Indiana Tribüne, Volume 21, Number 347, Indianapolis, Marion County, 4 September 1898 — Page 2
Wie die gmcr.
r Russische Skizze ton TL SSaticr. : .Iwan!" .vs-.cücvl' Komm hei!" In demüthige: Halten 3, den iiuen INimb mit den aurawittfcMN Lpen Zi einem unterwüificen Grinsn icrziehend, nähert scch der Leib.jagu Ub Fürsten Urusow sei:ie.u cbietei, de: ouf der Veranda seines Schlosst auf einem bequemen Sessel rht und $:r Verdauung seines pulemen Mittags mahlcs eine Havanna raucht. Mache Deine Cchren auf. Hund ten einem Knecht, und höre ?as im Dir ocfehle!" herrschte er dem vor ihm stehenden Jäger zu. Dieser beugt sich tief vor seinem gestrengen Herrn, so tief, iafc er fast dessen Fuß berührt. Bist Du jeder Zeit Düncb Zi:leö sicher, Bursche?" Jeder Zeit, Excellenz." Gut. Ich kenne Deine Sicherhe!! im Schuß. Hast Du -doch neulich aus 40 Schritt Entfernung die Augcn ei. ner Fischotter getroffen, cf;ne da Fell des Thieres auch nur im Geringsten. ;rbeschädigen. Heute Abend schlich.' Dich unbemerkt in den Park ud jjer chirg Dich hinter dem Gebüsch, da. dem Fenster des blauen Salons gegenübersteht. Verstanden?" Ja. Excellenz." Das Zimmer wird erleucktct sein, so daß Du die Fürstin mit AZerls Lelasielsky sehen kannst. Beobachte sie scharf! Wenn Du mich dann eintreten siehst, erhebe DeineBüchse und ziele auf den Grafen, aber schieß: nicht gUi$. Bevor Du ihm das Lebenslicht au--bläst, will ich ihm klar machen, daß cr sterben muß. Verstanden?" Ja, Excellenz." Warte, bis ich ein Taschentuch sallen lasse, das ich in der Hand halten werde. Dann ober schieße, Iwan, und triff Dein Ziel gut! Triff ibn m's Auge, wie die Otter. Verstanden?" , Ja, Excellenz." So geh!" ' H Fürstin VeraUrufow war schön und jung, sehr jung. Die Liebesbezeugungen des alternden Fürsten, dem sie auf Befehl eines strengen Vaters die Hand gereicht, konnten ihr Herz nicht erwärrnen. Erst als sie Graf Alezis kennen lernte, als er vor ihr stand in der vol len Kraft edler Männlichkeit, da regte es sich in ihr, da überkam sie eine Abnung von der Seligkeit erster, junge: Liebe. Eines Tages küßte Graf Alezis. um Erhörung flehend, ihre Lippen. Mi! heißem Erglühen entwand sie sich ihm und flüchtete sich in ihr Boudoir, das nie eines Mannes Fuß betreten dürfte. Graf Alexis kam nach wie vor, aber er sah die Geliebte nur im Seifen des Fürsten. Heute jedoch ließ dieser irrn mit ihr allein. Sie faßen tm kleinen Salon. Die Ampel warf ihr aedämpftes Licht über das trauliche Gemach, das von dem Wohlgeruch süßeuflender Blumen erfüllt war. Des Grasen Blick wurde heißer, seine Sprache leidenschaftlicher. Er setzte sich neben die junge Fürstin und spielte mit den Locken ihres goldblonden Haares. Iwan stand auf seinem Posten. Er bccbachtek d:? Beider und h; grimmig in sich hin::.:. Langsam ioz er ti? Luchse, mit )i$::i.v Auge jiclic e: aus de.' Grasen.. 7,u:', warten-, ti? c;i: Herr erscheine und ihm ras Zeen geben würd?. Ahnungslos des ihn fcdTcfr.hn Verhängnisse?, flüsterte der Gras Ale-s zis der Geliebten süße Worte in's Qhr; er flehte sie an. ihn zu erhören, ihm zu folgen und die Seine zu werden. Da riß sie sich von ihm los; Hochaufgerichtet wie eine Königin und doch voll Scheu und Verwirrung stand sie vor ihm. Und bezwungen von dem ernsten, reinen Blick ihrer Augen sank er nieder, seine Lippen voll Ehrfurcht aus den Saum ihres Gewandes drückend. Iwan hatte alles gesehen. Wie ein Schleier zerriß es plötzlich vor feinen Augen, durchzuckte es seine thierische Seele. Etwas Neues groß und erhaben hatte sich ihm offenbart; er verstand zwar nicht, was es war, aber ahnte es doch: Die Macht einer keuschen Seele. Jetzt trat der Fürst in den Salon. Triumphirend, mit grausamem Bchagen weidete er sich an der sichtlichenVerwirrung der jungen Frau. Die Mordgier, die aus feinen stechenden Augen funkelte, machte Graf Alexis schaudern. Wie schützend stellte er sich vor die Geliebte, doch diese trat unerschrocken vor und gestand ihrem Gatten alles. Ihr - freimüthiges Bekenntniß derfetzte ihn in wilden Zorn. Sinnlos vor Wuth hob er das Taschentuch in die Höhe und schleuderte es seinem Weibe ins Gesicht. Doch was er erwartet hatte, geschah nicht. Gras Alexis stand aufrecht und unverletzt vor ihm. Ueberrascht wandte sich der wüthende Gatte nach dem Fenfter um und lautlos, mitten ins Auge getroffen, stürzte er plötzlich zu Voden. Mitten in's Auge getroffen tot t Otter! Kindermund. Nun, Elschen, sag' mein art'ges ' Kind," So forschet die Mama, Wut von uns Beiden liebst Du mehr. Mich oder den Papa?" Das weiß ich heute doch noch nichts Svricht Elschen mit Bedacht; Wer morgen zum Geburtstag mir Die größte Freude macht." E n r a g i r t. Der Meier ist ein so eingefleischter Vegetarianer, daß er nur aus ein Sofa liegt, das nicht mit Roßhaar, sondern . mit Seegras gefüllt ist. ; . ' . .
