Indiana Tribüne, Volume 21, Number 354, Indianapolis, Marion County, 11 September 1898 — Page 6

gilt glückliches Faar. Von Alfred Hedenstjerna. Ja, es gibt seltsame Menschen," er-.-zahlte mir die alte Kochfrau, Leute, die ein so glückliches Gemüth haben, daß in keiner Lage ihre Fröhlichkeit nachläßt." Eines Tages sitze ich hier in meimm Zimmer und denke an nichts, es mag nun so sieben Jahre her sein "ba hält ein hübscher Halbwagen mit ein paar schönen braunen Pferden vor ttz Thüre, und eine niedliche junge Frau will herausspringen. Aber der Herr, der neben ihr saß und auch ein hübscher flotter Kerl war, schlang den Arm um sie und küßte sie mehrmals. 3$ wohne ja in einer stillen Gasse, wie Sie wissen, aber trotzdem ... Ich gehe indessen ein Stückchen hier -in den Anlagen spazieren, und Johann Hält so lange mit den Pferden dort unter -dem großen Kastanienbaum," sagte er. Sie nickte nur und tanzte zu mir hinein und sagte in einem Athemzug, fraß sie Ingenieur Elflinds auf Berga2jof wären und am Mittwoch in der nächsten Woche eine Gesellschaft geben wollten und daß ich ihnen die Sache -Qrrangiren sollte, es wäre ja nur eine 'halbe Meile .bis Bergahof und Alles sollte mir sehr bequem gemacht werben, ein Federwagen könnte hin- und herfahren, so oft ich es wünschte, sie hätte gehört, ich sei eine so vortreffliche cherson, sie wäre ganz glücklich, daß ich so freundlich aussähe, ich sollte zwei Diener beschaffen, denn sie wüßte keintn, und Alles sollte fein und reichlich sein. Sie hoffte, ich wäre nicht verhindert, es zu übernehmen. Als sie so schwatzte und lachte und mich klopste und in der Stube herumsprang, war es mir gerade, als wenn n-.ehr Sonne in das Zimmer hineingekommen und ein ganzer Zug Singvöpl hineingeflattert wäre. Man sagte ja, er wäre ganz verrückt auf sie, und wie konnte er auch anders sein! Wenn ich am selben Tage bei Amtmanns zugesagt hätte, wäre ich doch nach BergaHof gegangen. Sie war die reizendste Frau, die ich jemals gesehen habe. Wir plauderten ungefähr zwanzig Minuten miteinander, aber ehe wir :noch fertig waren, kam bereits der Ingenieur. Er gebärdete sich, als wenn er mindestens von Australien heimkehrte und sie seit drei Jahren nicht gesehen .hätte, obgleich, wie ich wußte, sie seit isieben Jahren verheirathet waren. Und .als sie dann die Straße hinauffuhren, -umarmte er sie und mir war es, als Uvenn ein Busch von Licht und Freude und Liebe hinter dem Wagen stehen blieb. Es gab Niemand in der Stadt, der die Herrschaft Elflind nicht gut leiden mochte, aber es gab auch keinen, der nicht die Achseln zuckte und lächelte, wenn ihr Name genannt wurde. Das hing mit ihren Geschäftsverhältnissen zusammen, sehen Sie, Alle sagten, sie wären wie Kinder, wirthschafteten so thöricht, daß sie mitten in all' ihrem Küssen, Scherzen und Jubiliren dem sicheren Ruin entgegengingen. Als ich hinauskam, war die Frau so glücklich über ihre fünfhundert Lampions im Garten und all' die anderen .schönen Arrangements, daß sie mich umarmte, mich fest an sich drückte und .ganz laut losjubelte. Aber auf den Aeckern stand die -Saat entsetzlich schlecht, und eines der 'Mädchen sagte mir, sie hätten vierzehn Wferde, aber nur vier Kühe. Das wurde ein Fest, wie es sich lohnt. Natürlich war es ein Diner, und die Lustigkeit ließ nicht, wie es sonst der Fall zu sein pflegt, bis zum Sect auf sich warten, sondern Alle 'waren bereits munter, als sie kamen, sind die Frau und der Ingenieur standen auf der Treppe und empfingen die -Gäste, nicht im Salon, wie es sonst bei