß et, als wenn er zwanzig wäre, er stöhnt wie eine Lokomotive, der die Puste ausgegangen .ist, aber was.hilst's.er
muß mit, und so commandirt er sich denn im Stillen: Eskadron Galopp marsch." Und wie er, so lausen mit Ausnähme der ersten Sektion, die geradeaus weiter marschirt, alle anderenMitglieder der Compagnie Vergnügen dran hat KiKa Keiner. Nun kommt der mit Recht so beliebte Frontmarsch. Den kann Keiner. Den kann auch Keiner können. Aber man soll ihn können können. Hils! Samiel hilf! Der Meier, der Lümmel, geht wieder nicht gerade aus." Der Meier, der Lümmel, will es so gern, aber sein rechter Nebenmann schubbst ihn nach links, und der linke schleudert ihn mit einem Bannfluch nach rechts; so schwankt nicht nur sein Charakterbild, sondern der ganze Kerl in der Geschichte, und die Geschichte" taugt nach Ansicht des Herrn Hauptmanns gar nichts. Feldwebel, schreiben Sie mal den Meier zum 'Nachexerziren auf." . Ein angenehmerer Auftrag konnte dem Feldwebel gar nicht zu Theil werden. er hat nämlich schon lange keinen Spaß" mehr. So steckt er denn seinen Spieß in die Erde, holt möglichst umständlich sein Notizbuch heraus, spitzt sich die Bleifeder an und bringt den Fall zu Papker. Die Compagnie marfchirt unterdeß ruhig weiter. In angemessener Entfernung folgt der Feldwebel. Den Hansen auch," ruft der Hauptmann. Ein zufriedenes Lächeln umspielt den Mund der Mutter der Compagnie, nun ist er fein heraus", nun ist der Alte" in der Fahrt, nun hagelt es nur so mit dem Nachexerziren. Alles muß der Feldwebel aufschreiben folglich kann er nicht eintreten. Bataillon Halt. Gewehr ab. Rührt Euch." Die Kerls schieben sich ihren Asfen" zurecht.den sie auf dem Puckel tragen, lüften für einen Augenblick den Helm, schnappen nach Luft und bereiten sich auf neue Heldenthaten vor. Stillgestanden. Rührt Euch." Das Stillstehen taugt nichts." tadelt der Herr Hauprmann und die Kerls denken: Da hat er Recht, das Stillstehen tauzt nichts, das Ruhen ist viel bequemer." Stillgestanden." Das war schon besser, aber schon ist es noch lange nicht. Das Gewehr über. Ohne Tritt marsch." Die Compagnie tritt an, die Leute wissen ganz genau, was jetzt kommt, nun kommt das Formiren der verschiedenen Formationen." Nun geht's los. Compagniecolonne formirt marsch, marsch." Marschirt auf marsch, marsch." Rechts Compagniekolonne formirt marsch, marsch." Links marschirt auf rnarsch, marsch." Es ist ein altes, aber wahres Wort," stöhnt der Herr Premier, der Soldat hat auf Erden keine Ruhe, er hat keine- Stelle, wo er sein müdes Haupt hinlegen kann. Bald ist man hier, bald dort, man wird in der Welt herumgeschickt, als hätte man einRundreisebillet. aber man hat' auf keiner Station Aufenthalt. ", Bitte, Herr Lieutenant, ' schlafen Sie nicht." ' Schlafen? Schlafen bei dem Tempo, in dem er seit fünf Minuten wie ein ins Rollen gekommener Syrupstopf über den Exercierplatz fährt? Und doch hat er gedöst, er hat nach dem letzten Commando nur halb hingehört, so ist er für seine Person ganz allein rechts aufmarschirt, während die ganze übrige Compagnie nach links lief.' Aber, Herr Lieutenant," tadelt der Herr Hauptmann. Mein Gott, warum soll ich nicht auch