Indiana Tribüne, Volume 21, Number 347, Indianapolis, Marion County, 4 September 1898 — Page 6

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lUVlillt XtltltltltJl Gin glänzendes Beispiel des macht!Sit Aufschwunges der deutschen Landwirthschaft und ihrer großen techni'schen Vervollkommnung zeigt dieMilchwirthschaft. Vor etwas mehr als znxi Jahrzehnten lag dieser wichtige Wirthschaftszweig noch tief darnieder, wähTend er heute bereits einen Grad der Entwicklung erreicht hat, der die kühnsten Erwartungen von früher weit hinier sich läßt. In vielen und großen Gebieten Deutschlands lieferte die Milchwirthschaft bis vor etwa fünf--undzwanzig Jahren nur sehr unbedeutende Reinerträge im Vergleich zu dem allgemeinen Ertrag der Landwirthschaft. Sie ist jetzt sogar vielfach zum Stützpunkt der ganzen Landwirthschaft geworden. Wenn wir uns einen Molkereibetrieb von früher vergegenwärtigen und mit Z?em der Jetztzeit vergleichen, so muß man die damaligen Einrichtungen zur Verarbeitung der Milch und Herstellung der Butter geradezu kläglich nennen. Von der Erzeugung fetner Protrntte und voller Ausbeutung der Milch konnte niemals die Rede sein. Ueberall war, wenn auch in der Form verschieden, das alte Sattenaufrahmverfahren üblich. Die gewonnene Milch wurde in flachen hölzernen oder bleehernen Satten längere Zeit je nach der Jahreszeit 24 bis 48 Stunden stehen geladen und der inzwischen nach oizn abgeschiedene Rahm dann mittels Schöpflöffel abgenommen, eine Arbeit, iie mit der Hand geschehen mußte, bei AnnahmederBollmilch. mein größeren Betriebe erklärlicherweise viel Zeit in Anspruch nahm und auch nur ein recht unvollständiges Refultat ergeben konnte. Eine totale Umwälzung des Mölke--reibetriebes brachte erst die Verwirkli.chung des Gedankens, durch die Cen--.trifugalkraft eine schnelle und vollstän'dige Trennung des Rahmes von der '.Milch zu bewirken. Im Jahre 1876 gelang es dem Ingenieur Lefeldt, dieses große Problem zu lösen und die erste Milchcentrifuge zu bauen. Doch hafteten derselben noch mancherlei Mängel an, deren Beseitigung erst nach irnd nach möglich wurde. So gelang s dem Schweden de Laval zuerst, die Milchcentrifuge continirlich arbeiten zu lassen, und damit erst war das größte Hinderniß ihrer allgemeinen EinfühTung beseitigt. Weitere bedeutende Werbesserungen an dieser für die gesammte Milchwirthschaft epochemachenden Erfindung, sowie an andern wich--tigen Hilfsmitteln und Einrichtungen 'des Molkereibetriebes haben dann das Jhre dazu beigetragen, denselben auf it jetzige Höhe zu bringen. Ein hohes Verdienst an dieser schnelXm und großartigen Entwicklung des 'Molkereiwesens gebührt unstreitig dem .Vereins- und Genossenschaftswesen, C e n t r i f u g e n. indem dieses sich thatsächlich zum Träer der ganzen Reformbewegung gemacht. Zuerst und in großem Umfange entstanden in Schleswig-Hol-tein, dann auch namentlich in den 'Provinzen Hannover, Ost- und WestPreußen, Pommern, Westfalen und mehr oder weniger in fast allen Theilen Deutschlands ' Genossenschafts- und sammelmolkereien, deren Gesammtzahl man zur Zeit mit mehreren Tausend kaum zu hoch veranschlagen N?ürde. Zu den größten und besteingerichteim Molkereien Deutschlands gehören int Anlagen der Molkerei-Genossenschaft Uelzan in der Provinz Hannoder, wo täglich 16 bis 20,000 Liter Milch von mehreren hundertGuts- und Bauernhöfen zur Ablieferung gelansen. Die Ablieferung der Milch geschieht in früher Morgenstunde. Ab- und zufahrend drängen sich dann mächtige, milchbeschwerte Rollwagen an der am Hauptbetriebsgebäude sich hinziehenden steinernen Rampe. In den Annahmeräum gebracht, wird die Milchmer.ge zleich gemessen oder ordnungsmäßig gebucht, sodann geseiht (filtrirt) und nun zunächst, behufs Vernichtung aller in ihr enthaltenen Krankheitskeime, xasteurisirt (gekocht) in speciell zu diesem Zwcke construirten Apparaten, den sogenannten Pasteuren, zwischen deren doppelten Wandungen von starkem verzinntem Kopferblech sich durch Dampfdruck stark überhitztes Wasser befindet. Ein in der Milch thätiges Rührwerk sorgt dafür, daß die Erhitzung derselben eine vollkommen gleichmäßige ist. Nach Beendigung dieser Ous hygienischen und sanitären Gründen nothwendigen Procedur wird die Milch durch Rohrleitungen in gleichmäßigenStrömen großen Milchentrahnungsmaschinen moderner Construi.