Aas Hrakcl. . Von Paul Schüler. Georg Bauer wollte heirathen. Er wußte auch schon wen. Aber'erst mußten Minchen und Phinchen unter die Haube gebracht werden. Das war eioe schwere Ausgabe. Sie waren so furchtbar wählerisch. An jedem hattm sie etwas auszusten. Paul Wähle hatte ihnen zu schweißige Hände, Pastor Krüger zu schmutzige Nägel, an Saly Klapperstorch gesiel ihnen der .Name nicht, und was den Doctor Werner betrifft an Hessen äußerm Menschen mit dem besten Willen 'nichts auszusetzen war , so erklärten sie übereinstimmend: Wir lieben ihn nicht. Dieser Grund war, dem guten Georg denn doch zu dumm. Der Teufel soll euch verheirathen! schrie er. Ich habe es satt, den Vermittler zu spielen. Glaubt ihr, es sei ein Vergnügen, den gleichgültigsten Menschen' um den Bart zu gehen, blos totl man denkt, sie könnten vielleicht so dumm sein und aus eine von euch hereinfallen? Minchen und Phinchen brachen in Thränen aus. Da haben wir's! rief er verzweifelt. Nicht einmal allein weinen könnt ihr! Seid ihr denn zusammengewachsen? Müßt ihr denn immer zu gleicher Zeit dasselbe thun? Die Leute können euch ohnedies kaum unterscheiden. Er klagte feinem Freunde Hans Bach fein Leid. Willst du nicht eine von ihnen heirathen, Hans? Du thäitl mir einen großen Gefallen. Warum nicht? war die ernsthafte Antwort. Wie. rief Georg, du könntest dich wirklich entschließen ...? Ich bin achtundzwanzig Jahre alt, .lieber Sohn; habe erst heute mit Lottchen Werther das Thema Heirath besprechen. Mit Lottchen Werther? Nun ja. Du weißt ja: ihr Vater und mein Vater waren Jugendfreunde. Mit der bespreche ich alles, wie mit dir. Sie ist so zu sagen meine Vertraute. Sie meinte zwar, ich hätte noch Zeit zum Heirathen. Aber ich sehe nicht ein: wenn ich eine finde, die mir so über die Maßen gefällt ... Sage mal. Hans, unterbrach ihn Georg und drehte angelegentlich an iem obersten von Hansens Rock herum er hatte das so an sich , kommst du bald wieder mit mit Lottchen Werther zusammen? Wann ich will. Wir sehen uns fast täglich. Höre mal: willst du du könntest das heißt er stotterte noch eine Weile, während sich der Knopf von Hansens Rock unter feinen Fingern wand; endlich brachte er es heraus: Grüße sie doch recht herzlich von anir! Schön, sprach Hans, und wann werde ich Mwchen und Phinchen kennen lernen? ObKohl nämlich Hans und Georg sich von der Schule her kannten, so sahen sie sich doch nur an dritten Orten, in der Kneipe oder bei gemeinfamen Bekannten. Diese eigenthümliche Art des Verkehrs hatten sie aus reiner Gewohnheit beibehalten. Georg hatte zwar die lästige Pflicht, seine Schwestern unter die Haube zu bringen, ein für allemal auf den Teufei abgewälzt. Allein es wäre doch wenig brüderlich gewesen, wenn er nicht die Gelegenheit ergriffen und seinen Freund Hans Bach zum Five o'clock tea eingeladen hätte. Das war die gewöhnliche Art, wie Georg Bauer Ehecandidaten mit seinen Schwestern bekannt machte. Denn Minchens Kochkunst, die in selbstgemachten Kuchen ihren Gipfel erreichte, präfentirte sich dabei auf das Vortrefflichste, und .auch für die Entfaltung von Phinchens Talenten, die mehr nach der geistigen Seite hinlagen, bot der Five o'clock tea die geeignetste Gelegenheit. Ach! wie Viel Berge Von Kuchen hatte Minchen schon gebacken, und wie Viel Hunderte Von Liedern hatte Phinchen schon gesungen, gar nicht zu reden Von ihren ästhetischen Gesprächen, die mit Regelmäßigkeit bei Schopenhauer begannen und bei Ibsen aufhörten. Aber bisher hatten die anspruchsvollen Schwestern unter den Five o'clock lea-Männern keinen ihrer würdigen Bewerber gefunden. Diesmal jedoch hegte ihr Bruder die besten Hoffnungen. Denn Hans hatte ein sympathisches Wesen, war ein liebenswürdiger Gesellschafter und hatte weder Plattfüße noch krumme Beine oder sonstige Schönheitsfehler. Zudem war er von Minchens Kuchen so entzückt, als ob sie vom Eonditor, und Phinchens Liedern, als ob sie von Lucca wären. Kein Wunde?, daß er bei den Schwestern, denen seine günstigen Bermögensumstände