Indiana Tribüne, Volume 21, Number 361, Indianapolis, Marion County, 18 September 1898 — Page 3
Auf M Mr.
Noman von Ludwig Habicht. 1. Die alte berühmte Maschinenfabrik von Hammers & Sohn hat heute ihre Zahlungen eingestellt. Die Fabrik ist außer Betrieb gesetzt. Beinahe hundert Arbeiter sind dadurch plötzlich brotlos geworden. Der allgemein geachtete Inhaber der Fabrik, Herr Adolf Hammers, ist schwer erkrankt: man spricht von einem Schlaglnfall. Die Passiva sollen die Aktiva um mehr als eine Million übersteigen." Der ältliche hagere Herr, der an seinem kleinen Frühstüöstische soeben die Morgenzeitung überflog, starrte voll Entsetzen aus dasBlatt; er glaubte nicht recht gelesen zu haben. Es war ja unmöglich, es mußte eine Täuschung seiner Sinne sein! Adolf Hammers, sein Schwager, einer der reichsten und angesehensten Industriellen der Nachbarprovinz bankerott?! Wankte der Boden unter seinen Füßen? Dem Lesenden war es wenigstens, als ob sich vor seinen, unruhig zuckenden Augen alles hin und her bewege. Der unerwartete Zusammenbruch des Schwagers riß auch ihn mit in den Abgrund. Hatte er ihm doch erst vor wenigen Tagen ein Gesälligkeitsaccept über 300.000 Mark gegeben, in der t sten Ueberzeugung, daß Adolf schon zur rechten Zeit den Wechsel einlösen werde. Auch er hatte den Credit des Schwagers im ausgedehntesten Maßstabe und zu jeder Stunde in Anspruch nehmen dürfen, war er ja erst durch seine nahe Verbindung mit dem sicher begründeten Hause Hammers & Sohn zu Ansehen und Vermögen gekommen. Vor dreißig Jahren war Rudolf Böster noch ein armer Buchhalter geWesen, der außer seiner stattlichen Figur, seinem rastlosen Fleiß und seiner Intelligenz nicht s weiter besaß als jugendliche Hoffnungen. Da hatte die älteste Tochter des damals schon reichen Fabrikbesitzers Hammers an dem schmucken jungen Manne ein solche? Gefallen gefunden, daß sie sich von ih rem Vater die Einwilligung zur Heirath mit Rudolf Böster zu erschmeicheln und zu ertrotzen gewußt hatte. Der alte Herr würde indeß seine Zustimmung trotzdem wohl kaum gegeben haben, hätte er nicht dessen Fleiß und Begabung schätzen gelernt; er hatte seiner Tochter auch eine für die damaligen Verhältnisse ziemlich bedeutende Mitgift gewährt daran aber die für einen Kaufmann recht beschränkenden Bedingungen geknüpft, daß dieses Geld für immer in dem Fabrikgeschäft verbleiben müsse und der Schwiegersohn nur einen Zinsgenuß davon haben solle, der auf sechs Procent festgestellt worden war. Auf diese Weise war die Summe auch der Firma Hammers verblieben, als der alte Herr sich zur Ruhe gesetzt, und sein Sohn Adolf die Weiterführung der Fabrik übernommen hatte. Obwohl nun Rudolf Böster von dem alten Hammers kein Geld in die Hände bekommen hatte, war es ihm doch gelungen. in der Hauptstadt ein Bankgeschäst zu gründen; der Credit, den er durch den in der Geschäftswelt hochgeachteten, reichen Schwiegervater genoß, hatte hingereicht, ihm den Weg - zu eigenem Reichthum zu ebnen. Großer Fleiß wie ungewöhnlicher Scharfblick und strenge Redlichkeit hatten seinem anfangs unbedeutenden Geschäft einen guten Ruf verschasst, und wenn der Bankier sich noch immer nicht zu den Millionären zählen durfte, so wurde ihm doch von vielen Seiten ein solches Vertrauen geschenkt, wies weit bedeuiendere Bankhäuser kaum genossen. Und Rudolf Böster durfte sich auch bisher mit ruhigem Bewußtsein sagen, daß er dies Vertrauen vollkommen verdiene. Ach, und nun lag der stolze Bau. die Frucht der Mühe und Sorge von dreißig Jahren, plötzlich in Trümmern! Wenn er die 300.000 Mark decken mußte und die Mitgift seiner Gattin verloren ging, dann blieb ihm, nachdem er seinen ehrlichen Namen gerettet, nur ine Summe übrig, mit der er sich auf kurze Zeit über Wasser halten konnte! Aber war es denn nicht möglich, sich mit dem geringen Rest seines Vermögens wieder' emporzuarbeiten? Hatte er nicht sozusagen mit nichts angefangen und dennoch sich auf diese Höhe gebracht? Ja, vor dreißig Jahren, da ließen sich noch Geschäfte mit geringen Mitteln begründen, und das Ansehen des reichen Schwiegervaters hatte ihm über alle Schwierigkeiten hinweggeholfen, aber heute war eine solche Stütze nicht mehr vorhanden; sein Schwager war bankerott, und für ihn gab es ebenfalls keine Rettung. Woher sollte er nur die Summen nehmen, deren er schon in allernächster Zeit bedurfte? Er hatte seiner Tochter eine Mitgift von 60.000Mark versprochen; die? war ja anscheinend