seinen Leuten üblich ist, und sie strahlten förmlich vor Glück und wußten gar nicht, was sie Alles ihren Gästen zu Liebe thun sollten. Ich sah sie. als ich über den Hof ging von der Küche -nach dem Vorrathshaus. Und der Ingenieur hielt bei Tisch lnt Rede nach der andern, nicht solch' langweilige Reden, wie hier drinnen in der Stadt gehalten werden, wo der .Redner steht und nach Worten sucht, sondern solch furchtbar drollige, daß .die Gäste sich beinahe todt lachten und '.daß mir fast die Bratensauce ance'brannt wäre, .da ich es nicht unterlassen konnte, im Anrichtraum zu lausehen, während ich mich sonst um die Äederei nicht kümmere. Drei Mal kamen sie. der Ingenieur und die Frau, in den Anrichtraum hinaus und einmal in das Schrank.zimmn, um sich tüchtig abküssen zu können. Als aber das Diner zu Ende war -und die heitere Gesellschaft sich im Karten zerstreut hatte, wo nach dem Kaffee gleich wieder große Bowlen auf.getragen wurden, hörte man in der Ällee einen Wagen auffahren. Er kam nicht bis zur Veranda vorgefahren, sondern hielt beim Kuhstall, und als das Stubenmädchen hinauseilte und nachsah, wer da käme, kehrte sie schnell mit ganz rothem Gesicht zurück und sagte zur Köchin: .Ach in Jesu Namen, welches l5lend! Nun sind sie schon wieder da!" Ach, was sagst Du! Die arme .Herrschaft! Und obendrein heute," erwiverte die Köchin, die sehr wohl zu verstelln schien, wen ihre Collegin mit sie" meinte. Dann holte eines der Mädchen den Ingenieur, und er kam gerade in demselben Augenblick in den Salon hinein. als der Lensman (Gertchtsvollzieher), und ein Bauer, den dieser mit sich gebracht hatte, durch die andere 2hür eintraten. . Der Ingenieur war ein wenig bleich, begreiflicher Weise, aber u Machte doch, streckte dem Lensmann

beide Hände enZgegen und hieß ihn willkommen. Ich konnte es nicht unterlassen, vom Anrichteraum hineinzugucken und zu lauschen, obgleich ich wohl wußte, wie häßlich das eigentlich war. Willkommen zu sein, kann ich wohl leider nicht hoffen." sagte der Lensmann. Es ist mir sehr peinlich, daß ich gerade herkommen muß, da Sie Fremde haben . . . vielleicht wäre es Ihnen lieber, . . . wenn ich morgen ? Ach. keineswegs, Herr Lensmann! Es ist nur ärgerlich, daß Sie nicht kamen, bevor wir gegessen hatten. Aber man muß das Eisen schmieden, so lange es heiß ist. Es handelt sich um die Forderung von Bergmann & Co. für die Aussaat, nicht wahr?" Ja, achthundertvierundneunzig Mark und fünfundsiebenzig Pfennig mit den Kosten." Gott, wo sollen wir das hernehmen? Dieser schöne Flügel hier kostet zwölfhundert. Reicht das?" Ich fürchte, daß es nicht der Fall sein wird." Na, da ist noch das Büffet. Ein Kunstwerk! Es hat sechshundert gekostet! Was Teufel! Noch nicht genug! Heute scheinen Sie großen Appetit zu haben, Herr Lensmann. Na, nehmen wir denn noch ein Paar von diesen Gemälden hier. Keines von ihnen hat weniger als vierhundert gekostet. Bitte sehr! Leuchten Sie einmal, Lina!" Es thut mir wirklich leid .... hm . . . . meinte der Lensmann. Die Pflicht geht Allem vor! Darf ich Sie bitten, die Siegel so diskret wie möglich anzubringen?" Dann wurde das Pfändungssiegel der Reihe nach auf den Gegenständen angebracht. Als der Ingenieur den Flügel gerade wieder nach der Wand herumdrehte, nachdem das 'Siegel auf die hintere Seite aufgedrückt war, kam die Frau ein wenig unruhig hinein. Was gibt es, Robert?" Ach nichts, Geliebte, der Herr Lensmann wollte sich nur unser Instrument ansehen. Er denkt, möglicher Weise, ein ähnliches für seine Tochter zu kaufen." sagte