Indiana Tribüne, Volume 21, Number 361, Indianapolis, Marion County, 18 September 1898 — Page 2
Cyne ßmpfcßklttg. Es geschah unter &m Zwange et unartiger Verhältnisse, welch nicht Zeit ließen, eine Erkundigung einzuziehen, daß ich enes Tages eine wildfremde Person fci's Haus nahm. Die ftunltioatn, welche die aus Hülfsweise Beschäftigte in meinem Haushalte zu verrichten hatte, brach' Un es mit sich, daß dieselbe bei mix in den Zimmern weilte. Ich war eni schlössen, fit niemals unbeaufsichtigt zu lassen, denn es war gerade genug des Leichtsinns, sie überhaupt zu engagirrn. Ich schloß demnach sammtliche Schränke ab. Von Werthsachen lag nichts umher; ein einzelnes unbedeutendes Schmuckstückchen, eine -Tuch-nadel im Preise von etwa drei Mark. Kelche auf einem Toilettekissc steckte, war als werthvoll nicht zu betrachten. Die Aufgeforderte kam. Wir ma ßen uns, zwei inander Unbekannte, mit Blicken. Was sie denken mochte. Zam nicht in Betracht, denn sie rikZirte nichts. Das Risiko war a&V.n ouf meiner Seite. Weß Geistes Krnd ist sie? Diese Frage warf ich miz auf. Wird Gutes oder Unerquickliches hervorZihen eus diesem Crrperirncni? Bei allerhand häuslichen ObliegenSeiten beobachtete ich "die Person zwischendurch mit scharftm Interesse und lebhaftem Mißtrauen. Ihr Änzug war abgetragen, ihre Züge verwüstet, die ganze Art der Frau, sich zugeben, hatte tnxls Unruhiges. Leidenschaftliches. Ihre Sprechweise war hastig, die Wahl ihrer Ausdrücke. überraschend geschickt, den Nagel auf den -Kopf treffend. Ueber 'Eins war ich 'mir in Kürze klar: Diese in mein Bereich Eigene Individualität war keine Ä tägliche, sondern .in ihrer Art-origi-jrnlr, charaktervolle. Gerade als hätte sie "die ganze Zeit über in meinem Inneren gelesen, begann sie just am Abend, da ich sie entlassen konnte, folgende Unterhaltuncs mit mit: Gnädige Frau!" jflirn?" Es war sehr viel, ja 'ungeheuer viel von Ihnen, daß Sie mich hierher zu sich genommen haben ohne Empfehlung, ohne Erkundigungen über mich einzuziehen, sogar, ohne daß- ich mich vorzustellen 'brauchte!" Freilich war's das," entgegnete ich, unsicher, worauf sie hinauswolle. Ich sagte Ihnen schon, daß es in der Werlegenheit geschah; ich habe .es sonst noch niemals gethan, würde es auch nie wieder nnternehmen, -denn es ist unter Umständen sehr unvorsichtig gehandelt." Die Frau ging Einige Male hastig im Zimmer auf und nieder, blieb dann vor mir stehen, sah mir fest in die Augen und sprach sehr laut: Frau E.. bitte, überzeugen Sie sich, ehe ich gehe. dort steckt Ihre schöne Tuch-nadel!"-. Ich wußte irr der That -nicht, was hierauf zu erwidern war, und zwang mich, möglichst ruhig- zu entgegnen: Gewiß, dort steckt sie. Die Nadel ist übrigens nicht schön, es ist ein ganz werthloses Ding." Ganz gleich! Sie -sollen nur wissen, daß ich nichts von Ihnen mitnehme. Gebranntes Kind scheut das Feuer!" rief sie mit wildem Ausdrucke. Mir wurde unheimlich, ich gerieth etwas außer Fassung: Um Gottes willen, was haben Sie denn gethan? WaS ist Ihnen pafsirt?" Nach ihrem Gebahren mußte ich sie für Eine halUn. die schon des Diebstahls überführt gewesen. Pafsirt?" 3a. allerdings, mir ist etwas passirtt" stieß sie hervor, und ihre Glieder folgen. 'Hören Sie! Ich hatte Stellung in einer Familie, und es verschwand während der Zeit ein Collier mit Brillanten. Bier Jahre lang hat man mich in Verdacht gehabt. man hat es nicht zu mir ausgesprochen, o bewahre., aber fühlen haben sie mich's lassen, gefühlt hab' ichs, was sie dachten, gefühlt, vier Jahre lang! Ich blieb, ich ging nicht fort, konnte rch weggehen, wo der Verdacht cmf mir ruhte? Wäre ich gegangen, hätte es geheißen: Sie will fort, sie ist's gewesen! Und nach vier Jahren ist's herauszekominen, wer der Dieb war. da habe ich dem elenden Volk seine Stellung und all' den Bettel, mit dem sie mich in der Zeit beschenkt hatten, vor die ,Füße gewarfen und bin davongegangen,so weit mich's trug. Arm bin ich. ich hungere oft, getaugt hab' ich nicht viel. aber ehrlich bin ich gewesen., ehrlich! Wäre ich's nicht, ach hungerte wohl nicht! Und nun, Frau E., es hat mich all die Tage gequält, daß Sie mich so genommen haben, ich . hab's gefühlt, ich habe Ihr Mißtranen gefühlt. Hier sind Adressen von Familien, bei denen ich gearbeitet habe, erkundigen Sie sich jetzt noch. vielleicht beschäftigen Sie mich einmal wieder." N Ergriffen und nicht ohne Sympathie war ich der Erzählung gefolgt und habe die Frau, interessirt durch ihre Klugheit und angezogen von der Kraft ihres Temperaments, nicht mehr aus den Augen verloren. Bettlerhumor. Schutzmann: Sie haben soeben in dem Hause des Herrn Bankiers gebettelt?" Bettler: Gebettelt? Keen Jedanke! Ick habe mit dem Herrn Eommerzienrath über eene Anleihe unterhandelt!" NeueLZedeserklärung. Hans (zur Leni): Lenerl, könnt'st D' mir net a' recht schöne Liebeserklärung aufsetzen?" Lenerl: Freilich! Wem willst Du sie denn schicken?" Hans: .Dir!" Abgewinkt. Er: Fräulein Amalie, ich liebe Sie rasend!" Sie: Sie glücklicher haben schon Jemand, itn Sie lieben, icö noö nickt!"