wenig, denn seine Vermögensverhältnisse wurden weit überschätzt: man hielt ihn allgemein für einen mehrfachen Millionär. Aber ohne ein verwegenes glückliches Spiel an der Börse erwirbt man nicht sg leicht Millionen, und Bankier Böster yatte sich bisher von allen gewagten Börsenspekulationen grundsätzlich ferngehalten. Seine Tochter war bei der Wahl ihres zukünftigen Gatten einer HerzensNeigung gefolgt, und er hatte ihr nicht entgegentreten wollen, obwohl er vor aussah, daß sein geliebtes Kind nicht gerade in die glänzendsten Verhältnisse rommen werde. Ihr Verlobter. Gustav Schramm, war der älteste Sohn eines Mannes. der im Osten Berlins eine kleine Wollwaarenfabrik besaß, mit derm Ertrag
er seine ziemlich zahlieiche Familie redlich, aber bescheiden durchgebracht hatte. Der Sohn sollte jetzt die Fabrik übernehmen, seinen Geschwistern sogleich die Summe von 60.000 Mark herauszahlen und den Eltern eine kleine Rente aussetzen. Böster hatte sich bereit erklärt, seiner Tochter diese 60.000 Mark als Heirathsgut mitzugeben, aber seinem Schwiegersohn offen gesagt, daß er zu einer größeren Summe sich nicht verstehen könne, weil er in der nächsten Zeit auch seinen Sohn mit reichlichen Mitteln ausstatten müsse. Letzterer war Architekt geworden, hatte seine Prüfungen glücklich hinter sich und wollte sich nun binnen Kurzem als Baumeister auf die eigenen Füße stellen. Gustav Schramm hatte sich mit der ihm zugesagten Mitgift völlig zufrieden erklärt und durch sein Benehmen in dieser Angelegenheit einen sehr gllnstigen Eindruck auf den Bankier hervorgebracht. Hatte dieser sich auch gesagt, daß sich für seine Tochter noch ein anderer Mann gefunden haben würde, der ihr ein glänzenderes Loos hätte bieten können, so wußte er doch die ehrenwerthen Eigenschaften des jungen Mannes vollkommen zu würdigen. Und dann die beiden Leutchen liebten sich tief und innig. Es war eine Freude, dies zärtliche Pärchen zu sehen und dabei der eigenen Jugend zu gedenken : hatte doch seine eigene Liebes- und Heirathsgeschichte in mancher Beziehung Aehnlichkeit mit derjenigen der Tochter. Der Bankier stützte den immer heißer werdenden Kopf in die Hand und sprang dann, als könne er es vor Angst und Unruhe nicht mehr aushalten, von seinem Stuhl auf, trat an's Fenster und schaute auf die Straße hinab, ohne jedoch von dem da unten sich entwickelnden Leben und Treiben etwas zu sehen. Einsach und bescheiden in seiner ganzen Lebensführung, hatte Böster auch die Sitte der meisten seiner Standesgenossen, die das Geschäftslok! in der Stadt, die Wohnung aber draußen im Westen in eigener Villa oder in einem prunkvollen Miethshause besaßen, nicht mitgemacht. Schon ' seit einer Reihe von Jahren bewohnte er mit seiner Familie ein geräumiges, gut und behaglich, aber ohne übertriebenen Luxus eingerichtetes erstes Stockwerk in einem der älteren Häuser in der Taubenstraße, in dessen Erdgeschoß sich sein Geschäftslokal befand. Es war noch verhältnißmäßig früh am Morgen. Böster liebte es, sich zu erheben, wenn Frau und Tochter noch im Schlummer lagen, und allem in seinem Zimmer sein erstes Frühstück zu verzehren. Er las dann, eine Cigarre rauchend, die Morgenzeitung, traf seine Verfügungen für den Tag und pflegte später, wenn er die Seinen im Speisezimmer am Kaffeetisch wußte, zu ihnen hinüberzugehen, um mit ihnen zu plaudern. Gewöhnlich .heilte er ihnen bei dieser Gelegenheit den we sentlichsten Inhalt aus der Zeitung mit, so daß seine Frau ihn in der Regel mit dem Rufe begrüßte: Guten Morgen, Rudolf! Was bringst du uns heute für Neuigkeiten?Und welche Neuigkeit hatte er ihr heute zu bringen!... Das Haus des Bruders, auf das sie immer mit einem so wohlberechtigten Stolz geblickt hatte, schmählich zusammengebrochen! Die eigene Existenz, die ihrer Kinder vernichtet! Wie sollte er der Ahnungslosen diese Schreckensbotschaft verkünden? Alle Glücksträume der Zukunft wa-
