Indiana Tribüne, Volume 21, Number 340, Indianapolis, Marion County, 28 August 1898 — Page 7

SWic. Won Luise Glaß. Auf dem Singer am Fluß lärmte das Vogelschießen. Wie bunt das war! Bunter als der Sommer mit all seiner Blüthenpracht. Die Schützen mit ihren Frauen und Kindern im schmucken Sommerstaat, und die Gaukler, das Kasperletheater, die Tyroler-Sänger alles bunt. Aber doch verschieden in seiner Buntheit hier die grellen Farben der Heimathlosen, dort der abgetönte Putz der rrventlichen Leute. Amtsrath Vergemann sagte zu seiner Frau: Eigentlich sollte man die Kinder von so etwas fernhalten", und Bürgermeisters Minna raffte ihren rosa Tarlatan zusammen, damit er den Flitterstaat der Frau nicht berühre, die. regungslos vor der Musikhalle stand. Kecke Person, dachte die hübsche Minna, wie ste unsern neuen Amtsrath ansieht! Als sei er der einzige Mensch auf dem weiten Plan. Dieser schien auch den starren Blick zu spüren, er sah auf und der fremden Frau gerade ins Gesicht. Sofort senkte sie die Augen zu den Kindern, die Papa und Mama mit niedlichem Getrappel folgten. Welch winzige Aehnlichkeiten eine Erinnerung wecken können! Ein zweiter Blick sagte ihm, daß die Frau nicht den leisesten Zug von seiner Schwester habe, und doch war ihm bei ihrem Anblick die Schwester eingefallen, an die er so lange nicht gedacht hatte. Amtsrath Bergemann dachte seiner Jugend, er dachte seiner Schwester. Wie lustig sie gewesen war und wie schon mit ihrem lachenden Mund und den grünen Nixenaugen. Wie er den Mann haßte, der sie, gar so jung noch, aus dem Elternhaus lockte. Karl Bergemann suchte damals die Schwester zu bewegen, von jenem abzulassen, sie lachte nur mit ihrem süßen, girrenden Lachen und schüttelte die braunen Locken: Ich hab ihn doch lieb, Karl! Als der Mann bald darauf starb, konnte der Bruder wenig davon bemerken. Nach kurzem, rasendem Schmerz war sie wieder die lustige Thea, von einer wilderen Lustigkeit noch als sonst. Nach einer Weile starb cmch das Kind die Leute sagten durch Theas Schuld; Mütter seien dazu da, für ihre kleinen Kinder zu sorgen, nicht nm uf Dilettantenbühnen alberne Stücke zu spielen. Aber das machte die kleine Lucy nicht wieder lebendig. - Die schöne Thea versank abermals in maßlosen Schmerz, nach emem Vierteljahr aber war sie unter die Comodianten" gegangen, weil sie die Einsamkeit nicht ertrüge, sagte der Abschiedsbrief Narrenspossen. Alles das sah irnd bedachte der Amtsrath, wahrend er in der vergrünim Bretterhalle beim Kaffee saß. Was das für eine Zeit gewesen war voll Scham nnd Gram! Er hätte sich vor allen verstecken mögen dazumal. Nun, diese neue tzeimath lag w:it ab von der alten hier wußte Keiner, daß er eine Schwester besessen hatte, hier konnte er ruhig schlafen. Er trank seinen Kaffee und horte mit halvem Ohr nach den Sängern. Da trat ja auch die Frau auf, die seine Erinnerung geweckt hatte; sie stand lässig da in ihren bunten Fähnchen nnd sang. Die Stimme war matt, nur manchmal suchte sie einen N?irkungsvollen Ton grell aufzusetzen rmd doch war in diesem Jodeln ein Klang, der Karl Vergemanns Erinnerung heftiger schüttelte als vorhin der Anblick des Weibes da ertönte er wieder barmherziger Gott sie wars! sie wars wirklich! dies Weib, diese Coupletsängerin war seine Schwester. ' Voll Schrecken rückte er an seinem Stuhl; sie hörte das Geräusch, ihr lee- ; rer Blick traf ihn und wurde vollGluth und Leben. Was solche Person nervös ist", sagte Doctor Wendt. wird kreideweiß von so einem bischen Stuhlrückcn. Nun. das mag wohl erbärmlich leben." Erbärmlich? Ja, zum Erbarmen für alle ordentlichen Leute." Der Amtsrath saß wie auf Dornen; sobald sichs thun lieh, rettete er sich aus dieser Nähe. Draußen kam ihm eine neue Angst und überschüttete ihn mit Scham und Sorgen: Tbea hatte ihn ja auch erkannt, wenn sie ihn besuchte? oder wenn sie den aufhorchenden Leuten erzählte: Euer neuer Amtsrath ist mein Bruder. Er umkreiste die Musikhalle just, als die Schwester durch ein hinteres Pförtchen heraus trat. Aber sie entfloh, als er auf sie zuging. Sie will mir nichts versprechen, sie will reden, dachte er, und eilte ihr nach durch das Gedränge, bis in die buschigen Anlagen im Flusse, wo der Jasmin blühte und die Linden dufteten. Aber Thea Bergemann floh nicht vor dem. was er ihr etwa abverlangen könnte, sie floh vor ihrer Jugend, vor ihren goldenen Tagen, vor der Vergangenheit. ! Als sie merkte, daß es kein Entrinnen gab, blieb sie stehen. Der Athem ging ihr kurz, sie setzte sich auf einen Baumstumpf nahe dem Wasser und erwartete den Bruder in finsterem Trotz. Was willst Du von mir?Er stürmte mit zornigen Vorwürsen auf sie ein, deren jeder endete: Und Du wagst es. hierher zu kommen?" Sie rührte sich nicht und unterbrach ihn nicht, erst als er fertig war, antwartete sie spöttisch: Konnt' ich wissen. daß Du gerade hier einer der Ordentlichsten der ordentlichen Leute bist?" Er sah, daß der Zorn eindruckslos an ihr vorüberrauschte, und versuchte es auf anderem Wege. Ob das denn ein Leben sei, waö sie führe? Ob sie jemals fröhlich sei? Ob sie nicht gemieden werde? Ob er ihr das nicht vorausgesagt habe? Sie solle bereuen nd sitfen.

