Indiana Tribüne, Volume 21, Number 340, Indianapolis, Marion County, 28 August 1898 — Page 6

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W V - I' V V V Die Hauptstadt unseres neuen Ter--ritoriums, der Antillemnsel Porto Rico, ist wohl San Juan, aber an -Einwohnerzahl wie Bedeutung als Handelsplatz wird sie von dem an der Südküste liegenden Ponce weit über--troffen. Schon haben sich dorthin die Äorboten der Yankeecapitalisten be geben, um die Wege für alle mögli--chen Geschäftsunternehmungen zu ebticn. Nach dem Census des letzten Jahres zählte Ponce ca. 49.000 Einivohner. darunter 5.199 Neger und 11,107 Mulatten. Fast die gesammte Kaffee- und Zuckerernte Porto Rico's gelangt im Hafen von Ponce zum Versandt, denn bei Weitem die meisten fruchtbaren Niederungen liegen südlich von dem Gebirge, das die Insel von Ost nach West durchzieht. Die Stadt liegt eine gute halbe Stunde von der LZüste auf einem Hochplateau und ist durch eine gute, breite Chaussee mit "der Playa, dem eigentlichen Hafenorte, verbunden; letzterer besteht aus zwei Reihen sich am Meere hinziehender, breiter Straßen, an denen eine Anzahl Fabriken und Speicher, so'.vie ..Stores" Ziegen, d. h. Speicher, welche einen großW ,? HrsäJMM m T7?'TT1TTII3 iU .1 i Landungsplatz von Playa. fjen Laden und die Comptoire meist deutscher Kaufleute aus Hamburg und Äremen enthalten. Die Einfahrt in diesen Hafen ist außerordentlich schön. Eine lange Insei, auf der ein im maurischen Styl init rothem Kuppeldach versehener, weißer Leuchtthurm, der Abends ein grünes Licht ausstrahlt, errichtet ist und auf der einzelne hohe Palmen, so'wie tropisches, buntfarbiges Buschwerk .auf dem gelben Meeressand stehen, zieht sich vor demselben hin, so daß eine Einfahrt, da sich zudem noch viele Untiefen und Klippen in der Nähe der'.selben befinden, sehr gefährlich ist und -sich häufige Strandungen und Ver.luste von Schiffen daselbst ereignen. Von der Stadt Ponce sieht man vom Ilfer oder vom Hafen aus nichts. Sie .liegt auf einem Hochplateau, welches 'sich zu den Bergen hinzieht, gegen 'Playa hin sanft abfällt und hinter diefern eine niedrige Hügelkette bildet. Eine herrliche, breite Allee mit hohen .Palmenbäumen führt zur Stadt hinluf. Zwischen diesen Palmen-, OelKirche in Ponce. TUnd Mahagoni - Bäumen . hindurch sieht man rechts und links in die weite, '.fruchtbare Ebene hinein, die mit reichen .Zuckerrohr-, Kaffee-, Tabak- und .Züaumwou - Pflanzungen bestellt ist, - zwischen denen dann die Gärten mit '.den kleinen Plantagenhäusern, denVilUn ,reicher Bewohner und den niedrigen.' zierlichen Hütten der Neger stehen. Die ganze Stadt besteht aus kleinen villenartigen Häustim. Man findet in Ponce nicht viele öffentliche Gebäude, .'dafür aber eine große Anzahl hübscher ;nd aus gutem Material aufgeführter 'Privathäuser, die zeigen, daß den Be'ivohnern der Stadt Geschmack und feimes Verständniß für Luxus und angeTuehmes Leben eigen ist. Und in der Ähat. wenn man echt portoricanisches Wesen beobachten will, geht man am besten nach Ponce, wo das spanische Element nur geduldet ist und nicht zur Gesellschaft gehört. Der Porto Ricaner ist liebenswürdig, entgegenkomrnend und gastfrei. Heiter und von -Natur musikalisch, liebt er Geselligkeit und Tanz. Seine Musik sind die Danzas, überaus melodiöse, getragene 'Feuerwehrwache i n P o n c e. Äanzweisen, nach denen langsam, aber mit unvergleichlicher Grazie getanzt trriib. Eine Danza ist auch die Nationalhymne der Porto Ricar er, die .Vo ringuenna", deren lebhaft:, prickelnde Weise de heiteren Chara.ter des Vol Zes wiedergibt. Im Gegensatz zu San Juan steht in Ponce die Geselligkeit m hoher Blüthe. Ein mit Geschmack und Luzus eingerichtetes Casino bildet den Wereinigungspunkt der Gesellschaft, und der an den Spieltischen und in itn übrigen Räumen herrschende gute Äon steht in angenehmem Gegensatz zu ver spanischen Prahlerei im Casino zu San Juan. Ponce macht den Eindruck einer mo lernen italienischen oder spanischen Stadt in Europa. Seine macadamisirten oder chaussirten Straßen mit hohen Trottoirs und breiten Rlnnster nen stnd alle wohlgepflegt und rein und sauber gehalten. Sie stechen merkwürdig gegen die sonstigen Stra fcT der westindischen Städte ab. die oft schlechter als die schlechtesten Dorfstraßen oder die einer kleinen deutschen äStadt sind und deren Befahren bei Stacht mit Gefahr für das Leben der