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tion zugeführt, deren Surren als ein ohrenbetäubendes Geräusch die Räumt erfüllt. Durch die mit der rasenden Geschwindigkeit von 2800 Umdrehungen in der Minute kreisenden Innenkörper der Centrifugenwird die Entrahmung der Milch bewirkt.

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Butterbearbeitung. Der von den Centrifugen abgeschiedene Rahm wird gleichzeitig von denselben durch Steigerohre circa 5 Fuß hoch getrieben und in dieser Höhe von der schwebenden Nahmrinne aufgenommen und zunächst über größere KühlVorrichtungen geleitet, von hier aus dann durch ein fortwährend arbeiten.des Hebewerk wieder in eine höher gelegene zweite Rinne gebracht, durch die er endlich in die großen, in Wasserbassins hängenden Nahmwannen abfließt. Gleich dem Nahm wird auch die entrahmteMilch von derCentrisuge in eine hoch liegende Leitungsrinne getrieben, von wo sie über 'Kühlapparate in die Rückleitung geführt und hier den Genossenschaftern nach Maßgabe des gelieferten Quantums Vollmilch zurückgegeben wird, um im landwirthschaftlichen Betrieb, .vorwiegend zur Mästung und Aufzucht von Kälbern und Schweinen, lohnende Verwerthung zu finden. Der Rahm verbleibt unter Bewahrung der erreichbar niedrigsten Temperatur in den Nahmwannen bis zum nächsten Morgen, um dann in die zweite Betriebsabtheilung überzugehen. Der eigentliche Verbutterungsproceß, beziehungsweise die Scheidung des Rahmes in Butter und Buttermilch, wird durch ein in jedem Butterfaß thätiges. mittels Dampfkraft getriebenes Schlägelwerk bewirkt. Nach EntnahExpedition. me der Butter wird die zurückbleibende Buttermilch, gleichwie vorher die abgerahmte Milch, an die einzelnen Genossenschafter zurückgegeben und ebenfalls entweder im Haushalt oder zur Viehmästung und Aufzucht von Jungvieh verwendet. Die gewonnene Buttermasse gelangt von den Butterfässern mittels Hölzerner Rollwannen in den großen Butterbearbeitungsraum, da erst eine mehrfach wiederholte, sachverständige Bearbeitung erforderlich ist, bevor das fertigeProdukt abgegeben werden kann. Zunächst kommt die Butter auf KnetMaschinen. Es sind das große BuchenHolzscheiben, um deren Mittelpunkt sich ausgekehlte Hartholzwalzen strahlenförmig herumdrehen. Durch diese wird der noch in der Butter verbliebene Gehalt von Buttermilch vollständig herausgearbeitet, während gleichzeitig drei Procent Salz hineingeknetet werden. Diese Procedur des Knetens wird, insbesondere der gleichmäßigen Vertheilung des Salzes wegen, am selben Tage nochmals vorgenommen, worauf die Butter über Nacht ruht. Am nächsten Morgen wird sie dann abermals geknetet, bis die letzte Spur von SalzWasser entfernt ist. Geschäftige Meierinnen besorgen dann gleich das Abwiegen der Butter in einzelne Pfundstücke, die durch eine Formmaschine in Backsteinform geformt, sodann in sauberes Psrgamentpapier eingeschlagen und, entsprechend den Anforderungen der Consumenten, in Postkistchen von je acht Pfund Inhalt verpackt werden. In dieser Gestalt geht die Butter in die Versandtabtheilung oder Expedition über, um noch am selben Tage durch die Post befördert zu werden. Boshaftes Mißverständ- . n i ß. Frau (die im Gegensatz zu den Thatsachen mit ihrer weitgehenden Fürsorge für ihren Gatten renommirt): Ich sage Ihnen: um meinen Mann dreht sich Alles!" Nachbarin: Ach gar! Trinkt er denn so viel?!- , Passender Vergleich. Student Bummel: Kinder, heute war der Gerichtsvollzieher Müller bei mir. Der Mann kommt mir vor wie ein kleines Kind. Alle: Wieso? Bummel: Alles was er sieht, möchte er gern haben! Einträglich. Freund: Hat Dir denn Deine Kunst auch schon ein mal etwas eingebracht?" Klaviervirtuose: Sie hat mir sogar schon einmal das Leben gerettet." Freund: Wieso?" Klaviervirtuose: Ich fiel einst in's Wasser und da konnte ich an meinen langen Haaren herausgezogen werden!"