Sie horke nicht den Ton, in dem er sprach, sie hörte nur die Worte. Das friedliche Wassergerinsel, das Plaudern der Kinder seitwärts auf der Bank erweckten in ihr ein heißes Heimathverlangen. Ja," sagte sie plötzlich, ich bin elend. Unrast in Leib und Seele. Hilf mir! Ich sehne mich nach Heimathfrieden, laß mich bei Euch bleiben." Entsetzt streckte er beide Hände gegen sie aus. Um Gotteswillen!" Sie sah ihn an wie ein Mensch, der aus einem Traume geweckt wird, aber noch nicht reckt wach werden kann. Langsam wachte sie auf, aber noch verwirrten sich Traum und Wirklichkeit, wie sich das Kindergeschwätz neben ihr mit dem Rauschen des Flusses mischte. Bei Euch laßt mich bleiben; ich sah vorhin Deine Kinder, wie lieb wollte ich sie haben, die kleinen M:nschen; Dich und mich noch einmal auf die Erde geschickt, es klüger zu machen wie wir zwei." Wie wir zwei das verletzte ihn schwer. Du vergißt meine Stellung!" sagte er hochfahrend. Der Traum wurde blasser; hastig, als wollten die fliehenden Wellen ihr etwas Köstliches entreißen, sagte sie: Ja. Deine Stellung dann nicht als Schwester, als irgend etwas. Ich gehe zu Grunde, Karl." Das klang so matt, fast wollte cs 'ein Herz rühren, aber die Ninde war est. Und wenn Du zu Grunde gingest." fagte er kalt, so zahltest Du nurDeine Schuld. Du, meine Kinder! Du. die Du das Deine durch eigene Pflichtvergessenheit verloren hast!" Thea stieß einen Schrei aus. Ihr: au-gestreckte Hand deutete auf ein Bübchen, das ins Wasser gestürzt war; sein Aufschrei hatte sich mit dem ihren verbunden. Hilfe!" rief der Amtsrichter in die Luft hinaus. Barmherziger Gott, warum ist er solch ein schlechter Schwimmer! Der Gedanke daran lähmte ihn völlig, da war die Schwester schon die Böschung hinab, in den Fluß'hinein sie erfaßte das Kind, aber das Wasser war stärker, beide geriethen in seine Gewalt. Karl Bergemann schlug das Herz bis zur Kehle hinauf; sie schwamm immer gut, war das Einzige, was er zu denken vermochte. Thea kämpfte inzwischen gegen die Fluth, die sie nach dem Strudel reißen Tvollte, die Linke hielt das Kind em por, die Rechte theilte das Wasser; aber wo waren die Kräfte vergangener Zeiten? Ich kann nicht mehr, denkt sie, wer löst mich ab? ich kann nicht mehr. Da kam einer heran' und schob ihr eine Stange zu. Anfassen! festhalten! schrie eine Stimme, die sie kaum noch hörte, der aber ihre Hand gehorchte. Sie griff und hielt und wurde an's Land gezogen. Das Kind war so munter, daß es gleich zu weinen begann. Seine Mutje? riß es ans Herz und überströmte es mit ihren Thränen, die Menschen rannten herbei, der Anger wurde leer, alles fragte wie und was? Einen AuHenblick lang war dieRetterin vergessen. Sie lehnte am Weidenstamm und lächelte; irgend etwas Liebliches war ihr geschehen, aber sie wußte nicht was; sie konnte nicht denken, das Herz arbeitete in rasenden Schlägen, sie fühlte nichts als das Herz, aber sie lächelte und sagte nur plötzlich: Aus" Eifrig bemühten sich die Leute um sie, der Arzt ließ das Kind, horchte und klopfte an ihr herum, konnte aber nichts thun, als den Tod bestätigen. Schreck, Temperaturwechsel. Kampf mit dem gewaltigen Gegner Wasser, wie soll ein' Korper das überstehen, der so wie so nur noch mühsam zusammenhält." Die Leute waren sehr ergriffen darüber, daß eine solche Frau so brav sein könnte. Der Bürgermeister erklärte, die Stadt werde sie begraben erster Klasse, denn das wäre ein Heldentod. Karl Bergemann stand noch immer auf derselben Stelle, blaß und athemlos. Nun war sie todt, und das Letzte, was ihr das Leben gebracht hatte, waren seine grausamen Worte qewesen. Tiefes Mitleid mit der Unglücklichen ergriff ihn und in seinem Herzen erwachte wieder die Bruderliebe. Mit zwei Schritten stand er neben der Todten, schob den Bürgermeister bei Seite und sagte laut: Das Weitere ist meine Sache, sie war meine Schwester." Hans".