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Insassen und Thiere, jedenfalls aber des Gefährtes verbunden ist. Man sieht hier nicht die halbnackt herumlun gernden Neger, die sonst auf Straßen und Plätzen anderer weindischer Städte durch Bettelei die Gegend unsicher machen oder die Passage sperren und sich herumbalgen, sondern Jeder ist beschäftigt und anständig gekleidet. Die männliche Bevölkerung trägt meistens die moderne, helle Kleidung, mit einem großen Panama" - Strohhut, nur ab und zu sieht man das bekannte Costüm, in dem Egmont mal Clärchen kommen wollte". Die Frauen und Mädchen tragen die leichte, spanische, schwarze ÄZantille und ziemlich kurze Kleider. In der Mitte der Stadt liegt der ziemlich große Markt. Die eine Seite nimmt das Municipalgebäude, ein großer, mit einem Porticus und Arkaden versehener quadratischer Bau, den eine kleine Kuppel schmückt, ein; an der anderem Seite stehen mehrere ansehnliche, steinerne Privatbauten, das Theater und ein Bankgeäude, ebenfalls alle im Erdgeschoß Arkaden enthaltend. In der Mitte des Platzes liegt unter schattigen hohen Ulmen und Mahagonibäumen ein großer achteckiger Pavillon mit offenen Hallen und kleinen arkadenartigen Bögen auf eisernen Säulchen, ebenfalls mit einem geschweiften und durchbrochenen Tulpendach gedeckt, Alles von Eisen.