ren dadirrch mit einem Schlage vernichtet. Wenn er wirklich noch aus dem Zusammenbruch seines Vermögens die dem Schwiegersohn zugesagte Summe rettete, was sollte dann aus seinem Sohn, aus ihm selbst und seiner Gattin werden? Sie besaßen dann nicht so viel, um für die nächste Zeit das Leben weiter zu fristen! Wilde, verzweifelte Gedanken jagten durch sein erhitztes Gehirn. Den Schwager hatte gewiß nicht einSchlaganfall getroffen; wahrscheinlich hatte er sich aus Verzweiflung das Leben nehmen wollen, und es war dem Aermsten nicht völlig geglückt. Sollte er nicht seinem Beispiel folgen? Was hatte er denn auf der Welt noch zu suchen, jetzt, da er wieder ein armer Teufel war ünd als müder, gebrochener Mann den harten Kampf um's Dasein von vorn anfangen sollte! In dem Zimmer seines Sohnes der zufällig für ein paarTage verreist war, hing dessen Revolver; er durste ihn nur holen ein leiser Druck, und alles war zu Ende! Und die Seinen?! Machte eine solche Flucht aus dem Leben seine Hinterbliebenen nicht für immer Unglücklich? Nein, im Gegentheil! Sie erweckten dann allgemeines Mitleio, vielleicht regten sich helfende Hände. Es war das beste, wenn er aus der Welt ging. Böster erhob sich, um den letzten, entscheidenden Schritt zu thun, da klopfte es, und ohne das Herein abzuwarten, öffnete der Postbote die Thür und übergab ihm einem Brief mit den Worten: Es steht .Privat- darauf, Herr Böster, da mochte ich den Brief nicht im Comptoir abgeben, sondern habe ihn heraufgebracht." Ganz recht, lieber Schmidt," antwortete der Bankier, sich mühsam zu einem freundlichen Lächeln aufraffend, und der Briefträger entfernte sich. Böster betrachtete das Schreiben, es nach allen Seiten wendend. Der Umschlag war aus glattem gelbweißem Elfenbeinpapier, zeigte das Monogramm F. B. und darüber eine neunzackige Krone. Die Handschrift war ihm völlig unbekannt und schien die einer Dame zu sein. In welcher Pn vatangelegenheit konnte diese Aristo kratin an ihn zu schreiben haben ? Schwerlich etwas Wichtiges. Langsam und zögernd öffnete der
Bankier. den Umschlag, enlfaltete den darin enthaltenen Bogen und las: Sehr geehrter Herr! Entschuldigen Sie. wenn ich mich in einer für mich sehr wichtigen Angelegenheit an Sie wende. Ich weiß, welch' unbedingtes Vertrauen mein Vater stets in Ihre Ehrenhaftigkeit gesetzt hat, und so bin ich überzeugt, daß Sie mir die Wahrheit nicht vorenthalten werden. Mein Vater war mit den fortwährenden Zinsherabsetzungen, denen die Staatspapiere in jüngster Zeit unterworfen worden sind, sehr unzufrieden und entschloß sich deshalb, sein gesammtes Baarvermögen im Betrage von über einer halben Million Mark in Ihre Hände zu legen, um durch Ihre Vermittelung wieder einen höheren Zinsfuß zu erzielen. Vor acht Tagen ist er zu diesem Zwecke nach Berlin gereist, hat sich dort ein paar Tage aufgehalten und ist am Tage, nachdem er heimgekehrt, plötzlich am Schlagfluß verschieden., Die Werthpapiere hat mein Vater
nicht wieder mit zurückgebracht. Bei unserer ersten Begrüßung sagte er mir, eZ sei alles in Ordnung. In dem geHeimen Fach des Schreibtisches, in dem sonst mein Vater alle wichtigen PaPiere aufzubewahren Pflegte, ist der Depotschein über diese 500,000 Mark jedoch nicht zu finden. Dennoch zweifle ich keinen Augenblick, daß Sie mich über den Verbleib unseres Pnvatvermögens sofort beruhigen und mir mittheilen werden, daß die 500.000 Mark sich in Ihren Händen befinden. Ich weiß, daß ich mich an einenEhrenmann wende, dem ich die Thatsache offen mittheilen darf, die mich doch etwas beunruhigen wurde, wenn ich nicht überzeugt wäre, daß mein Vermögen bei Ihnen in sicheren Händen ruht. Ich möchte doch lieber dies Depot wieder zurückziehen, weil ich die Ansicht nicht theile, die mein seliger Vater hinsichtlich der Staatspapiere hatte, und ich mich gern mit einem niedrigen, aber sicheren Zinsfuß begnüge. Mit Hochachtung Gräfin Franziska v. Ballerstätt." Der Bankier las den Brief nochmals vom Anfang bis zu Ende durch, dann legte er das Schreiben beiseite, vergrub den Kopf in beide Hände und verfiel in ein langes Sinnen. Ein heißer. schwerer Kampf entbrannte m seinem Innern. .Hier winkte ihm die Rettung, wenn er beherzt das Rettungsseil ergriff, das ihm vom Geschick zugeworfen schien, um sich daran aus dem Abgründe zu ziehen. ' Der Graf hatte ihm diese 500,000 Mark gebracht mit . dem besonderen Wunsche, er möge damit für ihn spekullren, d Sache aber geheimhalten, denn er wolle nicht, daß man ihn, den Grafen Ballerstätt, einmal als Börsenjobber brandmarken könne. In den Geschäftsbüchern war über dies -Depot nichts notirt. Wenn er es jetzt ableugnete, dann ging sein Bankgeschäft ausdiese? schweren Krise glänzend hervor, und man bewunderte ihn, daß er den schweren Schlag so leicht überwunden. Aber dagegen wehrte sich sein GeWissen. Bisher war er ein rechtschaffener Mensch gewesen. Sollte er sein Leben und seine Stellung um den Preis eines Betruges erkaufen? Nem, nein, das darfst du nicht thun, du