HumorcZle son Melitta Gromann. Assessor Hians Wriedt! Der Besitzer dieses Titel und Namenein ansehnlicher junger Mann in den besten Vermögensverhältnissen, war das Ziel manch' heimlicher Sehnsucht und Speculation heirathsfähiger Töchter und deren Mütter, aber alle LiebensWürdigkeit, mit der ihm die betreffenden Damen entgegenkamen, vermochten nicht sein Herz schneller schlagen zu machen und so kam es, daß das Interesse, welches sie für ihn zeigten, mehr und mehr für ihn schwand und Hans Wriedt im Stillen auf die Liste der unwiderruflichen Junggesellen" gesetzt wurde. Damit erklärte sich Freund Amor aber nicht einverstanden, flugs nahm er Pfeil und Bogen zur Hand und traf als geübter Schütze den Assessor mitten ins Herz. Käthe, die Tochter des kürzlich in die Stadt versetzten Gerichtsraths Schurig ward der Gegenstand seiner Liebe, leider that diese aber als nähme sie gar keine Notiz von seinen doch so unverkennbaren Aufmerksamkeiten, weshalb Hans nicht wagte, sich dem jungen Mädchen zu erklären. Dabei war ihm die Gelegenheit erst kürzlich so günstig gewesen, wie leicht hätte er sich, als er ihr als Vielliebchengeschenk seinen Canarienvogel in dem hübschen Bauer üheneichte, aus

sprechen können, aber da er zu lang zögerte, verpaßte er den Augenblick. Ein schöner Sommerlag. Hans Wriedt spazierte zum Villenv:ertel hinaus, seit der Gcrichtsrath mit seiner Tochter dort Wohnung genommen, zog es ihn öfters, fast taglich dahin. Je näher er der Villa Käthe" kam, je mehr verlangsamte er seine Schritte, bis er. davor angelangt, still stand uno durch das Blätterg.'wirr in die Laub: des kleinen Vorgartens lugte. Richtig, wie immer, um diese Zeit erblickte er sie auch heute dort. Aber was war das? Sie weinte? Deutlich vernahm er die unter Schluchzen hcrvorgcbrachten Worte: Hans, m:in lieber, süs-er Herzenshans!" Den Assessor überlief es heiß und kalt, einen Moment zögerte er noch, um sich von dem freudigen Schreck zu erholen, dann stürmte er in d:;i Garten auf die Laube zu. Käthe umfassen und küssen war eins. Diese befreite sich erschrocken aus seinen Armen. Der Assessor," stammelte sie verwirrt. Hans, Hans," verbesserte er glückstrahlend, siehst Du, Liebchen, wärst Du nicht so energisch gewesen, ich glaube, wir beide liefen noch in 100 Jahren als ledige Leute herum." Ich verstehe nicht!" Käthe war völlig consternirt, endlich faßte sie sich. Sie scheinen in einem Irrthum vefangen zu sein. Herr Assessor", erklärte sie, ihr dunkel erglühtes Antlitz von ihm wegwendend, sehen Sie" dabei deutete sie auf einen todten Canarienvogel, welcher auf dem Tische lag. die böse Katze hat meinen kleinen Hans erwürgt." Zuerst war der Assessor sprachlos, dann ließ er aber nicht wieder die Gelegenheit vorübergehen, sich mit der kleinen Käthe zu verloben. Nun müssen wir unsern Hans aber doch begraben," meinte das niedliche Bräutchen endlich, der arme Hansl! Wenn er ahnte, daß er uns indirect zusammengeführt hat." Mit so vergnügten Mienen hat Hans Wriedt wohl noch niemals Einem die letzte Ehre erwiesen. Käthe konnte sich zwar einiger Wchmuthsthränen nicht erwehren, als sie den Vogel in die für ihn gegrabene Gruft legte; jedoch als sein einstiger Besitzer voll Pietät mit dem Daumen und Zeigefinger einige Körnlcin Erde auf den Leichnam des theuern Dahingeschiedenen fallen ließ, lächelte sie schon wieder. Als das junge Paar, nachdem Hans vermittels seiner Absätze das Grab unkenntlich gemacht hatte, den Begräbnißplatz verließ, war alles Leid durch das neuerblühte Glück vergessen.