nicht unbekannt waren, einen vollständigen Sieg davontrug. Als Georg fejnem Freunde mittheilte, daß er Minchen und Phinchen einfach bezaubert habe, erklärte Hans seinerseits mit Ueberzeugung, daß er noch niemals ein so entzückendes SchwesternVaar kennen gelernt habe. Beim nächsten Five o'clock tea waren Minchens selbstgemachte Kuchen nicht mehr rund, fondern herzförmig und Phinchens Lieder handelten alle von Sehnsucht und Liebe. Kurz, die Schnftern thaten ihr möglichstes, sich in Hansens Herz hineinzubacken und zu singen. Das gelang ihnen auch so vollständig, daß Hans beim Weggehen feinem Freunde in's Ohr flüsterte: Wer eine feiner Schwestern zur Frau bekomme, der könne von Glück sagen. Als Georg diese Aeußerung feinen Schwestern hinterbrachte, erklärten beide, daß sie keinen anderen Mann als Hans Bach heirathen würden. Hans, sprach Georg zu feinem Freunde, du gefällst meinen Schweftern so vortresslich, daß ich mich glückl!ch schätzen würde, wenn du eine von fönen heirathen wolltest.
Am liebsten, entgegnete Hans ge schmeichelt, würde ich alle beide heirakhen. Denn Minchen mit ihrer praktischen und Phinchen mit ihrer geistigen Begabung, geben zusammen ein Ideal von Weib ab. Getrennt kann ich sie mir eigentlich gar nicht denken; ich glaube, wir drei würden das glücklichste Ehepaar von der Welt werden. Mir persönlich, erwiderte Georg, wäre es gleichfalls am liebsten, wenn du sie alle beide nähmest, und ich habe noch niemals so lebhaft wie heute bedauert, daß wir nicht in der Türkei oder bei den Mormonen leben. Da wir nun aber einmal preußische Unterthanen sind, so bleibt nichts anderes übrig, als eine Wahl zu treffen. Das sah Hans in, und weil Minchen und Phinchen seinem Herzen gleich nahe standen, so beschlossen die Freunde, die Entscheidung noch ein Weile auszusetzen. Denn sie hofften, mit der Zeit werde die Wahl leichter werden, sei es nun dadurch, daß sich bei Hans eine besondere Vorliebe für Minchen oder Phinchen herausbilden würde, oder dadurch, daß eine der Schwestern zu Gunsten der andern aus den Freier verzichten würde. Allein die Zeit, diese sonst so treffliche Helferin, ließ sie diesmal im Stich. Ein dritter, vierter und fünfter Five oVlock tea fand statt, ohne daß sich die Sachlage geklärt hätte. Vergebens machte Georg seinen Schwestern klar, daß sie doch nicht beide Hans Bach heirathen könnten. Vergebens hielt er Minchen vor, daß Phinchen die ältere sei und daher zuerst einen Mann haben müsse. Vergebens sagte er Phinchen, daß sie die Klügere sei und daher nachgeben müsse. Alle Vernunftgründe scheiterten an Minchens und Phinchens thränenvoller, aber entschlossener Erklärung: Wenn ich ihn do liebe!" Georg war verzweifelt. So lange dieSchweftern einig gewesen waren in der Ablehnung ihrer Freier, war ihre Einigkeit noch erträglich gewesen. Jetzt, wo sie dahin führte, daß sie beide denselben heirathen wollten, wandelte sich der friedliche Haushalt zum Tummelplatz wilder Eiferfuchtsfcenen. Das habt ihr von eurer Unfelbstständigkeit, ihr Gänse! rief Georg grimmig, nicht mal allein verlieben könnt ihr euch! Aber wenn ihr glaubt, ich werde warten, bis es einer von euch gefällig fein wird, zurückzutreten; wenn ihr glaubt, ich werde mein Lebensglück um euretwillen verscherzen und zusehen, daß vielleicht ein anderer mir zuvor kommt, dann irrt ihr euch. Der Teufel soll euch unter die Haube bringen! Reichlich flössen Minchens und Phinchens Thränen. Nur wenn Hans in's Haus kam, hellten sich die Gesichter auf, und über Neid und Streit und Herzeleid breitete sich ein Mantel von herzgewinnender LiebensWürdigkeit. Uebrigens verging kein Five o'clock tea, wo nicht Georg seinem Freunde Grüße an Lottchen Werther aufgetragen hätte. Bei diesen Gelegenheiten lockerte sich der oberste Knopf an Hansens Rock in bedenklicher Weise. Mittlerweile wartete Hans vergeblich darauf, daß sein Herz ein entscheidendes Wort sprechen würde. Seine Gefühle für Minchen und Phinchen hielten sich nach wie vor die Wage. Endlich entschloß