darfst kein Schurke werden!" rief es in ihm. Lieder den Tod!" Mit schnellem Entschluß sprang er auf, ging zum Schreibtisch, fetzte sich auf den davorstehenden lederbezogenen Sessel nieder, breitete einen Boaen aus und schrieb mit der bereitliegenden Feder so hastig, als könne er gar nicht schnell genug damit zu Ende kommen und fürchte, in der nächsten Minute daran verhindert zu werden:. Sie haben Ihr Vertrauen keinem Unwürdigen geschenkt, gnädige Gräsin," hieß es in dem Schreiben.' Die 500.000 Mark, welche Ihr verstorbener Vater. Graf Ballerstädt, mir Lbergeben hat, stehen, sobald Sie dies wünschen, zu Ihrer Verfügung." Er hatte den Brief beendet und richtete jetzt den Kopf mit einer stolzen, selbstbewußten Bewegung in die Höhe. Da fiel sein Blick auf die vortrefflich ausgeführte große Photographie seiner Tochter, die warm angehaucht vom Sonnenstrahl eines klaren, goldigen Septembermorgens über seinem Schreibtisch hing. Wie lachten diese Augen in das Leben, wie glückstrahlend sal, ihr junges Antlitz aus! Wie würde seine arme Kleine den harten Schlag aufnehmen, sie, die durch seine väterliche Liebe so verwöhnt worden und nimmer Sorgcn und Unglück gekannt hatte! Sie brach gewiß völlig zusammen, denn an dieVerwirklichung ihres Liebestraumes war nicht izu denken. Und da war es auch, alö ob das Bildniß selbst ihm Antwort gebe. Draußen zog eine Wolke über die Sonne; ein Schatten fiel auf die Photographie, und das lachende Gesicht schien sich plötzlich in ein düsteres, trauriges zu verwandeln, Mund und Augen sich mit dem Ausdruck des VorWurfs und der Klage aus denVeschauer zu richten. Uebermächtig trat die Versuchung an ihn heran. Wenn er nun doch die günstige Gelegenheit ergriff, die ihm förmlich vom Schicksal geboten worden schien, um ihn aus allen Stürmen, aus allen Nöthen zu befreien? Die Gräsin besaß sicherlich noch andere Mittel, ein Gut, reiche Verwandte; für si: war der Verlust wohl groß, aber keine Frage über Tod und Leben wie bei ihm. Rudolf Böster griff nach demBriefe, den er soeben vollendet hatte, und zerriß ihn in kleine Stücke, um dann rasch einen anderen zu schreiben. Gnädige Gräfin! Meinen verbindlichsten Dank für das große VerKauen, das Sie mir schenken, und daS auch Ihr seligerHerr Vater, dessen plötzliches Hinscheiden ich tief bedauere, mir stets ceschenft
$at. Der Herr Graf erschien allerdings vor acht Tagen bei mir. aber ich rieth ihm dringend ab, seine sicheren und guten Papiere gegen unsichere, wenn auch sehr hohe Zinsen tragende
ausländische Werthpapiere umzutauschen. Der Herr Graf dankte mir für meinen Rath und entfernte sich dann, natürlich seine Papiere wieder mit sich nehmend. Hoffentlich wird sich über den schließlichen Verbleib derselben noch die nöthige Aufklärung finden. Ich bedaure, gnädige Gräfin, daß ich Ihnen nicht meinerseits eine für Sie augenblicklich günstigere Auskunft zu geben vermag. In größter Hochachtung und Ergebenheit Rudolf Böster." Er las den Brief nicht noch einmal durch, wie er es bei wichtigen Angelegenheiten sonst wohl that, sondern steckte ihn m einen Umschlag, schrieb die Adresse darauf und versah ihn mit einer Marke; dann steckte er ihn in die Tasche und ging möglichst geräuschlos in das Vorzimmer, wo er seinen Hut von Haken nahm, die-Treppe hinunter und aus demHause eilte, um ihn eigenhändig in den nächsten Briefkasten zu werft'.-. Als er von diesem kurzen Gange zurückgekehrt war, mußte er sich erst eine ganze Weile erholen, ehe er es über sich vermochte, zu Frau und Tochter hinüberzugehen. Der Würfel war gefallen. Er würde leben, aber mit dem steten Bewußtsein des gethanen Unrechts und unter den steten Vorwürfen des Gewissens.Gleichviel! Jetzt galt es, eine eiserne Stirn zu zeigen und jeder Möglichkeit mit festem Sinn entgegenzusehen. Die Maschinenfabrik von Hammers & Sohn inSudenburg, einer Vorstadt Magdeburgs, bestand aus einem Complex von Gebäuden, die. ein paar große Höfe von allen vier Seiten umschließend, eine Art kleiner Stadt oder Ortschaft für sich bildeten. Viele Hunderte von Locomotiven und Dampfmaschinen waren aus diesem Werke hervorgegangen, das durch den Fleiß und d:e Thatkraft eines einfachen Mannes aus recht bescheidenen Anfängen sich entwickelt hatte. Wie viele seiner Standesgenossen, hatte Ferdinand Hammers, der GroßVater des letzigen Inhabers derFirma, aks bescheidener Schlossergeselle seinen Einzug in die Hauptstadt der Provinz Sachsen gehalten, daselbst zuerst bei