Ser Meldereiter. Humoristische P'auderei aus dem Soldaten leben, von Freiherrn v. Schlicht. Wunderer kommst Du nach Sparta, so meloe. Tu habest Uns hier liegen gesehen, wie das Gesetz es gebeut!" ftir kommt, während ich über den Anfang dieser Plauderei nachdenke, der obige schöne Vers in den Sinn und ich schreibe ihn ruhig nieder, denn bei einer Plauderei darf man ja Alles sagen, was mit der Sache irgend etwas zu thun bat. Ich möchte den Menschen v?n Angesicht zu Angesicht kennen, lermit Reiseunkosten werden nicht verciiH , der da behaupten wollte, daß der angeführte Spruch nicht im innigften Zusammenhang mit dem 'Thema stände: Das citirte Wort beweist, daß schon im grauen Alterthum Meldungen erstattet wurden, und von Allem, was mit Meldungen zusammenhängt, soll die Rede sein. Wer kennt nicht die wahre Geschichte bekanntlich sind alle Geschichten wahr, es gibt sogar Leute, die jede Geschichte, die sie erzählen, selbst erlebt hben und ernstlich böse werden, wenn man ihnen sagt: Aber lieber Freund, schon Adam machte verzweifelte Anstrengungen, um über diesen Witz noch lachen zu können " wer also," frage ich erneut mit erhobener Stimme, kennt nicht die wahre Geschichte, die sich irgendwann irgendwo einmal ereignete?" Bei einer festlichen Gelegenheit war große Parole-Ausgabe, um den ComMandanten der Garnison standen in einem weiten Kreise sämmtliche Offieiere, vom ältesten General bis zum jüngsten Lieutenant. Nachdem die Regimentsmusik einige feierliche Weisen gespielt hatte, trat geheimnißvolle Stille ein, alle Augen richteten sich auf den Commandanten; der hohe Herr räusperte sich ein paar Mal und flüsterte dann dem neben ihm stehenden Officier das Parolewort leise ins Ohr, dieser gab es ebenso weiter und von Mund zu Mund, um nicht zu sagen, von Ohr zu Ohr, ging das geheimniß, volle Wort, das der letzt: und jüngste Officier mit lauter Stimme verkünden mußte. Das Parolewort, das der Commandant ausgegeben hatte, lautete: Gott schütze unseren König", die Parole, die der jüngste Lieutenant meldete, hieß : Otto, der Schütz." Diese, ich bekenne . es nochmals, wahrhaftige Historie lehrt, daß ein Wort, das von Mund zu Mund geht, sehr leicht entstellt wird, besonders schlimm ist dies natürlich bei Meldungen, durch die der Führer, sei es im Manöver oder im Krieg, zu neuen Maßnahmen und Entschlüssen veranlaßt wird. Wer die Kriegsgeschichte gelesen hat, weiß, wie wichtig richtige Meldungen sind, wer es nicht weiß, wird freundlichst gebet:n, die Kriegsgeschichte zu lesen. Meine Herren," sagt der Herr Oberst, lassen Sie mir die Rekruten vom erstenTage ihrer Dkensteinstellung an täglich kleinere Meldungen überbringen, ganz einfache Sache, sagen wir 3. B.: Meldung von dem 'Unier-

officier So und So an den Herrn Lieutenant So und So: Die Sonne scheint." Glauben Sie mir, Sie werden mit dieser Art der Meldungen später ganz erstaunliche Resultate, über die Sie sich selbst wundern werden, erzielen." Die Stabsofficiere. die diesen Worten des Herrn Oberst lauschen, wünschen am nächsten Mittag die Herren Hauptleute einen Augenblick zu sprechen. Meine Herren, sagt der Herr Major, lassen Sie die Rekruten vom ersten Tage ihrer Diensteinstellung an täglich kleine Meldungen überbringen, ganz einfache Sachen, sagen wir z. B., nun, was nehme ich gleich für ein Beispiel? Sagen wir meinetwegen: Die Sonne scheint Glauben Sie mir, Sie werden mit dieser Art der Meldung später ganz erstaunliche Resultate. über die Sie sich selbst wundern werden, erzielen." Die Hauptleute nicken mit dem Kopf und zeigen dadurch an, daß sie ganz die Ansicht ihres Vorgesetzten theilen. Sie nehmen sich vor, die Angelegenheit am nächsten Mittag eingehend mit ihren Officieren und Unterofficieren zu besprechen, und was ein Mensch sich vornimmt, führt er, wenn er inzwischen seine Ansicht nicht ändert, auch aus. Am nächsten Mittag hält der Hauptmann höchstselbst Instruktion mit seinen Untergebenen ab. Nennen Sie mir einmal eine ganz einfache Meldung, Unterofficier Haase." Hause sieht zum Fenster hinaus und bemerkt, daß es in Strömen regnet, so sagt er denn: Meldung: Es regnet." Ter Häupling blickt nachdenklich vor sich hin: Gewiß, ja, hm, hm, was Sie da sagen, ist ja richtig, besonders in diesem Augenblick, aber zu leicht, gar zu kurz dürfen wir die Meldung auch nicht machen. Wir sollen doch die Leute gleichzeitig zum Sprechen erziehen, wir sollen sie doch daran gewöhnen, einige Worte im Zusammenhang zu sagen. Zwei Worte, wie: cs regnet", scheinen mir etwas zu wenig zu sein, drei Worte halte ich für das Geeignetste. Der Beispiele gibt es ja genug. sagen wir meinetwegen: Die Sonne scheint." Glauben Sie mir, Sie werden mit dieser Art der Meldung später ganz erstaunliche Resultate, über die Sie sich selbst wundern werden, erzielen." Acht Tage später sind die Rekruten da, das Exerzieren hat begonnen, der Herr Lieutenant steht auf dem Käsernenhof und sieht zu, wie die Leute mit ihren Gliedmaßen schlenkern. Er befindet sich in der denkbar schlechtesten