Es stimmt. Won B. Eichkap. Das Leben ist schön, die Irgend ist schzfr und die Welt ist prachtvoll!" Diese Gedanken lachten aus den dunklcn Augen einer etwa zwanzigjährigen, sehr elegant, nicht auffallend, gekleideten Dlme, welche sckznellen Schrittes den Parade-Platz Vassiren wollte. Sie war hier nich einheimisch, aber sie kannte die Großstadt durch öfteren wochenlangen Aufenthalt da silbß und liebte sie. die sich ihr stets nur von der angenehmsten Seite gezeigt hatte. Plötzlich legt sich eine Hand auf ihren Arm und die untersetzte Gestalt ines Schutzmannes taucht vor ihr uf. WaS wollen Sie?" fragt sie und schüttelt die Hand, die sich breit auf ihren Aermel gelegt hat, ab. "Kommen Sie 'mal mit," sagt der Wächter des Gesetzes, aber die junge Dame macht keine Miene, der unbegreiflichen Einladung zu folgen. Sofort sammelt sich eine Schaar neugieriger Menschen um das seltsame Paar. Sie müssen mir folgen," sagt der Schutzmann und die junge Dame thut es mechanisch, weniger aus Gehorsam, als um der gaffenden Menge zu tnl fliehen, deren Zischeln und Hohnlachen ihr folgt. Was wollen Sie von mir?" fragt sie noch einmal mit thränenfchwerer. ZIrnbebender Stimme. Das werden Sie gleich erfahren," sagt phlegmatisch der Schutzmann und weiter ist von ihm. nichts mehr zu erfragen, tron der wiederbolten Wersucke
des jungen Mädchens. Es zittert und er sieht sie von der Seite an seine Opfer gebärden sich immer unschuldig. Er führt sie auf die nächste Polizeiwache, wo sie zwei weitere Polizeibeamte in Empfang nehmen. Triumphierend sieht der. welcher sie verhaftet hat. daneben, über sein finsteres, bärtiges Gesicht fliegt ein stolzes Lächeln, während er sich die Hände reibt und sagt: Ich habe sie Wen?" fährt die Verhaftete jetzt empört auf. Was denken Sie sich eigentlich von mir und was wollenSie?" Na, na, man sachte, sachte." sagt überlegen einer der beiden anderen Polizisten. Das wird sich alles finden. Wie heißen Sie?" Erna Weitzrecht," ist die widerwillig gegebene Antwort. . Hm, hm. wirklich?" sagt der Polizeibeamte. Wo wohnen Sie?" Erna gibt das vornehme Pensionat an, in dem sie schon mehrmals gewesen, ferner das Gut ihres Vaters, sowie Geburtsort und Jahr, was alles ssrgsam auf einen Zettel notirt wird. Ich möchte endlich wissen, auf welchem Irrthum meine Verhaftung beruht," fragt sie erregt. Irrthum?" Der Polizeibeamte lächelt sie pfiffig an. Ist der möglich?" - In Thränen ausbrechend, sinktErna auf eine Bank nieder und schluchzt herzbrechend. Die Polizeibeamten, an allerlei Schmerzensausbrüche bei den Delinquenten gewöhnt und dagegen abgestumpft, unterhalten sich leise miteinander. Erna erhebt nach einer Weile wieder den Kopf und fragt: Was haben Sie eigentlich mit mir vor? Wohin wollen Sie mich bringen?" Auf das Polizeipräsidium vor allen Dingen, Madamchen," wird ihr entgegnet. Dort werden Sie alles andere erfahren." Nennen Sie mich nicht immer Madamchen." verweist Erna, bebend vor Zorn, ich bin nicht verheirathet." Auch nie gewesen?" Nein!" ist die hefttge Entgegnung. Ich möchte aber wissen, auf welche Weise ich nach dem Polizeipräsidium gelangen werd;. Noch einmal mit einem Schutzmann durch die Straßen zu gehen, können Sie mir nicht zumuthen. In diesem AugenbNck tritt ein Polizeilieutenant in das'Zimmer. Eine schlanke, elegante Gestalt mit jener strammen, schneidigen Haltung, die den gewesenen Officier kennzeichnet. Auf seinem sehr hübschen Gesicht liegt offenbar Freude und Genugthuung, denn man hat ihm gemeldet, daß die langgesuchte Gattenmörderin Jda Sattler endlich gefunden worden und verhastet ist. Mit schnellen Schritten gehd er auf die Delinquentin zu Dieselbe hat sich erhoben. Der Officier bleibt vor ihr stehen, fixirt scharf ihre Gestali, ihr kurz gehaltenes Haar, dann das Gesicht, auf dessen rechter Wange sich ein kleines, braunes. Mal von der rosigen Haut abhebt, und nachdem er alls in Augenschein genommen, wendet er sich zu seinen Unterbeamten und sagt: Es stimmt!" Was stimmt denn?" fragt Erna. Das Signalement," entgegnet