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Vildcr aus Pretoria. Die erste europäische Ansiedelung im Kaplande erfolgte im Anfange des siebzehnten Jahrhunderts durch die holländisch ostindische Compagnie und bestand meistens aus Holländern. Das Land blühte trotz vieler blutigen Kämpfe mit den Eingeborenen rasch auf, so daß England bereits 1620 seine Hände zur Besitzergreifung ausstreckte; die Umstände schienen jedoch zu erheischen, daß man es vorläufig bei einer Proklamation bewenden ließ. Englands Angriff 1782 endigte, dank der tapferen Vertheidigung der Buren, mit einer Schlappe, und auch weitere Annexionsversuche wurden thatkräftig abgewehrt. Aber nach der Vernichtung der französischen Flotte bei Trafalgar benutzte Albion 1806 die Gelegenheit und besetzte das Kap, nachdem der holländische Resident mit seinen Truppen vertrieben , war. Die Buren wollten jedoch von englischer Herrschaft nichts wissen und verließen die Colonie. In diese Zeit, um 1837, fällt die Besiedelung von Natal durch die Buren. Der Rest derselben, circa 10.000 Mann, siedelte sich am Vaalfluß, den Drakenbergen und so weiter an. Die Verfolgten hatten aber nirgends Ruhe, und erst nach jahrzehntelangen Kämpfen um die Freiheit langte ein Theil der Buren in Transvaal an, wo sie eine Republik gründeten und im Jahre 1857 sich auch eine Verfassung gaben. Die Annexion Transvaals durch die Engländer, 1877, und das Abschütteln dieses Joches durch die Buren, 1881, ist genügend bekannt, ebenso der räuberische Einfall von Dr. Jameson. Transvaal (Südafrikanische Republik) steht

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M a r k t st r a a t. heute unabhängig da, und man darf überzeugt sein, daß bei weiteren Anne'zionsgelüsten ein Kampf bis auf's Messer geführt werden wird, da zum weiteren Suchen einer neuen freien Heimath kein Land mehr in Südafrika vorhanden ist. Präsident Krüger (geboren 10. Oktober 1825) steht bereits fünfzehn Jahre an der Spitze der Regierung und ist bei der letzten Wahl abermals auf fünf Jahre in feinem Amte bestätigt worden. Das Ergebniß wurde von der großen Mehrheit der Bevölkerung, namentlich gegenüber denMachenschaften der englischen Partei. mit Begeisterung aufgenommen und in Pretoria gestaltete sich die feierliche Einschwörung des wiedergewählten Präsidenten zu einer großartigen Kundgebung. Pretoria, die Hauptstadt der Südafrikanischen Republik und Sitz der Regierung, liegt in einem sehr hübschen Thale. rings von Bergen umringt. Die Umgebung ist fruchtbar, und es herrscht Ueberfluß an Wasser, doch läßt der Zustand der Wege noch viel zu wünschen. Die zu Weihnachten 1897 dem Verkehr übergebene Pretoria Tramway Company - Limited hat, Gouvernementsgebäude. selbst nachdem ihre Tarife von der Regierung um etwa die Hälfte herabgesetzt worden sind, noch immer ziemlich hohe Preise. Vom Bahnhof gelangt man längs der Marktstraat auf den Kerkplein, wo das Gouvernementsgebäude steht. Der für südafrikanische Verhältnisse großartige Bau, dessen Herstellung $800,000 erforderte, enthält verschiedene große Sääle für die Berathungen der Regierung und des Volksraad wie Bureaus für den aus 250 Personen bestehenden Beamtenetat. Gegenüber dem Regierungsgebäude erhebt sich das diesem ebenbürtige Jusiizgebäude, das Ende 1893 vollendet sein wird. Am Gouvernementsgebäude biegt die Pferdebahn rechts ab und läuft in