In einer Cigarettenfabrik in Ponce. Marmortische mit eisernen Füßen sie hen an den Balustraden auf dem um einige Stufen über dem Niveau des Platzes erhöhten bunten Marmorfußboden und Wiener" Möbel zu Seiten derselben. In der Mitte dieses Pavillons ist ein erhöhtes Orchester, vor demselben rundherum laufend ein marmorner Büffet - Tisch, an dem das so beliebte Gelato" (Gefrorenes) in allen nur denkbaren Sorten, Eisgetränke aller Art. Kuchen. Confect. etc. credenzt wird. Abends spielt hier zweibis dreimal in der Woche die Kapelle der Mobilgarde bei freiem Entr6e und all' die kleinen runden Tische sind mit lustig plaudernden, lachenden und schwatzenden Herren und Damen besetzt, die hier Chocolade oder Kaffee trinken oder ihr Gelato schlürfen. Oberhalb Ponce's liegt der reizende Badeplatz Quintana. Zwischen Hügeln gelegen, entspringen hier mehrere warme Mineralquellen, die in armrA FMÄ AufderChausseenach San Juan. dickem Strahl aus dem Boden springend in ein natürliches Bassin zusammenfließen und von hier aus in sernen Röhren der kleinen Badeanstalt zugeführt werden. Dieselbe besteht aus etwa 10 bis 12 oben offenen Badezellen, die an einer Pergola" liegen, welche mit der großblättrigen und mit großen rothen Kelchblumen versehenen bekannten Tropenpflanze in üppigster W M . m. i ' ueije verarm t und zwischen denen sich auch die Ranken der dazwischen gepsianzien rangenvaume hinziehen. rm: i r cv.. : n m i . Mm un vjuuii ii uiuc ouiaj eine vorzügliche breite Heeresstraße, die 136 Kilometer quer durch die Berge führt, verounoen. iLian kann Ncy kaum etwas Malerischeres vorstellen, als die waldigen Thäler und Hügel, über welche die sogenannte Carretera Centrat fügn. Boshafte Auffassung. Tenorist: Wie ich mein erstes Concert hier in der Tonhalle gab. mußten vier Menschen ohnmächtig hinausgetragen werden!" Freund: Seit der Zeit hat sich Deine Stimme aber bedeutend gebessert!" Mondfinsternis. Herr: Haben Sie am Sonntag die Mondfrn sterniß gesehen? Dame: Nein, am Sonntag mn ich gar nicht aus dem Zimmer gekommen; aber am Sonnabend vorher habe ich den Mond gesehen, da sah er auch schon ganz komisch aus. Schlau. Junge Frau (weinend): Ich glaube einmal nimmer an die Aufrichtigkeit Deiner Liebe!" Mann: Durch was hab' ich Du An laß zu solch' einem Mißtrauen gegeben. wo ich Dich doch geradezu vergöttere? Frau: Das ist'S eben! Wie kann ein Mann eine Frau mit so einem alten. abgetragenen Hut aufrichtig lieben?!

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AasKey-Aenkmak. Die von deutschen Einwanderern im Jahre 1737 gegründete Stadt Frederick in Maryland hat mit der Enthllllung des Denkmals Francis Scott Keys, des Dichters des Sternenban ner - Liedes, emen Ehrentag gefeiert. Die Geschichte dieses herrlichen Liedes ist wohl allgemein bekannt. Key, damals Bezirks - Anwalt des BundesBezirks Columbia, befand sich als festgehaltener Unterhändler für die Freigebung eines gefangenen amerikanischen Bürgers auf der englischen Flotte, als sie im September des Iahres 1814 das Baltimore? Fort McHenry beschoß. Als Key, nach dem nächtlichen Schießen, bei'm Tagesanbruch das Sternenbanner noch von dem Fort wehen sah, entwarf er auf der Stelle sein unsterbliches Lied; nach seiner bald erfolgten Freilassung wurde es in aller Eile in der von den Setzern verlassenen Office des Ame-

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Francis Scott Key. rican" von einem Druckerlehrling gesetzt und gedruckt, und seine Klänge begrüßten bereits die von dem Siege bei North Point zurückkehrenden Milizen. Key starb. 63 Jahre alt. in Baltimore im Januar 1843. Ein großes Denkmal des Dichters steh! seit zehn Jahren im Golden Gate Park in San Francisco; der dort gestorbene pennsylvanisch - deutsche Millionär Lick hat es gestiftet, und der amerikanische Bildhauer Story inRom hat es ausgeführt. Unter einem Doppelbogen sitzt Key in Bronce. und auf dem Bogen erhebt sich die Statue der Amerika mit dem Sternenbanner. Das in Frederick enthüllte Denkmal ist das Werk einer patriotischen Gesellschaft, und zwar kamen die Beiträge dazu nicht von einem einzelnen Tit.- , . ! 1 Üj! S i'f:l l'll.v Das Denkmal. Reichen, sondern aus dem Volk, besonders aus der Kinderwelt, und zum Theil vom Staate Maryland. Das Fundament des Denkmals besteht aus einem 13 Fuß hohen und 15 Fuß breiten Sockel aus Granit, auf welchem sich eine 15 Fuß hohe Säule erhebt, die von der Statue des Dichters gekrönt wird. Diese hat neun Fuß Höhe und ist aus Bronce gegossen. Sie stellt den Dichter dar, wie er auf dem Schiffsverdeck steht und gewissermaßen mit der rechten Hand nach dem Sternenbanner hinweist, während die andere Hand das Manuscript des Liedes hält. Am Fuße des Denkmals befindet sich die Göttin der Freiheit, mit dem Sternenbanner auf ihrer Schulter, wie sie einem aufhorchenden Knaben patriotisch Anleitungen giebt. In der linken Hand hält diese Freiheitsgöttin das Schwert zur Vertheidigung gezückt. Unter der eben geschilderten Gruppe ist das Wappen Maryland's und auf der Rückseite des Sockels eine Tafel mit dem Text des Liedes vom Sternenbanner angbracht. ?!othtvendigeNeuerung. Bei der jetzt herrschenden Mode, die Hüte der Damen möglichst schief in's Gesicht zu setzen, wird es für kleine Damen nothwendig sem, m der Hut kremp Gucklöcher" anzubringen, damit sie doch ihrem Begleiter in's Gesicht sehen können! JnderNaturgeschichtsstunde. Lehrer: Müller, nenne mir einen Vierfüßler. Müller: Ein Tisch. Ursache und Wirkung. In welch blumiger Rede der Festred ner die Versammlung feierte!" Ja. das kam von den vielen Plumen , die er zuvot getrunken hatte."