Laune: wenn es eine Gerechtigkeit auf dieser Welt gäbe, brauchte er in diesem Jahre keine Rekruten mehr zurerzieren, aber es gibt keine Gerechtigkeit, denn er hat wieder Rekruten. Er ist in der glücklichen Lage, vierzehn Hinterleute zu haben, er war also ganz sicher, in diesem Jahr die alten Leute zu exerzieren da bricht sich der eine Hintermann, natürlich absichtlich und aus niederträchtiger Bosheit, den Fuß und der andere Hintermann wird abcommandirt. So'n Pech kann auch er nur haben; zum Ueberfluß hat er gestern Abend auch noch seinen Kummer in Pilsener Bier ertränken wollen und hat nun einen Jammer, daß er mit Freuden seinen letzten Thaler ausgeben würde, wenn er dadurch seine Geburt wieder rückgängig machen könnte. Der Gedanke, jetzt zehn Wochen hindurch jeden Tag w'der sechs Stunden auf dem Kasernenhof stehen zu müssen, erfüllt sein Herz mit Verzweiflung. Und dabei ist es heute so kalt und unfreundlich. von der Sonne ist absolut nichts zu sehen, grau wie der Himmel liegt vor ihm die Welt. Er hält auf semer Wanderung inne und senkt schwermüthig den Kopf auf die Brust, eine Thräne steigt ihm ins Auge, dies Leben ist wirklich zuweilen nicht werth, gelebt zu werden. Da tönt eine Stimme an sein Ohr: Herr Lieutenant, die Sonne scheint!" Er erhebt die Augen und vor ihm steht ein Rekrut, die personifizirte Dummheit und Stumpfsinnigkeit. ..Kerl," braust der Lieutenant auf. willst Du krummgebogene Mondsichel mich hier uzen, willst Du dich hier über deinen Lieutenant lustig machen?" und ehe er es weiß, wie es geschah, hat er den Soldatenjüngling mit beiden Händen an der Heldenbrust gefaßt und schüttelt und rüttelt ihn. Vorgesetzte erscheinen bekanntlich immer dann, wenn man sie am allerwenigsten gebrauchen kann, und so betraten in diesem Augenblick der Herr Major und der Herr Hauptmann zusammen den Kasernenhof ein Unglück kommt ja nie allein! Sie sehen, wie der Herr Lieutenant den Rekruten freundlich hin- und herfthüttelt; sie sind starr, einfach starr, dann aber eilen sie so schnell sie können, um den Unglücklichen j zu befreien. Nichts hat dem im Grunde seines Herzens gutmüthigsten aller Lieutenants ferner gelegen, als seinem Untergebenen etwas zu Leide zu thun, aber man glaubt ihm nicht. Die Anlegenheit wird dem Herrn Oberst vorgetragen und dieser bestrast seinen Lieutenant mit sieben Tagen Stubenarrest. So hat sich das Wort des 'Herrn Oberst erfüllt: es ist mit dieser Art der Meldung ein ganz erstaunliches Resultat erzielt worden, über das man sich nicht genug wundern kann. Am nächsten Tag versammelt der Herr Oberst seine Officiere um sich und. setzt ihnen auseinander, daß die Meldung die Sonne scheint" natürlich nur ein Beispiel, nur eine Art der Meldung hätte bezeichnen sollen. Aber das hilft nichts, kein Tag vergeht, an dem nicht tausendmal auf dem Käsernenhof gemeldet wird, die Sonne scheint", bis diese eines Tages wirklich zu scheinen beginnt.

" Die Zeit der Felddienstübungen ist da und jeden Morgen zieht der Häuptling mit seiner Schaa? in's Gelände, um Felddienst zu üben ; dies ist der einzige Dienstzweig, der den Leuten hin und wieder Vergnügen macht, dem Hauptmann dagegen bereitet er viel Aerger und Verdruß. Jeder Uebung soll eine Idee zu Grunde gelegt werden und das ist nicht so leicht, wie sich das wohl Mancher denkt. Jnfolgedessen schenken viele Leute sich die Idee, sie ziehen einfach mit ihren Compagnien in die Welt und üben lustig darauf los. Einen Feind haben sie sich garnicht gegenüber gedacht, nicht einmal einen markirten, trotzdem werden munter Patrouillen gegen den Feind" vorgesandt; der Intelligenz des Herrn Gefreiten bleibt es überlassen. guteMeldüngen zu schicken. Es ist sehr schwer, eine Meldung über die feindliche Aufstellung zu schicken, wenn thatsächlich ein Feind vorhanden ist, viel schwieriger .aber ist dies natürlich noch, wenn gar kein Gegner da ist. Was soll man da melden? Aber ein tüchtiger Gefreikr weiß sich zu helftN, der schickt immer eineMeldung nach der anderen: Fünfhundert Meter vor uns eine feindliche Patrouille." Am Eingang des Dorfes hat der Gegner einen Doppelposten ausgestellt"; und ähnliche schöne Sachen mehr. Meldungen müssen erstattet werden, unter allen Umständen, denn die Felddienstübungen sind ja eine Vorbereitung für das Manöver. Daß man diese Art der Meldungen eben so gut im Bett machen könnte, ist ein Thatsache, die nur geistig Beschränkte leugnen können. Aber der Dienst muß abgehalten werden, auch wenn er nicht viel Nutzen hat; so ziehen die rauhen Krieger eben jeden Morgen von Neuem in die Welt. In einem Manöver war es. Gefolgt von seinem Adjutanten und seinem Ordonnanzofficier. auch Galopin" genannt, sowie begleitet von el nigen Mannschaften der Cavallerie ritt der Herr Oberst die Schl.".chtreihen entlang und versuchte, einen Einblick in die Verhältnisse beim Feind zu gewinnen. Aber wie so Vieles gelang ihm auch dies nicht. Da rief er seinen Ordonnanzofficier herbei: Herr Lieutenant, sehen Sie halblinks hinter uns das hohe