die Kerkstraat, in der die bedeutendsten Geschäfte liegen. Der größte Theil davon besteht aus englischen Firmen. Häuser, die Umsätze von Millionen Pfund Sterling erzielen, sind nicht Natal- und StandardBank. vereinzelt. Die Läden sind elektrisch besuchtet. Die Kerkstraat läuft aus in die Arcadiabrug. die das eigentliche Pretoria mit den Vorstädten Arcadia, Trevenna. Junnyside verbindet. Hier stehen prachtvolle Villen von Geldmagnaten. ausgestattet mit allem nur erdenklichen Luxus, denn für schweres Geld ist auch in Transvaal alles zu haben. Recht bescheiden erscheint dagegen daS Haus des Präsidenten Krüger, an der westlichen Seite der Stadt in der Kerkstraat belegen. Zu zartfühlend. A.: Aber warum schießen Sie denn nicht, der Hase saß Ihnen ja beinah' auf der Nase." V.: Mei giltst Herr Oberfärschter ich mächte ja gerne, aber ich kann Sie weeß Knäppchen keen Blut fließen sähen!- :

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Zlm Zucker und Kaffee. Der ' erbitterte Concurrenzkampf. welcher seit nahezu zwei Jahren seitens des Zuckertrusts, eines der mächtigsten und reichsten Monopole unseres Landes, gegen den Kaffeekönig- John Ar. buckle geführt wird, ist durch die soeben erfolgte Betriebseröffnung in der großen Zuckerraffinerie des Letztgenannten in ein neues Stadium getreten. Wie wohl erinnerlich, konnte Arbuckle, der mit seiner riesigen Kaffeerösterei fast den ganzen Kaffeehandel controlirt. im October 1896 mit dem Zuckertrust zu keinem Uebereinkommen betreffs der Zuckerlieferungen gelangen und er beschieß die Erbauung einer eigenen Raffinerie, um sich von dem Trust unabhängig zu machen. Das ging natürlich dem Trust - Präsidenten H. O. Havemeyer wider den Strich und um den Kaffeekönig zu ruiniren, kaufte er die bedeutende

H. O. Havemeyer. Kaffeerösterei der Woolson Spice Company in Toledo, O. Unverzüglich wurde Arbuckle auf dem Kaffeemarkte unterboten und die Folge davon war, daß auch er mit den Preisen heruntergehen mußte. Aber zu Kreuze kroch er nicht, denn er ist ein Multi-Millionär, der einen Kampf mit dem Millionenreichen Trust nicht zu scheuen braucht. Um dem Letzteren mit gleicher Münze heimzahlen zu können, betrieb Arbuckle den Bau der von ihm geplantenZuckerraffinerie in Brooklyn, N. 5., mit der größten Energie, doch nahm die Vollendung dieses Etablissements naturgemäß eine geraume Zeit in Anspruch, während welcher er auf dem Kaffeemarkte ungeheure Verluste erlitt. Vor dem Ausbruch des Concurrenzkampfes kostete der grüne Kaffee 10 Cents pro Pfund und gerösteter brachte Arbuckle 16 Cents pro Pfund, heute sind die Preise 6 bezw. 8 Cents pro Pfund, der Profit ist also von 6 auf 2 Cents pro Pfund gefallen. Das bedeutet einen Verlust von Millionen. Um Arbuckle vollends an die Wand zu drücken, ging der Zuckertrust, d. h. Havemeyer, daran. eine der alten Zuckerraffinerien in Brooklyn in eine große Kaffeerösterei umzuwandeln und diese wird von der American Coffee Roasting Company, die selbstverständlich mit dem Trust auf das Engste liirt ist, betrieben werden. Man hat berechnet, daß jede Reduction des Kaffeepreises um einen halben Cent pro Pfund für Arbuckle einen Verlust von $2000 pro Tag bedeutete. Jetzt da seine Raffinerie in Betrieb gesetzt ist. wird er seinen Freund Havemeyer mit einer Herabsetzung der Zuckerpreise, gar bittere Medicin zu kosten geben. Nach Berechnungen von