er sich, zu einem Mittel zu greifen, das schon vielen Zweifeln ein Ende gemacht und in den Lebenslauf der Menschen weit öfter eingegriffen hat, als es die meisten glauben möchten. Dem Zufalle wollte er die Entscheidung überlassen. Zu nächst dachte er an die Würfel. Allein eine innere Stimme raunte ihm zu, daß es nicht rathsam wäre, sein Eheglück von diesem übel beleumdeten Werkzeuge' wilder Zechcumpane abhängig zu machen. Er griff deshalb zu einem zahmeren Mittel. Die erste Droschke, die ihm beim Ausgehen begegnete, sollte über sein Schicksal entscheiden. War es eine erster Klasse, so sollte Phinchen, die ältere, seine Braut werden, war es aber eine zweiter Klasse, so hatte ihm der Himmel Minchen zur Gattin bestimmt. Als jedoch die erste Droschke, die er traf, ein Taxameter war, da gab er es auf, vom Schicksal eine Antwort ertrotzen zu wollen, und erklärte seinem Freunde Georg: Unter diesen Umständen bleibe nur noch eine letzte Instanz, nämlich Lottchen Werther' übrig. Ihren Rath wolle er befolgen. Georg fand diesen Vorschlag vortrefflich und band Hans auf die Seele, ihr einen schönen Gruß zu bestellen; er möge das ja nicht vergessen. Bei dieser Gelegenheit trennte sich der nur noch ganz lose sitzende Knopf von Hansens Rock und blieb in Georgs Hand zurück ... Als Hans seiner Vertrauten die schwierige Lage, worin er sich befand, klar gemacht hatte, lachte sie ihm fröhlich in's Gesicht und versetzte ihm mit jeder ihrer kleinen, weißen Hände einen Backenstreich, mit der rechten Hand auf die linke Backe und mit der linken auf die rechte Backe, und jedesmal sagte sie: Du dummer Junge! Dabei klapperten alle die sieben Sächelchen, die sie an ihrem goldenen Armband' trug, das Glllckschweinchen und der Glückspsennig und was sonst noch daran baumelte, lustig durcheinander. Dann nahm sie ihr seidenes, ganz discret nach Veilchen duftendes Taschentuch und verband ihm die Augen. Was soll das alles heißen? sprach er. Wir werden daö Orakel befragen! erwiderte sie feierlich. Darauf gab sie ihm abermals zwei Backenstreiche und sprach, wie ein Zauberer, der Veschwörungsformeln murmelt, das eine Mal Minchen und das andere Mal Phin chen dazu. Dann sagte sie: Die Gänseblümchen sind leider noch nicht heraus, du kluger Hans. So mußt du schon die Knöpfe deines
Rockes befragen, ob du Minchen liebst oder Phinchen. Zähle! Ja, aber ... Kein Aber! Zähle! Und Hans zählte, indem er bei dem untersten anfing: Minchen Phinchen Minchen Phinchen. Der fünfte und letzte Knopf war Minchen. Also Minchen! sprach er. So hätte ich mich denn mit Minchen zu verloben. Wenn ich es nur nicht bereuen werde! Denn weißt du, Lotte: geistig ist ihr ja Phinchen weit überlegen. Phinchen ist überhaupt mehr für das Ideale. Und singen kann sie! Spaß bei Seite: Phinchens Stimme ist beinahe so schön wie deine. Nur die Schulung fehlt ihr noch. Als Hans an dieser Stelle seiner Betrachtung angelangt war, stieß Lottchen einen kleinen Schrei aus, und als ob sie es erst jetzt gewahr würde, rief sie: Dir fehlt ja ein Knopf, du unordentlicher Mensch! Den hat Georg aus dem Gewissen, war die Antwort. Er läßt dich übrigens schön grüßen. Der Mensch hat. die Angewohnheit, einem immer an den Knöpfen herumzudrehen. Da ist es kein Wunder, wenn sie schließlich abspringen. Ja, sprach Lottchen bekümmert, dann freilich ist das Orakel ungültig gewesen. Wir müssen die Götter noch einmal befragen. Zieh dir den Rock aus. du Luderian! Aber Lottchen ... Den Rock aus, sage ich! Kein Aber! Ich werde dir einen Knopf annähen. Gehorsam zog sich Hans den Rock aus. Lottchen Werther aber fetzte sich hin und nähte ihm einen Knopf daran, wobei sie großes Vergnügen zu empfinden schien. Hans stand in Hemdsärmeln daneben und hörte ste kichern. Da er aber das Tuch vor den Augen hatte, so begriff er durchaus nicht den Grund ihrer Fröhlichkeit. Als er den Rock wieder an hatte, sagte er verdrossen: Wozu soll ich erst zählen? Ich weiß ja doch, wie es nun kommen wird. Jetzt ist ein Knopf mehr am Rock, und