der Ingenieur mit wirklichem Galgenhumor. Aber aus einem Blick, den die Eheleute wechselten, begriff ich doch, daß sie Alles verstand. Na, sehen Sie, Herr Lensmann! Aber was fällt Ihnen denn ein, daß Sie schon gleich wieder fort wollen! Daraus wird nichts! Erst die Pflicht, dann das Vergnügen! ist mein Wahlspruch, obwohl es. Gott sei Dank, hier ja so gegangen ist, daß das Lustige sowohl zuerst als zuletzt kam. Hier hinaus, bitte sehr! Ja so, der Zeuge! Verzeihen Sie! Seien Sie so gut, meine Herren!" Und dann faßte er den Lensmann unter den Arm und führte ihn in den Garten hinunter zu der frohen Gesellschaft. Ein Weilchen später zog die Frau mit glühenden Wangen den Ingenieur in den Anrichteraum hinein. Es war schon dämmerig, so daß sie mich nicht bemerkten. Robert, um Gottes willen! Was für ein Unglück!" Ah bah, Kind! Nur keine Angst! Ein ganz gewöhnliches Geschäftsarrangement, mein Liebling! Ich versichere Dich, viele besorgen ihre BeZahlungen rein aus Prinzip in dieser Weise durch diesen gemüthlichen Herrn. Man bekommt dann doch eine ordentliche Quittung, mein Schatz!" Bist Tu auch wirklich nicht verstimmt. Robert?" Der Mann, der Dich zur Frau hat und verstimmt ist, muß ein Tropf sein. Glaubst Du, Schatz, daß Dein Bobbe ein Tropf ist?" Dann lachten sie und küßten sich ein paar Minuten lang. Die Gäste blieben auch noch zum Souper. Einmal, als der Diener ein Tablett hineintrug, blieb die Thüre ein Stück offen stehen, und da hörte ich die frohe Stimme des Ingenieurs: . . . . und während wir uns hier amüsirten, erfüllte unser letztgekommene: Gast theure Pflichten hier in der Nähe, aber ich war glücklich genug, im

Vorbeikommen auf ihn Beschlag zu legen, und ersuche daher die geehrten Herrschaften als gleiche Wethschätzung gemeinsamer Gefühle in dieser mah nenden Stunde, welche eine gnädige Vorsehung uns zur gemeinsamen Freude gestempelt hat, unsern Willkomm durch ein Hoch auf Herrn Lensnann Walliß zu besiegeln!" Nach einer Weile rief der Ingenieur nach seiner Frau, die bei uns draußen war. um nachzusehen, ob wir auch unsern Antheil am Festschmause bekamen: Setz' Dich einen Augenblick an den Flügel, Violachen! Gerade jetzt eben erfuhr ich. daß der Herr Lensmann ein hervorragender Burschen - Sänger ist. So, stellen Sie sich in Positur, Herr Lensmann, ich singe selbst . die Partie des Magisters!" Niemals hatte der Flügel besser geklungen. . Als die Gäste fort waren, setzte sich der Ingenieur auf's Sopha auf der Veranda und zog die Frau auf sein Knie nieder. Auf dem Tische neben ihm stand eine Flasche Selters - Wasfer. Welch herrlicher Abend. Violachen!" Ja. und welch prächtiger Tag! Alles glückte so außerordentlich. Der Lensmann ist ein recht gemüthlicher Mensch! Die Lina muß sich übrigens in acht nehmen, daß sie die Siegel nicht verletzt. Wie lange sollen sie da eigentlich sitzen bleiben. Liebster?" Nur bis Bobbe wieder Geld hat!" Und geschieht das bald, Robert?" Alles kommt viel zu rasch für den, der die kleine Viola hat!" Ja, sie waren von jeher ein paar kleine Dummrmne, ader gluallchere