einem Meister gearbeitet, dessen Toch.ter heimgeführt und dann selbst eine Werkstatt begründet, die sich nach und nach zu einer Fabrik erweitert hatte. Als solche hatte sie sein Sohn, gleich ihm Ferdinand genannt, den er schon bei seinen Lebzeiten zum Theilnehmer gemacht, übernommen. Durch seine Heirath mit der Tochter eines sehr wohlhabenden Kaufmannes in Magdebürg hatte er dem Unternehmen neue Geldmittel zugeführt, doch war es noch weit mehr seine Umsicht, s:in Fleiß und seine Thatkraft, die dernselben einen großen Aufschwung gaben. Ferdinand Hummers II, der zu einem hohen Alter gelangte, hatte die Freude gehabt, das von seinem Vater ererbte, von ihm so sehr erweiterte Werk, fortblühen und gedeihen zu sehen, denn sein einziger'Sohn Adolf war völlig in seine Füßstapfen getreten. Auch er trug mit dazu bei, die Fabrik in Blüthe, den Ruf der aus - ihr hervorgehenden Maschinen auf gleicher Höhe zu erhalten. . Auch er hatte seine Gattin aus einer der angesehensten Familien Magdeburgs erwählt und lebte mit ihr in harmonischer Ehe. . Erst vor einem Jahre hatte Ferdinand Hammers die müden Augen zur letzten Ruhe geschlossen, in der"Ueberzeugung, daß es seinem Sohne wohl gehe, und daß auch die Tochter,' der er einst nur mit halbem Herzen die Einwilligung zur Heirath mit Rudolf Böster gegeben, gut aufgehoben sei. Dank der von ihm mit ihremHeirathsgut gebrauchten Vorsicht war sie ja, selbst wenn es mit dem Geschäft ihres Gatten einmal schlecht gehen sollte, vor Noth geschützt. Wie alles in der Welt, so war jedoch auch dasHaus Hammers & Sohn dem Naturgesetz des Wachsens, Vlühens und Absterbens unterworfen, und es schien, als habe c seinen Höhepunkt überschritten. Seit dem Tode des alten Herrn war ein Fehlschlag nach dem anderen eingetreten, und was seit langer Zeit nicht geschehen, Adolf Hammers war, wenn auch nur vorübergehend, in Zahlungsschwierigkeiten gerathen und hatte wiederholt den Beistand seines Schwagers Böster in Berlin, für den er sonst meist der Gebende geWesen, in Anspruch nehmen müssen. Schon seit ein paar Tagen hatte es wie eine drückende, athembeklemmende Schwüle über der Fabrik gelegen. Vom Bureauchef bis zum einfachen Arbeiter hinab empfand Jeder, daß etwas Unheimliches in der Luft liege, obwohl nur sehr wenige im Stande gewesen sein würden, sich über die Natur des drohenden Unheils klare Nechen schaft zu geben. Adolf Hammers, der sonst für den Gruß jedes seiner Arbeiter allezeit einen freundlichen Dank gehabt, sie alle beim Namen kannte und keine G:l:genheit vorübergehen ließ, wo er ein ermunterndes Wort an sie zu richten vermochte, schritt jetzt finster und schweigend durch die Werkstätten, hatte wenig oder gar kein Interesse für die im Entstehen begriffenen Arbeiten und ließ sich auch wohl, was sonst nie vorgekommen war. dort einen ganzen Tag hindurch nicht sehen. Man wußte nur. daß er mit seinem Bureauchef, dem noch aus den Tagen seines Vaters stammenden alten Buchhalter, und diesem oder jenem Beamten, in ernster Berathung in seinem Privatcomvtoir saß, und daß diese Herren nach'stundenlangen Verweilen mit ernsten,
sorgenvollen Gesichtern daraus zurückkehrten. , Es war an einem feuchtwarmen Septembertage zwei Tage vor jenem Morgen, an dem der Bankier Böster in Berlin durch die. Notiz in der Zeitung so furchtbar erschreckt und erschüttelt werden sollte. Der schrille, langgezogene Ton der Dampfpfeise verkündete die Mittagspause. Das Fauchen und Schnauben der Maschinen, das Dröhnen und Aechzen der Walzen, der scharfe Ton der Felle, das Stampfen des Räderwerks, das Pochen der Hämmer, das Rasseln der Ketten war verstummt; auch die aus den riesigen Schornsteinen stoßweise emporsteigenden und in langschweifigen Fahnen abziehenden Rauchwolken waren geringer geworden, dagegen wurde es auf den Höfen lebhaft. In größeren und kleineren Trupps, paarweise und auch einzeln, traten die Arbeiter, kräftige, rußgeschwärzte Gestalten. den Heimweg an. Gleichzeitig passirten aber eine Anzahl Frauen und Kinder mit Deckelkörben cm den Armen und Blechkannen in den Händen die breiten Eingangsthore. Sie kamen, um den über die Feierzeit in der Fabrik verbleibenden Gatten und Vätern das Mittagsmahl zu bringen, oas sie auch wohl in Gemeinschaft mit ihnen daselbst verzehrten. Währenddessen saß im Privatcvmptoir des Chefs eine Anzahl von Mannern um den in der Mitte desselben stehenden großen Tisch in lebhafter, aber durchaus nicht freudiger UnterHaltung