Sachverständigen kommt eine Reduction von einem Viertel Cent pro Pfund einem Verlust von 60 Cents am Faß gleich. Da nun der Trust 30.000 Barrels pro Tag producirt, so stellt sich sein Schaden pro Tag auf $18.000 oder, .bei 300 Arbeitstagen, auf $5.400.000 pro Jahr. Daß eine so ungeheure Verringerung der John Arbuckle. Einkünfte selbst für ein reiches Monopol wie der Zucker - Trust, dessen Actiencapital $75.000,000 beträgt, ein gewaltiger Schlag ist, liegt auf der Hand und dies umsomehr, wenn man in Erwägung zieht, daß der Ankauf der Rösterei der Woolson Spice Company und die Herabsetzung der Kaffeepreise schon bedeutende Summen verschlungen haben müssen. Im Uebrigen hat Arbuckle in seinem Kampfe gegen den Zuckertrust einen Bundesgenossen in dem Rafsineur Claus Doscher, der eine neue Raffinerie im nächsten October eröffnen wird. Es wird auch behauptet, daß Arbuckle und Doscher billigeren Zucker liefern können als der Trust, da ihre Maschinen und Anlagen nicht blos billiger, sondern auch UV swngsfähiger sind. So lange dieser Concurrenzkampf dauert, werden die ConsumentenNutzen daraus ziehen; sollten die jetzigen Gegner sich aber einigen, dann werden die Preise sofort in die Höhe gehen und das Publikum muß die Kriegskosten bezahlen. Modern. Er: Wenn xwi ein reicher, alter Mann, der bereits am Rande des Grabes steht, um Deme Hand anhielte, würdest Du mich dann fallen lassen?" Sie: Das nicht. aber Du müßtest noch ein paar Jahrc warten!" .

c?te Frooe-Suppe. Humoreske vo H. Horwa. Kathi, die Tochter des reichen Lowenwirthes, war ein bildsauberes Mädel und so war es kein Wunder, daß in dem kleinen Landstädtchen so mancher nicht blos des guten Bieres wegen beim Löwen" einkehrte. Der schlaue Wirth hatte das auch schon längst heraus und war daher keineswegs geneigt, sein hübsches Töchtcrlein so bald unter die Haube zu bringen, als es dieses selbst vielleicht gewünscht hätte. Aber schließlich, jünger wurde dieKathi auch nicht, und so sagte die dicke Löwenwirthin eines 'Tages zu ihrem Manne: Du, Alter, ich mein', wir sollten unser Mädel jetzt halt doch schon einmal dem einen oder anderen geben, der ihr und uns gefällt!" Wohl, wohl," erwiderte der Löwenwirth, wem follen wir sie aber eigentlich geben; es sind ihrer ja mehrere, die sie gerne möchten. Besonders die drei Stammgäste vom Fenstertisch: der Adjunkt Wilding. der Oberlehrer Mollhaus und der der, na, wie heißt denn der Dicke mtt'n Augengläsern richtig! der Doktor Schnuppig!" Ja, einer von denen könnt's schon sein." meinte nachdenklich die LöwenWirthin, alle drei sind brave Männer, die ihr anständiges Auskommen haben und eine Frau ernähren können. Auch scheint's mir. als ob die Kathi die Herren gern sieht aber zu welchem welchem soll ich ihr rathen, daß sie ihn nimmt?!" ,Frag's halt selber." brummte der Löwenwirth, sie wfrd schon wissen, welcher von den dreien ihr am besten g'fallt!" Die Löwenwirthin, welche sich gar zu gerne schon als Schwiegermutter gesehen hätte, eilte in die Küche, und ihre Tochter scharf in's Auge fassend, fragte sie: Kathi, sag' mir einmal, welcher von den dreien Herren, die immer am Fenstertisch sitzen, g'fallt Dir am besten?" Des Löwenwirths Hauszier erbleichte und erröthete in einem Athem und brachte kaum die Worte heraus: Mutter, sei mir net bös, aber mir g'fallen halt alle dreie!" Alle drei?" lachte die Mutter, aber