der Zolizeiofficier. Sie werden mir auf das Polizeipräsidium folgen." Nein, das werde ich nicht thun," protestirt die als Gattenmörderin Angeklagte. Aber ich werde mich beim Polizeipräsidium über die Behandlung, die einer Dame widerfährt, beschweren." Hm," lächelt der Polizeiofficier das Selbstvertrauen der Delinquentin amüsirt ihn offenbar, Sie gehen ja sehr energisch vor, aber ehe Sie solche Gewaltmaßregeln ergreifen,' müssen Sie doch aus der Haft befreit werden." Das müssen Sie veranlassen vor allen Dingen mir erklären, wessen man mich beschuldigt, worauf der offenbare Irrthum beruht?" Wenn es ein Irrthum ist," der Officier flicht n ungläubiges Lächeln ein .so wird er sich auf dem PoliPräsidium aufklären, wo eine Phg-
tographie derjenigen, die wir suchen, vorhanden ist." Und da wollen Sie mich derglei chen?" Erna lach! höhnisch auf. Und Sie meinen, ich würde darauf gutwilden verkennen, kirnt eine schlechte Photographie und eine gute werden Sie ja nicht besitzen erst recht den Irrthum vergrößern." Woher wissen Sie so genau, daß wir nur eine schlechte Photographie besinen." fraat der Officier und äraert
sich dabei, daß er sich in eine Unter- ; Haltung mit der Delinquentin einläßt. Aber es liegt etwas verblüffend Jmponirendes in dem Auftreten der jungen Dame, das ihn freilich in seinem Argwohne noch mehr bestärkt, da die gesuchte Mörderin die Polizei durch ein gewandtes, wie elegantes Austreten schon oft irre geführt hat. Es stimmt alles." bestätigte er im Stillen, und dennoch entsteht in seinem Innern ein seltsames Gefühl der Schwäche gegenüber dieser Persönlichkeit. der ein Hauch von Unschuld und selbstsicherer Ruhe nicht abzusprechen ist. Haben Sie irgend welche Papiere, die Sie legitimiren, bei sich?" fragt er weicher. Papiere? Seit wann müssen Damen mit Papieren" versehen . sein, wenn sie über die Straße gehen?" fragt Erna.trotzig. Aber zufällig besitze ich einen Paß nach Nußland, da ich dahin zu Verwandten zu reisen gedenke. Genügt der?" Gewiß, mein Fräulein, zeigen Sie ihn mir." Ich habe ihn nicht bei mir, sondern bei meinen Sachen im Kosfer." Den müssen Sie uns auf alle Fälle verschaffen." Ich werde ihn holen und Ihnen zusenden." Der Officier wechselt mit den Unterbeamten einen Blick, der soviel sagt, als: Die stellt uns eine Falle." Laut sagt er wieder in barscherem Ton: Ich werde Sie begleiten!" Ich bitte Sie," fährt Erna auf. Sie werden mir doch diese Schmach nicht anthun! Was soll die Inhaberin des Pensionates denken, wenn ich, von derPolizei escortirt bei ihr erscheine?" Dann bedauere ich," ist die kalt lächelnde Entgegnung. Ich kann Sie keine Sekunde aus den Augen lassen. Also..." Erna schluchzt laut auf sie ist außer sich. Wieder geht in dem Polizeioffcier etwas ganz Merkwürdiges vor, aber kühl und geschäftsmäßig sagt er: Veruhigen Sie sich, mein Fräulein. Wenn es wirklich ein Irrthum ist, so wird derselbe sich aufklären! Haben Sie keine Verwandte oder Bekannte am Ort, die Sie recognosciren können?" Gewiß!" Erna hebt den Kopf und über ihr thränenüberstr'ömtes Gesicht gleitet ein hoffnungsfreudiges Lächeln. Mein Onkel, der Bankier Z., wird jede Bürgschaft für mich übernehmen." Bei Nennung dieses bekannten und hochangesehenen Namens werden die Gesichter der Polizeibeamten länger, der Officier zieht finster die Augenbrauen zusammen die Situation fängt an äußerst fatal zu werden. Ein Mißgriff der Polizei wird von der Presse so leicht ausgebeutet, und es sieht beinahe so aus, als habe sie hier einen schlimmen begangen. Die Bürgschaft dieses Herrn wird m der That völlig genügen," sagt er um einen Grad höflicher undErna unterbricht ihn, indem sie Miene macht, sich zu entfernen: Ja, gehen Sie nur hin, Herr Lieutenant, und fragen Sie nach seiner Nichte Era Weitzrecht. Er wird Ihnen die gewünschte Auskunft geben." Sie will gehen. Der Schutzmann, der sie verhaftet hat. vertritt ihr den Weg so leicht läßt er. sich seinen Fang doch nicht entschlüpfen. Auch der Officier wird wieder irre dnrch die Eile, die