die Geschichte endigt also diesmal mit Phinchen. Mach keine Redensarten! sprach Lottchen mit Entschiedenheit, und zähle! Und Hans zählte: Minchen Phinchen Minchen Phinchen Minchen Phinchen. Ich sage es ja: Phinchen soll ich heirathen, und ich weiß heute schon, daß ich Minchen vermissen werde; Minchen mit ihrem praktischen Blick, mit ihrem häuslichen Sinn. Minchen könnte einem Mann das Heim so recht gemüthlich machen, und kochen kann sie! Du mußt nur mal ihre Kuchen Probiren. Sie backt so eine Art, wie du immer backst, und an Schmackhaftigkeit dürften sie den deinen kaum nachstehen. Ach ja! In einem Seufzer klang diese Betrachtung aus. Lottchen Werther aber klopfte ihm wiederum auf die Backen und sagte einmal über das andere: Du dummer Junge! du dummer Junge! Ob es nun an der Art ihres Klopfens oder an dem Klang ihrer Stimme lag, Hans fühlte sich durch die zwiefache Beleidigung keineswegs verletzt, sondern empfand sie mehr wie eine Zärtlichkeit und Liebkosung. Und weil doch das Orakel zu Ende war, so riß er sich hastig das Tuch von den Augen, um sich zu vergewissern, ob der Ausdruck ihres Gesichts mit demjenigen ihrer Hände und Stimme harmonire. Allein schneller, als er die Augen frei hatte, war Lottchen leise und flink, wie der Wind, aus dem Zimmer gehuscht. Als sich nun Hans seinen Rock besah, da erstaunte er nicht wenig. Denn der Knopf, den ihm Lottchen angenäht hatte, stach sonderbar von den anderen Knöpfen ab. Es war ein goldener, und er selber hatte ihn vor Jahren seiner Vertrauten als Vielliebchen geschenkt: seitdem trug sie ihn nebst den andern Siebensachen an ihrem Armbande. Auf dem Knopf aber stand eingravirt der Name: Lottchen Werther. Als Hans das Haus verließ, stieß er mit einem Herrn zusammen, der nicht minder hastig aufgeregt war als er selber. Und so hajug war der Anprall, daß dem andern der Cylinder beinahe vom Kopfe flog. Ach, du bist's! rief Hans erstaunt. Das nenne ich eine gute Vorbedeutung. Du kannst mir gratuliren, Georg. Ich bin der glücklichste Mensch unter der Sonne. Was ist denn los? Aber beeile dich, ich habe keine Zeit und keine Ruhe. Das Orakel hat gesprochen. Welches Orakel? Meine Wahl ist getroffen. Nun: und für wen hast du dich entschieden? Für Minchen? Nein. Also für Phinchen. Auch nicht. Ich habe mich soeben mit Lottchen Werther verlobt. Du?! war das einzige, was Georg herausbrachte. Und dann verharrte er in starrem Schweigen, während Hans ihm die Geschichte von seiner Verlobung erzählte. Und wem verdanke ich mein Glück? so schloß er. Dir, mein Junge! Mir? Wenn Du mir nicht den Knopf abgedreht hättest, dann wüßte ich heute noch nicht, wen ich eigentlich liebe, und hätte es vielleicht nie erfahren. Aber du bist mir ein schöne: Freund! rief er. Du hast mir ja noch immer nicht gratulirt! Du bist mir am Ende böse, ß ich mich nicht für Minchen oder Phinchen entschieden habe? Ja, weißt Du, Hans, war die Antwort, eigentlich wäre mir das lieber gewesen. Denn so, wie du mich hier siehst, war ich im Begriffe, nach oben zu gehen und deiner Braut einen Antraa iu machen.
Die 'Zlacht des 'Redentore. Von Josef Erler. Wer die Festnacht des Redentore (24. Juli) in der Lagunenstadt der blauen Adria je miterlebt hat, wird sie in steter Erinnerung bewahren. Es ist ein historisches Fest, das seit mehr als
drei Jahrhunderten gefeiert wird. Im Jahre 1577 gelobten die Venetianer zum Danke für 'die Befreiung von einer furchtbaren Pestseuche dem Erlöser in der Äiudecca einen prächtigen Tempel zu erbauen und leisteten zu Füßen des Dogen Marino Grimani den solennen Schwur, den Erinnerungstag an dies Gelöbniß alljährlich festlich zu begehen. Seitdem wurde dieser Schwur von Generation zu Generation treulich gehalten. Die Julinacht, die dem Erlöser geweiht ist, sieht die Königin der Adria im vollen Zauber ihrer Märchenpracht. Tausende von Gondeln und Barken, mit farbigen Lampions und Vlumenguirlanden reich geschmückt, schaukeln auf dem glatten Wasserspiegel des Canal Grande und des Molo, umrahmt