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Menschen hat 8 noch niemals auf der Welt gegeben!" schloß die alte Koch frau ihre Erzählung. Was ist denn aber aus ihnen geworden?" fragte ich. Ich fürchte, die Gutsherrlichkeit nahm bald ein Ende?" Ach ja, der Lensmann verkehrte so lebhaft im Hause, daß sie in zwei Jahren Alles, was sie besaßen, los wurden. Aber das thut nichts, denn nun hat er eine gute Anstellung in der Hauptstadt, und beide sind noch glücklicher als jemals. Meine Tochter sah sie auf der Ausstellung und sie sahen wie ein neuverlobtes Paar aus." IXit billige Heimfahrt. Ein Ctudentenulk. ES gibt Pumpgenies. Studiosus Reichle war aber auch ein Zahlgenie, was er am Morgen nach einer fidelen Kneiperei bewies. Gegen Schluß des officiellen Theils der Kneipe wurde es ruchbar, daß er um diese mitternächtige Stunde vor 20 Jahren sein erstes' Prosit" der Welt gebracht hatte. Kein Wunder also, daß er heute zur Feier der Wiederkehr dieser ereignißvollen Stunde die Kosten der Fidelität tragen mußte. Murrend zog er seinen Geldbeutel (der nichtofficielle Pump war verpönt in der Verbindung, welcher Reichle angehörte) und opferte die Liebesgabe seines Alten. Er zählte die freibiergierigen Häupter der Korona und hoffte, von dem deponirten Mammon noch einen Theil retten zu können, als er nur fünfzehn noch trinkfeste Burschen um sich versammelt sah. Als der Morgen graute, erkannte Reichle seinen Irrthum; er hatte vergessen, mit dem Ueberdurst der standhaften Zecher zu rechnen, die feiner eigenen Zurückhaltung spotteten und ihm für die Zukunst ein maßvolleres" Benehmen auf der Kneipe empfahlen. Aergerlich über seine Nüchternheit, beschloß er, sich zu rächen. Seine Bude lag ziemlich weit vor dem Thore der Stadt und dort hinaus wollte er die müden Gesellen mitschleppen. Er frohlockte, als die Ahnungslosen seinen Vorschlag, die Geburtstagsfeier durch einen solennen Gänsemarsch zu beschließen, mit Jubel aufnahmen. Rasch wurde zum akademischen Parademarsch angetreten und Reichle übernahm die Führung. In den gewagtesten Zickzacklinien ging es durch die Straßen, Gassen und Gäßchen. Am Hauptplatz kam der mit feierlichem Ernst marschirenden Schaar eine Droschke in die Quere. Wie ein Blitz durchzuckte es Reichles Gehirn. Ein donnerndes Halt!" brachte die Gänsemarschbrüder. aber auch den tief erschreckten Droschkengaul zum Stehen. Der Student bestieg die Droschke und weihte den Kutscher in seinen teuflischen Plan ein. Der ulkerfahrene Rosselenker begriff rasch. Grinsend kehrte er sich nach dem Innern des Wagens, zog seinen lackirten Hut und hielt ihn Reichle entgegen, wie ein um Almosen Bittender. Reichle aber wandte sich der Schaar zu: Ein jeder nehm' einen Groschen zur Hand und thue wie sein Vordermann!" Dann holte er selbt aus den tiefsten Gründen seiner Westentasche einen Nickel, warf diesen in denHut des Kutschers und verließ auf der andern Seite die Droschke. Den mit der Gänsemarschdisciplin wohl vertrauten Burschen leuchtete es allerdings ein. daß das Hinderniß genommen werden mußte, nur das Berappen für den Durchstieg schien ihnen überflüssig. Doch wagte es keiner, auszukneifen. Gehorsam kletterte einer nach dem andern aus dem Vehikel und opferte feinen Obolus, selbst als' Reichle dieselbe Tour von vorne", kommandirte. Beim drittenmal aber sprang Reichs wortlos in den Wagen, der Kutscher drehte sich schleunigst um, Preßte die nickelhaltige Lackröhre zwischen die Beine, ergriff Zügel und Peitsche und jagte, so schnell es die Rosinante erlaubte, an den. verblüfften Kommilitonen vorbei, denen Reichle ein höhnisches .Guten Morgen!" zurief. Vornehm. Die wahre Vornehmheit ist nichts als das Ergebniß vernehmen Empfindens. deshalb ist sie auch durchaus nicht auf die sogenannten ersten Kreise allein beschränkt. Wohl findet man die Vornehmheit oft in den höchsten Kreisen, wo sie sich von Geschlecht auf Geschlecht vererbt, wo ihre HauptUrsachen das Bewußtsein größerer Unabhängigkeit und die feine Erziehung sind. Werth