beisammen. Den Mittelpunkt der Versammelten bildete Adolf Hammers selbst, ein Mann von etwa fünfundfünfzig Iahren, an denen er bis vor Kurzem sehr leicht getragen hatte. Jetzt war seine hohe, breitschulterige Gestalt merklich gebeugt, das sonst ungetrübte Gesundheit verrathende Gesicht . hatte eine bleiche, gelbliche Farbe angenommen, und die blaugraucn, klug und wohlwollend blickenden Augen lagen tief in ihren Höhlen. Vor sich hatte er einen Stoß Papiere, auf den er schwer die große, aber gut ' geformte Hand gestemmt hielt, und mit heiserer, verschleierter Stimme zog er gewissermaßen das Facit der bisher geführten Unterredung mit den Worten: Sie sehen hieraus, meine Herren, daß unter den gegenwärtigen Umständen mir nichts' übrig bleibt, als cdie Fabrik zu schließen. Ich bitte um Verzeihung, Herr Hammers, das sehe ich doch noch nicht ein, erwiderte ein neben Hammers sitzender kleiner alter Herr mit feinen Gesichtszügen und schneeweißem, spärlichem Haar. Ich bin schon fünfzig Jahre im Geschäft, habe unter dem seligen Herrn und noch unter dessen Vater gearbeitet und schwere Zeiten mit durchgemacht " Nicht solche wie diese, mein lieber alter Braun." unterbrach Hammers den Buchhalter, den er wie ein altes werthvolles Inventar betrachtete. Doch, doch die Jahre 48 und 49, die amerikanischen Krisen, die KriegsZeiten," beharrte Braun, und wir haben alles durchgehalten." Das waren andere Zeiten!" seufzte Hammers, jetzt kann ich nicht mehr; ich bin am Ende meiner Kräfte und meinerMittel!" fügte er seufzend kinzu. Seit einem Jahre habe ich Verlust auf Verlust gehabt. Bestellungen, auf die ich fest gerechnet, sind mir von unterbietenden Concurrenten in einer hart an unlauteren Wettbewerb streisenden Weise weggeschnappt worden; andere, die man mir schon übertragen, wurden mir unter nichtigen Vorwänden wieder entzogen, ausgeführte, viele Tausende betragende Aufträge bemäkelt und der Firma zur Verfügung gestellt; durch den Fall für absolut sicher gehaltener Häuser habe ich bedeutende Summen eingebüßt " Wir wissen, wir wissen," ließen einzelne Stimmen sich vernehmen; Hammers aber fuhr mit erhobenerStimme fort, als habe er es eilig, zu Ende zu kommen: Ich habe gekämpft und gerungen, habe die verzweifeltsten Anstrengungen gemacht, mich über Wasser zu haln. und es wäre mir vielleicht gelungen ;: jetzt aber ist jede Hoffung verloren. Dfe Zahlungseinstellungen von Braddon & Clarke in New York und Chicago reißt mich mit; ich verliere nicht nur 250,000 Dollars, sondern meinen Hauptabnehmer; ich weiß nicht, womir ich die Arbeiter beschäftigen soll!" Schränken Sie die Arbeitszeit ein,, setzen Sie die Löhne um zehn Proeenr herab, Herr Hammers," schlug der Oberingenieur vor.ein jüngerer schlanker Mann mit einem bräunlichen, von schwarzem Bart und Haar umrahm ten, intelligenten Gesichte, aus dem große dunkelgraue Augnr leuchteten unsere Leute werden sich das lieber gefallen lassen, als anderwärts Arbeit nehmen." Ich kann nicht ich kann nicht!" stöhnte Hammers. Jetzt erhob sich, auch der Bureauchef. Bedenken Sie, Herr Hammers, daß in der Fabrik nie ein Streik stattgefunden hat. daß die Verhältnisse bei Hammers & Sohn überall Bewunderung und Neid , erregt haben. Die braven Leute haben es nicht verdient " Halten Sie ein." unterbrach ihn Hammers, mit beiden Händen an die Schläfe greifend, während sein Gesicht sich schmerzhaft verzog. Meinen Sie. daß ich mir das nicht selbst gesagt habe? Es bricht mir daS Herz, aber ich kann nicht anders!" , Doch. Vater, Du kannst anders, Du mußt anders können!" rief jetzt ein schlanker, hellbldnder junger Mann, der am unteren Ende deS Tisch:S gesessen hatte, und eilte mit lebhafter Be-
weguug auf den Fabrikbesitzer zu. Dessen Hände ergreifend und die sehr klaren, hellbraunen Augen mit einem flehenden Ausdruck auf ihn richtend.