von den festlich beleuchteten Palästen, während die silbernen Strahlen des Mondes den herrlichen Tempel des Andrea Palladiano, den St. Markusdom, den Dogenpalast, die Kirche St. Giorgio, die Rialtobrücke und alle die anderen denkwürdigen historischen Bauten mit geheimnißvollem Glänze verklären. In dieser Nacht erwacht in Venedig die Zeit entschwundener Pracht und Herrlichkeit und vermischt sich seltsam mit dem Modernen Leben der Gegenwart. Und der Reiz des poetischen Zaubers, der dies Leben durchhaucht, wird noch erhöht durch die allgemeine fröhliche Festesstimmung, die in Lachen und Scherzen, in Musik und Lautenspiel und besonders in frohen Liedern feinen Ausdruck findet. La Hotte farnosissima Del nostro Redentor, Nina, su via, persuadeti, E fata per !'amr." Ja wohl, diese Nacht ist wie zur Liebe geschaffen. Liebe künden die füßen Melodien der Volkslieder, die unfer Ohr berühren, Liebe die duftenden Rofenketten, die sich von Barke zu Barke schlingen, Liebe die lauen Meereslüfte. die uns kosend umfächeln. Roberto, warum so schweigsam und träumerisch? Ist es nicht wunderbar hier?" Herrlich, Giuitta, der Eindruck, den ich empfangen, hat mich überwältigt. Wenn ich Dich nicht an meiner Seite fühlte, möchte ich glauben, einen phantastischen Traum zu träumen. Wie traurig das Erwachen daraus wäre!" Ihr Deutsche seid doch wunderliche Leute. Könnt Ihr denn nie ein Vergnügen in vollen Zügen genießen, ohne es durch Eure Reflexionen zu verbittern? Sieh einmal dagegen meine Landsleute an, die verstehen zu leben, sie freuen sich der Stunden der Nacht, ohne daß es ihnen in den Sinn käme, zu denken, was der Morgen bringen kann." Ja wohl, Ihr seid ein bcneidenswerthes Völkchen, Ihr wißt dem Leben nur die freundlichen Seiten abzugewinnen. Sogar die Erinnerung an die Schrecken der Pestzeit feiert Ihr mit Musik und Gesang." Giuditta schlug ein Kreuz. Nenne nicht die Pest, das bringt Unglück. Wir feiern ja das Fest des Redentore, des Befreiers; möge er uns gnädig sein." Und uns vor Allem vor trüber Stimmung bewahren. Du hast Recht, Giuditta, fort mit allen Grillen! Leeren wir ein Glas auf unsere Liebe." Und auf Deine Zukunft als großer deutscher Meister." Es war ein hübsches junges Paar, das in einer kleinen blumengeschmückten Barke saß und diese selbst ruderte. Robert S. war nach Absolvirung der Akademie in München nach Venedig gekommen, um dort Studien zu machen. In der Giudecca hatte er ein Monatszimmer genommen und von dessen Fenster aus Giuditta, wenn sie mit ihren blankgescheuerten Kupferkesseln um Wasser ging, beobachtet. Ihr echter venetianischer Volkstypus hatte sein Interesse erweckt. Eines Abends hatte er sie in ein Gespräch gezogen und sie gefragt, ob sie ihm nicht zu einem Bilde Modell sitzen wolle. Dies Anerbieten hatte dem jungen Weibe geschmeichelt. Sie versprach, es bedenken zu wollen. Am nächsten Abend sagte sie ihm, daß ihr Mann, der Fischer Pietro, wohl nie die Zustimmung dazu geben würde, da er aber die meiste Zeit vom Hause abwefend und in seinem Berufe weit braußen auf dem Meere sei, wolle sie den Versuch hinter seinem Rücken wagen. So hatte der junge Maler sein Modell, um das ihn Viele beneidet hätten, und Giuditta einen deutschen Verehrer, gefunden, dessen fremdartiges Wesen für sie einen eigenen Reiz bildete. Die Iahreszeit war dem Liebespaare günstig, der Fischer Pietro war beinahe täglich abwesend und auch heute hatte er eine Bestellung erhalten, die ihn zur. Ausfahrt zwäng, von der er vor dem Morgengrauen wohl nicht zurück, sein konnte. So war es ihnen ermöglicht worden, an dem Feste des Redentorc theilzunehmen und damit einen HerzensWunsch Giudittas zu erfüllen, der schon Wochen lang das Sinnen und Trachten des echten Venetianer Volkskindes war. Der Maler fchänkte aus einer Strohflasche zwei Gläser mit' rubinfunkelndem Chianti voll und stieß mit Giuditta an. Dann trank er sein Glas leer. Vorsicht, Roberto, der Wein ist feurig und trügerisch," mahnte Giuditta. Wie Ihr Weiber der bella Ve nezia."