Hünengrab?" Das Hünengrab war beinahe so hoch wie der Mont Vlanc und der Lieutenant hatte, obgleich er ein Monocle trug, sehr gute Augen. Nur wer auf dem Pferd sitzt braucht, wenn er mit dem Vorgesetzten spricht, die Hacken nicht zusammenzunehmen. So legte der Galopin eben nur die rechte Hand an den Helm und sagte: Zu Befehl, Herr Oberst!" Sie werden zu diesem Hünengrab hinreiten und von diesem hohen Uebersichtspunkte aus die Bewegungen des Feindes beobachten. Sie können sich drei Cavalleristen mitnehmen und werden mir durch diese beständig Meldung schicken." Wieder erklang ein Zu Befehl!" und gefolgt von feinen Cavalleristen trabte der Galopin von dannen. Als er sich dem Hünengrab auf etwa fünfzig Meter genähert hatte, sah er, daß dort schon ein anderer Officier mit seiner Begleitung hielt, der anscheinend ebenso wie er beobachten sollte. Um so besser," dachte er, da werde ich Gesellschaft haben." Aber mit Schrecken sah er plötzlich, daß der Officier ein feindlicher war. der zehn Cavalleristen bei sich hatte, während die bewaffnete Macht, über die er verfügte, nur aus dreien bestand. Was sollte er machen? Umkehren? Das gibt es nicht; den Feind attakiren? das wäre mehr als Selbstmord gewesen. Da gedachte er des Wortes der Felddienstordnung: Parlamentäre, die sich durch Tragen einer weißen Fahne oder durch Schwenken eines weißen Tuches als solche zu erkennen geben, werden nicht als Feinde behandelt." So band er denn sein Taschentuch an seinen Reitstock und trabte ruhig dem Hünengrab entgegen, das er gleich daraus erreichte. Er sprang vom Pferde und näherte sich dem feindlichen Officier: Gestatten Sie, daß ich mich Ihnen vorstelle, mein Name ist von Oberg." von Emberg", stellte sich der Andere vor. Ich komme, wie Sie an meinem weißen Tuch sehen," begann der Galo pin, um mitJhnen zu unterhandeln, und zwar wegen der Räumung dieses Hünengrabs." Herr Kamerad, es thut mir sehr leid, mich in diesem Punkte auf keine Unterhandlungen einlassen zu können, ich habe den direkten Befehl, hier zu beobachten und Meldungen zu schicken." Denselben Befehl habe ich auch," pflichtete Oberg bei; waö mache ich denn da?" Nun, das ist doch sehr einfach, ich verpflichte mich, Ihnen kein Leid zuzufügen undSie schwören mir beiJhrer hoffentlich gefüllten Cognacflasche, daß Sie mich nicht verdursten lassen wollen, dann bleiben wir Beide hier und beobachten gemeinsam. Was ich von Ihren Truppen nicht sehe, sehen Sie vielleicht und sind so liebenswürdig es mir zu sagen.wie ich auch Ihnen natürlich gerne jede gewünschte Auskunft geben werde. Sehen Sie. z. B. gerade jetzt wird dort am linken Flügel unsere Reserve sichtbar in der Stärke von zwei Bataillonen, nehmen Sie eine Meldekarte, ich werde ihnen daS Nähere diktiren." Das ließ Oberg sich natürlich nicht zweimal sagen und eine Minute später sauste ein Cavallerist mit der Meldung an den Herrn Obersten von dannen. Dann diktirte Obera dem Kamera-

den Alles, was er über die Absichten und Bewegungen seiner Truppe wußte und auch diese Meldung wurde ins Land geschickt. Nach gethaner Arbeit setzte man sich hin und frühstückte, viel und gründlich, und in dieser Beschäftigung ließen sie sich auch nicht stören, als die beiden Cavalleristen mit dem Bescheid zurückkamen, der Herr Oberst hätte gesagt, es wäre gut so, der Herr Lieutenant möchte weiter beobachten. Als bald darauf zur Kritik geblasen wurde, ward es bei der Besprechung ganz besonders lobend hervorgehoben, daß beide Führer so hervorragend über die Bewegungen des Gegners unterrichtet gewesen seien. Ich sehe daraus zu meiner größten Befriedigung und Genugthuung, meine Herren," fagte Se. Excellenz, daß das Meldewesen, dieser so überaus wichtigen Dienstzweig, in der vorzüglichsten Weise gehandhabt wird. Wer waren die beiden Meldereiter?" Die Namen wurden genannt und Se. Excellenz fuhr fort: Meine Herren, ich kann nicht umhin, meine höchste Anerkennung auszusprechen und ich gratulire den beiden Regimentern zu solch tüchtigen Officieren. wer selbst so Hervorragendes leistet, wird auch seine Untergebenen hervorragend erziehen." Ordonnanzofficiere sind stets bei ihrem Commandeur einquartirt, und beide Obersien beeilten sich, am Mittag ihren Meldereiter wegen der vortrefflichen Dienste, die sie ihnen aeleistet hatten, zu einer Flasche Sekt einzuladen. Tto aber erwachte in Beiden das Gewissen,Beide sagten: Pater peccavi" und erzählten, wie sie in den Besitz der guten Meldungen gelangt seien. Der Oberst des Lieutenant Oberg faßte die humoristische Schilderung seines Lieutenants verständig auf, amüsirte sich herrlich dabei und sagte: Nun trinken wir zwei Flaschen Sekt." Der andere Oberst gerieth, als er die Wahrheit erfuhr, ganz außer sich und bestrafte feinen Meldereiter mit drei Tagen Shiben-Arrest. Um seinen Verdruß loszuwerden, bestellte er die Flasche Sekt nicht wieder ab, sondern bestellte sich gleich noch zwei dazu und trank dann alle drei Flaschen allein aus. Das war die schwerste Strafe, die den Meldereiter treffen konnte.