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ßme Rnßproccssion.

Furnes, das VeUrne derVlamen, ist eine alte Stadt Belgiens im äußersten Westen Flanderns, nicht weit von der See und der französischen Grenze. Kirchen und andere öffentliche Gebäude aus der gothischen und Renaissancezeit reden von einstiger Bedeutung des Flucht nach Egypten. heute ein idyllische Stillleben führenden Gemeinwesens. Nur einmal im Jahre wird es hier lebendig, am letzten Sonntag des Monats Juli, an dem seit fast zweihundertundfünfzig Jahren eine Bußprocession stattfindet zu fortdauernder Sühne eines Frevels, der gegen 1650 begangen worden ist. Da diese des dramatischen Reizes nicht entbehrende Procession mit der Kirmes von St. Walburgis zusammenfällt, so sind alsdann die Straßen des sonst so stillen Städtchens nicht nur erfüllt von religiöser Bußstimmung, sondern auch belebt durch recht profane Festeslust. Die Mitwirkenden des Passionsspiels, das den Schwerpunkt der Procession bildet, sind Bürger der Stadt mit ihren Angehörigen und Leute der EinzugJesuinJerusalem. benachbarten Dörfer, die von den Gefühlen der Zerknirschung und der Selbstdemllthigung ernsthaft durchdrungen sind. Ihren Ausgangspunkt nimmt die Procession in der St. Walburgiskirche, die zu Anfang des 14. Jahrhunderts in so großartigen Verhältnissen begönnen wurde, daß nur der Chor mit seinem reichen Capellenkranz nach dem ursprünglichen Entwurf vollendet werden konnte. Unter Glockengeläut setzt sich der Zug in der vierten Nachmittagstunde in Bewegung und entwickelt sich in den Straßen, die mit Fahnen in den Nationalfarben Schwarz. Gelb und Roth reich beflaggt sind. Vorauf marschiren Gensdarmen in Bärenmützen, um die andrängenden Neugierigen in Schranken zu halten; es folgen sechs Bläser, die eine alte Weise ertönen lassen. Diese kleine Capelle wie die ganze Procession wird von Pompier's in voller Paradeuniform geleitet, die das Gewehr am Tragricmen über die Schulter genommen haben. Die Procession setzt sich aus vierzig Gruppen zusammen. Vor jeder dieser Gruppen schreitet ein junges Mädchen im Festgewande mit einem Kreuz daher und kündet auf vlämisch die nun folgende Scene an. Zuerst kommen auf den Messias und sein Erlösungswerk deutende Darstellungen aus dem Alten Testament, so die beabsichtigte Opserung Jsaak's durch Abraham, Moses und die eherne Schlange, die Propheten, König David und als der unmittelbare Vorläufer Jesu Johannes der Täufer. Jesus bricht zusammen. Das Leben und Leiden Christi wird nicht nur durch lebende Wandelbilder, sondern auch durch lebensgroße bemalte Holzschnitzereien zur Anschauuny gebracht, in denen sich eine naivrealistische Kunst offenbart. Diese wuchtigen Gruppen werden auf Tragbahren oder Karren mitgeführt, deren Fortbewegung einzig und allein durch Büßer und Büßerinnen bewerkstelligt wird. Sichtlich keuchen die Leute unter der Last, deren Gewicht sie niederdrückt, die Hitze erstickt die Kutten tragenden Teilnehmer der Bußfahrt, sie haben aber gelobt, bis zum Ziel auszuharren, ohne sich der Schwächeanwandlung hinzugeben, und sie halten ihr Gelübde. Bemerkenswerth erscheint auch, daß die Mitwirkenden in diesem wandelnden Passionsspiel während der Procession sich einer alterthümlichen Ausdrucksweise 'bedienen. Die Hauptperson der Gruppe Christi Einzug in Jerusalem" hat das Gelübde gethan, unbeweglich und ohne Ruhepause den Gestus der Segnung während der ganzen Dauer der Procession beizubehalten. Die Procession wahrt aber drei Stunden, es kann daher kaum überraschen, daß nach Ablauf dieser Zeit sich völlige Apathie des Zungen MYsnkers bemächtigt. Eine tiefe Beweguna ergreift die Zuschauer beim VorÜbergang deö kreuztragenden Jesuö. Hr bricht der bußfertige Darsteller dä zum Tode geführten Heilands