Kind, drei auf einmal könntest ja nicht heirathen!" Heirathen.Mutter, heirathen soll ich?" fragte die Kathi ganz aufgeregt, ..das ist freilich 'was anderes, da müßt' ich mir's schon noch gut überlegen, welcher von den drei Herren ... ja, Muttcrl, wenn mich aber nur einer davon auch wirklich mag?!" Mögen? mein lieb's Kmd," rief die Löwenwirthin und strich voll mütterlichen Stolzes dem Mädchen die Haare aus dem frischen, lieben Gesicht, Dich muß einer mögen und ich Deine Mutter werd' Dir schon den richtigen aussuchen!" Die Mittagsstunde des nächsten Tages brachte wie immer so auch heute die bewußten drei Herren zu Gaste. Fast zu gleicher Zeit betraten sie die Wirthsstube und nahmen am gewohnten Tische Platz. Kathi. welche die Gäste zu bedienen hatte, wagte heute kaum aufzubliöen und fand auf die freundlichen Worte, welche jeder der drei Herren an sie richtete, auf einmal nicht mehr die gewohnte schelmische Erwiderung. Auch sonst geschah heute etwas Unerwartetes: Draußen in der Küche, wohin Kathi um die Suppe kam, gab's einen kurzen Wortwechsel, aus dem man nur die Worte der Löwenwirthin dernahm: Du trägst die Suppen 'naus; alles andere ist meine Sache!" 1 Hochroth im Gesichte . brachte das Mädchen endlich die dampfende Suppe. Bald hätte sie die vollen Teller verschüttet, so zitterte sie dabei und mit einem kaum hörbaren Mahlzeit!" eilte sie, so schnell sie konnte, wieder in die Küche. Dort hatte sich schon die Löwenwirthin an's Guckfensterl, durch das man alles im Gastzimmer beobachten konnte, gestellt und beachtete nicht weiter die verwirrten Worte ihrerTochter, die, am ganzen Leibe zitternd, neben ihr Posto faßte. Was sahen nur die beiden? Sie sahen, wie sich der Doktor Schnuppig bedächtig die Brillengläser, welche ihm vom Suppendampf angelaufen waren,-rieb und putzte; wie der Oberlehrer Mollhaus mit gedankenvoll in die Höhe gerichtetem Blicke ' seine Suppe umrührte und wie der Adjunkt Wilding mit einem lauten Pfui Teufel, drei Fliegen!" den Suppenteller wüthend von sich stieß und nach einer anderen Suppe rief. Während das Kllchenmädchen damit hinausbeordert wurde, schüttelte die Löwenwirthin mißbilligend den Kopf: So einen Pfui-Teufel - Schreier wie den, mag ich nicht, der ist nichts für Dich, mein Kind!" .; Inzwischen hatte auch der Oberlehrer begonnen seine Suppe zu essen und die beiden am Guckfensterl sahen, wie er sanften Blickes aus seiner Suppe drei Fliegen mit dem Löffel sachte auf den Tellerrand fchob, dabei aber kein Work sprach, sondern die Suppe alsdann bedächtig auslöffelte. So ein Lamm," sagte die Löwenwirthin spöttisch, ist auch nichts für Dich!" : Run war auch Doktor Schnuppig mit seiner Brille fertig geworden, setzte dieselbe auf, blickte erst einmal wohlgefällig im Kreise herum und schlürfte dann, sich ganz nahe zum Tifche beugend, seine Suppe mit so großem Appetit und mit sammt den auch ihm vorgesetzten drei Fliegen hinunter, daß eS eine Freude war, dem Manne zuzusehen. Draußen in der Küche aber nickte die Wirthin gar freundlich mit dem Kopfe und raunte ihrer Tochter zu: Kathi, den da, den Doktor nimmst Du! Sixt, der schaut nit lang, was ihm seine Frau vorsetzen wird, der ißt's hinunter, ob g'rad' einmal 'was Unrechts drinnen ist oder nicht das ist der richtige Mann für Dich, mit dem wirst Du glücklich werden!" Und Kathi? Die nahm den Adjunkten Wilding! Ja, so sind die Weiber!