Pfui, willst Du meine Eifersucht erwecken?" Nein, Giuditta, sei unbesorgt. Seit ick Dick kenne, babe ick keiner Venetia-
nerin mehr in die verführerischen Augen geschaut. Und ubngens, hast )u nie gehört, daß die Treue eine Tugend der Deutschen ist? Ich trinke auf die deutsche Treue!" Und wieder leerte er sein Glas. Ewiva! Evriva!" tönte es im Chöre von den Nachbargondeln. Man freute sich, daß der blonde Deutsche so fröhlich an dem heiteren Feste theilnahm. Das Antlitz des Malers hatte sich geröthet. Giuditta. Du hast Recht." sagte er. der Wein ist feuriger, als ich gedacht, er hat mir heiß gemacht und die Luft hier inmitten des Barkengewoges erscheint mir drückend. Fahren wir ein wenig hinaus in's Freie. Ich sehne mich nach einer frischen Brise und nach einem Kusse von Deinen rosigen Lippen." Das junge Weib schlug kräftig die Ruder in die Fluthen und bahnte der Barke den Weg. Bald lag das Centrum Venedigs mit seinem lauten Festgetriebe hinter ihnen, sie waren den Kanal hinaufgefahren und ruderten nun die Barke gegen die Lagunen. Dort in der stillen Einsamkeit ließen sie sie ziellos auf den leise schaukelnden Wellen treiben, und Giuditta lauschte selig den zärtlichen Liebesworten, die ihr der Maler in's Ohr flüsterte Waren es Stunden, die so vergangen waren? Sie wußten es nicht. Plötzlich stieß Giuditta einen Schrei aus: Jesu Maria! Das ist Pietros Barke!" DerMaler richtete sich rasck aus und griff instinktiv nach den Rudern. Im gleichen Augenblick aber erhielt die Barke von dem zweiten Schiffe einen heftigen Stoß und Robert stürzte kopfüber in die Fluthen. Pietro, um der heiligen Jungfrau Willen, rette ihn!" schrie das junge Weib verzweifelnd. Den? Daß ihn die Hölle verschlinge!" lachte der Fischer höhnisch aus und erfaßte gleichzeitig das Weib, das er mit einem starkenGrisse in seine Barke herüberriß. Wenn ich die Rache voll machen sollte, müßte ich Dich ihm nachsenden, Maledetta!" Giuditta umklammerte seine Kniee. Pietro, Verzeihung, ich habe nichts Böses gethan, ich wollte nur das Fest des Redentore besuchen." Hier draußen mit einem Fremden. Ich werde Dir für die Zukunft die Lust zu ähnlichen Festen vertreiben." Und wuchtig sauste seine Faust auf das schreckensbleiche Antlitz des jungen Weibes. Vom Canal Grande aber klang es gedämpft herüber: ka notte farnosissima Del nostro Redentor. Nina, su via, persuadeti, E fata per Tamor." Am nächsten Tage brachten die Benetianer Zeitungen die übliche begeisterte Schilderung von dem Feste des Redentore, das auch heuer wieder ohne jeden unliebsamen Zwischenfall verlaufen war. Ganz am Schlüsse des lokalen Theiles war aber unter der Notiz Unglücksfälle" zu lesen, daß der deutsche Maler Roberto S., der sich allein in einer Barke auf die Lagunen gewagt habe, ertrunken sei. Die Fremden, hieß es weiter, möchten stch dies zur Warnung dienen lassen und nicht, um einige Lire für einen geschulten Barkenführer zu sparen, leichtsinnig ihr Leben aus das Spiel fetzen. Nach den Details des Unfalles kümmerte man sich nicht. In einer Seestadt bot er nichts Neues. Da genügt die nächste halbwegs glaubwürdig: Erklärung dafür besonders wenn es sich um einen Fremden handelt. Und daß Giuditta nicht sprechen wird, dafür hat der Fischer Pietro gesorgt. Sie mußte ihm schwören, das Geheimniß niemals zu verrathen. Erst dann hat er ihr das Abenteuer in der Nacht des Redentore verziehen. Strohwittwer. Der , Name Strohwittwer" hat nicht immer die Deutung gehabt, wie sie ihm heute fast allgemein untergelegt wird. Und das Merkwürdigste daran ist. daß die Bezeichnung erst von den Frauen aus die Männer übergegangen ist. Ehemals gab es nämlich keine Strohwittwerz.man kannte das Masculinum des Begriffs weder in Wort noch in Schrift, sondern wußte nur von Strohwittwen. So hießen in einigen Strandgegenden die Frauen verschollener Schiffer und anderswo wiederum die Mädchen, von de.ien Bärbel im Faust" sagt, daß ihnen die Buben das Kränzchen reißen und die Mädchen Häckerling von die Thür streuen. In der derbhumoristischen Literatur des Mittelalters fand die Bezeichnung Strohwittwe bald AnWendung aus solche Frauen, die sich auch während kurzer Abwesenheit ihrer Gatten vergnügten. Aber rasch entschlossen kehrten die , Holden den Spieß um und gaben den Namen den Männern, die ihn nun voraussichtlich so bald nicht wieder los werden. Die Etymologie des Wortes wird aus dem Schwedischen hergeleitet. Nicht so schlimm. Die Männer sagen meist.es sei der dümmste Streich gewesen, daß sie geheirathet hätten. Nicht wahr, Arthur, die haben doch Unrecht?" Gewiß ich hatte mir auch die Sache viel schlimmer vorgestellt!" Ach nee ! (Aus Sachsen.) Passagier (zum Kutscher, der wäbrend der Fahrt eingeschlafen ist): He, Kutscher. Sie schlafen wohl?" Kutscher: Ach nee, mein kutestes Herrchen: Sie haken mich ja ufgeweckt!".