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buchstäblich zusammen unter der Wucht des massigen Kreuzes, bevor Simon von Kyrene dazu gelangt, einen Theil der Last auf seine Schultern zu nehmen. Dreimal hat der Darsteller Christi zu fallen, jedesmal stürzen sich alsdann die geleitenden römischen Soldaten auf den Erschöpften und stacheln ihn zu erneuter Anstrengung an, wäh-

reno ein Getos von Trompetenstoßen und Geschrei des folgenden jüdischen Volkes" die Luft erschüttert. Zuletzt erscheinen mit nackten Füßen die Bittgesänge Psalmodirenden Büßer und Büßerinnen in ihren Kutten ; alle seufzen unter dem erdrückenden Gewicht eines roh gezimmerten Kreuzes, das sie auf verschiedene Weise tragen oder nachschleppen. Manche der Kreuze Simon hilft das Kreuz tragen. sowie Tafeln tragen als Aufschriften alttestamentarische und evangelische Denksprüche in vlämischer Sprache. Die Rückkehr von der Bußfahrt vollzieht sich in begreiflicher Abspannung. Die Kutten sind abgelegt, die schmerzenden Füße wieder bekleidet. In St. Walburgis werden die zahlreichen Beichtstühle aufgesucht. Nach der Absolution durch den Priester kniet jeder noch einmal im Schiff der Kirche nieder und verharrt längere Zeit im Gebet. die Arme in Kreuzesform ausgestreckt. Allmälig wird die Kirche einsamer. Die religiöse Feier ist vorbei, nun tritt die weltliche Festlust in ihre Rechte und hält bis tief in die Nacht an. Unicr Zcltcn am Mccre. Im Feldlager bei Montauk Point auf Long Island sollen Onkel Sam's boys in blne", welche unter General Shafter bei Santiago de Cuba gefochten haben, Erholung von ihren Strapazcn finden. Das mörderische Klima der Perle der Antillen", das manchem braven Soldaten, der den Kugeln der Feinde entgangen war, den Tod brachte, machte die schleunigste Beförderung der Truppen nach dem Norden zu einem Gebote der Nothwendigkeit. Ein besserer Platz als Montauk Point konnte für das Lager kaum gefunden werden. wiewohlRiesenarbeit nothwendig war, um am Meeresstrande, wo sonst nur das Rauschen der Wogen und das Kreischen der MLGeneralJoung. wen zu hören war, eine Zeltstadt zur Aufnahme von ca. 20.000 Soldaten aus dem Nichts hervorzuzaubern. Zum Lager - Commandanten ist der Generalmajor Samuel B. M. Soung bestimmt, der trotz seiner weißcn Haare noch ein überaus rüstiger Soldat ist. General Foung hat eine schwierige Aufgabe zu erfüllen, da sich unter den seiner Fürsorge anvertrauten Soldaten sehr viele Kranke befinden. Für die Letzteren sind 1000 Lazarethzelte bestimmt, von denen jedes groß genug ist. um fünf Betten aufzunehmen, so daß im Ganzen 5000 Beiten verfügbar würden. Für die Verpflegung sind jeden Tag Rationen im Gewicht von 100,000 Pfund zu beschaffen. Praktische Verwendung der Pneumatik für Kellner, damit sie ihre Pflichten schnell und geräuschlos erfüllen können. m neuen Kaffee. Guts besitzer: Aeh, Kellner. Tassen sind ja hier so klein. ve: Bauer immer großer gewesen! Kellner: Ja, Bauer, das ist an, war anderes! indirekter Wea. .Du suchst das wahre Glück, lieber Freund? .iratbe!" .Aber Du hast Dich doch scheiden -lassen?- Nun ja, ist das kein Glück?" Unüberlegt. Mann: Ich ebe nur mal nebenan in dieGastwlrthsckaft. um ein Glas Bier zu trinken. Ich bin gleich wieder hier. Frau: Aber Franz. Du wirst doch nicht so ohn: Kravatte und Kragen gehen? Du mußt Dich ja vor den Leuten schämen! Mann: Ach waö, da verkehrt überhaupt , r"i.j cm r jt rein awianpiutt (cnicg:

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Ein Friedcnsfch.stel. Während Gir.:r.?jc; Winfield Scott Schley mit feinem Panzergefchwader in der Bai von Santiago

Wache hielt, um einen Durchbruch der spanischen Flotllle unter Admiral CerVera zu verhüten, begab sich seine Cousine Fräulein Je's-e ScU.i von Pa ris nach Madrid aus eine Friedensmission. Ihres Vetters Argumente, Projectile von Stahl, erlesen sich den Spaniern gegenüber erfolgreich, denn Cervera's Schiffe wurden vernichtet; aber Fraulem Schleus Unterfangen nahm einen kläglichen Ausaana. da sie sans faon aus Madrid ausgewieFrl. Jessie Schley. sen wurde, ohne die Königin - Regentin überhaupt zu Gesicht bekommen zu haben. Fräulein Jessie Schley, die eine Tochter des Maklers Charles Schley in Milwaukee ist und nahezu 50 Jahre zahlt, hat sich in ihrer Vaterstadt wie anderswo durch verschiedene philanthropische Unternehmen, die alle an ihrer Excentricität zu Grunde gingen. einen Namen gemacht; ihr kläglich verlaufenes Auftreten als Friedensapostel dürfte sie wohl zu der Ueberzeugung gebracht haben, daß bei Völkerzwistigkeiten Kanonen immer noch die ultima ratio" bilden. Schießübungen auf See. Unter den verschiedenen Arten von Waffen für Seekriegführung und Vertheidigung der Küsten, den Geschützen, den Minen und Torpedos und der Ramme unter Wasser, nehmen die Geschütze doch immer den ersten Rang ein, ein. und werden die übrigen KampfMittel nie das Schiffsgeschütz entwerthen können. Da man nun heutzutage in den Marinen besonderen Werth auf schwere Geschütze legt, so sind auch unsere großen Schlachtschiffe mit wenigen, aber schweren Geschützen ausgerüstet, deren Geschosse auf weite Entfernung noch genügende Durchschlagskraft besitzen. Da aber die Sicherheit des Treffens bei den Schiffsbewegunden immer eine zweifelhafte ist, so bleiben die Schießübungen in See eine Hauptaufgabe der Marine, und woKlar zum Schuß. chenlang dampfen die Schiffe hinaus, um auf schwimmende Ziele ihre Geschütze zu Probiren. Diese schwimmenden Scheiben sind leichte Holzgerüste, auf einer Art Floß errichtet, hell gestrichen und mit dunkelm Mast zum Zielen versehen und verschiedenartig construirt. Vielfach kommt zur Verwendung ein einseitiges Ziel auf keilförmigem Floß, den feuerndenSchiffen' durch den Wind entgegengetrieben, also sich selbst fortEinschleppender Scheibe. bewegend, entgegen den früher gebräuchlichen Scheiben, die von Dampfern oder Pinassen geschleppt werden mußten. Auf der weiten Wasserfläche sieht man hie und da hohe Wassersäulen aufsteigen, die Stelle, wo ein Projectil eingeschlagen ist, und weiße Rauchwolken verhüllen ab und zu einzelne Schiffe. Auf dem Batteriedeck herrscht reges Leben; der Geschützführer markirtHöhen- und Seitenrichtung, und die Abzugsleine in der Hand eiwartet er den günstigen Augenblick, und donnernd entlädt sich der Schuß. Von der Scheibe drüben sieht man Splitter fliegen es war ein Treffer! Ist nun das Ziel genügend zerschössen, so dampft die Pinasse, deren Mannschaft mit Korkgürteln ausgerüstet ist, hinaus, um die Scheibe zur Besichtigung heranzuschleppen, und gegen Abend dampft das Geschwader zurück in den Hafen. Ein paar bunte Lappen vom Wissen sind auffälliger, als der graue Mantel der Gelehrsamkeit. Er kennt ihn. A.: .Kann ich auf einen treuen Freund rechnen?" V.: .Ja, aber ich habe selbst kein Geld!" Umschrieben. Bräutigam: Meine Braut ist ein so hübsches MLd. eben, schade, daß sie etwas gebrochen deutsch spricht! Z.: .So sie ist' 1 ' j i nu r i! wohl eine AULianoermz nraui!ctarn: .Nein, sie ftotxett!"