fuhr er fort: Vater, Du hast mich heute mündig gesprochen, indem Du mich dieser ernsten, folgenschweren Unterredung beiwohnen ließest, nun mußt Du auch gestatten, daß ich mein Wort dazu gebe. Vater, ich bin ein Hammers! In meinen Adern fließt das Blut der Männer, die geschaffen haben, was Du aufgeben willst. Du hast mir auch ihren Rufnamen gegeben; im Namen meines Urgroßvaters und meines Großvaters flehe ich Dich an: erhalte die Fabrik!" Mit einem Blick, in dem Zieht, Stolz und unbeschreibliche Trauer sich gleichzeitig ausdrückten, sah Adolf Hammers auf den in schönem Feuer erglühenden Jüngling. Ferdinand war unlängst vom Polytechnikum in Karlsruhe heimgekehrt, hatte in der Fabrik des Vaters, unter der Leitung der bewährten Angestellten praktisch arbeiten und dann noch zu seiner Vervollkommnung in's Ausland gehen wollen und sah jetzt alle seine Pläne gruusam vereitelt. Mein lieber armer Junge, has versiehst Du nicht!" sagte Hammers, sich zu dem Jüngling niederbeugend, in weichem Tone, als spreche er zu einem Kinde, dem er einen Lieblingswunsch versagen müsse. Nachdem Du gehört hast,, wie die Sachen stehen " Hoffe ich doch, daß mit Muth und Fleiß und guter Freunde Hilfe aus dieser schwierigen Lage herauszukommen ist!" fiel ihM'Mit Begeisterung der Sohn in die Rede. Ich bin noch jung und unerfahren, aber ich darf mir das Zeugniß geben, ich "habe meine Zeit nicht verloren und Ordentliches gelernt. Laß mich Dir eine Stütze sein, arbeite mit mir weiter; alle diese braven Herren- werden uns Hilfe leisten." Die Umsitzenden stimmten lebhaft bei. Selbst diejenigen, die bisher mit Hammers der Ansicht gewesen, daß der einzige' Ausweg für ihn das Schließen der Fabrik fei, waren durch das Feuer de jungen Mannes mit fortgerissen worden und bestürmten den Chef, sein Vorhaben nicht auszuführen. Er blieb jedoch unerschütterlich. Die- Mittagspause ist nun bald vorüber,"' sagte er, mit dem Auge den an der Wand hängenden, Regulator betrachtend; sobald die Leute zur Arbeit zurückgekehrt sind, lassen Sie si: im großew Saal zusammenkommen. Ich will den Kelch bis zur Hefe leeren und ihnew meinen Entschluß nein, die harte Nothwendigkeit, zu der ich mich gedrängt sehe,selbft verkündigen." Eine halbe Stunde später drängte sich in dem großen, hohen und luftigen Saal, in dem für die Arbeiter auf Kosten und Veranstaltung des Fabrikbesitzers belehrendeVorträge während des Winters gehalten wurden, wo die Mitglieder des aus ihnen gebildeten Gesangvereins sich zur Uebung um das darin aufgestellte Instrument sammelten, wo die ihnen, zur Benutzung gebotene Bibliothek verwahrt ward, eine vielköpfige Menge. Auf den Gesich tern dieser in schwerer Arbeit geHärteten, tapfer im Kampfe um die Existenz ringenden Männer lag leute ein allen gemeinsamer Ausdruck' der Angst, der Sorge, der bangen Erwartung. Sie wußten, daß es keine freudige Bot-
schaft war, zu deren Entgegennahme man sie hierherberufen hatte. Wie Meeresbrausen ging es durch die Menge, obwohl man einander nur halblaut seine Befürchtungen mittheilte. Nun aber ward es ganz still. Adolf' Hammers war eingetreten, hinter ihm sein Sohn unb die ersten Angestellten der Firmcr. Mit einer Stimme, der er mit Aufbietung aller seiner Kraft Festigkeit zu geberr versuchte, die aber trotzdem jede Minute in große Weichheit umzuschlagen drohte, machte er die Leute mit dem Stande seiner Angelegenheiten in Worten bekannt, die ihrem Verständniß vollkommen- angepaßt waren, und fuhr dann fortr Es geht nicht anders, wir müssen uns trennen. Will ich ein ehrlicher Mann meinen Geschäftsfreunden gegenüber bleiben, will ich auch an Euch nicht zum Schurken werden, so ist es die höchste Zeit, jetzt aufzuhören. Dir Fabrik wird mit dem heutigen Tage- geschlossen." Es erhob sich bei diesen Worten ein lautet Stimmengewirr. Hammers wartete ein paar Minuten, dann winkte er. mit der Hand. Schweigen ge bietend, und sprach weiter: Ich habei nicht mehr viel zu sagen. Der Kassie rer hat die Anweisung, außer dem rückständigen Lohn noch jedem den Lohn für die nächsten vierzehn Tage auszuzahlen. Ihr seid somit nicht 'aufs Pflaster geworfen; innerhalb der Euch auf diefe Weise gewährten Frist wird es Euch möglich sein, wieder Arbeit zu finden; ja. ich darf mit Gew'-ß-heit sagen, Ihr werdet sie finden, denn die Arbeiter von Hammer? & Sohn erfreuen sich eines guten Leumundes. Und nun laßt mich Euch danken für Eure Gewissenhaftigkeit. Euren Fleiß. Eure Treue, und laßt uns in Frieden scheiden. Lebt wohl ich kann nicht mehr!Er wandte sich um, nahm den Arm seines Sohnes und wollte, auf diesen gestützt, den Saal durch den ihm zunächst gelegenen Ausgang verlassen, aber er vermochte keinen Schritt vorwärts zu. thun. Von allen Seiten drängten die Leute heran, suchten seinen Rock, seine Hände zu erfassen. Hierbleiben! Hierbleiben! Gehen Sie nicht so von uns. Herr Hammers! Schicken Sie uns nicht fort!" rief es aus der Menge. (Fortsetzung folgt.) Exclusio. Bei Herrn Commerzienrath verkehrt wohl nur eine sehr exclusive Gesellschaft?" . Nur Leute, die im ConvnsaUanLlexikon stehen.!"