einmal eine Dummheit machen," denkt der Herr Premier, wenn ich Jhnen jedesmal, wo ich mit Ihrem Thun und Treiben nicht einverstanden bin, ein Aber, Herr Hauptmann" zurufen würde, müßte' ich mir alle acht Tage auf Compagniekammer neue SprachWerkzeuge verpassen." Kerls, seid nicht so dösig." donnert der Capitano. Der Zug des Herrn Premier hat erst jetzt bemerkt, daß sein Anführer nach rechts gelaufen ist.sie sind zu wohl erzogen, um ihrem Herrn und Gebieter eine Dummheit zuzutrauen, so denken sie, wo der Lieutenant ist, da wohnt d2s Glück, da ist es richtig, und sie machen sich auf den Weg, um sich um ihren Führer zu schaaren. Sftr seid ja dümmer als oumm." Diese wenigen Worte nimmt der Herr Premier sehr übel, dem seine Leute wollen doch nur thun, was auch er gethan hat, und baß siine Thaten vor versammeltem Kriegsoolk so beurtheilt werden, ist ihm sehr unangenehm. Rührt Euch." Dieses Commando söhnt ihn wieder mit seinem Geschick aus der Hauptmann ist doch zin ganz verständiger Herr. - Aber selbst das Rühren eines Eierkuchens dauert nicht ewiglich,' geschweige .denn das Rühren eines Soldaten. Stillgestanden. Wir wollen jetzt die Griffe durchnehmen, wenn sie gehen, gehen wir in einer halben Stunde nach Haus." 5113 der Herr . Premier das Wort Griffe-. hört, denkt er: Der Capitano ist nicht nur ein verständiger, sondern sogar ein sehr verständiger Herr." Er peckt sein Schwert in die Scheide und tritt aus der Front. Verwundert sieht lein Hauptmann
ihn an: Ich bitte einzutreten, HerrLieutenant; ich erinnere mich nicht, das Gegentheil befohlen zu haben." Das hast Du allerdings nichts denkt im Stillen der Herr Lieutenants aber es ist doch bei jedem einigermaßen verständigen Hauptmann Motr daß die Ofsiciere bei den Griffen austreten. Was ich dabei noch lernen so?, ist mir noch dunkler als das Telegraphiren ohne Draht, von dem ich genau, so viel verstehe, wie ein .Vuschmanrr von der flüssigen Luft. Seit vierzehn Jahren bin ich nun schon Lieutenant und habe die besten Aussichten, es uck noch einige Jahre zu bleiben, wenn ich nun noch nicht mit meinem Sabul Gewehr über, Gewehr ab" nehme kann, müßte ich ja wirklich wegen Ue berfluß an geistigem Blödsinn in'S Irrenhaus gesperrt werden." Herr Lieutenant, Sie halten Ihren Säbel falsch, die Schneide muß genau nach vorn zeigen." Während der Herr Premier im In nern seines Herzens das Blaue vour Himmel und seinen Vorgesetzten beinahe vom Pferd herunterräsonnirt hat er mechanisch einen Griff nach dem. anderen gemacht, leider ohne sich dieZufriedenheit seines Hauptmanns zu erwerben. Das ärgerte den Herrn Premier ge. waltig, besonders als sein Capitano nun auf ihn zureitet und ihm die Griffe vormacht. ' Nun ist er zum zweiten Male von versammeltem Kriegsvolk blamirt. - Werden Sie es nun können, HerrLieutenant, oder soll ich es Ihnen nccr einmal zeigen?" Der Hauptmann merkt ganz genau daß sein Lieutenant ihn ärgern will aber wenn er auch von seiner Schuld zeit her nicht mehr viel behalten hat. so kennt er dennoch das Wort: Wie Du mir, so ich Dir." So ärgern sie sich gegenseitig an. Endlich ist die halbe Stunde vorüber. Und nun, Jungens, noch einen Pa rademarsch, nur einen einzigen, ber