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Musterossiclcrf.

Der Staat Massachusetts hat keine Ursache, auf das Officiercorps seines 6. Freiwilligen - Regiments stolz zu sein, denn mit Ausnahme des Capi. Varrett hat dasselbe, mit dem Colonel Woodward an der Spitze, resignirt, um einer Disciplinaruntersuchung zu entgehen. Daß die Resignation dieser Musterofficiere als ein Geständniß ihrer Schuld anzusehen ist, liegt auf der Hand. Die Anklagen, auf die die Officiere des Regiments sich zu verantworten Col. Woodward. haben würden, kommen im Großen und Ganzen auf Unfähiglnt, Soldaten anzuführen, hinaus. Der schlimmste Vorwurf, der überhaupt gegen einen Officier erhoben werden kann, der der Feigheit, würde bei der Untersuchung auch gegen'diese Officiere angebracht sein. So soll Col. Woodward sich zweimal bei dem Marsch auf Ponce krank gestellt haben und Major Taylor soll seinen Vorpostcndienst thuenden Compagnien in fortwährendem Alarmzustande gehalten und um Hülfe gebeten haben, wenn gar keine Gefahr vorlag. Die Officiere sollen es ruhig mit angesehen haben, daß ihre Leute alle möglichen Ausschreitungen begingen, und im Uebrigen sind sie total unfähig, als Truppenführer zu fungiren. Verliebt. Mir geht ein Radl im Kopf herum Wenn's still nur wär', was gäb' ich d'rum! Es hört halt Tag und Nacht net auf Am Radl sitzt ein Madl d'raus! Berechtigter Zweifel. .Was denken Sie. gnädige Frau, von dem Maler Albino, der Spinnen gewebe so natürlich an die Zimmerdecke malte, daß ein Dienstmädchen sich den ganzen Vormittag bemühte, sie wegzukehren?" .O, es mag wohl einen solchen Künstler gegeben haben, Herr Professor nie aber ein solches Dienstmädchen!" Ein Sprachtalent. s. 4 A. : .Du hast ja eine Italienerin gebeirathet, spricht sie denn schon flie ßend deutsch?" B. : Fließend!? Ach Freund, wenn Du wüßtest wie fließend!" Wer sein Herz zu sehr an die Welt hängt, dem wird sie späte? im Magen liegen. Manche Menschen fühlen sich heute durch etwas beleidigt, was ihnm gestern noch geschmeichelt hätte. SchrecklicheDrohung. .Rekrut Lehmann, wenn Sie sich nun nicht bald zusammennehmen, laß ich Sie so lange 5eniebeuge machen, bis Dreyfuö für unschuldig erklärt toorfcq 2(111 Mi . . .... . . ... - - - m . t

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