Landsbcrg amLcch. Wer mit em Eilzug von Lindau nach München fährt, dem tauch! beim Ueberschreiten des schäumenden Lech in südlicher Richtung ein Städtebild auf, einige ragende Thürme, die sich vom Himmel abheben, und bei günstiger Beleuchtung graues Gemäuer, gebettet in's Grün des hohen Lechufers. Wenn der Reisende kein Landeskind ist, so fragt er vielleicht nach dem Namen. des Ortes. Es ist Landsberg am Lech, aber im nächsten Augenblick hat sich ihm der Name Landsberg am Lech schon wieder halbverschollen eingereiht in die lange Liste der weitabgelegenen kleinen Nester Deutschlands. Das hat mit ihrem Rasseln die Eisenbahn gethan, möchte man parodirend ausrufen. Denn nur die Naivität der vierziger Jahre ist daran schuld, daß

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Marktplatz. die Bahn von München nach Lindau nicht über Landsberg am Lech gelegt worden ist, sondern eine Stunde nördlich davon vorüberführt. Die damalige Generation glaubte, daß der uralte Frachtverkehr von Südschwaben nach Bayern, der die steile Straße hinter dem Schmalzthor empor und durch das hochinteressante Bayerthor verfolgte, und durch die Nothwendigkeit des Vorspanns für Landsberg sehr einträglich war, ein werthvollerer Besitz sei als die neumodische Eisenbahn, und man gedachte, deren Concurrenz sich fernzuhalten. Diese Kurzsichtigkeit hat sich bitter gerächt der Frachtverkehr auf der Achse schlief ein, und Landsberg am Lech sank trotz aller seiner ruhmvollen historischen Erinnerungcn zum Landstädtchen herunter. Erst post fcstuin hat es dann durch eine Nebenbahn , wieder Anschluß an die Strecke Lindau - München erhalten. Dem Alterthumsliebhaber wie Thurm und Thor. dem Naturfreund bietet das Städtchen eine reiche Fülle von Anregungen; eine Auslese gewähren unsere Abbildungen, die sich selbst zur Genüge erklären. Landsberg ist im Sommer der Aufenthalt des berühmten deutsch-eng-lischen Malers Hubert Herkomer, dessen Wiege in einem nahen Dorfe gestanden ist. Zu Ehren seiner Mutter hat er den schönen Mutterthurm" aufgeführt, der auch ein Atelier des Künstlers enthält. Im Rathhaussaal, dessen prachtvoller Holzplafond aus dem ehemaligen Jesuitencollegtum stammt, befindet sich ein großes Gemälde Herkomers. eine Sitzung des Stadtraths mit dem Bürgermeister darstellend, lauter Porträts von einer Lebenswahrheit und Natürlichkeit, wie kaum auf den besten holländischen Bildern dieser Art. Kindlicher Wunsch. Elschen: Ach, Mama, wenn ich nur schon groß wäre, dann dürft' ich doch auch, wie Papa, über's Essen schimpfen!" Boshaft. m . Festredner: Nach meiner Rede wird dann die Musik spielen!" Herr: Könnte die vielleicht nicht schon während Ihrer Rede spielen?" Gemüthlich. Was für ein Hnr war das, den Du gestern so mit Speisen und Getränken tractirtest?" Der Detectiv', der mich im Auftrage meiner Frau beobachten soll!"

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Woher kommt es denn, Fräulein Nanni, daß in Ihrer Wohnung immer so viel deklamirt wird?" Ja. wissen Sie. mein Zimmerherr ist Schauspiele: und mir seit einem halben Jahr den Zins schuldig. J?tzt lass' ich mir halt von ihm dramatischen Unterricht qeb'n, damit ich doch zu mei'm Geld komm'!" Eine empfindsame Seele. Junge Frau (zur Köchin, die scbr heftige Zahnschmerzen hat): Sie Aermste! Es greift mich wirklich an. Sie so leiden zu sehen! Lassen Sie lieber Ihre Arbeit in der Küche stehen und machen Sie, anstatt deen, im Keller Holz klein damit ich das Jammern nimmer höre!" Malitiös. Mein Mann hat nur Interesse für seine Altertbümer!" Q Sie Glückliche!" i i Stoßseufzer. c4j$& SöQg -f? ! AaT" bWM Fräulein Emma, ich liebe Sie namenlos!" Ach. Herr Müller und mir kommt es gerade so sehr auf den Namen an!" Arge Enttäuschung. Das ist hübsch von Ihnen. Herr. Rittmeister, daß Sie mit mir den er-, sten Tanz tanzen!" ' I Ja, bei uns, meine Gnädige, geht) eben Alles nach der Anciennetät!" i Gütliche Einigung Das sage ich Dir nochmal, Emil wenn die Frau Dnnes Eollegen einei 'neuen Hut bekommt, will ich auch eiI .Beruhige Dich! Wir haben uns darüber geeinigt, daß Ihr alle Beide keinen bekommt!" Ueberraschende A u s kunft. Mama (zu ihrer Tochter): Nun, wie weit bist Du bei Deinem Klavierlehrer?" Tochter: O, schon sehr weit er will mich heirathen!"

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