die Delinquentin an den Tag legt. Es ist nicht zum erstenmale vorgekommen, daß Verbrecher die Namen bekannter Personen angegeben, was dann auf leere Ausflüchte herausgelaufen ist. Pardon, mein Fräulein r sagt der Officier ernst -und verweisend, trotz des höflichen Wortes. Ich muß Sie noch einmal auffordern, mir nach dem Polizeipräsidium zu folgen, wohin wir Jhren-.Onkel telephonisch berufen wollen." Folgen Ihnen auf das Poli zeipräsidium?" zmd um Ernas. Mundwrnkel zuckt es. wie Hohn, whrend die Thronen schon 'wieder die Wangen h:rabrollen. Sie irren sich, Herr Lieutenant, wenn Sie glauben, ich würde mit einem uniformirten Polizeibeamtrn durch die Straßen gehen. .Ueber des Officiers Gesicht fliegt eine dunkle Röthe. die ihn noch hübscher erscheinen läßt. Mein gnädiges Fräulein." sagt er, und Erna constatirt mit Genugthuung, daß er endlich die richtige Anrede gefunden, Fremde könnten leicht denken, daß wir gesellschaftlich zusammen verkehrm und Sie brauchen meine Begleitung nicht als Eskorle zu empfinden, wenn Sie so sicher sind, daß der Irrthum sich aufklären wird." Bedauere," sagt Erna erzürnt und zitternd, ich weise es ganz entschieden zurück, mit Ihnen gesellschaftlich zu verkehren, Herr Lieutenants und ich begebe mich nicht einen Schritt in die Öffentlichkeit in Begleitung eines Polizeibeamten wagen Sie es, Gewalt anzuwenden!?" In dem Officier dringt immer energischer die Ueberzeugung durch, daß er es in der That mit einer Unschuldigen zu thun hat, und das Fatale der Lage wird immer größer. Ich mache Sie darauf aufmerksam, gnädiges Fräulein, daß ich nur meiner Pflicht folge, die mir verbietet, da Sie uns nun einmal als diejenige, die wir suchen, bezeichnet sind, Sie auch nur eine Sekun.
de ohne Aufsicht zu lassen, bis Sie uns nicht Beweise unseres Irrthums gegeben." Eine merkwürdige Auffassung in der That," ruft Erna erbittert, aber 5 sei. ich will Ihnen ja in der Bürgschaft meines Onkels die untrüglichsten Beweise Ihres Irrtums geben."
So lassen Sie uns Ihren Onkel aufsuchen gnädiges Fräulein! Ihre Weigerung, sich in meiner Begleitung zu zeigen, könnte ich als Beleidigung auffassen." Klassisch!" lacht Erna bitter. Aber legen Sie mir meinetwegen Handschellen an. um das Maß voll zu machen. Gutwillig gehe ich als die von Ihnen polizeilich Bewachte nicht über die Straßen." In dem Officier kämpfn Pflicht und Mitleid einen heftigen und entscheidenden Kampf. Er darf sie nicht freigeben, bis sie sich nicht als die. die sie zu sein vorgibt, ausgewiesen, aber er beschließt auch, ihrem Willen, so weit es seine Pflicht zuläßt, nachzugeben. So müssen Sie sich hier noch eine kjajjfce Stunde aufhalten, bis ich Ihren Onkel persönlich aufsuchen und herbringen kann," sagt er und Erna willigt ein. Der Osficier verläßt das Zimmer, um unten in einemTazameter so schnell wie möglich das Bankhaus Z. u. Co. zu erreichen, während Erna die peinlichsten Minuten ihres Lebens verlebt. Von zwei Polizeibeamten wie eine Die bin bewacht ach, sie verwünscht die Großstadt, die ihr plötzlich als ein Sodom erscheint. Es währte genau 25 Minuten, bis sie unten eine Droschke vorfahren hörte. feie will ans Fenster eilen, um zu sehen, ob der Onkel es sei, aber einer der Polizisten vertritt ihr den Weg. sie könnte sich ja durch ein Zeichen mit irgend Jemand verständigen. Aber noch ehe Erna dazu kommt, sich von Neuem zu ärgern, wird die Thür geöffnet und ein vornehm aussehender Herr mit weißem Haar tritt in's Zimmer. Kind, was machst Du denn für Geschichten?" Erna antwortet nicht sie lacht und weint abwechselnd; dann wendet sie sich zu dem Officier, der mit den peinlichsten Empfindungen neben dem Commerzienrath steht, und fragt mit einer vernichtenden Fülle von Spott und Hohn um die Lippen: Nun, stimmt es, Herr Lieutenant?" Vollkommen!' Das heißt, Ihre Angaben, gnädiges Fräulein. Und ich muß im eigenen, wie im Namen unserer Polizei tausendmal und unterthänigst um Verzeihung bitten, daß Ihnen diese Unannehmlichkeit bereitet werden konnte." Unanehmlichkeit? Eine