hat aber die feine aristokratische Form erst dann, wenn sie der Gesinnung entstammt. Diese kann und soll schon im Kinde gepflegt werden. So kommen wir denn auch hier wieder zurück zu der Familie. Niemand glaube die Eindrücke seiner Jugend verwinden zu können," so ungefähr' lautet ein Wort Goethe's. Ein Kind, das von sittlich vorneh men Eltern erzogen worden ist, in einer Umgebung, die frei war von den Mißklängen der Lüge und häßlicher Leidenschaften, ein solches wird bereits früh das Bestreben- nach Harmonie zeigen. Dieses zu vertiefen, ist in erster Linie Sache der Mütter, denn in der Frauennatur liegt viel mehr von jenem feinen Takt, der, ohne zu suchen, stets das Richtige sindet. Mag später auch das Leben oft einen großenTheil der anerzogenen Harmonie zerstören, ganz wird sie nie zu Grunde gehen können, sondern immer Einfluß genug behalten, das äußere Benehmen zu regeln, ihm den Stempel der Feinheit geben und zugleich den der Wahrheit, ohne den selbst die feinsten Umgangsformen nichts sind als inhaltslose Phrasen des Körpers. .

Der gfonrn. Wenn das berühmt: Apportirpferd Almansor" im Circus dem Publikum feine letzten Verbeugungen gemacht hat und stolz aus der Manege hinausge--trabt ist, dann erschallt plötzlich mißtöniges Kreischen und Jauchzen, und herein stürzen groteske Gestalten in faltigen Pumphosen und kurzen, bunten Jäckchen, die spitze Pierrotmütze keck auf dem Kopfe. Aus dem weißgeschminkten Gesicht blinzeln listige Augen. brennend roth leuchtet die Nase, und schwarze und rothe Striche und Punkte vollenden die tolle Maske. Das sind die Clowns, von den Zuschauern mit Hellem Jubel und freundschaftlichem Hallo begrüßt. Auch der ernsthafte Mann kann sich des Lächelns nicht erwehren, wenn sie ihre Arbeit be-ginnen.

$)n find vor Allem die Musikclowns. Universalkünstler, die sich das Musiciren oft recht sauer werden lauen, tote spielen Alles. Heiteres und Schwermüthiges, und' auf allen Instrumenten, von der Harmonika bis zum Fagott und der Posaune. Aber auch Besen, Cigarrenkisten. Ofenröhren und derlei praktisches Hausgeraly Dienen ais Maskirung eines verborgenen Musikinstrumentes. Neuerdings sind die harmonisch gestimmten Schlittenschellen in der Mode, und wenn dann das unvermeidliche Intermezzo aus der Cavalleria Rusticana ertönt, dann will das Jubeln und Basallklatfcyen schon aar kein Ende nehmen. Ebenso beliebt sind die Geiger, die zugleich als Akrobaten arbeiten. Frelllch. emen ergleich mit Sarasate's Kunst läßt ihre Production nicht zu. Aber Herr Sarasate sollte versuchen, auch einmal so zu geigen: auf dem Rücken oder den Schultern des College stehend, den Kopf mal oben, mal unten, die bogenführende Hand durch die Beine gesteckt, dazu scherzen und lachen und am Schluß des Prestissimo einen Saltomortale und doch gleich weiterstreichen. Ob Herr Sarasate die Kunst nicht für die schwerere halten, ob des verehrten Maestro's Geigenstrich nicht an der berühmten Kraft und an Schmelz dabei einbüßen würde? Ein Engländer von Geburt ist gewohnlich der Sprechclown, der mit Behagen in die Manege hereingewatschelt kommt und sich überall recht überflüssig und lästig zu machen versteht. Erst nörgelt er einen armen Stallmeister, dann stürzt er durch eine galante Bemerkung zwei ahnungslos in der ersten Reihe sitzende Damen in tödtliche Verlegenheit und schließlich erlaubt sich gar der Verwegene, die schöne Mlle. Lola, die soeben auf ihrem dicken Nudelbrettschlmmel luftschnappend und lächelnd herumreitet, unter der Sohle des rosaverhüllten Füßchens zu