Für dke Suche. Tauben - Suppe mit Semm e l k l ö ß ch e n. Man schwitzt in Scheiben geschnittenes Wurzetwerk und eine Zwiebel in Butter, legt 3 4 Tauben darauf, läßt sie 15 Minden gelinde dünsten, gieß-t hierauf etwa 3 Quart Wasser an, fügt Salz hinzu, kocht die Tauben, gut zugedeckt Stunde lang, nimmt sie heraus, hält sie in ein wenig Brühe, die mit Hilfe von Liebigs Fleischzztrakt bereitet ist, (Liebigs Flcischextrakt muß flüchtig mit durchkochen, damit er ergiebiger ist) warm, seiht b:t Suppe durch, kocht Nudeln au gequelltem Neis oder Gräupchen darin und richtet sie über den in Viertel zerlegten Tauben an. Gefüllter Kohlrabi. Zwölf Sis fünfzehn gleich große Kohlrabiköpfe werden, geschält, in. kochendes, schwach gesalzenes Wasser geworfen in diesem halb weich gekocht und zum Erkalten auf ein Sieb gelegt. Während -dessen schneidet man ein Psund Kalbfleisch, würflig, läßt es wiederholt durch, die Fleischhackmaschine gehen, so daß es sehr fein wird, reibt 7 Unzen Butter mit ebenso viel geschältem, gewässertem, und gut ausgedrücktem Weißbrot, in einer Kasserolle auf dem Feuer gfott bindet diese Panode mit. zwei Eigelbs verrührt sie mit dem Fleische.. schmeckt die Farce mit Pfeffer,. Salz und ein?, llein wenig geriebenen Muskatnuß ab und streicht sie durch ein Sieb. Nun schneidet man von dem obern Theil, der Kohlrabiköpfe je eine Scheibe ab, höhlt die Köpfe mittels eines Ausstechers, aus. füllt sie mit Farce und befestigt demabg.!schnittcn:n Teckel durch ein kleines Holzspeilchen. Nun packt man. die. Kohlrabiköpfe nebenanander in eine. Kasserolle, giebt ein Stück Butter, das erforderliche Salz, Wasser, oder besser leichte Fleischbrühe und. einen? halben Theelöffel Fleischeztrakt hinzu, läßt das Gemüse vollends.weich.kochkn und macht die Brühe mit etwas geriebenem Weißbrot sämig. SLam m - Tendrons. Eine Lammbrust, in kräftiger Brühe aus Liebigs Fleischextrakt mit Salz. Wurzelwerk und. einer Zwiebel langsam weich gedünstet. Auf eine flache Schüssel gelegt, entfernt mau die Knochen und preßt dann daS Fleisch unter einem beschwerten Brett, um es, , vollständig erkaltet, in zierliche Stücke zu schneiden. Inzwischen entfettete man die Brühe, verkochte dieselbe mit einer. Weißmehrschwitze und einem Glase Rheinwein zu einer sehr dicklichen Sauce, zog sie mit drei Eigelb ab und schärfte sie mit Citronlsaft. Sobald sie halb erkaltet ist, steckt man jedes der Fleischstücke auf eine Gabel, taucht es in die Sauce, die es ganz überziehen muß und legt, auf gleiche Weise zubereitet, die Tendrons nebeneinander auf eine mit Oel bestrichene Schüssel, sie zum Erkalten auf Eis stellend. Vor dem Anrichten in geriebenem Weißbrot, geschlagenem Ei und abermals in geriebenem Weißbrat gewendet, werden sie rasch in siedendem Backfett goldgelb gebraten und, mit ausgebackener Petersilie und Citronenstückchen garnirt, sofort auf die Ta.fel gegeben. K a l b s h i r n en majoiiaise. Vier gute Kalbshirne werden' gewässert, von den blutigen Häuten und Adern befreit, in leichter Bouillon aus Liebigs Fleisch - Extrakt mit Salz, einer Zwiebel und etwas Essig gar gekocht und behutsam mit. kem Schaumlöffel auf ein Sieb gelegt. Die Sauce bereitet man aus sechs Löffeln Oel, sechs Löffeln Essig, einer Prise weißem Pfeffer,, Salz,, vier ganzen Earen, zwei. Dottern, einer Tasse voll Bouillon aus Liebigs Flcisch-Extrakt. Sämmtliche angeführten Bestandtheile werden in einem Topf gut verquirlt, dann, stellt man denselben in ein Gefäß mit kochendem. Wasser und schlägt die Masse so, lange fortgesetzt mit dem Ruthenbesen, bis. ste aufsteigend sich verdickt. Aus dem Wasserbade genommen, rührt man sie bis zum Erkalten, giebt dann die in Stückchen geschnittenen Kalbshlrne hinein und rich tet dieselben in Muscheln an, rint jede, mit etwas frischer Petersilie, Oliven oder Gurkenscheibchen dekorirend. Gemüs.e mil Fleisch in I r ü h e. Ein halbes junges Huhn, oder ein halbes Pfund derbes Kalbfleisch, oder eine Taube, einen Theelöffel Salz. ein Pint Bouillon aus Fleisch - Eztiatt. sechs Stück Spargel.
.etwas Blumenkohl oder Karotten'. : Das Fleisch kommt in die kochende, gesalzene Boumon, um darin garzukochen und, das. Gemüse wird allein gekocht. Das Fleisch oder das zur Verwenduna gelangte Geflügel, letzteres , muß von der Haut befreit sein, wird zusammen mit der Brühe und dem ie-. müse servirt. P o llen i a von Kartoffeln.. Geschälte und gekochte Kartoffeln wer--v den mit der Reibekeule fein zerdrückti und mit 6 Eßlöffeln geriebenem Par-. 'mesaukäse. ewigen geschlagenen Eierrr. unk genügendem Salz vermischt. Auä,diese? Masse sonnt man Brötchen odev Würste, die, nachdem sie vollständig lalt sind, in fingerdicke Scheibchen ge'schnitten werden; man schichtet, die ! Stücke in eine rundeSchüssel bergsör' mig. streut reichlich geriebenen Parmefankase darauf und übergießt die Speise mit zerlassener Butter. Nun. bäckt man sie im heißen Ofen indem man sie auf einen mit heißem Wasser gefüllten Topf oder einen Dreifuß setzt, bis sie oben schön gelb ist. Hühner in Neis. Die Hühner werden in Wasser und Salz abgeschäumt und mit einem reichlichen Stich Butter gar gekocht. Unterdeß brüht man Reis ab. füllt die Hühner-, brühe nach und nach dazu und kocht ihn langsam weich, aber nicht breiig. Die Hühner werden zerlegt, auf der Schüssel geordnet, eine fette Sauce darüber gegossen und der Reis ringsum aarnirt.