Schmach hat man mir angethan und nicht wahr, Onkel, der Polizeipräsident muß mir Genugthuung verschaffen, oder " Ihre großen, schwarzen Augen blitzen vor Zorn. .Sie sieht sehr hübsch aus, erscheint dem Polizeiosficier entzückend, aber daß sie ihm derartig feindlich gegenüber steht, erfüllt ihn beinahe mit Verzweiflung. Ich möchte in Ihren Augen nicht der Verbrecher sein, der Ihnen so viel Schmerz zugefügt hat. Ich bitte Sie, Herr Commerzienrath," wendet er sich zu diesem, wollen Sie bei JhrerFräulein Nichte mein Fürsprecher sein und ihr Klar machen, daß Sie nur Ihrer Pflicht gefolgt sind. Gewiß, Herr Lieutenant, das will ich thun." lächelte gutmüthig der alte Herr. Damen fassen jede Berührung mit der Polizei als eine persönliche Beleidigung auf. Aber Du mußt das nicht so tragisch nehmen, Kind. Sieh, der Herr Lieutenant hat nur seinePslicht gethan und jeder Staatsbürger muß sich das gefallen lassen, wenn eme fatale Aehnlichkeit mit einem Verbrecher ihn in den Verdacht bringt, dieser zu sein." Der Officier venteigte sich dankend. Wollen Sie mich Ihrer Fräulein Nichte erstellen, Herr Commerzien. rath?" Herr Lieutenant von Salden meine Nichte Erna Weitzrecht. Aber nun komm, mein Kind, wir fahren nach Hanse." Lieutenant von'Salden begleitete den Commerzienrath und seine Nichte an den Wagen, was letzterer nicht mehr als. ehrenrührig" auffiel, aber sie war doch noch so aufgebracht gegen ihn, daß sie ihn keines Wortes, keines Blickes würdigte. Zerknirscht blieb det Lieutenant zurück und schon wollte sich über des armen Schutzmannes Haupt ein schreckliches Gewitter zusammenziehen. Aber plötzlich hellt es' sich auf Saldens Stirn wieder auf. Ohne den Mißgriff hätte er ja das reizende, temperamentvolle Kind gar nicht kennen gelernt. Daß sie sich so tapfer gehalten, anstatt in hysterische Krämpfe zu verfallen, wie manche andere bei dem Schreck gejhan hätte, war über alle Begriffe schneidig. Salden befand sich in Feuer und Flamme er strich seinen Schnurrbart und faßte einen Entschluß! Unterdeß mußte Erna im Hause ihrer Verwandten Chinawein trinken und, sich zu Bette legen, da die Erregung sie doch ermattet hatte. Ihre Sachen wurden aus dem Pensionat geholt man ließ sie nicht mehr fort. Am nächsten Morgen wurde ein mächtiges Füllhorn köstlicherOrchideen und Rosen für Erna abgeaeben. Mittags erschien der Geber selbst, Lieutenant von Salden, seine Bitte uvVergebung noch einmal zu Füßen legend. Erna, noch etwas bleich, war heute doch gnädiger immerhin glaubte sie sich die Genugthuung schuldig zu sein, den, der sie gestern zur Gattenmörderin hatte stempeln wollen, heute als Verbrecher zu behandeln. Salden ließ sich das nicht anfechten und wußte sich so in die Gunst des CommerzienratheS 1
zu setzen, daß er ein hausiger und gern gesehener Gast in dessen Hause wurde. Nach vier Wochen trat er vor Erna hin und fragte sie, ob sie sich so weit an seiner Seite in der Öffentlichkeit zeigen wolle, um seine Frau zu werden. Ich habe , mir allerdings ein ganz bestimmtes Ideal gemacht, das ich zu heirathen gedenke." sagte sie ernst, indeß ihr der Schalk im Nacken saß. Nun. und trifft diese Vorstellung die Wirklichkeit in etwas?" Sie musterte mit finster zusammengezogenen Brauen seine schlanke, elegante Gestalt, das schwarze, glänzende Haar, wie das kecke Bärtchen in dem hübschen Gesicht, und sich leicht in den Hüften biegend, sagte sie mit schelmiscbem Lächeln in dem blühenden Gesicht endlich: Es stimmt!" Mit einem Jubelruf schloß er sie in die Arme und küßte das braune Mal auf der rosigen Wange, das besondere Merkzeichen", das hauptsächlich zu ihrer Verhaftung geführt hatte. Wenige Monate später fand die Hochzeit des jungen Paares statt. Am Hochzeitsdiner flüsterten die Gäste von einer Devise in den Ringen der Beiden und man fragte endlich bei ihnen an. wie jene wohl laute. Lachend wiesen sie ihnen die Ringe, die in der Innenseite neben dem Datum des Verlo-bungs-und Hochzeitstages zwei Worte trugen nichts weiter als: Es stimmt." To twee!