Die Wichtelmännchen
Von F. K.Kretzmann. Zwei Wichtelmännchen stolzten 'mal Ganz munter durch dm Sonnenstrahl, Der Frühling weht' gelinde. Da sahen sie ein blitzig' Ding, Ein Etwas wie ein Fingerring, Und hobcn's auf geschwinde. Ei, meinten sie, was mag das sein? Es glänzt daraus wie Sonnenschein Was mag das Ding bedeuten? Und standen lang und sah'n sich an, Was man damit wohl machen kann Bei kleinen Wichtelleuten. Da kam des Wegs vom Frühgebet Des Dorfes schöne Margarcth' Im weißen Feierkleide; Dte sah die Zwei vor ihrem Fuß, Bot guten Tag und schönen Gruß; , Gott grüß' Dich!" sprachen Beide. Und schnell verstanden sich die Zwei Und nahmen flugs den Ring herbei Und schenkten ihn dem Mädchen. Und als sie träumend um sich sah Da stand der Frieder vor ihr da Und freit um 's Margarethchen. Muth und Herzensgute. Die Gattin des Dichters Walter Scott ging einmal, kurze Zeit nachdem der Dichter das kleine Landgut Cartlcy - House am Tweed gekaust und dem Gute den Namen Abbotsford gegeben hatte, in einer schönen Mondnacht iim nahen Walde spazieren. Plötzlich wurde sie durch ein Geräusch aus ihren Gedanken aufgeschreckt, fühlte sich im nächsten Augenblicke derb am Arme gefaßt und vernahm zugleich die in rauhem Tone gesprochenen Worte: Ihr Geld oder Ihr Leben, Madame!" Im ersten Moment war sie heftig erschrocken, faßte sich aber schnell und antwortete: Ich habe kein Geld bei mir. Sich selbst." Dabei kehrte sie ihre Taschen um, um den Räuber durch den Augenschein zu überzeugen. Dieser aber vermuthend, daß die Dame dennoch irgendwo Geld versteckt haben könne, zog einen Dolch hervor und rief: Gleichviel, ich muß Geld haben. Wenn Sie wirklich keins besitzen, dann geben Sie mir die Perlenkette, die Sie um den Hals tragen." Nein," erwiderte die Lady, diese kann ich Dir nicht gcen, denn sie ist ein Geschenk meines Mannes; auch würde sie Dir nichts nützen; denn sobald Du sie verkaufen wolltest, würde man Dich festnehmen. Laß mich daher gehen, um Geld zu holen, und erwarte mich hier." Werden Sie auch allein zurückkommen, Madame?" fragte der Räuber zweifelnd. Gewiß, mein Wort darauf. Aber wieviel Geld verlangst Du?" Fünf Pfund." Gut, ich werde sie Dir bringen." Der Räuber ließ die Lady ungehindert gehen und wartete eine volle Stunde. Endlich kam sie zurück, einen Beutel in der Hand. Zähle nach, ob die Summe stimmt," sagte sie. den Beutel fallen lassend. Aber indem der Räuber sich bückte, um ihn aufzuheben, zog Lady Scott zwei Pistolen hervor und rief: Schurke, ich schieße Dich augenllicklich über den Haufen, wenn Du mir nicht sofort zum Sheriff folgst." Gnade, Verzeihung, Mylady," jammerte der Elende, der Dame zu Füßen stürzend, ach, ich weiß ja. ich habe den Tod verdient; aber ich bin kein Mörder, und ich hatte Sie auch nicht getödtet, ich wollte Sie nur erschrecken; Sie dürfen es mir glauben. Mein Weib ist krank, und meine Kinder sind dem Verhungern nahe, ich wollte ihnen etwas zu essen verschaffen. Gnade, Mylady, Gnade!" Die flehenden Worte des Mannes, die Thränen der Reue, welche über das bleiche, abgemagerte Gesicht desselben rannen, das der Mond in diesem Moment grell beleuchtete, rührten die muthige Frau so. daß auch ihre Augen sich näßten, und sie sagte daher in sanftem Tone: So nimm den Beutel; ich schenke ihn Dir. Ich glaube es. daß Du kein gewerbsmäßiger Räuber bist, denn ein solcher hätte schwerlich eine so bescheidene Summe von mir gefordert." Sie schenken mir das Geld, Mylady?" rief der Räuber erfreut und griff hastig nach dem Beutel. O. wie gütig sind Sie! Aber Sie haben Recht, ich bin kein Räuber, nein, nein, durchaus nicht, und nur die bitterste Noth und meine armen Kinder " So geh und sättige sie und komme morgen nach Abbotsford, ich kann Dir vielleicht Beschäftigung geben." O tausend Dank. Mylady, tausend Dank!" erwiderte der Mann, indem er die Hand der Dame erfaßte und küßte. Diese aber entzog ihm dieselbe unv schritt schnell hinweg. John 'Erwin aber, so nannte sich der Räuber, lvurd in der Folge der treueste Diener der Familie des Dichters, welcher übrigens das Abenteuer seiner Gattin !n einem seiner Romane verherrlichte. Frech. Madame: Wenn ich Sie recht verstanden habe, Minna, so haben Sie behauptet, Sie hätten keinen Besuch in der Küche gehabt, so lange ich aus war?" - Köchin: Ja wohl. Madame!" Madame: Aber, die ganze Wohnung riecht ja nach Tabak." Köchin: Ja, Madame, mein Grenadier war da, aber wir sind in die gute Stube gegangen!" Heimgeqeben. Baronin: Ich höre, Sie haben sich verheirathet, Herr Professor. Nehmen Sie meine besten Glückwünsch: entgegen. Natürlich ein bürgerliches Mädchen?" Professor: Im Gegentheil, der erste Adel des Landes es ist eine Frau von Geist!" . -