kitzeln. Und wenn er nun gar mit einem Satze über den Rand der Arena springt und plöklich neben dem alten Herrn Fischer, einem würdigen Bürger der Stadt, sitzt und sich zärtlich an ihn schmiegt da amüsirt sich Alles, nur nicht Herr Fischer. Freilich, manchmal enden seine Späße auch höchst tragisch für ihn, und der Körpertheil, der beim Clown von einer besonderen Abhärtung sein muß, macht mit der Peitsche des wuthschnaubenden Stallmeisters schmerzhafte Bekanntschaft. Dann ergreift er die Flucht, doch immer schimpfend und drohend, bis er polternd und krachend jenseits des Manegerandes verschwindet. An der Spitze der Sprechclowns sieht der dumme August". Er ist indessen bei Weitem nicht so dumm, wie er aussieht. In einem großen CircuS ist er oft ein Künstler ersten Ranges, der die höchste Gage bezieht. Er ist der

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beste - Springer, ein vorzüglicher Mirniker und Parodist und der Schrecken der Stallmeister, wenn er mit seiner Harke hereinzebummelt kommt und sich anen Arbeiten in der Manege betheiligen will. Er ist auch ein ritterlicher Verehrer weiblicher Reize, so wie er knieend der Miß Ada" am Schluß ihrer Production seine Huldigung darbringt. Wir wollen dabei dem freundlichen Leser verrathen, daß im bürgerlichen Leben der August" der rechtmäßige Gatte der schönen Reiterin" ist. Das Publikum weiß eben nicht, daß die feurige Dame, die eben durch Reifen und Tonnen sprang, ehrbare Gattin und Mutter ist. Unter den Clowntypen findet sich dann noch der englische Excentrice, dessen derb Arbeit eine geradezu wunderbare Gefühllosigkeit der Körpertheile verlangt, und der Reckturner, der mit seinem stereotypen: O. Cousin, können Sie das?" seinen College im Tricot noch zu übertrumpfen sucht. Eine ganz besonders gern gesehene Erscheinung ist aber der Thierdresseur. Was für eine Fülle von Verstand und Geduld dieser Künstler monatelang aufwandte die Zuschauer können es nicht ermessen an der leichten und lustigen Art, wie er sein Thierreich vorführt. Er liebt seine Truppe, er nennt sie schalkhaft seine Familie. Kommen Sie, Schwein," schreit er, kommen

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Sie zu Ihrem Papa! Sie sind ein großes Schwein!" und seinen Esel stellt er mit den Worten vor: Meine Damen und Herren, das ist mein Bruder!" Er arbeitet mit ihnen, und leicht ist seine Arbeit gewiß nicht. Er springt mit der Dogge über die höchsten Hindernisse, er dirigirt mit Blicken und Gesten den' klavierspielenden Pudel. er wickelt das quiekende, rosige Ferkelchen aus Kinderwindeln und gibt ihm die Flasche. Ein bischen derb sind freilich seine Späße, und oft streifen sie die äußerste Grenze des ästhetisch Erlaubten; aber nie wird der echte Clown Lbscön werden. Da hält er auf gues Renommee. Auch ist der lustige Geselle, der im Circus so drollig sich benimmt, im Leben oft ein ernster, stiller Mann; und die grelle Schminke bedeckt oft ein kummervolles Gesicht; unttx dem bunten Gewände klopft auch ein Menschenherz mit seinen Freuden und Leiden. Pauvre saltinibanque! Zur Jllustrirung dicscr Wahrheit sei hier eine kleine Anekdote erzählt, die ein bekannter französischer Schriftsteller von einem Clown des Cirque d'hiver in Paris zu berichten weiß. Dieser Künstler, durch die glänzendsten Gagen und ourch den brausenden Beifall des Publikums verwöhnt, erhielt eines Abends nach der Vorstellung in seinem luxuriösen Garonlogis den Besuch eines schlichten Arbeiters, der ihm erzählt, daß sein todkrankes Kind in seinen Fieberphantasien