Trina". seggt Fro Schulze to ehre nige Magd, de se erst vör acht Dagen kreegen harr, Trina, Du schallst mal utgahn, ick will hüt Nomiddag cene lüttje Kaffeegesellschaft geben, und dato schallst Du de Damen nödigen. Süh, de Namen heff ick Di up düssen Zeddel schreben; un nu geihst Du hen und seggst: Froo Schulze leet grüßen und laad de Damen to hüt Nahmiddag Klock veer to een Taß Kaffee in. Heft Du dat verstahn, min Deern?" Jawull. Froo Schulzen, ick will't bestelln", seggt Trina und güng. Na," seggt Froo Schulzen, als Trina wedderkäm, watt hebbt de Damen seggt?" Se wullen Alle kaamen. Se schienen sik bannig to frei'n, denn se lachen alltohoop' Sooo? Trina, lacht hebbt se? Ach Watt, datt hett Di wull man so dücht!" Dormit güng Froo Schulzen in de Stuuv, kreeg Teller un Tassen ut'n Schc-pv und stell' se opp'n Disch, un als se cllais fartig harr, öok den Kaffee goor, do kömen denn ook ehre Gäst'. Froo Schulzen füng denn nu ok an. jntoschenken, un geew den Kooken herüm. De Damen leeten sick nich lang nödigen, man kunn't jüm ansehn, datt de Kaffee smeckt, un dorbi keeken se sick eenanner an un seh'n so vergnögt ut,.as harr'n se ehr Leben lang noch nich'so'n schönen Kaffee drunken. Froo Schulzen schenkt tum tweet'n Mal in, un de Damen drunken tum tweeten Mal ut. Aß se aber nu jüst een frische Kann'n vull rinholt harr, un tum drütten Mal inschenken wull, da danken se alltohoop un künnen sick vor Lachen nich helpen. Froo Schulzen wuß' nich, wat ehr Passiren däh un fröög. Watt denn dat to bedüden harr. Aber nüms wullt feggen. Endlich nöhm Froo Müller dat Wurt un säd: Liebe Frau Schulzen, Sie haben uns ja zu zwei Tassen Kaffee einladen lassen!" Froo Schulzen wür ganz bestört, doch se begreep sick bald wedder und rööp de Magd. Trina, wat hest Du to de Damen seggt?" fröög se. Ach. Froo Schulzen." säd Trina, und de Thränen leepen ehr över de Backen, ick schüll jo seggen to een Taß Kaffee aber dat mllgh ick nich seggen datt dücht mi doch een beten wenig, un do heff ick seggt to twee!" Des Lieutenants Trick. Lieutenant Victor Blue. der junge, kühne Officier, der kürzlich 75 Meilen auf kubanischem Boden zurücklegte, um sich die spanische Flotte im Hafen von Santiago einmal genau anzusehen, war früher der Bennington" attachirt, welche vor ungefähr drei Jahren im Hafen von Honolulu lag. Damals war er Fähnrich und bis dahin hatte er noch nie als Meßvorstand fungirt. Sofort wurde er für dieses wichtige Amt gewählt. -Lieutenant Blue ist von Natur fehr gutmüthig, aber dieser Job" gefiel ihm gar nicht. Seine ' Abrechnungen stimmten nie, und fast jede Woche mußte er von seiner Gage zulegm. Tag und Nacht grübelte er nach, wie er dieses Ehrenamt wieder los werden konnte. Nun ist es Sitte, daß, wenn ein neuer Meßvorstand gewählt wird, sich die Officiere jeden Taa nach dem Essen wiegen lassen, um dem Caterer"' zu zeigen, daß sie an Gewicht verloren haben, seine Verpflegung also nichts taugt. Hierauf baute Blue. Er construirte sich also eine große Waage und eines Nachmittags lud er die Officiere ein. seine Waage zu benutzen. Bei allen zeigte es sich, daß sie ein Pfund an Gewicht verloren hatten. Am nächsten Tage hatten sie wieder je ein Pfund verloren. So ging es mehrere Tage fort. Schließlich hielten die Officiere eine Versammlung ab und beschlossen einstimmig, Lieutenant Blue wegen Unsähigkeit" seines Amtes zu entsetzen. Blue protestirte anfangs dagegen, schließlich ergab er sich in sein Schicksal, aber jedes Mal, wenn er seine Waage sah, mußte er leise vor sich hin. lächeln. Im Walde. Sie sind müde, Schwiegermama? Sehen Sie hier das Hügelchen, setzen Sie sich doch!" O, ich kenne Sie schon, Herr Schwiegersöhn, ins ist gewiß ein Ameisen. Kaufen!"