z',efayrlaic serucyc. Es gibt Stoffe, die einen Geruch von solcher Stärke ausströmen, daß die Geruchsnerven dadurch für längere Zeit vollkommen gelähmt werden. Berzelius, der berühmte schwedische Chemiker, der das Element Selen entdeckte, machte einst Versuche mit diesem Element, wobei etwas reines Selenwasserstoffgas in seine Nase gelangte. Die Geruchsnerven wurden dadurch derart angegriffen, daß es ihm noch tagelang unmöglich war, den für gesunde Nasen unerträglich starken Geruch einer con centrirten Ammoniaklösung wahrzunehmen. Auch der Qualität nach ist der Geruch von Selenwasserstoff höchst unangenehm, denn er besitzt eine nahe Verwandtschaft mit dem von faulem Meerrettig. Noch schlimmer aber ist der Tellurwasserstoff. Man erzählt, daß ein Arzt einmal eine merkwürdige Anwendung von demselben machte. Eine von ihm behandelte Kranke weigerte sich durchaus, sich die nöthige Ruhe zu gönnen, weil sie angeblich die Gesellschaft nicht entbehren konnte. Der Arzt gab ihr nun eine Pille, die eine ganz geringe Menge Tellur enthielt; dadurch bekam der Athem der Dame ein derartiges Aroma, daß sie es einen Monat lang nicht wagen konnte, mit Menschen zusammenzukommen. Die Ursache blieb ihr natürlich verheimlicht. Von dem sonst so angenehmen Duft der Rosen sagt man vielfach, daß er Schnupfen erzeuge, und es gibt nervöse Personen, die so fest davon überzeugt sind, daß sie sich sogar von papiernen Rosen einen Schnupfen holen. Diese Wirkung müßte in dem flüchtigen aromatischen Oel der Rosenblüthe ihren Grund haben. Eine scharfe Weobachterin. I einer Gesellschaft behaupten die anwesenden Herren, eine Dame könne an einem Spiegel nicht vorbeigehen, ohne hineinzuschauen. Die anwesenden Damen entgegnen, die Herren schauen ebenso gerne in den Spiegel, wie die Damen, was aber die Herren nicht gelten lassen wollen. Bald darauf veranstaltet eine der Damen einen Gesellschaftsabend in ihrem Hause und ladet dazu alle jene Herren ein. Sie läßt im Corridor an einer Stelle, wo die Gäste vorübergehen müssen, einen Spiegel an mäßig beleuchteter Stelle aufhängen. In der Höhe, wo ungefähr der Kopf eines vorübergehenden Herren durch den Spiegel ziehen muß, klebte sie einen schmalen Streifen schwarzen Papiers auk den Spiegel. Die Folge war. daß sämmtliche gefaden.? Herren, ehe sie in den Empfangssalon eintraten, sich eiligst von der Dienerschaft ein wenig Wasser und ein Handtuch erbaten, um sich einen häßlichen Schmutzflecken aus dem Gesicht zu wischen, weil beim Vorbeigehen am Spiegel der eine auf seiner Stirne, der andere auf der Wange, der dritte am Kinn einen Tinten- oder Rußflecken bemerkt haben wollte. Den Muth haben zu einer That, das ist zumeist das Schwerste an ihr. Militärische Frage. Bauer (zuschauend wie ein Militärballern aufsteigt): Ja, nrr machen's denn in dem Ding dcn Pa r a d e ciarjä?" ..