immer wieder den berühmten Clown erwähne und nach ihm verlange. Er bitte ihn fledentlich, an das Bett seines Kindes mitzukommen. Der Künstler ist sofort bereit, folgt dem Vater in die ärmliche Wohnung, legt dort das mitgebrachte Costüm an und tritt in die Kammer des kleinen Patienten ein, der ihn bald erkennt und mit glänzenden Augen die gutmüthigen Scherzr und ' Sprünge des Künstlers verfolgt. Immer Heller wird das Lachen des Kindes, immer klarer werden seine Augen der später eintreffende Arzt findet die Krisis gehoben. Dieser Clown soll später zu Freunden geäußert haben, daß in jener Nacht ihn seine Kunst wahrhaft glücklich gemacht habe. . Mancher ist im Leben nur dann zufrieden, wenn er hie und da Grund zur Unzufriedenheit hat. Trinkerlogik. Sepp: Sakra, jetzt woaS i nett, trink' i no eines oder nett? Mei Moagen sagt: Jo Sepp; mei Verstand sagt: Na, Sepp. Mei Verstand is halt klüger wie mei Moagen aber der Klügere giebt nach: Also trink i no oans! ' Mensche freundlich. Wirthin: Der Fremde will diesen Abend durchaus noch fort, durch den finstern Wald . . . wenn das nur gut abläuft!" Wirth: Ja. ja; ich werde ihm nock fünf Mark auf die Rechnung schlagen . . . dann nehmen , sie ihm wenigstens nicht so viel av! - .

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Aas Tekoskop. Ein Gegenstück zu dem Telektroskop

des Polen Jan Szczepanik ist der von dem Franzosen Dussaud erfundene Fernseher. Dussaud, der sich schon durch die Erfindung des Mikrophonsgraphen bekannt gemacht hat, will die Losung des Problems, mit Hufe des elektrischen Stromes Lichtwirkungen in die Ferne zu übertragen, auf einfachere Weise durch seinen Apparat erzielt haden, der gleich dem Telektroskop von Jan Szczepanik auf der Pariser Weltausstellung von 1900 zuerst der Oesfentlichkeit vorgeführt werden soll. Das Teleoskop, wie Dussaud seinen Fernseher nennt, besteht aus einem Aufgabeund einemEmpfangsapparat; wie beim Telektroskop finden wir auch hier wie'der die Eigenthümlichkeit des Selens benutzt, em mehr der weniger gutes Leitungsvermögen für den elektrischen Strom zu zeigen, je nachdem es mehr oder weniger stark beleuchtet wird; auch von farbigem Licht wird dies dem Arsen ähnliche Metall in derselben Weise beeinflußt. Der Aufgabeapparat besteht aus einer photographischen CaAufgabeapparat. mera B, die gegen das zu übertragende Object auf dem Bilde eine männliche Person gerichtet wird. In ihrem Brennpunkte befindet sich die .Drehscheibe C mit vielen auf ihr angebrachten Lochern, die durch n :n dem Kasten G angebrachtes Uhrwerk in rasche Rotation (zehnmal in der Sekünde) versetzt wird. Hinter dieser Scheibe ist eine aus dünnen Selenscheiben gebildete Platte D angebracht, die in den Stromkreis einer' Batterie E eingeschaltet ist. Dieser Strom durchläuft gleichzeitig die Magnetspule eines Induktionsapparates F, dessen Draht, der einestheils in die Erde geleitet wird (bei T), nach der anderen Richtung hin die Fernleitung abgiebt. Letztere endigt in dem Empfangsapparat in einem telephonartigen Apparat II, an dessen Membrane eine feingelochte Platte K aufgehängt ist, hinttz: der sich eine gleiche, jedoch feststehende Platte I befindet. Vor K sind, wie beim AufAufgabeapparat, eine Drehscheibe 0 und eine Camera V angebracht. Das in die Camera des Aufgabeapparates gelangende Bild des vor ihr befindlichen Gegenstandes, beziehungsweise das dieses hervorrufende Licht fällt weiterhin in jenem Apparat durch die