FerschMtct. Von I. H. GicrZ. Mein Beruf hielt mich längere Zeit an einen jener kleinen Orte gefesselt, die inmitten der westfälischen BergWerkszone liegen. In der Regel bilden diese Heimstätten des Bergmannes nur eine einzige, endlos lange, monotone Straße, die mit kleinen Häuschen bebaut ist und unter denen höchstens das Amtsgebäude, die Post und das Gasthaus die Eintönigkeit unterbrechen. Ich wohnte in einem der kleinen Häuser, denn ich befand mich zum Studium des socialen Lebens der Bergleute an jenem Orte. Meine Wirthin war die Wittwe eines Bergmannes und ihr Sohn folgte demselben Berufe, wie der Vater. Sie war eine ruhige, stille und fleißige Frau. Ihr ganzes Denken erfüllte die Liebe zu ihrem Jungen aus, und dieser trug sie dafür auf Händen. Ich lernte Beide näher kennen; es war ein harmonisches Verhältniß zwischen Mutter und Sohn, welches auf einen Dritten einen eigenartigen Zauber ausübte. Der Jochen hatte Nachtschicht. Ich saß bis zu seinem Fortgang plaudernd bei den Leutchen und begab mich dann zur Ruhe. Plötzlich wurde ich, der Morgen graute bereits, durch eine starke Erschütterung. einem Erdbeben gleich, aus dem Bette geschreckt. Eine Ahnung sagte mir sofort, daß sich etwasFurchtbares ereignet haben müsse. Eiligst
kleidete ich mich an. Auf der Straße wurde es lebendig. Frauen und Kmder stürmten der Zeche zu. vereinzelte Rufe drangen zu mir herauf. Mein Gott," dachte ich entsetzt, Jochen befindet sich im Schacht!" Ich liefchinab, um die arme Mutter zu beruhigen, allein sie war bereits fort hinaus zum Förerhause. Als ich dort anlangte, fand meine Ahnung eine furchtbare Bestätigung. Schlagende Wetter hatten eine Katastrophe herbeigeführt. Siebzig Menschen befanden sich drunten tief unter der Erde. Man erlasse mir, all' die erschütternden Scenen zu beschreiben, die sich nun abspielten. Greise, jammernde Frauen und Kinder irrten in der Angst um das Schicksal ihrer Angehörigen halb wahnsinnig umher. Jochen's Mutter, welche auf einem Balken saß. hatte keine Thränen, der ungeheure Schmerz hatte diesen Quell versiegen gemacht. Das graue Haupt hatte sie in die Hände gestützt und nur leise, fast mechanisch klang es immer und immer wieder von ihren Lippen: . Jochen, armer, guter Jochen!" Von der Verwaltung wurden sofort alle nur denkbaren Rettungsversuche angestellt. Man suchte von anderen Stollen, die intact waren, zum Herde der Katastrophe zu gelangen.. Doch brauchte man dazu wenigstens sechs Tage. Einer von den Beamten ließ von den Luftschachten aus Leinen, mit einem Gewicht beschwert, herab. Es konnte ja immerhin möglich sein, daß sich einer der Eingeschlossenen dorthin geflüchtet. - . Diese Lustschachte sind gerade so hoch, daß ein mittelgroßer Man in dem Raume stehen, sich jedoch kaum zu bewegen vermag, während von dem Schachte aus eine enge, ca. acht Zoll weite Oeffnung nach der Oberfläche führt. Die Versuche waren bisher ergebnißlos, und der Beamte begab sich mit mir an das letzte, direct an der Explosionszone gelegene Luftloch. Die Leine wurde niedergelassen, es konnten wohl an die 100s Fuß sein. Da ein Zupfen die Leine bewegte sich da unten befanden sich lebende Menschen. Wie viele es waren, konnte nicht festgestellt werden, da eine mündliche Verständigung unmöglich war. Ein Hoffnungsstrahl blitzte über die Züge der bleichen Gestalten, die sich vor der Zeche drängten. Es galt vor Allem, die Verschütteten am Leben zu erhalten, bis ihre Rettung gelang. Alle vier Stunden wurde mit tels einer Leine in einer länglichen Flasche entweder warme Milch oder starke Bouillon in das Luftloch hinabgelassen. Sofort begannen die Arbeiten seitlich des Luftschachtes, um von dort die ersehnte Befreiung zu bringen. Endlich, nach sechzigstündiger. rastloser Arbeit hatte man den Schacht freigelegt. Aber nur Einer von Allen konnte das Tageslicht wieder begrüßen. Jochen! Und wie hatte er sich verändert! Aus dem blühenden Jüngling war ein Greis geworden! ' Als man ihn heraufgebracht hatte, hob sich seine Brust zu langem Athemzuge; ein dankender Blick, und dann sank er ohnmächtig seiner beglückten Mutter in die Arme. Wie ich später erfuhr, war dem Unglücklichen, der sich erst allmälig wieder erholen konnte, das Grubenwasser, das sich ansammelte, nach und nach bis zur Halshöhe gestiegen er sah den sürchterlichen Tod langsam, schleichend, mit jeder Stunde nähe: rücken noch einen halben Tag, und er wäre im Schachte ertrunken. Das sagt genug. Ihr neuer Student treibt es wohl sehr arg, Frau Nachbarin?" Zimmervermietherin: Der ist ber größte Bettschöner, den ich je gekannt!" Trost. Alte Jungfer: Ein Trost ist's wenigstens: daß man sich zwar öfter verheirathen, aber nur einmal sitzen bleiben kann!" Bessere Partie. Wat, Frau .Nachbarin,' Ihre Tochter heira thet eenen Eckensteher?" Jawohl, aber er fleht an ecner Palastecke!-
Französische HoÄzeitSgevräuche.A Eine Pariser Braut aus dem Bürgerstande betrachtet sich kaum als wirk-