Iraukin Yedaktricc l Eine vcene von AlloiS Ulreich. Personen. Fräulein Anna Streubel, Redaf trice. Alfred Hochmann, junger Schrift steller. Zeit: Anno 200 oder etwas früher. Ort der Handlung: Redaktion der Wochenschrift: Realistische Kunst." Alfred (schüchterner junger Mann tritt ein): Küß die Hand, gnädiges Fräulein!" Frl. Anna: Guten Tag!" Alfred: Gestatten Gnädigsie. das ich mich vorstelle: mein Name ist Alfred Hochmann." Frl. Anna: Sehr liebenswürdig (für sich): Ein hübscher junger Manu (zu Alfred): Bitte wollen Sie Platz nehmen?" ' Alfred: Danke sehr." (Setzt sich). Frl. Anna: Womit kann ich die nen?" Alfred: Ich erlaube mir, wegeu meiner jüngst übersandten Arbeit mich . . Frl. Anna (einfallend): Ach . . . ja. Ich glaube, mich zu erinnern. ,Aurora', nicht wahr?" Alfred (nickt bejahend). Frl. Anna (rasch fortfahrend): Ich habe die Arbeit mit großem Interesse gelesen. Bitte, keine Redensart. Die Kleinigkeit ist wirklich hübsch erfun den. Nur in der Ausführung sind mir einige Unwahrfcheinlichkeiten aufgefal--len. Ich will Sie auf einiges aufmerk--sam machen." (Sucht in den Manu scripten, bis sie die Arbeit Alfred gefunden). Alfred (schüchtern): Gnädigste müssen eben bedenken, daß ich erst mit wenigen . . ." Frl. Anna: Nun, das gibt sich mit der Zeit. Vor allem: genaues Studium und fleißiges Feilen (blättert in dem Manuscripte). Bitte, hier habe ich so eine Stelle, die nicht ganz wahr ist. (liest): ,Mama wurde abberufen Grete und Arthur waren allein. Er erzählte ihr von seiner letzten italienischen Reise', (schelmisch lächelnd) Sagen Sie einmal, glauben Sie daS.selbst?" Alfred (erröthet). Frl. Anna: Wenn so ein paar ver

liebte junge Leutchen allein sind, giern; ben Sie, daß die sich Reiseerinnerun--gen erzählen?" Alfred (spielt verlegen mit denv Hut). Frl. Anna: Sehen Sie, das ist unwahr. Und Wahrheit ist des Dichters erste Pflicht." Alfred (sehr verlegen, stammelt) z Ich, ja ... ich ... ich (platzt heraus ich besitze da zu wenig Erfahrung." Frl. Anna: Sie sind zu bescheiden. (KleineyPause.) Alfred (denkt sich): GöttlicheKleine, wenn sie sich nur erklären würde." Frl. Anna (denkt sich): Reizender Mensch. Ich muß auf ihn Eindruck gemacht haben." Alfred (räuspert sich). Frl. Anna (blättert imManuscript): Hm, ja. Es würde am besten 'sein, wenn Sie die Arbeit nochmals durchsehen würden. (Kokett): Besonders die Liebesscenen." Alfred: Ach, würden mir Fräulein nicht an die Hand gehen wollen (erröthet) ich . . ich . . meine . . betreffs . ." Frl. Anna (zärtlich): Ja, wenn ich Sie . . hm . . ich glaube, Sie geherr doch öfters spazieren?" Alfred (die Augen zu Boden schfc gend): Nur mit Mama!" Frl. Anna: Sonst nie?" Alfred: Nein, das heißt at In die Klavierstunde gehe ich allein Mittwoch und Samstag auf den Kai. serplatz". Frl. Anna: Das ist ja prächtig (neigt sich ein wenig zu ihm): Wür--den mir Herr . . . Herr . . ." Alfred (tief erröthend): Alfreds Frl. Anna: Herr Alfred gestatten daß ich Sie abhole. Wir wollen dann, über Kunst und Litteratur plaudern ...und...und ich bin überzeugt, daß Siedann ganz vorzügliche lebenswahre Skizzen schreiben werden. Wann könnte ich Sie also treffen?" Alfred (zupft verlegen am Frackarmel): Am Mittwoch Fräulein " Frl. Anna (ergänzend): Anna. (Innig, seine Hand erfassend): Wir werden uns dann recht oft treffen?! Recht oft!" , Alfred: Anna. Nicht wahr?" Frl. Anna: Ich komme sicher. Wo soll ich warten?" (Sie erheben sich.) Alfred: Um halb 2 Uhr in der Kirchengasse, aber ganz unten, denn heroben könnten wir leicht Papa begegnen. Ich bitte nicht vergessen: Kirchengasse. ganz unten." Frl. Anna: Mittwoch um halb 2 Uhr." Alfred: Adieu. Fräulein Anna." (Ab). Frl. Anna: Kommen Sie gewiß! Empfehle mich. Herr Alfred! (Fr!. Anna blickt träumend zumFenster hinaus. Sie denkt an den jungenSchriftsteller). (Nach zwei Stunden.) Stimme des Setzers (von draußen): Ist das Feuilleton schon fertig. Fraulein?" Frl. Anna (verwirrt): Ach setzen Sie lieber meine Verlobungskarten: Anna Streubel Alfred Hochmann Verlobte." Kommt auf eins hera u ö. Onkel: Wie kann man so faul auf dem Sopha liegen. Fahre doch etwas mit dem Rad hinaus! Neffe: Ob ich nun hier lieg' der draußen! Bei der Probe. TheaterDirektor: Wie, Sie wollen 'beim Sterben lächeln?! Schauspieler: Gewiß! Bei der Gage. die Sie zahlen, ist der Tod wahre Erlösung!