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Empfangsapparat. Löcher der Drehscheibe C auf die Selenplatte D. Da sich nun aber die Scheibe C fortwährend mit ungemeiner Schnelligkeit dreht, fo erleidet die Selenplatte auch fortwährend die Beeinflussung wechselnder Lichtwirkungen von verschiedener Stärke, wodurch der zum Empfangsapparat geleitete Induktionsstrom gleichfalls entsprechend in seiner Stärke wechselt. Jnfolgelessen wird die Membrane des in der Stromleituna befindlichen telephonartigen Instrumentes H mehr oder weNiger stark beeinflußt und dem entsprechend die Platte K mehr oder weniger gehoben und gesenkt. Ein elekirischer Lichtbogen X, der durch zwei Kohlenstäbe im Empfangsapparat erzeugt wird, wirft seine Strahlen durch eine Sammellinse ZI gegen die Gitterplatten L und K. Der Durchgang des Lichtes durch letztere erleidet genau die gleiche Beeinflussung, wie dies umgekehrt beim Aufgabeapparat hinsichtlich der Selenplatte geschah. Das Licht fällt durch K auf die am Empfangsapparat gleichfalls angebrachte Drehschabe 0, tritt durch die Linse der Camera P aus und wirft nun auf einen Weißen Schirm das getreue Abbild des vor dem Aufgabeapparat befindlichen Gegenstandes, nicht nur in allen Farbentönungen, sondern auch in allen seinen Bewegungen. Dieser Fernseher ist, wie aus Vorstehendem erhellt, ziemlich einfach, wie weit jedoch Bilder damit übertragbar, sind, welche Stärke des elektrischen Stromes, des Lichtes u. 's. w. zur Erzielung nöthig sind, darüber stehen genauere Angaben freilich noch aus. Verunglückte Drohung. 1 Jungens, wenn Ihr nicht fortgeht, kommt der Menschenfresser und frißt Euch auf!" ' Ah was! Der frißt uns noch lang nicht auf das ist ja mein Vater!" i m m i ' Richtig bemerkt. Gatte (im Streit): Himmelherrgott, wenn Du doch blos ein einziges Mal logisch sein wolltest! Gattin: Ja, nicht wahr, das könnie Dir so passen! .

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Atquivalent.

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Aennchen: Warum so traurig, Else?" Elschen: Weil mich die Tante nicht mag! Bei der Bertha sindet sie Alles hübsch bei mir nichts! Neulich hat sie ihr wundervolles Haar" bewundert; und heute sagte sie zu ihr: Ach, Bertha. was hast Du für wundervolle große Augen!" Hänschen: Sei doch zufrieden, Else, Du hast dafür recht große Ohren!" Boshaft. , Ach, gut, daß ich Sie treffe, lieber Herr Notar hab' ein kleines Anliegen an Sie!" Na, lügen Sie mich 'mal an. Her? Förster!" Abgeführt. , Jranäi Alter pensionirter Major: Nach langer Zeit habe ich heute zum Fest wieder 'mal meine Uniform angezogen!" Lieutenant: Das riecht man. Herr Major! Der janze Saal duftet nach Kampfer und Naphtalin habe schon Kopfschmerz davon!" Major: Sie irren sich. Herr Lieutenänt! Meine Uniform riecht nach Pulver Sie kennen nur den Geruch noch nicht!" In der Sommerfrische. r-'frtl 7 ftfcm ,. ,i Frau Wirthin, mit so einem kleinen Handtuch kann ich mich doch nicht abtrocknen da muß ich schon bitten, daß Sie mir zwei hinhängen!" Aber, gnä' Herr, schau'n S', da geb' i' Jhna halt a' bisserl weniger Wasser zum Waschen nacha werden S' mit dem Handtüchl auch auskomma!" Student (zum Nachtwächter, der ihn heimgeführt): Hier haben Sie ein kleines Trinkgeld für Ihre Bemühung!" Nachtwächter: Behalten Sie es nur. Herr Süffl. Hosenknöpfe hab' ich selber genug daheim." Der kleine Jurist. Karl, chen: Mama, was ist denn erblich? Mama: Erblich, mein Kind, ist das, was Du von mir oder v?m Papa bekommst! Karlchen: Mama, dann sind die Keile auch wohl erblich? .

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