'lich verheirathet, wenn sie nicht einen sogenannten Hochzeltsausflug nach Suresnes. St. Cloud oder dem Jardin d'Acclimatation unternehmen kann. Da sieht man denn im Frühjähr und Sommer die eb:n getrauten jungen Pärchen zu Dutzenden in vollem Hochzeitsstaat, gefolgt von dem ganzen Schwärm der geputzten Gäste, durch die schattigen Alleen wandeln. Die Braut trägt die Schleppe ihres weißen Gewandes mit einer Miene über den Arm, als wären zwei Meter lange, mit Blondcnrüschen und Orangenblüthen besetzte Schleppen etwas höchst Alltägliches. Der Umstand, dafc dabei duftige Spitzenjupons und zierliche Atlasschuhe etwas sehr den neugierigen Blicken preisgegeben sind, scheint der koketten Schönen gar nichb zum Bewußtsein zu kommen. Mit einer nur der Pariserin eigencn, achlässigen Grazie lehnt sich die Zunge Frau auf den Arm ihres Gatten, der in seinem schwarzen, oft nur für diese Gelegenheit geliehenen Frack stolz neben ihr herschreitet. Die große Rosette im Knopfloch und der gefährlich tief in den Nacken geschobene Cylinder kennzeichnen ihn schon von Weitem als den Bräutigam. Gewöhnlich bemüht er sich, eine Cigarre zü bewältigen, an deren Größe und Stärke er durchaus nicht gewöhnt ist; in der einen Hand hält er irgend ein albernes Spielzeug, wie zum Beispiel inen kleinen Besen aus Papiermache, mit dem sich die neugebackenenEhemänner meist zu bewaffnen pflegen. Diese französisch 'NÄräutigams aus dem Volke martiren nur selten eine schneidige Figur; oft sehen sie recht kläglich neben der hübschen, feschen Erscheinung, der Braut aus. Ihr Gesicht trägt immer einen Aus druck des Glückes, derselbe hat aber häufig etwas Gezwungenes, man möchte fast sagen Hypnotisirtes", an sich, und man ist nie ganz sicher, ob er die seligen Gefühle des Herzens oder die soeben durch ein reichhaltiges Dejeuner entzückten Gefühle des Magens widerspiegelt. Dem Brautpaar auf dem Fuße folgen dann in Paaren die jüngeren Hochzeitsgäste beiderlei Geschlechts und zuletzt kommt eine größere Gruppe daher, die aus den Eltern und nächsten Verwandten der Brautleute besteht. Nachdem sich die Hochzeitsgesellschaft in den öffentlichen Gärten zur Genüge hat anstarren lassen, begibt sich der ganze Zug per Kremser oder in Droschken nach einem Restaurant, wo das Diner schon bestellt ist und wo nach beendeter Tafel getanzt werden kann. Diese letzte Velustigung dauert oft bis in den nächsten Tag hinein. Kind und Königin. Die Holländer sind unerschöpflich in Geschichten und Anecdoten über ihre jugendliche Königin Wilhelmine. Als Prinzessin Wilhelmine Königin geworden war, soll sie über den Titel Mcvrouw" mehr oder weniger außer sich gewesen sein, da er ihr gar nicht gefiel. . Dem aufgeweckten Köpfchen der jungen Trägerin einer Königskrone aber gab die neue Würde allerhand zu denken auf. Von da ab durfte sie nur noch durch ihre Mutter, die Regentin, getadelt oder bestraft werden. Die Erziehung sowie der Unterricht wurde selbstverständlich durch ihre Stellung auch erschwert. Als sie .nun eines Tages auf Allerhöchsten Befehl frühzeitiger als sonst zu Bette geschickt worden, mu ihr das in der That sehr wenig vereinbar mit ihrer königlichen Würde erschienen. sein, denn als ihre Mutter sich einige Stunden später in das gemein,same Schlasgemach begab, um einmal nachzusehen ob ihr Liebling bereits ruhe, vernahm sie die Worte: Da liegt nun die Königin der Niederlande gestraft in ihrem Bette!" Ein anderesmal klopfte sie an die Thüre der Regentin. Wer ist da?" rief's aus dem Arbeitszimmer. Die Königin der Niederlande!" Keine Antwort. Es klopft wieder. Wer ist da?" Die Prinzessin von Oranien!" Wieder keine Antwort. Es klopft zum drittenmale. Wer ist da?" Mamas Kind " Dafür bin ich immer zu sprechen!" wütete die Antwort diesmal, und die Mutter schloß die kleine Besucherin in ihre Arme. Wurden ihr auch manchmal die Kußhändchen .etwas viel, die sie von den Stufen des Palastes der versammelten Menge zuwerfen mußte, so empfand sie das lä--stige Grüßen auf ihren Spazierfahrten als, sie größer wurde doch noch weit mehr und sie drohte allen Ernstes hren Puppen mit der Strasi. sie mitzuriehm'n und eine ganz Stunde lang, zur Rechten und zur Linken grüßen zu lassen., Einem Tischgenossen gegen--über klagte sie. daß sie trotz einer Reisetäglich, ihre Stunden bekomme und arbeiten" müsse. Als der Angeredete sie deshalb , pflichtschuldigst bedauern wollte. schw,!!e sie jedoch behende ab mit den Worten: 'Wenn die anderen Kinder im Herbste'ihre Ferien haben, dann bekomme.iÄ aber auch ganz frei!" Während eine Aufenthaltes in Amsterdam milßtc sie wieder, einmal, frühzeitig zu Veite gehen. Die Strafe gefiel ihr durchaus nicht. Oben im Treppenhause argelangt, wandte sie sich noch einmal zu ihrer Begleiterin um und sagte vorwurfsvoll: O, wenn meine Unterthanen wüßten, wie ich jetzt mißhandelt' werde!"; dann zog sie sich schmollend iü ihr Schlafgemach zu--rück. X 1 Schlau. Warum haben' Siegerade ' diese , Wohnung gemiethet?" In dem Hviüse wohnt ein Polizeibeamter, und ia nimmt sich meine Frau. wenn ich t. einmal spät nach Haus, komme vo nächtlicher Ruhestörung inruM
MMI
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