tu nen guten, dann gehen wir auch ganz, bestimmt nach Haus." Die Botschaft hör' ich wohl. Allein mir fehlt der Glaube." denken die Lieutenants mit für ihreLeute, die von Faust" weiter nichts wissen, als daß man dafür beim Mili. tär Müschüppe" sagt. Ich bin wohlerzogen genug, um mengen dieses furchtbar schwachen Versuches, einen Witz zu machen, um Verzei-. hung zu bitten. Nur ein Parademarsch, aber ein. guter," ebenso gut könnte man sagen:: Nur einen Luftballon, aber einen lenk baren, oder nur' ein Schmücke" ohn Dein Heim". Das giebt's aber nicht auf dieserThränenwelt, wo es so Vieles giebt,, was es nicht giebt. Als die Compagnie sechszig Parademärsche gemacht hat, fängt den Bethet ligten die Sache an langweilig zu werden. Wer es ihnen verdenken kann, werfe: den schwersten Stein auf sie. Nun, es geht eben nicht, es geht nicht," tröstet sie der Hauptmann, das schadet aber nichts, das werden wir schon noch lernen, da könnt Ihr ganz ruhig sein, und zwar lernen wir es heute noch. Feldwebel, was ist heute Mittag für Dienst angesetzt?" Von zwei bis vier Uhr Turnen Herr Hauptmann." So melden Sie Dienstveränderung' schreiben Sie: Heute Mittag 2 UhrAbmarsch der Compagnie nach deru Exerzirplatz zum Exerziren und ipara demarsch-Ueben." Der Hauptmann spricht, der Fcld webel schreibt und Alles stöhnt. Lieber Pilsener Bierbruder, hältst Du noch Deine Behauptung aufrecht daß kein Beruf so reich an Abwechslungen sei als der Deinige? Dann ist Dir nicht zu helfen, aber auf Dein Haupt müßte eine Prämiegesetzt werden, mit der, frei nach Schil--ler einer armenFamilie geholfen wer-, den könnte. Metallglänzcttdes Holz. Ein eigenartiges und gewiß werthe volles Verfahren, um gewöhnlichern Holz ohne Schädigung seiner nalürld chcn Eigenschaften den Glanz von 3Jlt iaU zu verleihen, wird in den Pariser Annales Foretieres" beschrieben. DaZ. Holz wird je nach seinem Gewicht 3 oder 4 Tage lang in eine ätzende alka lifche Lösung, z. V. von caleinirter Soda, bei einer Temperatur von 1590 Grad gelegt. Dann kommt es so fort in ein Bad von Calciumhydrosu5 fit (wasserhaltigem schwefligsaurrru Kalk), dem nach 24 36 Stunden eine g:sältigte Lösung von Schwefel in Aetzkali hinzugefügt wird. In dieser Mischung Wird das 5olz 43 StundM bei 3550 Grad Celsius belassen. Man kann aus dieserBeschreibung tzi nehmen, daß das Verfahren etwas um ständlich ist und besonders viel Z:i! beansprucht, der Erfolg soll aber übcr raschend sein. ' Wenn das so zuberei tete Holz, nachdem es bei mäßigcrTcui-. peratur getrocknet worden ist. mittels eines Glätteisens polirt ist, so nimmtes an der Oberfläche einen sehr metallischen Glanz an. Dieser Metallglänz wirkt noch mehr täuschend, iztzn: das Holz mit einem Stück Blei. oder Zink gerieben wird. PJ,Ur: Zaires danach mit einem Polirstein ' auS Glas oder Porzellan, so gewinnt da Holz gradezu das Aussehen eines izt tallenen Spiegels, wodurch sich nalür lich schöne Wirkungen in Holzarbeite erzielen lassen. Dabei bleibt das Holz sehr fest und widerstandsfähig. VorGerZcht. Nichter: Wie alt sind Sie, mein Fräulein?" Frl. Aeltlich: Ich zähle zweiundzwanzrJ Jahre." Richter: Schön, und Xsiz viel: statte zäblm Sie nichts -
